Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Kurfürstentag zu Regensburg 1575
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort der Abteilungsleiterin

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Vorwort der Bandbearbeiterin

Vorwort der Bandbearbeiterin

Archivalien und Handschriften

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Gedruckte Quellen

Gedruckte Quellen

Literatur

Literatur

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Einleitung

A) Proposition

B) Kurfürstenratsprotokoll

C) Akten zur Wahl

C) Akten zur Wahl

  • Vorbemerkung
  • Nr. 23 Vollmacht Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 19
  • Nr. 24 Instruktion Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 20
  • Nr. 25 Bericht über den Einzug des Kaisers und der Kurfürsten in Regensburg (1575 Oktober 3–7)
  • Nr. 26 Revers Kaiser Maximilians II. für die Kurfürsten wegen der Anwesenheit anderer Fürsten und Gesandtschaften während der Wahl, Regensburg 1575 Oktober 14
  • Nr. 27 Kaiser Maximilian II. an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 17
  • Nr. 28 Kurfürst August von Sachsen an Kaiser Maximilian II., Regensburg 1575 Oktober 18
  • Nr. 29 Erklärung Kaiser Maximilians II. zur Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 30 Bedenken Kurfürst Augusts von Sachsen zur Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 31 Bericht über die Verhandlungen des Kaisers mit den weltlichen Kurfürsten und Pfalzgraf Ludwig betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea (1575 Oktober 15–22)
  • Nr. 32 Einladung des Erzbischofs Daniel von Mainz an seine Mitkurfürsten (hier: an Kurfürst August von Sachsen) zur Wahl eines römischen Königs, Regensburg 1575 Oktober 22
  • Nr. 33 Proklamation König Rudolfs II. als erwählter römischer König, [Regensburg 1575 Oktober 27]
  • Nr. 34 Wahldekret für König Rudolf II., Regensburg 1575 Oktober 27
  • Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1
  • Nr. 36 Beschreibung von Wahl, Krönung und Bankett (1575 Oktober 27 und November 1)
  • Nr. 37 Bestätigung der Rechte und Privilegien der Kurfürsten (hier: des Kurfürsten August von Sachsen) durch König Rudolf II., Regensburg 1575 November 2
  • D) Religionsbeschwerden

    E) Akten zur Nebenhandlung

    E) Akten zur Nebenhandlung

  • Vorbemerkung
  • Nr. 44 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 45 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 46 Resolution Kaiser Maximilians II. zur Einberufung eines Reichstags, präs. 1575 Regensburg November 1
  • Nr. 47 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Polen, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 48 Instruktion der Kurfürsten für Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg zum Wahltag in Polen, Regensburg 1575 Oktober 28
  • Nr. 49 Rede der kurfürstlichen Gesandten Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg vor den polnischen Ständen, [beschlossen Regensburg 1575 Oktober 28]
  • Nr. 50 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 51 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 52 Supplikation der wendischen Städte an die Kurfürsten, präs. Regensburg 1575 Oktober 19
  • Nr. 53 Vortrag Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Moskau,[ präs. Regensburg 1575 Oktober 24]
  • Nr. 54 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Gesandtschaft nach Moskau, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 55 Bedenken der kurfürstlichen Räte zur Gesandtschaft nach Moskau, Regensburg 1575 November 3
  • Nr. 56 Resolution der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg zum geplanten Kriegszug des Pfalzgrafen Johann Casimir nach Frankreich, Regensburg 1575 Oktober 29
  • Nr. 57 Schreiben der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 30
  • Nr. 58 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zu Ernst von Mandesloe, Regensburg 1575 Oktober 31
  • F) Supplikationen

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    « ŠE) Akten zur Nebenhandlung  »

    Vorbemerkung

    Die die ksl. Hauptproposition betreffenden Akten zur Wahl des röm. Kg. sind in Abschnitt C dokumentiert. Daneben wurden von Ks. Maximilian II. einige Nebenpropositionen zu reichspolitischen Themen vorgelegt, die hier zusammen mit den entsprechenden Resolutionen und anderen dazugehörigen Dokumenten ediert werden. Neben den schriftlich vorgebrachten Propositionen sind hier auch die vom ksl. Rat Dr. Viehauser vorgetragenen mündlichen Anzeigen zum geplanten Kriegszug des Pfgf. Johann Casimir und zum Aussöhnungsgesuch Ernst von Mandesloes berücksichtigt. Die Akten werden im Volltext wiedergegeben und gemäß ihrem thematischen Zusammenhang zugeordnet. Die Reihenfolge der Themen entspricht dem Verlauf der Beratungen im KR.

    Bei den Dokumenten zur Türkenabwehr konnte die Überlieferung aus dem Mainzer Erzkanzlerarchiv als Textvorlage oder Kollationierungsexemplar herangezogen werden. Bei allen anderen Themen musste auf Abschriften aus der kfl. Überlieferung zurückgegriffen werden, da Exemplare aus der ksl. oder der Kurmainzer Kanzlei fehlen.

    « Nr. 44 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, präs. Regensburg 1575 Oktober 24 »

    Die Zusammenkunft der Kff. bietet die Gelegenheit für die Erörterung dringender Reichsangelegenheiten. Erinnerung an die in der Vergangenheit auf vielen RVV diskutierte Türkengefahr. Verschärfung der Lage an den Grenzen des Reichs durch die immer näher heranrückenden und an Stärke zunehmenden Türken. Hoher Kostenaufwand durch den gezwungenermaßen mit dem Sultan geschlossenen Frieden und durch die Sicherung des Grenzgebiets. Bericht über die jüngsten Grenzübergriffe durch die Türken, denen die geschwächten habsburgischen Truppen an der Grenze nichts mehr entgegenzusetzen haben. Trotz der ksl. Friedensbemühungen bislang keine Bestätigung der vom Ks. angestrebten Verlängerung des Friedens; stattdessen fortwährende türkische Überfälle und Nachrichten über einen bevorstehenden Hauptangriff des neuen Sultans auf die ksl. Erblande und das Reich. Bisherige Türkenhilfen kein effektives Mittel zur dauerhaften Abwehr der Türken. Erforderliche Schritte zur Abwehr der drohenden Gefahr: Beschluss einer stattlichen Reichshilfe zur Abwehr einer Offensive des Sultans in Ungarn; Verheerung der feindlichen Grenzgebiete und Burgen; Fortsetzung dieser Maßnahme im Winter, um den Feind nachhaltig zu schwächen; Beschluss einer beharrlichen Hilfe und eines stehenden Heers im Grenzgebiet, damit die ungarische Grenze Šgehalten werden kann, die der Ks. nicht länger alleine verteidigen kann. Im Gegenzug Bemühen des Ks. um die Bildung einer antitürkischen Allianz mit ausländischen Mächten. Bitte an die Kff. und Pfgf. Ludwig, zur Beratung der Türkenabwehr und anderer wichtiger Reichsangelegenheiten einen RT zu bewilligen und persönlich zu erscheinen.

    Den Kff. und Pfgf. Ludwig am 24.10.1575 in der ksl. Herberge übergeben1 und am selben Tag kopiert2. Am 25.10.1575 im KR verlesen und beraten3.

    HHStA Wien, MEA, RTA 73, unfol. (Kop. Am äußeren Seitenrand beschädigt. Überschr.: Ksl. Mt. vortrag mit erzelung des turcken fridpruchigen kriegwesens halb. Am unteren Rand: Presentatum per imperatorem principibus electoribus Ratisponae 24. Octobris anno 1575.) = Textvorlage. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 10–25' (undatierte Kop.) = B. HStA München, K. blau 100/1, fol. 181–193' (Kop. Dorsv.: Ksl. Mt. proposition des turcken unnd neuen reichstags halben.) = C. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 4–13' (undatierte Kop.). Knapp referiert bei Moritz , Wahl, 176.

    Die römisch kaiserliche, auch zu Hungern unnd Behaim künigcli[che] Mayestat, unser allergenedigister herr, wissen sich gleichwol zu[er]inndern, von was sonderbaren sachen wegen gegenwerttige ihrer k[sl.] Mt. und des Heiligen Reichs churfürsten zusammenkonfft angest[elt] worden. Nichtsdestoweniger aber können ir ksl. Mt. aus vätterlicher trewer sorgveltigkait nit umbgehn, iren kfl. Gnn. und der abwesenden churfürstlichen Pfaltz verordneten gewalthaber unnd räthen bey diser gelegenhait auch dasjhennig freundtlich und gnedigist furzutragen und zu gemüett zufuren, so nit weniger des Heiligen Reichs teütscher nation und gemainer gantzen christenhait als ihrer ksl. Mt. erblichen khünigreich und lannde höchste notturfft erfordert.

    Und nachdem ihren churfurstlichen gnaden, so wol auch fürsten und andern des Heiligen Reichs stennden hievor auf vilen underschidlichen so wol bey irer Mt. herrn vatters weilendt kaiser Ferdinanden etc. hochlöblichister gedechtnus regierung als auch hernach gehaltnen Reichs versamblungen ausfurlich vor augen gestellt worden4 die grosse nott und gefahr, darinn das Hailig Reich teütscher nation sambt andern christlichen khunigreichen unnd lannden von wegen des grausamen erbfeindts christlichs nammens und glaubens, des türken, nuhn lange zeitt gestanden, so achten ihr ksl. Mt. für unnötig, dasselb dis ortts weitleuffig zuerholen.

    ŠWiewol nuhn die sachen seithero inn nichten besser worden, sonder sich dises vheindts halben ye lenger ye beschwerlicher ertzaigen, daheer da[nn] ir ksl. Mt. vor der zeitt vil mehr ursach gehabt, auch ires thails genaigt gewesen, den weeg des kriegs als fridens an die handt zunemmen, so haben doch ir ksl. Mt. für augen gesehen und nit unbillich behertzigt, mit was fur ainem und nemblich sölchem vheindt ir ksl. Mt. zuschaffen, so gemainer gantzen christenhait (die unglaubigen, deren vil nit weniger vor disem tyrannen teglichs in sorgen sitzen, zugeschweigen) ain schwere burde ist. // Dann erstlich hat mann bisher laider nur zuvil erfahren dises vheindts übermässige macht, welche irer ksl. Mt. und dero erblichen khunigreichen unnd lannde, auch also des Reichs teutscher nation halben sovil gewaltiger zuachten, umb wievila er dieselb sein macht an volck, geschütz unnd anderm näher, unnd da er sölches alles hievor gar von Constantinopel unnd andern weitentlegnen ortten zusammen und kaum in langer zeitt, auch nit one grossen unkosten, muhe und ungelegenhaitb herauf bringen muessen, dasselb yetzt inn Hungern und gleich an irer Mt. gränitzen der niderösterreichischen lannde an der hanndt hatt, welche macht durch seiner leüthe kriegserfarnus und dann den grossen gehorsam, so er bey denselben hat, nit wenig gestärckt wirdet. Zudem, das er auch nit allain andere unglaubigen, zuvorderist die tartarn5, sonder auch christen, als die moldawer und walachen, seines gefallens aufzubringen und mit denselben irer ksl. Mt. wie auch andere mehr khunigreiche und lannde inn grosser antzall zuuberfallen, verderben unnd zuverhergen gelegenhait hatt. Daneben auch diser zeitt mit kainem andern potentaten, sonderlich auf dem lanndt, inn krieg steht6 unnd derwegen, neben obangeregtem an der handt habenden vorthail, auch alle andere seine macht daher wenden kan.

    Dieweil dann dem also, hingegen aber weder irer ksl. Mt. noch ainiches andern christlichen potentaten macht also geschaffen, dz dieselb allain und one anderer stattliche zuesetzung und hilff disem übermächtigen vheindt bestenndigen widerstanndt zuthun gnuegsam sein möchte, unnd aber nit allain ir ksl. Mt. bisheer das irig alles angegriffen, sonder auch irer Mt. khunigreich und lanndt, als die es seit weilendt khunigs Ludwigen laidigen niderlag7 und also nuhnmehr in das funfftzigist jahr mit disem vheindt getriben und das eusserst gethan, dermassen erschöpfft, ainstails auch verderbt und verheergt, das nuhnmehr irer Mt. sambt denselben iren khunigreichen und landen // Šauch die nottwenndige ordinari erbawung und underhaltung de[r] grenitze lenger nit vermöcht; daneben auch kaine sonderlich der ze[it] erlangte und sölche hülffen gehabbt, so gegen disem vheindt im wenigisten erkhlekhten; und dann über dises alles die aufpott und zuezüge, deren sich ihr ksl. Mt. mit den stennden berürtter irer künigreich und lannde verglichen, des von vilen ortten zusammengeprachten gemainen ungeuebten volckß halben dermassen schlecht und sonst also geschaffen, das sich auf dieselben wenig zuverlassen, so seindt dem allem nach ir ksl. Mt. vor der zeitt aus not tringenlich verursacht worden, c -den friden dem krieg–c vorzusetzen und denselben an der türkhischen portten erhandlen zulassen8. Gleich wie nuhn sölcher fridt mit grosser mühe, unkosten unnd nachsehung erlangt, also ist er auch nit mit geringer aufwendung unnd beschwernus erhalten worden. Seytemal allain dasjhennig, so ir ksl. Mt. dem türkischen sulthan sambt seinen vesier und officiern jährlichs hinein geschickt, sich ausser der extraordinari verehrungen, deren ihr ksl. Mt. gegen ettlichen nit übrig sein mögen, auch anderer nottwenndigen ausgaben über ainhundert tausent taler, und also die zeittheero vast ain million anlaufft. Neben welchem ir ksl. Mt. nit weniger als bey kriegszeitten die gränitze, welche sich von Sibenburgen bis an den venedischen golfo über die zwayhundert meilen weegs erstreckhen, mit merklicher grosser unnd, wie auch oben angeregt, irer ksl. Mt. unnd dero erblichen khünigreichen unnd lannden allain zutragen unmöglicher darlag besetzen unnd erhalten muessen.

    Wie ungewis aber bey disem allem sölcher fridt seye und wie wenig sich darauf zuverlassen, sölches ist mann bisheer zuvil innen worden unnd hatt die erfahrnus bey yetzigem fridtstandt wie auch vor- // maln yederzeitt zuerkhennen geben, das, ob gleich dergleichen fridt getroffen unnd beschlossen wirdett, derselb doch nit in irer Mt., sonder des vheindts handen steht unnd seines gefallens gehalten würdt, wie sich dann auch zu im als ainem hayden, bey dem weder trawen noch glauben anders nit zuversehen als wie bey wehrenden fridtstanndt täglichs ervolgt ist, nemblich das seine leüthe inn irer Mt. dition gefallen, die jhennigen krais oder spanschafften, fleckhen und dörffer, so hievor niemaln den türken underwürffig oder zinsbar gewesen, mit gewalt zur huldigung und zinsraichung genöttigt, und, da sich dieselben widersetzet, mit schwerdt und fewr vheindtlicher weis angegriffen; wie sy dann auch sonst nit underlassen, irer Mt. getrewe underthonen hin unnd wider inn iren heüsern unnd auf dem vheldt zuuberfallen, von der arbait hinweckzufuren, ir viech und was sy bekommen mögen zurauben, ire heüser zu blündern und zuverprennen unnd also nit anderst zu hausen als ob kain fridt, sonder offner khrieg were. ŠBey welchem sy es nit pleiben lassen, sonder sich vilfältigclich understanden, irer ksl. Mt. dero heüser haimblich abzusteigen oder mit gwalt abtzudringen, wie dann innsonderhait (anders, so sich bey werendem fridtstanndt vilfaltigclich zuegetragen, disßortts zugeschweigen) der bassa von Ofen9 im verschinen monatt Julio unversehener dinge ettliche tausent zu rosß unnd fueß bey Peßt zusamen gepracht unnd sölch khriegsvolckh sambt ettlichen mawerprecherinen und anderm geschütz under des sanziacken von Gran10 bevelch für11 Plawenstain12, volgendts nach eroberung desselben vor Dywin13 geschickt und dasselb auch beschossen unnd eingenommen hat14. Und ob wol er, bassa, under sölcher baider heüser belegerung furgeben // und die sach dahin deütten wöllen, das sein vheindtlichs furnemmen allain wider den Johansen Balasa15, welchem bemelte heüser zuegehören, angesehen were, den er von weegen seiner ime und anderen türken bewisnen spottstucke also straffen wolte, mit dem neben vermelden, das er wider ir ksl. Mt. und dero heüser dem friden zuwider ichts fürzunemmen mit nichten, sonder denselben unverprüchlich zuhalten gemaint were, auch hernach, als eben zu der zeitt, da Dywin erobert worden, ain ander türkischer hauff dißseitts der Tonaw eingefallen unnd irer Mt. one mittel zuegeheriges schlosß Fonodt16 beschossen unnd eingenommen, fürwenden dörffen, das es one sein vorwissen beschehen, mit dem vertrösten, nach dem er sich an gedachtem Balassa gerochen hette, das, wo ir ksl. Mt. das inn eyl an d -der perkstetterischen grenitze–d (allain zur defension) versamblet khriegßvolck wurde abtziehen lassen, er sein heer auch zu ruckh fordern wolte, so hat er doch demselben seinem betrüglichen und allain zu dem ende gethanen erpietten, damit er ir ksl. Mt. mit dero gegenrüstung aufhalten möchte, zuwider alsbaldt das haus Somoßko17 inn seinen gewalt pringen lassen. Wie dann auch der bassa von Temeschwär18 sich eben derselben zeitt mit ainer stattlichen antzall volckß Šherauf nit weitt von Zolnock19 begeben, also das mann der ortten auch in sorgen und sonderlich der vesstung Kalo20 halben in gefahr (wie auch noch) stehn muessen.

    Darauf gleichwol ihr ksl. Mt. nit underlassen, bemelten bassa von Ofen zum andernmal durch sondere gesandten21 umb restitution berurtter, one ainiche ursach abgetrungnen heüser zuersuechen, auch entlich, nachdem bey ime dasselb nit zuerhalten geweßt, alles was hierundter fürgangen an irer Mt. oratorn zu Constantinopel22, sölche restitution so wol auch die abstöllung wei- // terer thättlichen handlung daselbst zu prosequieren, gelangen zulassen.

    Dieweil aber ir ksl. Mt. alberaitt von yetztgedachtem irem oratorn sovil berichts entpfangen, das, was also von dem bassa zu Ofen furgenommen, nit one seines herrn vorwissen unnd bevelch beschehen, daneben auch befunden, das, ob wol er, bassa, sein vor den perckhstetten gehabtes khriegsvolckh widerumb abgefordert unnd daneben ain assecuration von sich gegeben, aller fernerer thättlichait sich zuenthalten und der fridens capitulation gemesß zuleben, das doch die seinen irer ksl. Mt. getrewen underthonen mit straiffen, plündern, rauben unnd prennen härtter als hievor nimmer zuesetzen, auch ausser dessen was zuvor und nit allain dis yetzig jahr, sonder die gantze zeitt des währenden fridtstanndts vilfältigclich und an allen grenitzen fürgangen, den dreyzehenden verschines monats Augusti der begh in Posega23 mit ainer grossen antzal volckß zu rosß unnd fueß auf Copreinitz24 gestraifft, den fleckhen angeloffen und zuverprennen sich understanden, auch vil seelen und viechs hinweckh gefurtt; volgendts den achttzehenden desselben monats die beghen von Sigeth, Funffkhirchen unnd Kopan25 sich ettliche tausent starckh inn aignen personen über den Plattensee begeben unnd drey meilen oberhalb Canisa26 eingefallen27, alles mit schwerdt unnd fewr verheert, auch ain merckliche antzall seelen unnd viechs hinweckgefüertt und dann erst den vierundzwainzigisten nechstverschines monats Septembris oberhalb Canisa ainen vast grossen raub gethan und abermalen über die tausent seelen mit sich genommen, auch sechtzehen dörffer verprennt haben, neben dem, so sich auch vor wenig tagen mit irer ksl. Mt. öbristen leütenandts an den crabatischen grenitzen // weilendt herrn ŠHerwardten freyherrn zu Auersperg etc.28 nider[lage] zuegetragen unnd dann irer ksl. Mt. yetzt ferner glaubwirdiger bericht einkombt, wasmassen der vheindt abermals an denselben crobatischen grenitzen inn starcker versamblung unnd auf den orttfleckhen Wihitsch29 forttzutziehen willens sein, auch alberaitt zehen stucke geschütz under Bellej30 gepracht haben solle: So ist aus disem allem leichtlich abzunemmen, das bemelter irer Mt. orator daselbst zu Constantinopel gleich so wenig erhalten unnd der bassa dessen alles von dannen austruckenlichen bevelch haben werde.

    Hergegen aber können ir ksl. Mt. hochgemelte anwesender churfürsten unnd die pfältzischen gewalthabere unnd räthe nit unerindert lassen, das mann hingegen dißsseitts dermassen schwach, ermattet unnd ausgetzert, das kain ersprießliche rettung beschehen khan. So komen nit allain die lanndt zuezüg unnd aufpott, auf welche der maist trost sein solte, gantz spatt und gemaingclich erst wann der vheindt das, so er im synn gehabt, alberait unversehenlich verrichtet hatt, sonder könden auch dieselben also eylendts blos unnd eintzig und one andern und mehrern zuesatz von khriegsvolckh an ain sölchen geübten und geschwinden feindt one grosse gefahr nit angefüert werden, welches dann umb sovil desto beschwerlicher, das der vheindt hierdurch ains nach dem andern einbekombt und was er also ainmal in seinen gewalt bringt, ime nit leichtlich widerumb nemmen leßt, sonder den fueß ye lenger ye weitter setzt; darzue ime ainen sondern vortail und gelegenhait gibt, das er, was vor ime, so weitt er kann verheert und verderbt, hingegen aber die erobertten fleckhen und was hinder denselben zum besten besetzt und dardurch an der mannschafft, proviandt, geschütz unnd anderer khriegsnotturfft von tag zu tag sich inn Hungern // also mehret und zuenimpt, das seine leüthe ye lenger ye mehr irer ksl. Mt. grenitzern, so offt es zu ainem treffen kompt, vast allwegen überlegen unnd zu starck seindt, auch also gleich einfallen unnd thuen mögen wann unnd was sy wöllen; darüber disseitts der pessten leüthe, sonderlich der geringen pferde, one welche gegen disem vheindt wenig auszurichten, täglichs weniger, die underthonen erödet, verzagt unnd letzlich aintweder aus klainmuettigkait zur huldigung beweget Šoder mit gewalt dartzue genöttigt, auch ettwan daruber geplundert, verheert, verprenntt unnd in schweriste dienstbarkait gefürtt werden.

    Wiewol nuhn aus disem allem gnuegsamblich erscheint, das der berürtt achtjärig fridtstanndt31 ihrer ksl. Mt. dero khunigreichen, lannden und getrewen underthonen wenig nutzes gepracht, sonder dem vheindt ain grosse gelegenhait unnd vorthail inn die hanndt gegeben, er sich auch dessen fleissig gepraucht, daheer dann ihr ksl. Mt. nach fernerer desselben erlengerung zutrachten wenig, sonder vil mehr dahin zugedencken ursach gehabt, wie ihr ksl. Mt. sich dero khunigreiche unnd lannde inn ander weege retten und erhalten, auch der stenndt des Heiligen Reichs verschonen köntte, so ist doch irer ksl. Mt. abermaln das obangeregt ihr selbst unnd ermelter irer khunigreiche unnd lannde eüsserstes abnemmen unnd unvermugen im weeg gestanden, und ir ksl. Mt. daher zum thail auch durch hochgedachter churfursten selbst vermahnen geursacht worden, bey dem nechstverstorbnen sulthan Selym umb weitere erstrekhung anzuhalten. Sodann auch, wie ire kfl. Gnn. dessen von irer Mt. damalen erindert, nach langgepflogner handlung (yedoch so wol als das vorigmal nit one grosse verhaissungen, mühe und uncosten) von yetztermeltem sulthan Selym // auf andere acht jahre erlangt, volgents auch durch seinen sohn unnd successorn sulthan Amurathen bald nach eingang seiner regierung zu confirmiern bewilligt32 unnd derwegen die bottschafft33, so von seinem vattern mit dem prorogationbrief zu irer Mt. abgeferttigt gewest, hernach aber auf desselben absterben underweegen stillgelegen unnd des successoris weittern verordnung erwarttet, mit der vermeldten bewilligung, yedoch one die in solenni forma geferttigte confirmation forttgeschickt worden unnd zu eingang des verschinen monatts Martii bey irer ksl. Mt. zu Prag ankommen, aber daselbst vor enttlicher deren ime anbevolhenen sachen abhandlung mit todt verschiden ist. Daheer ervolgt, das ihr ksl. Mt. nit allain sölches prorogierten und durch den yetzigen sulthan wie vermeldet zubestettigen bewilligten fridtstandts, so zu ausgang der ersten acht jahre, welche sich auf den ersten Januarii schieristkunfftigs 76. jahrs unnd also nit gar inner dritthalber monatt enden werden, noch khain gewishait haben, sonder auch aus dem, so von dem bassa zu Ofen nuhn ettlich monat hero obertzeltermassen fürgenommen worden, dessen auch noch khain aufhöeren Šist, vil mehr der unfridt unnd offen khrieg zugewartten, wie dann auch daheer anders nit zuvermuetten, das irer ksl. Mt. orator zu Constantinopel mit der bisheer ettlich monat embsigclich sollicitierten confirmation von ainer zeitt zur andern yetzt mit der, baldt ainer andern ausrede zweifels one mit fürsatz unnd auf ainen sondern betrug aufgetzogen wirdet; zu dem das irer ksl. Mt. auch hiervon unnd das der türkisch kaiser auf nechstkunfftigen früeling aigner person heraus gegen irer ksl. // Mt. ziehen werde, bisheer von vilen underschidlichen ortten und so wol aus Sibenbürgen unnd Venedig als Constantinopel, Ofen und andern enden khundtschafften unnd wahrnungen, ja auch bericht zuekommen, das alberaitt an profiandt unnd anderer zu sölchem heraus zug gehöerigen notturfft stattliche vorberaittung gemacht und hin unnd wider bestelt werde.

    Wann nuhn die sachen oberzeltermassen geschaffen unnd dann ihr ksl. Mt. den friden, ob sy gleich gern denselben auch mit irem selbßt und der iren noch weitterm schaden und nachsehen continuiern wolte, lenger nit haben kan als diser beschwerlicher nachbar will, so erfordert demnach nit allain irer ksl. Mt. unnd dero erblichen khünigreiche unnd lannde, sonder auch, nachdem der vheindt so weitt kommen, das es ime nuhnmehr nit umb Hungern, sonder vil mehr umb die niderösterreichischen unnd andere irer ksl. Mt. khunigreich unnd lannde und also darumb zuthuen, wie er den fues ins Reich setzen und volgentts nit weniger als inn Hungern und andern erobertten khunigreichen unnd länndern beschehen von tag zu tag weitter greiffen möge, desselben unsers gemainen geliebten vatterlanndts höchste notturfft, sölchen dingen zeittlich nach zutrachten unnd dahin zugedenken, wie unnd durch was erschießliche mittl und weege die gemaine vorstehende nott, jammer, verderben unnd gefahr abzuwenden.

    Unnd ob wol ihr ksl. Mt. sich freundtlich unnd genedigist erinndern, wie treulich bisheer churfursten, fürsten und stennde des Heiligen Reichs zu höchstgedachtem kaiser Ferdinanden und irer yetzigen ksl. Mt. gesetzt, was sy auch baiden iren Mtt. zu mehrmalen für // ansehenliche hülffen wider disen gemainer christenhait erbfeindt gehorsamblich bewilligt unnd gelaistet34, so hat sich doch yedesmalln befunden, das sölche bewilligungen, wie stattlich auch dieselben gewesen, nit das mittel, dardurch den sachen geholffen und dem vheindt gepürlicher unnd nottwendiger widerstanndt, vil weniger grosser abbruch beschehen mugen. Seytenmaln es mit sölchem vheindt die gelegenhait hatt, das er so leicht nit anzugreiffen oder auf ainmal zuvertreiben, das auch das teütsch khriegsweesen und des Reichs hülffen nit also geschaffen sein, das mann alsbaldt ain hauptschlacht gegen ime fürnemmen oder ainichen mit seinem gewaltigen höer35 belegerten platz mit gelegenhait unnd vorthail zuentsetzen understehn mögen, zu dem das sölche hülffen so gar langsam ein[kommen] unnd das darvon bestelt khriegsvolck ins vheldt zupringen, auch volgents dermassen baldt Šaufhöeren, das nichts beharrlichs unnd stattlichs darmit furgenommen unnd ausgerichtet werden khann. Darumben dann ervolgt, das der vheindt vast allweeg mit sig unnd verrichten sachen abzeucht, unnd hernacher der krieg, wann die bösst36 gelegenhait vorhanden, steckhen pleibt unnd die frontier blos unnd ungesterckt oder one gnuegsame fursehung abermals gelassen würdt.

    Unnd da sich diser zeitt, wie zubesorgen, solte zuetragen, das der yetzig türkisch kaiser als ain junger angehender regent sich entschliessen solt, den krieg in Hungern beharrlich forttzusetzen unnd das ain jahr selbs persöndlich heraus zuziehen, das ander ain beglerbeghen sambt den tartarn unnd anderm kriegsvolckh heraus zuschickhen, ittem die frontiern mit jänitschärn zusterckhen etc., so ist ye gnuegsam abzu- // nemmen, das er inn khurtzen jahren, da kain anderer beharrlicher widerstanndt vorhanden, der gantzen hungerischen frontier sich werde mechtigmachen künden, unnd das also fürtter aller last und gefahr des khriegs unnd einbruch des vheindts irer Mt. erblanden und der teutschen nation desto beschwerlicher unnd untreglicher wurde auf den hals wachsen. Welchem allem nach ir ksl. Mt. der unvermeidlichen notturfft nach darfurhalten, das disem sorgclichen weesen, darauf so wol dem Heiligen Reich teütscher nation als ihrer Mt. khunigreich unnd lannden das eusserst verderben unnd entlicher undergang steht, durch ersprießlichere und beharrlichere weeg und mittel dann bißheer beschehen zubegegnen, zu wehren unnd abzuhelffen seye. Unnd ist hierauf irer ksl. Mt. gantz freundtlich unnd genedigs gesinnen unnd ermahnen, hochgedachte churfursten und die pfältzische gewaldthabere unnd räth wöllen disen gemainen und nit weniger dem Heiligen Reiche als irer Mt. und dero erblannden obligenden handel mit trewistem vleiß bedenckhen und neben irer Mt. auf nottwendig hülfflich einsehen befürdern und richten helffen:

    [1] Als nemblich zum ersten, das auf obangeregten fall, da der türkisch khaiser auf das kunfftig jahr, wie die khundtschafften, vermuettungen unnd wahrnungen einkommen, selbst persöndlich heraus ziehen oder sonst ainen hauptkrieg gegen ihrer Mt. fürnemmen wurde, gemaine stennde sich unverzuglich auf ain sölche ansehenliche stattliche hülff entschliessen, damit disem vheindt notturfftiger widerstanndt beschehen, sein vorhaben geprochen, die hungerisch frontier verthaidigt und durch Gottes verleihung sein gewaldt von // fernerm einpruch inn das Teutschlanndt möge abgehalten werden. [2] Zum andern, das sölche hülff dermassen durch gemaine stenndt befurdert werde, damit mann noch vor seiner herauskonfft mit ainem gnuegsamen hauffen volckß aufkhommen und ungehindert der türken auf der frontier ain verödung unnd verheerung vor im heer37, so weitt mann immer in sein dition und lanndt geraichen mag, furnemmen unnd verrichten, auch die schlechten plätze unnd vestungen ainsthails wider einnemmen unnd zerstöeren möge. [3] Zum dritten, Šdas auch sölche hülff durch gemaine stenndt dermassen beharrlich angestelt werde, damit den wintter (da Gott gnad verlihe, das der vheindt unverrichter dinge wider abziehen mueste, wie er dann über drey monatt sich nit wol hiraussen seumen kann) der krieg mit erfrischtem volckh beharret und die verheerung der grenitze unnd geringen vestungen weitter forttgesetzt, auch die belegerung ains oder mehr hauptplatzes möge zu gelegenhait sölcher wintterzeitt furgenommen werden, dieweil alsdann die türken auf den grenitzen gegen den unsern allain nit ins vheldt ziehen können, auch ire plätz unnd vestungen durchaus wider den gewalt des geschütz unnd ander ernstlich zuethuen gar nit erbawet seindt. [4] Zum vierdten, dieweil es ausser alles zweiffels an dem ist, das, obgleich der türck von jahr zu jahr unnd beharrlich seinen persöndlichen herauszug oder hauptkrieg nit forttsetzen wurde, auch gemainen stennden des Reichs zu schwer fallen wolte, denselben ires tails offensive unnd mit stattlichem gewalt zubeharren, sich dannacht bey disem vheindt auch so gar, wie oben vermeldett, // inn fridts- unnd anstanndtszeitten kainer fridlichait unnd sicherhait zuversehen, seytemal die erfahrung gibt, das die türken bisheer inn zeitt des fridens unversehner betruglicher weise schier mehr dann inn offnem krieg eingenommen haben; derwegen dann die allerhöchste unvermeidliche notturfft ervordert, die hungerische frontier als die rechte vormaur der teütschen nation forthin dermassen zufürsehen unnd zubestellen, damit dieselb erhalten unnd zum wenigisten weitter durch den vheindt nit geschmellert werde, auch er also desto weniger gelegenhait haben möge, seinen gewaldt unnd tyranney in das Teutschlanndt zu wenden unnd daselbst immer weitter einzuprechen; daneben aber wissentlich unnd am tage, das die gnuegsame unnd sichere bestellung yetztermelter frontier in irer Mt. unnd dero khunigreiche und erblannde vermögen allain weitter nit ist; das inn erwegung dises alles gemaine stennde auf ain beharrliche hülff unnd immerwerendts khriegsweesen auf der frontier wöllen bedacht sein, durch welches nit allain die besatzungen gnuegsam bestellet und des vheindts ausfälle unnd eingriff gewehrt, sonder auch andere guette verrichtungen zu fürfallender gelegenhait furgenommen und also entlich der vheindt von der teutschen nation, dem geliebten vatterlanndt, aus verleihung des allmechtigen noch weitter möge abgehalten werden. Hingegen seindt ihr ksl. Mt. des erpietens, sampt vilberürtten ihren khunigreichen unnd lannden, welche auch sich noch weitter sovil inen ymmer muglich anzugreiffen daheer ursach schöpffen werden, das eüsserst und, wie ainem christlichen teutschen kaiser gepürt, guett unnd bluett bey dem Heiligen // Reich treulich darzusetzen, und dann auch umb mehr khriegsconsorten als nemblich die kgl. Würde zu Hispanien, den moscoviter unnd persier beßtes vleis und durch alle hierzu dienstliche mittel unnd weege zuhandlen und andere mehr hülffen zusuechen, der gentzlichen zuversicht, dieselben werden, da sy des von ihrer ksl. Mt. unnd dem Heiligen Reiche angestelten beharrigen kriegsweesens bericht entpfahen und also sich dißseitts ainer bestenndigen zuesetzung zugetrösten haben, inn sölche societatem belli auch desto leichter zupringen sein.

    ŠDieweil dann neben disem hochwichtigen artickl auch von andern des Heiligen Reichs nit geringen obligen mit churfürsten, fürsten unnd stennden des Reichs zu tractiern unnd zuhandlen die höchste notturfft, innsonderhait auch zuberathschlagen sein will, wasmassen die beschwerliche unordnungen, so im Reich ye lenger ye mehr denen hievor aufgerichten hailsamen constitutionen zuwider und nit one viler gehorsamen stennde höchste beschwernus unnd belästigung mit durchfurung khriegsvolckß unnd inn andere weege einreissen, abzustöllen; desgleichen das hochschädlich mißtrawen under denen inner unnd ausser teütscher nation dem Reich zuegethanen sovil möglich auftzuheben, hingegen aber ain rechtes vertrawen und gleicher verstanndt zustifften, gemaine rhue, fridt unnd recht sampt dem gepurlichen gehorsam zuerhalten unnd entlich das jhennig alles, daheer dem Heiligen Reich, dessen stennden und zuegethanen mehrere gefahr, nachthail unnd unhail entstehn möchte, abzuwenden; daneben auch, was ettwan bisheer dem Reich von andern potentaten entzogen worden, wider darzue möge zupringen sein, wie dann ire // churfürstliche Gnn. unnd die pfältzische gewalthaber unnd räthe sölcher artickl ainsthails durch sonderbare schrifften erindertt wordene, unnd aber zu sölchem allem ainen allgemainen reichstag anzustöllen unnd denselben so wol der obangeregten von weegen des erbvheindts vorstehenden not unnd gefahr, als auch anderer viler irer Mt. unnd gemainen stennden billich angelegner sachen halben, sovil möglich zubefürdern, zum höchsten von nötten, so ersuechen ir ksl. Mt. auch ferner hochgedachte churfursten unnd die pfältzischen gewalthaber unnd räthe freundtlich unnd genedigclich, das ire churfurstliche unnd furstliche Gnn., auch sy inn bedenckung aller sölcher unnd sonderlich der türkischen sachen, gelegenhait unnd umbstennde irer ksl. Mt. ainen reichstag auf zeitt unnd mallstatt, so ihr ksl. Mt. für die bequembist achten werden, auszuschreiben ihrer Mt. gehorsamblich einraummen und bewilligen wöllen; unnd dann auf sölch ausschreiben an irem persöndlichen erscheinen unnd sonst nichts erwinden lassen, so zu befürderung des geliebten vatterlanndts und gemainer christenhait rhue und wolfartt immer fürtreglich und ersprießlich sein mag, innmassen dann ir ksl. Mt. zu hochgedachten anwesenden churfürsten so wol auch der churfurstlichen Pfaltz und dero gewalthabern unnd räthen das freundtlich, genedig und untzweifenlich vertrawen stellen, auch sölches umb ire kfl. und f. Gnn. auch sy sambt und sonderlich inn freundtschafft, gnaden und allem gutten zubeschulden yederzeitt unvergessen sein wöllen.

