Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Kurfürstentag zu Regensburg 1575
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort der Abteilungsleiterin

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Vorwort der Bandbearbeiterin

Vorwort der Bandbearbeiterin

Archivalien und Handschriften

Archivalien und Handschriften

Gedruckte Quellen

Gedruckte Quellen

Literatur

Literatur

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Einleitung

A) Proposition

B) Kurfürstenratsprotokoll

C) Akten zur Wahl

C) Akten zur Wahl

  • Vorbemerkung
  • Nr. 23 Vollmacht Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 19
  • Nr. 24 Instruktion Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 20
  • Nr. 25 Bericht über den Einzug des Kaisers und der Kurfürsten in Regensburg (1575 Oktober 3–7)
  • Nr. 26 Revers Kaiser Maximilians II. für die Kurfürsten wegen der Anwesenheit anderer Fürsten und Gesandtschaften während der Wahl, Regensburg 1575 Oktober 14
  • Nr. 27 Kaiser Maximilian II. an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 17
  • Nr. 28 Kurfürst August von Sachsen an Kaiser Maximilian II., Regensburg 1575 Oktober 18
  • Nr. 29 Erklärung Kaiser Maximilians II. zur Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 30 Bedenken Kurfürst Augusts von Sachsen zur Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 31 Bericht über die Verhandlungen des Kaisers mit den weltlichen Kurfürsten und Pfalzgraf Ludwig betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea (1575 Oktober 15–22)
  • Nr. 32 Einladung des Erzbischofs Daniel von Mainz an seine Mitkurfürsten (hier: an Kurfürst August von Sachsen) zur Wahl eines römischen Königs, Regensburg 1575 Oktober 22
  • Nr. 33 Proklamation König Rudolfs II. als erwählter römischer König, [Regensburg 1575 Oktober 27]
  • Nr. 34 Wahldekret für König Rudolf II., Regensburg 1575 Oktober 27
  • Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1
  • Nr. 36 Beschreibung von Wahl, Krönung und Bankett (1575 Oktober 27 und November 1)
  • Nr. 37 Bestätigung der Rechte und Privilegien der Kurfürsten (hier: des Kurfürsten August von Sachsen) durch König Rudolf II., Regensburg 1575 November 2
  • D) Religionsbeschwerden

    E) Akten zur Nebenhandlung

    E) Akten zur Nebenhandlung

  • Vorbemerkung
  • Nr. 44 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 45 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 46 Resolution Kaiser Maximilians II. zur Einberufung eines Reichstags, präs. 1575 Regensburg November 1
  • Nr. 47 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Polen, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 48 Instruktion der Kurfürsten für Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg zum Wahltag in Polen, Regensburg 1575 Oktober 28
  • Nr. 49 Rede der kurfürstlichen Gesandten Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg vor den polnischen Ständen, [beschlossen Regensburg 1575 Oktober 28]
  • Nr. 50 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 51 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 52 Supplikation der wendischen Städte an die Kurfürsten, präs. Regensburg 1575 Oktober 19
  • Nr. 53 Vortrag Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Moskau,[ präs. Regensburg 1575 Oktober 24]
  • Nr. 54 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Gesandtschaft nach Moskau, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 55 Bedenken der kurfürstlichen Räte zur Gesandtschaft nach Moskau, Regensburg 1575 November 3
  • Nr. 56 Resolution der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg zum geplanten Kriegszug des Pfalzgrafen Johann Casimir nach Frankreich, Regensburg 1575 Oktober 29
  • Nr. 57 Schreiben der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 30
  • Nr. 58 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zu Ernst von Mandesloe, Regensburg 1575 Oktober 31
  • F) Supplikationen

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    « ŠC) Akten zur Wahl  »

    Vorbemerkung

    Als Akten zur Wahl werden in diesem Abschnitt die Dokumente zur Haupthandlung des Regensburger Kurfürstentags ediert. Aufgenommen wurden Aktenstücke, die die Wahl und Krönung Kg. Rudolfs II. von der Ankunft der Teilnehmer in Regensburg bis zur Bestätigung der kfl. Freiheiten durch Kg. Rudolf II. dokumentieren. Um dabei auch zeremonielle Aspekte des Geschehens zu beleuchten, wurden ein Bericht über den Einzug des Ks. und der Kff. in Regensburg sowie eine aus den Krönungsakten der Stadt Nürnberg stammende Beschreibung vom Ablauf des Wahltags und des Krönungstags in die Dokumentation aufgenommen. Die Akten werden ungekürzt im Wortlaut wiedergegeben und dem Verlauf des Wahltags entsprechend chronologisch sortiert.

    Als Textvorlagen dienen vereinzelt Originale aus dem HHStA Wien, überwiegend aber Originale und Abschriften aus der kfl. Überlieferung. Für die Kollationierung werden ebenfalls meist Abschriften kfl. Provenienz herangezogen. Falls Konzepte aus der ksl. oder der Kurmainzer Kanzlei vorliegen, werden sie berücksichtigt.

    « Nr. 23 Vollmacht Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 19 »

    Einladung Kf. Friedrichs III. zum Kurfürstentag durch Kf. Daniel von Mainz; Vertagung und Verlegung der Versammlung nach Regensburg. Persönliches Erscheinen des Kf. aus gesundheitlichen Gründen unmöglich. Kf. Friedrich ermächtigt daher seinen Sohn Pfgf. Ludwig und die sechs genannten Räte, an seiner Stelle zum Kurfürstentag zu reisen, ihn dort zu vertreten und in seinem Namen gemäß der ihnen übergebenen Instruktion zu handeln.

    Am 10.10.1575 im KR verlesen und angenommen1.

    HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 439 (Or. Aufschr.: Gewaldt des churfursten pfalzgrafen zu ne[g]sten kfl. tag uff irer kfl. Gn. sone hertzog Ludwig und andere hierinn [?] benente [?] gestelt; präs. Regensburg 1575, per principium.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 263–265' (Kop. Aufschr.: Die pfältzische volmacht.) = [B]. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8, fol. 70–72' (Kop. Dorsv.: Pfaltzgreffischer gwalt.) = [C].

    Eine zweite, die Wahl betreffende Vollmacht Kf. Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, (zurück)datiert Heidelberg, 10.10.1575 (HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 461. Or. Aufschr.: Pfaltzgraf Friderichs churfursten gewalt zur waal eines Šrömischen konigs, ubergeben in die meintzische canntzlei zu Regenspurg, den 22. Octobris anno 1575. Ebd., MEA, WuKA 25, fol. 546–547. Kop.), wurde von Pfgf. Ludwig bei seinem Vater angefordert2 und am 22.10.1575 der Mainzer Kanzlei übergeben3

    Wir Friderich, von Gottes gnaden pfalzgrave bey Rhein, deß Heiligen Rhömischen Reichs ertztruchsäß unnd churfurst, herzogk in Bayern etc., bekhennen und thun kundt offenbar mit disem brief:

    Als der ehrwürdige herr Daniel, ertzbischof zu Meintz und churfurst etc., unnser besonnder lieber freundt unnd bruder, als des Heiligen Rhömischen Reichs durch Germanien ertzcantzler, unns vormög und nach außwe[i]sung unnserer der churfürsten einigung4 (fürnemlich allerhandt werbungen etc., so die rhömisch kaiserlich Majestat etc., unnser aller gnedigster herr, künfftiger administration deß Heiligen Rhömischen Reichs halben unnd was ferner notwendiglich zu tractirn unnd zuhandlen fürgebracht werden möcht, bey unns unnd andern unnsern mitchurfursten allergnedigst thun lassen) unnd also inn crafft seiner L. obligennden ampts uf den neünunndzwenzigsten verschinen monats Julii zu Franckfurth am Main inn eigner person, wie sich nach wichtigkeitt der sachen gebürt, einzukhommen, unnd unns nichts dann Gottes gewaldt daran verhindern zulassen, freündtlich unnd brüderlich inn schrifften erfordert (wie dann höchstgedachte rhömisch keyserliche Majestat gleichsfals uf solcher versamblung aigner person zuerscheinen gedecht), volgende täg inn gemeiner churfursten versamblung collegialiter zuerwegen unnd zuberhatschlagen, was innsonderheitt angeregts artickels der khünftigen administration des Heiligen Reichs neben andern unnsers geliebten vatterlands obligen, so inn berhatschlagung gezogen werden möchten, zu wolfart desselben und befürderung gemeiner sicherheitt fürgenommen werden unnd zuthun sein soll etc., ferrers innhalts ermelts ausschreibens deß datum steet Aschaffenburg, den fünffzehenndten Aprilis dises lauffenden fünf und siebennzigsten jars; unnd dann aus höchstgedachter keiserlichen Majestat fürgefallenen sachen, geschefften unnd ursachen solcher tag biß uf den sechsunndzwenzigsten diß monats Septembris unnd naher Regenspurg gelegt unnd vorschoben worden, innhalts ermelts churfursten zu Meintzs anndern, den vierundzweinzigsten Junii negst datirten schreibens Šetc., wir auch von irer keiserlichen Majestat ebensfals inn der person daselbst zu Regenspurg zuerscheinen ersucht worden5.  Nhun wissen wir uns unnserer, der churfursten, hiebevor ufgerichter, verneuerter unnd hochbetheurter vereinigung unnd verbrüderung gantz wol zuerinnern, weren auch gantz willig unnd erkhennen uns schuldig, alda zu Regenspurg uf beschehen erfordern personlich anzukommen unnd alles das zuthun, das deß Heiligen Reichs nutz, ehr und wolfart erfordern thut. Nachdem wir aber diser zeitt unnsers leibs ungelegenheit unnd schwachheit halben daran würcklich verhindert werden unnd dann inn obbemelter unnser, der churfursten, einung fürsehen, wo einer oder mher der churfursten ehehafft der sachen wegen an personlicher erscheinnung verhindert, dasselbig uf seine rechte warheit mit offen briefen betheurn unnd darauf etliche seiner stattlichen und ansehenlichen reth mit volmacht und gewalt zu solchem tag schickhen soll6, unnd wir, obgedachter pfaltzgraf Friderich, churfurst etc., hiemit und inn crafft diß offenen, versigelten unnd mit eigner handt underzeichneten briefs uf unser rechte wahrheit, daß wir mit unnserm selbst leib nit kommen können, betheurn thun, also haben wir den hochgebornen fürsten, unnsern freundlichen lieben son, gevattern und unsers fürstenthumbs der Obern Pfaltz inn Baiern statthaltern, herrn Ludwigen, pfaltzgrafen bei Rhein, herzogen inn Beyern etc., unnd dann die wolgebornen, hochgelerten, ersamen, unnseren großhofmeister, cantzler zu Heidelberg, vicecantzlern zu Amberg, fauth zu Germerßheim, rhete unnd liebe getrewen Ludwigen von Sain, grafen zu Witgenstein, herrn zu Homburg etc., Christoffen Eheim, Martin Ostermünchern, bede der rechten doctores, unnd Christoffen von Götfart, Wolffen Hallern unnd Ludwigen Culmann, auch der rechten doctorn, sambt unnd sonder uf disen jetzigen tag nach Regenspurgk abgefertigt; geben inen auch sambtlich unnd sonderlich macht und gewaldt, hiemit unnd inn crafft diß briefs inn der aller besten maß und form als wir am krefftigsten thun sollen und mögen, cum clausula quod non sit melior conditio unius quam alterius et quod per unum eorum inceptum, per alium finiri valeat, für der rhömischen keiserlichen Majestat etc., unnserm allergnedigsten herrn, auch den erwürdigen unnd hochgebornen fürsten, unsern besondern lieben freunden, freündlichen lieben vettern, oheim, schweher, schwagern unnd brudern, deß Heiligen Römischen Reichs churfursten, zuerscheinen, unsern plaz, session und stim einzunemmen und zuverdretten, wz fürgetragen anzuhörn und sonderlich der künfftigen administration halb und wz sonsten zu deß Heiligen Reichs aufnemmen und wolfart dienlich, sich innhalt einer sonndern instruction7, die wir inen zugestelt, unnsertwegen vernemmen lassen, handlen, vorgleichen und schliessen, auch inn disen und andern fürfallenden sachen einen oder mher an ire statt zusezen und [zu] widerruffen, alles und jedes zuthun, dz inn und bei Šsolchen sachen zuvolbringen notturfftig und nutzlich sein wirdt; ob es auch besondern gewalts8 erheischen würde, auch ettwas grössers oder mherers, sonderlich das wir selbst thun möchten, so wir inn solcher handlung entgegen und personlich darbei weren etc., hiemit vestiglich versprechend, wz durch unnsern obgemelten son und rethe, auch ir nachgesetzte gewaldthabere sambtlich oder sonderlich inn oder bei obberurten sachen gehandlet, gethan, gewilligt und geschlossen, solches alles zu ewigen zeitten, sthet, vest unnd genem zuhaben unnd zuhalten. Deß zu wahrer urkhundt haben wir unnser innsigl an disen gewaltsbrief thun hangen unnd mit aigner hanndt underschriben.

    Heidelberg, 19.9.1575. Eigenhd. Unterschrift: Kf. Pfgf. Friedrich.

    « Nr. 24 Instruktion Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 20 »

    Entschuldigung beim Ks. und den Kff., dass Kf. Friedrich III. von den Pfalz nicht persönlich anwesend ist und Vertreter nach Regensburg entsandt hat. Bedauern, dass er an der zur Erhaltung von Frieden und Einigkeit im Reich einberufenen Versammlung nicht teilnehmen kann. Religionskonflikte sind Hauptursache für die Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb des Reichs; Erhaltung des Friedens daher nur durch die Etablierung eines allgemeinen Religionsfriedens und durch die Freistellung der Religion möglich. Zu erwartende positive Effekte für das Reich und seinen Kampf gegen die Türken, falls der Religionsfrieden in den Nachbarländern eingeführt wird. Beilegung konfessioneller Konflikte innerhalb des Reichs, wenn Ks. und Kff. die Freistellung der Religion in der Wahlkapitulation bestätigen; dadurch zu erzielende Vorteile für Ks. Maximilian II.

    Anweisung an die pfälzischen Gesandten, Kf. Friedrich über die Antwort des Ks. Bericht zu erstatten. Vor Beginn der Beratungen im KR erneute Entschuldigung der Abwesenheit Kf. Friedrichs und Verweis auf die erteilte Vollmacht. Reihenfolge der Beratungspunkte: Falls möglich, zunächst Beratungen über den Erhalt von Frieden und Einigkeit im Reich und über die Abwehr der Bedrohungen von außen, daran anschließend Behandlung der Nachfolge im Reich; Argumente für die Vorteile dieser Reihenfolge. Für die Bewahrung des inneren Friedens im Reich sind die Einhaltung und Ergänzung der Reichsgesetze und -ordnungen sowie die Abschaffung der im Konzil von Trient geforderten Eide notwendig. Zur Abwendung äußerer Gefahren wird eine Reichsgesandtschaft nach Frankreich und Spanien vorgeschlagen, die sich für die Freistellung der Religion einsetzen soll.

    Bei den Beratungen zur Nachfolge im Reich, Bitte an den Ks., seine Regierung alleine fortzusetzen; Argumente gegen die Wahl eines röm. Kg. zu Lebzeiten Šdes Ks. Sollte dennoch die Wahl eines Nachfolgers beschlossen werden, Betonung der kfl. Pflichten bei der Königswahl, insbesondere hinsichtlich der Auswahl eines geeigneten Kandidaten; Bedeutung von Qualität und Herkunft des Nachfolgers, auch im Hinblick auf die Bedrohung durch die Türken. Bestehen auf Abschaffung der genannten Missstände, Präzisierung des Religionsfriedens und Einbeziehung der reformierten Bekenntnisse. Einsetzung von Ratgebern zur Unterstützung des Ks. und seines Nachfolgers. Kein Beharren auf den pfälzischen Forderungen, falls diese bei den anderen Kff. nicht durchzusetzen sind. Änderungsvorschläge für einige Artikel der Wahlkapitulation; Anwesenheit des Kandidaten bei den Beratungen unerwünscht. Änderungswunsch zum Krönungszeremoniell. Drängen auf Befriedung der Konflikte in den Nachbarländern. Kosten der Gesandtschaften nach Moskau und Frankreich/Spanien. Ablehnung neuer Zollbewilligungen. Vertretung pfälzischer Interessen betreffend die Stifte Sinsheim und Neuhausen.

    Ein bearbeiteter Auszug aus dem ersten Teil der Instruktion wurde Ks. Maximilian II. am 8.10.1575 von Pfgf. Ludwig übergeben.

    HStA München, K. schwarz 16687, fol. 258–286 (Or. mit eigenhd. Unterschrift Kf. Friedrichs III. von der Pfalz. Aufschr.: Instructio uff yetztangestellten collegialtag gein Regenspurg, den 26. Septembris anno 75.) = Textvorlage. Druck (mit wenigen Kürzungen): Kluckhohn , Briefe II, Nr. 836 S. 855–870. Der erste Teil der Instruktion von fol. 259 bis fol. 267 in der dem Ks. präs. Fassung: HStA München, K. blau 100/1, fol. 69–74' (Kop. Dorsv.: Copia des extracts der ksl. Mt. ubergeben, den 8. Octobris anno 751 .) = B. HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 222'–226' (Kop. Überschr.: Des churfursten pfaltzgrafen abgesanten auf den churfurstentag gehn Regenspurg anno 1575 gehalten instruction.) = C. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10198/8 (unfol. Kop. 2). Druck: Schneidt , Geschichte, 436–444.

    /258/ Instruction was der hochgeborn fürst, unnser pfaltzgrave Friderichs churfurstens etc. freundtlicher lieber sohn, gevatter unnd unnsers furstenthumbs der Obern Pfaltzs inn Bayern stathalter, herr Ludwig pfaltzgraf bey Rhein, herzog inn Beyern etc., unnd dann die wolgebornen, hochgelerten, ersamen, unnser groshofmeister, cantzler zu Heidelberg, vicecantzler zu Amberg, fauth zu Germerßheim, rethe und liebe getrewen, Ludwig von Sain, graff zu Wittgenstein, Šherr zu Homburg etc., Christof Ehem, Martin Östermüncher, beide der rechten doctores, Christoff von Götfart, Wolf Haller unnd Ludwig Culman, auch der rechten doctor, sambt und sonnder uf itziger collegial versamblung zu Regenspurg unsertwegen sich verhalten sollen.

    Obgemelter unser gliebter sohn, herzog Ludwig pfaltzgraf etc., groshofmeister, cantzler und andere verordnete rhete sollen nach irer ankunfft zu Regenspurg, alsbaldt es sich schicken will, zu der keiserlichen Majestat, volgendts zu den andern unnseren mitchurfursten verfüegen und inen auf überraichung unnserer credentz3 /258'/ dz gewonlich zuentbiethen, volgents unnsere ehehaffte endtschüldigung vermelden, warumb wir inn der person bei sollicher collegialversamblung von wegen unversehener zugestandner leibs plödigkheit unnd fürgefallener französischen gewerb unnd durchzüg geworbnen kriegsvolcks auf ir Majestat etzlichmhalenn durch schickhung unnd schreiben beschehenes ersuchen4 unnd mentzischen außschreiben5 wider unnsern willen unnd zuversicht nit erscheinen khönnen, sonndern unnser gesundtheitt pflegen, auch unnsern landen unnd leuthen beiwhonen müssen; mit bitt, dasselbig inn ungnaden nit zuvermerckhen, dabenebenn und daß wir gleich wol zu berhatschlagung und schliessung alles deßjhenigen, wz inn irer keiserlichen Mt. werbung und mentzischen außschreiben, die administration deß Heiligen Reichs, dessen unnd allgemeiner christenheit ruge, sicherheit und wolfarth betreffendt, begriffen, wolgedachten unnsern sone, groshofmeister unnd rhete mit volmacht6 abgefertigt, damit disfals an unns khein mangel erscheine, der underthenigsten tröstlichen /259/ zuversicht, daß nit allein ir keiserliche Mt. mit diser unnserer entschuldigung allergnedigst wol content und zufriden, sonnder auch deswegen mit uns ein genedigs mitleiden tragen und kheins wegs unnsers außpleibens verdencken wurde, wellichs alles umb ire keiserliche Mt. wir underthenig unnd gehorsamblich zuverdinen urpütig weren und schuldig erkhendten etc., wie dann unnsere gesandten solliches mit seinen umbstenden nach gelegenheitt bei der keiserlichen Mt. und einem iden churfursten herauß zustreichen werden wissen.

    a -Dabeneben aber hetten unnsere gesandten bevelch, irer keiserlichen Mt. von unsertwegen inn sonderbarem vertrawen underthenigst zuvermelden–aŠnachdem ir keiserlich Mt. diseb gegenwertige churfursten versamlung fürnemblich irer leibs blödigkeitt, auch jeziger hochbeschwerlicher zeitt unnd leüffde, so sich im Heiligen Reich unnd inn den genachbarten königreich und landen allendthalben je lenger je mher ereugten, wie /259'/ ettwann demselben rhat zu schaffen, auchc allenthalben ruge, fried unnd einigkeitt gepflantzt unnd erhalten, auch künftiges übel unnd zerrüttligkeit abgewendet unnd verhüetet werden, damitt auch ire ksl. Mt. die noch übrige zeitt ires lebens solliche obligennde schwere bürdin deß Reichs desto leichter ertragen unnd nach ihrem zeittlichen abgang die churfursten, fursten und stende one einiche trennung bei gutem eintrechtigen friden und langherbrachter löblicher ordenlicher verfassung und regierung erhalten werden möchten, daß wir sollichen gantz christlich und keiserlichen vorsatz anderst nitt dann dem gemainen vatterland und christenheit zum besten gemeint von irer ksl. Mt. vermerckten, wir auch sollichesd, soviel an uns, zu befürderen uns schuldig erkenten, deßwegen wir dann auch desto lieber gesehen, daß wir inn unnserm hohen /260/ alter diser versamblung inn der person beiwhonen und unnsere trewherzigee gedanckhen mit irer ksl. Mt. vor unserm abschied auß disem jhamerthal vertrewlich communiciren mögenn.

    Wann wir aber daran aus Gottes gewaldt, wie ir Mt. vernommen, verhindert, also hetten wir dannoch sollichs ir Mt. durch unnsere rhetf bei unsern pflichten, damit wir ir Mt. und dem Heiligen Reich zugethan, underthenigst nit verhalten wollen noch sollen, und were an dem, daß ir Mt. allergnedigst selbs guth wissens trügenn, waher unnd aus wz ursprung nit allein im Heiligen Reich, sonder auch inn allen genachbarten königreichen und landen, ja fast gantzer christenheit, dz schedliche mißtrawen, uhnruge, empörung, plutvergiessung und zer- /260'/ störung derselben herquelle, nemblichg daß man einannder der religion halben auffs eüsserst verdammen und verfolgenn thet h -und ein jeder den anderen wider sein gewissen mit gewalt zudringen unnd zuzwingen, ja ganz und gahr auszurotten understünde–h . Wann nhun ir Mt. bißanhero inn der erfarenheit bei disen verpitterten gemüetteren gefasten whon, auch zum theil mitlauffendem ehrgeitz der theologen und priester, furnemblich aber von wegen deß bapsts zu Rhom angemaster praeeminenz inn religions sachen, befunden, daß zu disen schwirigen zeitten weder durch weeg der colloquien noch concilien einiche vergleichung zutreffeni, hergegen aber auch ein theil one underganng deß andern und also deß gantzen cörpers hin und wider inn konig- /261/ reichen und landen nitt ausgerottett werden köndte, unnd also zu Šletst, da disem übel nit begegnetj, die ganz christenheitt darüber zuscheittern gheen und allen barbarischen nationen zum raub und preiß werden muste, so wolte ja ir keiserlich Mt. als dem oberhaubt derselben, auch irer selbstk person unnd posteritet halben inn allweg gepüren, auff die mittel und weege zudenckhen, wie disen dingen rhat zu schaffen und dz gepürende remedium zu adhibieren, welliches aber khein anders unsers ermessens sein könte, dann daß ire ksl. Mt. allergenedigst dahin verdacht were, wie dannoch pax publica durch ein allgemeinen fried und freistellung der religion so wol inn den genachbarten königreichen als im Reich teütscher nation zuerhalten unnd inns werck /261'/ zurichten, welliches remedium unnd mittell also geschaffen, daß es zu allen seiten, auch gegen Gott und eins yeden gewissen unvergrifflich l -und vor der zeitt von anderen löblichen keisern und potentaten auch gepraucht worden–l ; dann wz dannoch angeregter religion fried im Reich teütscher nation gefruchtet und die stend desselben inn zimblichen vertrawen beisammen gehalten und daß sie nit inn grössere zerruttung gerhaten verhüetet, dz gebe die erfahrunng. Wer auch zuverhoffen, da allein inn ettwz sollicher religion friedm erleüttert unnd gebessert, daß es noch zu n -mherem fried, rhue unnd einigkeit–n gelangenn wurde. Bei disem remedio hetten sich die schweytzer7 eine lange zeit auch wol befunden, dern exempel die poln8, wie ir Mt. /262/ guth wissenns, auch nachgevolget. Wz dann ir Mt. inn dero selbs erblanden zu erhaltung fried und ruge zwischen derselben underthanen zugelassen unnd verstattet9, auch jezo inn dero kron Böhem fürgangen10, dz dörffte kheiner erinnerung.

    Da nhun sollicher friedstand bei den genachbarten königreich und landen auch gesucht und erhalteno, wurde nit allein inen selbst, sonnder auch dem Heiligen Reich unnd der ganzen christenheit zum besten inn viel weg gelangen. ŠDann wie mercklich bißanhero die christenheitt durch solliche innerliche krieg der relligion halben an gelt unnd mannschafft, sonderlich aber dz Reich teütscher nation mit durchzüg, sperrung der commertien unnd sonsten geschwecht und dardurch dem türckhen unnd annderen /262'/ barbarischen nationen p -ursachen, dieselb anzufallen, gegeben–p , were ir Mt. und menigklichen unverporgen und uhnvonnöten außzufhüren, also daß man sich irer hülffq auff zutragende felle, sonnderlich der Niderlanden, itziger zeitt gahr nichts zuerfrewenr. So were es auch an dem, da schon die ein oder ander parthei die überhand neme inn Franckreich oder Niderlannd, daß solliches dem einen oder dem andern theil im Reich gahr verdechtig unnd zu grossem mißtrawen ursach geben wurde. Hergegen aber, da solliche freistellung oder religion frid bei sollichen genachbarten erlangt, wurde erstlich Gott dem allmechtigen gedienet, unschuldiges plutvergiessen verhüettet und solliche länder inn den stand gesetzt, daß sich weder ir keiserliche Mt. noch dz Reich von inen irer macht halben /263/ zu befahren, sonndern allwegen gegeneinander in aequilibrio erhalten und also iren respect auf ir Mt. und dz Reich haben müssten. Darauß dann auch zuverhoffen, daß man ir hülffe gegen dem erbfeind desto mher und bälder inn künftigen zeitten zugewarthens. Durch dises mittel möcht man auch desto ee zur recuperation der vom Reich endtwendten stuck und stiffte11 khommen, dessen man, da der könig inn Franckreich gewaltig, nimmermehr zuverhoffen.

    Unnd were diser fridstand desto leichter zuerlangen, weiln die sach an allen orthen so reiff worden, daß auch die catholicit nitt annderst judicieren köndten, dann wa sollicher fridstandt nitt getroffen, daß auch ire sachen zu eüsserstem verderben zusambt dem königreich gelangen müesten unnd nit lenger also Šbestehen khönnenu, derwegen sie auchv solliches friedstandts und freilassung der religion selbs begirig und die hülfliche hand biethennw. /263'/ So dörfften ir Mt. nochx dz Reich weder gelt noch grosse macht darzu anwenden, wann allein ein erenstliche legation zu Franckreich unnd Spanien geschickht, mitt der man iren königlichen Ww. 12 so viel zuerkennen geb, daß ir keiserlich Mt. noch dz Reich disem elend, jammer unnd verderben derselben landen, so auch zu undergangky deß Heiligen Reychs gelangte, lenger zusehen khöndte, sonndern auf den fall dz irig darbei zuthun genottrengt wurde, wie ettwa inn dergleichen fellen mher beschehen. Unnd khöndte Franckreich, z -wie auch Spanien–z , wa man je auf solliche legation nichts geben wolle, allein mit abstrickung deß teutschen kriegsvolcks dahin gezwungen werden, weiln am tag, daß ir königlich W. dz vertrawen aa -gantz und ghar bei seinen–aa eigenen leuthen verloren und ab -allein mitt teütscher macht–ab eine zeitlang her sich auffgehaltenac.

    /264/ So viel aber den stand unnsers geliebten vatterlandts inn religion sachen betreffen thet, ob wol nitt ohne, daß vielgedachter religion frid, darinnen zwaierlei religion zugelassen, verhanden, wie dann in effectu nit mher als die zwo heuttiges tags bei den stenden im schwang gheen unnd man im fundamentad mit der einen oder anderen parthei einig, jedoch wer ir ksl. Mt. allergenedigst uhnverporgen, wz etzliche uhnrhüwigeae theologen für beschwerliche ärgerliche stritt inn gemelten religions sachen, sonderlich vom nachtmal deß herren, welliches uns christen billich ein band der liebe sein solte, zu unnseren zeitten erwecket, damit nitt allein hin und wider die gemüter inn- sonnder auch ausserhalb Reichs bey anderen nationen hart offendiert, verwundet undaf verbittert, und die sach dahin mit iren tribunitiisag clamoribus bei herren und underthanen, die ettwa disem /264'/ handel nitt, wie sie billich solten, nachforschen, zubringen vermainen, daß man sich irer gefasten mainungen mit der that nit weniger als im bapstum mit anruffung deß brachii secularis beschehen Šannemmen solle, ja wol diejhenige, so es mit inen nit eben halten, dem gemeinen mann unnd obrigkeitt einpilden dörffen, als ob sie deß gedachten religion friden nit vehig, daruß dann ah -anderst nichts dann–ah mißtrawen, unainigkeit, trennung, spaltung und verfolgung, endtlich aber beschwerliche unruge unnd blutvergiessen wol ervolgen möchte. Weillai dann so wol dem Heiligen Reich als ir ksl. Mt. unnd derselbenaj successornak mechtig und viel daran gelegen, daß sollicher ergerlicher stritt sopiert und gestillet werde, so hetten wir abermals nit konnen umbghehn, dises punctens halben irer ksl. Mt. underthenigste erinnerung /265/ zuthun und dagegen diß remedium trewherziger mainung an die hand zugeben, dardurch ir Mt. gleich als mit einem straich alle gezenck, hader und zwitracht abhawen köndte und fürbaß den zängkischen theologen alle ursachen, rempublicam zu perturbiren, benommen wurde, [(]nachdem, wie gemeldt, wol zuverhoffenal, daß bei sollichen verpitterten gemütern diser handel jetziger zeit, der doch sonst an ime selbs nit so wichtig, sonder leichtlich von fridliebenden zuerörtteren, nit wol durch am -ein weg eines colloquii oder concilii–am beizulegen[)], daß die ksl. Mt. sich mit den anwesenden churfursten und derselben abgesandten rheten außdruckenlich erkleren theten, dises stritts halben nyemandt anzufechten, zuverfolgen oder zubeschweren, noch auch anderen dasselb zu thun verstattenan -auch solliches austruckenlich der capitulation deß künfftigen successoris einzuverleiben, auf maß wie inn beigeŠlegten zedell13 begriffen. /265'/ Unnd solliches nitt allein wegen deren ursachen, so inn jetzgedachtem zedel angezogen, sonnderen auch deßwegen, da ire ksl. Mt. der picarder oder fratrum ecclesias [!], wie man sie nennet, inn Böhem unnd Möhrren, als die mitt der augspurgischen confession übereinstimment dem friden eingeschlossen, mit den dann unnserer wie auch aller auslendischen franzosen, engellender, schweytzer, schotten, polacken bekhandtnuß sich vergleichen. Da nhun dieselb außgeschlossen unnd verdampt, wurde es dz ansehen haben, als ob ir Mt. ir selbs zuwider were oder aber den friden, so sie iren underthanen gegeben, wider nemen wolten und nitt billich, daß die stende deß Reichs es ärger als jhene disfals haben sollen. Zum andern hetten ir Mt. zuermessen, da sie solliches nitt theten, daß sie irem successori dz Imperium nitt tranquillum hinderlassen wurde, wellichs /266/ aber dem hauß Österreich wenig nutzs pringen möchte. Zum dritten wurden ire ksl. Mt. nit allein alle stend deß Reichs, sonndern auch alle exteros ihr devincieren, daß sie künftig derselben desto lieber und freudiger die hand biethen wurde, dann nyemand geren den zuerheben pflegt, zu dem er sich nichts guts versehen khan. Zum vierten hetten ir Mt. zuermessen, daß es einem inn seinem gewissen schwerlich und bei Gott, seiner kirchen und gantzer posteritet unverantworttlich fallenn wurd, ein sollichenn zum haubt der christenheit mit wissenden dingen erwhelen und erhöhen zuhelffen, von dem man künftiger underdruckung gewertig sein müste. Zum fünfften möchten ire keiserliche Mt. dessen wol vergwisset sein, daß durch dise erklerung und fürsehung khein /266'/ besserer zugang zum königreich Poln beraittet und gemacht werden khöndte, wie wir dann dise gewisse nachrichtung von fürnemmen polacken bißher gehabt, daß ir Mt. fürnemblich diß gehindert hatt, daß die religions verwandten auf nichts gewisses bawen haben könden, da sie irer Mt. oder derselben sohne die cron aufsezen wurde, ob sie auch irer religion halben gesichert–an .\ Beschließlich, so khöndte nichts loblichers und rhümlichers irer ksl. Mt. und derselben gantzen posteritet nachgesagtt werden, dann daß sie gleich zum beschluß irer keiserlichen regierung der ganzen christenheit, so itzundt allendthalben angeregter religion halben zerdrent, zerrüttet unnd inn zwitracht ist, einen gottseligen friden geschafft, dz seminarium omnium malorum et rixarum aufgehaben unnd also irem künftigen successori pacificum Imperium hinderlassen, deßwegen /267/ sie dann bei Gott dem allmechtigen unnd den mendtschen ewiges und zeittiges lob, unnd gegen dem vatterland unnd kirchen Christi rhumb zugewarthen. Solliches alles hetten wir ir ksl. Mt. rund und apertao auß trewherzigem gemüet anzumelden nit underlassen sollen, mitt undertheniger bitt, es anderst nit dann von einem gehorsamen churfursten, der nicht sich selbs, sonnder Gottes ehr, deß vatterlandts und ir ksl. Mt., auch Šdero posteritet wolfardt unnd nutzen suchen thet unnd solliches mitt Gott bezeugen khöndte, genedigklich uf- und anzunemmen etc.ap

    Wz nhun allenthalben daruf zur antworth erfolget, haben sie14 vleissig ufzuzaichnen, uns dessen zuberichten, im fall es vonnöthen darauff zu replicieren unnd unnsere zufellige fluxus unnd blödigkheitt, auch die gefahr der durchzug und hiebevor furgangne und fürgehabte practiken, außfell und anschleg, /267'/ die uns bei unseren landen und leuthen zuverpleiben unnd ir inn achtzuhaben verursacht.

    Wann es nhun zur berhatschlagung khombt unnd Meintz wie gebreuchlich die proposition thut, haben unnsere abgesandte abermals unnsere endtschuldigung inn gemein khurtzlich zuwiderholen, mitt vermeldung wellicher gestaldt sie unseren gewaldt15 der mentzischen cantzlei uberliefert unnd inn crafft desselben unsere stell unnd session eingenommen, volgendts sich zu erbiethen, neben andern zur berhatschlagung gethanes ausschreibens unnd auf den fall die keiserliche Mt. auch proponiren solte16, welliches ohne zweiffel nit verbleiben wurdet und hiebevor auch geschehen, vorzuschreitten. So man nhun beide, die meintzische proposition und auf den fall der keiserlichen Mt. anbringens, inn berhatschlagung ziehenn, der keiserlichen werbung und menzischen außschreiben gemeß befinden wurdet /268/ und zuforderst auf den puncten künfftiger administration deß Reichs tringen solte, wie unnd wellicher gestaldt dieselb anzustellen etc., sollen unnsere abgesandten die berhatschlagung anfängklich dahin, wa müglich, dirigieren und richten, – dieweill die keiserliche Mt. selbs inn irem schreiben an die churfursten in Octobri verschinen vierundtsiebenzigsten jars17 dz fundament jetziger versamblung unnd berhatschlagung auf derselben leibs blödigkeit, auch itzige hochbeschwerliche, sorgkliche zeitt, so sich im Heiligen Reich unnd inn den genachbarten königreichen und landen allenthalben je lenger je mher ereugen, setzen unnd derwegen auß tragender vatterlicher fürsorg, damit sie je dz gemein beste unnd liebes vatterland billich angelegen sein liessen, diese collegial versamblung für nützlich unnd nothwendig erachtet, alda zu erhaltung fridens unnd ruge, und hergegen verhüettung khunfftigen /268'/ unheils unnd zerrütligkeit im Heiligen Reich auf ettwa dienliche weeg und mittell zugedenckhen, dardurch ire keiserliche Mt. die noch übrige zeit ires lebens solliche obligende schwere bürden desto leichter ertragen unnd nach irem zeittlichen abgang die churfursten, fursten unnd stende deß Heiligen Reichs one einiche trennung bei gutem eintrechtigen friden und lang herbrachter löblicher ordenlicher verfassung unnd regierung deß Heiligen Reichs Šerhalten werden möchten, – als müsten wir zu gleich der ksl. Mt. dise gantze berhatschlagung dahin stellen, wa dieselb fruchtbarlich an die hand genommen unnd darauß etwas guts zuverhoffen, dz zuforderst de statu Imperii, wie derselb inn fried, ruge unnd einigkheit erhalten, auch die beschwerliche unruge bei den genachbarten, die dem Heiligen Reich nichts guts antrawen, darauß auch allerhand mißtrawen /269/ unnd zerrüttung endtlich zubesorgen, abzuschaffen, geredt unnd gebürliche vergleichung gtroffen werden müste. Darauß dann diß ir Mt. intent ervolgen und erlangt wurde, daß sie der vielfeltigen sorgen, mhue unnd arbeitt endtladen, die khünftige administration deß Reichs desto rhuwiger künftigen successori hinderlassen, deß türckhen und aller anderen der christenheit, sonderlich aber deß Heiligen Reichs erbfeinden und anderer barbarischen nationen geschwinde unnd verderbliche anschleg unnd fürnemen gebrochen. Da entgegen, unnd auf den fall diß fundament nit gelegt, sonnder zuforderst von der künftigen administration und successore, deß vorigen hindangesetzt, geredt werden wolt, zubesorgen, auß diser berhatschlagung ir ksl. Mt. scopus und intent nit erlangt werden möchte, inn betrachtung, dieweil bei irer ksl. Mt. fridfertigen regierung /269'/ und lebzeitten solliche gefehrliche und beschwerliche unruge nit hingelegt, dieselbige je lenger je mher sich heuffen, schwerer werden und volgendts dem künftigen successori, wellicher vielleicht der erfarnheit, synns unnd gemüets nit sein, auch itzige gute gelegenheit nit haben noch finden möchte, unmüglich sein würde, disen dingen mitt nutzen, wolfarth und aufnemmen deß Reichs rhatzuschaffen. Wann nhun dise consultatio nit allein dem ksl. schreiben unnd proposito gemeß, sonder an ir selbs nothwendig, nutzlich und ihr Mt., auch den churfursten sehr rhümblich, so hielten wir darfür, daß zuforderst der anfang dahin zumachen, inn kheinen zweiffel setzende, da man dieselb mit manns händen angreiffen und allein dz bonum publicum fur augen hette, daß die gewünschte effectus inn der ganzen christenheit, daruf ire ksl. Mt. one zweiffel gesehen, leichtlich ervolgen /270/ unnd man sich der künfftigen administration ohne schwer vergleichen wurde.

    Da nhun die andere churfursten inen dise mainung gefellig sein liessen, haben unnsere gesandten die vota underschiedlich zuvermerckhen unnd darauf gueth acht zuhaben unnd von unsertwegen den gantzen handel dahin zusehen, da der status Imperii erhalten unnd vermheret werden wolt, auf zwen fürnemblich acht zuhaben: erstlich wie innwendig bestendiger frid, ruge unnd gutes vertrawen zuerhalten; secundo, wie man gegen den außlendischen innbrechenden potentaten unnd unrugen gefreyet unnd gesichert sein möchte.

    Soviel den ersten puncten betrifft, haben unnsere abgesandten die Reichs verfassungen, als land- unnd religion friden, execution, chammergerichts- unnd anndere ordnung, dardurch bißher dz Reich inn zimblichen friden erhalten, nach gelegenheitt zuloben, dargegen aber auch zuvermelden, daß wol allerhand /270'/ verfassung unnd erleütterung derselben hoch vonnöthen, jetzigen unnd khünfftigen mißverstand so wol zwischen stenden als underthanen Šauffzuhebenn, wie auch etzliche vom bapst eingerissene newerungen, alß dieaq ungewhonliche unnd hochbeschwerliche, nach dem concilio zu Trient auffgedrungene iuramenta abzuschaffen, welliche bißhero viel mißtrawens im Heiligen Reich erweckht, auch khünfftig noch grössere erwecken unnd zu abbruch gemelts Reichs libertet unnd freiheitt unnd der keiserlichen Majestat hochheit unnd reputation geraichen möchten. Wellichem allem inn disem collegial conventu zwischen der keiserlichen Mt. unnd den churfursten, wa nit ein gentzlicher außschlag, jedoch ein gueter anfang und grund gemacht und gelegt, so auch hernacher durch ein allgemaine pragmaticam sanctionem von allen stenden deß Reichs auctorisiert unnd bestettigett werden köndte unnd daran auch kein /271/ mangel, da solliches durch das haubt, die keiserliche Majestat, unnd die fürnembsten seulen approbiert erscheinen wurde. Unnd sollen unnsere gesanndten bei disem puncten in specie der beschwerlichen condemnationen unnd verfolgung under dem schein, als ob man der augspurgischen confession nitt wer unnd doch dessen mitt grundt nitt überwisen, secundo der keiserlichen constitution mitt den städten18, so inn der saxischen cantzlei in originali zufinden, tertio der underthanen halben, so wider iren willen hin unnd wider dem religion friden stracks entgegen der religion halben außgetrieben werden, unnd dann auch der freistellung halben grundtliche außfhürung thun, innmassen die motiven unnd argumenta /271'/ zum theill inn unnsers sohns, deß statthalters, schreiben unnd bedenckhen under dato den fünfften Martii19, dessen man sich wie auch annderer persuasionen unnd gestelten schrifften, die unnsere gesandten bei sich haben, zugebrauchen, begriffen unnd nach der lengde außgefhüert.

    So viel aber den anndern hauptpuncten, wie man gegen die außlendische gesichert sein möchte, anlangt, da haben unnsere abgesandten abermals den weg einer allgemainer freistellung der religion bei den genachbarten potentaten fürzuschlagen, welliche durch die keiserliche Mt. unnd die churfursten mitt ernst durch eine schickhung gesucht werden solt. Unnd wer bei disem puncten unnserem [!] mitchurfursten zu gemüeth zuführen /272/ eben das jhenige, wz hieoben bei der keiserlichen Majestat auch vermeldet ist.

    Da nhun dz eine oder das ander zuerhalten, hatt es seinen weeg. Solte aber von disen dingen erst nach der berhatschlagung der administration oder kunfftigen successoris geredt wöllen werden, haben unnsere gesandten solliches nit zufechten. Da aber ghar nichts gehandelt, sonndern alle dise ding auf ein gemeinen reichstag verschoben wollen werden, wie die fürsorg zutragen, müssen es unnsere gesandten geschehen lassen, jedoch dahin dirigiren, daß bei berhatschlagung der capitulation die fürsehunge beschehe, damit under dem Šschein dieser oder jhener secten kheiner, so ordenlich recht und erkandtnus leiden mag, uß dem religion friden geschlossen, unnd expraesse unnser unnd der schweitzer /272'/ bekhandtnus, damitt dann der franzosen, engellender, polen, picarder unnd annderer nationen, so vom bapstthumb abgewichen, sonnderlich im puncten deß nachtmals übereinstimmet, inn gemeltem religion friden begriffen, auch expresse der capitulation einverleibet werde, wie auch deßwegen inn der churfursten verein ein artickel20 gesetzt, den man auff den fall auch besser zuerleutteren, alles lauth beiligenden extracts mitt A21 verzeichnet.

    Da nhun die berhatschlagung künfftiger administration an die hand genommen, wurdett sich bei vorigen dergleichen handlungen befinden, daß man die keiserliche Mt. zuforderst gepetten, die bürde deß Heiligen Reichs noch lenger alleine zutragen, /273/ inn betrachtung, daß Gott der allmechtige noch lennger stercke, leibsgesundtheitt unnd verstand geben wurde etc. Sollen unnsere gesandte auch dahin votieren unnd sich deßwegen mit den anndern auch vergleichen unnd von inen disfals nitt absonndern, mitt vernerer ausfuerung, daß es gleichwol fast bedencklich, daß man bei unnseren zeitten zu zweyen mahln zur election eines khünfftigen successoris im Reich noch bei leben eines regierenden rhömischen kaisers geschritten were22. Solt es nhun jetzo aber unnd also zum dritten mhal beschehen, möcht mans mit der zeitt für ein recht haben wollen, welliches den churfursten an irer freien waal nicht wenig praejudicierlich, wie auch deßwegen ein sonnderlicher punct inn der capitulation23 /273'/ begriffen unnd statuiert, daß solliche successio kheins weegs gesucht und begert werden soll; über das hierdurch dem Heiligen Reich ein grosser last mitt underhaltung zweyer häubter aufgelegt wurde, da man doch jetz eines khaum erhalten khöndte. Zu dem daß man dannach bißher seyder auffgerichten relligion frieden inn guetem friden gesessen unnd Gott lob noch sitze unnd sich daher so wol innerhalb dem Reich, da obangeregte verbesserung und erleutterung an die hand genommen unnd beschwerden abgeschafft, under dessen stenden alß von aussen unnd frembden potentaten hero, bevorab weill dieselb unnd ein jeder an seinem orth wercks alberait genug abzuspinnen, einicher unrhue oder beschwerlichen /274/ überzugs oder zunöttigung, sonnderlich aber, da durch der keiserlichen Majestatt unnd der churfürsten zuthun bei inen ein allgemeiner religionfriden auch gepflantzt unnd erhalten, nit zuversehen. Derwegen dann auch diser ursachen halben die election eines khünfftigen successors uhnnöttig unnd dahin zuachten sein möchte, daß sie biß zu künfftigem fall wol verzug leiden köndte. Wie auch alsdann unnd nach zugedragenem todtfall solliche election viel besser unnd votis liberioribus quam imperatore adhuc vivente beschehen möchte. Unnd ob es wol umb der jetzigen kaiserlichen Majestat Šleibs gelegenheitt also gewandt wie ire Mt. selbs inn irem schreiben und fürtrag /274'/ erwhenen, daß irer Mt. den last lennger allein zutragen fast schwer fallen werde, so möchte doch dem durch die angedeutte mittel, auch verordnung eines regiments oder zuordnung einer taugenlichen geschickten person von jedes churfursten wegen zimblich zuhelffen sein. Zu dem, da gleich ire Mt. nach dem genedigen willen Gottes verfallen unnd abgheen solte, unnd nicht eben inn der eyl ein anderer successor erwhelet, so hett man doch dz mittel des vicariats nach verordnung der guldin bulla an die hand zunemmen unnd sich dessen zugebrauchen, wellichem aber durch continuation dergleichen process praejudiciert wurde. Über dz alles auch wol inn acht zu haben, wz hierdurch fur beschwerliche /275/ nachreden unnd verwiß den churfursten von annderen stenden deß Heiligen Reichs, als ob man dz Imperium hereditarium machen wolt, zuwachssen möcht.

    Da nhun über dise unnd anndere motiven, so auß hiebevor verfaster relation, wo noth, zunemmen unnd nach gelegenheitt furzubringen, von annderen dahin geschlossen werden wolt, auff ein annderen successorem verdacht zu sein, inn betrachtung, wie mißlich es fast inn allen königreichen unnd landen jetzund steet unnd daß inn wherendem friden, darinnen wir jezund sitzen, dennoch bedacht sein wölle, wie man dem künfftigen unfriden begegnen unnd allen occasionibus, die zu unheill ursach geben möchten, mit zeittigem rhat entgegen trachten solle; daß auch durch einstellung diser waal unnd da künfftig khein oberhaubt /275'/ im Heiligen Reich vorhanden, man nitt leichtlich sich einer einhelligen waal vergleichen, darauß allerhand weitterung sich zutragen und ettwa der bapst durch seine practickhen unnd trennung beschwerliche krieg erwecken wurde; wie dann inn vorigen interregnis man sich zu spieglen, wz unrichtigkeitten unnd unrhue sich zugetragen, wie auch jetz mit dem königreich Poln zusehen24, welliches alles durch jetzige whaal fürkhommen unnd abgeschnitten werden köndte, sollen unnsere abgesandte sich von den andern disfals nit absonderen, aber dabeneben inen, wann je der künfftige successor für nöttig unnd nutzlich erachtett unnd auff der keiserlichen Mt. sohne einen gedeuttet werden wolt, zubedenckhen heimstellen, wz /276/ dannoch disfals deß oberhaubts halben, so man nitt allein dem Heyligen Reich, sonnder der gantzen christenheitt erwheln unnd fürsetzen thet, den churfursten irer pflicht halben, damit sie dem Heiligen Reich zugethan, zuerwegen.

    Unnd erstlich stünde den churfursten zubedenckhen, die waal eines künfftigen successoris also anzustellen, daß sie nit dz ansehen hett, alß ob man es pro haereditario machen unnd halten möcht. Darneben weren die vielfaltige grosse außgaben unnd merckliche exactiones inn acht zunemmen, damit das Heilig Reich, dessen stende unnd glieder bißanheroar belegt gewesen, daß dieselbige mitt erwhelung eines künfftigen haubts nicht gemheret, dann dieselbige den Šstenden deß Reichs wie auch derselben underthanen inn die harr unnd bei disen harten zeitten zuerschwingen unmüglich und untreglich fallen wurden. /276'/ So stünde auch zubedenckhen, wie der eligendus erzogen, ob er auch ein teütsch gemüeth unnd wie er gegen der religion gesinnet unnd affectionirt, dann da er der augspurgischen confession gantz zuwider, wol zubesorgen, daß die handthab deß religion fridens desto schwerer bei ime zuerhalten, auch den churfursten, so der augspurgischen confession zugethan, irer gewissen und juraments halben, so sie inn erwhelung eines rhömischen königs praesentieren unnd laisten müesten, fast bedencklich fallen wolt, ein sollich haubt, so irer religion zuwider, zuerwhelen unnd der gantzen christenheitt fürsetzen, deren außrottung oder verfolgung sie sich hernacher zubefharen haben muestenn. Uber dz auch dahin zusehen, daß durch solliche election der türckh nit mher irritiert unnd umb soviel eher seine macht gegen dz Reich teütscher nation zu wenden, wie zuvor auch beschehen, /277/ verursacht werde, wie er sich dann auch gegen annderen alberaitt vernemmen lassen. Uber das, so erforderte gleichwol auch das Heilige Reich einen erfarnen krigsmann zu disen gefahrlichen zeitten unnd leüfften, der nitt allein das Reich bei den noch übrigen stimpffen schützte unnd handthabte, so es noch hett, sonndern auch das jhenige recuperierte, wz demselben entzogen ist, wellichs bei denen nit leicht zuverhoffen, so den jenigen verwandt und zugethan, so deß Reichs fürnemme stuck innhaben unnd besitzen. Unnd wie es fast bedencklich, jungen unerfarnen schiffleuthen dz schiff inn ungestimmen meer zuvertrawen, also auch jungen herren unnd regenten viel sorgklicher die verwaltung unnd regierung der gantzen christenheit zubevelhen /277'/, sonnderlich aber bei denen man sich zubefahren, daß sie von sollichenn leüthen regiert werden möchten, die der teutschen nation nit zugethan unnd sich der jezigen gelegenheitten im Niderlannd unnd Franckreich gebrauchen unnd dieselbe unruge nitt allein nitt dempffen, sonnder viel mher zu noch grösserem nachtheill unnd verderben deß vatterlandts teütscher nation fovieren möchten25. Solte nhun nitt allein der türck hierdurch irritiert, sonnder auch alle die krieg und handlung, so jetzund im Niderland, Italia unnd anderer orth fürlauffen, durch solliche election dem Heiligen Reich aufwachsen, stünde zubedenckhen, ob ein sollicher last möglich demselbigen zuertragen oder nitt viel mher dasselbige darunder zuscheütteren gheen möchte.

    Herwider auch weren wir gleichwol nit der meinung, daß ausserhalb deß Reichs /278/ denselben zusuchen, wolte sich auch vermög der constitution der guldin bulla nicht gepüren, ohne daß es auch weder rhatlich noch thunlich. Im Reich aber zweifelt unns nitt, daß wol fürsten zu findenn weren, die darzu qualificirt; ob aber denselben die schwere last unnd bürde unnd was zuertragung derselben fur grosse mhüe, arbeitt unnd uhnkosten gehört, zuerdulden unnd zuerschwingen gelegen sein wolle (es were dann sach, daß einem künfftigen Šsuccessori eine gewisse underhaltung geschöpfft unnd verordnet, die auch auf den fall wol zufinden, unnd dardurch künfftig anderen ein anlaß geben werden möcht, sich dergestalt zuverhalten, daß sie zu gleicher dignitet unnd hochheitt erhaben unnd würdig geachtet[)], solliches wer bei uns biß noch nitt genugsam resolvirt. Unnd ob unns wol inn diser so hochwichtigen sach zu gemüeth zufhürn /278'/ die grosse uhnsegliche macht unnd gewaldt deß türckhen, da er vernemmen würde, daß dem haus Österreich die keiserliche kron genommen unnd einen annderen im Heyligen Reich bei disen yetzigen schweren zeitten auffgesetzt, daß dardurch desselben hauß, authoritet unnd ansehen fallen unnd dem türgkhen desto mher dasselbige anzufallen, under sich zupringen unnd darnach seinen fueß weitter zusetzen ursach gegeben würde, so bedechten wir doch hinwider bei unns, da dise ursach statt haben solt, daß mitt der weiß für unnd für dz keiserthumb bei dem hauß Österreich verbleiben unnd khünfftig, da der moscowitter oder ein annderer feind, mit denen yezundt das Reich allenthalben gleich umbringet, dem einen [o]der dem annderen stand zusetzen unnd deßwegen hülff vom Reich begert /279/ wurde, gleichmessige ursach, dz kaiserthumb auff den betrangten unnd inn eüsserster gefhar sitzenden stand zu transferiren, fürzuwenden sein möchte. Überdz gleichwol auch zubedenckhenn, dieweill anndere königreich als Poln, Franckreich, Sybenburg, venetianer unnd anndere genachbarten mit dem türckhen ein ewigen oder je langen friden erlangt, so wol dz Heilige Reich als Österreich ein sollichenn, auf den fall es beim kaiserthumb nit verblieb, erlangen möchte, sintemal auch menigklich bewust, daß die türgken fürnemblich von wegen deß königreichs Ungern dem Heiligen Reich unnd Österreich auf den halß gewachssen, dessen wa man sich nitt angenommen, wol ein vormaur gegen dem türgken, und das Heilige Reich der vielfaltigen grossen /279'/ schatzungen überhaben verplieben were.

    Wann nhun die sach also beschaffenn unnd allerhand stattliche motiven verhanden, warumb es rhatsam oder nitt, diser zeitt ein successoren zueligieren, so hielten wir gleichwol darfur, daß inn einem sollichen fall, da man noch nitt wissen khan, wie sich der keiserlichen Mt. sohne, so noch jung, inn handel schickhen und inen wie auch annderen desto mehr ursach geben werden möchte, sich aller tugendten, so zum rhömischen kaiser gehörig, zu befleissen und ein specimen virtutis wider den türgken und sonsten inn der regierung zubeweisen, daß diser weg inn diser so hochwichtigen sach gegangen, ihr ksl. Mt. disfals ichtwz weder zugesagt noch abgeschlagen, sonnder dahin ir Mt. beantworttet wurde, daß man irer Mt. jeziges suchen auff /280/ den fall, da Gott lang vor sey, inngedenck, unnd da derselben sohn sich inn mittels also erzaigen wurde, daß man sich irer fridferttigen und teütschen regierung zugetrösten, daß man alsdann irer Mt. suchens inn khünftiger waal im besten angedechtich sein wolte.

    Solten aber die anndere churfursten alle samendtlich dahin stimmen, daß jeziger zeitt mitt der election unnd waal eines khünfftigen successoris bei dem haus Osterreich zupleiben, wolten wir uns auf denselben fall von inen auch nitt Šabsonderen, doch mit diser außtruckenlichen bescheidenheitt, daß zuforderst die obangezogne defect und mengl, auch wz sonnsten weitter zu erhaltung deß Heiligen Reichs authoritet unnd heilsamen fridens inn religion- unnd prophan sachen, auch zuverbesserung unnd nothwendiger offtgesuchter erklerung des religion fridens nothwendig unnd dinstlich, sonderlich /280'/ aber daß alle die jhenige, so es mit unnserer ausgangnen christlichen bekhandtnus wie auch den schweitzeren, frantzosen, engellender, schotten, polacken, picarder unnd anderen, deren confession mitt Gottes worth unnd einander übereinstimmen unnd der augspurgischen confession nitt zuwider seien, außtruckhenlich inn gemeltem religion friden begriffen und davon nitt außgeschlossen sein solten, wie etzliche sich bißher dasselbige zuerhalten understanden, unnd deßwegen so wol inn keiserlicher capitulation als der churfursten verein, wie ohne dz sollichs in genere versehen, genugsame caution beschehe.

    Zum anderen, daß die churfursten samptlich ein yeder ein tapfferen, geschickhten, auffrichtigen unnd erfarnen teütschen mann dem khünfftigen successori unnd auf den fall auch jetziger keiserlichen Mayestat /281/, so fern sie es begert, zugeordnet hetten, ir Mt. inn hohen wichtigen sachen, das Heilige Reich unnd außlendische sachen betreffendt, mitt rhat unnd beystandt behülfflich zu sein, auch da es fur guet angesehen, daß von wegen der weldtlichen churfursten einer unnd von geistlichen auch ein graff neben den sechs anderen adjungiert. Dann solt die fürsehung der religion halben nitt beschehen, so hett menigklich zuermessen, daß uns bedencklich sein würde, uns unnd von wegen unnserer mit relligions verwandtenn, sie seien gleich inn- oder ausserhalb Reichs gesessen, ein sollich haubt der christenheit erwhelen zuhelffen, vor dem wir uns khünfftig selbs verfolgung unnd anfechtung zu befharen, dardurch auch dz Heilige Reich, so ohne dz teglich mitt türckhenschatzung erschöpfft, inn innerliche unruge gesetzt unnd von auslendischen potentaten künftig durch /281'/ trennung unnd uhneinigkheitt zerrissen werden möcht. Wie wir dann verhoffen, dieweil dise waal darumb gesucht und für rhatsam angesehen, daß weitterung, uhnruge unnd mißtrawen jetz unnd khünfftig im Reich verhüettet, unnd das haubt unnd die glieder desselben, sonnderlich aber die churfürsten inn guter unzertrenntenn verpundtnus unnd verbrüderung beieinander verpleiben unnd erhalten werden möchten, daß höchstgedachte keiserliche Majestatt unnd sie, unnsere mittchurfursten, dessen mitt unns einig sein, welliches auch zu erhaltung bessern freündtschafft mitt den außländischen khönigreich unnd landen dienen wurde.

    Solte nhun diß [weder] bei der keiserlichen Mt. noch inen, den churfursten, wider all unnser verhoffnung unnd /282/ zuversicht, weiln es doch ir Mt. im königreich Böhem mit den confessionisten unnd picardern eingewilliget, nitt zuerhalten sein, haben sie, unsere abgesandten, sich dahin verlautten zulassen, daß sie gleichwol wider das mherer sich nitt legen khöndten, aber doch unnserer unnd annderer, so diser bekhandtnus anhängig, notturfft erforderen wurde, unnser schantzen disfals wol wahrzunemmen etc. unnd dise sach Gott dem Šallmechtigen zubevelhen. Wz es aber für gutes vertrawen so wol zwischen dem haubt unnd glieder alß allen anderen stenden deß Reichs wie auch außländischenn unnd genachbarten nationen geben, dz wurde könfftig die zeitt mitt sich bringen, unnd, wie zubesorgen, nichts guets darauß ervolgen, welliches alles durch die churfursten mit obangeregter erklerung verhuetet werden khöndte.

    /282'/ Wann es nhun an dem, daß von der capitulation eines rhömischenn khönigs geredt unnd consultiert werden soll, haben unnsere abgeordnete abermals sich zubefleissen, ob der pass vom stul zu Rhom [vgl. Art. 1] gantz unnd gahr herauß gelassen unnd deßwegen die geistliche churfursten auff unnser, der weldtlichen, mainung gebracht werden möchten. Bey wellichem puncten sie dann zum höchsten anzuziehen, wz für unruge unnd krieg ettlich jarhero der bapst inn allen königreichen gefuert, angezündet unnd schier zum verderben gerichtet, wz er sich auch je lenger jhe mher für superioritet gegen Teutschland anmassen thete, daß auch die geistliche gahr khein schutz und handhab von ime zugewarthen. Item daß dz jerliche gelt der annaten [vgl. Art. 15] /283/ unnd von pallien wol im Teütschland behalten unnd zu nutz des Reichs unnd der keiserlichen Mt. angewendet werden khöndten unnd billich solten; daß es auch ein bestendigers vertrawen im Reich geben wurde, da man allein einem haupt geschworen und von demselbigen regiert. Solt aber solliches bei inen nit zuerhalten sein, so mögen unnsere gesandten die capitulation dises punctens halben, wie bei der jetzigen keiserlichen Mt. beschehen, auch aufrichten lassen unnd, wa es sich schickht unnd noth ist, unvermeldet nitt lassen: Weiln ein rhömischer könig von inen darzu verpunden und angehalten, den stul zu Rhom, von dem sie vermeinten, daß ir status hienge, zu schutzen unnd handtzuhaben, daß wir nitt weniger, ja viel mher ursach hetten, unns unnd unnsere religions verwandte auch zuversicheren.

    /283'/ Am annderen, bei dem § „Wir solln unnd wollen auch sonnderlich die vorgemachte guldin bulla etc.“ [Art. 2], sollen unnsere abgesandte dahin votieren unnd anhalten, daß der appendix mit A außdruckenlich, wie auch der churfursten verein, inseriert werde. Item, bei dem § „Wir lassen auch zu etc.“ [Art. 4], daß die zusammenkunfft der churfursten nitt allein zugelassen, sonnder auch dahin reguliert werde wie ir verprüderung vermag, daß sie zusammen khommen solln. Item, in § „Unnd innsonderheit etc.“ [Art. 21], wer diser auch ettwz zuscherpffen, daß nitt allein ein rhömischer keiser oder könig pro imperio für seinen successorem nitt sollicitieren, sonnder auch, da deßwegen die churfursten zusammen khommen, bei sollichen tag persönlich nit erscheinen solten, damit die vota electorum liberiora unnd es nitt einem zwang mehr alß einer freyen waal geleich sehe. Da dann auch sonsten von andern disfals /284/ erregt, so zu erhaltung der teütschen freyheit unnd libertet dienstlich, sollen unnsere gesandten unnsertwegen mit den annderen sich vergleichen etc.

    ŠWann auch bei voriger waal yetziger ksl. Mt. diß übersehen worden, daß, ob wol ein könig inn Böhem zur consultation eines rhömischen khönigs nitt26, aber doch zur waal, da man inn dz enge stüblin gedretten, gezogen worden, aber gleichwol sich aus der guldin bulla nitt bescheinet, daß er darzu gehörig, anderst dann wa die sechs weltliche [!] churfursten sich der waal miteinander nitt vergleichen khönnen, alßdann der sach ein außschlag zugeben, vielweniger sich gezimmen will, sollicher waal beizuwhonen, da von seiner person tractiert unnd gehandelt wurdet, damit nyemandt inn seinem voto rund heraußzufaren verhindert, alß haben unnsere rhet disen puncten ad partem mit Mentz, auch auf den fall im rhat anzumelden, /284'/ damit diser eingang abgeschafft unnd fürbas verhuettet unnd fürkommen werde.

    Da es dann zur election gerathen solt, werden sich unnsere abgesandten mit den churfursten zu underreden wissen, ob die coronatio alspald zu geschehen oder dieselb vielmher verschoben und bei altem herkommen zu Ach zulassen, dahin sie dann zu schliessen unnd ir votum zu geben. Wa es aber nit zuerhalten, als dann der ceremonien halben sich zuvergleichen unnd darauff zu dirigiren dringen, daß die missa spiritus sancti weder a principio noch fine, sonnder anstatt derselben eine predigt von weldtlichen churfursten besucht, unnd nach vollender meß der ksl. Mt. unnd dem electo auf den dienst gewarttet werde.

    Dieweil auch nit verpleiben wurdet, als bald umb einen reichstag anzusuchen, wann es nhun /285/ mitt demselben die gelegenheitt, daß derselbig der ksl. Mt. hiebevor mit underschiedlicher maß eingewilliget, aber gleichwol der benachbarten potentaten krieg dz Reich also ausgesauget, daß unmuglich sein wurdet, ichtwas bei den underthanen zuerheben, haben unnsere gesandten zum eussersten desselben sich zubeschweren unnd dahin zudringen, daß einmal ein friede inn Franckreich unnd den Niderlanden getroffen werde.

    Wz dann des moscowitters einfall inn Lifflandt betrifft, dieweill ohne zweiffel auf die vorige legation gedrungen werden wurdt, sollen es unnsere gesandten bei voriger bewilligung lassen pleiben unnd dahin votiren, daß inn disen landen viel nötiger sei, Spanien unnd Franckreich zu beschickhen, obangeregten friden zuerlangen, unnd derwegen disen handel dahin zurichten, daß der unkosten moscowitterischer legation von denen stenden /285'/, so denselben am nechsten gesessen, diser aber von denen hieraussen getragen, unnd mit ernst bei sollichen potentaten deßwegen ansuchens beschehe, dergestaldt, daß dz Reich disem unwesen nit lenger zusehen, sondern auff den fall selbst gepürlich einsehen zuthun genöttiget werde.

    Als auch die zoll sachen daselbst fürkhommen werden, sollen unnsere gesandten deßwegen mit den andern churfursten sich vergleichen und dahin sehen, daß dem armen mann über hiebevorige beschwerden, sonderlich jetziger theurn zeitt, khein last auffgeladen werde. Und dieweill wir auch verpesserung unnserer Šprivilegien halben anhalten zulassen bedacht, soll unnseren gesandten unnsere notturfft hernach geschickht werden etc.

    Es sollen auch unnsere gesandten /286/ die gelegenheitt suchen, daß bei der ksl. Mt. der zweien stifften Synßheim unnd Newhausen halben dise fürsehung beschehe unnd erlangt werde, daß wir fürbas auf Reichs- unnd anderen versamblungstägen deßwegen unmolestiert verpleiben oder, da ye Wormbs sich nitt abweisen lassen wolt, daß wir bei ordenlichem rechten gelassen, wie wir unns dann allweg darzu erpotten27. Wz nhun inn disem allem yderzeitt verrichtet unnd sonsten fürlaufft, haben sie solliches zu tag unnd nacht auff geordneter post an uns zugelangen, unnd geschicht hieran unnser will und mainung.

    Heidelberg, 20.9.1575. Eigenhd. Unterschrift: Kf. Pfgf. Friedrich.

    « Nr. 25 Bericht über den Einzug des Kaisers und der Kurfürsten in Regensburg (1575 Oktober 3–7) »

    Vorbereitungen des Reichserbmarschalls Konrad von Pappenheim auf Befehl Ks. Maximilians II.: Vergabe der Quartiere, Publikation der Ordnung und Satzung, Bestimmung der Route für den ksl. Einzug in die Stadt, Vorbereitungen für den Empfang von Ks. und Kff. außerhalb der Stadt. Am 3.10. Ankunft des Ks. und seiner Familie; Empfang vor der Stadt durch den Kf. von Köln, den Ebf. von Salzburg und den Hg. von Bayern; Konflikt zwischen dem Reichserbmarschall und dem Hg. von Bayern. Am Morgen des 5.10. Ankunft des Kf. von Brandenburg; Empfang durch den Reichserbmarschall. Am Nachmittag desselben Tages Ankunft des Kf. von Mainz; Empfang durch Ks., Kff. und Ff. Am 7.10. Ankunft des Kf. von Trier; Empfang durch Ks., Kff. und Ff.; Geleitstreitigkeiten zwischen dem Pfgf. von Pfalz-Neuburg, dem Hg. von Bayern und dem Kf. von Brandenburg; Bestimmung der Reihenfolge im Geleit durch den Ks. Am selben Tag Einzug des Pfgf. Ludwig durch ein anderes Stadttor; am Abend Ankunft des Kf. von Sachsen.

    StA Nürnberg, Hft. Pappenheim, REMA Nr. 102b, fol. 2'–8' (Or.; Auszug aus einem Bericht über die von Konrad von Pappenheim beim Kurfürstentag erfüllten Aufgaben sowie über die Wahl und Krönung Kg. Rudolfs II.; 40 teilweise foliierte Blätter.) = Textvorlage.

    Š /2'/ Lautt diß hievor erstanngeregtem kayßerlichenn schreibens1, hatt sich herr reichsmarschalckh2 inn aller unnderthenigster gehorsam inn die statt Regennspurg unngesumpt verfüegt unnd alda seinem ampt gmeß nit allain des einquartieren oder losierenn, sunder auch denn vergriff ainer kayßerlichen ordnung3 uber die policey, victualien, auch annders mit dem zu sich gezognen unnd erfordertem regennspurgischen stattrath ald desßenn ausßschusßen zestellenn fürgenomen unnd nach verfasßung desßelbigenn irer ksl. Mt. zur ratification aller unnderthenigst ubersenndet, welche volgentz ir Mt. (wie solchs alles hernach zefinden) approbiert und dem gebrauch nach durch die heroldten mitt denn trumbetter unnd hörbauckhen offentlich publicieren unnd durch des Reichs marschalckhenn verordneten annschlagenn laßen haben.

