Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    «1. Romzug »

    1.1. Aktionen König Maximilians im Reich/Verhandlungen mit Reichsständen »

    «Nr. 1 Instruktion Kg. Maximilians für Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Johann Truchseß Frh. von Waldburg-Zeil, Wolfgang von Zülnhart (Domdechant zu Augsburg), Degen Fuchs von Fuchsberg (kgl. Hauptmann zu Kufstein) und Hans von Landau (kgl. Vogt zu Triberg) als Gesandte zum Schwäbischen Bundestag in Schwäbisch Hall »

    Die Gesandten sollen mitteilen, daß er beabsichtigt, zum Empfang der Kaiserkrone nach Rom zu ziehen, und dafür bereits konkrete Vorbereitungen trifft. Ihm ist bewußt, daß Venedig und ein Großteil Italiens gegen ihn sind und zur Partei des frz. Kg. gehören. Dieser hat 6000 Schweizer Söldner bestellt; das für sie bestimmte Geld liegt in Lyon (Leon)a bereit. Seine Gegenspieler wollen ihn an seinem Romzug hindern und ihn angreifen, sobald er die Alpen überschreitet.
    Da diese Sache nicht nur ihn selbst, sondern ganz Deutschland (gmaine teusche land) betrifft, bittet er um eine verbindliche Zusage über eine Bundeshilfe, um gemeinsam mit den erbländischen Truppen einen eventuellen Angriff der Eidgenossen zurückschlagen und den Romzug durchführen zu können. Er wird daraufhin Leute anwerben und seine Partei in Italien vorbereiten, damit er stark genug ist, um den Romzug ungeachtet des frz. Kg. sicher durchführen zu können. Er wird sich nicht länger als acht Tage in Rom aufhalten und ihnen dann mit allen seinen Truppen zu Hilfe kommen. Die Räte sollen dieses Anliegen mit allem Nachdruck vertreten und über die Antwort des Bundes unverzüglich berichten.

    Knittelfeld, 13. Oktober 1506.
    Bamberg, StA, C 3, Nr. 625, fol. 75–75’ (Kop. mit imit. Verm. amdrp. und Gegenz. J. Renner) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 2017, fol. 340–340’ (Kop.) = B. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [14] Schwäbischer Bund (Jan.-Okt. 1506), unfol. (Kop. mit imit. Verm. amdrp.) = C. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 88, unfol. (Kop., Provenienz Esslingen). Stuttgart, HStA, J 9, Bd. 25, Stück-Nr. 42 (Kop. mit imit. Verm. amdrp., Provenienz Ulm).
    Druck: Klüpfel, Urkunden I, S. 553f. = D.

    «Nr. 2 Weisung Kg. Maximilians an Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach, Johann Truchseß Frh. von Waldburg-Zeil, Wolfgang von Zülnhart, Degen Fuchs von Fuchsberg und Hans von Landau »

    Der Schwäbische Bund hat früher auf ähnliche Anliegen, wie in der ihnen jüngst übersandten Instruktion [Nr. 1] und Kredenz formuliert, die Einberufung der Reichsstände und Forderung nach einer Reichshilfe empfohlen.1 Sie sollen ggf. erklären, daß er sich mit Šeinem solchen Bescheid nicht zufriedengeben werde, da er sich auf sie als Bundesgenossen in besonderer Weise verlasse, zumal im Falle einer Hilfszusage des Bundes auch andere Freunde und Angehörige des Reiches Hilfe leisten würden. Darzu wollen wir nichtsdestmynder auf unserm Reichs tag, den wir ytzt, als wir inen vormals zu erkennen geben lassen, in kurz ausschreiben werden, mit den stenden des Reichs in solichem auch handeln, der unzweivelichen zuversicht, so sie uns ytzt hyerin zusagen ton, alsdann bey denselben stenden dest bass und fruchtbar unsern willen auch zu erlangen. Die Bundesstände sollen die Sache reiflich erwägen, er wird sich erkenntlich erzeigen.
    [PS] Falls er auf die Reichsstände warten müßte, wäre er gezwungen, seine Truppen zu entlassen, und das bisher für deren Unterhalt ausgegebene Geld wäre verschwendet.

    Zeiring, 14. Oktober 1506.
    Bamberg, StA, C 3, Nr. 625, fol. 74–74’ (Kop. mit imit. Verm. amdrp. und Gegenz. J. Renner) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 2017, fol. 340’-341 (Kop.) = B. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [14] Schwäbischer Bund (Jan.-Okt. 1506), unfol. (Kop. mit imit. Verm. amdrp.) = C. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 88, unfol. (Kop., Provenienz Esslingen). Stuttgart, HStA, J 9, Bd. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Provenienz Ulm).
    Druck: Klüpfel, Urkunden I, S. 554f.; Datt, De pace publica, S. 562–567.

    «Nr. 3 Antwort des Schwäbischen Bundes an die kgl. Gesandten »

    Der röm. Kg. bat durch seine Gesandten gemäß kgl. Instruktion und Schreiben [Nrr. 1f.] um Rat und Hilfe für seinen Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone. Die Bundesversammlung gab nach Beratung folgende Antwort: Sie haben auf den Bundestagen in Ulm1 und Donauwörth2 (Weerd) wie auch jetzt hier in Schwäbisch Hall die Absicht des Kg. zum Romzug vernommen und sind erfreut, daß der Kg. zur Ehre und zum Nutzen seiner selbst Šwie des Hl. Reiches die Kaiserkrone erlangen will. Der Kg. hat in Ulm und Donauwörth darum gebeten, Vorkehrungen für den Fall eines Angriffes auf die kgl. Erblande, Angehörige des Bundes oder das Reich während seiner Abwesenheit zu treffen. Die damals gegebene wohlerwogene Antwort der Versammlung weiß man jetzt nicht zu verbessern. Da es sich um eine Angelegenheit des ganzen Reiches handelt, lautet ihr Rat, daß negative Konsequenzen und Beschwerden am besten vermieden werden könnten, wenn der Kg. seine Absicht zum Romzug den Reichsständen bekanntgeben und einen RT einberufen würde. Dort könnte über Maßnahmen für die Dauer seiner Abwesenheit beraten werden. Sie sind zuversichtlich, daß die Reichsstände dem Kg. bei seinem löblichen Unternehmen Hilfe leisten werden, wie auch die Bundesstände zur Ehre und zum Nutzen des Kg. das Ihre dazu beitragen wollen. Der RT kann mit Hinblick auf den Romzug wirkungsvoller und mit weitaus abschreckenderer Wirkung auf die Reichsfeinde agieren als der Schwäbische Bund allein. Der Bund ist zu schwach, um auf sich gestellt tätig zu werden, besonders wenn es sich um so mächtige Länder handelt, wie sie in der kgl. Instruktion genannt werden. Der Kg. ist über die gegenseitigen Bündnispflichten informiert. Die Versammlung ist nicht befugt, daran etwas zu ändern. Falls die kgl. Erblande angegriffen werden, wird der Bund zweifellos gemäß seiner Satzung Hilfe leisten, wie dies bereits in Ulm erklärt wurde. Bitten den Kg., diese Antwort zu akzeptieren.
    Die kgl. Gesandten gaben sich mit dieser schriftlich übergebenen Antwort der Bundesversammlung nicht zufrieden und wiesen darauf hin, daß die Empfehlung zur Veranstaltung eines RT schon früher gegeben worden sei, der Kg. sich jedoch damit unter Hinweis auf sein besonderes Verhältnis zum Bund nicht habe begnügen wollen. Man solle ohne weiteren Verzug eine konkrete Bundeshilfe für den Fall eines Angriffes auf die kgl. Erblande oder einen Bundesangehörigen beschließen und die Hauptleute verpflichten, damit die bundsverwandten nit ubereylt werden, als im Schweizer krieg beschehen sey etc.3 
    Nach erneuter Beratung beließ es die Bundesversammlung bei ihrer vorherigen Antwort und erklärte, daß der Kg. davon mehr Nutzen haben werde, als wenn jetzt gemäß dem Antrag der kgl. Gesandten weiterverhandelt würde. Diese wurden gebeten, die Entscheidung des Bundes dem Kg. mitzuteilen.

    Schwäbisch Hall, 16. Oktober 1506 (auf Galli).
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [14] Schwäbischer Bund (Jan.-Okt. 1506), unfol. (Kop., Dorsalverm.: Bunds-Abschid des tags zu Hall auf Galli Ao. etc. VIto Ks. Maximiliani begerter hülf halben.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 88, unfol. (Kop., Provenienz Esslingen) = B. Stuttgart, HStA, J 9, Bd. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Provenienz Ulm) = C.

    «Nr. 4 Entwurf/Memorial Kg. Maximilians für das RT-Ausschreiben »

    [1.] Beschluß des Kölner RT 1505 über eine Reichshilfe gegen Ungarn, Kriegsvorbereitungen Kg. Maximilians, vergebliche Bemühungen um eine diplomatische Sicherung der habsburgischen Erbansprüche, Eröffnung des Ungarnfeldzugs; [2.] Bruch des Hagenauer Vertrags von 1505 durch Kg. Ludwig von Frankreich, Frankreich als ŠVerbündeter Hg. Karls von Geldern im Krieg gegen das Haus Habsburg; [3.] Verhandlungen französischer Gesandter mit Kg. Maximilian über eine Fortsetzung des Bündnisses; [4.] Notwendigkeit zu Beratungen über das weitere Vorgehen gegenüber Frankreich angesichts des Widerstands Kg. Ludwigs und seiner italienischen Verbündeten gegen den Romzug Kg. Maximilians; [5.] Zusammenarbeit Venedigs und Frankreichs gegen Kg. Maximilian, Ablehnung eines gewaltsamen Romzuges Kg. Maximilians durch Papst Julius II.; [6.] Sperrung des Weges nach Rom durch Venedig, militärische Vorbereitungen Kg. Maximilians für den Romzug; [7.] Zug Papst Julius’ II. gegen Bologna, Verhandlungen einer Gesandtschaft Kg. Maximilians in der Stadt; [8.] Reise Kg. Ferdinands von Spanien nach Neapel, dessen Widerstand gegen die habsburgischen Ansprüche auf Neapel und Kastilien, dessen Agitation und Vorkehrungen gegen den geplanten Romzug Kg. Maximilians; [9.] Maßnahmen Kg. Ludwigs von Frankreich gegen den geplanten Romzug Kg. Maximilians; [10.] Agitation Frankreichs in Ungarn gegen Kg. Maximilian; [11.] Bemühungen Kg. Maximilians um die Durchführung des Romzugs; [12.] geringe Erfolgsaussichten für einen Romzug infolge des Todes Kg. Philipps von Kastilien; [13.] Aufforderung zur Teilnahme am Konstanzer RT; [14.] Notavermerk bezüglich der Notwendigkeit von Beratungen des RT über das weitere Vorgehen gegenüber Frankreich; [15.] Scheitern der bisherigen Verhandlungen mit den Eidgenossen; [16.] Wunsch nach Einsatz des St. Georgs-Ritterordens auf einem Kreuzzug gegen die Türken; [17.] Reise Kgin. Maria Biancas nach Konstanz.

    s.l., s.d., jedoch vor dem 27. Oktober 1506.1
    Wien, HHStA, Maximiliana 46, Fasz. XIV, fol. 11–20’ (eh. Konz.) = Textvorlage A.