    « ŠNr. 45  Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, [Regensburg 1575 Oktober 26] »

    Antwort der Kff. und des Pfgf. Ludwig auf die ksl. Proposition zur Türkenabwehr und Zustimmung zur Ausschreibung eines RT. Ort und Termin im Ermessen des Ks. Bereitschaft zur Mitarbeit.

    Im KR verlesen und gebilligt am 26.10.15751.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 30 f. (undatierte Kop. Dorsv.: Der Kff. erklerung uff ihrer ksl. Mt. anbringen wegen des Reichß tages.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, RTA 73, unfol. (undatiertes Konz. Hd. Faber. Aufschr.: Turckisch einfall in Hungern.) = B. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 15 f. (undatierte Kop.) = C. Knapp referiert bei Moritz , Wahl, 176.

    /30/ Was die römische kaiserliche Mt., unser aller gnedigster herr, den anwesenden churfursten und pfaltzischen abgesandten gewaldthabern und rhäten neben anderen auch vom unsichern und zw endt ablauffenden türckischen friden2 a -(so von wegen des turcken bei werendem anstande auch inn vil wege betriglich und mit gewaltiger handt gebrochen)–a inn schrifftb berichten c -und doneben allergnedigst begeren–c lassen3, daß alles haben ihre kfl. und f. Gnn. d -und andere pfaltzische rhate–d im rahte vorlesen unde angehoret und daruber, was des Heiligen Reichs und aller stende notturfft sein will, sich underredet.

    Und tragen zuforderst mit f -dem hochbedrangten christlichen ungerischen lande–f und underthanen christlchis [!] mitleiden. Wan dan diese ding hoch und wichtig, daran allen stendeng vil gelegen, alß lassen hochgedachte churfurstenh und die pfaltzische abgesandten ihnen allerunderthenigst /30'/ gefallen, das ihre ksl. Mt. einen gemeinen Reichs tag auff zeit und malstadt, so ihre Mt. fur diei bequemist achten werden, ausschreiben lassen. Daselbst hin dan die churfursten nebenj andern stenden selbst oder durch ihre gevolmechtigte nach mugligkeit gehorsamlich erscheinen und alles das jenige, was zw beforderung des Heiligen Reichs und gemeiner christenheit ruhe, sicherheit und wolfart immerk furtreglich und nötig sein mag, mit allem fleis ferners bedenckenl und voltziehen helffen wöllen. Welches die anwesenden churfursten und pfaltzische gewaldthabere und rhäte ihrer ksl. Mt. inn aller underthenigster gehorsam zw ihrer begerten erklerung nicht vorhalten wollen, sich derselben zw keiserlichen gnadn, schutz und schirm allerunderthenigst bevehlendtm.

    « Nr. 46 Resolution Kaiser Maximilians II. zur Einberufung eines Reichstags, präs. 1575 Regensburg November 1 »

    Dank für die Antwort der Kff. und des Pfgf. Ludwig auf die ksl. Nebenproposition zur Türkenabwehr und für ihre Zustimmung zur Ausschreibung eines RT. Ankündigung, aufgrund der drängenden Türkengefahr für den 8. oder 12. Februar 1576 einen RT nach Augsburg einzuberufen. Bitte um persönliches Erscheinen der Kff.

    Von Erstenberger präs. am 1.11.1575.

    HHStA Wien, MEA, RTA 73, unfol. (Kop. Unterschrift des Reichssekretärs Erstenberger. Dorsv.: Röm. ksl. Mt. resolution betreffen[d] den kunfftigen reichetag ghen Augspurgk auff den achten oder zwolfften Februarii kunfftigs jarss außzuschreyben. Am unteren Rand: Praesentatum Regenspurgk per Dr. Erstenberger prima Novembris anno 1575.) = Textvorlage. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 80–81 (Kop. Schlussvermerk: Röm. ksl. Mt. resolution betr[effend] den kunftigen Reichs tagk auf den achten oder 12. Februarii kegen Augßburgk kunftigs jars auszuschreiben. Praesentatum Regenßburgk, den 1. Novembris anno 1575.) = [B]. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 17 f. (Kop.) = [C]. Knapp referiert bei Moritz , Wahl, 176.

    Die römisch kaiserliche Majestat etc., unnser allergnedigster herr, haben des Hailigen Reichs anwesenden churfursten unnd pfaltzgrevischer rath resolution unnd antwort1 auf irer Mt. beschehene nebenproposition2, das türckisch fürbrechen unnd was demselben anhengig belangen inhalts vernomen.

    Das nuhn ire kfl. Gnn. irer Mt. haimbstellen, diser unnd ander des Hailigen Reichs obligen wegen auf zeit unnd malstat, so ire Mt. fur die bequemest achten, ein gemainen reichstag außzuschreiben, mit dem angehefften erpitten, das ire kfl. Gnn. sambt andern stenden selbst oder durch ire volmechtigte nach müglichait gehorsamblich erscheinen unnd alles das jhenig, was zu befurderung des Hailigen Reichs unnd gemainer christenhait ruhe, sicherhait unnd wolfart immer furträglich unnd nötig, mit allem vleiß bedencken, vergleichen unnd voltziehen helffen wolten, des thuen sich ire ksl. Mt. gegen iren kfl. Gnn. Šgantz freundtlich unnd gnediglich bedancken. Geben darauf iren kfl. Gnn. hinwider freundtlich unnd gnediglich zuerkhennen, sintemal die sachen, aus denen in irer Mt. gethanem fürtrag bemelten ehafften ursachen khain vertzug leiden khönden unnd gemainer christenhait (neben andern mehr puncten, so zuerledigen bevor) an befurderung solches wercks zum höchsten gelegen, // das darumben ire ksl. Mt. entschlossen seyen, auf vorberürte der churfursten guethertzige haimbstellung alsgleich ainen gemainen reichstag auf ungeverlich den achten oder zwölfften Februarii schierst khunfftigen sechs und sibentzigsten jahrs nach Augspurg außzuschreiben3 unnd demselben vermittelst göttlicher verleihung aigner person beitzuwohnen, des gentzlichen versehens (inmassen dann ire ksl. Mt. hiemit gantz freundtlich und gnediglich begert haben wöllen), ire kfl. Gnn. werden sich zu würcklicher betrachtung unnd befurderung des Hailigen Reichs notturfft mit selbst personlicher ersuechung solches reichstags, irem wolmainlichen erbieten nach, nit weniger willfarig betzaigen, das auch ire ksl. Mt. gegen iren kfl. Gnn. in aller freundtschafft unnd gnaden zuerkhennen gantz erbietig und genaigt seind.

    Unterschrift: Erstenberger.

    « Nr. 47 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Polen, präs. Regensburg 1575 Oktober 24 »

    Bericht Ks. Maximilians II. über die Vorbereitungen zur bevorstehenden Königswahl in Polen nach der Rückkehr Kg. Heinrichs III. nach Frankreich. Abordnung ksl. Gesandter zum Wahltag am 7. November 1575, um dort für die Wahl Ehg. Ernsts zum Kg. von Polen und Großf. von Litauen zu werben. Bitte an die Kff. und Pfgf. Ludwig, die Kandidatur seines Sohnes durch eine kfl. Gesandtschaft zu unterstützen.

    Den Kff. und Pfgf. Ludwig am 24.10.1575 in der ksl. Herberge übergeben1 und am selben Tag kopiert2. Am Vormittag des 25.10.1575 im KR verlesen und bewilligt3.

    Š GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. D, fol. 351–354 (Kop. Überschr.: Proposition der schickung halben in Polen. Proponiret den 25. Octobris.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 100/1, fol. 203–205' (Kop. Dorsv.: Ksl. Mt. begern umb ein legation in Poln, ires anndern sons Ernesti halben.) = B. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 19–22 (Kop.) = C. Knapp referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 396.

    /351/ Nachdem die röm. ksl. Mt. etc., unßer allergnedigster herr, darfur achten, das unter anderen sachen, dardurch des Hl. Reichs und gemeiner christenheit ruhe, wolfart und aufnhemen befurdert werden mag, hiertzw auch dis fast ersprießlich sein würde, do bey itziger der chron Polen gelegenheit daßelb künnigreich auf ihrer Mt. geliebten anderen shon, ertzhertzogk Ernsten zw Österreich etc., gebracht werden und also dz Hl. Reich mit derselben chron in mherere vorstendnus kommen möchte, so haben i. ksl. Mt. nicht umbgehen wöllen, bey gegenwertiger i. Mt. und des Hl. Reichs churfursten zwsammenkunft i. kfl. Gnn. und der abwesenden kfl. Pfaltz alhero vorordente gewaldhaber und räthe freundtlich und gnedigst zwerinnern, worauf ungefherlich der zeit dieselbe polnische sache stehet.

    Und ist erstlich i. kfl. Gnn. und den pfältzischen /351'/ gewaldhaber und räthen unvorborgen, welcher maßen die landräthe und stende bemelts künnigreichs, nachdem sich konnig Hainrich etc.4 aus demselben in Franckreich begeben, weinig monat hernach zw Warsaw sich dohin mit einander vorglichen und endlich beschloßen, in fall s. kgl. Würde auf den doselbst gein Stenzitzscha angesetzten tag, nemblich den 12. vorschienen monats May, sich nicht personlich stellen wurde, dz als dan sie, die stende, ihrer geleisten pflicht ledig sein und zu einer newen whal greiffen wölten5. So werden i. kfl. Gnn. und die pfältzische gewaldhaber und räthe zweifels ohne auch vor dießem fornommen haben, obwol berürter stentzischischer tag seinen fortgang erreicht und es sich dahin ansehen laßen, als ob den warsawschen beschlus auch der whal halben /352/ wirglich wolte nachgesetzt werden, das doch hernach die stende von wegen einer ervolgten unvorsehenen seceßion unvorrichter sachen von einander getzogen, jedoch sie, die stende, sich außer etzlicher weiniger einhelliglich dohin vorglichen, dz könnig Hainrich etc. fur excludirt zu halten und weiter zw demselbena künnigreich nicht zulaßen were, wie dan auch solches Šhernach in etzlichen woywodschafften offentlich publicirt worden. Ob nun wol hierauf seithero hin und wieder in Polen so wol auch in der Littaw particulares conventus gehalten und eines anderen whaltags halben gehandelt, auch des mherertheils dahin geschloßen worden, dz derselbe auf Simonis et Judae6 negstkunfftig oder zu ende dießes laufenden monats solte gehalten werden, so ist doch derselbe tag jedesmaln zweifelich und ungewiße geweßen, auch darfur /352'/ gehalten worden, das derselbe erstreckt werden möchte, wie dan i. ksl. Mt. dieße tage weiter bericht zukommen, dz solche erstreckung bis auf den 7. negstkunfftig monats Novembris ervolget sey. Dieweil dan i. ksl. Mt. von gemeiner wolfart und bestes wegen des vorhabens, auf solchen tag ihre ansehenliche oratorn7 zuvorordnen und durch dieselben dohin handelen zulaßen, ob solch künnigreich nochmaln auf hochgedachten ertzhertzog Ernsten gebracht werden möchte, und aber i. ksl. Mt. von vielen guthertzigen und ansehenlichen leuten in bemelter chron Polen dieße andeutung beschehen, das es zw fruchtbarer der sachen vorrichtung fast dienstlich und ersprießlich sein würde, do neben ir Mt. keyßerlichen oratorn auch gemeiner des Hl. Reichs oder doch wo daßelbe nicht sein könte (wie es dann itziger zeit dieselbe gelegenheit hat) /353/ der löblichen churfursten potschaft in Polen auf den angesetzten tag auch erschiene und ihre ksl. Mt. und hochgedachts dero geliebten shons ertzhertzog Ernsten sacheb zugleich befürderte, und dan i. ksl. Mt. des freundlichen und gnedigen vorsehens, dz i. kfl. Gnn., die sich hievor in gleichem fall zw irer Mt. sonderm dancknhemen gefallen erzeigt haben8, auch dißmal i. ksl. Mt. hierinnen zu wilfharen nicht weiniger gneigt sein werden, so ersuchen demnach i. ksl. Mt. hochgedachte anwesende churfursten und die pfältzische gewaldhaber und räthe freundtlich und gnediglich, dz i. kfl. Gnaden und sie nicht allein ir ksl. Mt. und dero geliebten shon zu freundtlichenc wilfärigen gefallen, sondern auch dem gemeinem wesen, ruhe und wolfarth zum besten ihre potschafftend hierzu /353'/ vorordnen und durch derselbene neben ihrer Mt. kayßerlichen oratorn die sache aufs trewlichste und Šdurch hierzu dienstliche auch ihnen, den stenden, anmütigste argumenta dohin befürdern und richten helfen wöllen, domit in furstehender könniglicher whal hochermelter ir ksl. Mt. shon, ertzhertzog Ernst etc., fur anderen bedacht werde. Ihre ksl. Mt. halten aber fur unnötig, dz von jedem churfursten ein besondere person, inmaßen hievor geschehen, geschicket werde, sondern fur gnugsam und beßer, nachdem i. kfl. Gnn. und an Pfaltz stad s. kfl. Gn. gewaldhaber und räthe collegialiter beißamen, dz ein ansehenliche person grafen- oder herrn standts, deren ein tauglicher gelerter man zu adjungiren, in aller ihrer kfl. Gnn. nahmen abgefertigt wurde, wie dan i. kfl. Gnn. und die pfältzische gewaldhaber und räthe daßelbe ihrer ksl. Mt. untzweifentlichen /354/ vortrawen nach wol werden antzustellen und, nachdem der bestimbte tag nahe an der hand, dieße verordnung also zubefurderen wißen, domit dieselbigen ihre gesandten zu rechter zeit an den bestimpten ortt ankommen mögen. Solches seind i. ksl. Mt. umb mherhochgedachte anwesende churfursten, sowol auch die kfl. Pfaltz und dero abgeordente gewaldhaber und räthe in freundschaft, gnaden und allem guten zuerkennen und zubedencken freundtlich und gnediglich wol gneigt und erbottig etc.

    « Nr. 48 Instruktion der Kurfürsten für Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg zum Wahltag in Polen, Regensburg 1575 Oktober 28 »

    Mahnung zur rechtzeitigen Ankunft in Warschau zum Wahltag am 7. November 1575. Absprache mit den vor Ort anwesenden ksl. Gesandten über die bei den polnischen Ständen zu haltenden Werbungen. Herstellung guten Einvernehmens mit den Ständen, die eine habsburgische Kandidatur befürworten. Unterstützung und Vermittlung des Reichs bei den Friedensverhandlungen mit dem Zaren, falls Ehg. Ernst zum Kg. von Polen und Großf. von Litauen gewählt werden sollte. Vermeidung kränkender Äußerungen gegenüber den französischen Gesandten und den Anhängern der profranzösischen Partei in Polen; Erläuterung der Kandidatur Ehg. Ernsts gegenüber Frankreich. Öffentlicher Vortrag der kfl. Gesandten vor den polnischen Ständen. Bitte um stetige Rücksprache mit der ksl. Gesandtschaft.

    Datiert Regensburg, 28.10.1575.

    GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. D, fol. 355–356' (Kop. Dorsv.: Instruction der sechs Kff. an die stende in Polenn.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 28–30 (Kop. Dorsv.: Instruction uff Warßaw zum pol[n]ischem wahltag.) = B. Knapp referiert bei Augustynowicz , Kandidaten, 851.

    Š /355/ Instruction, was sich der wolgeborne herr Wolf von Isenbergk, graf zu Budingen, unnd der edel Hartman von Kronbergk2 alß der sechs Kff. abgesandte an die gemeine stende der cron zu Polen ungeferlich zuvorhalten.

    Nachdem die zeittungena einkommen, das am 7. Novembris negst zu Warsaw die stende in Polen einen reichstagk zuerwehlung eines newen konigs angestellet, werden der sechs Kff. abgesandte ire tage reiß dermassen antzustellen wißen, damit sie auch zeitlich daselbst erscheinen und was inen anbefolen vorrichten mugen. Aber zuforderst sollen sie sich zu den keiserlichen oratorn und legaten3 daselbsten in Polen verfugen, denselben neben gebuerlichen zuentbieten im nahmen der sechs Kff. vertrawlich vormelden, wie sie von wegen i. kfl. Gnn. von hierauß auf allergnedigstes begern4 der röm. ksl. Mt., unsers allergnedigsten herrn, an die gemeine stende der cron Polen auf Warsaw gnediglich abgefertiget mit credentz5, instruction unnd dan, was sie mundtlich in gemeiner vorsamblung und audientz berurter stende offentlich reden und werben sollen6, derhalben irer, des ksl. orators, unnd anderer abgesandten rath und anleitung bitten, bey welchen /355'/ stenden sie sich antzuzeigen, audientz und fordernus suchen mochten. Insonderheit aber sollen sie sichb erkundigen, welche stende, die der ksl. Mt. gunstig sein mochten, denen zuvortrawen; bey denselben mochten sie sich auch ad partem angeben und nach gebuerlichen zuentbieten entweder in nahmen aller der sechs Kff. oder aber unsers gnedigsten herrn zu Meintz allein, nach gestalt und beschaffenheit der personen, denselben auch vertraulich antzeigen, von wem sie abgefertiget und was ire werbung sein wurde, mit angehefftem begern, iren gneigten willen, gunst unnd befurdernus zu solcher loblichen unnd gemein nutzlicher sachen zuwenden, welchs dan der cron zu Polen, ja gemeiner christenheit in Europa zum besten reichen. Unnd werdens i. kfl. Gnn. und sie widerumb in freundtschaft oder gneigten willen vorgleichen. Darunter dan wol zuvormelden, das die ksl. Mt. und stende des Hl. Reichs mit irc, der polen unnd littawer erbfeindt, der muscowitter, in guetter vorstandtnus stunden unnd, do der ksl. Mt. geliebter sohn, ertzhertzogk ŠErnestus, zur polnischen cron erwehlet werden solte, wurden die stende unnd landtschafften in Polen gewießlich bestendigen frieden bey dem muscowiter erlangen, zu deme auch sonsten in kriegszeitten grosse hulf und beistandt /356/ kegen allen iren benachbarten feinden aus dem Hl. Reich teutscher nation unnd von allen andern i. Mt. vorwandten mechtigen königreichen unnd befreundten bekommen. Darneben mußen die abgesandten auch sich befleißigen, sintemal die kgl. W. etc. zu Franckreich auch vormuethlich seine gesandten7 daselbsten unnd dan seinen anhangk bey etlichen stenden haben wird, das sie dieselbigen mit keinen reden offendiren, sondern den konigk ruhmen, das sie auch nicht gemeinet, i. kgl. W. etc. ethwas zuwider zuhandeln oder zu sollicitiren, sondern allein darumb abgesandt weren, sintemal die zeittungend in Deutschlandt gangene, das die stende alhier einen andern konig erwehlen wolten, das auch etliche andern, so dem Hl. Reich nicht gunstigk und böse nachbarn sein wurden8, nach der cron practicirten. Das sie derhalben auch mit gunst und favor der kgl. W. etc. zu Franckreich oder derselben botschafften allen vleiß anwenden solten, damit i. ksl. Mt. ander sohn, ertzhertzogk Ernestus, vielmehr alß einer dem Hl. Reich widderwetiger zur cron Polen gefurdert werden mochte, welchs auch ohn zweifel der kgl. W. zu Franckreich irer freundtschaft und vorwandtnus nach nicht mißfallen wurde. Do dan die kfl. abgesandte bey gemeinen stenden offentliche audientz erlanget, werden sie diejenige argumenta, /356'/ in dero inen zugestalter oration9 vorfaßet, so der sachen am besten, nach gestalt itziger zeit dienlich und den stenden am annehmblichsten sein mochtef, vor andern furzutragen wissen, darunter sie dan des ksl. orators rath und bedencken zuforderst zu begeren und zuvornehmen haben, wie sie dan auch auf deßen anleittung und gutachten bey andern poln[i]schen stenden, nach gestalt der personen, allen gutten willen und beforderung sollicitiren sollen, in deme allen sie sich selbst irer discretion nach wol zuvorhalten werden wißen. Und was sie also anstadt der sechs Kff. reden, furtragen und sollicitiren werden, das alles ist i. kfl. Gnn. g gnediger wille unnd befehl. Zu urkundt ist diese instruction in derh meinzische cantzley vorfertiget und subscribirt worden.

    ŠRegensburg, 28.10.1575. Unterschriften: Dr. Christoph Faber, Mainzer Kanzler; Peter Kraich, Sekretäri .

    « Nr. 49 Rede der kurfürstlichen Gesandten Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg vor den polnischen Ständen, [beschlossen Regensburg 1575 Oktober 28] »

    Erinnerung an die Rede der kfl. Gesandtschaft vom April 1573. Hoffnung auf die Wahl eines Kg. von Polen und Großf. von Litauen, der die guten Beziehungen zum Reich pflegt. Empfehlung Ehg. Ernsts, Sohn Ks. Maximilians II. und Bruder des neu erwählten röm. Kg. Rudolf II., der trotz seiner Jugend alle notwendigen Eigenschaften und Voraussetzungen für einen guten Herrscher mitbringt. Vorteile für das Kgr. Polen-Litauen durch die enge Verbindung der jagiellonischen mit der habsburgischen Dynastie.

    Am Nachmittag des 27.10.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) beraten1 und wahrscheinlich auf den 28.10. zu datieren2.  Gehalten in Warschau, 15.11.15753.

    GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. D, fol. 359–362' (undatierte lat. Kop.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 31–35 (undatierte lat. Kop.) = B. Fehlerhafter Druck (lat., undatiert): Meysztowicz , Orationes, Nr. 2 S. 10–14.

    /359/ Reverendissimi, illustrissimi, reverendi, illustres, spectabiles, magnifici, generosi nobilesque viri, inclyti ac potentissimi regni polonici magnique ducatus lithuaniae proceres, tam maiorum quam propriis virtutum insigniis, prudentia rebusque fortiter gestis celeberrimi, summa nobis observantia gratisque offitiis colendi, salutem plurimam omneque amicitiae offitium et bene moerendi voluntatem ex se. Reverendissimi atque illustrissimi principes Sacri Romani Imperii electores, domini nostri clementissimi, nobis denunctiant.

    Et quanquam non dubitant vos memoria tenere ex ea oratione, quam priores principum nostrorum legati anno 73 mense Aprili die eiusdem 13. hoc ipso loco Šad vos, principes status ordinesque Poloniae amplissimi, habuerunta,4, quanto dolore feruntb, regnum hoc florentissimum rege suo Sigismundo vere Augusto ex serenissima domo iagellonica, orbatum ac rursus quam ardenti studio flagrantc vobis regnoque vestro talem concordibus votis successorem regem, eligi atque coronari, qui prudentia, qui iusticia, qui animo magno perinde ac ipse Augustus atque Constantinus /359'/ magnus vobis optatam pacis tranquillitatem procuret, vim iniustam facile armis victricibus propellat eamque veterem amicitiam, quae semper imperatoribus romanisd atque germanis ipsis cum vobis vestrisque maioribus summa cum utriusque partis utilitate fuit coniunctissima, conservare sacro sanctam velit.

    Tamen cum fama aliisque certis nunctiis ad principes nostros delatum sit iterum proceres ordinesque totius Poloniae regis eligendi causa hoc die ad hunc locum conventuros, omnino putarunt non ingratum vobis, nec alienum a praesenti reipublicae utilitatee futurum, si per nos de electione futuri successoris, quam instituitis amanter vobiscum, conferrent. Idque non eo quidem proposito, quodf prudentiam vestram incomparabilem praesenti negotio dubitent non sufficereg, vel quod iuris hic aliquid sibi sumere cogitent, vel etiam quod curiosi in aliena republica videri velint, verum eo potius fine, ut et ipsi de sua apud vos voluntate testenturh et ne offitio, quod patriae, paci et concordiae publicae debent, defuisse videantur, quod quidem pro ea, quae summa vestra est sapientia et humanitas, in sinistram partem suscepturos vos non esse omnino confidunt.

    /360/ Optant autem omnium primum principes nostri vobis ad hanc deliberationem vestram, eum divinitus concedi spiritum, quo vestris auspicatissimis suffragiis eum videre Poloniae regem liceat, qui non nisi Deo grata huic regno salutaria, quaerere et procurare velit et possit, qui cum vicinis populis, maxime vero Romano Imperio, societatem colat, amicitiam servet et pacem amet, quique in profligandis et debellandisi christiani nominis hostibus fortuna Augusti, armis virtuteque Davidis armatus sit, cuiusmodi vos habituros regem principes nostri clementissimi non diffidunt, si summorum in christiano orbe monarcharum, multorumque aliorum principum nec non omnium eorum, quibus Šcomunis reipublicae salus curae est, sententiam secuti, in serenissimum Austriae archiducem Ernestum, cesareae Maiestatis filium, suffragia vestra contuleritis.

    Nam cum sit princeps in republica christiana natus florente iam matura virili aetate5 rebus praeclare administrandis aptissima, quae ab ineunte aetate optimis disciplinis linguarumque cognitionibus et quae deinde virtute, consiliis et prudentia paterna, sub imperatore nostro Maximiliano, eius nominis secundo, quomodo imperia et /360'/ regna iuste, pie et fortiter regnarij debeant, optime instructa sit, quis dubitet tam bene natam tam generosam mentem, tantum ab imperatore romano et ex comuni sanguine polonorum natum principem, sua sponte libenter ea, quae ad publicam pacem et cuiusque vestrum privatam utilitatem, pertinere intelliget, regio animo foelicissime procuraturum. Norunt celsitudines, gravitates atque amplitudines vestraek quam arctissimae semper necessitudines inter iagellonicam et austriacam familias extiterint, huncque Ernestum ex iagellonico quoque sanguine oriundum esse. In memoria enim habetis Casimiro regi vestro primogenitum fuisse Vladislaum Hungariae et Bohemiae regem hocque prognatam Annam matrimonio collocatam Ferdinando imperatori, quae postea mater fuit Maximiliano, qui imperio nunc praeest romano, et huic Ernesto fuit avia.

    Quid autem omni aetatel et apud omnes populos in regum stirpibus maxime primogeniturae datum fuerit, satis constat, ut eo nomine non minimam, huius Ernesti in praesenti deliberatione prae ceteris competitoribus habendam esse, /361/ rationem existimetur. Quanti item Sigismundus rex sapientissimus nec non ex pientissimi patris institutione Sigismundus Augustus austriacam familiam foecerint et quantopere uterque semper studuerit hanc domum vobis quam commendatissimam facere, memoria tenetis.

    Itaque etsi non obscure pateat esse alios, qui vel ipsi vestri regni sceptrum regium pro sua libidine gubernandum ambiant, quive vestros animos consensumque unanimem disturbare aliove avertere non intermittant, nullus tamen eorum est, cui non persuasum sit vosmet ipsos ex tam multis rerum argumentis prospicere, vestrum amplissimum regnum augustissimae austriac[a]e familiae potius quam illorum fidei permittendum esse, cum illa domus humanitate, clementia, pietate, iustitia et aliis rege dignissimis virtutibus, ab immortali Deo quam maxime ornata [sit] easque ob causas, non sine magno iudicio eidem familiae, iam octavum, gubernacula Imperii Romani commissa sint.

    Quin et iam ex eadem inclyta domo austriaca, novum Imperii successorem (videlicet imperatoris nostri Maximiliani secundi primogenitum, Rudulphum, ŠHungariae ac Bohemiae regem, eiusdem archiducis Ernesti, /361'/ quem vobis commendamus, fratrem), magno unanimique principum electorum consensu in regem romanorum electum designatumque esse, fama ad vos pervenisse non dubitamus. Quare ut in eandem sententiam concordibus suffragiis, semota omni sinistra suspitione, vos quoque descendatis reverendissimi atque illustrissimi principes nostri, pro ea, qua et ipsi ergam comune[m] orbis christiani salutem, Imperii Romani et huius regni multis nominibus sibi coniuncti incolumitatem tranquillitatemque affectione tenentur, hactenus exoptarunt et etiamnum hodie idipsum exoptant, petunt atque rogant, quo et fata huius regni trahantn, propriam salutem id exposcere, manes regum defunctorum efflagitare et denique, o -quo Deus optimus maximus vos vocet–o , non obscure cernitur.

    His itaque tantorum principum desideriis, bonorum virorum votis, amicorum expectationi, ubi satisfoeceritis, videre nunc videmur publicam illam letitiam, in quam maxima pars christiani orbis tunc se est effusura. Quis enim est, qui non perspiciat hoc facto vobis germanorum, italorum, hispanorum, hungarorum, bohemorum, belgarum, /362/ indorum etiamp, et omnium aliorum populorum, quibus austriaca domus praeest, animos conciliatumq iri. Gaudebunt enim hi omnes sub comuni vos secum vivere tutela, unde ad commerciorum, affinitatum, societatum et omnium denique fortunarum communicationem vobis, tanquam eiusdem civitatis civibus, sunt aditum perlubenter absque omni difficultate concessuri fraternoque vos simul amore complexuri.

    Denique inclytam nationem polonicam de se polliceri iubent principes nostri non solum sibi gratissimum visu fore et Romanum potentissimum Imperium et tria vicina regna a duobus fratribus germanis, sapienti, concordi et placida administratione gubernari, sed etiam se sedulo daturos operam apud reliquos principes et status Imperii, quo illa, quae hactenus inter utramque gentem germanicam et polonicam observata fuit necessitudo, etiam cumulatior, auctior et firmior reddatur ac ad socios quoque regesr et respublicas, cum omnium vestrum satisfactione ac utilitate transmittatur, et si animadverterint, sibi suaeque intercessioni a vobis aliquid concessum esse, quod ut faciatis summa obtestatione quantum possunt, a vobis iterum atque iterum /362'/ contendunt, singulos per se etiam vobis summopere devinctos fore, adeo, ut omnis generis studiis atque offitiis, vobis ac vestratibus, nunquam sint defuturi, et nos, ut id ipsum, in quos tot tantorumque principum animos non obscure propendere videmus, toti orbi christiano, ac in primis nationi polonicae et germanicae foelix faustumque sit, Deum optimum maximum, ardentibus votis totoque pectore una cum principibus nostris precamur et optamus.

    « ŠNr. 50  Proposition Kaiser Maximilians II. zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, präs. Regensburg 1575 Oktober 24 »

    Erinnerung an die vor einiger Zeit ergangene Aufforderung Ks. Maximilians II. an Papst Gregor XIII., die Erhebung des Hg. von Florenz zum Großhg. zu widerrufen sowie an die ksl. Weisung an Cosimo de' Medici, den Großherzogstitel abzulegen. Keine Stellungnahme des Papstes. Ersuchen des jetzigen Hg. von Florenz, den Titel eines Großhg. von Etrurien oder Toskana führen zu dürfen. Bitte um Stellungnahme der Kff. in dieser Sache. Ksl. Bedenken mit Rücksicht auf den Kg. von Spanien und andere Inhaber ksl. Lehen in Italien. Vorschlag, Francesco de' Medici die Privilegien und den Titel eines Großhg. von Florenz zu verleihen, jedoch ohne Krone, Zepter und den Titel „Serenissimus“ sowie mit dem Vorbehalt, dass mit dieser Erhebung Ks., Reich, Spanien und anderen Ff. keine Nachteile entstehen dürfen. Bitte an die Kff. und Pfgf. Ludwig, den hgl. Vorschlag und die ksl. Bedenken zu erwägen und eine einhellige Stellungnahme hinsichtlich des Titels abzugeben.

    Bericht über den Konflikt zwischen altem und neuem Adel in Genua und die daraus entstehende Kriegsgefahr in Italien. Trotz zahlreicher Widerstände Beginn von Verhandlungen zwischen den streitenden Parteien mit Hilfe päpstlicher, ksl. und spanischer Vermittler. Dennoch militärische Aktionen der aus der Stadt Genua vertriebenen Vertreter des alten Adels. Scharfe Verurteilung dieses Vorgehens und Verbot für die beiden Befehlshaber deutscher Regimenter, gegen Genua vorzugehen. Verhandlungen (über eine neue Verfassung für die Stadt Genua) mittlerweile fortgesetzt. Hoffnung auf friedliche Lösung.

    Bericht über die Gesandtschaft des Oberstkämmerers Wolfgang Rumpf zum Wielroß an den spanischen Hof zur Beilegung des niederländischen Konflikts. Baldige Rückkehr Rumpfs erwartet.

    Den Kff. und Pfgf. Ludwig am 24.10.1575 in der ksl. Herberge übergeben1 und am selben Tag kopiert2. Am Vormittag des 25.10.1575 im KR verlesen und am Nachmittag beraten (Sitzung der kfl. Räte)3.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 133–143 (undatierte Kop.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 100/1, fol. 195–202 (Kop. Dorsv.: Ksl. Mt. proposition der florentinischen inauguration und unrichtigkeiten zwischen denen vom adel in der stat Genua halben.) = B. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 47–52' (Kop. Dorsv.: Röm. ksl. Mt. vortrag inaugurationem ducis florentini, item statum Genuensem unnd der Niederlanden anlangen. Regensburg anno 75.) = C. Knapp referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 396 f.

    /133/ Die romische kayserliche Mt. etc., unser allergnedigster herr, stellet inn keinen zweiffel, die anwesenden churfursten werden sich noch inn frischem Šangedencken zuerinnern wissen, und dan der kfl. Pfaltz gewaldthabere und rhate unvorborgen sein, was ihre ksl. Mt. voma 18. Augusti vorschienes vierundsiebenzigsten jhares an ihre kfl. Gnn. von wegen der bewusten durch babst Pium Quintum angemasten florentinischen inauguration gelangen lassen4, nemblich das ihre ksl. Mt. uff die churfurstlicheb bedencken, bei jungst gehaltenem speierischen reichstage ihrer Mt. eroffnet5, nit underlassen, seiner babstlichen Heiligkeit dero unfug mit notwendiger, auch etwas weitlaufftiger /133'/ ausfurung ihrer Mt. und des Heiligen Reichs recht und gerechtigkeiten durch eine sondere schrifft6 fur augen zustellen und dieselbe darauff zuersuchen, nach deme ihrer ksl. Mt. und dero nachkommen am Reich hoheitc, preeminentz, jurißdiction und gewalt, auch des Heiligen Reichs recht und gerechtigkeiten hierinnen zu salviren und zuerhalten kein ander fuglich und erschißlichs mittel und weg were alß die retractation des jenigen, was des orts auff ungnugsamen bericht furgenommen worden, das demnach s. Hlt. alles widerumb inn den standt, darinnen es vor der vormeinten an ihr selbst untuchtigen inauguration gewesen, stellen wolte; /134/ daneben auch dend nechst vorstorbenen hertzogen zw Florentz durch schreiben vormanet7, deß angemasten namen und tittels eines großhertzogen, auch alles andern, so ihme durch solche vormeinte inauguration und darauff erfolgte cronung gegeben worden, abtzustehen und sich dessen hinfuran weiter nicht zugebrauchen.

    Und ob woll derselbe babst Pius Quintus sich balde nach empfahung angeregter schrifft gegen ihrer ksl. Mt. durch ein breve8 vornehmen lassen, das seine Hlt. mit erstem ihrer ksl. Mt. dermassen beantworten wolte, darob ihre Mt. wol zufrieden sein würden, das doch hierauff uber zu mehrmalen bei seiner Hlt., auch nach derselben absterben bei dem itzigen babst9 gethanes anhalten mehrers oder anders nicht erfolgt were, alß das vor guter zeit /134'/ Šdurch hochermelte[n] hertzogen von Florentz, auch hernach von dem cardinal Morono10, ihrer Mt. nachfolgende mittel furgeschlagen worden11: Nemlich das ihre Mt. alß romischer keiser ihme den tittel eines großhertzogen inn Hetruria oder Toßcana geben oder, inn bedenckung seiner f. Gn. und dero furfaren vordinst, auch anderer qualiteten, denselben endern und s. f. Gn. einene andern mehrern tittel conferiren wolten, dergestaldt, das die erection inn der form, auch mit denen clauseln und worten vorfertigt würde, so inn ihrer Mt. herrn vetters und schwehers weilandt keiser Carls des funfften hochloblichster gedechtnus (welcher Florentz zum hertzogkthumb erhebet) privilegiis begriffen weren. /135/ Darauff aber ihre ksl. Mt. sich biß dahin nicht resolviren wollen12, sondern zuvor der babstlichen antwo[r]t auff vorberurte ihrer ksl. Mt. schrifften zuerwarten vormeinet hetten.

