Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Kurfürstentag zu Regensburg 1575
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort der Abteilungsleiterin

Vorwort der Abteilungsleiterin

Vorwort der Bandbearbeiterin

Vorwort der Bandbearbeiterin

Archivalien und Handschriften

Archivalien und Handschriften

Gedruckte Quellen

Gedruckte Quellen

Literatur

Literatur

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Einleitung

A) Proposition

B) Kurfürstenratsprotokoll

C) Akten zur Wahl

C) Akten zur Wahl

  • Vorbemerkung
  • Nr. 23 Vollmacht Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 19
  • Nr. 24 Instruktion Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 20
  • Nr. 25 Bericht über den Einzug des Kaisers und der Kurfürsten in Regensburg (1575 Oktober 3–7)
  • Nr. 26 Revers Kaiser Maximilians II. für die Kurfürsten wegen der Anwesenheit anderer Fürsten und Gesandtschaften während der Wahl, Regensburg 1575 Oktober 14
  • Nr. 27 Kaiser Maximilian II. an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 17
  • Nr. 28 Kurfürst August von Sachsen an Kaiser Maximilian II., Regensburg 1575 Oktober 18
  • Nr. 29 Erklärung Kaiser Maximilians II. zur Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 30 Bedenken Kurfürst Augusts von Sachsen zur Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 31 Bericht über die Verhandlungen des Kaisers mit den weltlichen Kurfürsten und Pfalzgraf Ludwig betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea (1575 Oktober 15–22)
  • Nr. 32 Einladung des Erzbischofs Daniel von Mainz an seine Mitkurfürsten (hier: an Kurfürst August von Sachsen) zur Wahl eines römischen Königs, Regensburg 1575 Oktober 22
  • Nr. 33 Proklamation König Rudolfs II. als erwählter römischer König, [Regensburg 1575 Oktober 27]
  • Nr. 34 Wahldekret für König Rudolf II., Regensburg 1575 Oktober 27
  • Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1
  • Nr. 36 Beschreibung von Wahl, Krönung und Bankett (1575 Oktober 27 und November 1)
  • Nr. 37 Bestätigung der Rechte und Privilegien der Kurfürsten (hier: des Kurfürsten August von Sachsen) durch König Rudolf II., Regensburg 1575 November 2
  • D) Religionsbeschwerden

    E) Akten zur Nebenhandlung

    E) Akten zur Nebenhandlung

  • Vorbemerkung
  • Nr. 44 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 45 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 46 Resolution Kaiser Maximilians II. zur Einberufung eines Reichstags, präs. 1575 Regensburg November 1
  • Nr. 47 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Polen, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 48 Instruktion der Kurfürsten für Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg zum Wahltag in Polen, Regensburg 1575 Oktober 28
  • Nr. 49 Rede der kurfürstlichen Gesandten Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg vor den polnischen Ständen, [beschlossen Regensburg 1575 Oktober 28]
  • Nr. 50 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 51 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 52 Supplikation der wendischen Städte an die Kurfürsten, präs. Regensburg 1575 Oktober 19
  • Nr. 53 Vortrag Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Moskau,[ präs. Regensburg 1575 Oktober 24]
  • Nr. 54 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Gesandtschaft nach Moskau, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 55 Bedenken der kurfürstlichen Räte zur Gesandtschaft nach Moskau, Regensburg 1575 November 3
  • Nr. 56 Resolution der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg zum geplanten Kriegszug des Pfalzgrafen Johann Casimir nach Frankreich, Regensburg 1575 Oktober 29
  • Nr. 57 Schreiben der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 30
  • Nr. 58 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zu Ernst von Mandesloe, Regensburg 1575 Oktober 31
  • F) Supplikationen

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    « ŠD) Religionsbeschwerden  »

    Vorbemerkung

    Die Beratungen zu den Religionsbeschwerden, die während des Kurfürstentags stattfanden, beschränken sich auf die Eingaben, die von protestantischen Ständen und Untertanen an einzelne oder alle weltlichen Kff. gerichtet wurden.

    Die Nachweise über die Einzeleingaben und die diesbezüglichen Beratungen der kfl. Räte von Pfalz, Sachsen und Brandenburg stammen zum überwiegenden Teil aus der kurpfälzischen Überlieferung und werden hier in einem eigenen kurzen Abschnitt ediert, der aus drei Teilen besteht: 1) Die Supplikation der protestantischen Gff. und Hh. (Nr. 38), die gleichlautend an die protestantischen Kff. und an Ks. Maximilian II. gerichtet war und auf dem Kurfürstentag übergeben wurde. 2) Das Protokoll der Beratungen protestantischer kfl. Räte unter dem Vorsitz der Kurpfalz. Es ist überliefert in HStA München, K. blau 110/5, fol. 1–7' (Reinschr. mit wenigen Korrekturen und gliedernden Randbemerkungen; zit. mit der Sigle Kurpfalz A), und dokumentiert vier Sitzungen, die zwischen dem 26. und dem 31. Oktober 1575 stattfanden (Nr. 39 bis Nr. 42) und in denen die Religionsbeschwerden der protestantischen Bürger von Köln, Biberach und Schwäbisch Gmünd, der Gebrüder Vöhlin von Ungerhausen, der Ritterschaften des Stifts Fulda und des Eichsfelds sowie der protestantischen Gff. und Hh. behandelt wurden. Die ebenfalls dort angesprochene Supplikation Gf. Joachims von Ortenburg (Nr. 68) wurde an den KR verwiesen. 3) Das in den Beratungen der kfl. Räte beschlossene Interzessionsschreiben der weltlichen Kff. beim Ks. zugunsten der supplizierenden Stände und Untertanen (Nr. 43). Die Kff. einigten sich darauf, dem Ks. ihre Vermittlung mündlich vorzutragen, und so handelt es sich bei diesem Dokument im Wesentlichen um ein Begleitschreiben zu den an den Ks. übermittelten protestantischen Beschwerden, deren Inhalt nicht näher erläutert wird. Da die im Text angesprochenen Beilagen fehlen, kann nicht genau ermittelt werden, welche der an die Kff. gelangten Supplikationen (außer der auch an den Ks. gerichteten Supplikation der Gff. und Hh.) an Maximilian II. weitergeleitet wurden.

    « Nr. 38 Supplikation protestantischer Grafen und Herren an die weltlichen Kurfürsten [und an Kaiser Maximilian II.], präs. Regensburg 1575 Oktober 15 »

    Erinnerung an ihre zuletzt auf dem RT 1566 vorgebrachte Supplikation um Freistellung der Stiftsämter und Kapitel. Aufgrund des Stillstands in den Religionsverhandlungen erneutes Vorbringen ihrer Anliegen notwendig: Geltende Vorschriften behindern den Eintritt protestantischer Kandidaten in die geistlichen Stifte. Negative Folgen: Gefährdung des Grafenstands durch ŠZersplitterung des Familienbesitzes, Schäden für das Reich und den inneren Frieden. Ausschluss der Protestanten von den Pfründen widerspricht dem Religionsfrieden und der Gleichbehandlung der Konfessionen in allen anderen Reichsangelegenheiten. Freistellung in den Stiften ist weder eine Gefahr für den Katholizismus, da wie beim RKG beide Konfessionen zugelassen werden sollen, noch für die geistlichen Güter, die nicht erblich gemacht werden sollen. Vorschläge zur Vermeidung von Missbrauch. Bitte um Milderung der Vorschriften für protestantische Kandidaten: Abschaffung der Eide, die mit ihrem Gewissen unvereinbar sind; Beschränkung auf Gehorsam in politischen Angelegenheiten. Bedeutung der Freistellung in den Stiften für den Reichsfrieden und für den Erhalt der Grafengeschlechter.

    Den weltlichen Kff. am 15.10.1575 übergeben1. Dem Ks. übergeben zwischen dem 18. und dem 22.10.15752.

    Š HStA München, K. blau 110/5, fol. 97–105' (Kop.) = Textvorlage. Ebd., fol. 223–228' (Kop. Aufschr.: Copia supplicationis, so graven unnd herrn der freystellung halb ufm waaltag anno 75 ubergeben.) = B. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10198/8, fol. 401–413 (inhaltlich identische, aber fehlerhafte Kop., hier als Supplikation an Ks. Maximilian II.; Dorsv.: Copia der wetterauischen und anderer graven itzo zu Regenßpurg der ksl. Mt. ubergebner supplication.)= C. LHA Koblenz, Bestand 1C, Nr. 16330, pag. 157–170 (lat. Kop., gerichtet an die Kff.). Druck: Supplicationes (1576), 36–50; Erstenberger , De Avtonomia I (1586), fol. 74–83'. Referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 349–360; Moritz , Wahl, 180 f.

    /97/ Durchleuchtigste hochgeborne churfursten, gnedigste herrn. Ewer kfl. Gnn. haben sich gnedigst zuerinnern, mit was vielfeltigem ernst unnd eifer, auch auß was ansehenlichen, dapffern unnd erheblichen ursachen eine christliche freistellung inn der religion, bevorab auf den hohen thumbstifften unnd collegien, bei vorigen regirenden keisern, auch der itzigen ksl. Mt., unnserm allergnedigsten herrn, auff ettlichen gehaltenen reichsversamblungen und noch letzlich anno 66 zu Augspurg laut hiebei verwarter supplication3 gesucht unnd gebetten worden.

    Nun hetten wir ja verhoffet, es solte diese[r] hochnottwendige unnd wichtige articul, an welchem dem Heiligen Romischen Reich, unnserm geliebten vatterlanndt, den churfurstlichen, furstlichen unnd gräflichen heusern, auch gemeiner ritterschafft, zuvorderst aber Gottes deß allmechtigen ehr unnd vieler menschen ewiges heil unnd wolfarth gelegen, fur dieser zeit erledigt unnd diesem beschwerlichen handel abgeholffen worden sein. Dieweil aber solichs bißdaher eingestelt unnd verblieben, nichts destoweniger unnser gewissen, auch unnsere unnd unnserer nachkhommen wolfarth, fur welche wir christliche sorgfeltigkeit zutragen schuldig, unns ermahnet unnd tringet, dieses werck nit ersitzen zulaßen, sonnder mitt hilff unnd zuthun e. kfl. Gnn. als deß Heiligen Romischena Reichs vornembsten seulen, auch annderer christlichen fursten, dasselbig, sovil unns menschen muglich zu treiben unnd zu urgiren biß der allmechtige guttige Gott, der aller menschen hertzen in seinen hannden hatt unnd sonnderlich /97'/ die grossen heupter regieret, dessen hanndt auch noch nit erkhurtzet ist, einmahl gnad unnd segen verleihet (wie wir zu seiner allmacht verhoffen), das solich werckh, so vornemblich zu seinen ehren dhienet, gepflantzt unnd vortgesetzt werde, so haben wir bey itzo der romischenn ksl. Mt., unnsers allergnedigsten herrn, unnd e. kfl. Gnn. sambt dero mittchurfursten, unnserer gnedisten herrn, versamblung nicht umbgehn sollen noch mögen, deßwegen abermals unnderthenigste anmahnung zuthun, ob vielleicht beneben anndern hochwichtigen deß Heiligen Reichs sachen unnd anligen dieser punct, darauff in warheitt nit der geringste theil deß Heiligen Reichs wolfarth stehet unnd Šberuhet, auch in beratschlagung gezogen, mit der itzigen ksl. Mt., auch dem erwölendem unnd kunfftigem haupt deß Heiligen Reichs darvon gehanndlet werden möchte.

    Unnd anfenglichs erachten wir fur unnöttig, e. kfl. Gnn. mit weittlaufftiger erholung unnd erinnerung deßjhenigen, was ann diesem werckh gelegen, auch wie heilsam, nutzlich unnd nottwendig es seye, zubemühen, inn betrachtung, das soliches e. kfl. Gnn. nicht allein auß christlichem, hocherleuchtem, beiwohnendem verstanndt bekhandt unnd offenbar, sonndern auch die acta, handlungen unnd berathschlagungen dieser sachen wegen durch e. kfl. Gnn. unnd anndere unnserer wahren religion der augspurgischen confession verwanndte stende gehalten unnd gepflogen, dasselbig gnugsam bezeugen unnd mit sich bringen. Allein mögen e. kfl. Gnn. wir mit der kurtze nitt /98/ pergen, das unnserm grewlichen als gleichwol dem geringern stanndt im Heiligen Reich, zugeschweigen den chur- unnd furstlichen heusern, denen villeicht soliches beschwerlicher felt dann unns, durch dieses werckh, dab es lenger differirt oder gar abgeschlagen werden solt, ein offenbarer unndergang der furnembsten uralten gräflichen heuser getrowet würdet unnd fur augen schwebet.

    Dann nachdem die iuramenta, pflicht unnd stattuten auf den hohen stifften also geschaffen, auch von tag zu tag dermaßen unnd besonnders seither deß concilii tridentini gescherpfft werden, das wir, wie auch die fursten und die vom adel, so der augspurgischen confession verwandt unnd zugethan, unnsere kinder, freundt unnd verwandten mit guetem gewissen auf die stifft nit thun oder bringen mögen, so spuren unnd erfahren wir täglich, das der jungen grafen unnd herrn anzahl durch Gottes segen sich dermaßen mehret unnd zunimpt, das, wo sie alle weltlich blieben unnd mit ihren brudern in gleichem theil in den erbschafften ghen solten, die uralte grafliche heuser zerrissen unnd annders nichts in kurtzen jaren dann ein endtlicher unndergang deß gräflichen standts, welchen unnsere voreltern mit darsetzung leibs, guts unnd bludts bei dem Heiligen Reich erworben, ervolgen würde. Solte es nun daselbst hin gelangen, so wer es nit allein /98'/ dem Heiligen Reich verkleinerlich unnd nachtheilig, sonndern es möchten auch unnsere kinder unnd nachkhommen die sachen ettwas ernstlicher unnd hitziger zugemuth furen, auch sich erinnern, das demnach ihre löbliche voreltern zu der ehren Gottes, auch auffpflantzung unnd erhaltung der gräflichen heuserc, viel stattlicher ansehenlicher gueter unnd grosser reichthumb zu den stifften gegeben, deren sie billich vehig unnd zugenießen unnd viel lieber das eusserst würden vorsuchen dann sich unnd ihre gantze posteritet von solichen beneficien unnd was denselben anhangt, allein umb deßwillen, das sie demd bapstumb nit anhengig, vertringen unnd entsetzen zulassen. Zu was beschwerlichkeit aber dasselbig gereichen würdet (welches doch der almechtig Gott, die röm. ksl. Mt., e. kfl. Gnn. unnd anndere stände Šdeß Heiligen Reichs gnediglich geruhen abzuwenden), das hatt menniglich reines verstanndts zuermessen unnd abzunemmen, dann es nit allein, wie zubesorgen, bei dem gräfenlichen stanndt bleiben, sonder es würde zu anndern beschwerlichen weitterungen, dardurch die uralte löbliche stiffte in höchste beschwerungen gerathen würden, ursach geben.

    Unnd ist je frembt zu hören, vielmehr aber mit beschwerden zuvernemmen unnd bei den nachkhommen ubel zuverantwortten, das im Heiligen Reich teutscher nation alle stenndt, sie seien der römischen religion oder augspurgischen /99/ confession zugethan, eines allgemeinen fridens sich mit einannder gebrauchen, in Reichs gemeinen unnd particular versamlungen bei einannder sitzen, gleiche stimmen haben, in administration der justitien am ksl. cammergericht beider religions verwandten angenommen, deßgleichen in verrichtung annderer deß Heiligen Reichs geschefften der religion halben kheiner dem anndern furgezogen noch jemanden von wegen der religion durch den anndern geschmehet, verkleinert, vernachtheiligt oder beschwerdt werden solle, darzu auch alle gemeine beschwerden unnd Reichs anlagen als steuer, raiß, volg, contributiones, cammergerichts underhaltung unnd dergleichen, neben den andern tragen unnd leisten mußen, unnd dahero unbillich, das sie von den geistlichen beneficien unnd stifften allerdings außgeschlossen unnd deren die anndern allein vehig sein unnd geniessen solten. Dessen aber unangesehen die jhenigen stende, so sich zu der augspurgischen confession bekhennen, vom anndern theil, so sich catholisch nennene, also von stifften außgeschlossen unnd dergestalt angesehen werden, das man sie auch nit wirdig achtet, auff di stifft unnd ertzstifft zunemmen noch ihrerf loblichen voreltern fundationen unnd benefitien sie wil laßen genießen, sie machen sich dann dem pabst zu Rhom beipflichtig, dardurch sie dann an ihrer höchsten wolfarth der seelen heil unnd seligkeit zum eussersten beschwerdt unnd vernachtheiligt, da doch zu bestenndiger erhaltung ruhe unnd fridens im Heiligen Reich bei diesem puncten weniger nit dann in allen anndern sachen unnd handlungen unnder den stenden ein durch- /99'/ gehende gleicheit billich gehalten unnd observirt werden solte. Auß welcher ungleicheit dann der nießung der geistlichen guter unnd beneficien hochlich zubesorgen, das in di harr annders nichts dann ein grossere verbitterung der gemüeter unnd mißtrawen zwischen den stenden, auch letzlich eine endtliche zerrüttung alles friedtlichen wesens im Teutschlanndt würdt entstehen unnd erwachssen.