    [1.] /11/ Unserem abschaed nach, so wier zu Coll myt dier und anderen unseren und des Hl. Reichs stenden getan haben, nemlich das dyselben stend uns ain klaene anzala volks IIII kotembreb uns dyselben zu bezalen2, etlichen ungrischen ierer pass, unkristenlichs furnemen, so sy wider uns und das Hl. Reich, deutsche nacion, auch darneben gegen ieren aygn heren und Kg. und ier selbs eer und wolfart, nachdem und dy wider die Turken grenizen, dy sy so hochlich verhert und pekriegt haben in vergangen zeiten und noch teglich solchs gebartend seyen, so haben wier uns zer stund gefuegt in unsere nidre Fmm. undc land des haus Osterreich und da unßer kriegsvolk van denselben land, auchd etlich unßer ohaimen, Kff. und Ff., dy wier myt uns gepracht, herab myt ainem merklichen zuelauf der lanczknecht auf etbavil tausent, Špaede zu ross und zu fuess, versamblt haben nachainander. Doch am ersten /11’/ santen wier Gf. Niclasen van Salm und den H. [Bartholomäus] van Pernek myt ainer clainer anzal zu ros und zu fues, auch veldgeschucz an dy grenizen des Kgr. Ungern und darauf durch schryft, do dyselben ungrischen zu Ofen versamlt warden, schraeb wier inen, das sy sich selbs wolten, auch ieren Kg. und uns, auch deutsche nazion pass pedenken und ier er, gluk, auch beyter ier aed, prief und sigl [halten], dy by aller belt offenbar waeren3, als wier solchs alles deiner L. und andern van des Hl. Reichs stenden, wie obstet, zu Kolen versamlt, solcher ier unpillich, unnaturlich furnemen und widerspennikait auf das lengst erclert haben4, dardurch wier jecz zumal weyter darvan umb kurze wegen nicht noch aynest meldung und auf dyzmal tuen wellen. Und also dyselben unglaubhaftigen Ungern ersuecht myt guetigen, mylden und gotlichen anzaigen, sy zu pebegen, solchs ier auch obangezaegt furnemen abzustellen und uns, ieren Kg., inen selbst, auch der ganzen cristenhait er und wolfart darin zu petrachten. /12/ Des sy aber aus ierem groben, unverstendigen ubermuet uns solchs abgeslagen haben und darauf dy ganz macht pey dem pluetigen sbert wider uns versamblt. Dardurch wier pebegt sein geborden, auch in rat aller der unseren gefunden, sy myt aller macht personlich zu uberziechen, doch der armen, onschuldigen leut zu verschonen, sunder auf den streyt zu ziehen, ob der almechtig Gott sy umb solche mystaten mit dem sbert des streyts zu strafen auf dyzmal zueschyken wolt. Also dem abermals nach haben wier personlich all unßer berhaftig volk und macht in das veld mytsambt haupt- und streytgeschucz im veld pey der Eysenstat und nemlich das haubtgeschucz auf wasser und land nach noturft dannen gerycht. Und haben erfodert zu aller ersten ain stat von Odenbourg, dy dan dy greniz helt gegen Osterreich und anfanks unsers lands Steyr, ut reliqua alias. 
    [2.] /12’/ Dyweyl wier nun am hertisten in veld wider dy Ungern in kriegshendlen stuenden, kam uns ware potschaft und anzaigen, das der Kg. van Frankrich dy rachtigung zu Hagenau5, in peybesene etbavil Kgg.6 und kuniklicher potschaften7, auch Šin pebeysen [!] zbayer pabstlicher legaten8, Kff.9, Ff., ander stend des Hl. Reichs in ainer gar merklichen anzal [geschlossen], zerprochen hett und H. Karlen von Egmont, der sich nent Hg. zu Geldern, pebegt, auch sein er, ayd, prief und sigl zu prechen10, im darum und darauf ain merklich anzal gelts gegeben und also in pebegt, umb daselb gelt volk aufzunemen, uns als röm. Kg., unseren sun als unseren und des Hl. Reichs pelehenden F.11 solch land in abesyn unser paeder als Hgg. zu Geldern mit gebolt abzudringen. Hat im auch darnach IIIIC kurisser und XVC franzosysch fuesknecht pey Rueprechten von Arenberg zuegesant, alles auf des Franzosen kost, solch /13/ land van dem Hl. Reich zu dringen und ain unerliche, ungegrunte paerson, dem Hl. Reich und deutscher nacion, auch zu schaden der loblichen heuser Osterreich und Burgundy in solche Fm. der cron zu Frankrich anhen[g]ig und dem Hl. Reich nachtaelig zu machen und zu pebegen.12 
    [3.] Und hat doch der pemelt Kg. van Frankrich zu uns und etlichen Kff. und andern stenden des Hl. Reichs13 ierf potschaft [geschickt] und inen anzaegen lassen, das er allaen den heyrat etc. zerprechen well und sunst wider kgl. Mt. nichts furnemen – das abermals erticht ist gebest. Und dy franzosisch potschaft, so pey uns gebest ist, ser hochlich verbundert hat dy unpestendikait ieres Kg., so er also myt Geldern wider uns, Šunseren sun und das ganz Hl. Reich gehandlt hat und er inen doch uns zu sagen uber dy heyrat vil guets und liebs pevolhen het. Darauf wier sy dan auf ier werbung kain antbort geben haben wellen, in ansehen, das wier wol gruntlich pericht haben, /13’/ das der tractat, zu Hagenau gemacht, von herzen der Franzosen mainung nie gebest, uns solchen zu halten, dan allain darmit dy investitur zu Mailand zu erlangen.
    [4.] Nun ist uns van noten, angesehen, wie er so in grosser macht und ansehen in der ganzen kristenheyt ist, das wier im auf solch sein furnemen mit antbort und beyslicher widerstrebung kierzlich gefast werden, das uns den unzimlich zu tuen sein wil, noch solchs in niemanz rat uns in solchem zu raten fueg sein wyl, was wier dem oftgemelten Kg. zu Frankrich fur ain antbort geben oder was und wievil widerstand wier im in solchem tuen sullen. Dann wier ganz glaublich pericht, das der bemelt Kg. und dy sein, dy in darauf heczen – seiner person geben wier nicht so hoch schuld, nachdem dy myt alter und groser plodykait peladen ist –, uns in Italia, ob uns dy Venediger durchlassen wolten, des sy /14/ doch noch auf den heutigen tag im sinn nicht haben, das er uns an dem grossen wasserstram, genant der Phad [= Po], hinderziehen wyl und am urfar slahen wil. Er hat sein gelt erlegt hinder dy Sbeinzer, darauf peborben und pestelt in grosser gehaim.
    Wier wurden auch peraubt der scheff, nachdem dyselben auch alle in der franzosi[s]chen parthey in Italia handen sein.
    [5.] Aber dy Venediger haben uns je und je, dyweyl wier mit dem ungrischen aufruer und vechhandel peladen sein gebest, uns alle dienstperkait zu pebeisen /14’/ angepoten, nemlich zu unserem romzug, auch statigs ieren orator bey uns gehabt und uns teglichs underrichten lassen, wie sy so gross fraloken und pegird ab unsern romzug hieten, und uns alzeit gefragt, ban wier solhen romzug tuen wurden, auch umb all gelegenhait unsers wesen und veldzugs wider dy Ungern.14 Was also dy bemelten Venediger van uns Šerlernt, auch van den ungrischen hendl erkent, haben sy solchs dem Kg. in Frankrich alles verkunt, der dan in Italia sein haimlich, treffenlich pot[schaft] an allen verzug gesant wider uns hat.
    /15/ Dy bemelten Venediger haben auch, sopald sy gesehen heben, das Unger getan, sich mit Frankrich pesprochen, desgeleichen der pabst, der dan lange zeit in Frankrich den Kgg. von Frankrich gedient hat vor der zeit, als er pabst ist geborden.15 Haben sich mit dem Kg. von Frankrich pesprochen und machen ain mechtigs heer wider uns, uns nicht durchzelassen oder am Phad am herwiderziehen uns zu slahen oder pelauern etc. Desgeleichen der pabst hat uns empoten, er mug nyt leyden, das wier mit kainem kriegsvolk zu im komen, dan jetz waer Italia in rue; wurden wier mit kriegsvolk kumen, so wurden wier widerumb partey in Italia machen, das im nicht lieb waer.16 
    [6.] /15’/ Dy Venediger, dy dan all paess und wasserstroem pys an Mayland inen haben myt lantweren, steten, auch dryvaltigen schiffreichen wasser, jecz hie gegen uns, alspald sy vernummen haben unsern durchzug van Ungern gen Rom, haben sy all ier macht zu ros und fuess, merder dan sy in langer zeit versamblt haben, uns under augen an alle ier paess und grenizen gelegt.17 Als wier das gesehen haben, haben wier unßer volk am ersten zbyfach getailt, zu bissen den merer tael der lanczknecht und al Šoberlendisch geraysig zu varzug und wier myt unser lantschaft der obern und nideren Fmm. und landen in person darnach auch gericht, denen zu volgen.
    [7.] Es hat sich auch darauf der pabst mit seinem kriegsvolk aus pebegnes18 der Franzosen van Rom /16/ erhebt, uns under augen gezogen, sich pey Bulony myt den Franzosen und Maylandischen [vereint], ain veld zu machen. Und hat verrer uns lassen underrichten, das solcher zug und versamblung nicht wider uns sey, sunder wider dy Boloneser.19 Dyselben Boloneser haben nye bellen den Franzosen gehorsam oder zu billen sein, sunder wier haben kain hochern trost in Italia gehabt dan dyselb stat; und haben also auch unßer potschaft voran zu in gesant, da zu erlernen, was ier mainung sey myt dem pabst und Franzosen. Darauf haben sy sich merken lassen, sy seind vertragen myt den Franzosen, und gepeten, das unser potschaft aus ier stat ziehen welle.20 Den wier denen dan verrer zu handlen an ander ende pevelch hiemit getan haben, wiewol wier an solchem beytern pevelch noch benig hoffnung haben.
    [8.] Der Kg. van Arogony ist auf dem maer myt etbavyl M manen, darunder etbavil geraisig, sich zu fuegen gen Napls zu /16’/ anderem sein kriegsvolk, das gegen dy gerechtikait, so weylentg unßer sun, Kg. Ph[ilipp]s, und sein gemachl haben, dy zu entziehen, mytsambt anderen anslegen im Kgr. van Kastily, Leon und Granaten. Darum und darauf dan er sich myt seinen erbfeint vertragen und verpunden het den Franzosen, auch des Kg. van Frankrich hmuem darauf zu ainem gemachel-h genommen.
    Wier wissen auch, das er sich understen wyl, auch durch raezung der Franzosen, hat auch solchs dem pabst zugeschriben in gehaim des, das der pabst mytnichte welle vergunen, das wier myt kainer macht21. Er hat auch verpoten seinem gross haubtman van Napls, Consalven Ferdinanden, wiewol er uns scheff zuegesagt und wier di unsern, dy wier in zbayen unseren karnerischeni porten haben, aber hat Kg. Arogony alles arrestiert und verpoten, dardurch unsere scheff zu benig haben, auf maer auch nyt kunen kumen [nach] Rom.
    [9.] /17/ Item der Kg. van Frankrich, alspald er gehort und vernommen hat aigentlich, das wier mit den Ungern vertragen gebesen sein und haben das hauptj kert gegen Rom und nemlich Italia myt unserem kriegs[volk], paeden zu ross und fuess, auch unserem haubt- und veldgeschucz, da hat er noch ain grossen rat und darauf ain Šseer gehaimen gehalten. Und ist im durch payd raet geraten geborden, nachdem und er uns myt seiner tachter heyrat uns petrogen hettk, auch myt dem land van Gellern in offen vechd und krieg wider uns, das Hl. Reich, auch unseren obgemelten beylentl unseren sun gehandlt so offenbaer hiet und dardurch den tractat zbyschen unßer dreyer zu Hagenau zerprochen, das er uns umb nichte welle lassen unseren fuess in Italia setzen, noch dardurch uns lassen dy kayserlich cron entfahen. Das er dan also denselben raeten, uns in allem zu biderstreben, zu volgen zuegesagt hat. Und ist derselbig ratslag /17’/ also, als wier solchs gar gleublich und maer dann aens verstanden haben, das dy bemelten Franzosen practiciert haben myt allen Italianyschen, wie dan solchs zuvor bemelt ist, das sy uns wellen all ier paess oder clausen und wasserstrem speren, wo wier myt gebalt und [!] ziehen wolten; wo wier aber myt ainer geringen macht ziehen wolten, dass sy dan zu solchem, als sy teglichs tuen und darzu raten und furdern wellen, so hab er gelt erlegtm umb VIM Sbeinzer, auch sein ordinanz in Mayland gesterkt, also das er und sy uns liederlich mitsambt den unseren zu ieren willen pringen mochten und uns dy wasserstrem und paess oder dy strassen verzugen und mit uns handeln, wie sy layder myt unßerm sbager, Hg. zu Maylant, getan habenn.22 
    [10.] Es hat auch der obgemelt Kg. van Frankrich sein potschaft pey den Ungern gehabt; ound ist dy potschaft durch der Venediger land gen Krabaten kumen und van dan gen Ungern-o, den Kg. und Kgin. wider uns zu pebegen. Also haben sy dy Kgin. tod /18/ gefunden und den Kg. traurig und doch standhaftig gegen uns gefunden23, aber dy gemain Ungern ganz pas. Und sagen ierp obrysten, sy bellens nicht uns halten dy rachtigung24 wie dy vorig zu Prespurg25, dann sy sind mit dem sberd darzue drungen. Doch wiewol wier aus dem land ziehen, so haben wier solche rustigung hiemyt in unßer erbland aufgestelt, das wier hoffen zu Gott, das sy ieres posens willens ain tael vallen lassen werden.
    [11.] Wier haben uns auch wellen erheben aufq rItalia und nemlich gegen dem maer, do wier dann nicht maer dann vier tagrais van unsern erbland ainem, genant der ŠCarst, an unßer das Fm. Crain gelegen-r, jecz im fuestapfen, zu versuechen ander waeg, damyt wier heten den pabst mugen gebringen auf unßer seit, darzue wier doch claene hoffnung haben gehabt.
    [12.] Und varaus nun zumal so haben wier gar kain hofnung noch trost, dy ksl. cron zu erlangen, nachdem der almechtig Gott in kurz verschinen /18’/ tagen unseren ainigen liebsten etc. van dyser welt zu im ervodert, daruber dan dy Franzosen in ierem posen will wider unss, das Hl. Reich deutscher unßer26 welhischen nacion erfreut und gesterkt, myt allen denen obgemelten und noch vil maer anderen, dy den Francosen wider uns und auch wider al, dy uns zuestend.
    Aber wier haben nochtand pedacht, das wier darum uns den Franzosen myt ieren anhang nicht verzbeyflt uns ergeben, sunder myt unserem leib und guet27.
    [13.] /19/ Darum und darauf, so pegeren wier an dein L. tmit sunderem fleiss pevelhend aus röm. kgl. mach[t]-t, du bellest dich fuegen auf den jecz unseren kgl. reichstag gen Kostnyz; wo du aber mit merklicher ursach deiner person halb nicht kumen kunst, dy deynen auf denselben tag myt volmaechtigem gebalt sendest.
    [14.] Nota, da zu peraten dy franzosisch antbort van frid van Hagenau, abermals mych und das Röm. Reich myt gueten, suessen worten zu verfueren. Doch man mues ja sprechen, das er kayser peleyb, darfur er sich auf disen tag helt, oder aber er burd sich understen, mit gebalt dy Sbeinzer, als er und al sein partei geslossen haben, in dy Deutschen heczen myt gelt, geraysigen, fuesknechten van Delfinat myt IIIIM Gaskuner mit stechlin pogen, auch sein haubtgeschucz van Lion.
    [15.] /19’/ Wier weren myt unsers haus Osterrich guet, als vyl wier muegen, es hylft aber als nich, wie beylentu unser sun myt unseren Kgrr. und erblanden, haben inen gepoten, maer zu tuen, jecz ain jar practiciert28, den in der Kg. van Frankrich tuet. Hylft als nicht, sy sind noch auf dyse stund van Gott und gegen der belt. Sy wellen je das Hl. Röm. Reich zerstoren van gelts waegen. Unßer vund unßer sunen-v ansprug als Ehgg. zu Osterreich haben wier inen auch darneben angepoten zu verzeihen, hilft als nicht. Dan der pas29 helt sy auch noch darmyt an seiner keten. Sy haben an dyselb keten myt golt und gelt der Franzosen. Dy von Mulhausen, alias reichsstat, so30 haben unßer gelt und guet von uns versmecht.
    Š/20/31 Sy arbayten teglichs, noch zu kaufen zbo richstetw. xStet an euch-x auf dysen reichstag, das zu verhueten, dan gotlichait, weystum, noch unßer gelt noch guet hylft nycht. Dan der Franzos ist uns zu uberbegen. Wier hoffen aberymals zu Gott-y, solchs werd mugen auf disem reichstag mit gueten gluk und schiyklikait gebert werden. Wier hoffen auch, dyselben stet in mitler zeit aufzuhalten.
    [16.] Hoc in latino: zCur imperator promotor societatis sancti Georgii contra infideles hoc modo interpretare-z? Hoc hely hely laba sabatany32 perfeci pro corona imperiali, quia nunc non habeo vivere nisi de spe et contra Turcos. Hoc, quod potui quoad imperium, modo laboro societatem sancti Georgii, ut ab infidelibus passionem capiam, qui non volo cum malis modernys cristianys confessor mory, quia modo aain praesenti seculo in hac tali futura morte-aa verecundor, quantum plus in alio eterno seculo.
    [17.] /20’/ Wier schyken dy Kgin. voran hin, des Reichs stend zu versameln, und hoffen, zu ende deselben tags personlich zu sein.33 

    «Nr.RT-Ausschreiben Kg. Maximilians »

    [1.] Schilderung des Ungarnfeldzugs Kg. Maximilians; [2.] Bruch des Vertrags von Hagenau durch Kg. Ludwig von Frankreich, Aufhebung des Heiratsvertrags zwischen Hg. Karl von Burgund und Prinzessin Claudia von Frankreich, Annullierung der Belehnung Kg. Ludwigs mit dem Hm. Mailand; [3.] Notwendigkeit der Beratung mit den Reichsständen über das weitere Vorgehen gegen Frankreich; Widerstand Frankreichs, Venedigs und des Papstes gegen den geplanten Romzug Kg. Maximilians; [4.] Bemühungen Kg. Maximilians um die Erlaubnis Venedigs für den Durchzug seiner Truppen; ablehnende Haltung Mgf. Francescos von Mantua zum Romzug; Bekenntnis Bolognas zu Frankreich; Maßnahmen Kg. Ferdinands von Spanien zur Sicherung Neapels gegen Ansprüche Habsburgs und zur Verhinderung des Romzugs; [5.] Intrigen Kg. Ludwigs von Frankreich zur Verhinderung des Romzugs; [6.] Vorbereitungen Kg. Maximilians zu dessen Durchführung, Tod seines Sohnes Kg. Philipp von Kastilien; [7.] Absichten Kg. Ludwigs von Frankreich zum Angriff auf die burgundischen Erblande, feindselige Absichten Kg. Ferdinands von Spanien gegen das Haus Habsburg; [8.] Einberufung des Konstanzer RT zum 2. Februar 1507 zu Beratungen der Stände mit Bevollmächtigten Kg. Maximilians über das weitere ŠVorgehen gegen Frankreich, über die Durchführung des Romzugs zur Erlangung der Kaiserwürde und über die Belehnung Kg. Ludwigs von Frankreich mit dem Hm. Mailand; Anwesenheit Kgin. Bianca Marias in Konstanz; Inaussichtstellung eines späteren Eintreffens Kg. Maximilians auf dem RT; Unumgänglichkeit eines RT; [9.] Verwendung der kgl. und Reichstruppen zum Nutzen des Reiches; [10.] Datum; [11.] Verschiebung des RT auf den 7. März; bevorstehende Wiedereröffnung des Reichskammergerichts in Regensburg.

    Zeiring, 27. Oktober 1506.1 
    I. Drucke I (jeweils Or., Zierinitiale W mit Blattwerk, handschriftl. Adresse und Anhang, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein): Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [10] Kaiser (Jan.-Okt. 1506), unfol. (Adresse: Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg) = Textvorlage A2. Frankfurt, ISG, Kaiserschreiben 1372 (m. S., Adresse: Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt)3. Köln, HAStd, K+R 32/14, fol. 8 (m. S., Adresse: Bürgermeister und Rat der Stadt Köln). Basel, StA, Deutschland B 2,III, fol. 127 (m. S., Adresse: Bürgermeister und Rat der Stadt Basel). Straßburg, AV, AA 1385, Stück-Nr. 42 (Adresse: Ammeister und Rat der Stadt Straßburg; präs. 23.1.1507 (septima post Agnetis)).
    II. Drucke II (ab Zeile 4 der Vorlage identisch mit Drucke I; jeweils Or., Zierinitiale W mit Blattwerk, handschriftl. Adresse und Anhang, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein): Esslingen, StdA, F 283 Reichstagsakten: Konstanz 1507, unfol. (Siegelrest, Adresse: Bürgermeister und Rat der Stadt Esslingen) = B. Augsburg, StA, Reichsstadt Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. (Adresse: Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen). Nordhausen, StdA, 1 D, Nr. 17a (Siegelrest, Adresse: Bürgermeister und Rat der Stadt Nordhausen). Hannover, HStA, Celle Or. 100/Stadt Lüneburg, Stück-Nr. 42 (Adresse: Bürgermeister und Rat der Stadt Lüneburg).
    III. Drucke III (Or. m. S., Zierinitiale W mit Blattwerk, handschriftl. Adresse und Anhang, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein; ab Zeile 5 der Vorlage bis zur Schlußpassage „Unnd ermanen“ abgesehen von der Anrede identisch mit I und II): Düsseldorf, HStA, Reichsabtei Werden XIa, Nr. 41, fol. 9/10 (Adresse: Abt N. [= Antonius Grimholt] zu Werden/Westfalen) = C.
    IV. Drucke IV: München, HStA, KÄA 3136, fol. 264 (beschädigtes Or., Zierinitiale W mit Blattwerk, handschriftl. Anhang, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, handschriftl. inserierte Adresse: Hgg. Albrecht und Wolfgang von Bayern) = D.
    V. Drucke V (jeweils Or., Zierinitiale W mit Blattwerk, handschriftl. Adresse und Anhang, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein): Wiesbaden, HStA, Abt. 171, R 423, fol. 32–32’ (m. S., Adresse: Gf. Johann von Nassau, Vianden und Diez; präs. 17.1.1507) = E. Koblenz, LHA, Best. 36, Nr. 2311, pag. 107–109 (Adresse: N. [= Philipp oder/und Jakob (VII.)]4 Wild- und Rheingf. zu Dhaun). Wertheim, StA, Rep. 47, Nr. 11, unfol. (m. S., Adresse: ŠGf. Asmus von Wertheim). Brüssel, RA, Secrétairerie d’État allemande 837, fol. 158–158’ (m. S., Adresse: Frh. Bernhardin Stauffer zu Ehrenfels).
    VI. Drucke VI: Berlin, GStA, I. HA, Repos. 11, Nr. 2411, fol. 2 (Or. Druck m. S., Zierinitiale W mit Blattwerk, handschriftl. Anhang, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, handschriftl. inserierte Adresse: Kf. Joachim von Brandenburg) = F.
    VII. Drucke VII: München, HStA, Hst. Freising K.blau 220/13, unfol. (Or., Zierinitiale W mit Blattwerk, handschriftl. Anhang, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, handschriftl. inserierte Adresse: Bf. Philipp von Freising; präs. 8.1.1507) = G.
    VIII. Abschriften: Straßburg, AV, AA 328, fol. 1–7’ (Adressat: Abt N. [= Johannes von Fridingen] von Bebenhausen). Braunschweig, StdA, A II 99, pag. 2191–2198 (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Braunschweig)5. Göttingen, SUB, Cod. Ms. hist. 657, Bd. 3, fol. 456–467’ (koll. Kop., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Halle). Trier, StdA, Hs. 1409/2072 4o, fol. 53’-59 (vid. Kop. vom 1.7.1571, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Trier; präs. 8.2.1507).
    IX. Konz.: Wien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 1, fol. 178–188’ (Fragmente 1 und 3), Maximiliana 41, Fasz. II/28, fol. 1–8’ (Fragment 2) = H.
    Druck/Edition: Datt, De pace publica, S. 562–567; Müller, Reichstagsstaat, S. 527–545; Lünig, Reichs-Archiv II (Partis Generalis Continuatio I), S. 264–271 (Ad- ressat: Esslingen).
    Referiert bei Ibler, König, S. 4–10.