    Sintemal aberf solche antwort sich dermassen lange vorzogen, das daheer und auß angeregten ihrer Mt. erachtens nit ohne seiner babstlichen Hlt. furwissen beschehenen furschlag sovil zuvormuten, das s. Hlt. uber solche außfuhrliche gegrundte darthuung ihrer ksl. Mt. und des Heiligen Reichs recht und gerechtigkeit sich mit ihrerg Mt. inn weitere disputation nit würde einlassen wollen, und aber darzwischen nit alleine mehrbemelter nechst vorstorbener hertzogk zw vilmalen umb ihrer Mt. resolution angehalten, sondern auch desselben sohn /135'/, der itzige hertzogk zw Florentz13, solche resolution ebenermassen fast hefftig urgiren und sich darneben desh vorzugs etwas hochbeschweren thetei, das demnach ihre ksl. Mt. aus allerlei bedencken nicht fur rahtsam geachtet, seine f. Gn. lenger damit aufftzuhalten, jedoch nit umbgehen wollen, zuvor und ehe ihre ksl. j Mt. sich ichtwes darunder erclereten, von ihren kfl. Gnn. zuvornehmen, was ieren jedes alß mit deren raht ihre ksl. Mt. hierinnen zuhandlen entschlossen rhatliches gutachten were.

    Neben welchem allen ihre kfl. Gnn. sich auch ferner zuberichten haben, das ihre ksl. Mt. damalß der meinung gewesen und ihren kfl. Gnn. die andeutung Šgethan, das der tittel Hetruriae oder Toscana /136/ hochgedachten hertzogen von Florentz nicht köntte gegeben werden, inn bedenckung, des solches ihrer ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche so woll der kgl. W. zw Hispanien etc., alß die den statum Senensem von ihrer Mt. und dem Heiligen Reiche ohne mittel zw lehen trüge, der hertzogk von Florentz aber affterlehens weise innenhette14, so woll auch andern fursten, herrschafften und stenden, welche auch landt und güter inn Tußcana hetten und gleichwol hochermeltem hertzogen mit nichten underworffen weren, zu beschwerlichen preiuditio reichen wurde. Derwegen dan ihre ksl. Mt. der zeit darfur gehalten, das die sache dahin möchte gestellet werden, das hochernanter hertzogk von Florentz des tittel[s] eines großhertzogen inn Tußcana abstünde und sich dessen /136'/ gentzlich begebe; hingegen aber i. ksl. Mt. s. f. Gn. furgeschlagener massen und mit denen clauseln, welche inn weilandt Alexandri de Medices, so von hochstgedachten keiser Carl dem funfften erstlichen zum hertzogen erhebt worden15, erection begriffen, zw einem groß hertzogen der herrschafft Florentz creirt würde und dasselbige ohne alle cron, zepter und den tittel „Serenissimi“, so s. f. Gn. zuvor vom babst Pio Quinto vormeintlich gegeben worden, auch mit dem außdrucklichen vorbehalt, daß solche erhebung „ihrer ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche, deßgleichen auch der kgl. Mt. zu Hispanien und andern fursten gantz unvorgrifflich und ohne allen nachteil“ sein solte16, und derwegen hierinnen ihren kfl. Gnn. /137/ ferner rahtlichs gutachten freundtlich unnd gnediglich begeret, nit alleine auff mehrberurtem florentinischem furschlag unnd das jenige, so von ihrer ksl. Mt. darinnen erwogen und bedacht wordenk, sondern auch was uff den fall, das obberurte oder andere von ihrer Mt. und den churfursten fur gut angesehene mittel kein stadt finden wolte, hierunder furtzunehmen sein wolte. Wiewol nun ihrer ksl. Mt. solche begerte rahtliche gutachten und bedencken fur lengst zukommen, jedoch nach deme dieselbe etwas underschidlich, so haben ihre ksl. l Mt. sich bißhero auch nicht resolviren, sondern bey itziger gelegenheit hochbemelter anwesenden churfursten und der pfaltzischen gewaldthabere und rhäte sambtlichs bedencken zuvor vornehmen wollen, freundtlich /137'/ und gnediglich gesinnende, das ihre kfl. Gnn. sich nicht alleine inn einem und dem andern, so oben angeregt, eines einhelligen bedenckens collegialiter vorgleichen Šund dasselbe ihrer ksl. Mt. gehorsamlich eroffenen, sondern auch nach deme hochgedachter hertzogk zw Florentz sich seithero furberurter inauguration des tittels „Serenissimi“ und „Aldezza“ gebraucht und denselben von ihrer Mt. insonderheit begeret, ihrer Mt. auch hierin ihr rahtlich gutachten zuerkennen geben woll[en], damit ihre Mt. sich entlich einmal inn dieser nunmehr fast langwirigen sachen nach gelegenheit desto fuglicher und unvorweißlicher resolviren möge.

    Fürs ander achten ihre ksl. Mt. darfur, hochbemelte anwesende churfursten unnd die pfaltzischen gewaldthabere und rhäte /138/ werden furlangst vorstanden haben, was sich vorschiener monat inn der stadt Genua fur unrichtigkeiten zugetragen, also das die newen vom adel daselbst zum regiment gegriffen und die alten sich deßwegen aus der stadt an andere ort begeben17. Dieweil dan nit unzeitlich zubesorgen gewesen, das die sache zu mehrer weiterung geraten und durch diese berurter, ihrer ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche ohne mittel zugehorigen stadt Genua zurutligkeit nit inn gantz Italien ein beschwerlichs fewer erwecket, dasselbe auch leichtlich weiter greiffen, insonderheit aber dem erbfeinde christlichs namens und glaubens sein zw gemeiner christenheit vortilgung gerichte anschlege inß werck zubringen allerhandt gelegenheit gegeben werden möchte, so haben ihre ksl. Mt. aus väterlicher und trewer sorgfeltigkeit und dan auch von ihres tragenden /138'/ ksl. ambts wegen nicht umbgehen wollen, ihre ksl. commissarien, den bischoff von Aqui18 und ihrer Mt. oratorn zw Venedig, herrn Veiten von Dornbergk19, dahin zuvorordenen, mit der sondern instruction und bevehlich, das sie durch alle ersprißliche mittel und wege die sache dahin zurichten sich zum eussersten bearbeiten solte[n], damit zwischen gedachten alten und newen vom adel aller zwispalt und uneinigkeit auffgehebt, auch also die sachen widerumb zw gleichem vorstande gebracht, und die angedeute gefhar und unheil abgewendet und vorhutet werden möchte. Wie dan auch dieselben ihrer Mt. keiserliche commissarien noch inn vorschienen monat Junio daselbst ankommen und nicht underlassen haben, ihrem empfangenen bevehlich alles underthenigsten fleisses nachtzusetzen, darauff auch /139/ die sache inn vorschienen monat Augusto so weit kommen, das die alten vom adel neben ihnen, den keiserlichen commissarien, ihn, den babstlichen legaten, den Šcardinal Moron20, und den hertzogen von Gandia21, alß dieser zurrütligkeit halben vom konige zw Hispanien insonderheit dahin vorordenten oratorn, auch s. kgl. Wirden ordinari botschafft22 daselbst dergestaldt zu comprimittiren bewilligt, das sie alle zwischen ihnen und den itztm regirenden newen vom adel des regiments halben schwebende irrungen de jure et facto und sowol per viam iusti et honesti alß per modum status et gubernii zuentscheiden, volkommene macht und gewaldt haben, das es auch bei dem, so die drey compromissarii sambtlich oder die zwene hierinnen sprechen und erkennen wurden, bleiben solt. Nach deme aber die newen vom adel, welche wie obstehet das regiment dieser zeit /139'/ inn handen haben, solch compromiß ihres teils eintzugehen aus etlichen, sonderlich aber der furgewendeten ursachen sich vorweigert, das dardurch ihre res publica inn zwei teil geteilet sein und daheer weiter erfolgen möchte, das ein jeder sich des namens rei publicae gebrauchen und es letzlich ein leib mit zweien kopffen sein werden, jedoch hochbemelten babstlichen legato, kaiserlichen commissarien und spanischen oratorn die sache volmechtiglich zuubergeben und heimzustellen bewilligt, also das sie alle der stadt satzungen, decreta und gebreuche das regiment betreffende, ersehen, vorbessern, erweitern, eintziehen, abthun und andere newe machen und auffrichten solten, so sie ohne vorletzung ihrer libertet zuerhaltung guttes fridsamen regiments fur das /140/ beste und furtreglichste erachten, das es auch bei deme, so sie sambtlich also handelen und ordenen wurden23, bleiben solte, hat sich darunder zugetragen, das die alten vom adel die waffen an die handt genommen und deren einer, Johan Andre Doria24, zwantzigk ihrer galleen, so von der kgl. Wirden zw Hispanien beurlaubt gewesen, zusammen gebracht und etliche derselben herrschafft zugehorige flecken25 eingenommen hat, neben welchem auch bemelte außgewichene sich zw lande mit krigßvolck gefast gemacht und sonderlich auff deme umb gangen, die zwei regiment deutscher knechte26 an sich zubringen, so vorschienes monat die kgl. Wirden zw Hispanien sich deren gegen dem erbfeinde zugebrauchen, mit ihrer ksl. Mt. vorgunstigung und erlaubnuß, Š /140'/ inn Italia furen lassen; daher erfolgt, das bemelte itzt regirende newe vom adel sich dessen bei ihrer ksl. Mt. zum hochsten beschweret und umb abstellung solcher thetlichen handlung insonderheit auch underthenigst gebeten, bemelten zweien deutschen regimenten nicht zugestatten, das sie inn der außgewichenen dinste sich begeben, sonder vilmehr dieselben dahin zu weisen, im fall sie, die itztregirenden, ihren bedurffen wurden, das sie ihnen dienen wolten. Darauff ihre ksl. Mt., alß die hierob ein sonder ungnediges mißfallen getragen, nit underlassen, bemelten Johan Andre Doria solch sein gewaltthetiges furnemen mit ernst zuvorweisen und ihme aufftzulegen, das er davon abstehen, auch aller ferner thetligkeit sich enthalten wolte27, und dan nicht alleine die kgl. Wirden /141/ zw Hispanien und dero gubernatorn im hertzogkthumb Meilandt28 so woll auch die obgenante beide spanische oratorn zw abstellung solcher thätligkeit zuvormanen, sonder auch der berurten zweier regiment obriste[n] unnd leutenambt, don Joan Manrique und graff Felix von Ladron29, bei ihrer ksl. Mt. hochster peen, straff und ungnade zubevehlen und zugebieten, das sie sich und ihr undergeben krigßvolck wider Genua oder andere ihrer ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche zugethane keines weges gebrauchen lassen solten. Auff welches (wie ihr ksl. Mt. berichtet wirdt) so vil erfolget, das die arma suspendirt und mit fernerer tractation und underhandlung zwischen den streittigen teilen fortgefaren wirdet. Und nachdeme hievor auff der newen vom adell gethane erklerung /141'/ die alten außgewichene alleine diß begeret, das ihnen die stadt Savona daselbst biß zw außtrag der sachen zuwohnen eingegeben und dan vorberurte volmechtige heimstellung auch auff die zwei vota gerichtet würde, also das, wo hochgemelter babstlicher legat, ihrer ksl. Mt. commissarien und spanische oratorn sich inno ihren votis nit alle miteinander vorgleichen wurden, es bei den zweien votis bleiben solte, so ist demnach ihre ksl. Mt. der trostlichen guttenp zuvorsicht, es werden diese beschwerliche zurrutligkeiten auch zu richtigkeit mögen gebracht werden, dartzw dan ihre ksl. q Mt. itzt beide teil vom newen durch schreiben gnedigst vormanet, mit der angehengten commination, bei welchem teil solches erwinden möchte, das ihre ksl. Mt. /142/ kegen denselben daßjenige furtzunehmen bedacht sein würde, dardurch [n]ichts desto weniger fride inn Italien und der christenheit erhalten, hingegen Šaber das auß ihrer dissension vorstehendt unheil abgewendet und vorhutet werden konte. Was nun also hirinnen weiter erfolgen wirdt, solches wollen ihre ksl. Mt. hochgedachten churfursten auch nicht uncommunicirt lassen.

    Sonst werden ihre kfl. Gnn. und die pfaltzischen gewaldthabere und rhäte sich auß vorigen ihrer ksl. Mt. berichten zuerinnern wissen, welchermassen ihre ksl. Mt. bißheer an ihr nichts ermanglen lassen, dardurch den langwirigen hochschedlichen und vorderblichen niderlendischen unrichtigkeiten möchte abgeholffen werden, das auch ihre ksl. Mt. vor der zeit ihrer Mt. geliebten sohne, konig Rudolffs zw Hungern und Behem etc. und ertzhertzogk Ernsten zw Osterreich etc.r obristen cammerer, herrn Wolff Rumpffen /142'/ zum Wiehl Roß, neben etlichen andern furnemlich dieser ursachen halben inn Hispanien abgefertigt30. Ob nun woll bißheer keine resolution darauff erfolgt, so ist doch ihrer ksl. Mt. dieser tage ein schreiben von dem könige zw Hispanien zukommen, darinnen s. kgl. W. sich erbeut, gedachten Rumpffen inn wenig tagen abtzufertigen, inmassen ihre ksl. Mt. gutter hoffnung seindt, er, Rumpff, werde nunmehr under weges sein. Was er aber berurter niderlendischen sachen halben fur eine endtliche resolution bringen wirdt, soll ihren kfl. Gnn. auch unverhalten bleiben und dan hinfurder an ihrer ksl. Mt. fleis, muhe und arbeit nichts erwinden, dardurch dieses beschwerliche niderlendische wesen zw richtigkeit gebracht werden mag.

    Dessen alles ihre ksl. Mt. vilhochgedachte anwesende churfursten und pfaltzische /143/ gewaldthabere und rhäte hiemit auch freundtlich und gnediglich zuerinnern nicht umbgehen mögen, und seindt ihren kfl. Gnn. so wol auch der abwesende[n] Pfaltz und derselben gewaldthabere und rhäte mit freundtschafft, gnaden und allem gutten jeder zeit gantz wol zugethan.

    « ŠNr. 51  Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, [Regensburg 1575 Oktober 26] »

    Zustimmung der Kff. zu den Erwägungen Ks. Maximilians II. hinsichtlich des Hgt. Toskana und zu seinem Vorschlag, Francesco de' Medici den Titel eines Großhg. von Florenz zu verleihen. Dank für die von Ks. Maximilian II. unternommenen Bemühungen zur Schlichtung des Gegensatzes zwischen altem und neuem Adel in Genua und für die ksl. Gesandtschaft nach Spanien zur Beilegung des niederländischen Konflikts. Hoffnung auf friedliche Lösung.

    Konzept am Nachmittag des 26.10.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) verlesen und beraten1.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 8–9 (undatierte Kop.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 54–55 (undatierte Kop. Dorsv.: Der Kff. bedencken in sachenn die newe florentinische inauguration betreffendt.) = B.

    Druck: Lünig , Codex Italiae diplomaticus I, Nr. LXII Sp. 1307 f. (lat. Übersetzung; datiert 29.10.1575); Senckenberg , Imperii Germanici ius, Nr. LXXXVIII S. 413 f. (datiert 29.10.1575). Referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 527 f.

    /8/ Der röm. ksl. Mt., unsers allergnedigsten hern, in schriften abgefertigten bericht2, was in sachen die florentinische neue inauguration bela[n]get gehandelt, was auch ihre Mt. zu niderlegung der genuesischen entpörung und niderlendischen krigs unruhen mit emssigen fleiß und vaterlichen sorgfeltigkeit gehandelt, auch dabei ferners zubedencken angehenget, dessen alles seind die anwesende churfursten und pfeltzische abgesanten aus vorleßnen, ihrer ksl. Mt. schriftlichen anbringen der notturft berichtet worden.

    Wann nun daran kein zweifel, das Florentz und gantz Hetruria von alters zum Heiligen Reich gehorigk, das auch die hertzogen zu Florentz ihre furstliche würden, titel, stand und obrigkeit von niemand anders als von romischen keisern, nemlich keiser Carln dem funften, noch in frischem angedencken, erlanget, als hats dem itzigen regirenden hertzogen3 eben so wenigk als dem vorigen4 geburet, solche wurden, titel oder stende, noch viel weniger den titel eines grossen hertzogen Hetrurie oder Tuscanie zu Rohm von babst Pio Quinto zu suchen, zuvorab dieweil dasselbig so wol e. a ksl. Mt. /8'/ als dem Heiligen Reich (daher alle weltliche hohe wurden, stend und gebiet als vom entzigen brunnen im Heiligen Reich herflissen) zu keiner geringen vorkleinerung und abbruch reichen thut. Der und anderer ursachen halben, von e. ksl. Mt. Šwolbedechtigk angetzogen, lassen die anwesende churfursten und pfeltzische abgesanten inen, e. ksl. Mt., furgeschlagen mittel underthenigst wolgefallen, b -das nemlich der hertzogk zu Florentz den titel und nahmen „magni ducis“ (des großhertzogen zu Florentz, aber nicht zu Hetrurien oder Tuscana [)] bei e. ksl. Mt. der gebur erlangen und außbringen solle, aber doch ohne crohn, zepter und den titel „Serenissimi“–b , das auch solche erhebung seins titels „e. ksl. Mt., dem Heiligen Reich und sonsten mennigklichen ohne nachtheil“5 sein solle, inmassen e. ksl. Mt. aller gnedigsten bedencken darvon ferner meldunge thut6.

    Das denn e. ksl. Mt. die innerliche oder burgerliche entpörung zwuschen den alten und neuen vom adel zu Genua auf solche compromittirte mittel gericht, dadurch solche gewaltige comun /9/ und stad dem Heiligen Reich auch angehorigk widerumb zum fridlichen wesen gebracht, doneben auchc ihre ansehenliche kaiserliche oratores7 zu der kgl. W. in Hispanien mit sonderer instruction und werbung zur pacification der Nider Erb Landen allergnedigst abgefertigt, mit angeheften allergnedigsten ksl. erpieten, dessen sagen sie, die anwesende churfursten und pfeltzischen abgesanten, e. ksl. Mt. allerunderthenigsten danck, wollen auch zu Got dem almechtigen vorhoffen, derselbe wirdet nach seiner götlichen güte einmal solche annemliche mittel schicken, damit solche langkwirige unruhen zu allen theilen widerumb zum fridlichen wesen gelangen und also fernner vorterben der christlichen landen vorhütet werden möge, wie es dan zwar bei diesen ohn das untreuen zeiten und andrauenden gefehrligkeiten dem Heiligen Romischen Reich fast hoch notigk und nützlich ist. Solchs haben ihre chur- und f. Gnn. zu ihrer allerunderthenigster erklerung e. ksl. Mt. nicht wollen unvormeldet lassen.

    « ŠNr. 52  Supplikation der wendischen Städte an die Kurfürsten, präs. Regensburg 1575 Oktober 19 »

    Hilfeersuchen der Stadt Riga an die wendischen Städte nach Eroberung der Stadt Pernau durch russische Truppen im Sommer des Jahres. Appell an Ks. und Kff., Livland gegen den Zaren zu verteidigen und die auf dem RT 1570 beschlossene Gesandtschaft nach Moskau nicht länger hinauszuzögern.

    Am Nachmittag des 25.10.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) verlesen1 und am Vormittag des darauffolgenden Tags im KR zusammen mit dem ksl. Vortrag zur Gesandtschaft nach Moskau beraten2.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 94–95' (Kop.; präs. Regensburg, 19.10.1575) = Textvorlage. Knapp referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 399.

    /94/ Hochwirdigste durchlauchtigste, hochgebornne churfursten, gnedigste herrn. Nach dem an die röm. ksl. Mt., unsern allergnedigsten hern, von den erbarn sechs wendischen stedten wir anhero mit credentz und werbung abgefertigt worden, in wichtigen sachen, die wolfart gemeiner deutzscher nation, in sonderheit aber der stende, so an der Ostsee gesessen, betreffent, und daneben befehlich entpfangen haben, e. kfl. Gnn. auf die beivorwarte underschiedliche credentz in underthenigkeit auch zuersuchen, das e. kfl. Gnn. dieselbige unsere werbung gnedigst in acht haben und fursehung wolten thun helffen, damit ferner unheil abgewendet und vorhütet werden möchte, als haben wir eine notturft sein erachtet, e. kfl. Gnn. davon schriftlich in underthenigkeit zuberichten, mit underthenigster bit, e. kfl. Gnn. wolten solches von uns in gnaden vormercken.

    Und ist kurtzlich an deme, das die stad Riga in Lifland unlangst an unsere obern und eltisten kleglich geschriben, welcher gestalt der muscowiter im jungst verschinnen sommer nach vorwustung der land Harrien, Wirland, Wigk, Ossel3 und der ubrigen doran stossenden gegent (darin er uber 100 edelmans höve zu grunt außgebrant und uber 30.000 menschen zum theil erwurget, zudem wie das vihe hinwegk getriben) den 27. Junii mit heres kraft und 72 grossen mauern brechern, 4 trippel /94'/ kartaunen und 9 feuermörsel schloß und stad Parnaw4 (so an der Ostsee gerade mitten inne zwischen Riga und Revel gelegen und ein guten port hat, auch biß hero neben gnanten beiden stedten eine vormaure und schutzwehre deutzsch landes am selbigen ort wider diesen erschrecklichen feind gewesen) belegert, gewaltigk beschossen, mit 9 sturmen Šangelauffen und die armen leute, deren uber 300 wehrhaftiger man nicht darin gewesen, dermassen geengstiget und außgemattet, das sie sich den 8. Julii ergeben müssen, darin er als balt 4.000 hackenschützen neben einer antzahl rheisigen zur besatzung gelegt und förder auf Salis5 zugeruckt (welches 14 meiln ob Riga gelegen und durch die rigischen unlangst zuvor geschleift gewesen), solches auf ein neues starck befestiget und mit etlich 1.000 reussen, tarterna und einer fahn deutzscher reuter besetzt, sich auch erklert, aus Lifland nicht zutzihen, er habe es dan gantz und gar erobert und unter sein gewalt gebracht; welches ihm dann auch nicht schweer, aldieweil er dasselbige albereit biß an den Düne strom6, ausgenohmen Riga und Reval, inne hat. Derwegen gemelte stad Riga wehmütigklich unsere obern und eltisten angeruffen, inen von wegen der verwantnus und nachtbarschaft, auch aus christlicher libe und mitleidigen erbarmung die behülfliche hand /95/ zu reichen, dartzu dan auch bemelte unsere obern und eltisten willigk und gneigt und sich vorpflichtet thetten erkennen, do es ihr wergk und thun allein auch in ihrem vermügen wehre.

    Weil aberb diese sache das gantz Heilige Reich deutzsche[r] nation, als dessen einvorleibtes glid Lifland je und allewege gewesen, auch billich noch sein solte, antrift, und die gefahr, so des orts diesem unserm algemeinen gelibten vaterland dreuhet und vor der thür stehet, nicht geringer zuschetzen dann des türcken gewalt gegen den osterreichischen landen, auch unsere obern und eltisten gantz und gar zu schwach seind, das sie diesem großmechtigen feint, welcher sein gebiet in kurtzen jahren gegen aufgangk der sonnen biß an das caspische mehr erstreckt und numehr der Ostsehe auch begint mechtigk zu werden, einigen widerstand viel weniger abbruch thun solten konnen, als haben sie uns derwegen anhero abgefertigt, solche hochbeschwerliche sorgliche gelegenheit der romischen ksl. Mt. in aller underthenigkeit clagent zuerkennen zugeben und umb allergnedigstes einsehen zu bitten, sonderlich weil hiebevorn auf dem zu Speier anno 70 gehaltenem Reichs- und darauf erfolgtem franckfurtischen deputation tag auf ein ansehenliche beschickung an den muscowitter, so von des Heiligen Reichs wegen geschehen solte, geschlossen worden7/95'/ ob es demnach nachmals nicht solte rathsam und gut sein, das mit derselbigen abfertigung lenger nit vortzogen, sondern vorsucht wurde, ob der ubrige geringe rest des Liflandes dardurch salvirt und errettet und oftgedachte erschreckliche Šfeind von den grentzen deutzscher nation abgehalten; das auch zu derselben legation aus den furstlichen an der Ostsehe geseßnen heusern vorstendige leut, als die der muscowiterischen gelegenheit, sitten, sprach und anderer umbstende etwas mehr kundigk, mit gebraucht werden möchten8.  Wann dann bei e. kfl. Gnn. als den furnembsten glidern und seulen des Heiligen Reichs hirinne nicht ein geringes sehen will, als gelanget an dieselbige unser im nahmen oft erwenter unserer obern und eltisten underthenigstes hochvleissiges bitten, e. kfl. Gnn. wolten diese sache gnedigst erwegen und betrachten, auch auf die mittel und wege helffen gedencken, dadurch der augenscheinlichen gefahr und not gemeiner deutzscher nation, sonderlich aber der stende, so an der Ostsehe gesessen, begegnet und besorgkliches furstehendes vorterben, unheil und untergangk abgewendet werden möge. Daran erstatten e. kfl. Gnn. ein hochlöbliches christliches und gemein nutziges wergk. So werden es auch die betrengten stende neben unsern obern und eltisten umb e. kfl. Gnn. ihres eussersten vermügens in underthenigkeit zuvordienen in kein [vergessen]c stellen.

    Präs. Regensburg, 19.10.1575. Unterschriften: Dr. Calixtus Schein; Dr. Heinrich Husanus9 .

    « Nr. 53 Vortrag Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Moskau,[präs. Regensburg 1575 Oktober 24] »

    Erinnerung an die den Kff. überschickten Berichte über den Konflikt in Livland und die Beschwerden der Hansestädte an der Ostsee. Verweis auf die Beschlüsse früherer RVV betreffend eine Gesandtschaft nach Moskau, die wegen Finanzierungsschwierigkeiten bislang nicht stattfinden konnte. Bitte an die Kff. und Pfgf. Ludwig, über Hilfe für das bedrängte Livland, ein mögliches Bündnis mit dem Zaren sowie über die Finanzierung der Gesandtschaft nach Moskau zu beraten.

    Den Kff. und Pfgf. Ludwig wahrscheinlich zusammen mit den drei ksl. Propositionen am 24.10.1575 in der ksl. Herberge übergeben1 und am selben Tag kopiert2. Am Vormittag des 26.10.1575 im KR verlesen und beraten3.

    Š HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 26–29 (undatierte Kop. Dorsv.: Kayserlicher Mt. etc. vhortragk die Lifflande betreffende.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 41–43 (Kop. Dorsv.: Ksl. Mt. vortrag die Leiflandt betreffent, Regensburg anno 75.) = B.

    /26/ Als die röm. ksl. a Mt., unser allergnedigster herr, unlangst vor ihrem abreisen aus dero cron Behem des Heiligen Reichs Kff. erstlichen vomb 18. Juliic, dan auch vom 18. Augusti jungsthin etzliche beschwerliche zeittungen auß dem Lifflande zugeschickht, zw dem effect und ende, das ihre kfl. Gnn. denselben hiezwischen nachdencken und alßdan zw dieser alhie angestelten zusammenkunfft ihrer ksl. Mt. ihr rahtlich gutachten, was ungevehrlich darunder zuthun und wie doch denselben so hoch betrubten landen etlicher massen aus ihren beschwerungen geholffen werden möge, zu eröffenen, weiters inhalts derselben ihrer Mt. gethanen schreiben, und dand ihre ksl. Mt. seidt anhero von andern mehr ortten, sonderlich aber an der Ostsehe gesessenen anselichen steten, gantz undertheniglich ersucht worden, derselben sachen, alß daran dem Heiligen Reich hoch und viel gelegen, gnediglich inndenck zusein, so hat demnach i. ksl. Mt. nit underlassen können noch sollen, ihre kfl. Gnn. /26'/ deßjenigen, so angeregter Lifflandt halben etliche jhar lange anhero furgangen, mit kurtzen zuerinnern.

    Und anfenglich setzen ihre ksl. Mt. inn keinen zweifel, ihre kfl. Gnn. seien noch inn frischen angedencken, was i. ksl. Mt. under jungsten gehaltenen reichstag zw Speier berurter Lifflandt halben gemeine stende erinnert und weßmassen daselbst einhellig beschlossen worden, eine ansehenliche schickung auff der stende costen zw dem großfursten inn die Moßcaw zuthun4. So wirdt auch ihren kfl. Gnn. vorsehentlich unentfallen sein, was i. ksl. Mt. desselben uncostens halben, wannen hero derselbe genommen und was ungevehrlich fur personen zw berurter legation gezogen werden solten hernacher auff dem deputation tag zw Franckfurt und auch der churfurstlichen vorsamlung zw Mulhausen weiters angeregt5, dan auch zw etlichen underschidlichen mal Šwegen der stadt Refell /27/ feindtlicher belegerung6, deßgleichen der stadt Riga subjection7 und letzlichen eröberung der Parnaw8 halben ihren kfl. Gnn. zugeschrieben. Ob dan woll, sovil bemelten legation costen anlangt, erstlich zw berurtem franckfurdischen deputation tag vorabschiedet, das derselbige auß des Reichs restanden zunehmen, dan förders zw Mulhausen ihrer Mt. durch die Kff. eingereumbt, zw berurter schickung biß zw einer gemeinen Reichs vorsamlung inn die zwantzigk oder dreissig tausent fl. aufftzunehmen, neben deme auch andere mehr guthertzige bedencken von beschickung und tröstung der vorberurten beidenf stete Riga unnd Refell uff die ban kommen, so haben doch i. ksl. Mt. jedes mal ihre kfl. Gnn. außfurlich inn schrifften bericht, das nicht alleine im Heiligen Reich kein einiger ausstandt oder restandt, der nit zw anderer notturfft destinirt und davon angeregter legation costen /27'/ genommen werden mochte, vorhanden, sonder auch bei denen so scheinbaren und uberschwengklichen ihrer Mt. außgaben und obligenden mercklichen schulden lasten ihrer Mt. beschwerlich were, die bestimbte summa, do sie auch gleich (wie nit wenig zweifelich) zw angeregter so ansehenlichen schickung gnugsam, aufftzubringen. Dieweil aber nichts desto minder hiezwischen die bemelte stete und stende inn Lifflandt von wegen zugestandener eussersten beschwerung, uberzug und vorherungen deß moßcowitters zu vilmalen bei ihrer Mt. umb gnedigsteg hulff und rettung oder je zum wenigsten einen fridlichen anstandt zum erbermlichsten und flelichsten angehalten, und also die höchste unumbgengliche notturfft erfordern will, vilberurte legation lenger nicht eintzustellen, bevorab weil gedachter großfurst nicht alleine derselbigen vorlengst vortrost /28/ worden9, sondern er auch selbst darumb zum hefftigsten anhelt und sich anerbüetig macht, seiner voreltern exempel nach mit i. ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche inn gutten nachtbarlichen vorstendtnus und einigung zukommen, derowegen wöllen ihre ksl. Mt. hochgedachte churfursten gantz freundtlich und gnediglich ersucht und ermanet haben, sie wollen nachmalß der lifflendischen sachen, an dero dannoch dem Heiligen Reiche, furnemlich aber denen an der Ostsehe gesessenen stenden von wegen immer je mehr und mehr einbrechenden und zunahenden moßcowitterischen gewalts nicht wenig gelegen, darinnen auch der beiden obbemelten stette halben daß höchste periculum in mora ist, mit allem fleisse nachdencken und i. ksl. Mt. ihre einhellige meinung und gutachten eröffnen, auff waß ungevehrliche maß die noch ubrige stende /28'/ und stette inn Lifflandt vor weiterem vorderben zuretten und das jenige, was Šhinweg kommen, zw des Heiligen Reichs subjection widerumb zubringen, wie auch die zuvor einhellig bewilligte schickung inn die Moßcaw (darauff auch i. ksl. Mt. vorlengst geleite und sicherheit erlangt und zw etwas vorbereitung derselben und damit der großfurst ob deme so langen vorzug nit befrembdung trage, albereit etliche ihre rhäte und diener mit mercklichen uncosten hienein geschickht10) zum forderlichsten und nutzlichsten antzustellen, deßgleichen wie weit und was gestaldt i. Mt. sich von des Heiligen Reichs wegen mit dem moßcowitter der angebottenen einigung halben eintzulassen, und dan wannen hero der uncosten, so darauff gehen würde /29/ genommen werden möchte, fürders und neben demselben auch dasjenige, was i. ksl. Mt. wegen der stadt Riga subjection11 und dan des königes zw Schweden begerten protection kostens12, desgleichen hertzogk Magni zw Ho[l]stein13 halben lengst vorflossenen 72. Šjhares an ihre kfl. Gnn. abgesondert geschrieben, inn berathschlagung ziehen und i. ksl. Mt. inn allen solchen puncten ihr wolmeinlich rahtsam gutachten unbeschwerdt eroffenen. Das neben deme es zw des Hl.h Reichs selbst bestem gereicht, wollen i. ksl. Mt. gegen ihren kfl. Gnn. inn freundtschafft und gnaden hinwiderumb zuerkennen jedertzeit geneigt erfunden werden.

    « Nr. 54 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Gesandtschaft nach Moskau, [Regensburg 1575 Oktober 26] »

    Verweis auf die Beschlüsse der RVV von 1570, 1571 und 1572 betreffend den Konflikt in Livland. Empfehlung, die damals beschlossene Gesandtschaft nach Moskau unverzüglich abzufertigen, damit auf der Grundlage ihres Berichts auf dem bevorstehenden RT über Verhandlungen mit dem Zaren beraten werden kann. Übernahme der Kosten durch die supplizierenden sechs wendischen Städte. Bitte um die Ernennung ksl. Kommissare, um die kfl. Räte bei der Erarbeitung der Gesandtschaftsinstruktion zu unterstützen.

    Konzept am Nachmittag des 26.10.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) verlesen und beraten1.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 54–55 (undatierte Kop.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 44–45 (undatierte Kop. Dorsv.: Der Kff. bedencken auf der röm. ksl. Mt. vortrag inn den leiflenndischen beschwerungen.) = B.

    /54/ Von der röm. ksl. Mt., unserm allergnedigsten hern, angeregte liflendische beschwerungen und was darauf im Kff. rath fernners zu beratschlagen von wegen ihrer ksl. Mt. allergnedigst begert worden2, das alles ist von den anwesenden churfursten und pfeltzischen abgesanten der notturft nach, soviel dise zeit beschehen mögen, bedacht und erwogen.

    Wan dann sie, die churfursten und pfeltzische abgesanten, sich erinnerta, was solcher wichtigen sachen wegen anno 70 auf gehaltenem reichstage zu Speier und anno 71 darnach zu Franckfurt von des Reichs deputirten und letzlich anno 72 zu Mühlhausen von ihr, der sechs churfursten wegen auch tractirt, fur gut und nützlich angesehen worden3, das nemlich ein statliche schickung Šin die Muscau im nahmen ihrer ksl. Mt., auch aller churfursten, fursten und stenden des Heiligen Reichs abtzufertigen etc., sob wollen sie, die anwesende churfursten unnd pfeltzische abgesanten, die ksl. Mt. hirmit in aller underthenigkeit gebeten haben, solche schickung numehr ahn lenger vortzihen in die Musca furgehen zulassen, damit auf negstkünftiger Reichs vorsamblung, wie und welchergestalt die abgesanten von dem /54/ grosfursten empfangen, was auch beim selben dem Reich und gemeinen nutzen zum besten vorhoffentlich zu erlangen, von dannen aus in schriften berichten, ferners gemeine stend mit gesambten rath sich darnach richten unnd also ihr einhelligk bedencken bei diesem hochwichtigen wergk ihrer Mt. furbringen mögen. Was den unkosten anlanget, da wirtc gleichwol im Kff. rath ermessen und gebilliget, sintemal solche schickung den supplicirenden sechs wendischen stedten furnemlich zu ihrer selbst errettung und abwendung fur augen an drauender mechtigen gefehrligkeiten furgenohmen würt, das sie denselben unkosten ohne beschweer auf sich nehmen und darlegend solten oder wo nicht den gantzen doch den halben oder zum wenigsten zum dritten theil, oder do deren keines uber vorsehens zu erhalten, das sie auf den fall ein anleihung thun sollen, so sie hernach in andern Reichs anlagen fur ihr quota einbehalten sollen. Aber was und wie weit die abgesanten mit dem muscowiter zu handeln, weil dieser punct hoch /55/ und wichtigk, darunter allerhand felle und umbstende zu bedencken, so ist der chur- und fursten underthenigs bitten an e. ksl. Mt., die wollen etliche, deren sachen und landen gelegenheit erfahren, zu den churfursten unnd pfeltzischen deputirten vorordenen, die als dan nach eingenommenen notturftigen bericht davon miteinander weiters reden und handeln und einer instruction sich vorgleichen sollen4. Welches e. ksl. Mt. die anwesende churfursten und pfeltzische abgesanten zur begerten ihrer underthenigsten antwort und wolmeinenden bedencken in aller underthenigkeite nicht unangetzeit lassen wollen noch sollen.

