Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Kurfürstentag zu Regensburg 1575
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort der Abteilungsleiterin

Vorwort der Abteilungsleiterin

Vorwort der Bandbearbeiterin

Vorwort der Bandbearbeiterin

Archivalien und Handschriften

Archivalien und Handschriften

Gedruckte Quellen

Gedruckte Quellen

Literatur

Literatur

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Abkürzungen und Siglen. Transkriptionsregeln

Einleitung

A) Proposition

B) Kurfürstenratsprotokoll

C) Akten zur Wahl

C) Akten zur Wahl

  • Vorbemerkung
  • Nr. 23 Vollmacht Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 19
  • Nr. 24 Instruktion Kurfürst Friedrichs III. von der Pfalz für seine Vertreter, Heidelberg 1575 September 20
  • Nr. 25 Bericht über den Einzug des Kaisers und der Kurfürsten in Regensburg (1575 Oktober 3–7)
  • Nr. 26 Revers Kaiser Maximilians II. für die Kurfürsten wegen der Anwesenheit anderer Fürsten und Gesandtschaften während der Wahl, Regensburg 1575 Oktober 14
  • Nr. 27 Kaiser Maximilian II. an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 17
  • Nr. 28 Kurfürst August von Sachsen an Kaiser Maximilian II., Regensburg 1575 Oktober 18
  • Nr. 29 Erklärung Kaiser Maximilians II. zur Vertagung der Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 30 Bedenken Kurfürst Augusts von Sachsen zur Streitfrage über die Declaratio Ferdinandea, [Regensburg 1575 Oktober 21]
  • Nr. 31 Bericht über die Verhandlungen des Kaisers mit den weltlichen Kurfürsten und Pfalzgraf Ludwig betreffend die Bestätigung der Declaratio Ferdinandea (1575 Oktober 15–22)
  • Nr. 32 Einladung des Erzbischofs Daniel von Mainz an seine Mitkurfürsten (hier: an Kurfürst August von Sachsen) zur Wahl eines römischen Königs, Regensburg 1575 Oktober 22
  • Nr. 33 Proklamation König Rudolfs II. als erwählter römischer König, [Regensburg 1575 Oktober 27]
  • Nr. 34 Wahldekret für König Rudolf II., Regensburg 1575 Oktober 27
  • Nr. 35 Wahlkapitulation König Rudolfs II., Regensburg 1575 November 1
  • Nr. 36 Beschreibung von Wahl, Krönung und Bankett (1575 Oktober 27 und November 1)
  • Nr. 37 Bestätigung der Rechte und Privilegien der Kurfürsten (hier: des Kurfürsten August von Sachsen) durch König Rudolf II., Regensburg 1575 November 2
  • D) Religionsbeschwerden

    E) Akten zur Nebenhandlung

    E) Akten zur Nebenhandlung

  • Vorbemerkung
  • Nr. 44 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 45 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Türkenabwehr und zur Einberufung eines Reichstags, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 46 Resolution Kaiser Maximilians II. zur Einberufung eines Reichstags, präs. 1575 Regensburg November 1
  • Nr. 47 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Polen, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 48 Instruktion der Kurfürsten für Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg zum Wahltag in Polen, Regensburg 1575 Oktober 28
  • Nr. 49 Rede der kurfürstlichen Gesandten Graf Wolfgang von Ysenburg-Büdingen und Hartmann von Kronberg vor den polnischen Ständen, [beschlossen Regensburg 1575 Oktober 28]
  • Nr. 50 Proposition Kaiser Maximilians II. zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, präs. Regensburg 1575 Oktober 24
  • Nr. 51 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Titelerhöhung des Herzogs von Florenz, zum Konflikt in Genua und zur Beilegung des niederländischen Kriegs, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 52 Supplikation der wendischen Städte an die Kurfürsten, präs. Regensburg 1575 Oktober 19
  • Nr. 53 Vortrag Kaiser Maximilians II. zur Gesandtschaft nach Moskau,[ präs. Regensburg 1575 Oktober 24]
  • Nr. 54 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zur Gesandtschaft nach Moskau, [Regensburg 1575 Oktober 26]
  • Nr. 55 Bedenken der kurfürstlichen Räte zur Gesandtschaft nach Moskau, Regensburg 1575 November 3
  • Nr. 56 Resolution der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg zum geplanten Kriegszug des Pfalzgrafen Johann Casimir nach Frankreich, Regensburg 1575 Oktober 29
  • Nr. 57 Schreiben der Kurfürsten von Mainz, Trier, Köln, Sachsen und Brandenburg an Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, Regensburg 1575 Oktober 30
  • Nr. 58 Resolution der Kurfürsten und des Pfalzgrafen Ludwig zu Ernst von Mandesloe, Regensburg 1575 Oktober 31
  • F) Supplikationen

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    « Š2. Vorbereitung und Einberufung »

    «2.1 Verhandlungen zur Einberufung »

    Der Gedanke, zu Lebzeiten des amtierenden Kaisers Maximilian II. einen Wahltag durchzuführen und die Nachfolge im Reich für das Haus Österreich zu sichern, reicht bis in den Herbst des Jahres 1569 zurück, als der Kaiser von seinen Ratgebern gemahnt wurde, sich möglichst bald um die Sukzessionsfrage zu kümmern, um den Gefahren eines Interregnums vorzubeugen1.

    Auslöser dieser Überlegung war der angegriffene Gesundheitszustand Maximilians II., der bereits seit Jahren an chronischen Herzbeschwerden und Gicht sowie an Leber- und Nierenbeschwerden litt2. Die Herzschwäche machte dem Kaiser seit den 1570er Jahren immer mehr zu schaffen und je häufiger und lebensbedrohlicher die Anfälle wurden, desto dringlicher erschien die Wahl eines Nachfolgers. Dieser Ansicht war auch Kurfürst August von Sachsen, der an einer reibungslosen Regelung der Nachfolge im Reich, die die politische Stabilität gewährleistete, besonders interessiert war. Während seiner Reise nach Wien im Frühjahr 1573 signalisierte er dem Kaiser, mit dem ihn seit der Jugend ein freundschaftliches Verhältnis verband3, dass er die Wahl eines Nachfolgers Šbefürwortete, für die der Hof zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine konkreten Vorbereitungen einleitete4.

    Zu Beginn des darauffolgenden Jahrs unternahm Kurfürst August einen Vorstoß beim Mainzer Erzbischof Daniel Brendel von Homburg, dem als Reichserzkanzler die Einberufung einer Kurfürstenversammlung zukam5 und den er davon überzeugte, dass angesichts des labilen Gesundheitszustands Maximilians II. rechtzeitig an einen Nachfolger gedacht werden müsse. Auch Kurfürst Johann Georg von Brandenburg wurde ins Vertrauen gezogen, der sich der Ansicht seiner Kollegen anschloss, dass ein die innere und äußere Sicherheit des Reichs gefährdendes Interregnum zu verhindern sei. Die für die Regelung der Sukzessionsfrage besonders wichtige Zustimmung der protestantischen Kurfürsten war damit bereits erreicht, da die lutherischen Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg ihren reformierten Kollegen Friedrich III. von der Pfalz überstimmen konnten, der ein Gegner der habsburgischen Sukzessionswünsche war und als Reichsvikar Interesse an einem Interregnum hatte. Um nicht vorzeitig den Verdacht des widerspenstigen Pfälzers zu erregen, hatte Kurfürst August von Sachsen zunächst erwogen, die Versammlung zwar mit Billigung des Kaisers, jedoch ohne seine formelle Mitwirkung vorzubereiten. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass durch die römische Königswahl vivente imperatore gegen das Recht der Kurfürsten auf eine freie Wahl oder gegen das Vikariatsrecht des Pfälzers verstoßen würde6. Kurfürst Johann Georg und ŠKurfürst Daniel hielten es jedoch für besser, dass nicht Kurmainz, sondern der Kaiser die Vorbereitungen für eine Königswahl in die Hand nahm und den Konsens aller Kurfürsten einholte7. Die folgenden Schritte zur Vorbereitung des Kurfürstentags, der kurz nach der Erhebung Rudolfs zum böhmischen König stattfinden sollte8, erfolgten anschließend in enger Kooperation des Kaisers mit den Kurfürsten von Mainz und Sachsen, die von Maximilian II. mehrfach um ihre Stellungnahme gebeten wurden9. Diskutiert wurde unter anderem die Frage, ob der älteste Sohn des Kaisers ausdrücklich als Kandidat genannt werden sollte oder nicht, da die protestantischen Kurfürsten Vorbehalte gegen den in Spanien streng katholisch erzogenen Rudolf hegten und an seiner Eignung zweifelten10. Der Mainzer Erzbischof verwies auf das Prinzip der freien Wahl der Kurfürsten und riet dem Kaiser davon ab, den Namen seines Sohnes in den Wahlwerbungen zu erwähnen11. Die kaiserlichen Kommissare, die im November 1574 abgefertigt wurden, sollten den Kurfürsten vom angegriffenen Gesundheitszustand des Kaisers berichten und ihnen mitteilen, dass er zur Sicherung der inneren und äußeren Stabilität des Reichs nach dem Vorbild früherer Wahlen seine Nachfolge regeln und den Mainzer Erzbischof um die Ausschreibung einer Kollegialversammlung bitten wolle. Die zu den geistlichen Kurfürsten entsandten Kommissare sollten in informellen Gesprächen für die Wahl Rudolfs werben und das spanisch geprägte Umfeld des Erzherzogs gegebenenfalls herunterspielen12.