    WJr, Maximilian, von gottes gnaden Römischer kůnig, Kůnfftiger keyser, azů allen zeitten merer des Reichs, zů Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Kůnig, Erczherczog zu Osterreich, Herczog zů Burgundi, zů Brabant vnnd Pfalczgraue etc.-a bEmbieten cden Ersamend vnnsern vnnd des Reichs lieben getrewen eburgermaister und rate der stat Augspurg–c –e Unser gnad vnnd alles gůtz–b. fErsameng, lieben, getrewen–f, Šdem abscheyd nach, so wir mit euch vnd andern vnsern vnd des heyligen Reichs Churfuͤrsten, Fuͤrsten vnnd Stendenn auff dem nechstgehalten tag zů Koͤlen getan, darauff vnns, wie jr wißt, ein kleine anzal volcks vier Quottember lang zů uersicherheytt vnsers Romzugs, Auch gegen ettlichen in Hungern boͤsen, vncristenlichen fürnemen, so sy wider vns, das heylig reiche, Teutsch Nation, jren eygen herren vnd Kůnig, jr selbs Ere vnnd wolfart, nachdem sy wider die Turcken, die sy in vergangen zeyten so hochlich bekriegt, verhoͤret vnd verderbt vnd sy noch taͤglich gewarten muͤssen, grenitzen, in uͤbung gestanden, zů halten beschlossen. Haben wir vns alsbald in vnser Nideroͤsterreichisc[h]e lande gefuͤgt, daselbst vnser kriegsuolck von den berůrten vnnsern landen erfordert vnd etlich vnser Oheimen, Churfürsten vnd Fürsten mit vns in dieselben vnser lande gebracht. Also das wir damit, Auch durch zůlauff der Landßknecht ettwievil Tausent zü roß vnnd Fůs versamelt gehabt vnd darauff anfangs die Edlen vnser lieben getrewen Niclasen Grauen zů Salm, vnsern Phleger zů Marohegkhh, vnd weilend Bartholomes von Bernegk mitt einer kleinen anzal zů Roß vnd Fůs mitsampt vnserm veldgeschutz an die grenitzen des künigreichs Hungern gesandt vnd den vorgemelten Hungrischen, die dazůmal auff einem landttag zů Ofen versamelt waren, geschriben6 vnnd jrer Eyde, Brieff vnnd Sygeli, vnns, wie wir dann eůch vnd andernn Stenden des heiligenn Reichs, so oberůrtermassen zů Koͤllen versameltt gewesen, angezaigt vnd endeckt7, gegeben, die manigklichem offenbar weren, erinnert vnd darauff begert, jr vnbillich, vnnatürlich fürnemen vnnd widerspennigkeit, dauon wir vmb kurtz willen dißmals nit melden woͤllen, abzůstellen jvnnd in solchem-j vnnser, Auch des beruͤrten jrs künigs, der gemeinen cristenheit vnd jr selbs Ere, glück vnd wolfart zů bedencken; dz sy vns aber auß jrem groben, vnuerstaͤndigen übermůt abgeschlagen vnd darauff die gantz macht auß dem künigreich Hungern nach jrer gewonheit bey dem blůtigen swert wider vns verbot vnd versamelt. Auß dem wir bewegt sein worden, Auch jn vereintem rate der vnsern gefunden, dieselben widerspennigen persondlich mit vnser macht zů überziehen, doch der armen, vnschuldigen leüt darjnnen zů uerschonen vnnd allein auff den streyt oder slagen zů dringen, ob got der allmächtig sy vmb jr freuel, vngehorsam vnd myßthůn mit dem swert zů straffen verhengen woͤlt.
    Und demnach vnser weerhafft volck vnd macht mitsampt ettlichem haupt- vnd streitgeschütz in veld verordent. Vnnd zůerst die Statt oͤdenburg, so gegen vnsern fürstenthumben Osterreich vnd Steyr grenitzet, erfordert, die, alsbald sy die beruͤrt vnser schicklicheit, macht vnd fürnemen gesehen, Apunctament vertrag mit vns angenommen.
    ŠFürter sein wir mit dem berürtem vnserm heer gezogen wider den Grauen [Peter] zů Poßingen, so der fürnaͤmstenk vnd maͤchtigisten Grauen in der Cron Hungern einer ist, der zů beyden seyten der Thůnaw, auf ein tagreys ungeuarlichen weyt, gegen vnserm Ertzhertzogthumb Osterreich grenitzet; der hat auch Tractat vnd stilsess mit vns angenommen. Jn zeyt solcher vnser handlung haben die Hungern eins fridlichen anstands acht tag lang an vns bitten vnd gesynnen lassen, darzwyschen weg fürzůnemen, vns zů uergnuͦgen vnd zůfriden zů stellen, des wir also gewilligt vnd zůgegeben; vnd darauf solch zeyt dz egemelt vnser heer vber die Thůnaw ziehen lassen vnd damit das wasser, die Marich genannt, nach ausgang der berürten acht tag des fridlichen anstands erraicht vnd das yetzgemelt vnser heer über ein prugkhen, die wir über soͤlch yetzgemelt wasser, wiewol es tieff vnnd prayt ist, in zweyen tagen gemacht, Ziehen lassen vnd das czůl der stat Prespurg, die auf ein tagrayss von dem gemelten wasser mitt jrer March ligt vnd der treffenlichisten Stett eine in Hungernn, auch ein schluͤssel von Hungern gegen vnsern Erblanden ist, geschickt, mitt befelch, sich fur dieselb Stat zů slagen, die zů belegeren vnd daselbst unser, Auch vnsers hauptgeschütz zů erwarten, vnd daneben ein landtschafft, die Schüt genant, die zwuͤ tagrayse[n] lang vnd mit der Thůnaw vnd andern grossen wassern gantz vmbgeben, Auch der Cron zů Hungern züstendig, vnd daraus dieselb Cron Hungern jr mayste profand haben vnd deßhalben jr hertz ist, einzůnemen. Auf soͤlchs die gemelten von Prespurg auch ein Contract wie die von oͤdemburg mit vns angenomen. Unnd ferrer vnser Statthalter vnd hauptlewt die gemelt landtschafft Schüt vnd vrfar der wasser eingenommen vnd beuestigt; vnd vns demnach die einwoner derselben landschafft gesworen, den vertrag, vormals zwischen mweilend vnserm lieben herren vnd vater, keyser Friderichen, loblicher gedaͤchtnuss, vnd vns eins vnd des vorgemelten künigs zů Hungern vnd der Stende derselben Cron hungern anders teyls aufgericht vnd durch die selben künig vnd Stende gelobt, geschworn vnnd auff das hoͤchst verbrieft, versichert vnnd verschriben-m, vnns vnnd der Cron zů Hungernn, zů Prespurg aufgericht8, gelobt vnnd gesworenn, zü haltenn, nachzůkommen vnd vns wider die Hungerischen, die dem widerwertig weren, beystand zů thůnd, doch sunst yetz jrem künig zü Hungern sein leben lang jre pflicht vorbehalten.
    Wir haben auch dazůmal die Behemischen vnd Mercherischen ersůcht vnd zů wissen begert, ob sy nmit den jren-n den Hungern, so jres künigs Eyde, brief vnd sigel brechen vnd nit hielten, beystand thůn woͤlten, darauf wir von jnen gůte, redliche, erbere meinung verstanden vnnd empfangen.
    Und als aber der gemelt kunig von Hungern vnser so gewaltig vnd ernstlich fürnemen vnnd krieg wider die Hungern gemerckt, hat Er sein potschafft zů vns gesandt vnd darzwischen oden sachen zů friden vnd gůt-o durch sein selbs person hohen fleys bey den Hungern fürgekert, Aber darjnne kein gehorsam erlangen noch Šfruchtpers gehandlen mügen, vnd also jrer vngehorsam vnd meütterey halben von jnen weychen vnd abschaiden muͤssen vnd zů vrsachen fürgezogen, wie er zů der gepurd seiner haußfrawen [Kgin. Anna], die in anfang des beruͤrten kriegs swanger worden vnd desselben mals der zeyt jrer gepurte naͤhet, Ziehen wolte, die auch am dritten tag nach seiner zůkuͤnfft einen Sun [Ludwig] geborn hat vnd kürtzlich darnach aus vnordnung in der kindelpett an der kranckheit des Fiebers gestorben, des derselb künig in swer layd vnd bekumbernuss gefallen.
    Mitlerzeyt sein die hungern mit aller jrer macht zů Roß vnd Fůs in einen starcken placz zwischen der Thůnnaw vnd einem wasser, die Rab genanntp, gezogen vnd in dem das künigreich hungern auf der ander seytten, da vnser heer dazůmal lag, verlassen, vnnd nachmalen auß jrem heere drew tausent zů ross leüchter růstung vnd gantz nackhent [= ohne Rüstung] volck, das man nennet husseren, in vnsern Ertzhertzogthumb Osterreich geschickht; dieselben ettliche, doch weniger anzal kleiner vnd grosser doͤrffer in einem fridlichen anstand, qso derselben zeyt-q, aber auf acht tag lang durch die vnsern vnnd des gemelten künigs zů Hungern potschafften abgeredt vnd angenommen worden was, verpranten vnd die vnsern sich desselben fridlichen anstands gehalten, das aber bey jnen nit fürtragen. Sonder haben damit jren glauben vnd zůsagen zerbrochen. Und als wir denselben tettern mit ettlichen vnsern dienstleüten zůzugen vnd vnser landtschafft die Gloggenslag angeen liessen Unnd sy vernamen, das wir in über die Thůnnaw kamen, wichen zů stund zůruck. Alspald nach soͤlchem kamen des offtgemelten kůnigs vnd der erberkeyt in Hungern Potschafften auf drewhundert pferd starck zů vns gen Wienn; die handelten mit vns vmb rachtigung9, des wir jnen verfolgt haben, in hoffnung, sy werden vns die halten. Wiewol wir dannoch, dieweil ettlich hungern wider vns vnd jren kuͤnig seltzame wort treyben, als ob sy kein rachtigung, die mit dem swert gemacht sey, Als sy die beschehen mainen, schuldig sein nachzůkommen, mercklichen zweyfel daran haben.
    [2.] Als wir nun in den obestimpten krieg gegen den hungern am sweristen zů veld lagen, kamen vnns ware potschafft, wie der kuͤnig von Franckreich die rachtigung, zwischen vnser vnd sein juͤngst zů Hagnaw10 in beywesen ettwievil kunig vnd kuniglicher potschafften, Auch zwayer baͤbstlicher Legaten, darzůr Churfursten, Fursten vnd ander des Reichs Stennde vnd vnser beider hewser Osterreich vnd Burgundi vnderthanen, so in mercklicher anzal daselbs versamelt gewesen11, gemacht, zerbrochen het, vnd darzů Karly von Egmund, der sich nennet hertzog zů Gheldern, bewegt, sein Ere, Eyd, Brief vnnd sygel, gegen vnns, dem heiligen Reiche, Auch weilend dem durchleichtigen Fursten, Herrn Philipsen, kunig zů Castilien, Leon vnd Granaten, Ertzhertzogen zů oͤsterreich, Printzen zů Aragonien, Hertzogen zů Burgundi vnd Brabant etc., vnserm lieben Sun, auch zů uergessen vnnd dawider zů handlen vnd jme deßhalben ein Šmercklich anzal geltz zůgestelt, volck damit aufzůnemen; sAuch ferrer auf sein kost ettwievil Tausent zů Roß vnd fůss bey Růprechten von Armberg zůgesandt12, alles der meinung-s, vns als Römischem kunig, Auch dem beruͤrten Sun, kunig Philipsen, als vnsern vnnd des Reichs belehenten Fuͤrsten13 in abwesen vnser beider als Hertzogen zů Gheldern dasselb fürstenthumb mit gewalt zů entziehen vnd ein vnerliche vnd vngegruͤndte person darein zů dringen vnd fůrter vns, dem heiligen Reiche vnd Teutscher Nation zů nachteyl der Cron Franckreich anhenn[g]ig zů machen. Und wiewol derselb kuͤnig von Franckreich nach solchem alspald sein potschafft vns, auch ettlichen Churfürsten, fürsten vnd andern Stenden des heiligen Reichs gesandt14 vnd anzaigen lassen, wie er allein der heyrat, zwischen hertzog Karly, vnserm Enicklin, vnd seiner tochter Claudia abgeredt, zerbrechen vnd sunst wider vns noch das heylig reyche nichts fürnemen, noch handlen, Sonder vns vnd dem heiligen reiche allezeyt thůn woͤlte, was vns lieb were, sein doch dieselben erbieten allein erdychte wort gewesen; dann als wir seiner potschafft, die in soͤlchem bey vns gewesen, desselben jres künigs vorbestimpt vnbestendigkeit vnd handlung mit dem Fürstenthumb Gheldern gegen seinem gůt scheinenden erbieten angezaigt, hat sich die verwunderlich darab gestelt, haben auch derselben potschafft auff jr werbung kein antwurt geben wollen, auß der ursachen, das wir grundtlich bericht empfangen, das der Franczosen wil vnd meinung von hertzen nie gewesen, vns den Tractat, wie obsteet, zů Hagnaw aufgericht, zů halten, Sonder allein durch handlung desselben Tractats die jnuestitur [mit] Mayland zů erlangen vnd ferrer ettwievil land vnd lewt, vnd nemlich ytalien vnd des land zů Lüttich15, dem heiligen Reiche vnd teutscher nation zů empfrenden [!] vnnd vnder jr gehorsam zu bringen.
    So haben wir die belehung des beruͤrten hertzogthumb Mayland dem gemelten kůnig von Franckreich zu Hagenaw nit anders dann mit geding getan, wie hernach volgt: Nemlich, wo Er on mandlich erben, von seinem leyb Eelichen geporn, mit tod abgee, das dann dasselb hertzogthumb Mayland auf die vorbestimpten hertzog Karli von Burgundi, vnser Enigklin, vnd Claudia, des egenannten kuͤnigs von Franckreich tochter, versamentlich erben vnd geuallen, die wir auch darauf dem obgemelten vnserm lieben Sun, kůnig Philipssen, in namen vnd anstatt desselben vnsers Enicklins vnnd Claudia daselbs zu Hagenaw neben des beruͤrten kuͤnigs von Franckreich empfengknuss samentlich gelihen16, der meinung, damit das auf den berürten Karly, vnser Enigklin, Šals ein glid des heiligen reichs keme vnd bey dem heiligen reiche belib. Dann vnser gemuͤt vnd meinung nye gewesen vnd noch nit ist, dasselb hertzogthumb Mayland anders zů uerlyhen, dann das solchs bey dem heyligen reyche vnd Teütscher Nation beleybe vnd dauon nicht gewendet werde, in gůter betrachtung, wer Mayland besitzt, das derselb Uenedig in guͤtem willen hat, vnd dann Mayland vnd Uenedig, wann sy wollen, den teütschen Roͤmischen künigen sperren muͤgen, die keyserlich kron zu erlangen, wie vns dann yetzo durch sy beschehen ist, vnd das sich nun auß solchem ein künig zů Franckreich zů Römischem keyser machen mag, wann er wil; dann derselb kunig von Franckreich hat sich mitt allen herschafften vnd communen in jtalien, die anders ettwas macht haben, verbunden; vnd müssen dieselben alle zum teyl auß lieb vnd zum teyl aus sorgen auf jne für menigklich vnd zůuor wider vns auffsehen haben.
    Jtem derselb künig von Franckreich hat auch durch die yetzberůrt sein nechste gesandte potschafft offenlich vor vns, Auch Churfürsten, Fürsten vnd andern vnsern raͤtten, so datzumal bey vns gewesen sein, gesagt vnd bekant, dieweil der heyrat tzwischen den obgemelten vnserm Enicklin vnd Claudia-t vnd dardurch die vrsachen der oberürten lehenschaft nun ab vnd nichts sey, damit dieselb lehenschafft auch gefallen vnd ferrer nichts, das wir auch alspald vor denselben Churfürsten, Fürsten vnd Raͤtten angenommen, Protestiert vnd bezeuget, vnd hat auf solchs durch die yetz beruͤrt potschafft new lehenschafft desselben hertzogthumbs bitten lassen, darauf antwurt zů geben nochmals in vnserm bedacht steetu.
    [3.] Unnd so dann, wie jr vnd menigklich abzunemen haben, vvnser vnd des heiligen roͤmischen reichs-v notdurfft mercklich erfordert, gegen soͤlchem des offt beruͤrten künigs zů Franckreich, der, wie jr auch wißt, in grosser macht vnnd ansehen ist, win kurtzem tapfferlich gefaͤsst zů sein, was wir jm zů antwürt geben vnd was vnd wievil wir jm widerstands oder verfolgung sein willens thůn süllen. Das-w vns aber, als wir bey vns selbs erwegen, auch bey allen vnsern Raͤtten erfunden, ausserhalb ewr vnd andern vnser vnd des heiligen reichs Churfürsten, Fürsten, glidern vnnd stenden, dieweil die sachen so gross vnd treffenlichen sein vnd das heilig reiche vnd teütsch nation so hoch betreffen, nit fuͤgen wil, nachdem menigklich wayst, xdas die Franczosen-x keinen glauben halten.
    Zůdem, das wir auch weyter glauplich bericht sein, wie derselb künig zů Franckreich vnd die seinen, so jne darauf weysen – dann wir seiner person, nachdem die mit alter vnd ploͤdigkeit ettwas beladen ist, die schuld nit eytels zůmessen –, teglichs arbeiten, die Uenediger zů bewegen, vnns mit keiner grossen macht durch jre gepiet ziehen zu lassen, als sy vns dann allezeyt soͤlchen durchzug gewaygert, byß gleich yetz erst kurtzlich Šden auf drewtausent manne gestelt.17 Ist zu bewegen, wo wir mit einer klainen macht kemen, das die Frantzosen vnd ir partheyen, so sy in ytalien haben, vns an dem grossen wasserstram, der Phadt [= Po] genant, hinderzyehen vnd am vrfar daselbs vnns, Auch Churfürsten, Fürsten, die vom adel vnnd ander, so bey vns weren, aufhalten vnd zů dringen vndersteen, vns ytalia vnd der keyserlichen Kron in ewig zeit zů uerzyhen oder villeicht ergers zůmessen moͤchten; dann sy auf soͤlchs gelt erlegt vnd in grosser geheim sweytzer bestelt haben, des vns teglichs warnung vnd kundschafft kommen.
    So sein wir auch der schoͤffe, nachdem die in handen vnd gewalt steen der, so des künigs von Franckreich partheyen sein, beraubt; vnd wiewol sich die gemelten Uenediger zů der zeytt, als wir nochmals in der obestimpten hungrischen aufrür gestanden, vns zů vnserm romzug grosse dienstperkeit zů thůn erbotten, Haben sy doch den Hungern in derselben vehd heimlich dreyssigtausent ducaten zůgesanndt vnnd gegeben. Darzů die yetzgemelten Uenediger vnd der heilig vater Babst, dann vor vnd Ee er zů Baͤbstlicher hoͤhe vnd wirdigkeit kommen, dem egemelten kuͤnig in franckreich lang zeyt gedient hatt vnnd der Cron zů Franckreich anhenn[g]ig gewesen ist18, sich mit demselben Franckreichischen kuͤnig vnderredt; vnnd versameln sich teglich auff das sterckist nur zweyer tagrays weyt jhenhalben des obgemelten wasserstrambs, des Phads; was mit soͤlchem die meinung sey, mag ein yeder ermessen vnd vernemen; vndersteen auch, die Bulleneser, nachdem dieselben vns als jrem roͤmischen künig yvnd dem heiligen reich-y in den vergangen jtalischen kriegen anhenn[g]ig gewest sein, zů überzyehen.
    Der vorgemelt heiliger vater babst hat auch hieuor verkünden lassen, wie er nit leyden moͤg, das wir mit einichem grossen kriegsuolck in ytalien kommen, vnd des zů schein angezaigt: dann ytalia sey diser zeyt in frid vnd růe; so wurden wir, so wir also darein kaͤmen, partheyen machen, das seiner heiligkeit nit lieb were.
    [4.] Darauf jm fůßstapffen die vorgemelten Uenediger, als sy vernommen, das wir vnsern romzug von Hungern auß thůn wolten, all jr macht zů roß vnd fuss, mer dann sy in langer zeyt versamelt gehabt, vns vnder augen an all jr Pass vnnd Grenitzen gelegt. Dagegen wir vnser volck auf zwey teil geteilt, nemlich den meerer teyl der landßknecht vnd all ander oberlendisch geraysig zum vorzug vnd wir mit vnser person, Auch vnser landtschafft vnd kriegisch uolck vnser obern vnd nidern Osterreichischen fůrstenthumben vnd landen mitsampt vnserm veld- vnd hauptgeschuͤtz nach jnen anzůziehen vnd nachzůuolgen gericht vnd gantz darnach geschickt, durch manigfaltig mittel, die wir bißher teglich gesůcht vnd noch in übung steen, den ersten hauffen durchzůbringen. Aber aller durchzug ist von den gemelten Uenedigern biß auff dise zeyt in soͤlchem abgeschlagen worden, auß dem wir auch ein teyl vnsers volcks abzyehen lassen. Als sy nun dasselb gesehen, haben sy erst, wie vorgemelt, yetz zum letsten vns Šein kleine anzal durchzůlassen vergonnet19, Auch auß vrsachen, dieweil sy gewißt, das der Margraf von Mantua als des kuͤnigs von Frannckreich diener vnser kriegsuolck, so das auß jrer landtschafft kaͤme, nit durchziehen lassen wurde, jnmassen Er dann solchen durchzug weder mit vil noch wänig volck zů gestatten kurtzlich zů zweyen malen abgeschlagen hat.20 
    Und solch des Frantzosen übung ferrer anzůzaigen, haben wir keinen groͤssern vnd hoͤhern trost vnd hoffnung in ytalia gehapt, dann allein zů der Statt Bonony; vnd demnach in verruckter zeyt vnser treffenlich potschafft zů jnen gesandt, zů erkůnden, was jr willen vnd gemuͤt mit den gemelten Frantzosen sey; die haben vnns zů uersteen geben lassen, dz sy mit demselben franckreichischen kuͤnig verbunden vnd vereint sein, Švnd darauf die gemelt vnser potschafft von jnen aus derselben Stat zů ziehen gebeten, die wir nachmalen an andern ende zů ziehen bescheyden müssen.
    Es ist auch der kuͤnig von Arrogon mit grosser macht zů Neapels ankommen, in willen, sich mitt demselben vnd anderm seinem kriegsuolck, so Er sunst in neapels ligen hat, zů legern vnd des obestimpten vnsers lieben suns, kuͤnig philipsen, loblicher gedechtnuss, verlassen gemahel gerechtigkeit an demselben kuͤnigkreich Neapels zzů erobern vnd-z zů entziehen vnd fürter dieselb gere[c]htigkeit dem Franczosen, aanachdem er sein Můmen zů einem gemahel genommen hat-aa21, ůberzůgeben vnd ander mer verdeckt vnd vngepürlich anschleg, so er wider vns, dz heilig Reiche vnd teütsche Nation dem egemelten Frantzosen zů beystand vnd verhinderung vnser keiserlicher Crönung beuor hat, auszůuben.
    Mer hat derselb kůnig von Arragon, als wir bericht werden, durch raytzung vnd ůbung der gemelten Frantzosen dem offt gemelten vnserm heiligen vater Babst in geheim zůgeschriben vnd gebeten, das sein heiligkeit vns jn kein weg, mit macht vnsern Romzug zů uolbringen, vergünnen noch zuͤgeben woͤlle, vnd darauf seinem grossem hauptman von Neapels, Consaluo Ferdinandi genant, embotten, vns einicherley Schiff, wiewol Er vns dauor damit zů helffen mer dann einest zůgesagt, verfolgen zů lassen, vnd damit dasselb alles Arrestiert, dardurch vnser volck, so wir an zweyen vnsern Craynerischen porten ligen gehabt, kein Schiffung an den enden gehaben vnd wir deßhalben, abauch dieweyl vns, wie obsteet, der Uenediger Schiffung abgestrickt worden-ab, den oberuͤrten vnsern Romzug auff dem Meer, als wir auch zum teyl vnsern anschlag gehabt, nit volbringen mügen.
    [5.] Der oftgemelt künig zů Franckreich hat auch, sobald Er bericht worden, das wir mit den Hungern obestimpter massen vertragen sein vnd vnsern Romzug mit vnserm kriegsuolck zů Roß vnnd Fůss mitsampt vnserm veld- vnd hauptgeschütz fürzůnemen in schickung gewesen, zů zweyen malen gros, geheim Raͤte gehalten vnd darjnnen gefunden, dieweil Er vns mit seiner tochter heyrat betrogen vnd mit dem offtbestimpten hertzogthumb Gheldern in offner vehd vnd krieg wider vns, das heilig reiche, Auch den egemelten vnnsern lieben Sun, kuͤnig Philipsen, loblicher gedaͤchtnus, gehandelt, dardurch Er den obestimpten Tractat, zů Hagenaw aufgericht, zerbrochen, das Er vns in keinen weg zů emphahung der oberuͤrten vnser keyserlichen Cron vnsern Fůss in ytalien setzen oder durchkommen lassen sülle; als Er dann sölchs denselben seinen Raͤten zů ueruolgen gewilligt vnnd zůgesagt.
    Die practica sein weyter gericht gewest, Nachdem, wie vorsteet, bestelt, wo wir mit macht ziehen, die paßs, Clausen vnd wasserstram zu sperren. Wo wir aber vnser Romzug mit einer klainen, geringen anzal fuͤrnemen wurden, das sich die in ytalien stellen, als wolten sy vns darzů helffen vnd fürdern, auß dem fürslag, ob sy vnns moͤchten Šbetriegen vnd, als vnsern Swager hertzog Ludwigen von Mayland, acgot verleyhe jm erledigung-ac, adzů gefaͤncknuß oder, wie vorsteet, zů jrem willen bringen-ad; zů soͤlichem, wie vorgemelt, der künig von Franckreich gelt erlegt, Sweytzerae bestelt vnd sein ordinantz in Mayland dermassen gesterckt, das sy vns mit vnserm volck liederlich bezwingen moͤchten.
    Deßgleichen hat der mergemelt kunig von Franckreich sein haymlich botschafft durch der venediger lande vnd furter durch krabaten gen hungern geschickt22, der maynung, den obgemelten vnsern lieben Bruͤdern, oͤheimen vnd Churfursten, den kunig daselbst zů hungern, vnd weylend sein gemahel wider vns zů bewegen; als aber dieselb potschafft gen hungern kommen, hat die den yetz gemelten vnsern Bruͤdern, oͤheimen vnd Churfursten, den kunig zů hungern, vmb den tod derselben seiner Gemahel bekumbert vnd gegen vnsaf standthefftig vnd gůts willens gefunden. Und wiewol sy von etlichen der gemainen hungern der aufgerichten rachtung halben, wie vorgemelt, rede gehoͤrtt haben muͤgen, hoffen wir doch, vnser erblich furstenthumbe dermassen in Růstigung gegen jnen bestelt zů haben, das dieselben hungernn jr böß fürnemen ainßtails fallen lassen moͤchten.
    [6.] Nun am jungsten haben wir fürgenommen, an ain porten in vnsern erblichen wynndischen landen, der Carst genannt, die vber meer gen Rom nit ferrer hat dann vier tagrayß vnnd an vnnser fürstenthumb Crain stoßt, zů ziehen vnd weg vnd mittel fürzůnemen, damit wir den obgemelten hailigen vatter, den Babst, auff vnnser seyten bringen möchten. Und sein darauff biß in vnser Grafschafft Cili kommen, aber soͤlichs auß vil widerwertigkaiten, die wir darjnnen gefunden, abermals nit erlangen kuͤnden.
    agSo hat bald nach demselben der allmechtig den offtgemelten vnsern lieben Sun, künig Philipsenah, nach zůgestandner kranckhait ains fiebers, darinnen Er ettlich tag gelegen, doch dauor nach Cristenlicher ordnung mit den heilgen Sacramenten bewart, in gůter, loblicher andacht vnnd vernunfft aidurch den tod von diser welt gefordert-ai; darab wir nitt allain auß natuͤrlicher vaͤterlicher lieb vnnd zůnaygung, Sunder auch, nachdem er ain junger, wolgeschickter kunig, der von got fuͤr ander mit sonder Švernunfft vnnd gůten tugennden begabt vnnd versehen gewesen vnd sich in seiner Regierung dermassen gehalten hatt, dardurch er von den frummen, getrewen seinen vnderthanen vnnd andern lieb gehabt vnd von den myßtettern vnnd vngerechten gefuͤrcht worden ist, außs dem, auch seiner treffenlichen macht vnd Cristenlichen, loblichen, gůtten fuͤrnemen vnnd uͤbungen, darjnn er mit vns gestanden, die Cristenhait vnd dewtschen Nation gemeret, geauffet vnnd in gůten frid gesetz[t] worden, Auch den veinden des hailigen glaubens außtreglichen abbruch vnd widerstand, als vorhanden ist gewesen, beschehen het můgen, nit vnbillichen ynnerlich laid vnnd beswaͤrung vnsers hertzen vnnd gemuets empfangen haben. Dz wir euch hiebey auch vnuerkundt nit haben woͤllen lassen, vngezweyfelt, jr werden desselben absterbens mitt vns mitleyden tragen. Und dieweil es aber vnserm schoͤpffer also gefallen hat, nemen wir vns zů trostung, das er, wie vorsteet, Cristenlich fuͤrsehen, vernuͤnfftig vnd loblich verschyden ist; vnd gebuͤret vns, vnnsern willen der ordnung gotes hierjnnen zu uergleichen, vnsern vnmůt vernuͤ[n]fftigklichen auszůslahen vnd soͤlchs seiner goͤttlichen allmaͤchtigkait, die wir diemuͤtigist anruffen, der seele barmhertzig vnd gnaͤdig zu sein, zu ergeben.23 Deßhalben mit ernstlichen fleyß begerend vnd bittend, jr wollet desselben vnsers lieben Suns seel jn ewr andacht vnd furbit gegen got beuolhen haben vnd ajsolchs in ewren gepieten zů beschehenn bestellen-aj, wie wir vnns des vnnd alles guten zu euch versehenn–ag.
    [7.] Unnd sein wir aus vorangezaygten vrsachenn vnnd taͤglicher warnung, so vnns zůkommen, des gantzen gelauben, der offtgemelt kunig von Franckreich werde nit auffhoͤren, Sunder in kurtz vns mit macht vberziehen vnd vndersteen, sein alt verreterey vnd Mewterey in den Nyderburgundischen landen aufzůrichten, des vns dann erst angestern widerumb glaublicher scheyn ist zůkommen, alles dem hailigen Reich vnd vnsern hewsern oͤsterreych vnd Burgundi zů nachtayl, darumb vns abermals gebuͤrte, den sachen in aygner person zů naͤhern vnd dasselb, sovil muͤglich ist, zů vndersteen.
    So steet vns auch zů bedencken, das der künig von Arrogon in der ainigung vnd buͤndtnus, so er, wie obsteet, mit dem vilgemelten künig von Frannckreych aufgericht24, vns nit außgeslossen vnd yetz in aygner person mit grosser macht das künigreych Neapels bezogen hat, der meynung, die verjagten Neapolitanischen frantzosen darein zů lassen vnnd vnser kinder, wie auch vorgemelt, jr gerechtigkait daran zů berauben.ak
    Š[8.] Und dieweil nun jr vnd menigklich abzůnemen haben, das vns, auch euch vnd andern Churfuͤrsten, fürsten vnd Stennden, dem hailigen Reiche vnd dewtscher Nation aus soͤlichen allen obestimpten vnnd andern vrsachen, aldie euch auf den nechst gesatzten tag auch vnuerhalten bleyben söllen-al, abfall, vermynderung, nachtayl vnnd ewig verdruckung an der keiserlichen wirde, die vnser, der tewtschen vorvordern durch jres schwaͤr blůtuergiessen auff vns gebracht, auch Eren, wirden, standt vnd wesen kommen mög, wie jr dann auff sölichen tag claͤrlicher bericht werden soͤllen, dasselb wir auß pflicht vnser Croͤnung, souil an vns ist, gern verhůten wolten.
    Demnach haben wir ainen gemainen Reichs tag auf vnser lieben Frawen Liechtmess tag [2.2.] schirist kuͤnfftig, amin vnser vnd des hailigen Reichs stat Costentz zuͤ halten-am, fürgenommen. Und ermanen euch der pflicht, damit jr vnns vnnd dem hayligen Reych verwanndt sein, auff das höchst vnnd fleyssigist anbegerennd, jr woͤllennt-an auff soͤlichenn tag aodurch ewer potschafft mit volmaͤchtigem gewalt-ao daselbs zů Costenntz erscheynen vnndap mit vnnsern Raͤten, die wir auff denselben Liechtmess tag auch treffennlich daselbst haben werden, zů Ratslagenaq, was vns fuͤglich vnnd Eerlich für vns vnd das hailig Reich sey, dem obgemelten kuͤnig von Franckreich auf vorberürts sein begern zů antwurten, Auch wie wir es mitt empfahung vnser kayserlichen Cron halten, arnachdem vnns ditzmals der weg zů soͤlichem so verr abgesniten ist-ar, vnnd der Frantzosischen jnuestitur halben des hertzogthumb Maylannds vnd in andern gemainer Cristenhait, des hailigen Reychs vnd dewtscher Nation obligenden sachen handeln suͤllen. Haben wir vnser liebe Gemahel, die Roͤmischen kůnigin, vorhyn daselbsthin gen Costentz zů kommen verordent, die biß auff soͤlchen Reichs tag daselbst beharren wirdet; vnd woͤllen wir vns in allweg befleyssen, zů end desselben Reichs tag auch personlich daselbs zů sein vnd die angefengten geratslagten sachen zům besten helffen beschliessen. Doch ob wir asdurch des kuͤnigs von franckreychs uͤberfallen jm land Ghelldern oder Brabannt, des wir, als obgemelt, taͤglich warten müssen-as, personlich zů kommen verhindert wurden, woͤllen wir euch vnd ander vnser vnd des hayligen Reichs Stende deßhalben in kainen weg aufhalten, sonder dieselben geratslagten sachenn an vnser stat durch die egemelten vnser Raͤte mit euch vnd den andern besliessen lassen.
    Jr moͤgt gaͤntzlich glauben, das wir treffenlich arbait vnd versůchen getan, ob euch vnd andern des hailigen Reichs Churfürsten, Fürsten vnd Stenden zů uͤberhab můe vnd Costung in soͤlichem auff ain Eyl durch lieb oder laid hierjnnen wendung zů Šthůn müglich gewest, aber das atnit erlangen kuͤnden-at, das wir ains tayls dem vnfall zůmessen, wie dann jr vnnd die andern Stend soͤlichs von vns vnd vnsern Raͤten bericht werden söllen, dardurch wir gedrungen werden, von denselben vnsern anslegen zů lassen vnd disen reichstag fuͤrzuͤnemen.
    [9.] Und woͤllen vnnser aygen, auch das kriegßuolck, so von dem hailigen Reich vnderhalten wirdet25, dieweil sich vnser Romzug, wie obsteet, verhindert, laͤgern vnd gebrauchen, wo soͤlichs die notdurfft erfordert vnnd vnser, des hailigen Reichs Ere vnd zů widerstrebung der vorgemelten Frantzosen taͤglichen übung, auch zu trost derjhenen, die sich vnser vnd des hailigen Reichs vnnd der tewschen Nation halten, am nützisten vnd besten angesehen wirdet.
    [10.] Unnd beleyben hierjnnen nit aussen, als wir vns gaͤntzlichen versehen vnd verlassen. Wie jr dann vnns, dem hailigen Reiche, auch der Cristenhayt, euch selbst vnd ewren nachkommen zu thun schuldig sein; daran thuͤt jr zusampt der billichait vnser ernstliche maynung vnnd sonder wolgefallen, das wir augegen aveuch vnd gmainer Stat in-av gnaden erkennen woͤllenn–au. Geben zů Zeyring am siben vnnd zwayntzigisten tag des monats Octobers Nach Cristi geburt fünffzehenhundert vnnd jm sechsten, vnsers Reiche des Roͤmischen jm ainßundzweintzigisten vnd des Hungrischen jm sibenzehenden jarn.
    [11.] [Handschriftlicher Nachtrag:] awUnd nachdem solher unser angesetzter tag etwas kurz und mit aussendung diser schriften verzogen ist, haben wir denselben tag bis auf den sonntag oculi in der vasten [7.3.] nechstkunftig erstreckt. axayDarnach wisst eu zu halten. Datum ut supra-ay.
    Darzu haben wir verordent, das auf den yetzbestimbten–ax suntag oculi camerrichter, beysitzer, canzley- und ander personen, zu unserm und des Reichs camergericht notdurftig, in unser und des Hl. Reichs stat Regenspurg versamelt sein sullen, dasselb camergericht daselbs zu den nehsten gerichtstag darnach und dann fur und fur zu besetzen und zu halten, wie sich geburt.26 Wollten wir eu nit verhaltenaz, das den euren und andern furter zu verkunden, damit die, so an demselben camergericht zu handlen haben, das wissen zu besuchen–aw.