    Wiewol wir nun wissen, das sich die romischen catholische stende wider diesen articul der freistellung auf den stifften hefftig legen unnd diese zwei argumenta furnemblich furwenden, als ob man dardurch ihre religion gar außtilligen, auch underm schein der religion nach den geistlichen gutern greiffen unnd sie an sich ziehen wolleg, so haben sie sich doch unnsers ermessens dieser beider Špuncten halben wenig, ja gar nichts zubefahren. Dann sovil das erste belangt, da solle es billich eine freistellung heissen und bleiben und niemandt zu der religion gezwungen oder genöttiget werden, sondern unbetracht was religion einer ist zu den beneficien gelassen unnd auff die stifft angenommen werden. Unnd wie man dasselbig am ksl. cammergericht der gestalt ubet, also hette man es auf den stifften viel besser unnd leichter zu observirn, auch zwischen denen personen, die ohne das mehrertheils einander mit blutfreundtschafft zugethan unnd garnichts zuvermuten, das ein furst, ein graf oder einer vom adell der augspurgischen confession einem anndern, der ihme ver- /100/ wanndt, ob er schon nicht seiner religion, wurde unnderstehn außzuschließen oder zuruckhzustellen, dann do es einer thete, so must er hinwiderumb besorgen, das seinen freunden unnd verwandten mit gleicher maß gemessen wurde. Zu dem wo jemandt solichs begegnete, so hette er sich dessen bei der ksl. Mt. unnd gemeinen stenden zubeclagen unnd umb geburende hulff anzusuchen, inmaßen dan beschehen ist unnd zweiffels ohne noch geschehe, da sich ein gleicher fall mit annemmung eines beisitzers, advocaten unnd procurators am ksl. cammergericht zugetragen oder noch zutruge, unnd diesem were durch ein Reichs constitution unnd satzung leichtlichen zubegegnen unnd furzukhommen.

    Sovil dann das annder arg[u]ment betrifft, da mogen wir fur unnsere personen bei hochster warheit wol betheuern, das unnsere meinung unnd gemüet kheins wegs dahin stehet, unns der geistlichen gueter zuernehren noch sie unns einzuheimschen, khonnen auch nit glauben, das andere stende dasselbig suchen, wie auch soliches kheinem zugestatten, dann dardurch unnserer posteritet wenig gedhienet; sonndern wir halten es gewißlich darfur, do jemandt, er were furst, grave, herr oder vom adel, sich dessen anmaßen, es wurden die uberige stende als interessenten mit ernst darwider sein unnd es kheinen gut heißhen noch ihren posteris diese heilsame stifftungen entziehen lassen.

    Unnd were diesem unnsers ermessens auch wol ein weg zufinden, dann es würden unnsere religionsverwandten unbeschwerdt sein, in auffnemmungen der beneficien /100'/ einen leiblichen eidt zu prestieren, das sie die geistliche guter, wie sie auf sie kommen, bei den stifften laßen und kheine verenderung darunder suchen oder furnemmen noch von anndern zubeschehen gestatten wolten. Unnd im fall die römischen stende damit nit zufriden sein, sonndern noch ferner mißtrawen in unns setzen wolten, da wir doch darfur achten, das sie unns fur redtliche geborne teutsche graven unnd herrn etc., die ihren pflichten unnd eiden nachzusetzen gemeint, halten werden, so seindt wir zum uberfluß dessen erbuttig, wan es ann deme, dz unnserer kinder unnd verwandten einer auf di stifft angenommen oder hernacher zu höhern beneficien unnd digniteten gelangen solten, jedesmaln gnugsame caution unnd sicherheit fur soliche pfrunden zu leisten, das sie von den stifften nicht hinweg gerissen werden solten, auch dieser caution wegen, wo vonnötten, unpartheische erkhanndtnuß zu leiden oder aber unnsere sohne unnd verwanndten, da wir ein soliches nit prestiren Škonnen, von den stifften abzuhalten. Uber das, so hetten auch die ksl. Mt. unnd gemeine stende eine besonndere reichssatzung aufzurichten und soliche alienation, verenderung unnd einziehung der beneficien bei peen der acht in bester form zuverkhomen, auch die execution darmit deß Heiligen Reichs camergerichts ordnung darunder zubevelhen. Wann nun soliche drei wege, oder so scharpff man es immer furkhommen mag, ann di handt genommen, so wurdt ge- /101/ wißlich kheiner, er were was stanndts er wolt, so frefel, unbesonnen unnd unbedacht, das er sich unnderstehn würde, demselben zuwider zuhandlen oder, do er es thete, ist man im Heiligen Reich so mechtig unnd starck, das man einem solichen ubertretter wehren und begegnen kondte.

    Es halten aber ettliche noch fur unmüglich, also starck ist das mißtrawen bei ihnen eingewurtzelt, das soliches einziehen der güeter unnderpleiben würde, dieweil zweifels ohne, wo die religion auf den stifften freigestelt, viel geistliche personen sich in ehestanndt begeben, deren kinder darnach di beneficia nit verlaßen, sonndern bei ihren freunden unnd verwandten hilff unnd beistanndt suchen, darauß dann ein endtliche zerrüttung unnd unndergang der stifft ervolgen würde. Diesem aber ist leichtlich zuantwortten, im fall man sich der obgesetzten mittel gebrauchte, so hette man sich dergleichen nit zubefahren. Es wurdt auch in eines jeden gelegenheit nit sein, zur ehe zugreiffen, sonndern sich viel, unnd vielleicht der gröste theil, beneben der beneficien inn der ksl. Mt., der chur- unnd fursten, auch annderer potentaten diensten in fridens- und krigens zeitten gebrauchen unnd in ehrlichen und ritterlichen dingen uben. Dessen hatt man auch gnugsame exempel nit allein bei ettlichen reformirten stifften in Teutschlandt, sonndern auch in anndern königreichen, als sonnderlich in Hispania, da vielerlei geistliche orden gefunden werden, welchen /101'/ doch der eheliche stanndt mit nichten verbotten ist, auch die gueter bei den stifften ruwig bleiben.

    Ob nun der romische theil sich weitter befahren wolte, wan der augspurgischen confessions verwandter einer zu der ertzbischoffenlichen oder bischoffenlichen digniteten erhaben, so wurde er also baldt di meß sambt dem gantzen babstumb abschaffen unnd dardurch ihr religion gar zu boden gehn, welches inen unleidenlich unnd untreglich, darauf sagen wir erstlich, das unnserm theil der augspurgischen confession eben so hoch bedencklich unnd beschwerlich, unnserer religion, di wir auß Gottes wort wissen zuvertheidigen, ihren lauff unnd vortpflantzung Gottes deß allmechtigen ehr unnd vieler menschen heil unnd ewiger wolfarth zuentgegen also hinderstellen zulaßen. Neben deme, so kundte di fursehung geschehen, das auf obgesetzten fall beide religionen geduldet unnd angerichtet würden (inmaßen dann ann ettlichen ortten, auch unnder geistlichen stenden beide religionen offentlich geubet werden unnd im schwanckh ghen[)] biß sich das capittel einer allgemeinen reformation im gantzen stifft miteinannder vereinigte. Woferr4 auch in der administration unnd Šverwaltung geistlicher oder weltlicher sachen bei den stifften unnd capitulis streit furfallen würde, so hette man sich der exempel deß /102/ keiserlichen cammergerichts gemeß zuverhalten unnd von jeder religion in gleicher anzahl zuverrichtung solcher sachen zuverordnen, auch wo vonnötten ettlicher sonderbarer ordnung unnd satzungen sich mit einannder zuvereinigen.

    Nachdem aber, wie hieoben zum eingang vermeldet, unnserm theil der augspurgischen confessionsverwandten stenden nit höhers im wege ligt noch beschwerlicher furfelt dann die gewonliche ordinationes oder weihungen unnd iuramenta, welche wir gewissens halben nit approbiren noch unnser kinder, freundt unnd verwandte damit obligiren oder verknüpffen mögen, sintemal dieselbige dahin gerichtet, das die canonici auf alle unnd jede babstische statuten, consuetudines novas et antiquas, sonnderlich di seithero gehaltenem concilio zu Trient gemacht unnd eingefurth worden, juriren unnd schweren mussen, unnder welchen statuten unnd ordnungen viel seindt, di unnserer religion stracks zuwider, auch derselbigen noch ettliche aufgerichtt unnd gemacht werden möchte[n]; insonderheit aber ist das iuramentum, so bischoff unnd prelaten dem bapst unnd sonnsten zuerhaltung ihrer confirmation unnd stanndts, welches professio fidei genant, leisten mußen, also geschaffen unnd gewanndt, das es nit allein durch niemandt unnserer religion one verletzung seines gewissens praestirt werden khan, sonndern auch besorglich, das es zu erhaltung friedtliches wesens /102'/ wenig fürtreglich sein wurde unnd deßwegen deß Heiligen Reichs stenden in vielweg hochbedencklich, auch denselbigen allerhanndt gantz beschwerliche clausulae unnd verpflichtungen einverleibt sein, so daß mehrertheils dahin furnemblich gerichtet sein, wie die eingerissene mißbreuch unnd abschewliche irthumb erhalten unnd dargegen unnsere wahre religion der augspurgischen confession unndergetruckt und mit der zeit gar außgerottet werden möchte:

    So bitten unnd begeren wir nit mehr, dann das solche iuramenta unnd beschwerliche ceremonien dergestalt gemiltert, das sie unnserer religion der augspurgischen confession nicht zuwider unnd durch desselben verwandten mit gutem gewissen geleistet und gehalten werden mögen, als nemblich, dz alle und jede stiffts personen, sie seien hohes oder niders standts, nur zu den politischen unnd weltlichen sachen verbunden seien, darbei dann auch di ertzbischoff unnd bischoff der röm. ksl. Mt. als dem obersten haupt in dem Reich unnd di uberige ordines ihrem ertzbischoff undh bischoff in weltlichen sachen zugehorsamen unnd sonsten die statuten unnd ordnungen eines jeden orts in obgemelten politischen sachen zuobservirn schuldig sein sollten. Man möchte auch menniglichen freistellen, entweder die alte gewonliche oder di newe reformirte formulas /103/ iuramenti zu prestiren unnd zuerstatten, allein muß man dasjhenig in den iuramentis statutis oder durch ein gemeine reichssatzung furkhommen unnd caviren, das beide religionen nit allein unnder den stiffts verwanndten Šgeduldet unnd [v]erstattet werden, welches dann leichtlich geschehen konndt, wo man das iuramentum nur auff politischen sachen regulirte, inmaßen dann die keiserlich Mt. beide religionen im Heiligen Reich nach außweißung deß religion fridens geduldet unnd sonnst menniglich bei recht unnd billigkeit gehanndthabt.

    Ann vorgedachter reformation der stifften unnd der juramenten mögen die geistlichen, sonnderlich aber die ertzbischoff unnd bischoff, di zuvorgeleiste pflicht unnd eidt nit hindern, dann sie fur ihre personen mögen dem bapstumb anhengig pleiben, und begerdt sie niemandts mit gewalt davon zutringen; das sie aber wolten unnderstehen, ein soliche reformation, diei dem Heiligen Reich zu wolfarth unnd zuerhaltung friedt unnd einigkeit reichet, zuverhindern oder der ksl. Mt. unnd den stenden deß Reichs ordnung unnd maß darinn zugeben, dahin erstreckhen sich ihre pflichten nicht, es were auch ungereumpt vonn ihnen zuvernemmen. Unnd wo man sich ein soliches hiebevor in auffrichtung /103'/ deß religion fridens hetten wollen irren unnd hindern lassen, so were man nimmer zur einigkeit unnd vergleichung im Heiligen Reich kommen, sonndern hette ein theil den anndern gar vertilgen mussen, welches zuvil bluts wurdt gecostet haben unnd Teutschlanndt daruber zuscheittern gangen sein.

    Zu dem so seindt die beneficia unnd geistliche gueter nit in deß bapsts territorio oder unnder seiner jurisdiction gelegen; er hatt siej auch nit fundirt noch ettwas darzu contribuirt, derowegen man sich vor seinem bann unnd gewalt nichts mehr zubefahren hatt, dann so er gleich einen oder mehr excommunicirn wurde, so hette die ksl. Mt. unnd die stende den oder dieselbige bei deß Reichs constitutionen unnd satzungen hanndtzuhaben. Es solten auch die prelaten unnd geistlichen ihnen diese reformation unnd ordnung nicht zu hoch zuwider sein lassen, in betrachtung, das sie ihnen selbst unnd ihren freunden zu gutem gereichen mögen. Dann wir sehen unnd erfahren, wie wunderbarlich der allmechtig Gott hanndlet unnd wie er ettwan der grossen herrn unnd annderer furnemmer personen hertzen unnd gemüeter rüret unnd sie zu der wahren erkhanndtnuß seines gottlichen worts bringet. Solte nun der izig oder zukhunfftige ertzbischoff oder bischoff einer durch verleihung gottlicher gnaden zu /104/ der augspurgischen confession tretten, so wurde ime jhe beschwerlich fallen, das er darumb seiner dignitet must entsetzt werden, wie ertzbischoff Hermans zu Coln5 exempel außweiset.

    Deßgleichen den fall zusetzen, das ein bischoff oder canonicus izunder eitel bapisten unnder seinen freunden unnd verwanndten hette, welche zu den beneficien gelassen werden, da sich dann in khunfftigem zutruge, das dieselbige gar oder zum theil sich der augspurgischen confession anhengig Šmöchten, so solten dannocht die anndere nicht so unmilt unnd hart gegen ihnen sein, dz sie dieselbigen wolten von den beneficiis außschließen unnd dardurch dem unnderganng ihrer aigenen heuser ursach geben, sonndern sie solten vielmehr dasselbige unnd die nahe blutsfreundtschafft betrachten unnd bei ihnen gelten lassen unnd also ihrer selbsten, ihres gebluts, auch ihres stammens unnd nahmens darunder verschonen, angesehen, wie sich ihre[r] freundt einer heut vom bapstumb abwendet, das er morgen einem anndern, welcher zuerhaltung stammens unnd nahmens sich uf ein stifft zubegeben gemeint, ja ann ihm ein bischoff oder canonicus selbsten sein möchte, das er nur darumb vonn dem stifft abgehalten oder seiner dignitet unnd pfrunden in mangl stehen muste, das wurde ihme freilich hochbeschwerlich fallen; er muste ihme aber selbsten die schult zu- /104'/ messen, das er durch verhinderung obgedachter reformation seinen eigenen unnd seinen freundt nachtheil unnd schimpff verursacht hette. Das aber der römische theil villeicht vermeint, sie wollen durch die starckhen unnd steiffe observantz der juramenten unnd niessung der geistlichen pfründen, auch erlanngung der hohen chur- unnd furstlichen digniteten die fursten, graven, herrn unnd den adel mit gewalt beim bapstumb erhalten oder die abgewichene wider darzu bringen, darinnen werden sie sich, ob Gott will, weit betrogen finden, dann man sihet nit viel furstlicher oder greflicher geschlechter, di der augspurgischen confession zugethan unnd di ire kinder umb deß bauchs unnd zeitlicher ehr willen auff die stifft verordnen. Zubesorgen ist es aber, wie obgemelt, das unnsere religionsverwanndte, als der mehertheils der fursten, graven unnd herrn im Teutschlanndt, inen in die harre ihre altvätterliche stifftungen nit gar werden entziehen noch sich vonn den bapstischen vertringen lassen.

    Soliches alles, wie obgemelt, haben wir ettwas weitleufftiger außführen wollen, gar nicht der meinung, e. kfl. Gnn., vielweniger der ksl. Mt. oder andern stenden deß Reichs furzugreiffen noch denselbigen einiche maß oder ordnung zugeben, wie oder welcher gestallt das werck anzugreiffen unnd furzunemmen, /105/ sonnder allein auß gutem eifferigem gemüeth dem hanndel ferner nachzudenckhen unnd unnserer unvermeidenlicher nothurfft nach, auch gemeinem vatterlanndt teutscher nation zu ruhe unnd wolfarth.

    Dieweil dann dieses werck so heilsam unnd notwendig, wie e. kfl. Gnn. selbst unverborgen, auch unnsers ermessens durch die obangedeutte wege unnd anndere mittel, welche zweiffels ohne die fernere berathschlagung mit sich bringen wurdt, fuglich und wol, ohn einigen tumult unnd zerrüttung gemeines fridens oder zerstörung der furstlichen, grefenlichen unnd adenlichen stifften furgenommen unnd angestellt werden mag, unnd wir nicht zweifflen, da e. kfl. Gnn., daruff alle anndere stende ein auffsehens haben, denen auch, als den furnembsten seulen deß Heiligen Reichs, notturfft unnd wolfarth zubedenckhen unnd zubefurdern obligt unnd di fur anndernn dem allmechtigen darumb rechenschafft thun mussen, diese sachen mit ernst angreiffen, es werde der allmechtig seinen gnadenreichen segen darzu verleihen unnd mittheilen, so Šgelanngt ann e. kfl. Gnn. unnser underthenigsts bitten unnd flehen, e. kfl. Gnn. wöllen nit lenger damit verziehen, sonndern di hochste notturfft deß hanndels betrachten unnd di gnedigste befurderung erzaigen, damit unns uff die deß 66. jars uber- /105'/ gebene, auch diese izig supplication einmaln gnedigster bescheidt ervolgen, auch die sache zu lanng verhofftem unnd gewunschtem gluckseligem ende gelanngen möge. Soliches würd der allmechtig, dene die sachen mitbetrifft, umb e. kfl. Gnn. zweiffels ohne reichlich vergelten. So seindt wir es auch umb e. kfl. Gnn. unndertheniglichen zuverdhienen urbietig, willig unnd bereit etc.