    « ŠNr. 55  Bedenken der kurfürstlichen Räte zur Gesandtschaft nach Moskau, Regensburg 1575 November 3 »

    Beratung der kfl. Räte über Verhandlungen mit dem Zaren auf der Grundlage des Berichts der ksl. Kommissare. Verweis auf die RVV von 1570 und 1572 sowie auf die aktuellen Beschlüsse des KR. Empfehlung, die geplante Gesandtschaft unverzüglich abzufertigen und unter anderen Hg. Barnim von Pommern nach Moskau zu entsenden. Inhalt der Gesandtschaftsinstruktion entsprechend dem RT-Beschluss von Speyer 1570: 1) Forderung nach Restitution der dem Reich entzogenen Gebiete in Livland oder 2) Forderung nach einem Waffenstillstand in Livland; 3) Sondierung eines gegen die Türken gerichteten Bündnisses mit dem Zaren. Berichterstattung der Gesandtschaft als Grundlage für die Beratung des weiteren Vorgehens auf dem bevorstehenden RT. Kostenübernahme durch die sechs wendischen Städte.

    Am Vormittag des 2.11.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) mit den ksl. Kommissaren beraten1 und am 3.11.1575 verlesen und gebilligt2. Datiert Regensburg, 3.11.1575.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 65–67 (Kop.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Ll Fasz. B, unfol. (Kop. Dorsv.: Der Kff. rhäte bedencken die schickung in die Moskau belangende, 3. Novembris anno 75 zu Regenspurgk.) = B. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 37–39 (Kop. Aufschr.: Decretum von wegenn schickung in die Moscaw. 2. bedenken der Kff. in causa moscowitter.) = C. Knapp referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 417.

    /65/ Auf der romischen kayserlichen Mt. etc., unsers allergnedigsten hern, verordentten ksl. commißarien3 zum Kff. rath gethanen bericht, waß und wiefiel mit dem muscowitter in namen irer ksl. Mt. etc. gehandelt und was nachmalß bey ime dem Heiligen Reich zum besten durch vorhabender schickung verhoffentlich zuerlangen sein mochte etc., haben die chur- und furstlichen rethe, irem habenden befelich nach, von solcher wichtigen sachen sich ferners unterredet.

    Unnd nachdem sie sich erinnert, was der schickung wegen in die Muscaw alle des Heiligen Reichß stende in nechster reichsversamlung anno 70 zu Speyr sich einhelliglichen vorglichen4, waß sonder bedencken auch von wegen der sechs Kff. darnach anno 72 der kayserlichen commißarien zu Mulhausen eröfnet5 unnd dan was abermalß alhier die anwesenden Kff. und pfaltzischen abgesandten bey diesen puncten der schickung im rath bedacht6, auch irer ksl. Mt. fur ihr wolmeinendt bedencken in schriefften allerunderthenigst uberreichen Šlassen7/65'/ alß haben sie nachmals vormug solcher irer gnedigsten chur- und furstlichen Gnaden, auch gemeiner stende bedencken dahin geschloßen und inen, den kayserlichen commißarien, wiederumb vormelden laßen: Nachdem aus der sechß windischen stette kleglich schreiben8 so fiel vernommen, in was große gefahr sie und die ubrige liefflendische stett und landschafften des einbrechenden muscawitterß halben albereit stehen, so sey nachmalß irer gnedigsten und gnedigen chur- und fursten an irer ksl. Mt. allerunderthenigst bitt, die wolle solche stadtliche schickunga in nahmen irer ksl. Mt. und aller stende des Heiligen Reichs zu dem muscowitter nunmehr unvorlengt vorgehen lassen, dartzu dan in alwegen neben andern auch ein furst alß hertzog Barnym zu Pommern (sintemal irer f. Gn. bruderb, hertzog Hanß Friederich, auß eingewentten ursachen sich entschuldigt zunehmen gebeten hatt[)] zu vermugen sein solle, in erwegung, das diese sache hochwichtig, daß es auch zu mehrer reputation ihrer ksl. Mt. etc. /66/ und allen stenden fast notig, und dan daß sonsten andere abgesantten kein sonder ansehens bey dem muscowittischen großfursten haben wurden.

    Die instructio aber mochte neben demjenigen, was auch nechst zu Speyr daruber gemeine stende bedacht, auf diese drey vornehme capita ungefehrlich zu ferttigen sein: Zum ersten, daß aus allerhandt eingefurtten bewegnußen bey ime, dem großfursten, zu suchen und zu begeren, die liefflandischen landen, leut, stett und vestungen, so ehr nun etliche jahr hero mit gewertter handt dem Heiligen Reich abgenommen, irer ksl. Mt. etc. und dem Reich wiederumb frey zustellen, des Reichs guter nachtbar sein und sein kriegßvolck abfordern soll. Zum andern, da das alles nicht zu erhaltten, daß ehr doch zum wenigsten die ubrigen liefflendischen stette, vestungen, lande und underthanen an irem leibe, haab und gutern weiterß mit keinem /66'/ krieg, raub, plundern, brennenc, fahen, belegern noch in andere wege angreiffen, beleidigen oder beschweren wolle, sondern das alles seinen habenden kriegsleuten durchaus verbieten und friedt haltten biß zu kunfftiger tractation und vergleichung. Zum dritten, das die abgeferttigte bottschafften daneben bey ime, dem großfursten, mit sonderm fleiß und geschicklichkeitt zuvornehmen, wie und welchermassen ehr bedacht, seinem forigen erbieten nach mit irer ksl. Mt. und dem Heiligen Reich in guter nachtbarschafft, verstendtnus oder auch sonsten in andere verbuntnus oder societeten wieder den turcken alß irer und unserer gemeiner christenheit erbfeindt zu kriegs- und friedenßzeiten sich eintzulassen. Waß sie dan also erkundiget und vorrichtet, daßelbe soltten sie forderlich irer Mt. zuschreiben, damit uf nechst kunfftigem reichßtage ired Mt. das alles gemeinen stenden Šproponiren lassen und derselben bedencken daruber vernemen moge. /67/ Den uncosten aber zur schickung etc.e belangende, mussen es die chur- und furstlichen rethe bey irer gnedigsten und gnedigen hern forigem bedencken, so i. ksl. Mt. albereit in schriefften ubergeben9, bewenden lassen. Dessen vorsehens, es werden die sechß wendischen stette zuf solcher ihneng selbst hochnottiger und nutziger schickung ire schuldige gebuhr zum wenigsten mit aufbringung und furleihung so fiel geldes auch guttwillig leisten, so ihnen hernach an andern anlagen des Reichß pro rata abgetzogen werden solle, und damit sie in diesem destoweniger zu difficultiren hetten, e. ksl. Mt. inen diese gewiße vortrostung zuthun, daß solchs bey gemeinen stenden richtig gemacht und inen festiglich gehaltten werden soll.

    Regensburg, im churfursten rath, 3.11.1575.

    « Nr. 56 Resolution der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg zum geplanten Kriegszug des Pfalzgrafen Johann Casimir nach Frankreich, Regensburg 1575 Oktober 29 »

    Zurückweisung der in den Schreiben des Pfgf. Johann Casimir genannten Gründe. Gefahr für das Reich, da der Kg. von Frankreich durch die geplanten Aktionen zu Gegenmaßnahmen provoziert werden könnte. Empfehlung eines ksl. Schreibens an Kf. Friedrich III. von der Pfalz und seinen Sohn Pfgf. Johann Casimir, um letzteren von seinem Vorhaben abzubringen.

    Nach mündlichem Vortrag der ksl. Anzeige zum geplanten Kriegszug des Pfgf. Johann Casimir durch Dr. Viehauser am Vormittag des 29.10.1575 im KR unter Ausschluss Pfgf. Ludwigs beraten1. Datiert Regensburg, 29.10.1575.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 73–74 (Kop.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10 Nr. Kk 1 Fasz. B, unfol. (Kop.) = B.

    /73/ Was die röm. ksl. Mt. etc., unser allergnedigster herr, durch ihren geheimen rhat doctor Sigmundt Viheuser anheut im churfursten rhat von herzogk Johan Casimir pfaltzgraffena furhabende werbung, etliche tausent krigßleute inn Franckreich zufuren, zuberathschlagen antzeigen und darauff allergnedigst begeren lassen, das alles haben die funff persönlich anwesende churfursten im raht der gebur berathschlagt, auch darbei sich erinnert, was herzogk Johanb ŠCasimir daneben an ein jeden churfursten imsonderheit freundlich geschrieben unnd begeret2

    Wiewol nun hochgedachter herzogk inn seinem schreiben sondere ursachen furwendt, warumb s. f. Gn. zw solchem furhabenden zug inn Franckreich alß ein feldt obrister sich bewegen und bestellen lassen, so erachten doch hochstgemelte churfursten daneben und vil mehr zuerwegen, das die kgl. Wirden inn Franckreich dardurch nit wenig offendirt, sich dargegen auch gefast machen, und, wie die rede /73'/ gehet, noch vilmehr krigßvolck auch inn Deutschlandt werben und durchfuren lassen wirdt. Wan dan solche vilfaltige werb[ung]en, an- und durchzihen der krigsleute dem gemeinen man im Heiligen Reiche bei diesen ohne das tewren zeitten gantz beschwerlich und untreglich, zw deme des krigß außgang ungewiß, da auch die kgl. Wirden ihren vortel ersehen, einen heuffen frantzösischen krigßleute unerwartter dinge heraus auff des Reichs boden biß an den Rein schicken, alles vorheren und andere grausamkeiten uben oder auch sonsten bei dem turcken dem Reiche einen andern erschrecklichen anhang erwecken möchten, alß seindt die Kff. deß einhelligen bedenckens von ihrer aller wegen neben e. ksl. Mt., die sie auch hiemit allerunderthenigst darumb bitten, dem churfursten pfaltzgraffen, gleichfals hertzogk Johan Casimir von hieaus zuschreiben3, solche ding zw gemute zufüren und mit /74/ sonderm fleis zuersuchen, solchen furhabenden zug gentzlich eintzustellen, welches sie, die churfursten, zw ihrem wolmeinenden bedencken e. ksl. Mt. inn allerunderthenigkeit unvormeldet nicht lassen mügen.

    Beschluss des KR, Regensburg, 29.10.1575.

    « Nr. 57 Schreiben der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 30 »

    Verweis auf die eingegangenen Schreiben des Pfgf. Johann Casimir über seinen geplanten Kriegszug nach Frankreich. Betonung der dadurch zu befürchtenden Schäden und Gefahren, da sich der Kg. von Frankreich provoziert fühlen und sich mit den Türken gegen das Reich verbünden könnte. Ermahnung an Kf. Friedrich III., seinen Sohn Pfgf. Johann Casimir von seinem Vorhaben abzuhalten. Ankündigung möglicher Schadenersatzforderungen.

    ŠDatiert Regensburg, 30.10.1575. [In simili an Pfgf. Johann Casimir]

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 75–77 (Kop.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. B, unfol. (Kop. Dorsv.: Kfl. widerrahten hertzog Johann Casimirs zug in Franckreich.) = B.

    /75/ Unser freundtlich dienst und was wir liebes und guts vormögen, altzeit zuvorn. Hochgeborner furst, besonder lieber freundt, auch freundtlicher lieber vetter, ohem, schweher, schwager und bruder.

    Wir wissen e. L. freundtlichen nicht zu bergen, das uns und jedem innsonderheit von dem auch hochgebornen fursten, unserm besondern lieben freunde, auch freundtlichen lieben vettern, sohn, gevattern, ohem und schwager, a -herzogk Johan Casimir pfaltzgraff–ae. L. sohn, ein schreiben mit eingeschlossener copei eines an die röm. ksl. Mt., unsern allergnedigsten herrn, vorfertigt zukommen1, darinnen ihre L. uns freundtlichen zuerkennen gebenb, auß was bewegnus und ursach sie etliche geworbene deutsche reutter unnd krigßvolck inn Franckreich zufuren entschlossen und einß teils durch unsere landt und gebiet freien paß suchen und bitten, ferners inhalts ihrer Libden schrifftlichen ersuchens, darauff auch weiter von der röm. ksl. Mt. nit underlassen, was gemelter herzogk Casimir, e. L. sohn, vormöge obangeregter mit ubersandter copei, an i. Mt. /75'/ außfurlichen gelangt, uns allergnedigst zueröffnen. Wiewol wir nun disfals, was etwan der von ihrer L. angetzogenen deutschen freiheiten halben, zu vorgriff und prejudicirlich angetzogen oder vorstanden werden möchte, widerwertiges zuerwecken ungerne vorursachen wolten, so thun wir dannoch billich zw gemute furen, was beschwerlichen anhangs und kunfftigen nachteils letzlich nicht alleine dem Heiligen Reiche und dessen gliedern, sonder auch gemeinen stenden sonderbar und unserm vatterlande hieraus zu sorgen stehet, inn deme wie e. L. selbst zuermessen, do vorhabender gestalt sambt frembder sachen willen das gemeine Reich im wenigsten nicht betreffen, die genachbarten potentaten also wie nun etliche jhar hero mit dergleichen uberzugen, vorherung und vorderbung ihrer lande und leute beschehen, itzo wider angefochten und beschwert, do man billich bei solchen sorglichen zeitten mehr zu gutter fridlicher nachtbarschafft dan einiger offension gesinnet sein solte, unnd furnemlich /76/ do man der teglichen gefhar des turcken einfall und uberzugs ohne das gewertig, und ob nit hiedurch dem konige auß Franckreich ursach gegeben, seine bißhero mit dem turcken gehabte vorstendtnus zuermehren und do er sein vortel ersehen, sich hinwider zurechen und also dem Reiche, dessen stenden und gliedern ungemach zuzufuegen.

    Wan dan uber alle itzt erzelte besorglicheiten noch das bevor, zw was weiterm schaden, nachteil und vorderben dieser durchzug eines solchen ansehenlichen krigßvolck den ohne das erarmbten und durch zuvor erlittene beschwerliche Šdürchzuge erschopffte underthanen dieses zugereichen, sonderlich itztmalß, da sie das jenige ann frucht und wein, so sie das gantze jhare umbhero mit schwerer saurer arbeit zw ruhiger fridlicher genissung desselbig erbawen, ihne ohne bezalung also vorschwenten sehen und leiden mussen, alß haben wir auß vorangeregten und andern mehr ansehenlichen ursachen nit underlassen mögen, /76'/ e. L. dessen inn besten zw gemut zufuren, und ersuchen demnach dieselbe hiemit freundtlich und brüderlich, die wolle alle solche umbstendige sorgnus und gefhar bei sich selbst ermessen, was unraht, kunfftigen nachteilß und schadens uns und zwar e. L. selbst auch, gemeinen stenden und dieser nation, unsers geliebten vatterlandes, hierauß zuentstehen, und mehrberurten ihren geliebten sohn, so sich zw He[i]delbergk, und ohne zweiffel mit e. L. wissen, rüsten und gefast machen soll, von solchem s. L. vorhaben weisen und abhalten. Dan solte solches je nit zuerlangen oder zuvorkommen sein, hetten e. L. dannocht neben ihme zuerachten, man letzlich dahin wider unsern willen gemussiget, was nachteil und schaden einem oder dem andern stande und underthanen hieraus beschwerlichs und schedlichs zuerfolgen, man sich desselbigen der billigkeit nach an den vorursachern zuerholen, welches wir je gerne vorbawen und vorhutet sehen, und dieses aus /77/ gutter freundtbruderlicher meinung e. L. im besten nicht bergen wolten, denselben wir zw freundlichen behaglichen dinsten bereit.

    Regensburg, 30.10.1575. Unterschriften: Kff. Daniel von Mainz, Jakob von Trier, Salentin von Köln, August von Sachsen, Johann Georg von Brandenburg.

    « Nr. 58 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zu Ernst von Mandesloe, Regensburg 1575 Oktober 31 »

    Verweis auf die frühere Bitte Mandesloes um Lösung aus der Reichsacht auf dem RT von 1570. Empfehlung, diese Angelegenheit auf den bevorstehenden RT zu vertagen und in der Zwischenzeit Vermittlungsbemühungen zu unternehmen.

    Nach mündlichem Vortrag des ksl. Rats Dr. Viehauser zum Aussöhnungsgesuch Ernst von Mandesloes am Vormittag des 31.10.1575 im KR beraten1. Konzept am Nachmittag desselben Tages im KR (Sitzung der kfl. Räte) verlesen und beraten2. Datiert Regensburg, 31.10.1575.

    HStA München, K. blau 110/1, fol. 453 (Kop.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Ll Fasz. B, unfol. (Kop., datiert Regensburg, 21[!].10.1575; Dorsv.: Decretum in Mandeslowen sachen.) = [B].

    /453/ Was die röm. ksl. Mt., unser aller gnedigster herr, heut morgen durch iren geheimen rhat doctor Sigmundt Vichheuser den anwesenden Kff. und pfälzischen abgesanten Ernst von Mandesloe belangent im rath zubedencken Šallergnedigst furbringen laßen, darvon haben ire chur- und f. Gnn. der notturfft sich underredet.

    Wann nhun sie bei diser consultation sich erinnert, das solche achterklerung, darvon er, Mandesloë, von iren ksl. Mt. sich allergnedigst zuerledigen begert, auf gemeinem reichstag zu Augspurg anno 66 ergangen3, und dann von sein, Mandesloë, wegen bei nechster Reichs versamblung zu Speir anno 70 gleich messig ansuchen4 beschehen, aber dismaln gemeiner stende bedencken gewesen, das darunder der herr bischof zu Wirtzburg5 als interessent zuvorderst auch zuhoren, so mustens ire chur- und f. Gnn. diser zeit darbey auch bewenden laßen, doch wirdet ire ksl. Mt. inmitelst nechstkunfftigen reichstags beide theil zu müglicher billicher vergleichung allergnedigst zuvermanen, a -auch underhandlung furnemen–a und darnach, was in solchen fall begerter absolution wegen die ksl. constitution angeregten landtfridens ferners disponirt, erghen zulaßen wissen.

    Regensburg, 31.10.1575.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/kft1575/sectENeben/pages

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    Anmerkungen

    1
    Kurpfalz, fol. 53 (Text in Anm.a bei Nr. 12).
    2
    Kurbrandenburg, fol. 172' (Nr. 13).
    3
    Kurbrandenburg, fol. 172'–175 (Nr. 13).
    4
    Bezug auf die ksl. Propositionen auf den RTT von 1559, 1566, 1567 und 1570, die die Türkenhilfe zum Thema hatten: Leeb , RTA RV 1558/59, Nr. 85 hier S. 540–544 (2. Hauptartikel); Lanzinner/Heil , RTA RV 1566, Nr. 3 hier S. 178–193 (3. Hauptartikel); Wagner/Strohmeyer/Leeb , RTA RV 1567, Nr. 1 hier S. 77–88 (1. Hauptartikel); Lanzinner , RTA RV 1570, Nr. 1 hier S. 166–170 (2. Hauptartikel); zu den dort bewilligten Türkensteuern vgl. Schulze , Reich, 77–80; Lanzinner , Friedenssicherung, 464–473 mit Tabelle 5 (Reichssteuerbewilligungen 1548–1576).
    5
    = Tataren.
    6
    Bezug auf den am 29.5.1555 in Amasya geschlossenen Frieden zwischen Sultan Süleyman I. und Schah Tahmasp I., der bis zum Tod des Schahs 1576 währte ( Hammer-Purgstall , Geschichte II, 237).
    7
    Bezug auf die vernichtende Niederlage Kg. Ludwigs II. von Ungarn gegen Sultan Süleyman I. in der Schlacht bei Mohács 1526 ( Hammer-Purgstall , Geschichte II, 51–53; Pálffy , Kingdom, 35–37).
    8
    Am 17.2.1568 hatte Ks. Maximilian II. mit Sultan Selim II. den auf acht Jahre befristeten Frieden von Adrianopel/Edirne geschlossen ( Bittner , Verzeichnis, Nr. 119 S. 24; Petritsch , Regesten I, Nr. 551 S. 187 f.) und sich dabei zu jährlichen Tributzahlungen an den Sultan verpflichtet ( Hammer-Purgstall , Geschichte II, 365–368).
    9
    Mustafa Pascha Sokollu (hingerichtet 1578), seit 1566 Beylerbeyi von Ofen/Buda ( Hammer-Purgstall , Geschichte II, 469; Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas , III, 279).
    10
    = Esztergom/Ungarn, deutsch Gran.
    11
    = vor.
    12
    = Modrý Kameň/Slowakei, ungarisch Kékkő, deutsch Blauenstein.
    13
    = Divín/Slowakei, ungarisch Divény, deutsch Diwein/Theben.
    14
    Vgl. Hammer-Purgstall , Geschichte II, 451; Fessler , Geschichte III, 615; Gömöry , Türkennoth, 160; zu den Türkeneinfällen des Jahres 1575, bei dem laut eines Gutachtens von 1582 76 Schlösser von den Türken erobert und 3200 Menschen versklavt wurden, vgl. ebd., 157–161.
    15
    Frh. János (Johann) Balassa von Gyarmat († 1577), ungarischer Adliger, Obergespan der Gft. Zólyom ( Zedler , Supplement II, Sp. 1284). Er hatte im Frühjahr 1575 einen Sieg gegen die Türken errungen; zu seinem unklaren Verhältnis zu den Türken sowie zum Konflikt mit dem Beylerbeyi von Ofen vgl. Dávid , Balassi, bes. 342.
    16
    = Fonyód/Ungarn am Südufer des Plattensees.
    17
    = Šomoška/Slowakei, ungarisch Somoskő.
    18
    = Timişoara/Rumänien, ungarisch Temesvár.
    19
    = Szolnok/Ungarn, deutsch Sollnock.
    20
    = Kálló, heute Nagykálló/Ungarn.
    21
    Miklós Istvánffy (Nicolaus Istuanfius, 1538–1615), seit 1575 Vizekanzler der ungarischen Hofkanzlei, Verfasser der „Historiarum de rebus Ungaricis libri XXXIV“, Köln 1622 ( Hammer-Purgstall , Geschichte II, 451; Fessler , Geschichte III, 615).
    22
    Ksl. Gesandter an der Hohen Pforte war seit 1573 Frh. David Ungnad von Sonneck, der die Verlängerung des Friedens von Edirne erreichte. Für die Überbringung der Geschenke und Tributzahlungen reiste Frh. Johann von Preyner im Sommer 1575 als ksl. Sondergesandter nach Konstantinopel ( Spuler , Diplomatie, 326).
    23
    = Požega/Kroatien, ungarisch Poszega.
    24
    = Koprivnica/Kroatien, deutsch Kopreinitz.
    25
    = Szigetvár (kroatisch Siget), Pécs (deutsch Fünfkirchen) und Koppány in Ungarn.
    26
    = Nagykanizsa (Kanizsa)/Ungarn.
    27
    Vgl. Gömöry , Türkennoth, 160.
    28
    Herbard VIII. Frh. von Auersperg, Landeshauptmann des Hgt. Krain und Oberbefehlshaber im kroatischen Grenzgebiet, war am 22.9.1575 vernichtend geschlagen worden; sein abgeschlagener Kopf wurde im Dezember 1575 im Triumphzug durch Istanbul getragen ( Hammer-Purgstall , Geschichte II, 452 f.; Fessler , Geschichte III, 615). Die Nachricht von seiner Niederlage war Anfang Oktober in Regensburg eingetroffen; vgl. das Schreiben der kursächsischen Räte Berlepsch, Kostitz und Berbisdorf an Kf. August (Regensburg 4.10.1575; HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 415–418'. Or., hier das PS fol. 417), wo es heißt, dass dise vergangene nacht zeidtungen, so ihr Mt. ganntz ungehrne erfahren, bey der post nachkumen, wie ungeverlich vor acht tagen an der krabatischen greintz ihrer Mt. landtshaubtman in Karnten, Krain und Krabaten, herr Herwardt von Auersbergk etc. sampt einem seiner söhne und vilen andern guedten deutschen leudten, ungeverlich zweyhundert pferdt stargk, vom turgken erlegdt. Unnd sein, des von Auersbergs, kopff midt nach der Turgkey darvon gefuerdt worden. Vgl. diese Meldung auch im Bericht Dolfins an Gallio (Regensburg, 7.10.1575): Neri , NB III/8, Nr. 153 S. 330–333, hier 333.
    29
    = Bihać/Bosnien, deutsch Wihitsch.
    30
    = wahrscheinlich Bilje/Kroatien, ungarisch Bellye.
    31
    Bezug auf den Frieden von Edirne von 1568; vgl. oben Anm. 8.
    32
    Die Verlängerung des Friedens von Edirne war von Sultan Selim II. im Dezember 1574 kurz vor seinem Tod genehmigt worden. Da der Vertrag für seinen Sohn und Nachfolger Sultan Murad III. nicht galt, zog sich die Bestätigung des erneuerten Friedens jedoch lange hin. Erst am 22.11.1575 ( Bittner , Verzeichnis, Nr. 126 und Nr. 128 S. 25 f.; Petritsch , Regesten I, Nr. 763 S. 253) wurde der Vertrag von 1568 für weitere acht Jahre bestätigt; vgl. Hammer-Purgstall , Geschichte II, 433 f., 450 f.; Huber , Geschichte IV, 270 f., sowie oben Anm. 22.
    33
    Der aus Bayern stammende Dolmetscher Mahmud war im Dezember 1574 an den Kaiserhof entsandt worden, um die Urkunde des erneuerten Friedensvertrags zuzustellen. Da ihn unterwegs ein Bote erreichte, der ihm die Nachricht vom Tod des kurz nach seiner Abreise verstorbenen Sultans überbrachte, verzögerte sich seine Mission jedoch. Ohne die Befehle des Nachfolgers Murad III. ausführen zu können, starb Mahmud im Frühjahr 1575 in Prag ( Hammer-Purgstall , Geschichte II, 450 f.; Spuler , Diplomatie, 175; Matuz , Pfortendolmetscher, 49–51).
    34
    Vgl. oben Anm. 4.
    35
    = Heer.
    36
    = beste.
    37
    = ihm her.
    1
    Kurbrandenburg, fol. 189 (Nr. 14 mit Anm. p).
    2
    Zum 1568 geschlossenen Frieden von Edirne vgl. Anm.8 bei Nr. 44.
    3
    Vgl. Nr. 44.
    1
    Nr. 45.
    2
    Nr. 44.
    3
    Im ersten Ausschreiben, das Ks. Maximilian II. bereits am 10.11.1575 während seiner Rückreise nach Wien in Linz verfasste, ist der RT für den 15.2.1576 nach Regensburg ausgeschrieben; anschließend wurde der Termin auf den 1.4., dann auf den 1.5. verschoben (vgl. die entsprechenden Schreiben an Kf. Daniel von Mainz vom 10.11.1575 aus Linz, vom 29.12.1575 aus Wien und vom 6.2.1576 aus Wien in HHStA Wien, MEA, RTA 73, unfol. Kopp.). Trotz der im PS des zweiten Prorogationsschreibens vom 6.2. gegebenen Versicherung (ebd.), dass es keine weiteren Verzögerungen geben werde, es tragen sich die sachen zue wie sie gleich wöllen, wurde der RT in Regensburg erst am 25.6.1576 eröffnet.
    1
    Kurpfalz, fol. 53 (Text in Anm.a bei Nr. 12).
    2
    Kurbrandenburg, fol. 172' (Nr. 13).
    3
    Kurbrandenburg, fol. 175 (Nr. 13 mit Anm. d). Das Beratungsergebnis teilten die Kff. und Pfgf. Ludwig dem Ks. persönlich mit; vgl. HHStA Wien, MEA, RTA 73, unfol. (Text in Anm.d bei Nr. 13), und Kurpfalz, fol. 64' (Text in Anm.q bei Nr. 14).
    4
    Heinrich von Valois war im Mai 1573 zum Kg. von Polen gewählt worden, jedoch bereits ein Jahr später nach Frankreich zurückgekehrt, um als Nachfolger seines verstorbenen Bruders Karl IX. den französischen Thron zu besteigen; vgl. Anm.21 bei Nr. 4.
    5
    Auf dem Sejm in Warschau im Spätsommer 1574 war dem geflüchteten Kg. Heinrich ein Ultimatum gestellt worden: Falls er nicht bis zum 12. Mai 1575 nach Polen zurückkehren würde, sollte er abgesetzt werden und es sollten in Stężyca (deutsch Stendsitz) Neuwahlen stattfinden. Nachdem die Versammlung in Stężyca ergebnislos verlaufen war, wurden auf verschiedenen Landtagen im Sommer 1575 die offenen Fragen bezüglich der notwendigen Neuwahlen erörtert. Als Termin für den Wahlsejm in Warschau war schließlich der 7.11. festgesetzt worden ( Rhode , Königreich, 89–103; Augustynowicz , Kandidaten, 21–23, 55–74, 119).
    6
    Der 28. Oktober.
    7
    Dr. Martin von Gerstmann (1527–1585), Bf. von Breslau ( NDB , VI, 328), der ksl. Internuntius Andreas Dudith (1533–1589), der seit 1573 die Interessen Ks. Maximilians II. in Krakau vertrat und die Stelle des erkrankten Berthold von Leipa einnahm, sowie der ksl. Sekretär Matthias von Logau. Gerstmann und Dudith waren bereits bei der ersten Kandidatur Ehg. Ernsts 1573 Mitglieder der ksl. Gesandtschaft ( Bues , Kandidatur, 81–85, 163–168); zu ihrer Mission in Polen 1575/1576 vgl. Augustynowicz , Kandidaten, 5 f., 55 f., 66–70, 119–125 und passim.
    8
    Bezug auf die kfl. Gesandtschaft, die die Kandidatur Ehg. Ernsts bei der letzten Wahlversammlung in Polen im April 1573 unterstützt hatte ( Bues , Kandidatur, 115–119).
    1
    Die von ihm benutzte Kop. der Instruktion ( Augustynowicz , Kandidaten, 101, Anm. 115): HHStA Wien, StAbt, Polen I (Polonica), Nr. 26, fol. 205–207.
    2
    Gf. Wolfgang von Ysenburg-Büdingen in Ronneburg (1533–1597; Europäische Stammtafeln , N. F. XVII, Tafel 61) und Hartmann (Hartmut) von Kronberg (1555–1609; Europäische Stammtafeln , N. F. XII, Tafel 6; Ronner , Herren, 117, 970).
    3
    Dr. Martin von Gerstmann und Andreas Dudith; vgl. Anm.7 bei Nr.  47.
    4
    Vgl. Nr. 47.
    5
    Kredenzbrief der Kff. für Ysenburg-Büdingen und Kronberg an die polnischen Stände (Regensburg, 28.10.1575): GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. D, fol. 358. Lat. Kop. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 23. Lat. Kop., mit Lektumvermerk: 31.10. Vgl. auch die kfl. Passbriefe (Regensburg, 28.10.1575): GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. D, fol. 357 f. Lat. Kop. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 25 f. Lat. Kop., mit Lektumvermerk: 31.10.
    6
    Vgl. Nr. 49.
    7
    Jacques Faye, sieur d'Espeisses ( DBF , XIII, Sp. 900 f.), und Guy Du Faur, sieur de Pibrac ( Persan , Mission; Augustynowicz , Kandidaten, 67 f., 119).
    8
    Neben den habsburgischen Kandidaten Ehg. Ernst, Ks. Maximilian II. und seinem Bruder Ehg. Ferdinand II. von Tirol bewarben sich auch Kg. Johann III. von Schweden, der Hg. von Ferrara Alfonso II. d'Este, der böhmische Burggraf Wilhelm Rosenberg, Zar Iwan IV. Grosny sowie der vom Sultan unterstützte F. von Siebenbürgen Stephan Báthory um die Krone in Polen-Litauen ( Rhode , Königreich, 94–96; Augustynowicz , Kandidaten, 4 f., 20 f., 29–32, 39–41, 82–88, 94 f., 123–127).
    9
    Nr. 49.
    1
    Kurpfalz, fol. 67–68' (Nr. 15). Als Beratungsvorlage diente wahrscheinlich ein Konz., das die Mainzer Kanzlei auf der Grundlage der Rede erstellte, die den polnischen Ständen bei der ersten Kandidatur Ehg. Ernsts am 13.4.1573 von den kfl. Gesandten vorgetragen worden war. Lat. Druck, mit teilweise übereinstimmenden Passagen, jedoch nicht so starker Betonung der verwandtschaftlichen Beziehungen: Mosbach , Wiadomości, 74–78.
    2
    Vgl. den entsprechenden Kurpfälzer Vorschlag (Kurpfalz, fol. 67' in Nr. 15), die Datierung der Instruktion (Nr. 48) sowie die Datierung der am 31.10. verlesenen kfl. Kredenzbriefe und Pässe (vgl. Anm.5 bei Nr. 48).
    3
    Vgl. Gf. Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg an Kf. Daniel von Mainz (Warschau, 15.11.1575): LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 56 f. Lat. Kop.; übersandt als Beilage zu Kf. Daniel von Mainz an Kf. Salentin von Köln (Mainz, 14.12.1575): Ebd., fol. 58. Or.; präs. Kaiserswerth, 26.12.1575.
    4
    Bezug auf die kfl. Gesandtschaft, die sich nach dem Tod des kinderlos verstorbenen Kg. Sigismund II. August bei der letzten Wahlversammlung im April 1573 schon einmal für die Kandidatur Ehg. Ernsts eingesetzt hatte; vgl. oben Anm. 1 sowie Bues , Kandidatur, 115–119.
    5
    Ernst, der gemeinsam mit seinem älteren Bruder Rudolf von 1564 bis 1571 am spanischen Hof erzogen wurde, war zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt. Zu seiner Ausbildung und seinen Sprachkenntnissen, die bereits bei seiner ersten Kandidatur um den polnischen Thron hervorgehoben worden waren, vgl. Bues , Kandidatur, 42–45.
    1
    Kurpfalz, fol. 53 (Text in Anm.a bei Nr. 12).
    2
    Kurbrandenburg, fol. 172' (Nr. 13).
    3
    Kurbrandenburg, fol. 175'–179 (Nr. 13).
    4
    Papst Pius V. hatte Hg. Cosimo de' Medici am 27.8.1569 die erbliche Würde eines Großhg. von Toskana und das Recht zum Tragen einer Königskrone verliehen; vgl. Anm.12 bei Nr. 13. – Am 18.8.1574 hatte der Ks. den Kff. seine Vorschläge unterbreitet und um ihre Gutachten gebeten ( Bibl , Erhebung, 155).
    5
    Zu den auf dem RT in Speyer vorgelegten Gutachten der Kff. vgl. Anm.13 bei Nr. 13 sowie Bibl , Erhebung, 91–93, 96–99.
    6
    Bezug auf die Duplik vom 26.12.1570, mit der der Ks. auf die letzte Antwort des Papstes reagierte, die ihm Mitte August auf dem RT in Speyer zugestellt worden war ( Bibl , Erhebung, 100–102, mit 101, Anm. 1).
    7
    Bezug auf das Schreiben Ks. Maximilians II. an Hg. Cosimo I. de' Medici, Dinkelsbühl 26.12.1570 ( Bibl , Erhebung, 101, Anm. 1). – Cosimo de' Medici ( DBI , XXX, 30–48) war am 21.4.1574 gestorben.
    8
    Bezug auf das Breve Papst Pius' V. vom 24.2.1571 ( Bibl , Erhebung, 105 mit Anm. 5, 106).
    9
    Nachfolger des am 1.5.1572 verstorbenen Papstes Pius V. ( Enciclopedia dei Papi , III, 160–180) war Gregor XIII. (1502–1585; Enciclopedia dei Papi , III, 180–202).
    10
    Giovanni Morone (1509–1580; NDB , XVIII, 154 f.; DBI , LXXVII, 66–74), seit 1542 Kardinal. Zu seiner von Cosimo gewünschten Vermittlungstätigkeit beim Ks. vgl. Bibl , Erhebung, 105, 120, 122, Anm. 1, 127, Anm. 1.
    11
    Bezug auf die Vorschläge, die dem Ks. im August 1571 vom florentinischen Gesandten Giovanni Battista Concini (1532–1605; DBI , XXVII, 731 f.) unterbreitet worden waren ( Bibl , Erhebung, 119–122).
    12
    Bezug auf das ksl. Dekret vom 20.8.1571 ( Bibl , Erhebung, 121, 122 mit Anm. 1).
    13
    Hg. Francesco I. de' Medici (1541–1587). Er war seit 1565 mit Johanna, der jüngeren Schwester Ks. Maximilians II., verheiratet ( Europäische Stammtafeln , N. F. I.1, Tafel 44; DBI , IL, 797–804).
    14
    Am 3.7.1557 hatte Hg. Cosimo I. de' Medici vom Kg. von Spanien das Reichslehen Siena als Afterlehen erhalten ( Aretin , Lehensordnungen, 61 f.)
    15
    Alessandro de' Medici (1510–1537; DBI , II, 231–233) war von Ks. Karl V. am 28.10.1530 zum Capo della Repubblica ernannt worden; ab Mai 1532 trug er den Titel Hg. von Florenz. Am 30.9.1537 bestätigte Karl V. dessen Nachfolger Cosimo I. den erblichen Herzogstitel und die damit verbundenen Rechte ( Bibl , Erhebung, 53 f.).
    16
    Diese Vorschläge hatte der Ks. bereits am 14.10.1572 Kg. Philipp II. von Spanien unterbreitet, dessen Zustimmung als Lehnsherr Cosimos (wegen Siena) notwendig erschien; der Kg. hatte darauf allerdings nicht reagiert ( Bibl , Erhebung, 138–140, 147 f.).
    17
    Im Frühjahr 1575 hatte sich der innergenuesische Konflikt zwischen den konkurrierenden Adelsfraktionen der Nobili Vecchi und Nobili Nuovi zugespitzt und drohte, sich zu einem Bürgerkrieg auszuweiten. Nach einem gewaltsamen Aufstand des popolo hatten die Vecchi die von den Nuovi regierte Stadt verlassen und sich auf ihre Landgüter zurückgezogen. Zur Krise von 1575 und zu ihrer Überwindung vgl. allgemein Costantini , Repubblica, 101–152.
    18
    Pietro Fauno da Costacciaro (1524–1592; Eubel , Hierarchia III, 113, 334), seit 1558 Bf. von Acqui.
    19
    Veit von Dornberg (1529–1591; DBI , XLI, 496–500) aus Görz, seit 1567 ksl. Botschafter in Venedig. Zur Mission der ksl. Kommissare in Genua seit Juni 1575 vgl. Schnettger , Principe, 267–278.
    20
    Kardinal Giovanni Morone; vgl. oben Anm. 10.
    21
    Carlos de Borja y Castro (1530–1592; Batllori , Familia, 72, 77 f.), 5. Hg. von Gandía.
    22
    Juan de Idiáquez (1540–1614; DHE II, 428; Schnettger , Principe, 265), seit 1573 spanischer Botschafter in Genua.
    23
    Die Beratungen der päpstlichen, ksl. und spanischen Vermittler, die eine für beide Seiten verbindliche Verfassungsreform erarbeiteten, fanden zwischen November 1575 und März 1576 im neutralen Casale Monferrato statt. Aufgrund einer Erkrankung Dornbergs nahm als ksl. Vertreter nur Costacciaro teil ( Schnettger , Principe, 274–277).
    24
    Giovanni Andrea Doria (1540–1606; DBI , XLII, 361–375), Befehlshaber der in spanischen Diensten stehenden genuesischen Flotte und Anführer der Nobili Vecchi.
    25
    Gemeint sind die östlich von Genua an der Riviera di Levante gelegenen Orte Rapallo, Chiavari, Sestri Levante, Portovenere und La Spezia ( Poggi , Guerre, 104).
    26
    Vgl. unten Anm. 29.
    27
    Zu den Befehlen Ks. Maximilians II. an Doria vom 30.9.1575 vgl. Schnettger , Principe, 273 mit Anm. 221.
    28
    Antonio de Guzmán y Zúñiga, Mgf. von Ayamonte († 1580; DHE II, 299), seit 1573 spanischer Statthalter im Hgt. Mailand.
    29
    Don Juan Manrique de Lara und Gf. Felix von Lodron, Befehlshaber deutscher Regimenter, die eigentlich in Diensten der Spanier standen, von diesen aber an die Vecchi vermittelt worden waren. Zu den Befehlen Ks. Maximilians II. an Manrique de Lara vom 30.9.1575 vgl. Schnettger , Principe, 273 f. mit Anm. 222 sowie den Bericht Dolfins an Gallio (Regensburg, 7.10.1575): Neri , NB III/8, Nr. 153 S. 330–333, hier 332.
    30
    Wolf Rumpf zum Wielroß († 1605) hatte von 1564 bis 1571 die Ehgg. Rudolf und Ernst nach Spanien begleitet und war 1574 als ksl. Sondergesandter nach Portugal und Spanien gereist. In Madrid gelang es ihm nicht, das Hauptziel seiner Mission zu erreichen und Kg. Philipp II. zu einem Kompromiss mit den aufständischen Niederländern zu bewegen. Im August 1576 kehrte Rumpf ins Reich zurück ( Edelmayer , Manus, 235–237; Rauscher , Kaisertum, 83 f.; zu den ausweichenden Antworten Kg. Philipps II. im Dezember 1575 vgl. die Aufzeichnungen des ksl. Gesandten in Spanien Hans von Khevenhüller , Geheimes Tagebuch, 88). – Vgl. dazu auch das Schreiben des venezianischen Gesandten Vincenzo Tron vom 26.11.1574 ( Turba , Depeschen I/3, Nr. 207 S. 544–550, hier 547): Dort heißt es, dass der Ks. sich um die Vermittlung im niederländischen Konflikt bemühte, um die Kff. für sich zu gewinnen, auf deren Zustimmung er sowohl für die Einberufung eines RT als auch für die Regelung der Nachfolge im Reich angewiesen war, denn seguendo essa compositione, si guadagna grandemente l’animo di prencipi di Alemagna, et non seguendo, ancora se li fa molto grato con mostrar di haver fatto quanto gl’è stato possibile sempre per componerle et acquetarle.
    1
    Kurbrandenburg, fol. 190'–191' (Nr. 14).
    2
    Nr. 50.
    3
    = Hg. Francesco I. de' Medici.
    4
    = Hg. Cosimo I. de' Medici.
    5
    Zur Formulierung mennigklichen ohne nachtheil vgl. den Vorschlag von Kurtrier in Kurbrandenburg, fol. 190' (Nr. 14).
    6
    Das am 2.11.1575 ergangene ksl. Dekret zum Titelstreit (HHStA Wien, RHR, Miscellanea gratialia der lateinischen Expedition 40, Hetruria [Angabe nach Bibl , Erhebung, 156, Anm. 1]. Druck: Lünig , Codex Italiae diplomaticus I, Nr. LXIII Sp. 1307–1310, [falsch] datiert 11.11. Referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 528 f.) konnte in den Akten zum Kurfürstentag nicht ermittelt werden. Es weicht von der von den Kff. bestätigten Proposition ab, da dem Hg. von Florenz der Titel eines „Großhg. in Toskana“ (und nicht „von Florenz“) verliehen werden sollte. Dem florentinischen Botschafter Concini, dem das Dekret am 4.11.1575 mitgeteilt wurde, gelang es in den kommenden Tagen und Wochen, nicht unerhebliche Änderungswünsche durchzusetzen: unter anderem wurde der Titel „Großhg. in Toskana“ zu „von Toskana“ umformuliert und die von Concini beanstandete Präjudizklausel entschärft ( Bibl , Erhebung, 155–160; Neri , NB III/8, Nr. 187 S. 412 f., Anm. 2; Druck einer wahrscheinlich auf den 5.11., und nicht auf den 2.11., zu datierenden, überarbeiteten Fassung in Theiner , Annales II, Nr. XXX S. 25). Das nach den florentinischen Wünschen ausgearbeitete ksl. Diplom für Hg. Francesco I. de' Medici erging am 26.1.1576: Lünig , Codex Italiae diplomaticus I, Nr. LXIV Sp. 1309–1314. Referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 529 f.
    7
    =Wolf Rumpf zum Wielroß.
    1
    Kurbrandenburg, fol. 179 (Nr. 13).
    2
    Kurbrandenburg, fol. 179'–189 (Nr. 14).
    3
    Die estländischen Landschaften Harrien, Wierland, Wiek und die Insel Ösel (estnisch Harjumaa, Virumaa, Läänemaa, Saaremaa) ( Baltisches historisches Ortslexikon I, 105 f., 402 f., 671 f.).
    4
    Pernau (estnisch Pärnu); von 1575 bis 1582 von russischen Truppen besetzte Hafenstadt im Nordwesten Livlands ( Baltisches historisches Ortslexikon I, 444–446; Angermann , Pernau, 744 f.; Renner , Herzog, 146; Augustynowicz , Kandidaten, 86; zur Eroberung Pernaus 1575 ausführlich Laakmann , Eroberung).
    5
    In der Nähe der Mündung der Salis gelegene gleichnamige Burg (lettisch Salaca) in Lettland ( Baltisches historisches Ortslexikon II, 538).
    6
    Düna (lettisch Daugava); Fluss, der bei Riga in die Ostsee mündet ( Baltisches historisches Ortslexikon II, 131).
    7
    Vgl. zu den Beschlüssen auf dem RT 1570 in Speyer Anm.4 bei Nr. 14, und auf dem DT 1571 in Frankfurt Anm.5 bei Nr. 14.
    8
    In ihrer Sitzung vom 2.11.1575 beschlossen die kfl. Räte, seitens der Kff. den in Regensburg anwesenden Hg. Barnim X. von Pommern zu entsenden; vgl. Kurpfalz, fol. 95 (Nr. 21 mit Anm. 9).
    9
    Dr. Calixtus Schein (1529–1600), aus Sachsen stammender Jurist und seit 1565 Syndikus der Stadt Lübeck, vertrat die Hansestadt in zahlreichen diplomatischen Missionen, unter anderem bei den Friedensverhandlungen in Stettin 1570 ( Harder , Schein); zu seinen Missionen 1575 vgl. Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 327 f. – Dr. Heinrich Husanus (Haussen; 1536–1587), aus Thüringen stammender Jurist, Diplomat und Dichter, seit 1574 Lüneburger Syndikus ( NDB , X, 80 f.; Merkel , Heinrich Husanus).
    1
    Kurpfalz, fol. 53 (Text in Anm.a bei Nr. 12).
    2
    Kurbrandenburg, fol. 172' (Nr. 13).
    3
    Kurbrandenburg, fol. 179'–189 (Nr. 14).
    4
    Zu den Beschlüssen auf dem RT in Speyer 1570 vgl. Anm.4 bei Nr. 14.
    5
    Zu den Beschlüssen auf dem DT in Frankfurt 1571 und auf dem Kurfürstentag in Mühlhausen 1572 vgl. Anm.5 bei Nr. 14.
    6
    Die livländische Hafenstadt Reval (estnisch Tallinn) hatte sich 1561 Schweden unterworfen und war von August 1570 bis März 1571 von russischen Truppen unter Hg. Magnus belagert worden ( Baltisches historisches Ortslexikon I, 498–500; Renner , Herzog, 144–146).
    7
    Vgl. unten Anm. 11.
    8
    Vgl. Anm.4 bei Nr. 52.
    9
    Vgl. die folgende Anm. sowie Anm.6 bei Nr. 14.
    10
    Bezug auf die ksl. Gesandtschaft unter der Leitung von Johann Kobenzl von Prossegg, der neben Daniel Prinz von Buchau auch Wolfgang von Stubenberg und Christoph von Herberstein angehörten und die Mitte Oktober 1575 nach Moskau aufgebrochen war; vgl. Anm.6 bei Nr. 14 sowie Cavazza , Relatione, 63 f.
    11
    Als Gegenleistung für den Schutz vor russischen Angriffen hatte sich die livländische Handelsmetropole Riga ( Baltisches historisches Ortslexikon II, 504–510) 1562 Polen-Litauen unterwerfen müssen. Die staatsrechtliche Zuordnung der Stadt war jedoch auch noch nach der Eingliederung Livlands in das Großfst. Litauen im Jahr 1566 ungeklärt, da Riga eine Sonderstellung für sich beanspruchte und sich ohne Garantien des polnischen Kg. nicht formal vom Reich loslösen wollte ( Lenz , Untertanentreue). Nachdem Riga im Dezember 1571 den Ks. darum gebeten hatte, die Oberhoheit des Reichs über die Stadt gegen polnische Ansprüche zu bestätigen, war auf dem Kurfürstentag in Mühlhausen 1572 eine Gesandtschaft nach Polen beschlossen worden, die mit dem polnischen Kg. über den Status Rigas verhandeln sollte ( Lanzinner , Friedenssicherung, 455, 458; Luttenberger , Kurfürsten, 221 f. mit Anm. 126, 232). Nach der Wahl Ks. Maximilians II. zum polnischen Kg. versuchte eine Gesandtschaft Rigas im Frühjahr 1576 erfolglos, vom Ks. den Status einer Freien Reichsstadt zu erlangen ( Lenz , Untertanentreue, 256–258).
    12
    Im dritten Teil des am 13.12.1570 in Stettin zwischen Schweden und dem Ks. geschlossenen Friedens ( Rydberg , Sverges traktater IV, Nr. 62 S. 432–441) hatte Schweden die Rechtsansprüche des Reichs auf die Oberhoheit in Livland anerkannt und eingewilligt, die schwedisch besetzten Gebiete in Livland gegen Erstattung der Kriegskosten an das Reich abzutreten ( Lanzinner , Friedenssicherung, 412–414, 417 f.; Turek-Kwiatkowska , Stettiner Kongreß, 9; Lavery , Challenge, 131). Die Rückzahlung der Kriegskosten war jedoch noch nicht erfolgt und ebensowenig hatte das Reich den im Vertrag vereinbarten Schutz Livlands gegen Moskau übernommen. Schweden trug daher weiterhin die Lasten für die Verteidigung Livlands ( Uebersberger , Österreich, 366 f.). Die Frage der Ratifikation des Stettiner Friedens und der Übergabe der schwedischen Protektionsgebiete an das Reich war auf dem Kurfürstentag in Mühlhausen 1572 auf den nächsten RT verschoben worden ( Lanzinner , Friedenssicherung, 458 f.; Luttenberger , Kurfürsten, 222, 232). Zuletzt hatte Schweden bei einer Gesandtenkonferenz in Rostock im Sommer 1574 auf einer Entschädigung für die Protektionskosten bestanden ( Lavery , Challenge, 138). Da bis 1579 in dieser Frage keine Einigung erreicht wurde, kündigte Schweden schließlich die Oberhoheit des Reichs über Livland auf ( Lanzinner , Friedenssicherung, 421 f.; Lavery , Challenge, 140).
    13
    Hg. Magnus von Holstein (1540–1583), Bruder des dänischen Kg. Friedrich II. und Bf. von Ösel-Wiek und Kurland, war seit 1570 Vasall des Zaren, der ihn zum „König von Livland“ ernannte. 1570/71 war er der Befehlshaber des russischen Heeres bei der Belagerung von Reval ( Renner , Herzog). Die Rechtfertigung des Hg. für sein Verhalten in Livland gegenüber dem Reich war bereits auf dem Kurfürstentag in Mühlhausen 1572 diskutiert worden, jedoch hatte man auch in dieser Frage die Entscheidung dem nächsten RT überlassen ( Lanzinner , Friedenssicherung, 455, 458; Luttenberger , Kurfürsten, 222 mit Anm. 128, 232).
    1
    Kurbrandenburg, fol. 189' f. (Nr. 14).
    2
    Vgl. Nr. 53.
    3
    Zu den Beschlüssen auf dem RT in Speyer, dem DT in Frankfurt und dem Kurfürstentag in Mühlhausen vgl. Anm.4 und Anm.5 bei Nr. 14.
    4
    Am 26.10.1575 war im KR (Sitzung der kfl. Räte) beschlossen worden, das Konz. zu ergänzen und der kfl. Resolution diesen Hinweis auf eine von den kfl. Räten zu verfassende Gesandtschaftsinstruktion hinzuzufügen; vgl. Kurbrandenburg, fol. 189' f. (Nr. 14). Die zur Beratung der Instruktion am 2.11.1575 hinzugezogenen Kommissare waren die ksl. Räte Ilsung und Carlowitz sowie der Hofsekretär Erstenberger; vgl. Kurpfalz, fol. 94–95 (Nr. 21 mit Anm. 5).
    1
    Kurpfalz, fol. 94–95 (Nr. 21).
    2
    Kurpfalz, fol. 96 (Nr. 22).
    3
    Gemeint sind die ksl. Räte Ilsung und Carlowitz sowie der Hofsekretär Erstenberger; vgl. Kurpfalz, fol. 94–95 (Nr. 21 mit Anm. 5).
    4
    Zu den Beschlüssen auf dem RT in Speyer 1570 vgl. Anm.4 bei Nr. 14.
    5
    Zu den Beschlüssen auf dem Kurfürstentag in Mühlhausen 1572 vgl. Anm.5 bei Nr. 14.
    6
    Vgl. Kurbrandenburg, fol. 180–190 (Nr. 14).
    7
    Nr. 54.
    8
    Nr. 52.
    9
    Nr. 54.
    1
    Kurbrandenburg, fol. 199', 205–208' (Nr. 17).
    2
    Vgl. Anm.12 bei Nr. 17.
    3
    Vgl. Ks. Maximilian II. an Pfgf. Johann Casimir (Regensburg, 30.10.1575; Druck: Kluckhohn , Briefe II, Nr. 853 S. 903 f.). Der Ks. verweist dort auf den Beschluss des RT in Speyer 1570, das sollichs kriegsvolk anderst nit, als mit unserm wissen geworben werden soll (ebd., 903; zum RAb 1570 vgl. Anm.13 bei Nr. 17), und fordert den Pfgf. auf, seinen geplanten Kriegszug mit Rücksicht auf die Reichsgesetze und die Ermahnungen der Kff. nicht durchzuführen, da er für Schäden haftbar gemacht würde. Die Entgegnung Pfgf. Johann Casimirs an den Ks. (Heidelberg, 9.11.1575): Ebd., Nr. 854 S. 905–908.
    1
    Vgl. Anm.12 bei Nr. 17.
    1
    Kurbrandenburg, fol. 215–218' (Nr. 19).
    2
    Kurpfalz, fol. 89–90 (Nr. 19).
    3
    Die 1563 gegen Mandesloe und seine Mitverschwörer ausgestellten Achtmandate waren auf dem RT in Augsburg 1566 erneuert worden: Lanzinner/Heil , RTA RV 1566, Nr. 216 S. 892–894, und Nr. 217 S. 894–897.
    4
    Lanzinner , RTA RV 1570, Nr. 475 S. 1058 f.; Koch , Quellen II, 86–88.
    5
    = Friedrich von Wirsberg, 1558–1573 Fürstbf. von Würzburg ( NDB , V, 598 f.; Wendehorst , Bistum, 132–162).