    ŠWährend die Kurfürsten von Köln und Trier, Salentin von Isenburg und Jakob III. von Eltz, bereits im Sommer des Jahres vom Mainzer Erzkanzler eingeweiht worden waren, wurde nun auch Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz offiziell über den geplanten Wahltag informiert, von dem er bis dahin lediglich Gerüchte vernommen hatte13, nicht wissend, dass seine beiden Kollegen im protestantischen Lager, die lutherischen Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, bereits seit langem ihre Zustimmung dazu erteilt hatten. Entgegen den Bestimmungen des Kurvereins, hatten ihn seine Mitkurfürsten bis dahin erfolgreich von den Vorbereitungen ausgeschlossen, da sie mit Recht befürchteten, dass er wie bei der letzten Wahl 1562, auch diesmal versuchen würde, eine Wahl vivente imperatore zu durchkreuzen14. Tatsächlich bemühte er sich, Zeit zu gewinnen und schlug vor, zunächst eine Konferenz kurfürstlicher Räte einzuberufen, die über eine gemeinsame Resolution der Kurfürsten auf das Ersuchen des Kaisers beraten sollten15. Seine Kollegen lehnten diesen Vorschlag einhellig ab und plädierten für ein Treffen, bei dem nach der Klärung der Frage, ob ein Nachfolger zu wählen sei, direkt im Anschluss eine Wahl durchgeführt werden sollte. In ihren Antworten gegenüber den kaiserlichen Gesandten stimmten sie der Ausschreibung eines Kurfürstentags zu und versprachen, persönlich dort zu erscheinen, um über die Administration des Reichs zu beraten. Den Bestimmungen des Kurvereins entsprechend wollten sie sich zu weitergehenden inhaltlichen Fragen nicht konkret äußern und beließen es bei unverbindlichen Antworten auf die kaiserlichen Werbungen16. Der pfälzische ŠKurfürst, der die Sukzessionsfrage nicht für akut hielt, blieb mit seiner Position isoliert17, konnte es aber nicht vermeiden, den kaiserlichen Gesandten Harrach und Hegenmüller, die ihn von den Vorteilen der Wahl überzeugen und seine Zustimmung zur Ausschreibung einholen sollten, sein persönliches Erscheinen zuzusagen, allerdings unter der Bedingung, dass das herkömmliche Prozedere der Ausschreibung eingehalten und auch alle anderen Kurfürsten persönlich teilnehmen würden18. Kurfürst August von Sachsen beschrieb die Situation des pfälzischen Kurfürsten folgendermaßen: „So weren der churfursten funff fast aines sinns und darumb wurde er selbs kommen oder seine räthe schicken muessen, und funff der churfursten köntten den sechsten zu sich bereden, wann er auch schon nit wolte.“19

    « Š2.2 Erstes und zweites Ausschreiben des Mainzer Erzkanzlers »

    Nachdem alle Kurfürsten ihre Zustimmung zur Austragung einer Kollegialversammlung erteilt hatten, mussten noch Tagungsort und -termin festgelegt und ein entsprechendes Einladungsschreiben an die Kurfürsten aufgesetzt werden20.

    Kurfürst Daniel von Mainz, dem als Reichserzkanzler die Einberufung des Kurfürstentags oblag, äußerte im Dezember 1574 gegenüber den kaiserlichen Kommissaren Bedenken, die Versammlung nach Frankfurt auszuschreiben, da dort die Pest herrsche und mit logistischen Problemen zu rechnen sei. Dennoch mochte er der Anregung der kaiserlichen Gesandten, die Nürnberg als Austragungsort vorschlugen, nicht folgen – nicht zuletzt, weil mit Protest des Pfälzer Kurfürsten zu rechnen war, falls man von dem in der Goldenen Bulle festgelegten Wahlort Frankfurt abwich21. Obwohl sich der gesundheitlich angeschlagene Kaiser die bequem auf dem Wasserweg zu erreichende Reichsstadt Regensburg als Versammlungsort wünschte22 und auch die Kurfürsten von Trier, Köln und Sachsen keine Bedenken gegen eine Verlegung äußerten, scheute sich der Erzkanzler, ohne die ausdrückliche Zustimmung seiner Kollegen den Austragungsort zu ändern, da man – sollten sich die Kurfürsten wie erwartet zur Wahl eines Nachfolgers entschließen –, den Vorgaben der Goldenen Bulle folgen und in Frankfurt wählen müsse. Er war daher entschlossen, den Kurfürstentag nach Frankfurt auszuschreiben, und bat Mitte März den Kaiser um seine Zustimmung. Die Versammlung, so fügte er hinzu, könne später nach Nürnberg verlegt werden, falls Maximilian II. die weitere Reise nicht auf sich nehmen könne oder die Seuche in Frankfurt anhalten sollte, wozu dann jedoch die Einwilligung Šinsbesondere der rheinischen Kurfürsten einzuholen sei23. Da der Mainzer zunächst keine Antwort erhielt und er gemäß den Vorgaben der Goldenen Bulle die Einladung drei Monate vor Beginn des geplanten Kurfürstentags abzuschicken hatte, lud Kurfürst Daniel Mitte April 1575 seine Kollegen für den 29. Juli nach Frankfurt ein24. Die vorläufige Antwort Maximilians II., nämlich dass er vor seiner endgültigen Entscheidung die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg in Dresden treffen und mit ihnen über den Versammlungsort des Kurfürstentags beraten wolle, erreichte den Mainzer erst danach25. Als der Kaiser nach seiner Rückkehr aus Dresden Ende April26 von der bereits erfolgten Ausschreibung erfuhr, entschuldigte er sich bei Sachsen und Brandenburg, mit denen er Regensburg als Austragungsort vereinbart hatte und monierte, dass Šder Mainzer Erzkanzler das Ladungsschreiben „unerwartet unser entlichen erclerung von wegen des plaz der zusamenkonfft, deßgleichen auch unserer selbst schreiben, die wir an alle churfursten danebens zuthun und s. L. zuzuschicken uns erpotten“ abgeschickt habe, „zumall dieweil one das die zeit von wegen unserer behaimischen handlungen muste baß hinaus gerucket werden.“27 Der Empfehlung des Kurfürsten von Sachsen28 und dem Wunsch des Erzkanzlers folgend schickte Maximilian II. seinen Rat Dr. Johann Hegenmüller zu den rheinischen Kurfürsten, um ihre Einwilligung zur Verlegung nach Regensburg und zur Verschiebung des Termins einzuholen29. Gleichzeitig schrieben die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg an ihre rheinischen Kollegen, dass in Frankfurt „die abscheuliche kranckheit der pestilenz ein gutte zeit regiret, auch die sterblichen leuffte des orts noch nicht auffhören“ und dass sie beim Besuch des Kaisers in Dresden gesehen hätten, „das ihrer Mt. weit zureisen und sich ubrig zubewegen nicht alleine ungelegen, sondern auch gevehrlich sey“. Sie seien dafür, dem Wunsch des Kaisers um Verlegung der Versammlung nach Regensburg zu entsprechen, um ihm den „weiten, rauhen und bösen weg“ nach Frankfurt zu ersparen, zumal es dort „von wegen sterbens leufften nicht sicher und uns allen oder den unsern leichtlich ein fall begegnen möchte, so hernach nicht zuersetzen“. Sie äußerten daher die Bitte, der Verlegung nach Regensburg mittels eines entsprechenden zweiten Ausschreibens durch Kurmainz zuzustimmen30. Zu Pfingsten traf Hegenmüller bei Kurfürsten Daniel ein, der Šsich ausgiebig dafür entschuldigte, das erste Ausschreiben so früh abgeschickt zu haben31. Gemeinsam formulierten sie den Entwurf für ein auf den 20. Juni datiertes zweites Ausschreiben, in dem die Kurfürsten für den 16. September nach Regensburg eingeladen wurden32 und das der Mainzer Erzkanzler am 23. Mai zur Begutachtung an den Kaiser schickte33. Dieser hatte keine weiteren Einwände, äußerte aber den Wunsch, den Beginn der Versammlung auf den 26. September zu verlegen, „von wegen langsamen vortgangs unserer behaimischen handlung und danebens damit von dato des ausschreibens biß zu dem termin der zusamenkonfft weniger nitt als drey monat zeit seye“34. Nachdem Hegenmüller seine Mission zu den rheinischen Kurfürsten beendet und diese dem Kaiser und dem Mainzer Erzkanzler ihre Zustimmung zur Änderung des Tagungsorts mitgeteilt hatten35, konnte Kurfürst Daniel schließlich das zweite Ausschreiben abschicken. In seiner Einladung, die nicht wie zunächst geplant auf den 20., sondern auf den 24. Juni datiert ist, führt er aus, dass der Kaiser wegen seiner „täglich zunehmenden, auch augenscheinlich ereugennden leibsschwacheitt unnd unvormüglicheitt“ nicht in der Lage sei, die weite Reise nach Frankfurt „one sondere leybsgevar“ zu unternehmen. Da der Kaiser außerdem Angelegenheiten in Böhmen erledigen müsse, habe er seine Bitte erfüllt und die Zusammenkunft nach Regensburg verlegt und auf den 29. September vertagt, „des verhoffenns, e. L. irer selbst gethanen erclerung nach, demselbigen gehorsame volge mitt erscheinung irer selbst person laisten unnd was zu gemainer Šwolfartt erschießlich ires thails helffen zubedenncken, zuberhatschlagen unnd zu schliessen, nichts erwinden laßen werden“36.