    E. kfl. Gnn. unnderthenig, gehorsame unnd willige die rheinische, frenckische, duringische, hartzgravische, wetterawische unnd anndere der augspurgischen confession verwanndte graven unnd herrn.

    Beilage A:  Supplikation protestantischer Gff. an den Kaiser: Freistellung der Geistlichen, Augsburg 1566.

    Stillstand der Religionsverhandlungen, deshalb Vorbringen ihrer Anliegen. Funktion geistlicher Stifte, besonders Kölns und Straßburgs, als Versorgungsanstalten fürstlicher und adliger Häuser. Ausschaltung protestantischer Kandidaten auf Kapitelplätze und Stiftsämter. Konsequenzen: Mangel qualifizierter Kandidaten, Niedergang fürstlicher und adliger Geschlechter, Störung des Reichsfriedens, Aufteilung der reichsunmittelbaren Territorien, Konflikte zwischen geistlichen und weltlichen Personen. Bitte um Befreiung protestantischer Kandidaten für geistliche Ämter von Vorschriften, die mit ihrem Gewissen unvereinbar sind. Bekenntnis zu allen Verpflichtungen auf Erhaltung der Stifte und angemessenen Lebenswandel. Geringe Hoffnung auf die Beilegung des Problems durch einen Religionsvergleich. Zusammenfassung der petitio.6

    Dem Ks. am 11.5.1566 übergeben.

    HStA München, K. blau 110/5, fol. 93–96 (Kop. Dorsv.: Copi der supplication, so anno 66 ubergeben). Ebd., fol. 230–233' (Kop. Aufschr.: Copia supplicationis von graven unnd herrn anno 66 zu Augspurg ubergeben. Dorsv.: Copi der supplication, so anno 66 ubergeben worden durch die graffen etc. die freystellung betreffent). Druck: Lanzinner/Heil , RTA RV 1566, Nr. 298 S. 1216–1221; Supplicationes (1576), 30–35; Erstenberger , De Avtonomia I (1586), fol. 68'–72; Senckenberg , Sammlung I, 306–313.

    « ŠNr. 39  Protokoll der Beratungen protestantischer kurfürstlicher Räte
    1575 Oktober 26, Mittwoch »

    Textvorlage: Kurpfalz A, fol. 1–3'.

    Beratung der Supplikationen der protestantischen Bürger von Köln und Biberach sowie der Brüder Konrad und Paul Vöhlin von Ungerhausen.

    /1/ (Vormittag) Kfl. Räte von Pfalz, Sachsen und Brandenburg.

    Pfalz proponiert: Es wurd den hern rethen unverborgen sein, weß man sich diser abordnung halb verglichen. Also het stathalter sie abgeordnet. Was nun fur schriften einkomen, wolt man verleßen, und nemlich heten die burger zu Cölln, so sich zur augspurgischen confession bekennen, geclagt, das inen das exercitium des orts nit wolt gestattet werden, mit bit, dieweil sie in gfar stunden, also wenn sie sich nit werden zur catholischen religion bekennen etc., uf mitl zudenken, wie sie das exercitium mochten haben, gwissens halben frey sein und sonst der gefahr ubrig sein mochten.

    Verlesung der Supplikation der protestantischen Bürger der Stadt Köln1.

    Sachsen: Nachdem man sich diser zusamensezung entschlossen, als weren sie darzu verordnet. Und het Sachsen nit anderst gemeint, es solt gestern geschehenen sein, wie sie dann neben Brandenburg erschinen und etlich supplication verlesen. Was nun di von Colln anlangt, do man darvon will reden, wollen sie sich vernemen laßen.

    Brandenburg: Idem.

    /1'/ Pfalz: Es wer mit den colonienses mitleiden zehaben, das sie das exercitium nit haben und darzu in gfar steen sollen, dan wenn sie sich haben zesammen gethan, seind sie zum theil gefangen, eins theils sonst in gfar des ausschaffens steen. Kondt gleichwol nit finden, wie inen zehelffen, dan der religion frid im weg, welchen der landsfurstlicher oder stetlichen obrigkeit fur sich hat. Aber wie den, wer cesar durch furschrift zuersuchen, damit inen ein kirchen, dern vil zu Colln, eingethon werden mocht. So sehen sie, das man sich irer angenommen. Will doch di hern auch horen.

    ŠSachsen: Het dise supplication horen verleßen und verstanden, was ir beschwerden. Und trug mit inen mitleiden; wolt sich auch gern ersprießlich erzeigen. Es wer aber nit ohne; der religion frid leg in weg. Also das man nichts anders kont thun, dann sie apud cesarem zu vorbitten, wie Pfalz fur gut ansihet, dann andere abschaffung nit geschehen kan.

    Brandenburg: Nachdem ir her diser supplication bericht, haben s. kfl. Gn. ein gnedig mitleiden mit inen. Wolt nichts liebers, dann das inen zehelffen sein mocht. Dieweil aber aus gehorten bedenken des religionfridens nichts darzu zethun und sie versteen, das andere uf di furschrift votirn, so thun sie sich mit inen vergleichen.

    /2/ Pfalz: Schleust: Allein liegt inen im weg, das die supplication bloß weder verpetschirt noch die supplicanten specificirt etc.2

    Verlesung der Supplikation der protestantischen Bürger der Stadt Biberach an Kf. Friedrich III. von der Pfalz3 .

    Umfrage. Pfalz: Hetens erwogen und befinden, do die sachen also geschaffen, das sie hart betrangt, derwegen sie nit hilfloß zulassen. Haltens aber mher fur ein politisch werck und erinnern sich, das hiebevor bei Ferdinando dergleichen beschwerden auch furgeloffen4, und wist sonderlich Haller5, das damaln vil oberlendische stet angesucht. Aber helt darfur, sie solten an keiser zu weisen sein, Šob cesar wolt commissarien verordnen, wiewol sie nach Carln von Schwendi6 begern. Oder, do sie nit simpliciter an cesarem solten gwißen werden, wern sie per electores zu furbiten, ex officio zuverschaffen, dieweil es im weltlichen regiment ubel zugeht, einsehens zethun etc.; ungezweivelt cesar werd einsehens haben.

    /2'/ Sachsen: Heten gehort, was Bibrach an Pfalz gelangen lassen. Vernemmen, das die religionsach bei keiser Carln angesponnen7, auch bei Ferdinando ansuchens beschehen. Vernemmen gleichwol nit, das die supplicanten namhafft gemacht. Versehen sich aber, ir her werd sich mit andern leichtlich vergleichen. Fur ir person halten sie es darfur, weil es hievor angefangen und seithero gebliben, auch politisch hendel mit underlauffen und di supplicanten nit specificirt, es werd apud cesarem wenig fruchten.

    Brandenburg: Habens auch gehort. Sei aber irem hern zuvor nichts einkommen. Doch do es will an keiser gelangt werden, wird sich ir her nit absondern, des versehens, cesar als ordinarius loci werde di gebur verfügen.

    Pfalz proponiert, das von den Vhelin zu Ungerßhausen, gebruedern, ein supplication einkommen, das sie di religion 40 jar gehabt und jederzeit evangelische prediger gehabt und also das exercitium herbracht. Aber izo het erzherzog Ferdinand als inhaber des herzogthumbs Schwaben inen dasselb verboten etc. Dieweil sie dann dem Reich ohn mitl zugethon und also des religion fridens zugeniessen haben, biten sie umb hilff etc.

    /3/ Verlesung der Supplikation von Konrad und Paul Vöhlin von Ungerhausen an die protestantischen Kff. 8 Nota: Ist das herzogthumb Schwaben Ferdinandi pfandschilling.

    ŠUmfrage. Pfalz: Es wurde uf dem beruhen, das di Vehlin ausfurn, dasa sie dem Reich ohn mitel underworfen und Ferdinando mit der landsesserei nit underworffen. Do dem also und sie gleichwol das exercitium 40 jar herbracht, heten sie des religionfridens zu getrosten. Und weren sie apud cesarem zufurbiten, mit irem bruder zuverschaffen, das sie darbei gelassen und Ferdinandi vorhaben eingestelt werden mocht, dieweil keiner sine causae cognitione molestirt werden soll, des versehens, andere Kff. werden mit Pfalz einig sein.

    Sachsen: Haben der Vehlin supplication horen verlesen. Nun wer irem hern hievon nichts einkommen, haltens aber darfur, dieweil sie der churfursten vorbit zugeniessen verhoffen, ir her werd sich mit andern vergleichen. Sie fur ir person besorgen, es werd auch beim keiser wenig fruchten, sonder die sach ans cammergericht gehoren.

    Brandenburg: Ob wol dise supplication irem hern nit vorkommen, so halten sie doch darfur, ir herr werd der vorschrift halben kein bedenken haben, sonderlich dieweil im religionfriden versehen, das die freye riterschaft auch darunder gemeint, fiat cum clausula etc.

    /3'/ Sachsen: Es weren irem hern und churfursten zu Brandenburg auch etliche dergleichen supplicationes einkommen, kontens aber izo nit abwarten.

    « ŠNr. 40  Protokoll der Beratungen protestantischer kurfürstlicher Räte
    1575 Oktober 28, Freitag »

    Textvorlage: Kurpfalz A, fol. 4–6.

    Beratung über die Religionsbeschwerden der Ritterschaften des Stifts Fulda und des Eichsfelds, des Gf. Joachim von Ortenburg sowie der protestantischen Bürger von Schwäbisch Gmünd.

    /4/ (Mittag) Kfl. Räte von Pfalz, Sachsen und Brandenburg.

    Pfalz: Heten gesterig zugeschickte acta ersehen und befinden der stat und riterschaft zu Fulda1, item ufm Eichsfeldt2  und dann der stat Duderstat3  fast Šuf gleichen inhalt etc., nemlich beschwern sie sich, das inen das exercitium wider das herbringen, auch declaration des religionfridens, genommen, mit bit zuhelffen, das sie darbei pleiben und dorunder nit beschwert werden mochten4. Nun wusten sie, was bei dem puncto der capitulation alhie furgeloffen5 sambt was sich cesar erclert, nemlich, das ir Mt. begert, ir die sachen heimzustellen, mit erbieten, uf konftigen reichstag di ding richtig zumachen. Weiln nun solche ksl. erclerung vorhanden [d...]a gleichwol bei pfälzischer canzlei vorhanden, aber sovil nachrichtung heten, das es also glaut habe, so wern dise 3 sachen cesari anzebringen, mit erinnerung desselben, und zubiten, mitler weil, bis die sach erortert, alle theil beim exercitio zelassen. Achten unnot, sich mit verlesung der schriften ufzehalten. Stellens doch zu den hern.

    /4'/ Sachsen: Wer der hoffnung, wenn die drei churfursten izo in der person dise drei parteien bei Fulda und Meinz selbs vorbitteten, es solt etwas mer als wenn mans gleich an keiser gelangen ließ, erhalten, und wo je nit mher, doch ufs wenigst den anstanndt.

    Brandenburg: Hab auß den schriften anderst nichts vernommen, dan das sie biten, sie bei Meinz zu furbiten, damit sie beim exercitio gelassen werden mochten. Halten darfur, sei unnot, es gleich an keiser zebringen, uß ursachen, das man sich zubesorgen wie weit leuffig es werden mocht; zu dem es verhofflich uf konftigen reichstag expedirt werden mocht. Von Duderstat wist sein her in specie nichts, als was er izo horte.

    Pfalz: Versteen, das Sachsen und Brandenburg fur gut ansehen, die ding zuvor bei Meinz zesuchen, mit dem anhang, sie bis zuerorterung beim exercitio pleiben zelassen. Mit dem theten sie sich vergleichen, doch do [...]b nichts erhalten, alsden cesari anzebringen.

    Sachsen: Wills zuvor sein gnädigsten hern referirn.

    Brandenburg: Iden. Intercessio kont muntlich beschehen.

    ŠSteet bei den churfursten, obs muntlich oder schriftlich, auch izt alhie oder konftig von hof auß beschehen soll.

    /5/ Pfalz proponiert: Man wist, was grave Joachim von Ortenburg sich uber den herzogen von Beyrn beclagt, das er nemlich an dem exercitio religionis zu Matigkofen und Neydeck uber erlangte ksl. mandata verhindert werde6. Item das der pfleger zu Ortenberg, welchs doch ohn mitl den Reich underworffen, gefangen und ungeacht der mandaten noch also gehalten werde. Item hab etliche zum abfall bewegt und etliche ausgeschafft; item etliche ime, herzogen, pflichtig gemacht. Petitio wer, sich irer anzenemen und di sachen dahin zerichten, das sie bei den mandaten und den irem gelassen und die irigen unbetrangt pleiben mogen wie die schriften außweisen. Nu wer gleichwol diss res pessimi exempli, das die mandata so wenig geachtet und schier verspott werden, hielten aber darfur, dieweil die sach am cammergericht hengig, es wol dahin zuverschieben. Doch wer Beyrn durch di 3 weltlichen churfursten zuersuchen, den grafen unbetrangt und dem cammergericht sein stracken lauff zelassen; wurd aber die antwort also gefallen, das nichts zeschaffen, alßden cesari furzebringen, damit das cammergericht in seiner authoritet plibe und der graf unerlangts rechtens nit molestirt werde.

    /5'/ Sachsen: Ir her habs noch nit gehort. Will der pfelzischen bedenken demselben referirn; zweifls ohn werd sich nit absondern.

    Brandenburg: Sein her wer diser ding von Ortenburg auch bericht und het es dermassen befunden, dieweil die mandata alle sine clausula ausgangen, das es fur den ganzen churfursten rath und also fur di geistlichen sowol als die weltlichen gehorig, dahin es auch zuschieben.

    Pfalz: Die schrift stunde gleichwol an alle Kff., darumb es wol dahin zudirigirn7.

    Sachsen: Wils referirn.

    Pfalz: Ferner verlist Pfalz, was der erbarn frey- unnd Reichs stet gesandten aus Eßlingen von wegen der burger zu Schwebischen Gemundt, welche sich über den rath alda wegen abstellung des exercitii religionis und ausschaffung derjenigen, so sich darzu bekennen, beclagen, an die drei Kff., auch den keiser geschriben8. Biten zuverschaffen, das der process bis uf konftigen reichstag eingestelt werde.

    ŠUmfrage. Pfalz: Dise sach wer fast also geschaffen wie vorgesterigs tags mit Colln furgeloffen9. Wer gleichwol diss hertter, halten aber darfur, do man ursach ghabt, collner halben beim keiser /6/ furbit zethun, es konne dern von Gemundt halben nit weniger beschehen, sonderlich weil sie sich erbieten, bei dem zupleiben, was das Reich erkennen wirdt, mit bit, cesar wöll verschaffen, das sie unausgeschaft pleiben mogen.

    Sachsen: Erinnert sich, was Colln halb furgloffen, welchs auch seinen hern nicht misfellig. Also helt er darfur, sein her werd sich in dißen auch nit absondern.

    Brandenburg: Sein her het hievon nichts gehort; wolts ime referirn; wird sich nit absondern.

    Pfalz: Nachdem an kfl. stathalter glangt, als ob Saxen und Brandenburg fur gut angesehen, dise sachen bei dem kaiser muntlich furzebringen, und solchs irer f. Gn. referirt worden, haben sie sich dahin resolvirtc, das es umbs behalts willen in schriften geschehen soll, damit man auch ein schriftliche antwort mocht haben; schirst aufzelegen.

    « Nr. 41 Protokoll der Beratungen protestantischer kurfürstlicher Räte
    1575 Oktober 29, Samstag »

    Textvorlage: Kurpfalz A, fol. 6'.

    Pfälzische Stellungnahme zur Supplikation der protestantischen Gff. und Hh.

    /6'/ (Vormittag) Kfl. Räte von Pfalz und Sachsen.

    Pfalz: Gesterigem abschid nach hetenn sie pfälzischen stathaltern der grafen und herrn supplication1 anbracht wegen der freystellung und abschaffung der beschwerlichen juramenten uf den stifften etc. Und dieweil Sachsen und Brandenburg darfur, das sie bei der ksl. Mt. zu vorbiten, so lests ime stathalter gfallen, doch das es in schriften geschehe.

    « ŠNr. 42  Protokoll der Beratungen protestantischer kurfürstlicher Räte
    1575 Oktober 31, Montag »

    Textvorlage: Kurpfalz A, fol. 7 f.

    Beschluss, sich bei Kf. Daniel von Mainz für eine Beilegung des Konflikts auf dem Eichsfeld und in Duderstadt einzusetzen und bezüglich der anderen Supplikationen beim Ks. mündlich zu vermitteln. Übergabe eines kurzen Memorials an den Ks.

    /7/ (Mittag) Kfl. Räte von Pfalz, Sachsen und Brandenburg.

    Sachsen: Wer irem hern referirt, was dise tag ghandlet, und helt darfur, sovil Eichsfeldt und Duderstat belanngt, Meinz zuvor zuersuchen, mit bit zu vorkhommung grosser beschwerlicheiten die sach uf linde weg zurichten oder gedult zehaben bis uf könftigen reichstag. Sovil aber Gemund, Colln, Fulda, Vehlin und Bibrach belangt, idem an keiser zebringen, also auch der grafen halb, doch per legationem muntlich und nit in scriptis.