    «ŠNr. 6 Bedenken kgl. Räte zum Entwurf Kg. Maximilians für ein Ausschreiben an die Reichsstände »

    [1.] Sicherung der Erblande vor Eröffnung des Romzugs; [2.] Geheimhaltung hinsichtlich der Einzelheiten des geplanten Romzugs.

    s.l., s.d., jedoch vor dem 30. November 1506.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Kart. 6, Fasz. o.J., fol. 102’, 102 (in falscher Reihenfolge abgelegtes Konz.).

    [1.] /102’/ Als die kgl. Mt. in der copeien des ausschreibens [Nr. 7] grundlich und tapher anzaigen und furnemben tut und den reten irem verstand, auch etlichen gelegenhait der land und ende nach, in solher schrift begriffen, darinnen zu raten swer sein wil. Aber dieweil kgl. Mt. den reten ainen ratslag zu verfassen bevolhen, ist underteniger mainung ir ratslag, das di kgl. Mt. den weg zuerst in Burgundi zu versehung seiner kinder genomen hiet. Und wo nachmals die kgl. Mt. den romzug disen weg, in der schriften angezaigt, ader ander ende ziehen well, sei im anfang not, das sein kgl. Mt. die obern- und niderosterreichischen lande durch die angefangen ordnung der rustigung und anderm, die obgenanten auch seiner kgl. Mt. kinder besetzte, bevar und notturftiglich versehe, damit, ob ainicherlay emporung aus den umbligenden landen in seiner Mt. abwesen entsteet, demselben tapher vorsein, gegenwer und widerstand getan werden mug. 
    [2.] /102/ Falls der Kg., wie dies in der bewußten Schrift geschieht, die Vorbereitungen zur Durchführung des Romzuges darlegen will und diese also öffentlich gemacht werden, werde unzweiflich der Kg. von Frankreich, so er des reichstags wissen emphahet, das, so darauf ze uben in furnemben seia, vleissig erfaren haben und im nicht verhalten. Der mocht dann disen zug zu irren, zu hindern und alles, das dawider zu bedenken ist, betrachten. Und ist deshalben ir ratslag, das di kgl. Mt. in dem bestimbten ausschreiben alain den romzug zu volbringen benennte und die andern artikl etlichen Kff. und Ff. des Reichs durch seiner Mt. botschaft bin geheim mundlich-b eroffen lassen. 

    «Nr. 7 Ausschreiben Kg. Maximilians an die Reichsstände »

    Verweist auf die Ladung zum Konstanzer RT [Nr. 5] und die darin dargelegten Gründe für die Einberufung des RT, insbesondere, daß ihm der Weg nach Rom zur Erlangung der Kaiserkrone versperrt ist. Zur weiteren Information für die bevorstehenden Beratungen mit den anderen Reichsständen will er ihm ein Gutachten kgl. Räte mitteilen, wie wir noch bey diser unser rustigung dieselb unser ksl. cron erlangen, auch unsern furgenomen zug wider die ungelaubigen mochten volbringen: Er könnte in den niederburgundischen Erblanden eine Flotte ausrüsten und mit seinen Truppen nach Granada segeln, das Kg. Karl von Kastilien, Ehg. von Österreich, gehört. Die dort liegenden Schiffe könnten binnen acht Tagen bereitgemacht werden und mit den kgl. TruppenOstia erreichen, das zwei Meilen von ŠRom entfernt liegt. Man könnte auch die Schiffe aus Granada und weitere Seefahrzeuge, die er in Italien kaufen kann, innerhalb von sechs Tagen nach Nizza bringen, wo sich bereits eine beträchtliche Zahl von Schiffen befindet, und von dort aus in vier Tagen nach Rom übersetzen. Der Hafen Nizza ist von Hochburgund nicht mehr als vier Tagreisen entfernt. Dorthin kann er von Niederburgund, wohin er sich jetzt zur Herrschaftsübernahme begibt, genauer gesagt von Luxemburg aus, in drei Tagen ziehen. Auch von Konstanz aus dauert die Reise nach Hochburgund nicht länger als vier Tage. Von Burgund aus kann er nach Nizza weder durch das Territorium des frz. Kg. noch über die großen Wasserstraßen gelangen, sondern durch Savoyen, dessen Hg. sich gegenüber Kg. und Reich bislang gehorsam erzeigt, doch mussen wir etwas stark ziehen.1 Die Kgrr. Kastilien und Leon könnten ihn mit den Schiffen unterstützen, die der verstorbene Kg. Philipp ausgerüstet hat und für den Transport seiner Truppen nach Afrika (barbarya) bestimmt waren, nachdem der Ebf. von Toledo (Taelet) für diesen Zug beim Klerus über 100 000 fl. eingesammelt hatte.2 Diese Truppen könnten ihm auch bei seinem Romzug dienlich sein, um das Risiko einer französischen Gegenaktion auf See zu reduzieren. Die Kastilier werden gerne Rückendeckung geben, damit er ihnen seinerseits mit seinen Schiffen für den Zug nach Afrika (barbarya) zur Hilfe kommt, um so die Absicht seines Sohnes umzusetzen, dem er, wie er auf dem Kölner RT mitgeteilt hat, persönlich zuziehen wollte.3 Er wird deshalb seine sämtlichen Reitertruppen und einige tausend Fußknechte bis zum Ende des RT unter Waffen halten. Er hat auch Mgf. Kasimir von Brandenburg Truppen überlassen, damit wir zu Rom uber meer und uber land on baiden enden und strassen, zu wissen auf der Venediger meer und land, die uns ain klain volk durchziehen lassen wellen, auch durch Sophoy, do wir on allen pass das meer erlangen, kumen mugen. Und auf dem meer mugen wir allezeit unser verwarnus erlangen, nachdem dasselb hoch meer unfechig ist ainem yeden kriegsman mit ainer klainen macht, als meniglich wissen ist. Er teilt ihm dies mit, damit er über die Situation informiert ist, auch darüber umso besser mit anderen beraten oder seine Gesandten mit ausführlicher Instruktion und ausreichender Vollmacht abfertigen kann.4

    Salzburg, 30. November 1506.
    ŠWien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 2, fol. 17–17’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Bf. Albrecht von Straßburg) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 3137, fol. 82–82’ (wie A, Adressat: Hg. Albrecht von Bayern) = B. Frankfurt, ISG, Kaiserschreiben 1373 (wie A, präs. 14.1.15075, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt) = C. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Fasz. 2 M, fol. 1–1’ (wie A, Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg). Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, unfol. (wie A, Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg). Köln, HAStd, K+R 32/14, fol. 9–9’ (wie A, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Köln – Datumverm.: Veneris post Agnetis [22.1.1507]6).
    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 896, S. 697–699 (Adressat: Frankfurt).

