Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Kurfürstentag zu Regensburg 1575
Einfache Suche
Schnittstellen Quellen Formalia
BEACON
METS
XSLT
eXist-DB
jQuery-Layout
Nominatim
OpenLayers
GND
Impressum
Kontakt

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Vorwort der Abteilungsleiterin

Vorwort der Abteilungsleiterin

Vorwort der Bandbearbeiterin

Vorwort der Bandbearbeiterin

Archivalien und Handschriften

Archivalien und Handschriften

Gedruckte Quellen

Gedruckte Quellen

Literatur

Literatur

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Einleitung

A) Proposition

B) Kurfürstenratsprotokoll

C) Akten zur Wahl

C) Akten zur Wahl

  • Vorbemerkung
  • Nr. 23 Vollmacht Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 19
  • Nr. 24 Instruktion Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 20
  • Nr. 25 Bericht über den Einzug des Kaisers und der Kurfürsten in Regensburg (1575 Oktober 3–7)
  • Nr. 26 Revers Kaiser Maximilians II. für die Kurfürsten wegen der Anwesenheit anderer Fürsten und Gesandtschaften während der Wahl, Regensburg 1575 Oktober 14
  • Nr. 27 Kaiser Maximilian II. an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 17
  • Nr. 28 Kurfürst August von Sachsen an Kaiser Maximilian II., Regensburg 1575 Oktober 18
  • Nr. 29 Erklärung Kaiser Maximilians II. zur Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 30 Bedenken Kurfürst Augusts von Sachsen zur Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 31 Bericht über die Verhandlungen des Kaisers mit den weltlichen Kurfürsten und Pfalzgraf Ludwig betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea (1575 Oktober 15–22)
  • Nr. 32 Einladung des Erzbischofs Daniel von Mainz an seine Mitkurfürsten (hier: an Kurfürst August von Sachsen) zur Wahl eines römischen Königs, Regensburg 1575 Oktober 22
  • Nr. 33 Proklamation König Rudolfs II. als erwählter römischer König, [Regensburg 1575 Oktober 27]
  • Nr. 34 Wahldekret für König Rudolf II., Regensburg 1575 Oktober 27
  • Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1
  • Nr. 36 Beschreibung von Wahl, Krönung und Bankett (1575 Oktober 27 und November 1)
  • Nr. 37 Bestätigung der Rechte und Privilegien der Kurfürsten (hier: des Kurfürsten August von Sachsen) durch König Rudolf II., Regensburg 1575 November 2
  • D) Religionsbeschwerden

    E) Akten zur Nebenhandlung

    E) Akten zur Nebenhandlung

  • Vorbemerkung
  • Nr. 44 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 45 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 46 Resolution Kaiser Maximilians II. zur Einberufung eines Reichstags, präs. 1575 Regensburg November 1
  • Nr. 47 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Polen, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 48 Instruktion der Kurfürsten für Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg zum Wahltag in Polen, Regensburg 1575 Oktober 28
  • Nr. 49 Rede der kurfürstlichen Gesandten Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg vor den polnischen Ständen, [beschlossen Regensburg 1575 Oktober 28]
  • Nr. 50 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 51 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 52 Supplikation der wendischen Städte an die Kurfürsten, präs. Regensburg 1575 Oktober 19
  • Nr. 53 Vortrag Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Moskau,[ präs. Regensburg 1575 Oktober 24]
  • Nr. 54 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Gesandtschaft nach Moskau, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 55 Bedenken der kurfürstlichen Räte zur Gesandtschaft nach Moskau, Regensburg 1575 November 3
  • Nr. 56 Resolution der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg zum geplanten Kriegszug des Pfalzgrafen Johann Casimir nach Frankreich, Regensburg 1575 Oktober 29
  • Nr. 57 Schreiben der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 30
  • Nr. 58 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zu Ernst von Mandesloe, Regensburg 1575 Oktober 31
  • F) Supplikationen

    Register

    Register

    Erweiterte Suche
    Text
    unscharf
    Zeitraum zwischen und
    Sortierung
    Erweiterte Suche
    Text
    unscharf
    Zeitraum zwischen und
    Sortierung

    « Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1 »

    Keine inhaltlichen Modifikationen gegenüber der Wahlkapitulation Kg. Maximilians II. vom 30.11.1562.

    Im KR am 15. und 18.10.1575 beraten1, am 22.10. gebilligt2 und Kg. Rudolf II. am 24.10. übergeben3. Von diesem am 25.10. gebilligt4 und am 1.11.1575 im Beisein der Kff. und Pfgf. Ludwigs beeidigt5. HStA Dresden, Ältere Urkunden, Nr. 11974 (unfol. Or. auf Pergament mit eigenhd. Unterschrift Kg. Rudolfs II., Vidit-Vermerk des Vizekanzlers Hegenmüller und Ad mandatum-Vermerk des ksl. Hofsekretärs Altenstaig; das kgl. rote Siegel in einer hölzernen Kapsel an einer schwarz-goldenen Schnur. Überschr.: Konig Rudolffen capitulation, dero ihre kgl. Mt. sich in der wahl, als dieselbe vonn den churfursten des Hailigen Reichs zu einem römischen konig erhöhet unnd gekrönet worden, gegen den churfursten verglichenn unnd verpflichtet. Actum Regensburg, den 1. Novembris anno 1575.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 486–498' (Konz. fol. 486–487, danach Kop. von anderer Hd.; mit der hier wiedergegebenen Artikelzählung, mit Randvermerk Nota bene zu den Artikeln 5, 8, 10, 17, 19, 21, 23–25, 30–33. Überschr.: Capitulation, obligation unnd pacta, darmit sich der erwolt romisch konig gegen den churfursten [...] 6.) = B. LHA Koblenz, Bestand 1A, Nr. 9705 (Or.). = C. HHStA Wien, AUR, 1575 November 1 (Or.). LAV NRW R, Kurköln Urkunden, Nr. 4724 (Or.). HStA München, Kurpfalz Urkunden, Nr. 112 (Or.). GStA PK Berlin, VII. HA Mark als Reichsstand, Nr. 183 (Or.). Druck: Goldast , Politica imperialia, 608–612 (lat. Übersetzung); Limnäus , Capitvlationes, 505–512; Carpzov , Commentarius, 382–386; Ziegler , Wahl-Capitulationes, 55–70; Lünig , Reichs-Archiv, [Bd. Š3,1:] Pars generalis, continuatio [1], [2. Teil], 1. Fortsetzung, 254–258; Dumont , Corps universel V/I, 247–2517; Schneidt , Geschichte, 569–583.

    Wir a -Rudolph der annder, von Gottes genaden erwelter römischer kunig, zu allen zeitten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaim, Dalmatien, Croatien und Sclavonien etc. khunig, ertzhertzog zu Österreich, hertzog zu Burgundi, zu Brabant, zu Steyr, zu Khärndten, zu Crain, zu Lutzemburg, zu Wirttemberg, ober- und nider Schlesien, furst zu Schwaben, marggrave des Hailligen Römischen Reichs zu Burgaw, zu Märhern, ober- unnd nider Laußnitz, gefurster grave zu Habspurg, zu Tyrol, zu Pfierdt, zu Khyburg unnd zu Görtz, lanndtgrave in Elsäß, herr auf der windischen marckh, zu Portenaw und zu Salins etc.–a, bekhennen offentlich mit disem brieff unnd thun khundt allermenigclich:

    Alß wir auß schickhung des allmechtigen in khurtzvergangnen tagen durch die ordenliche wahl der ehrwürdigen und hochgebornen b -Daniels zu Maintz, Jacoben zu Trier, Salentin, erwelten unnd bestettigten zu Cöln, ertzbischoven, Ludwigen, pfaltzgraven bey Rein, hertzogen in Bayrn unnd graven zu Spanhaim, alß volmechtigen gwalttragers seiner lieb vatters, pfaltzgraff Friderichs, Augusten, hertzogen zu Sachsen, lanndtgraven in Türingen unnd marggraven zu Meissen, unnd Hanß Georgen, marggraven zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der cassuben unnd wenden hertzogen, burggraven zu Nürmberg unnd fursten zu Rugen, des Hailligen Romischen Reichs durch Germanien, Gallien und des khunigreichs Arelat, auch Italien ertzcantzlern, ertztruchsässen, ertzmarschalckhen und ertzcamerern–b, unnsern lieben neven, öhaimen und churfursten, zu der ehr und wurde des romischen königclichen namens unnd gewalts erhoben, erhohet und gesetzt sein, der wir uns auch Gott zu lob, dem Hailligen Reich zu ehren unnd der christenhait und teutscher nation, auch gemaines nutzes willen beladen, das wir unns demnach aus freyem genedigem willen mit denselben, unnsern liebenc neven, öhaimen und churfursten, diser nachvolgender articul geding unnd pacts weiß verainigt, vertragen, die angenomen, bewilligt und zuegesagt haben, alles wissentlich und in crafft dits brieffs.