    Pfalz: Sie heten izo verstanden, das die ding, so jungst in beratschlagung an Saxen gebracht, das auch s. kfl. Gn. verstanden, das es wol bedacht, und sei billich, sich irer anzunemmen und intercession zuthun. Und dieweil man einig der intercession halben, wer pfälzischer stathalter meinung, solches in schriften zethon, umb bessers behalts willen; verstunden aber, das es per legationem und muntlich solt geschehen. In dem wolten sie sich gleichwol nit absondern, geben aber nochmal zebedenken, ob nit rathsamer, solches in schriften zethun umb gleiches behalts willen.

    /7'/ Sachsen: Wenn schon die intercession muntlich geschehe, so solt man doch uß allen supplicationen ein extract und memorial1 machen und alßbald daruf neben den supplicationen ubergeben, dan es also zu hof breuchlich.

    Brandenburg: Sei wol jungst davon geredt, die intercession in schriften zethun, welchs ime aucha sein herr nit zewider sein lest. Aber dieweil diss bequemmer, so vergleicht er sich mit Sachsen.

    Pfalz: Thut sich auch mit inen vergleichen.

    Nota: Das memorial soll kurz gestelt werden, als der und der sucht das etc. Dieweil es dan sachen sein, so dem religionfriden zuwider, und ire Mt. selbs wol die gebur verfugen wirdt, so bet man, sich also zuerzeigen, das sie der Kff. bit geniessen mögen und weiterung verhutet werde. Aber Eisfeldt und Duderstat halben wer allein Meinz zuersuchen.

    « ŠNr. 43  Interzession der weltlichen Kurfürsten bei Kaiser Maximilian II. zugunsten supplizierender protestantischer Stände und Untertanen, präs. Regensburg 1575 November 2 »

    Weiterleitung der an die weltlichen Kff. gelangten Religionsbeschwerden protestantischer Bürger an den Ks.: Supplikationen der Gff. und Hh., der Ritterschaft des Stifts Fulda, der Bürger von Köln und Schwäbisch Gmünd, der Brüder Konrad und Paul Vöhlin von Ungerhausen sowie der Bürger von Biberach. Verweis auf 13 Beilagen. Bitte an Ks. Maximilian II., zur Vermeidung schlimmerer Konflikte dafür zu sorgen, dass die Protestanten wenigstens bis zur Klärung der Streitfragen auf dem bevorstehenden RT nicht länger verfolgt und in ihrer Religionsausübung behindert werden.

    Am Mittag des 31.10.1575 in der Sitzung der protestantischen kfl. Räte beschlossen1. Ks. Maximilian II. am 2.11.1575 präsentiert2.

    HStA München, K. blau 110/5, fol. 213 f. (Kop. ohne Beilagen. Schlussvermerk: Der ksl. Mt. zu Regenspurg ubergeben 2. Novembris anno 75.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 110/5, fol. 8–9' (Konz. ohne Beilagen. Schlussvermerk: Der ksl. Mt. zu Regenspurg ubergeben 2. Novembris anno 75.) = B.3

    Š /213/ Allergenedigster herr, nachdem uns bei itziger alhie werender collegial versamblung von etlichena unserer waren christlichenb religion der augspurgischen confession verwandten christen nachfolgende klagen und beschwerungen einkommen, haben wir nit umbgehen konnen noch sollen, solche e. ksl. Mt. in unterthenigkeit fur- und anzubringen.

    Und erstlich haben uns die reinische, frenckische, turingische, hartzgrevische, wetterawische und alle ander berurterc augspurgischen confession verwante graffen und herrn von wegen hiebevor zu mehrmaln gesuchter freystellung der religion uff den hohen stifften etc., auch abschaffung der beschwerlichen juramenten, welche ein ider bischoff oder prelat dem papst leisten muß etc., supplicando ersucht, laut beiligender schrifften sub d -numeris 1 und 2–d,4. Zum andern der usschuß gemeiner ritterschafft des stiffts Fulda betreffendte abstrickhung des nun lang herbrachten exercitii religionis derselbenf augspurgischen confession etc., inhalt der schrifften g -mit 3, 4, 5, 6 und 7 bezeichnet–g,5. Zum dritten die jenigen burger und christen zu Coln, so sich zu solcher religion bekhennen, umb verstattung ebenmessiger übung derselben religion, krafft der supplication h -sub numeris 8, 9 und 10–h,6. Zum vierdten der frey- und Reichs stett jungst zu Eßlingen bei einander geweste gesandten von wegeni etlicherj umb angeregter religion willen zu Schwebischen Gemundtk ausgeschaffter burger l -wider den rath daselbst–l etc., laut der schrifft mit 11m,7 bezeichnet. Zum funfften gleichmessiger betrangnus halben bede, Conrad und Paulus, die Vehlin von Ungerhausen, gebrüder, laut der schrifften mit 12n,8 [bezeichnet]. ŠUnd dan die burger zu Bibrach uber und wider den rath daselbst, als ob von denselben in prophan- sowol als /213'/ in religions sachen nit zum besten gehauset werden solte etc., krafft der schrifften mit 13 signirto,9.  Dieweil dan dises solche sachen sein, so dem uffgerichten hailsamen religion friden p -und der in anno 55 doruff erfolgten declaration–p anhengig, und do denselben nit durch geburliche mitl und weg abgeholffen, leichtlich zu anderer beschwerlichen weitterung und zerrutligkeit ursach geben möcht, welches wir doch, wo muglich, gern verhuettet sehen, also gelangt an e. ksl. Mt. unser unterthenigs bitten, sie wollen alle oberzelte schrifften zu keyserlichem gemuet furen und erwegen, auch verfügen, daß angeregte betrangnussen, q -verfolgungen und anders–q ab- und eingestelt und niemands wider sein gewissen zu einer widerwertigen religion getrungen, r -auch sonsten, sovil insonderheit die stat Bibrach belangt–r, das jenige, so fur die armen bresthafften leut verordent, nit durch andere und reicheres, so es nit bedorffen, verschwendt und prophanirt oder aber uffs wenigst bei den geklagten teilen der instandt biß uff konfftige Reichs versamblung und entliche erorterung diser sachen erhalten werde, t -und also gedachte unsere mit religions verwandten diser unserer unterthenigster furbit furnemlichen und allergnedigst geniessen lassen–t,10. Daran erzeigen e. ksl. Mt. Gott dem allmechtigen ein wolgefelligs und sonsten ein rumlich gemein nutzig werckh, welchs wir auch neben obgedachten supplicanten umb e. ksl. Mt. gantz unterthenigst zuverdienen geflissen und bereit sein wollen, derselben unß zu gnaden gehorsamblich bevelhendt.

    E. ksl. Mt. unterthenigste gehorsame chur- und fursten, Ludwig, Pfgf., Fridrichs etc. gewalthaber, Augustus, hertzog zu Sachsen, Hanß Georg, Mgf. zu Brandenburg.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/kft1575/sectDRel/pages