    «Nr.Kg. Maximilian an Reichsstände »

    Er hat ihm vor kurzem in seinem Ausschreiben dargelegt, warum ihm der Weg zum Empfang der Kaiserkrone versperrt ist und welche alternativen Wege er projektiert hat1, und Beratungen darüber auf dem RT angekündigt. Da die Widerstände gegen den Romzug jedoch täglich zunehmen, die Zeit bis zum RT noch lang ist und sich die sachen in des Reichs versamlung allweg in die harr ziehen, hat er die Kff. und vornehmsten Ff. und Stände des Reiches sowie seine Erbländer gebeten, ihm vor dem RT ihren Ratschlag zu eröffnen. Er kann dann – um nichts zu verabsäumen – bis zum RT erledigen, was zur Bewahrung der Kaiserkrone und zur Ehre des Reiches und der deutschen Nation notwendig ist. Er bittet um sein Gutachten über die Frage, ob wir dann mit gewalt und mit dem swert, doch durch rat unser ret und haubleut understen sollen, an demselben hin- und widerzug durhzubrechen, falls der Romzug nicht friedlich unter Gewährleistung seiner Sicherheit durchführbar ist.2 Das versiegelte Gutachten soll er durch einen eigenen Boten ihm oder dem kgl. Kanzler Zyprian von Serntein aushändigen lassen. Ersucht ihn, Šdessenungeachtet persönlich auf dem RT zu weiteren Beratungen über den Romzug zu erscheinen.3 

    Innsbruck, 21. Januar 1507.
    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 1, Nr. 2A, fol. 2–2’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg; präs. am tag Gertrudis [17.3.]) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 3136, [nach fol. 230½] (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Hg. Albrecht von Bayern) = B. Wertheim, StA, Rep. 47, Nr. 13, unfol. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Gf. Asmus von Wertheim) = C.4 

    «Nr. 9 Instruktion Kg. Maximilians für Gf. Philipp von Hanau-Lichtenberg1 als Gesandten nach Frankfurt [bzw. für Hartwich Brekewolt als Gesandten nach Lübeck]2 »

    Der Gf. [bzw. Brekewolt] soll erklären, daß er Befehl habe, den Bürgermeister und drei oder vier der vornehmsten Ratsherren als Gäste einzuladen und vorgeblich auf eigene Initiative über folgendes mit ihnen zu beraten, doch sol er dem burgermaister zu erkennen geben, das es darumb beschehe, ir aller disputatz und guetbedunken, nachdem wir wissen, das sie darin nit raten dorfen, zu vernemen und die uns in schrift versecretirt zuzusenden. Er, der Gf. [bzw. Brekewolt], soll erklären, er habe gehört, daß im RT-Ausschreiben des Kg. die Gründe dargelegt seien, weshalb der übliche Weg zur Erlangung der Kaiserkrone nicht gangbar sei und der Kg. sich deshalb um alternative Möglichkeiten bemühe. Seine Gäste sollten die Frage erörtern, ob wir mit gewalt und dem schwert, doch durch rat unser rete und hauptleut understen sollen, an demselben hin- und widerzug durchzuprechen, falls bei einem friedlichen Zug die Sicherheit des Kg. nicht gewährleistet werden könne. Deren Stellungnahme soll er möglichst bald samt seinem eigenen Gutachten in einem verschlossenen Schreiben ihm oder seinem Kanzler Serntein zusenden.

    ŠInnsbruck, 25. Januar 1507.
    Frankfurt, ISG, Kaiserschreiben 1376 (Instruktion für Gf. Philipp von Hanau3; Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Lübeck, StdA, ASA Ex. 2295, unfol. (Instruktion für H. Brekewolt4; Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein) = B. Marburg, StA, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42 (Instruktion für Gf. Philipp von Hanau, Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein) = C.
    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 899, S. 699f.

    «Nr. 10 Antwortschreiben Kf. Joachims I. von Brandenburg an Kg. Maximilian »

    Bestätigt den Empfang eines kgl. Schreibens [Nr. 7] samt einem offenen Mandat [Nr. 5]. Bekundet sein Bedauern über die Probleme Kg. Maximilians und insbesondere über den Tod Kg. Philipps. Beteuert, als Kf. und Glied des Hl. Röm. Reiches dazu beitragen zu wollen, die angesprochenen Angelegenheiten zu einem glücklichen Ende zu bringen. Er wird Kg. Philipp gern in seine Gebete einschließen und veranlassen, daß die Geistlichkeit Fürbitten abhält. Jedoch verhindern wichtige Geschäfte, worüber ihn seine Gesandten ausführlicher informieren werden, seine persönliche Teilnahme am RT. Er wird aber seine Gesandten zum angegebenen Termin mit Vollmacht abfertigen, neben Kg., Kff., Ff. und Ständen des Reichs zu verhandeln und zu beraten, was in diesen Angelegenheiten dem Kg., dem Hl. Röm. Reich und der deutschen Nation zur Ehre und zum Nutzen gereicht.

    s.l., 31. Januar 1507 (sonntag nach conversionis Pauli).
    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Fasz. 2 M, fol. 5–5’ (Reinkonz.).

    «Nr. 11 Bericht Peter Voelschs (kgl. Rat) an Kg. Maximilian »

    Der Rat der Stadt Straßburg hat seine instruktionsgemäß1 vorgetragene Werbung bezüglich des Romzuges am 19. Februar (fritag noch St. Falatinß tag) angehört und am Tag Šdarauf nach Bekundung des Gehorsams gegen Kg. und Reich folgende Antwort gegeben: Sie seien nicht imstande, dem Kg. in dieser Sache zu raten. In ihrer Stadt gebe es keine Gewerbetreibenden, die Kenntnisse von den Verhältnissen in diesen Ländern besäßen, geschweige denn, was der röm. Kg. von dort zu erwarten habe. Der Kg. sei mit Weisheit begabt und verfüge selbst über Leute, die über die dortigen Verhältnisse informiert seien. Könnten sie ihm in dieser oder einer anderen Angelegenheit dienlich sein, würden sie keine Mühen scheuen. Sie bäten, ihre Antwort gnädig anzunehmen.

    s.l., s.d., jedoch Straßburg, nach dem 20. Februar 1507.
    Straßburg, AV, AA 328, fol. 22–22’ (Or., Postverm.: In ir kgl. Mt. selbst hant.).

    «Nr. 12 Antwort des Frankfurter Bürgermeisters [Johann vom Rhein] und einiger Ratsherren an den kgl. Gesandten Gf. [Reinhard] von Hanau »

    Sie sind niemandem auf der Welt mehr zu gutem Rat verpflichtet als dem röm. Kg. und Reichsoberhaupt; der Frankfurter Rat ist niemandem enger verbunden als ihm. Laut dem Vortrag seines Gesandten ist dem Kg. der übliche Weg zur Erlangung der Kaiserkrone versperrt. Der Kg. denkt deshalb über Alternativen nach – dies ist deutscher nacion erlich, lobelich und auch billich. Falls aber auch diese nicht verfangen und der Kg. Gewalt zur Erlangung der Kaiserkrone für notwendig erachtet, so muß er auch die unvermeidlichen Konsequenzen für die deutsche Nation bedenken, insbesondere falls der Kg. nicht im Einverständnis mit einigen italienischen (welschen) Staaten und mit dem Papst stehen sollte. Vor einem gewaltsamen Romzug muß der Friede innerhalb der deutschen Nation gewährleistet sein. Der Kg. könnte dann über ein umso größeres Kontingent aller Reichsstände verfügen. Der Frankfurter Rat wird sich gemäß seiner Pflicht wie andere Stände mit der Entsendung von Truppen oder der Zahlung von Geld gehorsam erzeigen, wie er dies bislang immer zu Zeiten des Ks. [Friedrichs III.] und auch des jetzigen Kg. getan hat.1 

    Frankfurt, 3. März 1507 (mitwoch nach reminiscere).
    Marburg, StA, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42 (Kop.) = Textvorlage A. Frankfurt, ISG, Kaiserschreiben 1377 (Kop.) = B.
    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 900, S. 700.

    «Nr. 13 Aufzeichnung über einen Vortrag des kgl. Gesandten Hartwich Brekewolt an Bürgermeister und Rat der Stadt Lübeck »

    Der röm. Kg. beabsichtigt, den Ungläubigen Widerstand zu leisten und die dem Hl. Reich verlorengegangenen Gebiete zurückzugewinnen. Dafür ist jedoch die Erlangung der Kaiserkrone Voraussetzung, wie dies der Kg. allen Kff., Ff. und Ständen des Reiches Šmitteilen ließ.1 Papst Alexander hat ihm zu diesem Zweck auch das vom Kardinallegaten Raimund [Peraudi] eingesammelte Jubelgeld zur Verfügung gestellt.2 Doch verhinderte der Krieg im Reich3 den Romzug. Dennoch konnte der Kg. viele dem Reich entzogene Gebiete zurückgewinnen und die Ungehorsamen befrieden4; der upror in dem Ryke5 ist seiner Entscheidung anheimgestellt. Der Kg. beabsichtigt nach wie vor, den Romzug zur Erlangung der Kaiserwürde zu unternehmen, und wünscht zu diesem Zweck die Aushändigung des in Lübeck eingesammelten Jubelgeldes. Falls die Stadt von anderer Seite deshalb belangt werden sollte, wird er sie in dieser Sache vertreten. Der Gesandte ist bevollmächtigt, dem Magistrat wie anderen Reichsstädten, die das Jubelgeld bereits ausgehändigt haben, einen kgl. Schadlosbrief ausstellen.6 – Der Rat hat den Vortrag angehört und gibt darauf dem Gesandten Antwort7.

    s.l., s.d., jedoch act. Lübeck, 5. März 15078.
    Lübeck, StdA, ASA Ex. 2295, unfol. (Rapular).

    «Nr. 14 Antwortschreiben Hg. Heinrichs V. von Mecklenburg an Kg. Maximilian »

    Bestätigt den Empfang des kgl. Schreibens vom 21. Januar [Nr. 8] für den heutigena 13. März (sonnabend vor letare). Bekennt seine Verpflichtung und beteuert seine Bereitschaft zu Rat und Hilfe bei diesem löblichen Unternehmen zur Erlangung der Kaiserkrone. Zweifellos können jedoch andere Untertanen des Kg. – die Kff.b – in dieser Angelegenheit besser raten als er, der als junger F.1 von diesen Dingen im allgemeinen cund von den ŠGegebenheiten dort, wohin der Kg. will, im besonderen-c wenig versteht. Beteuert noch einmal, daß er es an nichts fehlen ließe, wenn er etwas zu diesem Unternehmen beitragen könnte.

    s.l., s.d., jedoch 13. März 1507.
    Schwerin, LHA, 2.11–1/3 RTA I/1, Nr. 18, Fasz. 1, unfol. (Reinkonz.) = Textvorlage A. Ebd., unfol. (Konz.) = B.

    «Nr. 15 Ladungsschreiben Kg. Maximilians an Reichsstände »

    Der Papst wollte ursprünglich vereinbarungsgemäß in Bologna die Ankunft des frz. Kg. in Mailand abwarten. Doch erhielt er eine zuverlässige Nachricht und Warnung, daß Kg. Ludwig mit großem Gefolge, darunter etlichen tausend Schweizern, in das Hm. Mailand ziehe, um ihn mit Freundlichkeit oder Gewalt dazu zu bringen, daz babstumb in der Franzosen hand zu stellen, sich darnach Ks. zu schreiben und also Ytalien zu erobern. Der Papst ist deshalb nach Rom zurückgekehrt und erwartet dort seine Hilfe als röm. Kg., künftigem Ks. und Vogt und Beschützer der christlichen Kirche. Nach dem Tod seines Sohnes Philipp wäre es für ihn eigentlich erforderlich, unverzüglich in die Niederlande ziehen, um sich des Gehorsams der Untertanen zu versichern und seine ungehorsamen Untertanen in Geldern, die mit ihren heimlichen Helfern, den Franzosen, täglich sein Land heimsuchen, zu bestrafen und zu befrieden. Dennoch will er die Ehre und Wohlfahrt des Hl. Reiches und der deutschen Nation über seine eigenen Belange stellen.1 
    Er ist im Begriff, persönlich zum RT nach Konstanz zu ziehen, und will dort seine Ankunft und die anderer Kff., Ff. und Stände erwarten. Er hat seine Tochter, die Hgin. von Savoyen, und etliche vornehme Räte an seiner Stelle in die Niederlande entsandt.2 
    Befiehlt ihm/ihnen unter Hinweis auf seine/ihre Ehre und Pflicht gegenüber Kg., Reich und deutscher Nation, sofort nach Empfang dieses Schreibens zu ihm anach Konstanz aufzubrechen-a und über die angezeigten wichtigen Angelegenheiten beraten und handeln zu helfen. Er soll/Sie sollen auf niemand anderen warten und sich auch nicht wegen der hl. Zeit abhalten lassen, dann Got aus diser handlung groß gedient werden mag.

    Hagenau, 18. März 1507.
    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 1, Nr. 2A, fol. 14–14’ (Or. m. Siegelrest, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg; präs. Cölln/Spree, 8. April (donerstag in der osterwochen)) = Textvorlage A. München, HStA, Fürstensachen 217/II, fol. 22–22’ (Or., Vermm. und Gegenz. wie A, Adressat: Bf. Heinrich von Augsburg; präs. ŠDillingen, 25. März) = B. München, HStA, KÄA 2017, fol. 360–360’ (Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie A, Adressat: Stadt Ulm) = C. München, HStA, Hst. Freising K.blau 221/6, unfol. (Or., Vermm. und Gegenz. wie A). Metz, AM, AA 4/31 (Or., Vermm. und Gegenz. wie A, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Metz).

    «Nr. 16 Mandat Kg. Maximilians an die Reichsstände »

    Die Eidgenossen ziehen derzeit mit etlichen tausend Mann dem Kg. von Frankreich nach Italien zu und unterstützen ihn damit bei seiner Absicht, den Papst dazu zu nötigen, den Hl. Stuhl in französische Hände zu übergeben und dadurch ihm die Kaiserkrone vorzuenthalten. Es ist ihm als röm. Kg. wie allen Deutschen unerträglich, auf diese Würde zu verzichten und sich der französischen Tyrannei zu unterwerfen. Er hat deshalb seine geplante Reise in die burgundischen Erblande, um sich dort des Gehorsams seiner Untertanen zu versichern und deren Angelegenheiten zu regeln, verschoben.1 Er will sich der Ehre des ŠReiches und der deutschen Nation als seiner eigenen Angelegenheit annehmen, sich jetzt persönlich zum RT nach Konstanz begeben und mit Gottes Hilfe diesen schweren Verlust verhindern.2 
    Für den Fall, daß zwischen ihm und den Eidgenossen – wenn diese den frz. Kg. bei seinen Absichten weiterhin unterstützen – ein Krieg ausbricht, befiehlt er ihma, unverzüglich bseine kriegstüchtigen Gefolgsleute und insbesondere Reiter-b auszurüsten. Diese sollen auf einen entsprechenden Beschluß des RT und auf seinen weiteren Befehl hin unverzüglich ins Feld ziehen und gemeinsam mit den Kontingenten anderer Reichsstände, denen gleichlautende Schreiben zugehen, die Ehre, Würde und Freiheit der deutschen Nation gegen die Tyrannei verteidigen, die der frz. Kg. jetzt mithilfe der Eidgenossen über Genua und andere italienische Kommunen ausübt. Er selbst wird ebenfalls alle seine Mittel dafür einsetzen.3 

    Straßburg, 20. März 1507.
    Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 251–251’ (Kop., Name des Adressaten fehlt, jedoch Mgf. Friedrich von Brandenburg) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 1–1’ (Kop., Name des Adressaten fehlt, jedoch Bf. Lorenz von Würzburg) = B. Zürich, StA, A 176.1, [zu Stück-Nr. 42]4 (undat. Kop., Adressat: Stadt N.) = C. Basel, StA, Fremde Staaten, Mülhausen D 1, unfol. (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Mülhausen)5. Zürich, StA, B VIII 272, nach Stück-Nr. 42 (undat. Kop.).
    Druck: Mieg, Politique, Nr. 11, S. 51; Gagliardi, Anteil I, S. 617 Anm. 45 (auszugsweise).

    «ŠNr. 17 Instruktion Kg. Maximilians für Bf. Georg von Trient als Gesandten zu Hg. Albrecht IV. von Bayern »

    [1.] Absicht Kg. Ludwigs von Frankreich zur Unterwerfung des Papsttums und zur Erlangung der Kaiserwürde; [2.] Notwendigkeit der persönlichen Teilnahme Hg. Albrechts am RT; [3.] Androhung einer Verständigung Kg. Maximilians mit Frankreich für das Haus Habsburg.

    Straßburg, 22. März 1507.
    Straßburg, AV, AA 328, fol. 16–17 (Or. [!], Verm. amdrp., Gegenz. Serntein).

    [1.] Er, der Kg., hat aus schwerwiegenden Gründen einen RT nach Konstanz ausgeschrieben. Er hat seine eigenen Angelegenheiten, nämlich die Reise nach Burgund zur Entgegennahme des Untertaneneides und zum Widerstand gegen die ungehorsamen Gelderer, hintangestellt und reist nunmehr unverzüglich nach Konstanz. Die Ehre und Wohlfahrt des Reiches gehen ihm also über seine eigenen Belange und die seiner Erblande. Wenn er anders verfahren wäre, hätte er zweifellos das Hm. Geldern erobert, das nun verloren ist. Der frz. Kg. schickt sich an, für Frankreich das Papsttum zu gewinnen; er will sich danach als Ks. bezeichnen, da er dann der Kaiserkrone sicher ist. Der Papst befindet sich noch im Zweifel, ob er dem frz. Kg. die Papstwürde verkaufen soll oder nicht, wenngleich er bereits viel Geld angenommen hat. Gegenüber etlichen Kardinälen, die gegen der teutschen nation noch den alten gelauben haben, behauptet er, dazu gezwungen zu sein, da die Franzosen sich in Italien festsetzten und die Deutschen künftig niemanden mehr aus ihrer Nation zum Ks. oder Kg. machen würden. Der Papst hat gegenüber dem röm. Kg. sein Bedauern erklärt, daß dies zu seiner Zeit geschehe und er der letzte italienische Papst sein werde, da doch die Italiener das Papsttum und die Deutschen das Kaisertum lange innegehabt hätten. Er, der Kg., entsendet auf Bitten etlicher Kardinäle erneut Truppen1, dem babst und Ytalien zu trost, kann aber nicht wissen, ob der Papst diese annehmen wird.