    [1] Zum ersten, das wir in zeit solcher unserer königclichen wurden, // ambts unnd regierung die christenhait unnd den stuel zu Rom, auch babstliche Heyligkait unnd die christliche kirchen alß derselbigen advocat in guettem befelch, schutz und schirm haben, darzu insonderhait in dem Hailligen Reich friden, recht unnd ainigkhait pflantzen, aufrichten und verfuegen sollen und wöllen, das die iren gepurlichen gang, dem armen alß dem reichen, gewinnen und Šhaben, auch gehalten und denselbigen ordnungen, auch freyhaitten und altem loblichem herkhommen nach gerichtet werden sollen. Gleichwol sovil disen auch den nachvolgenden articl gegenwertiger obligation anfahende „Das sollen und wollen wir mit ir, der churfursten etc.“ belangendt8, haben vorgemelte unsere liebe öhaim, die welltliche churfursten, sich außtruckhenlich gegen uns erclart, was daselbsten von dem stuel zu Rom, auch der bäbstlichen Heyligkait, fur meldung beschicht, das ire liebden darein nit willigend noch unns darmit verpunden haben wollen9.

    [2] Wir sollen und wöllen auch sonderlich die vorgemachte gulden bull, den friden in religion- und prophansachen, auch den landtfriden sambt der handthabung desselben, so auf jungst zu Augspurg im funffunndfunfftzigisten jar gehaltenem reichstag aufgericht, angenomen, verabschiedt unnd verpessert worden, stet unnd vest halten, handthaben unnd darwider niemandts beschweren oder durch anndere beschweren lassen, unnd die andere des Hailligen Reichs ordnungen und gesetz, sovil die dem obgemeltem angenommenen Reichs abschiedt, im funffundfunfftzigisten jar zu Augspurg aufgericht, nit zu wider, confirmiern, ernewern und, wo nott, diselbigen mit rath unser und des Reichs churfursten, fursten und anderer stende bessern, wie das zu yeder zeit des Reichs gelegenhait erfordern wurdet.

    [3] Und in allweg sollen und wollen wir die teutsche nation, das Haillig Romisch Reich und die churfursten alß die vordersten glider desselbigen, auch andere fursten, graven, herrn und stende bey iren hochaiten, wurden, rechten, gerechtigkaiten, macht unnd gewalt yedem nach seinem standt unnd wesen bleiben lassen one unnser und menigclichs intrag und verhinderung, und inen darzu ire regalia und obrigkhait, freyhaitten, privilegien, pfandtschafften und gerechtigkhaiten, auch gepreüch und guet gewonhaitten, so sy bißhero gehabt haben oder in ubebung [!] gewesen // sein, zu wasser unnd zu landt, in guetter bestendiger form one alle waigerung confirmieren unnd bestetten, sie auch dabey alß erwelter romischer konig handthaben, schutzen unnd schirmen, doch menigclichen an seinen rechten unschedlich.

    [4] Wir lassen auch zu, das die gedachten sechs churfursten ye zu zeitten nach vermoge der gulden bull unnd irer gelegenhait des Hailligen Reichs zu irer notturfft, auch so sy beschwerlich obligen haben, zusamen khommen mogen, dasselb zubedenckhen unnd zuberatschlagen, das wir auch nit verhindern noch irren unnd derohalben khain ungnade oder widerwillen gegen inen sambtlich noch sonnderlich schöpffen unnd entpfahen, sonder unns in dem unnd andern der gulden bull gemeß genedigclich unnd unverweißlich halten sollen und wollen.

    Š[5] Wir sollen unnd wöllen auch alle unzimbliche, hessige bundtnussen, verstrickhung unnd zusammenthuen der unnderthanen des adels unnd gemainen volcks, auch die entporung unnd aufruer unnd ungepurlich gewaldt, gegen den churfursten, fursten unnd anndern furgenomen unnd die hinfuro geschehen mochten, aufheben, abschaffen unnd mit irer, der churfursten, fursten unnd annderer stendt rath unnd hilff daran sein, das solches, wie sich gepurt unnd billich ist, in khunfftige zeit verpotten unnd furkhomen werde.

    [6] Wir sollen und wollen darzu fur unns selbst alß erwelter romischer khunig in des Reichs handeln, auch khain bundtnuß oder ainung mit frembden nationen noch sonst im Reich machen, wir haben dann zuvor die sechs churfursten deßhalben an gelegene malstatt zu zimblicher zeit erfordert unnd iren willen samentlich oder des mehrern thails aus inen in solchem erlangt.

    [7] Was auch die zeithero ainem yeden churfursten, fursten, herrn unnd anndern oder dero vorelltern oder vorfaren gaistlichs unnd welltlichs standts dergestallt one recht gewaltigclich genommen oder abgetrungen, sollen unnd wollen wir der billichait, wie sich in recht gepurt, wider zu dem seinen verhelffen, bey solchem auch, sovil er recht hat, handthaben, schutzen unnd schirmen one alle // verhinderung, aufhallt oder saumbnuß.

    [8] Zu dem unnd insonderhait sollen unnd wollen wir dem Hailligen Romischen Reich unnd desselben zugehorden nit allain one wissen, willen unnd zulassen gemelter churfursten sambtlich nichts hingeben, verschreiben, verpfenden, versetzen noch in annder wege vereussern oder beschweren, sonder auch unns aufs höchst bearbaiten unnd allen moglichen vleiß unnd ernst furwenden, das jhenig, so darvon khommen, alß verfallen furstenthumb, herrschafften unnd anndere, auch confisciert und unconfisciert merckhliche guetter, die zum thail in annderer frembder nation hende ungepurlicher weise gewachsen, zum furderlichisten wider darzu bringen, zu aignen, auch darbey bleiben lassen, unnd in disem mit rath, hilff unnd beystandt der sechs churfursten, der anndern fursten und stendt yederzeit an die hanndt nemmen, weß durch unns unnd sy fur ratsam, nutzlich unnd guet angesehen unnd verglichen sein wurdet, doch menigclichen an seinen gegebnen privilegien, recht unnd gerechtigkhaiten onschedlich.

    [9] Unnd ob wir selbst oder die unsern ichts, deß dem Hailligen Reich zustendig und nit verlihen noch mit ainem rechtmessigem titul bekhomen were oder wurde, innhetten, das sollen unnd wöllen wir bey unnsern schuldigen unnd gethanen pflichten demselben Reich one verzug auf ir, der churfursten, gesinnen wider zu hannden wenden, zustellen unnd volgen lassen.