    Unnd da nun wolberüertter herr marschalckh innhalt seines ampts des einquartierenn oder loßierenn, item die ersterzelt ksl. ordnung, auch annder nottwenndigkaitten bestellt /3/ unnd inn ire richtigkaitten gebracht, hatt er nebenn bemeltem regenspurgischen statt rath, durch welich gasßen die ksl. Mt. sampt irem geliebten gemahel unnd künder inn derenn verordnete palatien4 und hoflager am einzug uffs bequembist einbelaitt, item die burgerschafft mit iren whör unnd harnisch zu anngeregtem einziehenn in die ordnung gestellt werdenn möchten, notturfftig zuermesßenn anngefanngen, solchs auch auff ain richtigen verstannd beschlosßen. Nitt weniger hatt wolernanter herr Reichs marschalckh (weil sunsten unnd ohne das hierzu ain ganntz enger platz unnd rhaum geweßen) vor der statt unnd im feld fürsehung gethonn, das zu der ksl. Mt. unnd vorhochstgedachts ires geliebtenn gemahels, auch künder, item der loblichen churfürstenn endtgegenreitten, begrießungen unnd empfahungen notturfftigen weittin unnd stell gemacht, auch deßwegen ettliche zhein abgebrochenn, desgleichenn uffgeworffne gräben wider eingeschütt /3'/ unnd zu solchem gepürennde beraittschafft, wie dann beschechenn, anngeordnett werd.

    Alß nun auff dise jetztanngezaigten, deß Reichs marschalckhenn volfierten anordnung der ausgeschribenn churfürsten tag des besuchs unnd erscheinung halb inn teglicher abwartt gestannden, hierauff ist aller hochstbenannte röm. ksl. Mt. sampt irem geliebtenn gmahel unnd kündern, besunders aber hochermeltem irem geliebten sonn Rudolphen, domaln hungerischen und behaimschen (auch alberaitt zukünfftigen römischen) kinig, denn 3. Octobris zu ReŠgennspurg mitt Gottes helff glücklich unnd woll einkumen. Sintmal aber vor irer ksl. Mt., derselben geliebtenn gemahel unnd künder der churfürst zu Cöln, item der ertzbischoff zu Saltzburg5 unnd hertzog Albrecht uß Bayern /4/ ettlich tag inn Regennspurg erschinen, sind dise jetzt hochberüerte chur- unnd fürsten irer ksl. Mt., derselbenn gemahel unnd kündern für die statt enndtgegen zogen unnd haben dieselbig gebürlich begrüest, empfanngenn unnd nachvolgennder gestalt einbelaitt: namblich das ir Mt. (so uß schwachaitt so wol alß ir gemahel inn ainer gutschenn oder waagenn gefarenn) der Reichs marschalckh mit dem schwerdt vorgedienet, unnd altem herkumen nach des einritts vorthrab (welchenn hertzog Albrecht uß Bayern alß ain ann die statt Regenspurg anngrentzender lanndtsfürst begynnender preminentz wegen zuverhindern sich unnderstannden, solchen aber der herr Reichs marschalckh nit nachgeben wollenn) seinen bruder, herrn Wolff, marschalckhen6, auch seinen schwager Ferdinanden vonn Freyberg zu Öpffingen7, item seinen herrn vättern Albrechtenn vonn Rechperg zu Stauffnegg8 mit irem raißigen gesind im einreitten ann seiner statt einnemen laßenn9.

    Also wie jetztge- /4'/ hört ir ksl. Mt., deren gemahel unnd künder (unnder denen hochstermelter kinig Rudolph fürnemblich auch geweßen) durch hochgedachte chur- unnd fürstenn inn die statt Regennspurg biß zu irem palatiis unnd hoflägern comittiert, inmasßenn unnd gleichfhals ir Mt. durch die regennspurgischenn camerer unnd räth vor der statt mit endtgegen tragung unnd oblation irer statt thor schlüsßel neben gepürennder unnderthenigsten reverentz empfanngen, auch mit fürtragung aines himels (welchenn nachmals herr reichsmarschalckh wie gebreuchlich zu seinenn hannden ervordert unnd genomen) sampt den hochberüerten chur- unnd fürstenn durch ir mit gewhör Šunnd harnisch gewappneten, inn ordnung uff der gasßen gestelte burgerschafft belaittet wordenn.

    Volgenntz, am mittwoch, denn 5. bemelts monnats Octobris, ist der hochloblich curfürst vonn Branndennburg morgenns in aller früe beym thorschließen eingerittenn, /5/ dann ir kfl. Gn. sich den abendts davor gheen Heinen10 gelegert unnd mit irem hof gesind (wol zugedennckhen dadurch ires einziehenns willen jemandts zubeunrüebigenn) in der nacht uffgemacht. Alß nu der Reichs marschalckh solchs inn erfarung gebracht, hatt er sich mit seinem gesind erhept unnd ir f. Gn. gleich vor dem stattthor durch gegennziehenn anngethroffen unnd dieselbig ohnne sunst allermenigclichs biß zu derenn hof oder loßamennt belaittet11. Uff jetztgesagtenn 5. Octobris ist gleich fhals der hochloblich churfürst unnd ertzbischoff zu Menntz nach mittertag zu Regennspurg einkumen, welichem die ksl. Mt. sampt iren geliebtenn sönen, kinig Rudolphen uß Unngern unnd Behaim unnd jungen ertzhertzogenn vonn Österreich, auch alle hieobenn anngeregte chur- unnd fürsten, inmaßenn vor hochbenanter churfürst vonn Branndenburg, so erst denn verganngnen morgenn eingeritten, endtgegen /5'/ gezogenn, unnd sich ainicher zwytracht wie hernach bey des churfürsten unnd ertzbischoffenn vonn Thriers einkumen unnder denn fürstenn erregt oder begebenn12.

    ŠDen 7. merbestimpts monats Octobris ist jetzthochberüerter churfurst von Thrier zu Regennspurg auch eingeritten, dem gleicherweiß die ksl. Mt. mit vorangezaigten iren sonnen unnd alle chur- unnd fürsten, item Philips Ludwig, pfaltzgraff bey Rein, so zu Newburg hof helt, enndtgegen zogen. Darauff sich im einreitten unnder denn fürsten des vorzugs halb nit geringe irrung unnd zwyspalt sunder also scharpf erhept, das sich die ksl. Mt. darein legen unnd durch denn herrn Reichs marschalckhen deßhalb enndtschid unnd anordung gebenn habenn laßenn müeßen; in be[t]hrachtung hertzog Albrecht uß Bayern unnd dann vor hocherzelter pfaltzgraff Philips Ludwig, alß ann die statt Regenspurg mit irenn lannden anrainende fürsten, /6/ dafür gehaltenn, das sy deßwillen billich vor anndern denn vorzug haben; wie dan zwischen inen beeden ain vertrag des inhalts uffgericht, das hertzog Albrecht oder seine erbenn ann dergleichen gegenrittenn denn vorzug, hingegenn Pfaltz graff Phillips Ludwig oder seine nachkumen am widerkeren bemelten vorzug einzunemenn unnd zufüeren befuegt sein sollen13, wie dann crafft desßelben des gegen dem hern thrierischenn churfürstenn ußreitten oder empfahenn vonn der statt nachvolgender gestallt fürgenomen wordenn: Namblich das ettlich furstliche hertzog Albrechts bayerische pferdt anngemasten glaitts halb zum erstenn, churfürstliche brandenburgische am anndern, nachmals mentzische uff des churfürstenn vonn Coln, nach Cöln die uberigen bayerische pferdt, so nit im glaitth gweßen, uff dieselbenn pfaltzgraff Philips Ludwigs unnd letstlich der ksl. Mt. (dann der ertzbischoff vonn Saltzburg unnder des nit endthalbenn gweßenn, sunder erst zu der königclichenn whaal unnd cronung wider her- /6'/ zu kumen) hofgesünd inn der ordnung gezogenn14.

    ŠAlß aber nach dem gegenn dem offthochangezaigtem churfurstenn vonn Thrier beschechnenn empfahung am in die statt Regennspurg widerkeren unnd einreitten sich der churfürst uß Branndenburg (uß allerley vermainten ursachenn, so alhie zuerzellen vil zu lanng) des vorzugs ainig anngemast, welchs aber hertzog Albrecht uß Bayern gleich vor jetztgesagter statt Regennspurg habender verglaittungs gerechtigkaitt, wie auch pfaltzgraff P[h]ilips Ludwig des obangezognen vertrags unnd dann seiner genachbarten uff merbenannte statt Regenspurg anrainung wegen, so wol alß andere churfürsten irer preminentzen sublimitaten willenn nit gernn gestatten, zugeben unnd verhenngen wollenn, ist die sach, wie hieobenn angeregt, dahin gelanngt, das die ksl. Mt. nach begriffnenn ordnung durch den herrnn Reichs marschalckhenn zum einzug bestellt unnd fürgenomenn: /7/ benantlich, das pfaltzgraff Philips Ludwig bey Rein (nach lautt des obanngedeuttnem zwischenn ime unnd dem hauß Bayern gemachtenn vertrags) im einreitten denn vorzug unnd nach seinen raißigen 40 bayerische pferdt, uff dieselben Branndennburg, volgenntz Menntz, darauff Thrier, nach Thrier Cöln, uff Colnn das uberig bayerisch, uff dasßelbig Šder ksl. Mt. hofgesind reitten unnd einziehenn sollenn, wie dann (ungeacht die chur- unnd fürstliche hof marschalckh ainannder im feld, fürnemblich aber der branndenburgisch15 wider die bayerischenn unnd pfaltzgrävischen marschälckh16 saur darob anngesehenn unnd hinc inde bethrawliche17 wortt ußgestosßen) beschechenn unnd solchem gehorsamblich nachgesetzt worden.

    Aber diser irrung unnd endtstandnen strittigkaitt allerdings unverhindert, hatt herr Reichs marschalckh zuerhaltung des Reichs erbmarschalckhen ampts alt herkumen unnd gerechtigkaitt durch obgesagten seinen bruder, herrn Wolff, Reichs erbmarschalckhen, /7'/ Ferdinannden vonn Freyberg unnd herrn Albrechtenn vonn Rechberg sampt irem unnd seinem raißigenn gesind an seiner statt denn vorthrab einnemen laßenn, dan er solchs personnlich nit verrichten künden, inn bedennckhen, er der ksl. Mt. mit dem schwerdt (alß dann ain solchs bey allen obvermeltenn einrittenn oder gegenzügen beschechen) durch der statt inn wher unnd waaffen ordnungs weiß anngestelten burgerschafft vorgediennt hatt18.

    Unnder deß nun erzelter maßenn durch die ksl. Mt. unnd anndere hieobgesagten pottentatenn, chur- unnd fürstenn dem churfürsten vonn Thrier enndtgegenn gezogen wierdet, hatt sich Friderich [!] 19, pfaltzgraff bey Rhein (welcher seinen herrn vatter, auch pfaltzgraff, Friderichen, churfürsten etc., seines hochbetagten alters und schwachaitt halber mit verschribnem unnd ubergebnem gwalt20 bey dem churfurstlichen whaal- unnd königclichen chronungs tag vertrettenn) mit seinem hofgesind zu ainem andern thor in die statt Regenspurg eingefüegt.

    Š /8/ Gleichergestalt ist der hochloblich churfürst hertzog Augustus uß Sachßenn uff vilberüertenn 7. tag Octobris doch wider alles versehenn erst bey nacht unnd uffgehaltnem thor zwischenn 8 unnd 9 uhr (auch wol zuermeßenn, wie die chur Pfaltz und Branndennburg, vermeidung willen unrhue unnd pumps) mit seinem hofgesind zum churfürsten tag eingeritten, also es bey disenn dreyen churfürstenn oder gwalthabern kaines gegenreittens ald einbelaittens bederfft21. Unnd demnach sind uff disenn dickanngezognen 7. tag Octobris vorderst der ksl. Mt. alle churfürsten unnd dero gwalthabern personnlich inn der statt Regennspurg nach unnd nach einkumen unnd sich versambelt finden haben laßenn. Also bisher der ksl. Mt. unnd hungerischen, auch behämischen kinig Ruodolphenn, desgleichenn der chur- unnd annderer fürstenn zu dem whaal- unnd crönungs tag einritt, empfahungen, item des herrn /8'/ Reichs marschalckhenn dabey geüebte handlungenn beschribenn wordenn.

    « Nr. 26 Revers Kaiser Maximilians II. für die Kurfürsten wegen der Anwesenheit anderer Fürsten und Gesandtschaften während der Wahl, Regensburg 1575 Oktober 14 »

    Auf Einladung Kf. Daniels von Mainz haben sich die Kff. und der pfälzische Vertreter in Regensburg versammelt, um durch die rechtzeitige Wahl eines röm. Kg. und künftigen Ks. mögliche Gefahren für das Reich abzuwenden. Neben ihnen sind auch zahlreiche andere geladene und nicht geladene Ff. und Gesandtschaften erschienen. Der Ks. verspricht mit diesem Revers, dass ihre Anwesenheit auf dem Kurfürstentag weder die Präeminenz, Privilegien und Hoheit der Kff. noch die Geltung der Goldenen Bulle beeinträchtigt.

    In der Sitzung des KR am 13.10.1575 gefordert1; Konzept am 22.10.1575 im KR beraten und verlesen2. Der Revers ist (zurück)datiert Regensburg, 14.10.1575.

    Š HHStA Wien, AUR 1575 X 14 (unfol. Or. auf Pergament mit eigenhd. Unterschrift Ks. Maximilians II. und Ad mandatum-Vermerk des Reichssekretärs Erstenberger; das ksl. rote Siegel an einer schwarz-goldenen Schnur. Aufschr.: Kaiser Maximiliani deß andern reversal, daß den churfürsten der anwesenden fürsten und anderer potentaten pottschaften gegenwertigkeit auff dem kfl. versamblungstag zu Regenspurg gantz unabbruchig und unschödlich sein solle. 14. Octobris 1575. Vermerk am unteren Rand: Revers fur die churfursten von wegen anderer anwesenden fursten alhie zu Regenspurg.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 458–459' (Kop. Dorsv.: Copi. Revers der ksl. Mt. etc., so den churfursten zu Regenspurg zuzustellen, von wegen anderer anwesenden fürsten.) = B. HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 260–261 = C. HHStA Wien, MEA, WuKA 7-2, fol. 115–118 (Kop.). Druck: Schneidt , Geschichte, 564–566.

    Wir Maximilian der annder, a -von Gottes genaden erwelter römischer kaiser, zu allen zeitten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaimb, Dalmatien, Croatien unnd Sclavonien etc. khunig, ertzhertzog zu Österreich, hertzog zu Burgundi, Steyr, Khärndten, Crain und Wirtemberg etc., grave zu Tyrol etc.–a , bekhennen offentlich mit disem brieff unnd thuen khundt allermenigclich:

    Als auf unnser freundtlich und gnedig erindern unnd des ehrwirdigen Danieln, ertzbischoffs zu Maintz, unnsers lieben neven unnd churfursten, als des Hailligen Reichs ertzcantzlers, beschehen außschreiben3 unnsere unnd deß Hailligen Reichs churfursten, nemblich die ehrwirdigen und hochgeborne Daniel, ertzbischoff zu Maintz obgemelt, Salentin, erwelter zu ertzbischoven zu Cöln, Jacob, ertzbischoff zu Trier, Augustus, hertzog zu Sachsen, unnd Johans Georg, marggraff zu Brandenburg, des Hailligen Römischen Reichs durch Germanien, Italien, Gallien unnd das khunigreich Arelat ertzcantzlere, ertzmarschalck unnd ertzcamerer, unnsere liebe neven unnd öhaimen neben unns alhie zu gegenwertigem tag guetwillig erschinen, danebens der hochgeborn Friderich, pfaltzgraff bey Rhein und hertzog in Bayrn etc., deß Hailligen Römischenb Reichs ertztruchsseß, unnser auch lieber öhaim und churfurst, alß, so furgefallener leibsschwachait halben selbst persondlich zur stett zukhommen verhindert, seiner lieb sohn, den hochgebornen Ludwigen, pfaltzgraven bey Rein, hertzogen in Bayrn, unnsern lieben öhaim unnd fursten, sambt etlichen ansehenlichen rethen mit gewaltt4 hiehero abgefertigt, mit gesambten rhath von khunfftiger administration unnd fursehung des Hailligen Reichs unnd also von erwelung aines römischen khunigs (wie dann in betrachtung gegenwertiger gefährlicher zeit unnd leufften, auch unnser obligenden langwirigen leibs unvermögenhait halben die hohe notturfft erfordert) zu tractiern unnd zu handlen, damit das ŠHaillig Reich noch bey unnsern lebzeitten mit ainem khunfftigen successore, der unns nuhn hinfuro die burde unnd sorgfeltigkhait obligender schweren administration des römischen kaiserthumbs ertragen helffen und nachmals demselben auf begebnen fall unnsers ableibens (so zu dem willen des almechtigen steet) stättlich und löblich vorsteen könne, fursehen, unnd dardurch allerlai unrhat und zerruttligkhait, so sonsten aus mangel aines gewissen successors im Hailligen Reich leichtlich ervolgen möchte, verhuettet werde; unnd dann, sambt unnd neben unns unnd obgenanten unsern unnd des Reiches churfursten und pfaltzischen gewalthabern, andere mehr unnsere nechstverwante unnd ansehenliche deß Reichs fursten auf unnsere erfordern, unns in deren so hochwichtigen sachen räthlich unnd beistendig zu sein, deßgleichen andere fursten unnd furstliche, auch etlicher frembden potentaten potschafften, gleichwol unserthalb unerfordert, sonder zum thail irer unnd irer herrn aigner geschefft halben, zum thail auf unns unnd andere chur- unnd fursten zuwarten, auch hieheer khomen, welches dann bei ettlichen villeucht das ansehen haben mochte, als ob damit aus der gulden bulla geschritten und derselben, auch altem loblichen herkhomen unnd gewonhait, unnd insonderhait unnser unnd des Reichs churfursten praeeminentz und privilegien zuwider gehandlet worden were; unnd wir aber die gulden bulla unnd anndere löbliche constitutiones, satzungen, ordnungen und gewonhaitten, auch gemelter unnser und des Reichs churfursten, praeeminentz, privilegien unnd hochait unnsers thails vesstigclich zuhandthaben unnd zuerhalten unnd bey iren crefften und wurden bleiben zulassen, genedigclich gemaint seindt, das wir demnach obgemelten unnsern lieben neven, öhaimen unnd churfursten zuegesagt und versprochen5, thuen das und versprechen hiemit bey unnsern khaiserlichen ehren und waren worten, wissentlich in crafft dits brieffs, das solche der andern anwesenden fursten, auch der furstlichen unnd annderer frembden potentaten potschafften gegenwertigkhait auf disem churfurstlichen versamblungstag gemelten unnsern lieben neven, öhaimen und churfursten allerseits an irer Liebden habender churfurstlichen praeeminentz, privilegien unnd hochait, auch der disposition angeregter gulden bull gantz unabbrüchig und unschedlich, sonder dieselb gulden bull, auch berüerte unnserer lieben neven, öhaimen und churfursten praeeminentz, privilegien und hochait bey iren wirden und crefften bestendigclich bleiben sollen unnd mögen, von unns unnd sonst menigclich unverhindert. Zu urkhundt dits brieffs besiglt mit unnserm kaiserlichen anhangenden insigl.

    Regensburg, 14.10.1575. Eigenhd. Unterschrift: Maximilian. Ad mandatum-Vermerk: Erstenberger.

    «Nr. Š27 Kaiser Maximilian II. an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 17 »

    Empfangsbestätigung. Bedauern über die krankheitsbedingte Abwesenheit Kf. Friedrichs; Genesungswünsche. Kein Nachlassen in den Bemühungen, die innere Ruhe im Reich zu erhalten und die kriegerischen Konflikte in den Nachbarländern zu befrieden. Versicherung, den Religionsfrieden zu beachten und die angeregten Gesandtschaften in Erwägung zu ziehen.

    HStA München, K. blau 100/1, fol. 167–168 (Or. mit eigenhd. Unterschrift Ks. Maximilians II., Vidit-Vermerk des Reichsvizekanzlers Weber und Ad mandatum-Vermerk des Reichssekretärs Erstenberger; Außenadresse mit Vermerk: präs. Regensburg, 2.11.1575.) = Textvorlage. HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 226'–227' (Kop. Überschr.: Recepisse an pfaltzgraff churfursten.) = B. Druck: Schneidt , Geschichte, 444–446.

    /167/ Hochgeborner lieber ohaim unnd churfürst, unns haben d. L. abgeferttigte gewalthaber unnd rathe derselben schreiben1 von aigen handen wol uberanndtwort, danebens auch das jhenig, was sie insonderhait zu werben befelch gehabt, mit allem vleiß furbracht2

    Nuhn hetten wir anfangs ye gerne gesehen, wo es immer moglich gewesen, das d. L. vorgehabtermassen in der person zur stett erscheinen unnd disem loblichen convent selbst beywohnen mogen, als es auch der sachen notturfft unnd hochwichtigkhait wol erfordert hette. Dieweil es aber wegen d. L. zugefallenena leibsungelegenhait nit sein khunden, so muessen wir mit d. L. entschuldigung nit weniger als sie selbst mit solchem irem widerwerttigen zuestandt zufriden sein, der hoffnung, der allmechtig werde denselben in khurtzem genedigclich miltern unnd zu besserung richten.

    So vil dann furthers d. L. erinnderung von aufhebung des schedlichen mißvertrawens unnd etlicher in der nachbaurschafft schwebender unruhen belanget3, verstehen wir dieselbig von d. L. annders nit dann trewhertzig unnd wolgemaint. Unnd dieweil d. L. unverporgen, was wir bißdahero die zeit /167'/ unnser kaiserlichen regierung fur muhe unnd vleiß angewendet, damit unter des Hailligen Reichs stenden allenthalben guette vertrewlichait gepflantzet unnd dann die entpörungen, so sich zwischen den unnderthanen unnd obrigkaiten vor angedeuter ortten in der nachparschafft erhaben, one wenigiste weitleufftigkait unnd bluetvergiessen gestillet unnd hingelegt wurden, Šso soll d. L. nochmals dafur halten, sintemal wir zimblichermassen wissen, was an zeitlicher richtigmachung desselben alles gelegen, es werde auch hinfurthers an allem deme, was zu verainigung der gemueter unnd widerbringung rechter aufrichtigen teutschen vertrewligkait allenthalben dienlich unnd nottig, bey unns ainiger mangl nit erscheinen. Wie wir dann gantz ungezweifelt seindt, da anndere dise sachen inen so vil als wir angelegen sein lassen unnd dabey das jhenig, was wir gethan, ertzaigt hetten, es wurde nit allain im Hailligen Reich zwischen den stenden ain bessere vertrewligkhait gespurt werden, sonnder auch die sachen bey den genachpaurten zu dergleichen weitleufftigkait wie yetzo vor augen nit khomen sein. Verner den religionfriden unnd desselben steiffe haltung betreffendt, ist unns unverporgen, was an demselben dem Hailligen Reich gelegen, unnd darumb an demselben gleicher gestallt an unns wie bißdahero nichts erwinden soll. Was dan letzlich d. L. wegen ersuchung der frembden potentaten4 wolmainlich erindert, dem wollen wir mit allem vleiß der gepur nachdenckhen unnd was darunder /168/ gemainlich fur guet angesehen wurdt, furzunemen nit unnderlassen. Wolches alles wir d. L. auf obberurt ir schreiben in anndtwort nit pergen wolten, unnd seindt derselben mit freundtschafft unnd gnaden gantz wol gewogen.

    Regensburg, 17.10.1575. Eigenhd. Unterschrift: Maximilian. Vidit-Vermerk: Weber. Ad mandatum-Vermerk: Erstenberger.

    « Nr. 28 Kurfürst August von Sachsen an Kaiser Maximilian II., Regensburg 1575 Oktober 18 »

    Bericht über die Sitzung des KR am 18.10.1575. Weigerung der geistlichen Kff., die Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation zu bestätigen. Mögliche vorzeitige Abreise der weltlichen Kff., falls die geistlichen ihre Haltung nicht aufgeben. Bitte um ksl. Vermittlung. Beharren auf der Gültigkeit der Declaratio Ferdinandea.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol. (Kop. Dorsv.: Copei des churfursten zu Saxen schreibens an die röm. ksl. Mt. belangend die tzwispalt, so tzwüschen den gaistlichen und weltlichen churfursten der declaration halben entstandenn.) = Textvorlage. Auszug zit. in Moritz , Wahl, 161, Anm. 2.

    Allergnedigster kaiser und herr, wie mitt ewer ksl. Mt. ich gestern unterthenigst verlassen, demselbigen zu volge, seint wir, die gaistlichen und weltlichen churfursten, heutt umb 7 uhr zusammen kommen und die berathschlagung vor die hand genommen1.

    ŠEs haben sich aber die gaistlichen, so viel den punct der declaration2 anlangt, in nichts einlassen wollen, sich auch verwaigert, mit uns vor ewer ksl. Mt. zukommen und ire und unsere mainung derselben zureferiren. Solchs, allergnedigster kayser, ist uns nitt allein befrömbdlich, sondern auch hochbeschwörlich. Und do die geistlichen auff irer mainung solten verharren, hette ich grosse beisorge, es wurden ewere ksl. Mt. in dreien tagen wenig weltlicher churfursten alhier behalttenn3. Waß nun das vor eine zerruttung im Reich und sonderlich dem gemeinen wesen geben wurde, solchs gebe ich ewer ksl. Mt. allergnedigst zubedencken anheim. Dieweill dan hiran niemand mehr, höher und grosser gelegen ist dana ewer ksl. Mt. selbst, als bitte ich vor meine person ewer ksl. Mt. b -unterthenigst, ewer ksl. Mt. –b wollen selbst mit einrathen helffenn, wie diesem furstehenden ubell zuwehren, und alles, so // gefahr dreuet, mochte verkommen werdenn. Dan einmal werden wir uns des frommen kaisers Ferdinandi, ewer Mt. geliebten hern vaters seligen, gegebene declaration nicht lassen zu wasser mache[n]4, Goth gebe, die andern hupfen auff oder nider. Und binn ewer ksl. Mt. unterthenigst zu dienen willig und schuldig.

    Regensburg, 18.10.1575. Unterschrift: Kf. August.

    « Nr. 29 Erklärung Kaiser Maximilians II. zur Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21] »

    Erinnerung an den Zweck der kfl. Zusammenkunft. Verzögerung der Wahl eines röm. Kg. durch die nicht zu überwindende Meinungsverschiedenheit zwischen den weltlichen und den geistlichen Kff. betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea und ihre Erwähnung in der Wahlkapitulation. Die Einwilligung der weltlichen Kff. und des Pfgf. Ludwig, die Erörterung dieser Frage auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, wird vom Ks. angenommen und durch diese Erklärung bescheinigt.

    Am Abend des 21.10.1575 den Kff. von Sachsen und Brandenburg sowie Pfgf. Ludwig zugestellt, von diesen jedoch nicht angenommen und noch am selben Abend zurückgesandt1. Die Erklärung ist nicht datiert.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 88–89 (undatierte Kop.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 453–454 (Konz. Dorsv.: Diß ist hindenhalten.) = B. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 455–456 (Konz. Š Dorsv.: Diße erclerung ist von den geistlichen Kff. irer ksl. Mt. zugestelt 2.) = C. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 15, Nr. 13a, fol. 12–13 (Kop.). Knapp referiert bei Lehmann , De pace II, Nr. 16 S. 283; Moritz , Wahl, 166.

    /88/ Die römische kayserliche Mt. etc.a, unser allergnedigster herr, erinnern sich gnedigklich, was intention unnd meinung ihre ksl. Mt. so wol auch b -des Heiligen Reichs churfursten unnd der abwesenden churfurstlichen Pfaltz gewalthabere unnd räthe–b hieher kommen, als nemlich c -neben andern des Heiligen Reichs obligen auch–c von einer vorsehung und gewißheit eines künftigen haubts im Reiche zu tractiren und zu handeln unnd dadurch allerhand besorgkliche zurüttigkeit aus vaterlicher und gnediger fursorge zuvorhüten.

    Als aber bei solcher ihrer Mt. und der churfursten vorsamblung durch d -beide, Sachssen und Brandenburgk, churfursten unnd die pfeltzischen Kf. gewalthabere einer kayserlichen declaration3 halben–d, so in anno 55, e -den 24. Septembris zu Augßburgk–e außgangen, des summarischen inhalts, das f -etzlichen ertzbischoffen, bischoffen unnd anderer geistlichen und stiften zugehorigen–f ritterschaft, stedte und communen, so zur zeit des aufgerichten religionfridens der augßburgischen confession gewesen, dabei unvorgeweltiget gelassen werden sollen etc.g, anregunge beschehen, und durch h -obbemelte beide weltliche churfursten und pfaltzische gewalthabere–h begert worden, das solche declarationi von ihrer ksl. Mt. confirmiret oder dem /88'/ cammergericht insinuiret und ein künftiger romischer konigk darauf auch schweren unndj der obligation einvorleibet werden solte; hirkegen aber die dreik geistlichen Šchurfursten l -solcher angeregten declaration halben–l furgewendet, m -das sie von solcher declaration unnd bewilligung biß daher kein wissens gehabt, unnd weil es dan ein gemeine wergk, so alle stende geistlichen unnd weltlichen standes der alten religion mit belangen thut, so könten sie in solch begern der dreien weltlichen churfursten itziger zeit nicht bewilligen etc.–m,4, darüber dann die heubtsache dieser churfurstlichen zusammenkunft in einen beschwerlichen aufzugk unnd zu etwas vorlengerunge alles dessen geraten, so sonsten zeitlich gemeinem vaterland zum besten hette gerathschlagt unnd beschlossen werden können: Als haben ihre ksl. Mt. auf das mittel gnedigklich gedacht unnd sich mit n -den churfursten sembtlich–n und den pfaltzischen gewalthabern dahin vorglichen, das ihre kfl. Gnn. und gedachte pfaltzische gewalthabere ihrer ksl. Mt. zugehorsamen gefalleno, und damit durch solchen eingefallenen streit das gemeine bestes unvorhindert bleibe, bewilliget, p -das solcher /89'/ streitiger punct biß zu anderer gelegenheit und tractation eingestellet werde–p,5; welches dan höchstgedachte ksl. Mt. von hochgedachten churfürstenq unnd den pfaltzischen gewalthabern also zu r -freundlichen und gnedigen gefallen–r angenohmmen und ihren chur- und f. Gnn. unnd ihnen darüber diesen schein gnedigklich fertigen unnd zustellen lassen. Actum Regenßburgk, den N.s

    « ŠNr. 30  Bedenken Kurfürst Augusts von Sachsen zur Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21] »

    Bitte der weltlichen Kff. und des Pfgf. Ludwig, die Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation zu erwähnen, vom Ks. abgelehnt. Frage, ob der Aufforderung des Ks., den Kurfürstentag fortzusetzen und einen röm. Kg. zu wählen, Folge geleistet werden soll und, wenn ja, wie sich die weltlichen Kff. verhalten können ohne an Präeminenz und Autorität zu verlieren. Vorschlag, der Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea auf den kommenden RT zuzustimmen, jedoch auf der vorrangigen Behandlung dieses Themas zu bestehen. Gefahr, dass die Wahl wegen des aktuellen Konflikts scheitern und dadurch das Reich in Unruhe geraten könnte. Vorschlag, den geistlichen Kff. die Zustimmung der weltlichen zur Vertagung der Streitfrage mitzuteilen. Dabei Betonung, dass dies kein Präjudiz für die künftigen Verhandlungen darstellt. Begründung: Selbst wenn die Forderungen der weltlichen Kff. jetzt durchgesetzt werden könnten, wären die Vorteile für die Anhänger des protestantischen Bekenntnisses ungewiss und wäre die Gefahr groß, dass der protestantischen Seite Schaden entsteht. Überdies gehören die betroffenen protestantischen Stände nicht dem KR an.

    Nach der Ablehnung der ksl. Erklärung1 durch die weltlichen Kff. und Pfgf. Ludwig wahrscheinlich am Abend des 21.10.1575 verfasst2. Das Bedenken ist undatiert.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol. (Or. Hd. Kf. August) = Textvorlage. Referiert bei Moritz , Wahl, 163, Anm. 1, 167 f.

    Weyll auff unser, der weltlichen churfursten, fleysyge anhaltunck, perschuasion und untertenigste bytt bey i. ksl. Mt. nychtt tzuerhalttenn, das dye declaration3, wye sollyche von keyser Ferdynando uns gegebenn, in der tzukunftigen capitulation eynes romischen kunniges4 kunne eynvorleybett werdenn, sondern von i. ksl. Mt. selbest vor das beste mittel bedachtt und angesehen worden, dye streytige handlunck auff eyne tzukunftige Reychs vorsamlunck tzustellen5, so werden nachfolgende punckten tzuerinnernn gleychwoll vonnotten seyn.

    ŠUnd erstlych, weyll bey i. ksl. Mt. gar nychtt tzuerhaltten, das das wortt deklaration in des czukunftygen successors cap[i]tulation gesetz[t], i. ksl. Mt. wollen auch nychtt auf sych nemen, dyse suchunck bey den geystlichen abtzuhandeln und sye tzu vormugen, sondern i. ksl. Mt. seynt stracks der meynunck gewessen, begertt, geflehett, ermantt und gebett, uns selbest in dysen dyngen tzu bescheyden, von unserem suchen abtzustehen und in der andern sachen, darummen wyr herkummen, mitt der berattschlagunck in Gottes namen fort tzufaren gesuchtt, so mussen gleychwoll tzwey dynck dysfals bedachtt werden: Erstlych, ob man dyser ursachen wegen den gantzen handell tzurschlagen lassen und das heupt werck dyser ursachen und tzancks halbenn eynstellen wyll. Czum andern, do vor gutt angesehen, das dye heup[t]ursach dem tzenckyschen werck vortzutzihen, so ist dye frage, wye in foriger beratschlagunck fortttzufarenn, das es gleychwoll den weltlichenn churfursten an ihrer premine[n]tz, autoritet und reputation auch nychtt vorkleynlych noch aufrucklych seynn muge, und das das gemeyne heupttwerck nychtt eyngestelt noch dardurch vortzogen wurde. Was nun den ersten punckt anlangett, were meyn bedencken, weyl es nychtt anders tzuerhalten, das derselbyge auch auff eyne tzukunftige reychsvorsamlungk gestelt und geschoben werde. Czum andernn, das gleychwoll dye beratschlagunck nychtt gar hindangesatztt, sondern im namen Gottes auffs eheste in derselbygen vorttgeschritten. Solliches achte ich nychtt alleyn notigk, sondern auch gutt, den wen man nunmer tzuratt gehett, so werden dye gemutter jhe lenger je mistrauer kegen eynander, und mochtte dardurch dye gantze handlunck tzu tzurutten ursach gesuchtt werden. Solten wyr dan dysmall ungeschafter dynge also von eynander (und gleych in eynem heftigen mistrauen und getzenck) abtzyhen, so mochte Gott wyssen, wann wyr wyderumb in causa electionis mochtten tzusammen kummen. Was es auch andern unruhigen und frydhessygen leutten vor ursach, nach dem Reych tzu practiciren, geben wurde, wurde man balde mitt schaden erfaren. Solte nun unter des sich mitt i. ksl. Mt. eyn fal tzuthragen, so wurden alsdan wyr alle woll sehen, wye wyr sessen und was wyr vorursachtt hetten.

    Und weyll ich hyryn nychtes anders, Gott weys es, suche den ruhe und friden und gutt vorthrauen im Heyligen Reych, so were dys meyn eynfeltigk bedencken, das im namen unser, der weltlichenn churfursten, etzliche rette tzu den geystlichen churfursten geschicktt und ihnen dyse antzeygunck tzuhun: // Sye wusten sich freuntlich tzu erinnernn, in was dysputation wyr am samstage [15.10.], auch am dynstage [18.10.] 6 der declaration halben kummenn. Ob wyr uns nun tzu ihnen woll gethrost, auch in gutter hofnunck gestanden, uns auch freuntlich vorsehen, i. Ll. wurde[n] sych dysfals, dyeweyll dyse declaration nichtes anders dan eyne erklerunck des religyons fridens were, von uns nychtt abgesunder[t], sonder sych mitt uns freuntlich voreynigett und vorglychen Šhaben. Wyr vormerckten aber, das sollyches bey i. Ll. aus habendenn bedencken nychtt wyll statt haben, musten deshalben dysmall es auch auff eyne gemeyne reychvorsamblunck vorschiben und eynstellen, doch mitt dyser ausdrucklichen protestation, das wyr durch solliche prorogation den augspurgischen relygyonsa vorwanten dardurch nychtes wollen vorgeben oder vorlast haben. Do nun i. Ll. ferner in vorstehender beratschlagunck gedechtte tzuvorfaren, so weren wyr sollyche delyberatyon vor unser perschon nychtt tzu hyndern, sundern im namen Gottes n[e]ben ihnen solliche vor dye hanttzunemenb -und vorttzufaren gentzlich entschlossen–b .\

    Czw dysem bedencken bewegen mich dreyerley ursachen: Erstlich, das ich sehe, wen es gleych alles wye wyr es itzo begeren und suchen bey den geystlichen erhalten, was es doch dye, so synt der tzeytt und in 20 jaren tzu dyser unser religion getreten, hylffett und was sye daran vor eyn forttell haben mochtenn, auch wasse sye sych desselbygen tzuthrosten. Czum andern, wan jhe dorauff beharrett werden solte, dyse dynge mitt gewal[t] und, wye man tzusagenn pflegett, per fortz7 tzuerhalten, was es uns vor eyn vorthrauen bey i. ksl. Mt. und allen catolischen stenden bryngen wurde, und ob wyr uns durch dys mistrauen, so wyr uns selber vorursachett, nychtt mer schaden thetten den wenn wyr der declaration halben still geschwigenn und der selbygen nye gedacht hetten, sonder schlechtt beym religyon friden blyben. Czum dritten wuste ich gleychwoll nychtt, was wyr vor ursachen haben mochtten, das wyr uns andere, so in churfursten ratt nichtt gehoren, ihrer prifat affect und sachen halben solten tzill und mas geben lassen, was wyr ihrenthalben thun und lassen sollen, und das gemeyne beste, unser und des Reychs wolfartt und nutz ihrenthalben hyndantzusetzen, ihres getzenckes wartzunemen und ihnen das wortt tzuspeyen, do ihnen doch geburtt, do sye mitt imandes unsers myttels etwas tzuschaffen, das sye selber anher tzur stele quemenn und dyse dynge vor sych vorrichteten, und mochten als dan ihren grunt auff dye declaration oder religion friden setzenn, was sye dan erhalten konten, das gante ich in8 gerne, // und mochten unns in unser beratschlagunck auch ungeyrt und ungehindertt lassen, so wurde sollich hessyck getzenck unter uns woll nachbleyben und wurden dye notichsten sachen woll schleunick und freuntlich unter uns vorrichtett werden kunnen.

    « ŠNr. 31  Bericht über die Verhandlungen des Kaisers mit den weltlichen Kurfürsten und Pfalzgraf Ludwig betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea (1575 Oktober 15–22) »

    Uneinigkeit zwischen den weltlichen und geistlichen Kff. über die Erwähnung der Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation. Appell des Ks. an Kf. August von Sachsen, einen weiteren Versuch für eine Einigung zu unternehmen. Nach erneuten ergebnislosen Verhandlungen im KR Audienz der weltlichen Kff. und des Pfgf. Ludwig beim Ks. Dessen Weigerung, die Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation zu erwähnen oder ihren Inhalt zu bestätigen. Aufforderung des Ks. an die weltlichen Kff., den Wahltag nicht weiter zu verzögern und einer Vertagung dieser Angelegenheit auf den nächsten RT zuzustimmen. Nach erneutem Drängen der weltlichen Kff. und des Pfgf. um eine ksl. Entscheidung mündliche Verhandlungen des Ks. mit Kurmainz und Kurköln. Annahme einer ksl. Erklärung zur Vertagung der Streitfrage von protestantischer Seite verweigert. Verzicht der weltlichen Kff. und des Pfgf. auf die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation, jedoch Beharren auf deren Gültigkeit.

    Bericht über die mündlichen Verhandlungen zwischen dem Ks. und der protestantischen Seite, die außerhalb der Sitzungen des KR zwischen dem 15. und dem 22.10.1575 stattfanden1. Das Schriftstück ist nicht datiert2.

    GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 15, Nr. 13a, fol. 8–11' (Or.) = Textvorlage. Referiert bei Moritz , Wahl, 163–167.

    /8/ Nach deme die churfursten Sachssen und Brandemburgk etc. unnd pfaltzgraff Ludewich bei denn geistlichen churfurstenn [am 15.10.] 3 nicht erhaltenn konnenn, das der declaration4, welche keiser Ferdinandt den stendenn der augspurgischenn confession anno 55 nebenn aufrichtunge des religionnfriedens gebenn, in der capittulation5 mitt einem einigenn wortt muchte gedachtt werdenn, habenn ire chur- unnd furstlich Gnadenn solchs an die ksl. Mt. zugelangenn bedachtt unnd darauf bei irer ksl. Mt. umb audientz ansuchen lassen. Es habenn aber ire ksl. Mt. denn churfursten zw Sachssenn alleine zw sich erfordertt6 unnd, als sie vonn demselbenn solcher irrungenn etwas berichtett, s. kfl. Gn. zu bescheide gebenn, die churfursten solden, weill die sache etwas wichtigk, derowegenn noch einmall zusammen kommenn, vorsuchen unnd vleiß Šhaben, ap sie sich derowegenn selbst freundlich vorgleichen konten. Kondten sie dann nichtt einigk werdenn, wolden ire Mt. auf mittel gedenckenn. Solchem haben die chur- unnd fursten gehorsamblich nachgelebtt.

    Es ist aber bei denn geistlichenn [am 18.10.] 7 so wenigk als zuvorn zuerhaltenn gewesen, darumb ire chur- unnd f. Gnn. bei der ksl. Mt. wiederumb audientz gesucht8, sich [am 19.10.] 9 sambtlich zw derselbenn begeben unnd sich solcher der geistlichenn churfurstenn vorwiederung kegen /8'/ irer ksl. Mt. zum hochstenn beschwertt unnd irer ksl. Mt. mit widderholung aller motiven, welche ire chur- unnd f. Gnn. nach inhaltt der prothocoll im rath gebrauchtt, ausfuerlichenn angetzeigtt, was darauß im Heiligenn Reich vor unruehe unnd gefahr zubesorgenn, wann die stende der bäpstlichenn religion sich understehenn wurdenn, die communen unnd ritterschafftenn, welche vor aufrichtung des religionn friedens die augspurgische confession angenohmmenn und derselben bißhiehero geruiglich gebraucht habenn, darvon mit gewalt abdringenn wolten, unnd darauff gebeten, das ire ksl. Mt. die geistliche churfurstenn dahin weisenn wolttenn, das sie ann deme ortte, da des religion friedens in der capitulationn gedachtt, der declaration auch woldenn meldung thunnlassen.

    Ihre Mt. habenn aber darauff zur andtwort gebenn, das sie es davor hielttenn, das gemelte declaration in die capittulationn nicht gehörtte, sondernn were einn artickel, der alle Reichs stende belangtte, darumb irer Mt. auch befrömbdlich were, das ire chur- unnd f. Gnn. so hart daruber hielten. Es muste aber jemandt seinn, der alle sachen gernn hindern wolte unnd weill er es öffentlich nicht thun kondte, so movirte er solche disputationes unnd wolte also per indirectum hinderung einfuerenn. Ihre Mt. liessen ires /9/ vaters brieff unnd siegell in dem stande wie sie wehren unnd woltenn die als der sohnn nicht disputiren10. Die Šgeistlichenn woltenn aber nichts darumb wissenn, darumb were am besten, mann steltte die sachen einn biß auf einn reichstagk, denenn man doch in kurzen wurde mussen halten, mit vielem andern beweglichem suchenn, das die churfurstenn das gemeine werckh, darumb mann itzo alhier, deswegenn nicht wolten steckenn lassen, dieweil daraus nicht alleine grosse zerruttung unnd woll endlich vorterbenn des Reichs erfolgen, sondern solchs auch irer Mt. zw hochstem schimpff gereichen unnd allenn des Reichs wiederwertigenn eine sondere grosse freude seinn wurde, do dann ire Mt. lieber hundert ellen unter der erden liegenn woltten, dann das die churfurstenn ungeschaffter dinge solten voneinander ziehenn etc.

    Wiewoll nun die beide churfurstenn unnd pfaltzgraff Ludewich hierwieder zum andernn mall replicirenn lassenn unnd ire ksl. Mt. underthennigst gebeten habenn, das ire ksl. Mt., wann gemeltter declaration in der capittulationn ja nicht solte gedachtt werdenn, dieselbe denn stendenn der augßpurgischenn confession zum weinigsten wolttenn confirmirenn, auch denn kunftigenn romischen königk /9'/ vormuegen, das er inen dieselbe gleichergestalt confirmirte unnd sich vorpflichtete, uber derselbenn zuhalten unnd niemannds darwieder beschwerenn zulassen, auch dieselbe dem keyserlichenn cammergericht zw insinuiren, so seinndt ire Mt. doch bei voriger andtwort beruehett unnd angetzeigtt, ire Mt. hettenn denn geistlichenn so woll als denn weltlichen einen eidt geschworenn, dem muestenn sie nicht zuwieder handlenn, sondernn die wage gleich halten; das cammergericht wurde sich ann die insinuation nicht kehren, dieweill es keine gemeine Reichs constitution wehre etc. Unnd habenn ire Mt. auff die suchunge der confirmationn gar keinn andtwortt geben. Darbey es die chur- unnd furstenn auff dißmall habenn mussenn lassenn wendenn.

    Als aber ire chur- unnd f. Gnn. in nehmunge ires abschieds ire Mt. nachmaln gebetenn, das ire Mt. doch auf mittel gedencken wolten, wie die churfursten diß eingefallenen streits halbenn muchten vorglichen werdenn, unnd ire ksl. Mt. sich erbotten, den sachenn nachtzudenckenn, haben ire chur- unnd f. Gnn. den andernn tagk hernach [am 20.10.] vor tisch widder zw irer Mt. geschickt unnd dieselbe ersuchenn lassen, das sie sich kegen iren /10/ chur- unnd f. Gnn. allergnedigst woltenn erkleren, wohinn sie die sachenn weitter bedachtt. Unnd ist darnebenn irer Mt. vormeldet wordenn, dz der churfurst zw Meintz im rath ansagenn lassenn unnd das irenn chur- unnd f. Gnn. vor erledigung des obbemeltenn streits in sachenn weitter zuvorfahren bedencklich, darumb ire ksl. Mt. denselbenn so viell mehr allergnedigst abhelffenn wolten. Darauf ire ksl. Mt. geandtworttet, das sie des vorigenn tags [am 19.10.] 11 die geistlichenn Šchurfurstenn Mentz unnd Colln bei sich gehabtt unnd denselbenn allerley zw gemuet gefuertt, auch ann der halffter nichts nachgelassen. Dieweill aber Trier nicht mit zur stelle gewesenn unnd sich mit schwachheit endschuldigtt, hetten seines abwesens die andernn beide sich nichtt konnen erklerenn, sondernn auf sich genohmmenn, sich mit demselbenn zu untterreden unnd darauff kegenn irer Mt. zuerklerenn. Es hetten ire Mt. auch nicht unterlassenn, noch denselbenn morgenn [am 20.10.] den churfursten zw Mentz schrifftlichen umb fodderung der sachenn zuersuchen, und wehren darauff irer, der geistlichenn, erklerung stundlich unnd augenblicklich gewertigk. Ire ksl. Mt. woltenn auch widderumb bei Meintz anmahmung thun, wie dan geschehen, unnd ihre Mt. denn zettell, /10'/ welchenn sie ann Meintz geschriebenn, dem churfursten zw Sachssenn zusehenn zugeschicktt.

    Nach tische habenn ire ksl. Mt. nach dem churfursten zw Sachssenn alleine geschicktt unnd demselben vormeldett, das ire ksl. Mt. nach vleissiger handlung die sachenn weitter nicht bringenn konnenn12 unnd darumb einen schrifftlichenn abschiedtt13 vorfassen lassen, welchenn ire ksl. Mt. s. kfl. Gn. [am 21.10.] 14 auch zugestaltt, unnd s. kfl. Gn. dennselben mit Brandemburgk unnd Pfaltz zuubersehenn auf sich genohmmenn. Als nun ire chur- unnd f. Gnn. in vorlesunge desselbenn befundenn, das erstlich darinnen narrirt, das die geistlichenn churfurstenn vonn der declaration nichts wissenn wollenn unnd also dieselbe dardurch in eine ungewißheitt gefuert werdenn wollenn15, die erörterung des eingefallenenn streits auch alleine biß zw anderer gelegenheitt unnd also weitleufftiger dann von irer ksl. Mt. zuvornn, wie sie die auff denn negstkunfftigenn reichstagk eintzustellenn gesucht, bescheenn16, vorschoben worden, habenn ire chur- unnd f. Gnn. dennselbenn abschiedt antzunehmenn bedenckenn gehabtt unnd dahinn geschlossen, weil sie obbemelter declarationn halbenn nichts fruchtbarlichs hettenn erhalten konnen, das sie die sachenn auch nichtt /11/ woltenn erger machenn, unnd darumb solchen abschiedt irer ksl. Mt. widderumb zugeschicktt unnd derselbenn darnebenn vormeldenn lassen, das derselbe ir chur- unnd f. Gnn. aus obbemeltenn zwuenn ursachen antzunehmenn bedencklich.

    Unnd mustenn ire chur- unnd f. Gnn., weill sie nichts anderst erhalten kontten, die sachen Gott bevehlenn, sie woltenn aber protestirtt unnd bedingt Šhaben17, das sie inenn selbst unnd andernn iren confessions vorwandtenn an vielgemelter declaration nichts woltenn begebenn, sondern die, wie sie inenn vonn keyser Ferdinandenn mitgetheiltt, unvorruckt wolten erhalten habenn. Was sie auch bey der ksl. Mt. dieser sachenn halben gesuchtt unnd deren zu gemuet gefurtt, das were aus underthennigstem und guetherzigem gemueth geschehen unnd das ire chur- unnd f. Gnn. den unratt vorwarnen wollen, welcher im Hl. Reich, wann man sich understehenn wolde, die jennigen, welche die religion bißanhero geruiglich gehabtt, mit gewalt darvonn abtzudringenn, erfolgenn wurde. Truege sich nun etwas deruber zw, so woltenn ire chur- unnd f. Gnn. vor Gott unnd irer ksl. Mt. endtschuldigtt seinn. Sie bethenn aber nachmals underthennigst, ire ksl. Mt. wolte die geistliche churfurstenn dahinn weisen, das sie unnd ire mit vorwandten kegenn denen, welche die /11'/ religionn der augspurgischenn confession hiebevornn gebrauchtt, denn vorgenohmmenen ernst zum wenigsten biß auff kunfftigenn reichstagk einstellen unnd dieselbenn darbei wie sie es bißhiehero geruiglichenn gehaltenn, pleibenn liessenn, unnd das ihre ksl. Mt. auf kunfftigenn Reichs tage denen der declaration halben eingefallenenn streitt vor allen dingen erörtternn wolttenn. Dann solte dasselbe nicht geschehen, so truegen ire chur- unnd f. Gnn. vorsorge, es muchte im Reich eine solche unruehe erwecktt werden, das ire ksl. Mt. zw geruiglicher haltung eines reichstags schwerlich kommenn konden. So wurden auch die stende der augspurgischenn confessionn bedenckenn haben, auff solchem reichstage etwas zubewilligenn, wan sie sich keines bestendigen friedens soltenn zugetröstenn haben. Darauff die ksl. Mt. sich erbottenn, mit denn geistlichenn churfurstenn weitter handlung zupflegen etc.18

    « Nr. 32 Einladung des Erzbischofs Daniel von Mainz an seine Mitkurfürsten (hier: an Kurfürst August von Sachsen) zur Wahl eines römischen Königs, Regensburg 1575 Oktober 22 »

    Vertagung und Verlegung des für den 29. Juli nach Frankfurt einberufenen Kurfürstentags nach Regensburg. Beschluss der Kff. und des pfälzischen Vertreters, dem Ersuchen Ks. Maximilians II. nachzukommen und die Nachfolge im Reich zu klären. Aufforderung, zur Wahl eines röm. Kg. am Donnerstag, dem 27. Oktober, im Regensburger Dom persönlich zu erscheinen.

    Š HStA Dresden, Ältere Urkunden, Nr. 11973 (unfol. Or. auf Pergament; mit Siegel) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 464–465' (Konz., gerichtet an Kf. Jakob von Trier, in simili an Kf. Salentin von Köln; Aufschr.: Trier, Coln.) = [B]. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 281–282' (Kop., gerichtet an Kf. Johann Georg von Brandenburg; Überschr.: Citation zur waal.) = [C]. GStA PK Berlin, VII. HA, Mark als Reichsstand, Nr. 182 (Or., gerichtet an Kf. Johann Georg von Brandenburg). LHA Koblenz, Bestand 1A, Nr. 9704 (Or., gerichtet an Kf. Jakob von Trier). HStA München, Kurpfalz Urkunden, Nr. 72 (Or., gerichtet an Pfgf. Ludwig). HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 466–467' (Konz., gerichtet an Kg. Rudolf von Böhmen); ebd., fol. 468–469' (Konz., gerichtet an Pfgf. Ludwig).

    Dem hochgebornen fürsten, herrn Augusto, hertzogen zu Sachsen, des Heiligen Romischen Reichs ertzmarschalcken und churfürsten, landtgraven in Doringen und marggraven zu Meissen etc., unserm besondern lieben freundt und brudern1, empieten wir Daniel, von Gottes gnaden des heiligenn stuels zu Maintz ertzbischoff, des Heiligenn Romischen Reichs durch Germanien ertzcanntzler unnd churfurst etc., unnser freundtlich dienst unnd was wir liebs unnd guetts vermögen allezeitt zuvora, unnd füegen e. L. freundtlich zuwissen, alß wir e. L. unnd andere unnsere mittchurfursten vermöge unnd innhalt zwuschen unns allerseitz uffgerichter brüderlicher ainigung2, fürnemblich aber von kunfftiger des Heyligen Reichs administration neben andern desselben obligenn, so inn berhatschlagung getzogen werden möchten, in gemainer churfürstlichen versamblung collegialiter zuerwegen unnd zuberhatschlagen, b -erstlich gehn Franckfurtt am Main uff den neunundzwantzigsten Julii und aber auß erheblichen ursachen ervolgten prorogation und translation alhier ghen Regenspurg–b,3 beschrieben unnd erfordert, auch auff dieselbig e. L. neben unns diß ortts erschienen, die handlung zu solcher collegialversamblungc in berhattschlagung genommend, in dem der allerdurchleuchtigist, großmechtigist, unüberwindtlichst furst unnd herr, herr Maximilian der annder, erwölter romischer kaiser, zu allen zeitten mherer des Reichs, in Germanien, zu Hungern unnd Behaimb konig, ertzhertzog zu Osterreich, hertzog zu Burgundi etc., graff zu Habspurg, Flandern unnd Tyrol etc., unnser allergenedigister herr, alhie zu Regennspurg, beywesen e. L., unnserer und anderer churfursten zugegen, Šauch anstatte des hochgebornnen fursten, herrn Friderichsf, pfaltzgraffen bey Rheing, des Hl. Röm. Reichs ertztruchsassen unnd churfursten, hertzogen in Bairn, h -der auch hochgeborn furst pfaltzgraff Ludwig–h etc., sambt irer Liebden innhaltt deßwegen sonderbaren habennden gewalts zugeordenten, ein anpringen, vorberürtte kunfftige administration und vorsehung des Heiligen Reichs betreffen, gethani. Derwegen dan auch nachmals rhatschlag unnd handlung durch unns allerseitts sambt unnsers mitt churfursten, des pfaltzgraffen, gewalthabern fürgangen und gemainlich und einhelliglich dahinj geschlossen unnd vorglichenn, das es rhatsamb, nutzlich unnd guett, dieser zeitt aller fürbrachter unnd bewogener umbstendt halb zu der election unnd whal eines romischen konigs vortzugehen. Sölchem einhelligem beschluß unnd vorgleichung nachzusetzen, thuen wir demnach aus pflicht unnd gepuer unnsers ertzcanntzler amptz e. L. k -vorkunden unnd sy hiemitt–k erfordern unnd haischen, das sie l -uff donnerstag, den siebenundzwantzigisten dieses gegenwerttigen monats Octobris, früer tagtzeitt umb sieben uhrn–l alhie zu Regenspurg in der thumbkirchen und dartzu verordentem ortt personlich erscheinenm und daselbst ein romischen konig neben unnsn, unnsern mitt churfursten und der anwesenden pfaltzgrafischen gewalthabigen beschließlicho erkiesen helffen wölle, one das unnd da e. L. gemelter maßen nitt erscheinen, würdet nitt destoweniger in der gedachten sachen endtlich volnfaren werdenp, darnach sich e. L. zurichten. Unnd des zu urkundt haben wir unnser groß innsigel an diesen verkundungsq brieff wissenntlich thun hengken.

    Regensburg, Kurmainzer Herberge, 22.10.1575.

    « ŠNr. 33  Proklamation König Rudolfs II. als erwählter römischer König, [Regensburg 1575 Oktober 27] »

    Die Kff. sind dem Ersuchen Ks. Maximilians II. nachgekommen und haben Rudolf II., Kg. von Böhmen, einstimmig zum röm. Kg. und künftigen Ks. gewählt.

    HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 479 f. (undatierte Kop. Dorsv.: Publica proclamatio Regis Romanorum.) = Textvorlage.

    /479/ Nachdem auf begern, ersuchung, bewilligung unnd zulassung der röm. ksl. Mt., unnsers allergnedigisten herren, die hochwurdigisten, durchlauchtigisten hochgebornne fursten unnd herren, meine gnedigiste herren, die churfursten, auß hochwichtigen, redlichen, dapffern ursachen zur chur unnd wahal eines römischen konigs gegriffen, haben ire kfl. Gnaden mit zeitlichem vorgehaptem rath zu lob und eher Gott dem almechtigen, auch nutz unnd wolfarth dem Heyligen Römischen Reich und gemeiner christanheit, samptlich, einmutiglich unnd einhelliglich den allerdurchleuchtigsten großmechtigisten fursten unnd herren, hern Rudolphen, konigen zu Hungern unnd Boheim unnd ertzhertzogen zu Osterreich etc., unnsern allergnedigisten herren, alß einen gebornnen ertzhertzogen zu Osterreich unnd konig zu Boheim unnd iren mit churfursten zu römischem könig unnd, im faal erledigung des keyserthumbs (des der almechtig lanng verhüeten wölle) zu kunfftigem kayser bewilligt, benent und /479'/ gewölet im namen des almechtigen Gottes. Solliche einmutige wahl unnd chur verkhunde unnd eroffne ich1 von wegen der gemelten meiner gnedigisten herren, der churfursten, allermeniglich den genanten herren Rudolphum wissen fur erwölten römischen konig, wie sich wol gebueret, zu ehren unnd zu halten.

    « Nr. 34 Wahldekret für König Rudolf II., Regensburg 1575 Oktober 27 »

    Auf Einladung des Kf. Daniel von Mainz sind die Kff. Jakob von Trier, Salentin von Köln, August von Sachsen und Johann Georg von Brandenburg sowie Pfgf. Ludwig, in Vertretung seines Vaters Kf. Friedrich III. von der Pfalz, zu einem Kurfürstentag in Regensburg zusammengekommen. Die Bitte des Ks., mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand und die äußere Bedrohung des Reichs, einen geeigneten Nachfolger zu wählen, wurde von den Kff. erfüllt. Auf Einladung des Kf. Daniel von Mainz haben sie sich am 27. Oktober im Dom versammelt und ihren Mitkurfürsten Rudolf einstimmig zum röm. Kg. gewählt. Dieser hat dem Wunsch des Ks. und der Bitte der Kff. entsprochen und die Wahl angenommen und wurde vor dem versammelten Volk als erwählter röm. Kg. proklamiert. Dies wird von den Kff. und den Šzwei beauftragten Notaren beurkundet. Namen der anwesenden Zeugen. Die Richtigkeit aller Angaben wird von den Kurmainzer Sekretären und Notaren Hieronymus Plest und Petrus Kraich bezeugt.

    Das Notariatsinstrument ist datiert Regensburg, 27.10.1575.

    HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 276–281 (Kop. Überschr.: Decretum electionis.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 500–510 (Konz. Aufschr.: Conceptum decreti electionis.) = B. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 165–175 (Kop.) = C. HHStA Wien, RK, WuKA 6-1, fol. 12–19 (Kop. Rechts oben stark beschädigt). GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 296–305' (Kop.). LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8, fol. 133–143 (Kop.). Druck: Schneidt , Geschichte, 588–599. Teildruck der für Papst Gregor XIII. angefertigten lat. Übersetzung: Theiner , Annales II, Nr. XXVIII S. 22–25.

    /276/ Dem allerdurchleuchtigsten, großmechtigsten, unüberwindtlichsten fürsten und herrn, herrn Maximilian dem andern, erweltem römischen kaiser, zu allen zeitten mehrern des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaimb, Dalmatien, Croatien und Sclavonien könig, ertzhertzogen zu Österreich, hertzogen zu Burgundi, a -Steyr, Kärndten, Crain und Wirtemberg etc.–a, graven zu Habspurg, Flandern und Tyrol etc., entpieten wir, von Gottes gnaden, Daniel, des hailigen stuels zu Maintz, Jacob zu Trier, ertzbischove, Salentin, erwelter und bestettigter zu ertzbischoven zu Cöln, hertzog zu Westphalen und Engern, des Hailigen Römischen Reichs durch Germanien, Gallien und das königreich Arelat und Italien ertzcantzlere, Rudolff, könig zu Hungern und Behaim, als churfürstenb, ertzhertzog zu Österreich etc., Ludwig, pfaltzgraf bei Rhein und hertzog in Bayrn, als volmechtiger gwalthaber herrn Friderichen pfaltzgraven churfürsten etc., Augustus, hertzog zu Sachßen, landtgrave in Düringen und marggrave zu Meichssen, und Johans Georgc, marggrave zu Brandenburg, zu Stetin, Pomern, der cassuben und wenden, zu Crossen hertzog, burggrave zu Nurmberg und fürst zu Rugen, des Hailigen Romischen Reichs ertztruchseß, ertzmarschalck und ertzcamerer, alle churfürsten, unser underthenigstd gehorsam, schuldig unnd willig dienst mit allem fleiß zuvor, und thuen e. ksl. Mt. hiemit verkinden und zuwissen:

    Demnach auff derselben e. ksl. Mt. allergnedigst anlangen und begern der ehrwirdigst /276'/ in Gott vatter herr Daniel, ertzbischove zu Maintz, uns andere churfürsten vermög zwischen uns allerseits aufgerichter unnd habender ainigung1 erstlich auf freytag nach Jacobi apostoli, den neunundzwaintzigsten Julii, zu Franckfurt am Mayn nechstverschinen in aigner person einzukommen, Švolgenden tag in gemainer unserer collegial versamblung des Hailigen Reichs obligen, sonderlich künfftige desselben administration halb notwendige berathschlagung und handlung vorzunemen, beschriben und ervordert, aber solcher tag, auch mahlstat auß eingefallnene ehafften verhinderungen biß auff den sechsundzwaintzigsten monats tag Septembris erstrecket und alhier verwendet und transferiert worden ist2, volgende tag und auf sollich berürt ausschreiben, wir, die fünff churfürsten und anstattf unsers mitchurfürsten und brueders, herrn Friderich pfaltzgraven bei Rhein, obgemelter s. L. sohne, hertzog Ludwig, sampt andern in übergebenem gewalt3 hierzu sonderlich gevolmechtigten gewalthabern, alhier zu Regenspurg aigner person erschinen, und g -dann e. ksl. Mt. –g uns gleich alsbaldt zu eingang vorberürter h -unserer angestelter berathschlagung auß sondern getrewen vätterlichen bewegungen, so sy zu dem Hailigen Reich teutscher nation, unserm geliebten vatterlandt, auch gantzer christenhait tragen, anfencklich mündtlich, volgendts auch schrifftlich fürtragen und übergeben lassen4, wie sy unnöttig erachten thetten, nach lengs zuerzellen, mit was mercklicher sorgfeltiger bemüheung sy bißdahero vermittelst göttlicher verleihung irem kaiserlichen ampt von der zeit an, sy durch ainhellige wahl der churfürsten erhaben, vorgewesen und nichts underlassen, sonder alles das jhenig f[ur]nemlich, [so] zu des gemainen vatterlandts ehr, nutz und wolstandt immer dienstlich, mit allem getrewen vatterlichen eyfer gesuecht, gefürdert und sonderlich dahin gesehen, wie e. ksl. Mt. dasselbig Hailig Reich sampt dessen angehörigen glidern /277/ und ständen fürbaß wie bißhero in ruhe und friden erhalten, auch fürthers dasselbig nit weniger zuthun gantz vatterlichen gemaint und nichts höhers wünschen wolten, dann das sy solchem kaiserlichen ampt und regierung noch weitters allain fürstehn und desselben bürden ertragen köndten, in deme sich e. ksl. Mt. ainiger mühe oder arbait nit bethawren lassen wolten, aber uns allerseits und sonsten menigclich unverborgen, mit was mercklichen und zwar nit geringen leibsschwachhaiten e. ksl. Mt. nunmehr etlich jahr herumb überfallen und yetzo mehr fast täglich angefochten wurden, auch wie vor augen, wol zuerachten bey disen sorglichen zeitten und leüfften, auch mit was gefehrlichaiten das Hailig Reich umbgeben und täglich sorgsamer zunemen thetten, also das e. ksl. Mt. irer vorangemelten leibsschwachhaiten wegen solchem allainig vorzusein nit allain deren person halb unmöglich, sonder auch dem Hailigen Reich und desselben stenden künfftiger zerrütlichait und Šunraths, so auff etwan zutragenden fall–h (welchem alle menschen underworffen und bei des allmechtigen willen stüende) leichtlich ervolgen köndte, lenger nit rathsamb und vorträglich sein wolte; und darumb e. ksl. Mt. auß vatterlicher sorgfeltigkait nit unzeitlich bewogen, auf solche erschießlichei mittel und wege zugedencken, dardurch alle solche beschwerlichaiten füeglich abgewendet, also das e. ksl. Mt. die noch übrige zeit ires lebens solcher obligender schweren bürden kaiserlicher regierung etwas erleichtert und des Hl. Reichs churfürsten, fürsten und stende aines ordenlichen haupts und succeßors ohne ainige disputation, trennung /277'/ und mißverstandt bey langhergebrachter gueter verfassung und regiment in ruhe und friden erhalten werden möchten, und uns sampt den pfaltzgrävischen gwalthabern und gesandten deßhalb j -gantz vatterlich und allergnedigst–j ersuecht und vermahnet haben, uns dise hochwichtige sachen auß bemelten ursachen angelegen sein lassen und zu gemainer wolfart dahin trachten, wie sollich werckh zu fürderlichem glicklichem anfang und endtschafft gebracht und solcher hohen verwaltung des kaiserthumbs ain solche person fürgenommen wurde, die dem Hailigen Reich wol anstendig und nutzlich.

    k -Nuhn haben wir–k darauf diß e. ksl. Mt. getrewe sorgfeltige erinnerung und vermahnung underthenigstl zugemüeth gefüert und in deme uns unsers churfürstlichen ampts erinnert unnd uns nach innhalt und weisung der alten gesetz und unserm herkommen im Hailigen Reich schuldig erkandt, alles was zu erhaltung desselbigen, auch wolfart gemainer christenhait ersprießlich sein mag, fürzunemen, zutractiern und zuhandlen; und auß solchen von e. ksl. Mt. vatterlichen und hochvernünfftigen eingefuerten ursachen und mehr trefflichen bewegnussen wir allenthalbenm nit anderst ermessen mögen, dann das solches nit allain zu gemainer stende und dann wie die löblich teütsch nation in altem herkommen und wesen, die underthanen aber bey dem iren in guetem schutz und schiermb zuerhalten, die ehr, nutz und gedeyen des gemainen vatterlandts und gantzer christenhait befürdert, vast rathsam, hochfürträglich und notwendig, das nach gelegenhait aller umbstendt der zeit unnd leüfft, von e. ksl. Mt. allergnedigst eingefüert, derwegen noch bey iren lebzeitten ain wichtige sicherhait gemacht werde, sintemal dann uns in solchem fall die wahl zuthun, und obgemelter ertzbischove zu Maintz uns andere obbemelten chur- /278/ fürsten nach ainmüetigem ainhelligem beschluß, das yetziger zeit ain römischer könig zuerwelen bey e. ksl. Mt. leben nutzlich und guet seye, auf den sibenundzwaintzigsten Octobris in dem dumbstifft zu früeher tag zeit und umb siben uhren Šdurch seiner L. offnen besigleten brief5 mit derselben grossem anhangendem innsigl versigelt, alhie zu Regenspurg außgangen zu der wahl aines römischen königs, wie dises dann s. L. als des Hailigen Reichs ertzcantzler vermög der gulden bulla, gemainen rechten und nach altem herprachtem gebrauch, so offt sich die notturfft und fall zutregt, von ampts wegen zusteht, – als haben wir uns mit ainmüetigem ainhelligem rath auf obbestimpten 27. tag dises monats Octobriso, in yetztberürten außgangnen citationen zu der königclichen wahl benendt, in obbemeltem dhombstifft zu Regenspurg p -in der sacristei darzue verordnetem ort–p versamblet6, den handel der wahl vermög der gulden bulla neben obgedachts unsers mitchurfürsten, des pfaltzgraven gwaldthabern, mit den gepürlichen ehren, zierden und solenniteten volbracht und demnach alle samptlich und yeder insonder das jurament, welches uns durch unsern freundt und bruedern, den ertzbischoven zu Maintz, nach laut deß buechstabens der gulden bulla fürgelesen worden unnd gedachter unser freundt und brueder, der ertzbischove zu Maintz, zuvorderstq auch selbst personlich gelaistet, haben wir uns volgendts nach ordnung in die sacristei gemelts dhombstiffts begeben und die handlung der wahl und chur im namen des allmechtigen mit ainträchtigem ainhölligem gemüeth zuvolbringen vorgenommen; und wir Daniel, /278'/ ertzbischove zu Maintz etc., der andern unserer mitchurfürsten stimm und vota nach ordnung des gesetz der gulden bullen von yedem sonderlich gefragt und beforschet, und wir andere churfürsten samptlich widerumb des obgemelten herrn Daniels, ertzbischoven zu Maintz, stimb und votum auch gefragt und erforschet, in deme sich befunden, das wir alle ainmüetigclich und aintrechtigclich, kainer widersprochen, unsere stimm und vota in den allerdurchleüchtigsten, großmechtigsten fürsten und herrn, herrn Rudolffen, königen zu Hungern und Behaimb, als ertzhertzogen zu Österreich zusamen gegebenr. Und seindt zu solchem insonderhait bewegt worden, das ire Mt. auß der löblichen teutschen nation geborn, auch von hohen stammen herkommen und von e. ksl. Mt. vorderst zu Gottes ehr und thugenden von jugendt auf wol aufgetzogen und underwisen, frembder nationen und sprachen erfaren, bißdahero auch in e. ksl. Mt. räthen, auch des Reichs administration sachen gepraucht, darzu getzogen, darin sich gegen derselbigen alles söhnlichen gehorsambs also beflissen, das irer person und deren geschicklichait nach dise unzweifeliche und höchste hoffnung zuhaben und unfelbar zutragen, das ir Mt. nit allain in solchen begabten und gezierdten thugendten zu ehr, nutzs, wolfart und gedeyen deß Hailigen Reichs teütscher nation, deß gemainen geliebten Švatterlandts, reichlich zunemen, sonder dasselbig sampt gemainer christenhait und baider stende gaistlich und weltlich in guetem schutz, ruhe, ainigkait und friden als ain sanfftmüetiger künig bestendig zuerhalten sich befleissigen und in künfftiger administration des kaiserthumbs, nit weniger geprauchen und an irer Mt. möglicher mühe, arbait und fleiß nichts abgehn noch ermanglen lassen werden.