    [2.] Dieweil aber in unserm vermugen nit ist, solh swer sachen allain zu underhalten und daryn auf disem Reichs tag ausserhalb sein und ander Kff. und Ff. persondlich beywesen nichts fruchtperlichs gehandelt werden, auch solhs lenger kain bite2 erleiden mag und der cristenhait, des Reichs und teutscher nation zerruttung und abfall alles wesens nie so nahent gewesen, als es yecz ist, sullest du an denselben unsern lb. swager und F., Hg. Albrechten, mit ernst begeren, solhs alles zu herzn zu nemen und in aigner person von stund auf den obbestimbten Reichs tag zu kumen und mitsambt uns und andern des Reichs stenden helfen, entlichen und an weiter bedenken oder verzug zu sliessen, solhen sweren einfellen widerstand zu tun, wie dann das unser kgl. ausschreiben klerlichen anzaigt. Darin wellen wir unser leib und gut, so weit das noch raicht, ungespart darstregken und yecz laut unser schrift [Nr. 16], negst an in Šausgangen, gewislichen in aigner person auch auf den tag gen Costentz ziehen und von dannen in fuesstapfen noch understeen, das babstumb zu erretten und unser ksl. cron zu emphahen.
    [3.] Wurde aber er aussen beleiben und wir in solhem von im und andern stenden verlassen, so ervordert unser merkliche notturft, ist auch entlichen unser will, uns von wegen unser erblichen heuser Osterreich und Burgundi mit dem Kg. von Frankreich zu seczen, wiewol wir wissen, das uns daselbs kain gelauben gehalten wirdet. Aber wir werden von unsern landschaften darzu gedrungen, dieweil sy sehen und empfinden, das inen die Kgg. zu Frankreich, Hungern und Aragonia, auch Britenischen, Venediger, Italischen, Maylender, Aydgenossen, Lutticher und Geldrischen als des Reichs und teutscher nation naturlich veind zu mechtig werden wellen. Und sy haben uns bisher alles ir vermugen dargestregkt und wir darzu unser camergut verseczt und verkauft, das wir noch teglichs tun. Soll es nu darzu kumen, so wirdet das unser als eins röm. Kg. und sein und der andern stende smach und spot, auch am ersten unser als eins Ehg. zu Osterreich, Hg. zu Burgundi und zuleczt sein selbs verderben sein. Darumb sol er die sachen wol bedenken, damit sein L. zu solhem unwiderbringenlichen abfal nit ursach gebe.

    Der Bf. soll über die Antwort Hg. Albrechts3 unverzüglich berichten. [Datum].

    «Nr. 18 Kg. Maximilian an Kf. Friedrich III. und Hg. Johann von Sachsen »

    Akkreditiert seine beiden Räte Ernst von Welden (Pfleger zu Seifriedsberg) und Balthasar Wolf von Wolfsthal (Pfleger zu Donauwörth und Weißenburg) als Gesandte, eu etlicher unser und des Hl. Reichs obligenden sachen zu berichten.1

    Straßburg, 22. März 1507. 
    Weimar, HStA, Reg. E, Nr. 54, fol. 3–3’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein).

    «Nr. 19 (Fiktives?) Mandat Kg. Maximilians an Reichsstände, hier an Ebf. Ernst von Magdeburg »

    [1.] Absicht Kg. Ludwigs von Frankreich zur Unterwerfung des Papsttums und Erlangung der Kaiserwürde; [2.] Unrechtmäßigkeit des französischen Vorgehens gegen das reichstreue Genua; [3.] Aufforderung zur Einwilligung in eine von den Reichsständen bereits genehmigte Anleihe und zu deren Bezahlung.

    Konstanz, 9. April 1507 [!].1
    ŠNürnberg, StA, ARTA 8, fol. 253–255 (Kop.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 3–4’ (Kop.) = B.

    [1.] Er hat eine zuverlässige Warnung erhalten, daß der frz. Kg. etliche tausend Mann zur Sicherung der Grenze zwischen der Picardie (Bickardi) und dem Artois abgestellt habe, während er selbst mit 16 000 Franzosen und 5000 Schweizern über die Alpen nach Italien ziehe; die Osterfeiertage (hl. zeyt) habe er in Grenoble verbracht. Der frz. Kg. beabsichtige, sich gegen den Papst zu wenden und ihm Bologna (Bononi) wegzunehmen – die unser botschaft, so dozumal doselbst gewesen ist, aus lieb der gmain, die sich als ein alte reichstat zu derselben botschaft getragen, seiner Hlt. uberantwort2 –, um sie seinem Parteigänger Giovanni Bentivoglio zurückgeben zu können. Der frz. Kg. dränge den Papst, zu ihm nach Bologna zu kommen. Andernfalls wolle er ihn mit Gewalt holen und dann erst die reichsunmittelbare Stadt Genua unter die französische Knechtschaft zwingen. Der frz. Kg. wolle den Papst in seine Gewalt bekommen, bevor der röm. Kg. diesem zu Hilfe eilen könne; er wolle den Hl. Stuhl, die Kaiserwürde und ganz Italien für alle Zeit für die französische Krone gewinnen. Man beabsichtige, die beiden Städte [Bologna und Genua] stark zu befestigen, um sie für Frankreich zu sichern. Dieses Vorgehen gegen den Papst und den Hl. Stuhl werde damit gerechtfertigt, daß der Papst gegenüber den Franzosen bei der Eroberung Bolognas wortbrüchig geworden sei. Dieser beklage sich nicht offen über die Franzosen, damit er sie nicht weiter gegen sich aufbringe und weil er entweder über ihre Intrigen nicht informiert sei oder den Berichten darüber keinen Glauben schenke. Der Papst hoffe, von seinem Schweigen zu profitieren, nachdem er vor seiner Wahl den Franzosen in Hinblick auf Mailand und andere Angelegenheiten immer willfährig gewesen sei. Überdies werde er durch die Franzosen mit falschen Worten – wie sie diese dem röm. Kg. gegenüber früher auch gebraucht hätten – in Sicherheit gewiegt. Sie behaupteten nämlich, sie würden nur gegen Genua ziehen. Ihre tatsächlichen Absichten ergäben sich indessen aus der Tatsache, daß die Genueser angeboten hätten, ihre Tore zu öffnen, wenn ihre Freiheiten gewahrt blieben, so daß also die persönliche Anwesenheit des frz. Kg. mit einer solchen Streitmacht gar nicht nötig sei. Derzeit stünden über 34 000 Mann in Italien und an den Grenzen zu den burgundischen Erblanden. Da die Genueser eine schwere Bestrafung erwarteten und gar die Zerstörung ihrer Stadt befürchteten, beklagten sie gegen jedermann die Tyrannei der Franzosen; ihre Hoffnungen ruhten allein noch auf Gott und dem röm. Kg.
    [2.] Die Genueser haben ihn bei seinem letzten Aufenthalt in ihrer Stadt als Herrn anerkannt, ihm die Schlüssel übergeben und ihren Gehorsam gegenüber Kg. und Reich bekundet und erzeigt.3 Der frz. Statthalter Ravenstein hat allein aus Geldgier Uneinigkeit in der Stadt gesät4, wie er dies zuvor zwischen ihm und den Flamen
     Šgetan hatte.5 Deshalb waren die Genueser genötigt, den Statthalter und seine Partei zu vertreiben.
    [3.] Er befiehlt zwar ihm und anderen Reichsständen im beiliegenden Mandat [Nr. 16], gegen diese Absichten des frz. Kg. unverzüglich zu rüsten, doch kann es angesichts des französischen Vorsprungs nötig werden, dem Papst, dem Hl. Stuhl und der Stadt Genua sofort zu Hilfe zu eilen. Er hat deshalb mit den hier anwesenden Reichsständen beraten und in die Wege geleitet, daß die Schweizer nach französischem Vorbild durch Geldzahlungen und Pensionen veranlaßt werden, vom frz. Kg. abzuziehen und diesen nicht länger zu unterstützen. Zwar haben die Eidgenossen dem frz. Kg. die Kaiserwürde bislang wohl gegönnt, doch haben etliche von ihnen nach seinen Informationen noch genügend Ehre, um nicht zulassen zu wollen, daß die tyrannischen Franzosen das Papsttum und die Kaiserwürde gewinnen. Jeder kann ermessen, welche Folgen dies für die Christenheit hätte. Die Stände haben deshalb bewilligt, daß er als Ehg. von Österreich, er [der Ebf.] und die übrigen Stände je nach Leistungsvermögen neben der Eilenden Hilfe eine Anleihe leisten, die für den oben dargelegten Zweck hierher nach Konstanz an die Reichsversammlung zu überweisen ist.6 Auf ihn entfallen demnach 1200 fl.rh. Er befiehlt ihm, in diese Anleihe einzuwilligen und das Geld unverzüglich an die Reichsversammlung nach Konstanz auszuzahlen, damit der Papst, der Hl. Stuhl, die Kaiserkrone, die Stadt Genua und andere zum Reich gehörige italienische Stände, die ihrerseits ihre Hilfe bereits zugesagt haben, vor der französischen Tyrannei und für die deutsche Nation gerettet werden. Nichtsdestotrotz soll er dem beiliegenden Aufmahnungsmandat Folge leisten. Für die Anleihe wird ihm in Konstanz eine kgl. Obligation ausgehändigt.

    «Nr. 20 Aufzeichnung über Verhandlungen der kgl. Gesandten Ernst von Welden (kgl. Pfleger zu Seifriedsberg) und Balthasar Wolf von Wolfsthal (kgl. Pfleger zu Donauwörth und Weißenburg) mit dem Rat der Stadt Nürnberg »

    Die kgl. Räte Ritter Ernst von Welden und Ritter Balthasar Wolf legten vor dem Nürnberger Rat ausführlich den Befehl des röm. Kg. dar, eine bevollmächtigte Gesandtschaft zum RT nach Konstanz, den der Kg. unter Hintanstellung seiner erbländischen Angelegenheiten zum Wohl des Reiches einberufen hat, abzuordnen. Die Nürnberger Gesandten sollten ohne Hintersichbringen gemeinsam mit den übrigen Reichsständen über die Angelegenheiten von Kg. und Reich, die Kaiserkrönung, das Papsttum und die Abwehr Frankreichs beraten. Die beiden kgl. Räte legten weiter dar, daß der frz. Kg. in Verhandlungen über den käuflichen Erwerb der Papstwürde stehe und der Papst bereits Geld angenommen habe und daß der frz. Kg. beabsichtige, nicht nur die Papstwürde, sondern ganz Italien zu gewinnen und daneben Ungarn, Aragon, Venedig, Lüttich und Geldern unter seinen Willen zu zwingen und dadurch seine Macht zum Nachteil des Reiches zu steigern. Da der röm. Kg. dem Šnicht allein Widerstand leisten könne, sei er für den Fall, daß die Stände in Konstanz nicht erscheinen würden, genötigt, die Interessen seiner Erblande zu bedenken und sich für Burgund und Österreich mit dem frz. Kg. vertraglich zu einigen, wenngleich auf die Einhaltung eines solchen Vertrags durch die Franzosen wenig Verlaß wäre. Der Kg. sei bereit, in dieser wichtigen Angelegenheit alle seine Mittel einzusetzen.
    Jörg Holzschuher und Konrad Imhoff versicherten den kgl. Räten die Treue der Stadt gegen den Kg. und sagten zu, unverzüglich eine bevollmächtigte Gesandtschaft zur Beratung über die Reichsangelegenheiten nach Konstanz abzufertigen.1 

    Act. Nürnberg, 14. April 1507 (mitwochs [nach Quasimodogeniti]).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratsbücher, Nr. 8, fol. 348’-349’ (Kop.).

    «Nr. 21 Kg. Maximilian an einen weltlichen Reichsfürsten »

    Er teilt beiliegend etliches über die Gründe für die Einberufung des RT und über das Vorgehen des frz. Kg. gegen ihn, den Hl. Stuhl, das Hl. Röm. Reich, die deutsche Nation und Italien mit.1 Er setzt ihn in diesem Zusammenhang darüber in Kenntnis, daß vor wenigen Tagen ein geheimer Kammerdiener des frz. Kg.2 bei ihm war, der erklärte, daß sein Kg. Frieden und Freundschaft mit ihm und seinem Enkel Ehg. Karl von Österreich sowie mit ihren Ländern und Untertanen wünsche. Obwohl er wußte, daß es sich nur um ein Täuschungsmanöver handelte, ordnete er dennoch zu mererm glimpf einen seiner Diener ab, um den frz. Kg. seiner Freundschaft zu versichern. Dieser Diener [Claude de Salins] äußerte gegenüber dem Kardinal von Rouen (Rom), daß der röm. Kg. der oberste Vikar und Beschützer der Christenheit sei und diesem deshalb die Verteidigung des Papstes, der Kardinäle und der christlichen Kirche obliege. Sein Diener erhielt durch den Kardinal in Gegenwart von vier weiteren Kardinälen und der Gesandten des Kg. von Aragon3 öffentlich Šdie Antwort, daß der röm. Kg., weil er sich einen obersten Vikar und Beschützer des Hl. Stuhls nenne, ein Ketzer sei, denn die ganze Welt sollte dem Papst untertan sein, und nach dem Papst komme der frz. Kg., den man den allerchristlichsten Kg. nenne. Der Kardinal sagte auch einen Tag zuvor öffentlich zur päpstlichen Gesandtschaft, daß der Kg. von Frankrich daz, so er ime bewyse, umb den babst nit verdient hab, dardurch er vermeint, mit dem schwert glauben bij dem babst zu machen. Daz doch, als meniglich weiß, nit ist. Er wollte ihm dies mitteilen, damit er über den Stand der Dinge, die zur Eile drängen, informiert ist und ihre große Bedeutung für ihn als Kg., das Hl. Reich, den Hl. Stuhl, die deutsche Nation und die ganze Christenheit ermessen kann.

    Straßburg, 16. April 1507.
    Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 2–2’ (Kop.) = Textvorlage A. Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 252–252’ (Kop.) = B.

    «1.2. Beziehungen König Maximilians zum europäischen Ausland »

    «Nr. 22 Bericht Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Äußerungen Kg. Maximilians über seine Feinde und [2.] die Unzuverlässigkeit Ungarns in bezug auf die Türken; [3.] Werben des röm. Kg. um ein Bündnis mit Venedig; [4.] Vertraulichkeit der Mitteilungen Kg. Maximilians.

    s.l., jedoch Innsbruck, 10. Januar 1507.
    Venedig, AS, Capi del Consiglio dei Dieci, Lettere di Ambasciatori, busta 12, fol. 9 (ital. Reinschrift) = Textvorlage A. Ebd., fol. 8–8’ (chiffriertes Or.).

    [1.] Kg. Maximilian bat ihn am Vortag [9.1.] zu sich und äußerte mit der aus Gründen der Geheimhaltung gemachten Auflage zur Berichterstattung ausschließlich an den Rat der Zehn und nicht an den Senat folgendes: Er habe derzeit drei Türken zu Feinden: den Kg. von Spanien (re de Tremisen1) wegen des Anspruches seiner Enkel auf das Kgr. Kastilien, den Kg. von Frankreich, der ein schlechter Mensch gleich dem treulosen Türken sei, und den türkischen Sultan (gran turcho). Er denke Tag und Nacht an nichts anderes, als sich an diesen Dreien zu rächen, insbesondere am frz. Kg. und am Sultan.
    [2.] Der Kg. von Ungarn und er hätten einen dreijährigen Waffenstillstand mit den Türken geschlossen2, der bald auslaufe. Er habe deshalb Sigmund Pflug zu Kg. Wladislaw Šentsandt, um dessen Absichten diesbezüglich in Erfahrung zu bringen. Der Gesandte habe nach seiner Rückkehr berichtet, daß sich der ungarische Kg. ausweichend geäußert habe; von anderer Seite habe er jedoch zuverlässig in Erfahrung bringen können, daß der Kg. einen unbefristeten Geheimvertrag mit dem Sultan geschlossen habe.3 Wenn es sich so verhalte, vergeude Venedig die 30 000 Dukaten, die es jährlich an den ungarischen Kg. zahle.4 
    [3.] Er, der röm. Kg., habe den schriftlichen Bericht des Kardinals von Brixen und die mündliche Relation des Ebf. von Trier vernommen5, ebenso wie zuvor die entsprechenden Mitteilungen Pasqualigos in Salzburg vor ihm und dem kgl. Rat.6 Er solle dem Dogen und dem Rat der Zehn berichten, che al tempo dela dieta imperial de Constanza vi farò resposta, attrovandome o non me attrovando in dicta dieta, perché pretendo che in essa dieta se dedugi la dicta resposta et se consegli de agendis. Ein von ihm kürzlich hier in Innsbruck verlesenes Schreiben der Signorie, das die in Salzburg (Malzpurch [!]) gegebene Antwort Pasqualigos auf seine Äußerung über die gegen ihn gerichtete Agitation Frankreichs in Venedig bestätige, und die Berichte seiner Gesandten, des Kardinals von Brixen und des Ebf. von Trier, gäben ihm Hoffnung, daß Venedig sich doch noch mit ihm verbünden werde. Er verspreche, der Republik, solange er lebe, niemals feindlich gegenüberzutreten, sondern ihr immer in jeder möglichen Weise beizustehen. Er, Pasqualigo, solle die Signorie inständig bitten, ihn nicht im Stich zu lassen. Die Signorie sei weise, aber nicht kriegserfahren, sie habe zwar genügend Soldaten, aber keinen Truppenkommandeur von seiner Qualität. Er Šverfüge bereits über 100 000 Dukaten, die er ausschließlich für den Italienzug verwenden werde, um sich an den Franzosen als seinen Feinden und als Feinden Venedigs zu rächen.
    [4.] Der Kg. forderte ihn anschließend noch einmal auf, seine Äußerungen streng vertraulich zu behandeln und darüber ausschließlich an den Dogen und den Rat der Zehn zu berichten, nicht jedoch an den Senat. Falls dessen Informierung als notwendig erachtet werden sollte, bittet er, Pasqualigo, dies insgeheim zu tun, damit der röm. Kg. davon nicht erfährt.

    «Nr. 23 Bericht Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Eingang einer Weisung aus Venedig; [2.] Absicht Papst Julius’ II. zur Vermittlung zwischen Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich; [3.] Bewertung des Vorgangs durch Pasqualigo; [4.] freundliche Haltung Kg. Maximilians gegenüber Venedig.

    Innsbruck, 12. Januar 1507.
    Venedig, AS, Capi del Consiglio dei Dieci, Lettere di Ambasciatori, busta 12, fol. 11–12’ (ital. Reinschrift) = Textvorlage A. Ebd., fol. 10–10’ (chiffriertes Or.).