    [10] Wir sollen unnd wollen unns darzu in zeit bemelter unnserer regierung fridtlich unnd nachpaurlich gegen den anstössern unnd christlichen gewäldten halten, khain gezenckh, vhedt noch krieg in- oder ausserhalb des Reichs von desselben wegen anfahen oder undernemen noch ainich frembdt kriegs volckh ins Reich fueren one vorwissen, rath unnd bewilligen des Reichs stennde, zum wenigisten der sechs churfursten. Wo wir aber von des Reichs wegen oder das ŠHaillig Reich angegriffen unnd bekriegt wurden, e -alßdann mogen wir unns dargegen aller hülff gebrauchen–e.\

    [11] Dergleichen sie, die churfursten unnd anndere desselben Reichs stennde, mit den // reichstagen, cantzleygelt, nachraisen, auflagen oder stewr onnotturfftigclich unnd one redliche dapfere ursachen nit beladen noch beschweren, auch in zuglaßnen notturfftigen fellen die stewr, auflage unnd reichstage one wissen unnd willen der sechs churfursten, wie obgemeldt darin erfordert, nit ansetzen noch außschreiben unnd sonnderlich khainen reichstag ausserhalb des Reichs teutscher nation furnemmen oder außschreiben.

    [12] Wir sollen unnd wollen auch unnser khunigclich unnd des Reichs empter am hoff unnd sonst am Reich auch mit khainer anndern nation dann gebornen teutschen, die nit nidern standts noch wesens, sonder nambhafftig redlich leut von fursten, graven, herrn vom adel unnd sonst dapffers guetts herkhomens hohen personen besetzen unnd versehen, die sonst niemandts alß unns unnd dem Hailligen Reich mit pflichten unnd diensten verwandt seyen, auch die obbenenten embter bey iren ehren, wurden, fällen, rechten unnd gerechtigkaiten bleiben unnd denselben nichts entziehen oder entziehen lassen in ainiche wege sonnder geverde.

    [13] Dartzue in schrifften unnd handlungen des Reichs khain anndere zungen noch sprach gebrauchen lassen, dann die teutsche oder latheinische zunge, es were dan an ortten, da gemainlich ain annder sprach in üebung were unnd gebrauch stuende, alßdann mogen wir unnd die unnsern unns derselbigen daselbst auch behelffen.

    [14] Auch die churfursten, fursten, prelaten, graven, herrn vom adel, auch andere stendt unnd underthanen des Reichs mit rechtlichen oder guttlichen taglaistungen ausserhalb teutscher nation unnd von iren ordenlichen richtern nit dringen, erfordern noch furbeschaiden, sonnder sy alle unnd yeden insonnderhait im Reich laut der gulden bulla, auch wie des Hailligen Reichs ordnung unnd anndere gesatz vermugen, bleiben lassen. [15] Unnd als uber und wider concordata principum, auchf auffgerichte vertrage zwischen der khirchen, babstlicher heyligkhait oder dem stuel zu Rom unnd teutscher nation mit unformblichen gratien, rescripten, annaten der stifft, so taglichs mit manigfaltigung // unnd erhöhung der offitien am romischen hof, auch reservation, dipensation unnd in andere weeg zu abbruch der stifft gaistlichait unnd annders wider gegeben freyhait, darzu zu nachtail iuris patronatus unnd den lehen herrn stättigs unnd onunderlassig offentlich gehandlet, derohalben auch unleidlich verbotten geselschafft unnd contract oder bundtnuß, als wir berichtet, furgenommen unnd aufgericht worden: Das sollen unnd wollen wir mit ir, der churfursten, fursten unnd anndere[r] stendt rath bey unnserm hailligen vatter, dem babst, unnd stuel zu Rom unnsers Šbesten vermogens abwenden unnd furkhomen, auch darob unnd daran sein, das die vermeldte concordata principum unnd uffgerichte vertrag, auch privilegia unnd freyhaiten gehalten, gehandthabt unnd denselben vesstigclich gelebt unnd nachkommen. Yedoch was beschwerung darin befunden unnd mißbräuch entstanden, das dieselbigen vermoge deßhalben gehabter handlung zu Augspurg der mindern zal im dreyssigisten jar gehaltenen Reichs tags abgeschafft unnd hinfurther dergleichen one verwilligung der churfursten nit zuegelassen werden.

    [16] Wir sollen unnd wöllen auch die grosse geselschafften der khauff gewerbsleut, so bißhero mit irem gelt regiert, ires willens gehandlet unnd mit tewerung vil ungeschickhlichaiten dem Reich, dessen inwohnern unnd unnderthanen merckhlich schaden, nachtail unnd beschwerung zugefuegt, infurn unnd noch taglichs thuen geberen, mit irer, der churfursten, unnd annderer stende rath, wie dem zubegegnen, hievor auch bedacht unnd furgenommen, aber nit volnstreckht worden, gar abthuen.

    [17] Wir sollen und wollen auch insonderhait, dieweilg teutsche nation unnd das Haillig Romisch Reich zu wasser unnd lanndt zum hochsten vor darmit beschwerdt, nun hinfuro khainen zoll von newem geben noch ainiche alte erhohen lassen one besondern rath, wissen, willen unnd zulassen der bemelten sechs churfursten, wie vor unnd offt gemeldt.

    [18] Und da yemandts // bey unns umb newe zolls begnadigung oder erhohung der alten unnd vorerlangten zollen suppliciern unnd anlangen wurde, so sollen unnd wollen wir ime ainiche vertröstung, promotoriales oder vorbittliche schreiben an die churfursten nit geben oder außgehn lassen.

    [19] Auf den fall auch ainer oder mehr, was standts und wesens der oder die weren, die ainichen newen zoll in iren furstenthumben, landtschafften, herrschafften unnd gebietten fur sich selbst ausserhalb unnser begnadigung unnd der sechs churfursten bewilligung angestellt oder aufgesetzt hetten oder khunfftigclich also anstellen oder aufsetzen wurden, den oder dieselben, sobaldt wir dessen fur unns selbst in erfarung khomen oder von anndern antzaig davon empfangen, sollen undh wollen wir durch mandata sine clausula unnd in alle anndere mogliche weeg darvon abhalten unnd gantz unnd zumal nit gestatten, das yemandt de facto unnd aigens furnemens newe zoll anstellen oder sich deren gebrauchen unnd innemen moge. [20] Unnd nachdem etliche zeit hero die churfursten am Rhein mit villen unnd grossen zollfreyungen uber ire freyhait unnd herkhomen offtermals durch furderungs brieff unnd in annder wege ersuecht unnd beschwerdt werdeni, das sollen unnd wollen wir alß untreglich abstellen, furkhommen unnd zumal nicht verhengen noch zuelassen, further mer zu ueben noch zugeschehen.

    [21] Unnd insonderhait so sollen und wollen wir, ob ainicher churfurst, furst oder anndere seiner regalien, freyhaitten, privilegien, recht unnd gerechtigkait Šhalber, das ime geschwecht, geschmelert, genommen, entzogen, bekhommert oder betrüebt worden, mit seinem gegenthail unnd widerwertigen zu gepurlichen rechten khomen oder furzufordern unnderstehn wolte oder auch anhengig gemacht hette, dasselb und auch alle anndere ordenliche schwebendt rechtferttigung nicht verhindern noch verbietten, sonnder den freyen strackhen lauff lassen.

    [22] Wir sollen unnd wollen auch die churfursten, fursten, prelaten, graven, herrn // unnd anndere stendt des Reichs selbst nit vergwaltigen, solches auch nit schaffen noch anndern zuthun verhengen, sonnder wo wir oder jemandt annders zu inen allen oder ainem insonderhait zusprechen hetten oder ainiche forderung furnemmen, dieselben sambt unnd sonder, aufruhr, zwitracht unnd annder unrath im Hailligen Reich zuverhuetten, auch frid unnd ainigkait zuerhalten, zu verhor unnd gepuerlichen rechten stellen unnd khomen lassen unnd mitnichten gestatten, in den oder anndern sachen, in was schein oder under was namen es geschehen mocht, darin sy ordenlich recht leiden mogen unnd des urpütig sein, mit raub, name, prandt, vheden, khrieg oder annderer gestalt zu beschedigen, anzugreiffen oder zu überfallen.