    Darumb wir Jacob, ertzbischove zu Trier, Salentin, erwöltert und bestettigter zu Cöln, u -und an stat unsers mitchurfürsten unnd /279/ brueders, herrn Friderichen pfaltzgraven–u, Ludwig, pfaltzgraf bey Rhein, hertzog in Bayrn, sampt andern zugeordneten gevolmechtigten, Augustus, hertzog zu Sachssen etc., und Hans Georgv, marggrave zu Brandenburg etc., alle churfürsten obgemelt samptlich und unser yeder insonderhait, herrn Danieln, ertzbischoven zu Maintz, vollen gewalt und macht gegeben, in seiner L. und unserer aller namen sein kgl. Mt. w alß unsern mitchurfürsten mit hülff deß allmechtigen zu römischem könig und im fall erledigung des kaiserthumbs (welchen der allmechtig lang verhüetten wölle) zu künfftigem kaiser zuerwölen, zuverkünden, zunennen, zu pronunciern und zupubliciern, das auch also durch s. L., wie sich gepürt, erstlich bey uns in der sacristey beschehen. In welche ainhellige wahl ir kgl. Mt. gleichwol mit etwas eingefüerten beschwerungen und darauf genommen bedencken und vorgehender e. ksl. Mt. allergenedigsten wissenschafft und bewilligung, doch letzlich auff derselben gnedigst vatterlich vermahnen und erinnerung, auch unser bit und begern bewilligt und angenommen, wie volgendts in dem chor offentlich vor allem volckh, in grosser menig und anzal versamblet, auch verkundet und publiciert worden ist, mit nachvolgendem lobgesang „Te Deum laudamus“ und andern gewondlichen zierden und freüden.

    Solch unser verainigung, willigung und chur e. ksl. Mt. wir verkünden und eröffnen, underthenigst pittende, den genanten unsern gnedigsten herrn, den erwölten gewilligten und zu dem Reich versehen in solchen ehren, wirden, titul und namen anzunemen und darfür zuhalten und fürther sein Mt. alß /279'/ römischen könig mit ehren, wierden und titul vor allen des Reichs ständen und underthanen zuhalten und zuerkennen, zugepieten und zuverschaffen, hoffen wir unzweifelich, Gott dem allmechtigen, deß sachen hierin gehandlet ist, werde solche versehung angenem und der christenhait, dem Hailigen Reich und aller obrigkait des römischen volcks tröstlich sein, auch den andern zu forcht khommen, ir kgl. Mt. werde auch mit hülff und rath e. ksl. Mt. in der christenhait und dem Hailigen Römischen Reich frid und ainigkait machen, handthaben, erhalten und sonsten alles das thuen, das ainem römischen könig gepürt und angehört, getrewlich und fleissigclich. Es solle e. ksl. Mt. wierde, hochait und gewalt durch dise unsere wahl in nichts geringert oder verletzt sein.

    ŠDeß zu urkundt haben wir Daniel zu Maintz, Jacob zu Trier, ertzbischove, und Salentin, erwölter und bestettigter zu Cöln, Rudolff, könig zu Hungern und Behaim, ertzhertzog zu Österreich etc., und Ludwig, pfaltzgraf bey Rhein etc., als gewalthaber anstat unsers freuntlichen geliebten herrn vatters, sampt andern zugeordneten, Augustus, hertzog zu Sachssen, und Johans Georg, marggrave zu Brandenburg etc., churfürsten etc., unser jeglicher sein insigel an disen brief thun henckhen und mit zwayen offenbarn schreibern, die wir Daniel, ertzbischove zu Maintz etc., darüber ersuecht und requiriert haben, underschreiben lassen. Geschehen zu Regenspurg im chor, auch sacristei hierzu verordnet und dem aufgerichten gerüßt vor dem chor im jahr nach Christi geburth tausendt funffhundert sibentzig fünff, in der dritten römer zinßzal, indictio genant, bey regierung und herschung kaiserthumbs deß allerdurchleüchtigsten, großmechtigsten und unüberwindtlichsten fürsten und herrn, herrn Maximilian des andern, erwölten /280/ römischen kaisers, zu allen zeitten mehrern des Reichs, in Germanien, zu Hungern und Behaim etc. königs, unsers allergenedigsten herrn, irer ksl. Mt. Reich des römischen im dreyzehenden, des hungerischen im zwölfften und deß behaimischen im sibenundzwaintzigsten, auff donnerstag sanct Simon und Judae abendt, den sibenundzwaintzigsten Octobris.

    Darbei zu den vermelten underschidlichen actibus in chor, dergleichen sacristei und conclave zur wahl verordnet, und dann auff dem gerüßt vorm chor zur proclamation als zu yedem actu insonderhait erforderte gezeügen, auch die zwen underschribne notarien gewesen, die ehrwirdigsten, ehrwierdigen, hochgebornen, würdige, wolgebornen, edle, hochgelerten, strenge und vesten, unsere besonder liebe freunden, freundtliche liebe vettern, schwäger, öhaimen, auch liebe andechtige, getrewe und besondere, herr Johan Jacob, ertzbischoff zu Saltzburg etc., herr David, bischoff zu Regenspurg, herr Wolffgang, probst x -zu Berchterßgaden und Alten Ötingen–x,7, herr Albrecht, pfaltzgraf bey Rhein, hertzog in Obern- und Nidern Bayrn, herr Philips Ludwig, herr Georg Hans, beede pfaltzgraven bey Rhein, hertzogen in Bayrn, herr Barnimy, hertzog in Pommern etc., herr Johans von Trautson, freyherr zu Sprechenstain, erbmarschalch in Tyrol, röm. ksl. Mt. hofmaister und gehaimer rath etc., herr Lienhardt von Harrach, freyherr zu Roraw und Pirhenstain, obrister erbstallmaister des ertzhertzogthumbs Österreich under der Enß, röm. ksl. Mt. gehaimer rath, Adam von Dietrichstain, freyherr zu Holenburg und Finckenstain, erbschenckh in Kärnten, röm. ksl. Mt. öbrister camerer und kgl. W. zu Behaim obrister hofmaister, Johan Baptista Weber, vice- /280'/ cantzler, Wolffgang Camerer von Wormbs genant von Talberg, dhombprobst, und Georg von Schönenburg, dhombdechan zu Maintz, Christoff Faber, maintzischer cantzler, Philips Wolff Švon Rosenbach, beede der rechten Doctores, räthe, Johan von Schönenburg, dhombprobst zu Trier, Johan Wimpffeling, der rechten Doctor, trierischer cantzler, z -Geörg graf zu Witgenstain etc., dhombprobst zu Cöln–z , Geörg von der Leyen, landthofmaister, Frantz Burckhardt, der rechten Doctor, cölnischer cantzler, herr Ludwig grave zu Wichtgenstain etc., pfaltzgrävischer großhofmaister, Christoff Ohaim, der rechten Doctor, cantzler, Erich Volckmar von Berlepsch, Hans von Pernstein, Dam von Sebottendorff, Laurentius Lindemanaa, der rechten Doctor, alle sächssische churfürstliche räthe, ab -herr Albrecht Georg–ab grave zu Stolberg, Georg von Planckenburg, Martin grave von Honstain, herr zu Viradenac etc., Lampertus Distelmair, der rechten Doctor, ad -Christoff grave zu Stolberg und Künigstain–ad , Wolff [und] Henrich von Eysenberg, graven zu Budingen, gebrüedere, Sigmundt grave zu Gleichen, auch sonst ain grosse menig ae -von mehr fürsten, fürstmessigen–ae , herrn, rittern, vom adel und andern, zu allen und yeden insonderhait underschiedlich fürgangnen sachen als getzeugen sampt und sonderlich erpetten und ervordert. Und dieweil ich, Hieronymus Plest, von ksl. gewalt offenbarer und am ksl. camergericht immatriculirter notarius, maintzischer rath und secretarius, bey volbringung obgemelter solenniteten, hinc inde gegebnen versprüchnußen, auch leiblich erstatten ayden zu beschehner wahl und chur, gewaltgebung, erwöhlung, außsprechung und offentlicher gemainer außrüeffung, proclamation und publicierung, auch allen und yeden andern dingen, da sy alleaf, wie obgeschriben /281/ steht, geschehen und volbracht worden seindt, neben und mit sampt dem nachgeschribnen notarien und ag -vor hoch und wol, auch–ag vorangemelten, doch zu underschiedlichen malen erforderten gezeugen gegenwertig gewest bin, dieselbigen alle und yede sonderlich also gesehen und gehört, darumb hab ich diß offen durch hoch- und obgedachte meine gnedigste herrn, die Kff., verglichen und mit aines andern händen verfertigt instrument mit aignen handen underschriben und meinem gewonlichen signet neben anhangenden churfürstlichen ah -und des abwesenden gewalthaber–ah siglen getzaichnet, zu glauben und zeugnus obgeschribner sachen, insonderhait berueffen und erfordert.

    Und ich, Petrusai Kraych Mag., von röm. ksl. Mt. macht unnd gewalt offner und anaj dero Mt. camergericht immatriculierter notarius, maintzischer secreŠtarius, dieweil ich bei allen und yeden obgeschribnen sachen und handlungen durch den obgenanten meinen mitnotarien underschidlich angetzaigt, mit sampt den hoch- und wolgemelten zeügen personlich gewesen, die alle und yede also wie obberürt ergangen und geschehen sein, gesehen und gehört, darumb so hab ich mit obgenantem meinem mitnotarien disen gegenwertigen brief und instrument, durch ainen andern getrewlich geschriben, neben anhangenden kfl. und des abwesenden gewalthabers siglen mit meiner aignen handt underschriben und meinem namen, zunamen und gewohnlichem notariat zaichen underzaichnet, zu glauben und getzeugnus aller obgeschribnen ding, dartzu sonderlich requirirt und berueffen.

    « Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1 »

    Keine inhaltlichen Modifikationen gegenüber der Wahlkapitulation Kg. Maximilians II. vom 30.11.1562.

    Im KR am 15. und 18.10.1575 beraten1, am 22.10. gebilligt2 und Kg. Rudolf II. am 24.10. übergeben3. Von diesem am 25.10. gebilligt4 und am 1.11.1575 im Beisein der Kff. und Pfgf. Ludwigs beeidigt5. HStA Dresden, Ältere Urkunden, Nr. 11974 (unfol. Or. auf Pergament mit eigenhd. Unterschrift Kg. Rudolfs II., Vidit-Vermerk des Vizekanzlers Hegenmüller und Ad mandatum-Vermerk des ksl. Hofsekretärs Altenstaig; das kgl. rote Siegel in einer hölzernen Kapsel an einer schwarz-goldenen Schnur. Überschr.: Konig Rudolffen capitulation, dero ihre kgl. Mt. sich in der wahl, als dieselbe vonn den churfursten des Hailigen Reichs zu einem römischen konig erhöhet unnd gekrönet worden, gegen den churfursten verglichenn unnd verpflichtet. Actum Regensburg, den 1. Novembris anno 1575.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 486–498' (Konz. fol. 486–487, danach Kop. von anderer Hd.; mit der hier wiedergegebenen Artikelzählung, mit Randvermerk Nota bene zu den Artikeln 5, 8, 10, 17, 19, 21, 23–25, 30–33. Überschr.: Capitulation, obligation unnd pacta, darmit sich der erwolt romisch konig gegen den churfursten [...] 6.) = B. LHA Koblenz, Bestand 1A, Nr. 9705 (Or.). = C. HHStA Wien, AUR, 1575 November 1 (Or.). LAV NRW R, Kurköln Urkunden, Nr. 4724 (Or.). HStA München, Kurpfalz Urkunden, Nr. 112 (Or.). GStA PK Berlin, VII. HA Mark als Reichsstand, Nr. 183 (Or.). Druck: Goldast , Politica imperialia, 608–612 (lat. Übersetzung); Limnäus , Capitvlationes, 505–512; Carpzov , Commentarius, 382–386; Ziegler , Wahl-Capitulationes, 55–70; Lünig , Reichs-Archiv, [Bd. Š3,1:] Pars generalis, continuatio [1], [2. Teil], 1. Fortsetzung, 254–258; Dumont , Corps universel V/I, 247–2517; Schneidt , Geschichte, 569–583.

    Wir a -Rudolph der annder, von Gottes genaden erwelter römischer kunig, zu allen zeitten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaim, Dalmatien, Croatien und Sclavonien etc. khunig, ertzhertzog zu Österreich, hertzog zu Burgundi, zu Brabant, zu Steyr, zu Khärndten, zu Crain, zu Lutzemburg, zu Wirttemberg, ober- und nider Schlesien, furst zu Schwaben, marggrave des Hailligen Römischen Reichs zu Burgaw, zu Märhern, ober- unnd nider Laußnitz, gefurster grave zu Habspurg, zu Tyrol, zu Pfierdt, zu Khyburg unnd zu Görtz, lanndtgrave in Elsäß, herr auf der windischen marckh, zu Portenaw und zu Salins etc.–a, bekhennen offentlich mit disem brieff unnd thun khundt allermenigclich:

    Alß wir auß schickhung des allmechtigen in khurtzvergangnen tagen durch die ordenliche wahl der ehrwürdigen und hochgebornen b -Daniels zu Maintz, Jacoben zu Trier, Salentin, erwelten unnd bestettigten zu Cöln, ertzbischoven, Ludwigen, pfaltzgraven bey Rein, hertzogen in Bayrn unnd graven zu Spanhaim, alß volmechtigen gwalttragers seiner lieb vatters, pfaltzgraff Friderichs, Augusten, hertzogen zu Sachsen, lanndtgraven in Türingen unnd marggraven zu Meissen, unnd Hanß Georgen, marggraven zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der cassuben unnd wenden hertzogen, burggraven zu Nürmberg unnd fursten zu Rugen, des Hailligen Romischen Reichs durch Germanien, Gallien und des khunigreichs Arelat, auch Italien ertzcantzlern, ertztruchsässen, ertzmarschalckhen und ertzcamerern–b, unnsern lieben neven, öhaimen und churfursten, zu der ehr und wurde des romischen königclichen namens unnd gewalts erhoben, erhohet und gesetzt sein, der wir uns auch Gott zu lob, dem Hailligen Reich zu ehren unnd der christenhait und teutscher nation, auch gemaines nutzes willen beladen, das wir unns demnach aus freyem genedigem willen mit denselben, unnsern liebenc neven, öhaimen und churfursten, diser nachvolgender articul geding unnd pacts weiß verainigt, vertragen, die angenomen, bewilligt und zuegesagt haben, alles wissentlich und in crafft dits brieffs.

    [1] Zum ersten, das wir in zeit solcher unserer königclichen wurden, // ambts unnd regierung die christenhait unnd den stuel zu Rom, auch babstliche Heyligkait unnd die christliche kirchen alß derselbigen advocat in guettem befelch, schutz und schirm haben, darzu insonderhait in dem Hailligen Reich friden, recht unnd ainigkhait pflantzen, aufrichten und verfuegen sollen und wöllen, das die iren gepurlichen gang, dem armen alß dem reichen, gewinnen und Šhaben, auch gehalten und denselbigen ordnungen, auch freyhaitten und altem loblichem herkhommen nach gerichtet werden sollen. Gleichwol sovil disen auch den nachvolgenden articl gegenwertiger obligation anfahende „Das sollen und wollen wir mit ir, der churfursten etc.“ belangendt8, haben vorgemelte unsere liebe öhaim, die welltliche churfursten, sich außtruckhenlich gegen uns erclart, was daselbsten von dem stuel zu Rom, auch der bäbstlichen Heyligkait, fur meldung beschicht, das ire liebden darein nit willigend noch unns darmit verpunden haben wollen9.

    [2] Wir sollen und wöllen auch sonderlich die vorgemachte gulden bull, den friden in religion- und prophansachen, auch den landtfriden sambt der handthabung desselben, so auf jungst zu Augspurg im funffunndfunfftzigisten jar gehaltenem reichstag aufgericht, angenomen, verabschiedt unnd verpessert worden, stet unnd vest halten, handthaben unnd darwider niemandts beschweren oder durch anndere beschweren lassen, unnd die andere des Hailligen Reichs ordnungen und gesetz, sovil die dem obgemeltem angenommenen Reichs abschiedt, im funffundfunfftzigisten jar zu Augspurg aufgericht, nit zu wider, confirmiern, ernewern und, wo nott, diselbigen mit rath unser und des Reichs churfursten, fursten und anderer stende bessern, wie das zu yeder zeit des Reichs gelegenhait erfordern wurdet.

    [3] Und in allweg sollen und wollen wir die teutsche nation, das Haillig Romisch Reich und die churfursten alß die vordersten glider desselbigen, auch andere fursten, graven, herrn und stende bey iren hochaiten, wurden, rechten, gerechtigkaiten, macht unnd gewalt yedem nach seinem standt unnd wesen bleiben lassen one unnser und menigclichs intrag und verhinderung, und inen darzu ire regalia und obrigkhait, freyhaitten, privilegien, pfandtschafften und gerechtigkhaiten, auch gepreüch und guet gewonhaitten, so sy bißhero gehabt haben oder in ubebung [!] gewesen // sein, zu wasser unnd zu landt, in guetter bestendiger form one alle waigerung confirmieren unnd bestetten, sie auch dabey alß erwelter romischer konig handthaben, schutzen unnd schirmen, doch menigclichen an seinen rechten unschedlich.

    [4] Wir lassen auch zu, das die gedachten sechs churfursten ye zu zeitten nach vermoge der gulden bull unnd irer gelegenhait des Hailligen Reichs zu irer notturfft, auch so sy beschwerlich obligen haben, zusamen khommen mogen, dasselb zubedenckhen unnd zuberatschlagen, das wir auch nit verhindern noch irren unnd derohalben khain ungnade oder widerwillen gegen inen sambtlich noch sonnderlich schöpffen unnd entpfahen, sonder unns in dem unnd andern der gulden bull gemeß genedigclich unnd unverweißlich halten sollen und wollen.

    Š[5] Wir sollen unnd wöllen auch alle unzimbliche, hessige bundtnussen, verstrickhung unnd zusammenthuen der unnderthanen des adels unnd gemainen volcks, auch die entporung unnd aufruer unnd ungepurlich gewaldt, gegen den churfursten, fursten unnd anndern furgenomen unnd die hinfuro geschehen mochten, aufheben, abschaffen unnd mit irer, der churfursten, fursten unnd annderer stendt rath unnd hilff daran sein, das solches, wie sich gepurt unnd billich ist, in khunfftige zeit verpotten unnd furkhomen werde.

    [6] Wir sollen und wollen darzu fur unns selbst alß erwelter romischer khunig in des Reichs handeln, auch khain bundtnuß oder ainung mit frembden nationen noch sonst im Reich machen, wir haben dann zuvor die sechs churfursten deßhalben an gelegene malstatt zu zimblicher zeit erfordert unnd iren willen samentlich oder des mehrern thails aus inen in solchem erlangt.

    [7] Was auch die zeithero ainem yeden churfursten, fursten, herrn unnd anndern oder dero vorelltern oder vorfaren gaistlichs unnd welltlichs standts dergestallt one recht gewaltigclich genommen oder abgetrungen, sollen unnd wollen wir der billichait, wie sich in recht gepurt, wider zu dem seinen verhelffen, bey solchem auch, sovil er recht hat, handthaben, schutzen unnd schirmen one alle // verhinderung, aufhallt oder saumbnuß.

    [8] Zu dem unnd insonderhait sollen unnd wollen wir dem Hailligen Romischen Reich unnd desselben zugehorden nit allain one wissen, willen unnd zulassen gemelter churfursten sambtlich nichts hingeben, verschreiben, verpfenden, versetzen noch in annder wege vereussern oder beschweren, sonder auch unns aufs höchst bearbaiten unnd allen moglichen vleiß unnd ernst furwenden, das jhenig, so darvon khommen, alß verfallen furstenthumb, herrschafften unnd anndere, auch confisciert und unconfisciert merckhliche guetter, die zum thail in annderer frembder nation hende ungepurlicher weise gewachsen, zum furderlichisten wider darzu bringen, zu aignen, auch darbey bleiben lassen, unnd in disem mit rath, hilff unnd beystandt der sechs churfursten, der anndern fursten und stendt yederzeit an die hanndt nemmen, weß durch unns unnd sy fur ratsam, nutzlich unnd guet angesehen unnd verglichen sein wurdet, doch menigclichen an seinen gegebnen privilegien, recht unnd gerechtigkhaiten onschedlich.

    [9] Unnd ob wir selbst oder die unsern ichts, deß dem Hailligen Reich zustendig und nit verlihen noch mit ainem rechtmessigem titul bekhomen were oder wurde, innhetten, das sollen unnd wöllen wir bey unnsern schuldigen unnd gethanen pflichten demselben Reich one verzug auf ir, der churfursten, gesinnen wider zu hannden wenden, zustellen unnd volgen lassen.

    [10] Wir sollen unnd wollen unns darzu in zeit bemelter unnserer regierung fridtlich unnd nachpaurlich gegen den anstössern unnd christlichen gewäldten halten, khain gezenckh, vhedt noch krieg in- oder ausserhalb des Reichs von desselben wegen anfahen oder undernemen noch ainich frembdt kriegs volckh ins Reich fueren one vorwissen, rath unnd bewilligen des Reichs stennde, zum wenigisten der sechs churfursten. Wo wir aber von des Reichs wegen oder das ŠHaillig Reich angegriffen unnd bekriegt wurden, e -alßdann mogen wir unns dargegen aller hülff gebrauchen–e.\

    [11] Dergleichen sie, die churfursten unnd anndere desselben Reichs stennde, mit den // reichstagen, cantzleygelt, nachraisen, auflagen oder stewr onnotturfftigclich unnd one redliche dapfere ursachen nit beladen noch beschweren, auch in zuglaßnen notturfftigen fellen die stewr, auflage unnd reichstage one wissen unnd willen der sechs churfursten, wie obgemeldt darin erfordert, nit ansetzen noch außschreiben unnd sonnderlich khainen reichstag ausserhalb des Reichs teutscher nation furnemmen oder außschreiben.

    [12] Wir sollen unnd wollen auch unnser khunigclich unnd des Reichs empter am hoff unnd sonst am Reich auch mit khainer anndern nation dann gebornen teutschen, die nit nidern standts noch wesens, sonder nambhafftig redlich leut von fursten, graven, herrn vom adel unnd sonst dapffers guetts herkhomens hohen personen besetzen unnd versehen, die sonst niemandts alß unns unnd dem Hailligen Reich mit pflichten unnd diensten verwandt seyen, auch die obbenenten embter bey iren ehren, wurden, fällen, rechten unnd gerechtigkaiten bleiben unnd denselben nichts entziehen oder entziehen lassen in ainiche wege sonnder geverde.

    [13] Dartzue in schrifften unnd handlungen des Reichs khain anndere zungen noch sprach gebrauchen lassen, dann die teutsche oder latheinische zunge, es were dan an ortten, da gemainlich ain annder sprach in üebung were unnd gebrauch stuende, alßdann mogen wir unnd die unnsern unns derselbigen daselbst auch behelffen.

    [14] Auch die churfursten, fursten, prelaten, graven, herrn vom adel, auch andere stendt unnd underthanen des Reichs mit rechtlichen oder guttlichen taglaistungen ausserhalb teutscher nation unnd von iren ordenlichen richtern nit dringen, erfordern noch furbeschaiden, sonnder sy alle unnd yeden insonnderhait im Reich laut der gulden bulla, auch wie des Hailligen Reichs ordnung unnd anndere gesatz vermugen, bleiben lassen. [15] Unnd als uber und wider concordata principum, auchf auffgerichte vertrage zwischen der khirchen, babstlicher heyligkhait oder dem stuel zu Rom unnd teutscher nation mit unformblichen gratien, rescripten, annaten der stifft, so taglichs mit manigfaltigung // unnd erhöhung der offitien am romischen hof, auch reservation, dipensation unnd in andere weeg zu abbruch der stifft gaistlichait unnd annders wider gegeben freyhait, darzu zu nachtail iuris patronatus unnd den lehen herrn stättigs unnd onunderlassig offentlich gehandlet, derohalben auch unleidlich verbotten geselschafft unnd contract oder bundtnuß, als wir berichtet, furgenommen unnd aufgericht worden: Das sollen unnd wollen wir mit ir, der churfursten, fursten unnd anndere[r] stendt rath bey unnserm hailligen vatter, dem babst, unnd stuel zu Rom unnsers Šbesten vermogens abwenden unnd furkhomen, auch darob unnd daran sein, das die vermeldte concordata principum unnd uffgerichte vertrag, auch privilegia unnd freyhaiten gehalten, gehandthabt unnd denselben vesstigclich gelebt unnd nachkommen. Yedoch was beschwerung darin befunden unnd mißbräuch entstanden, das dieselbigen vermoge deßhalben gehabter handlung zu Augspurg der mindern zal im dreyssigisten jar gehaltenen Reichs tags abgeschafft unnd hinfurther dergleichen one verwilligung der churfursten nit zuegelassen werden.

    [16] Wir sollen unnd wöllen auch die grosse geselschafften der khauff gewerbsleut, so bißhero mit irem gelt regiert, ires willens gehandlet unnd mit tewerung vil ungeschickhlichaiten dem Reich, dessen inwohnern unnd unnderthanen merckhlich schaden, nachtail unnd beschwerung zugefuegt, infurn unnd noch taglichs thuen geberen, mit irer, der churfursten, unnd annderer stende rath, wie dem zubegegnen, hievor auch bedacht unnd furgenommen, aber nit volnstreckht worden, gar abthuen.

    [17] Wir sollen und wollen auch insonderhait, dieweilg teutsche nation unnd das Haillig Romisch Reich zu wasser unnd lanndt zum hochsten vor darmit beschwerdt, nun hinfuro khainen zoll von newem geben noch ainiche alte erhohen lassen one besondern rath, wissen, willen unnd zulassen der bemelten sechs churfursten, wie vor unnd offt gemeldt.

    [18] Und da yemandts // bey unns umb newe zolls begnadigung oder erhohung der alten unnd vorerlangten zollen suppliciern unnd anlangen wurde, so sollen unnd wollen wir ime ainiche vertröstung, promotoriales oder vorbittliche schreiben an die churfursten nit geben oder außgehn lassen.

    [19] Auf den fall auch ainer oder mehr, was standts und wesens der oder die weren, die ainichen newen zoll in iren furstenthumben, landtschafften, herrschafften unnd gebietten fur sich selbst ausserhalb unnser begnadigung unnd der sechs churfursten bewilligung angestellt oder aufgesetzt hetten oder khunfftigclich also anstellen oder aufsetzen wurden, den oder dieselben, sobaldt wir dessen fur unns selbst in erfarung khomen oder von anndern antzaig davon empfangen, sollen undh wollen wir durch mandata sine clausula unnd in alle anndere mogliche weeg darvon abhalten unnd gantz unnd zumal nit gestatten, das yemandt de facto unnd aigens furnemens newe zoll anstellen oder sich deren gebrauchen unnd innemen moge. [20] Unnd nachdem etliche zeit hero die churfursten am Rhein mit villen unnd grossen zollfreyungen uber ire freyhait unnd herkhomen offtermals durch furderungs brieff unnd in annder wege ersuecht unnd beschwerdt werdeni, das sollen unnd wollen wir alß untreglich abstellen, furkhommen unnd zumal nicht verhengen noch zuelassen, further mer zu ueben noch zugeschehen.

    [21] Unnd insonderhait so sollen und wollen wir, ob ainicher churfurst, furst oder anndere seiner regalien, freyhaitten, privilegien, recht unnd gerechtigkait Šhalber, das ime geschwecht, geschmelert, genommen, entzogen, bekhommert oder betrüebt worden, mit seinem gegenthail unnd widerwertigen zu gepurlichen rechten khomen oder furzufordern unnderstehn wolte oder auch anhengig gemacht hette, dasselb und auch alle anndere ordenliche schwebendt rechtferttigung nicht verhindern noch verbietten, sonnder den freyen strackhen lauff lassen.

    [22] Wir sollen unnd wollen auch die churfursten, fursten, prelaten, graven, herrn // unnd anndere stendt des Reichs selbst nit vergwaltigen, solches auch nit schaffen noch anndern zuthun verhengen, sonnder wo wir oder jemandt annders zu inen allen oder ainem insonderhait zusprechen hetten oder ainiche forderung furnemmen, dieselben sambt unnd sonder, aufruhr, zwitracht unnd annder unrath im Hailligen Reich zuverhuetten, auch frid unnd ainigkait zuerhalten, zu verhor unnd gepuerlichen rechten stellen unnd khomen lassen unnd mitnichten gestatten, in den oder anndern sachen, in was schein oder under was namen es geschehen mocht, darin sy ordenlich recht leiden mogen unnd des urpütig sein, mit raub, name, prandt, vheden, khrieg oder annderer gestalt zu beschedigen, anzugreiffen oder zu überfallen.

    [23] Wir sollen und wöllen auch furkhomen unnd khaines weegs gestatten, das nun hinfuro yemandts hoch oder nidern standts, churfurst, furst oder anndere, one ursach, auch unverhort in die acht und aberacht gethan, bracht oder erclert werde, sonder in solchem ordenlicher process unnd des Hailligen Romischen Reichs voraufgerichte satzung nach außweisung des Hailligen Reichs in bemeltem funffunndfunfftzigisten jar reformirter camergerichts ordnung in dem gehalten unnd volnzogen werden, doch dem beschedigten sein gegenwehr vermog des landtfridens on abbruchig.

    [24] Unnd nachdem dasselb Romisch Reich vast unnd hochlich im abnemmen unnd ringerung khomen, so sollen unnd wollen wir neben anndern die Reichs stewr der stett unnd annderer gefelle, so in sonderer personen hende gewachsen unnd verschriben, wider zum Reich ziehen unnd nit gestatten, das solches dem Reich unnd gemainem nutz wider recht unnd alle billichait entzogen werde, eß were dann, das solches mit rechmessiger bewilligung der sechs churfursten beschehen were.

    [25] Was auch lehen dem Reich unnd unns bey zeit unnserer regierung eröffnet unnd ledigclich haimbfallen werden, so etwas merckhlichs ertragen, alß furstenthumb, grafschafften, herrschafften, stett unnd dergleichen, die // sollen unnd wollen wir verner niemandts leihen, sonnder zu unnderhaltung des Reichs, unnser unnd unserer nachkhommen der khonig und kaiser behalten, einziehen unnd incorporiern biß so lang dasselb Reichs wider zu wesen unnd aufnemen khombt, doch unns von wegen unnserer erblandt unnd sonst menigclich an seinen rechten unnd freyhaitten unschedlich.

    [26] Auf den fal aber zu khunfftiger zeit furstenthumb, grafschafften, herrschafften und anndere güetter dem Hailligen Reich mit dienstperkhaiten, Reichs anlagen unnd stewern unnd sonst verpflicht, dessen jurisdiction Šunderwurffig und zugethan, nach absterben dero innhaber unns durch erbschafft haimbfallen oder aufwachsen unnd wir die zu unnsern handen behalten oder anndern zukhomen lassen wurden, darvon sollen dem Hailligen Reich seine recht, gerechtigkhaiten, anlagen, stewern unnd anndere schuldige pflicht wie darauf herbracht, gelaist, abgericht unnd erstattet werden.

    [27] Wo wir auch mit rath und hülff der churfursten und anderer stende des Reichs ichts gewonnen, uberkhommen oder zu handen bringen, das alles sollen unnd wollen wir dem Reich zuewenden unnd zuaignen. Wo wir aber in solchem one der churfursten, fursten unnd annderer stende wissen unnd willen ichts furnämen, darinn sollen sie unns zuhelffen unverpunden sein, unnd wir nichts destominder dasjhenig, so wir in solchem erobert oder gewonnen hetten oder wurden unnd dem Reich zustunde, dem Reich wider zustellen unnd aignen.

    [28] Unnd nachdem im Reich bißhero vil beschwerung unnd mengel der muntz halben gewesen unnd noch sein, wollen wir dieselben zum furderlichisten mit rath der churfursten, fursten unnd stende des Reichs zuvorkhommen unnd in bestendiglichj ordnung unnd wesen zustellen moglichen vleiß furwenden.

    [29] Wir sollen und wollen auch hinfuro one vorwissen der sechs churfursten niemandt, was standts oder wesens der seye, mit muntzfreyhaiten begaben oder begnadigen.

    [30] Und insonderhait // sollen unnd wollen wir unnsk khainer succession [o]der erbschafft des oftternenten Romischen Reichs anmassen, underwinden, noch in solcher gestalt unnderziehen oder darnach trachten, auf unns selbst, unnser erben und nachkhomen oder auf yemandt annders understehn zuwenden, sonnder wir, dergleichen unsere khinder, erben unnd nachkhomen die gemelten churfursten, ir nachkomen unnd erben zu yeglicher zeit bey irer freyen wahl, auch vicariat, wie von alter hero auf sy khommen, die gulden bull, babstlich recht unnd anndere gesetz oder freyhaiten vermogen, so es zu fellen khommen, die notturfft unnd gelegenhait erfordern wurde, auch bey irem gesonderten rath in sachen, das Haillig Reich belangen, geruewigclichen bleiben unnd gantz unbetrangt lassen. Wo aber dawider von jemandts gesucht, gethan oder die churfursten in dem getrungen wurden (das doch khaines weegs sein solle), das alles soll nichtig sein unnd darfur gehalten werden.

    [31] Wir sollen unnd wollen auch die romische khunigcliche cron, wie unns als erweltem romischen konig wol gezimbt, empfahen unnd annders, so sich deßhalb gepurt, thuen, auch unnser khunigclich residentz, anwesen unnd hofhaltung in dem Hailligen Romischen Reich teutscher nation allen glidern, stenden unnd underthanen desselben zu eeren, nutzen unnd guettern des mehrern thails sovil moglich haben unnd halten unnd nachvolgendts, so sich der fall erledigung des kaiserthumbs begebe (das der allmechtig lang miltigclich Šverhuetten wolle), unns alßdann unnd nit eher zum beßten befleissigen, die khaiserlich cron zu zimblicher gelegner zeit zum schiersten zuerlangen unnd alle unnd yede churfursten, ir ambt zuversehen, zu solcher crönung thun erfordern, unnd auch in dem allem dermassen ertzaigen unnd beweisen, das unnserthalben an allermoglichait khain mangl gespurt oder vermerckht werden soll.

    [32] Wir sollen unnd wollen auch unns khainer regierung noch administration // im Hailligen Romischen Reich weitter oder annders unnderziehen, dann sovil unns deß von ksl. Mt. vergont unnd zuegelassen wurdet, das wir auch irer ksl. Mt. die zeit ires lebens an irer hochait unnd würde des kaiserthumbs khain irrung oder eintrag thun sollen noch wollen.

    [33] Wir wollen auch in diser unnserer zuesage der gulden bulla, des Reichs ordnung, dem obangeregten friden in religion- und prophansachen, auch dem landtfriden sambt hanndthabung desselben unnd anndern gesatzen, yetzo gemacht oder khonfftigclich durch unns mit irer, der churfursten unnd fursten, auch annderer stendt des Reichs rath mochten aufgericht werden, zuwider khain rescript oder mandat oder ichts annders beschwerlichs außgehn lassen oder zugeschehen gestatten in ainiche weiß oder wege. Dergleichen auch fur unns selbst wider solche gulden bulla und des Reichs freyhait, den friden in religion- unnd prophan sachen und landtfriden sambt handthabung desselbigen von ainicher l -hohern obrigkhait nichts–l erlangen noch auch, ob unns etwas dergleichen aus aigner bewegnus gegeben were oder wurde, nit gebrauchen in khain weiß sonnder alle geverde.

    [34] Ob aber diser oder anndern vorgemelten articln unnd puncten ainichs zu wider erlangt oder außgehn wurde, das alles soll crafftloß, todt unnd absein, inmassen wir es auch yetzo alßdann und dann alß yetzo hiemit cassiern, tödten unnd abthuen unnd, wo nott, der beschwerdten parthey derohalb notturffig urkhundt oder briefflichen schein zugeben unnd widerfaren zulassen schuldig sein sollen, argelist unnd geverde hierin außgeschaiden.

    Solches alles und yedes besonder, wie obsteet, haben wir, obgemelter romischer khönig, den gedachten churfursten geredt, versprochen unnd bey unnsern khonigclichen ehren, wurden unnd wortten in namen der warhait zuegesagt, thuen dasselb auch hiemit unnd in crafft dits brieffs, inmassen wir dann des ainen leiblichen aydt zu Gott unnd dem hailligen evangelio geschworen, dasselb stet, vest und unver- // brochen zuhalten, dem trewlich nachzukhomen, darwider nit zusein, zu thun noch schaffen gethan werden in ainiche weiß oder wege, die möchten erdacht werden. Deß zu urkhundt haben wir diser brieff sechs in gleichem laut geferttigt und mit unnserm anhangenden insigl besiglt unnd yedem obgenantem churfursten ainen zuestellen lassen.

    Regensburg, 1.11.1575. Eigenhd. Unterschrift: Rudolf. Vidit-Vermerk: Hegenmüller. Ad mandatum-Vermerk: Altenstaig.

    « ŠNr. 36  Beschreibung von Wahl, Krönung und Bankett (1575 Oktober 27 und November 1) »

    Am Morgen des 27. Oktober Zusammenkunft der Kff. und des Pfgf. auf dem Rathaus; anschließend gemeinsamer Zug zum Dom. Zelebrieren der Messe durch den Ebf. von Salzburg, Abwesenheit der weltlichen Kff. und des Pfgf. während des Abendmahls. Wahleid der Kff., Wahlkonklave und Wahl Kg. Rudolfs zum röm. Kg. nach den Vorgaben der Goldenen Bulle. Mitteilung über die erfolgte Wahl an Ks. Maximilian II., der sich daraufhin zum Dom begibt. Danksagungen, Glückwünsche und Mahnreden des Ks. Erhebung Kg. Rudolfs auf den Altar und Proklamation als röm. Kg. und künftiger Ks. vor dem versammelten Volk. Begleitung von Ks. und Kg. in ihre Herbergen.

    Am Morgen des 1. November Zusammenkunft der geistlichen Kff. im Dom; Kg. und Ks. werden von den weltlichen Kff. und anderen Ff. und Gesandten in einer feierlichen Prozession zum Dom begleitet. Einleitende Gebete und Zeremonien; Präsentation der Reichskleinodien. Zelebrieren der Krönungsmesse durch den Ebf. von Salzburg [oder den Ebf. von Mainz], Abwesenheit der weltlichen Kff. und des Pfgf. während des Abendmahls. Befragung und Eid des Kg., Salbung, Einkleidung mit dem Krönungsornat und Übergabe der Insignien. Krönung. Eidesleistung. Thronsetzung. Glockengeläut und Kanonensalven.

    Nach Beendigung der Messe feierliche Prozession der Teilnehmer vom Dom zum Rathaus; Auswurf der Krönungsmünzen. Auf dem Platz vor dem Rathaus Zubereitung eines gefüllten Ochsen und Ausschank von rotem und weißem Wein aus einem Brunnen. Vorbereitungen für die Verrichtung der Erzämter (Handwaschbecken und Handtücher für den Kf. von Brandenburg als Erzkämmerer; Haferhaufen für den Kf. von Sachsen als Erzmarschall; Küche mit Speisen für Pfgf. Ludwig als Vertreter seines Vaters und Erztruchsess) und für das Bankett im großen Saal des Regensburger Rathauses.

    Nach Ankunft der Prozession Verrichtung der Erzämter durch die Kff. und ihre Vertreter. Festmahl im großen Saal und in den Nebenräumen des Rathauses. Begleitung von Ks. und Kg. in ihre Herbergen.

    StA Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Krönungsakten 9, fol. 1–16 (Or., wahrscheinlich verfasst von den Nürnberger Krongesandten) = Textvorlage.1

    ŠEin kurze beschreibung, mit waß proceß und ordnung

    die wahl deß röm. königs Rudolphi 2. etc. in anno 1575, den 27. Octobris

    ist vorgenohmen und volendet worden2

    /1/ Am Donerstag, den 27. Octobris, welcher ist geweßen der abendt Simonis & Judae apostolorum, sind die 5 churfürsten Mainz, Thrier und Cölln, chur Sachsen und chur Brandenburg und dann deß churfürsten pfalzgraf Fridrichs sohne, pfalzgrav Ludwig etc., alß hochermeltes seines herrn vatters gewalthaber selbst persönlich ungefehr umb 7 der kleinen uhr auf dz rhathaus gezogen mit allem ihrem hofgesindt aufs herrlichst bekleidet, und haben ihnen die churfürsten ihre churfürstliche schwerdt in den schaiden, mit vergüldten und silberen gahr herrlich beschlagen, vorführen lassen. Daselbst auf dem rhathaus haben sie ihren churfürstlichen habit angethan3 und seindt darnach in ihrer Šordtnung in den thumbstifft alhier gezogen, daselbst vermög der guldenen bull die ordentliche wahl fürzunehmen4.

    In dem nun die churfürsten allesambt, auch dem [!] könig zu Böheimb Rudolpho5, in den chor des thumbstifts kommen, haben sie ihre gebürendte session oder standt eingenommen6, welche nach altem herkommen und gebrauch, und wie mann sy zuvor in der statt Franckhforth zuverrichten und zubereitten pflegt, mit chöstlicher tapecerey, auch guldenen tuech behengt und geziert gewest. Daselbst im thumbstift ist der ertzbischof zu Salzburg7 in seinem potifical angethan erschinen und /1'/ erstlich angefangen, daß „Veni sancte spiritus“ zusingen, welches die ksl. cantorei vollents hinauß gesungen und der ertzbischof mit gewohnlicher collecten daselbst beschlossen. Alßbalden zu anfangs solches gesangs sindt die churfürsten alle aus ihren stüelen gangen, vor den hohen altar im chor neben einander in ihrer ordtnung nider gekniet und also biß zum beschlus des gesangs khnient bliben, aber ihr schwerdter in den verguldten schaiden haben sye ein jeder vor seinem stuel und platz, da er gestandten ist, ligen lassen. Nach vollendung dieses gesangs hat mann angefangen, das ambt oder die mess „De sancto spiritu“ nach vermög der guldenden bull zusingen, Šund hat der ertzbischof zu Saltzburg die meß gehalten, die ksl. cantorei das ambt durchaus herrlich gesungen. Alßbaldt nach anfang der meß sindt die zween weltliche churfürsten Sachßen und Brandenburg sambt dem pfalzgrav Ludwigen (alß der augspurgischen confeßion verwandte) auß dem chor abgetretten, doch ihr jeder sein schwerdt, wie vorgemeldt, bey seiner seßion oder standt ligen lassen, und haben sich also mitler weil und biß die meße vollendet gewest in dem conclav (darinnen nachmals die wahl geschehen) beyeinander enthalten. Nach volbrachter meß sindt die weltlichen churfürsten sambt dem pfalzgrav Ludwigen an statt seines herrn vattern wider auß dem conclav in den chor gangen, [haben] ihre vorige standt und seßion eingenommen und alß der ertzbischof von Salzburg /2/ abermahls daß „Veni sancte“ angefangen, seindt die churfürsten allesambt widerumb, wie zuvor im anfang, vor dem altar nidergekniet und biß zum ende des gesangs knient bliben.

    Nachmalß hat der churfürst von Maintz alß des röm. Reichs ertzcanzlar etc. den andern churfürsten allen und einem jeden insonderheit den aidt, wie dersselbig in der guldenen bull begriffen, fürgeleßen; er auch letzlich denselben selbst geschworen8. Und laut derselbige aidt von wort zu wortten also: „Ich N.N. schwöre zue dem hl. evangelio hiergegenwertig vor mir ligent, das ich durch den glauben und die treu, damit ich Gott und dem Hl. Röm. Reich verstrickht und verbundten bin, nach aller meiner vernunfft und verstendtnus mit der hilf Gottes wehlen will ein weltlich haubt dem christlichen volckh, das ist einen römischen könig zum könftigen keyser zuerheben, der darzue geschickht und tüglich sey, so weit mich meine sinnen und vernunft weißen, und nach obberierten meinen glauben und trew mein stim und wahl geben will ohne geding, lohn oder gab oder verheisung derselben oder welcher massen solches möchte genant werden, alß mir Gott hilft und das hl. evangelium.“9 In solchem schwören haben die geistliche churfürsten ihre rechte handt auf die brust, die weltlichen aber auf das hl. evangelium gelegt.

    /2'/ Nachdem nun obbeschribner massen der aidte von denen churfürsten allen geschworen, seindt sie widerumb in ihre stüele gegangen, und hat der ertzbischof angefangen zuesingen den hymnum „Veni creator spiritus etc.“, die ksl. cantorei denselben gahr aus gesungen, und nach volbrachtem hymno sindt die churfürsten sambt dem könig zu Böheimb etc. aufgestandten und Šihrer ordtnung in das conclav gangen10, welches auch alßbaldt nach ihnen verspört und zuegeschlossen worden, und haben die churfürsten die schlüßel zue der statt Regenspurg thoren in einem thriechelein11 zu sich in daß conclav genohmmen und biß nach vollendung der wahl behalten. Daselbst in dem conclav haben die churfürsten nach ordnung der guldenen bull den königa zue Böheimb Rudolphum mit einhelliger stim12 und wahl zue einem römischen könig und zum khönftigen keyßer in dem nahmen Gottes frey erwehlt13.

    ŠNach beschehener wahl haben die churfürsten zue der röm. ksl. Mt. in ihren pallast geschickt14 und ihrer Mt. anzeigen lassen, daß sie die wahl eines röm. königs und zuekönftigen keyßers nach ordtnung der guldenen bull vollbracht und beschlossen; wehre darauf ihr undterthenigstes vleißigs bitten, ihr ksl. Mt. wolte unbeschwerdt sein, zue ihnen in den thumbstift zu kommen, alda die eröfnung der gethanen wahl anzuhören und /3/ ferrner darauf waß sich gebüert handtlen und beschließen zu helfen. Auf solche bitt und ersuechung hat die ksl. Mt. solch der Kff. begehren bewilligt, sich auch alßbaldt aufgemacht und hinumb in den thumbstift in einem sessel tragen lassen, und ist ihr ksl. Mt. durch die herrn des rhats unter dem himmel, auch sonsten die fürsten und andere herrlich begleidet worden15. Alß nun die ksl. Mt. in den thumbstift khommen, sindt die churfürsten in ihrer ordtnung und kfl. klaidung biß zue der kirchenthüer ihrer ksl. Mt. entgegen gangen. Alda hat ihre Mt. ihnen allensambt die handt gebotten und sich nachmals in den chor tragen lassen, daselbst ihren ksl. habit angethan, und haben die Kff. ihrer ksl. Mt. die ksl. cleinoth und insignia fürgetragen und sindt also miteinander in daß conclav gangen. Daselbst ist ihrer ksl. Mt. durch den churfürsten zu Maintz angezaigt worden, wie das er und seine mitchurfürsten die kgl. Würden zue Boheimb Rudolphum, ihrer ksl. Mt. sohn, nach ordnung der guldenen bull mit einhelliger stimb und wahl zue einem röm. könig und zukönftigem keyßer erwehlet haben, mit underthenigster bitt, ihre ksl. Mt. wolte ihr solche wahl allergnedigst gefallen /3'/ lassen und dieselbig confirmiren und bestettigen.

    ŠDarauf hat die ksl. Mt. in einer gar ziehrlichen und ausführlichen rede sich gegen den churfürsten erclehret, daß ihr Mt. ob der beschehenen wahl nicht allein wol zuefriden und ein sonders gefallen truegen, sondern sye thete sich auch gegen den churfürsten deß geneigten günstigen und freundtlichen willens allergnedigst bedanckhen, mit erbietung, solches gegen ihnen, den churfürsten, mit allen gnaden zuerkhennen. Ihr ksl. Mt. haben auch ferrner die churfürsten gantz gnediglich ermahnet und gebetten, nachdem nun die verwaltung und administration deß Röm. Reichs sonderlich bey solchen gantz schweren und gefehrlichen leuften und zeiten ein unüberschwengliche grosse bürden auf ihm truege und der jezt erwehlte römische könig, ihrer Mt. geliebter sohne, des alters halben noch jung16, das sie, die churfürsten, ihme mit getreuem hilf und beystandt, mit rhat und that nicht verlassen wolten, gleichsfals wehre ihre ksl. Mt. nach ihrem höchsten vermögen zuethuen urbietig und willig. Und haben ihre ksl. Mt. sich darauf zue dem neu erwöhlten römischen könig, ihren sohn, gewiedmet, denselben gantz freundt- und vetterlich angesprochen und ihme erstlich zue der angenohmenen /4/ hochheit und wirdigkeit der administration des Römischen Reichs von Gott dem allmächtigen glickh und heil gewinschet und ihn vermahnet, dieweil ihm solche bürden sonderß zweifels aus sonderbahrer schickhung Gottes aufferlegt, das er sich derselben nit verwidern, sondern mit danckhsagung annehmen und Gott umb gnadte bitten soll etc. Ihre ksl. Mt. haben ihne auch ferrner vermahnt, in solcher administration allein Gott und die gerechtigkeit vor augen zuhaben und des Römischen Reichs wolfarth zum besten zuebefördern, darzue dann ihre ksl. Mt. sambt den churfürsten allen ihme getrewe hilf und beystandt laisten und erzaigen wolten. Solche glückhwinschung und vermahnung hat der neuerwehlte könig mit gar khindtlicher reverenz und ehrerbietung, auch vleißiger danckhsagung angenommen und sich erbothen, dieser vetterlichen vermahnung mit höchstem fleiß nachzukommen und dieweil er für sein person sich zue solcher bürden und hochheit viel zue gering und zue wenig erkhenne, so wol er sich der gnaden Gottes, auch seines geliebten herrn vatters und der churfürsten aller hilf und beystandts, ihrem gnedigsten erbiethen nach, ungezweifelt getrösten, auch darneben an allem seinem müglichen fleiß nichts erwinden noch ermanglen lassen17.

    ŠDarauf die churfürsten ihme nacheinander glückh /4'/ gewinscht, und nach solcher glückhwinschung ist die ksl., auch die kgl. Mt. sambt den churfürsten auß dem conclav in den chor heraußgangen, und hat die ksl. Mt. sich in ihren stuel, welcher auf das herrlichst zuegericht gewest, nidergesezt. Die kgl. Mt. ist vor den altar gangen, daselbsten auf dem obristen staffel nidergekniet, die 6 churfüersten, deren zue jeder seiten 3 nach der ordtnung gestandten, haben ihre kgl. Mt. miteinander aufgehebt und auf den altar gesezt. Nachmahlen hat mann angefangen, das „Te Deum laudamus“ aufs herrlichst und frölichst zuesingen, darzwischen hat mann auch alle glockhen geleutet und des grosse geschütz auf den pasteyen abgehen lassen.

    Nach vollendung desselben haben auch alle trompeter und hörpauckher sich weidlich hören lassen, das es in der kirchen gewaltig erschollen. Nach dieser frolockhung haben die churfürsten miteinander die kgl. Mt. widerumb von dem altar herab gehoben, und hat sich die ksl. Mt. in ihren sessel von ihren stuel auß dem chor herauß in die kirchen tragen lassen, alda ein hohe bühn mit prettern aufgemacht gewest, auch der ksl. und kgl. Mtt., darzue auch den churfürsten ihre seßiones, wie solches einem jeden gebürt, /5/ verordnet, aufs herrlichst geschmuckht und geziehrt gewest. Von derselben bühn herab gegen dem volckh, welches in grosser meng und in grossem gedreng versamlet gewest, ist der new erwöhlte könig offentlich proclamirt und alß ein römischer könig und zuekunftiger keyßer außgerueffen und verkhündigt worden18. Nach solchem haben die trompeter und hörpauckher widerum angefangen zueblaßen und zueschlagen, und ist nach diesem allen die röm. ksl. Mt. in ihren sessel wider auß der kirchen getragen und durch die kgl. Mt., auch alle chur- und füersten under dem himmel in ihre ksl. Mt. herberg begleitet worden, daselbst ihre ksl. Mt. ihnen allen die handt gebothen und ihnen anheimbs zueziehen erlaubt hat. Die churfürsten haben in dem kfl. habit und ornat die kgl. Mt. auch in ihre herberg begleitet und nachmals ein jeder auch in sein herberg gezogen19. Und ist also solche wahl glückhlich und wohl vollendet worden20.

    könig und zukhünftigen keyßer ist gekhrönt worden21

    /5'/ Am ersten tag deß monats Novembris im selbigen jahr 1575, ist gewest der tag omnium sanctorum; zue morgens umb 7 der kleinen uhr sindt die 3 geistlichen churfürsten Maintz, Trier und Cölln, ein jeder in seinem churfürstlichen habit, auß ihrer herberg in den thumb gezogen, alda in der sacristey ihre pontificalia (ausserhalb deß von Cöln, welcher kein geweyheter priester gewest) angelegt und daselbst der röm. ksl. und kgl. Mtt. ankhunft erwartet. Die weltlichen zwen churfürsten aber, alß Sachsen und Brandenburg, auch in ihrem kfl. klaidt, und Pfgf. Ludwig, des churfürsten sohn, an statt seines herrn vatters und alß desselben anwaldt und bevelchhaber, in seiner gewöhnlichen klaidung, deßgleichen auch die andern anweßende fürsten, graven und herrn, auch andere potentaten, gesandte und potschafften haben sich sambt allen ihren dienern und hofgesindt zue der röm. kgl. Mt. in desselben herberg im winckhel gegen der thumbkirchen über verfüegt, daselbst ihrer kgl. Mt. auf den dienst gewartet und volgents ihrer kgl. Mt. hinüber in des bischofs hof, da ihr ksl. Mt. zur herberg gelegen, begleitet. Und ist die kgl. Mt. gahr herrlich begleitet geweßen und mit rothem atles, samet und güldenem stuckh, ihr Mt. haben auch die böhemische cron alß ein könig desselben reichs aufgetragen. /6/ (Bey dießer beschreibung geschiehet auch meldung der protestation, so nicht allein die statt Franckhfort wegen der wahl, alß die vermög der guldenen bull daselbst celebrirt werden soll22, sondern auch die statt Aach wegen der Šcrönung, so ingleichem daselbst vorgenohmen werden soll23, eingewendet haben.) 

    Alß nun die kgl. Mt. sambt der weltlichen chur- und fürsten etc. bey der ksl. Mt. in ihrem palatio erschinen, haben ihr ksl. Mt. sich alßbalden aus ihrem Šgemach herabtragen [lassen]. Daselbst hat sich der ksl. und kgl. Mtt. hofgesindt sambt den weltlichen fürsten, graven und herren in ihre gebürende ordnung gestelt, und haben die 3 weltlichen churfürsten die ksl. insignia und cleinoder24, alß nemlich der pfalzgraf auf der rechten handt den guldenen apfel, auf der linckhen seiten der churfürst von Brandenburg das scepter und in der mitten der churfürst von Sachßen dz blosse schwerdt der ksl. Mt. vorgetragen, welche alle zue fues gegangen. Auf dieselben haben ihr ksl. Mt. sich unter dem himmel in einem sessel tragen lassen, und ist zu nechst neben ihrer ksl. Mt. die kgl. Mt. zur linckhen handt beneben (doch ein wenig hinter sich) gefolgt, und nach dießem allen das ander hofgesindt sambt /6'/ einer grossen meng volckhs hinten nachgangen25.

    In solcher ordnung ist mann in den thumbstift gangen, daselbsten seindt die 3 geistlichen churfürsten sambt den bischofen und ganzer clerisey in einer herrlichen proceßion der keyßer- und kgl. Mtt. biß zue der kirchthier entgegen gangen, und hat der ertzbischof von Salzburg alß verordneter consecrator26 mit Šdiesem versiculum die kgl. Mt. empfangen und gesagt: „Adiutorium nostrum in nomine Domini“. Die andere bischöf und clerisey haben geantworttet: „Qui fecit coelum et terram.“ Salzburg widerumb: „Sit nomen Domini benedictum“. Clerisey: „Ex hoc nunc et usque in saeculum.“ Salzburg widerumb ein collecten geleßen „Omnipotens etc.“. Nach volbrachter collecten seindt die geistlichen in ihrer proceßion gegen den chor fortgangen, darauf die ksl. Mt. mit den geistlichen churfürsten begleitet, nach derselben die weltlichen churfürsten. Die kgl. Mt. aber hat sich vor dem chor altar auf die erden, alda ein köstlicher schöner teppich nach der lenge aufgebraitet geweßen, creutzweiß mit ausgespanten armen nidergelegt, der ertzbischof von Salzburg den vers gesprochen: „Domine salvum fac regem“; die clerisey geantwortet: „Et exaudi nos in die qua invocabimus te.“ Darauf die collecten von dem erzbischof gesungen worden: „Domine qui scis etc.“ und dann ein andere collecten „Omnipotens sempiterne Deus etc.“ /7/ In deßen, und biß also mit hirvor geschribnen gebeten der anfang gemachet worden, haben die 3 weltlichen churfürsten der ksl. Mt. mit den ksl. cleinodien und insignien auf den dienst gewarttet. Nach vollendtem gebet und collecten haben die geistliche churfürsten und der bischof die kgl. Mt. von der erden wider aufgehebt und sie in ihren verordneten stuel (welcher gleichfals herlich zuegerüst gewest) geführt und daselbst nidergesezt. Nachmals haben auch sie, die geistlichen Kff., ihre verordnete seßiones eingenohmmen, und hat die ksl. Mt. die weltlichen churfürsten auch abtretten lassen, welche alßdann die ksl. cleinodt und insignia ihren unter officiren uberantworttet. Dieselben haben sie, so lang dieser actus gewehret und biß die Kff. selbst dieselbigen wider von ihnen zue sich genommen, vorb der ksl. Mt. stuel mit gebührender reverenz stehent gehalten. Deßgleichen sindt auch die andern weltliche fürsten, ein jeder seinem standt nach, in ihren verordneten stuel und seßion gestandten.

    Darauf hat der ertzbischof von Salzburg daß ambt der meß angefangen, in seinem meßgewandt für den altar niedergekhniet, daß „Confiteor“ gesprochen, welchen die andern 2 bischof, Regenspurg und Lübeckh, ministrirt und beederseits auf den dienst gewartet. Nach solchem seindt die weltlichen chur- und fürsten, soviel derselben der augspurgischen confeßion verwandt, mit gebührender reverenz gegen der röm. ksl. und königlichen Mtt. auß ihren stüelen abgetretten und solang aussen bliben /7'/ biß das ambt der meß gar vollendet Šgeweßen27. Die andern aber, welche der bäbstlichen religion zuegethan, sindt mit grosser andacht und allen derselben ceremonien gebliben, biß zum ende verharret und darbey alles daß verrichten helfen, was sich catolischer gebrauch und ordnung nach gebühret. Under dem ambt der hl. meß ist durch der röm. ksl. Mt. cantorey auf das herrlichste gesungen worden28.

    Nach verrichter meß und gesang ist die kgl. Mt. in ihren stuel oder standt aufgestandten, den kgl. mantel von sich gelegt, darunter sie ein rothen langen atleßen rockh gehabt, und ist volgents durch die geistliche Kff. für die staffel des altars geführt worden. Daselbst hat ihre kgl. Mt. sich abermahls wie zuvor creuzweiß auf die erden nidergelegt, und ist die litaney von 2 priestern zuesingen angefangen und allweg durch den chor oder die cantorey geantwort worden. Alß mann nun in solchem gesang an das ohrt vor den könig zubitten kommen ist, hat der ertzbischof von Salzburg, welcher das ambt gesungen, seinen bischoflichen stab in handt genommen und nachfolgende vers selbst gesungen: „Ut famulum hunc tuum Rudolphum in regem eligere digneris; et eum benedicere, sublimare et conservare digneris; et eum ad regni et imperii fastigium feliciter perducere digneris.“ Darauf der chor allzeit geantworttet: „Te rogamus, audi nos.“

    Nach volbrachter litaney hat mann die kgl. Mt. von der erden wider aufgehaben, und sich der bischof vor dem altar umbgewendet, ihre kgl. Mt. vor dem altar stehendt auf nachfolgende articul in lateinischer /8/ sprach gefragt: „1. Vis sanctam fidem catholicam a viris sanctis traditam tenere et operibus iustis servare?“ Rex respondit: „Volo.“ Episcopus: „Vis sanctis ecclesiis exclesiarumque Šministris fidelis eße tutor et defensor?“ Rex: „Volo.“ Episcopus: „Vis regnum a Deo tibi conceßum secundum iustitiam praedeceßorum tuorum regere et efficaciter defendere?“ Rex: „Volo.“ Episcopus: „Vis pauperum et divitum, viduarum et orphanorum aequus esse iudex et pius defensor? Rex: „Volo.“ Episcopus: „Vis sanctissimo in Christo patri et domino romano pontifici et sanctae romanae ecclesiae subiectionem debitam et reverentiam exhibere?“ Rex positis duobus digitis manus suae dextra[e] super altare dixit: „Volo et in quantum divino fultus fuero adiutorio et precibus fidelium christianorum adiutus fuero, omnia promissa fideliter adimplebo, sic me Deus adiuvet et sancta Dei evangelia.“

    Alß nun solcher eide vollendet, hat der bischof weiter sich zue den churfürsten, fürsten, auch der ganzen geistlichkeit und dem umbstehenden gegenwertigen volckh gewendet und in lateinischer sprach also gefragt: „Vultis tali principi et rectori vos subiicere ipsiusquec regnum firmare, fide stabilire acque iußonibus illius obtemperare? iuxta apostolum[:] Omnis anima potestatibus sublimioribus subiecta sit, sive regi tanquam praecellenti.“ Ad quam quaestionem domini archiepiscopi moguntinensis, trevirensis, principes electores Alemaniae respondentes dixerunt: „Fiat, fiat, fiat.“ Nach solchem hat die kgl. Mt. sich abermals auf den teppich nach der leng nidergelegt, und hat der ertzbischof nachfolgenden seegen über ihre kgl. Mt. gesprochen: „Benedic domine hunc regem nostrum.“

    Nach solchem gebet hat sich die kgl. Mt. widerumb auf- /8'/ gerichtet, und hat ihr Mt. der ertzbischof gesalbet mit dem geweyheten öhle, erstlich auf den haubt uber die schaidel, darnach auf der brust, item über die schultern und an den gelenkhen beeder arm, und hat darzue gesprochen: „Pax tibi.“ Der chor aber oder die clerisey hat geantworttet: „Et cum spiritu tuo.“ Der ertzbischoff weiter gesprochen: „Ungo te in regem de oleo sanctificato in nomine patris et filii et spiritus sancti. Amen.“ Unter solcher salbung hat der chor gesungen die antiphon „Unxerunt Salomonem“. Darnach hat der erzbischof ihr kgl. Mt. auch die händt inwendig an den ballen gesalbet und geschprochen: „Ungantur manus istae de oleo sanctificato, uti uncti fuerunt reges et prophetae, et sicut Samuel unxit David in regem, ut sisd benedictus et constitutus rex in regno isto super populum istum, quem dominus Deus tuus dederit tibi ad regendum et gubernandum, quod ipse praestare dignetur, qui vivit et regnat in saecula seculorum.“ Und nach solcher salbung hat der chor widerumb gesungen die antiphon: „Unxit te Deus etc.“

    Nach volbrachter salbung hat mann die kgl. Mt. in die sacristey geführt, und ihrer Mt. capelan haben mit einer gar schönen reinen woll das angesalbte öhl widerumb abgewischt. Darnach hat mann ihr kgl. Mt. daselbsten in der sacristey angethan mit eines diaconi rockh und kleidung ohne mantel oder meßgewandt, und ist ihre Mt. in solchem leviten rockh widerumb herauß in die Škirchen kommen in ihren sitz bey dem altar, und hat der ertzbischof widerumb angefangen über ihre kgl. Mt. zubetten unterschidliche precationes. Nach vollendung solcher gebet, und dieweil die kgl. Mt. noch vor dem altar gekhniet, hat der ertzbischof zu ferrnerer vollführung der angefangnen meß die praefation mit anhangenden worten gesungene: /9/ „Per omnia secula seculorum.“ Darauf hat der chor geantwort: „Amen.“ Und darauf der erzbischof daß „Deo gratia etc.“ gesungen, auch underschidliche benedictiones gesprochen.