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    Anmerkungen

    1
    Laut Diarium Sayn-Wittgenstein (nach Schneidt , Geschichte, 508). Zur Vorgeschichte des seit Ende 1574 angestrebten und maßgeblich von Sayn-Wittgenstein vorangetriebenen Projekts der Wetterauer Gff., ihre Freistellungsforderung von 1566 zu erneuern und eine Supplikation an die Kff. zu richten, vgl. ausführlich Moritz , Wahl, 125–136. In Regensburg wurden die Interessen der Gff. von Lic. Johann Antrecht (1544–1607; Hessische Biografie <http://www.lagis-hessen.de/pnd/119607859> [Stand: 28.5.2015]) aus Marburg vertreten; vgl. ebd., 136, 180. – Die Supplikation der protestantischen Gff. und Hh. und ihre Supplikation von 1566 sind die Beilagen 1 und 2 zur Interzessionsschrift der weltlichen Kff. (Nr. 43), die dem Ks. am 2.11.1575 präsentiert wurde.
    2
    Wahrscheinlich fand die Übergabe am 21.10.1575 statt. Zur Präsentation der vom Pfalz-Zweibrückener Rat Lic. Heinrich Schwebel in Zusammenarbeit mit Gf. Ludwig von Sayn-Wittgenstein und Frh. Philipp II. von Winnenberg verfassten und in Regensburg überarbeiteten Supplikation der Wetterauer Gff. vgl. Moritz , Wahl, 180–184; Westphal , Kampf, 22 f., 183–187; Schmidt , Grafenverein, 291–293; Heil , Reichspolitik, 529, 533. Sayn-Wittgenstein vermerkt in seinem Diarium (nach Schneidt , Geschichte, 513): Item seynd ohngefehr 18 oder 20 Grafen beysammen gewesen, und kayserl. Majest. eine Supplication die Freystellung belangend, übergeben. Caesar ad singula clementer respondit, ita tamen ut inspectis literis se amplius deliberaturum promiserit. Anders als angekündigt, reagierte der Ks. weder auf die Supplikation der Gff. noch auf die ihm am 2.11.1575 übergebene Interzessionsschrift der weltlichen Kff. (Nr. 43). In einer Erwiderung der protestantischen Gff. an die weltlichen Kff. (HStA München, K. blau 110/5, fol. 106 f., undatierte Kop.) heißt es: Wir kommen in erfarung, welcher gestalt uf unser der röm. ksl. Mt., unserm aller gnedigsten hern, sowoll als e. kfl. Gnn. selbst jungst alhier ubergebene supplication die freistellung belangendt vor dißmahll keine antwort erfolgen, sonder bis zu kunfftiger gemeyner reichsversamlung verschoben werden soll, dabei wir es dan auch, dweill es dißmahl weiter nicht zu pringen, mußen lassen bewenden. Sein aber dero trostlichen zuversicht, e. kfl. Gnn. werde obberurt unser hochnotwendigs suchen nit ersitzen, sonder zu ernstlicher beforderung ihr in gnaden befohlen sein lassen. Und langt demnach an e. kfl. Gnn. unser underthenigst bitten, sie wollen zu nehistkunfftiger reichsversamlung vor sich selbst diß hochnotwendig, gemein christlich unnd billich werck entweder vor sich selbsten, unserm underthenigsten verhoffen unnd suchen nach, gnedigst erledigen oder uf dero auspleibenn iren vortrefflichen räthen unnd abgesandten zu abhelfung dieser sachen volnkommenen gewalt unnd befelch mittheilen, darzu auch solches bey andern unnd gemeynen stendten bestes fleis dahin befordern, damit es einmahll zu lengst gewunschtem end gepracht und also den vorstehenden undergang der graf- und adlichen uhraltten geschlechter in zeit begegnet worden moge. Vgl. Moritz , Wahl, 183.
    3
    Beilage A.
    4
    = sofern; falls.
    5
    Hermann V. von Wied, 1515–1547 Kf. und Ebf. von Köln († 1552; Gatz , Bischöfe, 755–758), hatte vergeblich versucht, im Erzstift Köln die Reformation einzuführen.
    6
    Regest aus Lanzinner/Heil , RTA RV 1566, Nr. 298 S. 1216.
    1
    Die protestantischen Kölner Bürger klagten darüber, dass sie vom Rat der Stadt an der freien Ausübung ihrer Religion gehindert und ihnen harte Strafen auferlegt würden. Sie baten daher die Kff., sich beim Kölner Rat dafür einzusetzen, dass man ihnen eine nicht anderweitig genutzte Kirche zur Ausübung ihrer Religion überlassen und die Missstände abstellen möge. Ihre Supplikation, die in den Akten zum Regensburger Kurfürstentag nicht ermittelt werden konnte, ist referiert bei Lehmann , De pace II, Nr. 13 S. 269 f., sowie bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 387 f., und Moritz , Wahl, 152 (beide nach Lehmann ). In HStA München, K. blau 110/5, fol. 11–12', Kop., o. O., o. D., ist eine ähnliche Bittschrift der protestantischen Kölner Bürger an die zu Hg. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg abgesandten kurpfälzischen, braunschweigischen und hessischen Räte überliefert (übersandt als Beilage zur Bittschrift der protestantischen Kölner Bürger an Kf. August von Sachsen, Kop., o. O., o. D.: Ebd., fol. 10 f.); Teildruck: Keller , Gegenreformation I, Nr. 199 S. 233 f., präs. Köln, Mai 1575; vgl. Moritz , Wahl, 152, Anm. 1.
    2
    In den Bittschriften an Kf. August von Sachsen und an die kurpfälzischen, braunschweigischen und hessischen Räte (vgl. letzte Anm.) sind die Kölner Bürger nicht namentlich genannt. Die Unterschrift lautet: Ettliche zue der auspurgischer confession in der stadt Colln sich bekhennende burger.
    3
    HStA München, K. blau 110/5, fol. 64–67 (o. O., o. D., ohne Nennung der Autoren. Hd. Eggelspach. Überschr.: Kurtzer und warhafftiger bericht, wie es mit der regierung der statt Biberach im Schwaben beschaffen; Dorsv.: Ist uff dem whaltag anno 75 zu Regenspurg neben anderm der ksl. Mt. copeylich übergeben worden): Erinnerung an die Änderung der Verfassungsordnung durch den von Ks. Karl V. eingesetzten Kommissar Dr. Haß und an die Beschwerden, die die protestantischen Biberacher Bürger Ks. Ferdinand I. vorgebracht haben. Klagen über die Amtsführung des katholisch dominierten Stadtrats: Vetternwirtschaft, Vergeudung der städtischen Einkünfte, Unterdrückung der mehrheitlich protestantischen Bevölkerung. Bitte an den Kf. von der Pfalz, sich für die Ernennung einer Kommission einzusetzen, die die Rechtsverletzungen untersuchen soll und der Karl von Schwendi angehören möge. Bitte um Abstellung der Missstände und Wiederherstellung der freien Ratswahl. Druck mit Abweichungen: Lehmann , De pace II, Nr. 12 S. 266–269. Referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 382–387, und Moritz , Wahl, 153 (beide nach Lehmann ); Pfeiffer , Ringen, 19 f.; Warmbrunn , Konfessionen, 159. – Weitere in HStA München, K. blau 110/5, überlieferte Dokumente betreffend Biberach: fol. 61–62 (Johann Eggelspach, Amtmann zu Wolfstein, an Philipp Wambold von Umstadt in Regensburg abweßendt andern churfurstlichen Pfaltz rathen daselbst zuerbrechen; Lützelstein, 2.10.1575. Or.), fol. 63 (Johann Eggelspach an Philipp Wambold von Umstadt in Heidelberg; Speyer, 8.[Monat unleserlich].1575. Or. Hd. Eggelspach), fol. 68–71 (Entwurf einer Ratswahlordnung für Biberach, 17./18.1.1574), und fol. 72–77 (Wahlordnung von 1551; vgl. Anm. 7).
    4
    Bezug auf die Supplikation der protestantischen Bürger von Biberach an Ks. Ferdinand I. beim Wahltag 1562 (Druck: Naujoks , Kaiser Karl V., Nr. 64 S. 330 f.).
    5
    = Wolf Haller; vgl. Anm.9 bei Nr. 2.
    6
    Karl von Schwendi, RHR ( Gschließer , Reichshofrat, 127; Nicklas , Macht, 18, Anm. 70).
    7
    Bezug auf die Verfassungsänderung in Biberach im November 1551, durch die der neugläubig-zünftische Rat entmachtet und die kleine katholische Minderheit bei der Besetzung der Räte, der Gerichte und der städtischen Ämter bevorzugt wurde; vgl. Naujoks , Kaiser Karl V., 207–212; Warmbrunn , Konfessionen, 116–118. Eine Kopie der von Ks. Karl V. erlassenen Wahlordnung ist überliefert in HStA München, K. blau 110/5, fol. 72–77 (Kop.; o. O., o. D. Dorsv.: Instructio Imperialis Caroli Quinti de creando magistratu bibracensi).
    8
    HStA München, K. blau 110/5, fol. 82–85' (o. O., o. D.; Kop.): Verstöße gegen den Religionsfrieden. Reichsunmittelbarkeit des in der Landvogtei Schwaben gelegenen adligen Guts Ungerhausen. Klage der Brüder Konrad und Paul Vöhlin von Ungerhausen über Ehg. Ferdinand II., der als Pfandbesitzer der Landvogtei die Oberhoheit über Ungerhausen beansprucht und ihnen und ihren Untertanen die Ausübung ihrer seit 40 Jahren praktizierten Religion nicht erlauben will. Bitte an die protestantischen Kff., sich für die Einhaltung des Religionsfriedens und den Schutz der CA-Anhänger einzusetzen. Referiert bei Lehmann , De pace II, Nr. 13 S. 270 f.; Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 388 f., und Moritz , Wahl, 153 (beide nach Lehmann ). In der Akte HStA München, K. blau 110/5, fol. 86–87, folgt ein Schreiben des Paul von Appetzhofen, Verwalter der Landvogtei in Ober- und Niederschwaben, an Konrad Vöhlin (Altdorf, 21.9.1575; Kop., beglaubigt Augsburg, 27.9.1575).
    1
    Gemeint sind wahrscheinlich die in HStA München, K. blau 110/5, fol. 30–60, überlieferten Akten, die Schreiben der Ritterschaft des Stifts Fulda an Kf. August von Sachsen (o. O., 16.10.1575: Ebd., fol. 30 f. Or.; der kurpfälzischen Kanzlei präs. 27.10.1575) und des Lgf. Wilhelm IV. von Hessen-Kassel an Kf. Friedrich III. von der Pfalz (Melsungen, 18.9.1575: Ebd., fol. 32 f. Or.; präs. Regensburg, 6.10.1575) enthalten. In letzterem betont Lgf. Wilhelm die Notwendigkeit, dass die Ferdinandeische Deklaration bey diesem vorstehendenn regenspurgischenn conventu vor allenn dingen der ksl. Mt. in originali vorgelegtt und mitt embsigem vleis angehaltenn werde, das ihre ksl. Mt. solche declaration furtters dem chammergericht insinuire und derselbenn allenthalbenn zugelebenn verordnung thue, und fügt seinem Schreiben zwei Beilagen hinzu. Beilage A: Lgf. Wilhelm IV. von Hessen-Kassel an Kf. August von Sachsen (Melsungen, 18.9.1575: Ebd., fol. 34–35'. Kop.; vgl. zu diesem Schreiben ausführlich Anm.16 bei Nr. 7). Beilage B: Ritterschaft des Stifts Fulda an Lgf. Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (o. O., 5.9.1575: Ebd., fol. 36–38'. Kop., mit weiteren Beilagen a–[d]. Beilage a: Ritterschaft des Stifts Fulda an Abt Balthasar; o. O., 7.10.1574: Ebd., fol. 40–45. Kop. Beilage b: Reaktion des Abts Balthasar von Dernbach; Fulda, 17.2.1575: Ebd., fol. 46–47'. Kop. Beilage c: Reaktion des Dechanten Hermann von Windhausen und des Stiftskapitels auf die Beschwerden der Ritterschaft und der Stadt Fulda, u.a. mit einer Stellungnahme zur Declaratio Ferdinandea; Fulda, 18.6.1575: Ebd., fol. 48–60. Kop. [Beilage d, im Brieftext erwähnt, fehlt: Supplikation der Ritterschaft an Ks. Maximilian II.]). Referiert bei Lehmann , De pace II, Nr. 9 S. 257–261 und Nr. 10 S. 262 f.; Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 370–380. – Die Klagen beziehen sich auf das gegenreformatorische Vorgehen des Fuldaer Fürstabts Balthasar von Dernbach gegen seine protestantischen Untertanen; vgl. Heppe , Restauration, 17–77; Jäger , Fürstentum Fulda, 33–47; Merz , Fulda, 139–141; Schneider , Ius, 257 f., sowie Walther , Abt Balthasars Mission.
    2
    Gemeint ist wahrscheinlich das in HStA München, K. blau 110/5, fol. 14–19' überlieferte Schreiben der Ritterschaft des Eichsfelds an Lgf. Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (o. O., 12.9.1575. Kop.) mit zwei Beilagen. Beilage A: Ritterschaft des Eichsfelds an Kf. Daniel von Mainz (o. O., 9.3.1575: Ebd., fol. 21–24'. Kop. Druck: Heppe , Restauration, Nr. 9 S. 251–256). Beilage B: Antwort Kf. Daniels von Mainz (Aschaffenburg, 22.3.1575: Ebd., fol. 26–29. Kop. Druck: Heppe , Restauration, Nr. 10 S. 257–260). Kopien der Beilagen A und B sandte die Ritterschaft des Eichsfelds auch an Kf. August von Sachsen (o. O., 19.8.1575: GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Ll Fasz. B, unfol. Kop.), den sie darum baten, das Original der Declaratio Ferdinandea zum Kurfürstentag mitzubringen und sich bei Kf. Daniel von Mainz für die Abstellung ihrer Beschwerden einzusetzen. Die Klagen der Eichsfelder Ritter über die Absetzung der protestantischen Prädikanten und ihre Forderungen nach öffentlicher Ausübung der CA und Beachtung der Declaratio Ferdinandea sind referiert bei Lehmann , De pace II, Nr. 10 S. 261 f.; Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 377 f.; zum Engagement des Lgf. Wilhelm IV. von Hessen für die Eichsfelder und Fuldaer Protestanten vgl. oben Anm. 1. Gesandte der Eichsfelder Protestanten in Regensburg waren Wilhelm von Westernhagen und der Hessen-Kasseler Rat Bernd Keudel; vgl. ihr Bittgesuch an Kf. Johann Georg von Brandenburg (o. O., o. D.: GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Ll Fasz. B, unfol. Kop. mit 4 Beilagen), sich auf dem Wahltag gemeinsam mit dem Kf. von Sachsen bei Kf. Daniel von Mainz für die religiösen Belange der Eichsfelder Ritterschaft einzusetzen und beim Ks. die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea zu erwirken. – Zur Rekatholisierung der Kurmainzer Exklave auf dem Eichsfeld seit 1574 vgl. Heppe , Restauration, 78–93; Jürgensmeier , Kurmainz, 83–85; Wand , Reformation, 99–109, 113–123.
    3
    Eine Beschwerdeschrift Duderstadts gegen die Maßnahmen des Mainzer Kf. zur Wiederaufrichtung der katholischen Lehre konnte in den Akten zum Kurfürstentag 1575 nicht ermittelt werden; in den Beschwerden der Eichsfelder Ritterschaft (vgl. oben Anm. 2) wird Duderstadt nur kurz erwähnt. Zur Situation in Duderstadt 1574–1576 vgl. Kiermayr , Reformation; Wand , Reformation, 103 f., 110–112, 114 f.; Merz , Religionsfrieden, 329–331.
    4
    Die Religionsbeschwerden der Fuldaer und Eichsfelder Protestanten sowie der anderen CA-Stände waren dem Ks. bereits am 19.10.1575 von den weltlichen Kff. und dem Pfgf. vorgetragen worden; vgl. Anm.b bei Nr. 9.
    5
    Bezug auf die Kontroverse zwischen den geistlichen und den weltlichen Kff. über die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea in der Wahlkapitulation für Rudolf II.; vgl. Nrr. 610 sowie Nr. 29 und Nr. 31.
    6
    Vgl. Nr. 68.
    7
    Zu den Beratungen im KR vgl. Kurbrandenburg, fol. 193–196' (Nr. 16), fol. 199 (Nr. 17), fol. 219–221' (Nr. 19), sowie Kurpfalz, fol. 91'–93 (Nr. 19).
    8
    In Esslingen versammelte reichsstädtische Gesandte an die Kff. (Esslingen, 27.8.1575): HStA München, K. blau 110/5, fol. 78 f. Kop.; präs. Regensburg, 28.10.1575; mit Beilage: Reichsstädtische Gesandte an Ks. Maximilian II. (Esslingen, 27.8.1575): Ebd., fol. 79–80'. Kop. Referiert bei Lehmann , De pace II, Nr. 11 S. 263–265, bes. 265; Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 380–382, und Moritz , Wahl, 152. Die protestantischen Bürger von Schwäbisch Gmünd hatten auf dem Städtetag in Esslingen gegen ihre vom Stadtrat betriebene Ausweisung protestiert. Der Städtetag hatte dieses Vorgehen als unrechtmäßig verurteilt und beschlossen, zugunsten der protestantischen Bürger bei Ks. und Kff. zu interzedieren, falls der Stadtrat nicht einlenken sollte; vgl. Naujoks , Obrigkeitsgedanke, 187 f.; Wagner , Reichsstadt, 315–318; Fels , Zweyter Beytrag, 245 f. (Beschluss des Städtetags).
    9
    Vgl. Nr. 39.
    1
    Nr. 38.
    1
    Nr. 43.
    1
    Vgl. Kurpfalz A, fol. 7 f. (Nr. 42).
    2
    Die Übergabe eines schrifftlichen Memorial vnd Commendation durch die weltlichen Kff. erwähnen Erstenberger , De Avtonomia I (1586), fol. 84, und nach ihm Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 360. Moritz , dem die Akte HStA München, K. blau 110/5, nicht bekannt war und dem nur die bei Lehmann , De pace II, Nr. 14 S. 271–273 gedruckte (inhaltlich abweichende und nicht übergebene) Version vorlag, vermutete, dass die weltlichen Kff. ihre Interzessionsschrift mit den beiliegenden Supplikationen am 19.10.1575 dem Ks. übergeben hätten ( Moritz , Wahl, 153). Diese Vermutung kann nicht zutreffen, da die Entscheidung, dem Ks. ein Interzessionsschreiben vorzulegen, erst am 31.10.1575 fiel.
    3
    In derselben Akte HStA München, K. blau 110/5, befinden sich zwei weitere Konzz. für Interzessionsschreiben der weltlichen Kff. an den Ks.: Das erste, fol. 89 f., bezieht sich auf die Supplikation der protestantischen Gff. und Hh., das zweite, fol. 90–92, auf die Supplikationen der protestantischen Bürger von Köln, Schwäbisch Gmünd und Biberach sowie der Brüder Konrad und Paul Vöhlin von Ungerhausen. (Obwohl die Version der kfl. Interzessionsschrift auf fol. 90–92 höchstwahrscheinlich nicht diejenige ist, die dem Ks. übergeben wurde, ist sie bei Lehmann , De pace II, Nr. 14 S. 271–273, abgedruckt und mit einer irreführenden Überschrift versehen, die unter den Supplikanten auch die Ritterschaften Fuldas und des Eichsfelds nennt; Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 389–392, referiert den Inhalt nach Lehmann ). Anders als in der dem Ks. übergebenen Fassung, die lediglich Verweise auf die beigelegten Supplikationen enthält, wird in diesen Versionen der Inhalt der Beschwerden referiert und es werden die Forderungen der Protestanten unterstützt. Wahrscheinlich handelt es sich um die von den Kurpfälzer Räten bevorzugten Formulierungen, denn diese hatten mehrfach gefordert, das es umbs behalts willen in schriften geschehen soll, damit man auch ein schriftliche antwort mocht haben; vgl. Kurpfalz A, fol. 6, Nr. 40. Da sie sich gegen den Widerstand von Sachsen und Brandenburg nicht durchsetzen konnten, wurde in der letzten Sitzung am 31.10.1575 beschlossen, ein extract und memorial aufzusetzen (vgl. Kurpfalz A, fol. 7' in Nr. 42), das zusammen mit den Supplikationen aus Schwäbisch Gemünd, Köln, Fulda und Biberach sowie der Brüder Vöhlin und der protestantischen Gff. dem Ks. übergeben werden sollte. Die eigentliche Interzession der weltlichen Kff. beim Ks. sollte mündlich geschehen, jedoch ist unklar, ob und wann diese Unterredung stattgefunden hat.
    4
    Nr. 38 mit der Supplikation von 1566 als Beilage.
    5
    Gemeint sind wahrscheinlich die in HStA München, K. blau 110/5, fol. 30–60, überlieferten Schreiben; vgl. Anm.1 bei Nr. 40.
    6
    Gemeint sind wahrscheinlich die in HStA München, K. blau 110/5, fol. 10–12', überlieferten Bittschriften der Kölner Bürger sowie ihre auf dem Kurfürstentag übergebene Supplikation, die in den Akten nicht ermittelt werden konnte; vgl. Anm.1 bei Nr. 39.
    7
    Gemeint ist wahrscheinlich die in HStA München, K. blau 110/5, fol. 78 f., überlieferte Interzessionsschrift der Reichsstädte; vgl. Anm.8 bei Nr. 40.
    8
    Gemeint sind wahrscheinlich die in HStA München, K. blau 110/5, fol. 82–87, überlieferten Schriften; vgl. Anm.8 bei Nr. 39.
    9
    Gemeint ist wahrscheinlich das in HStA München, K. blau 110/5, fol. 64–67, überlieferte Dokument; vgl. Anm.3 und Anm.7 bei Nr. 39.
    10
    Ein von Lehmann , De pace II, Nr. 14 S. 273, erwähntes ksl. Dekret, in dem Ks. Maximilian II. als Erwiderung auf die Interzession der Kff. erklärt haben soll, daß allerseit der Obrigkeit bericht zu hören, alsdann soll nach gestalt der Sachen an Kayserlicher Hilff nichts ermangeln, ist in den Akten nicht auffindbar.

    Anmerkungen

    a
     Romischen] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
    b
     da] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: das.
    c
     heuser] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: heussern.
    d
     dem] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: den.
    e
     nennen] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: nemmen.
    f
     ihrer] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: ihren.
    g
     wolle] In der Textvorlage: wollen.
    h
     und] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: oder.
    i
     die] Korr. nach B. In der Textvorlage und in C: bei.
    j
     sie] Korr. nach B. In der Textvorlage und in C: sich.
    a
     das] Korr. aus: ob.
    a
     [d...]] Unleserliches Wort.
    b
     [...]] Unleserliches Wort.
    c
     resolvirt] korr. aus: verglichen.
    a
     auch] Korr. aus: aber.
    a
     etlichen] In B danach gestrichen: betrangten christen und.
    b
     waren christlichen] In B Einfügung am Rand.
    c
     berurter] In B Einfügung am Rand; danach gestrichen: der.
    d–d
     numeris ... 2] In B korr. aus: litteris A und B.
    e
     betreffendt] In B korr. aus: von wegen.
    f
     derselben] In B Einfügung am Rand.
    g–g
     mit ... bezeichnet] In B nachträglich ergänzt und korr. aus: sub littera B.
    h–h
     sub ... 10] In B nachträglich ergänzt und korr. aus: sub littera C.
    i
     wegen] In B danach gestrichen: eines raths der stat Schwebischen Gemundt und.
    j
     etlicher] In B danach gestrichen: irer.
    k
     zu Schwebischen Gemundt] In B Einfügung am Rand.
    l–l
     wider ... daselbst] In B Einfügung am Rand.
    m
     11] In B korr. aus: D.
    n
     12] In B korr. aus: E.
    o
     13 signirt] In B korr. aus: F etc.
    p–p
     und ... declaration] In B Einfügung am Rand.
    q–q
     verfolgungen ... anders] In B Einfügung am Rand.
    r–r
     auch ... belangt] In B Einfügung am Rand.
    s
     und reichere] In B nachträglich ergänzt.
    t–t
     und ... lassen] In B Einfügung am Rand.

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    Verweise auf Dokumente der Edition sowie weitere Ressourcen im Web.

    Registereinträge, die auf die Seite(n) dieses Dokuments verweisen.

    Erneute Fassung des Dokuments zum parallelen Lesen.

    « ŠD) Religionsbeschwerden  »

    Vorbemerkung

    Die Beratungen zu den Religionsbeschwerden, die während des Kurfürstentags stattfanden, beschränken sich auf die Eingaben, die von protestantischen Ständen und Untertanen an einzelne oder alle weltlichen Kff. gerichtet wurden.

    Die Nachweise über die Einzeleingaben und die diesbezüglichen Beratungen der kfl. Räte von Pfalz, Sachsen und Brandenburg stammen zum überwiegenden Teil aus der kurpfälzischen Überlieferung und werden hier in einem eigenen kurzen Abschnitt ediert, der aus drei Teilen besteht: 1) Die Supplikation der protestantischen Gff. und Hh. (Nr. 38), die gleichlautend an die protestantischen Kff. und an Ks. Maximilian II. gerichtet war und auf dem Kurfürstentag übergeben wurde. 2) Das Protokoll der Beratungen protestantischer kfl. Räte unter dem Vorsitz der Kurpfalz. Es ist überliefert in HStA München, K. blau 110/5, fol. 1–7' (Reinschr. mit wenigen Korrekturen und gliedernden Randbemerkungen; zit. mit der Sigle Kurpfalz A), und dokumentiert vier Sitzungen, die zwischen dem 26. und dem 31. Oktober 1575 stattfanden (Nr. 39 bis Nr. 42) und in denen die Religionsbeschwerden der protestantischen Bürger von Köln, Biberach und Schwäbisch Gmünd, der Gebrüder Vöhlin von Ungerhausen, der Ritterschaften des Stifts Fulda und des Eichsfelds sowie der protestantischen Gff. und Hh. behandelt wurden. Die ebenfalls dort angesprochene Supplikation Gf. Joachims von Ortenburg (Nr. 68) wurde an den KR verwiesen. 3) Das in den Beratungen der kfl. Räte beschlossene Interzessionsschreiben der weltlichen Kff. beim Ks. zugunsten der supplizierenden Stände und Untertanen (Nr. 43). Die Kff. einigten sich darauf, dem Ks. ihre Vermittlung mündlich vorzutragen, und so handelt es sich bei diesem Dokument im Wesentlichen um ein Begleitschreiben zu den an den Ks. übermittelten protestantischen Beschwerden, deren Inhalt nicht näher erläutert wird. Da die im Text angesprochenen Beilagen fehlen, kann nicht genau ermittelt werden, welche der an die Kff. gelangten Supplikationen (außer der auch an den Ks. gerichteten Supplikation der Gff. und Hh.) an Maximilian II. weitergeleitet wurden.