    [23] Wir sollen und wöllen auch furkhomen unnd khaines weegs gestatten, das nun hinfuro yemandts hoch oder nidern standts, churfurst, furst oder anndere, one ursach, auch unverhort in die acht und aberacht gethan, bracht oder erclert werde, sonder in solchem ordenlicher process unnd des Hailligen Romischen Reichs voraufgerichte satzung nach außweisung des Hailligen Reichs in bemeltem funffunndfunfftzigisten jar reformirter camergerichts ordnung in dem gehalten unnd volnzogen werden, doch dem beschedigten sein gegenwehr vermog des landtfridens on abbruchig.

    [24] Unnd nachdem dasselb Romisch Reich vast unnd hochlich im abnemmen unnd ringerung khomen, so sollen unnd wollen wir neben anndern die Reichs stewr der stett unnd annderer gefelle, so in sonderer personen hende gewachsen unnd verschriben, wider zum Reich ziehen unnd nit gestatten, das solches dem Reich unnd gemainem nutz wider recht unnd alle billichait entzogen werde, eß were dann, das solches mit rechmessiger bewilligung der sechs churfursten beschehen were.

    [25] Was auch lehen dem Reich unnd unns bey zeit unnserer regierung eröffnet unnd ledigclich haimbfallen werden, so etwas merckhlichs ertragen, alß furstenthumb, grafschafften, herrschafften, stett unnd dergleichen, die // sollen unnd wollen wir verner niemandts leihen, sonnder zu unnderhaltung des Reichs, unnser unnd unserer nachkhommen der khonig und kaiser behalten, einziehen unnd incorporiern biß so lang dasselb Reichs wider zu wesen unnd aufnemen khombt, doch unns von wegen unnserer erblandt unnd sonst menigclich an seinen rechten unnd freyhaitten unschedlich.

    [26] Auf den fal aber zu khunfftiger zeit furstenthumb, grafschafften, herrschafften und anndere güetter dem Hailligen Reich mit dienstperkhaiten, Reichs anlagen unnd stewern unnd sonst verpflicht, dessen jurisdiction Šunderwurffig und zugethan, nach absterben dero innhaber unns durch erbschafft haimbfallen oder aufwachsen unnd wir die zu unnsern handen behalten oder anndern zukhomen lassen wurden, darvon sollen dem Hailligen Reich seine recht, gerechtigkhaiten, anlagen, stewern unnd anndere schuldige pflicht wie darauf herbracht, gelaist, abgericht unnd erstattet werden.

    [27] Wo wir auch mit rath und hülff der churfursten und anderer stende des Reichs ichts gewonnen, uberkhommen oder zu handen bringen, das alles sollen unnd wollen wir dem Reich zuewenden unnd zuaignen. Wo wir aber in solchem one der churfursten, fursten unnd annderer stende wissen unnd willen ichts furnämen, darinn sollen sie unns zuhelffen unverpunden sein, unnd wir nichts destominder dasjhenig, so wir in solchem erobert oder gewonnen hetten oder wurden unnd dem Reich zustunde, dem Reich wider zustellen unnd aignen.

    [28] Unnd nachdem im Reich bißhero vil beschwerung unnd mengel der muntz halben gewesen unnd noch sein, wollen wir dieselben zum furderlichisten mit rath der churfursten, fursten unnd stende des Reichs zuvorkhommen unnd in bestendiglichj ordnung unnd wesen zustellen moglichen vleiß furwenden.

    [29] Wir sollen und wollen auch hinfuro one vorwissen der sechs churfursten niemandt, was standts oder wesens der seye, mit muntzfreyhaiten begaben oder begnadigen.

    [30] Und insonderhait // sollen unnd wollen wir unnsk khainer succession [o]der erbschafft des oftternenten Romischen Reichs anmassen, underwinden, noch in solcher gestalt unnderziehen oder darnach trachten, auf unns selbst, unnser erben und nachkhomen oder auf yemandt annders understehn zuwenden, sonnder wir, dergleichen unsere khinder, erben unnd nachkhomen die gemelten churfursten, ir nachkomen unnd erben zu yeglicher zeit bey irer freyen wahl, auch vicariat, wie von alter hero auf sy khommen, die gulden bull, babstlich recht unnd anndere gesetz oder freyhaiten vermogen, so es zu fellen khommen, die notturfft unnd gelegenhait erfordern wurde, auch bey irem gesonderten rath in sachen, das Haillig Reich belangen, geruewigclichen bleiben unnd gantz unbetrangt lassen. Wo aber dawider von jemandts gesucht, gethan oder die churfursten in dem getrungen wurden (das doch khaines weegs sein solle), das alles soll nichtig sein unnd darfur gehalten werden.

    [31] Wir sollen unnd wollen auch die romische khunigcliche cron, wie unns als erweltem romischen konig wol gezimbt, empfahen unnd annders, so sich deßhalb gepurt, thuen, auch unnser khunigclich residentz, anwesen unnd hofhaltung in dem Hailligen Romischen Reich teutscher nation allen glidern, stenden unnd underthanen desselben zu eeren, nutzen unnd guettern des mehrern thails sovil moglich haben unnd halten unnd nachvolgendts, so sich der fall erledigung des kaiserthumbs begebe (das der allmechtig lang miltigclich Šverhuetten wolle), unns alßdann unnd nit eher zum beßten befleissigen, die khaiserlich cron zu zimblicher gelegner zeit zum schiersten zuerlangen unnd alle unnd yede churfursten, ir ambt zuversehen, zu solcher crönung thun erfordern, unnd auch in dem allem dermassen ertzaigen unnd beweisen, das unnserthalben an allermoglichait khain mangl gespurt oder vermerckht werden soll.

    [32] Wir sollen unnd wollen auch unns khainer regierung noch administration // im Hailligen Romischen Reich weitter oder annders unnderziehen, dann sovil unns deß von ksl. Mt. vergont unnd zuegelassen wurdet, das wir auch irer ksl. Mt. die zeit ires lebens an irer hochait unnd würde des kaiserthumbs khain irrung oder eintrag thun sollen noch wollen.

    [33] Wir wollen auch in diser unnserer zuesage der gulden bulla, des Reichs ordnung, dem obangeregten friden in religion- und prophansachen, auch dem landtfriden sambt hanndthabung desselben unnd anndern gesatzen, yetzo gemacht oder khonfftigclich durch unns mit irer, der churfursten unnd fursten, auch annderer stendt des Reichs rath mochten aufgericht werden, zuwider khain rescript oder mandat oder ichts annders beschwerlichs außgehn lassen oder zugeschehen gestatten in ainiche weiß oder wege. Dergleichen auch fur unns selbst wider solche gulden bulla und des Reichs freyhait, den friden in religion- unnd prophan sachen und landtfriden sambt handthabung desselbigen von ainicher l -hohern obrigkhait nichts–l erlangen noch auch, ob unns etwas dergleichen aus aigner bewegnus gegeben were oder wurde, nit gebrauchen in khain weiß sonnder alle geverde.

    [34] Ob aber diser oder anndern vorgemelten articln unnd puncten ainichs zu wider erlangt oder außgehn wurde, das alles soll crafftloß, todt unnd absein, inmassen wir es auch yetzo alßdann und dann alß yetzo hiemit cassiern, tödten unnd abthuen unnd, wo nott, der beschwerdten parthey derohalb notturffig urkhundt oder briefflichen schein zugeben unnd widerfaren zulassen schuldig sein sollen, argelist unnd geverde hierin außgeschaiden.