    Nach solchem gebet und seegen, und alß die kgl. oder ksl. insignia oder cleinoder auf der linckhen seiten neben dem altar ordentlich auf einem tisch ligent albereit vorhanden gewest, haben die 3 geistliche churfürsten derselben ains nach dem andern in die handt genommen und der kgl. Mt. überantworttet, und erstlich ein blosses schwerdt in die handt gegeben, darzue der ertzbischof diese lateinische wort gesagt: „Accipe gladium per manus episcoporum licet indignas, vice tamen et authoritate sanctorum apostolorum consecratas, tibi regaliter impositum nostraeque benedictionis officio in defensionem sanctae Dei ecclesiae divinitus ordinatum; et esto memor, de quo psalmista prophetavitf dicens (under dießen wortten haben die churfürsten der kgl. Mt. daß schwerdt in die schaiden gesteckht und an die seiten gehenckht): Accingeg gladio tuo super femurh tuum potentissime, et in hoc et per eundem vim aequitatis exerceas, iniquitatis molem potenter destruas et sanctam Dei ecclesiam eiusque fideles propugnes, protegas, nec minus in fide falsus quam christiani nominis hostes exerceas et destruas, viduas et puppillos clementer adiuves ac defendas, desolata restaures, restaurata conserves, ulciscaris iniusta, confirmes bene disposita, quatenus haec [in] agendo virtutumi triumpho gloriosus, iustitiae[que] cultu egregius, cum mundi salvatore (cuius typum geris in nomine) sine fine merearis regnare, qui cum patre et spiritu sancto vivit et regnat Deus in secula seculorum. Amen.“

    Alß nun die kgl. Mt., alß wie obsteth, mit dem schwerdt umbgürt gewest, ist ihrer Mt. auch ein herrlicher köstlicher /9'/ mantel angelegt und ein ring an die handt gesteckht und latein diese wort darzue gesprochen worden: „Accipe regiae dignitatis annulum et per hunc catholicae fidei cognosce signaculum, et ut hodie ordinaris caput et princeps regni et populi, ita perseverabilis auctor et stabilitor christianitatis et christianae fidei fias, ut felix in opere cum rege regum glorieris per aevum, cui est honor et gloria per infinita secula seculorum.“

    Darnach hat mann ihrer kgl. Mt. auch den scepter in die handt gegeben und diese wort gesprochen: „Accipe virgam virtutis et aequitatis, qua intelligas mulcere pios et terrere reprobos, errantibus viam pandere, lapsisque manum porrigere, disperdas superbos et releves humiles, et aperiat tibi ostium dominus ŠDeus noster, qui de se ipso ait: Ego sum ostium, per me si quis introierit, salvabitur. Et ipse est clavis David et sceptrum domus Israel, quij aperit, et nemo claudit, claudit et nemo aperit, sitque tuus ductor, [qui] educit vinctum de domo carceris sedentem in tenebris et in umbra mortis, utk in omnibus sequi merearis euml, de quo propheta David cecinit: Sedes tua, Deus, in seculum seculi, virga aequitatis virga regni tui. Et imitando ipsum diligas iustitiam et odio habeas iniquitatem, quia propterea unxit te Deus tuus ad exemplum illius, quem ante secula unxerat oleo exultationis prae participibus suis per Iesum Christum.“

    Nach diesem gebet haben die 3 geistliche Kff. Mainz, Thrier und Cölln ihrer kgl. Mt. die cron29 aufgesezt und darzue nachfolgende wortt gesprochen: „Accipe coronam regni, quae licet ab indignis episcoporum manibus capiti tuo imponitur per quam sanctitatis gloriam et opus fortitudinis expreße significarem intelligas, et per hanc te principem ministerii nostri non /10/ ignores. Ita ut sicuti nos in interioribus pastoresn rectoresque animarum intelligimur, ita et tu in exterioribus verus Dei cultor strenuusque contra omnes adversitates exclesiae Christi defensor regnique a Deo tibi dati existas, et per officium nostrae beneditionis vice apostolorum omniumque sanctorum suffragio tuo regiminio commissi utilis executor regnatorque perspicuus semper appareasp, ut inter gloriosos at[hletas] q virtutum gemmis ornatus et praemio sempiternae felicitatis coronatus, cum redemptore ac salvatore Domino nostro Iesu Christo, cuius nomen vicemque gestarer crederis sine fine gloriaes, qui vivit et regnat Deus cum patre in unitate spiritus sancti per omnia secula seculorum. Amen.“ Alß nun die kgl. Mt. dermassen, wie obstehet, gekrönet und mit allen kgl. ornamenten, gezirten und insignien angethan gewest, haben die 3 geistliche Kff. ihre kgl. Mt. abermals die stafel hinauf vor den hohen altar geführet. Daselbst hat ihre kgl. Mt. ihre beede hendt auf den altar gelegt und zum andern mahl nachfolgenden aidt und pflicht gethan: „Profiteor et promitto coram Deo et angelis eius modot et deinceps legem et iustitiam pacemque sanctaeu ŠDei ecclesiae servare populoque mihi subiecto prodeße et iustitiam facere et conservare iura regni, salvo condigno divinae misericordiae respectu, sicut cum consilio principum et fidelium regni atque meorum melius invenire potero, sanctissimo romano episcopo et ecclesiae romanae caeterisque pontificibus et ecclesiis Dei condignum et canonicum honorem volo exhibere, ea etiam, quae ab imperatoribus et regibus ecclesiae seu ecclesiasticis viris collecta sunt et erogata, inviolabiliter ipsis conservabo et faciam conservari, abbatibus et ordinibus ac vasallis regni honorem congruum volo portare et exhibere, domino nostro Iesu Christo mihi praestante auxilium, fortitudinem et decorem.“

    Nach volbrachter dießer pflicht und gelüebd haben die churfürsten alle die kgl. Mt., also in ihr ornamentis angethan, auf /10'/ die hohe bühne vor dem altar der apostel Simonis et Iudae gefürth, alda ihre kgl. Mt. ein gar herrlichen siz unndt kgl. stuel zubereitet gehabt, darinn sich gesezt und also des Hl. Röm. Reichs poßeßion eingenommen, und darzu nachvolgende wort gesprochen: „Serva et retine locum regium, quem non iure hereditario nec paterna succeßione, sed principum seu electorum in regno Alemaniae suffragiis tibi noscas delegatum, maxime per authoritatem Dei omnipotentis et traditionem nostram praesentem et omnium episcoporum caeterorumque servorum Dei. Et quanto clerum sacris altaribus propinquorem prospicis, tanto ei potiorem in locis congruis honorem exhibere memineris, quatenus mediator Dei et hominum te mediatorem cleri et plebis in hoc regni solio confirmetv et in regno aeterno secum regnare faciat Iesus Christus Dominus noster, rex regum et dominus dominantium, qui cum Deo patre et spiritu sancto vivit et regnat in secula seculorum. Amen.“30

    Nach diesem allen hat man mit großer freudt und jubilation angefangen dz „Te Deum laudamus“ [zu singen], darzu der ksl. Mt. organist auf die orgel geschlagen und die cantorey darzwischen aines nach dem andern gesungen, wie nicht weniger hat man unter dem gesang alle glocken angefangen zuleuten und dz geschüz auf den pasteyn andern orthen loß gebrandt. Ingleichen haben auch khayser- und kgl. trompetter und hörpaucker sich mit großem schal hören laßen. Darauf ist die kgl. Mt. widerumb in ihren vorigen standt und stuel getretten und daselbst bis zum ende der meß verharret31; und ist darauf die meß Švorgenommen und dz evangelium Mathei „Cum natus eßet Iesus in Bethlehem in diebus Herodis regis etc.“ gesungen worden, nach demselben durch den erzbischoff vor dem altar „Credo in unum Deum etc.“ und durch den chor gar vollendet worden. Unter dem gesang deß offertorii und alß man der ksl. undt kgl. Mtt. das evangelium buch zukhüßen vor- /11/ getragen hatte32, ist die kgl. Mt. aus ihren stuel aufgestanden und zu dem altar gangen, alda etliche stuckh gelts geopfert, und seindt ihrer Mt. die geistlichen churfürsten undt andere mehr in ihren standt undt ordnung nachgefolgt.

    Nachmalß ist die stille meß oder canon bis zue der wandlung oder elevation verrichtet undt mitlerweil durch den chor das „Sanctus, sanctus, sanctus“ undt „Agnus Dei“ gesungen worden, darauf auch der erzbischof eine collecten gesungen. Verner ist abermals in der meß fort gefahren worden biß auf disen orth, da der prister, so das ambt helt, zu singen pflegt „Et pax eius sit semper vobiscum“. Alda hatt sich der eine diaconus umbgewendt unndt gegen dem chor undt volckh gesungen: „Humiliate vos ad benedictionem“, darauf ist die kgl. Mt. in ihrem stuel und sonsten menniglich nider gekniet, unnd hat der erzbischof uber ihre kgl. Mt. den seegen gesprochen.33

    Wie die ksl. und kgl. Mtt., auch churfürsten und fürsten etc. nach volbrachter crönung aus dem thumb auf dz rathauß zur malzeit gezogen

    Nach vollendung des gottesdiensts hatt die röm. ksl. undt kgl. Mt., deßgleichen auch die churfürsten in den habit unndt churfürstlichen claidung sich in die ordnung gestelt und also mit sambt den andern fürsten und herrn etc. in nachvolgender ordnung aus dem chor und aus der kirchen zue fueß gegen dem rathauß zugezogen, alda die röm. ksl. Mt. eine gar herrliche mahlzeit hat beraiten und zurichten laßen. Mitler weil aber, /11'/ unndt ehe dann die ksl. und kgl. Mtt. sambt den churfürsten auf dz rathauß kommen, ist die röm. keiserin sambt ihren töchtern, auch die herzogin von Bayrn sambt der alten herzogin mit allen ihren frauenzimmer und hofgesindt aufs köstlichst geschmuckt und angethan in gar schönen verhenckten wägen auf dz rathauß gefahren, daselbs auf dem großen saal oder tanzpoden durch die fenster herab zugesehen, aber bei der malzeit sindt sie nit bliben.

    Auf dem plaz gerad gegen dem marckthurn uber hat man etlich tag zuvor ein hohe kuchen von pretern aufgeschlagen, darin hat man einen ganzen ochßen Šmit kopf und schenckeln zum praten zubereit. Derselbig ochß ist außgewaidet und mit allerlei andern fleisch, wildpret, gefligl und vischen dermaßen ausgefült und gespickt geweßen, und ist also ganzer an einem großen hülzern spiß, welchen auf beeden orthen ihrer 2 mit einer winden wie ein großen haspel haben umbgetriben, einen ganzen tag und nacht zuvor gebraten, der eben zu der stund der malzeit, alß die ksl. und kgl. Mtt. zu tisch geseßen, ferttig worden, welcher ochß auch hernach preiß gemacht und zerrißen worden34. Nicht weit von diser kuchen ist auch ein hilzerne prunstuben gesezt und aufgericht worden, in der höhe unnd oben herab, auch in der mitten mit 4 röhren. Aus denselben ist rother unndt weißer wein gesprungen unndt von den umbstehenden zuelauffendem volckh mit großen getrang unndt ungestimb aufgefangen, darüber auch gleichfals, wie bei dem ochßen, mancher sehr ubel ist geschlagen, also dz schier niemandt nichts mit lieb zutheil, sondern vilmehr verschüttet worden alß zu nuz khommen. Denselben brunnen mit wein hatt man für der ksl. unndt kgl. Mtt. fürzug auß der kirchen am allermeisten unndt völligsten /12/ springen unndt laufen laßen, darüber dann etliche emer roth unndt weißer wein aufgangen, mehrern theil aber, wie obstehet, unüzlich verschidet worden.

    Ferner ist auch auf der gaßen gegen gemeiner statt canzlei uber für des glasers behausung daselbß ein tisch, mit köstlicher leinwath oder tischtuch bedeckt, gesezet worden, auf welchen der ksl. unndt kgl. Mtt. silberne undt verguldte gießkhandten unnd pecke zum handtwaschen mit dem köstlichen schönen servetln oder handtzwellen verordnet gewest, welche khandten und handtbeckh der churfürst zue Brandenburg hernach auf einem pferdt abgeholet, mit sich auf dz rathauß geführet undt der ksl. unndt kgl. Mtt. das handtwaßer gereichet. Es ist auch auf dem plaz gleich für der rathstuben ein hauffen habern ohngevehr 2 oder 3 schaff auf die gaßen geschitt worden, in welchen nachmals der churfürst von Sachßen gesprengt, denselben außgemeßen unndt preiß gemacht.

    Die ksl. Mt. hatt auch in dem rathauß hinten im hoff under der großen schupfen, da man /12'/ sonst das prenholz zulegen pflegt, gar ein große gewaltige kuchel aufschlagen laßen, darinnen die malzeit zu diesem herrlichen pancket gekochet unndt zugerichtet worden. So ist auch in eingang des rathauß der halbe theil von der thier bis an den hoff mit prettern verschlagen unndt zum Šanrichten zugerichtet worden, also dz man aus der kuchen herfür an dzselbige orth hat gehen mögen. Es ist auch die thier des rathauß desgleichen unten bei der stiegen mit trabanten unnd hördschieren verwahret gewest, dz niemand frembder hat hienein kommen mögen. Item so hatt man alle stuben im rathauß, außgenommen die canzlei, ausraumen mußen, die sindt zur silber cammer und anderer der officierer notturfft gebraucht, auch vil ksl. undt kgl. hoffgesindt gespeist worden.

    Auf dem großen saal ist es gar herrlich undt zierlich zugericht gewest, derselbig mit güldenen tuch und köstlicher tapecerey uberhenckt und zuvorderist der ksl. unnd kgl. Mtt. tafel ungevehr 6 oder 7 staffel hoch, jedoch der kgl. Mt. tisch umb etliche staffel niderer. Nachmals herab, gerad gegen der ksl. und kgl. tafel uber, ein besonderer tisch vor den churfürsten zu Thrier allein und volgendts auf beeden seitten für die /13/ anderen geistliche und weltliche churfürsten besondere tafel gestanden, wie solches nach ihr jedes standt und gradt gebührt35, deßgleichen sindt auch auf ebner erden des saals noch etliche tisch für die andern fürsten und große herrn, so der ksl. und kgl. Mtt. haben auf den dienst gewarttet, zugericht gewesen, welche mit allerlei silber geschier und anderer notturfft, wz dazu gehört hat, aus der röm. ksl. Mt. kuchen unndt silber cammer versehen und staffieret worden, also dz allenthalben wz man nur erdencken kan oder mag unndt zu einem ksl. pancket gehört, gar kein mangl erschinen, sondern vilmehr aller uberfluß vorhanden gewest.

    Ungevehr umb 12 der kleinen uhr ist die ksl. und kgl. Mt. in nachvolgender ordnung aus den thumb dem rathauß zugezogen36: Erstlich sindt zuvorderist hergangen der ksl. und kgl. Mtt. trompetter, deren 12 oder 15 geweßen, allzeit 3 in einen glidt, nach denselben ist gevolgt der ksl. Mt. hörpaucker, welche alle miteinander, so baldt sie aus den thumb kommen, angefangen haben aufs herr- und frölichst zuplasen und zuschlagen bis man zu den rathauß khommen. Nach denselben sindt gegangen gar veel ansehliche grafen, herrn, ritter und edlleuth, der churfürsten und fürsten, auch der ksl. und kgl. Mtt. hoffgesindt in zimlicher ordnung gemeiniglich 3 neben einander, nach denselben giengen die Šfürsten, so der ksl. Mt. auf den dienst gewartet, darauf der ksl. Mt. 4 ehrnholden in ihrem ornat und habit gar herrlich bekleidet, und /13'/ hat ein jeder ein stab in der handt gehabt. Nach den 4 herolden ist gegangen gar allein der erzbischoff und churfürst zu Trier in seinen kfl. kleidt und habit. Nach dem erzbischoff zue Trier sindt mit- und nebeneinander gangen die weltlichen 3 churfürsten: zur rechten handt Pfgf. Ludwig, des churfürsten sohn am Rhein, welcher keinen kfl. habit, sondern sein gewöhnlich kleidt angetragen und den guldenen apfl, des Reichs cleinodt, als des Hl. Röm. Reichs erztruchseß und churfürst getragen; in der mitten der churfürst zu Sachßen, des Hl. Röm. Reichs erzmarschalck, in seinen chur claidt, welcher ein bloßes schwerdt in der handt gefürth; und zur lincken handt ist gangen churfürst von Brandenburg, des Hl. Röm. Reichs erzcammerer, undt hat in seiner handt getragen den ksl. scepter. Nach den churfürsten ist vor den 6 herrn das innern und geheimen raths alhier ein köstlicher schöner himmel getragen worden; under demselben hat man die ksl. Mt. in einem seßl, dieweil sie dazumal schwachheit halb selbsten nit gehen können, getragen; und ist ihre ksl. Mt. mit allen köstlichen ornamenten angethan gewest, die ksl. cron auf den haubt, auch einen guldenen apfel auf der schoß mit der lincken undt in der rechten handt den ksl. scepter haltendt. Nach den himmel und andern seiten seindt gangen die andern herrn des innern raths, alß regierenden statt cammerer, alßbaldt nach den himmel hat einer getragen ein gar köstlich schwerdt in einer durchaus silbern /14/ verguldten schaidten mit edlgesteinen versezt, darnach ist gefolgt und allein gangen die kgl. Mt. in ihrem ganz kgl. ornat, auf ihrem haubt die kgl. cron, in der lincken handt ein guldenen apfl und in der rechten dz kgl. scepter tragendt. Nach der röm. kgl. Mt. sindt neben einander gangen die andern 2 geistliche churfürsten, nemlich der erzbischoff unndt churfürst zue Mainz und der von Cölln, beede in ihrem kfl. habit und kleidung angethan, und hat der churfürst zu Mainz in seiner handt getragen einen silbern stab und oben daran etliche sigill, als des Hl. Röm. Reichs erzcanzler. Auf dise 2 churfürsten sindt neben einander gangen in ihrer gewöhnlichen kleidung der erzbischoff zu Salzburg und der alt herzog Albrecht von Bayrn. Nach disen allen ist gangen ein große meng allerlei frembder herrschafften und potentaten, gesandten, graven, herrn und andere vom adl. Nach diser proceßion seint gangen der röm. ksl. unndt kgl. Mtt. trabanten und hördschier, gar herrlich und wol bekleidt, und als die ksl. Mt. auf den plaz kommen, hat man abermals dz geschüz loß gebrandt; item, so lang dise proceßion gewehret, hatt man auf dem marckthurn herrlich musicirt, auch in den thumbstifft alle glocken geleitet. Zu lezt sindt 2 neben einander geriten, dern jeder hat ein prait weit tuch oder rothe bindten am halß gehabt, darinn gewest gulden und silberne münz durcheinander gemengt, die haben sie mit einer handt under dz volck ausgeworfen37, darüber ein solche getrang, Šreißen, auch raufen und schlagen gewest, dz keinen nichts mit lieb gebliben, er hab es dann alßbalden in den bueßen oder andern orthen verschoben; und solches auswerfen der müntz hat gewehret von der thumbkirchen /14'/ an bis zue dem rathauß.

    Beschreibung des ksl. und kgl. panckets, wie daßelbige auf dem rathauß

    Als nun in vorgemelter proceßion und ordnung die röm. ksl. und kgl. Mtt. auf dz rathauß kommen, haben die geist- und weltlichen churfürsten zuvor und ehe dann ihre beede Mtt. zu tisch geseßen und sich ihr jeder seines ambts gebraucht vermög der guldenen bull.

    Und erstlich ist der churfürst von Sachßen und der von Pappenheim, als des Hl. Röm. Reichs erz- und undermarschalk, wider von den rathauß die stiegen herab gangen und daselbst auf ein pferdt geseßen und in den haufen habern, so für dem rathauß geschitt worden, geritten38. Und also auf den pferdt sizendt hat er ein silbern maß in sein handt genohmen und daselbst vol habern eingefast, volgendts mit einen silbern stab, welchen er in der handt gehabt, abgestrichen, daßelbig maß mit den habern sambt den stab dem undermarschalck uberantwortt, der es auch alß sein gerechtigkeit mit sambt den pferdt behalten; der übrig habern ist alßbaldt preiß gemacht und durch Šdz zulaufent volck all zerstreut und weggetragen worden39. Nach solchen ist auch der churfürst zu Brandenburg, als des Hl. Röm. Reichs erzcammerer, die stiegen herab gangen, auch auf sein pferdt geseßen und den vorgemelten tisch, darauf dz silberne handtbeck und gießkhandten gestanden, zugeritten, daßelbig sambt den köstlichen schönen handtzwellen zu sich auf dz pferdt genommen und dem rathauß zugeritten, von den pferdt abgestanden und mit dem handtbeckh und gießkhandten fur die ksl. und kgl. Mtt. getretten, ihren beeden Mtt. das /15/ handtwaßer gegeben. Dieselben peckhen und khandten sambt dem pferdt hat nachmals sein unter cammerer bekhommen und alß sein gerechtigkeit aigenthumlich behalten. Ferner ist auch Pfgf. Ludwig an stat seines herrn vatters in sein gewöhnlichen kleidern auch die stiegen herab gangen, gleichfals auf ein pferdt geseßen und der kuchen unter dem rathauß zugeritten, daselbst 3 silberne schißl mit speiß zu sich auf dz pferdt genommen und darmit wider zu stiegen zugeritten, abgestandten und dz pferd seinen unter truchseßen uberantworttet, welches denselben sambt den vorgemelten silbern schißeln als sein gerechtigkeit aigenthumlich gebliben. Die speisen aber hat der pfalzgraf mit gebührender reverenz auf der ksl. und kgl. Mtt. tafel gesezt40.

    In mitler weil seindt auch die 3 geistlichen churfürsten in der ordnung vor den tisch getre[tten] und mit gebührender reverenz dz „Benedicite“ gesprochen, nachmals haben sie alle 3, als deß Hl. Römischen [Reichs] erzcanzlere, des Hl. Röm. Reichs insigl an einen silbern stab hangend, der ksl. und kgl. Mtt. fürgetragen und auf den tisch gelegt, und dabeneben sich und die andern ihre mit churfürsten sambt allen stendten des Reichs unterthenigst bevohlen, aber ihre Mtt. haben solche sigill alßbalden dem erzbischoff und churfürsten zue Mainz widerumb zustellen laßen etc. Alß nun solches alles verricht gewest unndt sich die ksl. und kgl. Mtt. zu tisch gesezt, auch die churfürsten alle sich ihres ambts gebraucht, haben ihre ksl. Mt. auch ihnen, den churfürsten, zu sizen erlaubt und sindt mitler weil derselben under officier herzu getretten undt ihrer beeder Mtt. auf den dienst gewartt zu lang die ganze malzeit gewehrt hatt41.

    Š /15'/ Alßbaldt nach anfang der malzeit ist auch des königs zu Böhaimb marschall oder obrist mundschenck42 an statt ihrer kgl. Wirden als der röm. ksl. Mt. erzmundschenck zu dem tisch getretten und der ksl. Mt. in einem silbern verguldten verdeckten pecher mit gebührender reverenz und crendenz den ersten drunck gebotten, welcher pecher auch nachmals demselben officierer als sein gerechtigkeit zugestandten und verbliben. Ingleichen haben auch vor der churfürsten tisch ihre truchseßen und officier aufgewarttet, die speiß aber und dz getranckh ist alles aus der ksl. Mt. kuchen und keller genohmmen unndt fürgetragen worden.

    Deßgleichen sindt in der stuben neben dem saal, die gerichtsstuben genant, auch etliche tisch zugericht gewest, daran der ksl. und kgl. Mtt. vornembste räth unndt hoffgesindt, auch der frembden potentaten gesante, graven und herrn geseßen. Item in ein erb. raths alhie gewohnlichen rathstuben sindt auch 2 rundtafel zugericht gewest, daran der statt Cölln43, auch Franckfurth, Nürnberg und ein erb. raths alhie verordnete, so der ksl. und kgl. Mtt. auf den dienst gewart, geseßen. So sindt auch gar oben auf den boden oberhalb deß saals, deßgleichen auf der einen seitten des rathauß schier in allen stuben tisch gestandten unndt daselbst dz hoffgesindt unndt andere personen gespeiset worden, die römische kheyserin aber sambt andern f. frauen zimmer sindt nicht zu tisch geseßen, sondern oben /16/ auf einen sonderbahren zugerichten gang gestandten undt zugesehen.

    ŠAlß nun dise herrliche malzeit also volbracht und vollent gewesen44, hat sich menniglich widerumb in die vorige ordnung, wie man aus der kirchen zu den rathauß gezogen, angestelt, auch die churfürsten jeder sein ksl. und kgl. cleinoth und ornament jeder selbst zu sich genommen, dieselben der ksl. und kgl. Mtt. vorgetragen, und sindt also ihrer beeder Mtt. in solcher ordnung wider in ihre herberg heimbbegleittet und ihnen nachmals von der keyser- und kgl. Mtt. auch anheimbs zuziehen erlaubt worden. Da dann die ganze zeit uber die churfürsten in ihrem kfl. kleidt und habit angethan geweßen und also in denselben anheimbs ein jeder in sein gewöhnliche herberg geritten, und ist also dise herrliche crönung, pancket und malzeit mit großen ehren und freuden, auch gueten friden glückseelig und wol volbracht worden45.

    « Nr. 37 Bestätigung der Rechte und Privilegien der Kurfürsten (hier: des Kurfürsten August von Sachsen) durch König Rudolf II., Regensburg 1575 November 2 »

    Gemäß den Bestimmungen der Goldenen Bulle hat der neu erwählte röm. Kg. die Rechte und Privilegien aller Kff. zu bestätigen. Kg. Rudolf II. bestätigt Kf. August von Sachsen und seinen Nachkommen alle ihm und seinen Vorfahren von früheren Kss. und Kgg. gewährten Privilegien, Freiheiten, Begnadungen, Rechte, Briefe und Urkunden sowie sein altes Herkommen und gute Gewohnheit, die zu schützen er sich verpflichtet. Er befiehlt allen Untertanen des Reichs, die genannten Rechte und Privilegien zu beachten, bei Androhung seiner und des Reichs schweren Ungnade, den in den Privilegien festgelegten Strafen sowie einer je zur Hälfte an die ksl. Kammer und an Kf. August von Sachsen zu zahlenden zusätzlichen Strafe von 100 Mark Gold.

    Š HStA Dresden, Ältere Urkunden, Nr. 11975 (unfol. Or. auf Pergament mit eigenhd. Unterschrift Kg. Rudolfs II. und Ad mandatum-Vermerk des ksl. Hofsekretärs Altenstaig; das kgl. rote Siegel in einer hölzernen Kapsel an einer schwarz-goldenen Schnur. Aufschr.: General confirmation fur den churfürsten zu Sachsen etc.) = Textvorlage. LHA Koblenz, Bestand 1A, Nr. 9706 (inhaltlich identisches und nahezu gleichlautendes Or., für Kf. Jakob von Trier) = [B]. HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 270'–272 (inhaltlich identische und nahezu gleichlautende Kop., für Kf. Salentin von Köln). Druck: Lünig , Reichs-Archiv, [Bd. 16:] Spicilegium ecclesiasticum, 1. Teil, Fortsetzung, 145 f. (für Kf. Daniel von Mainz); Schneidt , Geschichte, 583–585 (für Kf. Salentin von Köln).

    Wir Rudolph der annder, von Gottes gnaden romischer künig, zu allen zeitten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaim, Dalmatien, Croatien und Sclavonien etc. künig, ertzhertzog zu Osterreich, hertzog zu Burgundi, zu Brabant, zu Steyer, zu Kerndten, zu Crain, zu Lützemburg, zu Wirtemberg, Ober- unnd Nider-Schlesien, fürst zu Schwaben, marggraf des Heiligen Römischen Reichs zu Burgaw, zu Märhern, Ober- und Nider-Laußnitz, gefürster graf zu Habspurg, zu Tirol, zu Pfierdt, zu Kiburg unnd zu Görtz etc., lanndtgrave in Elsaß, herr auf der Windischen Marck, zu Portenaw unnd zu Salinß etc., bekennen fur unns unnd unnsere nachkomen am Reich offenntlich mit disem brief unnd thuen kundt allermenigclich:

    Nachdem unns als erwöhltem unnd gecröntem römischen kunig und zuekunfftigem kayser nach innhalt und vermüg der gulden bullen, allen des Heiligen Römischen Reichs churfürsten alle unnd yedliche ire gnad, freyhaiten, privilegia, brief, hanndtvesten, recht, lehenschafften, alte gewonheiten, wirdigkaiten und alles annders, so sy von dem Heiligen Reich gehabt unnd biß auf disen tag besessen unnd herbracht haben, zu confirmieren und zubestetten getzimbt unnd gebürt1, daß wir demnach dem hochgebornen Augusten, hertzogen zu Sachsen, lanndtgraven in Dhuringen unnd marggraven zu Meissen, des Heiligen Römischen Reichs ertzmarschalcken, unnserm lieben öhaim unnd churfürsten, unnd seinen nachkomen in betrachtung der getrewen, nutzlichen unnd angenemen dienst, die er unnd seine vorfaren unnsern vorfaren, römischen kaisern unnd künigen, gethan haben, unnd er kunfftigclich unns unnd dem Hayligen Reich wolthuen mag unnd soll, alle unnd yede fürstenthumb, stett, vesten, schloß, marckt, dörffer, gericht, hohe und nider zöll, glaidt, auf wasser und landt, wildtpeene, wäldt, wasser, fahr, vischereyen, herrlichaiten, mannschafften, lehenschafften, lanndt und leüt, christen und juden, müntz unnd alle anndere güeter, sy seyen lehen, aigen oder pfanndtschafften, mit allen unnd yeden iren zugehörungen, wie die genannt sein, nichts außgenommen sambt allen unnd yedlichen iren privilegien, freihaiten, begnadungen, handtvesten, brieven, urkunden, die dem genanten, unnserm lieben ohaim und churfürsten, Augusten, hertzogen zu Sachsen, seinen vorfarn unnd ime von römischen kaisern unnd künigen milter gedechtnuß gegeben sein; dartzue alle unnd yede ire Šalte herkommen und guet gewonhait, die er und seine vorfaren bißher gehabt unnd löblich herbracht haben, mit allen unnd yegclichen iren innhaltungen, gesetzen, puncten, articln, mainungen unnd begreiffungen, aus römischer künigclicher machtvolkommenhait confirmirt, bestettigt unnd ernewert haben, bestettigen, confirmirn, bevestigen und ernewern ime die auch wissentlich in crafft diß briefs.

    Wir sollen und wellen auch sy daran nit hindern, tringen noch irren in ainiche weise, sonder sie darbey gnedigclich schutzen, schirmen und handthaben, mainen, setzen unnd wellen auch, das die alle unnd yede besonnder inn allen unnd jegclichen mainungen, stucken, puncten unnd articln ganntz crefftig unnd mechtig sein, steet unverruckt pleiben, gehalten und volntzogen werden, auch der obgenant unnser lieber öhaim unnd churfürst und seine nachkommen sich der gebrauchen, nutzen, niessen und frewen sollen unnd mügen zugleicher weiß, als ob die alle unnd yede besonder von wort zu worten in disem brieff begriffen weren unnd geschriben stunden, von allermenigclich unverhindert.

    Unnd gepietten darauf allen und yegclichen unnsern und des Hailigen Reichs churfürsten, fürsten, geistlichen unnd weltlichen, prelaten, graven, freyen, herrn, rittern, knechten, hofrichtern, lanndtrichtern, haubtleüten, ambtleüten, vögten, pflegern, verwesern, burgermaistern, schuldthaissen, richtern, rethen, burgern, gemainden und sonst allen anndern unnsern unnd des Reichs unnderthanen unnd getrewen, in was wirden, stanndts oder wesens die sein, von obbestimbter unnser künigclichen machtvolkommenhait ernnstlich mit disem brieff unnd wellen, das sie den vorgemelten unsern lieben ohaim unnd churfürsten Augusten, hertzogen zu Sachsen, unnd sein nachkommen bey den obgeschribnen iren gnaden, freihaiten, rechten, brieven, privilegien, handtvesten, alten herkommen und gueten gewonhaiten beruwigclich one irrung pleiben, sich der unverhindert gebrauchen unnd geniessen lassen und sie darwider nit tringen, noch beschweren, noch anndern zuthuen gestatten, sonndern dabey von unnsern und des Heiligen Reichs wegen getrewlich handthaben, schutzen unnd schirmen, als lieb inen allen, und ir yegclichem sey unnser unnd des Reichs schwere ungnad, auch peen in den vorbestimbten iren brieven, privilegien und handtvesten begriffen, dartzue hundert marck lötigs golds zuvermeiden, die ain yeder, so offt er frevenlich hiewider thette, unns halb in unnser unnd des Reichs cammer, unnd den anndern halben tail dem obgeschribnen unnsern lieben ohaim unnd churfürsten Augusten, hertzogen zu Sachsen, unnd seinen nachkommen unablessig zubetzalen verfallen sein sollen. Mit urkundt diß briefs besigelt mit unnserm künigclichen anhangendem innsigel.

    Regensburg, 2.11.1575. Eigenhd. Unterschrift: Rudolf. Ad mandatum-Vermerk: Altenstaig.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/kft1575/sectCWahl/pages

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    Anmerkungen

    1
    Kurbrandenburg, fol. 89'–92 (Nr. 2).
    2
    In seinem Schreiben vom 12.10.1575 aus Regensburg (vgl. Anm.1 bei Nr. 24) bat Pfgf. Ludwig seinen Vater, die beiliegende vorformulierte Vollmacht unterschrieben und gesiegelt zurückzusenden, da diese für den Wahlakt benötigt würde. Die Formulierung der Wahlvollmacht entspricht den Vorgaben in Kap. XIX der Goldenen Bulle ( Fritz , Goldene Bulle, 75 f.). Unter den Bevollmächtigten wird der in der Vollmacht vom 19.9.1575 erwähnte, bei den Beratungen aber nicht zugelassene Wolf Haller (vgl. die Sitzung vom 10.10. in Nr. 2) nicht mehr genannt.
    3
    Vgl. Anm.15 bei Nr. 11 sowie den Bericht Pfgf. Ludwigs an seinen Vater vom 28.10.1575 (vgl. Anm.a bei Nr. 10).
    4
    Bezug auf Abschnitt [6] des Kurvereins vom 18.3.1558: Leeb , RTA RV 1558/59, Nr. 47 S. 454–465, hier 460 f.
    5
    Zu den beiden Ausschreiben Kf. Daniels von Mainz vgl. Einleitung, Kap. 2.2; zu den Werbungen des Ks. um die persönliche Teilnahme der Kff. ebd., Kap. 2.3.
    6
    Bezug auf Abschnitt [6] des Kurvereins vom 18.3.1558 (vgl. oben Anm. 4).
    7
    Nr. 24.
    8
    Vgl. jedoch die oben angegebene und auf den 10.10.1575 datierte Wahlvollmacht Kf. Friedrichs III.
    1
    Übersandt als Beilage zum Schreiben Pfgf. Ludwigs an seinen Vater Kf. Friedrich III. von der Pfalz (Regensburg, 12.10.1575): HStA München, K. blau 100/1, fol. 55–58, PS fol. 59. Or.; präs. 15.10., 8 Uhr früh. Teildruck: Kluckhohn , Briefe II, Nr. 841 S. 877–880. Ebd., fol. 55, berichtet Pfgf. Ludwig, er habe dem Ks. am 8.10.1575 den extrahirten und etwas mher, laut beyligennder abschrifft, ausgefurten ersten theil der auf unns und erwente räthe gestelten instruction in der person praesentirt; vgl. auch den Eintrag Sayn-Wittgensteins zum 8.10.1575 (nach Schneidt , Geschichte, 490).
    2
    Auf Bitten Kf. Augusts von Sachsen von Ks. Maximilian II. übermittelte Kopie; vgl. das Schreiben Kf. Augusts an den Ks. vom 19[?].10.1575: HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol. undatiertes Or. Hd. Kf. August, mit eigenhd. Antwort Ks. Maximilians II. am Rand, in der dieser dem Kf. erlaubt, die Kopie zu behalten und ihn um seine Meinung dazu bittet, damit ich Pfaltz desto besser beantborten [!] mochte.
    3
    Kredenzbrief Kf. Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter in Regensburg (vgl. Anm.1 bei Nr. 27).
    4
    Zu den Werbungen des Ks. um die persönliche Teilnahme der Kff. vgl. Einleitung, Kap. 2.3.
    5
    Zu den Ausschreiben Kf. Daniels von Mainz vgl. Einleitung, Kap. 2.2.
    6
    Nr. 23.
    7
    Wahrscheinlich Bezug auf den zweiten Kappeler Landfriedensbund von 1531 ( Bächtold , Landfriedensbünde, Kap. 2).
    8
    Wahrscheinlich Bezug auf die Warschauer Generalkonföderation von 1573 ( Rhode , Königreich, 45 f.).
    9
    Wahrscheinlich Bezug auf die 1568 erteilte Religionskonzession, mit der den erbländischen Hh. und Rittern gestattet wurde, auf ihren Gütern die CA auszuüben, sowie auf die Religionsassekuration, die nach Erarbeitung einer vom Ks. für gut befundenen Kirchenordnung im Januar 1571 erlassen worden war. Zur Konfessionspolitik Ks. Maximilians II. in den Erblanden vgl. Birkenmeier , Via regia, 243–262.
    10
    Bezug auf den Prager Landtag 1575, auf dem Ks. Maximilian II. die von den verschiedenen protestantischen Gruppen Böhmens einschließlich der Böhmischen Brüder gemeinsam vorgelegte Bekenntnisschrift (confessio bohemica) mündlich bestätigt hatte; vgl. Einleitung, Kap. 3.2 mit Anm. 23.
    11
    Bezug auf die seit 1552 vom französischen Kg. Heinrich II. besetzten lothringischen Hstt. Metz, Toul und Verdun ( Petry , Faire, 55–60).
    12
    = Kg. Heinrich III. von Frankreich und Kg. Philipp II. von Spanien.
    13
    Fehlt in der Akte.
    14
    = die pfälzischen Gesandten.
    15
    Nr. 23.
    16
    Vgl. Nr. 1.
    17
    Zum Schreiben Ks. Maximilians II. an die Kff. vom 8.10.1574 vgl. Einleitung, Kap. 2.1 mit Anm. 13.
    18
    Bezug auf die Declaratio Ferdinandea.
    19
    Pfgf. Ludwig an Kf. Friedrich III. von der Pfalz (Amberg, 5.3.1575): Kluckhohn , Briefe II, Nr. 810 S. 803–812.
    20
    Wahrscheinlich Bezug auf Abschnitt [1] des Kurvereins vom 18.3.1558: Leeb , RTA RV 1558/59, Nr. 47 S. 454–465, hier 456 mit Anm. k-k und Anm. 6.
    21
    Die Beilage A fehlt.
    22
    Bezug auf die Königswahlen von 1531 und 1562; vgl. Anm.12 bei Nr. 1.
    23
    Vgl. Art. [30] der Wahlkapitulation (Nr. 35).
    24
    Vgl. Anm.17 und Anm.21 bei Nr. 4.
    25
    Wahrscheinlich eine Anspielung auf den Kg. von Spanien, an dessen Hof Ehg. Rudolf erzogen worden war.
    26
    Vgl. Anm.2 bei Nr. 11.
    27
    Zum Konflikt zwischen Kf. Friedrich III. von der Pfalz, der 1565 die Stifte Sinsheim und Neuhausen beschlagnahmt und einen Bildersturm durchgeführt hatte, und dem Bf. von Worms, der die Restitution der Stifte, die Abstellung der Übergriffe und eine Erstattung der Schäden forderte, vgl. die entsprechenden Dekrete sowie Supplikationen, Klagen und Gegenberichte bei früheren RVV: Lanzinner/Heil , RTA RV 1566, Nr. 313 S. 1316–1319, Nr. 460 S. 1470–1479; Wagner/Strohmeyer/Leeb , RTA RV 1567, Nr.  136 S. 575 f. und Nr. 139 S. 579 f.; Lanzinner , RTA RV 1570, Nr. 563 S. 1130–1133.
    1
    Bezug auf das Schreiben Ks. Maximilians II. an Konrad von Pappenheim (Prag, 17.8.1575): StA Nürnberg, Hft. Pappenheim, REMA Nr. 102b, fol. 1' f. Kop.
    2
    Konrad von Pappenheim (1534–1603), Hauptmann der ksl. Trabanten und Verweser des Reichserbmarschallamts für seinen Vetter Heinrich d. Ä. von Pappenheim ( Europäische Stammtafeln , N. F. IV, Tafel 57; Schwackenhofer , Reichserbmarschälle, 162 f., 168 Tafel VI).
    3
    Röm. Kay. Mtt. etc. vnsers Allergnädigisten Herrn Ordnung vnd Satzung , so auff dem itztangestelten Churfürsten Tag allhie zu Regenspurg gehalten werden soll (Regensburg, 8.10.1575): StA Nürnberg, Hft. Pappenheim, REMA Nr. 102c. Druck mit or. Papiersiegel und Unterschriften von Weber und Erstenberger; Aufschr.: publiciert den 14. Octobris anno 1575. HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 241–248. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 471–485.
    4
    Der Ks. logierte mit seiner Familie im Bischofshof; vgl. Nr. 36.
    5
    = Ebf. Johann Jakob von Khuen-Belasy.
    6
    Wolfgang Marschall von Pappenheim (1535–1585; Europäische Stammtafeln , N. F. IV, Tafel 57).
    7
    Ferdinand von Freyberg zu Öpfingen, der Ehemann von Veronika, Schwester Konrads von Pappenheim ( Europäische Stammtafeln , N. F. IV, Tafel 57).
    8
    Albrecht von Rechberg zu Staufeneck († 1576; Europäische Stammtafeln , N. F. V, Tafel 88).
    9
    Über den Einzug des Ks. berichten die kursächsischen Räte Berlepsch, Kostitz und Berbisdorf an Kf. August (Regensburg, 4.10.1575; HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 415–418', hier 415' f. Or.): Der churfurst zu Cölln, der bischof zu Salltzburgk und hertzog Ferdinandt zu Beirn sindt ihrer Mt., wie gesstern geschriben, hinaus endtgegen zogen. Unnd hadt beim einridt der Reichs marschallgk seinen brueder und zwene andere seiner freunde ungeverlich midt zwöllff oder funfftzehen pferden den beierischen (so uff ihr Mt. sonnderlich guedtachten des hieigen bis an die brugke habenden territorii unndt landtsfurstlichen obrigkeidt halb vor Cölln den vortzugk gehabtt) lassen vorreidten, unnd ehr ihrer Mt. wie gewönlich das schwerdt vorgefuerdt. Beyrn bericht, der marschallgk habe sich sollches seines vorreidtens sonnderlich nicht, Cölln aber dessen anfengklich wol edtwas beschwerdt, das er an ennden, do ihr Mt. alls das geleidt selbst midt wehren unnd ohne das wie anndere chur- oder fursten keiner vergleidtunge durfften nach Beirn ziehen sollen. Beim gantzen eintzuge mugen ungeverlich in allem funfftzehen- oder sechtzehenhundert pferde gewesen sein. Unndt hadt hertzog Albrecht sampdt deren f. Gn. gemahell ihrer Mt. in deren losament underthenigst uffgewardt und reverentz gethan. Vgl. auch Gumpelzhaimer , Regensburg's Geschichte, 951 f.
    10
    Gemeint ist vielleicht Hemau.
    11
    Die Herberge Kf. Johann Georgs von Brandenburg war der Gasthof „Zum Goldenen Kreuz“; vgl. Kurbrandenburg, fol. 167' (Nr. 11). – Zum Einzug des Kf. von Brandenburg vgl. die Antwort Konrads von Pappenheim auf eine Anfrage Pfgf. Philipp Ludwigs von Pfalz-Neuburg, der viele Jahre später von ihm wissen wollte, wie es sich auff küniglichem wahltag zu Regenspurg anno 1575 des vorzugs halb verhalten (Tübingen, 23.5.1603; StA Nürnberg, Hft. Pappenheim, REMA Nr. 105. Unfol. Konz.). Dort erinnert sich Pappenheim, sovil mir diser sach halb noch inngedenk ist, wie es sich verlauffen hat, dass der Kf. von Brandenburg unversehens in der still einkommen seind und kein gegen zug angestellt. Darumb ich auch nit dabei gewest, derhalben ich kein bericht hievon geben kann.
    12
    Dazu die sächsischen Gesandten Berlepsch, Kostitz und Berbisdorf an Kf. August von Sachsen (Regensburg, 5.10.1575; HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 419–420, hier 419 f. Or.): ist heudte frue vor sechs schlegen der churfurst zu Brandenburgk, ehe es ihre Mt. oder jhemandts anders von den anwesenden chur- und fursten inne worden, midt ungeverlich edtlich und dreissig kutschen unnd einhundertt und zweintzig reißigen pferden unvermargkt schon in der stadt gewesen. So ballde ihre Mt. dessen aber berichtedt unnd s. kfl. Gn. im losamendt zubesuechen schon uff dem wege gewesen, sindt s. kfl. Gn., alls sie solchs erfahren, ihrer Mt. eillendts uff der gasse zufueß endtgegen kumen, do dan ihre Mt. s. kfl. Gn. zu sich uff den kutschen genomen, bis in die herberge geleidtett und da dannen allßballde wider zurugk gefahren. Inn diser stunde, umb vier schlege gegen abendt, ist Meintz auch ankumen. Unnd sindt die ksl. Mt., so hertzog Albrechten von Beirn bey sich uff dem kutschen gehabtt, der churfurst zu Cölln, hertzog Ferdinandt von Beyrn unnd der junge marggraf von Baden, marggraff Philiperdts löblicher gedechtnus sohne, so am beyrischen hofe ist, s. kfl. Gn. gahr ein kleinen wegk von der stadt jenseidts der prugke endtgegen getzogen. Do hadt die ksl. Mt., alls sie einander endtpfangen, die beiden churfursten Meintz und Cölln auch zu sich sitzen lassen unnd gleichergestalldt wie zuvorn Brandenburgk allso auch Meintz bis vors losemendt (do von ihrer Mt. ein jeder underthenigsten uhrlaub genomen) begleidtet. Vgl. auch Dolfin an Gallio (Regensburg, 7.10.1575): Neri , NB III/8, Nr. 152 S. 327–333, hier 329.
    13
    Laut eines in den Pfalz-Neuburger Akten überlieferten Berichts über die Geleitstreitigkeiten (HStA München, K. blau 292/4, fol. 130–132'. Kop. Dorsv.: Prothocol das glaid zwischen Pfaltz und Pairen betr.) hatte sich Pfgf. Philipp Ludwig beim bayerischen Marschall von Maxlrain am 6.10.1575 darüber beschwert, dass der Pfleger zu Stadtamhof das Geleitrecht gefordert habe (ebd., fol. 130' f.) unnd dabey vermelden lassen, das der vertrag anno 22, so zwischen hertzog Wilhalm und hertzog Ludwig von Bayren unnd hertzog Otthainrichen und hertzog Phillipen aufgericht, lautter vermögen, das Pfalltz soll von Hemaw bis geen Regenspurg in die statt, unnd hergegen Bayren vom Hof bis geen Ettershausen glayten soll, mit freundtlichem begeren, den Notthafften [= Sebastian Balthasar Nothaft von Weißenstein], pfleger vom Hof, mit seinem unbefuegten eindringen abzueschaffen unnd bey den vertregen und allten herkhommen bleyben zuelassen. Darauf sich hertzog Albrecht in Bayren durch ire f. Gn. marschalckh [= Maxlrain] gegen dem pfeltzischen canntzler, herren Wallther Drechsel, erclert, ire f. Gn. wellen vom pfleger im Hof bericht einnemen, auch die vertreg ersehen lassen und do es sich allso befindt, wellten ire f. Gn. wider die vertreg nit handlen lassen. Eine Kopie des Vertrags wurde Bayern am 7.10.1575 übergeben (ebd., fol. 131'), darauf sich ire f. Gn. durch den marschalckh, sie liessens bey dem vertrag bleyben, endlich erclert. – Zum Streit zwischen Bayern und Pfalz-Neuburg über die Geleitrechte vgl. ausführlich Rieder , Geleite, bes. 15 zum erwähnten Vertrag vom 31.8.1522.
    14
    Zu den Ereignissen beim Empfang des Kf. von Trier vgl. auch eine Darstellung aus der Kurbrandenburger Überlieferung (GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 15, Nr. 13a, fol. 14–18, hier 15 f. Konz.) sowie die teilweise abweichende Version in dem oben erwähnten Pfalz-Neuburger Bericht (HStA München, K. blau 292/4, fol. 130–132'), hier fol. 131'–132': /131'/ Bayren im nauszug den vorzug gehabt, unnd wans herein glayttens wegen, pfalltzgraf Phillips Ludwigs reutter, damit sie im umbkeren den vorzug des glayts halben gewinen, den nachzug genomen. Wie man nun uber die pruggen und fur den Hof naus kommen uf den wisen, da haben Bayren wider den vorzug wellen haben. Da ist der reichsmarschalckh, damals Veyt Connradt, unnd kayserliche Mt. trabanden hauptman herbey geritten unnd pfalltzgraf Philipps Ludwig reutter auch einfuhren wellen. Da ist ime durch Enndriß Fuchsen, statthallter, unnd Conntz Teufel alls marschalckh anzaigt worden, Pfalltz het dis orths des glaydt unnd könndt niemandes gestatten, den vorzug zue haben. Darauf bemelter marschalckh geantwordt, es gult im gleich, aber Bayren, wie er vermerkht, wurs nit zuegeben. Darauf im abermal annzaigt, es wer die sachen mit Bayren richtig gemacht unnd desshalben kein stritt mehr. Darauf er, marschalckh, begert, weil er der sachen kain wissens, sollt man ime ain zuegeben, der mit ime zue dem bayrischen marschalckh ridt unnd ime sollches anzaigt. Darauf ist der marschalckh Conntz Teufel mit geritten unnd ob sich woll der bayrisch marschalckh vernemen /132/ lassen, das wer kain glaydt, sonnder weil des pfalltzgraven ganntzs hofgesindt do wer, so sehe es dem vorzug unnd kain glaydt gleich. Darauf der pfeltzisch marschalckh Conntz Teufel geantwordt, pfalltzgraf Phillips Ludwig der het ettlich edelleuth zue ime genommen unnd warttet uf kayserliche Maystatt unnd in und die anndern in vorzug alls des glaydts halben nach vermög der vertreg verordnet. Darbey es bliben, unnd der Reichs marschalckh die pfeltzischen herfur gefuhrt mit bevelch, wolherfur in die strasß zuerukhen, damit sich niemandes ferner hinfur tring, wie beschehen, unnd er, marschalckh, von wegen kayserliche Mayestatt sechs pferdt den weg, welche gassen und wo hin man ziechen soll herfür geordnet. Allso ist der bayrisch marschalckh geritten kommen und annzaigt, er verstehe disen vorzug fur ain glaydt unnd kain vorzug, dan der vorzug geburdt Bayren. Darauf ist ime die antwordt wie zuvor durch den Conntz Teufel geschechen ervolgt. Darauf der bayrisch marschalckh gebetten, die pfeltzischen sollen woll hinfür gegen den heusern rukhen unnd die strassen einnemen, so well er gleich mit seinen reuttern uf die pfeltzischen ziechen, damit im Brandenburg nit vorkomb oder einridt. Allso ist im selbigen einzug des Reichs marschalckh pferdt alls weg weyser, dan darauf pfalltzgraf Phillips Ludwig hofgesindt, nach denselbigen des bayrisch hofgesindt vom adel, nach denen churfurst Brandenburg gesindt, /132'/ dan wider die bayrischen knecht, dan Maynntz, dan Cölen, dan Trier unnd zue letzst kaysers hettsch[ier]. Unnd ist der einzug durch den Hof, dan uber die regenspurger staine pruggen unnd nacher herfur uber den markht, dan numb fur des Österreichers haus, darinen der churfurst von Sachssen ligt, dan nab fur des churfursten von Trier herberig. Alda seyen die reutter im vorzug haim zogen, unnd die fursten ksl. Mt. widerumb haim belaidt.
    15
    = Georg von Ribbeck.
    16
    = Frh. Wolf Wilhelm von Maxlrain und Konrad Teufel.
    17
    = bedrohliche.
    18
    Zum Streit beim Einzug des Kf. von Trier vgl. den Bericht Konrads von Pappenheim aus dem Jahr 1603 (vgl. oben Anm. 11): Ferners aber beim trierischen einzug hab ich sovil noch in gedechtnus, das sich vor der stat Bayrn stark umb den vorzug angenommen, mit der chur Sachssen und Brandenburg gestritten, der chur Sachssen aber, als dem ertzmarschalch, so das glaidt nit ficht, sonder deme der vorzug allenthalben geburt, bald gewichen und doch vermaint, gleich uff denselben und zwischen den brandenburgischen sich einzutrengen. Aber die brandenburgischen auch nit weichen wollen, darumb sich die ordnung auffgehalten und der bayrisch marschalch herr von Mechsselrain [= Frh. Wolf Wilhelm von Maxlrain und Hohenwaldeck] zuruck gerennt, seinem herrn hertzog Albrechten etc., dessen f. Gn. bei der ksl. Mt. damalst inn gutschen gesessen, angezeigt; darüber ir f. Gn. die sachen der ksl. Mt. heimgestellt: wie sies schaffen, wollen sie lassen gut sein. Da fragten ir Mt., wer es also angeordnet hette. Als man nun sagt, ich, der reichsmarschalch, hets gethan, haben sie bevolhen, das es dabei bleiben soll und gesagt wir seind das glaidt selbst (wie mir hernach herr Adam von Dietrichstein, irer Mt. obrister hoffmeister, und herr Rudolf Kain [= Khuen von Belasy] obrister stallmeister, die im gutschen bei gesessen, solch antwort selbsten vermeldt haben), demnach die ordnung wider also fortgerukht. Und will ich darfür halten, Bayrn sei damalst uff Brandenburg gevolgt, und waiß mich der pfaltzgrevischen halben nichts zuberichten; jedoch möchten meine protocolla, wa sie noch vorhanden, wann ich mich darinnen ersehe, nachrichtung geben, dann man jederzeit wie die ordnung uffeinander volgen dasselbig verzaichnet.
    19
    Gemeint ist Pfgf. Ludwig.
    20
    Nr. 23.
    21
    Vgl. zu dieser Besonderheit den Bericht Joachim Lindemanns, wahrscheinlich ein Vertreter des Gf. von Holstein-Schaumburg, an den schaumburgischen Kanzler Dr. Anton Wietersheim (Regensburg, 1.11.1575: NLA StA Bückeburg L 1 Nr. 185. Or.), in dem es heißt: Den geistlichenn Kff. obengemelt ist der kayser jeder zeitt, wan jemant einkohmen, entgegen zogen sampt dem churfursten zu Collenn, der fur der ksl. Mt. alhie zurstedten, dem hertzogen zu Bayern unnd ertzbischoffenn von Saltzburg etc.; die weltlichenn alle unversehentlich, Brandenburg gar fruhe mit auffschliessen deß thores, Pfaltz spätt gegen abent, beide auff einen tag, folgenden tags zue letzt der churfurst zue Sachssen umb 10 in der nacht einzogen. Wirt vermeindt, diss einziehen zue fruer unnd speter zeitt darumb geschehen, daß die weltliche chur- unnd fursten nicht gewolt, daß die ksl. Mt. inen entgegen ziehen sollen. – Zum Empfang des Ks., der Kff. und der Ff. in ihrem Gefolge so alhie zue stedtenn, die zum teil vorschrieben, zum teill ire eigenne geschefft alhie zuverrichten vgl. ebd. sowie ausführlich Dolfin an Gallio (Regensburg, 7. und 13.10.1575): Neri , NB III/8, Nr. 152 S. 327–333, und Nr. 156 S. 337–339, hier 337.
    1
    Kurbrandenburg, fol. 121–123 (Nr. 5).
    2
    Kurbrandenburg, fol. 162–164 (Nr. 11).
    3
    Zu den Werbungen des Ks. um die persönliche Teilnahme der Kff. vgl. Einleitung, Kap. 2.3; zu den beiden Ausschreiben Kf. Daniels von Mainz vgl. ebd., Kap. 2.2.
    4
    Nr. 23.
    5
    Vgl. in der Wahlkapitulation Maximilians II. von 1562 die Art. [3] und [4] ( Ziegler , Wahl-Capitulationes, 37–53, hier 40), denen in der Wahlkapitulation Rudolfs II. (Nr. 35) die Art. [2] und [3] entsprechen.
    1
    Bezug auf den Kredenzbrief Kf. Friedrichs III. von der Pfalz an Ks. Maximilian II. für seinen Sohn Ludwig und andere Räte (Heidelberg, 21.9.1575): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 221'–222'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 434–436.
    2
    Bezug auf den Teil der Instruktion Kf. Friedrichs III. von der Pfalz, der dem Ks. am 8.10.1575 übergeben worden war; vgl. Nr. 24.
    3
    Gemeint sind der antispanische Aufstand in den Niederlanden sowie der Religionskrieg in Frankreich.
    4
    Bezug auf die von Kurpfalz angeregten Gesandtschaften nach Frankreich und Spanien; vgl. Nr. 24.
    1
    Vgl. Kurbrandenburg, fol. 149'–161 (Nr. 8).
    2
    = die Declaratio Ferdinandea von 1555; vgl. Anm.10 und Anm.11 bei Nr. 7.
    3
    Vgl. die drohende Ankündigung der weltlichen Kff. und Pfgf. Ludwigs in ihrer Unterredung mit dem Ks. am 19.10.1575 (Kurpfalz, fol. 44' [Text in Anm.b bei Nr. 9]).
    4
    = zunichte machen, vereiteln ( Grimm , XXVII, 2330).
    1
    Vgl. Kurbrandenburg, fol. 161 (Nr. 10 mit Anm. a), und den Kurbrandenburger Bericht über die Verhandlungen des Ks. mit der protestantischen Seite (Nr. 31, hier fol. 10' f.).
    2
    Wahrscheinlich am 20.10.1575 während die weltlichen Kff. auf die beim Ks. angemahnte Stellungnahme der geistlichen Kff. warteten (vgl. die Hinweise zur Datierung in Nr. 31, fol. 10). Der Dorsv. legt nahe, dass die geistlichen Kff. bei der Formulierung dieses Dokuments mitgewirkt haben ( Luttenberger , Kurfürsten, 181 mit Anm. 367); vgl. z.B. die Streichung der in Variante B enthaltenen Passage doch das demselben hierdurch nichts benomen sein solle (Anm. p) oder auch die Ersetzung des Worts decret durch declaration.
    3
    = die Declaratio Ferdinandea von 1555; vgl. Anm.10 und Anm.11 bei Nr. 7.
    4
    Zur Kontroverse über die Declaratio Ferdinandea vgl. Kurbrandenburg, fol. 134–140' (Nr. 6), fol. 141–149 (Nr. 7) und fol. 149'–161 (Nr. 8).
    5
    Zur Audienz am 19.10.1575, bei der Ks. Maximilian II. vorgeschlagen hatte, die Angelegenheit nicht – wie hier – zeitlich unbestimmt biß zu anderer gelegenheit zu vertagen, sondern auf dem bevorstehenden RT zu verhandeln vgl. Kurbrandenburg, fol. 161 (Nr. 9 mit Anm. b und Anm. 1) und den Kurbrandenburger Bericht über die Verhandlungen des Ks. mit der protestantischen Seite (Nr. 31, fol. 8–9').
    1
    Nr. 29.
    2
    Inwiefern dieses Bedenken von Kf. August formuliert wurde, um seine protestantischen Kollegen am Abend des 21.10. zum Einlenken im Streit um die Declaratio Ferdinandea zu bewegen oder inwiefern es als Grundlage für seine Unterredung mit dem Ks. am Morgen des 22.10.1575 diente, ist unklar; vgl. dazu Kurpfalz, fol. 46–47' (Text in Anm.a bei Nr. 10), sowie die verkürzte Darstellung im Kurbrandenburger Bericht über die Verhandlungen des Ks. mit der protestantischen Seite (Nr. 31, fol. 11f.).
    3
    = die Declaratio Ferdinandea von 1555; vgl. Anm.10 und Anm.11 bei Nr. 7.
    4
    Nr. 35.
    5
    Zum Vorschlag Ks. Maximilians II. in seiner Unterredung mit den weltlichen Kff. und Pfgf. Ludwig am 19.10.1575 vgl. Kurbrandenburg, fol. 161 (Nr. 9 mit Anm. b und Anm. 1) und den Kurbrandenburger Bericht über die Verhandlungen des Ks. mit der protestantischen Seite (Nr. 31, fol. 9).
    6
    Zu den ergebnislosen Verhandlungen im KR am 15. und 18.10.1575 vgl. Kurbrandenburg, fol. 141–149 (Nr. 7) und fol. 149'–161 (Nr. 8).
    7
    = par force.
    8
    = gönnte ich ihnen.
    1
    Vgl. dazu die teilweise abweichende Darstellung bei Lehmann , De pace II, Nr. 16 S. 281–284, und Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 366–370 (nach Lehmann ).
    2
    Die Vermutung von Moritz , Wahl, 158, Anm. 3, dass dieser von ihm sogenannte Berliner Bericht „in Regensburg [...], wahrscheinlich gleich nach den erzählten Ereignissen“ verfasst wurde, trifft vermutlich zu.
    3
    Vgl. Kurbrandenburg, fol. 141–149 (Nr. 7).
    4
    = die Declaratio Ferdinandea von 1555; vgl. Anm.10 und Anm.11 bei Nr. 7.
    5
    Nr. 35.
    6
    Wahrscheinlich am Montag, dem 17.10.1575; vgl. das Schreiben Kf. Augusts von Sachsen vom 18.10.1575 (Nr. 28).
    7
    Vgl. Kurbrandenburg, fol. 149'–161 (Nr. 8).
    8
    Vgl. Anm.1 bei Nr. 9 sowie das Schreiben Kf. Augusts von Sachsen vom 18.10.1575 (Nr. 28).
    9
    Vgl. Kurbrandenburg, fol. 161 (Nr. 9 mit Anm. b und Anm. 1).
    10
    Einige Tage später, am 22.10.1575, erzählte Maximilian II. dem päpstlichen Nuntius Dolfin, wie es ihm gelungen war, die protestantischen Kff. von ihrer Forderung abzubringen. Obwohl an der Echtheit der von diesen vorgelegten Declaratio Ferdinandea kein Zweifel bestehen konnte, ließ der Ks. Dolfin in dem Glauben, dass es sich um eine Fälschung handeln könnte: In proposito di quelle lettere della felice memoria del serenissimo suo padre, hora proposte da questi heretici, havendo dimandato a S. M. s'erano vere o surrettitie, mi rispose che nella sua cancelleria non si trovavano le minute et ch'essa non ne ha saputo niente se non hora, se bene ne fu parlato già alcuni mesi, trattandosi il negotio di Fulda; ma che, essendo state fatte già 20 anni nella dieta d'Augusta et essendo contrarie alla pacificatione della religione stabilita in quell'istessa dieta, non intendeva perché fussero state tenute sepolte tanto tempo; et che, havendo dimandato la cagione a' sodetti elettori secolari, perché non l'hanno date fuori al tempo del serenissimo suo padre et a la sua elettione, non hanno saputo dir altro se non d'havere aspettato questa occasione. Talché, se bene S. M. non ha voluto confessare che siano false per non accusare essi principi, nondimeno con difficoltà si può credere che la cosa stia altrimente. Pur sia come si voglia, in questo convento non ne daranno altro travaglio, attendendo ogn'uno ad ispedirsi di qua con ogni sollecitudine (Dolfin an Gallio; Regensburg, 28.10.1575: Neri , NB III/8, Nr. 168 S. 368–373, hier 369). Vgl. zu dieser Unterredung auch den Bericht Trons an Mocenigo (Wien, 9.12.1575): Turba , Depeschen I/3, Nr. 215 S. 572–579, hier 575 f.
    11
    Vgl. Kursachsen, fol. 40', und Kurpfalz, fol. 45 (Nr. 9 mit Anm. c). In einer wahrscheinlich am 19.10. verfassten persönlichen Mitteilung des Ks. an Kf. August von Sachsen (eigenhd. Notiz am linken Rand eines Schreibens Kf. Augusts an Ks. Maximilian II. vom 19[?].10.; HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol. undatiertes Or. Hd. Kf. August) hatte Maximilian II. an den Kf. appelliert, er möge sich die heutig sach lassen befolhen sain und dahin helfen dirigiern, damit man in lieb und ainhait verblaibe und nit was ergers daraus entschtee, dan ich wol waiß, das ich mit derselben vertrailich und sicher handlen khan, dan ich e. L. aufrecht und getroies gemuet erkhenne und daran nit zbaifl, und Kf. August darüber informiert, dass er für 3 Uhr die geistlichen Kff. zu sich bestellt habe, da er uberal gern das besste thuen wolt und das ubel verhueten.
    12
    Vgl. zu dieser Unterredung den Bericht Trons an Mocenigo (Wien, 9.12.1575): Turba , Depeschen I/3, Nr. 215 S. 572–579, hier 576.
    13
    Nr. 29.
    14
    Vgl. Kurbrandenburg, fol. 161 (Nr. 10 mit Anm. a).
    15
    Wohl verschrieben für: soll.
    16
    Bezug auf die Aussagen des Ks. vom 19.10.1575, vgl. oben fol. 9.
    17
    Das Folgende bezieht sich auf die in Kurpfalz, fol. 46–47 (Text in Anm.a bei Nr. 10), erwähnte Unterredung Kf. Augusts von Sachsen mit dem Ks., die wahrscheinlich am Morgen des 22.10.1575 stattfand. Vgl. dazu auch das diesbezügliche Bedenken Kf. Augusts (Nr. 30).
    18
    Im PS zu ihrem Schreiben an Kf. Friedrich III. von der Pfalz vom 22.10.1575 (vgl. Anm.1 bei Nr. 11) berichteten die kurpfälzischen Gesandten, der Ks. habe die geistlichen Kff. am selben Tag zu sich gerufen: Was sie aber mit inen gehanndlet, ist uns verborgen.
    1
    Vgl. in HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 471, eine Liste mit den in den jeweiligen Einladungsschreiben verwendeten Titulaturen für Kf. August von Sachsen, Kf. Johann Georg von Brandenburg und Kf. Salentin von Köln (undatierte Kop.).
    2
    Bezug auf Abschnitt [6] des Kurvereins vom 18.3.1558: Leeb , RTA RV 1558/59, Nr. 47 S. 454–465, hier 460 f.
    3
    Zu den Ausschreiben Kf. Daniels von Mainz für den 29.7.1575 nach Frankfurt, dann für den 26.9. nach Regensburg vgl. Einleitung, Kap. 2.2.
    1
    Der Mainzer Domdechant Georg von Schönenberg; vgl. Kursachsen, fol. 48' (Nr. 15).
    1
    Bezug auf Abschnitt [6] des Kurvereins vom 18.3.1558: Leeb , RTA RV 1558/59, Nr. 47 S. 454–465, hier 460 f.
    2
    Zu den Ausschreiben Kf. Daniels von Mainz für den 29.7.1575 nach Frankfurt, dann für den 26.9. nach Regensburg vgl. Einleitung, Kap. 2.2.
    3
    Nr. 23.
    4
    Vgl. zum Folgenden die ksl. Proposition zur Wahl eines röm. Kg. (Nr. 1) und Kurbrandenburg, fol. 95–96' (Nr. 3).
    5
    Nr. 32.
    6
    Vgl. zum Folgenden Kursachsen, fol. 46'–49 (Nr. 15) und Nr. 36, fol. 1–5.
    7
    Wolfgang II. Griesstetter war von 1541 bis zu seinem Tod 1567 Fürstpropst von Berchtesgaden. Gemeint ist wohl sein Nachfolger Jakob II. Pütrich ( Ambronn , Fürstpropstei).
    1
    Kurbrandenburg, fol. 141–161 (Nr. 7 und Nr. 8).
    2
    Kurbrandenburg, fol. 161'–163 (Nr. 11).
    3
    Kurbrandenburg, fol. 170'–171' (Nr. 12).
    4
    Kurbrandenburg, fol. 172 (Nr. 13).
    5
    Vgl. Nr. 36.
    6
    Ein Wort unleserlich.
    7
    Unterschiede zwischen den verschiedenen Textausgaben referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 419–421.
    8
    Bezug auf Art. [15].
    9
    Der letzte Absatz dieses Art. von Gleichwol bis haben wurde 1562 in die Wahlkapitulation Kg. Maximilians II. aufgenommen und dort als eigenständiger Art. [2] gezählt ( Ziegler , Wahl-Capitulationes, 39).
    1
    Zum Ablauf des Wahltags, der Krönungszeremonie und der anschließenden Feierlichkeiten auf dem Regensburger Rathaus vgl. ein von den Räten Johann Trautson, Leonhard von Harrach, Adam von Dietrichstein, Dr. Johann Baptist Weber, Dr. Sigmund Viehauser und Dr. Johann Hegenmüller zusammen mit dem Reichshofsekretär Lic. Andreas Erstenberger am 17.10.1575 erarbeitetes Planungskonzept, wie ettwa die ceremonien under der vorstehenden khunigclichen wahl und cronung stattlich verricht und alle sachen der gepur nach angestelt und abgehandlet werden mochten: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 248–260 (Kop. Überschr.: Actum electionis et coronationis beratschlagung). Ebd., RK, WuKA 6-1, fol. 65–102'. Kop. mit Marginalien, die den Inhalt kennzeichnen. Ebd., RK, WuKA 6-1, fol. 43 f. und fol. 45–49'. Teilkopp. Ebd., RK, WuKA 3b, fol. 255–271'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 541–564. – Zur Vorbereitung der Wahl und der Krönung Maximilians in Frankfurt hatten ksl. Räte am 14.11.1562 einen entsprechenden „rathschlag“ verfasst, unter ihnen bereits damals Johann Trautson und Leonhard von Harrach (zu den wichtigsten Beratern des Ks. vgl. Lanzinner , Räte); vgl. Habersack, nach Edelmayer , Krönungen, 149–153; die Beschreibung der Feierlichkeiten ebd., 155–161 (Wahl am 24.11.1562), 167–175 (Krönung am 30.11.1562). Zur Krönung Maximilians II. vgl. auch Reuter-Pettenberg , Bedeutungswandel, 29–41.
    2
    Zum Ablauf der Wahl vgl. auch Kursachsen, fol. 46'–49 (Nr. 15), den Bericht des Reichserbmarschalls Pappenheim (StA Nürnberg, Hft. Pappenheim, REMA Nr. 102b, fol. 20'–26), die Schreiben Dolfins (an Gallio; Regensburg, 28.10.1575: Neri , NB III/8, Nr. 167 S. 366–368) und de Amezquetas (an Ehg. Ferdinand II.; Regensburg, 27.10.1575: HHStA Wien, RK, RTA 52-1, fol. 500–501'. Or.; präs. 4.11.), eine Beschreibung aus der Sicht des Kf. von Brandenburg (GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 12, Nr. 21, fol. 5–8'. Or.; Überschr.: Actus, so sich bey der election konig Rudolphen zue Hungern und Boheim, als ihre kgl. W. zue einem röm. konige von uns allen churfursten einhellig gewehlet, zuegetragen, und wie solcher actus ist gehalten worden. Und ist geschehen [zu] Regenspurg, den 27. Octobris anno 75.), einige aus dem Diarium Sayn-Wittgensteins stammende, aber in der Edition von Schneidt nicht abgedruckte Passagen in Weber/Bielefeld , Dissertationis, 30–32, sowie die Fuggerzeitung aus Regensburg vom 31.10.1575 (ÖNB Wien, Handschriftenabteilung, Cod. 8950, fol. 161): Giobia [= Giovedí] matina tutti gl'elettori del Sacro Imperio vestiti dell'habito elettarale [!] nella casa della Republica di questa città, fuori che Giovanni [!] Ludovico fiolo del conte palatino per essere sustituto e non principale, andorono alla chiesa di San Pietro nella quale erano apparati sedie per tutti stando con questo ordine assentati: Magonza presso la sedia apparata per l'imperatore, dietro il re di Bohemia, poi il Palatino, dall'altra banda Colonia, Sassonia e Brandenburg, et in mezzo a tutti questi steva Treveri in una sedia separata dall'altre. Et si cantò la messa dall'arcivescovo di Salzburgh, nella quale, nel principio del „Credo“, tutti 3 i laici, cioè Sassonia, Palatino et Brandemburgh, si levorono dalle sedie et andorono in sacrestia ove stettero sino al fine della messa. Et poi Magonza diede a tutti 6 il giuramento di fare l'elettione rimossa ogni passione, a lui prima datogli da Treveri. Il che fatto, tutti irono in detta sacrestia et ivi si fece l'elettione del re de' Romani et futuro imperatore in Rodolfo, primogenito di sua Maestà cesarea et re d'Ungheria et Bohemia, mandandolo a chiamare sua Maestà alla presentia della quale il re fu posto su l'altare grande sintanto che si cantò il „Te Deum“, poi condotto in un palco alquanto eminente in chiese [!], ove si fece la publicatione dell'elettione dal preposto magontino con contento et allegrezza universale.
    3
    Dazu ergänzend in der Kurbrandenburger Beschreibung (vgl. oben Anm. 2, fol. 5): Anfenglich seindt alle churfursten des morgens frue umb sechs uhr uffm rathhause zusammen kommen, dahin sie dan auch all ihren habitt und kleidung haben bringen laßen. Ehe nun die churfursten alle zuesamen kommen, ist die kgl. W. zue Boheim, als konig zue Boheim, auch kommen, und haben ihre kgl. W. sich neben unns churfursten in einer stuben auch angethan. Laut des Berichts Amezquetas (vgl. oben Anm. 2, fol. 500) trugen alle das kfl. Ornat, mit Ausnahme Pfgf. Ludwigs, welcher nur mit einem kurtzen, schwartzen, sammaten rockh angethan gewesen.
    4
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 2, fol. 21 f.): Erstlich der bischoff vonn Menntz und Thrier mitainannder, unnd namblich der von Menntz uff der gerechten und Thrier ime ann der linckhen seitten. Nachmals unnd im anndern glid sind gezogenn der könig uß Behaim zu der rechten unnd der ertzbischoff vonn Cöln ime an der linckhenn seittenn. Uff diß unnd letstlich sünd mit ainannder gezogenn die churfürsten vonn Sachßen, Pfaltz oder Rhein unnd Branndenburg, also das Sachßenn uff der rechten unnd Branndenburg der linckhen seitten und die chur Pfaltz mitels zwischen inen geritten.
    5
    In seiner Instruktion (vgl. Nr. 24, fol. 284) hatte Kf. Friedrich III. von der Pfalz die unannehmbare Forderung aufgestellt, zur Gewährleistung einer freien Wahl den böhmischen Kg. vom Wahlkonklave auszuschließen (vgl. Begert , Böhmen, 349 f.).
    6
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 2, fol. 21' f.): Alß nun hochbemelte churfürsten vonn dem rathauß reittennd biß zu der thumkirchen thür kumen, daselbsten abgestannden und durch solche inn das chor geganngen, sünd dieselbigen vom herrn Reichs marschalckhen nach außweißung der guldin bull lociert: Benanntlich inn gesagtem chor unnd desselben gerechten seitten gegenn dem fron alter der churfürst vonn Mentz am ersten, der könig uß Behaim zum anndern und am dritten die chur Pfaltz; unnd volgendts inn berüerts chors linckhen seittenn gegenn dem fronn alter erstlich der churfürst vonn Cöln, am andern Sachßen unnd zum letsten die chur Brandenburg gesetzt wordenn. Dann der churfürst von Thrier hatt altem gebrauch nach bey ksl. oder königclichen whaalen, cronungen und begängclichen höfen, inhalt merberüerter guldin bull, sein session inn der mitt, daher er auch diß orth seinen sunderbaren verordneten sitz durch den hern marschalckhen in der mitt des chors eingenomen und occupiert.
    7
    = Ebf. Johann Jakob von Khuen-Belasy. Zu seinen Aufgaben bei der Messe vgl. im HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 481–482' (lat.), die aus den Akten zur Königswahl in Frankfurt 1562 stammenden knappen Handlungsanweisungen mit dem Dorsv. (fol. 483'): Preparatio episcopi circa sacrum ante electionem celebrandum.
    8
    Dazu ergänzend in der Kurbrandenburger Beschreibung (vgl. oben Anm. 2, fol. 6): Nach gehaltenem ambte seindt wir sembtlichen vor den hohen alttar gangen und aldo das jurament, wie solches die guldene bulla besagett, gethan, unnd hatt Meintz erstlich geschworen, und ihm hatt Trier den eidt vorgelesen. Darnach schwur Trier und Coln, alßdan die kgl. W., darnach Saßen, Brandenburgk und Pfaltz, und uns allen hatt Meintz den eidt vorgelesen. Vgl. Kursachsen, fol. 47' (Nr. 15).
    9
    Die Eidesformel des Kf. Daniel von Mainz auch in HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 478 (undatierte Kop. Überschr.: Forma iuramenti der churfursten. Dorsv.: Der churfursten aydt), und HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol. (undatierte Kop. Überschr.: Forma iuramenti electorum).
    10
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 2, fol. 23): Nach disem der churfursten volfierten ayd, habenn sy sich samptlich neben iren fürnembsten räthen zuerwhölung aines römischen kinigs inn die sacristey verfüegt, aber alßbald gedachte ire räth vonn inenn wider abtretten laßenn unnd zur ordenntlichen whaal gegriffenn. Und in der Kurbrandenburger Beschreibung (vgl. oben Anm. 2, fol. 6') zum Vortrag des Kf. von Mainz im Wahlkonklave: Weil dan in solcher wahl die meisten stimmen vormuege der guldenen bulla vorgingen, so woltte ehr [= Kf. Daniel von Mainz] uns, die kgl. W. und andern churfursten, erinnern, do unter unns auff einem die wahl fallen mochtte, das sich derselbe solcher wahl nicht vorweigern, auch die gestalte capitulation alßdan unweigerlich mit einem leiblichen eidt becrefftigen und volnziehen wolte, und solches hatt ihr kgl. W. neben uns, den weltlichen churfursten, Meintzen mit einem handtschlag zuegesagett.
    11
    = in einer kleinen Truhe. Zur Übergabe der Stadtschlüssel vgl. ausführlich Anm.y bei Nr. 14 sowie die Darstellung Pappenheims, der berichtet, dass die Räte der Stadt Regensburg erst dann zur Schlüsselübergabe bereit gewesen seien, nachdem er sich bei Kf. August von Sachsen über sie beklagt habe (vgl. oben Anm. 2, fol. 26' f.): Jedoch nach disem churfürstlichem ußgangnem bevelch ime, herrn Reichs marschalckhen, die bemelte statt thor schlisßel inn ainem verwartenn schrein sampt dem darzu geherigen schlisßell inn die thumbkirchen sacristey uberschickht, welche er auch so lanng biß die ksl. unnd kgl. Mtt., auch die churfürstenn vonn der whaal auß der kirchen gezogen, bey sich behaltenn. Weil er aber der ksl. unnd kgl. Mtt., auch denn hochbenannten churfurstenn uff denn diennst warten müeßenn, hatt er nit allain mergesagte statt thor dem regennspurgischen rath, sunder auch die kirchenn- unnd sacristey schlisßl dem thumbchuster wider einzuhenndigen seinem vettern hern Cristoff Ulrich, Reichs erbmarschalckhenn, herrn uff Greffenthall, hinderlaßenn und zu hannd gestelt.
    12
    Laut Dolfin (vgl. oben Anm. 2, 368) soll Rudolf II. seine Stimme Kf. August von Sachsen gegeben haben come si suole fare ordinariamente in simili occasioni per mostrare modestia. Wahrscheinlicher ist, dass er sich der Stimme enthielt und damit dem Vorbild seines Vaters und der Anregung der ksl. Räte folgte, die empfohlen hatten, dass Rudolf auf den fall, sy aus den vorgehenden stymmen vermerkten, das auf ihr kgl. W. person gangen werden wollen, nit votiern solle, sonder vermelden, das ihr kgl. W. auff dismall ihr votum aus beweglichen ursachen einstellen und verhoffen wolten, ihr, der andern churfursten Ll., wurden so ainmuettig sein, das es irer kgl. W. votierens nit bedorffte (Planungskonzept in HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 248–260, hier 250); vgl. Begert , Böhmen, 350 mit Anm. 214. Vgl. den zwischen Ks. Ferdinand, Kg. Maximilian und den Räten abgesprochenen Wortlaut des Votums für die Wahl vom 24.11.1562 in Habersack, nach Edelmayer , Krönungen, 153.
    13
    Der Wortlaut des kursächsischen Votums (HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol., undatiertes Or., Hd. Kf. August von Sachsen): Durchleuchtiger kunnyck, hochwirdyge und hochgeborne churfurstenn, besunder lyeber her ohem, freunde, bruder, vetternn und schweger. Ich weys mich auch woll tzuerinnern, das in vorhergehender beratschlagunck durch uns semptlich und eynmutiklych vor nutz, notick und gutt angesehen worden, das tzu erhaltunck gemeiner und des Reychs wolfartt noch bey lebenn der ksl. Mt. eyn romyscher kunnick soltte erwellett werdenn, darauff den auch heutt dyser tagk tzu sollycher wall benent und angesteltt. Demnach beken, benen, kys und welle ich in dem namen Gottes des vatters, Gottes des sones und Gottes des heyligen geystes der untzertrenten heylygen dreyfaltikeytt den durchleuchtigen und hochgebornen fursten und herrnn, herren Rudolffen, ertzhertzogen tzu Ostereych, kunyck tzu Ungern und Bemem, freymutigk und aus guttem hertzenn itzunt tzu eynem romischem kunnige und vorsehe e. kgl. W. nach der romyschen keyserlichen Maystett, unsers aller genedychsten herren, abganck, wellychen der Almechtige lange vorhutten wolle, hernach tzu der keyserlichenn kronunck, wye ich dan gehortt, das von denn andern meynen mytchurfursten, so vor myr gestympt, auch geschenn, und tzweyffel nychtt, solliches werde Gott dem Almechtigenn tzu ehren, dem Heyligen Romischen Reych tzu nutz und guttem, und fursten tzu aller wolfartt gereychenn. Amenn. Eine weitere, vielleicht als Muster verwendete Überlieferung mit leichten Abweichungen in der Formulierung und ohne Nennung Rudolfs: HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol., undatiert. Dorsv.: votum oder stim; eine weitere Kurzfassung der forma voti: Ebd., unfol., undatiert.
    14
    Pfgf. Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz und Hg. Barnim X. von Pommern; vgl. Kursachsen, fol. 47' f. mit Anm. e (Nr. 15).
    15
    Vgl. abweichend dazu die Darstellung von Carlos de Amezqueta, der bei der Zeremonie in der Kirche wahrscheinlich nicht persönlich anwesend war (vgl. oben Anm. 2, fol. 500'): Der Ks. hat sich nach einem frühen Mittagessen ungevehrlich nach zehen uhr durch den hoff und eingang inn bemelte thumbkirchen tragen lassen, dartzu gleich höchstgedachter neuerwelter römischer könig nur inn seiner teglichen und ordinary klaidung khommen, also das er ihre ksl. Mt. noch im hoff antroffen. Von dannen er nachmaln mit ihrer Mt. und seinen dreyen bruedern, den ertzhertzogen zu Osterreich etc., auch in mehrgedachte kirchen gangen.
    16
    Kg. Rudolf II. war zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt ( NDB , XXII, 169–171; Press , Rudolf II.).
    17
    Zu den Reden Ks. Maximilians II. und Kg. Rudolfs II. heißt es in der Kurbrandenburger Beschreibung (vgl. oben Anm. 2, fol. 7–8): Und hatt ihre ksl. Mt. ihre kgl. W. diese nachfolgende lehren geben: Erstlich sollen ihre kgl. W. in allen dingen Godt vor augen haben, den armen sowol als den reichen rechtt wiederfaren laßen, jederman gerne horen, was zue forttsetzung ruhe und frieden im Reich dienett, trewlich befurdern, und was deme zuewieder, solches mit allem eifer und ernst abewenden und darinnen nimandt schewen, uber den religion- und prophan frieden trewlich haltten und sonsten sich in seinem ambte aller erbar- und billigkeit nach also erzeigen, das es ihr kgl. W. kegen Godt undt der welt werden zuvorandtworten wißen; item kegen uns, den churfursten, danckbar zusein undt uns in gnedigen befehlich zuehaben. Do ihre kgl. W. nun ihrer ksl. Mt. lehre folgen werden, so haben ihre ksl. Mt. keinen zweiffell, Godt werde ihrer kgl. W. regiment beiwohnen und solches mit gnaden und segen fortsetzen. Thun aber solches ihr kgl. W. nichtt, do sich doch ihre ksl. Mt. zue ihrer kgl. W. solches nimmermehr vormuten konnen, so wollen ihre ksl. Mt. ihre kgl. W. nimmermehr vor ihren sohn erkennen, sondern ihr hierauff alle väterliche hulde hiemitt stracks auffgehoben haben. Und haben ihre ksl. Mt. hiemit ihre rede beschloßen. Darauff hatt sich ihre kgl. W. kegen ihrer ksl. Mt. erbotten, solchem allen, was ihm ihre ksl. Mt. befohlen und erinnert, trewlich nachtzukommen und sich in allem als ein gehorsamer sohn erzeigen. Und hatt s. kgl. W. ihr ksl. Mt. einen fußfall hierauff gethan. Darauff haben ihre kgl. W. den eidt, die capitulation stedt und feste zuehaltten in der ksl. Mt. beisein uns, den churfursten, geschworen.
    18
    Vgl. Nr. 33.
    19
    Vgl. die Darstellung von Carlos de Amezqueta (vgl. oben Anm. 2, fol. 500' f.): Nachdem nun solches alles verricht, ist man ungevehrlich umb ein uhr nach mittag aus der kirchen inn ihrer ksl. Mt. hoff uber den freyen platz oder gassen gangen. Und seindt vor ihrer ksl. Mt. (die vier furnembe personen aus dem rath alhie zu Regenspurgkh under einem himel getragenn) abermahls inn ihrer churfurstlichen klaidung her gangen der ertzbischoff und churfurst zu Maintz, der von Brandenburgkh etc., item oben hochgedachter des pfaltzgraffen und churfursten bey Rein sohn (der doch, wie auch oben gemeldt, khein churfurstlichs klaidt angehabt) und dan der zu Sachßen etc. Ihrer ksl. Mt. aber ist mehr höchstgedachter neuerwehlter römischer könig mit dem von Trier und dem von Cölln, inn derer mitten er gangen, gevolget. Haben also alle miteinander ihre ksl. Mt. biß inn ihr zimmer belaittet; volgendts haben sich die churfursten wiederumb von einander thailt, und ein jeder furdter inn seiner churfurstlichen klaidung biß zu hauß gerietten. Der könig aber ist bey ihrer ksl. Mt. fast ein halbe stundt oder lenger verblieben, nachmaln inn seiner königlichen klaidung, auch mit ainer chron auf dem haupt, biß inn seine herberg gangen, welche flux ihrer ksl. Mt. hofe gegen uber gelegen ist.
    20
    Ergänzend dazu im Bericht Amezquetas, dem Sekretär der Ksn. Maria (vgl. oben Anm. 2, fol. 501): Dieweil man inn der kirchen mit der erwehlung umbgangen, seindt zu meiner allergnedigsten frawen, der khaiserin, inn ihr zimmer khommen die churfurstin zu Sachßen etc., die hertzogen [!] von Bayern alle sambt, die marggrevin von Baden [= wahrscheinlich Anna Maria, Schwester Philipps II. von Baden; Europäische Stammtafeln , N. F. I.2, Tafel 268] und etliche pfaltzgrevin, und als es zeith gewesen, mit höchstgedachter khaiserin durch ein gang inn die kirchen gangen und alda von einem hohen chor die ceremonien der publication, so auf der byn gebraucht worden, angeschawet und gesehen. Unter diesem frawenzimmer ist auch zugleich gewesen des churfursten zu Sachßen etc. sohn.
    21
    Zum Ablauf der Krönung heißt es in der Fuggerzeitung aus Regensburg vom 4.11.1575 (ÖNB Wien, Handschriftenabteilung, Cod. 8950, fol. 165 f., hier 165): Il dì d'ogni santi nella chiesa cathedrale di S. Pietro di questa città si fece la coronatione del serenissimo Ridolfo eletto re de' Romani con l'intervento de tutti gl'elettori et altri principi con le solite cerimonie cantando la messa l'arcivescovo di Magonza. Et nell'uscir di chiesa dui a cavallo spandevano monete d'argento al populo con questa inscrittione d'una banda: Rodolfus II. Romanorum Rex electus 27 octobris 75, coronatus primo novembris 75. Dall'altra banda un altare con sei balle sopra con un moto che diceva consentientibus votis, et tanta era moltitudine della giente nella strada et piazza nell'andare alla casa della Republica ove eran apparechiate le 7 tavole per gl'elettori che non si poteva stare d'alcuna banda. Et in piazza fu cotto un bue intiero arosto et pieno d'ogni sorte d'anemali et si fece una fontana che quasi tutto el dì a 8 cannoni gittò vino bianco et nero, et l'imperatore fece un solennissimo banchetto in ditta casa agl'elettori, cioè ciasc'uno una tavola separata, dal quale fu servita alla prima portata. Et il re la matina ne fece un'altro a tutti fuori che a Brandemburgh per essersi partito a buon'hora havendo havuto nuova che sua moglie stava per morire. Für weitere Details zur Krönung (die auf der 1602 in Prag gefertigten Hauskrone Rudolfs in einem der vier Reliefs der Mitra dargestellt ist) und den anschließenden Feierlichkeiten vgl. die Berichte des Reichserbmarschalls Pappenheim (StA Nürnberg, Hft. Pappenheim, REMA Nr. 102b, 6 Blätter [= 4 Blätter foliiert 28–31; die letzten beiden Blätter unfol.] zur Krönung [mit falscher Datumsangabe] sowie 6 unfol. Blätter zum Auszug aus der Kirche und zum Bankett), des päpstlichen Nuntius Dolfin (an Gallio; Regensburg, 1.11.1575: Neri , NB III/8, Nr. 171 S. 378 f., und 5.11.1575: ebd., Nr. 173 S. 380–383), des venezianischen Gesandten Tron (an Mocenigo; Regensburg, 3.11.1575: HHStA Wien, StAbt, Italienische Staaten, Venedig, Dispacci di Germania 5, pag. 158–161. Kop.), des Sekretärs der Ksn. Maria, Carlos de Amezqueta (an Ehg. Ferdinand II.; Regensburg, 2.10[! =11].1575: HHStA Wien, RK, RTA 52-1, fol. 479–481. Or.; präs. 10.11.) sowie einige aus dem Diarium Sayn-Wittgensteins stammende, aber in der Edition von Schneidt nicht abgedruckte Passagen in Weber/Bielefeld , Dissertationis, 32–34. Der bei der Krönung Ferdinands I. 1531 und Rudolfs II. 1575 verwendete lat. Krönungsordo aus dem Besitz des Kurkölner Kanzlers Franz Burkhard ist erhalten in LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8a. Zum Krönungsakt von 1575 im Vergleich mit den Herrschererhebungen von 1562 und 1612 vgl. Rudolph , Kontinuität. Zur rituellen Praxis von Wahl- und Krönungstagen in der Frühen Neuzeit vgl. Reuter-Pettenberg , Bedeutungswandel, 41–53 (Krönungszeremoniell 16./17. Jh.); Wanger , Kaiserwahl (bes. zu 1612); Stollberg-Rilinger , Puppe; Rudolph , Herrschererhebung (zum Vergleich der Krönungsfeste 1562 und 1790).
    22
    Die Stadt Frankfurt war der Einladung Ks. Maximilians II. gefolgt (Regensburg, 17.10.1575: HHStA Wien, MEA, WuKA 7-2, fol. 5 und fol. 6. Ebd., RK, WuKA 4, fol. 232' f., gleichlautend an die Stadt Köln. Kopp. Druck: Schneidt , Geschichte, 455 f. Das Antwortschreiben von Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt, in dem sie den Ks. darüber informieren, dass sie die Einladung erst am 28.10. erhalten haben, aber bereits vor ettlichen tagen die unsern gegen Regenspurg abgeferttigt: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 234'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 458 f.) und hatte Karl von Glauburg und Dr. Arnold Engelbrecht nach Regensburg entsandt, um an den Krönungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Am 2.11.1575 legten diese dem Ks. (HHStA Wien, MEA, WuKA 7-2, fol. 8 f. Ebd., RK, WuKA 4, fol. 235 f. Kopp. Druck: Schneidt , Geschichte, 459–461; das Exemplar für die Kff.: HHStA Wien, MEA, WuKA 7-2, fol. 10 f.) eine Supplikation vor, in der sie um die Bestätigung baten, das nemblich kurtzfurgenomner und volntzogner actus der wahl gar nit zu abpruch obangetzogner guldin bull und bemelter statt Franckfurth wolhergeprachten gerechtigkait und praeeminentz beschehen noch furgenommen worden seie und dass ihre Supplikation anstatt ainer glimpfflichen protestation pro memoria umb pessern behalts der nachkhommenden ad acta imperii registriert möcht werden. Der entsprechende Revers, in dem der Ks. die Rechte der Stadt Frankfurt bestätigte, wurde am 3.11. in Regensburg ausgestellt (HHStA Wien, MEA, WuKA 7-2, fol. 12 f., 15 und fol. 13 f. Ebd., RK, WuKA 4, fol. 261–262. Kopp. Druck: Schneidt , Geschichte, 566 f.). – Zu den Bestimmungen der Goldenen Bulle bezüglich der Krönung des röm. Kg. und des Zeremoniells bei großen Hoftagen vgl. Reuter-Pettenberg , Bedeutungswandel, 54–61.
    23
    Zu den entsprechenden Reversen für Stadt und Marienstift in Aachen vgl. Anm.13 bei Nr. 21.
    24
    In einem Dokument aus den Krönungsakten für Ks. Matthias 1612 ist folgende Aufstellung überliefert (HHStA Wien, MEA, WuKA 7-2, fol. 56, undatierte Kop.): Anno 1562 uff der crönung zu Franckfurth undt 1575 uff der crönung zu Regenspurg seindt von den kayserlichen pontificalien undt clenodien nachverzeichnete stuck gebraucht worden: 1. die kayserliche crohn, 2. apffel, 3. cepter, 4. schwerdt, 5. die roden seidene geschmückte kniehoßen, 6. ein paar schuch mit perlen undt edelgestein gestickt, 7. ein braun manipell, 8. die weißdaffete dalmatica oder alben, 9. mit dem breiten gürtel, so große vergülte rincken hat, haben sich ihre Mt. gegürt undt geschürtzt, 10. die rodt güldene, unten mit 3 franßen behengte stola, 11. der große königliche mantell mit löwen, 12. ein par schon geschmückte handtschug. Weitere Überlieferung in HHStA Wien, MEA, WuKA 11, fol. 226, undatierte Kop. Aus Aachen wurden der Säbel Karls des Großen, das Reichsevangeliar und das Reliquiar mit der Burse des Heiligen Stephan herbeigeschafft, aus Nürnberg die Reichskrone, der Apfel, das Zepter, das Mauritiusschwert, das Zeremonienschwert sowie der Krönungsornat. Zu Reichsinsignien und Krönungsornat vgl. Wanger , Kaiserwahl, 103–108 (bes. zu 1612); Schmid , Reichskleinodien.
    25
    Das Planungskonzept (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 248–260, hier 251') sah vor, dass der nicht geweihte Kf. von Köln im Zug mit den weltlichen Kff. zur Kirche gehen sollte; Pappenheim berichtet (vgl. oben Anm. 21, fol. 29' f.), dass sich die sechs Kff. zunächst auf dem Rathaus versammelt hätten und zusammen zur ksl. Herberge gezogen seien. Von dort aus seien die drei geistlichen Kff. zum Dom geritten, um sich dort umzuziehen und die Ankunft von Ks., Kg. und weltlichen Kff. zu erwarten.
    26
    Laut Kap. IV, Abs. 2 der Goldenen Bulle ( Fritz , Goldene Bulle, 58) stand dem Ebf. von Köln das Amt des Konsekrators zu, doch da Kf. Salentin die nötigen Weihen fehlten, musste er bei der Ausübung dieses Amts vertreten werden. Der hier genannte Ebf. von Salzburg, zu dessen Erzbistum das Suffraganbistum Regensburg gehörte, wird auch im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, fol. 30') als „officiator“ der Messe bezeichnet. Im Planungskonzept vom 17.10.1575 (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 248–260, hier 251') heißt es dazu: Vor allen dingen wurdt fur notig geachtet, bei den geistlichen churfursten und dem von Saltzburg die sachen dahin zurichten, das der churfurst von Maintz consecrans, der von Tryer und Saltzburg assistentes sein mogen. Was dieselbigen von geistlichen und andern praelaten bedurfftig, die werden sy sonder zweifels selbst bestellen. So seindt inen auch die ceremonien und der gantz actus aus den pontificalibus und jungster frankfurter cronung wol bekhannt. Es scheint also umstritten gewesen zu sein, ob das Krönungsrecht dem Ebf. von Salzburg zukam, der auch bei der Wahl Rudolfs am 27.10. die Messe gehalten hatte, oder dem Ebf. von Mainz, der 1562, assistiert von den Bff. von Würzburg und Speyer, die Krönungsmesse für Maximilian geleitet hatte (vgl. Habersack, nach Edelmayer , Krönungen, 168–170). Den Berichten Amezquetas, Sayn-Wittgensteins (nach Weber/Bielefeld , Dissertationis, 32), Dolfins und Trons zufolge wurde die Messe vom Mainzer Ebf. zelebriert. Amezqueta ergänzt (vgl. oben Anm. 21, fol. 479'): Die zween ertzbischoff, als der von Trier und der von Saltzburg, haben als diaconi ministrirt, der von Cölln aber, weil er nochnicht consecrirt sein soll, ist nur mussig dabey gestanden. Da sich die Quellen in diesem Punkt widersprechen, lässt sich die Frage, wer bei der von den geistlichen Kff. durchgeführten Krönungsmesse als Konsekrator fungierte, nicht eindeutig beantworten.
    27
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, fol. 31): Vonn welchem ampt aber die drey weltliche churfursten inmaßen vormals bey dem whaaltag nach dem „Patrem“ inn denn seger oder sacristei, aber gleich nach der „Elevation“ ußer jetztbemelter sacristei wider inn ire stennd oder sessionen geganngenn, im Schreiben Dolfins (vgl. oben Anm. 21, 382): I tre elettori secolari con gl'altri principi della loro setta si partirno di chiesa cominciato che fu il Credo. Et pensando forse ritornare fatta la communione, ritornorno mentre si cantava il Pater noster. Talché furono presenti non solo a la communione dell'arcivescovo, ma ancora del re, che fu in publico con grandissima devotione et humiltà et non minore consolatione di tutti i buoni, und in Darstellung Amezquetas (vgl. oben Anm. 21, fol. 279'): Alsbaldt man aber das „Credo“ angefangen zu singen, seindt [die weltlichen churfursten] wieder allein abgetretten und aussen blieben biß die consummation geschehen ist, da sie wieder khommen und gegenwertig gewesen, da der newe könig communicirt. Die churfurstin zu Sachßen etc. und etliche pfaltzgräffen, so auch inn der kirchen mit der römischen khaiserin etc. gewesen, seindt auch als man das „Patrem“ angefangen gar wegkhgangen und nicht wieder hinein khommen. Haben sich dazumahl in das rathauß alhie fuhren lassen, anzuschawen die tisch und sietz, so alda vor die ksl. Mt., den neuen könig und dan die chur- und fursten zuberaittet gewesen, wie dan die hertzogin aus Bayern nach volbrachter meß dergleichen gethan.
    28
    Im Planungskonzept wurde von den ksl. Räten empfohlen, dass Rudolf – anders als sein Vater bei dessen Krönung 1562 – die Kommunion entgegennehmen sollte (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 248–260, hier 256): Und ob wol sich befindet, das die ksl. Mt. die comunication, so der newgekronnt romisch khunig under der mesß thuen solle, auf erlangt indult von bapst. Hl. underlassen, so hielten doch die rath darfur, das sich ire kgl. Mt. disfalls (da anderst nicht erhebliche ursachen solches zuunderlassen vorhanden) altem heerkommen und geprauch gemesß verhalten solten. Vgl. Rudolph , Kontinuität, 393 f.
    29
    Dazu ergänzend im Bericht Dolfins (vgl. oben Anm. 21, 382): La corona è d'oro con alcune poche gioie, ha una crocetta d'innanzi et una traversa pur d'oro, et attorno alcune imagini scolpite, et parole che dicono in fronte: Time Deum et regem venerato; altre di dietro: Honor regis iudicium diligit; dalla parte dritta: Ecce adiiciam super dies tuos 15 annos, et dalla sinistra: Per me reges regnant.
    30
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Unnd volgendts durch den herrn Reichs marschalckhen, ob sich jemandts von irer kgl. Mt. zu ritter schlagenn zelaßen beger, ußgeruffenn.
    31
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Inn welchem ampt der ksl. Mt. die erbampter alß der vonn Seltenegg mit dem appfel [das Planungskonzept nennt Waldburg als Reichserbtruchsess], herr Veitt, marschalckh zu Treichlingen unnd Schwindegg, mit dem schwerdt unnd der graff vonn Zollern [= wahrscheinlich Gf. Christoph, der in Vertretung seines erkrankten Vaters Karl I. nach Regensburg reisen sollte; vgl. Gf. Karl I. von Hohenzollern an Ehg. Ferdinand II. von Tirol (Sigmaringen, 22.9.1575): HHStA Wien, RK, RTA 52-1, fol. 473 f. Or.; präs. 30.9.] mit dem scepter gedient.
    32
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Unnd ob wol unnder vil angezognen gehaltnem unnd gesungnem ampt die gaistlichen churfürsten, auch die clerisi irem ampt gmeß der röm. ksl. Mt., gleicherweiß dem new erwölten unnd cronenden römischen kinig, zu osculation unnd kißung des gesungnen evangelii, agnus Dei, pacis et benedictionis fürzutragen unnderstanden, sich aber ir Mt. gleich des ersten mals sovil mit erschütteltem unnd abwinckenden haupt (das ir ain solchs endtgegen) erwißen, habenn erstgedachte clerisi dieselb ir Mt. bey denn uberigen stuckhen offerierens unnd küßenns wegen verer unersucht gelaßenn.
    33
    Im Anschluss an die Krönung sollte dem Planungskonzept zufolge (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 248–260, hier 256' f.) der Kg. als Kanoniker in das Aachener Marienstift aufgenommen werden (vgl. Stollberg-Rilinger , Puppe, 52 f.).
    34
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Nachwelcher ksl. speiß ufftragung durch denn vonn Seltenegg alß erbtruchsesßen der gebrathenn, auch mit villerley tieren unnd gefligeln durchspickht ochß mit uffgesperter kuchin menigclichem erlaupt, daruß nit weniger ain (doch auch unschedlichs) haarropfenn, reißenn unnd zerren weder hievor bey dem fürgeschytten haberhauffen enndtstanndenn. Alß dann gleichfhals bey dem vor dißem ksl. unnd kgl. innsunderhaitt darzu uß demselben roth unnd weiß fließenden whein uffgerichtenn brunen beschechenn, weil sich wol vilmals begebenn, das das nach lanngem whein einschopfenn unnd fasßenn ain anderer ußgethrunckhen, item die gschier ain ander am kopf zerschmisßenn unnd zerschlagen, durch welches alles vil gutts schertz, gelechter unnd zusehenns enndtsprungen.
    35
    Zur Anordnung der Tische vgl. das Planungskonzept (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 248–260, hier 258) sowie ergänzend im Bericht Amezquetas (vgl. oben Anm. 21, fol. 480): Unterhalb bemelten tieschen, eines gutten platzes weith dem khaiser gegen uber, ist gestanden ein lange taffel, daran seindt gesessen: erstlich ertzhertzog Ernst zu Osterreich etc., neben dessen f. Dlt. des pfaltzgraffen und churfursten bey Rein eltister sohn etc., darnach hertzog Wilhelmb zu Bayern, neben ihm die beide ertzhertzogen Matthias und Maximilian, dan hertzog Ferdinand zu Bayern, item ein pfaltzgraff von Neuburgkh, der dem des herzogs von Cleven töchter vermählet ist [= Pfgfn. Anna von Jülich-Kleve-Berg], ferner hertzog Barnymus aus Pommern, mehr ein marggraff von Baden, item ein hertzog aus Schlesien zur Lignitz und Briegg, und endtlich der bischoff alhie zu Regenspurgkh. Auf der andern seitten des tiesches gegen dem ertzhertzog Ernst uber, seindt gesessen: der ertzbischoff von Saltzburgkh etc., neben dem hertzog Albrecht aus Bayern etc. Ähnlich im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, fol. 36'–37').
    36
    Vgl. dazu die weniger ausführlichen und zum Teil abweichenden Beschreibungen im Planungskonzept (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 248–260, hier 257 f.) und im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.).
    37
    Zu den vom Regensburger Münzmeister Thomas Obermeier in groszer eil geprägten goldenen und silbernen Auswurfmünzen vgl. Plato , Münz-Kabinet, Nrr. 109, 110 S. 122; Katz , Krönungsmünzen (mit ausführlichem Zitat [nach Zimermann , Urkunden, Nr. 4555 S. CLXIXf.] aus einer heute verlorenen Beschreibung eines zeitgenössischen Beobachters; dieses ist auch abgedruckt in Vocelka , Propaganda, 136); Rudolph , Reich, 461 mit Abb. 47. Auf der Vorderseite sind das Wahl- und das Krönungsdatum angegeben. Die Rückseite mit der Umschrift Consentientib. votis zeigt eine symbolische Darstellung des Wahlakts: Über einem Tisch mit sechs Kugeln, die für die Stimmen der an der Wahl beteiligten Kff. stehen, schwebt als siebte Kugel die Stimme des zum röm. Kg. gewählten Kg. und Kf. von Böhmen; vgl. dazu die Beschreibung der Auswurfmünzen in der Fuggerzeitung vom 4.11.1575 (oben Anm. 21) sowie im Schreiben Trons an Mocenigo (Regensburg, 3.11.1575: HHStA Wien, StAbt, Italienische Staaten, Venedig, Dispacci di Germania 5, pag. 158–161, hier 160. Kop.). Von den goldenen Münzen wurden 650 Stück geprägt (davon 150 Stück zum verschenkhen und verehren als Anerkennung für besondere Dienste) und eine unbekannte Anzahl silberner Münzen im Wert von 400 Silbertalern.
    38
    Zu den Aufgaben des Kf. von Sachsen vgl. eine im HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, überlieferte Notiz (unfol., undatiertes Or., Überschr.: Extract des Kf. zw Sachsen ambts. Dorsv. Hd. Kf. August von Sachsen: Extracktt was eyns churfurstenn tzue Sachssen amptt, wann im eynn röm. Kg. lest seyner Mt. hoff halttenn): Wan man aus der kirchen aufs rathaus kombt, gehen seine kfl. Gn. herunder, setzen sich aufn hengst, reitten in hafern, haben das silbern maß in der handt, bucken sich vom gaul, fassen das maß vol und streichen es mit der silbern strichen, schutten es einem worin es sey. Da nimbt Pappenheim maß und strich und rucken seine kfl. Gn. wider zum rathause und gehen hinauf. Wan man wasser geben wil, so haben seine kfl. Gn. einen schwartzen stab in der handt, halten neben Pfaltzen die hantquel fur und greiffen das becken mit an. Darnach gehen ire beide kfl. Gnn. vor die kuche. Wan angerichtet, gehen die trummeter vorher, den volget der churfurst zw Sachsen mit aufgerenktem stabe und tregt Pfaltz das essen vor den andern her. Wan alle essen aufgesetzt, so gehet ein jeder churfurst zw seinem tische, setzen sich zw gleich nieder, nemen kein wasser. Nach gehaltener maltzeit begleitten sie ksl. und kgl. Mt. in iren habiten.
    39
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Alßbald daruff der haber jedermenigclich erlaupt, ob welchem ain dergleichen rauffenn, schlachen, stosßenn unnd werffen (doch ohnne daruß endtstandner leibs schedlichaitt) ervolgt, das ir ksl. unnd kgl. Mtt., auch die churfürsten sich ann die fennster zelegenn unnd dem schertz zuzesehen verursacht wordenn.
    40
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Ebenmeßig ain jeder weltlicher churfürst sein ampt nach innhalt merberüerter guldin bull, alß der churfürst vonn Branndennburg, ertzcamerer, mit dem hanndtwaßer, gleicher gstalt der churfürst vonn Sachßen inn darraichung des hanndttuchs, also der pfaltzgraf bey Rein inn fürtragung der speiß unnd ersthochermelter churfürst uß Sachßenn in vorgeeung dises ufftragenns mit ainem staab, ire ampter erstattet.
    41
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Bey welcher malzeitt hertzog Jorg Hanß pfaltzgraff das fürschnitt ampt bey der ksl. unnd kgl. tafel verweßenn. So ist die ksl. wie auch die konigclich cron sampt anndern klainotern, weil die malzeitt gewest, uff der ksl. taffel gestanndenn unnd gelegenn. Gleicher gßtalt habenn die erbampter aber, alß wie hie obenn vermerckht, der vonn Seltennegg mit dem apfel, herr Veitt, erbmarschalckh, mit dem schwerdt und Zollern mit dem zepter, wie auch her Cristoff Ulrich, erbmarschalckh, der kgl. Mt. mit dem königischen, vonn der statt Aach gebrachtenn schwerdt inn der schaiden gediennt. Dann, bey mer anngezogner ksl. malzeitt hatt her Connradt, Reichs marschalckh, bemelte seine zwen vettern, die marschelckh, umb deßwillenn zu den vor angezaigten dienungen annstellen müeßenn, sintmal er mit aller hannd geschefften zu ordenntlicher verrichtung diß hochannsichtigen werckhs und aperats beladen gwest. Innsunderhaitt weyl im sein gnedigster churfürst uß Sachßenn, nachdem ir kfl. Gn. denn ersten gang mit dem stab vor den ksl. unnd kgl. speißen verendet, berüerten stab zum vorgeen der weittern ufftragenden speißenn ubergebenn, wie er dann den nachgefolgtenn ksl. unnd kgl. trucksesßenn (welche alle grafen unnd freyhern geweßen) unnd uffgethragnen speißen mit merbemeltem ksl. stab wie auch, alß hernach volgt, der ksl. unnd kgl. Mtt., auch denn Kff. vonn dem rathauß in das ksl. palatium vorgeganngen.
    42
    Reichserbschenk war Heinrich I. von Limpurg-Schmiedelfeld (1534–1585; Europäische Stammtafeln , N. F. XVI, Tafel 139).
    43
    Wahrscheinlich eine Verwechslung mit den Gesandten aus Aachen, die laut Planungskonzept ebenfalls hier sitzen sollten. Die am 17.10.1575 ausgestellte Einladung Maximilians II. an die Stadt Köln (und gleichlautend an die Stadt Frankfurt: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 232' f. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 455 f.) war erst am 1.11. dort eingetroffen, so dass keine Kölner Gesandten anwesend waren; vgl. Höhlbaum , Buch Weinsberg II, 311, Anm. 1; Bergerhausen , Köln, 53. Es konnten daher auch keine Belege gefunden werden für den von Haagen , Geschichte Achens II, 161, erwähnten Streit, der zwischen den Abgesandten von Köln und Aachen um die Teilnahme und den Vorsitz beim Krönungsmahl entstanden sein soll.
    44
    Dazu ergänzend im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Solich ksl. unnd kgl. mallzeitt hatt sich vonn mittag ahnn unngefarlich biß abenndts zu 4 uhren geweret unnd verzogenn. Da sy nun ir enndtschafft erraicht, haben die gaistlichenn churfürsten innhalt der guldin bull vor der ksl. tafel das „Gratias“ gesprochenn. Item der curfürst uß Sachßen seinen cepter unnd staab von dem Reichs marschalckhenn zu dem diennst wider genomen unnd empfanngen. Also ist auch uff solchs der ksl. unnd kgl. Mtt. vonn dem churfürsten zu Branndenburg das hanndtwaßer wie vonn dem churfürsten vonn Sachßen das handt thuch gepürlich gegebenn unnd geraicht, desgleichenn iren majestetten vonn allen curfurstenn annder mer gezimende reverentzenn erzaigt wordenn.
    45
    Dazu ergänzend im Bericht Amezquetas (vgl. oben Anm. 21, fol. 480 f.): Und diß ists alles, so sich bey der crönung begeben; khein ander khurtzweill weder von tantzen noch turniren oder dergleichen ist nicht geschehen. Und im Bericht Pappenheims (vgl. oben Anm. 21, unfol.): Vor unnd nach solcher königclicher chronung, besunders aber hernach vonn der ksl. Mt., auch denn churfürsten gantz costliche gastungen unnd banckhett hin unnd wider, sunders aber vonn herztog Albrechten uß Bayern dermaßenn ains gehalten, das dabey onne die bellaria [= Nachtisch] oder opß und confect ob die 400 speißenn uff- unnd fürgesetzt worden.
    1
    Bezug auf Kap. II, Abs. 4 der Goldenen Bulle ( Fritz , Goldene Bulle, 54 f.).