    [1.] Bestätigt, am Abend des 11. Januar die Weisung vom 5. Januar mit der Mitteilung über die Abreise des päpstlichen Gesandten zu Kg. Maximilian, Costantino Arianiti, aus Rom und mit der Aufforderung zu regelmäßiger Berichterstattung empfangen zu haben.1 
    [2.] Kürzlich kehrte der kgl. Sekretär Agostino Somenza aus Rom zurück. Dieser informierte ihn vertraulich über eine Äußerung des Papstes, Arianiti beauftragt zu haben, den von ihm so sehr ersehnten Ausgleich zwischen dem frz. Kg. und dem röm. Kg. herbeizuführen. Der Papst habe dabei gegen Venedig räsoniert. Auch wenn die erwarteten Nachrichten aus Frankreich und aus Neapel noch nicht eingetroffen seien, habe er die Mission [Arianitis] nicht länger verschieben können. Somenza äußerte weiter, er habe in Bologna erfahren, daß aus Frankreich die Nachricht von der Zustimmung Kg. Ludwigs zur Vermittlung durch den Papst erwartet worden sei. Der frz. Kg. wolle aber keinesfalls, daß der Eindruck entstehe, als ob diese Initiative von ihm ausgegangen sei; vielmehr solle der Papst es so aussehen lassen, als ob der röm. Kg. dessen Vermittlung erbeten habe. Der Špäpstliche Unterhändler gehe aber davon aus, daß der frz. Kg. sich letztlich den päpstlichen Wünschen fügen werde. Aus Neapel erwarte man die Bestätigung, daß der Kg. von Aragon dem künftigen Abkommen und Bündnis ebenfalls beitreten wolle.
    aDiese Mitteilung Somenzas steht zweifellos im Zusammenhang mit dem, was der röm. Kg. vor drei Tagen eröffnet hat – cum affection incredibile, worüber er in seinem Bericht vom 10. Januar Bericht erstattet hat-a.
    [3.] Die Reise Arianitis hierher ist seiner Ansicht nach damit zu erklären, daß die inzwischen eingetroffenen Stellungnahmen aus Frankreich und Neapel entsprechend den päpstlichen Wünschen ausfielen. Arianiti kommt demnach, um über ein Bündnis zwischen dem Papst, dem röm. Kg., Frankreich, Spanien und ihren Parteigängern zu verhandeln. Dies erinnert an das vor drei Jahren geschlossene Bündnis dieser Herren gegen Venedig2, la qual subito fo intesa, fo interrota. Der Vertrag wurde damals nicht realisiert, da Spanien das befreundete Venedig in den dreijährigen Waffenstillstand mit Frankreich einbezogen hatte.3 Dazu paßt auch, daß der röm. Kg., [Matthäus] Lang und der gesamte kgl. Rat seit Tagen ihm gegenüber von einer Übereinkunft zwischen dem Papst und Frankreich sprechen, unverzüglich gegen Venedig vorzugehen. Wie dem auch sei, er wird sich darum bemühen, mehr über die Mission Arianitis in Erfahrung zu bringen, und unverzüglich darüber Bericht erstatten.
    [4.] Er kann versichern, daß sich der röm. Kg. ganz als Freund Venedigs erzeigt und keinem anderen Staat auf der Welt so zugeneigt ist. In vertraulichen Gesprächen und öffentlich erklärt er seine Zuneigung zu Venedig und seine Hoffnung auf ein Bündnis, mit dessen Hilfe er sich problemlos für das von den Franzosen verübte Unrecht rächen könne. Für den Papst hegt der röm. Kg. geringe Wertschätzung: Dieser sei gut französisch und wegen der Erhebung von Franzosen zu Kardinälen daran schuld, wenn das Papsttum nach Frankreich zurückkehre.4

    «Nr. 24 Weisung des Dogen und der Signorie von Venedig an Dr. Pietro Pasqualigo »

    [1.] Bestätigen den Eingang seiner Berichte vom 24. und 28. Januar1. Er soll gegenüber Kg. Maximilian erneut ihre Verbundenheit und Treue bekunden. Was die kgl. Vorschläge angeht2, soll er wie zuvor beteuern, daß Venedig im Herzen bereits mit dem röm. Kg. Šverbündet ist. Konkret sollte man sich in der derzeitigen Situation aber vor allem der Position Kg. Ferdinands von Aragon versichern. Die venezianischen Gesandten in Neapel haben berichtet, daß der kgl. Gesandte Bf. [Christoph] von Laibach auf dem Rückweg zu Kg. Maximilian sei, wie es heißt, mit geheimen und wichtigen Informationen, die auch auf diese Materie Bezug haben. Er soll den röm. Kg. versichern, daß sie sich an seine großzügigen Angebote erinnern und davon überzeugt sind, daß er nichts unternehmen wird, was der Republik schaden könnte.

    s.d., jedoch Venedig, 9. Februar 1507.
    Venedig, AS, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 229–229’ (ital. Kop., Randverm.: Ser Laur[entius] Iustiniano, ser Aloysius de Mollino, consiliarii; ser Marcus Bollani, ser Hier[onymus] Georgio, eques, ser Franc[iscus] Tronus, ser Leon[ardus] Mocenigo, ser Petrus Duodo, sapientes consilii; ser Hier[onymus] Quirino, ser Petrus Victuri, ser Marinus Georgio, Dr., ser Ant[onius] Iustiniano, Dr., sapientes t[erre] firme. Verm. am Textende: De parte: 154).

    «Nr. 25 Instruktion Kg. Maximilians für Kaspar von Winzer (kgl. Rat und Pfleger zu Dürnstein) als Gesandten zu Pfgf. Philipp, Administrator des Bm. Freising »

    Nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp fiel das Kgr. Kastilien an dessen Witwe Johanna und damit an deren Kinder. Um deren Erbanspruch auf das Kgr. zu sichern, auch um die verwitwete Kgin. zu trösten, beabsichtigt er, eine vornehme Gesandtschaft, darunter ihn, Administrator Philipp, nach Spanien abzuordnen.1 Er ist für das Unternehmen besonders geeignet. Er ist ein nahe verwandter Freund der Kinder, zwischen Kg. Philipp und dem Bruder des Administrators bestand ein besonderes Vertrauensverhältnis.2 Er soll deshalb an Šder Reise nach Spanien teilnehmen und dort gemäß der für ihn und seine Begleiter erstellten Instruktion verfahren. Dafür will er ihm die Teilnahme am Konstanzer RT erlassen. Philipp soll statt dessen nach den Osterfeiertagen nach Mecheln ziehen. Er wird bis dahin alles für die Reise Notwendige einschließlich der Gesandtschaftunterlagen erhalten. Winzer soll dessen Antwort unverzüglich mitteilen.

    Straßburg, 21. März 1507.3 
    München, HStA, Hst. Freising, K.blau 220/1, unfol. (Or. m. S., Verm. prps., Gegenz. Serntein).

    «Nr. 26 Bericht Dr. Vincenzo Querinis und Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Empfang der venezianischen Gesandten am kgl. Hof; [2.] Äußerungen Kg. Maximilians über das Vorgehen Frankreichs in Italien und die Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen.

    Straßburg, 22. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 3’-4’ (ital. Kop.; Postverm.: Per Joanem Vesicam, cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 74’-75’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.1
    Referiert bei: Brunetti, Vigilia, S. 9.

    [1.] Sie sind am 19. März hier in Straßburg eingetroffen.2 Der röm. Kg. schickte ihnen zum Empfang zwei Meilen vor der Stadt seinen Hofmeister (maestro de caxa)3 und den Bailli von Burgund4 mit einigen Berittenen entgegen. Der Kg., der zur Falkenjagd auswärts weilte, hatte ihnen erlaubt, sich zu ihm zu begeben. Sie trafen ihn vor den Toren der Stadt Šan; der Kg. forderte sie auf, ihre Quartiere zu beziehen, und beschied sie zur Audienz, die gestern in Gegenwart vieler Herren stattfand. Nach den üblichen Grußworten in Namen der Signorie übergab Querini sein Kredenzschreiben und hielt eine lateinische Rede. In seiner durch Dr. Hayden (Aidem) vorgetragenen Antwort bekundete der Kg. seine Geneigtheit gegenüber Venedig.
    [2.] Nach dem Essen zog sich der Kg. mit ihnen beiden, Serntein und dem kgl. Marschall Gf. [Wolfgang] von Fürstenberg in ein Zimmer zurück, wo er lange über vielerlei Dinge sprach, wovon sie das wichtigste wiedergeben: Nachdem er über die Ankunft des frz. Kg. in Mailand samt seinem zum Einsatz gegen Genua vorgesehenen Heer, darunter 4000 Schweizern, informiert worden sei, habe er seine ursprüngliche Absicht, sich in die Niederlande zu begeben, geändert und den RT nach Konstanz einberufen – in dem Wissen, daß die Absicht des frz. Kg. zur Unterwerfung Genuas bei jedermann höchstes Mißfallen hervorrufen werde, zumal die Stadt immer reichsunmittelbar gewesen sei. Sie habe ihm während seines Aufenthalts dort den Gehorsamseid geleistet und die Stadtschlüssel übergeben.5 Er hoffe, daß der RT gute Entschlüsse fassen werde. Einstweilen habe er den frz. Kg. schriftlich davor gewarnt, sich in Reichsangelegenheiten einzumischen, was großes Mißfallen erregen würde. Gleichwohl befürchte er, daß die Franzosen binnen eines Monats die uneingeschränkten Herren der Stadt sein würden. Dies sei eine schlimme Sache, da Frankreich als letztes Ziel dann nur noch die Unterwerfung Venedigs bleibe, um die Alleinherrschaft über ganz Italien zu erringen, was, wenn nicht bald, dann doch im Laufe der Zeit geschehen werde. Die Deutschen, obwohl sehr mächtig, ließen in ihrer Kleinmütigkeit die Franzosen gewähren, zum Unglück Italiens und zur Schande des Reiches. Deshalb habe er Venedig wiederholt aufgefordert, das Bündnis mit ihm zur Vertreibung der Franzosen nicht länger hinauszuschieben; wenn sie darauf eingingen, käme er sofort mit großer Macht nach Italien, unter Hintanstellung seiner übrigen Angelegenheiten. Andernfalls könne es leicht geschehen, daß er den vom frz. Kg. mit vielen Versprechungen angebotenen Frieden akzeptiere. Wenn er dieses Jahr nicht nach Italien käme, würde nie wieder ein Deutscher zum Kaiser gekrönt werden, da alles den Franzosen gehören würde. Wenn die Signorie bedenke, was er bislang gesagt und angekündigt habe, werde sie feststellen, daß es die Wahrheit gewesen sei. Er sei davon überzeugt, daß er sich auch jetzt nicht täusche, wenn nicht geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen würden.
    Der Kg. ersuchte Pasqualigo eindringlich, der Signorie nach seiner Rückkehr diesen Sachverhalt detailliert zu erläutern. Die weiteren Äußerungen des Kg. sollen hier der Kürze halber nicht wiedergegeben werden.
    Sie antworteten im Sinne der Signorie. Pasqualigo dankte mit den für einen Gesandten üblichen liebenswürdigen Worten und Gesten und bat um seine Verabschiedung. Er wird morgen oder übermorgen [23./24.3.] aufbrechen.

    «ŠNr. 27 Bericht Dr. Vincenzo Querinis und Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Ein zum röm. Kg. entsandter Kammerdiener des frz. Kg. ist eingetroffen und wurde nach nur einer Audienz unverzüglich wieder entlassen. Sie konnten in Erfahrung bringen, daß der Gesandte die Mitteilung über die Ankunft seines Kg. in Mailand überbrachte. Es heißt, dieser bezwecke nichts anderes, als zum einen den Besitz dieses Hm., mit dem der röm. Kg. den frz. Kg. belehnt habe, zu demonstrieren und zum anderen die exilierten genuesischen Patrizier zu repatriieren sowie das Volk zu bestrafen, um künftigen Erhebungen vorzubeugen. Der röm. Kg. bestätigte in seiner Antwort [an Kg. Ludwig], daß eine Belehnung mit Mailand erfolgt sei, machte jedoch zugleich darauf aufmerksam, daß er für den Fall seines erbenlosen Todes seinen Sohn, den verstorbenen Kg. von Kastilien, für sich und seine männlichen Erben mit Mailand belehnt habe1, und warnte davor, sich in Angelegenheiten des Reiches einzumischen. Er werde sonst bis vor die Tore von Paris ziehen; den Weg dorthin kenne er gut.
    Der König sagte ihnen am Vortag [21.3.] auf dem Weg zur Messe, daß der französische Gesandte zum Wohle des Friedens gekommen sei und mit diesem Anliegen auch rasch wieder habe abreisen müssen.
    [2.] Ebenfalls eingetroffen ist ein Gesandter des Kg. von Aragon, der sagte, daß er beauftragt sei, die – bereits erfolgte – Abfertigung des Bf. von Laibach zu erwirken. Der Bf. solle den Kg. von Aragon, wie von diesem erbeten, über die Anliegen des röm. Kg. bezüglich Kastiliens unterrichten. Denn sein Kg. wolle in Kürze nach Spanien zurückkehren, um dort zum Wohle der gemeinsamen Enkel der beiden Kgg. [Karl und Ferdinand] entsprechend den Wünschen des röm. Kg. zu verfahren.

    Straßburg, 22. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 4’-5 (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem.2) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 75’-76 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti, Vigilia, S. 10.

    «Nr. 28 Kredenzbrief Kg. Maximilians für Luca de Renaldis als Gesandten zu Papst Julius II. »

    Er hat den kgl. Rat Luca de Renaldis (Propst zu Xanten) beauftragt, nach seiner Rückkehr aus Neapel von Kg. Ferdinand von Aragon1 als kgl. Orator an der Kurie zu fungieren. Bittet, diesem Glauben zu schenken.2

    Šs.l., s.d., jedoch Straßburg, zwischen dem 23. und 28. März 1507.3 
    Wien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 77 (lat. Konz. mit ex.-Verm.).

    «Nr. 29 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der röm. Kg. ist unter Zurücklassung des Rates und des größten Teils seines Hofstaates mit geringer Begleitung in die Berge geritten; er wird in Kürze hierher zurückkehren. Sein Vorgänger [Pasqualigo] ist am Vortag [24.3.] nach Venedig abgereist. Er hinterließ beim Kg. und bei den Angehörigen des Hofes einen sehr guten Eindruck.1 
    [2.] Er selbst stattete dem päpstlichen Gesandten Costantino Arianiti einen Besuch ab. Dieser sagte, daß die Versöhnung und die Einigung des röm. Kg. mit dem frz. Kg. der einzige Zweck seiner Mission sei. Er bemühe sich darum befehlsgemäß mit allem Nachdruck, gleichwohl widerwillig, da er erkannt habe, daß dies dem Ruin Italiens diene, daß es der Serenissima zum Nachteil gereiche, gegenüber der er sich, nicht zuletzt als venezianischer Edelmann2, immer als bereitwilliger Diener erzeigt habe, und schließlich daß alles Gute, das man für Italien erhoffen könne, von Venedig abhänge. Er habe sich wiederholt beim Papst in diesem Sinne eingesetzt, allerdings vergeblich. Er habe dem Papst bei einer vertraulichen Unterredung auseinandergesetzt, daß sein Streit mit Venedig letztlich zur Zerstörung Italiens führen werde. Seine Heiligkeit habe allerdings auf ihrem Standpunkt verharrt und mit dem Worten geschlossen: Pereat totus mundus, purché io consequisca lo intento mio. Er habe mit dem Kg. darüber gesprochen und hoffe, während des Konstanzer RT eine verbindliche Erklärung zu bekommen. Er wundere sich über das Vertrauen Venedigs gegenüber dem frz. Kg., der mit einem starken Heer nach Italien ziehe, und auch über die Überzeugung Venedigs, daß sein Ziel ausschließlich Genua sei – zumal in Anbetracht seines ehrgeizigen Charakters und da dies zu einer Zeit geschehe, da Kg. Ferdinand (re de Napoli) nach Spanien zurückkehre und den frz. Kg. deshalb in seinen Absichten nicht hindern könne.
    Er wies in seiner Antwort unter anderem auf die feindselige Haltung des Papstes gegenüber Venedig hin, das daran keine Schuld trage, sondern vielmehr treu zu diesem stünde. ŠDie Serenissima wünsche sich vom Papst nichts anderes, als daß er sein Wort halte.3 Er forderte Arianiti auf, seiner behaupteten wohlmeinenden Haltung gegenüber Venedig treu zu bleiben.
    Arianiti bekräftigte diese wortreich und bekundete seine Hoffnung, daß zum Wohle Italiens ein Weg zum Ausgleich zwischen dem Papst und Venedig gefunden werde und der röm. Kg. bei seinen guten Absichten bleibe.
    Er, Querini, wird versuchen, Arianiti soweit möglich als Freund zu gewinnen.

    Straßburg, 25. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 5’-6 (ital. Kop.; Postverm.: Per postas regias in Hispruch et inde per proprium nuntium Roveredum.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 76’-77 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti, Vigilia, S. 10f.

    «Nr. 30 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der Kg. hält sich nach wie vor vier Meilen entfernt von Straßburg auf. Soweit er in Erfahrung bringen konnte, wartet er auf eine Nachricht von seiner Tochter Margarethe, die in die Niederlande gereist ist, um dort an seiner Stelle an einer Ständeversammlung zu Verhandlungen über die Übernahme der Statthalterschaft teilzunehmen. Falls es Schwierigkeiten gibt, wird sich der Kg. unverzüglich in die Niederlande begeben – unter Hintanstellung aller übrigen Angelegenheiten. Wenn die Ehgin., wie erhofft, als Statthalterin akzeptiert wird, wird der Kg. in jedem Fall persönlich am RT teilnehmen.
    [2.] Der RT wurde deshalb nach Konstanz ausgeschrieben, um Grenzstreitigkeiten der dort beheimateten Stände mit den benachbarten Schweizern zu bereinigen. Außerdem soll über die Kaiserkrönung des röm. Kg. und über Angelegenheiten Italiens beraten werden. Und schließlich wird der röm. Kg. schwerwiegende Anschuldigungen gegen den frz. Kg. wegen des Bruches des Vertrags von Hagenau erheben. Für alle Fälle hat der röm. Kg. gegenüber Arianiti und anderen ein Übereinkommen mit Frankreich nicht völlig ausgeschlossen. Doch hält er alles in der Schwebe, während er in erster Linie auf die Erklärung Venedigs wartet; nach wie vor hofft er – aufgrund seiner Auslegung des von Pasqualigo übergebenen Schreibens1 – auf ein Bündnis gegen Frankreich bei gleichzeitiger Neutralität des Kg. von Spanien.
    [3.] Er wird sich bei weiteren Gesprächen mit dem röm. Kg. bedeckt halten und alles daran setzen, dessen freundliche Einstellung gegenüber Venedig zu erhalten und die Dinge Šso zu belassen, wie sie jetzt sind. Diejenigen, die mit den deutschen Angelegenheiten vertraut sind, vertreten die Auffassung, daß es der röm. Kg. nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp umso leichter haben wird, die Ff. auf dem RT für seine Ziele zu gewinnen, da sie nicht mehr befürchten müssen, daß er sich nur selbst erhöhen und seinen Sohn zum röm. Kg. krönen will. Diese Willfährigkeit der Ff. bedeutet für den Kg. einen Zuwachs an Autorität und Macht, was man im Umgang mit ihm wird berücksichtigen müssen. Er, Querini, hofft, daß auch die Signorie dies beachtet und die Bedeutung eines guten Verhältnisses zum röm. Kg. genügend würdigt.
    [4.] Der Gesandte Kg. Ferdinands (zentilhomo aragonexe) bemüht sich weisungsgemäß um eine Erklärung des röm. Kg. bezüglich Kastiliens. Doch befinden sich am Hof auch Gesandte von kastilischen Granden, die Anhänger Kg. Philipps waren. Diese bemühen sich beim Kg. darum, entweder die Reise Kg. Ferdinands nach Kastilien zu verhindern oder wenigstens dafür zu sorgen, daß sie wegen ihrer Parteinahme für Kg. Philipp keine Nachteile zu gewärtigen haben. Der röm. Kg. hält sich nach beiden Seiten hin bedeckt; er wartet den Ausgang des nach Ostern zusammentretenden RT und die Erklärung Venedigs ab.