    Solches alles und yedes besonder, wie obsteet, haben wir, obgemelter romischer khönig, den gedachten churfursten geredt, versprochen unnd bey unnsern khonigclichen ehren, wurden unnd wortten in namen der warhait zuegesagt, thuen dasselb auch hiemit unnd in crafft dits brieffs, inmassen wir dann des ainen leiblichen aydt zu Gott unnd dem hailligen evangelio geschworen, dasselb stet, vest und unver- // brochen zuhalten, dem trewlich nachzukhomen, darwider nit zusein, zu thun noch schaffen gethan werden in ainiche weiß oder wege, die möchten erdacht werden. Deß zu urkhundt haben wir diser brieff sechs in gleichem laut geferttigt und mit unnserm anhangenden insigl besiglt unnd yedem obgenantem churfursten ainen zuestellen lassen.

    Regensburg, 1.11.1575. Eigenhd. Unterschrift: Rudolf. Vidit-Vermerk: Hegenmüller. Ad mandatum-Vermerk: Altenstaig.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/kft1575/dok35/pages

    Die PDF-Anzeige ist eingebettet. Durch die Tastenkombination STRG+P bzw. das Öffnen der PDF-Datei in einem neuen Fenster (schwarzes "+"-Symbol oben rechts) können Sie das PDF Dokument ausdrucken.

    Anmerkungen

    1
    Kurbrandenburg, fol. 141–161 (Nr. 7 und Nr. 8).
    2
    Kurbrandenburg, fol. 161'–163 (Nr. 11).
    3
    Kurbrandenburg, fol. 170'–171' (Nr. 12).
    4
    Kurbrandenburg, fol. 172 (Nr. 13).
    5
    Vgl. Nr. 36.
    6
    Ein Wort unleserlich.
    7
    Unterschiede zwischen den verschiedenen Textausgaben referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 419–421.
    8
    Bezug auf Art. [15].
    9
    Der letzte Absatz dieses Art. von Gleichwol bis haben wurde 1562 in die Wahlkapitulation Kg. Maximilians II. aufgenommen und dort als eigenständiger Art. [2] gezählt ( Ziegler , Wahl-Capitulationes, 39).

    Anmerkungen

    a–a
     Rudolph ... etc.] In B Einfügung am Rand und korr. aus: N.
    b–b
     Daniels ... ertzcamerern] In B Einfügung am Rand und korr. aus: N. und N.
    c
     lieben] In B danach unterstrichen: freunden. C wie Textvorlage.
    d
     willigen] In B und C: bewilligen.
    e–e
     alßdann ... gebrauchen] In B unterstrichen.
    f
     auch] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: auf.
    g
     dieweil] In B danach nachträglich eingefügt: die. C wie Textvorlage.
    h
     und] Korr. nach B und C. Fehlt in der Textvorlage.
    i
     werden] In B: worden. C wie Textvorlage.
    j
     bestendiglich] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: bestendige.
    k
     unns] In B danach: auch. C wie Textvorlage.
    l–l
     hohern ... nichts] In B unterstrichen.

    Faksimiles der Druckseiten: Durch Verschieben der Spaltenteiler wird das Faksimile vergrößert. Durch einen Klick öffnet sich die seitenweise Blätterfunktion.

    Verweise auf Dokumente der Edition sowie weitere Ressourcen im Web.

    Registereinträge, die auf die Seite(n) dieses Dokuments verweisen.

    Erneute Fassung des Dokuments zum parallelen Lesen.

    « Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1 »

    Keine inhaltlichen Modifikationen gegenüber der Wahlkapitulation Kg. Maximilians II. vom 30.11.1562.

    Im KR am 15. und 18.10.1575 beraten1, am 22.10. gebilligt2 und Kg. Rudolf II. am 24.10. übergeben3. Von diesem am 25.10. gebilligt4 und am 1.11.1575 im Beisein der Kff. und Pfgf. Ludwigs beeidigt5. HStA Dresden, Ältere Urkunden, Nr. 11974 (unfol. Or. auf Pergament mit eigenhd. Unterschrift Kg. Rudolfs II., Vidit-Vermerk des Vizekanzlers Hegenmüller und Ad mandatum-Vermerk des ksl. Hofsekretärs Altenstaig; das kgl. rote Siegel in einer hölzernen Kapsel an einer schwarz-goldenen Schnur. Überschr.: Konig Rudolffen capitulation, dero ihre kgl. Mt. sich in der wahl, als dieselbe vonn den churfursten des Hailigen Reichs zu einem römischen konig erhöhet unnd gekrönet worden, gegen den churfursten verglichenn unnd verpflichtet. Actum Regensburg, den 1. Novembris anno 1575.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 486–498' (Konz. fol. 486–487, danach Kop. von anderer Hd.; mit der hier wiedergegebenen Artikelzählung, mit Randvermerk Nota bene zu den Artikeln 5, 8, 10, 17, 19, 21, 23–25, 30–33. Überschr.: Capitulation, obligation unnd pacta, darmit sich der erwolt romisch konig gegen den churfursten [...] 6.) = B. LHA Koblenz, Bestand 1A, Nr. 9705 (Or.). = C. HHStA Wien, AUR, 1575 November 1 (Or.). LAV NRW R, Kurköln Urkunden, Nr. 4724 (Or.). HStA München, Kurpfalz Urkunden, Nr. 112 (Or.). GStA PK Berlin, VII. HA Mark als Reichsstand, Nr. 183 (Or.). Druck: Goldast , Politica imperialia, 608–612 (lat. Übersetzung); Limnäus , Capitvlationes, 505–512; Carpzov , Commentarius, 382–386; Ziegler , Wahl-Capitulationes, 55–70; Lünig , Reichs-Archiv, [Bd. Š3,1:] Pars generalis, continuatio [1], [2. Teil], 1. Fortsetzung, 254–258; Dumont , Corps universel V/I, 247–2517; Schneidt , Geschichte, 569–583.

    Wir a -Rudolph der annder, von Gottes genaden erwelter römischer kunig, zu allen zeitten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaim, Dalmatien, Croatien und Sclavonien etc. khunig, ertzhertzog zu Österreich, hertzog zu Burgundi, zu Brabant, zu Steyr, zu Khärndten, zu Crain, zu Lutzemburg, zu Wirttemberg, ober- und nider Schlesien, furst zu Schwaben, marggrave des Hailligen Römischen Reichs zu Burgaw, zu Märhern, ober- unnd nider Laußnitz, gefurster grave zu Habspurg, zu Tyrol, zu Pfierdt, zu Khyburg unnd zu Görtz, lanndtgrave in Elsäß, herr auf der windischen marckh, zu Portenaw und zu Salins etc.–a, bekhennen offentlich mit disem brieff unnd thun khundt allermenigclich:

    Alß wir auß schickhung des allmechtigen in khurtzvergangnen tagen durch die ordenliche wahl der ehrwürdigen und hochgebornen b -Daniels zu Maintz, Jacoben zu Trier, Salentin, erwelten unnd bestettigten zu Cöln, ertzbischoven, Ludwigen, pfaltzgraven bey Rein, hertzogen in Bayrn unnd graven zu Spanhaim, alß volmechtigen gwalttragers seiner lieb vatters, pfaltzgraff Friderichs, Augusten, hertzogen zu Sachsen, lanndtgraven in Türingen unnd marggraven zu Meissen, unnd Hanß Georgen, marggraven zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der cassuben unnd wenden hertzogen, burggraven zu Nürmberg unnd fursten zu Rugen, des Hailligen Romischen Reichs durch Germanien, Gallien und des khunigreichs Arelat, auch Italien ertzcantzlern, ertztruchsässen, ertzmarschalckhen und ertzcamerern–b, unnsern lieben neven, öhaimen und churfursten, zu der ehr und wurde des romischen königclichen namens unnd gewalts erhoben, erhohet und gesetzt sein, der wir uns auch Gott zu lob, dem Hailligen Reich zu ehren unnd der christenhait und teutscher nation, auch gemaines nutzes willen beladen, das wir unns demnach aus freyem genedigem willen mit denselben, unnsern liebenc neven, öhaimen und churfursten, diser nachvolgender articul geding unnd pacts weiß verainigt, vertragen, die angenomen, bewilligt und zuegesagt haben, alles wissentlich und in crafft dits brieffs.