    Anmerkungen

    a–a
     Dabeneben ... zuvermelden] In B und C hier der Beginn des dem Ks. übergebenen Teils der pfälzischen Instruktion mit den Worten: Der romischen kaiserlichen Mt. etc., unserm allergnedigsten herrn, sollen unser pfaltzgraf Friderichs churfursten etc. abgeordente von unsertwegen in sonnderbarn vertrawen underthenigst vermelden. Die Vorlage für die in dieser und den folgenden Textanmerkungen nachgewiesenen Abweichungen in B und C ist B.
    b
     dise] In B und C: die.
    c
     auch] Fehlt in B und C.
    d
     solliches] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: sollichen.
    e
     trewherzige] In B und C: underthenige jedoch trewhertzige.
    f
     rhet] In B und C: abgeordente.
    g
     nemblich] In B und C: furnemlich unnd sonnderlich.
    h–h
     und ... understünde] Fehlt in B und C.
    i
     zutreffen] In B und C danach: inmassen auch dieselbigen hiebevorn offtmaln, aber doch vergebentlich angestelt unnd versucht worden.
    j
     begegnet] In B und C danach: oder solcher erbarmlichen unnd verderblichen außrottung stat gegeben, entlich.
    k
     selbst] In B und C danach: ambts.
    l–l
     und ... worden] Fehlt in B und C.
    m
     fried] In B und C danach: so wol der stennde als underthanen halben.
    n–n
     mherem ... einigkeit] In B und C: mherer rhue unnd einigkheit.
    o
     erhalten] In B und C danach: das.
    p–p
     ursachen ... gegeben] In B und C: ursachen gegeben, auch thur und fennster auffgemacht, dieselb anzufallen und einzubrechen.
    q
     irer hülff] In B und C: so lärer konigreich unnd völcker hilff.
    r
     zuerfrewen] In B und C danach: Unnd were sonnderlich irer ksl. Mt. wol zuerwegen, mit was ansehentlichen unnd hohen summen ettlicher million furnemen kauff- und handel stett, auch anndere nunmher vil jahr hinder Franckreich und Hispania steckten, dardurch unnd von wegen so lanng auf- unnd furgehaltener bezalung, welches meistentheils aus disen lanngwirigen kriegen volgen thete, der nervus Germaniae zum eussersten geschwecht, unnd ire Mt. in zuetragennden fällen sich solcher gelthilff umb sovil weniger zugetrosten unnd zuerfrewen hette.
    s
     zugewarthen] In B und C danach: Deßwegen auch irer ksl. Mt. wol mittel unnd weg anzuzeigen unnd zufinden weren, wie dann, da durch ire Mt. solch hilfflich einsehen unnd fridspflanzung an bestimbten ortten erfolgen thete, solche herrschafften unnd volcker allerseits irer Mt. unnd dem Reich teutscher nation sich umb sovil beypflichtiger unnd williger zu den gemeinen contributionen, anlagen unnd hilffen, wie obangedeutet, befinden unnd erzeigen wurden. Dargegen, was die frantzosische verwandtnus mit dem turckhen bißdaher der christenheit, auch irer ksl. Mt. selbst in vilweg fur nachteil und schaden gebracht, ohne ausfurung wol bekhanndt were.
    t
     catholici] In B und C danach: diß orts.
    u
     khönnen] In B und C danach: khonndten.
    v
     auch] Fehlt in B und C.
    w
     biethenn] In B und C danach: bieten theten.
    x
     noch] In B und C danach: unnd.
    y
     undergangk] In B und C danach: verderblichen nachteil.
    z–z
     wie ... Spanien] Fehlt in B und C.
    aa–aa
     gantz ... seinen] In B und C: guter massen bey iren.
    ab–ab
     allein ... macht] Fehlt in C.
    ac
     auffgehalten] In B und C danach: Unnd jetzo derselben eigner bruder [= Franz(-Herkules), Hg. von Alençon; vgl. Anm.5 bei Nr. 60], wie die zeitungen lautten, irer kgl. W. [= Kg. Heinrich III. von Frankreich] abgefallen unnd sich zu dem andern theil geschlagen, also das sich beide partheien dahin verglichen haben sollen, kein friden dem konig einzuwilligen, es sey dann die relligion in gantz Franckreich freygesteldt.
    ad
     im fundament] In B und C: in effectu.
    ae
     uhnrhüwige] Fehlt in B und C.
    af
     verwundet und] Fehlt in B und C.
    ag
     tribunitiis] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: tibanitis.
    ah–ah
     anderst ... dann] In B und C: noch vilmher.
    ai
     Weill] In B: Wann. C wie Textvorlage.
    aj
     derselben] In B und C: den.
    ak
     successorn] In B und C danach: an bemeltem Reich.
    al
     zuverhoffen] In B und C: zubesorgen.
    am–am
     ein ... concilii] In B und C: den weg eines ordenlichen und unpartheyischen christlichen colloquii oder concilii, darzue doch wir und anndere jederzeit urbietig und geneigt gewesen.
    an–an
     verstatten] In B und C danach: Inmassen sich dann die der augspurgischen confession verwandte stennde jetztgehorter gestaldt gegen irer Mt. anno 66 uf dem reichstag zu Augspurg ercleret [= wahrscheinlich Bezug auf die in Augsburg 1566 vorgebrachte Resolution der CA-Stände betreffend Religionsfrieden und Konfessionsgravamina ( Lanzinner/Heil , RTA RV 1566, Nr. 297)], auch in eventum solches außtruckenlich der capitulation des konfftigen successoris einzuverleiben. Damit aber ire ksl. Mt. oder jemands anders nicht gedenncken mochte, als ob man bedacht were, hierdurch allen alten und newen ketzereyen und secten thur unnd thor zu offnen, köndte dise fursehung unnd erclerung beschehen, das die allein, so sich zu heiliger prophetischer unnd apostolischer schrifft und den alten ungezweivelten symbolis unsers christlichen glaubens bekhennen und darneben alle irthumben unnd ketzereyen verwerffen und verdammen, welche so wol von den alten allgemeinen christlichen conciliis als jetzo von beiden theiln den catholischen unnd reformirten mit der augspurgischen confession in haubt puncten und fundament der lehr stimmenden kirchen außtrucklich unnd eintrechtigklich verdambt unnd verworffen werden, darunder unnd mit gemeint und begriffen. Unnd wolten wir auch darfur halten, da ire ksl. Mt. obgesetzte weg zu befridigung der ganntzen christenheit furnemen wurden, das solches derselben nit ein geringen zuganng und befurderung zu der cron Polen bringen unnd geben wurde, inmassen wir dann selbs von vilen polacken solches vermerckt hetten.,  auch ... gesichert] Fehlt in B und C.
    ao
     apert] In B und C danach: und.
    ap
     etc.] In B und C: unns auch mit willfariger antwort zubegegnen. Hier endet der dem Ks. übergebene Teil der pfälzischen Instruktion.
    aq
     die] In der Textvorlage versehentlich doppelt.
    ar
     bißanhero] In der Textvorlage danach unterstrichen: inn acht zunemmen.
    a–a
     von ... etc.] In B und C: etc.
    b
     Römischen] Fehlt in B und C.
    a
     zugefallenen] Fehlt in B.
    a
     dan] In der Textvorlage korr. aus: als.
    b–b
     unterthenigst ... Mt. ] Am Rand ergänzt.
    a
     etc.] Ergänzt nach B und C.
    b–b
     des ... räthe] In B Einfügung am Rand und korr. aus: die churfursten. C wie Textvorlage.
    c–c
     neben ... auch] Fehlt in B. In C am Rand ergänzt.
    d–d
     beide ... halben] In B: die drey weltliche churfursten eines ksl. decrets halben. In C am Rand ergänzt und korr. aus der Fassung in B.
    e–e
     den ... Augßburgk] In B: einen tag nach dem publicierten religion friden. In C ergänzt und korr. aus der Fassung in B.
    f–f
     etzlichen ... zugehorigen] In B: dern gaistlichen chur- unnd fürsten. In C am Rand ergänzt und korr. aus der Fassung in B.
    g
     etc.] Ergänzt nach B und C.
    h–h
     obbemelte ... gewalthabere] In B: ir kfl. Gnn. In C ergänzt und korr. aus der Fassung in B.
    i
     solche declaration] In B: es. In C ergänzt und korr. aus der Fassung in B.
    j
     unnd] In B danach: dis decret. In C ergänzt und korr. aus der Fassung in B.
    k
     drei] Fehlt in B. In C ergänzt.
    l–l
     solcher ... halben] In B: solchs angeregten decrets halber. In C ergänzt und korr. aus der Fassung in B.
    m–m
     das ... etc.] In B: das sie desselben ungeacht, was im decret irethalben stuende, einig wissen nit hetten, darzu auch iren consens nie gegeben unnd das es ein solche sach were, darein sie auch noch nit bewilligen oder mit irer bewilligung inen selbst unnd anndern catholischen stenden so höchlich praejudicirn khöndten, mit noch weitterer ausfuerung, warumben ir kfl. Gnn. solch decret anzunemben unnd deren weg einen durch weltlichen churfursten furgeschlagen einzugehn unnd zuverwilligen zum höchsten bedenckhlich. In C am Rand ergänzt und korr. aus der Fassung in B.
    n–n
     den ... sembtlich] In B: den beeden weltlichen churfursten. C wie Textvorlage.
    o
     zugehorsamen gefallen] In B: zu gehorsam unnd gefallen. C wie Textvorlage.
    p–p
     das ... werde] In B: solches decret anjetzt pleiben unnd biß zu annderer gelegenheit unnd vergleichung (doch das demselben hierdurch nichts benomen sein solle) gutwillig beruhen zulassen. In C ergänzt und korr. aus: das solches decret biß zu annderer gelegenheit unnd vergleichung eingestelt werde.
    q
     churfürsten] In B: beeden weltlichen churfursten. C wie Textvorlage.
    r–r
     freundlichen ... gefallen] In B eingefügt: freundtlichem gnedigen gefallen korr. aus: freundtschafft unnd gnaden. C wie Textvorlage.
    s
     den N.] Ergänzt nach B und C.
    a
     relygyons] Am Rand ergänzt: confessions-.
    b–b
     hanttzunemen] Korr. aus: hantnemen.  und ... entschlossen] Wortreihenfolge korr. aus: gentzlich entschlossen und vorttzufahren.
    a
     allezeitt zuvor] In B Einfügung am Rand.
    b–b
     erstlich ... Regenspurg] In B Einfügung am Rand.
    c
     collegialversamblung] In B danach gestrichen: gezogen vorgenomen.
    d
     genommen] In B korr. aus: gezogen.
    e
     anstatt] In B Einfügung am Rand.
    f
     Friderichs] In B korr. aus: Ludwig.
    g
     Rhein] In B danach gestrichen: hertzogen in Beyern.
    h–h
     der ... Ludwig] In B Einfügung am Rand.
    i
     gethan] In B Einfügung am Rand.
    j
     dahin] In B Einfügung am Rand.
    k–k
     vorkunden ... hiemitt] In B Einfügung am Rand.
    l–l
     uff ... uhrn] In B Einfügung am Rand.
    m
     erscheinen] In B danach gestrichen: wöllen.
    n
     unns] In B nachträglich ergänzt.
    o
     beschließlich] In B Einfügung am Rand.
    p
     werden] In B Einfügung am Rand.
    q
     verkundungs] In B Einfügung am Rand.
    a–a
     Steyr ... etc.] In B Einfügung am Rand.
    b
     als churfürsten] In B Einfügung am Rand.
    c
     Johans Georg] In B Einfügung am Rand und korr. aus: Joachim.
    d
     underthenigst] In B nachträgliche Einfügung.
    e
     eingefallnen] In B korr. aus: einfallenden.
    f
     anstatt] In B Einfügung am Rand und korr. aus: dem.
    g–g
     dann ... Mt. ] In B Einfügung am Rand.
    h–h
     unserer ... fall] In B fehlt diese Textseite. C wie Textvorlage.
    i
     erschießliche] In B Einfügung am Rand.
    j–j
     gantz ... allergnedigst] In B Einfügung am Rand.
    k–k
     Nuhn ... wir] In B Einfügung am Rand und korr. aus: Das wir.
    l
     underthenigst] In B Einfügung am Rand.
    m
     wir allenthalben] In B Einfügung am Rand.
    n
     obbemelte] In B Einfügung am Rand.
    o
     monats Octobris] In B Einfügung am Rand.
    p–p
     in ... ort] In B Einfügung am Rand.
    q
     zuvorderst] In B Einfügung am Rand.
    r
     zusamen gegeben] In B Einfügung am Rand.
    s
     ehr, nutz] In B Einfügung am Rand.
    t
     erwölter] In B nachträgliche Einfügung.
    u–u
     und ... pfaltzgraven] In B Einfügung am Rand.
    v
     Hans Georg] In B Einfügung am Rand und korr. aus: Joachim.
    w
     Mt. ] In B korr. aus: wurde.
    x–x
     zu ... Ötingen] In B Einfügung am Rand.
    y
     Barnim] Korr. nach C. In der Textvorlage und in B: Bernam.
    z–z
     Geörg ... Cöln] In B Einfügung am Rand.
    aa
     Lindeman] Korr. nach C. In der Textvorlage und in B: Audenman.
    ab–ab
     herr ... Georg] In B herr und Georg am Rand eingefügt.
    ac
     Viraden] Korr. nach C. In der Textvorlage und in B: Kirrach.
    ad–ad
     Christoff ... Künigstain] In B Einfügung am Rand.
    ae–ae
     von ... fürstmessigen] In B Einfügung am Rand.
    af
     alle] Ergänzt nach B und C. Fehlt in der Textvorlage.
    ag–ag
     vor ... auch] In B Einfügung am Rand.
    ah–ah
     und ... gewalthaber] In B Einfügung am Rand.
    ai
     Petrus] In B ab hier bis zum Ende des Textes von anderer Hd.
    aj
     an] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: in.
    a–a
     Rudolph ... etc.] In B Einfügung am Rand und korr. aus: N.
    b–b
     Daniels ... ertzcamerern] In B Einfügung am Rand und korr. aus: N. und N.
    c
     lieben] In B danach unterstrichen: freunden. C wie Textvorlage.
    d
     willigen] In B und C: bewilligen.
    e–e
     alßdann ... gebrauchen] In B unterstrichen.
    f
     auch] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: auf.
    g
     dieweil] In B danach nachträglich eingefügt: die. C wie Textvorlage.
    h
     und] Korr. nach B und C. Fehlt in der Textvorlage.
    i
     werden] In B: worden. C wie Textvorlage.
    j
     bestendiglich] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: bestendige.
    k
     unns] In B danach: auch. C wie Textvorlage.
    l–l
     hohern ... nichts] In B unterstrichen.
    a
     könig] In der Textvorlage danach versehentlich: den.
    b
     vor] In der Textvorlage: von.
    c
     ipsiusque] In der Textvorlage: ipsi utque.
    d
     sis] In der Textvorlage: sit.
    e
     gesungen] In der Textvorlage danach die Zwischenüberschrift: Praefatio ante elevationem.
    f
     prophetavit] In der Textvorlage: proph. David.
    g
     Accinge] In der Textvorlage: Accingere.
    h
     femur] In der Textvorlage: femor.
    i
     virtutum] In der Textvorlage: virtutem.
    j
     qui] In der Textvorlage: et.
    k
     ut] In der Textvorlage: et.
    l
     eum] In der Textvorlage: cum.
    m
     significare] In der Textvorlage: significari.
    n
     pastores] In der Textvorlage: pastoribus.
    o
     tuo regimini] In der Textvorlage: tui regiminis.
    p
     appareas] In der Textvorlage: apereas.
    q
     at[hletas]] In der Textvorlage: at. Danach eine Lücke im Text.
    r
     gestare] In der Textvorlage: digestare.
    s
     gloriae] In der Textvorlage: glorias.
    t
     modo] In der Textvorlage: modi.
    u
     pacemque sanctae] In der Textvorlage: sancta pacemque.
    v
     confirmet] In der Textvorlage: confirmare.

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    « ŠC) Akten zur Wahl  »

    Vorbemerkung

    Als Akten zur Wahl werden in diesem Abschnitt die Dokumente zur Haupthandlung des Regensburger Kurfürstentags ediert. Aufgenommen wurden Aktenstücke, die die Wahl und Krönung Kg. Rudolfs II. von der Ankunft der Teilnehmer in Regensburg bis zur Bestätigung der kfl. Freiheiten durch Kg. Rudolf II. dokumentieren. Um dabei auch zeremonielle Aspekte des Geschehens zu beleuchten, wurden ein Bericht über den Einzug des Ks. und der Kff. in Regensburg sowie eine aus den Krönungsakten der Stadt Nürnberg stammende Beschreibung vom Ablauf des Wahltags und des Krönungstags in die Dokumentation aufgenommen. Die Akten werden ungekürzt im Wortlaut wiedergegeben und dem Verlauf des Wahltags entsprechend chronologisch sortiert.

    Als Textvorlagen dienen vereinzelt Originale aus dem HHStA Wien, überwiegend aber Originale und Abschriften aus der kfl. Überlieferung. Für die Kollationierung werden ebenfalls meist Abschriften kfl. Provenienz herangezogen. Falls Konzepte aus der ksl. oder der Kurmainzer Kanzlei vorliegen, werden sie berücksichtigt.

    « Nr. 23 Vollmacht Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 19 »

    Einladung Kf. Friedrichs III. zum Kurfürstentag durch Kf. Daniel von Mainz; Vertagung und Verlegung der Versammlung nach Regensburg. Persönliches Erscheinen des Kf. aus gesundheitlichen Gründen unmöglich. Kf. Friedrich ermächtigt daher seinen Sohn Pfgf. Ludwig und die sechs genannten Räte, an seiner Stelle zum Kurfürstentag zu reisen, ihn dort zu vertreten und in seinem Namen gemäß der ihnen übergebenen Instruktion zu handeln.

    Am 10.10.1575 im KR verlesen und angenommen1.

    HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 439 (Or. Aufschr.: Gewaldt des churfursten pfalzgrafen zu ne[g]sten kfl. tag uff irer kfl. Gn. sone hertzog Ludwig und andere hierinn [?] benente [?] gestelt; präs. Regensburg 1575, per principium.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 263–265' (Kop. Aufschr.: Die pfältzische volmacht.) = [B]. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8, fol. 70–72' (Kop. Dorsv.: Pfaltzgreffischer gwalt.) = [C].

    Eine zweite, die Wahl betreffende Vollmacht Kf. Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, (zurück)datiert Heidelberg, 10.10.1575 (HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 461. Or. Aufschr.: Pfaltzgraf Friderichs churfursten gewalt zur waal eines Šrömischen konigs, ubergeben in die meintzische canntzlei zu Regenspurg, den 22. Octobris anno 1575. Ebd., MEA, WuKA 25, fol. 546–547. Kop.), wurde von Pfgf. Ludwig bei seinem Vater angefordert2 und am 22.10.1575 der Mainzer Kanzlei übergeben3

    Wir Friderich, von Gottes gnaden pfalzgrave bey Rhein, deß Heiligen Rhömischen Reichs ertztruchsäß unnd churfurst, herzogk in Bayern etc., bekhennen und thun kundt offenbar mit disem brief:

    Als der ehrwürdige herr Daniel, ertzbischof zu Meintz und churfurst etc., unnser besonnder lieber freundt unnd bruder, als des Heiligen Rhömischen Reichs durch Germanien ertzcantzler, unns vormög und nach außwe[i]sung unnserer der churfürsten einigung4 (fürnemlich allerhandt werbungen etc., so die rhömisch kaiserlich Majestat etc., unnser aller gnedigster herr, künfftiger administration deß Heiligen Rhömischen Reichs halben unnd was ferner notwendiglich zu tractirn unnd zuhandlen fürgebracht werden möcht, bey unns unnd andern unnsern mitchurfursten allergnedigst thun lassen) unnd also inn crafft seiner L. obligennden ampts uf den neünunndzwenzigsten verschinen monats Julii zu Franckfurth am Main inn eigner person, wie sich nach wichtigkeitt der sachen gebürt, einzukhommen, unnd unns nichts dann Gottes gewaldt daran verhindern zulassen, freündtlich unnd brüderlich inn schrifften erfordert (wie dann höchstgedachte rhömisch keyserliche Majestat gleichsfals uf solcher versamblung aigner person zuerscheinen gedecht), volgende täg inn gemeiner churfursten versamblung collegialiter zuerwegen unnd zuberhatschlagen, was innsonderheitt angeregts artickels der khünftigen administration des Heiligen Reichs neben andern unnsers geliebten vatterlands obligen, so inn berhatschlagung gezogen werden möchten, zu wolfart desselben und befürderung gemeiner sicherheitt fürgenommen werden unnd zuthun sein soll etc., ferrers innhalts ermelts ausschreibens deß datum steet Aschaffenburg, den fünffzehenndten Aprilis dises lauffenden fünf und siebennzigsten jars; unnd dann aus höchstgedachter keiserlichen Majestat fürgefallenen sachen, geschefften unnd ursachen solcher tag biß uf den sechsunndzwenzigsten diß monats Septembris unnd naher Regenspurg gelegt unnd vorschoben worden, innhalts ermelts churfursten zu Meintzs anndern, den vierundzweinzigsten Junii negst datirten schreibens Šetc., wir auch von irer keiserlichen Majestat ebensfals inn der person daselbst zu Regenspurg zuerscheinen ersucht worden5.  Nhun wissen wir uns unnserer, der churfursten, hiebevor ufgerichter, verneuerter unnd hochbetheurter vereinigung unnd verbrüderung gantz wol zuerinnern, weren auch gantz willig unnd erkhennen uns schuldig, alda zu Regenspurg uf beschehen erfordern personlich anzukommen unnd alles das zuthun, das deß Heiligen Reichs nutz, ehr und wolfart erfordern thut. Nachdem wir aber diser zeitt unnsers leibs ungelegenheit unnd schwachheit halben daran würcklich verhindert werden unnd dann inn obbemelter unnser, der churfursten, einung fürsehen, wo einer oder mher der churfursten ehehafft der sachen wegen an personlicher erscheinnung verhindert, dasselbig uf seine rechte warheit mit offen briefen betheurn unnd darauf etliche seiner stattlichen und ansehenlichen reth mit volmacht und gewalt zu solchem tag schickhen soll6, unnd wir, obgedachter pfaltzgraf Friderich, churfurst etc., hiemit und inn crafft diß offenen, versigelten unnd mit eigner handt underzeichneten briefs uf unser rechte wahrheit, daß wir mit unnserm selbst leib nit kommen können, betheurn thun, also haben wir den hochgebornen fürsten, unnsern freundlichen lieben son, gevattern und unsers fürstenthumbs der Obern Pfaltz inn Baiern statthaltern, herrn Ludwigen, pfaltzgrafen bei Rhein, herzogen inn Beyern etc., unnd dann die wolgebornen, hochgelerten, ersamen, unnseren großhofmeister, cantzler zu Heidelberg, vicecantzlern zu Amberg, fauth zu Germerßheim, rhete unnd liebe getrewen Ludwigen von Sain, grafen zu Witgenstein, herrn zu Homburg etc., Christoffen Eheim, Martin Ostermünchern, bede der rechten doctores, unnd Christoffen von Götfart, Wolffen Hallern unnd Ludwigen Culmann, auch der rechten doctorn, sambt unnd sonder uf disen jetzigen tag nach Regenspurgk abgefertigt; geben inen auch sambtlich unnd sonderlich macht und gewaldt, hiemit unnd inn crafft diß briefs inn der aller besten maß und form als wir am krefftigsten thun sollen und mögen, cum clausula quod non sit melior conditio unius quam alterius et quod per unum eorum inceptum, per alium finiri valeat, für der rhömischen keiserlichen Majestat etc., unnserm allergnedigsten herrn, auch den erwürdigen unnd hochgebornen fürsten, unsern besondern lieben freunden, freündlichen lieben vettern, oheim, schweher, schwagern unnd brudern, deß Heiligen Römischen Reichs churfursten, zuerscheinen, unsern plaz, session und stim einzunemmen und zuverdretten, wz fürgetragen anzuhörn und sonderlich der künfftigen administration halb und wz sonsten zu deß Heiligen Reichs aufnemmen und wolfart dienlich, sich innhalt einer sonndern instruction7, die wir inen zugestelt, unnsertwegen vernemmen lassen, handlen, vorgleichen und schliessen, auch inn disen und andern fürfallenden sachen einen oder mher an ire statt zusezen und [zu] widerruffen, alles und jedes zuthun, dz inn und bei Šsolchen sachen zuvolbringen notturfftig und nutzlich sein wirdt; ob es auch besondern gewalts8 erheischen würde, auch ettwas grössers oder mherers, sonderlich das wir selbst thun möchten, so wir inn solcher handlung entgegen und personlich darbei weren etc., hiemit vestiglich versprechend, wz durch unnsern obgemelten son und rethe, auch ir nachgesetzte gewaldthabere sambtlich oder sonderlich inn oder bei obberurten sachen gehandlet, gethan, gewilligt und geschlossen, solches alles zu ewigen zeitten, sthet, vest unnd genem zuhaben unnd zuhalten. Deß zu wahrer urkhundt haben wir unnser innsigl an disen gewaltsbrief thun hangen unnd mit aigner hanndt underschriben.

    Heidelberg, 19.9.1575. Eigenhd. Unterschrift: Kf. Pfgf. Friedrich.

    « Nr. 24 Instruktion Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 20 »

    Entschuldigung beim Ks. und den Kff., dass Kf. Friedrich III. von den Pfalz nicht persönlich anwesend ist und Vertreter nach Regensburg entsandt hat. Bedauern, dass er an der zur Erhaltung von Frieden und Einigkeit im Reich einberufenen Versammlung nicht teilnehmen kann. Religionskonflikte sind Hauptursache für die Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb des Reichs; Erhaltung des Friedens daher nur durch die Etablierung eines allgemeinen Religionsfriedens und durch die Freistellung der Religion möglich. Zu erwartende positive Effekte für das Reich und seinen Kampf gegen die Türken, falls der Religionsfrieden in den Nachbarländern eingeführt wird. Beilegung konfessioneller Konflikte innerhalb des Reichs, wenn Ks. und Kff. die Freistellung der Religion in der Wahlkapitulation bestätigen; dadurch zu erzielende Vorteile für Ks. Maximilian II.

    Anweisung an die pfälzischen Gesandten, Kf. Friedrich über die Antwort des Ks. Bericht zu erstatten. Vor Beginn der Beratungen im KR erneute Entschuldigung der Abwesenheit Kf. Friedrichs und Verweis auf die erteilte Vollmacht. Reihenfolge der Beratungspunkte: Falls möglich, zunächst Beratungen über den Erhalt von Frieden und Einigkeit im Reich und über die Abwehr der Bedrohungen von außen, daran anschließend Behandlung der Nachfolge im Reich; Argumente für die Vorteile dieser Reihenfolge. Für die Bewahrung des inneren Friedens im Reich sind die Einhaltung und Ergänzung der Reichsgesetze und -ordnungen sowie die Abschaffung der im Konzil von Trient geforderten Eide notwendig. Zur Abwendung äußerer Gefahren wird eine Reichsgesandtschaft nach Frankreich und Spanien vorgeschlagen, die sich für die Freistellung der Religion einsetzen soll.

    Bei den Beratungen zur Nachfolge im Reich, Bitte an den Ks., seine Regierung alleine fortzusetzen; Argumente gegen die Wahl eines röm. Kg. zu Lebzeiten Šdes Ks. Sollte dennoch die Wahl eines Nachfolgers beschlossen werden, Betonung der kfl. Pflichten bei der Königswahl, insbesondere hinsichtlich der Auswahl eines geeigneten Kandidaten; Bedeutung von Qualität und Herkunft des Nachfolgers, auch im Hinblick auf die Bedrohung durch die Türken. Bestehen auf Abschaffung der genannten Missstände, Präzisierung des Religionsfriedens und Einbeziehung der reformierten Bekenntnisse. Einsetzung von Ratgebern zur Unterstützung des Ks. und seines Nachfolgers. Kein Beharren auf den pfälzischen Forderungen, falls diese bei den anderen Kff. nicht durchzusetzen sind. Änderungsvorschläge für einige Artikel der Wahlkapitulation; Anwesenheit des Kandidaten bei den Beratungen unerwünscht. Änderungswunsch zum Krönungszeremoniell. Drängen auf Befriedung der Konflikte in den Nachbarländern. Kosten der Gesandtschaften nach Moskau und Frankreich/Spanien. Ablehnung neuer Zollbewilligungen. Vertretung pfälzischer Interessen betreffend die Stifte Sinsheim und Neuhausen.

    Ein bearbeiteter Auszug aus dem ersten Teil der Instruktion wurde Ks. Maximilian II. am 8.10.1575 von Pfgf. Ludwig übergeben.

    HStA München, K. schwarz 16687, fol. 258–286 (Or. mit eigenhd. Unterschrift Kf. Friedrichs III. von der Pfalz. Aufschr.: Instructio uff yetztangestellten collegialtag gein Regenspurg, den 26. Septembris anno 75.) = Textvorlage. Druck (mit wenigen Kürzungen): Kluckhohn , Briefe II, Nr. 836 S. 855–870. Der erste Teil der Instruktion von fol. 259 bis fol. 267 in der dem Ks. präs. Fassung: HStA München, K. blau 100/1, fol. 69–74' (Kop. Dorsv.: Copia des extracts der ksl. Mt. ubergeben, den 8. Octobris anno 751 .) = B. HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 222'–226' (Kop. Überschr.: Des churfursten pfaltzgrafen abgesanten auf den churfurstentag gehn Regenspurg anno 1575 gehalten instruction.) = C. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10198/8 (unfol. Kop. 2). Druck: Schneidt , Geschichte, 436–444.

    /258/ Instruction was der hochgeborn fürst, unnser pfaltzgrave Friderichs churfurstens etc. freundtlicher lieber sohn, gevatter unnd unnsers furstenthumbs der Obern Pfaltzs inn Bayern stathalter, herr Ludwig pfaltzgraf bey Rhein, herzog inn Beyern etc., unnd dann die wolgebornen, hochgelerten, ersamen, unnser groshofmeister, cantzler zu Heidelberg, vicecantzler zu Amberg, fauth zu Germerßheim, rethe und liebe getrewen, Ludwig von Sain, graff zu Wittgenstein, Šherr zu Homburg etc., Christof Ehem, Martin Östermüncher, beide der rechten doctores, Christoff von Götfart, Wolf Haller unnd Ludwig Culman, auch der rechten doctor, sambt und sonnder uf itziger collegial versamblung zu Regenspurg unsertwegen sich verhalten sollen.