    «2.3 Werbungen des Kaisers um die persönliche Teilnahme der Kurfürsten »

    Zur Unterstützung des Mainzer Einladungsschreibens und um einen reibungslosen Ablauf der Versammlung zu ermöglichen, verfasste Kaiser Maximilian II. Anfang Juni 1575 ein „Nebenersuchen“, in dem er die Kurfürsten um ihr persönliches und pünktliches Erscheinen bat37.

    Die Kurfürsten von Köln, Pfalz, Sachsen und Brandenburg folgten dieser Aufforderung und sagten zu, die Versammlung persönlich besuchen zu wollen38. Lediglich Kurfürst Jakob von Trier ließ in seiner Antwort an den Kaiser Švom 8. Juli offen, ob er angesichts seiner angegriffenen Gesundheit und des bei der winterlichen Witterung beschwerlichen Wegs sowie mit Rücksicht auf die hohen Kosten und die erwarteten Durchzüge französischer Truppen die Reise zum Kurfürstentag antreten würde. Erst nachdem der Kaiser ihn Ende Juli ermahnte, er möge bei seiner früheren Zusage bleiben und sich die von ihm angeführten Schwierigkeiten „nit schwerer als sie seindt einbilden“ und auch der von Maximilian eingeschaltete Mainzer Erzkanzler der kaiserlichen Aufforderung Nachdruck verlieh, sagte auch der Kurfürst von Trier am 9. August zu, die Reise nach Regensburg anzutreten39. Den Befürchtungen Kurtriers und der anderen rheinischen Kurfürsten, die sich wegen der Truppenwerbungen für den Krieg in Frankreich sorgten und ihr Territorium nur ungern verließen, begegnete Maximilian II. mit der Entsendung kaiserlicher Kommissare, die in Frankfurt gemeinsam mit mainzischen, pfälzischen und hessischen Räten „der an- unnd durchzüg vleissig warnemmen, dem kriegsvolck under augen rucken unnd mit hilff unnd zuethun der kraisöbristen dasselbig zulaistung der gepür unnd getrentem unschedlichem durchtzug anhalten sollen“40.

    Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, an dessen Erscheinen der kaiserliche Rat Hegenmüller und auch der Mainzer Erzkanzler Zweifel hegten41, erneuerte am 7. September seine Bereitschaft, persönlich an der geplanten Zusammenkunft teilzunehmen, fügte aber – wie bei seiner ersten Zusage vom Juni – einschränkend hinzu: falls „bemelte meine leibsungelegenheit nit böser würdt“42. Bereits einige Tage später überfiel ihn jedoch „ganz unversehenlich ein so hefftiger catarr“, dass er seine für den 16. September geplante Abreise zum Kurfürstentag absagen und seinen Sohn Pfalzgraf Ludwig als Vertreter nach Regensburg schicken musste43. Die Vermutung, dass seine Krankheit für Friedrich III. nur Šein Vorwand gewesen sei, um auf der Kurfürstenversammlung nicht persönlich erscheinen zu müssen, findet in den kurpfälzischen Akten keine Bestätigung44.

    Lange Zeit unsicher war auch die Teilnahme Kurfürst Johann Georgs von Brandenburg. Dieser wollte seine lebensbedrohlich erkrankte Frau Sabina nicht alleine lassen und bat Anfang September Kurfürst August von Sachsen um Rat, wie er mit der Situation umgehen solle. Dieser riet ihm davon ab, seinen Sohn als Vertreter nach Regensburg zu entsenden, und empfahl ihm, bevollmächtigte Räte nach Regensburg vorauszuschicken und dann selbst nach Möglichkeit so schnell wie möglich nachzukommen45. Johann Georg folgte dieser Empfehlung und benachrichtigte am 7. September den Kaiser, der ihn inständig darum bat, trotz der Krankheit seiner Frau nach Regensburg zu kommen46. Nachdem er seine Räte mit den entsprechenden Vollmachten und Instruktionen47 vorausgeschickt hatte, brach der Kurfürst von Brandenburg am 21. September nach Regensburg auf, wo er noch rechtzeitig vor der erneut verschobenen Eröffnung der Versammlung am Morgen des 5. Oktober eintraf.