    [1] Zum ersten, das wir in zeit solcher unserer königclichen wurden, // ambts unnd regierung die christenhait unnd den stuel zu Rom, auch babstliche Heyligkait unnd die christliche kirchen alß derselbigen advocat in guettem befelch, schutz und schirm haben, darzu insonderhait in dem Hailligen Reich friden, recht unnd ainigkhait pflantzen, aufrichten und verfuegen sollen und wöllen, das die iren gepurlichen gang, dem armen alß dem reichen, gewinnen und Šhaben, auch gehalten und denselbigen ordnungen, auch freyhaitten und altem loblichem herkhommen nach gerichtet werden sollen. Gleichwol sovil disen auch den nachvolgenden articl gegenwertiger obligation anfahende „Das sollen und wollen wir mit ir, der churfursten etc.“ belangendt8, haben vorgemelte unsere liebe öhaim, die welltliche churfursten, sich außtruckhenlich gegen uns erclart, was daselbsten von dem stuel zu Rom, auch der bäbstlichen Heyligkait, fur meldung beschicht, das ire liebden darein nit willigend noch unns darmit verpunden haben wollen9.

    [2] Wir sollen und wöllen auch sonderlich die vorgemachte gulden bull, den friden in religion- und prophansachen, auch den landtfriden sambt der handthabung desselben, so auf jungst zu Augspurg im funffunndfunfftzigisten jar gehaltenem reichstag aufgericht, angenomen, verabschiedt unnd verpessert worden, stet unnd vest halten, handthaben unnd darwider niemandts beschweren oder durch anndere beschweren lassen, unnd die andere des Hailligen Reichs ordnungen und gesetz, sovil die dem obgemeltem angenommenen Reichs abschiedt, im funffundfunfftzigisten jar zu Augspurg aufgericht, nit zu wider, confirmiern, ernewern und, wo nott, diselbigen mit rath unser und des Reichs churfursten, fursten und anderer stende bessern, wie das zu yeder zeit des Reichs gelegenhait erfordern wurdet.

    [3] Und in allweg sollen und wollen wir die teutsche nation, das Haillig Romisch Reich und die churfursten alß die vordersten glider desselbigen, auch andere fursten, graven, herrn und stende bey iren hochaiten, wurden, rechten, gerechtigkaiten, macht unnd gewalt yedem nach seinem standt unnd wesen bleiben lassen one unnser und menigclichs intrag und verhinderung, und inen darzu ire regalia und obrigkhait, freyhaitten, privilegien, pfandtschafften und gerechtigkhaiten, auch gepreüch und guet gewonhaitten, so sy bißhero gehabt haben oder in ubebung [!] gewesen // sein, zu wasser unnd zu landt, in guetter bestendiger form one alle waigerung confirmieren unnd bestetten, sie auch dabey alß erwelter romischer konig handthaben, schutzen unnd schirmen, doch menigclichen an seinen rechten unschedlich.

    [4] Wir lassen auch zu, das die gedachten sechs churfursten ye zu zeitten nach vermoge der gulden bull unnd irer gelegenhait des Hailligen Reichs zu irer notturfft, auch so sy beschwerlich obligen haben, zusamen khommen mogen, dasselb zubedenckhen unnd zuberatschlagen, das wir auch nit verhindern noch irren unnd derohalben khain ungnade oder widerwillen gegen inen sambtlich noch sonnderlich schöpffen unnd entpfahen, sonder unns in dem unnd andern der gulden bull gemeß genedigclich unnd unverweißlich halten sollen und wollen.

    Š[5] Wir sollen unnd wöllen auch alle unzimbliche, hessige bundtnussen, verstrickhung unnd zusammenthuen der unnderthanen des adels unnd gemainen volcks, auch die entporung unnd aufruer unnd ungepurlich gewaldt, gegen den churfursten, fursten unnd anndern furgenomen unnd die hinfuro geschehen mochten, aufheben, abschaffen unnd mit irer, der churfursten, fursten unnd annderer stendt rath unnd hilff daran sein, das solches, wie sich gepurt unnd billich ist, in khunfftige zeit verpotten unnd furkhomen werde.

    [6] Wir sollen und wollen darzu fur unns selbst alß erwelter romischer khunig in des Reichs handeln, auch khain bundtnuß oder ainung mit frembden nationen noch sonst im Reich machen, wir haben dann zuvor die sechs churfursten deßhalben an gelegene malstatt zu zimblicher zeit erfordert unnd iren willen samentlich oder des mehrern thails aus inen in solchem erlangt.

    [7] Was auch die zeithero ainem yeden churfursten, fursten, herrn unnd anndern oder dero vorelltern oder vorfaren gaistlichs unnd welltlichs standts dergestallt one recht gewaltigclich genommen oder abgetrungen, sollen unnd wollen wir der billichait, wie sich in recht gepurt, wider zu dem seinen verhelffen, bey solchem auch, sovil er recht hat, handthaben, schutzen unnd schirmen one alle // verhinderung, aufhallt oder saumbnuß.

    [8] Zu dem unnd insonderhait sollen unnd wollen wir dem Hailligen Romischen Reich unnd desselben zugehorden nit allain one wissen, willen unnd zulassen gemelter churfursten sambtlich nichts hingeben, verschreiben, verpfenden, versetzen noch in annder wege vereussern oder beschweren, sonder auch unns aufs höchst bearbaiten unnd allen moglichen vleiß unnd ernst furwenden, das jhenig, so darvon khommen, alß verfallen furstenthumb, herrschafften unnd anndere, auch confisciert und unconfisciert merckhliche guetter, die zum thail in annderer frembder nation hende ungepurlicher weise gewachsen, zum furderlichisten wider darzu bringen, zu aignen, auch darbey bleiben lassen, unnd in disem mit rath, hilff unnd beystandt der sechs churfursten, der anndern fursten und stendt yederzeit an die hanndt nemmen, weß durch unns unnd sy fur ratsam, nutzlich unnd guet angesehen unnd verglichen sein wurdet, doch menigclichen an seinen gegebnen privilegien, recht unnd gerechtigkhaiten onschedlich.

    [9] Unnd ob wir selbst oder die unsern ichts, deß dem Hailligen Reich zustendig und nit verlihen noch mit ainem rechtmessigem titul bekhomen were oder wurde, innhetten, das sollen unnd wöllen wir bey unnsern schuldigen unnd gethanen pflichten demselben Reich one verzug auf ir, der churfursten, gesinnen wider zu hannden wenden, zustellen unnd volgen lassen.

    [10] Wir sollen unnd wollen unns darzu in zeit bemelter unnserer regierung fridtlich unnd nachpaurlich gegen den anstössern unnd christlichen gewäldten halten, khain gezenckh, vhedt noch krieg in- oder ausserhalb des Reichs von desselben wegen anfahen oder undernemen noch ainich frembdt kriegs volckh ins Reich fueren one vorwissen, rath unnd bewilligen des Reichs stennde, zum wenigisten der sechs churfursten. Wo wir aber von des Reichs wegen oder das ŠHaillig Reich angegriffen unnd bekriegt wurden, e -alßdann mogen wir unns dargegen aller hülff gebrauchen–e.\

    [11] Dergleichen sie, die churfursten unnd anndere desselben Reichs stennde, mit den // reichstagen, cantzleygelt, nachraisen, auflagen oder stewr onnotturfftigclich unnd one redliche dapfere ursachen nit beladen noch beschweren, auch in zuglaßnen notturfftigen fellen die stewr, auflage unnd reichstage one wissen unnd willen der sechs churfursten, wie obgemeldt darin erfordert, nit ansetzen noch außschreiben unnd sonnderlich khainen reichstag ausserhalb des Reichs teutscher nation furnemmen oder außschreiben.