    « Nr. 38 Supplikation protestantischer Grafen und Herren an die weltlichen Kurfürsten [und an Kaiser Maximilian II.], präs. Regensburg 1575 Oktober 15 »

    Erinnerung an ihre zuletzt auf dem RT 1566 vorgebrachte Supplikation um Freistellung der Stiftsämter und Kapitel. Aufgrund des Stillstands in den Religionsverhandlungen erneutes Vorbringen ihrer Anliegen notwendig: Geltende Vorschriften behindern den Eintritt protestantischer Kandidaten in die geistlichen Stifte. Negative Folgen: Gefährdung des Grafenstands durch ŠZersplitterung des Familienbesitzes, Schäden für das Reich und den inneren Frieden. Ausschluss der Protestanten von den Pfründen widerspricht dem Religionsfrieden und der Gleichbehandlung der Konfessionen in allen anderen Reichsangelegenheiten. Freistellung in den Stiften ist weder eine Gefahr für den Katholizismus, da wie beim RKG beide Konfessionen zugelassen werden sollen, noch für die geistlichen Güter, die nicht erblich gemacht werden sollen. Vorschläge zur Vermeidung von Missbrauch. Bitte um Milderung der Vorschriften für protestantische Kandidaten: Abschaffung der Eide, die mit ihrem Gewissen unvereinbar sind; Beschränkung auf Gehorsam in politischen Angelegenheiten. Bedeutung der Freistellung in den Stiften für den Reichsfrieden und für den Erhalt der Grafengeschlechter.

    Den weltlichen Kff. am 15.10.1575 übergeben1. Dem Ks. übergeben zwischen dem 18. und dem 22.10.15752.

    Š HStA München, K. blau 110/5, fol. 97–105' (Kop.) = Textvorlage. Ebd., fol. 223–228' (Kop. Aufschr.: Copia supplicationis, so graven unnd herrn der freystellung halb ufm waaltag anno 75 ubergeben.) = B. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10198/8, fol. 401–413 (inhaltlich identische, aber fehlerhafte Kop., hier als Supplikation an Ks. Maximilian II.; Dorsv.: Copia der wetterauischen und anderer graven itzo zu Regenßpurg der ksl. Mt. ubergebner supplication.)= C. LHA Koblenz, Bestand 1C, Nr. 16330, pag. 157–170 (lat. Kop., gerichtet an die Kff.). Druck: Supplicationes (1576), 36–50; Erstenberger , De Avtonomia I (1586), fol. 74–83'. Referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 349–360; Moritz , Wahl, 180 f.

    /97/ Durchleuchtigste hochgeborne churfursten, gnedigste herrn. Ewer kfl. Gnn. haben sich gnedigst zuerinnern, mit was vielfeltigem ernst unnd eifer, auch auß was ansehenlichen, dapffern unnd erheblichen ursachen eine christliche freistellung inn der religion, bevorab auf den hohen thumbstifften unnd collegien, bei vorigen regirenden keisern, auch der itzigen ksl. Mt., unnserm allergnedigsten herrn, auff ettlichen gehaltenen reichsversamblungen und noch letzlich anno 66 zu Augspurg laut hiebei verwarter supplication3 gesucht unnd gebetten worden.

    Nun hetten wir ja verhoffet, es solte diese[r] hochnottwendige unnd wichtige articul, an welchem dem Heiligen Romischen Reich, unnserm geliebten vatterlanndt, den churfurstlichen, furstlichen unnd gräflichen heusern, auch gemeiner ritterschafft, zuvorderst aber Gottes deß allmechtigen ehr unnd vieler menschen ewiges heil unnd wolfarth gelegen, fur dieser zeit erledigt unnd diesem beschwerlichen handel abgeholffen worden sein. Dieweil aber solichs bißdaher eingestelt unnd verblieben, nichts destoweniger unnser gewissen, auch unnsere unnd unnserer nachkhommen wolfarth, fur welche wir christliche sorgfeltigkeit zutragen schuldig, unns ermahnet unnd tringet, dieses werck nit ersitzen zulaßen, sonnder mitt hilff unnd zuthun e. kfl. Gnn. als deß Heiligen Romischena Reichs vornembsten seulen, auch annderer christlichen fursten, dasselbig, sovil unns menschen muglich zu treiben unnd zu urgiren biß der allmechtige guttige Gott, der aller menschen hertzen in seinen hannden hatt unnd sonnderlich /97'/ die grossen heupter regieret, dessen hanndt auch noch nit erkhurtzet ist, einmahl gnad unnd segen verleihet (wie wir zu seiner allmacht verhoffen), das solich werckh, so vornemblich zu seinen ehren dhienet, gepflantzt unnd vortgesetzt werde, so haben wir bey itzo der romischenn ksl. Mt., unnsers allergnedigsten herrn, unnd e. kfl. Gnn. sambt dero mittchurfursten, unnserer gnedisten herrn, versamblung nicht umbgehn sollen noch mögen, deßwegen abermals unnderthenigste anmahnung zuthun, ob vielleicht beneben anndern hochwichtigen deß Heiligen Reichs sachen unnd anligen dieser punct, darauff in warheitt nit der geringste theil deß Heiligen Reichs wolfarth stehet unnd Šberuhet, auch in beratschlagung gezogen, mit der itzigen ksl. Mt., auch dem erwölendem unnd kunfftigem haupt deß Heiligen Reichs darvon gehanndlet werden möchte.

    Unnd anfenglichs erachten wir fur unnöttig, e. kfl. Gnn. mit weittlaufftiger erholung unnd erinnerung deßjhenigen, was ann diesem werckh gelegen, auch wie heilsam, nutzlich unnd nottwendig es seye, zubemühen, inn betrachtung, das soliches e. kfl. Gnn. nicht allein auß christlichem, hocherleuchtem, beiwohnendem verstanndt bekhandt unnd offenbar, sonndern auch die acta, handlungen unnd berathschlagungen dieser sachen wegen durch e. kfl. Gnn. unnd anndere unnserer wahren religion der augspurgischen confession verwanndte stende gehalten unnd gepflogen, dasselbig gnugsam bezeugen unnd mit sich bringen. Allein mögen e. kfl. Gnn. wir mit der kurtze nitt /98/ pergen, das unnserm grewlichen als gleichwol dem geringern stanndt im Heiligen Reich, zugeschweigen den chur- unnd furstlichen heusern, denen villeicht soliches beschwerlicher felt dann unns, durch dieses werckh, dab es lenger differirt oder gar abgeschlagen werden solt, ein offenbarer unndergang der furnembsten uralten gräflichen heuser getrowet würdet unnd fur augen schwebet.

    Dann nachdem die iuramenta, pflicht unnd stattuten auf den hohen stifften also geschaffen, auch von tag zu tag dermaßen unnd besonnders seither deß concilii tridentini gescherpfft werden, das wir, wie auch die fursten und die vom adel, so der augspurgischen confession verwandt unnd zugethan, unnsere kinder, freundt unnd verwandten mit guetem gewissen auf die stifft nit thun oder bringen mögen, so spuren unnd erfahren wir täglich, das der jungen grafen unnd herrn anzahl durch Gottes segen sich dermaßen mehret unnd zunimpt, das, wo sie alle weltlich blieben unnd mit ihren brudern in gleichem theil in den erbschafften ghen solten, die uralte grafliche heuser zerrissen unnd annders nichts in kurtzen jaren dann ein endtlicher unndergang deß gräflichen standts, welchen unnsere voreltern mit darsetzung leibs, guts unnd bludts bei dem Heiligen Reich erworben, ervolgen würde. Solte es nun daselbst hin gelangen, so wer es nit allein /98'/ dem Heiligen Reich verkleinerlich unnd nachtheilig, sonndern es möchten auch unnsere kinder unnd nachkhommen die sachen ettwas ernstlicher unnd hitziger zugemuth furen, auch sich erinnern, das demnach ihre löbliche voreltern zu der ehren Gottes, auch auffpflantzung unnd erhaltung der gräflichen heuserc, viel stattlicher ansehenlicher gueter unnd grosser reichthumb zu den stifften gegeben, deren sie billich vehig unnd zugenießen unnd viel lieber das eusserst würden vorsuchen dann sich unnd ihre gantze posteritet von solichen beneficien unnd was denselben anhangt, allein umb deßwillen, das sie demd bapstumb nit anhengig, vertringen unnd entsetzen zulassen. Zu was beschwerlichkeit aber dasselbig gereichen würdet (welches doch der almechtig Gott, die röm. ksl. Mt., e. kfl. Gnn. unnd anndere stände Šdeß Heiligen Reichs gnediglich geruhen abzuwenden), das hatt menniglich reines verstanndts zuermessen unnd abzunemmen, dann es nit allein, wie zubesorgen, bei dem gräfenlichen stanndt bleiben, sonder es würde zu anndern beschwerlichen weitterungen, dardurch die uralte löbliche stiffte in höchste beschwerungen gerathen würden, ursach geben.

    Unnd ist je frembt zu hören, vielmehr aber mit beschwerden zuvernemmen unnd bei den nachkhommen ubel zuverantwortten, das im Heiligen Reich teutscher nation alle stenndt, sie seien der römischen religion oder augspurgischen /99/ confession zugethan, eines allgemeinen fridens sich mit einannder gebrauchen, in Reichs gemeinen unnd particular versamlungen bei einannder sitzen, gleiche stimmen haben, in administration der justitien am ksl. cammergericht beider religions verwandten angenommen, deßgleichen in verrichtung annderer deß Heiligen Reichs geschefften der religion halben kheiner dem anndern furgezogen noch jemanden von wegen der religion durch den anndern geschmehet, verkleinert, vernachtheiligt oder beschwerdt werden solle, darzu auch alle gemeine beschwerden unnd Reichs anlagen als steuer, raiß, volg, contributiones, cammergerichts underhaltung unnd dergleichen, neben den andern tragen unnd leisten mußen, unnd dahero unbillich, das sie von den geistlichen beneficien unnd stifften allerdings außgeschlossen unnd deren die anndern allein vehig sein unnd geniessen solten. Dessen aber unangesehen die jhenigen stende, so sich zu der augspurgischen confession bekhennen, vom anndern theil, so sich catholisch nennene, also von stifften außgeschlossen unnd dergestalt angesehen werden, das man sie auch nit wirdig achtet, auff di stifft unnd ertzstifft zunemmen noch ihrerf loblichen voreltern fundationen unnd benefitien sie wil laßen genießen, sie machen sich dann dem pabst zu Rhom beipflichtig, dardurch sie dann an ihrer höchsten wolfarth der seelen heil unnd seligkeit zum eussersten beschwerdt unnd vernachtheiligt, da doch zu bestenndiger erhaltung ruhe unnd fridens im Heiligen Reich bei diesem puncten weniger nit dann in allen anndern sachen unnd handlungen unnder den stenden ein durch- /99'/ gehende gleicheit billich gehalten unnd observirt werden solte. Auß welcher ungleicheit dann der nießung der geistlichen guter unnd beneficien hochlich zubesorgen, das in di harr annders nichts dann ein grossere verbitterung der gemüeter unnd mißtrawen zwischen den stenden, auch letzlich eine endtliche zerrüttung alles friedtlichen wesens im Teutschlanndt würdt entstehen unnd erwachssen.

    Wiewol wir nun wissen, das sich die romischen catholische stende wider diesen articul der freistellung auf den stifften hefftig legen unnd diese zwei argumenta furnemblich furwenden, als ob man dardurch ihre religion gar außtilligen, auch underm schein der religion nach den geistlichen gutern greiffen unnd sie an sich ziehen wolleg, so haben sie sich doch unnsers ermessens dieser beider Špuncten halben wenig, ja gar nichts zubefahren. Dann sovil das erste belangt, da solle es billich eine freistellung heissen und bleiben und niemandt zu der religion gezwungen oder genöttiget werden, sondern unbetracht was religion einer ist zu den beneficien gelassen unnd auff die stifft angenommen werden. Unnd wie man dasselbig am ksl. cammergericht der gestalt ubet, also hette man es auf den stifften viel besser unnd leichter zu observirn, auch zwischen denen personen, die ohne das mehrertheils einander mit blutfreundtschafft zugethan unnd garnichts zuvermuten, das ein furst, ein graf oder einer vom adell der augspurgischen confession einem anndern, der ihme ver- /100/ wanndt, ob er schon nicht seiner religion, wurde unnderstehn außzuschließen oder zuruckhzustellen, dann do es einer thete, so must er hinwiderumb besorgen, das seinen freunden unnd verwandten mit gleicher maß gemessen wurde. Zu dem wo jemandt solichs begegnete, so hette er sich dessen bei der ksl. Mt. unnd gemeinen stenden zubeclagen unnd umb geburende hulff anzusuchen, inmaßen dan beschehen ist unnd zweiffels ohne noch geschehe, da sich ein gleicher fall mit annemmung eines beisitzers, advocaten unnd procurators am ksl. cammergericht zugetragen oder noch zutruge, unnd diesem were durch ein Reichs constitution unnd satzung leichtlichen zubegegnen unnd furzukhommen.

    Sovil dann das annder arg[u]ment betrifft, da mogen wir fur unnsere personen bei hochster warheit wol betheuern, das unnsere meinung unnd gemüet kheins wegs dahin stehet, unns der geistlichen gueter zuernehren noch sie unns einzuheimschen, khonnen auch nit glauben, das andere stende dasselbig suchen, wie auch soliches kheinem zugestatten, dann dardurch unnserer posteritet wenig gedhienet; sonndern wir halten es gewißlich darfur, do jemandt, er were furst, grave, herr oder vom adel, sich dessen anmaßen, es wurden die uberige stende als interessenten mit ernst darwider sein unnd es kheinen gut heißhen noch ihren posteris diese heilsame stifftungen entziehen lassen.

    Unnd were diesem unnsers ermessens auch wol ein weg zufinden, dann es würden unnsere religionsverwandten unbeschwerdt sein, in auffnemmungen der beneficien /100'/ einen leiblichen eidt zu prestieren, das sie die geistliche guter, wie sie auf sie kommen, bei den stifften laßen und kheine verenderung darunder suchen oder furnemmen noch von anndern zubeschehen gestatten wolten. Unnd im fall die römischen stende damit nit zufriden sein, sonndern noch ferner mißtrawen in unns setzen wolten, da wir doch darfur achten, das sie unns fur redtliche geborne teutsche graven unnd herrn etc., die ihren pflichten unnd eiden nachzusetzen gemeint, halten werden, so seindt wir zum uberfluß dessen erbuttig, wan es ann deme, dz unnserer kinder unnd verwandten einer auf di stifft angenommen oder hernacher zu höhern beneficien unnd digniteten gelangen solten, jedesmaln gnugsame caution unnd sicherheit fur soliche pfrunden zu leisten, das sie von den stifften nicht hinweg gerissen werden solten, auch dieser caution wegen, wo vonnötten, unpartheische erkhanndtnuß zu leiden oder aber unnsere sohne unnd verwanndten, da wir ein soliches nit prestiren Škonnen, von den stifften abzuhalten. Uber das, so hetten auch die ksl. Mt. unnd gemeine stende eine besonndere reichssatzung aufzurichten und soliche alienation, verenderung unnd einziehung der beneficien bei peen der acht in bester form zuverkhomen, auch die execution darmit deß Heiligen Reichs camergerichts ordnung darunder zubevelhen. Wann nun soliche drei wege, oder so scharpff man es immer furkhommen mag, ann di handt genommen, so wurdt ge- /101/ wißlich kheiner, er were was stanndts er wolt, so frefel, unbesonnen unnd unbedacht, das er sich unnderstehn würde, demselben zuwider zuhandlen oder, do er es thete, ist man im Heiligen Reich so mechtig unnd starck, das man einem solichen ubertretter wehren und begegnen kondte.

    Es halten aber ettliche noch fur unmüglich, also starck ist das mißtrawen bei ihnen eingewurtzelt, das soliches einziehen der güeter unnderpleiben würde, dieweil zweifels ohne, wo die religion auf den stifften freigestelt, viel geistliche personen sich in ehestanndt begeben, deren kinder darnach di beneficia nit verlaßen, sonndern bei ihren freunden unnd verwandten hilff unnd beistanndt suchen, darauß dann ein endtliche zerrüttung unnd unndergang der stifft ervolgen würde. Diesem aber ist leichtlich zuantwortten, im fall man sich der obgesetzten mittel gebrauchte, so hette man sich dergleichen nit zubefahren. Es wurdt auch in eines jeden gelegenheit nit sein, zur ehe zugreiffen, sonndern sich viel, unnd vielleicht der gröste theil, beneben der beneficien inn der ksl. Mt., der chur- unnd fursten, auch annderer potentaten diensten in fridens- und krigens zeitten gebrauchen unnd in ehrlichen und ritterlichen dingen uben. Dessen hatt man auch gnugsame exempel nit allein bei ettlichen reformirten stifften in Teutschlandt, sonndern auch in anndern königreichen, als sonnderlich in Hispania, da vielerlei geistliche orden gefunden werden, welchen /101'/ doch der eheliche stanndt mit nichten verbotten ist, auch die gueter bei den stifften ruwig bleiben.

    Ob nun der romische theil sich weitter befahren wolte, wan der augspurgischen confessions verwandter einer zu der ertzbischoffenlichen oder bischoffenlichen digniteten erhaben, so wurde er also baldt di meß sambt dem gantzen babstumb abschaffen unnd dardurch ihr religion gar zu boden gehn, welches inen unleidenlich unnd untreglich, darauf sagen wir erstlich, das unnserm theil der augspurgischen confession eben so hoch bedencklich unnd beschwerlich, unnserer religion, di wir auß Gottes wort wissen zuvertheidigen, ihren lauff unnd vortpflantzung Gottes deß allmechtigen ehr unnd vieler menschen heil unnd ewiger wolfarth zuentgegen also hinderstellen zulaßen. Neben deme, so kundte di fursehung geschehen, das auf obgesetzten fall beide religionen geduldet unnd angerichtet würden (inmaßen dann ann ettlichen ortten, auch unnder geistlichen stenden beide religionen offentlich geubet werden unnd im schwanckh ghen[)] biß sich das capittel einer allgemeinen reformation im gantzen stifft miteinannder vereinigte. Woferr4 auch in der administration unnd Šverwaltung geistlicher oder weltlicher sachen bei den stifften unnd capitulis streit furfallen würde, so hette man sich der exempel deß /102/ keiserlichen cammergerichts gemeß zuverhalten unnd von jeder religion in gleicher anzahl zuverrichtung solcher sachen zuverordnen, auch wo vonnötten ettlicher sonderbarer ordnung unnd satzungen sich mit einannder zuvereinigen.