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/kft1575/ue-2/pages

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    Anmerkungen

    1
    Zu den Anregungen der ksl. Räte Lazarus von Schwendi und Christoph von Carlowitz vgl. Bibl , Maximilian II., 363 f.; Gotthard , Säulen, 603 mit Anm. 65, sowie die Denkschrift Schwendis zur Reichspolitik von 1570 (ediert bei Lanzinner , Denkschrift, 154–185, hier 165) und sein Schreiben an Carlowitz aus Burkheim vom 20.7.1574 (vgl. unten Anm. 12). – Zur Vorgeschichte des Kurfürstentags vgl. Schneidt , Geschichte, Einleitung §§ 4–10; Ritter , Geschichte I, 463 f.; Westphal , Kampf, 171–179; Neuhaus , Königswahl, 17–21 ( ebd. , 19–21 zum Eintreten Schwendis für eine rechtzeitige Regelung der Nachfolge); Gotthard , Säulen, 188 f., 464–466, 556, 563, 569, 603 f., 634 f., sowie die ausführlichen Darstellungen bei Moritz , Wahl, 42–105, und Luttenberger , Kurfürsten, 146–165. Die umfangreichen Korrespondenzen der Kff. von Sachsen, Mainz und Brandenburg, die sie während der langen Vorlaufphase des Kurfürstentags untereinander und mit dem Ks. führten, zeugen von einer intensiven Kommunikation und Kooperation, die nötig war, um bereits im Vorfeld der kfl. Versammlung gemeinsame Positionen zu entwickeln und mögliche Konflikte rechtzeitig zu erkennen und zu verhindern. Die kfl. Korrespondenzen zur Vorbereitung des Kurfürstentags sind überliefert in: GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. A und B, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 1–84; HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4, Loc. 10674/10 und Loc. 10675/1; LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8; LHA Koblenz, Bestand 1C, Nr. 16330; HStA München, K. blau 100/1 und 110/6, KÄA Nr. 3202, fol. 120–195'; HHStA Wien, RK, WuKA 4 und 5 sowie MEA, WuKA 6-2.
    2
    Bibl , Maximilian II., 363, 370; Fichtner , Emperor Maximilian II, 59, 100–104, 206 f., 214 und passim; Braun , Imagines imperii, 513–515; sowie ausführlich Senfelder , Kaiser, mit einer Aufstellung von Nachrichten zum Gesundheitszustand des Ks. aus den Berichten des päpstlichen Nuntius Dolfin.
    3
    In seiner Schlussrelation schrieb der venezianische Gesandte Vincenzo Tron über Kf. August von Sachsen ( Firpo , Relazioni, 493): „Amico e affezionatissimo della casa d'Austria, ha fatto re de' Romani Massimiliano e Rodolfo; però la M[aestà] S[ua] non solo si trova sicura dell'animo suo, ma lo risguarda come fratello.“
    4
    Bezold , Briefe I, Einleitung, 93–96; Moritz , Wahl, 54–56. Zu den Motiven des Kf. von Sachsen, dem daran gelegen war, die bestehenden Verhältnisse nicht zu verändern und dadurch Territorium und Landesherrschaft zu sichern vgl. auch Westphal , Kampf, 175–177; Luttenberger , Kurfürsten, 147 f.; Bruning , August, 119–121. – In der Kurbrandenburger Überlieferung ist ein nicht näher bezeichnetes, aus der Sicht eines Kf. geschriebenes Gesprächsprotokoll erhalten, das sich auf eine Unterredung Kf. Augusts mit dem Ks. im Februar 1573 beziehen könnte (GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 12, Nr. 21, fol. 1–4, hier 3–4. Kop.; o. O., o. D., Überschr.: „Was ich mit ksl. Mt. etc. geredet.“). Demnach soll Maximilian geäußert haben, „daß sie sich also fületen, daß sie selbsten lange zue leben bey irer Mt. zweifelten“ und dass er Sorge habe, „daß das Reich also bloß und one einen gewiesen successorem stehen solte, dann ire Mt. weren ein mensch so wol alß ein ander, und suchten unnd begerten ire Mt. nichts desfalls vor sich oder ire kinder, sonndern sie erinnerten allein, denen dingen mit zeittigem guetem rhat vortzuedenckhen, damit gleichwol ire Mt. in irem gewissen desto ruhiger sein mochten.“ Der Kf. habe sich entschuldigt, dass er darauf keine konkrete Antwort geben könne, und auf die Bestimmungen der Goldenen Bulle verwiesen, „nemblich daß kein churfürst vonn ainiger succession eines romischen kaysers handlen oder rhatschlagen dorffte, es geschehe dann in beysein aller churfürsten und wie man es zue nennen pfleget collegialiter. “ Der Ks. habe daraufhin nicht weiter insistiert und auf die Frage, ob er die anderen Kff. ebenfalls um ihre Meinung gebeten habe, „haben ire Mt. ja gesaget, sie liesen die anndern churfürsten auch gleichergestalt ersuchen. Dabey hab ichs bleiben lassen unnd ire Mt. nicht weitterß erinnert, jedoch mich erbotten, soviel mir müglich dabey zuethuen.“
    5
    Trusen , Kurmainz; Gotthard , Säulen, 433–437.
    6
    Die Goldene Bulle sah eine Königswahl nach dem Tod des Ks. oder röm. Kg. vor, ließ als Grund aber auch andere, nicht näher bezeichnete Fälle zu (Kap. I, Abs. 16 und Kap. I, Abs. 1; Fritz , Goldene Bulle, 46 und 51 f.). Die Möglichkeit, zu Lebzeiten eines Ks. einen Nachfolger zu wählen, wird in der Goldenen Bulle nicht erwähnt, also auch nicht explizit ausgeschlossen. Zur Wahl vivente imperatore als „Instrument zur Wahrung der Funktions- und Handlungsfähigkeit, der Stabilität und Integrität des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ vgl. ausführlich Neuhaus , Königswahl, hier 52.
    7
    Zu den Vorgesprächen Kf. Augusts von Sachsen mit dem Kf. von Brandenburg im Mai 1574 in Jüterbog und mit Kf. Daniel von Mainz im Juni in Mühlhausen sowie zu den weiteren intensiven Vorverhandlungen im Jahr 1574 vgl. Krause , 71–74; Gotthard , Säulen, 603 f., und ausführlich die Darstellung bei Luttenberger , Kurfürsten, 147–161.
    8
    Vgl. unten Kap. 3.2.
    9
    Zu den Missionen der ksl. Räte Christoph von Carlowitz nach Dresden und Dr. Johann Hegenmüller nach Mainz im Sommer 1573 vgl. die Instruktionen und Berichte in HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 14–17, 19–22, 23'–26'. Kopp. Druck: Schneidt , Geschichte, 30–36, 42–48, 51–58. – Kf. Johann Georg von Brandenburg wurde von Kf. August über den zwischen Dresden, Mainz und Wien abgesprochenen Verlauf der Vorbereitungen auf dem Laufenden gehalten.
    10
    In der pfälzischen Wahltagsinstruktion (Nr. 24, fol. 276') heißt es, es sei zu bedenken, „wie der eligendus erzogen, ob er auch ein teütsch gemüeth unnd wie er gegen der religion gesinnet unnd affectionirt.“ – Zur Erziehung Rudolfs in Spanien vgl. Evans , Rudolf II, 49 f.
    11
    Luttenberger , Kurfürsten, 158 f.; Gotthard , Säulen, 556, 649.
    12
    Die Instruktionen und Nebeninstruktionen Ks. Maximilians II. vom 8. und 24.11.1574 für Leonhard von Harrach und Dr. Johann Hegenmüller (für ihre Wahlwerbung bei den rheinischen Kff.) und für Wilhelm von Rosenberg und Dr. Sigmund Viehauser (für ihre Wahlwerbung bei den Kff. von Sachsen und Brandenburg): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 43–56', 58'–60. Kopp. Druck: Schneidt , Geschichte, 93–120, 125–128. – Bereits im Juli 1574 hatte der ksl. Rat Lazarus von Schwendi versucht, die sächsischen Bedenken gegen Rudolf auszuräumen; vgl. sein Schreiben an Christoph von Carlowitz (Burkheim, 20.7.1574): HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10671/4 und Loc. 10674/10. Unfol. Kopp. Druck: Nicklas , Beziehungsgeflechte, 198–206, hier 199 f. Vgl. Moritz , Wahl, 53 f.; Nicklas , Macht, 145–147.
    13
    Vgl. Ks. Maximilian II. an Kf. Friedrich III. von der Pfalz mit der Vorankündigung der ksl. Gesandtschaft (Wien, 8.10.1574): HStA München, K. blau 110/6, fol. 1–2. Or.; präs. 18.10.1574. Der Entwurf der ksl. Vorankündigung an die rheinischen Kff.: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 38'–39'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 83–85. Den Kff. von Mainz, Sachsen und Brandenburg wurde die Gesandtschaft in ähnlichen Schreiben des Ks. angekündigt (Wien, 8.10.1574): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 36–38'. Kopp. Druck: Schneidt , Geschichte, 78–83. An die Kff. von Mainz und Sachsen ging bei dieser Gelegenheit die Frage, ob die ksl. Gesandten den Kff. Rudolf als Kandidaten vorschlagen sollten oder nicht.
    14
    Luttenberger , Kurfürsten, 155 f.; Edel , Kaiser, 367 f.; Gotthard , Säulen, 188 f., 596 f., 634. – Zu den Motiven des von den anderen Kff. nicht zuletzt wegen seiner Interregnumspolitik als Störenfried empfundenen Kf. Friedrich III. von der Pfalz vgl. Moritz , Wahl, 82–84; Westphal , Kampf, 177 f.; Luttenberger , Kurfürsten, 165–176.
    15
    Kf. Friedrich III. an Kf. Johann Georg von Brandenburg (Heidelberg, 9.11.1574): GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. A, fol. 71–72. Or. Exemplar für Kf. August von Sachsen: HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 63 f., 66 f., 68, 69. Or.; präs. Annaburg, 3.12.1574. Druck: Kluckhohn , Briefe II, Nr. 783 S. 741–744. – Auf dem Regensburger Kurfürstentag wurde diese Frage am Vormittag des 12. Oktober 1575 entschieden; vgl. Kurbrandenburg, fol. 97'–120 (Nr. 4).
    16
    Relationen der ksl. Gesandten über ihre Werbungen bei den Kff.: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 66–71 (Kurmainz; Bericht vom 24.12.1574), fol. 75–79 (Kursachsen; Bericht vom 31.12.1574 und vom 1.1.1575), fol. 93–86 (Kurbrandenburg; Bericht vom 8.1.1575), fol. 91–92 (Kurtrier; Bericht vom 3. und 4.1.1575), fol. 93'–95' (Kurköln; Bericht vom 21.1.1575), fol. 96'–97' (Kurpfalz; Bericht vom 1.2.1575), fol. 107'–111' (Rheinische Kff.; Bericht vom 18.2.1575). Kopp. Druck: Schneidt , Geschichte, 140–152, 161–167, 177–183, 193–196, 200–204, 206–208, 227–235. Vgl. zum Beispiel die Aussage des Trierer Kanzlers Wimpfeling (Kurbrandenburg, fol. 99, Nr. 4), der Kf. habe sich auf die ksl. Werbungen „cathagorice nicht erkleren wollen [...] und es sonsten mit seiner erklerung biß uf eine collegialversamlung der churfursten verschoben.“
    17