    Anmerkungen

    a
     wievil] In B danach: ehe. C wie Textvorlage.
    b
     ungelegenhait] In B und C: gelegenheit.
    c–c
     den ... krieg] In B: dem fride den krig. C wie Textvorlage.
    d–d
     der ... grenitze] Korr. nach B und C. In der Textvorlage im Plural.
    e
     worden] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: werden.
    a–a
     (so ... gebrochen)] In B Einfügung am Rand.
    b
     schrifft] In B danach gestrichen: allergnedigst.
    c–c
     und ... begeren] In B Einfügung am Rand.
    d–d
     und ... rhate] In B Einfügung am Rand.
    e
     und] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
    f–f
     dem ... lande] In B im Plural.
    g
     stenden] In B danach gestrichen: und gemeiner christenheit.
    h
     churfursten] In B danach gestrichen: und fursten.
    i
     die] Korr. nach B und C. Fehlt in der Textvorlage.
    j
     neben] In B korr. aus: und.
    k
     immer] In B nachträgliche Einfügung.
    l
     bedencken] In B danach: sich darüber vergleichen.
    m
     bevehlendt] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: bevehlen.
    a
     demselben] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: denselben.
    b
     sache] In B: sachen. C wie Textvorlage.
    c
     freundtlichen] In B danach: unnd. C wie Textvorlage.
    d
     potschafften] In B: potschafft. C wie Textvorlage.
    e
     derselben] In B: dieselb. C wie Textvorlage.
    a
     zeittungen] In B: zeittung.
    b
     sich] Ergänzt nach B. Fehlt in der Textvorlage.
    c
     ir] Fehlt in B.
    d
     zeittungen] In B: zeittung.
    e
     gangen] In B danach: were.
    f
     mochte] In B: würden.
    g
     Gnn. ] Fehlt in B.
    h
     der] Korr. nach B. In der Textvorlage: die.
    i
     Peter Kraich, Sekretär] Fehlt in B.
    a
     habuerunt] In der Textvorlage und in B: habuere.
    b
     ferunt] In der Textvorlage und in B: ferant.
    c
     flagrant] In der Textvorlage und in B: flagrent.
    d
     romanis] Korr. nach B. In der Textvorlage: germanis.
    e
     utilitate] In B: neceßitate.
    f
     quod] In B: quam.
    g
     dubitent non sufficere] Korr. nach B. In der Textvorlage: non dubitent sufficere.
    h
     testentur] In der Textvorlage: detestarentur. In B: testarentur.
    i
     debellandis] Korr. nach B. In der Textvorlage: depellandis.
    j
     regnari] In B: gubernari.
    k
     vestrae] Korr. nach B. In der Textvorlage: vestri.
    l
     aetate] In B: aetati.
    m
     erga] Korr. nach B. In der Textvorlage: ergam.
    n
     trahant] In der Textvorlage und in B: trahere.
    o–o
     quo ... vocet] In der Textvorlage und in B: quo Deum optimum maximum vos vocare.
    p
     etiam] Ergänzt nach B. Fehlt in der Textvorlage.
    q
     conciliatum] In der Textvorlage und in B: conciliatos.
    r
     reges] Korr. nach B. In der Textvorlage: regis.
    s
     quo] In der Textvorlage: quod. In B gestrichen: quod.
    a
     vom] In B: am. C wie Textvorlage.
    b
     die churfurstliche] In B und C: der churfursten.
    c
     hoheit] In B danach: und. C wie Textvorlage.
    d
     den] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: dem.
    e
     einen] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: einem.
    f
     aber] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
    g
     ihrer] In B danach: ksl. C wie Textvorlage.
    h
     des] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: eines.
    i
     thete] In B: wurde. C wie Textvorlage.
    j
     ksl. ] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
    k
     worden] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: wurde.
    l
     ksl. ] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
    m
     itzt] In B: jezigen. C wie Textvorlage.
    n
     werde] In B: wurde. In C: wirdet.
    o
     inn] In der Textvorlage irrtümlich doppelt.
    p
     gutten] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
    q
     ksl. ] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
    r
     etc.] Fehlt in B und C.
    a
     e. ] In B: irer.
    b–b
     das ... „Serenissimi“] In B dazu der Randvermerk: Ergo cassat pontificis praesumpta inauguratio.
    c
     auch] Fehlt in B.
    a
     tartern] In der Textvorlage nachträglich ergänzt.
    b
     aber] In der Textvorlage korr. aus: auch.
    c
     [vergessen]] Ergänzt. Fehlt in der Textvorlage.
    a
     röm. ksl. ] Korr. nach B. In der Textvorlage verschrieben: romischen keiserlichen.
    b
     vom] Korr. nach B. In der Textvorlage: den.
    c
     Julii] In B: Junii.
    d
     dan] In B: do.
    e
     lang] Ergänzt nach B.
    f
     beiden] Ergänzt nach B.
    g
     umb gnedigste] Korr. nach B. In der Textvorlage nachträglich eingefügt: underthenigste.
    h
     Hl.] Ergänzt nach B.
    a
     sich erinnert] Fehlt in B.
    b
     so] In B: sie.
    c
     wirt] In B: wurdt.
    d
     darlegen] In B: erlegen.
    e
     in aller underthenigkeit] Fehlt in B.
    a
     schickung] Korr. nach C. In der Textvorlage: schickten. In B: schicken.
    b
     bruder] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: bruedem.
    c
     brennen] Ergänzt nach B und C. Fehlt in der Textvorlage.
    d
     ire] Korr. nach B. In der Textvorlage und in C: irer.
    e
     etc.] Korr. nach B und C. In der Textvorlage versehentlich: aber.
    f
     zu] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: sie.
    g
     ihnen] Korr. nach B und C. In der Textvorlage: irer.
    a
     pfaltzgraffen] In B: etc.
    b
     Johan] Fehlt in B.
    a–a
     herzogk ... pfaltzgraff] In der Textvorlage und in B Einfügung am Rand.
    b
     geben] Ergänzt nach B.
    a–a
     auch ... furnemen] In der Textvorlage am Rand korr. aus: begerter absolutio wegen.

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    « ŠE) Akten zur Nebenhandlung  »

    Vorbemerkung

    Die die ksl. Hauptproposition betreffenden Akten zur Wahl des röm. Kg. sind in Abschnitt C dokumentiert. Daneben wurden von Ks. Maximilian II. einige Nebenpropositionen zu reichspolitischen Themen vorgelegt, die hier zusammen mit den entsprechenden Resolutionen und anderen dazugehörigen Dokumenten ediert werden. Neben den schriftlich vorgebrachten Propositionen sind hier auch die vom ksl. Rat Dr. Viehauser vorgetragenen mündlichen Anzeigen zum geplanten Kriegszug des Pfgf. Johann Casimir und zum Aussöhnungsgesuch Ernst von Mandesloes berücksichtigt. Die Akten werden im Volltext wiedergegeben und gemäß ihrem thematischen Zusammenhang zugeordnet. Die Reihenfolge der Themen entspricht dem Verlauf der Beratungen im KR.

    Bei den Dokumenten zur Türkenabwehr konnte die Überlieferung aus dem Mainzer Erzkanzlerarchiv als Textvorlage oder Kollationierungsexemplar herangezogen werden. Bei allen anderen Themen musste auf Abschriften aus der kfl. Überlieferung zurückgegriffen werden, da Exemplare aus der ksl. oder der Kurmainzer Kanzlei fehlen.

    « Nr. 44 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, präs. Regensburg 1575 Oktober 24 »

    Die Zusammenkunft der Kff. bietet die Gelegenheit für die Erörterung dringender Reichsangelegenheiten. Erinnerung an die in der Vergangenheit auf vielen RVV diskutierte Türkengefahr. Verschärfung der Lage an den Grenzen des Reichs durch die immer näher heranrückenden und an Stärke zunehmenden Türken. Hoher Kostenaufwand durch den gezwungenermaßen mit dem Sultan geschlossenen Frieden und durch die Sicherung des Grenzgebiets. Bericht über die jüngsten Grenzübergriffe durch die Türken, denen die geschwächten habsburgischen Truppen an der Grenze nichts mehr entgegenzusetzen haben. Trotz der ksl. Friedensbemühungen bislang keine Bestätigung der vom Ks. angestrebten Verlängerung des Friedens; stattdessen fortwährende türkische Überfälle und Nachrichten über einen bevorstehenden Hauptangriff des neuen Sultans auf die ksl. Erblande und das Reich. Bisherige Türkenhilfen kein effektives Mittel zur dauerhaften Abwehr der Türken. Erforderliche Schritte zur Abwehr der drohenden Gefahr: Beschluss einer stattlichen Reichshilfe zur Abwehr einer Offensive des Sultans in Ungarn; Verheerung der feindlichen Grenzgebiete und Burgen; Fortsetzung dieser Maßnahme im Winter, um den Feind nachhaltig zu schwächen; Beschluss einer beharrlichen Hilfe und eines stehenden Heers im Grenzgebiet, damit die ungarische Grenze Šgehalten werden kann, die der Ks. nicht länger alleine verteidigen kann. Im Gegenzug Bemühen des Ks. um die Bildung einer antitürkischen Allianz mit ausländischen Mächten. Bitte an die Kff. und Pfgf. Ludwig, zur Beratung der Türkenabwehr und anderer wichtiger Reichsangelegenheiten einen RT zu bewilligen und persönlich zu erscheinen.

    Den Kff. und Pfgf. Ludwig am 24.10.1575 in der ksl. Herberge übergeben1 und am selben Tag kopiert2. Am 25.10.1575 im KR verlesen und beraten3.

    HHStA Wien, MEA, RTA 73, unfol. (Kop. Am äußeren Seitenrand beschädigt. Überschr.: Ksl. Mt. vortrag mit erzelung des turcken fridpruchigen kriegwesens halb. Am unteren Rand: Presentatum per imperatorem principibus electoribus Ratisponae 24. Octobris anno 1575.) = Textvorlage. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 10–25' (undatierte Kop.) = B. HStA München, K. blau 100/1, fol. 181–193' (Kop. Dorsv.: Ksl. Mt. proposition des turcken unnd neuen reichstags halben.) = C. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 4–13' (undatierte Kop.). Knapp referiert bei Moritz , Wahl, 176.

    Die römisch kaiserliche, auch zu Hungern unnd Behaim künigcli[che] Mayestat, unser allergenedigister herr, wissen sich gleichwol zu[er]inndern, von was sonderbaren sachen wegen gegenwerttige ihrer k[sl.] Mt. und des Heiligen Reichs churfürsten zusammenkonfft angest[elt] worden. Nichtsdestoweniger aber können ir ksl. Mt. aus vätterlicher trewer sorgveltigkait nit umbgehn, iren kfl. Gnn. und der abwesenden churfürstlichen Pfaltz verordneten gewalthaber unnd räthen bey diser gelegenhait auch dasjhennig freundtlich und gnedigist furzutragen und zu gemüett zufuren, so nit weniger des Heiligen Reichs teütscher nation und gemainer gantzen christenhait als ihrer ksl. Mt. erblichen khünigreich und lannde höchste notturfft erfordert.

    Und nachdem ihren churfurstlichen gnaden, so wol auch fürsten und andern des Heiligen Reichs stennden hievor auf vilen underschidlichen so wol bey irer Mt. herrn vatters weilendt kaiser Ferdinanden etc. hochlöblichister gedechtnus regierung als auch hernach gehaltnen Reichs versamblungen ausfurlich vor augen gestellt worden4 die grosse nott und gefahr, darinn das Hailig Reich teütscher nation sambt andern christlichen khunigreichen unnd lannden von wegen des grausamen erbfeindts christlichs nammens und glaubens, des türken, nuhn lange zeitt gestanden, so achten ihr ksl. Mt. für unnötig, dasselb dis ortts weitleuffig zuerholen.

    ŠWiewol nuhn die sachen seithero inn nichten besser worden, sonder sich dises vheindts halben ye lenger ye beschwerlicher ertzaigen, daheer da[nn] ir ksl. Mt. vor der zeitt vil mehr ursach gehabt, auch ires thails genaigt gewesen, den weeg des kriegs als fridens an die handt zunemmen, so haben doch ir ksl. Mt. für augen gesehen und nit unbillich behertzigt, mit was fur ainem und nemblich sölchem vheindt ir ksl. Mt. zuschaffen, so gemainer gantzen christenhait (die unglaubigen, deren vil nit weniger vor disem tyrannen teglichs in sorgen sitzen, zugeschweigen) ain schwere burde ist. // Dann erstlich hat mann bisher laider nur zuvil erfahren dises vheindts übermässige macht, welche irer ksl. Mt. und dero erblichen khunigreichen unnd lannde, auch also des Reichs teutscher nation halben sovil gewaltiger zuachten, umb wievila er dieselb sein macht an volck, geschütz unnd anderm näher, unnd da er sölches alles hievor gar von Constantinopel unnd andern weitentlegnen ortten zusammen und kaum in langer zeitt, auch nit one grossen unkosten, muhe und ungelegenhaitb herauf bringen muessen, dasselb yetzt inn Hungern und gleich an irer Mt. gränitzen der niderösterreichischen lannde an der hanndt hatt, welche macht durch seiner leüthe kriegserfarnus und dann den grossen gehorsam, so er bey denselben hat, nit wenig gestärckt wirdet. Zudem, das er auch nit allain andere unglaubigen, zuvorderist die tartarn5, sonder auch christen, als die moldawer und walachen, seines gefallens aufzubringen und mit denselben irer ksl. Mt. wie auch andere mehr khunigreiche und lannde inn grosser antzall zuuberfallen, verderben unnd zuverhergen gelegenhait hatt. Daneben auch diser zeitt mit kainem andern potentaten, sonderlich auf dem lanndt, inn krieg steht6 unnd derwegen, neben obangeregtem an der handt habenden vorthail, auch alle andere seine macht daher wenden kan.

    Dieweil dann dem also, hingegen aber weder irer ksl. Mt. noch ainiches andern christlichen potentaten macht also geschaffen, dz dieselb allain und one anderer stattliche zuesetzung und hilff disem übermächtigen vheindt bestenndigen widerstanndt zuthun gnuegsam sein möchte, unnd aber nit allain ir ksl. Mt. bisheer das irig alles angegriffen, sonder auch irer Mt. khunigreich und lanndt, als die es seit weilendt khunigs Ludwigen laidigen niderlag7 und also nuhnmehr in das funfftzigist jahr mit disem vheindt getriben und das eusserst gethan, dermassen erschöpfft, ainstails auch verderbt und verheergt, das nuhnmehr irer Mt. sambt denselben iren khunigreichen und landen // Šauch die nottwenndige ordinari erbawung und underhaltung de[r] grenitze lenger nit vermöcht; daneben auch kaine sonderlich der ze[it] erlangte und sölche hülffen gehabbt, so gegen disem vheindt im wenigisten erkhlekhten; und dann über dises alles die aufpott und zuezüge, deren sich ihr ksl. Mt. mit den stennden berürtter irer künigreich und lannde verglichen, des von vilen ortten zusammengeprachten gemainen ungeuebten volckß halben dermassen schlecht und sonst also geschaffen, das sich auf dieselben wenig zuverlassen, so seindt dem allem nach ir ksl. Mt. vor der zeitt aus not tringenlich verursacht worden, c -den friden dem krieg–c vorzusetzen und denselben an der türkhischen portten erhandlen zulassen8. Gleich wie nuhn sölcher fridt mit grosser mühe, unkosten unnd nachsehung erlangt, also ist er auch nit mit geringer aufwendung unnd beschwernus erhalten worden. Seytemal allain dasjhennig, so ir ksl. Mt. dem türkischen sulthan sambt seinen vesier und officiern jährlichs hinein geschickt, sich ausser der extraordinari verehrungen, deren ihr ksl. Mt. gegen ettlichen nit übrig sein mögen, auch anderer nottwenndigen ausgaben über ainhundert tausent taler, und also die zeittheero vast ain million anlaufft. Neben welchem ir ksl. Mt. nit weniger als bey kriegszeitten die gränitze, welche sich von Sibenburgen bis an den venedischen golfo über die zwayhundert meilen weegs erstreckhen, mit merklicher grosser unnd, wie auch oben angeregt, irer ksl. Mt. unnd dero erblichen khünigreichen unnd lannden allain zutragen unmöglicher darlag besetzen unnd erhalten muessen.

    Wie ungewis aber bey disem allem sölcher fridt seye und wie wenig sich darauf zuverlassen, sölches ist mann bisheer zuvil innen worden unnd hatt die erfahrnus bey yetzigem fridtstandt wie auch vor- // maln yederzeitt zuerkhennen geben, das, ob gleich dergleichen fridt getroffen unnd beschlossen wirdett, derselb doch nit in irer Mt., sonder des vheindts handen steht unnd seines gefallens gehalten würdt, wie sich dann auch zu im als ainem hayden, bey dem weder trawen noch glauben anders nit zuversehen als wie bey wehrenden fridtstanndt täglichs ervolgt ist, nemblich das seine leüthe inn irer Mt. dition gefallen, die jhennigen krais oder spanschafften, fleckhen und dörffer, so hievor niemaln den türken underwürffig oder zinsbar gewesen, mit gewalt zur huldigung und zinsraichung genöttigt, und, da sich dieselben widersetzet, mit schwerdt und fewr vheindtlicher weis angegriffen; wie sy dann auch sonst nit underlassen, irer Mt. getrewe underthonen hin unnd wider inn iren heüsern unnd auf dem vheldt zuuberfallen, von der arbait hinweckzufuren, ir viech und was sy bekommen mögen zurauben, ire heüser zu blündern und zuverprennen unnd also nit anderst zu hausen als ob kain fridt, sonder offner khrieg were. ŠBey welchem sy es nit pleiben lassen, sonder sich vilfältigclich understanden, irer ksl. Mt. dero heüser haimblich abzusteigen oder mit gwalt abtzudringen, wie dann innsonderhait (anders, so sich bey werendem fridtstanndt vilfaltigclich zuegetragen, disßortts zugeschweigen) der bassa von Ofen9 im verschinen monatt Julio unversehener dinge ettliche tausent zu rosß unnd fueß bey Peßt zusamen gepracht unnd sölch khriegsvolckh sambt ettlichen mawerprecherinen und anderm geschütz under des sanziacken von Gran10 bevelch für11 Plawenstain12, volgendts nach eroberung desselben vor Dywin13 geschickt und dasselb auch beschossen unnd eingenommen hat14. Und ob wol er, bassa, under sölcher baider heüser belegerung furgeben // und die sach dahin deütten wöllen, das sein vheindtlichs furnemmen allain wider den Johansen Balasa15, welchem bemelte heüser zuegehören, angesehen were, den er von weegen seiner ime und anderen türken bewisnen spottstucke also straffen wolte, mit dem neben vermelden, das er wider ir ksl. Mt. und dero heüser dem friden zuwider ichts fürzunemmen mit nichten, sonder denselben unverprüchlich zuhalten gemaint were, auch hernach, als eben zu der zeitt, da Dywin erobert worden, ain ander türkischer hauff dißseitts der Tonaw eingefallen unnd irer Mt. one mittel zuegeheriges schlosß Fonodt16 beschossen unnd eingenommen, fürwenden dörffen, das es one sein vorwissen beschehen, mit dem vertrösten, nach dem er sich an gedachtem Balassa gerochen hette, das, wo ir ksl. Mt. das inn eyl an d -der perkstetterischen grenitze–d (allain zur defension) versamblet khriegßvolck wurde abtziehen lassen, er sein heer auch zu ruckh fordern wolte, so hat er doch demselben seinem betrüglichen und allain zu dem ende gethanen erpietten, damit er ir ksl. Mt. mit dero gegenrüstung aufhalten möchte, zuwider alsbaldt das haus Somoßko17 inn seinen gewalt pringen lassen. Wie dann auch der bassa von Temeschwär18 sich eben derselben zeitt mit ainer stattlichen antzall volckß Šherauf nit weitt von Zolnock19 begeben, also das mann der ortten auch in sorgen und sonderlich der vesstung Kalo20 halben in gefahr (wie auch noch) stehn muessen.