    Obgemelter unser gliebter sohn, herzog Ludwig pfaltzgraf etc., groshofmeister, cantzler und andere verordnete rhete sollen nach irer ankunfft zu Regenspurg, alsbaldt es sich schicken will, zu der keiserlichen Majestat, volgendts zu den andern unnseren mitchurfursten verfüegen und inen auf überraichung unnserer credentz3 /258'/ dz gewonlich zuentbiethen, volgents unnsere ehehaffte endtschüldigung vermelden, warumb wir inn der person bei sollicher collegialversamblung von wegen unversehener zugestandner leibs plödigkheit unnd fürgefallener französischen gewerb unnd durchzüg geworbnen kriegsvolcks auf ir Majestat etzlichmhalenn durch schickhung unnd schreiben beschehenes ersuchen4 unnd mentzischen außschreiben5 wider unnsern willen unnd zuversicht nit erscheinen khönnen, sonndern unnser gesundtheitt pflegen, auch unnsern landen unnd leuthen beiwhonen müssen; mit bitt, dasselbig inn ungnaden nit zuvermerckhen, dabenebenn und daß wir gleich wol zu berhatschlagung und schliessung alles deßjhenigen, wz inn irer keiserlichen Mt. werbung und mentzischen außschreiben, die administration deß Heiligen Reichs, dessen unnd allgemeiner christenheit ruge, sicherheit und wolfarth betreffendt, begriffen, wolgedachten unnsern sone, groshofmeister unnd rhete mit volmacht6 abgefertigt, damit disfals an unns khein mangel erscheine, der underthenigsten tröstlichen /259/ zuversicht, daß nit allein ir keiserliche Mt. mit diser unnserer entschuldigung allergnedigst wol content und zufriden, sonnder auch deswegen mit uns ein genedigs mitleiden tragen und kheins wegs unnsers außpleibens verdencken wurde, wellichs alles umb ire keiserliche Mt. wir underthenig unnd gehorsamblich zuverdinen urpütig weren und schuldig erkhendten etc., wie dann unnsere gesandten solliches mit seinen umbstenden nach gelegenheitt bei der keiserlichen Mt. und einem iden churfursten herauß zustreichen werden wissen.

    a -Dabeneben aber hetten unnsere gesandten bevelch, irer keiserlichen Mt. von unsertwegen inn sonderbarem vertrawen underthenigst zuvermelden–aŠnachdem ir keiserlich Mt. diseb gegenwertige churfursten versamlung fürnemblich irer leibs blödigkeitt, auch jeziger hochbeschwerlicher zeitt unnd leüffde, so sich im Heiligen Reich unnd inn den genachbarten königreich und landen allendthalben je lenger je mher ereugten, wie /259'/ ettwann demselben rhat zu schaffen, auchc allenthalben ruge, fried unnd einigkeitt gepflantzt unnd erhalten, auch künftiges übel unnd zerrüttligkeit abgewendet unnd verhüetet werden, damitt auch ire ksl. Mt. die noch übrige zeitt ires lebens solliche obligennde schwere bürdin deß Reichs desto leichter ertragen unnd nach ihrem zeittlichen abgang die churfursten, fursten und stende one einiche trennung bei gutem eintrechtigen friden und langherbrachter löblicher ordenlicher verfassung und regierung erhalten werden möchten, daß wir sollichen gantz christlich und keiserlichen vorsatz anderst nitt dann dem gemainen vatterland und christenheit zum besten gemeint von irer ksl. Mt. vermerckten, wir auch sollichesd, soviel an uns, zu befürderen uns schuldig erkenten, deßwegen wir dann auch desto lieber gesehen, daß wir inn unnserm hohen /260/ alter diser versamblung inn der person beiwhonen und unnsere trewherzigee gedanckhen mit irer ksl. Mt. vor unserm abschied auß disem jhamerthal vertrewlich communiciren mögenn.

    Wann wir aber daran aus Gottes gewaldt, wie ir Mt. vernommen, verhindert, also hetten wir dannoch sollichs ir Mt. durch unnsere rhetf bei unsern pflichten, damit wir ir Mt. und dem Heiligen Reich zugethan, underthenigst nit verhalten wollen noch sollen, und were an dem, daß ir Mt. allergnedigst selbs guth wissens trügenn, waher unnd aus wz ursprung nit allein im Heiligen Reich, sonder auch inn allen genachbarten königreichen und landen, ja fast gantzer christenheit, dz schedliche mißtrawen, uhnruge, empörung, plutvergiessung und zer- /260'/ störung derselben herquelle, nemblichg daß man einannder der religion halben auffs eüsserst verdammen und verfolgenn thet h -und ein jeder den anderen wider sein gewissen mit gewalt zudringen unnd zuzwingen, ja ganz und gahr auszurotten understünde–h . Wann nhun ir Mt. bißanhero inn der erfarenheit bei disen verpitterten gemüetteren gefasten whon, auch zum theil mitlauffendem ehrgeitz der theologen und priester, furnemblich aber von wegen deß bapsts zu Rhom angemaster praeeminenz inn religions sachen, befunden, daß zu disen schwirigen zeitten weder durch weeg der colloquien noch concilien einiche vergleichung zutreffeni, hergegen aber auch ein theil one underganng deß andern und also deß gantzen cörpers hin und wider inn konig- /261/ reichen und landen nitt ausgerottett werden köndte, unnd also zu Šletst, da disem übel nit begegnetj, die ganz christenheitt darüber zuscheittern gheen und allen barbarischen nationen zum raub und preiß werden muste, so wolte ja ir keiserlich Mt. als dem oberhaubt derselben, auch irer selbstk person unnd posteritet halben inn allweg gepüren, auff die mittel und weege zudenckhen, wie disen dingen rhat zu schaffen und dz gepürende remedium zu adhibieren, welliches aber khein anders unsers ermessens sein könte, dann daß ire ksl. Mt. allergenedigst dahin verdacht were, wie dannoch pax publica durch ein allgemeinen fried und freistellung der religion so wol inn den genachbarten königreichen als im Reich teütscher nation zuerhalten unnd inns werck /261'/ zurichten, welliches remedium unnd mittell also geschaffen, daß es zu allen seiten, auch gegen Gott und eins yeden gewissen unvergrifflich l -und vor der zeitt von anderen löblichen keisern und potentaten auch gepraucht worden–l ; dann wz dannoch angeregter religion fried im Reich teütscher nation gefruchtet und die stend desselben inn zimblichen vertrawen beisammen gehalten und daß sie nit inn grössere zerruttung gerhaten verhüetet, dz gebe die erfahrunng. Wer auch zuverhoffen, da allein inn ettwz sollicher religion friedm erleüttert unnd gebessert, daß es noch zu n -mherem fried, rhue unnd einigkeit–n gelangenn wurde. Bei disem remedio hetten sich die schweytzer7 eine lange zeit auch wol befunden, dern exempel die poln8, wie ir Mt. /262/ guth wissenns, auch nachgevolget. Wz dann ir Mt. inn dero selbs erblanden zu erhaltung fried und ruge zwischen derselben underthanen zugelassen unnd verstattet9, auch jezo inn dero kron Böhem fürgangen10, dz dörffte kheiner erinnerung.

    Da nhun sollicher friedstand bei den genachbarten königreich und landen auch gesucht und erhalteno, wurde nit allein inen selbst, sonnder auch dem Heiligen Reich unnd der ganzen christenheit zum besten inn viel weg gelangen. ŠDann wie mercklich bißanhero die christenheitt durch solliche innerliche krieg der relligion halben an gelt unnd mannschafft, sonderlich aber dz Reich teütscher nation mit durchzüg, sperrung der commertien unnd sonsten geschwecht und dardurch dem türckhen unnd annderen /262'/ barbarischen nationen p -ursachen, dieselb anzufallen, gegeben–p , were ir Mt. und menigklichen unverporgen und uhnvonnöten außzufhüren, also daß man sich irer hülffq auff zutragende felle, sonnderlich der Niderlanden, itziger zeitt gahr nichts zuerfrewenr. So were es auch an dem, da schon die ein oder ander parthei die überhand neme inn Franckreich oder Niderlannd, daß solliches dem einen oder dem andern theil im Reich gahr verdechtig unnd zu grossem mißtrawen ursach geben wurde. Hergegen aber, da solliche freistellung oder religion frid bei sollichen genachbarten erlangt, wurde erstlich Gott dem allmechtigen gedienet, unschuldiges plutvergiessen verhüettet und solliche länder inn den stand gesetzt, daß sich weder ir keiserliche Mt. noch dz Reich von inen irer macht halben /263/ zu befahren, sonndern allwegen gegeneinander in aequilibrio erhalten und also iren respect auf ir Mt. und dz Reich haben müssten. Darauß dann auch zuverhoffen, daß man ir hülffe gegen dem erbfeind desto mher und bälder inn künftigen zeitten zugewarthens. Durch dises mittel möcht man auch desto ee zur recuperation der vom Reich endtwendten stuck und stiffte11 khommen, dessen man, da der könig inn Franckreich gewaltig, nimmermehr zuverhoffen.

    Unnd were diser fridstand desto leichter zuerlangen, weiln die sach an allen orthen so reiff worden, daß auch die catholicit nitt annderst judicieren köndten, dann wa sollicher fridstandt nitt getroffen, daß auch ire sachen zu eüsserstem verderben zusambt dem königreich gelangen müesten unnd nit lenger also Šbestehen khönnenu, derwegen sie auchv solliches friedstandts und freilassung der religion selbs begirig und die hülfliche hand biethennw. /263'/ So dörfften ir Mt. nochx dz Reich weder gelt noch grosse macht darzu anwenden, wann allein ein erenstliche legation zu Franckreich unnd Spanien geschickht, mitt der man iren königlichen Ww. 12 so viel zuerkennen geb, daß ir keiserlich Mt. noch dz Reich disem elend, jammer unnd verderben derselben landen, so auch zu undergangky deß Heiligen Reychs gelangte, lenger zusehen khöndte, sonndern auf den fall dz irig darbei zuthun genottrengt wurde, wie ettwa inn dergleichen fellen mher beschehen. Unnd khöndte Franckreich, z -wie auch Spanien–z , wa man je auf solliche legation nichts geben wolle, allein mit abstrickung deß teutschen kriegsvolcks dahin gezwungen werden, weiln am tag, daß ir königlich W. dz vertrawen aa -gantz und ghar bei seinen–aa eigenen leuthen verloren und ab -allein mitt teütscher macht–ab eine zeitlang her sich auffgehaltenac.

    /264/ So viel aber den stand unnsers geliebten vatterlandts inn religion sachen betreffen thet, ob wol nitt ohne, daß vielgedachter religion frid, darinnen zwaierlei religion zugelassen, verhanden, wie dann in effectu nit mher als die zwo heuttiges tags bei den stenden im schwang gheen unnd man im fundamentad mit der einen oder anderen parthei einig, jedoch wer ir ksl. Mt. allergenedigst uhnverporgen, wz etzliche uhnrhüwigeae theologen für beschwerliche ärgerliche stritt inn gemelten religions sachen, sonderlich vom nachtmal deß herren, welliches uns christen billich ein band der liebe sein solte, zu unnseren zeitten erwecket, damit nitt allein hin und wider die gemüter inn- sonnder auch ausserhalb Reichs bey anderen nationen hart offendiert, verwundet undaf verbittert, und die sach dahin mit iren tribunitiisag clamoribus bei herren und underthanen, die ettwa disem /264'/ handel nitt, wie sie billich solten, nachforschen, zubringen vermainen, daß man sich irer gefasten mainungen mit der that nit weniger als im bapstum mit anruffung deß brachii secularis beschehen Šannemmen solle, ja wol diejhenige, so es mit inen nit eben halten, dem gemeinen mann unnd obrigkeitt einpilden dörffen, als ob sie deß gedachten religion friden nit vehig, daruß dann ah -anderst nichts dann–ah mißtrawen, unainigkeit, trennung, spaltung und verfolgung, endtlich aber beschwerliche unruge unnd blutvergiessen wol ervolgen möchte. Weillai dann so wol dem Heiligen Reich als ir ksl. Mt. unnd derselbenaj successornak mechtig und viel daran gelegen, daß sollicher ergerlicher stritt sopiert und gestillet werde, so hetten wir abermals nit konnen umbghehn, dises punctens halben irer ksl. Mt. underthenigste erinnerung /265/ zuthun und dagegen diß remedium trewherziger mainung an die hand zugeben, dardurch ir Mt. gleich als mit einem straich alle gezenck, hader und zwitracht abhawen köndte und fürbaß den zängkischen theologen alle ursachen, rempublicam zu perturbiren, benommen wurde, [(]nachdem, wie gemeldt, wol zuverhoffenal, daß bei sollichen verpitterten gemütern diser handel jetziger zeit, der doch sonst an ime selbs nit so wichtig, sonder leichtlich von fridliebenden zuerörtteren, nit wol durch am -ein weg eines colloquii oder concilii–am beizulegen[)], daß die ksl. Mt. sich mit den anwesenden churfursten und derselben abgesandten rheten außdruckenlich erkleren theten, dises stritts halben nyemandt anzufechten, zuverfolgen oder zubeschweren, noch auch anderen dasselb zu thun verstattenan -auch solliches austruckenlich der capitulation deß künfftigen successoris einzuverleiben, auf maß wie inn beigeŠlegten zedell13 begriffen. /265'/ Unnd solliches nitt allein wegen deren ursachen, so inn jetzgedachtem zedel angezogen, sonnderen auch deßwegen, da ire ksl. Mt. der picarder oder fratrum ecclesias [!], wie man sie nennet, inn Böhem unnd Möhrren, als die mitt der augspurgischen confession übereinstimment dem friden eingeschlossen, mit den dann unnserer wie auch aller auslendischen franzosen, engellender, schweytzer, schotten, polacken bekhandtnuß sich vergleichen. Da nhun dieselb außgeschlossen unnd verdampt, wurde es dz ansehen haben, als ob ir Mt. ir selbs zuwider were oder aber den friden, so sie iren underthanen gegeben, wider nemen wolten und nitt billich, daß die stende deß Reichs es ärger als jhene disfals haben sollen. Zum andern hetten ir Mt. zuermessen, da sie solliches nitt theten, daß sie irem successori dz Imperium nitt tranquillum hinderlassen wurde, wellichs /266/ aber dem hauß Österreich wenig nutzs pringen möchte. Zum dritten wurden ire ksl. Mt. nit allein alle stend deß Reichs, sonndern auch alle exteros ihr devincieren, daß sie künftig derselben desto lieber und freudiger die hand biethen wurde, dann nyemand geren den zuerheben pflegt, zu dem er sich nichts guts versehen khan. Zum vierten hetten ir Mt. zuermessen, daß es einem inn seinem gewissen schwerlich und bei Gott, seiner kirchen und gantzer posteritet unverantworttlich fallenn wurd, ein sollichenn zum haubt der christenheit mit wissenden dingen erwhelen und erhöhen zuhelffen, von dem man künftiger underdruckung gewertig sein müste. Zum fünfften möchten ire keiserliche Mt. dessen wol vergwisset sein, daß durch dise erklerung und fürsehung khein /266'/ besserer zugang zum königreich Poln beraittet und gemacht werden khöndte, wie wir dann dise gewisse nachrichtung von fürnemmen polacken bißher gehabt, daß ir Mt. fürnemblich diß gehindert hatt, daß die religions verwandten auf nichts gewisses bawen haben könden, da sie irer Mt. oder derselben sohne die cron aufsezen wurde, ob sie auch irer religion halben gesichert–an .\ Beschließlich, so khöndte nichts loblichers und rhümlichers irer ksl. Mt. und derselben gantzen posteritet nachgesagtt werden, dann daß sie gleich zum beschluß irer keiserlichen regierung der ganzen christenheit, so itzundt allendthalben angeregter religion halben zerdrent, zerrüttet unnd inn zwitracht ist, einen gottseligen friden geschafft, dz seminarium omnium malorum et rixarum aufgehaben unnd also irem künftigen successori pacificum Imperium hinderlassen, deßwegen /267/ sie dann bei Gott dem allmechtigen unnd den mendtschen ewiges und zeittiges lob, unnd gegen dem vatterland unnd kirchen Christi rhumb zugewarthen. Solliches alles hetten wir ir ksl. Mt. rund und apertao auß trewherzigem gemüet anzumelden nit underlassen sollen, mitt undertheniger bitt, es anderst nit dann von einem gehorsamen churfursten, der nicht sich selbs, sonnder Gottes ehr, deß vatterlandts und ir ksl. Mt., auch Šdero posteritet wolfardt unnd nutzen suchen thet unnd solliches mitt Gott bezeugen khöndte, genedigklich uf- und anzunemmen etc.ap

    Wz nhun allenthalben daruf zur antworth erfolget, haben sie14 vleissig ufzuzaichnen, uns dessen zuberichten, im fall es vonnöthen darauff zu replicieren unnd unnsere zufellige fluxus unnd blödigkheitt, auch die gefahr der durchzug und hiebevor furgangne und fürgehabte practiken, außfell und anschleg, /267'/ die uns bei unseren landen und leuthen zuverpleiben unnd ir inn achtzuhaben verursacht.

    Wann es nhun zur berhatschlagung khombt unnd Meintz wie gebreuchlich die proposition thut, haben unnsere abgesandte abermals unnsere endtschuldigung inn gemein khurtzlich zuwiderholen, mitt vermeldung wellicher gestaldt sie unseren gewaldt15 der mentzischen cantzlei uberliefert unnd inn crafft desselben unsere stell unnd session eingenommen, volgendts sich zu erbiethen, neben andern zur berhatschlagung gethanes ausschreibens unnd auf den fall die keiserliche Mt. auch proponiren solte16, welliches ohne zweiffel nit verbleiben wurdet und hiebevor auch geschehen, vorzuschreitten. So man nhun beide, die meintzische proposition und auf den fall der keiserlichen Mt. anbringens, inn berhatschlagung ziehenn, der keiserlichen werbung und menzischen außschreiben gemeß befinden wurdet /268/ und zuforderst auf den puncten künfftiger administration deß Reichs tringen solte, wie unnd wellicher gestaldt dieselb anzustellen etc., sollen unnsere abgesandten die berhatschlagung anfängklich dahin, wa müglich, dirigieren und richten, – dieweill die keiserliche Mt. selbs inn irem schreiben an die churfursten in Octobri verschinen vierundtsiebenzigsten jars17 dz fundament jetziger versamblung unnd berhatschlagung auf derselben leibs blödigkeit, auch itzige hochbeschwerliche, sorgkliche zeitt, so sich im Heiligen Reich unnd inn den genachbarten königreichen und landen allenthalben je lenger je mher ereugen, setzen unnd derwegen auß tragender vatterlicher fürsorg, damit sie je dz gemein beste unnd liebes vatterland billich angelegen sein liessen, diese collegial versamblung für nützlich unnd nothwendig erachtet, alda zu erhaltung fridens unnd ruge, und hergegen verhüettung khunfftigen /268'/ unheils unnd zerrütligkeit im Heiligen Reich auf ettwa dienliche weeg und mittell zugedenckhen, dardurch ire keiserliche Mt. die noch übrige zeit ires lebens solliche obligende schwere bürden desto leichter ertragen unnd nach irem zeittlichen abgang die churfursten, fursten unnd stende deß Heiligen Reichs one einiche trennung bei gutem eintrechtigen friden und lang herbrachter löblicher ordenlicher verfassung unnd regierung deß Heiligen Reichs Šerhalten werden möchten, – als müsten wir zu gleich der ksl. Mt. dise gantze berhatschlagung dahin stellen, wa dieselb fruchtbarlich an die hand genommen unnd darauß etwas guts zuverhoffen, dz zuforderst de statu Imperii, wie derselb inn fried, ruge unnd einigkheit erhalten, auch die beschwerliche unruge bei den genachbarten, die dem Heiligen Reich nichts guts antrawen, darauß auch allerhand mißtrawen /269/ unnd zerrüttung endtlich zubesorgen, abzuschaffen, geredt unnd gebürliche vergleichung gtroffen werden müste. Darauß dann diß ir Mt. intent ervolgen und erlangt wurde, daß sie der vielfeltigen sorgen, mhue unnd arbeitt endtladen, die khünftige administration deß Reichs desto rhuwiger künftigen successori hinderlassen, deß türckhen und aller anderen der christenheit, sonderlich aber deß Heiligen Reichs erbfeinden und anderer barbarischen nationen geschwinde unnd verderbliche anschleg unnd fürnemen gebrochen. Da entgegen, unnd auf den fall diß fundament nit gelegt, sonnder zuforderst von der künftigen administration und successore, deß vorigen hindangesetzt, geredt werden wolt, zubesorgen, auß diser berhatschlagung ir ksl. Mt. scopus und intent nit erlangt werden möchte, inn betrachtung, dieweil bei irer ksl. Mt. fridfertigen regierung /269'/ und lebzeitten solliche gefehrliche und beschwerliche unruge nit hingelegt, dieselbige je lenger je mher sich heuffen, schwerer werden und volgendts dem künftigen successori, wellicher vielleicht der erfarnheit, synns unnd gemüets nit sein, auch itzige gute gelegenheit nit haben noch finden möchte, unmüglich sein würde, disen dingen mitt nutzen, wolfarth und aufnemmen deß Reichs rhatzuschaffen. Wann nhun dise consultatio nit allein dem ksl. schreiben unnd proposito gemeß, sonder an ir selbs nothwendig, nutzlich und ihr Mt., auch den churfursten sehr rhümblich, so hielten wir darfür, daß zuforderst der anfang dahin zumachen, inn kheinen zweiffel setzende, da man dieselb mit manns händen angreiffen und allein dz bonum publicum fur augen hette, daß die gewünschte effectus inn der ganzen christenheit, daruf ire ksl. Mt. one zweiffel gesehen, leichtlich ervolgen /270/ unnd man sich der künfftigen administration ohne schwer vergleichen wurde.

    Da nhun die andere churfursten inen dise mainung gefellig sein liessen, haben unnsere gesandten die vota underschiedlich zuvermerckhen unnd darauf gueth acht zuhaben unnd von unsertwegen den gantzen handel dahin zusehen, da der status Imperii erhalten unnd vermheret werden wolt, auf zwen fürnemblich acht zuhaben: erstlich wie innwendig bestendiger frid, ruge unnd gutes vertrawen zuerhalten; secundo, wie man gegen den außlendischen innbrechenden potentaten unnd unrugen gefreyet unnd gesichert sein möchte.

    Soviel den ersten puncten betrifft, haben unnsere abgesandten die Reichs verfassungen, als land- unnd religion friden, execution, chammergerichts- unnd anndere ordnung, dardurch bißher dz Reich inn zimblichen friden erhalten, nach gelegenheitt zuloben, dargegen aber auch zuvermelden, daß wol allerhand /270'/ verfassung unnd erleütterung derselben hoch vonnöthen, jetzigen unnd khünfftigen mißverstand so wol zwischen stenden als underthanen Šauffzuhebenn, wie auch etzliche vom bapst eingerissene newerungen, alß dieaq ungewhonliche unnd hochbeschwerliche, nach dem concilio zu Trient auffgedrungene iuramenta abzuschaffen, welliche bißhero viel mißtrawens im Heiligen Reich erweckht, auch khünfftig noch grössere erwecken unnd zu abbruch gemelts Reichs libertet unnd freiheitt unnd der keiserlichen Majestat hochheit unnd reputation geraichen möchten. Wellichem allem inn disem collegial conventu zwischen der keiserlichen Mt. unnd den churfursten, wa nit ein gentzlicher außschlag, jedoch ein gueter anfang und grund gemacht und gelegt, so auch hernacher durch ein allgemaine pragmaticam sanctionem von allen stenden deß Reichs auctorisiert unnd bestettigett werden köndte unnd daran auch kein /271/ mangel, da solliches durch das haubt, die keiserliche Majestat, unnd die fürnembsten seulen approbiert erscheinen wurde. Unnd sollen unnsere gesanndten bei disem puncten in specie der beschwerlichen condemnationen unnd verfolgung under dem schein, als ob man der augspurgischen confession nitt wer unnd doch dessen mitt grundt nitt überwisen, secundo der keiserlichen constitution mitt den städten18, so inn der saxischen cantzlei in originali zufinden, tertio der underthanen halben, so wider iren willen hin unnd wider dem religion friden stracks entgegen der religion halben außgetrieben werden, unnd dann auch der freistellung halben grundtliche außfhürung thun, innmassen die motiven unnd argumenta /271'/ zum theill inn unnsers sohns, deß statthalters, schreiben unnd bedenckhen under dato den fünfften Martii19, dessen man sich wie auch annderer persuasionen unnd gestelten schrifften, die unnsere gesandten bei sich haben, zugebrauchen, begriffen unnd nach der lengde außgefhüert.

    So viel aber den anndern hauptpuncten, wie man gegen die außlendische gesichert sein möchte, anlangt, da haben unnsere abgesandten abermals den weg einer allgemainer freistellung der religion bei den genachbarten potentaten fürzuschlagen, welliche durch die keiserliche Mt. unnd die churfursten mitt ernst durch eine schickhung gesucht werden solt. Unnd wer bei disem puncten unnserem [!] mitchurfursten zu gemüeth zuführen /272/ eben das jhenige, wz hieoben bei der keiserlichen Majestat auch vermeldet ist.

    Da nhun dz eine oder das ander zuerhalten, hatt es seinen weeg. Solte aber von disen dingen erst nach der berhatschlagung der administration oder kunfftigen successoris geredt wöllen werden, haben unnsere gesandten solliches nit zufechten. Da aber ghar nichts gehandelt, sonndern alle dise ding auf ein gemeinen reichstag verschoben wollen werden, wie die fürsorg zutragen, müssen es unnsere gesandten geschehen lassen, jedoch dahin dirigiren, daß bei berhatschlagung der capitulation die fürsehunge beschehe, damit under dem Šschein dieser oder jhener secten kheiner, so ordenlich recht und erkandtnus leiden mag, uß dem religion friden geschlossen, unnd expraesse unnser unnd der schweitzer /272'/ bekhandtnus, damitt dann der franzosen, engellender, polen, picarder unnd annderer nationen, so vom bapstthumb abgewichen, sonnderlich im puncten deß nachtmals übereinstimmet, inn gemeltem religion friden begriffen, auch expresse der capitulation einverleibet werde, wie auch deßwegen inn der churfursten verein ein artickel20 gesetzt, den man auff den fall auch besser zuerleutteren, alles lauth beiligenden extracts mitt A21 verzeichnet.

    Da nhun die berhatschlagung künfftiger administration an die hand genommen, wurdett sich bei vorigen dergleichen handlungen befinden, daß man die keiserliche Mt. zuforderst gepetten, die bürde deß Heiligen Reichs noch lenger alleine zutragen, /273/ inn betrachtung, daß Gott der allmechtige noch lennger stercke, leibsgesundtheitt unnd verstand geben wurde etc. Sollen unnsere gesandte auch dahin votieren unnd sich deßwegen mit den anndern auch vergleichen unnd von inen disfals nitt absonndern, mitt vernerer ausfuerung, daß es gleichwol fast bedencklich, daß man bei unnseren zeitten zu zweyen mahln zur election eines khünfftigen successoris im Reich noch bei leben eines regierenden rhömischen kaisers geschritten were22. Solt es nhun jetzo aber unnd also zum dritten mhal beschehen, möcht mans mit der zeitt für ein recht haben wollen, welliches den churfursten an irer freien waal nicht wenig praejudicierlich, wie auch deßwegen ein sonnderlicher punct inn der capitulation23 /273'/ begriffen unnd statuiert, daß solliche successio kheins weegs gesucht und begert werden soll; über das hierdurch dem Heiligen Reich ein grosser last mitt underhaltung zweyer häubter aufgelegt wurde, da man doch jetz eines khaum erhalten khöndte. Zu dem daß man dannach bißher seyder auffgerichten relligion frieden inn guetem friden gesessen unnd Gott lob noch sitze unnd sich daher so wol innerhalb dem Reich, da obangeregte verbesserung und erleutterung an die hand genommen unnd beschwerden abgeschafft, under dessen stenden alß von aussen unnd frembden potentaten hero, bevorab weill dieselb unnd ein jeder an seinem orth wercks alberait genug abzuspinnen, einicher unrhue oder beschwerlichen /274/ überzugs oder zunöttigung, sonnderlich aber, da durch der keiserlichen Majestatt unnd der churfürsten zuthun bei inen ein allgemeiner religionfriden auch gepflantzt unnd erhalten, nit zuversehen. Derwegen dann auch diser ursachen halben die election eines khünfftigen successors uhnnöttig unnd dahin zuachten sein möchte, daß sie biß zu künfftigem fall wol verzug leiden köndte. Wie auch alsdann unnd nach zugedragenem todtfall solliche election viel besser unnd votis liberioribus quam imperatore adhuc vivente beschehen möchte. Unnd ob es wol umb der jetzigen kaiserlichen Majestat Šleibs gelegenheitt also gewandt wie ire Mt. selbs inn irem schreiben und fürtrag /274'/ erwhenen, daß irer Mt. den last lennger allein zutragen fast schwer fallen werde, so möchte doch dem durch die angedeutte mittel, auch verordnung eines regiments oder zuordnung einer taugenlichen geschickten person von jedes churfursten wegen zimblich zuhelffen sein. Zu dem, da gleich ire Mt. nach dem genedigen willen Gottes verfallen unnd abgheen solte, unnd nicht eben inn der eyl ein anderer successor erwhelet, so hett man doch dz mittel des vicariats nach verordnung der guldin bulla an die hand zunemmen unnd sich dessen zugebrauchen, wellichem aber durch continuation dergleichen process praejudiciert wurde. Über dz alles auch wol inn acht zu haben, wz hierdurch fur beschwerliche /275/ nachreden unnd verwiß den churfursten von annderen stenden deß Heiligen Reichs, als ob man dz Imperium hereditarium machen wolt, zuwachssen möcht.

    Da nhun über dise unnd anndere motiven, so auß hiebevor verfaster relation, wo noth, zunemmen unnd nach gelegenheitt furzubringen, von annderen dahin geschlossen werden wolt, auff ein annderen successorem verdacht zu sein, inn betrachtung, wie mißlich es fast inn allen königreichen unnd landen jetzund steet unnd daß inn wherendem friden, darinnen wir jezund sitzen, dennoch bedacht sein wölle, wie man dem künfftigen unfriden begegnen unnd allen occasionibus, die zu unheill ursach geben möchten, mit zeittigem rhat entgegen trachten solle; daß auch durch einstellung diser waal unnd da künfftig khein oberhaubt /275'/ im Heiligen Reich vorhanden, man nitt leichtlich sich einer einhelligen waal vergleichen, darauß allerhand weitterung sich zutragen und ettwa der bapst durch seine practickhen unnd trennung beschwerliche krieg erwecken wurde; wie dann inn vorigen interregnis man sich zu spieglen, wz unrichtigkeitten unnd unrhue sich zugetragen, wie auch jetz mit dem königreich Poln zusehen24, welliches alles durch jetzige whaal fürkhommen unnd abgeschnitten werden köndte, sollen unnsere abgesandte sich von den andern disfals nit absonderen, aber dabeneben inen, wann je der künfftige successor für nöttig unnd nutzlich erachtett unnd auff der keiserlichen Mt. sohne einen gedeuttet werden wolt, zubedenckhen heimstellen, wz /276/ dannoch disfals deß oberhaubts halben, so man nitt allein dem Heyligen Reich, sonnder der gantzen christenheitt erwheln unnd fürsetzen thet, den churfursten irer pflicht halben, damit sie dem Heiligen Reich zugethan, zuerwegen.

    Unnd erstlich stünde den churfursten zubedenckhen, die waal eines künfftigen successoris also anzustellen, daß sie nit dz ansehen hett, alß ob man es pro haereditario machen unnd halten möcht. Darneben weren die vielfaltige grosse außgaben unnd merckliche exactiones inn acht zunemmen, damit das Heilig Reich, dessen stende unnd glieder bißanheroar belegt gewesen, daß dieselbige mitt erwhelung eines künfftigen haubts nicht gemheret, dann dieselbige den Šstenden deß Reichs wie auch derselben underthanen inn die harr unnd bei disen harten zeitten zuerschwingen unmüglich und untreglich fallen wurden. /276'/ So stünde auch zubedenckhen, wie der eligendus erzogen, ob er auch ein teütsch gemüeth unnd wie er gegen der religion gesinnet unnd affectionirt, dann da er der augspurgischen confession gantz zuwider, wol zubesorgen, daß die handthab deß religion fridens desto schwerer bei ime zuerhalten, auch den churfursten, so der augspurgischen confession zugethan, irer gewissen und juraments halben, so sie inn erwhelung eines rhömischen königs praesentieren unnd laisten müesten, fast bedencklich fallen wolt, ein sollich haubt, so irer religion zuwider, zuerwhelen unnd der gantzen christenheitt fürsetzen, deren außrottung oder verfolgung sie sich hernacher zubefharen haben muestenn. Uber dz auch dahin zusehen, daß durch solliche election der türckh nit mher irritiert unnd umb soviel eher seine macht gegen dz Reich teütscher nation zu wenden, wie zuvor auch beschehen, /277/ verursacht werde, wie er sich dann auch gegen annderen alberaitt vernemmen lassen. Uber das, so erforderte gleichwol auch das Heilige Reich einen erfarnen krigsmann zu disen gefahrlichen zeitten unnd leüfften, der nitt allein das Reich bei den noch übrigen stimpffen schützte unnd handthabte, so es noch hett, sonndern auch das jhenige recuperierte, wz demselben entzogen ist, wellichs bei denen nit leicht zuverhoffen, so den jenigen verwandt und zugethan, so deß Reichs fürnemme stuck innhaben unnd besitzen. Unnd wie es fast bedencklich, jungen unerfarnen schiffleuthen dz schiff inn ungestimmen meer zuvertrawen, also auch jungen herren unnd regenten viel sorgklicher die verwaltung unnd regierung der gantzen christenheit zubevelhen /277'/, sonnderlich aber bei denen man sich zubefahren, daß sie von sollichenn leüthen regiert werden möchten, die der teutschen nation nit zugethan unnd sich der jezigen gelegenheitten im Niderlannd unnd Franckreich gebrauchen unnd dieselbe unruge nitt allein nitt dempffen, sonnder viel mher zu noch grösserem nachtheill unnd verderben deß vatterlandts teütscher nation fovieren möchten25. Solte nhun nitt allein der türck hierdurch irritiert, sonnder auch alle die krieg und handlung, so jetzund im Niderland, Italia unnd anderer orth fürlauffen, durch solliche election dem Heiligen Reich aufwachsen, stünde zubedenckhen, ob ein sollicher last möglich demselbigen zuertragen oder nitt viel mher dasselbige darunder zuscheütteren gheen möchte.

    Herwider auch weren wir gleichwol nit der meinung, daß ausserhalb deß Reichs /278/ denselben zusuchen, wolte sich auch vermög der constitution der guldin bulla nicht gepüren, ohne daß es auch weder rhatlich noch thunlich. Im Reich aber zweifelt unns nitt, daß wol fürsten zu findenn weren, die darzu qualificirt; ob aber denselben die schwere last unnd bürde unnd was zuertragung derselben fur grosse mhüe, arbeitt unnd uhnkosten gehört, zuerdulden unnd zuerschwingen gelegen sein wolle (es were dann sach, daß einem künfftigen Šsuccessori eine gewisse underhaltung geschöpfft unnd verordnet, die auch auf den fall wol zufinden, unnd dardurch künfftig anderen ein anlaß geben werden möcht, sich dergestalt zuverhalten, daß sie zu gleicher dignitet unnd hochheitt erhaben unnd würdig geachtet[)], solliches wer bei uns biß noch nitt genugsam resolvirt. Unnd ob unns wol inn diser so hochwichtigen sach zu gemüeth zufhürn /278'/ die grosse uhnsegliche macht unnd gewaldt deß türckhen, da er vernemmen würde, daß dem haus Österreich die keiserliche kron genommen unnd einen annderen im Heyligen Reich bei disen yetzigen schweren zeitten auffgesetzt, daß dardurch desselben hauß, authoritet unnd ansehen fallen unnd dem türgkhen desto mher dasselbige anzufallen, under sich zupringen unnd darnach seinen fueß weitter zusetzen ursach gegeben würde, so bedechten wir doch hinwider bei unns, da dise ursach statt haben solt, daß mitt der weiß für unnd für dz keiserthumb bei dem hauß Österreich verbleiben unnd khünfftig, da der moscowitter oder ein annderer feind, mit denen yezundt das Reich allenthalben gleich umbringet, dem einen [o]der dem annderen stand zusetzen unnd deßwegen hülff vom Reich begert /279/ wurde, gleichmessige ursach, dz kaiserthumb auff den betrangten unnd inn eüsserster gefhar sitzenden stand zu transferiren, fürzuwenden sein möchte. Überdz gleichwol auch zubedenckhenn, dieweill anndere königreich als Poln, Franckreich, Sybenburg, venetianer unnd anndere genachbarten mit dem türckhen ein ewigen oder je langen friden erlangt, so wol dz Heilige Reich als Österreich ein sollichenn, auf den fall es beim kaiserthumb nit verblieb, erlangen möchte, sintemal auch menigklich bewust, daß die türgken fürnemblich von wegen deß königreichs Ungern dem Heiligen Reich unnd Österreich auf den halß gewachssen, dessen wa man sich nitt angenommen, wol ein vormaur gegen dem türgken, und das Heilige Reich der vielfaltigen grossen /279'/ schatzungen überhaben verplieben were.

    Wann nhun die sach also beschaffenn unnd allerhand stattliche motiven verhanden, warumb es rhatsam oder nitt, diser zeitt ein successoren zueligieren, so hielten wir gleichwol darfur, daß inn einem sollichen fall, da man noch nitt wissen khan, wie sich der keiserlichen Mt. sohne, so noch jung, inn handel schickhen und inen wie auch annderen desto mehr ursach geben werden möchte, sich aller tugendten, so zum rhömischen kaiser gehörig, zu befleissen und ein specimen virtutis wider den türgken und sonsten inn der regierung zubeweisen, daß diser weg inn diser so hochwichtigen sach gegangen, ihr ksl. Mt. disfals ichtwz weder zugesagt noch abgeschlagen, sonnder dahin ir Mt. beantworttet wurde, daß man irer Mt. jeziges suchen auff /280/ den fall, da Gott lang vor sey, inngedenck, unnd da derselben sohn sich inn mittels also erzaigen wurde, daß man sich irer fridferttigen und teütschen regierung zugetrösten, daß man alsdann irer Mt. suchens inn khünftiger waal im besten angedechtich sein wolte.

    Solten aber die anndere churfursten alle samendtlich dahin stimmen, daß jeziger zeitt mitt der election unnd waal eines khünfftigen successoris bei dem haus Osterreich zupleiben, wolten wir uns auf denselben fall von inen auch nitt Šabsonderen, doch mit diser außtruckenlichen bescheidenheitt, daß zuforderst die obangezogne defect und mengl, auch wz sonnsten weitter zu erhaltung deß Heiligen Reichs authoritet unnd heilsamen fridens inn religion- unnd prophan sachen, auch zuverbesserung unnd nothwendiger offtgesuchter erklerung des religion fridens nothwendig unnd dinstlich, sonderlich /280'/ aber daß alle die jhenige, so es mit unnserer ausgangnen christlichen bekhandtnus wie auch den schweitzeren, frantzosen, engellender, schotten, polacken, picarder unnd anderen, deren confession mitt Gottes worth unnd einander übereinstimmen unnd der augspurgischen confession nitt zuwider seien, außtruckhenlich inn gemeltem religion friden begriffen und davon nitt außgeschlossen sein solten, wie etzliche sich bißher dasselbige zuerhalten understanden, unnd deßwegen so wol inn keiserlicher capitulation als der churfursten verein, wie ohne dz sollichs in genere versehen, genugsame caution beschehe.

    Zum anderen, daß die churfursten samptlich ein yeder ein tapfferen, geschickhten, auffrichtigen unnd erfarnen teütschen mann dem khünfftigen successori unnd auf den fall auch jetziger keiserlichen Mayestat /281/, so fern sie es begert, zugeordnet hetten, ir Mt. inn hohen wichtigen sachen, das Heilige Reich unnd außlendische sachen betreffendt, mitt rhat unnd beystandt behülfflich zu sein, auch da es fur guet angesehen, daß von wegen der weldtlichen churfursten einer unnd von geistlichen auch ein graff neben den sechs anderen adjungiert. Dann solt die fürsehung der religion halben nitt beschehen, so hett menigklich zuermessen, daß uns bedencklich sein würde, uns unnd von wegen unnserer mit relligions verwandtenn, sie seien gleich inn- oder ausserhalb Reichs gesessen, ein sollich haubt der christenheit erwhelen zuhelffen, vor dem wir uns khünfftig selbs verfolgung unnd anfechtung zu befharen, dardurch auch dz Heilige Reich, so ohne dz teglich mitt türckhenschatzung erschöpfft, inn innerliche unruge gesetzt unnd von auslendischen potentaten künftig durch /281'/ trennung unnd uhneinigkheitt zerrissen werden möcht. Wie wir dann verhoffen, dieweil dise waal darumb gesucht und für rhatsam angesehen, daß weitterung, uhnruge unnd mißtrawen jetz unnd khünfftig im Reich verhüettet, unnd das haubt unnd die glieder desselben, sonnderlich aber die churfürsten inn guter unzertrenntenn verpundtnus unnd verbrüderung beieinander verpleiben unnd erhalten werden möchten, daß höchstgedachte keiserliche Majestatt unnd sie, unnsere mittchurfursten, dessen mitt unns einig sein, welliches auch zu erhaltung bessern freündtschafft mitt den außländischen khönigreich unnd landen dienen wurde.

    Solte nhun diß [weder] bei der keiserlichen Mt. noch inen, den churfursten, wider all unnser verhoffnung unnd /282/ zuversicht, weiln es doch ir Mt. im königreich Böhem mit den confessionisten unnd picardern eingewilliget, nitt zuerhalten sein, haben sie, unsere abgesandten, sich dahin verlautten zulassen, daß sie gleichwol wider das mherer sich nitt legen khöndten, aber doch unnserer unnd annderer, so diser bekhandtnus anhängig, notturfft erforderen wurde, unnser schantzen disfals wol wahrzunemmen etc. unnd dise sach Gott dem Šallmechtigen zubevelhen. Wz es aber für gutes vertrawen so wol zwischen dem haubt unnd glieder alß allen anderen stenden deß Reichs wie auch außländischenn unnd genachbarten nationen geben, dz wurde könfftig die zeitt mitt sich bringen, unnd, wie zubesorgen, nichts guets darauß ervolgen, welliches alles durch die churfursten mit obangeregter erklerung verhuetet werden khöndte.

    /282'/ Wann es nhun an dem, daß von der capitulation eines rhömischenn khönigs geredt unnd consultiert werden soll, haben unnsere abgeordnete abermals sich zubefleissen, ob der pass vom stul zu Rhom [vgl. Art. 1] gantz unnd gahr herauß gelassen unnd deßwegen die geistliche churfursten auff unnser, der weldtlichen, mainung gebracht werden möchten. Bey wellichem puncten sie dann zum höchsten anzuziehen, wz für unruge unnd krieg ettlich jarhero der bapst inn allen königreichen gefuert, angezündet unnd schier zum verderben gerichtet, wz er sich auch je lenger jhe mher für superioritet gegen Teutschland anmassen thete, daß auch die geistliche gahr khein schutz und handhab von ime zugewarthen. Item daß dz jerliche gelt der annaten [vgl. Art. 15] /283/ unnd von pallien wol im Teütschland behalten unnd zu nutz des Reichs unnd der keiserlichen Mt. angewendet werden khöndten unnd billich solten; daß es auch ein bestendigers vertrawen im Reich geben wurde, da man allein einem haupt geschworen und von demselbigen regiert. Solt aber solliches bei inen nit zuerhalten sein, so mögen unnsere gesandten die capitulation dises punctens halben, wie bei der jetzigen keiserlichen Mt. beschehen, auch aufrichten lassen unnd, wa es sich schickht unnd noth ist, unvermeldet nitt lassen: Weiln ein rhömischer könig von inen darzu verpunden und angehalten, den stul zu Rhom, von dem sie vermeinten, daß ir status hienge, zu schutzen unnd handtzuhaben, daß wir nitt weniger, ja viel mher ursach hetten, unns unnd unnsere religions verwandte auch zuversicheren.

    /283'/ Am annderen, bei dem § „Wir solln unnd wollen auch sonnderlich die vorgemachte guldin bulla etc.“ [Art. 2], sollen unnsere abgesandte dahin votieren unnd anhalten, daß der appendix mit A außdruckenlich, wie auch der churfursten verein, inseriert werde. Item, bei dem § „Wir lassen auch zu etc.“ [Art. 4], daß die zusammenkunfft der churfursten nitt allein zugelassen, sonnder auch dahin reguliert werde wie ir verprüderung vermag, daß sie zusammen khommen solln. Item, in § „Unnd innsonderheit etc.“ [Art. 21], wer diser auch ettwz zuscherpffen, daß nitt allein ein rhömischer keiser oder könig pro imperio für seinen successorem nitt sollicitieren, sonnder auch, da deßwegen die churfursten zusammen khommen, bei sollichen tag persönlich nit erscheinen solten, damit die vota electorum liberiora unnd es nitt einem zwang mehr alß einer freyen waal geleich sehe. Da dann auch sonsten von andern disfals /284/ erregt, so zu erhaltung der teütschen freyheit unnd libertet dienstlich, sollen unnsere gesandten unnsertwegen mit den annderen sich vergleichen etc.

    ŠWann auch bei voriger waal yetziger ksl. Mt. diß übersehen worden, daß, ob wol ein könig inn Böhem zur consultation eines rhömischen khönigs nitt26, aber doch zur waal, da man inn dz enge stüblin gedretten, gezogen worden, aber gleichwol sich aus der guldin bulla nitt bescheinet, daß er darzu gehörig, anderst dann wa die sechs weltliche [!] churfursten sich der waal miteinander nitt vergleichen khönnen, alßdann der sach ein außschlag zugeben, vielweniger sich gezimmen will, sollicher waal beizuwhonen, da von seiner person tractiert unnd gehandelt wurdet, damit nyemandt inn seinem voto rund heraußzufaren verhindert, alß haben unnsere rhet disen puncten ad partem mit Mentz, auch auf den fall im rhat anzumelden, /284'/ damit diser eingang abgeschafft unnd fürbas verhuettet unnd fürkommen werde.

    Da es dann zur election gerathen solt, werden sich unnsere abgesandten mit den churfursten zu underreden wissen, ob die coronatio alspald zu geschehen oder dieselb vielmher verschoben und bei altem herkommen zu Ach zulassen, dahin sie dann zu schliessen unnd ir votum zu geben. Wa es aber nit zuerhalten, als dann der ceremonien halben sich zuvergleichen unnd darauff zu dirigiren dringen, daß die missa spiritus sancti weder a principio noch fine, sonnder anstatt derselben eine predigt von weldtlichen churfursten besucht, unnd nach vollender meß der ksl. Mt. unnd dem electo auf den dienst gewarttet werde.

    Dieweil auch nit verpleiben wurdet, als bald umb einen reichstag anzusuchen, wann es nhun /285/ mitt demselben die gelegenheitt, daß derselbig der ksl. Mt. hiebevor mit underschiedlicher maß eingewilliget, aber gleichwol der benachbarten potentaten krieg dz Reich also ausgesauget, daß unmuglich sein wurdet, ichtwas bei den underthanen zuerheben, haben unnsere gesandten zum eussersten desselben sich zubeschweren unnd dahin zudringen, daß einmal ein friede inn Franckreich unnd den Niderlanden getroffen werde.

    Wz dann des moscowitters einfall inn Lifflandt betrifft, dieweill ohne zweiffel auf die vorige legation gedrungen werden wurdt, sollen es unnsere gesandten bei voriger bewilligung lassen pleiben unnd dahin votiren, daß inn disen landen viel nötiger sei, Spanien unnd Franckreich zu beschickhen, obangeregten friden zuerlangen, unnd derwegen disen handel dahin zurichten, daß der unkosten moscowitterischer legation von denen stenden /285'/, so denselben am nechsten gesessen, diser aber von denen hieraussen getragen, unnd mit ernst bei sollichen potentaten deßwegen ansuchens beschehe, dergestaldt, daß dz Reich disem unwesen nit lenger zusehen, sondern auff den fall selbst gepürlich einsehen zuthun genöttiget werde.

    Als auch die zoll sachen daselbst fürkhommen werden, sollen unnsere gesandten deßwegen mit den andern churfursten sich vergleichen und dahin sehen, daß dem armen mann über hiebevorige beschwerden, sonderlich jetziger theurn zeitt, khein last auffgeladen werde. Und dieweill wir auch verpesserung unnserer Šprivilegien halben anhalten zulassen bedacht, soll unnseren gesandten unnsere notturfft hernach geschickht werden etc.

    Es sollen auch unnsere gesandten /286/ die gelegenheitt suchen, daß bei der ksl. Mt. der zweien stifften Synßheim unnd Newhausen halben dise fürsehung beschehe unnd erlangt werde, daß wir fürbas auf Reichs- unnd anderen versamblungstägen deßwegen unmolestiert verpleiben oder, da ye Wormbs sich nitt abweisen lassen wolt, daß wir bei ordenlichem rechten gelassen, wie wir unns dann allweg darzu erpotten27. Wz nhun inn disem allem yderzeitt verrichtet unnd sonsten fürlaufft, haben sie solliches zu tag unnd nacht auff geordneter post an uns zugelangen, unnd geschicht hieran unnser will und mainung.

    Heidelberg, 20.9.1575. Eigenhd. Unterschrift: Kf. Pfgf. Friedrich.

    « Nr. 25 Bericht über den Einzug des Kaisers und der Kurfürsten in Regensburg (1575 Oktober 3–7) »

    Vorbereitungen des Reichserbmarschalls Konrad von Pappenheim auf Befehl Ks. Maximilians II.: Vergabe der Quartiere, Publikation der Ordnung und Satzung, Bestimmung der Route für den ksl. Einzug in die Stadt, Vorbereitungen für den Empfang von Ks. und Kff. außerhalb der Stadt. Am 3.10. Ankunft des Ks. und seiner Familie; Empfang vor der Stadt durch den Kf. von Köln, den Ebf. von Salzburg und den Hg. von Bayern; Konflikt zwischen dem Reichserbmarschall und dem Hg. von Bayern. Am Morgen des 5.10. Ankunft des Kf. von Brandenburg; Empfang durch den Reichserbmarschall. Am Nachmittag desselben Tages Ankunft des Kf. von Mainz; Empfang durch Ks., Kff. und Ff. Am 7.10. Ankunft des Kf. von Trier; Empfang durch Ks., Kff. und Ff.; Geleitstreitigkeiten zwischen dem Pfgf. von Pfalz-Neuburg, dem Hg. von Bayern und dem Kf. von Brandenburg; Bestimmung der Reihenfolge im Geleit durch den Ks. Am selben Tag Einzug des Pfgf. Ludwig durch ein anderes Stadttor; am Abend Ankunft des Kf. von Sachsen.

    StA Nürnberg, Hft. Pappenheim, REMA Nr. 102b, fol. 2'–8' (Or.; Auszug aus einem Bericht über die von Konrad von Pappenheim beim Kurfürstentag erfüllten Aufgaben sowie über die Wahl und Krönung Kg. Rudolfs II.; 40 teilweise foliierte Blätter.) = Textvorlage.

    Š /2'/ Lautt diß hievor erstanngeregtem kayßerlichenn schreibens1, hatt sich herr reichsmarschalckh2 inn aller unnderthenigster gehorsam inn die statt Regennspurg unngesumpt verfüegt unnd alda seinem ampt gmeß nit allain des einquartieren oder losierenn, sunder auch denn vergriff ainer kayßerlichen ordnung3 uber die policey, victualien, auch annders mit dem zu sich gezognen unnd erfordertem regennspurgischen stattrath ald desßenn ausßschusßen zestellenn fürgenomen unnd nach verfasßung desßelbigenn irer ksl. Mt. zur ratification aller unnderthenigst ubersenndet, welche volgentz ir Mt. (wie solchs alles hernach zefinden) approbiert und dem gebrauch nach durch die heroldten mitt denn trumbetter unnd hörbauckhen offentlich publicieren unnd durch des Reichs marschalckhenn verordneten annschlagenn laßen haben.

    Unnd da nun wolberüertter herr marschalckh innhalt seines ampts des einquartierenn oder loßierenn, item die ersterzelt ksl. ordnung, auch annder nottwenndigkaitten bestellt /3/ unnd inn ire richtigkaitten gebracht, hatt er nebenn bemeltem regenspurgischen statt rath, durch welich gasßen die ksl. Mt. sampt irem geliebten gemahel unnd künder inn derenn verordnete palatien4 und hoflager am einzug uffs bequembist einbelaitt, item die burgerschafft mit iren whör unnd harnisch zu anngeregtem einziehenn in die ordnung gestellt werdenn möchten, notturfftig zuermesßenn anngefanngen, solchs auch auff ain richtigen verstannd beschlosßen. Nitt weniger hatt wolernanter herr Reichs marschalckh (weil sunsten unnd ohne das hierzu ain ganntz enger platz unnd rhaum geweßen) vor der statt unnd im feld fürsehung gethonn, das zu der ksl. Mt. unnd vorhochstgedachts ires geliebtenn gemahels, auch künder, item der loblichen churfürstenn endtgegenreitten, begrießungen unnd empfahungen notturfftigen weittin unnd stell gemacht, auch deßwegen ettliche zhein abgebrochenn, desgleichenn uffgeworffne gräben wider eingeschütt /3'/ unnd zu solchem gepürennde beraittschafft, wie dann beschechenn, anngeordnett werd.

    Alß nun auff dise jetztanngezaigten, deß Reichs marschalckhenn volfierten anordnung der ausgeschribenn churfürsten tag des besuchs unnd erscheinung halb inn teglicher abwartt gestannden, hierauff ist aller hochstbenannte röm. ksl. Mt. sampt irem geliebtenn gmahel unnd kündern, besunders aber hochermeltem irem geliebten sonn Rudolphen, domaln hungerischen und behaimschen (auch alberaitt zukünfftigen römischen) kinig, denn 3. Octobris zu ReŠgennspurg mitt Gottes helff glücklich unnd woll einkumen. Sintmal aber vor irer ksl. Mt., derselben geliebtenn gemahel unnd künder der churfürst zu Cöln, item der ertzbischoff zu Saltzburg5 unnd hertzog Albrecht uß Bayern /4/ ettlich tag inn Regennspurg erschinen, sind dise jetzt hochberüerte chur- unnd fürsten irer ksl. Mt., derselbenn gemahel unnd kündern für die statt enndtgegen zogen unnd haben dieselbig gebürlich begrüest, empfanngenn unnd nachvolgennder gestalt einbelaitt: namblich das ir Mt. (so uß schwachaitt so wol alß ir gemahel inn ainer gutschenn oder waagenn gefarenn) der Reichs marschalckh mit dem schwerdt vorgedienet, unnd altem herkumen nach des einritts vorthrab (welchenn hertzog Albrecht uß Bayern alß ain ann die statt Regenspurg anngrentzender lanndtsfürst begynnender preminentz wegen zuverhindern sich unnderstannden, solchen aber der herr Reichs marschalckh nit nachgeben wollenn) seinen bruder, herrn Wolff, marschalckhen6, auch seinen schwager Ferdinanden vonn Freyberg zu Öpffingen7, item seinen herrn vättern Albrechtenn vonn Rechperg zu Stauffnegg8 mit irem raißigen gesind im einreitten ann seiner statt einnemen laßenn9.

    Also wie jetztge- /4'/ hört ir ksl. Mt., deren gemahel unnd künder (unnder denen hochstermelter kinig Rudolph fürnemblich auch geweßen) durch hochgedachte chur- unnd fürstenn inn die statt Regennspurg biß zu irem palatiis unnd hoflägern comittiert, inmasßenn unnd gleichfhals ir Mt. durch die regennspurgischenn camerer unnd räth vor der statt mit endtgegen tragung unnd oblation irer statt thor schlüsßel neben gepürennder unnderthenigsten reverentz empfanngen, auch mit fürtragung aines himels (welchenn nachmals herr reichsmarschalckh wie gebreuchlich zu seinenn hannden ervordert unnd genomen) sampt den hochberüerten chur- unnd fürstenn durch ir mit gewhör Šunnd harnisch gewappneten, inn ordnung uff der gasßen gestelte burgerschafft belaittet wordenn.

    Volgenntz, am mittwoch, denn 5. bemelts monnats Octobris, ist der hochloblich curfürst vonn Branndennburg morgenns in aller früe beym thorschließen eingerittenn, /5/ dann ir kfl. Gn. sich den abendts davor gheen Heinen10 gelegert unnd mit irem hof gesind (wol zugedennckhen dadurch ires einziehenns willen jemandts zubeunrüebigenn) in der nacht uffgemacht. Alß nu der Reichs marschalckh solchs inn erfarung gebracht, hatt er sich mit seinem gesind erhept unnd ir f. Gn. gleich vor dem stattthor durch gegennziehenn anngethroffen unnd dieselbig ohnne sunst allermenigclichs biß zu derenn hof oder loßamennt belaittet11. Uff jetztgesagtenn 5. Octobris ist gleich fhals der hochloblich churfürst unnd ertzbischoff zu Menntz nach mittertag zu Regennspurg einkumen, welichem die ksl. Mt. sampt iren geliebtenn sönen, kinig Rudolphen uß Unngern unnd Behaim unnd jungen ertzhertzogenn vonn Österreich, auch alle hieobenn anngeregte chur- unnd fürsten, inmaßenn vor hochbenanter churfürst vonn Branndenburg, so erst denn verganngnen morgenn eingeritten, endtgegen /5'/ gezogenn, unnd sich ainicher zwytracht wie hernach bey des churfürsten unnd ertzbischoffenn vonn Thriers einkumen unnder denn fürstenn erregt oder begebenn12.

    ŠDen 7. merbestimpts monats Octobris ist jetzthochberüerter churfurst von Thrier zu Regennspurg auch eingeritten, dem gleicherweiß die ksl. Mt. mit vorangezaigten iren sonnen unnd alle chur- unnd fürsten, item Philips Ludwig, pfaltzgraff bey Rein, so zu Newburg hof helt, enndtgegen zogen. Darauff sich im einreitten unnder denn fürsten des vorzugs halb nit geringe irrung unnd zwyspalt sunder also scharpf erhept, das sich die ksl. Mt. darein legen unnd durch denn herrn Reichs marschalckhen deßhalb enndtschid unnd anordung gebenn habenn laßenn müeßen; in be[t]hrachtung hertzog Albrecht uß Bayern unnd dann vor hocherzelter pfaltzgraff Philips Ludwig, alß ann die statt Regenspurg mit irenn lannden anrainende fürsten, /6/ dafür gehaltenn, das sy deßwillen billich vor anndern denn vorzug haben; wie dan zwischen inen beeden ain vertrag des inhalts uffgericht, das hertzog Albrecht oder seine erbenn ann dergleichen gegenrittenn denn vorzug, hingegenn Pfaltz graff Phillips Ludwig oder seine nachkumen am widerkeren bemelten vorzug einzunemenn unnd zufüeren befuegt sein sollen13, wie dann crafft desßelben des gegen dem hern thrierischenn churfürstenn ußreitten oder empfahenn vonn der statt nachvolgender gestallt fürgenomen wordenn: Namblich das ettlich furstliche hertzog Albrechts bayerische pferdt anngemasten glaitts halb zum erstenn, churfürstliche brandenburgische am anndern, nachmals mentzische uff des churfürstenn vonn Coln, nach Cöln die uberigen bayerische pferdt, so nit im glaitth gweßen, uff dieselbenn pfaltzgraff Philips Ludwigs unnd letstlich der ksl. Mt. (dann der ertzbischoff vonn Saltzburg unnder des nit endthalbenn gweßenn, sunder erst zu der königclichenn whaal unnd cronung wider her- /6'/ zu kumen) hofgesünd inn der ordnung gezogenn14.

    ŠAlß aber nach dem gegenn dem offthochangezaigtem churfurstenn vonn Thrier beschechnenn empfahung am in die statt Regennspurg widerkeren unnd einreitten sich der churfürst uß Branndenburg (uß allerley vermainten ursachenn, so alhie zuerzellen vil zu lanng) des vorzugs ainig anngemast, welchs aber hertzog Albrecht uß Bayern gleich vor jetztgesagter statt Regennspurg habender verglaittungs gerechtigkaitt, wie auch pfaltzgraff P[h]ilips Ludwig des obangezognen vertrags unnd dann seiner genachbarten uff merbenannte statt Regenspurg anrainung wegen, so wol alß andere churfürsten irer preminentzen sublimitaten willenn nit gernn gestatten, zugeben unnd verhenngen wollenn, ist die sach, wie hieobenn angeregt, dahin gelanngt, das die ksl. Mt. nach begriffnenn ordnung durch den herrnn Reichs marschalckhenn zum einzug bestellt unnd fürgenomenn: /7/ benantlich, das pfaltzgraff Philips Ludwig bey Rein (nach lautt des obanngedeuttnem zwischenn ime unnd dem hauß Bayern gemachtenn vertrags) im einreitten denn vorzug unnd nach seinen raißigen 40 bayerische pferdt, uff dieselben Branndennburg, volgenntz Menntz, darauff Thrier, nach Thrier Cöln, uff Colnn das uberig bayerisch, uff dasßelbig Šder ksl. Mt. hofgesind reitten unnd einziehenn sollenn, wie dann (ungeacht die chur- unnd fürstliche hof marschalckh ainannder im feld, fürnemblich aber der branndenburgisch15 wider die bayerischenn unnd pfaltzgrävischen marschälckh16 saur darob anngesehenn unnd hinc inde bethrawliche17 wortt ußgestosßen) beschechenn unnd solchem gehorsamblich nachgesetzt worden.

    Aber diser irrung unnd endtstandnen strittigkaitt allerdings unverhindert, hatt herr Reichs marschalckh zuerhaltung des Reichs erbmarschalckhen ampts alt herkumen unnd gerechtigkaitt durch obgesagten seinen bruder, herrn Wolff, Reichs erbmarschalckhen, /7'/ Ferdinannden vonn Freyberg unnd herrn Albrechtenn vonn Rechberg sampt irem unnd seinem raißigenn gesind an seiner statt denn vorthrab einnemen laßenn, dan er solchs personnlich nit verrichten künden, inn bedennckhen, er der ksl. Mt. mit dem schwerdt (alß dann ain solchs bey allen obvermeltenn einrittenn oder gegenzügen beschechen) durch der statt inn wher unnd waaffen ordnungs weiß anngestelten burgerschafft vorgediennt hatt18.

    Unnder deß nun erzelter maßenn durch die ksl. Mt. unnd anndere hieobgesagten pottentatenn, chur- unnd fürstenn dem churfürsten vonn Thrier enndtgegenn gezogen wierdet, hatt sich Friderich [!] 19, pfaltzgraff bey Rhein (welcher seinen herrn vatter, auch pfaltzgraff, Friderichen, churfürsten etc., seines hochbetagten alters und schwachaitt halber mit verschribnem unnd ubergebnem gwalt20 bey dem churfurstlichen whaal- unnd königclichen chronungs tag vertrettenn) mit seinem hofgesind zu ainem andern thor in die statt Regenspurg eingefüegt.

    Š /8/ Gleichergestalt ist der hochloblich churfürst hertzog Augustus uß Sachßenn uff vilberüertenn 7. tag Octobris doch wider alles versehenn erst bey nacht unnd uffgehaltnem thor zwischenn 8 unnd 9 uhr (auch wol zuermeßenn, wie die chur Pfaltz und Branndennburg, vermeidung willen unrhue unnd pumps) mit seinem hofgesind zum churfürsten tag eingeritten, also es bey disenn dreyen churfürstenn oder gwalthabern kaines gegenreittens ald einbelaittens bederfft21. Unnd demnach sind uff disenn dickanngezognen 7. tag Octobris vorderst der ksl. Mt. alle churfürsten unnd dero gwalthabern personnlich inn der statt Regennspurg nach unnd nach einkumen unnd sich versambelt finden haben laßenn. Also bisher der ksl. Mt. unnd hungerischen, auch behämischen kinig Ruodolphenn, desgleichenn der chur- unnd annderer fürstenn zu dem whaal- unnd crönungs tag einritt, empfahungen, item des herrn /8'/ Reichs marschalckhenn dabey geüebte handlungenn beschribenn wordenn.

    « Nr. 26 Revers Kaiser Maximilians II. für die Kurfürsten wegen der Anwesenheit anderer Fürsten und Gesandtschaften während der Wahl, Regensburg 1575 Oktober 14 »

    Auf Einladung Kf. Daniels von Mainz haben sich die Kff. und der pfälzische Vertreter in Regensburg versammelt, um durch die rechtzeitige Wahl eines röm. Kg. und künftigen Ks. mögliche Gefahren für das Reich abzuwenden. Neben ihnen sind auch zahlreiche andere geladene und nicht geladene Ff. und Gesandtschaften erschienen. Der Ks. verspricht mit diesem Revers, dass ihre Anwesenheit auf dem Kurfürstentag weder die Präeminenz, Privilegien und Hoheit der Kff. noch die Geltung der Goldenen Bulle beeinträchtigt.

    In der Sitzung des KR am 13.10.1575 gefordert1; Konzept am 22.10.1575 im KR beraten und verlesen2. Der Revers ist (zurück)datiert Regensburg, 14.10.1575.

    Š HHStA Wien, AUR 1575 X 14 (unfol. Or. auf Pergament mit eigenhd. Unterschrift Ks. Maximilians II. und Ad mandatum-Vermerk des Reichssekretärs Erstenberger; das ksl. rote Siegel an einer schwarz-goldenen Schnur. Aufschr.: Kaiser Maximiliani deß andern reversal, daß den churfürsten der anwesenden fürsten und anderer potentaten pottschaften gegenwertigkeit auff dem kfl. versamblungstag zu Regenspurg gantz unabbruchig und unschödlich sein solle. 14. Octobris 1575. Vermerk am unteren Rand: Revers fur die churfursten von wegen anderer anwesenden fursten alhie zu Regenspurg.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 458–459' (Kop. Dorsv.: Copi. Revers der ksl. Mt. etc., so den churfursten zu Regenspurg zuzustellen, von wegen anderer anwesenden fürsten.) = B. HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 260–261 = C. HHStA Wien, MEA, WuKA 7-2, fol. 115–118 (Kop.). Druck: Schneidt , Geschichte, 564–566.

    Wir Maximilian der annder, a -von Gottes genaden erwelter römischer kaiser, zu allen zeitten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaimb, Dalmatien, Croatien unnd Sclavonien etc. khunig, ertzhertzog zu Österreich, hertzog zu Burgundi, Steyr, Khärndten, Crain und Wirtemberg etc., grave zu Tyrol etc.–a , bekhennen offentlich mit disem brieff unnd thuen khundt allermenigclich:

    Als auf unnser freundtlich und gnedig erindern unnd des ehrwirdigen Danieln, ertzbischoffs zu Maintz, unnsers lieben neven unnd churfursten, als des Hailligen Reichs ertzcantzlers, beschehen außschreiben3 unnsere unnd deß Hailligen Reichs churfursten, nemblich die ehrwirdigen und hochgeborne Daniel, ertzbischoff zu Maintz obgemelt, Salentin, erwelter zu ertzbischoven zu Cöln, Jacob, ertzbischoff zu Trier, Augustus, hertzog zu Sachsen, unnd Johans Georg, marggraff zu Brandenburg, des Hailligen Römischen Reichs durch Germanien, Italien, Gallien unnd das khunigreich Arelat ertzcantzlere, ertzmarschalck unnd ertzcamerer, unnsere liebe neven unnd öhaimen neben unns alhie zu gegenwertigem tag guetwillig erschinen, danebens der hochgeborn Friderich, pfaltzgraff bey Rhein und hertzog in Bayrn etc., deß Hailligen Römischenb Reichs ertztruchsseß, unnser auch lieber öhaim und churfurst, alß, so furgefallener leibsschwachait halben selbst persondlich zur stett zukhommen verhindert, seiner lieb sohn, den hochgebornen Ludwigen, pfaltzgraven bey Rein, hertzogen in Bayrn, unnsern lieben öhaim unnd fursten, sambt etlichen ansehenlichen rethen mit gewaltt4 hiehero abgefertigt, mit gesambten rhath von khunfftiger administration unnd fursehung des Hailligen Reichs unnd also von erwelung aines römischen khunigs (wie dann in betrachtung gegenwertiger gefährlicher zeit unnd leufften, auch unnser obligenden langwirigen leibs unvermögenhait halben die hohe notturfft erfordert) zu tractiern unnd zu handlen, damit das ŠHaillig Reich noch bey unnsern lebzeitten mit ainem khunfftigen successore, der unns nuhn hinfuro die burde unnd sorgfeltigkhait obligender schweren administration des römischen kaiserthumbs ertragen helffen und nachmals demselben auf begebnen fall unnsers ableibens (so zu dem willen des almechtigen steet) stättlich und löblich vorsteen könne, fursehen, unnd dardurch allerlai unrhat und zerruttligkhait, so sonsten aus mangel aines gewissen successors im Hailligen Reich leichtlich ervolgen möchte, verhuettet werde; unnd dann, sambt unnd neben unns unnd obgenanten unsern unnd des Reiches churfursten und pfaltzischen gewalthabern, andere mehr unnsere nechstverwante unnd ansehenliche deß Reichs fursten auf unnsere erfordern, unns in deren so hochwichtigen sachen räthlich unnd beistendig zu sein, deßgleichen andere fursten unnd furstliche, auch etlicher frembden potentaten potschafften, gleichwol unserthalb unerfordert, sonder zum thail irer unnd irer herrn aigner geschefft halben, zum thail auf unns unnd andere chur- unnd fursten zuwarten, auch hieheer khomen, welches dann bei ettlichen villeucht das ansehen haben mochte, als ob damit aus der gulden bulla geschritten und derselben, auch altem loblichen herkhomen unnd gewonhait, unnd insonderhait unnser unnd des Reichs churfursten praeeminentz und privilegien zuwider gehandlet worden were; unnd wir aber die gulden bulla unnd anndere löbliche constitutiones, satzungen, ordnungen und gewonhaitten, auch gemelter unnser und des Reichs churfursten, praeeminentz, privilegien unnd hochait unnsers thails vesstigclich zuhandthaben unnd zuerhalten unnd bey iren crefften und wurden bleiben zulassen, genedigclich gemaint seindt, das wir demnach obgemelten unnsern lieben neven, öhaimen unnd churfursten zuegesagt und versprochen5, thuen das und versprechen hiemit bey unnsern khaiserlichen ehren und waren worten, wissentlich in crafft dits brieffs, das solche der andern anwesenden fursten, auch der furstlichen unnd annderer frembden potentaten potschafften gegenwertigkhait auf disem churfurstlichen versamblungstag gemelten unnsern lieben neven, öhaimen und churfursten allerseits an irer Liebden habender churfurstlichen praeeminentz, privilegien unnd hochait, auch der disposition angeregter gulden bull gantz unabbrüchig und unschedlich, sonder dieselb gulden bull, auch berüerte unnserer lieben neven, öhaimen und churfursten praeeminentz, privilegien und hochait bey iren wirden und crefften bestendigclich bleiben sollen unnd mögen, von unns unnd sonst menigclich unverhindert. Zu urkhundt dits brieffs besiglt mit unnserm kaiserlichen anhangenden insigl.