    Anfang November 1574 bat er Lgf. Wilhelm IV. von Hessen-Kassel um seine Meinung zur geplanten Königswahl und zu einem geeigneten Kandidaten. In seiner Antwort an Kf. Friedrich III. (Spangenberg, 26.11.1574: HStA München, K. blau 100/1, fol. 244–250, hier 249' f. Or.; präs 4.12.) erörterte der Lgf. ausführlich die Vor- und Nachteile einer Wahl vivente imperatore und äußerte sich auch zum möglichen Kandidaten Rudolf. Angesichts der Unkalkulierbarkeit eines Interregnums, das die Gefahr innen- und außenpolitischer Konflikte barg und angesichts der Verdienste des Hauses Habsburg bei der Türkenabwehr, kam Wilhelm zu dem Schluss, „das es am sichersten und nutzlichsten sey, mitt der election und wahll eines kunfftigenn successors beim hauß Osterreich zu pleiben unnd die obangetzogene defect unnd mengel, auch was sonstet weiter zuerhaltung des Heiligen Reichs authoritet und heilsamen fridens in religion- unnd prophan sachen, auch zuverbeßerung unnd notwendiger offtgesuchter erclerung des religion fridens dienlich unnd nottig, mitt zuthun der ksl. Mt. zuvor notturfftiglich abtzureden, zu cavirn unnd zuversichern.“ Im Hinblick auf die kfl. Beratungen empfahl er, „das ihr, die samptlichen churfursten, inmaßen e. L. solchs jegen Sachßen unnd Brandenburgk vernunfftiglich erwehnett, euch nicht trennett, sondern bey einander pleibtt, von dießem hochwichtigen werck, daran unsers geliebten vatterlands und unser aller libertet und wolfarth gelegen, notturfftiglich rathschlagtt und euch in samptt einer einhelligen antwortt unnd meinung vergleichett, dann das ist zuerhaltung ewer allerseits Ll. churfurstlicher reputation und sonstett in viel weg nutz unnd nottwendig.“
    18
    Zur Mission Harrachs vgl. Haberer , Ohnmacht, 50 f. – Der venezianische Gesandte Vincenzo Tron schrieb am 7.1.1575 aus Wien, dass die ksl. Gesandten den Kf. von der Pfalz als letzten aufsuchten ( Turba , Depeschen I/3, Nr. 208 S. 551–554, hier 553): „acciochè, se non sarà egli spontaneamente inclinato à consentire à quanto se gli ricerca, essendogli portato l'universal consenso degl'altri et vedendo con la negativa di dechiarirsi solo diffidente di Sua Cesarea M., non ardisca à farlo.“
    19
    Zitat aus der Relation Rosenbergs und Viehausers über ihre Werbung bei Kf. August (Zossen, 31.12.1574): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 75–78, hier 77. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 161–168. Oder, wie es der Kölner Kanzler Burkhard in einem vertraulichen Gespräch mit Harrach formulierte: „Wann nun Sachssen und Brandenburg gewiß, so sei es alles richtig, dann obschon einer under dem hauffen, der es villeicht lieber anderst sehen, so soll mann doch die andern so für kindisch und ainfaltig nit halten, das sie sich einen allein seines gefallens reguliern und maistern lassen werden.“ (Zitat aus der Finalrelation Harrachs und Hegenmüllers über ihre Werbung bei den rheinischen Kff.; Wien, 18.2.1575: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 107'–111', hier 110'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 227–235).
    20
    Zur Vorgeschichte des Ausschreibens, das – wie schon 1562 – auf der Grundlage des Kurvereins formuliert wurde und daher an die Kff. von Trier, Köln, Pfalz, Sachsen und Brandenburg erging, nicht jedoch an den böhmischen Kg., vgl. Moritz , Wahl, 94–101; Luttenberger , Kurfürsten, 161–164; Gotthard , Säulen, 464–466; Begert , Böhmen, 338, 346 f.
    21
    Vgl. das Schreiben Harrachs an Ks. Maximilian II. (Aschaffenburg, 24.12.1574 mit PS vom 26.12.): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 68'–71, hier 69 f., 70'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 146–152. Als Beilage zu diesem Schreiben übersandte Harrach das vom Ks. gewünschte Konz. des Mainzer Ausschreibens (noch ohne Nennung von Tagungstermin und -ort): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 71–72'. Konzeptkop. Druck: Schneidt , Geschichte, 152–155. – Harrach berichtete in diesem Schreiben auch, dass Kf. Daniel den von Maximilian II. für den 1. Mai 1575 geplanten Beginn der Versammlung für zu früh hielt und sie sich daher auf einen Termin Mitte Juli verständigt hätten. Diese Änderung entsprach im Übrigen den Wünschen Kf. Augusts von Sachsen, dessen Frau zwischen Ostern und Pfingsten 1575 die Geburt eines Kindes erwartete; vgl. das zweite PS zur Relation Rosenbergs und Viehausers über ihre Mission bei Kf. August (Zossen, 1.1.1575): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 78' f. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 167 f.
    22
    Vgl. Ks. Maximilian II. an Kf. Daniel von Mainz (Znaim, 10.2.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 245–246. Or.; präs. Aschaffenburg, 7.3.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 218 f. Als Beilage zu diesem Schreiben übersandte der Ks. die Zustimmung Kf. Augusts von Sachsen zur Verlegung der Versammlung nach Nürnberg oder Regensburg (Annaburg, 26.1.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 247 f. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 215 f.
    23
    Kf. Daniel von Mainz an Ks. Maximilian II. (Aschaffenburg, 14.3.1575): RK, WuKA 4, fol. 112'–114. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 237–241. Zu den von Kf. Daniel angeführten Vorgaben zum Tagungsort Frankfurt vgl. den Kurverein vom 18.3.1558: Leeb , RTA RV 1558/59, Nr. 47 S. 454–465, hier 457, 459, 464, und die Goldene Bulle, Kap. I, Abs. 15 ( Fritz , Goldene Bulle, 51); Kleinheyer , Wahlkapitulationen, 3. – Die ksl. Kommissare Harrach und Hegenmüller schrieben am 21.1.1575 an den Ks., dass sie bei ihrer Reise von Arnsberg nach Heidelberg widerwillig in Frankfurt Quartier genommen hätten, „doch letzlich auf vilfaltige gutthertzige vertröstung es in dem nammen Gottes gewagt und befunden, das die beschwerlichait seer nachgelassen und bei weittem nit also hefftig und gefärlich geschaffen wie es anderer ortten ausgegeben wurdt.“ (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 93'–95', hier 95 f. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 200–204).
    24
    Aschaffenburg, 15.4.1575: HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 163–164', 166 (Or. an Kursachsen; präs. Mühlberg, 28.4.1575). LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8, fol. 39–41 (Or. an Kurköln; präs. Poppelsdorf, 22.4.1575). GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. A, fol. 146–148 (Or. an Kurbrandenburg). HStA München, K. blau 110/6, fol. 169–171 (Or. an Kurpfalz; präs. 20.4.). Unvollständiges Konz.: HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 203–204'.
    25
    Ks. Maximilian II. an Kf. Daniel von Mainz (Prag, 30.3.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 267 f. Or.; präs. Aschaffenburg, 19.4.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 241 f. Kf. Daniels Antwort darauf (Aschaffenburg, 20.4.1575): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 117'–118'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 248–250.
    26
    Das persönliche Treffen Maximilians II. mit den Kff. von Sachsen und Brandenburg war bereits im Sommer 1574 verabredet worden ( Moritz , Wahl, 68). Zum Besuch des Ks. und seiner Familie in Dresden vom 11. bis zum 19.4.1575, bei dem Maximilian für seinen Sohn Rudolf als Nachfolger warb und das freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Ks. und Kf. August öffentlich demonstriert wurde, vgl. Brückner , Festlichkeiten (dort auch zur angegriffenen Gesundheit des Ks.); Moritz , Wahl, 95–98; Edelmayer , Söldner, 220–222; Zimmermann , Fürstenfreundschaft, Nr. 84 S. 140–142; Rudolph , Reich, 165–177, 216 f., 228–230, 240–244, 557 f. und passim; Dies. , Fürstliche Gaben, 95–100 (zu den Schenkbeziehungen und den aus Anlass des Kaiserbesuchs überreichten Geschenken) sowie ein Schreiben Vincenzo Trons (Wien, 9.12.1575; Turba , Depeschen I/3, Nr. 215 S. 572–579, hier 573), in dem berichtet wird, dass sich Maximilian II. in Dresden davon überzeugen konnte, dass Kf. August nicht nach der röm. Königskrone strebte, denn dieser habe zum Ks. gesagt „che non haveva havuto mai questo fine et che più tosto voleva viver commodo Duca che incommodo Imperatore, per non dir, povero“; außerdem habe sich der Kf. bereit erklärt, die Kandidatur Rudolfs zu unterstützen. – Über das Ergebnis der Beratungen informierte der Ks. den Kf. von Mainz nach seiner Abreise aus Dresden (Aussig, 21.4.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 274–275'. Or.; präs. Aschaffenburg, 26.4.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 242–245.
    27
    Ks. Maximilian II. an Kf. August von Sachsen, der ihm das Or. des Mainzer Ausschreibens überschickt hatte (Prag, 1.5.1575): HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc 10675/1, fol. 167 f., 169. Or.; präs. Torgau, 4.5.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 245–247. Zum ksl. „Nebenersuchen“ vgl. unten Kap. 2.3. Zu den Vorteilen Regensburgs als Austragungsort von Reichsversammlungen vgl. Rudolph , Reich, 44–46, 118–120.
    28
    Kf. August von Sachsen an Ks. Maximilian II. (Torgau, 5.5.1575): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 124–125. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 260–262.
    29
    Instruktion für Dr. Johann Hegenmüller (Prag, 10.5.1575): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 126'–129'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 265–271. – Die rheinischen Kff. hatten in ihren Antworten an Kf. Daniel inzwischen positiv auf das erste Ausschreiben reagiert und ihr Erscheinen zugesagt; Kf. Friedrich III. von der Pfalz (Heidelberg, 21.4.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 271 f. Or.; präs. Aschaffenburg, 22.4.1575. Kf. Jakob von Trier (Koblenz, 21.4.1575): Ebd., fol. 283. Or.; präs. Aschaffenburg, 27.4.1575. Kf. Salentin von Köln (Poppelsdorf, 23.4.1575): Ebd., fol. 285 f. Or.; präs. Aschaffenburg, 27.4.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 255–257.
    30
    Dresden, 17.4.1575: HStA München, K. blau 110/6, fol. 178–179 (Or. an Kurpfalz; präs. 6.5.1575). LHA Koblenz, Bestand 1C, Nr. 16330, pag. 27–29 (Or. an Kurtrier; präs. Koblenz, 9.5.1575). HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 291–292 (Or. an Kurmainz; präs. Aschaffenburg, 4.5.1575). Druck: Schneidt , Geschichte, 312–314. Zitate aus dem Exemplar für Kurmainz, fol. 291 f. – In ihren Antworten auf das erste Ausschreiben sagten die Kff. von Brandenburg und Sachsen ihr persönliches Erscheinen zu und baten Kf. Daniel, den Wunsch des Ks. nach Verlegung und Vertagung der Versammlung zu berücksichtigen und sich bei den rheinischen Kff. dafür einzusetzen. Kf. Johann Georg von Brandenburg (Zossen, 3.5.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 341–342. Or.; präs. Mainz, 24.5.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 277–280. Kf. August von Sachsen (Annaburg, 8.5.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 311–312. Or.; präs. Mainz, 18.5.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 318–320.