    Nachdem aber, wie hieoben zum eingang vermeldet, unnserm theil der augspurgischen confessionsverwandten stenden nit höhers im wege ligt noch beschwerlicher furfelt dann die gewonliche ordinationes oder weihungen unnd iuramenta, welche wir gewissens halben nit approbiren noch unnser kinder, freundt unnd verwandte damit obligiren oder verknüpffen mögen, sintemal dieselbige dahin gerichtet, das die canonici auf alle unnd jede babstische statuten, consuetudines novas et antiquas, sonnderlich di seithero gehaltenem concilio zu Trient gemacht unnd eingefurth worden, juriren unnd schweren mussen, unnder welchen statuten unnd ordnungen viel seindt, di unnserer religion stracks zuwider, auch derselbigen noch ettliche aufgerichtt unnd gemacht werden möchte[n]; insonderheit aber ist das iuramentum, so bischoff unnd prelaten dem bapst unnd sonnsten zuerhaltung ihrer confirmation unnd stanndts, welches professio fidei genant, leisten mußen, also geschaffen unnd gewanndt, das es nit allein durch niemandt unnserer religion one verletzung seines gewissens praestirt werden khan, sonndern auch besorglich, das es zu erhaltung friedtliches wesens /102'/ wenig fürtreglich sein wurde unnd deßwegen deß Heiligen Reichs stenden in vielweg hochbedencklich, auch denselbigen allerhanndt gantz beschwerliche clausulae unnd verpflichtungen einverleibt sein, so daß mehrertheils dahin furnemblich gerichtet sein, wie die eingerissene mißbreuch unnd abschewliche irthumb erhalten unnd dargegen unnsere wahre religion der augspurgischen confession unndergetruckt und mit der zeit gar außgerottet werden möchte:

    So bitten unnd begeren wir nit mehr, dann das solche iuramenta unnd beschwerliche ceremonien dergestalt gemiltert, das sie unnserer religion der augspurgischen confession nicht zuwider unnd durch desselben verwandten mit gutem gewissen geleistet und gehalten werden mögen, als nemblich, dz alle und jede stiffts personen, sie seien hohes oder niders standts, nur zu den politischen unnd weltlichen sachen verbunden seien, darbei dann auch di ertzbischoff unnd bischoff der röm. ksl. Mt. als dem obersten haupt in dem Reich unnd di uberige ordines ihrem ertzbischoff undh bischoff in weltlichen sachen zugehorsamen unnd sonsten die statuten unnd ordnungen eines jeden orts in obgemelten politischen sachen zuobservirn schuldig sein sollten. Man möchte auch menniglichen freistellen, entweder die alte gewonliche oder di newe reformirte formulas /103/ iuramenti zu prestiren unnd zuerstatten, allein muß man dasjhenig in den iuramentis statutis oder durch ein gemeine reichssatzung furkhommen unnd caviren, das beide religionen nit allein unnder den stiffts verwanndten Šgeduldet unnd [v]erstattet werden, welches dann leichtlich geschehen konndt, wo man das iuramentum nur auff politischen sachen regulirte, inmaßen dann die keiserlich Mt. beide religionen im Heiligen Reich nach außweißung deß religion fridens geduldet unnd sonnst menniglich bei recht unnd billigkeit gehanndthabt.

    Ann vorgedachter reformation der stifften unnd der juramenten mögen die geistlichen, sonnderlich aber die ertzbischoff unnd bischoff, di zuvorgeleiste pflicht unnd eidt nit hindern, dann sie fur ihre personen mögen dem bapstumb anhengig pleiben, und begerdt sie niemandts mit gewalt davon zutringen; das sie aber wolten unnderstehen, ein soliche reformation, diei dem Heiligen Reich zu wolfarth unnd zuerhaltung friedt unnd einigkeit reichet, zuverhindern oder der ksl. Mt. unnd den stenden deß Reichs ordnung unnd maß darinn zugeben, dahin erstreckhen sich ihre pflichten nicht, es were auch ungereumpt vonn ihnen zuvernemmen. Unnd wo man sich ein soliches hiebevor in auffrichtung /103'/ deß religion fridens hetten wollen irren unnd hindern lassen, so were man nimmer zur einigkeit unnd vergleichung im Heiligen Reich kommen, sonndern hette ein theil den anndern gar vertilgen mussen, welches zuvil bluts wurdt gecostet haben unnd Teutschlanndt daruber zuscheittern gangen sein.

    Zu dem so seindt die beneficia unnd geistliche gueter nit in deß bapsts territorio oder unnder seiner jurisdiction gelegen; er hatt siej auch nit fundirt noch ettwas darzu contribuirt, derowegen man sich vor seinem bann unnd gewalt nichts mehr zubefahren hatt, dann so er gleich einen oder mehr excommunicirn wurde, so hette die ksl. Mt. unnd die stende den oder dieselbige bei deß Reichs constitutionen unnd satzungen hanndtzuhaben. Es solten auch die prelaten unnd geistlichen ihnen diese reformation unnd ordnung nicht zu hoch zuwider sein lassen, in betrachtung, das sie ihnen selbst unnd ihren freunden zu gutem gereichen mögen. Dann wir sehen unnd erfahren, wie wunderbarlich der allmechtig Gott hanndlet unnd wie er ettwan der grossen herrn unnd annderer furnemmer personen hertzen unnd gemüeter rüret unnd sie zu der wahren erkhanndtnuß seines gottlichen worts bringet. Solte nun der izig oder zukhunfftige ertzbischoff oder bischoff einer durch verleihung gottlicher gnaden zu /104/ der augspurgischen confession tretten, so wurde ime jhe beschwerlich fallen, das er darumb seiner dignitet must entsetzt werden, wie ertzbischoff Hermans zu Coln5 exempel außweiset.

    Deßgleichen den fall zusetzen, das ein bischoff oder canonicus izunder eitel bapisten unnder seinen freunden unnd verwanndten hette, welche zu den beneficien gelassen werden, da sich dann in khunfftigem zutruge, das dieselbige gar oder zum theil sich der augspurgischen confession anhengig Šmöchten, so solten dannocht die anndere nicht so unmilt unnd hart gegen ihnen sein, dz sie dieselbigen wolten von den beneficiis außschließen unnd dardurch dem unnderganng ihrer aigenen heuser ursach geben, sonndern sie solten vielmehr dasselbige unnd die nahe blutsfreundtschafft betrachten unnd bei ihnen gelten lassen unnd also ihrer selbsten, ihres gebluts, auch ihres stammens unnd nahmens darunder verschonen, angesehen, wie sich ihre[r] freundt einer heut vom bapstumb abwendet, das er morgen einem anndern, welcher zuerhaltung stammens unnd nahmens sich uf ein stifft zubegeben gemeint, ja ann ihm ein bischoff oder canonicus selbsten sein möchte, das er nur darumb vonn dem stifft abgehalten oder seiner dignitet unnd pfrunden in mangl stehen muste, das wurde ihme freilich hochbeschwerlich fallen; er muste ihme aber selbsten die schult zu- /104'/ messen, das er durch verhinderung obgedachter reformation seinen eigenen unnd seinen freundt nachtheil unnd schimpff verursacht hette. Das aber der römische theil villeicht vermeint, sie wollen durch die starckhen unnd steiffe observantz der juramenten unnd niessung der geistlichen pfründen, auch erlanngung der hohen chur- unnd furstlichen digniteten die fursten, graven, herrn unnd den adel mit gewalt beim bapstumb erhalten oder die abgewichene wider darzu bringen, darinnen werden sie sich, ob Gott will, weit betrogen finden, dann man sihet nit viel furstlicher oder greflicher geschlechter, di der augspurgischen confession zugethan unnd di ire kinder umb deß bauchs unnd zeitlicher ehr willen auff die stifft verordnen. Zubesorgen ist es aber, wie obgemelt, das unnsere religionsverwanndte, als der mehertheils der fursten, graven unnd herrn im Teutschlanndt, inen in die harre ihre altvätterliche stifftungen nit gar werden entziehen noch sich vonn den bapstischen vertringen lassen.

    Soliches alles, wie obgemelt, haben wir ettwas weitleufftiger außführen wollen, gar nicht der meinung, e. kfl. Gnn., vielweniger der ksl. Mt. oder andern stenden deß Reichs furzugreiffen noch denselbigen einiche maß oder ordnung zugeben, wie oder welcher gestallt das werck anzugreiffen unnd furzunemmen, /105/ sonnder allein auß gutem eifferigem gemüeth dem hanndel ferner nachzudenckhen unnd unnserer unvermeidenlicher nothurfft nach, auch gemeinem vatterlanndt teutscher nation zu ruhe unnd wolfarth.

    Dieweil dann dieses werck so heilsam unnd notwendig, wie e. kfl. Gnn. selbst unverborgen, auch unnsers ermessens durch die obangedeutte wege unnd anndere mittel, welche zweiffels ohne die fernere berathschlagung mit sich bringen wurdt, fuglich und wol, ohn einigen tumult unnd zerrüttung gemeines fridens oder zerstörung der furstlichen, grefenlichen unnd adenlichen stifften furgenommen unnd angestellt werden mag, unnd wir nicht zweifflen, da e. kfl. Gnn., daruff alle anndere stende ein auffsehens haben, denen auch, als den furnembsten seulen deß Heiligen Reichs, notturfft unnd wolfarth zubedenckhen unnd zubefurdern obligt unnd di fur anndernn dem allmechtigen darumb rechenschafft thun mussen, diese sachen mit ernst angreiffen, es werde der allmechtig seinen gnadenreichen segen darzu verleihen unnd mittheilen, so Šgelanngt ann e. kfl. Gnn. unnser underthenigsts bitten unnd flehen, e. kfl. Gnn. wöllen nit lenger damit verziehen, sonndern di hochste notturfft deß hanndels betrachten unnd di gnedigste befurderung erzaigen, damit unns uff die deß 66. jars uber- /105'/ gebene, auch diese izig supplication einmaln gnedigster bescheidt ervolgen, auch die sache zu lanng verhofftem unnd gewunschtem gluckseligem ende gelanngen möge. Soliches würd der allmechtig, dene die sachen mitbetrifft, umb e. kfl. Gnn. zweiffels ohne reichlich vergelten. So seindt wir es auch umb e. kfl. Gnn. unndertheniglichen zuverdhienen urbietig, willig unnd bereit etc.

    E. kfl. Gnn. unnderthenig, gehorsame unnd willige die rheinische, frenckische, duringische, hartzgravische, wetterawische unnd anndere der augspurgischen confession verwanndte graven unnd herrn.

    Beilage A:  Supplikation protestantischer Gff. an den Kaiser: Freistellung der Geistlichen, Augsburg 1566.

    Stillstand der Religionsverhandlungen, deshalb Vorbringen ihrer Anliegen. Funktion geistlicher Stifte, besonders Kölns und Straßburgs, als Versorgungsanstalten fürstlicher und adliger Häuser. Ausschaltung protestantischer Kandidaten auf Kapitelplätze und Stiftsämter. Konsequenzen: Mangel qualifizierter Kandidaten, Niedergang fürstlicher und adliger Geschlechter, Störung des Reichsfriedens, Aufteilung der reichsunmittelbaren Territorien, Konflikte zwischen geistlichen und weltlichen Personen. Bitte um Befreiung protestantischer Kandidaten für geistliche Ämter von Vorschriften, die mit ihrem Gewissen unvereinbar sind. Bekenntnis zu allen Verpflichtungen auf Erhaltung der Stifte und angemessenen Lebenswandel. Geringe Hoffnung auf die Beilegung des Problems durch einen Religionsvergleich. Zusammenfassung der petitio.6

    Dem Ks. am 11.5.1566 übergeben.

    HStA München, K. blau 110/5, fol. 93–96 (Kop. Dorsv.: Copi der supplication, so anno 66 ubergeben). Ebd., fol. 230–233' (Kop. Aufschr.: Copia supplicationis von graven unnd herrn anno 66 zu Augspurg ubergeben. Dorsv.: Copi der supplication, so anno 66 ubergeben worden durch die graffen etc. die freystellung betreffent). Druck: Lanzinner/Heil , RTA RV 1566, Nr. 298 S. 1216–1221; Supplicationes (1576), 30–35; Erstenberger , De Avtonomia I (1586), fol. 68'–72; Senckenberg , Sammlung I, 306–313.

    « ŠNr. 39  Protokoll der Beratungen protestantischer kurfürstlicher Räte
    1575 Oktober 26, Mittwoch »

    Textvorlage: Kurpfalz A, fol. 1–3'.

    Beratung der Supplikationen der protestantischen Bürger von Köln und Biberach sowie der Brüder Konrad und Paul Vöhlin von Ungerhausen.

    /1/ (Vormittag) Kfl. Räte von Pfalz, Sachsen und Brandenburg.

    Pfalz proponiert: Es wurd den hern rethen unverborgen sein, weß man sich diser abordnung halb verglichen. Also het stathalter sie abgeordnet. Was nun fur schriften einkomen, wolt man verleßen, und nemlich heten die burger zu Cölln, so sich zur augspurgischen confession bekennen, geclagt, das inen das exercitium des orts nit wolt gestattet werden, mit bit, dieweil sie in gfar stunden, also wenn sie sich nit werden zur catholischen religion bekennen etc., uf mitl zudenken, wie sie das exercitium mochten haben, gwissens halben frey sein und sonst der gefahr ubrig sein mochten.

    Verlesung der Supplikation der protestantischen Bürger der Stadt Köln1.

    Sachsen: Nachdem man sich diser zusamensezung entschlossen, als weren sie darzu verordnet. Und het Sachsen nit anderst gemeint, es solt gestern geschehenen sein, wie sie dann neben Brandenburg erschinen und etlich supplication verlesen. Was nun di von Colln anlangt, do man darvon will reden, wollen sie sich vernemen laßen.

    Brandenburg: Idem.

    /1'/ Pfalz: Es wer mit den colonienses mitleiden zehaben, das sie das exercitium nit haben und darzu in gfar steen sollen, dan wenn sie sich haben zesammen gethan, seind sie zum theil gefangen, eins theils sonst in gfar des ausschaffens steen. Kondt gleichwol nit finden, wie inen zehelffen, dan der religion frid im weg, welchen der landsfurstlicher oder stetlichen obrigkeit fur sich hat. Aber wie den, wer cesar durch furschrift zuersuchen, damit inen ein kirchen, dern vil zu Colln, eingethon werden mocht. So sehen sie, das man sich irer angenommen. Will doch di hern auch horen.

    ŠSachsen: Het dise supplication horen verleßen und verstanden, was ir beschwerden. Und trug mit inen mitleiden; wolt sich auch gern ersprießlich erzeigen. Es wer aber nit ohne; der religion frid leg in weg. Also das man nichts anders kont thun, dann sie apud cesarem zu vorbitten, wie Pfalz fur gut ansihet, dann andere abschaffung nit geschehen kan.

    Brandenburg: Nachdem ir her diser supplication bericht, haben s. kfl. Gn. ein gnedig mitleiden mit inen. Wolt nichts liebers, dann das inen zehelffen sein mocht. Dieweil aber aus gehorten bedenken des religionfridens nichts darzu zethun und sie versteen, das andere uf di furschrift votirn, so thun sie sich mit inen vergleichen.

    /2/ Pfalz: Schleust: Allein liegt inen im weg, das die supplication bloß weder verpetschirt noch die supplicanten specificirt etc.2

    Verlesung der Supplikation der protestantischen Bürger der Stadt Biberach an Kf. Friedrich III. von der Pfalz3 .

    Umfrage. Pfalz: Hetens erwogen und befinden, do die sachen also geschaffen, das sie hart betrangt, derwegen sie nit hilfloß zulassen. Haltens aber mher fur ein politisch werck und erinnern sich, das hiebevor bei Ferdinando dergleichen beschwerden auch furgeloffen4, und wist sonderlich Haller5, das damaln vil oberlendische stet angesucht. Aber helt darfur, sie solten an keiser zu weisen sein, Šob cesar wolt commissarien verordnen, wiewol sie nach Carln von Schwendi6 begern. Oder, do sie nit simpliciter an cesarem solten gwißen werden, wern sie per electores zu furbiten, ex officio zuverschaffen, dieweil es im weltlichen regiment ubel zugeht, einsehens zethun etc.; ungezweivelt cesar werd einsehens haben.

    /2'/ Sachsen: Heten gehort, was Bibrach an Pfalz gelangen lassen. Vernemmen, das die religionsach bei keiser Carln angesponnen7, auch bei Ferdinando ansuchens beschehen. Vernemmen gleichwol nit, das die supplicanten namhafft gemacht. Versehen sich aber, ir her werd sich mit andern leichtlich vergleichen. Fur ir person halten sie es darfur, weil es hievor angefangen und seithero gebliben, auch politisch hendel mit underlauffen und di supplicanten nit specificirt, es werd apud cesarem wenig fruchten.