    Regensburg, 14.10.1575. Eigenhd. Unterschrift: Maximilian. Ad mandatum-Vermerk: Erstenberger.

    «Nr. Š27 Kaiser Maximilian II. an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 17 »

    Empfangsbestätigung. Bedauern über die krankheitsbedingte Abwesenheit Kf. Friedrichs; Genesungswünsche. Kein Nachlassen in den Bemühungen, die innere Ruhe im Reich zu erhalten und die kriegerischen Konflikte in den Nachbarländern zu befrieden. Versicherung, den Religionsfrieden zu beachten und die angeregten Gesandtschaften in Erwägung zu ziehen.

    HStA München, K. blau 100/1, fol. 167–168 (Or. mit eigenhd. Unterschrift Ks. Maximilians II., Vidit-Vermerk des Reichsvizekanzlers Weber und Ad mandatum-Vermerk des Reichssekretärs Erstenberger; Außenadresse mit Vermerk: präs. Regensburg, 2.11.1575.) = Textvorlage. HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 226'–227' (Kop. Überschr.: Recepisse an pfaltzgraff churfursten.) = B. Druck: Schneidt , Geschichte, 444–446.

    /167/ Hochgeborner lieber ohaim unnd churfürst, unns haben d. L. abgeferttigte gewalthaber unnd rathe derselben schreiben1 von aigen handen wol uberanndtwort, danebens auch das jhenig, was sie insonderhait zu werben befelch gehabt, mit allem vleiß furbracht2

    Nuhn hetten wir anfangs ye gerne gesehen, wo es immer moglich gewesen, das d. L. vorgehabtermassen in der person zur stett erscheinen unnd disem loblichen convent selbst beywohnen mogen, als es auch der sachen notturfft unnd hochwichtigkhait wol erfordert hette. Dieweil es aber wegen d. L. zugefallenena leibsungelegenhait nit sein khunden, so muessen wir mit d. L. entschuldigung nit weniger als sie selbst mit solchem irem widerwerttigen zuestandt zufriden sein, der hoffnung, der allmechtig werde denselben in khurtzem genedigclich miltern unnd zu besserung richten.

    So vil dann furthers d. L. erinnderung von aufhebung des schedlichen mißvertrawens unnd etlicher in der nachbaurschafft schwebender unruhen belanget3, verstehen wir dieselbig von d. L. annders nit dann trewhertzig unnd wolgemaint. Unnd dieweil d. L. unverporgen, was wir bißdahero die zeit /167'/ unnser kaiserlichen regierung fur muhe unnd vleiß angewendet, damit unter des Hailligen Reichs stenden allenthalben guette vertrewlichait gepflantzet unnd dann die entpörungen, so sich zwischen den unnderthanen unnd obrigkaiten vor angedeuter ortten in der nachparschafft erhaben, one wenigiste weitleufftigkait unnd bluetvergiessen gestillet unnd hingelegt wurden, Šso soll d. L. nochmals dafur halten, sintemal wir zimblichermassen wissen, was an zeitlicher richtigmachung desselben alles gelegen, es werde auch hinfurthers an allem deme, was zu verainigung der gemueter unnd widerbringung rechter aufrichtigen teutschen vertrewligkait allenthalben dienlich unnd nottig, bey unns ainiger mangl nit erscheinen. Wie wir dann gantz ungezweifelt seindt, da anndere dise sachen inen so vil als wir angelegen sein lassen unnd dabey das jhenig, was wir gethan, ertzaigt hetten, es wurde nit allain im Hailligen Reich zwischen den stenden ain bessere vertrewligkhait gespurt werden, sonnder auch die sachen bey den genachpaurten zu dergleichen weitleufftigkait wie yetzo vor augen nit khomen sein. Verner den religionfriden unnd desselben steiffe haltung betreffendt, ist unns unverporgen, was an demselben dem Hailligen Reich gelegen, unnd darumb an demselben gleicher gestallt an unns wie bißdahero nichts erwinden soll. Was dan letzlich d. L. wegen ersuchung der frembden potentaten4 wolmainlich erindert, dem wollen wir mit allem vleiß der gepur nachdenckhen unnd was darunder /168/ gemainlich fur guet angesehen wurdt, furzunemen nit unnderlassen. Wolches alles wir d. L. auf obberurt ir schreiben in anndtwort nit pergen wolten, unnd seindt derselben mit freundtschafft unnd gnaden gantz wol gewogen.

    Regensburg, 17.10.1575. Eigenhd. Unterschrift: Maximilian. Vidit-Vermerk: Weber. Ad mandatum-Vermerk: Erstenberger.

    « Nr. 28 Kurfürst August von Sachsen an Kaiser Maximilian II., Regensburg 1575 Oktober 18 »

    Bericht über die Sitzung des KR am 18.10.1575. Weigerung der geistlichen Kff., die Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation zu bestätigen. Mögliche vorzeitige Abreise der weltlichen Kff., falls die geistlichen ihre Haltung nicht aufgeben. Bitte um ksl. Vermittlung. Beharren auf der Gültigkeit der Declaratio Ferdinandea.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol. (Kop. Dorsv.: Copei des churfursten zu Saxen schreibens an die röm. ksl. Mt. belangend die tzwispalt, so tzwüschen den gaistlichen und weltlichen churfursten der declaration halben entstandenn.) = Textvorlage. Auszug zit. in Moritz , Wahl, 161, Anm. 2.

    Allergnedigster kaiser und herr, wie mitt ewer ksl. Mt. ich gestern unterthenigst verlassen, demselbigen zu volge, seint wir, die gaistlichen und weltlichen churfursten, heutt umb 7 uhr zusammen kommen und die berathschlagung vor die hand genommen1.

    ŠEs haben sich aber die gaistlichen, so viel den punct der declaration2 anlangt, in nichts einlassen wollen, sich auch verwaigert, mit uns vor ewer ksl. Mt. zukommen und ire und unsere mainung derselben zureferiren. Solchs, allergnedigster kayser, ist uns nitt allein befrömbdlich, sondern auch hochbeschwörlich. Und do die geistlichen auff irer mainung solten verharren, hette ich grosse beisorge, es wurden ewere ksl. Mt. in dreien tagen wenig weltlicher churfursten alhier behalttenn3. Waß nun das vor eine zerruttung im Reich und sonderlich dem gemeinen wesen geben wurde, solchs gebe ich ewer ksl. Mt. allergnedigst zubedencken anheim. Dieweill dan hiran niemand mehr, höher und grosser gelegen ist dana ewer ksl. Mt. selbst, als bitte ich vor meine person ewer ksl. Mt. b -unterthenigst, ewer ksl. Mt. –b wollen selbst mit einrathen helffenn, wie diesem furstehenden ubell zuwehren, und alles, so // gefahr dreuet, mochte verkommen werdenn. Dan einmal werden wir uns des frommen kaisers Ferdinandi, ewer Mt. geliebten hern vaters seligen, gegebene declaration nicht lassen zu wasser mache[n]4, Goth gebe, die andern hupfen auff oder nider. Und binn ewer ksl. Mt. unterthenigst zu dienen willig und schuldig.

    Regensburg, 18.10.1575. Unterschrift: Kf. August.

    « Nr. 29 Erklärung Kaiser Maximilians II. zur Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21] »

    Erinnerung an den Zweck der kfl. Zusammenkunft. Verzögerung der Wahl eines röm. Kg. durch die nicht zu überwindende Meinungsverschiedenheit zwischen den weltlichen und den geistlichen Kff. betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea und ihre Erwähnung in der Wahlkapitulation. Die Einwilligung der weltlichen Kff. und des Pfgf. Ludwig, die Erörterung dieser Frage auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, wird vom Ks. angenommen und durch diese Erklärung bescheinigt.

    Am Abend des 21.10.1575 den Kff. von Sachsen und Brandenburg sowie Pfgf. Ludwig zugestellt, von diesen jedoch nicht angenommen und noch am selben Abend zurückgesandt1. Die Erklärung ist nicht datiert.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 88–89 (undatierte Kop.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 453–454 (Konz. Dorsv.: Diß ist hindenhalten.) = B. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 455–456 (Konz. Š Dorsv.: Diße erclerung ist von den geistlichen Kff. irer ksl. Mt. zugestelt 2.) = C. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 15, Nr. 13a, fol. 12–13 (Kop.). Knapp referiert bei Lehmann , De pace II, Nr. 16 S. 283; Moritz , Wahl, 166.

    /88/ Die römische kayserliche Mt. etc.a, unser allergnedigster herr, erinnern sich gnedigklich, was intention unnd meinung ihre ksl. Mt. so wol auch b -des Heiligen Reichs churfursten unnd der abwesenden churfurstlichen Pfaltz gewalthabere unnd räthe–b hieher kommen, als nemlich c -neben andern des Heiligen Reichs obligen auch–c von einer vorsehung und gewißheit eines künftigen haubts im Reiche zu tractiren und zu handeln unnd dadurch allerhand besorgkliche zurüttigkeit aus vaterlicher und gnediger fursorge zuvorhüten.

    Als aber bei solcher ihrer Mt. und der churfursten vorsamblung durch d -beide, Sachssen und Brandenburgk, churfursten unnd die pfeltzischen Kf. gewalthabere einer kayserlichen declaration3 halben–d, so in anno 55, e -den 24. Septembris zu Augßburgk–e außgangen, des summarischen inhalts, das f -etzlichen ertzbischoffen, bischoffen unnd anderer geistlichen und stiften zugehorigen–f ritterschaft, stedte und communen, so zur zeit des aufgerichten religionfridens der augßburgischen confession gewesen, dabei unvorgeweltiget gelassen werden sollen etc.g, anregunge beschehen, und durch h -obbemelte beide weltliche churfursten und pfaltzische gewalthabere–h begert worden, das solche declarationi von ihrer ksl. Mt. confirmiret oder dem /88'/ cammergericht insinuiret und ein künftiger romischer konigk darauf auch schweren unndj der obligation einvorleibet werden solte; hirkegen aber die dreik geistlichen Šchurfursten l -solcher angeregten declaration halben–l furgewendet, m -das sie von solcher declaration unnd bewilligung biß daher kein wissens gehabt, unnd weil es dan ein gemeine wergk, so alle stende geistlichen unnd weltlichen standes der alten religion mit belangen thut, so könten sie in solch begern der dreien weltlichen churfursten itziger zeit nicht bewilligen etc.–m,4, darüber dann die heubtsache dieser churfurstlichen zusammenkunft in einen beschwerlichen aufzugk unnd zu etwas vorlengerunge alles dessen geraten, so sonsten zeitlich gemeinem vaterland zum besten hette gerathschlagt unnd beschlossen werden können: Als haben ihre ksl. Mt. auf das mittel gnedigklich gedacht unnd sich mit n -den churfursten sembtlich–n und den pfaltzischen gewalthabern dahin vorglichen, das ihre kfl. Gnn. und gedachte pfaltzische gewalthabere ihrer ksl. Mt. zugehorsamen gefalleno, und damit durch solchen eingefallenen streit das gemeine bestes unvorhindert bleibe, bewilliget, p -das solcher /89'/ streitiger punct biß zu anderer gelegenheit und tractation eingestellet werde–p,5; welches dan höchstgedachte ksl. Mt. von hochgedachten churfürstenq unnd den pfaltzischen gewalthabern also zu r -freundlichen und gnedigen gefallen–r angenohmmen und ihren chur- und f. Gnn. unnd ihnen darüber diesen schein gnedigklich fertigen unnd zustellen lassen. Actum Regenßburgk, den N.s

    « ŠNr. 30  Bedenken Kurfürst Augusts von Sachsen zur Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21] »

    Bitte der weltlichen Kff. und des Pfgf. Ludwig, die Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation zu erwähnen, vom Ks. abgelehnt. Frage, ob der Aufforderung des Ks., den Kurfürstentag fortzusetzen und einen röm. Kg. zu wählen, Folge geleistet werden soll und, wenn ja, wie sich die weltlichen Kff. verhalten können ohne an Präeminenz und Autorität zu verlieren. Vorschlag, der Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea auf den kommenden RT zuzustimmen, jedoch auf der vorrangigen Behandlung dieses Themas zu bestehen. Gefahr, dass die Wahl wegen des aktuellen Konflikts scheitern und dadurch das Reich in Unruhe geraten könnte. Vorschlag, den geistlichen Kff. die Zustimmung der weltlichen zur Vertagung der Streitfrage mitzuteilen. Dabei Betonung, dass dies kein Präjudiz für die künftigen Verhandlungen darstellt. Begründung: Selbst wenn die Forderungen der weltlichen Kff. jetzt durchgesetzt werden könnten, wären die Vorteile für die Anhänger des protestantischen Bekenntnisses ungewiss und wäre die Gefahr groß, dass der protestantischen Seite Schaden entsteht. Überdies gehören die betroffenen protestantischen Stände nicht dem KR an.

    Nach der Ablehnung der ksl. Erklärung1 durch die weltlichen Kff. und Pfgf. Ludwig wahrscheinlich am Abend des 21.10.1575 verfasst2. Das Bedenken ist undatiert.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, unfol. (Or. Hd. Kf. August) = Textvorlage. Referiert bei Moritz , Wahl, 163, Anm. 1, 167 f.

    Weyll auff unser, der weltlichen churfursten, fleysyge anhaltunck, perschuasion und untertenigste bytt bey i. ksl. Mt. nychtt tzuerhalttenn, das dye declaration3, wye sollyche von keyser Ferdynando uns gegebenn, in der tzukunftigen capitulation eynes romischen kunniges4 kunne eynvorleybett werdenn, sondern von i. ksl. Mt. selbest vor das beste mittel bedachtt und angesehen worden, dye streytige handlunck auff eyne tzukunftige Reychs vorsamlunck tzustellen5, so werden nachfolgende punckten tzuerinnernn gleychwoll vonnotten seyn.

    ŠUnd erstlych, weyll bey i. ksl. Mt. gar nychtt tzuerhaltten, das das wortt deklaration in des czukunftygen successors cap[i]tulation gesetz[t], i. ksl. Mt. wollen auch nychtt auf sych nemen, dyse suchunck bey den geystlichen abtzuhandeln und sye tzu vormugen, sondern i. ksl. Mt. seynt stracks der meynunck gewessen, begertt, geflehett, ermantt und gebett, uns selbest in dysen dyngen tzu bescheyden, von unserem suchen abtzustehen und in der andern sachen, darummen wyr herkummen, mitt der berattschlagunck in Gottes namen fort tzufaren gesuchtt, so mussen gleychwoll tzwey dynck dysfals bedachtt werden: Erstlych, ob man dyser ursachen wegen den gantzen handell tzurschlagen lassen und das heupt werck dyser ursachen und tzancks halbenn eynstellen wyll. Czum andern, do vor gutt angesehen, das dye heup[t]ursach dem tzenckyschen werck vortzutzihen, so ist dye frage, wye in foriger beratschlagunck fortttzufarenn, das es gleychwoll den weltlichenn churfursten an ihrer premine[n]tz, autoritet und reputation auch nychtt vorkleynlych noch aufrucklych seynn muge, und das das gemeyne heupttwerck nychtt eyngestelt noch dardurch vortzogen wurde. Was nun den ersten punckt anlangett, were meyn bedencken, weyl es nychtt anders tzuerhalten, das derselbyge auch auff eyne tzukunftige reychsvorsamlungk gestelt und geschoben werde. Czum andernn, das gleychwoll dye beratschlagunck nychtt gar hindangesatztt, sondern im namen Gottes auffs eheste in derselbygen vorttgeschritten. Solliches achte ich nychtt alleyn notigk, sondern auch gutt, den wen man nunmer tzuratt gehett, so werden dye gemutter jhe lenger je mistrauer kegen eynander, und mochtte dardurch dye gantze handlunck tzu tzurutten ursach gesuchtt werden. Solten wyr dan dysmall ungeschafter dynge also von eynander (und gleych in eynem heftigen mistrauen und getzenck) abtzyhen, so mochte Gott wyssen, wann wyr wyderumb in causa electionis mochtten tzusammen kummen. Was es auch andern unruhigen und frydhessygen leutten vor ursach, nach dem Reych tzu practiciren, geben wurde, wurde man balde mitt schaden erfaren. Solte nun unter des sich mitt i. ksl. Mt. eyn fal tzuthragen, so wurden alsdan wyr alle woll sehen, wye wyr sessen und was wyr vorursachtt hetten.

    Und weyll ich hyryn nychtes anders, Gott weys es, suche den ruhe und friden und gutt vorthrauen im Heyligen Reych, so were dys meyn eynfeltigk bedencken, das im namen unser, der weltlichenn churfursten, etzliche rette tzu den geystlichen churfursten geschicktt und ihnen dyse antzeygunck tzuhun: // Sye wusten sich freuntlich tzu erinnernn, in was dysputation wyr am samstage [15.10.], auch am dynstage [18.10.] 6 der declaration halben kummenn. Ob wyr uns nun tzu ihnen woll gethrost, auch in gutter hofnunck gestanden, uns auch freuntlich vorsehen, i. Ll. wurde[n] sych dysfals, dyeweyll dyse declaration nichtes anders dan eyne erklerunck des religyons fridens were, von uns nychtt abgesunder[t], sonder sych mitt uns freuntlich voreynigett und vorglychen Šhaben. Wyr vormerckten aber, das sollyches bey i. Ll. aus habendenn bedencken nychtt wyll statt haben, musten deshalben dysmall es auch auff eyne gemeyne reychvorsamblunck vorschiben und eynstellen, doch mitt dyser ausdrucklichen protestation, das wyr durch solliche prorogation den augspurgischen relygyonsa vorwanten dardurch nychtes wollen vorgeben oder vorlast haben. Do nun i. Ll. ferner in vorstehender beratschlagunck gedechtte tzuvorfaren, so weren wyr sollyche delyberatyon vor unser perschon nychtt tzu hyndern, sundern im namen Gottes n[e]ben ihnen solliche vor dye hanttzunemenb -und vorttzufaren gentzlich entschlossen–b .\

    Czw dysem bedencken bewegen mich dreyerley ursachen: Erstlich, das ich sehe, wen es gleych alles wye wyr es itzo begeren und suchen bey den geystlichen erhalten, was es doch dye, so synt der tzeytt und in 20 jaren tzu dyser unser religion getreten, hylffett und was sye daran vor eyn forttell haben mochtenn, auch wasse sye sych desselbygen tzuthrosten. Czum andern, wan jhe dorauff beharrett werden solte, dyse dynge mitt gewal[t] und, wye man tzusagenn pflegett, per fortz7 tzuerhalten, was es uns vor eyn vorthrauen bey i. ksl. Mt. und allen catolischen stenden bryngen wurde, und ob wyr uns durch dys mistrauen, so wyr uns selber vorursachett, nychtt mer schaden thetten den wenn wyr der declaration halben still geschwigenn und der selbygen nye gedacht hetten, sonder schlechtt beym religyon friden blyben. Czum dritten wuste ich gleychwoll nychtt, was wyr vor ursachen haben mochtten, das wyr uns andere, so in churfursten ratt nichtt gehoren, ihrer prifat affect und sachen halben solten tzill und mas geben lassen, was wyr ihrenthalben thun und lassen sollen, und das gemeyne beste, unser und des Reychs wolfartt und nutz ihrenthalben hyndantzusetzen, ihres getzenckes wartzunemen und ihnen das wortt tzuspeyen, do ihnen doch geburtt, do sye mitt imandes unsers myttels etwas tzuschaffen, das sye selber anher tzur stele quemenn und dyse dynge vor sych vorrichteten, und mochten als dan ihren grunt auff dye declaration oder religion friden setzenn, was sye dan erhalten konten, das gante ich in8 gerne, // und mochten unns in unser beratschlagunck auch ungeyrt und ungehindertt lassen, so wurde sollich hessyck getzenck unter uns woll nachbleyben und wurden dye notichsten sachen woll schleunick und freuntlich unter uns vorrichtett werden kunnen.

    « ŠNr. 31  Bericht über die Verhandlungen des Kaisers mit den weltlichen Kurfürsten und Pfalzgraf Ludwig betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea (1575 Oktober 15–22) »

    Uneinigkeit zwischen den weltlichen und geistlichen Kff. über die Erwähnung der Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation. Appell des Ks. an Kf. August von Sachsen, einen weiteren Versuch für eine Einigung zu unternehmen. Nach erneuten ergebnislosen Verhandlungen im KR Audienz der weltlichen Kff. und des Pfgf. Ludwig beim Ks. Dessen Weigerung, die Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation zu erwähnen oder ihren Inhalt zu bestätigen. Aufforderung des Ks. an die weltlichen Kff., den Wahltag nicht weiter zu verzögern und einer Vertagung dieser Angelegenheit auf den nächsten RT zuzustimmen. Nach erneutem Drängen der weltlichen Kff. und des Pfgf. um eine ksl. Entscheidung mündliche Verhandlungen des Ks. mit Kurmainz und Kurköln. Annahme einer ksl. Erklärung zur Vertagung der Streitfrage von protestantischer Seite verweigert. Verzicht der weltlichen Kff. und des Pfgf. auf die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation, jedoch Beharren auf deren Gültigkeit.

    Bericht über die mündlichen Verhandlungen zwischen dem Ks. und der protestantischen Seite, die außerhalb der Sitzungen des KR zwischen dem 15. und dem 22.10.1575 stattfanden1. Das Schriftstück ist nicht datiert2.

    GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 15, Nr. 13a, fol. 8–11' (Or.) = Textvorlage. Referiert bei Moritz , Wahl, 163–167.

    /8/ Nach deme die churfursten Sachssen und Brandemburgk etc. unnd pfaltzgraff Ludewich bei denn geistlichen churfurstenn [am 15.10.] 3 nicht erhaltenn konnenn, das der declaration4, welche keiser Ferdinandt den stendenn der augspurgischenn confession anno 55 nebenn aufrichtunge des religionnfriedens gebenn, in der capittulation5 mitt einem einigenn wortt muchte gedachtt werdenn, habenn ire chur- unnd furstlich Gnadenn solchs an die ksl. Mt. zugelangenn bedachtt unnd darauf bei irer ksl. Mt. umb audientz ansuchen lassen. Es habenn aber ire ksl. Mt. denn churfursten zw Sachssenn alleine zw sich erfordertt6 unnd, als sie vonn demselbenn solcher irrungenn etwas berichtett, s. kfl. Gn. zu bescheide gebenn, die churfursten solden, weill die sache etwas wichtigk, derowegenn noch einmall zusammen kommenn, vorsuchen unnd vleiß Šhaben, ap sie sich derowegenn selbst freundlich vorgleichen konten. Kondten sie dann nichtt einigk werdenn, wolden ire Mt. auf mittel gedenckenn. Solchem haben die chur- unnd fursten gehorsamblich nachgelebtt.

    Es ist aber bei denn geistlichenn [am 18.10.] 7 so wenigk als zuvorn zuerhaltenn gewesen, darumb ire chur- unnd f. Gnn. bei der ksl. Mt. wiederumb audientz gesucht8, sich [am 19.10.] 9 sambtlich zw derselbenn begeben unnd sich solcher der geistlichenn churfurstenn vorwiederung kegen /8'/ irer ksl. Mt. zum hochstenn beschwertt unnd irer ksl. Mt. mit widderholung aller motiven, welche ire chur- unnd f. Gnn. nach inhaltt der prothocoll im rath gebrauchtt, ausfuerlichenn angetzeigtt, was darauß im Heiligenn Reich vor unruehe unnd gefahr zubesorgenn, wann die stende der bäpstlichenn religion sich understehenn wurdenn, die communen unnd ritterschafftenn, welche vor aufrichtung des religionn friedens die augspurgische confession angenohmmenn und derselben bißhiehero geruiglich gebraucht habenn, darvon mit gewalt abdringenn wolten, unnd darauff gebeten, das ire ksl. Mt. die geistliche churfurstenn dahin weisenn wolttenn, das sie ann deme ortte, da des religion friedens in der capitulationn gedachtt, der declaration auch woldenn meldung thunnlassen.

    Ihre Mt. habenn aber darauff zur andtwort gebenn, das sie es davor hielttenn, das gemelte declaration in die capittulationn nicht gehörtte, sondernn were einn artickel, der alle Reichs stende belangtte, darumb irer Mt. auch befrömbdlich were, das ire chur- unnd f. Gnn. so hart daruber hielten. Es muste aber jemandt seinn, der alle sachen gernn hindern wolte unnd weill er es öffentlich nicht thun kondte, so movirte er solche disputationes unnd wolte also per indirectum hinderung einfuerenn. Ihre Mt. liessen ires /9/ vaters brieff unnd siegell in dem stande wie sie wehren unnd woltenn die als der sohnn nicht disputiren10. Die Šgeistlichenn woltenn aber nichts darumb wissenn, darumb were am besten, mann steltte die sachen einn biß auf einn reichstagk, denenn man doch in kurzen wurde mussen halten, mit vielem andern beweglichem suchenn, das die churfurstenn das gemeine werckh, darumb mann itzo alhier, deswegenn nicht wolten steckenn lassen, dieweil daraus nicht alleine grosse zerruttung unnd woll endlich vorterbenn des Reichs erfolgen, sondern solchs auch irer Mt. zw hochstem schimpff gereichen unnd allenn des Reichs wiederwertigenn eine sondere grosse freude seinn wurde, do dann ire Mt. lieber hundert ellen unter der erden liegenn woltten, dann das die churfurstenn ungeschaffter dinge solten voneinander ziehenn etc.

    Wiewoll nun die beide churfurstenn unnd pfaltzgraff Ludewich hierwieder zum andernn mall replicirenn lassenn unnd ire ksl. Mt. underthennigst gebeten habenn, das ire ksl. Mt., wann gemeltter declaration in der capittulationn ja nicht solte gedachtt werdenn, dieselbe denn stendenn der augßpurgischenn confession zum weinigsten wolttenn confirmirenn, auch denn kunftigenn romischen königk /9'/ vormuegen, das er inen dieselbe gleichergestalt confirmirte unnd sich vorpflichtete, uber derselbenn zuhalten unnd niemannds darwieder beschwerenn zulassen, auch dieselbe dem keyserlichenn cammergericht zw insinuiren, so seinndt ire Mt. doch bei voriger andtwort beruehett unnd angetzeigtt, ire Mt. hettenn denn geistlichenn so woll als denn weltlichen einen eidt geschworenn, dem muestenn sie nicht zuwieder handlenn, sondernn die wage gleich halten; das cammergericht wurde sich ann die insinuation nicht kehren, dieweill es keine gemeine Reichs constitution wehre etc. Unnd habenn ire Mt. auff die suchunge der confirmationn gar keinn andtwortt geben. Darbey es die chur- unnd furstenn auff dißmall habenn mussenn lassenn wendenn.

    Als aber ire chur- unnd f. Gnn. in nehmunge ires abschieds ire Mt. nachmaln gebetenn, das ire Mt. doch auf mittel gedencken wolten, wie die churfursten diß eingefallenen streits halbenn muchten vorglichen werdenn, unnd ire ksl. Mt. sich erbotten, den sachenn nachtzudenckenn, haben ire chur- unnd f. Gnn. den andernn tagk hernach [am 20.10.] vor tisch widder zw irer Mt. geschickt unnd dieselbe ersuchenn lassen, das sie sich kegen iren /10/ chur- unnd f. Gnn. allergnedigst woltenn erkleren, wohinn sie die sachenn weitter bedachtt. Unnd ist darnebenn irer Mt. vormeldet wordenn, dz der churfurst zw Meintz im rath ansagenn lassenn unnd das irenn chur- unnd f. Gnn. vor erledigung des obbemeltenn streits in sachenn weitter zuvorfahren bedencklich, darumb ire ksl. Mt. denselbenn so viell mehr allergnedigst abhelffenn wolten. Darauf ire ksl. Mt. geandtworttet, das sie des vorigenn tags [am 19.10.] 11 die geistlichenn Šchurfurstenn Mentz unnd Colln bei sich gehabtt unnd denselbenn allerley zw gemuet gefuertt, auch ann der halffter nichts nachgelassen. Dieweill aber Trier nicht mit zur stelle gewesenn unnd sich mit schwachheit endschuldigtt, hetten seines abwesens die andernn beide sich nichtt konnen erklerenn, sondernn auf sich genohmmenn, sich mit demselbenn zu untterreden unnd darauff kegenn irer Mt. zuerklerenn. Es hetten ire Mt. auch nicht unterlassenn, noch denselbenn morgenn [am 20.10.] den churfursten zw Mentz schrifftlichen umb fodderung der sachenn zuersuchen, und wehren darauff irer, der geistlichenn, erklerung stundlich unnd augenblicklich gewertigk. Ire ksl. Mt. woltenn auch widderumb bei Meintz anmahmung thun, wie dan geschehen, unnd ihre Mt. denn zettell, /10'/ welchenn sie ann Meintz geschriebenn, dem churfursten zw Sachssenn zusehenn zugeschicktt.

    Nach tische habenn ire ksl. Mt. nach dem churfursten zw Sachssenn alleine geschicktt unnd demselben vormeldett, das ire ksl. Mt. nach vleissiger handlung die sachenn weitter nicht bringenn konnenn12 unnd darumb einen schrifftlichenn abschiedtt13 vorfassen lassen, welchenn ire ksl. Mt. s. kfl. Gn. [am 21.10.] 14 auch zugestaltt, unnd s. kfl. Gn. dennselben mit Brandemburgk unnd Pfaltz zuubersehenn auf sich genohmmenn. Als nun ire chur- unnd f. Gnn. in vorlesunge desselbenn befundenn, das erstlich darinnen narrirt, das die geistlichenn churfurstenn vonn der declaration nichts wissenn wollenn unnd also dieselbe dardurch in eine ungewißheitt gefuert werdenn wollenn15, die erörterung des eingefallenenn streits auch alleine biß zw anderer gelegenheitt unnd also weitleufftiger dann von irer ksl. Mt. zuvornn, wie sie die auff denn negstkunfftigenn reichstagk eintzustellenn gesucht, bescheenn16, vorschoben worden, habenn ire chur- unnd f. Gnn. dennselbenn abschiedt antzunehmenn bedenckenn gehabtt unnd dahinn geschlossen, weil sie obbemelter declarationn halbenn nichts fruchtbarlichs hettenn erhalten konnen, das sie die sachenn auch nichtt /11/ woltenn erger machenn, unnd darumb solchen abschiedt irer ksl. Mt. widderumb zugeschicktt unnd derselbenn darnebenn vormeldenn lassen, das derselbe ir chur- unnd f. Gnn. aus obbemeltenn zwuenn ursachen antzunehmenn bedencklich.

    Unnd mustenn ire chur- unnd f. Gnn., weill sie nichts anderst erhalten kontten, die sachen Gott bevehlenn, sie woltenn aber protestirtt unnd bedingt Šhaben17, das sie inenn selbst unnd andernn iren confessions vorwandtenn an vielgemelter declaration nichts woltenn begebenn, sondern die, wie sie inenn vonn keyser Ferdinandenn mitgetheiltt, unvorruckt wolten erhalten habenn. Was sie auch bey der ksl. Mt. dieser sachenn halben gesuchtt unnd deren zu gemuet gefurtt, das were aus underthennigstem und guetherzigem gemueth geschehen unnd das ire chur- unnd f. Gnn. den unratt vorwarnen wollen, welcher im Hl. Reich, wann man sich understehenn wolde, die jennigen, welche die religion bißanhero geruiglich gehabtt, mit gewalt darvonn abtzudringenn, erfolgenn wurde. Truege sich nun etwas deruber zw, so woltenn ire chur- unnd f. Gnn. vor Gott unnd irer ksl. Mt. endtschuldigtt seinn. Sie bethenn aber nachmals underthennigst, ire ksl. Mt. wolte die geistliche churfurstenn dahinn weisen, das sie unnd ire mit vorwandten kegenn denen, welche die /11'/ religionn der augspurgischenn confession hiebevornn gebrauchtt, denn vorgenohmmenen ernst zum wenigsten biß auff kunfftigenn reichstagk einstellen unnd dieselbenn darbei wie sie es bißhiehero geruiglichenn gehaltenn, pleibenn liessenn, unnd das ihre ksl. Mt. auf kunfftigenn Reichs tage denen der declaration halben eingefallenenn streitt vor allen dingen erörtternn wolttenn. Dann solte dasselbe nicht geschehen, so truegen ire chur- unnd f. Gnn. vorsorge, es muchte im Reich eine solche unruehe erwecktt werden, das ire ksl. Mt. zw geruiglicher haltung eines reichstags schwerlich kommenn konden. So wurden auch die stende der augspurgischenn confessionn bedenckenn haben, auff solchem reichstage etwas zubewilligenn, wan sie sich keines bestendigen friedens soltenn zugetröstenn haben. Darauff die ksl. Mt. sich erbottenn, mit denn geistlichenn churfurstenn weitter handlung zupflegen etc.18

    « Nr. 32 Einladung des Erzbischofs Daniel von Mainz an seine Mitkurfürsten (hier: an Kurfürst August von Sachsen) zur Wahl eines römischen Königs, Regensburg 1575 Oktober 22 »

    Vertagung und Verlegung des für den 29. Juli nach Frankfurt einberufenen Kurfürstentags nach Regensburg. Beschluss der Kff. und des pfälzischen Vertreters, dem Ersuchen Ks. Maximilians II. nachzukommen und die Nachfolge im Reich zu klären. Aufforderung, zur Wahl eines röm. Kg. am Donnerstag, dem 27. Oktober, im Regensburger Dom persönlich zu erscheinen.

    Š HStA Dresden, Ältere Urkunden, Nr. 11973 (unfol. Or. auf Pergament; mit Siegel) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 464–465' (Konz., gerichtet an Kf. Jakob von Trier, in simili an Kf. Salentin von Köln; Aufschr.: Trier, Coln.) = [B]. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 281–282' (Kop., gerichtet an Kf. Johann Georg von Brandenburg; Überschr.: Citation zur waal.) = [C]. GStA PK Berlin, VII. HA, Mark als Reichsstand, Nr. 182 (Or., gerichtet an Kf. Johann Georg von Brandenburg). LHA Koblenz, Bestand 1A, Nr. 9704 (Or., gerichtet an Kf. Jakob von Trier). HStA München, Kurpfalz Urkunden, Nr. 72 (Or., gerichtet an Pfgf. Ludwig). HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 466–467' (Konz., gerichtet an Kg. Rudolf von Böhmen); ebd., fol. 468–469' (Konz., gerichtet an Pfgf. Ludwig).

    Dem hochgebornen fürsten, herrn Augusto, hertzogen zu Sachsen, des Heiligen Romischen Reichs ertzmarschalcken und churfürsten, landtgraven in Doringen und marggraven zu Meissen etc., unserm besondern lieben freundt und brudern1, empieten wir Daniel, von Gottes gnaden des heiligenn stuels zu Maintz ertzbischoff, des Heiligenn Romischen Reichs durch Germanien ertzcanntzler unnd churfurst etc., unnser freundtlich dienst unnd was wir liebs unnd guetts vermögen allezeitt zuvora, unnd füegen e. L. freundtlich zuwissen, alß wir e. L. unnd andere unnsere mittchurfursten vermöge unnd innhalt zwuschen unns allerseitz uffgerichter brüderlicher ainigung2, fürnemblich aber von kunfftiger des Heyligen Reichs administration neben andern desselben obligenn, so inn berhatschlagung getzogen werden möchten, in gemainer churfürstlichen versamblung collegialiter zuerwegen unnd zuberhatschlagen, b -erstlich gehn Franckfurtt am Main uff den neunundzwantzigsten Julii und aber auß erheblichen ursachen ervolgten prorogation und translation alhier ghen Regenspurg–b,3 beschrieben unnd erfordert, auch auff dieselbig e. L. neben unns diß ortts erschienen, die handlung zu solcher collegialversamblungc in berhattschlagung genommend, in dem der allerdurchleuchtigist, großmechtigist, unüberwindtlichst furst unnd herr, herr Maximilian der annder, erwölter romischer kaiser, zu allen zeitten mherer des Reichs, in Germanien, zu Hungern unnd Behaimb konig, ertzhertzog zu Osterreich, hertzog zu Burgundi etc., graff zu Habspurg, Flandern unnd Tyrol etc., unnser allergenedigister herr, alhie zu Regennspurg, beywesen e. L., unnserer und anderer churfursten zugegen, Šauch anstatte des hochgebornnen fursten, herrn Friderichsf, pfaltzgraffen bey Rheing, des Hl. Röm. Reichs ertztruchsassen unnd churfursten, hertzogen in Bairn, h -der auch hochgeborn furst pfaltzgraff Ludwig–h etc., sambt irer Liebden innhaltt deßwegen sonderbaren habennden gewalts zugeordenten, ein anpringen, vorberürtte kunfftige administration und vorsehung des Heiligen Reichs betreffen, gethani. Derwegen dan auch nachmals rhatschlag unnd handlung durch unns allerseitts sambt unnsers mitt churfursten, des pfaltzgraffen, gewalthabern fürgangen und gemainlich und einhelliglich dahinj geschlossen unnd vorglichenn, das es rhatsamb, nutzlich unnd guett, dieser zeitt aller fürbrachter unnd bewogener umbstendt halb zu der election unnd whal eines romischen konigs vortzugehen. Sölchem einhelligem beschluß unnd vorgleichung nachzusetzen, thuen wir demnach aus pflicht unnd gepuer unnsers ertzcanntzler amptz e. L. k -vorkunden unnd sy hiemitt–k erfordern unnd haischen, das sie l -uff donnerstag, den siebenundzwantzigisten dieses gegenwerttigen monats Octobris, früer tagtzeitt umb sieben uhrn–l alhie zu Regenspurg in der thumbkirchen und dartzu verordentem ortt personlich erscheinenm und daselbst ein romischen konig neben unnsn, unnsern mitt churfursten und der anwesenden pfaltzgrafischen gewalthabigen beschließlicho erkiesen helffen wölle, one das unnd da e. L. gemelter maßen nitt erscheinen, würdet nitt destoweniger in der gedachten sachen endtlich volnfaren werdenp, darnach sich e. L. zurichten. Unnd des zu urkundt haben wir unnser groß innsigel an diesen verkundungsq brieff wissenntlich thun hengken.

    Regensburg, Kurmainzer Herberge, 22.10.1575.

    « ŠNr. 33  Proklamation König Rudolfs II. als erwählter römischer König, [Regensburg 1575 Oktober 27] »

    Die Kff. sind dem Ersuchen Ks. Maximilians II. nachgekommen und haben Rudolf II., Kg. von Böhmen, einstimmig zum röm. Kg. und künftigen Ks. gewählt.

    HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 479 f. (undatierte Kop. Dorsv.: Publica proclamatio Regis Romanorum.) = Textvorlage.

    /479/ Nachdem auf begern, ersuchung, bewilligung unnd zulassung der röm. ksl. Mt., unnsers allergnedigisten herren, die hochwurdigisten, durchlauchtigisten hochgebornne fursten unnd herren, meine gnedigiste herren, die churfursten, auß hochwichtigen, redlichen, dapffern ursachen zur chur unnd wahal eines römischen konigs gegriffen, haben ire kfl. Gnaden mit zeitlichem vorgehaptem rath zu lob und eher Gott dem almechtigen, auch nutz unnd wolfarth dem Heyligen Römischen Reich und gemeiner christanheit, samptlich, einmutiglich unnd einhelliglich den allerdurchleuchtigsten großmechtigisten fursten unnd herren, hern Rudolphen, konigen zu Hungern unnd Boheim unnd ertzhertzogen zu Osterreich etc., unnsern allergnedigisten herren, alß einen gebornnen ertzhertzogen zu Osterreich unnd konig zu Boheim unnd iren mit churfursten zu römischem könig unnd, im faal erledigung des keyserthumbs (des der almechtig lanng verhüeten wölle) zu kunfftigem kayser bewilligt, benent und /479'/ gewölet im namen des almechtigen Gottes. Solliche einmutige wahl unnd chur verkhunde unnd eroffne ich1 von wegen der gemelten meiner gnedigisten herren, der churfursten, allermeniglich den genanten herren Rudolphum wissen fur erwölten römischen konig, wie sich wol gebueret, zu ehren unnd zu halten.

    « Nr. 34 Wahldekret für König Rudolf II., Regensburg 1575 Oktober 27 »

    Auf Einladung des Kf. Daniel von Mainz sind die Kff. Jakob von Trier, Salentin von Köln, August von Sachsen und Johann Georg von Brandenburg sowie Pfgf. Ludwig, in Vertretung seines Vaters Kf. Friedrich III. von der Pfalz, zu einem Kurfürstentag in Regensburg zusammengekommen. Die Bitte des Ks., mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand und die äußere Bedrohung des Reichs, einen geeigneten Nachfolger zu wählen, wurde von den Kff. erfüllt. Auf Einladung des Kf. Daniel von Mainz haben sie sich am 27. Oktober im Dom versammelt und ihren Mitkurfürsten Rudolf einstimmig zum röm. Kg. gewählt. Dieser hat dem Wunsch des Ks. und der Bitte der Kff. entsprochen und die Wahl angenommen und wurde vor dem versammelten Volk als erwählter röm. Kg. proklamiert. Dies wird von den Kff. und den Šzwei beauftragten Notaren beurkundet. Namen der anwesenden Zeugen. Die Richtigkeit aller Angaben wird von den Kurmainzer Sekretären und Notaren Hieronymus Plest und Petrus Kraich bezeugt.

    Das Notariatsinstrument ist datiert Regensburg, 27.10.1575.

    HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 276–281 (Kop. Überschr.: Decretum electionis.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 500–510 (Konz. Aufschr.: Conceptum decreti electionis.) = B. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 165–175 (Kop.) = C. HHStA Wien, RK, WuKA 6-1, fol. 12–19 (Kop. Rechts oben stark beschädigt). GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 296–305' (Kop.). LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8, fol. 133–143 (Kop.). Druck: Schneidt , Geschichte, 588–599. Teildruck der für Papst Gregor XIII. angefertigten lat. Übersetzung: Theiner , Annales II, Nr. XXVIII S. 22–25.

    /276/ Dem allerdurchleuchtigsten, großmechtigsten, unüberwindtlichsten fürsten und herrn, herrn Maximilian dem andern, erweltem römischen kaiser, zu allen zeitten mehrern des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaimb, Dalmatien, Croatien und Sclavonien könig, ertzhertzogen zu Österreich, hertzogen zu Burgundi, a -Steyr, Kärndten, Crain und Wirtemberg etc.–a, graven zu Habspurg, Flandern und Tyrol etc., entpieten wir, von Gottes gnaden, Daniel, des hailigen stuels zu Maintz, Jacob zu Trier, ertzbischove, Salentin, erwelter und bestettigter zu ertzbischoven zu Cöln, hertzog zu Westphalen und Engern, des Hailigen Römischen Reichs durch Germanien, Gallien und das königreich Arelat und Italien ertzcantzlere, Rudolff, könig zu Hungern und Behaim, als churfürstenb, ertzhertzog zu Österreich etc., Ludwig, pfaltzgraf bei Rhein und hertzog in Bayrn, als volmechtiger gwalthaber herrn Friderichen pfaltzgraven churfürsten etc., Augustus, hertzog zu Sachßen, landtgrave in Düringen und marggrave zu Meichssen, und Johans Georgc, marggrave zu Brandenburg, zu Stetin, Pomern, der cassuben und wenden, zu Crossen hertzog, burggrave zu Nurmberg und fürst zu Rugen, des Hailigen Romischen Reichs ertztruchseß, ertzmarschalck und ertzcamerer, alle churfürsten, unser underthenigstd gehorsam, schuldig unnd willig dienst mit allem fleiß zuvor, und thuen e. ksl. Mt. hiemit verkinden und zuwissen:

    Demnach auff derselben e. ksl. Mt. allergnedigst anlangen und begern der ehrwirdigst /276'/ in Gott vatter herr Daniel, ertzbischove zu Maintz, uns andere churfürsten vermög zwischen uns allerseits aufgerichter unnd habender ainigung1 erstlich auf freytag nach Jacobi apostoli, den neunundzwaintzigsten Julii, zu Franckfurt am Mayn nechstverschinen in aigner person einzukommen, Švolgenden tag in gemainer unserer collegial versamblung des Hailigen Reichs obligen, sonderlich künfftige desselben administration halb notwendige berathschlagung und handlung vorzunemen, beschriben und ervordert, aber solcher tag, auch mahlstat auß eingefallnene ehafften verhinderungen biß auff den sechsundzwaintzigsten monats tag Septembris erstrecket und alhier verwendet und transferiert worden ist2, volgende tag und auf sollich berürt ausschreiben, wir, die fünff churfürsten und anstattf unsers mitchurfürsten und brueders, herrn Friderich pfaltzgraven bei Rhein, obgemelter s. L. sohne, hertzog Ludwig, sampt andern in übergebenem gewalt3 hierzu sonderlich gevolmechtigten gewalthabern, alhier zu Regenspurg aigner person erschinen, und g -dann e. ksl. Mt. –g uns gleich alsbaldt zu eingang vorberürter h -unserer angestelter berathschlagung auß sondern getrewen vätterlichen bewegungen, so sy zu dem Hailigen Reich teutscher nation, unserm geliebten vatterlandt, auch gantzer christenhait tragen, anfencklich mündtlich, volgendts auch schrifftlich fürtragen und übergeben lassen4, wie sy unnöttig erachten thetten, nach lengs zuerzellen, mit was mercklicher sorgfeltiger bemüheung sy bißdahero vermittelst göttlicher verleihung irem kaiserlichen ampt von der zeit an, sy durch ainhellige wahl der churfürsten erhaben, vorgewesen und nichts underlassen, sonder alles das jhenig f[ur]nemlich, [so] zu des gemainen vatterlandts ehr, nutz und wolstandt immer dienstlich, mit allem getrewen vatterlichen eyfer gesuecht, gefürdert und sonderlich dahin gesehen, wie e. ksl. Mt. dasselbig Hailig Reich sampt dessen angehörigen glidern /277/ und ständen fürbaß wie bißhero in ruhe und friden erhalten, auch fürthers dasselbig nit weniger zuthun gantz vatterlichen gemaint und nichts höhers wünschen wolten, dann das sy solchem kaiserlichen ampt und regierung noch weitters allain fürstehn und desselben bürden ertragen köndten, in deme sich e. ksl. Mt. ainiger mühe oder arbait nit bethawren lassen wolten, aber uns allerseits und sonsten menigclich unverborgen, mit was mercklichen und zwar nit geringen leibsschwachhaiten e. ksl. Mt. nunmehr etlich jahr herumb überfallen und yetzo mehr fast täglich angefochten wurden, auch wie vor augen, wol zuerachten bey disen sorglichen zeitten und leüfften, auch mit was gefehrlichaiten das Hailig Reich umbgeben und täglich sorgsamer zunemen thetten, also das e. ksl. Mt. irer vorangemelten leibsschwachhaiten wegen solchem allainig vorzusein nit allain deren person halb unmöglich, sonder auch dem Hailigen Reich und desselben stenden künfftiger zerrütlichait und Šunraths, so auff etwan zutragenden fall–h (welchem alle menschen underworffen und bei des allmechtigen willen stüende) leichtlich ervolgen köndte, lenger nit rathsamb und vorträglich sein wolte; und darumb e. ksl. Mt. auß vatterlicher sorgfeltigkait nit unzeitlich bewogen, auf solche erschießlichei mittel und wege zugedencken, dardurch alle solche beschwerlichaiten füeglich abgewendet, also das e. ksl. Mt. die noch übrige zeit ires lebens solcher obligender schweren bürden kaiserlicher regierung etwas erleichtert und des Hl. Reichs churfürsten, fürsten und stende aines ordenlichen haupts und succeßors ohne ainige disputation, trennung /277'/ und mißverstandt bey langhergebrachter gueter verfassung und regiment in ruhe und friden erhalten werden möchten, und uns sampt den pfaltzgrävischen gwalthabern und gesandten deßhalb j -gantz vatterlich und allergnedigst–j ersuecht und vermahnet haben, uns dise hochwichtige sachen auß bemelten ursachen angelegen sein lassen und zu gemainer wolfart dahin trachten, wie sollich werckh zu fürderlichem glicklichem anfang und endtschafft gebracht und solcher hohen verwaltung des kaiserthumbs ain solche person fürgenommen wurde, die dem Hailigen Reich wol anstendig und nutzlich.

    k -Nuhn haben wir–k darauf diß e. ksl. Mt. getrewe sorgfeltige erinnerung und vermahnung underthenigstl zugemüeth gefüert und in deme uns unsers churfürstlichen ampts erinnert unnd uns nach innhalt und weisung der alten gesetz und unserm herkommen im Hailigen Reich schuldig erkandt, alles was zu erhaltung desselbigen, auch wolfart gemainer christenhait ersprießlich sein mag, fürzunemen, zutractiern und zuhandlen; und auß solchen von e. ksl. Mt. vatterlichen und hochvernünfftigen eingefuerten ursachen und mehr trefflichen bewegnussen wir allenthalbenm nit anderst ermessen mögen, dann das solches nit allain zu gemainer stende und dann wie die löblich teütsch nation in altem herkommen und wesen, die underthanen aber bey dem iren in guetem schutz und schiermb zuerhalten, die ehr, nutz und gedeyen des gemainen vatterlandts und gantzer christenhait befürdert, vast rathsam, hochfürträglich und notwendig, das nach gelegenhait aller umbstendt der zeit unnd leüfft, von e. ksl. Mt. allergnedigst eingefüert, derwegen noch bey iren lebzeitten ain wichtige sicherhait gemacht werde, sintemal dann uns in solchem fall die wahl zuthun, und obgemelter ertzbischove zu Maintz uns andere obbemelten chur- /278/ fürsten nach ainmüetigem ainhelligem beschluß, das yetziger zeit ain römischer könig zuerwelen bey e. ksl. Mt. leben nutzlich und guet seye, auf den sibenundzwaintzigsten Octobris in dem dumbstifft zu früeher tag zeit und umb siben uhren Šdurch seiner L. offnen besigleten brief5 mit derselben grossem anhangendem innsigl versigelt, alhie zu Regenspurg außgangen zu der wahl aines römischen königs, wie dises dann s. L. als des Hailigen Reichs ertzcantzler vermög der gulden bulla, gemainen rechten und nach altem herprachtem gebrauch, so offt sich die notturfft und fall zutregt, von ampts wegen zusteht, – als haben wir uns mit ainmüetigem ainhelligem rath auf obbestimpten 27. tag dises monats Octobriso, in yetztberürten außgangnen citationen zu der königclichen wahl benendt, in obbemeltem dhombstifft zu Regenspurg p -in der sacristei darzue verordnetem ort–p versamblet6, den handel der wahl vermög der gulden bulla neben obgedachts unsers mitchurfürsten, des pfaltzgraven gwaldthabern, mit den gepürlichen ehren, zierden und solenniteten volbracht und demnach alle samptlich und yeder insonder das jurament, welches uns durch unsern freundt und bruedern, den ertzbischoven zu Maintz, nach laut deß buechstabens der gulden bulla fürgelesen worden unnd gedachter unser freundt und brueder, der ertzbischove zu Maintz, zuvorderstq auch selbst personlich gelaistet, haben wir uns volgendts nach ordnung in die sacristei gemelts dhombstiffts begeben und die handlung der wahl und chur im namen des allmechtigen mit ainträchtigem ainhölligem gemüeth zuvolbringen vorgenommen; und wir Daniel, /278'/ ertzbischove zu Maintz etc., der andern unserer mitchurfürsten stimm und vota nach ordnung des gesetz der gulden bullen von yedem sonderlich gefragt und beforschet, und wir andere churfürsten samptlich widerumb des obgemelten herrn Daniels, ertzbischoven zu Maintz, stimb und votum auch gefragt und erforschet, in deme sich befunden, das wir alle ainmüetigclich und aintrechtigclich, kainer widersprochen, unsere stimm und vota in den allerdurchleüchtigsten, großmechtigsten fürsten und herrn, herrn Rudolffen, königen zu Hungern und Behaimb, als ertzhertzogen zu Österreich zusamen gegebenr. Und seindt zu solchem insonderhait bewegt worden, das ire Mt. auß der löblichen teutschen nation geborn, auch von hohen stammen herkommen und von e. ksl. Mt. vorderst zu Gottes ehr und thugenden von jugendt auf wol aufgetzogen und underwisen, frembder nationen und sprachen erfaren, bißdahero auch in e. ksl. Mt. räthen, auch des Reichs administration sachen gepraucht, darzu getzogen, darin sich gegen derselbigen alles söhnlichen gehorsambs also beflissen, das irer person und deren geschicklichait nach dise unzweifeliche und höchste hoffnung zuhaben und unfelbar zutragen, das ir Mt. nit allain in solchen begabten und gezierdten thugendten zu ehr, nutzs, wolfart und gedeyen deß Hailigen Reichs teütscher nation, deß gemainen geliebten Švatterlandts, reichlich zunemen, sonder dasselbig sampt gemainer christenhait und baider stende gaistlich und weltlich in guetem schutz, ruhe, ainigkait und friden als ain sanfftmüetiger künig bestendig zuerhalten sich befleissigen und in künfftiger administration des kaiserthumbs, nit weniger geprauchen und an irer Mt. möglicher mühe, arbait und fleiß nichts abgehn noch ermanglen lassen werden.

    Darumb wir Jacob, ertzbischove zu Trier, Salentin, erwöltert und bestettigter zu Cöln, u -und an stat unsers mitchurfürsten unnd /279/ brueders, herrn Friderichen pfaltzgraven–u, Ludwig, pfaltzgraf bey Rhein, hertzog in Bayrn, sampt andern zugeordneten gevolmechtigten, Augustus, hertzog zu Sachssen etc., und Hans Georgv, marggrave zu Brandenburg etc., alle churfürsten obgemelt samptlich und unser yeder insonderhait, herrn Danieln, ertzbischoven zu Maintz, vollen gewalt und macht gegeben, in seiner L. und unserer aller namen sein kgl. Mt. w alß unsern mitchurfürsten mit hülff deß allmechtigen zu römischem könig und im fall erledigung des kaiserthumbs (welchen der allmechtig lang verhüetten wölle) zu künfftigem kaiser zuerwölen, zuverkünden, zunennen, zu pronunciern und zupubliciern, das auch also durch s. L., wie sich gepürt, erstlich bey uns in der sacristey beschehen. In welche ainhellige wahl ir kgl. Mt. gleichwol mit etwas eingefüerten beschwerungen und darauf genommen bedencken und vorgehender e. ksl. Mt. allergenedigsten wissenschafft und bewilligung, doch letzlich auff derselben gnedigst vatterlich vermahnen und erinnerung, auch unser bit und begern bewilligt und angenommen, wie volgendts in dem chor offentlich vor allem volckh, in grosser menig und anzal versamblet, auch verkundet und publiciert worden ist, mit nachvolgendem lobgesang „Te Deum laudamus“ und andern gewondlichen zierden und freüden.

    Solch unser verainigung, willigung und chur e. ksl. Mt. wir verkünden und eröffnen, underthenigst pittende, den genanten unsern gnedigsten herrn, den erwölten gewilligten und zu dem Reich versehen in solchen ehren, wirden, titul und namen anzunemen und darfür zuhalten und fürther sein Mt. alß /279'/ römischen könig mit ehren, wierden und titul vor allen des Reichs ständen und underthanen zuhalten und zuerkennen, zugepieten und zuverschaffen, hoffen wir unzweifelich, Gott dem allmechtigen, deß sachen hierin gehandlet ist, werde solche versehung angenem und der christenhait, dem Hailigen Reich und aller obrigkait des römischen volcks tröstlich sein, auch den andern zu forcht khommen, ir kgl. Mt. werde auch mit hülff und rath e. ksl. Mt. in der christenhait und dem Hailigen Römischen Reich frid und ainigkait machen, handthaben, erhalten und sonsten alles das thuen, das ainem römischen könig gepürt und angehört, getrewlich und fleissigclich. Es solle e. ksl. Mt. wierde, hochait und gewalt durch dise unsere wahl in nichts geringert oder verletzt sein.

    ŠDeß zu urkundt haben wir Daniel zu Maintz, Jacob zu Trier, ertzbischove, und Salentin, erwölter und bestettigter zu Cöln, Rudolff, könig zu Hungern und Behaim, ertzhertzog zu Österreich etc., und Ludwig, pfaltzgraf bey Rhein etc., als gewalthaber anstat unsers freuntlichen geliebten herrn vatters, sampt andern zugeordneten, Augustus, hertzog zu Sachssen, und Johans Georg, marggrave zu Brandenburg etc., churfürsten etc., unser jeglicher sein insigel an disen brief thun henckhen und mit zwayen offenbarn schreibern, die wir Daniel, ertzbischove zu Maintz etc., darüber ersuecht und requiriert haben, underschreiben lassen. Geschehen zu Regenspurg im chor, auch sacristei hierzu verordnet und dem aufgerichten gerüßt vor dem chor im jahr nach Christi geburth tausendt funffhundert sibentzig fünff, in der dritten römer zinßzal, indictio genant, bey regierung und herschung kaiserthumbs deß allerdurchleüchtigsten, großmechtigsten und unüberwindtlichsten fürsten und herrn, herrn Maximilian des andern, erwölten /280/ römischen kaisers, zu allen zeitten mehrern des Reichs, in Germanien, zu Hungern und Behaim etc. königs, unsers allergenedigsten herrn, irer ksl. Mt. Reich des römischen im dreyzehenden, des hungerischen im zwölfften und deß behaimischen im sibenundzwaintzigsten, auff donnerstag sanct Simon und Judae abendt, den sibenundzwaintzigsten Octobris.

    Darbei zu den vermelten underschidlichen actibus in chor, dergleichen sacristei und conclave zur wahl verordnet, und dann auff dem gerüßt vorm chor zur proclamation als zu yedem actu insonderhait erforderte gezeügen, auch die zwen underschribne notarien gewesen, die ehrwirdigsten, ehrwierdigen, hochgebornen, würdige, wolgebornen, edle, hochgelerten, strenge und vesten, unsere besonder liebe freunden, freundtliche liebe vettern, schwäger, öhaimen, auch liebe andechtige, getrewe und besondere, herr Johan Jacob, ertzbischoff zu Saltzburg etc., herr David, bischoff zu Regenspurg, herr Wolffgang, probst x -zu Berchterßgaden und Alten Ötingen–x,7, herr Albrecht, pfaltzgraf bey Rhein, hertzog in Obern- und Nidern Bayrn, herr Philips Ludwig, herr Georg Hans, beede pfaltzgraven bey Rhein, hertzogen in Bayrn, herr Barnimy, hertzog in Pommern etc., herr Johans von Trautson, freyherr zu Sprechenstain, erbmarschalch in Tyrol, röm. ksl. Mt. hofmaister und gehaimer rath etc., herr Lienhardt von Harrach, freyherr zu Roraw und Pirhenstain, obrister erbstallmaister des ertzhertzogthumbs Österreich under der Enß, röm. ksl. Mt. gehaimer rath, Adam von Dietrichstain, freyherr zu Holenburg und Finckenstain, erbschenckh in Kärnten, röm. ksl. Mt. öbrister camerer und kgl. W. zu Behaim obrister hofmaister, Johan Baptista Weber, vice- /280'/ cantzler, Wolffgang Camerer von Wormbs genant von Talberg, dhombprobst, und Georg von Schönenburg, dhombdechan zu Maintz, Christoff Faber, maintzischer cantzler, Philips Wolff Švon Rosenbach, beede der rechten Doctores, räthe, Johan von Schönenburg, dhombprobst zu Trier, Johan Wimpffeling, der rechten Doctor, trierischer cantzler, z -Geörg graf zu Witgenstain etc., dhombprobst zu Cöln–z , Geörg von der Leyen, landthofmaister, Frantz Burckhardt, der rechten Doctor, cölnischer cantzler, herr Ludwig grave zu Wichtgenstain etc., pfaltzgrävischer großhofmaister, Christoff Ohaim, der rechten Doctor, cantzler, Erich Volckmar von Berlepsch, Hans von Pernstein, Dam von Sebottendorff, Laurentius Lindemanaa, der rechten Doctor, alle sächssische churfürstliche räthe, ab -herr Albrecht Georg–ab grave zu Stolberg, Georg von Planckenburg, Martin grave von Honstain, herr zu Viradenac etc., Lampertus Distelmair, der rechten Doctor, ad -Christoff grave zu Stolberg und Künigstain–ad , Wolff [und] Henrich von Eysenberg, graven zu Budingen, gebrüedere, Sigmundt grave zu Gleichen, auch sonst ain grosse menig ae -von mehr fürsten, fürstmessigen–ae , herrn, rittern, vom adel und andern, zu allen und yeden insonderhait underschiedlich fürgangnen sachen als getzeugen sampt und sonderlich erpetten und ervordert. Und dieweil ich, Hieronymus Plest, von ksl. gewalt offenbarer und am ksl. camergericht immatriculirter notarius, maintzischer rath und secretarius, bey volbringung obgemelter solenniteten, hinc inde gegebnen versprüchnußen, auch leiblich erstatten ayden zu beschehner wahl und chur, gewaltgebung, erwöhlung, außsprechung und offentlicher gemainer außrüeffung, proclamation und publicierung, auch allen und yeden andern dingen, da sy alleaf, wie obgeschriben /281/ steht, geschehen und volbracht worden seindt, neben und mit sampt dem nachgeschribnen notarien und ag -vor hoch und wol, auch–ag vorangemelten, doch zu underschiedlichen malen erforderten gezeugen gegenwertig gewest bin, dieselbigen alle und yede sonderlich also gesehen und gehört, darumb hab ich diß offen durch hoch- und obgedachte meine gnedigste herrn, die Kff., verglichen und mit aines andern händen verfertigt instrument mit aignen handen underschriben und meinem gewonlichen signet neben anhangenden churfürstlichen ah -und des abwesenden gewalthaber–ah siglen getzaichnet, zu glauben und zeugnus obgeschribner sachen, insonderhait berueffen und erfordert.

    Und ich, Petrusai Kraych Mag., von röm. ksl. Mt. macht unnd gewalt offner und anaj dero Mt. camergericht immatriculierter notarius, maintzischer secreŠtarius, dieweil ich bei allen und yeden obgeschribnen sachen und handlungen durch den obgenanten meinen mitnotarien underschidlich angetzaigt, mit sampt den hoch- und wolgemelten zeügen personlich gewesen, die alle und yede also wie obberürt ergangen und geschehen sein, gesehen und gehört, darumb so hab ich mit obgenantem meinem mitnotarien disen gegenwertigen brief und instrument, durch ainen andern getrewlich geschriben, neben anhangenden kfl. und des abwesenden gewalthabers siglen mit meiner aignen handt underschriben und meinem namen, zunamen und gewohnlichem notariat zaichen underzaichnet, zu glauben und getzeugnus aller obgeschribnen ding, dartzu sonderlich requirirt und berueffen.

    « Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1 »

    Keine inhaltlichen Modifikationen gegenüber der Wahlkapitulation Kg. Maximilians II. vom 30.11.1562.

    Im KR am 15. und 18.10.1575 beraten1, am 22.10. gebilligt2 und Kg. Rudolf II. am 24.10. übergeben3. Von diesem am 25.10. gebilligt4 und am 1.11.1575 im Beisein der Kff. und Pfgf. Ludwigs beeidigt5. HStA Dresden, Ältere Urkunden, Nr. 11974 (unfol. Or. auf Pergament mit eigenhd. Unterschrift Kg. Rudolfs II., Vidit-Vermerk des Vizekanzlers Hegenmüller und Ad mandatum-Vermerk des ksl. Hofsekretärs Altenstaig; das kgl. rote Siegel in einer hölzernen Kapsel an einer schwarz-goldenen Schnur. Überschr.: Konig Rudolffen capitulation, dero ihre kgl. Mt. sich in der wahl, als dieselbe vonn den churfursten des Hailigen Reichs zu einem römischen konig erhöhet unnd gekrönet worden, gegen den churfursten verglichenn unnd verpflichtet. Actum Regensburg, den 1. Novembris anno 1575.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 486–498' (Konz. fol. 486–487, danach Kop. von anderer Hd.; mit der hier wiedergegebenen Artikelzählung, mit Randvermerk Nota bene zu den Artikeln 5, 8, 10, 17, 19, 21, 23–25, 30–33. Überschr.: Capitulation, obligation unnd pacta, darmit sich der erwolt romisch konig gegen den churfursten [...] 6.) = B. LHA Koblenz, Bestand 1A, Nr. 9705 (Or.). = C. HHStA Wien, AUR, 1575 November 1 (Or.). LAV NRW R, Kurköln Urkunden, Nr. 4724 (Or.). HStA München, Kurpfalz Urkunden, Nr. 112 (Or.). GStA PK Berlin, VII. HA Mark als Reichsstand, Nr. 183 (Or.). Druck: Goldast , Politica imperialia, 608–612 (lat. Übersetzung); Limnäus , Capitvlationes, 505–512; Carpzov , Commentarius, 382–386; Ziegler , Wahl-Capitulationes, 55–70; Lünig , Reichs-Archiv, [Bd. Š3,1:] Pars generalis, continuatio [1], [2. Teil], 1. Fortsetzung, 254–258; Dumont , Corps universel V/I, 247–2517; Schneidt , Geschichte, 569–583.

    Wir a -Rudolph der annder, von Gottes genaden erwelter römischer kunig, zu allen zeitten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Behaim, Dalmatien, Croatien und Sclavonien etc. khunig, ertzhertzog zu Österreich, hertzog zu Burgundi, zu Brabant, zu Steyr, zu Khärndten, zu Crain, zu Lutzemburg, zu Wirttemberg, ober- und nider Schlesien, furst zu Schwaben, marggrave des Hailligen Römischen Reichs zu Burgaw, zu Märhern, ober- unnd nider Laußnitz, gefurster grave zu Habspurg, zu Tyrol, zu Pfierdt, zu Khyburg unnd zu Görtz, lanndtgrave in Elsäß, herr auf der windischen marckh, zu Portenaw und zu Salins etc.–a, bekhennen offentlich mit disem brieff unnd thun khundt allermenigclich:

    Alß wir auß schickhung des allmechtigen in khurtzvergangnen tagen durch die ordenliche wahl der ehrwürdigen und hochgebornen b -Daniels zu Maintz, Jacoben zu Trier, Salentin, erwelten unnd bestettigten zu Cöln, ertzbischoven, Ludwigen, pfaltzgraven bey Rein, hertzogen in Bayrn unnd graven zu Spanhaim, alß volmechtigen gwalttragers seiner lieb vatters, pfaltzgraff Friderichs, Augusten, hertzogen zu Sachsen, lanndtgraven in Türingen unnd marggraven zu Meissen, unnd Hanß Georgen, marggraven zu Brandenburg, zu Stettin, Pommern, der cassuben unnd wenden hertzogen, burggraven zu Nürmberg unnd fursten zu Rugen, des Hailligen Romischen Reichs durch Germanien, Gallien und des khunigreichs Arelat, auch Italien ertzcantzlern, ertztruchsässen, ertzmarschalckhen und ertzcamerern–b, unnsern lieben neven, öhaimen und churfursten, zu der ehr und wurde des romischen königclichen namens unnd gewalts erhoben, erhohet und gesetzt sein, der wir uns auch Gott zu lob, dem Hailligen Reich zu ehren unnd der christenhait und teutscher nation, auch gemaines nutzes willen beladen, das wir unns demnach aus freyem genedigem willen mit denselben, unnsern liebenc neven, öhaimen und churfursten, diser nachvolgender articul geding unnd pacts weiß verainigt, vertragen, die angenomen, bewilligt und zuegesagt haben, alles wissentlich und in crafft dits brieffs.

    [1] Zum ersten, das wir in zeit solcher unserer königclichen wurden, // ambts unnd regierung die christenhait unnd den stuel zu Rom, auch babstliche Heyligkait unnd die christliche kirchen alß derselbigen advocat in guettem befelch, schutz und schirm haben, darzu insonderhait in dem Hailligen Reich friden, recht unnd ainigkhait pflantzen, aufrichten und verfuegen sollen und wöllen, das die iren gepurlichen gang, dem armen alß dem reichen, gewinnen und Šhaben, auch gehalten und denselbigen ordnungen, auch freyhaitten und altem loblichem herkhommen nach gerichtet werden sollen. Gleichwol sovil disen auch den nachvolgenden articl gegenwertiger obligation anfahende „Das sollen und wollen wir mit ir, der churfursten etc.“ belangendt8, haben vorgemelte unsere liebe öhaim, die welltliche churfursten, sich außtruckhenlich gegen uns erclart, was daselbsten von dem stuel zu Rom, auch der bäbstlichen Heyligkait, fur meldung beschicht, das ire liebden darein nit willigend noch unns darmit verpunden haben wollen9.

    [2] Wir sollen und wöllen auch sonderlich die vorgemachte gulden bull, den friden in religion- und prophansachen, auch den landtfriden sambt der handthabung desselben, so auf jungst zu Augspurg im funffunndfunfftzigisten jar gehaltenem reichstag aufgericht, angenomen, verabschiedt unnd verpessert worden, stet unnd vest halten, handthaben unnd darwider niemandts beschweren oder durch anndere beschweren lassen, unnd die andere des Hailligen Reichs ordnungen und gesetz, sovil die dem obgemeltem angenommenen Reichs abschiedt, im funffundfunfftzigisten jar zu Augspurg aufgericht, nit zu wider, confirmiern, ernewern und, wo nott, diselbigen mit rath unser und des Reichs churfursten, fursten und anderer stende bessern, wie das zu yeder zeit des Reichs gelegenhait erfordern wurdet.