    31
    Vgl. die Relation Hegenmüllers aus Mainz vom 24.5.1575 (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 148–151. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 307–312). Zu den von Kf. Daniel vorgebrachten Gründen vgl. auch seine Schreiben an den Ks. vom 20.4. (vgl. oben Anm. 24) und 27.4.1575 (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 118'–120'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 250–254). Dort heißt es unter anderem, dass das ksl. Schreiben vom 30.3. zwanzig Tage unterwegs gewesen sei und ihn zu spät erreicht habe.
    32
    Mainz, 20.6.1575: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 145' f. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 301–303.
    33
    Vgl. Kf. Daniel von Mainz an Ks. Maximilian II. (Mainz, 23.5.1575): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 144' f. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 299–301.
    34
    Ks. Maximilian II. an Kf. Daniel von Mainz (Prag, 4.6.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 359 f. Or.; präs. Mainz, 11.6.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 303–305. Bei den Kff. von Sachsen und Brandenburg, die vom Ks. über seinen Briefwechsel mit Mainz informiert wurden, löste dies Verwirrung darüber aus, ob nun der 16. oder 26.9. als Termin festgelegt werden sollte. Kf. August schrieb noch am 2.7.1575 aus Annaburg an Kf. Johann Georg (HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 242. Kop.): „worin nun der irthumb und wo bey es bleibenn soll, wird des churfurstenn Meintzen ausschreiben erklerenn, darnach wier uns auch allerseits zu richttenn.“
    35
    Als letzte traf die Antwort Kf. Friedrichs III. von der Pfalz ein, der zustimmte, „obwol wir lieber gesehen, es bei gethanem e. L. ußschreiben unnd also dem benenten ordenlichen platzs verplieben were“ (Kf. Friedrich III. von der Pfalz an Kf. Daniel von Mainz; Heidelberg, 18.6.1575: HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 371. Or.; präs. Mainz, 20.6.1575). Zur Zustimmung des Pfälzers vgl. auch das Antwortschreiben Kf. Friedrichs an den Ks. (Heidelberg, 17.6.1575: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 166' f. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 341 f.) sowie die Relation Hegenmüllers über seine Mission bei Kurpfalz vom 7.6. (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 165' f. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 339–341).
    36
    Mainz, 24.6.1575: HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 243 f., 245 (Or. an Kursachsen; präs. Annaburg, 5.7.1575). LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8, fol. 63–64 (Or. an Kurköln; präs. Erwitte, 6.7.1575). LHA Koblenz, Bestand 1C, Nr. 16330, pag. 51–53 (Or. an Kurtrier; präs. Koblenz, 12.7.1575). GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. B, fol. 257–258 (Or. an Kurbrandenburg; präs. Beelitz, 9.7.1575). HStA München, K. blau 110/6, fol. 236–237 (Or. an Kurpfalz; präs. 5.7.1575). Konz. mit zunächst offengelassenem Termin, dann mit dem Datum Freitag, 16.9., korrigiert zu Montag, 26.9.: HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 335–336'. Konz. der Version für Kursachsen und Kurbrandenburg mit leichten Abweichungen in der Formulierung: HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 434–435. – Zitate aus dem Exemplar für Kursachsen.
    37
    Die Konzeptkopie und die Originale seines auf den 7.6. datierten Werbungsschreibens für die Kff. von Köln, Trier und Pfalz übersandte der Ks. am 4.6. an Kf. Daniel (vgl. oben Anm. 34, Beilage: HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 361 f. Druck: Schneidt , Geschichte, 305 f.). Ein älteres Konz., mit Verweis auf den für Mitte Juli geplanten Beginn der Versammlung und noch ohne Nennung des Tagungsortes, ist überliefert in HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 432 f. Konzeptkop. In einer Kopie aus der ksl. Überlieferung HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 72' f. heißt es dazu in einer Anm.: „Disß ausschreiben ist nit ausgangen, weil Maintz ausgeschriben nobis non expectatis, darumb hernach in translatione loci et prorogatione temporis ein anders geferttigt worden etc.“ Druck: Schneidt , Geschichte, 155 f. – Das von Kurmainz übersandte Or. des ksl. Nebenersuchens aus Prag vom 7.6.1575 für Kurköln ist überliefert in LAV NRW R, Kurköln V, Nr. 8, fol. 66–67 (präs. Arnsberg, 13.7.1575), das Or. für Kurtrier ist nicht erhalten, das Or. für Kurpfalz wurde von Kurmainz nicht weitergeleitet, da sich die Mission Hegenmüllers in Heidelberg verzögerte und Kf. Daniel vermeiden wollte, dass Kf. Friedrich das ksl. Nebenersuchen erhielt, bevor er seine Zustimmung zur Verlegung des Kurfürstentags nach Regensburg erteilt hatte (vgl. Kf. Daniel von Mainz an Ks. Maximilian II.; Mainz, 11.8.1575: HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 194'–196. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 387–390). Die Kff. von Sachsen und Brandenburg wurden vom Ks. ebenfalls gebeten, die Versammlung persönlich zu besuchen; Prag, 4.6.1575: HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 225 f. (Or. an Kursachsen; präs. Annaburg, 9.6.1575); Prag, 7.6.1575: GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. B, fol. 228 f. (Or. an Kurbrandenburg; präs. Letzlingen, 17.6.1575).
    38
    Vgl. Kf. Daniel von Mainz an Ks. Maximilian (Mainz, 22.7.1575): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 190–191. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 380 f. Dort als Beilagen die bei ihm eingegangenen Zusagen der Kff. von Köln (Erwitte, 6.7.1575; HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 373. Or.; präs. Mainz, 11.7.1575), Pfalz (Heidelberg, 18.6.1575 [als Antwort auf die Werbung Hegenmüllers]: Ebd., fol. 371. Or.; präs. Mainz, 20.6.), Sachsen (Annaburg, 6.7.1575: Ebd., fol. 380. Or.; präs. Mainz, 19.7.1575) und Kurbrandenburg (Beelitz, 10.7.1575: Ebd., fol. 382 f. Or.; präs. Mainz, 21.7.1575).
    39
    Die entsprechende Korrespondenz Kf. Jakobs mit Ks. Maximilian II. und Kf. Daniel von Mainz in HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 184'–187, 192'–194', 196–197'. Kopp. Das Zitat aus dem ksl. Schreiben an Kf. Jakob vom 30.7.: Ebd., fol. 186'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 370–374, 383–387, 390–392. Vgl. Moritz , Wahl, 101 f.
    40
    Antwort Ks. Maximilians II. auf die Zusage des Kf. von Trier (Prag, 18.8.1575): LHA Koblenz, Bestand 1C, Nr. 16330, pag. 95–98, hier 97. Or. Druck: Schneidt , Geschichte, 385–387. Vgl. auch Ks. Maximilian II. an Kf. August von Sachsen (Prag, 18.8.1575): HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10675/1, fol. 290–291. Or.; präs. Mühlberg, 23.8.1575. – Der Abschied des ksl. Kommissars und der kfl. und f. Räte (Frankfurt, 3.10.1575): HStA München, K. blau 100/1, 41–45'. Kop. Vgl. Kopien ihrer Schreiben vom 2.10. an die Befehlshaber Hg. Heinrich von Guise und Wolff Heinrich von Affenstein an den oberrheinischen Kreisobristen Gf. Ernst von Solms sowie an kursächsische und kurbrandenburgische Räte ebd., fol. 33–40'.
    41
    Vgl. die Berichte Hegenmüllers an Ks. Maximilian II. vom 24.5. (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 148–151, hier 150–151. Kop.) und 7.6.1575 (ebd., fol. 165' f., hier 166. Kop.).
    42
    Kf. Friedrich III. von der Pfalz an Ks. Maximilian II. (Heidelberg, 7.9.1575): HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol. 201 f., hier 201. Kop.
    43
    Kf. Friedrich III. von der Pfalz an Pfgf. Ludwig (Heidelberg, 14.9.1575): HStA München, K. blau 110/6, fol. 322 f. Konz. Am selben Tag informierte er darüber auch Kf. Daniel (ebd., fol. 320. Konz.). Vgl. auch seine Schreiben an Lgf. Wilhelm IV. von Hessen-Kassel (Heidelberg, 20.9.1575: Kluckhohn , Briefe II, Nr. 835 S. 853–855, hier 852) und an seinen Sohn Pfgf. Ludwig (Heidelberg, 27.9.1575: HStA München, K. blau 100/1, fol. 12–13'. Kop. Druck: Kluckhohn , Briefe II, Nr. 838 S. 873–875).
    44
    Moritz , Wahl, 118 f. Vgl. auch unten Kap. 3.3.
    45
    Kf. Johann Georg von Brandenburg an Kf. August von Sachsen (o. O., 2.9.1575): HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 10674/10. Eigenhd. Or., unfol. Die Antwort Kf. Augusts (Mühlberg, 4.9.1575): GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. B, fol. 310 f. Eigenhd. Or. Vgl. Moritz , Wahl, 102 f. – Sabina von Brandenburg-Ansbach war die Stieftochter von Aemilia, einer Schwester Kf. Augusts von Sachsen ( Europäische Stammtafeln , N. F. I.1, Tafeln 130, 139, 167).
    46
    Kf. Johann Georg von Brandenburg an Ks. Maximilian II. (7.9.1575): GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 77–78. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 415–417. – Ks. Maximilian II. an Kf. Johann Georg von Brandenburg (Prag, 15.9.1575): GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 1 Fasz. B, fol. 333–334. Or.; präs. Berlin, 20.9.1575. Teildruck: Schneidt , Geschichte, 414; (Prag, 18.9.1575): Ebd., fol. 335 f. Or.; präs. Kemnath, 30.9.1575. Druck: Schneidt , Geschichte, 418 f.
    47
    Kredenzbrief für die brandenburgischen Gesandten (Cölln an der Spree, 10.9.1575): GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 78'. Kop. Druck: Schneidt , Geschichte, 364 f. – Vollmacht für die brandenburgischen Gesandten (Cölln an der Spree, 10.9.1575): HHStA Wien, MEA, WuKA 6-2, fol. 436. Or.; der Mainzer Kanzlei präs. Regensburg, 3.10.1575. – In der schließlich nicht benötigten Instruktion (Cölln an der Spree, 10.9.1575: GStA PK Berlin, I. HA Geheimer Rat, Rep. 10, Nr. Kk 2 Fasz. A, fol. 79 f. Kop.) gibt Kf. Johann Georg seinen Gesandten keine konkreten Anweisungen, wie sie sich bei den Verhandlungen zur Wahl verhalten sollen, sondern weist sie an, „dieweill wir ihnen ein buch, darinne gleichmessige hiebevor furgelauffene Reichs tractaten beschrieben, anstadt der instruction zustellen lassen, so werdenn sie sich, was auf furstossenden furlauf in sachen zuthun, auß demselbigen allendhalben weittere notturfftige nachrichtunge zunehmen [...] wissen.“