    Brandenburg: Habens auch gehort. Sei aber irem hern zuvor nichts einkommen. Doch do es will an keiser gelangt werden, wird sich ir her nit absondern, des versehens, cesar als ordinarius loci werde di gebur verfügen.

    Pfalz proponiert, das von den Vhelin zu Ungerßhausen, gebruedern, ein supplication einkommen, das sie di religion 40 jar gehabt und jederzeit evangelische prediger gehabt und also das exercitium herbracht. Aber izo het erzherzog Ferdinand als inhaber des herzogthumbs Schwaben inen dasselb verboten etc. Dieweil sie dann dem Reich ohn mitl zugethon und also des religion fridens zugeniessen haben, biten sie umb hilff etc.

    /3/ Verlesung der Supplikation von Konrad und Paul Vöhlin von Ungerhausen an die protestantischen Kff. 8 Nota: Ist das herzogthumb Schwaben Ferdinandi pfandschilling.

    ŠUmfrage. Pfalz: Es wurde uf dem beruhen, das di Vehlin ausfurn, dasa sie dem Reich ohn mitel underworfen und Ferdinando mit der landsesserei nit underworffen. Do dem also und sie gleichwol das exercitium 40 jar herbracht, heten sie des religionfridens zu getrosten. Und weren sie apud cesarem zufurbiten, mit irem bruder zuverschaffen, das sie darbei gelassen und Ferdinandi vorhaben eingestelt werden mocht, dieweil keiner sine causae cognitione molestirt werden soll, des versehens, andere Kff. werden mit Pfalz einig sein.

    Sachsen: Haben der Vehlin supplication horen verlesen. Nun wer irem hern hievon nichts einkommen, haltens aber darfur, dieweil sie der churfursten vorbit zugeniessen verhoffen, ir her werd sich mit andern vergleichen. Sie fur ir person besorgen, es werd auch beim keiser wenig fruchten, sonder die sach ans cammergericht gehoren.

    Brandenburg: Ob wol dise supplication irem hern nit vorkommen, so halten sie doch darfur, ir herr werd der vorschrift halben kein bedenken haben, sonderlich dieweil im religionfriden versehen, das die freye riterschaft auch darunder gemeint, fiat cum clausula etc.

    /3'/ Sachsen: Es weren irem hern und churfursten zu Brandenburg auch etliche dergleichen supplicationes einkommen, kontens aber izo nit abwarten.

    « ŠNr. 40  Protokoll der Beratungen protestantischer kurfürstlicher Räte
    1575 Oktober 28, Freitag »

    Textvorlage: Kurpfalz A, fol. 4–6.

    Beratung über die Religionsbeschwerden der Ritterschaften des Stifts Fulda und des Eichsfelds, des Gf. Joachim von Ortenburg sowie der protestantischen Bürger von Schwäbisch Gmünd.

    /4/ (Mittag) Kfl. Räte von Pfalz, Sachsen und Brandenburg.

    Pfalz: Heten gesterig zugeschickte acta ersehen und befinden der stat und riterschaft zu Fulda1, item ufm Eichsfeldt2  und dann der stat Duderstat3  fast Šuf gleichen inhalt etc., nemlich beschwern sie sich, das inen das exercitium wider das herbringen, auch declaration des religionfridens, genommen, mit bit zuhelffen, das sie darbei pleiben und dorunder nit beschwert werden mochten4. Nun wusten sie, was bei dem puncto der capitulation alhie furgeloffen5 sambt was sich cesar erclert, nemlich, das ir Mt. begert, ir die sachen heimzustellen, mit erbieten, uf konftigen reichstag di ding richtig zumachen. Weiln nun solche ksl. erclerung vorhanden [d...]a gleichwol bei pfälzischer canzlei vorhanden, aber sovil nachrichtung heten, das es also glaut habe, so wern dise 3 sachen cesari anzebringen, mit erinnerung desselben, und zubiten, mitler weil, bis die sach erortert, alle theil beim exercitio zelassen. Achten unnot, sich mit verlesung der schriften ufzehalten. Stellens doch zu den hern.

    /4'/ Sachsen: Wer der hoffnung, wenn die drei churfursten izo in der person dise drei parteien bei Fulda und Meinz selbs vorbitteten, es solt etwas mer als wenn mans gleich an keiser gelangen ließ, erhalten, und wo je nit mher, doch ufs wenigst den anstanndt.

    Brandenburg: Hab auß den schriften anderst nichts vernommen, dan das sie biten, sie bei Meinz zu furbiten, damit sie beim exercitio gelassen werden mochten. Halten darfur, sei unnot, es gleich an keiser zebringen, uß ursachen, das man sich zubesorgen wie weit leuffig es werden mocht; zu dem es verhofflich uf konftigen reichstag expedirt werden mocht. Von Duderstat wist sein her in specie nichts, als was er izo horte.

    Pfalz: Versteen, das Sachsen und Brandenburg fur gut ansehen, die ding zuvor bei Meinz zesuchen, mit dem anhang, sie bis zuerorterung beim exercitio pleiben zelassen. Mit dem theten sie sich vergleichen, doch do [...]b nichts erhalten, alsden cesari anzebringen.

    Sachsen: Wills zuvor sein gnädigsten hern referirn.

    Brandenburg: Iden. Intercessio kont muntlich beschehen.

    ŠSteet bei den churfursten, obs muntlich oder schriftlich, auch izt alhie oder konftig von hof auß beschehen soll.

    /5/ Pfalz proponiert: Man wist, was grave Joachim von Ortenburg sich uber den herzogen von Beyrn beclagt, das er nemlich an dem exercitio religionis zu Matigkofen und Neydeck uber erlangte ksl. mandata verhindert werde6. Item das der pfleger zu Ortenberg, welchs doch ohn mitl den Reich underworffen, gefangen und ungeacht der mandaten noch also gehalten werde. Item hab etliche zum abfall bewegt und etliche ausgeschafft; item etliche ime, herzogen, pflichtig gemacht. Petitio wer, sich irer anzenemen und di sachen dahin zerichten, das sie bei den mandaten und den irem gelassen und die irigen unbetrangt pleiben mogen wie die schriften außweisen. Nu wer gleichwol diss res pessimi exempli, das die mandata so wenig geachtet und schier verspott werden, hielten aber darfur, dieweil die sach am cammergericht hengig, es wol dahin zuverschieben. Doch wer Beyrn durch di 3 weltlichen churfursten zuersuchen, den grafen unbetrangt und dem cammergericht sein stracken lauff zelassen; wurd aber die antwort also gefallen, das nichts zeschaffen, alßden cesari furzebringen, damit das cammergericht in seiner authoritet plibe und der graf unerlangts rechtens nit molestirt werde.

    /5'/ Sachsen: Ir her habs noch nit gehort. Will der pfelzischen bedenken demselben referirn; zweifls ohn werd sich nit absondern.

    Brandenburg: Sein her wer diser ding von Ortenburg auch bericht und het es dermassen befunden, dieweil die mandata alle sine clausula ausgangen, das es fur den ganzen churfursten rath und also fur di geistlichen sowol als die weltlichen gehorig, dahin es auch zuschieben.

    Pfalz: Die schrift stunde gleichwol an alle Kff., darumb es wol dahin zudirigirn7.

    Sachsen: Wils referirn.

    Pfalz: Ferner verlist Pfalz, was der erbarn frey- unnd Reichs stet gesandten aus Eßlingen von wegen der burger zu Schwebischen Gemundt, welche sich über den rath alda wegen abstellung des exercitii religionis und ausschaffung derjenigen, so sich darzu bekennen, beclagen, an die drei Kff., auch den keiser geschriben8. Biten zuverschaffen, das der process bis uf konftigen reichstag eingestelt werde.

    ŠUmfrage. Pfalz: Dise sach wer fast also geschaffen wie vorgesterigs tags mit Colln furgeloffen9. Wer gleichwol diss hertter, halten aber darfur, do man ursach ghabt, collner halben beim keiser /6/ furbit zethun, es konne dern von Gemundt halben nit weniger beschehen, sonderlich weil sie sich erbieten, bei dem zupleiben, was das Reich erkennen wirdt, mit bit, cesar wöll verschaffen, das sie unausgeschaft pleiben mogen.

    Sachsen: Erinnert sich, was Colln halb furgloffen, welchs auch seinen hern nicht misfellig. Also helt er darfur, sein her werd sich in dißen auch nit absondern.

    Brandenburg: Sein her het hievon nichts gehort; wolts ime referirn; wird sich nit absondern.

    Pfalz: Nachdem an kfl. stathalter glangt, als ob Saxen und Brandenburg fur gut angesehen, dise sachen bei dem kaiser muntlich furzebringen, und solchs irer f. Gn. referirt worden, haben sie sich dahin resolvirtc, das es umbs behalts willen in schriften geschehen soll, damit man auch ein schriftliche antwort mocht haben; schirst aufzelegen.

    « Nr. 41 Protokoll der Beratungen protestantischer kurfürstlicher Räte
    1575 Oktober 29, Samstag »

    Textvorlage: Kurpfalz A, fol. 6'.

    Pfälzische Stellungnahme zur Supplikation der protestantischen Gff. und Hh.

    /6'/ (Vormittag) Kfl. Räte von Pfalz und Sachsen.

    Pfalz: Gesterigem abschid nach hetenn sie pfälzischen stathaltern der grafen und herrn supplication1 anbracht wegen der freystellung und abschaffung der beschwerlichen juramenten uf den stifften etc. Und dieweil Sachsen und Brandenburg darfur, das sie bei der ksl. Mt. zu vorbiten, so lests ime stathalter gfallen, doch das es in schriften geschehe.

    « ŠNr. 42  Protokoll der Beratungen protestantischer kurfürstlicher Räte
    1575 Oktober 31, Montag »

    Textvorlage: Kurpfalz A, fol. 7 f.

    Beschluss, sich bei Kf. Daniel von Mainz für eine Beilegung des Konflikts auf dem Eichsfeld und in Duderstadt einzusetzen und bezüglich der anderen Supplikationen beim Ks. mündlich zu vermitteln. Übergabe eines kurzen Memorials an den Ks.

    /7/ (Mittag) Kfl. Räte von Pfalz, Sachsen und Brandenburg.

    Sachsen: Wer irem hern referirt, was dise tag ghandlet, und helt darfur, sovil Eichsfeldt und Duderstat belanngt, Meinz zuvor zuersuchen, mit bit zu vorkhommung grosser beschwerlicheiten die sach uf linde weg zurichten oder gedult zehaben bis uf könftigen reichstag. Sovil aber Gemund, Colln, Fulda, Vehlin und Bibrach belangt, idem an keiser zebringen, also auch der grafen halb, doch per legationem muntlich und nit in scriptis.

    Pfalz: Sie heten izo verstanden, das die ding, so jungst in beratschlagung an Saxen gebracht, das auch s. kfl. Gn. verstanden, das es wol bedacht, und sei billich, sich irer anzunemmen und intercession zuthun. Und dieweil man einig der intercession halben, wer pfälzischer stathalter meinung, solches in schriften zethon, umb bessers behalts willen; verstunden aber, das es per legationem und muntlich solt geschehen. In dem wolten sie sich gleichwol nit absondern, geben aber nochmal zebedenken, ob nit rathsamer, solches in schriften zethun umb gleiches behalts willen.

    /7'/ Sachsen: Wenn schon die intercession muntlich geschehe, so solt man doch uß allen supplicationen ein extract und memorial1 machen und alßbald daruf neben den supplicationen ubergeben, dan es also zu hof breuchlich.

    Brandenburg: Sei wol jungst davon geredt, die intercession in schriften zethun, welchs ime aucha sein herr nit zewider sein lest. Aber dieweil diss bequemmer, so vergleicht er sich mit Sachsen.

    Pfalz: Thut sich auch mit inen vergleichen.

    Nota: Das memorial soll kurz gestelt werden, als der und der sucht das etc. Dieweil es dan sachen sein, so dem religionfriden zuwider, und ire Mt. selbs wol die gebur verfugen wirdt, so bet man, sich also zuerzeigen, das sie der Kff. bit geniessen mögen und weiterung verhutet werde. Aber Eisfeldt und Duderstat halben wer allein Meinz zuersuchen.

    « ŠNr. 43  Interzession der weltlichen Kurfürsten bei Kaiser Maximilian II. zugunsten supplizierender protestantischer Stände und Untertanen, präs. Regensburg 1575 November 2 »

    Weiterleitung der an die weltlichen Kff. gelangten Religionsbeschwerden protestantischer Bürger an den Ks.: Supplikationen der Gff. und Hh., der Ritterschaft des Stifts Fulda, der Bürger von Köln und Schwäbisch Gmünd, der Brüder Konrad und Paul Vöhlin von Ungerhausen sowie der Bürger von Biberach. Verweis auf 13 Beilagen. Bitte an Ks. Maximilian II., zur Vermeidung schlimmerer Konflikte dafür zu sorgen, dass die Protestanten wenigstens bis zur Klärung der Streitfragen auf dem bevorstehenden RT nicht länger verfolgt und in ihrer Religionsausübung behindert werden.

    Am Mittag des 31.10.1575 in der Sitzung der protestantischen kfl. Räte beschlossen1. Ks. Maximilian II. am 2.11.1575 präsentiert2.

    HStA München, K. blau 110/5, fol. 213 f. (Kop. ohne Beilagen. Schlussvermerk: Der ksl. Mt. zu Regenspurg ubergeben 2. Novembris anno 75.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 110/5, fol. 8–9' (Konz. ohne Beilagen. Schlussvermerk: Der ksl. Mt. zu Regenspurg ubergeben 2. Novembris anno 75.) = B.3

    Š /213/ Allergenedigster herr, nachdem uns bei itziger alhie werender collegial versamblung von etlichena unserer waren christlichenb religion der augspurgischen confession verwandten christen nachfolgende klagen und beschwerungen einkommen, haben wir nit umbgehen konnen noch sollen, solche e. ksl. Mt. in unterthenigkeit fur- und anzubringen.

    Und erstlich haben uns die reinische, frenckische, turingische, hartzgrevische, wetterawische und alle ander berurterc augspurgischen confession verwante graffen und herrn von wegen hiebevor zu mehrmaln gesuchter freystellung der religion uff den hohen stifften etc., auch abschaffung der beschwerlichen juramenten, welche ein ider bischoff oder prelat dem papst leisten muß etc., supplicando ersucht, laut beiligender schrifften sub d -numeris 1 und 2–d,4. Zum andern der usschuß gemeiner ritterschafft des stiffts Fulda betreffendte abstrickhung des nun lang herbrachten exercitii religionis derselbenf augspurgischen confession etc., inhalt der schrifften g -mit 3, 4, 5, 6 und 7 bezeichnet–g,5. Zum dritten die jenigen burger und christen zu Coln, so sich zu solcher religion bekhennen, umb verstattung ebenmessiger übung derselben religion, krafft der supplication h -sub numeris 8, 9 und 10–h,6. Zum vierdten der frey- und Reichs stett jungst zu Eßlingen bei einander geweste gesandten von wegeni etlicherj umb angeregter religion willen zu Schwebischen Gemundtk ausgeschaffter burger l -wider den rath daselbst–l etc., laut der schrifft mit 11m,7 bezeichnet. Zum funfften gleichmessiger betrangnus halben bede, Conrad und Paulus, die Vehlin von Ungerhausen, gebrüder, laut der schrifften mit 12n,8 [bezeichnet]. ŠUnd dan die burger zu Bibrach uber und wider den rath daselbst, als ob von denselben in prophan- sowol als /213'/ in religions sachen nit zum besten gehauset werden solte etc., krafft der schrifften mit 13 signirto,9.  Dieweil dan dises solche sachen sein, so dem uffgerichten hailsamen religion friden p -und der in anno 55 doruff erfolgten declaration–p anhengig, und do denselben nit durch geburliche mitl und weg abgeholffen, leichtlich zu anderer beschwerlichen weitterung und zerrutligkeit ursach geben möcht, welches wir doch, wo muglich, gern verhuettet sehen, also gelangt an e. ksl. Mt. unser unterthenigs bitten, sie wollen alle oberzelte schrifften zu keyserlichem gemuet furen und erwegen, auch verfügen, daß angeregte betrangnussen, q -verfolgungen und anders–q ab- und eingestelt und niemands wider sein gewissen zu einer widerwertigen religion getrungen, r -auch sonsten, sovil insonderheit die stat Bibrach belangt–r, das jenige, so fur die armen bresthafften leut verordent, nit durch andere und reicheres, so es nit bedorffen, verschwendt und prophanirt oder aber uffs wenigst bei den geklagten teilen der instandt biß uff konfftige Reichs versamblung und entliche erorterung diser sachen erhalten werde, t -und also gedachte unsere mit religions verwandten diser unserer unterthenigster furbit furnemlichen und allergnedigst geniessen lassen–t,10. Daran erzeigen e. ksl. Mt. Gott dem allmechtigen ein wolgefelligs und sonsten ein rumlich gemein nutzig werckh, welchs wir auch neben obgedachten supplicanten umb e. ksl. Mt. gantz unterthenigst zuverdienen geflissen und bereit sein wollen, derselben unß zu gnaden gehorsamblich bevelhendt.

    E. ksl. Mt. unterthenigste gehorsame chur- und fursten, Ludwig, Pfgf., Fridrichs etc. gewalthaber, Augustus, hertzog zu Sachsen, Hanß Georg, Mgf. zu Brandenburg.