    Darauf gleichwol ihr ksl. Mt. nit underlassen, bemelten bassa von Ofen zum andernmal durch sondere gesandten21 umb restitution berurtter, one ainiche ursach abgetrungnen heüser zuersuechen, auch entlich, nachdem bey ime dasselb nit zuerhalten geweßt, alles was hierundter fürgangen an irer Mt. oratorn zu Constantinopel22, sölche restitution so wol auch die abstöllung wei- // terer thättlichen handlung daselbst zu prosequieren, gelangen zulassen.

    Dieweil aber ir ksl. Mt. alberaitt von yetztgedachtem irem oratorn sovil berichts entpfangen, das, was also von dem bassa zu Ofen furgenommen, nit one seines herrn vorwissen unnd bevelch beschehen, daneben auch befunden, das, ob wol er, bassa, sein vor den perckhstetten gehabtes khriegsvolckh widerumb abgefordert unnd daneben ain assecuration von sich gegeben, aller fernerer thättlichait sich zuenthalten und der fridens capitulation gemesß zuleben, das doch die seinen irer ksl. Mt. getrewen underthonen mit straiffen, plündern, rauben unnd prennen härtter als hievor nimmer zuesetzen, auch ausser dessen was zuvor und nit allain dis yetzig jahr, sonder die gantze zeitt des währenden fridtstanndts vilfältigclich und an allen grenitzen fürgangen, den dreyzehenden verschines monats Augusti der begh in Posega23 mit ainer grossen antzal volckß zu rosß unnd fueß auf Copreinitz24 gestraifft, den fleckhen angeloffen und zuverprennen sich understanden, auch vil seelen und viechs hinweckh gefurtt; volgendts den achttzehenden desselben monats die beghen von Sigeth, Funffkhirchen unnd Kopan25 sich ettliche tausent starckh inn aignen personen über den Plattensee begeben unnd drey meilen oberhalb Canisa26 eingefallen27, alles mit schwerdt unnd fewr verheert, auch ain merckliche antzall seelen unnd viechs hinweckgefüertt und dann erst den vierundzwainzigisten nechstverschines monats Septembris oberhalb Canisa ainen vast grossen raub gethan und abermalen über die tausent seelen mit sich genommen, auch sechtzehen dörffer verprennt haben, neben dem, so sich auch vor wenig tagen mit irer ksl. Mt. öbristen leütenandts an den crabatischen grenitzen // weilendt herrn ŠHerwardten freyherrn zu Auersperg etc.28 nider[lage] zuegetragen unnd dann irer ksl. Mt. yetzt ferner glaubwirdiger bericht einkombt, wasmassen der vheindt abermals an denselben crobatischen grenitzen inn starcker versamblung unnd auf den orttfleckhen Wihitsch29 forttzutziehen willens sein, auch alberaitt zehen stucke geschütz under Bellej30 gepracht haben solle: So ist aus disem allem leichtlich abzunemmen, das bemelter irer Mt. orator daselbst zu Constantinopel gleich so wenig erhalten unnd der bassa dessen alles von dannen austruckenlichen bevelch haben werde.

    Hergegen aber können ir ksl. Mt. hochgemelte anwesender churfürsten unnd die pfältzischen gewalthabere unnd räthe nit unerindert lassen, das mann hingegen dißsseitts dermassen schwach, ermattet unnd ausgetzert, das kain ersprießliche rettung beschehen khan. So komen nit allain die lanndt zuezüg unnd aufpott, auf welche der maist trost sein solte, gantz spatt und gemaingclich erst wann der vheindt das, so er im synn gehabt, alberait unversehenlich verrichtet hatt, sonder könden auch dieselben also eylendts blos unnd eintzig und one andern und mehrern zuesatz von khriegsvolckh an ain sölchen geübten und geschwinden feindt one grosse gefahr nit angefüert werden, welches dann umb sovil desto beschwerlicher, das der vheindt hierdurch ains nach dem andern einbekombt und was er also ainmal in seinen gewalt bringt, ime nit leichtlich widerumb nemmen leßt, sonder den fueß ye lenger ye weitter setzt; darzue ime ainen sondern vortail und gelegenhait gibt, das er, was vor ime, so weitt er kann verheert und verderbt, hingegen aber die erobertten fleckhen und was hinder denselben zum besten besetzt und dardurch an der mannschafft, proviandt, geschütz unnd anderer khriegsnotturfft von tag zu tag sich inn Hungern // also mehret und zuenimpt, das seine leüthe ye lenger ye mehr irer ksl. Mt. grenitzern, so offt es zu ainem treffen kompt, vast allwegen überlegen unnd zu starck seindt, auch also gleich einfallen unnd thuen mögen wann unnd was sy wöllen; darüber disseitts der pessten leüthe, sonderlich der geringen pferde, one welche gegen disem vheindt wenig auszurichten, täglichs weniger, die underthonen erödet, verzagt unnd letzlich aintweder aus klainmuettigkait zur huldigung beweget Šoder mit gewalt dartzue genöttigt, auch ettwan daruber geplundert, verheert, verprenntt unnd in schweriste dienstbarkait gefürtt werden.

    Wiewol nuhn aus disem allem gnuegsamblich erscheint, das der berürtt achtjärig fridtstanndt31 ihrer ksl. Mt. dero khunigreichen, lannden und getrewen underthonen wenig nutzes gepracht, sonder dem vheindt ain grosse gelegenhait unnd vorthail inn die hanndt gegeben, er sich auch dessen fleissig gepraucht, daheer dann ihr ksl. Mt. nach fernerer desselben erlengerung zutrachten wenig, sonder vil mehr dahin zugedencken ursach gehabt, wie ihr ksl. Mt. sich dero khunigreiche unnd lannde inn ander weege retten und erhalten, auch der stenndt des Heiligen Reichs verschonen köntte, so ist doch irer ksl. Mt. abermaln das obangeregt ihr selbst unnd ermelter irer khunigreiche unnd lannde eüsserstes abnemmen unnd unvermugen im weeg gestanden, und ir ksl. Mt. daher zum thail auch durch hochgedachter churfursten selbst vermahnen geursacht worden, bey dem nechstverstorbnen sulthan Selym umb weitere erstrekhung anzuhalten. Sodann auch, wie ire kfl. Gnn. dessen von irer Mt. damalen erindert, nach langgepflogner handlung (yedoch so wol als das vorigmal nit one grosse verhaissungen, mühe und uncosten) von yetztermeltem sulthan Selym // auf andere acht jahre erlangt, volgents auch durch seinen sohn unnd successorn sulthan Amurathen bald nach eingang seiner regierung zu confirmiern bewilligt32 unnd derwegen die bottschafft33, so von seinem vattern mit dem prorogationbrief zu irer Mt. abgeferttigt gewest, hernach aber auf desselben absterben underweegen stillgelegen unnd des successoris weittern verordnung erwarttet, mit der vermeldten bewilligung, yedoch one die in solenni forma geferttigte confirmation forttgeschickt worden unnd zu eingang des verschinen monatts Martii bey irer ksl. Mt. zu Prag ankommen, aber daselbst vor enttlicher deren ime anbevolhenen sachen abhandlung mit todt verschiden ist. Daheer ervolgt, das ihr ksl. Mt. nit allain sölches prorogierten und durch den yetzigen sulthan wie vermeldet zubestettigen bewilligten fridtstandts, so zu ausgang der ersten acht jahre, welche sich auf den ersten Januarii schieristkunfftigs 76. jahrs unnd also nit gar inner dritthalber monatt enden werden, noch khain gewishait haben, sonder auch aus dem, so von dem bassa zu Ofen nuhn ettlich monat hero obertzeltermassen fürgenommen worden, dessen auch noch khain aufhöeren Šist, vil mehr der unfridt unnd offen khrieg zugewartten, wie dann auch daheer anders nit zuvermuetten, das irer ksl. Mt. orator zu Constantinopel mit der bisheer ettlich monat embsigclich sollicitierten confirmation von ainer zeitt zur andern yetzt mit der, baldt ainer andern ausrede zweifels one mit fürsatz unnd auf ainen sondern betrug aufgetzogen wirdet; zu dem das irer ksl. Mt. auch hiervon unnd das der türkisch kaiser auf nechstkunfftigen früeling aigner person heraus gegen irer ksl. // Mt. ziehen werde, bisheer von vilen underschidlichen ortten und so wol aus Sibenbürgen unnd Venedig als Constantinopel, Ofen und andern enden khundtschafften unnd wahrnungen, ja auch bericht zuekommen, das alberaitt an profiandt unnd anderer zu sölchem heraus zug gehöerigen notturfft stattliche vorberaittung gemacht und hin unnd wider bestelt werde.

    Wann nuhn die sachen oberzeltermassen geschaffen unnd dann ihr ksl. Mt. den friden, ob sy gleich gern denselben auch mit irem selbßt und der iren noch weitterm schaden und nachsehen continuiern wolte, lenger nit haben kan als diser beschwerlicher nachbar will, so erfordert demnach nit allain irer ksl. Mt. unnd dero erblichen khünigreiche unnd lannde, sonder auch, nachdem der vheindt so weitt kommen, das es ime nuhnmehr nit umb Hungern, sonder vil mehr umb die niderösterreichischen unnd andere irer ksl. Mt. khunigreich unnd lannde und also darumb zuthuen, wie er den fues ins Reich setzen und volgentts nit weniger als inn Hungern und andern erobertten khunigreichen unnd länndern beschehen von tag zu tag weitter greiffen möge, desselben unsers gemainen geliebten vatterlanndts höchste notturfft, sölchen dingen zeittlich nach zutrachten unnd dahin zugedenken, wie unnd durch was erschießliche mittl und weege die gemaine vorstehende nott, jammer, verderben unnd gefahr abzuwenden.

    Unnd ob wol ihr ksl. Mt. sich freundtlich unnd genedigist erinndern, wie treulich bisheer churfursten, fürsten und stennde des Heiligen Reichs zu höchstgedachtem kaiser Ferdinanden und irer yetzigen ksl. Mt. gesetzt, was sy auch baiden iren Mtt. zu mehrmalen für // ansehenliche hülffen wider disen gemainer christenhait erbfeindt gehorsamblich bewilligt unnd gelaistet34, so hat sich doch yedesmalln befunden, das sölche bewilligungen, wie stattlich auch dieselben gewesen, nit das mittel, dardurch den sachen geholffen und dem vheindt gepürlicher unnd nottwendiger widerstanndt, vil weniger grosser abbruch beschehen mugen. Seytenmaln es mit sölchem vheindt die gelegenhait hatt, das er so leicht nit anzugreiffen oder auf ainmal zuvertreiben, das auch das teütsch khriegsweesen und des Reichs hülffen nit also geschaffen sein, das mann alsbaldt ain hauptschlacht gegen ime fürnemmen oder ainichen mit seinem gewaltigen höer35 belegerten platz mit gelegenhait unnd vorthail zuentsetzen understehn mögen, zu dem das sölche hülffen so gar langsam ein[kommen] unnd das darvon bestelt khriegsvolck ins vheldt zupringen, auch volgents dermassen baldt Šaufhöeren, das nichts beharrlichs unnd stattlichs darmit furgenommen unnd ausgerichtet werden khann. Darumben dann ervolgt, das der vheindt vast allweeg mit sig unnd verrichten sachen abzeucht, unnd hernacher der krieg, wann die bösst36 gelegenhait vorhanden, steckhen pleibt unnd die frontier blos unnd ungesterckt oder one gnuegsame fursehung abermals gelassen würdt.

    Unnd da sich diser zeitt, wie zubesorgen, solte zuetragen, das der yetzig türkisch kaiser als ain junger angehender regent sich entschliessen solt, den krieg in Hungern beharrlich forttzusetzen unnd das ain jahr selbs persöndlich heraus zuziehen, das ander ain beglerbeghen sambt den tartarn unnd anderm kriegsvolckh heraus zuschickhen, ittem die frontiern mit jänitschärn zusterckhen etc., so ist ye gnuegsam abzu- // nemmen, das er inn khurtzen jahren, da kain anderer beharrlicher widerstanndt vorhanden, der gantzen hungerischen frontier sich werde mechtigmachen künden, unnd das also fürtter aller last und gefahr des khriegs unnd einbruch des vheindts irer Mt. erblanden und der teutschen nation desto beschwerlicher unnd untreglicher wurde auf den hals wachsen. Welchem allem nach ir ksl. Mt. der unvermeidlichen notturfft nach darfurhalten, das disem sorgclichen weesen, darauf so wol dem Heiligen Reich teütscher nation als ihrer Mt. khunigreich unnd lannden das eusserst verderben unnd entlicher undergang steht, durch ersprießlichere und beharrlichere weeg und mittel dann bißheer beschehen zubegegnen, zu wehren unnd abzuhelffen seye. Unnd ist hierauf irer ksl. Mt. gantz freundtlich unnd genedigs gesinnen unnd ermahnen, hochgedachte churfursten und die pfältzische gewaldthabere unnd räth wöllen disen gemainen und nit weniger dem Heiligen Reiche als irer Mt. und dero erblannden obligenden handel mit trewistem vleiß bedenckhen und neben irer Mt. auf nottwendig hülfflich einsehen befürdern und richten helffen:

    [1] Als nemblich zum ersten, das auf obangeregten fall, da der türkisch khaiser auf das kunfftig jahr, wie die khundtschafften, vermuettungen unnd wahrnungen einkommen, selbst persöndlich heraus ziehen oder sonst ainen hauptkrieg gegen ihrer Mt. fürnemmen wurde, gemaine stennde sich unverzuglich auf ain sölche ansehenliche stattliche hülff entschliessen, damit disem vheindt notturfftiger widerstanndt beschehen, sein vorhaben geprochen, die hungerisch frontier verthaidigt und durch Gottes verleihung sein gewaldt von // fernerm einpruch inn das Teutschlanndt möge abgehalten werden. [2] Zum andern, das sölche hülff dermassen durch gemaine stenndt befurdert werde, damit mann noch vor seiner herauskonfft mit ainem gnuegsamen hauffen volckß aufkhommen und ungehindert der türken auf der frontier ain verödung unnd verheerung vor im heer37, so weitt mann immer in sein dition und lanndt geraichen mag, furnemmen unnd verrichten, auch die schlechten plätze unnd vestungen ainsthails wider einnemmen unnd zerstöeren möge. [3] Zum dritten, Šdas auch sölche hülff durch gemaine stenndt dermassen beharrlich angestelt werde, damit den wintter (da Gott gnad verlihe, das der vheindt unverrichter dinge wider abziehen mueste, wie er dann über drey monatt sich nit wol hiraussen seumen kann) der krieg mit erfrischtem volckh beharret und die verheerung der grenitze unnd geringen vestungen weitter forttgesetzt, auch die belegerung ains oder mehr hauptplatzes möge zu gelegenhait sölcher wintterzeitt furgenommen werden, dieweil alsdann die türken auf den grenitzen gegen den unsern allain nit ins vheldt ziehen können, auch ire plätz unnd vestungen durchaus wider den gewalt des geschütz unnd ander ernstlich zuethuen gar nit erbawet seindt. [4] Zum vierdten, dieweil es ausser alles zweiffels an dem ist, das, obgleich der türck von jahr zu jahr unnd beharrlich seinen persöndlichen herauszug oder hauptkrieg nit forttsetzen wurde, auch gemainen stennden des Reichs zu schwer fallen wolte, denselben ires tails offensive unnd mit stattlichem gewalt zubeharren, sich dannacht bey disem vheindt auch so gar, wie oben vermeldett, // inn fridts- unnd anstanndtszeitten kainer fridlichait unnd sicherhait zuversehen, seytemal die erfahrung gibt, das die türken bisheer inn zeitt des fridens unversehner betruglicher weise schier mehr dann inn offnem krieg eingenommen haben; derwegen dann die allerhöchste unvermeidliche notturfft ervordert, die hungerische frontier als die rechte vormaur der teütschen nation forthin dermassen zufürsehen unnd zubestellen, damit dieselb erhalten unnd zum wenigisten weitter durch den vheindt nit geschmellert werde, auch er also desto weniger gelegenhait haben möge, seinen gewaldt unnd tyranney in das Teutschlanndt zu wenden unnd daselbst immer weitter einzuprechen; daneben aber wissentlich unnd am tage, das die gnuegsame unnd sichere bestellung yetztermelter frontier in irer Mt. unnd dero khunigreiche und erblannde vermögen allain weitter nit ist; das inn erwegung dises alles gemaine stennde auf ain beharrliche hülff unnd immerwerendts khriegsweesen auf der frontier wöllen bedacht sein, durch welches nit allain die besatzungen gnuegsam bestellet und des vheindts ausfälle unnd eingriff gewehrt, sonder auch andere guette verrichtungen zu fürfallender gelegenhait furgenommen und also entlich der vheindt von der teutschen nation, dem geliebten vatterlanndt, aus verleihung des allmechtigen noch weitter möge abgehalten werden. Hingegen seindt ihr ksl. Mt. des erpietens, sampt vilberürtten ihren khunigreichen unnd lannden, welche auch sich noch weitter sovil inen ymmer muglich anzugreiffen daheer ursach schöpffen werden, das eüsserst und, wie ainem christlichen teutschen kaiser gepürt, guett unnd bluett bey dem Heiligen // Reich treulich darzusetzen, und dann auch umb mehr khriegsconsorten als nemblich die kgl. Würde zu Hispanien, den moscoviter unnd persier beßtes vleis und durch alle hierzu dienstliche mittel unnd weege zuhandlen und andere mehr hülffen zusuechen, der gentzlichen zuversicht, dieselben werden, da sy des von ihrer ksl. Mt. unnd dem Heiligen Reiche angestelten beharrigen kriegsweesens bericht entpfahen und also sich dißseitts ainer bestenndigen zuesetzung zugetrösten haben, inn sölche societatem belli auch desto leichter zupringen sein.

    ŠDieweil dann neben disem hochwichtigen artickl auch von andern des Heiligen Reichs nit geringen obligen mit churfürsten, fürsten unnd stennden des Reichs zu tractiern unnd zuhandlen die höchste notturfft, innsonderhait auch zuberathschlagen sein will, wasmassen die beschwerliche unordnungen, so im Reich ye lenger ye mehr denen hievor aufgerichten hailsamen constitutionen zuwider und nit one viler gehorsamen stennde höchste beschwernus unnd belästigung mit durchfurung khriegsvolckß unnd inn andere weege einreissen, abzustöllen; desgleichen das hochschädlich mißtrawen under denen inner unnd ausser teütscher nation dem Reich zuegethanen sovil möglich auftzuheben, hingegen aber ain rechtes vertrawen und gleicher verstanndt zustifften, gemaine rhue, fridt unnd recht sampt dem gepurlichen gehorsam zuerhalten unnd entlich das jhennig alles, daheer dem Heiligen Reich, dessen stennden und zuegethanen mehrere gefahr, nachthail unnd unhail entstehn möchte, abzuwenden; daneben auch, was ettwan bisheer dem Reich von andern potentaten entzogen worden, wider darzue möge zupringen sein, wie dann ire // churfürstliche Gnn. unnd die pfältzische gewalthaber unnd räthe sölcher artickl ainsthails durch sonderbare schrifften erindertt wordene, unnd aber zu sölchem allem ainen allgemainen reichstag anzustöllen unnd denselben so wol der obangeregten von weegen des erbvheindts vorstehenden not unnd gefahr, als auch anderer viler irer Mt. unnd gemainen stennden billich angelegner sachen halben, sovil möglich zubefürdern, zum höchsten von nötten, so ersuechen ir ksl. Mt. auch ferner hochgedachte churfursten unnd die pfältzischen gewalthaber unnd räthe freundtlich unnd genedigclich, das ire churfurstliche unnd furstliche Gnn., auch sy inn bedenckung aller sölcher unnd sonderlich der türkischen sachen, gelegenhait unnd umbstennde irer ksl. Mt. ainen reichstag auf zeitt unnd mallstatt, so ihr ksl. Mt. für die bequembist achten werden, auszuschreiben ihrer Mt. gehorsamblich einraummen und bewilligen wöllen; unnd dann auf sölch ausschreiben an irem persöndlichen erscheinen unnd sonst nichts erwinden lassen, so zu befürderung des geliebten vatterlanndts und gemainer christenhait rhue und wolfartt immer fürtreglich und ersprießlich sein mag, innmassen dann ir ksl. Mt. zu hochgedachten anwesenden churfürsten so wol auch der churfurstlichen Pfaltz und dero gewalthabern unnd räthen das freundtlich, genedig und untzweifenlich vertrawen stellen, auch sölches umb ire kfl. und f. Gnn. auch sy sambt und sonderlich inn freundtschafft, gnaden und allem gutten zubeschulden yederzeitt unvergessen sein wöllen.

    « ŠNr. 45  Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, [Regensburg 1575 Oktober 26] »

    Antwort der Kff. und des Pfgf. Ludwig auf die ksl. Proposition zur Türkenabwehr und Zustimmung zur Ausschreibung eines RT. Ort und Termin im Ermessen des Ks. Bereitschaft zur Mitarbeit.

    Im KR verlesen und gebilligt am 26.10.15751.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 30 f. (undatierte Kop. Dorsv.: Der Kff. erklerung uff ihrer ksl. Mt. anbringen wegen des Reichß tages.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA, RTA 73, unfol. (undatiertes Konz. Hd. Faber. Aufschr.: Turckisch einfall in Hungern.) = B. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 15 f. (undatierte Kop.) = C. Knapp referiert bei Moritz , Wahl, 176.

    /30/ Was die römische kaiserliche Mt., unser aller gnedigster herr, den anwesenden churfursten und pfaltzischen abgesandten gewaldthabern und rhäten neben anderen auch vom unsichern und zw endt ablauffenden türckischen friden2 a -(so von wegen des turcken bei werendem anstande auch inn vil wege betriglich und mit gewaltiger handt gebrochen)–a inn schrifftb berichten c -und doneben allergnedigst begeren–c lassen3, daß alles haben ihre kfl. und f. Gnn. d -und andere pfaltzische rhate–d im rahte vorlesen unde angehoret und daruber, was des Heiligen Reichs und aller stende notturfft sein will, sich underredet.

    Und tragen zuforderst mit f -dem hochbedrangten christlichen ungerischen lande–f und underthanen christlchis [!] mitleiden. Wan dan diese ding hoch und wichtig, daran allen stendeng vil gelegen, alß lassen hochgedachte churfurstenh und die pfaltzische abgesandten ihnen allerunderthenigst /30'/ gefallen, das ihre ksl. Mt. einen gemeinen Reichs tag auff zeit und malstadt, so ihre Mt. fur diei bequemist achten werden, ausschreiben lassen. Daselbst hin dan die churfursten nebenj andern stenden selbst oder durch ihre gevolmechtigte nach mugligkeit gehorsamlich erscheinen und alles das jenige, was zw beforderung des Heiligen Reichs und gemeiner christenheit ruhe, sicherheit und wolfart immerk furtreglich und nötig sein mag, mit allem fleis ferners bedenckenl und voltziehen helffen wöllen. Welches die anwesenden churfursten und pfaltzische gewaldthabere und rhäte ihrer ksl. Mt. inn aller underthenigster gehorsam zw ihrer begerten erklerung nicht vorhalten wollen, sich derselben zw keiserlichen gnadn, schutz und schirm allerunderthenigst bevehlendtm.

    « Nr. 46 Resolution Kaiser Maximilians II. zur Einberufung eines Reichstags, präs. 1575 Regensburg November 1 »

    Dank für die Antwort der Kff. und des Pfgf. Ludwig auf die ksl. Nebenproposition zur Türkenabwehr und für ihre Zustimmung zur Ausschreibung eines RT. Ankündigung, aufgrund der drängenden Türkengefahr für den 8. oder 12. Februar 1576 einen RT nach Augsburg einzuberufen. Bitte um persönliches Erscheinen der Kff.

    Von Erstenberger präs. am 1.11.1575.

    HHStA Wien, MEA, RTA 73, unfol. (Kop. Unterschrift des Reichssekretärs Erstenberger. Dorsv.: Röm. ksl. Mt. resolution betreffen[d] den kunfftigen reichetag ghen Augspurgk auff den achten oder zwolfften Februarii kunfftigs jarss außzuschreyben. Am unteren Rand: Praesentatum Regenspurgk per Dr. Erstenberger prima Novembris anno 1575.) = Textvorlage. HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 80–81 (Kop. Schlussvermerk: Röm. ksl. Mt. resolution betr[effend] den kunftigen Reichs tagk auf den achten oder 12. Februarii kegen Augßburgk kunftigs jars auszuschreiben. Praesentatum Regenßburgk, den 1. Novembris anno 1575.) = [B]. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 17 f. (Kop.) = [C]. Knapp referiert bei Moritz , Wahl, 176.

    Die römisch kaiserliche Majestat etc., unnser allergnedigster herr, haben des Hailigen Reichs anwesenden churfursten unnd pfaltzgrevischer rath resolution unnd antwort1 auf irer Mt. beschehene nebenproposition2, das türckisch fürbrechen unnd was demselben anhengig belangen inhalts vernomen.

    Das nuhn ire kfl. Gnn. irer Mt. haimbstellen, diser unnd ander des Hailigen Reichs obligen wegen auf zeit unnd malstat, so ire Mt. fur die bequemest achten, ein gemainen reichstag außzuschreiben, mit dem angehefften erpitten, das ire kfl. Gnn. sambt andern stenden selbst oder durch ire volmechtigte nach müglichait gehorsamblich erscheinen unnd alles das jhenig, was zu befurderung des Hailigen Reichs unnd gemainer christenhait ruhe, sicherhait unnd wolfart immer furträglich unnd nötig, mit allem vleiß bedencken, vergleichen unnd voltziehen helffen wolten, des thuen sich ire ksl. Mt. gegen iren kfl. Gnn. Šgantz freundtlich unnd gnediglich bedancken. Geben darauf iren kfl. Gnn. hinwider freundtlich unnd gnediglich zuerkhennen, sintemal die sachen, aus denen in irer Mt. gethanem fürtrag bemelten ehafften ursachen khain vertzug leiden khönden unnd gemainer christenhait (neben andern mehr puncten, so zuerledigen bevor) an befurderung solches wercks zum höchsten gelegen, // das darumben ire ksl. Mt. entschlossen seyen, auf vorberürte der churfursten guethertzige haimbstellung alsgleich ainen gemainen reichstag auf ungeverlich den achten oder zwölfften Februarii schierst khunfftigen sechs und sibentzigsten jahrs nach Augspurg außzuschreiben3 unnd demselben vermittelst göttlicher verleihung aigner person beitzuwohnen, des gentzlichen versehens (inmassen dann ire ksl. Mt. hiemit gantz freundtlich und gnediglich begert haben wöllen), ire kfl. Gnn. werden sich zu würcklicher betrachtung unnd befurderung des Hailigen Reichs notturfft mit selbst personlicher ersuechung solches reichstags, irem wolmainlichen erbieten nach, nit weniger willfarig betzaigen, das auch ire ksl. Mt. gegen iren kfl. Gnn. in aller freundtschafft unnd gnaden zuerkhennen gantz erbietig und genaigt seind.

    Unterschrift: Erstenberger.

    « Nr. 47 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Polen, präs. Regensburg 1575 Oktober 24 »

    Bericht Ks. Maximilians II. über die Vorbereitungen zur bevorstehenden Königswahl in Polen nach der Rückkehr Kg. Heinrichs III. nach Frankreich. Abordnung ksl. Gesandter zum Wahltag am 7. November 1575, um dort für die Wahl Ehg. Ernsts zum Kg. von Polen und Großf. von Litauen zu werben. Bitte an die Kff. und Pfgf. Ludwig, die Kandidatur seines Sohnes durch eine kfl. Gesandtschaft zu unterstützen.

    Den Kff. und Pfgf. Ludwig am 24.10.1575 in der ksl. Herberge übergeben1 und am selben Tag kopiert2. Am Vormittag des 25.10.1575 im KR verlesen und bewilligt3.

    Š GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. D, fol. 351–354 (Kop. Überschr.: Proposition der schickung halben in Polen. Proponiret den 25. Octobris.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 100/1, fol. 203–205' (Kop. Dorsv.: Ksl. Mt. begern umb ein legation in Poln, ires anndern sons Ernesti halben.) = B. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 19–22 (Kop.) = C. Knapp referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 396.

    /351/ Nachdem die röm. ksl. Mt. etc., unßer allergnedigster herr, darfur achten, das unter anderen sachen, dardurch des Hl. Reichs und gemeiner christenheit ruhe, wolfart und aufnhemen befurdert werden mag, hiertzw auch dis fast ersprießlich sein würde, do bey itziger der chron Polen gelegenheit daßelb künnigreich auf ihrer Mt. geliebten anderen shon, ertzhertzogk Ernsten zw Österreich etc., gebracht werden und also dz Hl. Reich mit derselben chron in mherere vorstendnus kommen möchte, so haben i. ksl. Mt. nicht umbgehen wöllen, bey gegenwertiger i. Mt. und des Hl. Reichs churfursten zwsammenkunft i. kfl. Gnn. und der abwesenden kfl. Pfaltz alhero vorordente gewaldhaber und räthe freundtlich und gnedigst zwerinnern, worauf ungefherlich der zeit dieselbe polnische sache stehet.

    Und ist erstlich i. kfl. Gnn. und den pfältzischen /351'/ gewaldhaber und räthen unvorborgen, welcher maßen die landräthe und stende bemelts künnigreichs, nachdem sich konnig Hainrich etc.4 aus demselben in Franckreich begeben, weinig monat hernach zw Warsaw sich dohin mit einander vorglichen und endlich beschloßen, in fall s. kgl. Würde auf den doselbst gein Stenzitzscha angesetzten tag, nemblich den 12. vorschienen monats May, sich nicht personlich stellen wurde, dz als dan sie, die stende, ihrer geleisten pflicht ledig sein und zu einer newen whal greiffen wölten5. So werden i. kfl. Gnn. und die pfältzische gewaldhaber und räthe zweifels ohne auch vor dießem fornommen haben, obwol berürter stentzischischer tag seinen fortgang erreicht und es sich dahin ansehen laßen, als ob den warsawschen beschlus auch der whal halben /352/ wirglich wolte nachgesetzt werden, das doch hernach die stende von wegen einer ervolgten unvorsehenen seceßion unvorrichter sachen von einander getzogen, jedoch sie, die stende, sich außer etzlicher weiniger einhelliglich dohin vorglichen, dz könnig Hainrich etc. fur excludirt zu halten und weiter zw demselbena künnigreich nicht zulaßen were, wie dan auch solches Šhernach in etzlichen woywodschafften offentlich publicirt worden. Ob nun wol hierauf seithero hin und wieder in Polen so wol auch in der Littaw particulares conventus gehalten und eines anderen whaltags halben gehandelt, auch des mherertheils dahin geschloßen worden, dz derselbe auf Simonis et Judae6 negstkunfftig oder zu ende dießes laufenden monats solte gehalten werden, so ist doch derselbe tag jedesmaln zweifelich und ungewiße geweßen, auch darfur /352'/ gehalten worden, das derselbe erstreckt werden möchte, wie dan i. ksl. Mt. dieße tage weiter bericht zukommen, dz solche erstreckung bis auf den 7. negstkunfftig monats Novembris ervolget sey. Dieweil dan i. ksl. Mt. von gemeiner wolfart und bestes wegen des vorhabens, auf solchen tag ihre ansehenliche oratorn7 zuvorordnen und durch dieselben dohin handelen zulaßen, ob solch künnigreich nochmaln auf hochgedachten ertzhertzog Ernsten gebracht werden möchte, und aber i. ksl. Mt. von vielen guthertzigen und ansehenlichen leuten in bemelter chron Polen dieße andeutung beschehen, das es zw fruchtbarer der sachen vorrichtung fast dienstlich und ersprießlich sein würde, do neben ir Mt. keyßerlichen oratorn auch gemeiner des Hl. Reichs oder doch wo daßelbe nicht sein könte (wie es dann itziger zeit dieselbe gelegenheit hat) /353/ der löblichen churfursten potschaft in Polen auf den angesetzten tag auch erschiene und ihre ksl. Mt. und hochgedachts dero geliebten shons ertzhertzog Ernsten sacheb zugleich befürderte, und dan i. ksl. Mt. des freundlichen und gnedigen vorsehens, dz i. kfl. Gnn., die sich hievor in gleichem fall zw irer Mt. sonderm dancknhemen gefallen erzeigt haben8, auch dißmal i. ksl. Mt. hierinnen zu wilfharen nicht weiniger gneigt sein werden, so ersuchen demnach i. ksl. Mt. hochgedachte anwesende churfursten und die pfältzische gewaldhaber und räthe freundtlich und gnediglich, dz i. kfl. Gnaden und sie nicht allein ir ksl. Mt. und dero geliebten shon zu freundtlichenc wilfärigen gefallen, sondern auch dem gemeinem wesen, ruhe und wolfarth zum besten ihre potschafftend hierzu /353'/ vorordnen und durch derselbene neben ihrer Mt. kayßerlichen oratorn die sache aufs trewlichste und Šdurch hierzu dienstliche auch ihnen, den stenden, anmütigste argumenta dohin befürdern und richten helfen wöllen, domit in furstehender könniglicher whal hochermelter ir ksl. Mt. shon, ertzhertzog Ernst etc., fur anderen bedacht werde. Ihre ksl. Mt. halten aber fur unnötig, dz von jedem churfursten ein besondere person, inmaßen hievor geschehen, geschicket werde, sondern fur gnugsam und beßer, nachdem i. kfl. Gnn. und an Pfaltz stad s. kfl. Gn. gewaldhaber und räthe collegialiter beißamen, dz ein ansehenliche person grafen- oder herrn standts, deren ein tauglicher gelerter man zu adjungiren, in aller ihrer kfl. Gnn. nahmen abgefertigt wurde, wie dan i. kfl. Gnn. und die pfältzische gewaldhaber und räthe daßelbe ihrer ksl. Mt. untzweifentlichen /354/ vortrawen nach wol werden antzustellen und, nachdem der bestimbte tag nahe an der hand, dieße verordnung also zubefurderen wißen, domit dieselbigen ihre gesandten zu rechter zeit an den bestimpten ortt ankommen mögen. Solches seind i. ksl. Mt. umb mherhochgedachte anwesende churfursten, sowol auch die kfl. Pfaltz und dero abgeordente gewaldhaber und räthe in freundschaft, gnaden und allem guten zuerkennen und zubedencken freundtlich und gnediglich wol gneigt und erbottig etc.

    « Nr. 48 Instruktion der Kurfürsten für Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg zum Wahltag in Polen, Regensburg 1575 Oktober 28 »

    Mahnung zur rechtzeitigen Ankunft in Warschau zum Wahltag am 7. November 1575. Absprache mit den vor Ort anwesenden ksl. Gesandten über die bei den polnischen Ständen zu haltenden Werbungen. Herstellung guten Einvernehmens mit den Ständen, die eine habsburgische Kandidatur befürworten. Unterstützung und Vermittlung des Reichs bei den Friedensverhandlungen mit dem Zaren, falls Ehg. Ernst zum Kg. von Polen und Großf. von Litauen gewählt werden sollte. Vermeidung kränkender Äußerungen gegenüber den französischen Gesandten und den Anhängern der profranzösischen Partei in Polen; Erläuterung der Kandidatur Ehg. Ernsts gegenüber Frankreich. Öffentlicher Vortrag der kfl. Gesandten vor den polnischen Ständen. Bitte um stetige Rücksprache mit der ksl. Gesandtschaft.

    Datiert Regensburg, 28.10.1575.

    GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. D, fol. 355–356' (Kop. Dorsv.: Instruction der sechs Kff. an die stende in Polenn.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 28–30 (Kop. Dorsv.: Instruction uff Warßaw zum pol[n]ischem wahltag.) = B. Knapp referiert bei Augustynowicz , Kandidaten, 851.

    Š /355/ Instruction, was sich der wolgeborne herr Wolf von Isenbergk, graf zu Budingen, unnd der edel Hartman von Kronbergk2 alß der sechs Kff. abgesandte an die gemeine stende der cron zu Polen ungeferlich zuvorhalten.