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    « Š2. Vorbereitung und Einberufung »

    «2.1 Verhandlungen zur Einberufung »

    Der Gedanke, zu Lebzeiten des amtierenden Kaisers Maximilian II. einen Wahltag durchzuführen und die Nachfolge im Reich für das Haus Österreich zu sichern, reicht bis in den Herbst des Jahres 1569 zurück, als der Kaiser von seinen Ratgebern gemahnt wurde, sich möglichst bald um die Sukzessionsfrage zu kümmern, um den Gefahren eines Interregnums vorzubeugen1.

    Auslöser dieser Überlegung war der angegriffene Gesundheitszustand Maximilians II., der bereits seit Jahren an chronischen Herzbeschwerden und Gicht sowie an Leber- und Nierenbeschwerden litt2. Die Herzschwäche machte dem Kaiser seit den 1570er Jahren immer mehr zu schaffen und je häufiger und lebensbedrohlicher die Anfälle wurden, desto dringlicher erschien die Wahl eines Nachfolgers. Dieser Ansicht war auch Kurfürst August von Sachsen, der an einer reibungslosen Regelung der Nachfolge im Reich, die die politische Stabilität gewährleistete, besonders interessiert war. Während seiner Reise nach Wien im Frühjahr 1573 signalisierte er dem Kaiser, mit dem ihn seit der Jugend ein freundschaftliches Verhältnis verband3, dass er die Wahl eines Nachfolgers Šbefürwortete, für die der Hof zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine konkreten Vorbereitungen einleitete4.

    Zu Beginn des darauffolgenden Jahrs unternahm Kurfürst August einen Vorstoß beim Mainzer Erzbischof Daniel Brendel von Homburg, dem als Reichserzkanzler die Einberufung einer Kurfürstenversammlung zukam5 und den er davon überzeugte, dass angesichts des labilen Gesundheitszustands Maximilians II. rechtzeitig an einen Nachfolger gedacht werden müsse. Auch Kurfürst Johann Georg von Brandenburg wurde ins Vertrauen gezogen, der sich der Ansicht seiner Kollegen anschloss, dass ein die innere und äußere Sicherheit des Reichs gefährdendes Interregnum zu verhindern sei. Die für die Regelung der Sukzessionsfrage besonders wichtige Zustimmung der protestantischen Kurfürsten war damit bereits erreicht, da die lutherischen Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg ihren reformierten Kollegen Friedrich III. von der Pfalz überstimmen konnten, der ein Gegner der habsburgischen Sukzessionswünsche war und als Reichsvikar Interesse an einem Interregnum hatte. Um nicht vorzeitig den Verdacht des widerspenstigen Pfälzers zu erregen, hatte Kurfürst August von Sachsen zunächst erwogen, die Versammlung zwar mit Billigung des Kaisers, jedoch ohne seine formelle Mitwirkung vorzubereiten. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass durch die römische Königswahl vivente imperatore gegen das Recht der Kurfürsten auf eine freie Wahl oder gegen das Vikariatsrecht des Pfälzers verstoßen würde6. Kurfürst Johann Georg und ŠKurfürst Daniel hielten es jedoch für besser, dass nicht Kurmainz, sondern der Kaiser die Vorbereitungen für eine Königswahl in die Hand nahm und den Konsens aller Kurfürsten einholte7. Die folgenden Schritte zur Vorbereitung des Kurfürstentags, der kurz nach der Erhebung Rudolfs zum böhmischen König stattfinden sollte8, erfolgten anschließend in enger Kooperation des Kaisers mit den Kurfürsten von Mainz und Sachsen, die von Maximilian II. mehrfach um ihre Stellungnahme gebeten wurden9. Diskutiert wurde unter anderem die Frage, ob der älteste Sohn des Kaisers ausdrücklich als Kandidat genannt werden sollte oder nicht, da die protestantischen Kurfürsten Vorbehalte gegen den in Spanien streng katholisch erzogenen Rudolf hegten und an seiner Eignung zweifelten10. Der Mainzer Erzbischof verwies auf das Prinzip der freien Wahl der Kurfürsten und riet dem Kaiser davon ab, den Namen seines Sohnes in den Wahlwerbungen zu erwähnen11. Die kaiserlichen Kommissare, die im November 1574 abgefertigt wurden, sollten den Kurfürsten vom angegriffenen Gesundheitszustand des Kaisers berichten und ihnen mitteilen, dass er zur Sicherung der inneren und äußeren Stabilität des Reichs nach dem Vorbild früherer Wahlen seine Nachfolge regeln und den Mainzer Erzbischof um die Ausschreibung einer Kollegialversammlung bitten wolle. Die zu den geistlichen Kurfürsten entsandten Kommissare sollten in informellen Gesprächen für die Wahl Rudolfs werben und das spanisch geprägte Umfeld des Erzherzogs gegebenenfalls herunterspielen12.

    ŠWährend die Kurfürsten von Köln und Trier, Salentin von Isenburg und Jakob III. von Eltz, bereits im Sommer des Jahres vom Mainzer Erzkanzler eingeweiht worden waren, wurde nun auch Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz offiziell über den geplanten Wahltag informiert, von dem er bis dahin lediglich Gerüchte vernommen hatte13, nicht wissend, dass seine beiden Kollegen im protestantischen Lager, die lutherischen Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg, bereits seit langem ihre Zustimmung dazu erteilt hatten. Entgegen den Bestimmungen des Kurvereins, hatten ihn seine Mitkurfürsten bis dahin erfolgreich von den Vorbereitungen ausgeschlossen, da sie mit Recht befürchteten, dass er wie bei der letzten Wahl 1562, auch diesmal versuchen würde, eine Wahl vivente imperatore zu durchkreuzen14. Tatsächlich bemühte er sich, Zeit zu gewinnen und schlug vor, zunächst eine Konferenz kurfürstlicher Räte einzuberufen, die über eine gemeinsame Resolution der Kurfürsten auf das Ersuchen des Kaisers beraten sollten15. Seine Kollegen lehnten diesen Vorschlag einhellig ab und plädierten für ein Treffen, bei dem nach der Klärung der Frage, ob ein Nachfolger zu wählen sei, direkt im Anschluss eine Wahl durchgeführt werden sollte. In ihren Antworten gegenüber den kaiserlichen Gesandten stimmten sie der Ausschreibung eines Kurfürstentags zu und versprachen, persönlich dort zu erscheinen, um über die Administration des Reichs zu beraten. Den Bestimmungen des Kurvereins entsprechend wollten sie sich zu weitergehenden inhaltlichen Fragen nicht konkret äußern und beließen es bei unverbindlichen Antworten auf die kaiserlichen Werbungen16. Der pfälzische ŠKurfürst, der die Sukzessionsfrage nicht für akut hielt, blieb mit seiner Position isoliert17, konnte es aber nicht vermeiden, den kaiserlichen Gesandten Harrach und Hegenmüller, die ihn von den Vorteilen der Wahl überzeugen und seine Zustimmung zur Ausschreibung einholen sollten, sein persönliches Erscheinen zuzusagen, allerdings unter der Bedingung, dass das herkömmliche Prozedere der Ausschreibung eingehalten und auch alle anderen Kurfürsten persönlich teilnehmen würden18. Kurfürst August von Sachsen beschrieb die Situation des pfälzischen Kurfürsten folgendermaßen: „So weren der churfursten funff fast aines sinns und darumb wurde er selbs kommen oder seine räthe schicken muessen, und funff der churfursten köntten den sechsten zu sich bereden, wann er auch schon nit wolte.“19

    « Š2.2 Erstes und zweites Ausschreiben des Mainzer Erzkanzlers »

    Nachdem alle Kurfürsten ihre Zustimmung zur Austragung einer Kollegialversammlung erteilt hatten, mussten noch Tagungsort und -termin festgelegt und ein entsprechendes Einladungsschreiben an die Kurfürsten aufgesetzt werden20.