    [3] Und in allweg sollen und wollen wir die teutsche nation, das Haillig Romisch Reich und die churfursten alß die vordersten glider desselbigen, auch andere fursten, graven, herrn und stende bey iren hochaiten, wurden, rechten, gerechtigkaiten, macht unnd gewalt yedem nach seinem standt unnd wesen bleiben lassen one unnser und menigclichs intrag und verhinderung, und inen darzu ire regalia und obrigkhait, freyhaitten, privilegien, pfandtschafften und gerechtigkhaiten, auch gepreüch und guet gewonhaitten, so sy bißhero gehabt haben oder in ubebung [!] gewesen // sein, zu wasser unnd zu landt, in guetter bestendiger form one alle waigerung confirmieren unnd bestetten, sie auch dabey alß erwelter romischer konig handthaben, schutzen unnd schirmen, doch menigclichen an seinen rechten unschedlich.

    [4] Wir lassen auch zu, das die gedachten sechs churfursten ye zu zeitten nach vermoge der gulden bull unnd irer gelegenhait des Hailligen Reichs zu irer notturfft, auch so sy beschwerlich obligen haben, zusamen khommen mogen, dasselb zubedenckhen unnd zuberatschlagen, das wir auch nit verhindern noch irren unnd derohalben khain ungnade oder widerwillen gegen inen sambtlich noch sonnderlich schöpffen unnd entpfahen, sonder unns in dem unnd andern der gulden bull gemeß genedigclich unnd unverweißlich halten sollen und wollen.

    Š[5] Wir sollen unnd wöllen auch alle unzimbliche, hessige bundtnussen, verstrickhung unnd zusammenthuen der unnderthanen des adels unnd gemainen volcks, auch die entporung unnd aufruer unnd ungepurlich gewaldt, gegen den churfursten, fursten unnd anndern furgenomen unnd die hinfuro geschehen mochten, aufheben, abschaffen unnd mit irer, der churfursten, fursten unnd annderer stendt rath unnd hilff daran sein, das solches, wie sich gepurt unnd billich ist, in khunfftige zeit verpotten unnd furkhomen werde.

    [6] Wir sollen und wollen darzu fur unns selbst alß erwelter romischer khunig in des Reichs handeln, auch khain bundtnuß oder ainung mit frembden nationen noch sonst im Reich machen, wir haben dann zuvor die sechs churfursten deßhalben an gelegene malstatt zu zimblicher zeit erfordert unnd iren willen samentlich oder des mehrern thails aus inen in solchem erlangt.

    [7] Was auch die zeithero ainem yeden churfursten, fursten, herrn unnd anndern oder dero vorelltern oder vorfaren gaistlichs unnd welltlichs standts dergestallt one recht gewaltigclich genommen oder abgetrungen, sollen unnd wollen wir der billichait, wie sich in recht gepurt, wider zu dem seinen verhelffen, bey solchem auch, sovil er recht hat, handthaben, schutzen unnd schirmen one alle // verhinderung, aufhallt oder saumbnuß.

    [8] Zu dem unnd insonderhait sollen unnd wollen wir dem Hailligen Romischen Reich unnd desselben zugehorden nit allain one wissen, willen unnd zulassen gemelter churfursten sambtlich nichts hingeben, verschreiben, verpfenden, versetzen noch in annder wege vereussern oder beschweren, sonder auch unns aufs höchst bearbaiten unnd allen moglichen vleiß unnd ernst furwenden, das jhenig, so darvon khommen, alß verfallen furstenthumb, herrschafften unnd anndere, auch confisciert und unconfisciert merckhliche guetter, die zum thail in annderer frembder nation hende ungepurlicher weise gewachsen, zum furderlichisten wider darzu bringen, zu aignen, auch darbey bleiben lassen, unnd in disem mit rath, hilff unnd beystandt der sechs churfursten, der anndern fursten und stendt yederzeit an die hanndt nemmen, weß durch unns unnd sy fur ratsam, nutzlich unnd guet angesehen unnd verglichen sein wurdet, doch menigclichen an seinen gegebnen privilegien, recht unnd gerechtigkhaiten onschedlich.

    [9] Unnd ob wir selbst oder die unsern ichts, deß dem Hailligen Reich zustendig und nit verlihen noch mit ainem rechtmessigem titul bekhomen were oder wurde, innhetten, das sollen unnd wöllen wir bey unnsern schuldigen unnd gethanen pflichten demselben Reich one verzug auf ir, der churfursten, gesinnen wider zu hannden wenden, zustellen unnd volgen lassen.

    [10] Wir sollen unnd wollen unns darzu in zeit bemelter unnserer regierung fridtlich unnd nachpaurlich gegen den anstössern unnd christlichen gewäldten halten, khain gezenckh, vhedt noch krieg in- oder ausserhalb des Reichs von desselben wegen anfahen oder undernemen noch ainich frembdt kriegs volckh ins Reich fueren one vorwissen, rath unnd bewilligen des Reichs stennde, zum wenigisten der sechs churfursten. Wo wir aber von des Reichs wegen oder das ŠHaillig Reich angegriffen unnd bekriegt wurden, e -alßdann mogen wir unns dargegen aller hülff gebrauchen–e.\

    [11] Dergleichen sie, die churfursten unnd anndere desselben Reichs stennde, mit den // reichstagen, cantzleygelt, nachraisen, auflagen oder stewr onnotturfftigclich unnd one redliche dapfere ursachen nit beladen noch beschweren, auch in zuglaßnen notturfftigen fellen die stewr, auflage unnd reichstage one wissen unnd willen der sechs churfursten, wie obgemeldt darin erfordert, nit ansetzen noch außschreiben unnd sonnderlich khainen reichstag ausserhalb des Reichs teutscher nation furnemmen oder außschreiben.

    [12] Wir sollen unnd wollen auch unnser khunigclich unnd des Reichs empter am hoff unnd sonst am Reich auch mit khainer anndern nation dann gebornen teutschen, die nit nidern standts noch wesens, sonder nambhafftig redlich leut von fursten, graven, herrn vom adel unnd sonst dapffers guetts herkhomens hohen personen besetzen unnd versehen, die sonst niemandts alß unns unnd dem Hailligen Reich mit pflichten unnd diensten verwandt seyen, auch die obbenenten embter bey iren ehren, wurden, fällen, rechten unnd gerechtigkaiten bleiben unnd denselben nichts entziehen oder entziehen lassen in ainiche wege sonnder geverde.

    [13] Dartzue in schrifften unnd handlungen des Reichs khain anndere zungen noch sprach gebrauchen lassen, dann die teutsche oder latheinische zunge, es were dan an ortten, da gemainlich ain annder sprach in üebung were unnd gebrauch stuende, alßdann mogen wir unnd die unnsern unns derselbigen daselbst auch behelffen.

    [14] Auch die churfursten, fursten, prelaten, graven, herrn vom adel, auch andere stendt unnd underthanen des Reichs mit rechtlichen oder guttlichen taglaistungen ausserhalb teutscher nation unnd von iren ordenlichen richtern nit dringen, erfordern noch furbeschaiden, sonnder sy alle unnd yeden insonnderhait im Reich laut der gulden bulla, auch wie des Hailligen Reichs ordnung unnd anndere gesatz vermugen, bleiben lassen. [15] Unnd als uber und wider concordata principum, auchf auffgerichte vertrage zwischen der khirchen, babstlicher heyligkhait oder dem stuel zu Rom unnd teutscher nation mit unformblichen gratien, rescripten, annaten der stifft, so taglichs mit manigfaltigung // unnd erhöhung der offitien am romischen hof, auch reservation, dipensation unnd in andere weeg zu abbruch der stifft gaistlichait unnd annders wider gegeben freyhait, darzu zu nachtail iuris patronatus unnd den lehen herrn stättigs unnd onunderlassig offentlich gehandlet, derohalben auch unleidlich verbotten geselschafft unnd contract oder bundtnuß, als wir berichtet, furgenommen unnd aufgericht worden: Das sollen unnd wollen wir mit ir, der churfursten, fursten unnd anndere[r] stendt rath bey unnserm hailligen vatter, dem babst, unnd stuel zu Rom unnsers Šbesten vermogens abwenden unnd furkhomen, auch darob unnd daran sein, das die vermeldte concordata principum unnd uffgerichte vertrag, auch privilegia unnd freyhaiten gehalten, gehandthabt unnd denselben vesstigclich gelebt unnd nachkommen. Yedoch was beschwerung darin befunden unnd mißbräuch entstanden, das dieselbigen vermoge deßhalben gehabter handlung zu Augspurg der mindern zal im dreyssigisten jar gehaltenen Reichs tags abgeschafft unnd hinfurther dergleichen one verwilligung der churfursten nit zuegelassen werden.

    [16] Wir sollen unnd wöllen auch die grosse geselschafften der khauff gewerbsleut, so bißhero mit irem gelt regiert, ires willens gehandlet unnd mit tewerung vil ungeschickhlichaiten dem Reich, dessen inwohnern unnd unnderthanen merckhlich schaden, nachtail unnd beschwerung zugefuegt, infurn unnd noch taglichs thuen geberen, mit irer, der churfursten, unnd annderer stende rath, wie dem zubegegnen, hievor auch bedacht unnd furgenommen, aber nit volnstreckht worden, gar abthuen.

    [17] Wir sollen und wollen auch insonderhait, dieweilg teutsche nation unnd das Haillig Romisch Reich zu wasser unnd lanndt zum hochsten vor darmit beschwerdt, nun hinfuro khainen zoll von newem geben noch ainiche alte erhohen lassen one besondern rath, wissen, willen unnd zulassen der bemelten sechs churfursten, wie vor unnd offt gemeldt.

    [18] Und da yemandts // bey unns umb newe zolls begnadigung oder erhohung der alten unnd vorerlangten zollen suppliciern unnd anlangen wurde, so sollen unnd wollen wir ime ainiche vertröstung, promotoriales oder vorbittliche schreiben an die churfursten nit geben oder außgehn lassen.

    [19] Auf den fall auch ainer oder mehr, was standts und wesens der oder die weren, die ainichen newen zoll in iren furstenthumben, landtschafften, herrschafften unnd gebietten fur sich selbst ausserhalb unnser begnadigung unnd der sechs churfursten bewilligung angestellt oder aufgesetzt hetten oder khunfftigclich also anstellen oder aufsetzen wurden, den oder dieselben, sobaldt wir dessen fur unns selbst in erfarung khomen oder von anndern antzaig davon empfangen, sollen undh wollen wir durch mandata sine clausula unnd in alle anndere mogliche weeg darvon abhalten unnd gantz unnd zumal nit gestatten, das yemandt de facto unnd aigens furnemens newe zoll anstellen oder sich deren gebrauchen unnd innemen moge. [20] Unnd nachdem etliche zeit hero die churfursten am Rhein mit villen unnd grossen zollfreyungen uber ire freyhait unnd herkhomen offtermals durch furderungs brieff unnd in annder wege ersuecht unnd beschwerdt werdeni, das sollen unnd wollen wir alß untreglich abstellen, furkhommen unnd zumal nicht verhengen noch zuelassen, further mer zu ueben noch zugeschehen.

    [21] Unnd insonderhait so sollen und wollen wir, ob ainicher churfurst, furst oder anndere seiner regalien, freyhaitten, privilegien, recht unnd gerechtigkait Šhalber, das ime geschwecht, geschmelert, genommen, entzogen, bekhommert oder betrüebt worden, mit seinem gegenthail unnd widerwertigen zu gepurlichen rechten khomen oder furzufordern unnderstehn wolte oder auch anhengig gemacht hette, dasselb und auch alle anndere ordenliche schwebendt rechtferttigung nicht verhindern noch verbietten, sonnder den freyen strackhen lauff lassen.

    [22] Wir sollen unnd wollen auch die churfursten, fursten, prelaten, graven, herrn // unnd anndere stendt des Reichs selbst nit vergwaltigen, solches auch nit schaffen noch anndern zuthun verhengen, sonnder wo wir oder jemandt annders zu inen allen oder ainem insonderhait zusprechen hetten oder ainiche forderung furnemmen, dieselben sambt unnd sonder, aufruhr, zwitracht unnd annder unrath im Hailligen Reich zuverhuetten, auch frid unnd ainigkait zuerhalten, zu verhor unnd gepuerlichen rechten stellen unnd khomen lassen unnd mitnichten gestatten, in den oder anndern sachen, in was schein oder under was namen es geschehen mocht, darin sy ordenlich recht leiden mogen unnd des urpütig sein, mit raub, name, prandt, vheden, khrieg oder annderer gestalt zu beschedigen, anzugreiffen oder zu überfallen.

    [23] Wir sollen und wöllen auch furkhomen unnd khaines weegs gestatten, das nun hinfuro yemandts hoch oder nidern standts, churfurst, furst oder anndere, one ursach, auch unverhort in die acht und aberacht gethan, bracht oder erclert werde, sonder in solchem ordenlicher process unnd des Hailligen Romischen Reichs voraufgerichte satzung nach außweisung des Hailligen Reichs in bemeltem funffunndfunfftzigisten jar reformirter camergerichts ordnung in dem gehalten unnd volnzogen werden, doch dem beschedigten sein gegenwehr vermog des landtfridens on abbruchig.

    [24] Unnd nachdem dasselb Romisch Reich vast unnd hochlich im abnemmen unnd ringerung khomen, so sollen unnd wollen wir neben anndern die Reichs stewr der stett unnd annderer gefelle, so in sonderer personen hende gewachsen unnd verschriben, wider zum Reich ziehen unnd nit gestatten, das solches dem Reich unnd gemainem nutz wider recht unnd alle billichait entzogen werde, eß were dann, das solches mit rechmessiger bewilligung der sechs churfursten beschehen were.

    [25] Was auch lehen dem Reich unnd unns bey zeit unnserer regierung eröffnet unnd ledigclich haimbfallen werden, so etwas merckhlichs ertragen, alß furstenthumb, grafschafften, herrschafften, stett unnd dergleichen, die // sollen unnd wollen wir verner niemandts leihen, sonnder zu unnderhaltung des Reichs, unnser unnd unserer nachkhommen der khonig und kaiser behalten, einziehen unnd incorporiern biß so lang dasselb Reichs wider zu wesen unnd aufnemen khombt, doch unns von wegen unnserer erblandt unnd sonst menigclich an seinen rechten unnd freyhaitten unschedlich.

    [26] Auf den fal aber zu khunfftiger zeit furstenthumb, grafschafften, herrschafften und anndere güetter dem Hailligen Reich mit dienstperkhaiten, Reichs anlagen unnd stewern unnd sonst verpflicht, dessen jurisdiction Šunderwurffig und zugethan, nach absterben dero innhaber unns durch erbschafft haimbfallen oder aufwachsen unnd wir die zu unnsern handen behalten oder anndern zukhomen lassen wurden, darvon sollen dem Hailligen Reich seine recht, gerechtigkhaiten, anlagen, stewern unnd anndere schuldige pflicht wie darauf herbracht, gelaist, abgericht unnd erstattet werden.

    [27] Wo wir auch mit rath und hülff der churfursten und anderer stende des Reichs ichts gewonnen, uberkhommen oder zu handen bringen, das alles sollen unnd wollen wir dem Reich zuewenden unnd zuaignen. Wo wir aber in solchem one der churfursten, fursten unnd annderer stende wissen unnd willen ichts furnämen, darinn sollen sie unns zuhelffen unverpunden sein, unnd wir nichts destominder dasjhenig, so wir in solchem erobert oder gewonnen hetten oder wurden unnd dem Reich zustunde, dem Reich wider zustellen unnd aignen.

    [28] Unnd nachdem im Reich bißhero vil beschwerung unnd mengel der muntz halben gewesen unnd noch sein, wollen wir dieselben zum furderlichisten mit rath der churfursten, fursten unnd stende des Reichs zuvorkhommen unnd in bestendiglichj ordnung unnd wesen zustellen moglichen vleiß furwenden.

    [29] Wir sollen und wollen auch hinfuro one vorwissen der sechs churfursten niemandt, was standts oder wesens der seye, mit muntzfreyhaiten begaben oder begnadigen.

    [30] Und insonderhait // sollen unnd wollen wir unnsk khainer succession [o]der erbschafft des oftternenten Romischen Reichs anmassen, underwinden, noch in solcher gestalt unnderziehen oder darnach trachten, auf unns selbst, unnser erben und nachkhomen oder auf yemandt annders understehn zuwenden, sonnder wir, dergleichen unsere khinder, erben unnd nachkhomen die gemelten churfursten, ir nachkomen unnd erben zu yeglicher zeit bey irer freyen wahl, auch vicariat, wie von alter hero auf sy khommen, die gulden bull, babstlich recht unnd anndere gesetz oder freyhaiten vermogen, so es zu fellen khommen, die notturfft unnd gelegenhait erfordern wurde, auch bey irem gesonderten rath in sachen, das Haillig Reich belangen, geruewigclichen bleiben unnd gantz unbetrangt lassen. Wo aber dawider von jemandts gesucht, gethan oder die churfursten in dem getrungen wurden (das doch khaines weegs sein solle), das alles soll nichtig sein unnd darfur gehalten werden.

    [31] Wir sollen unnd wollen auch die romische khunigcliche cron, wie unns als erweltem romischen konig wol gezimbt, empfahen unnd annders, so sich deßhalb gepurt, thuen, auch unnser khunigclich residentz, anwesen unnd hofhaltung in dem Hailligen Romischen Reich teutscher nation allen glidern, stenden unnd underthanen desselben zu eeren, nutzen unnd guettern des mehrern thails sovil moglich haben unnd halten unnd nachvolgendts, so sich der fall erledigung des kaiserthumbs begebe (das der allmechtig lang miltigclich Šverhuetten wolle), unns alßdann unnd nit eher zum beßten befleissigen, die khaiserlich cron zu zimblicher gelegner zeit zum schiersten zuerlangen unnd alle unnd yede churfursten, ir ambt zuversehen, zu solcher crönung thun erfordern, unnd auch in dem allem dermassen ertzaigen unnd beweisen, das unnserthalben an allermoglichait khain mangl gespurt oder vermerckht werden soll.

    [32] Wir sollen unnd wollen auch unns khainer regierung noch administration // im Hailligen Romischen Reich weitter oder annders unnderziehen, dann sovil unns deß von ksl. Mt. vergont unnd zuegelassen wurdet, das wir auch irer ksl. Mt. die zeit ires lebens an irer hochait unnd würde des kaiserthumbs khain irrung oder eintrag thun sollen noch wollen.

    [33] Wir wollen auch in diser unnserer zuesage der gulden bulla, des Reichs ordnung, dem obangeregten friden in religion- und prophansachen, auch dem landtfriden sambt hanndthabung desselben unnd anndern gesatzen, yetzo gemacht oder khonfftigclich durch unns mit irer, der churfursten unnd fursten, auch annderer stendt des Reichs rath mochten aufgericht werden, zuwider khain rescript oder mandat oder ichts annders beschwerlichs außgehn lassen oder zugeschehen gestatten in ainiche weiß oder wege. Dergleichen auch fur unns selbst wider solche gulden bulla und des Reichs freyhait, den friden in religion- unnd prophan sachen und landtfriden sambt handthabung desselbigen von ainicher l -hohern obrigkhait nichts–l erlangen noch auch, ob unns etwas dergleichen aus aigner bewegnus gegeben were oder wurde, nit gebrauchen in khain weiß sonnder alle geverde.

    [34] Ob aber diser oder anndern vorgemelten articln unnd puncten ainichs zu wider erlangt oder außgehn wurde, das alles soll crafftloß, todt unnd absein, inmassen wir es auch yetzo alßdann und dann alß yetzo hiemit cassiern, tödten unnd abthuen unnd, wo nott, der beschwerdten parthey derohalb notturffig urkhundt oder briefflichen schein zugeben unnd widerfaren zulassen schuldig sein sollen, argelist unnd geverde hierin außgeschaiden.

    Solches alles und yedes besonder, wie obsteet, haben wir, obgemelter romischer khönig, den gedachten churfursten geredt, versprochen unnd bey unnsern khonigclichen ehren, wurden unnd wortten in namen der warhait zuegesagt, thuen dasselb auch hiemit unnd in crafft dits brieffs, inmassen wir dann des ainen leiblichen aydt zu Gott unnd dem hailligen evangelio geschworen, dasselb stet, vest und unver- // brochen zuhalten, dem trewlich nachzukhomen, darwider nit zusein, zu thun noch schaffen gethan werden in ainiche weiß oder wege, die möchten erdacht werden. Deß zu urkhundt haben wir diser brieff sechs in gleichem laut geferttigt und mit unnserm anhangenden insigl besiglt unnd yedem obgenantem churfursten ainen zuestellen lassen.

    Regensburg, 1.11.1575. Eigenhd. Unterschrift: Rudolf. Vidit-Vermerk: Hegenmüller. Ad mandatum-Vermerk: Altenstaig.

    « ŠNr. 36  Beschreibung von Wahl, Krönung und Bankett (1575 Oktober 27 und November 1) »

    Am Morgen des 27. Oktober Zusammenkunft der Kff. und des Pfgf. auf dem Rathaus; anschließend gemeinsamer Zug zum Dom. Zelebrieren der Messe durch den Ebf. von Salzburg, Abwesenheit der weltlichen Kff. und des Pfgf. während des Abendmahls. Wahleid der Kff., Wahlkonklave und Wahl Kg. Rudolfs zum röm. Kg. nach den Vorgaben der Goldenen Bulle. Mitteilung über die erfolgte Wahl an Ks. Maximilian II., der sich daraufhin zum Dom begibt. Danksagungen, Glückwünsche und Mahnreden des Ks. Erhebung Kg. Rudolfs auf den Altar und Proklamation als röm. Kg. und künftiger Ks. vor dem versammelten Volk. Begleitung von Ks. und Kg. in ihre Herbergen.

    Am Morgen des 1. November Zusammenkunft der geistlichen Kff. im Dom; Kg. und Ks. werden von den weltlichen Kff. und anderen Ff. und Gesandten in einer feierlichen Prozession zum Dom begleitet. Einleitende Gebete und Zeremonien; Präsentation der Reichskleinodien. Zelebrieren der Krönungsmesse durch den Ebf. von Salzburg [oder den Ebf. von Mainz], Abwesenheit der weltlichen Kff. und des Pfgf. während des Abendmahls. Befragung und Eid des Kg., Salbung, Einkleidung mit dem Krönungsornat und Übergabe der Insignien. Krönung. Eidesleistung. Thronsetzung. Glockengeläut und Kanonensalven.

    Nach Beendigung der Messe feierliche Prozession der Teilnehmer vom Dom zum Rathaus; Auswurf der Krönungsmünzen. Auf dem Platz vor dem Rathaus Zubereitung eines gefüllten Ochsen und Ausschank von rotem und weißem Wein aus einem Brunnen. Vorbereitungen für die Verrichtung der Erzämter (Handwaschbecken und Handtücher für den Kf. von Brandenburg als Erzkämmerer; Haferhaufen für den Kf. von Sachsen als Erzmarschall; Küche mit Speisen für Pfgf. Ludwig als Vertreter seines Vaters und Erztruchsess) und für das Bankett im großen Saal des Regensburger Rathauses.

    Nach Ankunft der Prozession Verrichtung der Erzämter durch die Kff. und ihre Vertreter. Festmahl im großen Saal und in den Nebenräumen des Rathauses. Begleitung von Ks. und Kg. in ihre Herbergen.

    StA Nürnberg, Reichsstadt Nürnberg, Krönungsakten 9, fol. 1–16 (Or., wahrscheinlich verfasst von den Nürnberger Krongesandten) = Textvorlage.1

    ŠEin kurze beschreibung, mit waß proceß und ordnung

    die wahl deß röm. königs Rudolphi 2. etc. in anno 1575, den 27. Octobris

    ist vorgenohmen und volendet worden2

    /1/ Am Donerstag, den 27. Octobris, welcher ist geweßen der abendt Simonis & Judae apostolorum, sind die 5 churfürsten Mainz, Thrier und Cölln, chur Sachsen und chur Brandenburg und dann deß churfürsten pfalzgraf Fridrichs sohne, pfalzgrav Ludwig etc., alß hochermeltes seines herrn vatters gewalthaber selbst persönlich ungefehr umb 7 der kleinen uhr auf dz rhathaus gezogen mit allem ihrem hofgesindt aufs herrlichst bekleidet, und haben ihnen die churfürsten ihre churfürstliche schwerdt in den schaiden, mit vergüldten und silberen gahr herrlich beschlagen, vorführen lassen. Daselbst auf dem rhathaus haben sie ihren churfürstlichen habit angethan3 und seindt darnach in ihrer Šordtnung in den thumbstifft alhier gezogen, daselbst vermög der guldenen bull die ordentliche wahl fürzunehmen4.

    In dem nun die churfürsten allesambt, auch dem [!] könig zu Böheimb Rudolpho5, in den chor des thumbstifts kommen, haben sie ihre gebürendte session oder standt eingenommen6, welche nach altem herkommen und gebrauch, und wie mann sy zuvor in der statt Franckhforth zuverrichten und zubereitten pflegt, mit chöstlicher tapecerey, auch guldenen tuech behengt und geziert gewest. Daselbst im thumbstift ist der ertzbischof zu Salzburg7 in seinem potifical angethan erschinen und /1'/ erstlich angefangen, daß „Veni sancte spiritus“ zusingen, welches die ksl. cantorei vollents hinauß gesungen und der ertzbischof mit gewohnlicher collecten daselbst beschlossen. Alßbalden zu anfangs solches gesangs sindt die churfürsten alle aus ihren stüelen gangen, vor den hohen altar im chor neben einander in ihrer ordtnung nider gekniet und also biß zum beschlus des gesangs khnient bliben, aber ihr schwerdter in den verguldten schaiden haben sye ein jeder vor seinem stuel und platz, da er gestandten ist, ligen lassen. Nach vollendung dieses gesangs hat mann angefangen, das ambt oder die mess „De sancto spiritu“ nach vermög der guldenden bull zusingen, Šund hat der ertzbischof zu Saltzburg die meß gehalten, die ksl. cantorei das ambt durchaus herrlich gesungen. Alßbaldt nach anfang der meß sindt die zween weltliche churfürsten Sachßen und Brandenburg sambt dem pfalzgrav Ludwigen (alß der augspurgischen confeßion verwandte) auß dem chor abgetretten, doch ihr jeder sein schwerdt, wie vorgemeldt, bey seiner seßion oder standt ligen lassen, und haben sich also mitler weil und biß die meße vollendet gewest in dem conclav (darinnen nachmals die wahl geschehen) beyeinander enthalten. Nach volbrachter meß sindt die weltlichen churfürsten sambt dem pfalzgrav Ludwigen an statt seines herrn vattern wider auß dem conclav in den chor gangen, [haben] ihre vorige standt und seßion eingenommen und alß der ertzbischof von Salzburg /2/ abermahls daß „Veni sancte“ angefangen, seindt die churfürsten allesambt widerumb, wie zuvor im anfang, vor dem altar nidergekniet und biß zum ende des gesangs knient bliben.

    Nachmalß hat der churfürst von Maintz alß des röm. Reichs ertzcanzlar etc. den andern churfürsten allen und einem jeden insonderheit den aidt, wie dersselbig in der guldenen bull begriffen, fürgeleßen; er auch letzlich denselben selbst geschworen8. Und laut derselbige aidt von wort zu wortten also: „Ich N.N. schwöre zue dem hl. evangelio hiergegenwertig vor mir ligent, das ich durch den glauben und die treu, damit ich Gott und dem Hl. Röm. Reich verstrickht und verbundten bin, nach aller meiner vernunfft und verstendtnus mit der hilf Gottes wehlen will ein weltlich haubt dem christlichen volckh, das ist einen römischen könig zum könftigen keyser zuerheben, der darzue geschickht und tüglich sey, so weit mich meine sinnen und vernunft weißen, und nach obberierten meinen glauben und trew mein stim und wahl geben will ohne geding, lohn oder gab oder verheisung derselben oder welcher massen solches möchte genant werden, alß mir Gott hilft und das hl. evangelium.“9 In solchem schwören haben die geistliche churfürsten ihre rechte handt auf die brust, die weltlichen aber auf das hl. evangelium gelegt.

    /2'/ Nachdem nun obbeschribner massen der aidte von denen churfürsten allen geschworen, seindt sie widerumb in ihre stüele gegangen, und hat der ertzbischof angefangen zuesingen den hymnum „Veni creator spiritus etc.“, die ksl. cantorei denselben gahr aus gesungen, und nach volbrachtem hymno sindt die churfürsten sambt dem könig zu Böheimb etc. aufgestandten und Šihrer ordtnung in das conclav gangen10, welches auch alßbaldt nach ihnen verspört und zuegeschlossen worden, und haben die churfürsten die schlüßel zue der statt Regenspurg thoren in einem thriechelein11 zu sich in daß conclav genohmmen und biß nach vollendung der wahl behalten. Daselbst in dem conclav haben die churfürsten nach ordnung der guldenen bull den königa zue Böheimb Rudolphum mit einhelliger stim12 und wahl zue einem römischen könig und zum khönftigen keyßer in dem nahmen Gottes frey erwehlt13.

    ŠNach beschehener wahl haben die churfürsten zue der röm. ksl. Mt. in ihren pallast geschickt14 und ihrer Mt. anzeigen lassen, daß sie die wahl eines röm. königs und zuekönftigen keyßers nach ordtnung der guldenen bull vollbracht und beschlossen; wehre darauf ihr undterthenigstes vleißigs bitten, ihr ksl. Mt. wolte unbeschwerdt sein, zue ihnen in den thumbstift zu kommen, alda die eröfnung der gethanen wahl anzuhören und /3/ ferrner darauf waß sich gebüert handtlen und beschließen zu helfen. Auf solche bitt und ersuechung hat die ksl. Mt. solch der Kff. begehren bewilligt, sich auch alßbaldt aufgemacht und hinumb in den thumbstift in einem sessel tragen lassen, und ist ihr ksl. Mt. durch die herrn des rhats unter dem himmel, auch sonsten die fürsten und andere herrlich begleidet worden15. Alß nun die ksl. Mt. in den thumbstift khommen, sindt die churfürsten in ihrer ordtnung und kfl. klaidung biß zue der kirchenthüer ihrer ksl. Mt. entgegen gangen. Alda hat ihre Mt. ihnen allensambt die handt gebotten und sich nachmals in den chor tragen lassen, daselbst ihren ksl. habit angethan, und haben die Kff. ihrer ksl. Mt. die ksl. cleinoth und insignia fürgetragen und sindt also miteinander in daß conclav gangen. Daselbst ist ihrer ksl. Mt. durch den churfürsten zu Maintz angezaigt worden, wie das er und seine mitchurfürsten die kgl. Würden zue Boheimb Rudolphum, ihrer ksl. Mt. sohn, nach ordnung der guldenen bull mit einhelliger stimb und wahl zue einem röm. könig und zukönftigem keyßer erwehlet haben, mit underthenigster bitt, ihre ksl. Mt. wolte ihr solche wahl allergnedigst gefallen /3'/ lassen und dieselbig confirmiren und bestettigen.

    ŠDarauf hat die ksl. Mt. in einer gar ziehrlichen und ausführlichen rede sich gegen den churfürsten erclehret, daß ihr Mt. ob der beschehenen wahl nicht allein wol zuefriden und ein sonders gefallen truegen, sondern sye thete sich auch gegen den churfürsten deß geneigten günstigen und freundtlichen willens allergnedigst bedanckhen, mit erbietung, solches gegen ihnen, den churfürsten, mit allen gnaden zuerkhennen. Ihr ksl. Mt. haben auch ferrner die churfürsten gantz gnediglich ermahnet und gebetten, nachdem nun die verwaltung und administration deß Röm. Reichs sonderlich bey solchen gantz schweren und gefehrlichen leuften und zeiten ein unüberschwengliche grosse bürden auf ihm truege und der jezt erwehlte römische könig, ihrer Mt. geliebter sohne, des alters halben noch jung16, das sie, die churfürsten, ihme mit getreuem hilf und beystandt, mit rhat und that nicht verlassen wolten, gleichsfals wehre ihre ksl. Mt. nach ihrem höchsten vermögen zuethuen urbietig und willig. Und haben ihre ksl. Mt. sich darauf zue dem neu erwöhlten römischen könig, ihren sohn, gewiedmet, denselben gantz freundt- und vetterlich angesprochen und ihme erstlich zue der angenohmenen /4/ hochheit und wirdigkeit der administration des Römischen Reichs von Gott dem allmächtigen glickh und heil gewinschet und ihn vermahnet, dieweil ihm solche bürden sonderß zweifels aus sonderbahrer schickhung Gottes aufferlegt, das er sich derselben nit verwidern, sondern mit danckhsagung annehmen und Gott umb gnadte bitten soll etc. Ihre ksl. Mt. haben ihne auch ferrner vermahnt, in solcher administration allein Gott und die gerechtigkeit vor augen zuhaben und des Römischen Reichs wolfarth zum besten zuebefördern, darzue dann ihre ksl. Mt. sambt den churfürsten allen ihme getrewe hilf und beystandt laisten und erzaigen wolten. Solche glückhwinschung und vermahnung hat der neuerwehlte könig mit gar khindtlicher reverenz und ehrerbietung, auch vleißiger danckhsagung angenommen und sich erbothen, dieser vetterlichen vermahnung mit höchstem fleiß nachzukommen und dieweil er für sein person sich zue solcher bürden und hochheit viel zue gering und zue wenig erkhenne, so wol er sich der gnaden Gottes, auch seines geliebten herrn vatters und der churfürsten aller hilf und beystandts, ihrem gnedigsten erbiethen nach, ungezweifelt getrösten, auch darneben an allem seinem müglichen fleiß nichts erwinden noch ermanglen lassen17.

    ŠDarauf die churfürsten ihme nacheinander glückh /4'/ gewinscht, und nach solcher glückhwinschung ist die ksl., auch die kgl. Mt. sambt den churfürsten auß dem conclav in den chor heraußgangen, und hat die ksl. Mt. sich in ihren stuel, welcher auf das herrlichst zuegericht gewest, nidergesezt. Die kgl. Mt. ist vor den altar gangen, daselbsten auf dem obristen staffel nidergekniet, die 6 churfüersten, deren zue jeder seiten 3 nach der ordtnung gestandten, haben ihre kgl. Mt. miteinander aufgehebt und auf den altar gesezt. Nachmahlen hat mann angefangen, das „Te Deum laudamus“ aufs herrlichst und frölichst zuesingen, darzwischen hat mann auch alle glockhen geleutet und des grosse geschütz auf den pasteyen abgehen lassen.

    Nach vollendung desselben haben auch alle trompeter und hörpauckher sich weidlich hören lassen, das es in der kirchen gewaltig erschollen. Nach dieser frolockhung haben die churfürsten miteinander die kgl. Mt. widerumb von dem altar herab gehoben, und hat sich die ksl. Mt. in ihren sessel von ihren stuel auß dem chor herauß in die kirchen tragen lassen, alda ein hohe bühn mit prettern aufgemacht gewest, auch der ksl. und kgl. Mtt., darzue auch den churfürsten ihre seßiones, wie solches einem jeden gebürt, /5/ verordnet, aufs herrlichst geschmuckht und geziehrt gewest. Von derselben bühn herab gegen dem volckh, welches in grosser meng und in grossem gedreng versamlet gewest, ist der new erwöhlte könig offentlich proclamirt und alß ein römischer könig und zuekunftiger keyßer außgerueffen und verkhündigt worden18. Nach solchem haben die trompeter und hörpauckher widerum angefangen zueblaßen und zueschlagen, und ist nach diesem allen die röm. ksl. Mt. in ihren sessel wider auß der kirchen getragen und durch die kgl. Mt., auch alle chur- und füersten under dem himmel in ihre ksl. Mt. herberg begleitet worden, daselbst ihre ksl. Mt. ihnen allen die handt gebothen und ihnen anheimbs zueziehen erlaubt hat. Die churfürsten haben in dem kfl. habit und ornat die kgl. Mt. auch in ihre herberg begleitet und nachmals ein jeder auch in sein herberg gezogen19. Und ist also solche wahl glückhlich und wohl vollendet worden20.

    könig und zukhünftigen keyßer ist gekhrönt worden21

    /5'/ Am ersten tag deß monats Novembris im selbigen jahr 1575, ist gewest der tag omnium sanctorum; zue morgens umb 7 der kleinen uhr sindt die 3 geistlichen churfürsten Maintz, Trier und Cölln, ein jeder in seinem churfürstlichen habit, auß ihrer herberg in den thumb gezogen, alda in der sacristey ihre pontificalia (ausserhalb deß von Cöln, welcher kein geweyheter priester gewest) angelegt und daselbst der röm. ksl. und kgl. Mtt. ankhunft erwartet. Die weltlichen zwen churfürsten aber, alß Sachsen und Brandenburg, auch in ihrem kfl. klaidt, und Pfgf. Ludwig, des churfürsten sohn, an statt seines herrn vatters und alß desselben anwaldt und bevelchhaber, in seiner gewöhnlichen klaidung, deßgleichen auch die andern anweßende fürsten, graven und herrn, auch andere potentaten, gesandte und potschafften haben sich sambt allen ihren dienern und hofgesindt zue der röm. kgl. Mt. in desselben herberg im winckhel gegen der thumbkirchen über verfüegt, daselbst ihrer kgl. Mt. auf den dienst gewartet und volgents ihrer kgl. Mt. hinüber in des bischofs hof, da ihr ksl. Mt. zur herberg gelegen, begleitet. Und ist die kgl. Mt. gahr herrlich begleitet geweßen und mit rothem atles, samet und güldenem stuckh, ihr Mt. haben auch die böhemische cron alß ein könig desselben reichs aufgetragen. /6/ (Bey dießer beschreibung geschiehet auch meldung der protestation, so nicht allein die statt Franckhfort wegen der wahl, alß die vermög der guldenen bull daselbst celebrirt werden soll22, sondern auch die statt Aach wegen der Šcrönung, so ingleichem daselbst vorgenohmen werden soll23, eingewendet haben.) 

    Alß nun die kgl. Mt. sambt der weltlichen chur- und fürsten etc. bey der ksl. Mt. in ihrem palatio erschinen, haben ihr ksl. Mt. sich alßbalden aus ihrem Šgemach herabtragen [lassen]. Daselbst hat sich der ksl. und kgl. Mtt. hofgesindt sambt den weltlichen fürsten, graven und herren in ihre gebürende ordnung gestelt, und haben die 3 weltlichen churfürsten die ksl. insignia und cleinoder24, alß nemlich der pfalzgraf auf der rechten handt den guldenen apfel, auf der linckhen seiten der churfürst von Brandenburg das scepter und in der mitten der churfürst von Sachßen dz blosse schwerdt der ksl. Mt. vorgetragen, welche alle zue fues gegangen. Auf dieselben haben ihr ksl. Mt. sich unter dem himmel in einem sessel tragen lassen, und ist zu nechst neben ihrer ksl. Mt. die kgl. Mt. zur linckhen handt beneben (doch ein wenig hinter sich) gefolgt, und nach dießem allen das ander hofgesindt sambt /6'/ einer grossen meng volckhs hinten nachgangen25.

    In solcher ordnung ist mann in den thumbstift gangen, daselbsten seindt die 3 geistlichen churfürsten sambt den bischofen und ganzer clerisey in einer herrlichen proceßion der keyßer- und kgl. Mtt. biß zue der kirchthier entgegen gangen, und hat der ertzbischof von Salzburg alß verordneter consecrator26 mit Šdiesem versiculum die kgl. Mt. empfangen und gesagt: „Adiutorium nostrum in nomine Domini“. Die andere bischöf und clerisey haben geantworttet: „Qui fecit coelum et terram.“ Salzburg widerumb: „Sit nomen Domini benedictum“. Clerisey: „Ex hoc nunc et usque in saeculum.“ Salzburg widerumb ein collecten geleßen „Omnipotens etc.“. Nach volbrachter collecten seindt die geistlichen in ihrer proceßion gegen den chor fortgangen, darauf die ksl. Mt. mit den geistlichen churfürsten begleitet, nach derselben die weltlichen churfürsten. Die kgl. Mt. aber hat sich vor dem chor altar auf die erden, alda ein köstlicher schöner teppich nach der lenge aufgebraitet geweßen, creutzweiß mit ausgespanten armen nidergelegt, der ertzbischof von Salzburg den vers gesprochen: „Domine salvum fac regem“; die clerisey geantwortet: „Et exaudi nos in die qua invocabimus te.“ Darauf die collecten von dem erzbischof gesungen worden: „Domine qui scis etc.“ und dann ein andere collecten „Omnipotens sempiterne Deus etc.“ /7/ In deßen, und biß also mit hirvor geschribnen gebeten der anfang gemachet worden, haben die 3 weltlichen churfürsten der ksl. Mt. mit den ksl. cleinodien und insignien auf den dienst gewarttet. Nach vollendtem gebet und collecten haben die geistliche churfürsten und der bischof die kgl. Mt. von der erden wider aufgehebt und sie in ihren verordneten stuel (welcher gleichfals herlich zuegerüst gewest) geführt und daselbst nidergesezt. Nachmals haben auch sie, die geistlichen Kff., ihre verordnete seßiones eingenohmmen, und hat die ksl. Mt. die weltlichen churfürsten auch abtretten lassen, welche alßdann die ksl. cleinodt und insignia ihren unter officiren uberantworttet. Dieselben haben sie, so lang dieser actus gewehret und biß die Kff. selbst dieselbigen wider von ihnen zue sich genommen, vorb der ksl. Mt. stuel mit gebührender reverenz stehent gehalten. Deßgleichen sindt auch die andern weltliche fürsten, ein jeder seinem standt nach, in ihren verordneten stuel und seßion gestandten.

    Darauf hat der ertzbischof von Salzburg daß ambt der meß angefangen, in seinem meßgewandt für den altar niedergekhniet, daß „Confiteor“ gesprochen, welchen die andern 2 bischof, Regenspurg und Lübeckh, ministrirt und beederseits auf den dienst gewartet. Nach solchem seindt die weltlichen chur- und fürsten, soviel derselben der augspurgischen confeßion verwandt, mit gebührender reverenz gegen der röm. ksl. und königlichen Mtt. auß ihren stüelen abgetretten und solang aussen bliben /7'/ biß das ambt der meß gar vollendet Šgeweßen27. Die andern aber, welche der bäbstlichen religion zuegethan, sindt mit grosser andacht und allen derselben ceremonien gebliben, biß zum ende verharret und darbey alles daß verrichten helfen, was sich catolischer gebrauch und ordnung nach gebühret. Under dem ambt der hl. meß ist durch der röm. ksl. Mt. cantorey auf das herrlichste gesungen worden28.

    Nach verrichter meß und gesang ist die kgl. Mt. in ihren stuel oder standt aufgestandten, den kgl. mantel von sich gelegt, darunter sie ein rothen langen atleßen rockh gehabt, und ist volgents durch die geistliche Kff. für die staffel des altars geführt worden. Daselbst hat ihre kgl. Mt. sich abermahls wie zuvor creuzweiß auf die erden nidergelegt, und ist die litaney von 2 priestern zuesingen angefangen und allweg durch den chor oder die cantorey geantwort worden. Alß mann nun in solchem gesang an das ohrt vor den könig zubitten kommen ist, hat der ertzbischof von Salzburg, welcher das ambt gesungen, seinen bischoflichen stab in handt genommen und nachfolgende vers selbst gesungen: „Ut famulum hunc tuum Rudolphum in regem eligere digneris; et eum benedicere, sublimare et conservare digneris; et eum ad regni et imperii fastigium feliciter perducere digneris.“ Darauf der chor allzeit geantworttet: „Te rogamus, audi nos.“

    Nach volbrachter litaney hat mann die kgl. Mt. von der erden wider aufgehaben, und sich der bischof vor dem altar umbgewendet, ihre kgl. Mt. vor dem altar stehendt auf nachfolgende articul in lateinischer /8/ sprach gefragt: „1. Vis sanctam fidem catholicam a viris sanctis traditam tenere et operibus iustis servare?“ Rex respondit: „Volo.“ Episcopus: „Vis sanctis ecclesiis exclesiarumque Šministris fidelis eße tutor et defensor?“ Rex: „Volo.“ Episcopus: „Vis regnum a Deo tibi conceßum secundum iustitiam praedeceßorum tuorum regere et efficaciter defendere?“ Rex: „Volo.“ Episcopus: „Vis pauperum et divitum, viduarum et orphanorum aequus esse iudex et pius defensor? Rex: „Volo.“ Episcopus: „Vis sanctissimo in Christo patri et domino romano pontifici et sanctae romanae ecclesiae subiectionem debitam et reverentiam exhibere?“ Rex positis duobus digitis manus suae dextra[e] super altare dixit: „Volo et in quantum divino fultus fuero adiutorio et precibus fidelium christianorum adiutus fuero, omnia promissa fideliter adimplebo, sic me Deus adiuvet et sancta Dei evangelia.“

    Alß nun solcher eide vollendet, hat der bischof weiter sich zue den churfürsten, fürsten, auch der ganzen geistlichkeit und dem umbstehenden gegenwertigen volckh gewendet und in lateinischer sprach also gefragt: „Vultis tali principi et rectori vos subiicere ipsiusquec regnum firmare, fide stabilire acque iußonibus illius obtemperare? iuxta apostolum[:] Omnis anima potestatibus sublimioribus subiecta sit, sive regi tanquam praecellenti.“ Ad quam quaestionem domini archiepiscopi moguntinensis, trevirensis, principes electores Alemaniae respondentes dixerunt: „Fiat, fiat, fiat.“ Nach solchem hat die kgl. Mt. sich abermals auf den teppich nach der leng nidergelegt, und hat der ertzbischof nachfolgenden seegen über ihre kgl. Mt. gesprochen: „Benedic domine hunc regem nostrum.“

    Nach solchem gebet hat sich die kgl. Mt. widerumb auf- /8'/ gerichtet, und hat ihr Mt. der ertzbischof gesalbet mit dem geweyheten öhle, erstlich auf den haubt uber die schaidel, darnach auf der brust, item über die schultern und an den gelenkhen beeder arm, und hat darzue gesprochen: „Pax tibi.“ Der chor aber oder die clerisey hat geantworttet: „Et cum spiritu tuo.“ Der ertzbischoff weiter gesprochen: „Ungo te in regem de oleo sanctificato in nomine patris et filii et spiritus sancti. Amen.“ Unter solcher salbung hat der chor gesungen die antiphon „Unxerunt Salomonem“. Darnach hat der erzbischof ihr kgl. Mt. auch die händt inwendig an den ballen gesalbet und geschprochen: „Ungantur manus istae de oleo sanctificato, uti uncti fuerunt reges et prophetae, et sicut Samuel unxit David in regem, ut sisd benedictus et constitutus rex in regno isto super populum istum, quem dominus Deus tuus dederit tibi ad regendum et gubernandum, quod ipse praestare dignetur, qui vivit et regnat in saecula seculorum.“ Und nach solcher salbung hat der chor widerumb gesungen die antiphon: „Unxit te Deus etc.“

    Nach volbrachter salbung hat mann die kgl. Mt. in die sacristey geführt, und ihrer Mt. capelan haben mit einer gar schönen reinen woll das angesalbte öhl widerumb abgewischt. Darnach hat mann ihr kgl. Mt. daselbsten in der sacristey angethan mit eines diaconi rockh und kleidung ohne mantel oder meßgewandt, und ist ihre Mt. in solchem leviten rockh widerumb herauß in die Škirchen kommen in ihren sitz bey dem altar, und hat der ertzbischof widerumb angefangen über ihre kgl. Mt. zubetten unterschidliche precationes. Nach vollendung solcher gebet, und dieweil die kgl. Mt. noch vor dem altar gekhniet, hat der ertzbischof zu ferrnerer vollführung der angefangnen meß die praefation mit anhangenden worten gesungene: /9/ „Per omnia secula seculorum.“ Darauf hat der chor geantwort: „Amen.“ Und darauf der erzbischof daß „Deo gratia etc.“ gesungen, auch underschidliche benedictiones gesprochen.

    Nach solchem gebet und seegen, und alß die kgl. oder ksl. insignia oder cleinoder auf der linckhen seiten neben dem altar ordentlich auf einem tisch ligent albereit vorhanden gewest, haben die 3 geistliche churfürsten derselben ains nach dem andern in die handt genommen und der kgl. Mt. überantworttet, und erstlich ein blosses schwerdt in die handt gegeben, darzue der ertzbischof diese lateinische wort gesagt: „Accipe gladium per manus episcoporum licet indignas, vice tamen et authoritate sanctorum apostolorum consecratas, tibi regaliter impositum nostraeque benedictionis officio in defensionem sanctae Dei ecclesiae divinitus ordinatum; et esto memor, de quo psalmista prophetavitf dicens (under dießen wortten haben die churfürsten der kgl. Mt. daß schwerdt in die schaiden gesteckht und an die seiten gehenckht): Accingeg gladio tuo super femurh tuum potentissime, et in hoc et per eundem vim aequitatis exerceas, iniquitatis molem potenter destruas et sanctam Dei ecclesiam eiusque fideles propugnes, protegas, nec minus in fide falsus quam christiani nominis hostes exerceas et destruas, viduas et puppillos clementer adiuves ac defendas, desolata restaures, restaurata conserves, ulciscaris iniusta, confirmes bene disposita, quatenus haec [in] agendo virtutumi triumpho gloriosus, iustitiae[que] cultu egregius, cum mundi salvatore (cuius typum geris in nomine) sine fine merearis regnare, qui cum patre et spiritu sancto vivit et regnat Deus in secula seculorum. Amen.“

    Alß nun die kgl. Mt., alß wie obsteth, mit dem schwerdt umbgürt gewest, ist ihrer Mt. auch ein herrlicher köstlicher /9'/ mantel angelegt und ein ring an die handt gesteckht und latein diese wort darzue gesprochen worden: „Accipe regiae dignitatis annulum et per hunc catholicae fidei cognosce signaculum, et ut hodie ordinaris caput et princeps regni et populi, ita perseverabilis auctor et stabilitor christianitatis et christianae fidei fias, ut felix in opere cum rege regum glorieris per aevum, cui est honor et gloria per infinita secula seculorum.“

    Darnach hat mann ihrer kgl. Mt. auch den scepter in die handt gegeben und diese wort gesprochen: „Accipe virgam virtutis et aequitatis, qua intelligas mulcere pios et terrere reprobos, errantibus viam pandere, lapsisque manum porrigere, disperdas superbos et releves humiles, et aperiat tibi ostium dominus ŠDeus noster, qui de se ipso ait: Ego sum ostium, per me si quis introierit, salvabitur. Et ipse est clavis David et sceptrum domus Israel, quij aperit, et nemo claudit, claudit et nemo aperit, sitque tuus ductor, [qui] educit vinctum de domo carceris sedentem in tenebris et in umbra mortis, utk in omnibus sequi merearis euml, de quo propheta David cecinit: Sedes tua, Deus, in seculum seculi, virga aequitatis virga regni tui. Et imitando ipsum diligas iustitiam et odio habeas iniquitatem, quia propterea unxit te Deus tuus ad exemplum illius, quem ante secula unxerat oleo exultationis prae participibus suis per Iesum Christum.“

    Nach diesem gebet haben die 3 geistliche Kff. Mainz, Thrier und Cölln ihrer kgl. Mt. die cron29 aufgesezt und darzue nachfolgende wortt gesprochen: „Accipe coronam regni, quae licet ab indignis episcoporum manibus capiti tuo imponitur per quam sanctitatis gloriam et opus fortitudinis expreße significarem intelligas, et per hanc te principem ministerii nostri non /10/ ignores. Ita ut sicuti nos in interioribus pastoresn rectoresque animarum intelligimur, ita et tu in exterioribus verus Dei cultor strenuusque contra omnes adversitates exclesiae Christi defensor regnique a Deo tibi dati existas, et per officium nostrae beneditionis vice apostolorum omniumque sanctorum suffragio tuo regiminio commissi utilis executor regnatorque perspicuus semper appareasp, ut inter gloriosos at[hletas] q virtutum gemmis ornatus et praemio sempiternae felicitatis coronatus, cum redemptore ac salvatore Domino nostro Iesu Christo, cuius nomen vicemque gestarer crederis sine fine gloriaes, qui vivit et regnat Deus cum patre in unitate spiritus sancti per omnia secula seculorum. Amen.“ Alß nun die kgl. Mt. dermassen, wie obstehet, gekrönet und mit allen kgl. ornamenten, gezirten und insignien angethan gewest, haben die 3 geistliche Kff. ihre kgl. Mt. abermals die stafel hinauf vor den hohen altar geführet. Daselbst hat ihre kgl. Mt. ihre beede hendt auf den altar gelegt und zum andern mahl nachfolgenden aidt und pflicht gethan: „Profiteor et promitto coram Deo et angelis eius modot et deinceps legem et iustitiam pacemque sanctaeu ŠDei ecclesiae servare populoque mihi subiecto prodeße et iustitiam facere et conservare iura regni, salvo condigno divinae misericordiae respectu, sicut cum consilio principum et fidelium regni atque meorum melius invenire potero, sanctissimo romano episcopo et ecclesiae romanae caeterisque pontificibus et ecclesiis Dei condignum et canonicum honorem volo exhibere, ea etiam, quae ab imperatoribus et regibus ecclesiae seu ecclesiasticis viris collecta sunt et erogata, inviolabiliter ipsis conservabo et faciam conservari, abbatibus et ordinibus ac vasallis regni honorem congruum volo portare et exhibere, domino nostro Iesu Christo mihi praestante auxilium, fortitudinem et decorem.“

    Nach volbrachter dießer pflicht und gelüebd haben die churfürsten alle die kgl. Mt., also in ihr ornamentis angethan, auf /10'/ die hohe bühne vor dem altar der apostel Simonis et Iudae gefürth, alda ihre kgl. Mt. ein gar herrlichen siz unndt kgl. stuel zubereitet gehabt, darinn sich gesezt und also des Hl. Röm. Reichs poßeßion eingenommen, und darzu nachvolgende wort gesprochen: „Serva et retine locum regium, quem non iure hereditario nec paterna succeßione, sed principum seu electorum in regno Alemaniae suffragiis tibi noscas delegatum, maxime per authoritatem Dei omnipotentis et traditionem nostram praesentem et omnium episcoporum caeterorumque servorum Dei. Et quanto clerum sacris altaribus propinquorem prospicis, tanto ei potiorem in locis congruis honorem exhibere memineris, quatenus mediator Dei et hominum te mediatorem cleri et plebis in hoc regni solio confirmetv et in regno aeterno secum regnare faciat Iesus Christus Dominus noster, rex regum et dominus dominantium, qui cum Deo patre et spiritu sancto vivit et regnat in secula seculorum. Amen.“30

    Nach diesem allen hat man mit großer freudt und jubilation angefangen dz „Te Deum laudamus“ [zu singen], darzu der ksl. Mt. organist auf die orgel geschlagen und die cantorey darzwischen aines nach dem andern gesungen, wie nicht weniger hat man unter dem gesang alle glocken angefangen zuleuten und dz geschüz auf den pasteyn andern orthen loß gebrandt. Ingleichen haben auch khayser- und kgl. trompetter und hörpaucker sich mit großem schal hören laßen. Darauf ist die kgl. Mt. widerumb in ihren vorigen standt und stuel getretten und daselbst bis zum ende der meß verharret31; und ist darauf die meß Švorgenommen und dz evangelium Mathei „Cum natus eßet Iesus in Bethlehem in diebus Herodis regis etc.“ gesungen worden, nach demselben durch den erzbischoff vor dem altar „Credo in unum Deum etc.“ und durch den chor gar vollendet worden. Unter dem gesang deß offertorii und alß man der ksl. undt kgl. Mtt. das evangelium buch zukhüßen vor- /11/ getragen hatte32, ist die kgl. Mt. aus ihren stuel aufgestanden und zu dem altar gangen, alda etliche stuckh gelts geopfert, und seindt ihrer Mt. die geistlichen churfürsten undt andere mehr in ihren standt undt ordnung nachgefolgt.

    Nachmalß ist die stille meß oder canon bis zue der wandlung oder elevation verrichtet undt mitlerweil durch den chor das „Sanctus, sanctus, sanctus“ undt „Agnus Dei“ gesungen worden, darauf auch der erzbischof eine collecten gesungen. Verner ist abermals in der meß fort gefahren worden biß auf disen orth, da der prister, so das ambt helt, zu singen pflegt „Et pax eius sit semper vobiscum“. Alda hatt sich der eine diaconus umbgewendt unndt gegen dem chor undt volckh gesungen: „Humiliate vos ad benedictionem“, darauf ist die kgl. Mt. in ihrem stuel und sonsten menniglich nider gekniet, unnd hat der erzbischof uber ihre kgl. Mt. den seegen gesprochen.33

    Wie die ksl. und kgl. Mtt., auch churfürsten und fürsten etc. nach volbrachter crönung aus dem thumb auf dz rathauß zur malzeit gezogen

    Nach vollendung des gottesdiensts hatt die röm. ksl. undt kgl. Mt., deßgleichen auch die churfürsten in den habit unndt churfürstlichen claidung sich in die ordnung gestelt und also mit sambt den andern fürsten und herrn etc. in nachvolgender ordnung aus dem chor und aus der kirchen zue fueß gegen dem rathauß zugezogen, alda die röm. ksl. Mt. eine gar herrliche mahlzeit hat beraiten und zurichten laßen. Mitler weil aber, /11'/ unndt ehe dann die ksl. und kgl. Mtt. sambt den churfürsten auf dz rathauß kommen, ist die röm. keiserin sambt ihren töchtern, auch die herzogin von Bayrn sambt der alten herzogin mit allen ihren frauenzimmer und hofgesindt aufs köstlichst geschmuckt und angethan in gar schönen verhenckten wägen auf dz rathauß gefahren, daselbs auf dem großen saal oder tanzpoden durch die fenster herab zugesehen, aber bei der malzeit sindt sie nit bliben.

    Auf dem plaz gerad gegen dem marckthurn uber hat man etlich tag zuvor ein hohe kuchen von pretern aufgeschlagen, darin hat man einen ganzen ochßen Šmit kopf und schenckeln zum praten zubereit. Derselbig ochß ist außgewaidet und mit allerlei andern fleisch, wildpret, gefligl und vischen dermaßen ausgefült und gespickt geweßen, und ist also ganzer an einem großen hülzern spiß, welchen auf beeden orthen ihrer 2 mit einer winden wie ein großen haspel haben umbgetriben, einen ganzen tag und nacht zuvor gebraten, der eben zu der stund der malzeit, alß die ksl. und kgl. Mtt. zu tisch geseßen, ferttig worden, welcher ochß auch hernach preiß gemacht und zerrißen worden34. Nicht weit von diser kuchen ist auch ein hilzerne prunstuben gesezt und aufgericht worden, in der höhe unnd oben herab, auch in der mitten mit 4 röhren. Aus denselben ist rother unndt weißer wein gesprungen unndt von den umbstehenden zuelauffendem volckh mit großen getrang unndt ungestimb aufgefangen, darüber auch gleichfals, wie bei dem ochßen, mancher sehr ubel ist geschlagen, also dz schier niemandt nichts mit lieb zutheil, sondern vilmehr verschüttet worden alß zu nuz khommen. Denselben brunnen mit wein hatt man für der ksl. unndt kgl. Mtt. fürzug auß der kirchen am allermeisten unndt völligsten /12/ springen unndt laufen laßen, darüber dann etliche emer roth unndt weißer wein aufgangen, mehrern theil aber, wie obstehet, unüzlich verschidet worden.

    Ferner ist auch auf der gaßen gegen gemeiner statt canzlei uber für des glasers behausung daselbß ein tisch, mit köstlicher leinwath oder tischtuch bedeckt, gesezet worden, auf welchen der ksl. unndt kgl. Mtt. silberne undt verguldte gießkhandten unnd pecke zum handtwaschen mit dem köstlichen schönen servetln oder handtzwellen verordnet gewest, welche khandten und handtbeckh der churfürst zue Brandenburg hernach auf einem pferdt abgeholet, mit sich auf dz rathauß geführet undt der ksl. unndt kgl. Mtt. das handtwaßer gereichet. Es ist auch auf dem plaz gleich für der rathstuben ein hauffen habern ohngevehr 2 oder 3 schaff auf die gaßen geschitt worden, in welchen nachmals der churfürst von Sachßen gesprengt, denselben außgemeßen unndt preiß gemacht.

    Die ksl. Mt. hatt auch in dem rathauß hinten im hoff under der großen schupfen, da man /12'/ sonst das prenholz zulegen pflegt, gar ein große gewaltige kuchel aufschlagen laßen, darinnen die malzeit zu diesem herrlichen pancket gekochet unndt zugerichtet worden. So ist auch in eingang des rathauß der halbe theil von der thier bis an den hoff mit prettern verschlagen unndt zum Šanrichten zugerichtet worden, also dz man aus der kuchen herfür an dzselbige orth hat gehen mögen. Es ist auch die thier des rathauß desgleichen unten bei der stiegen mit trabanten unnd hördschieren verwahret gewest, dz niemand frembder hat hienein kommen mögen. Item so hatt man alle stuben im rathauß, außgenommen die canzlei, ausraumen mußen, die sindt zur silber cammer und anderer der officierer notturfft gebraucht, auch vil ksl. undt kgl. hoffgesindt gespeist worden.

    Auf dem großen saal ist es gar herrlich undt zierlich zugericht gewest, derselbig mit güldenen tuch und köstlicher tapecerey uberhenckt und zuvorderist der ksl. unnd kgl. Mtt. tafel ungevehr 6 oder 7 staffel hoch, jedoch der kgl. Mt. tisch umb etliche staffel niderer. Nachmals herab, gerad gegen der ksl. und kgl. tafel uber, ein besonderer tisch vor den churfürsten zu Thrier allein und volgendts auf beeden seitten für die /13/ anderen geistliche und weltliche churfürsten besondere tafel gestanden, wie solches nach ihr jedes standt und gradt gebührt35, deßgleichen sindt auch auf ebner erden des saals noch etliche tisch für die andern fürsten und große herrn, so der ksl. und kgl. Mtt. haben auf den dienst gewarttet, zugericht gewesen, welche mit allerlei silber geschier und anderer notturfft, wz dazu gehört hat, aus der röm. ksl. Mt. kuchen unndt silber cammer versehen und staffieret worden, also dz allenthalben wz man nur erdencken kan oder mag unndt zu einem ksl. pancket gehört, gar kein mangl erschinen, sondern vilmehr aller uberfluß vorhanden gewest.

    Ungevehr umb 12 der kleinen uhr ist die ksl. und kgl. Mt. in nachvolgender ordnung aus den thumb dem rathauß zugezogen36: Erstlich sindt zuvorderist hergangen der ksl. und kgl. Mtt. trompetter, deren 12 oder 15 geweßen, allzeit 3 in einen glidt, nach denselben ist gevolgt der ksl. Mt. hörpaucker, welche alle miteinander, so baldt sie aus den thumb kommen, angefangen haben aufs herr- und frölichst zuplasen und zuschlagen bis man zu den rathauß khommen. Nach denselben sindt gegangen gar veel ansehliche grafen, herrn, ritter und edlleuth, der churfürsten und fürsten, auch der ksl. und kgl. Mtt. hoffgesindt in zimlicher ordnung gemeiniglich 3 neben einander, nach denselben giengen die Šfürsten, so der ksl. Mt. auf den dienst gewartet, darauf der ksl. Mt. 4 ehrnholden in ihrem ornat und habit gar herrlich bekleidet, und /13'/ hat ein jeder ein stab in der handt gehabt. Nach den 4 herolden ist gegangen gar allein der erzbischoff und churfürst zu Trier in seinen kfl. kleidt und habit. Nach dem erzbischoff zue Trier sindt mit- und nebeneinander gangen die weltlichen 3 churfürsten: zur rechten handt Pfgf. Ludwig, des churfürsten sohn am Rhein, welcher keinen kfl. habit, sondern sein gewöhnlich kleidt angetragen und den guldenen apfl, des Reichs cleinodt, als des Hl. Röm. Reichs erztruchseß und churfürst getragen; in der mitten der churfürst zu Sachßen, des Hl. Röm. Reichs erzmarschalck, in seinen chur claidt, welcher ein bloßes schwerdt in der handt gefürth; und zur lincken handt ist gangen churfürst von Brandenburg, des Hl. Röm. Reichs erzcammerer, undt hat in seiner handt getragen den ksl. scepter. Nach den churfürsten ist vor den 6 herrn das innern und geheimen raths alhier ein köstlicher schöner himmel getragen worden; under demselben hat man die ksl. Mt. in einem seßl, dieweil sie dazumal schwachheit halb selbsten nit gehen können, getragen; und ist ihre ksl. Mt. mit allen köstlichen ornamenten angethan gewest, die ksl. cron auf den haubt, auch einen guldenen apfel auf der schoß mit der lincken undt in der rechten handt den ksl. scepter haltendt. Nach den himmel und andern seiten seindt gangen die andern herrn des innern raths, alß regierenden statt cammerer, alßbaldt nach den himmel hat einer getragen ein gar köstlich schwerdt in einer durchaus silbern /14/ verguldten schaidten mit edlgesteinen versezt, darnach ist gefolgt und allein gangen die kgl. Mt. in ihrem ganz kgl. ornat, auf ihrem haubt die kgl. cron, in der lincken handt ein guldenen apfl und in der rechten dz kgl. scepter tragendt. Nach der röm. kgl. Mt. sindt neben einander gangen die andern 2 geistliche churfürsten, nemlich der erzbischoff unndt churfürst zue Mainz und der von Cölln, beede in ihrem kfl. habit und kleidung angethan, und hat der churfürst zu Mainz in seiner handt getragen einen silbern stab und oben daran etliche sigill, als des Hl. Röm. Reichs erzcanzler. Auf dise 2 churfürsten sindt neben einander gangen in ihrer gewöhnlichen kleidung der erzbischoff zu Salzburg und der alt herzog Albrecht von Bayrn. Nach disen allen ist gangen ein große meng allerlei frembder herrschafften und potentaten, gesandten, graven, herrn und andere vom adl. Nach diser proceßion seint gangen der röm. ksl. unndt kgl. Mtt. trabanten und hördschier, gar herrlich und wol bekleidt, und als die ksl. Mt. auf den plaz kommen, hat man abermals dz geschüz loß gebrandt; item, so lang dise proceßion gewehret, hatt man auf dem marckthurn herrlich musicirt, auch in den thumbstifft alle glocken geleitet. Zu lezt sindt 2 neben einander geriten, dern jeder hat ein prait weit tuch oder rothe bindten am halß gehabt, darinn gewest gulden und silberne münz durcheinander gemengt, die haben sie mit einer handt under dz volck ausgeworfen37, darüber ein solche getrang, Šreißen, auch raufen und schlagen gewest, dz keinen nichts mit lieb gebliben, er hab es dann alßbalden in den bueßen oder andern orthen verschoben; und solches auswerfen der müntz hat gewehret von der thumbkirchen /14'/ an bis zue dem rathauß.

    Beschreibung des ksl. und kgl. panckets, wie daßelbige auf dem rathauß

    Als nun in vorgemelter proceßion und ordnung die röm. ksl. und kgl. Mtt. auf dz rathauß kommen, haben die geist- und weltlichen churfürsten zuvor und ehe dann ihre beede Mtt. zu tisch geseßen und sich ihr jeder seines ambts gebraucht vermög der guldenen bull.

    Und erstlich ist der churfürst von Sachßen und der von Pappenheim, als des Hl. Röm. Reichs erz- und undermarschalk, wider von den rathauß die stiegen herab gangen und daselbst auf ein pferdt geseßen und in den haufen habern, so für dem rathauß geschitt worden, geritten38. Und also auf den pferdt sizendt hat er ein silbern maß in sein handt genohmen und daselbst vol habern eingefast, volgendts mit einen silbern stab, welchen er in der handt gehabt, abgestrichen, daßelbig maß mit den habern sambt den stab dem undermarschalck uberantwortt, der es auch alß sein gerechtigkeit mit sambt den pferdt behalten; der übrig habern ist alßbaldt preiß gemacht und durch Šdz zulaufent volck all zerstreut und weggetragen worden39. Nach solchen ist auch der churfürst zu Brandenburg, als des Hl. Röm. Reichs erzcammerer, die stiegen herab gangen, auch auf sein pferdt geseßen und den vorgemelten tisch, darauf dz silberne handtbeck und gießkhandten gestanden, zugeritten, daßelbig sambt den köstlichen schönen handtzwellen zu sich auf dz pferdt genommen und dem rathauß zugeritten, von den pferdt abgestanden und mit dem handtbeckh und gießkhandten fur die ksl. und kgl. Mtt. getretten, ihren beeden Mtt. das /15/ handtwaßer gegeben. Dieselben peckhen und khandten sambt dem pferdt hat nachmals sein unter cammerer bekhommen und alß sein gerechtigkeit aigenthumlich behalten. Ferner ist auch Pfgf. Ludwig an stat seines herrn vatters in sein gewöhnlichen kleidern auch die stiegen herab gangen, gleichfals auf ein pferdt geseßen und der kuchen unter dem rathauß zugeritten, daselbst 3 silberne schißl mit speiß zu sich auf dz pferdt genommen und darmit wider zu stiegen zugeritten, abgestandten und dz pferd seinen unter truchseßen uberantworttet, welches denselben sambt den vorgemelten silbern schißeln als sein gerechtigkeit aigenthumlich gebliben. Die speisen aber hat der pfalzgraf mit gebührender reverenz auf der ksl. und kgl. Mtt. tafel gesezt40.

    In mitler weil seindt auch die 3 geistlichen churfürsten in der ordnung vor den tisch getre[tten] und mit gebührender reverenz dz „Benedicite“ gesprochen, nachmals haben sie alle 3, als deß Hl. Römischen [Reichs] erzcanzlere, des Hl. Röm. Reichs insigl an einen silbern stab hangend, der ksl. und kgl. Mtt. fürgetragen und auf den tisch gelegt, und dabeneben sich und die andern ihre mit churfürsten sambt allen stendten des Reichs unterthenigst bevohlen, aber ihre Mtt. haben solche sigill alßba