    Nachdem die zeittungena einkommen, das am 7. Novembris negst zu Warsaw die stende in Polen einen reichstagk zuerwehlung eines newen konigs angestellet, werden der sechs Kff. abgesandte ire tage reiß dermassen antzustellen wißen, damit sie auch zeitlich daselbst erscheinen und was inen anbefolen vorrichten mugen. Aber zuforderst sollen sie sich zu den keiserlichen oratorn und legaten3 daselbsten in Polen verfugen, denselben neben gebuerlichen zuentbieten im nahmen der sechs Kff. vertrawlich vormelden, wie sie von wegen i. kfl. Gnn. von hierauß auf allergnedigstes begern4 der röm. ksl. Mt., unsers allergnedigsten herrn, an die gemeine stende der cron Polen auf Warsaw gnediglich abgefertiget mit credentz5, instruction unnd dan, was sie mundtlich in gemeiner vorsamblung und audientz berurter stende offentlich reden und werben sollen6, derhalben irer, des ksl. orators, unnd anderer abgesandten rath und anleitung bitten, bey welchen /355'/ stenden sie sich antzuzeigen, audientz und fordernus suchen mochten. Insonderheit aber sollen sie sichb erkundigen, welche stende, die der ksl. Mt. gunstig sein mochten, denen zuvortrawen; bey denselben mochten sie sich auch ad partem angeben und nach gebuerlichen zuentbieten entweder in nahmen aller der sechs Kff. oder aber unsers gnedigsten herrn zu Meintz allein, nach gestalt und beschaffenheit der personen, denselben auch vertraulich antzeigen, von wem sie abgefertiget und was ire werbung sein wurde, mit angehefftem begern, iren gneigten willen, gunst unnd befurdernus zu solcher loblichen unnd gemein nutzlicher sachen zuwenden, welchs dan der cron zu Polen, ja gemeiner christenheit in Europa zum besten reichen. Unnd werdens i. kfl. Gnn. und sie widerumb in freundtschaft oder gneigten willen vorgleichen. Darunter dan wol zuvormelden, das die ksl. Mt. und stende des Hl. Reichs mit irc, der polen unnd littawer erbfeindt, der muscowitter, in guetter vorstandtnus stunden unnd, do der ksl. Mt. geliebter sohn, ertzhertzogk ŠErnestus, zur polnischen cron erwehlet werden solte, wurden die stende unnd landtschafften in Polen gewießlich bestendigen frieden bey dem muscowiter erlangen, zu deme auch sonsten in kriegszeitten grosse hulf und beistandt /356/ kegen allen iren benachbarten feinden aus dem Hl. Reich teutscher nation unnd von allen andern i. Mt. vorwandten mechtigen königreichen unnd befreundten bekommen. Darneben mußen die abgesandten auch sich befleißigen, sintemal die kgl. W. etc. zu Franckreich auch vormuethlich seine gesandten7 daselbsten unnd dan seinen anhangk bey etlichen stenden haben wird, das sie dieselbigen mit keinen reden offendiren, sondern den konigk ruhmen, das sie auch nicht gemeinet, i. kgl. W. etc. ethwas zuwider zuhandeln oder zu sollicitiren, sondern allein darumb abgesandt weren, sintemal die zeittungend in Deutschlandt gangene, das die stende alhier einen andern konig erwehlen wolten, das auch etliche andern, so dem Hl. Reich nicht gunstigk und böse nachbarn sein wurden8, nach der cron practicirten. Das sie derhalben auch mit gunst und favor der kgl. W. etc. zu Franckreich oder derselben botschafften allen vleiß anwenden solten, damit i. ksl. Mt. ander sohn, ertzhertzogk Ernestus, vielmehr alß einer dem Hl. Reich widderwetiger zur cron Polen gefurdert werden mochte, welchs auch ohn zweifel der kgl. W. zu Franckreich irer freundtschaft und vorwandtnus nach nicht mißfallen wurde. Do dan die kfl. abgesandte bey gemeinen stenden offentliche audientz erlanget, werden sie diejenige argumenta, /356'/ in dero inen zugestalter oration9 vorfaßet, so der sachen am besten, nach gestalt itziger zeit dienlich und den stenden am annehmblichsten sein mochtef, vor andern furzutragen wissen, darunter sie dan des ksl. orators rath und bedencken zuforderst zu begeren und zuvornehmen haben, wie sie dan auch auf deßen anleittung und gutachten bey andern poln[i]schen stenden, nach gestalt der personen, allen gutten willen und beforderung sollicitiren sollen, in deme allen sie sich selbst irer discretion nach wol zuvorhalten werden wißen. Und was sie also anstadt der sechs Kff. reden, furtragen und sollicitiren werden, das alles ist i. kfl. Gnn. g gnediger wille unnd befehl. Zu urkundt ist diese instruction in derh meinzische cantzley vorfertiget und subscribirt worden.

    ŠRegensburg, 28.10.1575. Unterschriften: Dr. Christoph Faber, Mainzer Kanzler; Peter Kraich, Sekretäri .

    « Nr. 49 Rede der kurfürstlichen Gesandten Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg vor den polnischen Ständen, [beschlossen Regensburg 1575 Oktober 28] »

    Erinnerung an die Rede der kfl. Gesandtschaft vom April 1573. Hoffnung auf die Wahl eines Kg. von Polen und Großf. von Litauen, der die guten Beziehungen zum Reich pflegt. Empfehlung Ehg. Ernsts, Sohn Ks. Maximilians II. und Bruder des neu erwählten röm. Kg. Rudolf II., der trotz seiner Jugend alle notwendigen Eigenschaften und Voraussetzungen für einen guten Herrscher mitbringt. Vorteile für das Kgr. Polen-Litauen durch die enge Verbindung der jagiellonischen mit der habsburgischen Dynastie.

    Am Nachmittag des 27.10.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) beraten1 und wahrscheinlich auf den 28.10. zu datieren2.  Gehalten in Warschau, 15.11.15753.

    GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. D, fol. 359–362' (undatierte lat. Kop.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 31–35 (undatierte lat. Kop.) = B. Fehlerhafter Druck (lat., undatiert): Meysztowicz , Orationes, Nr. 2 S. 10–14.

    /359/ Reverendissimi, illustrissimi, reverendi, illustres, spectabiles, magnifici, generosi nobilesque viri, inclyti ac potentissimi regni polonici magnique ducatus lithuaniae proceres, tam maiorum quam propriis virtutum insigniis, prudentia rebusque fortiter gestis celeberrimi, summa nobis observantia gratisque offitiis colendi, salutem plurimam omneque amicitiae offitium et bene moerendi voluntatem ex se. Reverendissimi atque illustrissimi principes Sacri Romani Imperii electores, domini nostri clementissimi, nobis denunctiant.

    Et quanquam non dubitant vos memoria tenere ex ea oratione, quam priores principum nostrorum legati anno 73 mense Aprili die eiusdem 13. hoc ipso loco Šad vos, principes status ordinesque Poloniae amplissimi, habuerunta,4, quanto dolore feruntb, regnum hoc florentissimum rege suo Sigismundo vere Augusto ex serenissima domo iagellonica, orbatum ac rursus quam ardenti studio flagrantc vobis regnoque vestro talem concordibus votis successorem regem, eligi atque coronari, qui prudentia, qui iusticia, qui animo magno perinde ac ipse Augustus atque Constantinus /359'/ magnus vobis optatam pacis tranquillitatem procuret, vim iniustam facile armis victricibus propellat eamque veterem amicitiam, quae semper imperatoribus romanisd atque germanis ipsis cum vobis vestrisque maioribus summa cum utriusque partis utilitate fuit coniunctissima, conservare sacro sanctam velit.

    Tamen cum fama aliisque certis nunctiis ad principes nostros delatum sit iterum proceres ordinesque totius Poloniae regis eligendi causa hoc die ad hunc locum conventuros, omnino putarunt non ingratum vobis, nec alienum a praesenti reipublicae utilitatee futurum, si per nos de electione futuri successoris, quam instituitis amanter vobiscum, conferrent. Idque non eo quidem proposito, quodf prudentiam vestram incomparabilem praesenti negotio dubitent non sufficereg, vel quod iuris hic aliquid sibi sumere cogitent, vel etiam quod curiosi in aliena republica videri velint, verum eo potius fine, ut et ipsi de sua apud vos voluntate testenturh et ne offitio, quod patriae, paci et concordiae publicae debent, defuisse videantur, quod quidem pro ea, quae summa vestra est sapientia et humanitas, in sinistram partem suscepturos vos non esse omnino confidunt.

    /360/ Optant autem omnium primum principes nostri vobis ad hanc deliberationem vestram, eum divinitus concedi spiritum, quo vestris auspicatissimis suffragiis eum videre Poloniae regem liceat, qui non nisi Deo grata huic regno salutaria, quaerere et procurare velit et possit, qui cum vicinis populis, maxime vero Romano Imperio, societatem colat, amicitiam servet et pacem amet, quique in profligandis et debellandisi christiani nominis hostibus fortuna Augusti, armis virtuteque Davidis armatus sit, cuiusmodi vos habituros regem principes nostri clementissimi non diffidunt, si summorum in christiano orbe monarcharum, multorumque aliorum principum nec non omnium eorum, quibus Šcomunis reipublicae salus curae est, sententiam secuti, in serenissimum Austriae archiducem Ernestum, cesareae Maiestatis filium, suffragia vestra contuleritis.

    Nam cum sit princeps in republica christiana natus florente iam matura virili aetate5 rebus praeclare administrandis aptissima, quae ab ineunte aetate optimis disciplinis linguarumque cognitionibus et quae deinde virtute, consiliis et prudentia paterna, sub imperatore nostro Maximiliano, eius nominis secundo, quomodo imperia et /360'/ regna iuste, pie et fortiter regnarij debeant, optime instructa sit, quis dubitet tam bene natam tam generosam mentem, tantum ab imperatore romano et ex comuni sanguine polonorum natum principem, sua sponte libenter ea, quae ad publicam pacem et cuiusque vestrum privatam utilitatem, pertinere intelliget, regio animo foelicissime procuraturum. Norunt celsitudines, gravitates atque amplitudines vestraek quam arctissimae semper necessitudines inter iagellonicam et austriacam familias extiterint, huncque Ernestum ex iagellonico quoque sanguine oriundum esse. In memoria enim habetis Casimiro regi vestro primogenitum fuisse Vladislaum Hungariae et Bohemiae regem hocque prognatam Annam matrimonio collocatam Ferdinando imperatori, quae postea mater fuit Maximiliano, qui imperio nunc praeest romano, et huic Ernesto fuit avia.

    Quid autem omni aetatel et apud omnes populos in regum stirpibus maxime primogeniturae datum fuerit, satis constat, ut eo nomine non minimam, huius Ernesti in praesenti deliberatione prae ceteris competitoribus habendam esse, /361/ rationem existimetur. Quanti item Sigismundus rex sapientissimus nec non ex pientissimi patris institutione Sigismundus Augustus austriacam familiam foecerint et quantopere uterque semper studuerit hanc domum vobis quam commendatissimam facere, memoria tenetis.

    Itaque etsi non obscure pateat esse alios, qui vel ipsi vestri regni sceptrum regium pro sua libidine gubernandum ambiant, quive vestros animos consensumque unanimem disturbare aliove avertere non intermittant, nullus tamen eorum est, cui non persuasum sit vosmet ipsos ex tam multis rerum argumentis prospicere, vestrum amplissimum regnum augustissimae austriac[a]e familiae potius quam illorum fidei permittendum esse, cum illa domus humanitate, clementia, pietate, iustitia et aliis rege dignissimis virtutibus, ab immortali Deo quam maxime ornata [sit] easque ob causas, non sine magno iudicio eidem familiae, iam octavum, gubernacula Imperii Romani commissa sint.

    Quin et iam ex eadem inclyta domo austriaca, novum Imperii successorem (videlicet imperatoris nostri Maximiliani secundi primogenitum, Rudulphum, ŠHungariae ac Bohemiae regem, eiusdem archiducis Ernesti, /361'/ quem vobis commendamus, fratrem), magno unanimique principum electorum consensu in regem romanorum electum designatumque esse, fama ad vos pervenisse non dubitamus. Quare ut in eandem sententiam concordibus suffragiis, semota omni sinistra suspitione, vos quoque descendatis reverendissimi atque illustrissimi principes nostri, pro ea, qua et ipsi ergam comune[m] orbis christiani salutem, Imperii Romani et huius regni multis nominibus sibi coniuncti incolumitatem tranquillitatemque affectione tenentur, hactenus exoptarunt et etiamnum hodie idipsum exoptant, petunt atque rogant, quo et fata huius regni trahantn, propriam salutem id exposcere, manes regum defunctorum efflagitare et denique, o -quo Deus optimus maximus vos vocet–o , non obscure cernitur.

    His itaque tantorum principum desideriis, bonorum virorum votis, amicorum expectationi, ubi satisfoeceritis, videre nunc videmur publicam illam letitiam, in quam maxima pars christiani orbis tunc se est effusura. Quis enim est, qui non perspiciat hoc facto vobis germanorum, italorum, hispanorum, hungarorum, bohemorum, belgarum, /362/ indorum etiamp, et omnium aliorum populorum, quibus austriaca domus praeest, animos conciliatumq iri. Gaudebunt enim hi omnes sub comuni vos secum vivere tutela, unde ad commerciorum, affinitatum, societatum et omnium denique fortunarum communicationem vobis, tanquam eiusdem civitatis civibus, sunt aditum perlubenter absque omni difficultate concessuri fraternoque vos simul amore complexuri.

    Denique inclytam nationem polonicam de se polliceri iubent principes nostri non solum sibi gratissimum visu fore et Romanum potentissimum Imperium et tria vicina regna a duobus fratribus germanis, sapienti, concordi et placida administratione gubernari, sed etiam se sedulo daturos operam apud reliquos principes et status Imperii, quo illa, quae hactenus inter utramque gentem germanicam et polonicam observata fuit necessitudo, etiam cumulatior, auctior et firmior reddatur ac ad socios quoque regesr et respublicas, cum omnium vestrum satisfactione ac utilitate transmittatur, et si animadverterint, sibi suaeque intercessioni a vobis aliquid concessum esse, quod ut faciatis summa obtestatione quantum possunt, a vobis iterum atque iterum /362'/ contendunt, singulos per se etiam vobis summopere devinctos fore, adeo, ut omnis generis studiis atque offitiis, vobis ac vestratibus, nunquam sint defuturi, et nos, ut id ipsum, in quos tot tantorumque principum animos non obscure propendere videmus, toti orbi christiano, ac in primis nationi polonicae et germanicae foelix faustumque sit, Deum optimum maximum, ardentibus votis totoque pectore una cum principibus nostris precamur et optamus.

    « ŠNr. 50  Proposition Kaiser Maximilians II. zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, präs. Regensburg 1575 Oktober 24 »

    Erinnerung an die vor einiger Zeit ergangene Aufforderung Ks. Maximilians II. an Papst Gregor XIII., die Erhebung des Hg. von Florenz zum Großhg. zu widerrufen sowie an die ksl. Weisung an Cosimo de' Medici, den Großherzogstitel abzulegen. Keine Stellungnahme des Papstes. Ersuchen des jetzigen Hg. von Florenz, den Titel eines Großhg. von Etrurien oder Toskana führen zu dürfen. Bitte um Stellungnahme der Kff. in dieser Sache. Ksl. Bedenken mit Rücksicht auf den Kg. von Spanien und andere Inhaber ksl. Lehen in Italien. Vorschlag, Francesco de' Medici die Privilegien und den Titel eines Großhg. von Florenz zu verleihen, jedoch ohne Krone, Zepter und den Titel „Serenissimus“ sowie mit dem Vorbehalt, dass mit dieser Erhebung Ks., Reich, Spanien und anderen Ff. keine Nachteile entstehen dürfen. Bitte an die Kff. und Pfgf. Ludwig, den hgl. Vorschlag und die ksl. Bedenken zu erwägen und eine einhellige Stellungnahme hinsichtlich des Titels abzugeben.

    Bericht über den Konflikt zwischen altem und neuem Adel in Genua und die daraus entstehende Kriegsgefahr in Italien. Trotz zahlreicher Widerstände Beginn von Verhandlungen zwischen den streitenden Parteien mit Hilfe päpstlicher, ksl. und spanischer Vermittler. Dennoch militärische Aktionen der aus der Stadt Genua vertriebenen Vertreter des alten Adels. Scharfe Verurteilung dieses Vorgehens und Verbot für die beiden Befehlshaber deutscher Regimenter, gegen Genua vorzugehen. Verhandlungen (über eine neue Verfassung für die Stadt Genua) mittlerweile fortgesetzt. Hoffnung auf friedliche Lösung.

    Bericht über die Gesandtschaft des Oberstkämmerers Wolfgang Rumpf zum Wielroß an den spanischen Hof zur Beilegung des niederländischen Konflikts. Baldige Rückkehr Rumpfs erwartet.

    Den Kff. und Pfgf. Ludwig am 24.10.1575 in der ksl. Herberge übergeben1 und am selben Tag kopiert2. Am Vormittag des 25.10.1575 im KR verlesen und am Nachmittag beraten (Sitzung der kfl. Räte)3.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 133–143 (undatierte Kop.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 100/1, fol. 195–202 (Kop. Dorsv.: Ksl. Mt. proposition der florentinischen inauguration und unrichtigkeiten zwischen denen vom adel in der stat Genua halben.) = B. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 47–52' (Kop. Dorsv.: Röm. ksl. Mt. vortrag inaugurationem ducis florentini, item statum Genuensem unnd der Niederlanden anlangen. Regensburg anno 75.) = C. Knapp referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 396 f.

    /133/ Die romische kayserliche Mt. etc., unser allergnedigster herr, stellet inn keinen zweiffel, die anwesenden churfursten werden sich noch inn frischem Šangedencken zuerinnern wissen, und dan der kfl. Pfaltz gewaldthabere und rhate unvorborgen sein, was ihre ksl. Mt. voma 18. Augusti vorschienes vierundsiebenzigsten jhares an ihre kfl. Gnn. von wegen der bewusten durch babst Pium Quintum angemasten florentinischen inauguration gelangen lassen4, nemblich das ihre ksl. Mt. uff die churfurstlicheb bedencken, bei jungst gehaltenem speierischen reichstage ihrer Mt. eroffnet5, nit underlassen, seiner babstlichen Heiligkeit dero unfug mit notwendiger, auch etwas weitlaufftiger /133'/ ausfurung ihrer Mt. und des Heiligen Reichs recht und gerechtigkeiten durch eine sondere schrifft6 fur augen zustellen und dieselbe darauff zuersuchen, nach deme ihrer ksl. Mt. und dero nachkommen am Reich hoheitc, preeminentz, jurißdiction und gewalt, auch des Heiligen Reichs recht und gerechtigkeiten hierinnen zu salviren und zuerhalten kein ander fuglich und erschißlichs mittel und weg were alß die retractation des jenigen, was des orts auff ungnugsamen bericht furgenommen worden, das demnach s. Hlt. alles widerumb inn den standt, darinnen es vor der vormeinten an ihr selbst untuchtigen inauguration gewesen, stellen wolte; /134/ daneben auch dend nechst vorstorbenen hertzogen zw Florentz durch schreiben vormanet7, deß angemasten namen und tittels eines großhertzogen, auch alles andern, so ihme durch solche vormeinte inauguration und darauff erfolgte cronung gegeben worden, abtzustehen und sich dessen hinfuran weiter nicht zugebrauchen.

    Und ob woll derselbe babst Pius Quintus sich balde nach empfahung angeregter schrifft gegen ihrer ksl. Mt. durch ein breve8 vornehmen lassen, das seine Hlt. mit erstem ihrer ksl. Mt. dermassen beantworten wolte, darob ihre Mt. wol zufrieden sein würden, das doch hierauff uber zu mehrmalen bei seiner Hlt., auch nach derselben absterben bei dem itzigen babst9 gethanes anhalten mehrers oder anders nicht erfolgt were, alß das vor guter zeit /134'/ Šdurch hochermelte[n] hertzogen von Florentz, auch hernach von dem cardinal Morono10, ihrer Mt. nachfolgende mittel furgeschlagen worden11: Nemlich das ihre Mt. alß romischer keiser ihme den tittel eines großhertzogen inn Hetruria oder Toßcana geben oder, inn bedenckung seiner f. Gn. und dero furfaren vordinst, auch anderer qualiteten, denselben endern und s. f. Gn. einene andern mehrern tittel conferiren wolten, dergestaldt, das die erection inn der form, auch mit denen clauseln und worten vorfertigt würde, so inn ihrer Mt. herrn vetters und schwehers weilandt keiser Carls des funfften hochloblichster gedechtnus (welcher Florentz zum hertzogkthumb erhebet) privilegiis begriffen weren. /135/ Darauff aber ihre ksl. Mt. sich biß dahin nicht resolviren wollen12, sondern zuvor der babstlichen antwo[r]t auff vorberurte ihrer ksl. Mt. schrifften zuerwarten vormeinet hetten.

    Sintemal aberf solche antwort sich dermassen lange vorzogen, das daheer und auß angeregten ihrer Mt. erachtens nit ohne seiner babstlichen Hlt. furwissen beschehenen furschlag sovil zuvormuten, das s. Hlt. uber solche außfuhrliche gegrundte darthuung ihrer ksl. Mt. und des Heiligen Reichs recht und gerechtigkeit sich mit ihrerg Mt. inn weitere disputation nit würde einlassen wollen, und aber darzwischen nit alleine mehrbemelter nechst vorstorbener hertzogk zw vilmalen umb ihrer Mt. resolution angehalten, sondern auch desselben sohn /135'/, der itzige hertzogk zw Florentz13, solche resolution ebenermassen fast hefftig urgiren und sich darneben desh vorzugs etwas hochbeschweren thetei, das demnach ihre ksl. Mt. aus allerlei bedencken nicht fur rahtsam geachtet, seine f. Gn. lenger damit aufftzuhalten, jedoch nit umbgehen wollen, zuvor und ehe ihre ksl. j Mt. sich ichtwes darunder erclereten, von ihren kfl. Gnn. zuvornehmen, was ieren jedes alß mit deren raht ihre ksl. Mt. hierinnen zuhandlen entschlossen rhatliches gutachten were.

    Neben welchem allen ihre kfl. Gnn. sich auch ferner zuberichten haben, das ihre ksl. Mt. damalß der meinung gewesen und ihren kfl. Gnn. die andeutung Šgethan, das der tittel Hetruriae oder Toscana /136/ hochgedachten hertzogen von Florentz nicht köntte gegeben werden, inn bedenckung, des solches ihrer ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche so woll der kgl. W. zw Hispanien etc., alß die den statum Senensem von ihrer Mt. und dem Heiligen Reiche ohne mittel zw lehen trüge, der hertzogk von Florentz aber affterlehens weise innenhette14, so woll auch andern fursten, herrschafften und stenden, welche auch landt und güter inn Tußcana hetten und gleichwol hochermeltem hertzogen mit nichten underworffen weren, zu beschwerlichen preiuditio reichen wurde. Derwegen dan ihre ksl. Mt. der zeit darfur gehalten, das die sache dahin möchte gestellet werden, das hochernanter hertzogk von Florentz des tittel[s] eines großhertzogen inn Tußcana abstünde und sich dessen /136'/ gentzlich begebe; hingegen aber i. ksl. Mt. s. f. Gn. furgeschlagener massen und mit denen clauseln, welche inn weilandt Alexandri de Medices, so von hochstgedachten keiser Carl dem funfften erstlichen zum hertzogen erhebt worden15, erection begriffen, zw einem groß hertzogen der herrschafft Florentz creirt würde und dasselbige ohne alle cron, zepter und den tittel „Serenissimi“, so s. f. Gn. zuvor vom babst Pio Quinto vormeintlich gegeben worden, auch mit dem außdrucklichen vorbehalt, daß solche erhebung „ihrer ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche, deßgleichen auch der kgl. Mt. zu Hispanien und andern fursten gantz unvorgrifflich und ohne allen nachteil“ sein solte16, und derwegen hierinnen ihren kfl. Gnn. /137/ ferner rahtlichs gutachten freundtlich unnd gnediglich begeret, nit alleine auff mehrberurtem florentinischem furschlag unnd das jenige, so von ihrer ksl. Mt. darinnen erwogen und bedacht wordenk, sondern auch was uff den fall, das obberurte oder andere von ihrer Mt. und den churfursten fur gut angesehene mittel kein stadt finden wolte, hierunder furtzunehmen sein wolte. Wiewol nun ihrer ksl. Mt. solche begerte rahtliche gutachten und bedencken fur lengst zukommen, jedoch nach deme dieselbe etwas underschidlich, so haben ihre ksl. l Mt. sich bißhero auch nicht resolviren, sondern bey itziger gelegenheit hochbemelter anwesenden churfursten und der pfaltzischen gewaldthabere und rhäte sambtlichs bedencken zuvor vornehmen wollen, freundtlich /137'/ und gnediglich gesinnende, das ihre kfl. Gnn. sich nicht alleine inn einem und dem andern, so oben angeregt, eines einhelligen bedenckens collegialiter vorgleichen Šund dasselbe ihrer ksl. Mt. gehorsamlich eroffenen, sondern auch nach deme hochgedachter hertzogk zw Florentz sich seithero furberurter inauguration des tittels „Serenissimi“ und „Aldezza“ gebraucht und denselben von ihrer Mt. insonderheit begeret, ihrer Mt. auch hierin ihr rahtlich gutachten zuerkennen geben woll[en], damit ihre Mt. sich entlich einmal inn dieser nunmehr fast langwirigen sachen nach gelegenheit desto fuglicher und unvorweißlicher resolviren möge.

    Fürs ander achten ihre ksl. Mt. darfur, hochbemelte anwesende churfursten unnd die pfaltzischen gewaldthabere und rhäte /138/ werden furlangst vorstanden haben, was sich vorschiener monat inn der stadt Genua fur unrichtigkeiten zugetragen, also das die newen vom adel daselbst zum regiment gegriffen und die alten sich deßwegen aus der stadt an andere ort begeben17. Dieweil dan nit unzeitlich zubesorgen gewesen, das die sache zu mehrer weiterung geraten und durch diese berurter, ihrer ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche ohne mittel zugehorigen stadt Genua zurutligkeit nit inn gantz Italien ein beschwerlichs fewer erwecket, dasselbe auch leichtlich weiter greiffen, insonderheit aber dem erbfeinde christlichs namens und glaubens sein zw gemeiner christenheit vortilgung gerichte anschlege inß werck zubringen allerhandt gelegenheit gegeben werden möchte, so haben ihre ksl. Mt. aus väterlicher und trewer sorgfeltigkeit und dan auch von ihres tragenden /138'/ ksl. ambts wegen nicht umbgehen wollen, ihre ksl. commissarien, den bischoff von Aqui18 und ihrer Mt. oratorn zw Venedig, herrn Veiten von Dornbergk19, dahin zuvorordenen, mit der sondern instruction und bevehlich, das sie durch alle ersprißliche mittel und wege die sache dahin zurichten sich zum eussersten bearbeiten solte[n], damit zwischen gedachten alten und newen vom adel aller zwispalt und uneinigkeit auffgehebt, auch also die sachen widerumb zw gleichem vorstande gebracht, und die angedeute gefhar und unheil abgewendet und vorhutet werden möchte. Wie dan auch dieselben ihrer Mt. keiserliche commissarien noch inn vorschienen monat Junio daselbst ankommen und nicht underlassen haben, ihrem empfangenen bevehlich alles underthenigsten fleisses nachtzusetzen, darauff auch /139/ die sache inn vorschienen monat Augusto so weit kommen, das die alten vom adel neben ihnen, den keiserlichen commissarien, ihn, den babstlichen legaten, den Šcardinal Moron20, und den hertzogen von Gandia21, alß dieser zurrütligkeit halben vom konige zw Hispanien insonderheit dahin vorordenten oratorn, auch s. kgl. Wirden ordinari botschafft22 daselbst dergestaldt zu comprimittiren bewilligt, das sie alle zwischen ihnen und den itztm regirenden newen vom adel des regiments halben schwebende irrungen de jure et facto und sowol per viam iusti et honesti alß per modum status et gubernii zuentscheiden, volkommene macht und gewaldt haben, das es auch bei dem, so die drey compromissarii sambtlich oder die zwene hierinnen sprechen und erkennen wurden, bleiben solt. Nach deme aber die newen vom adel, welche wie obstehet das regiment dieser zeit /139'/ inn handen haben, solch compromiß ihres teils eintzugehen aus etlichen, sonderlich aber der furgewendeten ursachen sich vorweigert, das dardurch ihre res publica inn zwei teil geteilet sein und daheer weiter erfolgen möchte, das ein jeder sich des namens rei publicae gebrauchen und es letzlich ein leib mit zweien kopffen sein werden, jedoch hochbemelten babstlichen legato, kaiserlichen commissarien und spanischen oratorn die sache volmechtiglich zuubergeben und heimzustellen bewilligt, also das sie alle der stadt satzungen, decreta und gebreuche das regiment betreffende, ersehen, vorbessern, erweitern, eintziehen, abthun und andere newe machen und auffrichten solten, so sie ohne vorletzung ihrer libertet zuerhaltung guttes fridsamen regiments fur das /140/ beste und furtreglichste erachten, das es auch bei deme, so sie sambtlich also handelen und ordenen wurden23, bleiben solte, hat sich darunder zugetragen, das die alten vom adel die waffen an die handt genommen und deren einer, Johan Andre Doria24, zwantzigk ihrer galleen, so von der kgl. Wirden zw Hispanien beurlaubt gewesen, zusammen gebracht und etliche derselben herrschafft zugehorige flecken25 eingenommen hat, neben welchem auch bemelte außgewichene sich zw lande mit krigßvolck gefast gemacht und sonderlich auff deme umb gangen, die zwei regiment deutscher knechte26 an sich zubringen, so vorschienes monat die kgl. Wirden zw Hispanien sich deren gegen dem erbfeinde zugebrauchen, mit ihrer ksl. Mt. vorgunstigung und erlaubnuß, Š /140'/ inn Italia furen lassen; daher erfolgt, das bemelte itzt regirende newe vom adel sich dessen bei ihrer ksl. Mt. zum hochsten beschweret und umb abstellung solcher thetlichen handlung insonderheit auch underthenigst gebeten, bemelten zweien deutschen regimenten nicht zugestatten, das sie inn der außgewichenen dinste sich begeben, sonder vilmehr dieselben dahin zu weisen, im fall sie, die itztregirenden, ihren bedurffen wurden, das sie ihnen dienen wolten. Darauff ihre ksl. Mt., alß die hierob ein sonder ungnediges mißfallen getragen, nit underlassen, bemelten Johan Andre Doria solch sein gewaltthetiges furnemen mit ernst zuvorweisen und ihme aufftzulegen, das er davon abstehen, auch aller ferner thetligkeit sich enthalten wolte27, und dan nicht alleine die kgl. Wirden /141/ zw Hispanien und dero gubernatorn im hertzogkthumb Meilandt28 so woll auch die obgenante beide spanische oratorn zw abstellung solcher thätligkeit zuvormanen, sonder auch der berurten zweier regiment obriste[n] unnd leutenambt, don Joan Manrique und graff Felix von Ladron29, bei ihrer ksl. Mt. hochster peen, straff und ungnade zubevehlen und zugebieten, das sie sich und ihr undergeben krigßvolck wider Genua oder andere ihrer ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche zugethane keines weges gebrauchen lassen solten. Auff welches (wie ihr ksl. Mt. berichtet wirdt) so vil erfolget, das die arma suspendirt und mit fernerer tractation und underhandlung zwischen den streittigen teilen fortgefaren wirdet. Und nachdeme hievor auff der newen vom adell gethane erklerung /141'/ die alten außgewichene alleine diß begeret, das ihnen die stadt Savona daselbst biß zw außtrag der sachen zuwohnen eingegeben und dan vorberurte volmechtige heimstellung auch auff die zwei vota gerichtet würde, also das, wo hochgemelter babstlicher legat, ihrer ksl. Mt. commissarien und spanische oratorn sich inno ihren votis nit alle miteinander vorgleichen wurden, es bei den zweien votis bleiben solte, so ist demnach ihre ksl. Mt. der trostlichen guttenp zuvorsicht, es werden diese beschwerliche zurrutligkeiten auch zu richtigkeit mögen gebracht werden, dartzw dan ihre ksl. q Mt. itzt beide teil vom newen durch schreiben gnedigst vormanet, mit der angehengten commination, bei welchem teil solches erwinden möchte, das ihre ksl. Mt. /142/ kegen denselben daßjenige furtzunehmen bedacht sein würde, dardurch [n]ichts desto weniger fride inn Italien und der christenheit erhalten, hingegen Šaber das auß ihrer dissension vorstehendt unheil abgewendet und vorhutet werden konte. Was nun also hirinnen weiter erfolgen wirdt, solches wollen ihre ksl. Mt. hochgedachten churfursten auch nicht uncommunicirt lassen.

    Sonst werden ihre kfl. Gnn. und die pfaltzischen gewaldthabere und rhäte sich auß vorigen ihrer ksl. Mt. berichten zuerinnern wissen, welchermassen ihre ksl. Mt. bißheer an ihr nichts ermanglen lassen, dardurch den langwirigen hochschedlichen und vorderblichen niderlendischen unrichtigkeiten möchte abgeholffen werden, das auch ihre ksl. Mt. vor der zeit ihrer Mt. geliebten sohne, konig Rudolffs zw Hungern und Behem etc. und ertzhertzogk Ernsten zw Osterreich etc.r obristen cammerer, herrn Wolff Rumpffen /142'/ zum Wiehl Roß, neben etlichen andern furnemlich dieser ursachen halben inn Hispanien abgefertigt30. Ob nun woll bißheer keine resolution darauff erfolgt, so ist doch ihrer ksl. Mt. dieser tage ein schreiben von dem könige zw Hispanien zukommen, darinnen s. kgl. W. sich erbeut, gedachten Rumpffen inn wenig tagen abtzufertigen, inmassen ihre ksl. Mt. gutter hoffnung seindt, er, Rumpff, werde nunmehr under weges sein. Was er aber berurter niderlendischen sachen halben fur eine endtliche resolution bringen wirdt, soll ihren kfl. Gnn. auch unverhalten bleiben und dan hinfurder an ihrer ksl. Mt. fleis, muhe und arbeit nichts erwinden, dardurch dieses beschwerliche niderlendische wesen zw richtigkeit gebracht werden mag.

    Dessen alles ihre ksl. Mt. vilhochgedachte anwesende churfursten und pfaltzische /143/ gewaldthabere und rhäte hiemit auch freundtlich und gnediglich zuerinnern nicht umbgehen mögen, und seindt ihren kfl. Gnn. so wol auch der abwesende[n] Pfaltz und derselben gewaldthabere und rhäte mit freundtschafft, gnaden und allem gutten jeder zeit gantz wol zugethan.

    « ŠNr. 51  Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, [Regensburg 1575 Oktober 26] »

    Zustimmung der Kff. zu den Erwägungen Ks. Maximilians II. hinsichtlich des Hgt. Toskana und zu seinem Vorschlag, Francesco de' Medici den Titel eines Großhg. von Florenz zu verleihen. Dank für die von Ks. Maximilian II. unternommenen Bemühungen zur Schlichtung des Gegensatzes zwischen altem und neuem Adel in Genua und für die ksl. Gesandtschaft nach Spanien zur Beilegung des niederländischen Konflikts. Hoffnung auf friedliche Lösung.

    Konzept am Nachmittag des 26.10.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) verlesen und beraten1.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 8–9 (undatierte Kop.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 54–55 (undatierte Kop. Dorsv.: Der Kff. bedencken in sachenn die newe florentinische inauguration betreffendt.) = B.

    Druck: Lünig , Codex Italiae diplomaticus I, Nr. LXII Sp. 1307 f. (lat. Übersetzung; datiert 29.10.1575); Senckenberg , Imperii Germanici ius, Nr. LXXXVIII S. 413 f. (datiert 29.10.1575). Referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 527 f.

    /8/ Der röm. ksl. Mt., unsers allergnedigsten hern, in schriften abgefertigten bericht2, was in sachen die florentinische neue inauguration bela[n]get gehandelt, was auch ihre Mt. zu niderlegung der genuesischen entpörung und niderlendischen krigs unruhen mit emssigen fleiß und vaterlichen sorgfeltigkeit gehandelt, auch dabei ferners zubedencken angehenget, dessen alles seind die anwesende churfursten und pfeltzische abgesanten aus vorleßnen, ihrer ksl. Mt. schriftlichen anbringen der notturft berichtet worden.

    Wann nun daran kein zweifel, das Florentz und gantz Hetruria von alters zum Heiligen Reich gehorigk, das auch die hertzogen zu Florentz ihre furstliche würden, titel, stand und obrigkeit von niemand anders als von romischen keisern, nemlich keiser Carln dem funften, noch in frischem angedencken, erlanget, als hats dem itzigen regirenden hertzogen3 eben so wenigk als dem vorigen4 geburet, solche wurden, titel oder stende, noch viel weniger den titel eines grossen hertzogen Hetrurie oder Tuscanie zu Rohm von babst Pio Quinto zu suchen, zuvorab dieweil dasselbig so wol e. a ksl. Mt. /8'/ als dem Heiligen Reich (daher alle weltliche hohe wurden, stend und gebiet als vom entzigen brunnen im Heiligen Reich herflissen) zu keiner geringen vorkleinerung und abbruch reichen thut. Der und anderer ursachen halben, von e. ksl. Mt. Šwolbedechtigk angetzogen, lassen die anwesende churfursten und pfeltzische abgesanten inen, e. ksl. Mt., furgeschlagen mittel underthenigst wolgefallen, b -das nemlich der hertzogk zu Florentz den titel und nahmen „magni ducis“ (des großhertzogen zu Florentz, aber nicht zu Hetrurien oder Tuscana [)] bei e. ksl. Mt. der gebur erlangen und außbringen solle, aber doch ohne crohn, zepter und den titel „Serenissimi“–b , das auch solche erhebung seins titels „e. ksl. Mt., dem Heiligen Reich und sonsten mennigklichen ohne nachtheil“5 sein solle, inmassen e. ksl. Mt. aller gnedigsten bedencken darvon ferner meldunge thut6.