    Kurfürst Daniel von Mainz, dem als Reichserzkanzler die Einberufung des Kurfürstentags oblag, äußerte im Dezember 1574 gegenüber den kaiserlichen Kommissaren Bedenken, die Versammlung nach Frankfurt auszuschreiben, da dort die Pest herrsche und mit logistischen Problemen zu rechnen sei. Dennoch mochte er der Anregung der kaiserlichen Gesandten, die Nürnberg als Austragungsort vorschlugen, nicht folgen – nicht zuletzt, weil mit Protest des Pfälzer Kurfürsten zu rechnen war, falls man von dem in der Goldenen Bulle festgelegten Wahlort Frankfurt abwich21. Obwohl sich der gesundheitlich angeschlagene Kaiser die bequem auf dem Wasserweg zu erreichende Reichsstadt Regensburg als Versammlungsort wünschte22 und auch die Kurfürsten von Trier, Köln und Sachsen keine Bedenken gegen eine Verlegung äußerten, scheute sich der Erzkanzler, ohne die ausdrückliche Zustimmung seiner Kollegen den Austragungsort zu ändern, da man – sollten sich die Kurfürsten wie erwartet zur Wahl eines Nachfolgers entschließen –, den Vorgaben der Goldenen Bulle folgen und in Frankfurt wählen müsse. Er war daher entschlossen, den Kurfürstentag nach Frankfurt auszuschreiben, und bat Mitte März den Kaiser um seine Zustimmung. Die Versammlung, so fügte er hinzu, könne später nach Nürnberg verlegt werden, falls Maximilian II. die weitere Reise nicht auf sich nehmen könne oder die Seuche in Frankfurt anhalten sollte, wozu dann jedoch die Einwilligung Šinsbesondere der rheinischen Kurfürsten einzuholen sei23. Da der Mainzer zunächst keine Antwort erhielt und er gemäß den Vorgaben der Goldenen Bulle die Einladung drei Monate vor Beginn des geplanten Kurfürstentags abzuschicken hatte, lud Kurfürst Daniel Mitte April 1575 seine Kollegen für den 29. Juli nach Frankfurt ein24. Die vorläufige Antwort Maximilians II., nämlich dass er vor seiner endgültigen Entscheidung die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg in Dresden treffen und mit ihnen über den Versammlungsort des Kurfürstentags beraten wolle, erreichte den Mainzer erst danach25. Als der Kaiser nach seiner Rückkehr aus Dresden Ende April26 von der bereits erfolgten Ausschreibung erfuhr, entschuldigte er sich bei Sachsen und Brandenburg, mit denen er Regensburg als Austragungsort vereinbart hatte und monierte, dass Šder Mainzer Erzkanzler das Ladungsschreiben „unerwartet unser entlichen erclerung von wegen des plaz der zusamenkonfft, deßgleichen auch unserer selbst schreiben, die wir an alle churfursten danebens zuthun und s. L. zuzuschicken uns erpotten“ abgeschickt habe, „zumall dieweil one das die zeit von wegen unserer behaimischen handlungen muste baß hinaus gerucket werden.“27 Der Empfehlung des Kurfürsten von Sachsen28 und dem Wunsch des Erzkanzlers folgend schickte Maximilian II. seinen Rat Dr. Johann Hegenmüller zu den rheinischen Kurfürsten, um ihre Einwilligung zur Verlegung nach Regensburg und zur Verschiebung des Termins einzuholen29. Gleichzeitig schrieben die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg an ihre rheinischen Kollegen, dass in Frankfurt „die abscheuliche kranckheit der pestilenz ein gutte zeit regiret, auch die sterblichen leuffte des orts noch nicht auffhören“ und dass sie beim Besuch des Kaisers in Dresden gesehen hätten, „das ihrer Mt. weit zureisen und sich ubrig zubewegen nicht alleine ungelegen, sondern auch gevehrlich sey“. Sie seien dafür, dem Wunsch des Kaisers um Verlegung der Versammlung nach Regensburg zu entsprechen, um ihm den „weiten, rauhen und bösen weg“ nach Frankfurt zu ersparen, zumal es dort „von wegen sterbens leufften nicht sicher und uns allen oder den unsern leichtlich ein fall begegnen möchte, so hernach nicht zuersetzen“. Sie äußerten daher die Bitte, der Verlegung nach Regensburg mittels eines entsprechenden zweiten Ausschreibens durch Kurmainz zuzustimmen30. Zu Pfingsten traf Hegenmüller bei Kurfürsten Daniel ein, der Šsich ausgiebig dafür entschuldigte, das erste Ausschreiben so früh abgeschickt zu haben31. Gemeinsam formulierten sie den Entwurf für ein auf den 20. Juni datiertes zweites Ausschreiben, in dem die Kurfürsten für den 16. September nach Regensburg eingeladen wurden32 und das der Mainzer Erzkanzler am 23. Mai zur Begutachtung an den Kaiser schickte33. Dieser hatte keine weiteren Einwände, äußerte aber den Wunsch, den Beginn der Versammlung auf den 26. September zu verlegen, „von wegen langsamen vortgangs unserer behaimischen handlung und danebens damit von dato des ausschreibens biß zu dem termin der zusamenkonfft weniger nitt als drey monat zeit seye“34. Nachdem Hegenmüller seine Mission zu den rheinischen Kurfürsten beendet und diese dem Kaiser und dem Mainzer Erzkanzler ihre Zustimmung zur Änderung des Tagungsorts mitgeteilt hatten35, konnte Kurfürst Daniel schließlich das zweite Ausschreiben abschicken. In seiner Einladung, die nicht wie zunächst geplant auf den 20., sondern auf den 24. Juni datiert ist, führt er aus, dass der Kaiser wegen seiner „täglich zunehmenden, auch augenscheinlich ereugennden leibsschwacheitt unnd unvormüglicheitt“ nicht in der Lage sei, die weite Reise nach Frankfurt „one sondere leybsgevar“ zu unternehmen. Da der Kaiser außerdem Angelegenheiten in Böhmen erledigen müsse, habe er seine Bitte erfüllt und die Zusammenkunft nach Regensburg verlegt und auf den 29. September vertagt, „des verhoffenns, e. L. irer selbst gethanen erclerung nach, demselbigen gehorsame volge mitt erscheinung irer selbst person laisten unnd was zu gemainer Šwolfartt erschießlich ires thails helffen zubedenncken, zuberhatschlagen unnd zu schliessen, nichts erwinden laßen werden“36.

    «2.3 Werbungen des Kaisers um die persönliche Teilnahme der Kurfürsten »

    Zur Unterstützung des Mainzer Einladungsschreibens und um einen reibungslosen Ablauf der Versammlung zu ermöglichen, verfasste Kaiser Maximilian II. Anfang Juni 1575 ein „Nebenersuchen“, in dem er die Kurfürsten um ihr persönliches und pünktliches Erscheinen bat37.

    Die Kurfürsten von Köln, Pfalz, Sachsen und Brandenburg folgten dieser Aufforderung und sagten zu, die Versammlung persönlich besuchen zu wollen38. Lediglich Kurfürst Jakob von Trier ließ in seiner Antwort an den Kaiser Švom 8. Juli offen, ob er angesichts seiner angegriffenen Gesundheit und des bei der winterlichen Witterung beschwerlichen Wegs sowie mit Rücksicht auf die hohen Kosten und die erwarteten Durchzüge französischer Truppen die Reise zum Kurfürstentag antreten würde. Erst nachdem der Kaiser ihn Ende Juli ermahnte, er möge bei seiner früheren Zusage bleiben und sich die von ihm angeführten Schwierigkeiten „nit schwerer als sie seindt einbilden“ und auch der von Maximilian eingeschaltete Mainzer Erzkanzler der kaiserlichen Aufforderung Nachdruck verlieh, sagte auch der Kurfürst von Trier am 9. August zu, die Reise nach Regensburg anzutreten39. Den Befürchtungen Kurtriers und der anderen rheinischen Kurfürsten, die sich wegen der Truppenwerbungen für den Krieg in Frankreich sorgten und ihr Territorium nur ungern verließen, begegnete Maximilian II. mit der Entsendung kaiserlicher Kommissare, die in Frankfurt gemeinsam mit mainzischen, pfälzischen und hessischen Räten „der an- unnd durchzüg vleissig warnemmen, dem kriegsvolck under augen rucken unnd mit hilff unnd zuethun der kraisöbristen dasselbig zulaistung der gepür unnd getrentem unschedlichem durchtzug anhalten sollen“40.

    Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz, an dessen Erscheinen der kaiserliche Rat Hegenmüller und auch der Mainzer Erzkanzler Zweifel hegten41, erneuerte am 7. September seine Bereitschaft, persönlich an der geplanten Zusammenkunft teilzunehmen, fügte aber – wie bei seiner ersten Zusage vom Juni – einschränkend hinzu: falls „bemelte meine leibsungelegenheit nit böser würdt“42. Bereits einige Tage später überfiel ihn jedoch „ganz unversehenlich ein so hefftiger catarr“, dass er seine für den 16. September geplante Abreise zum Kurfürstentag absagen und seinen Sohn Pfalzgraf Ludwig als Vertreter nach Regensburg schicken musste43. Die Vermutung, dass seine Krankheit für Friedrich III. nur Šein Vorwand gewesen sei, um auf der Kurfürstenversammlung nicht persönlich erscheinen zu müssen, findet in den kurpfälzischen Akten keine Bestätigung44.

    Lange Zeit unsicher war auch die Teilnahme Kurfürst Johann Georgs von Brandenburg. Dieser wollte seine lebensbedrohlich erkrankte Frau Sabina nicht alleine lassen und bat Anfang September Kurfürst August von Sachsen um Rat, wie er mit der Situation umgehen solle. Dieser riet ihm davon ab, seinen Sohn als Vertreter nach Regensburg zu entsenden, und empfahl ihm, bevollmächtigte Räte nach Regensburg vorauszuschicken und dann selbst nach Möglichkeit so schnell wie möglich nachzukommen45. Johann Georg folgte dieser Empfehlung und benachrichtigte am 7. September den Kaiser, der ihn inständig darum bat, trotz der Krankheit seiner Frau nach Regensburg zu kommen46. Nachdem er seine Räte mit den entsprechenden Vollmachten und Instruktionen47 vorausgeschickt hatte, brach der Kurfürst von Brandenburg am 21. September nach Regensburg auf, wo er noch rechtzeitig vor der erneut verschobenen Eröffnung der Versammlung am Morgen des 5. Oktober eintraf.