    [12] Wir sollen unnd wollen auch unnser khunigclich unnd des Reichs empter am hoff unnd sonst am Reich auch mit khainer anndern nation dann gebornen teutschen, die nit nidern standts noch wesens, sonder nambhafftig redlich leut von fursten, graven, herrn vom adel unnd sonst dapffers guetts herkhomens hohen personen besetzen unnd versehen, die sonst niemandts alß unns unnd dem Hailligen Reich mit pflichten unnd diensten verwandt seyen, auch die obbenenten embter bey iren ehren, wurden, fällen, rechten unnd gerechtigkaiten bleiben unnd denselben nichts entziehen oder entziehen lassen in ainiche wege sonnder geverde.

    [13] Dartzue in schrifften unnd handlungen des Reichs khain anndere zungen noch sprach gebrauchen lassen, dann die teutsche oder latheinische zunge, es were dan an ortten, da gemainlich ain annder sprach in üebung were unnd gebrauch stuende, alßdann mogen wir unnd die unnsern unns derselbigen daselbst auch behelffen.

    [14] Auch die churfursten, fursten, prelaten, graven, herrn vom adel, auch andere stendt unnd underthanen des Reichs mit rechtlichen oder guttlichen taglaistungen ausserhalb teutscher nation unnd von iren ordenlichen richtern nit dringen, erfordern noch furbeschaiden, sonnder sy alle unnd yeden insonnderhait im Reich laut der gulden bulla, auch wie des Hailligen Reichs ordnung unnd anndere gesatz vermugen, bleiben lassen. [15] Unnd als uber und wider concordata principum, auchf auffgerichte vertrage zwischen der khirchen, babstlicher heyligkhait oder dem stuel zu Rom unnd teutscher nation mit unformblichen gratien, rescripten, annaten der stifft, so taglichs mit manigfaltigung // unnd erhöhung der offitien am romischen hof, auch reservation, dipensation unnd in andere weeg zu abbruch der stifft gaistlichait unnd annders wider gegeben freyhait, darzu zu nachtail iuris patronatus unnd den lehen herrn stättigs unnd onunderlassig offentlich gehandlet, derohalben auch unleidlich verbotten geselschafft unnd contract oder bundtnuß, als wir berichtet, furgenommen unnd aufgericht worden: Das sollen unnd wollen wir mit ir, der churfursten, fursten unnd anndere[r] stendt rath bey unnserm hailligen vatter, dem babst, unnd stuel zu Rom unnsers Šbesten vermogens abwenden unnd furkhomen, auch darob unnd daran sein, das die vermeldte concordata principum unnd uffgerichte vertrag, auch privilegia unnd freyhaiten gehalten, gehandthabt unnd denselben vesstigclich gelebt unnd nachkommen. Yedoch was beschwerung darin befunden unnd mißbräuch entstanden, das dieselbigen vermoge deßhalben gehabter handlung zu Augspurg der mindern zal im dreyssigisten jar gehaltenen Reichs tags abgeschafft unnd hinfurther dergleichen one verwilligung der churfursten nit zuegelassen werden.

    [16] Wir sollen unnd wöllen auch die grosse geselschafften der khauff gewerbsleut, so bißhero mit irem gelt regiert, ires willens gehandlet unnd mit tewerung vil ungeschickhlichaiten dem Reich, dessen inwohnern unnd unnderthanen merckhlich schaden, nachtail unnd beschwerung zugefuegt, infurn unnd noch taglichs thuen geberen, mit irer, der churfursten, unnd annderer stende rath, wie dem zubegegnen, hievor auch bedacht unnd furgenommen, aber nit volnstreckht worden, gar abthuen.

    [17] Wir sollen und wollen auch insonderhait, dieweilg teutsche nation unnd das Haillig Romisch Reich zu wasser unnd lanndt zum hochsten vor darmit beschwerdt, nun hinfuro khainen zoll von newem geben noch ainiche alte erhohen lassen one besondern rath, wissen, willen unnd zulassen der bemelten sechs churfursten, wie vor unnd offt gemeldt.

    [18] Und da yemandts // bey unns umb newe zolls begnadigung oder erhohung der alten unnd vorerlangten zollen suppliciern unnd anlangen wurde, so sollen unnd wollen wir ime ainiche vertröstung, promotoriales oder vorbittliche schreiben an die churfursten nit geben oder außgehn lassen.

    [19] Auf den fall auch ainer oder mehr, was standts und wesens der oder die weren, die ainichen newen zoll in iren furstenthumben, landtschafften, herrschafften unnd gebietten fur sich selbst ausserhalb unnser begnadigung unnd der sechs churfursten bewilligung angestellt oder aufgesetzt hetten oder khunfftigclich also anstellen oder aufsetzen wurden, den oder dieselben, sobaldt wir dessen fur unns selbst in erfarung khomen oder von anndern antzaig davon empfangen, sollen undh wollen wir durch mandata sine clausula unnd in alle anndere mogliche weeg darvon abhalten unnd gantz unnd zumal nit gestatten, das yemandt de facto unnd aigens furnemens newe zoll anstellen oder sich deren gebrauchen unnd innemen moge. [20] Unnd nachdem etliche zeit hero die churfursten am Rhein mit villen unnd grossen zollfreyungen uber ire freyhait unnd herkhomen offtermals durch furderungs brieff unnd in annder wege ersuecht unnd beschwerdt werdeni, das sollen unnd wollen wir alß untreglich abstellen, furkhommen unnd zumal nicht verhengen noch zuelassen, further mer zu ueben noch zugeschehen.

    [21] Unnd insonderhait so sollen und wollen wir, ob ainicher churfurst, furst oder anndere seiner regalien, freyhaitten, privilegien, recht unnd gerechtigkait Šhalber, das ime geschwecht, geschmelert, genommen, entzogen, bekhommert oder betrüebt worden, mit seinem gegenthail unnd widerwertigen zu gepurlichen rechten khomen oder furzufordern unnderstehn wolte oder auch anhengig gemacht hette, dasselb und auch alle anndere ordenliche schwebendt rechtferttigung nicht verhindern noch verbietten, sonnder den freyen strackhen lauff lassen.

    [22] Wir sollen unnd wollen auch die churfursten, fursten, prelaten, graven, herrn // unnd anndere stendt des Reichs selbst nit vergwaltigen, solches auch nit schaffen noch anndern zuthun verhengen, sonnder wo wir oder jemandt annders zu inen allen oder ainem insonderhait zusprechen hetten oder ainiche forderung furnemmen, dieselben sambt unnd sonder, aufruhr, zwitracht unnd annder unrath im Hailligen Reich zuverhuetten, auch frid unnd ainigkait zuerhalten, zu verhor unnd gepuerlichen rechten stellen unnd khomen lassen unnd mitnichten gestatten, in den oder anndern sachen, in was schein oder under was namen es geschehen mocht, darin sy ordenlich recht leiden mogen unnd des urpütig sein, mit raub, name, prandt, vheden, khrieg oder annderer gestalt zu beschedigen, anzugreiffen oder zu überfallen.

    [23] Wir sollen und wöllen auch furkhomen unnd khaines weegs gestatten, das nun hinfuro yemandts hoch oder nidern standts, churfurst, furst oder anndere, one ursach, auch unverhort in die acht und aberacht gethan, bracht oder erclert werde, sonder in solchem ordenlicher process unnd des Hailligen Romischen Reichs voraufgerichte satzung nach außweisung des Hailligen Reichs in bemeltem funffunndfunfftzigisten jar reformirter camergerichts ordnung in dem gehalten unnd volnzogen werden, doch dem beschedigten sein gegenwehr vermog des landtfridens on abbruchig.