    Das denn e. ksl. Mt. die innerliche oder burgerliche entpörung zwuschen den alten und neuen vom adel zu Genua auf solche compromittirte mittel gericht, dadurch solche gewaltige comun /9/ und stad dem Heiligen Reich auch angehorigk widerumb zum fridlichen wesen gebracht, doneben auchc ihre ansehenliche kaiserliche oratores7 zu der kgl. W. in Hispanien mit sonderer instruction und werbung zur pacification der Nider Erb Landen allergnedigst abgefertigt, mit angeheften allergnedigsten ksl. erpieten, dessen sagen sie, die anwesende churfursten und pfeltzischen abgesanten, e. ksl. Mt. allerunderthenigsten danck, wollen auch zu Got dem almechtigen vorhoffen, derselbe wirdet nach seiner götlichen güte einmal solche annemliche mittel schicken, damit solche langkwirige unruhen zu allen theilen widerumb zum fridlichen wesen gelangen und also fernner vorterben der christlichen landen vorhütet werden möge, wie es dan zwar bei diesen ohn das untreuen zeiten und andrauenden gefehrligkeiten dem Heiligen Romischen Reich fast hoch notigk und nützlich ist. Solchs haben ihre chur- und f. Gnn. zu ihrer allerunderthenigster erklerung e. ksl. Mt. nicht wollen unvormeldet lassen.

    « ŠNr. 52  Supplikation der wendischen Städte an die Kurfürsten, präs. Regensburg 1575 Oktober 19 »

    Hilfeersuchen der Stadt Riga an die wendischen Städte nach Eroberung der Stadt Pernau durch russische Truppen im Sommer des Jahres. Appell an Ks. und Kff., Livland gegen den Zaren zu verteidigen und die auf dem RT 1570 beschlossene Gesandtschaft nach Moskau nicht länger hinauszuzögern.

    Am Nachmittag des 25.10.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) verlesen1 und am Vormittag des darauffolgenden Tags im KR zusammen mit dem ksl. Vortrag zur Gesandtschaft nach Moskau beraten2.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 94–95' (Kop.; präs. Regensburg, 19.10.1575) = Textvorlage. Knapp referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 399.

    /94/ Hochwirdigste durchlauchtigste, hochgebornne churfursten, gnedigste herrn. Nach dem an die röm. ksl. Mt., unsern allergnedigsten hern, von den erbarn sechs wendischen stedten wir anhero mit credentz und werbung abgefertigt worden, in wichtigen sachen, die wolfart gemeiner deutzscher nation, in sonderheit aber der stende, so an der Ostsee gesessen, betreffent, und daneben befehlich entpfangen haben, e. kfl. Gnn. auf die beivorwarte underschiedliche credentz in underthenigkeit auch zuersuchen, das e. kfl. Gnn. dieselbige unsere werbung gnedigst in acht haben und fursehung wolten thun helffen, damit ferner unheil abgewendet und vorhütet werden möchte, als haben wir eine notturft sein erachtet, e. kfl. Gnn. davon schriftlich in underthenigkeit zuberichten, mit underthenigster bit, e. kfl. Gnn. wolten solches von uns in gnaden vormercken.

    Und ist kurtzlich an deme, das die stad Riga in Lifland unlangst an unsere obern und eltisten kleglich geschriben, welcher gestalt der muscowiter im jungst verschinnen sommer nach vorwustung der land Harrien, Wirland, Wigk, Ossel3 und der ubrigen doran stossenden gegent (darin er uber 100 edelmans höve zu grunt außgebrant und uber 30.000 menschen zum theil erwurget, zudem wie das vihe hinwegk getriben) den 27. Junii mit heres kraft und 72 grossen mauern brechern, 4 trippel /94'/ kartaunen und 9 feuermörsel schloß und stad Parnaw4 (so an der Ostsee gerade mitten inne zwischen Riga und Revel gelegen und ein guten port hat, auch biß hero neben gnanten beiden stedten eine vormaure und schutzwehre deutzsch landes am selbigen ort wider diesen erschrecklichen feind gewesen) belegert, gewaltigk beschossen, mit 9 sturmen Šangelauffen und die armen leute, deren uber 300 wehrhaftiger man nicht darin gewesen, dermassen geengstiget und außgemattet, das sie sich den 8. Julii ergeben müssen, darin er als balt 4.000 hackenschützen neben einer antzahl rheisigen zur besatzung gelegt und förder auf Salis5 zugeruckt (welches 14 meiln ob Riga gelegen und durch die rigischen unlangst zuvor geschleift gewesen), solches auf ein neues starck befestiget und mit etlich 1.000 reussen, tarterna und einer fahn deutzscher reuter besetzt, sich auch erklert, aus Lifland nicht zutzihen, er habe es dan gantz und gar erobert und unter sein gewalt gebracht; welches ihm dann auch nicht schweer, aldieweil er dasselbige albereit biß an den Düne strom6, ausgenohmen Riga und Reval, inne hat. Derwegen gemelte stad Riga wehmütigklich unsere obern und eltisten angeruffen, inen von wegen der verwantnus und nachtbarschaft, auch aus christlicher libe und mitleidigen erbarmung die behülfliche hand /95/ zu reichen, dartzu dan auch bemelte unsere obern und eltisten willigk und gneigt und sich vorpflichtet thetten erkennen, do es ihr wergk und thun allein auch in ihrem vermügen wehre.

    Weil aberb diese sache das gantz Heilige Reich deutzsche[r] nation, als dessen einvorleibtes glid Lifland je und allewege gewesen, auch billich noch sein solte, antrift, und die gefahr, so des orts diesem unserm algemeinen gelibten vaterland dreuhet und vor der thür stehet, nicht geringer zuschetzen dann des türcken gewalt gegen den osterreichischen landen, auch unsere obern und eltisten gantz und gar zu schwach seind, das sie diesem großmechtigen feint, welcher sein gebiet in kurtzen jahren gegen aufgangk der sonnen biß an das caspische mehr erstreckt und numehr der Ostsehe auch begint mechtigk zu werden, einigen widerstand viel weniger abbruch thun solten konnen, als haben sie uns derwegen anhero abgefertigt, solche hochbeschwerliche sorgliche gelegenheit der romischen ksl. Mt. in aller underthenigkeit clagent zuerkennen zugeben und umb allergnedigstes einsehen zu bitten, sonderlich weil hiebevorn auf dem zu Speier anno 70 gehaltenem Reichs- und darauf erfolgtem franckfurtischen deputation tag auf ein ansehenliche beschickung an den muscowitter, so von des Heiligen Reichs wegen geschehen solte, geschlossen worden7/95'/ ob es demnach nachmals nicht solte rathsam und gut sein, das mit derselbigen abfertigung lenger nit vortzogen, sondern vorsucht wurde, ob der ubrige geringe rest des Liflandes dardurch salvirt und errettet und oftgedachte erschreckliche Šfeind von den grentzen deutzscher nation abgehalten; das auch zu derselben legation aus den furstlichen an der Ostsehe geseßnen heusern vorstendige leut, als die der muscowiterischen gelegenheit, sitten, sprach und anderer umbstende etwas mehr kundigk, mit gebraucht werden möchten8.  Wann dann bei e. kfl. Gnn. als den furnembsten glidern und seulen des Heiligen Reichs hirinne nicht ein geringes sehen will, als gelanget an dieselbige unser im nahmen oft erwenter unserer obern und eltisten underthenigstes hochvleissiges bitten, e. kfl. Gnn. wolten diese sache gnedigst erwegen und betrachten, auch auf die mittel und wege helffen gedencken, dadurch der augenscheinlichen gefahr und not gemeiner deutzscher nation, sonderlich aber der stende, so an der Ostsehe gesessen, begegnet und besorgkliches furstehendes vorterben, unheil und untergangk abgewendet werden möge. Daran erstatten e. kfl. Gnn. ein hochlöbliches christliches und gemein nutziges wergk. So werden es auch die betrengten stende neben unsern obern und eltisten umb e. kfl. Gnn. ihres eussersten vermügens in underthenigkeit zuvordienen in kein [vergessen]c stellen.

    Präs. Regensburg, 19.10.1575. Unterschriften: Dr. Calixtus Schein; Dr. Heinrich Husanus9 .

    « Nr. 53 Vortrag Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Moskau,[präs. Regensburg 1575 Oktober 24] »

    Erinnerung an die den Kff. überschickten Berichte über den Konflikt in Livland und die Beschwerden der Hansestädte an der Ostsee. Verweis auf die Beschlüsse früherer RVV betreffend eine Gesandtschaft nach Moskau, die wegen Finanzierungsschwierigkeiten bislang nicht stattfinden konnte. Bitte an die Kff. und Pfgf. Ludwig, über Hilfe für das bedrängte Livland, ein mögliches Bündnis mit dem Zaren sowie über die Finanzierung der Gesandtschaft nach Moskau zu beraten.

    Den Kff. und Pfgf. Ludwig wahrscheinlich zusammen mit den drei ksl. Propositionen am 24.10.1575 in der ksl. Herberge übergeben1 und am selben Tag kopiert2. Am Vormittag des 26.10.1575 im KR verlesen und beraten3.

    Š HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 26–29 (undatierte Kop. Dorsv.: Kayserlicher Mt. etc. vhortragk die Lifflande betreffende.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 41–43 (Kop. Dorsv.: Ksl. Mt. vortrag die Leiflandt betreffent, Regensburg anno 75.) = B.

    /26/ Als die röm. ksl. a Mt., unser allergnedigster herr, unlangst vor ihrem abreisen aus dero cron Behem des Heiligen Reichs Kff. erstlichen vomb 18. Juliic, dan auch vom 18. Augusti jungsthin etzliche beschwerliche zeittungen auß dem Lifflande zugeschickht, zw dem effect und ende, das ihre kfl. Gnn. denselben hiezwischen nachdencken und alßdan zw dieser alhie angestelten zusammenkunfft ihrer ksl. Mt. ihr rahtlich gutachten, was ungevehrlich darunder zuthun und wie doch denselben so hoch betrubten landen etlicher massen aus ihren beschwerungen geholffen werden möge, zu eröffenen, weiters inhalts derselben ihrer Mt. gethanen schreiben, und dand ihre ksl. Mt. seidt anhero von andern mehr ortten, sonderlich aber an der Ostsehe gesessenen anselichen steten, gantz undertheniglich ersucht worden, derselben sachen, alß daran dem Heiligen Reich hoch und viel gelegen, gnediglich inndenck zusein, so hat demnach i. ksl. Mt. nit underlassen können noch sollen, ihre kfl. Gnn. /26'/ deßjenigen, so angeregter Lifflandt halben etliche jhar lange anhero furgangen, mit kurtzen zuerinnern.

    Und anfenglich setzen ihre ksl. Mt. inn keinen zweifel, ihre kfl. Gnn. seien noch inn frischen angedencken, was i. ksl. Mt. under jungsten gehaltenen reichstag zw Speier berurter Lifflandt halben gemeine stende erinnert und weßmassen daselbst einhellig beschlossen worden, eine ansehenliche schickung auff der stende costen zw dem großfursten inn die Moßcaw zuthun4. So wirdt auch ihren kfl. Gnn. vorsehentlich unentfallen sein, was i. ksl. Mt. desselben uncostens halben, wannen hero derselbe genommen und was ungevehrlich fur personen zw berurter legation gezogen werden solten hernacher auff dem deputation tag zw Franckfurt und auch der churfurstlichen vorsamlung zw Mulhausen weiters angeregt5, dan auch zw etlichen underschidlichen mal Šwegen der stadt Refell /27/ feindtlicher belegerung6, deßgleichen der stadt Riga subjection7 und letzlichen eröberung der Parnaw8 halben ihren kfl. Gnn. zugeschrieben. Ob dan woll, sovil bemelten legation costen anlangt, erstlich zw berurtem franckfurdischen deputation tag vorabschiedet, das derselbige auß des Reichs restanden zunehmen, dan förders zw Mulhausen ihrer Mt. durch die Kff. eingereumbt, zw berurter schickung biß zw einer gemeinen Reichs vorsamlung inn die zwantzigk oder dreissig tausent fl. aufftzunehmen, neben deme auch andere mehr guthertzige bedencken von beschickung und tröstung der vorberurten beidenf stete Riga unnd Refell uff die ban kommen, so haben doch i. ksl. Mt. jedes mal ihre kfl. Gnn. außfurlich inn schrifften bericht, das nicht alleine im Heiligen Reich kein einiger ausstandt oder restandt, der nit zw anderer notturfft destinirt und davon angeregter legation costen /27'/ genommen werden mochte, vorhanden, sonder auch bei denen so scheinbaren und uberschwengklichen ihrer Mt. außgaben und obligenden mercklichen schulden lasten ihrer Mt. beschwerlich were, die bestimbte summa, do sie auch gleich (wie nit wenig zweifelich) zw angeregter so ansehenlichen schickung gnugsam, aufftzubringen. Dieweil aber nichts desto minder hiezwischen die bemelte stete und stende inn Lifflandt von wegen zugestandener eussersten beschwerung, uberzug und vorherungen deß moßcowitters zu vilmalen bei ihrer Mt. umb gnedigsteg hulff und rettung oder je zum wenigsten einen fridlichen anstandt zum erbermlichsten und flelichsten angehalten, und also die höchste unumbgengliche notturfft erfordern will, vilberurte legation lenger nicht eintzustellen, bevorab weil gedachter großfurst nicht alleine derselbigen vorlengst vortrost /28/ worden9, sondern er auch selbst darumb zum hefftigsten anhelt und sich anerbüetig macht, seiner voreltern exempel nach mit i. ksl. Mt. und dem Heiligen Reiche inn gutten nachtbarlichen vorstendtnus und einigung zukommen, derowegen wöllen ihre ksl. Mt. hochgedachte churfursten gantz freundtlich und gnediglich ersucht und ermanet haben, sie wollen nachmalß der lifflendischen sachen, an dero dannoch dem Heiligen Reiche, furnemlich aber denen an der Ostsehe gesessenen stenden von wegen immer je mehr und mehr einbrechenden und zunahenden moßcowitterischen gewalts nicht wenig gelegen, darinnen auch der beiden obbemelten stette halben daß höchste periculum in mora ist, mit allem fleisse nachdencken und i. ksl. Mt. ihre einhellige meinung und gutachten eröffnen, auff waß ungevehrliche maß die noch ubrige stende /28'/ und stette inn Lifflandt vor weiterem vorderben zuretten und das jenige, was Šhinweg kommen, zw des Heiligen Reichs subjection widerumb zubringen, wie auch die zuvor einhellig bewilligte schickung inn die Moßcaw (darauff auch i. ksl. Mt. vorlengst geleite und sicherheit erlangt und zw etwas vorbereitung derselben und damit der großfurst ob deme so langen vorzug nit befrembdung trage, albereit etliche ihre rhäte und diener mit mercklichen uncosten hienein geschickht10) zum forderlichsten und nutzlichsten antzustellen, deßgleichen wie weit und was gestaldt i. Mt. sich von des Heiligen Reichs wegen mit dem moßcowitter der angebottenen einigung halben eintzulassen, und dan wannen hero der uncosten, so darauff gehen würde /29/ genommen werden möchte, fürders und neben demselben auch dasjenige, was i. ksl. Mt. wegen der stadt Riga subjection11 und dan des königes zw Schweden begerten protection kostens12, desgleichen hertzogk Magni zw Ho[l]stein13 halben lengst vorflossenen 72. Šjhares an ihre kfl. Gnn. abgesondert geschrieben, inn berathschlagung ziehen und i. ksl. Mt. inn allen solchen puncten ihr wolmeinlich rahtsam gutachten unbeschwerdt eroffenen. Das neben deme es zw des Hl.h Reichs selbst bestem gereicht, wollen i. ksl. Mt. gegen ihren kfl. Gnn. inn freundtschafft und gnaden hinwiderumb zuerkennen jedertzeit geneigt erfunden werden.

    « Nr. 54 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Gesandtschaft nach Moskau, [Regensburg 1575 Oktober 26] »

    Verweis auf die Beschlüsse der RVV von 1570, 1571 und 1572 betreffend den Konflikt in Livland. Empfehlung, die damals beschlossene Gesandtschaft nach Moskau unverzüglich abzufertigen, damit auf der Grundlage ihres Berichts auf dem bevorstehenden RT über Verhandlungen mit dem Zaren beraten werden kann. Übernahme der Kosten durch die supplizierenden sechs wendischen Städte. Bitte um die Ernennung ksl. Kommissare, um die kfl. Räte bei der Erarbeitung der Gesandtschaftsinstruktion zu unterstützen.

    Konzept am Nachmittag des 26.10.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) verlesen und beraten1.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 54–55 (undatierte Kop.) = Textvorlage. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 44–45 (undatierte Kop. Dorsv.: Der Kff. bedencken auf der röm. ksl. Mt. vortrag inn den leiflenndischen beschwerungen.) = B.

    /54/ Von der röm. ksl. Mt., unserm allergnedigsten hern, angeregte liflendische beschwerungen und was darauf im Kff. rath fernners zu beratschlagen von wegen ihrer ksl. Mt. allergnedigst begert worden2, das alles ist von den anwesenden churfursten und pfeltzischen abgesanten der notturft nach, soviel dise zeit beschehen mögen, bedacht und erwogen.

    Wan dann sie, die churfursten und pfeltzische abgesanten, sich erinnerta, was solcher wichtigen sachen wegen anno 70 auf gehaltenem reichstage zu Speier und anno 71 darnach zu Franckfurt von des Reichs deputirten und letzlich anno 72 zu Mühlhausen von ihr, der sechs churfursten wegen auch tractirt, fur gut und nützlich angesehen worden3, das nemlich ein statliche schickung Šin die Muscau im nahmen ihrer ksl. Mt., auch aller churfursten, fursten und stenden des Heiligen Reichs abtzufertigen etc., sob wollen sie, die anwesende churfursten unnd pfeltzische abgesanten, die ksl. Mt. hirmit in aller underthenigkeit gebeten haben, solche schickung numehr ahn lenger vortzihen in die Musca furgehen zulassen, damit auf negstkünftiger Reichs vorsamblung, wie und welchergestalt die abgesanten von dem /54/ grosfursten empfangen, was auch beim selben dem Reich und gemeinen nutzen zum besten vorhoffentlich zu erlangen, von dannen aus in schriften berichten, ferners gemeine stend mit gesambten rath sich darnach richten unnd also ihr einhelligk bedencken bei diesem hochwichtigen wergk ihrer Mt. furbringen mögen. Was den unkosten anlanget, da wirtc gleichwol im Kff. rath ermessen und gebilliget, sintemal solche schickung den supplicirenden sechs wendischen stedten furnemlich zu ihrer selbst errettung und abwendung fur augen an drauender mechtigen gefehrligkeiten furgenohmen würt, das sie denselben unkosten ohne beschweer auf sich nehmen und darlegend solten oder wo nicht den gantzen doch den halben oder zum wenigsten zum dritten theil, oder do deren keines uber vorsehens zu erhalten, das sie auf den fall ein anleihung thun sollen, so sie hernach in andern Reichs anlagen fur ihr quota einbehalten sollen. Aber was und wie weit die abgesanten mit dem muscowiter zu handeln, weil dieser punct hoch /55/ und wichtigk, darunter allerhand felle und umbstende zu bedencken, so ist der chur- und fursten underthenigs bitten an e. ksl. Mt., die wollen etliche, deren sachen und landen gelegenheit erfahren, zu den churfursten unnd pfeltzischen deputirten vorordenen, die als dan nach eingenommenen notturftigen bericht davon miteinander weiters reden und handeln und einer instruction sich vorgleichen sollen4. Welches e. ksl. Mt. die anwesende churfursten und pfeltzische abgesanten zur begerten ihrer underthenigsten antwort und wolmeinenden bedencken in aller underthenigkeite nicht unangetzeit lassen wollen noch sollen.

    « ŠNr. 55  Bedenken der kurfürstlichen Räte zur Gesandtschaft nach Moskau, Regensburg 1575 November 3 »

    Beratung der kfl. Räte über Verhandlungen mit dem Zaren auf der Grundlage des Berichts der ksl. Kommissare. Verweis auf die RVV von 1570 und 1572 sowie auf die aktuellen Beschlüsse des KR. Empfehlung, die geplante Gesandtschaft unverzüglich abzufertigen und unter anderen Hg. Barnim von Pommern nach Moskau zu entsenden. Inhalt der Gesandtschaftsinstruktion entsprechend dem RT-Beschluss von Speyer 1570: 1) Forderung nach Restitution der dem Reich entzogenen Gebiete in Livland oder 2) Forderung nach einem Waffenstillstand in Livland; 3) Sondierung eines gegen die Türken gerichteten Bündnisses mit dem Zaren. Berichterstattung der Gesandtschaft als Grundlage für die Beratung des weiteren Vorgehens auf dem bevorstehenden RT. Kostenübernahme durch die sechs wendischen Städte.

    Am Vormittag des 2.11.1575 im KR (Sitzung der kfl. Räte) mit den ksl. Kommissaren beraten1 und am 3.11.1575 verlesen und gebilligt2. Datiert Regensburg, 3.11.1575.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 65–67 (Kop.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Ll Fasz. B, unfol. (Kop. Dorsv.: Der Kff. rhäte bedencken die schickung in die Moskau belangende, 3. Novembris anno 75 zu Regenspurgk.) = B. LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 9, fol. 37–39 (Kop. Aufschr.: Decretum von wegenn schickung in die Moscaw. 2. bedenken der Kff. in causa moscowitter.) = C. Knapp referiert bei Häberlin , Reichs-Geschichte IX, 417.

    /65/ Auf der romischen kayserlichen Mt. etc., unsers allergnedigsten hern, verordentten ksl. commißarien3 zum Kff. rath gethanen bericht, waß und wiefiel mit dem muscowitter in namen irer ksl. Mt. etc. gehandelt und was nachmalß bey ime dem Heiligen Reich zum besten durch vorhabender schickung verhoffentlich zuerlangen sein mochte etc., haben die chur- und furstlichen rethe, irem habenden befelich nach, von solcher wichtigen sachen sich ferners unterredet.

    Unnd nachdem sie sich erinnert, was der schickung wegen in die Muscaw alle des Heiligen Reichß stende in nechster reichsversamlung anno 70 zu Speyr sich einhelliglichen vorglichen4, waß sonder bedencken auch von wegen der sechs Kff. darnach anno 72 der kayserlichen commißarien zu Mulhausen eröfnet5 unnd dan was abermalß alhier die anwesenden Kff. und pfaltzischen abgesandten bey diesen puncten der schickung im rath bedacht6, auch irer ksl. Mt. fur ihr wolmeinendt bedencken in schriefften allerunderthenigst uberreichen Šlassen7/65'/ alß haben sie nachmals vormug solcher irer gnedigsten chur- und furstlichen Gnaden, auch gemeiner stende bedencken dahin geschloßen und inen, den kayserlichen commißarien, wiederumb vormelden laßen: Nachdem aus der sechß windischen stette kleglich schreiben8 so fiel vernommen, in was große gefahr sie und die ubrige liefflendische stett und landschafften des einbrechenden muscawitterß halben albereit stehen, so sey nachmalß irer gnedigsten und gnedigen chur- und fursten an irer ksl. Mt. allerunderthenigst bitt, die wolle solche stadtliche schickunga in nahmen irer ksl. Mt. und aller stende des Heiligen Reichs zu dem muscowitter nunmehr unvorlengt vorgehen lassen, dartzu dan in alwegen neben andern auch ein furst alß hertzog Barnym zu Pommern (sintemal irer f. Gn. bruderb, hertzog Hanß Friederich, auß eingewentten ursachen sich entschuldigt zunehmen gebeten hatt[)] zu vermugen sein solle, in erwegung, das diese sache hochwichtig, daß es auch zu mehrer reputation ihrer ksl. Mt. etc. /66/ und allen stenden fast notig, und dan daß sonsten andere abgesantten kein sonder ansehens bey dem muscowittischen großfursten haben wurden.

    Die instructio aber mochte neben demjenigen, was auch nechst zu Speyr daruber gemeine stende bedacht, auf diese drey vornehme capita ungefehrlich zu ferttigen sein: Zum ersten, daß aus allerhandt eingefurtten bewegnußen bey ime, dem großfursten, zu suchen und zu begeren, die liefflandischen landen, leut, stett und vestungen, so ehr nun etliche jahr hero mit gewertter handt dem Heiligen Reich abgenommen, irer ksl. Mt. etc. und dem Reich wiederumb frey zustellen, des Reichs guter nachtbar sein und sein kriegßvolck abfordern soll. Zum andern, da das alles nicht zu erhaltten, daß ehr doch zum wenigsten die ubrigen liefflendischen stette, vestungen, lande und underthanen an irem leibe, haab und gutern weiterß mit keinem /66'/ krieg, raub, plundern, brennenc, fahen, belegern noch in andere wege angreiffen, beleidigen oder beschweren wolle, sondern das alles seinen habenden kriegsleuten durchaus verbieten und friedt haltten biß zu kunfftiger tractation und vergleichung. Zum dritten, das die abgeferttigte bottschafften daneben bey ime, dem großfursten, mit sonderm fleiß und geschicklichkeitt zuvornehmen, wie und welchermassen ehr bedacht, seinem forigen erbieten nach mit irer ksl. Mt. und dem Heiligen Reich in guter nachtbarschafft, verstendtnus oder auch sonsten in andere verbuntnus oder societeten wieder den turcken alß irer und unserer gemeiner christenheit erbfeindt zu kriegs- und friedenßzeiten sich eintzulassen. Waß sie dan also erkundiget und vorrichtet, daßelbe soltten sie forderlich irer Mt. zuschreiben, damit uf nechst kunfftigem reichßtage ired Mt. das alles gemeinen stenden Šproponiren lassen und derselben bedencken daruber vernemen moge. /67/ Den uncosten aber zur schickung etc.e belangende, mussen es die chur- und furstlichen rethe bey irer gnedigsten und gnedigen hern forigem bedencken, so i. ksl. Mt. albereit in schriefften ubergeben9, bewenden lassen. Dessen vorsehens, es werden die sechß wendischen stette zuf solcher ihneng selbst hochnottiger und nutziger schickung ire schuldige gebuhr zum wenigsten mit aufbringung und furleihung so fiel geldes auch guttwillig leisten, so ihnen hernach an andern anlagen des Reichß pro rata abgetzogen werden solle, und damit sie in diesem destoweniger zu difficultiren hetten, e. ksl. Mt. inen diese gewiße vortrostung zuthun, daß solchs bey gemeinen stenden richtig gemacht und inen festiglich gehaltten werden soll.

    Regensburg, im churfursten rath, 3.11.1575.

    « Nr. 56 Resolution der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg zum geplanten Kriegszug des Pfalzgrafen Johann Casimir nach Frankreich, Regensburg 1575 Oktober 29 »

    Zurückweisung der in den Schreiben des Pfgf. Johann Casimir genannten Gründe. Gefahr für das Reich, da der Kg. von Frankreich durch die geplanten Aktionen zu Gegenmaßnahmen provoziert werden könnte. Empfehlung eines ksl. Schreibens an Kf. Friedrich III. von der Pfalz und seinen Sohn Pfgf. Johann Casimir, um letzteren von seinem Vorhaben abzubringen.

    Nach mündlichem Vortrag der ksl. Anzeige zum geplanten Kriegszug des Pfgf. Johann Casimir durch Dr. Viehauser am Vormittag des 29.10.1575 im KR unter Ausschluss Pfgf. Ludwigs beraten1. Datiert Regensburg, 29.10.1575.

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 73–74 (Kop.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10 Nr. Kk 1 Fasz. B, unfol. (Kop.) = B.

    /73/ Was die röm. ksl. Mt. etc., unser allergnedigster herr, durch ihren geheimen rhat doctor Sigmundt Viheuser anheut im churfursten rhat von herzogk Johan Casimir pfaltzgraffena furhabende werbung, etliche tausent krigßleute inn Franckreich zufuren, zuberathschlagen antzeigen und darauff allergnedigst begeren lassen, das alles haben die funff persönlich anwesende churfursten im raht der gebur berathschlagt, auch darbei sich erinnert, was herzogk Johanb ŠCasimir daneben an ein jeden churfursten imsonderheit freundlich geschrieben unnd begeret2

    Wiewol nun hochgedachter herzogk inn seinem schreiben sondere ursachen furwendt, warumb s. f. Gn. zw solchem furhabenden zug inn Franckreich alß ein feldt obrister sich bewegen und bestellen lassen, so erachten doch hochstgemelte churfursten daneben und vil mehr zuerwegen, das die kgl. Wirden inn Franckreich dardurch nit wenig offendirt, sich dargegen auch gefast machen, und, wie die rede /73'/ gehet, noch vilmehr krigßvolck auch inn Deutschlandt werben und durchfuren lassen wirdt. Wan dan solche vilfaltige werb[ung]en, an- und durchzihen der krigsleute dem gemeinen man im Heiligen Reiche bei diesen ohne das tewren zeitten gantz beschwerlich und untreglich, zw deme des krigß außgang ungewiß, da auch die kgl. Wirden ihren vortel ersehen, einen heuffen frantzösischen krigßleute unerwartter dinge heraus auff des Reichs boden biß an den Rein schicken, alles vorheren und andere grausamkeiten uben oder auch sonsten bei dem turcken dem Reiche einen andern erschrecklichen anhang erwecken möchten, alß seindt die Kff. deß einhelligen bedenckens von ihrer aller wegen neben e. ksl. Mt., die sie auch hiemit allerunderthenigst darumb bitten, dem churfursten pfaltzgraffen, gleichfals hertzogk Johan Casimir von hieaus zuschreiben3, solche ding zw gemute zufüren und mit /74/ sonderm fleis zuersuchen, solchen furhabenden zug gentzlich eintzustellen, welches sie, die churfursten, zw ihrem wolmeinenden bedencken e. ksl. Mt. inn allerunderthenigkeit unvormeldet nicht lassen mügen.

    Beschluss des KR, Regensburg, 29.10.1575.

    « Nr. 57 Schreiben der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 30 »

    Verweis auf die eingegangenen Schreiben des Pfgf. Johann Casimir über seinen geplanten Kriegszug nach Frankreich. Betonung der dadurch zu befürchtenden Schäden und Gefahren, da sich der Kg. von Frankreich provoziert fühlen und sich mit den Türken gegen das Reich verbünden könnte. Ermahnung an Kf. Friedrich III., seinen Sohn Pfgf. Johann Casimir von seinem Vorhaben abzuhalten. Ankündigung möglicher Schadenersatzforderungen.

    ŠDatiert Regensburg, 30.10.1575. [In simili an Pfgf. Johann Casimir]

    HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/3, fol. 75–77 (Kop.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. B, unfol. (Kop. Dorsv.: Kfl. widerrahten hertzog Johann Casimirs zug in Franckreich.) = B.

    /75/ Unser freundtlich dienst und was wir liebes und guts vormögen, altzeit zuvorn. Hochgeborner furst, besonder lieber freundt, auch freundtlicher lieber vetter, ohem, schweher, schwager und bruder.

    Wir wissen e. L. freundtlichen nicht zu bergen, das uns und jedem innsonderheit von dem auch hochgebornen fursten, unserm besondern lieben freunde, auch freundtlichen lieben vettern, sohn, gevattern, ohem und schwager, a -herzogk Johan Casimir pfaltzgraff–ae. L. sohn, ein schreiben mit eingeschlossener copei eines an die röm. ksl. Mt., unsern allergnedigsten herrn, vorfertigt zukommen1, darinnen ihre L. uns freundtlichen zuerkennen gebenb, auß was bewegnus und ursach sie etliche geworbene deutsche reutter unnd krigßvolck inn Franckreich zufuren entschlossen und einß teils durch unsere landt und gebiet freien paß suchen und bitten, ferners inhalts ihrer Libden schrifftlichen ersuchens, darauff auch weiter von der röm. ksl. Mt. nit underlassen, was gemelter herzogk Casimir, e. L. sohn, vormöge obangeregter mit ubersandter copei, an i. Mt. /75'/ außfurlichen gelangt, uns allergnedigst zueröffnen. Wiewol wir nun disfals, was etwan der von ihrer L. angetzogenen deutschen freiheiten halben, zu vorgriff und prejudicirlich angetzogen oder vorstanden werden möchte, widerwertiges zuerwecken ungerne vorursachen wolten, so thun wir dannoch billich zw gemute furen, was beschwerlichen anhangs und kunfftigen nachteils letzlich nicht alleine dem Heiligen Reiche und dessen gliedern, sonder auch gemeinen stenden sonderbar und unserm vatterlande hieraus zu sorgen stehet, inn deme wie e. L. selbst zuermessen, do vorhabender gestalt sambt frembder sachen willen das gemeine Reich im wenigsten nicht betreffen, die genachbarten potentaten also wie nun etliche jhar hero mit dergleichen uberzugen, vorherung und vorderbung ihrer lande und leute beschehen, itzo wider angefochten und beschwert, do man billich bei solchen sorglichen zeitten mehr zu gutter fridlicher nachtbarschafft dan einiger offension gesinnet sein solte, unnd furnemlich /76/ do man der teglichen gefhar des turcken einfall und uberzugs ohne das gewertig, und ob nit hiedurch dem konige auß Franckreich ursach gegeben, seine bißhero mit dem turcken gehabte vorstendtnus zuermehren und do er sein vortel ersehen, sich hinwider zurechen und also dem Reiche, dessen stenden und gliedern ungemach zuzufuegen.

    Wan dan uber alle itzt erzelte besorglicheiten noch das bevor, zw was weiterm schaden, nachteil und vorderben dieser durchzug eines solchen ansehenlichen krigßvolck den ohne das erarmbten und durch zuvor erlittene beschwerliche Šdürchzuge erschopffte underthanen dieses zugereichen, sonderlich itztmalß, da sie das jenige ann frucht und wein, so sie das gantze jhare umbhero mit schwerer saurer arbeit zw ruhiger fridlicher genissung desselbig erbawen, ihne ohne bezalung also vorschwenten sehen und leiden mussen, alß haben wir auß vorangeregten und andern mehr ansehenlichen ursachen nit underlassen mögen, /76'/ e. L. dessen inn besten zw gemut zufuren, und ersuchen demnach dieselbe hiemit freundtlich und brüderlich, die wolle alle solche umbstendige sorgnus und gefhar bei sich selbst ermessen, was unraht, kunfftigen nachteilß und schadens uns und zwar e. L. selbst auch, gemeinen stenden und dieser nation, unsers geliebten vatterlandes, hierauß zuentstehen, und mehrberurten ihren geliebten sohn, so sich zw He[i]delbergk, und ohne zweiffel mit e. L. wissen, rüsten und gefast machen soll, von solchem s. L. vorhaben weisen und abhalten. Dan solte solches je nit zuerlangen oder zuvorkommen sein, hetten e. L. dannocht neben ihme zuerachten, man letzlich dahin wider unsern willen gemussiget, was nachteil und schaden einem oder dem andern stande und underthanen hieraus beschwerlichs und schedlichs zuerfolgen, man sich desselbigen der billigkeit nach an den vorursachern zuerholen, welches wir je gerne vorbawen und vorhutet sehen, und dieses aus /77/ gutter freundtbruderlicher meinung e. L. im besten nicht bergen wolten, denselben wir zw freundlichen behaglichen dinsten bereit.

    Regensburg, 30.10.1575. Unterschriften: Kff. Daniel von Mainz, Jakob von Trier, Salentin von Köln, August von Sachsen, Johann Georg von Brandenburg.

    « Nr. 58 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zu Ernst von Mandesloe, Regensburg 1575 Oktober 31 »

    Verweis auf die frühere Bitte Mandesloes um Lösung aus der Reichsacht auf dem RT von 1570. Empfehlung, diese Angelegenheit auf den bevorstehenden RT zu vertagen und in der Zwischenzeit Vermittlungsbemühungen zu unternehmen.

    Nach mündlichem Vortrag des ksl. Rats Dr. Viehauser zum Aussöhnungsgesuch Ernst von Mandesloes am Vormittag des 31.10.1575 im KR beraten1. Konzept am Nachmittag desselben Tages im KR (Sitzung der kfl. Räte) verlesen und beraten2. Datiert Regensburg, 31.10.1575.

    HStA München, K. blau 110/1, fol. 453 (Kop.) = Textvorlage. GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Ll Fasz. B, unfol. (Kop., datiert Regensburg, 21[!].10.1575; Dorsv.: Decretum in Mandeslowen sachen.) = [B].

    /453/ Was die röm. ksl. Mt., unser aller gnedigster herr, heut morgen durch iren geheimen rhat doctor Sigmundt Vichheuser den anwesenden Kff. und pfälzischen abgesanten Ernst von Mandesloe belangent im rath zubedencken Šallergnedigst furbringen laßen, darvon haben ire chur- und f. Gnn. der notturfft sich underredet.

    Wann nhun sie bei diser consultation sich erinnert, das solche achterklerung, darvon er, Mandesloë, von iren ksl. Mt. sich allergnedigst zuerledigen begert, auf gemeinem reichstag zu Augspurg anno 66 ergangen3, und dann von sein, Mandesloë, wegen bei nechster Reichs versamblung zu Speir anno 70 gleich messig ansuchen4 beschehen, aber dismaln gemeiner stende bedencken gewesen, das darunder der herr bischof zu Wirtzburg5 als interessent zuvorderst auch zuhoren, so mustens ire chur- und f. Gnn. diser zeit darbey auch bewenden laßen, doch wirdet ire ksl. Mt. inmitelst nechstkunfftigen reichstags beide theil zu müglicher billicher vergleichung allergnedigst zuvermanen, a -auch underhandlung furnemen–a und darnach, was in solchen fall begerter absolution wegen die ksl. constitution angeregten landtfridens ferners disponirt, erghen zulaßen wissen.

    Regensburg, 31.10.1575.