    [24] Unnd nachdem dasselb Romisch Reich vast unnd hochlich im abnemmen unnd ringerung khomen, so sollen unnd wollen wir neben anndern die Reichs stewr der stett unnd annderer gefelle, so in sonderer personen hende gewachsen unnd verschriben, wider zum Reich ziehen unnd nit gestatten, das solches dem Reich unnd gemainem nutz wider recht unnd alle billichait entzogen werde, eß were dann, das solches mit rechmessiger bewilligung der sechs churfursten beschehen were.

    [25] Was auch lehen dem Reich unnd unns bey zeit unnserer regierung eröffnet unnd ledigclich haimbfallen werden, so etwas merckhlichs ertragen, alß furstenthumb, grafschafften, herrschafften, stett unnd dergleichen, die // sollen unnd wollen wir verner niemandts leihen, sonnder zu unnderhaltung des Reichs, unnser unnd unserer nachkhommen der khonig und kaiser behalten, einziehen unnd incorporiern biß so lang dasselb Reichs wider zu wesen unnd aufnemen khombt, doch unns von wegen unnserer erblandt unnd sonst menigclich an seinen rechten unnd freyhaitten unschedlich.

    [26] Auf den fal aber zu khunfftiger zeit furstenthumb, grafschafften, herrschafften und anndere güetter dem Hailligen Reich mit dienstperkhaiten, Reichs anlagen unnd stewern unnd sonst verpflicht, dessen jurisdiction Šunderwurffig und zugethan, nach absterben dero innhaber unns durch erbschafft haimbfallen oder aufwachsen unnd wir die zu unnsern handen behalten oder anndern zukhomen lassen wurden, darvon sollen dem Hailligen Reich seine recht, gerechtigkhaiten, anlagen, stewern unnd anndere schuldige pflicht wie darauf herbracht, gelaist, abgericht unnd erstattet werden.

    [27] Wo wir auch mit rath und hülff der churfursten und anderer stende des Reichs ichts gewonnen, uberkhommen oder zu handen bringen, das alles sollen unnd wollen wir dem Reich zuewenden unnd zuaignen. Wo wir aber in solchem one der churfursten, fursten unnd annderer stende wissen unnd willen ichts furnämen, darinn sollen sie unns zuhelffen unverpunden sein, unnd wir nichts destominder dasjhenig, so wir in solchem erobert oder gewonnen hetten oder wurden unnd dem Reich zustunde, dem Reich wider zustellen unnd aignen.

    [28] Unnd nachdem im Reich bißhero vil beschwerung unnd mengel der muntz halben gewesen unnd noch sein, wollen wir dieselben zum furderlichisten mit rath der churfursten, fursten unnd stende des Reichs zuvorkhommen unnd in bestendiglichj ordnung unnd wesen zustellen moglichen vleiß furwenden.

    [29] Wir sollen und wollen auch hinfuro one vorwissen der sechs churfursten niemandt, was standts oder wesens der seye, mit muntzfreyhaiten begaben oder begnadigen.

    [30] Und insonderhait // sollen unnd wollen wir unnsk khainer succession [o]der erbschafft des oftternenten Romischen Reichs anmassen, underwinden, noch in solcher gestalt unnderziehen oder darnach trachten, auf unns selbst, unnser erben und nachkhomen oder auf yemandt annders understehn zuwenden, sonnder wir, dergleichen unsere khinder, erben unnd nachkhomen die gemelten churfursten, ir nachkomen unnd erben zu yeglicher zeit bey irer freyen wahl, auch vicariat, wie von alter hero auf sy khommen, die gulden bull, babstlich recht unnd anndere gesetz oder freyhaiten vermogen, so es zu fellen khommen, die notturfft unnd gelegenhait erfordern wurde, auch bey irem gesonderten rath in sachen, das Haillig Reich belangen, geruewigclichen bleiben unnd gantz unbetrangt lassen. Wo aber dawider von jemandts gesucht, gethan oder die churfursten in dem getrungen wurden (das doch khaines weegs sein solle), das alles soll nichtig sein unnd darfur gehalten werden.

    [31] Wir sollen unnd wollen auch die romische khunigcliche cron, wie unns als erweltem romischen konig wol gezimbt, empfahen unnd annders, so sich deßhalb gepurt, thuen, auch unnser khunigclich residentz, anwesen unnd hofhaltung in dem Hailligen Romischen Reich teutscher nation allen glidern, stenden unnd underthanen desselben zu eeren, nutzen unnd guettern des mehrern thails sovil moglich haben unnd halten unnd nachvolgendts, so sich der fall erledigung des kaiserthumbs begebe (das der allmechtig lang miltigclich Šverhuetten wolle), unns alßdann unnd nit eher zum beßten befleissigen, die khaiserlich cron zu zimblicher gelegner zeit zum schiersten zuerlangen unnd alle unnd yede churfursten, ir ambt zuversehen, zu solcher crönung thun erfordern, unnd auch in dem allem dermassen ertzaigen unnd beweisen, das unnserthalben an allermoglichait khain mangl gespurt oder vermerckht werden soll.

    [32] Wir sollen unnd wollen auch unns khainer regierung noch administration // im Hailligen Romischen Reich weitter oder annders unnderziehen, dann sovil unns deß von ksl. Mt. vergont unnd zuegelassen wurdet, das wir auch irer ksl. Mt. die zeit ires lebens an irer hochait unnd würde des kaiserthumbs khain irrung oder eintrag thun sollen noch wollen.

    [33] Wir wollen auch in diser unnserer zuesage der gulden bulla, des Reichs ordnung, dem obangeregten friden in religion- und prophansachen, auch dem landtfriden sambt hanndthabung desselben unnd anndern gesatzen, yetzo gemacht oder khonfftigclich durch unns mit irer, der churfursten unnd fursten, auch annderer stendt des Reichs rath mochten aufgericht werden, zuwider khain rescript oder mandat oder ichts annders beschwerlichs außgehn lassen oder zugeschehen gestatten in ainiche weiß oder wege. Dergleichen auch fur unns selbst wider solche gulden bulla und des Reichs freyhait, den friden in religion- unnd prophan sachen und landtfriden sambt handthabung desselbigen von ainicher l -hohern obrigkhait nichts–l erlangen noch auch, ob unns etwas dergleichen aus aigner bewegnus gegeben were oder wurde, nit gebrauchen in khain weiß sonnder alle geverde.

    [34] Ob aber diser oder anndern vorgemelten articln unnd puncten ainichs zu wider erlangt oder außgehn wurde, das alles soll crafftloß, todt unnd absein, inmassen wir es auch yetzo alßdann und dann alß yetzo hiemit cassiern, tödten unnd abthuen unnd, wo nott, der beschwerdten parthey derohalb notturffig urkhundt oder briefflichen schein zugeben unnd widerfaren zulassen schuldig sein sollen, argelist unnd geverde hierin außgeschaiden.

    Solches alles und yedes besonder, wie obsteet, haben wir, obgemelter romischer khönig, den gedachten churfursten geredt, versprochen unnd bey unnsern khonigclichen ehren, wurden unnd wortten in namen der warhait zuegesagt, thuen dasselb auch hiemit unnd in crafft dits brieffs, inmassen wir dann des ainen leiblichen aydt zu Gott unnd dem hailligen evangelio geschworen, dasselb stet, vest und unver- // brochen zuhalten, dem trewlich nachzukhomen, darwider nit zusein, zu thun noch schaffen gethan werden in ainiche weiß oder wege, die möchten erdacht werden. Deß zu urkhundt haben wir diser brieff sechs in gleichem laut geferttigt und mit unnserm anhangenden insigl besiglt unnd yedem obgenantem churfursten ainen zuestellen lassen.

    Regensburg, 1.11.1575. Eigenhd. Unterschrift: Rudolf. Vidit-Vermerk: Hegenmüller. Ad mandatum-Vermerk: Altenstaig.