    Straßburg, 27. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 6’-7 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas et nuntium.2) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 77’-78 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    «Nr. 31 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Gestern ging er auf Einladung des röm. Kg. gemeinsam mit den anderen Oratoren und den Angehörigen des kgl. Hofes zur Messe. Auf dem Rückweg zur Herberge beklagte sich der röm. Kg. ihm und Arianiti gegenüber über die Franzosen: Diese beraubten andere und ihnen fehle jegliche Glaubwürdigkeit. Seine erregten Worte schloß er mit der Feststellung, daß niemand den Franzosen trauen könne und daß man vor seiner Person keinerlei Achtung habe, obwohl die Franzosen bereits ganz Italien oder doch einen großen Teil davon besetzt hätten, wenn er nicht wäre. Aber die Herren in Italien wollten dies nicht glauben; da er ein Kg. mit wenigen Freunden sei, habe er bei ihnen kein Ansehen. Mit diesen Worten entließ ihn der Kg., um mit seinen Gedanken allein zu sein – wie ihm gesagt wurde, um sich, wie meist, Gedanken über die Franzosen zu machen, gegen die er gleichsam einen natürlichen Haß hegt.
    [2.] Personen, die mit den Absichten des Kg. vertraut sind, bestätigten ihm gegenüber, daß dessen ganzes Denken darauf gerichtet sei, auf dem bevorstehenden RT den Haß der deutschen Fürsten gegen Frankreich anzustacheln. Er wolle an das Unrecht erinnern, das dem Reich zugefügt worden sei und vom jetzigen frz. Kg. noch täglich begangen werde. Dieser beabsichtige nichts anderes, als sich zum Herrscher über Italien zu erheben und die Reichsrechte zu usurpieren. Man ist der Meinung, daß der Kg. bei den Fürsten weit mehr Gehör finden werde als früher – aus den Gründen, die er in seinem Schreiben vom 27. März [Nr. 30, Pkt. 3] dargelegt hat.
    Š[3.] Deshalb glaubt der Kg. auch, ohne Schwierigkeiten das Bündnis mit Venedig zu erlangen. Wenn er seine Erwartungen jedoch enttäuscht sieht, kann es leicht sein, daß er nach Flandern zieht und denen Gehör schenkt, die ihn für ein Bündnis mit Frankreich gewinnen wollen. Bisher vertröstet er diese Partei, während er auf die Entscheidung des RT und die Erklärung Venedigs wartet. Derzeit scheint der röm. Kg. der Signorie wohl gewogen. Er, Querini, ist davon überzeugt, daß nichts mehr geeignet ist, dieses Wohlwollen zu erhalten, als dem Kg. Gehorsam zu erweisen und ihn nicht geringer zu schätzen als einen anderen christlichen Fürsten. Dies würde er sehr übel vermerken.

    Straßburg, 28. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 7’-8 (ital. Kop.; Postverm.: Per Baronum cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 78’-79 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    «Nr. 32 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1./3.] Aufforderung an Kg. Maximilian zum Bündnis mit Frankreich, Spanien und Venedig; [2./4.] Mißtrauen des röm. Kg. gegen Frankreich, Spanien und den Papst, Wunsch nach einem Bündnis mit Venedig, Option einer Verständigung Habsburgs mit Frankreich.

    Straßburg, 31. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 8–10 (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem.1) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 79–80’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti, Vigilia, S. 13f.

    [1.] Bestätigt für den Abend des 28. März den Empfang seiner durch den Boten Martin Bestia zugestellten Weisung vom 13. März bezüglich der Verhandlungen über ein neues Bündnis.2 In einer Unterredung mit dem röm. Kg. am Nachmittag des 30. März beteuerte er die Treue Venedigs zu diesem und legte die Bemühungen der Signorie bei den Kgg. von Frankreich und Spanien um seinen Anschluß an das Bündnis und die günstige Reaktion der Šbeiden Kgg. dar. Er forderte den röm. Kg. wortreich auf, sich auf dieses Unterfangen zur Erhaltung des Friedens in Italien und zur Erhöhung der christlichen Religion einzulassen.
    [2.] Der röm. Kg. lobte in seiner wortreichen Antwort die Haltung Venedigs ihm gegenüber und die geschilderten Bemühungen der Signorie, bezweifelte aber die Aufrichtigkeit der beiden nur auf ihren eigenen Vorteil bedachten Kgg. in dieser Angelegenheit: Er wisse zuverlässig, daß der frz. Kg. ein Bündnis Venedigs mit ihm fürchte und alles daran setze, es nicht zustandekommen zu lassen. Inzwischen trachte der frz. Kg. danach, Genua zu unterwerfen und es durch die Errichtung einer Festung oberhalb des Hafens unter seine Kontrolle zu bringen, um darüber verfügen zu können wie über die übrigen Länder unter seiner Herrschaft. Was immer dieser Kg. vorschlage, jeder Verständige könne leicht den Zweck ermessen, vor allem mit Hinblick auf seine Absicht, Italien Stück für Stück zu unterwerfen und das Papsttum unter französische Kontrolle zu bringen3, wohinter der Kardinal von Rouen stehe. Und schließlich solle auch die Kaiserkrone usurpiert werden. Der Kg. von Aragon jedoch wolle sich so rasch wie möglich nach Spanien begeben, um die Regierung über die Königreiche seiner Enkel [Karl und Ferdinand] zu übernehmen und sich an seinen Feinden, den Freunden und loyalen Dienern seines verstorbenen Sohnes Kg. Philipp, zu rächen. Kg. Ferdinand bemühe sich um ein Bündnis mit Venedig, damit es während seiner Abwesenheit zum Schutz Neapels verpflichtet sei – und nicht etwa zum Wohl oder Vorteil der Signorie. Dieser Aspekt sei für diese beiden Kgg. irrelevant. Ihm dagegen sei immer das Wohl Italiens mehr am Herzen gelegen als das seiner eigenen Länder. Er habe die Reichsfürsten zusammenberufen, um sie über die französischen Machenschaften zu informieren. Sie sollten erkennen, daß das Reich nicht sicher und Italien nicht befriedet werden könne, solange die Franzosen dort seien. Er hoffe, bei den Fürsten jetzt mehr Glauben zu finden als zu Lebzeiten seines Sohnes Philipp und daß sie einsähen, daß ihn nicht Eigeninteressen oder Rachsucht trieben, sondern sein Wunsch nach Frieden in Italien und somit die Erhaltung des Reiches und schließlich des Hl. Stuhles, la qual dovemo deffensar totis viribus in non lassarla transferir in Franza. Gleiches müsse Venedig tun, nicht für irgendeinen Papst, sondern für den Hl. Stuhl. Für jemanden wie Papst Julius, der weder sein Freund sei noch der Venedigs, würde er keine drei Schritte tun. Er hoffe aber, mit der Unterstützung der Fürsten einige Vorkehrungen treffen zu können und diese Mißstände abzustellen. Und deswegen wolle er dieses Bündnis [mit Venedig]. Er wolle der Signorie keine nutzlose, weil offensichtliche Antwort geben, aber er, Querini, solle sie warnen, sich von den Worten der Kgg. von Frankreich und Spanien täuschen zu lassen.
    Er, der röm. Kg., unternehme alles, um Kg. Ferdinand davon abzuhalten, gegen die Freunde und treuen Diener seines Sohnes Philipp vorzugehen. Auch wenn der spanische Kg. einige Granden für sich gewinnen könne, so wären dennoch Konflikte unvermeidlich, wenn dieser versuche, die Regierung zu übernehmen. Denn seine Tochter, die Kgin. [Johanna], die zuerst nicht habe glauben können, wie schlecht sich ihr Vater ihr und ihrem Mann [Kg. Philipp] gegenüber benommen habe, nun aber alles wisse, sei dafür nicht zu gewinnen. Sie habe sich nach Granada zurückgezogen, wo sie sich bei den Leichnamen (corpo) ihres ŠMannes und ihrer Mutter [Kgin. Isabella] aufhalte, und wolle die Regierungsgeschäfte Kastiliens weiterhin den Granden überlassen.
    Falls er, der röm. Kg., dann alles versucht habe und dennoch erfolglos geblieben sei, so wisse er doch, daß ihm unter Verzicht auf sein geplantes Unternehmen in Italien immer noch ein gutes und ehrenvolles Abkommen mit Frankreich bleibe. Er könne sich dann, während die Ruhe und Sicherheit Kastiliens, Flanderns und aller seiner Länder wie der seiner Enkel garantiert seien, zurückziehen und die ihm verbleibenden Tage in Ruhe und im Dienst für Gott genießen – et non mi mover, se sentisse la ruina del mondo. Die unvergängliche Signorie (la signoria vostra che sempre vive) werde dann vielleicht bereuen, nicht auf ihn vertraut zu haben, und wolle auf ihn zurückgreifen, wenn dies nicht mehr möglich sei. Wenn sie aber die Absichten und Ziele Frankreichs und Spaniens auf der einen Seite und seine Aufrichtigkeit auf der anderen recht erwäge, werde sie zweifelsohne eine gute Entscheidung treffen.
    [3.] Er legte dem Kg. daraufhin dar, daß sein Anschluß an das Bündnis ihm nur Ruhm und Ehre einbringen würde. Er könne dadurch alle seine Angelegenheiten nach jeder Seite hin absichern und das durchführen, was ihm zur Erhöhung des christlichen Glaubens aufgegeben sei. Die Signorie wünsche dieses Bündnis vor allem wegen des damit verbundenen Vorteils für den röm. Kg. und zu seiner Erhöhung.
    [4.] Der röm. Kg. erwiderte, daß er die ernsthaften Bemühungen Venedigs um ihn erkenne und deshalb seine Geheimnisse offenbaren wolle: Er, Querini, solle nach Hause melden, daß er bereits in Bündnisverhandlungen mit Frankreich und Spanien stehe. Es wäre nichts leichter für ihn, als sich mit dem frz. Kg. einzulassen, der ihm einen Freibrief für alle seine Anliegen geben wolle; ebenso mit dem Kg. von Spanien, der nach Kastilien ziehen wolle, um sich an seinen, des röm. Kg., Freunden zu rächen, zum großen Schaden seines Hauses. Er verspreche, ihn über die weiteren Verhandlungen zu informieren, solange er die Hoffnung hege, daß Venedig ebensosehr sein Freund sei wie umgekehrt. Diese Mitteilungen sollten in Venedig streng vertraulich behandelt werden.

    «Nr. 33 Bericht Bf. Christoph Raubers von Laibach (kgl. Gesandter an der Kurie) an Kg. Maximilian »

    Unterredung mit Papst Julius II. über die Lage in Italien.

    Rom, 1. April 1507.
    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 11973, fol. 1–3, 4’ (Or., Postverm.: Ad manus proprias).

    [1.] Er traf auf kgl. Befehl hin am 30. März in Rom ein und erhielt am folgenden Tag eine Audienz beim Papst, um instruktionsgemäß seinen Vortrag zu halten. Anders als vorgesehen war der Kardinal von Brixen, der sich derzeit noch in Bologna aufhält, nicht anwesend. Auch sonst war niemand zugegen. Der Papst hörte ihn mit gueter disposition an. Er rechtfertigte zuerst, daß der röm. Kg. Arianiti so lange aufgehalten hat. Danach sprach er über die Politik des Kg. von Frankreich, und nemlichen, wie er sich unterstet, sein Hlt. mit vil seltzamen practikhen zu sich in Frankreich zu bringen, darauf ermant und Šgebeten von wegen e. kgl. Mt., das er sich in keinen weg in der Franzosen hend ergeben welle.
    Der Papst erwiderte, daß er nicht die Absicht habe, nach Frankreich zu reisen. Er wolle für den Rest seines Lebens in Rom bleiben, wo sein Papststuhl stehe. Im übrigen danke er dem röm. Kg. für die Warnung.
    [2.] Er eröffnete daraufhin als seine persönliche Meinung, daß der Papst in Deutschland als französischer Parteigänger gelte. Es heiße, er veranlasse den frz. Kg., sich stärker in die italienischen Angelegenheiten einzumischen, als er dies vielleicht sonst täte.
    Der Papst räumte ein, er sei den Franzosen bisher etban vil anhengig gebest. Dazu sei er aber gezwungen gewesen, da der röm. Kg. keinen entschiedenen Widerstand gegen die Franzosen geleistet habe und auch, weil die Bemühungen seines Orators Mariano de Bartolini um Hilfe gegen Venedig vergeblich gewesen seien.1 Die Franzosen hingegen hätten ihm gegen Bologna geholfen. Doch habe er sie nie gegen den röm. Kg. unterstützt. Er hätte bis auf den heutigen Tag auch lieber die Freundschaft des röm. Kg. als die der Franzosen gesucht, wenn er dafür eine Möglichkeit gesehen hätte.
    [3.] Er entgegnete dem Papst, daß dieser nun merke, wie wenig Verlaß auf den frz. Kg. sei. Dieser habe die Absicht, zuerst Genua und dann das übrige Italien anzugreifen, was nicht nur dem Papst, sondern auch dem röm. Kg. und der deutschen Nation zu Spott und Schaden gereichen würde. Deshalb müsse dieses Unternehmen rechtzeitig verhindert werden. Die Voraussetzung dafür sei eine Einigung des Papstes und Venedigs wegen Riminis und Faenzas, die bis dahin an den röm. Kg. übergeben werden sollten. Er trug die Einzelheiten des Vorschlags weisungsgemäß vor.
    Der Papst erwiderte, daß er sich lieber nicht so weit mit den Franzosen eingelassen hätte. Er hätte auch nichts dagegen, wenn diese aus Italien vertrieben würden und daß der röm. Kg. die Reichsstadt Genua gegen sie beschützte. Er könne sich jedoch nicht allein aufgrund bloßer Worte in ein gegen Frankreich gerichtetes Bündnis mit dem röm. Kg. und Venedig einlassen. Sobald er aber ein konkretes Vorgehen erkenne, verhalte sich die Sache anders. Eine Einigung mit Venedig sei allerdings unmöglich, solange ihm seine Städte nicht ohne jede Bedingung zurückgegeben würden. Er sei indessen einverstanden, wenn der röm. Kg. der Signorie eine Entschädigung aus dem Hm. Mailand zusage.
    [4.] Er wies darauf hin, daß der röm. Kg. dafür Sorge getragen habe, gemeinsam mit dem Papst Frankreich zu widerstehen; die Kgg. von England, Portugal und Navarra sowie das ganze Hl. Reich stünden auf seiner Seite.
    Der Papst erwiderte abschließend, er werde sich dem röm. Kg. in jeder Weise gefällig erzeigen, sobald dieser mit tapheren fürnemen nach Italien ziehe, und bat um unverzügliche Unterstützung Genuas mit 8 000–10 000 Mann. Er hoffe, daß der Kg. die Franzosen dann auch aus Mailand vertreiben könne. Der Papst bat außerdem, den frz. Kg. in Burgund anzugreifen, um ihn von seinem Zug nach Italien abzuhalten. Von den Venezianern erwarte er nicht viel; er sei vielmehr der Meinung, daß sie die Franzosen über alle Verhandlungen Šmit dem röm. Kg. informieren würden. Der Papst hofft, den Mgf. von Mantua und den Hg. von Ferrara auf die Seite des röm. Kg. zu ziehen, sobald sie merkten, daß er mit ernst nach Italien komme.2 Der röm. Kg. müsse sich bezüglich seiner Pläne für Italien beeilen, bevor sich die Franzosen weiter verstärkten. Wenn der röm. Kg. Genua Hilfe schicken wolle, müsse er dies bald tun. Der Kg. von Aragon unterstütze die Franzosen gegen Genua mit vier Galeeren und habe in Neapel und auf Sizilien die Lieferung von Getreide und anderen Gütern nach Genua untersagt. Der Papst befürwortet eine Einigung zwischen dem röm. Kg. und dem frz. Kg., er würde sich gemeinsam mit dem Kg. von Aragon einem solchen Frieden anschließen. Dann könne der röm. Kg. in Spanien und Italien seine Angelegenheiten regeln, auch mitler zeit die Venediger kriegen.
    [5.] Er ist der Meinung, daß Venedig ihn, den Kg., unterstützen wird, wenn er nach Italien zieht. Dann werden ihm zweifellos auch Genua und der Papst beistehen.

    Er wird den Kardinal von Brixen für dessen weitere Verhandlungen mit dem Papst schriftlich über sein Vorgehen informieren. Der Papst wünscht, daß alle Verhandlungen mit ihm strikt geheim gehalten werden. Der Gf. von Ribagorza (Rippa Gorza)3 soll anstelle Gonsalvos [Hernandez de Córdova] Neapel regieren; dieser wird mit Kg. Ferdinand nach Spanien zurückkehren. Der Papst ist am 27. März (vigilia palmarum) mit großem Triumph in Rom eingezogen, ihm zu Ehren wurden viele schöne Triumphbögen errichtet.4

    «Nr. 34 Bericht Bf. Christoph Raubers von Laibach an Kg. Maximilian »

    Unterredung mit Papst Julius II. über die Lage in Italien.

    Rom, 3. April 1507.
    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 11973, fol. 5–6’ (Or., Postverm.: In irer kgl. Mt. selbst hand.).

    [1.] Nach Fertigstellung seines ersten Berichts [Nr. 33] wurde er erneut zum Papst beschieden. Dieser eröffnete ihm in Gegenwart des Kardinals von Pavia [Francesco Alidosi], daß ihn inzwischen ein Schreiben Costantinos [Arianiti]1 erreicht habe. Er wolle sich in allen Angelegenheiten nach den Wünschen des röm. Kg. richten, vor allem damit der frz. Kg. nicht diesem zu Schimpf und Spott in der Weise, wie befürchtet, nach Italien ziehe. Voraussetzung sei allerdings, daß der röm. Kg. wirkungsvollen Widerstand dagegen organisiert habe. Er zweifle allerdings daran, daß der röm. Kg. dies tun wolle, zumal er fernab in die Niederlande ziehe; vielleicht verfüge er auch nicht über die notwendigen Mittel. Der Papst befürchtet, nach ergebnislosen Verhandlungen mit dem röm. Kg. gegenüber den Kgg. von Frankreich und Spanien kompromittiert zu sein, denen er ganz gesessen ist. Falls der Šröm. Kg. sich aber für stark genug halte, so bewillige er ihm, auf eigene Verantwortung mit Venedig wegen der Übergabe Riminis und Faenzas zu Händen des Kg. unter den von ihm, Rauber, vorgeschlagenen Modalitäten zu verhandeln. Falls Venedig zustimme, solle der Kg. dies dem Papst unter dem Vorwand einer Vermittlungsinitiative – damit die Venezianer nicht Verdacht schöpften, der Vorschlag ginge von ihm aus – unterbreiten. Der Kg. und Venedig würden eine gute Antwort erhalten. Er wolle dann auch einen Vertrag mit dem röm. Kg. und Venedig zur Vertreibung der Franzosen aus Italien, zur Rückeroberung Mailands und zur Erlangung der Kaiserkrone schließen.
    Er versicherte dem Papst, daß der röm. Kg. weder sich selbst noch ihn auf Abwege führen werde.
    [2.] Der Papst bittet darum, daß der röm. Kg., wie von diesem selbst immer wieder vorgeschlagen, unverzüglich sein Pläne in Burgund umsetze und ebenso Genua auffordere, Widerstand zu leisten, bis er der Stadt zu Hilfe komme. Sollte der Kg. von Frankreich Genua unterwerfen, befürchtet der Papst, er könne mit ganz Italien nach seinem Willen verfahren. Er meint, daß die Italiener des französischen Hochmuts überdrüssig seien und die Sache ein gutes Ende fände, wenn der röm. Kg. nur käme. Der Papst bat ihn, sich darum zu bemühen, den Kg. von Aragon dem französischen Lager abspenstig zu machen und für den röm. Kg. zu gewinnen. So vermaint er, wir möchten den Franzosen mer dan sein franzosische plag geben und antuen. Der Papst ist auch der Meinung, daß es der röm. Kg. wegen geringfügiger Streitigkeiten nicht so weit kommen lassen solle, daß Unwillen zwischen ihm und dem Kg. von Aragon enstünde. Wo Kg. von Aragon den Franzosen zu einem offenbaren feind annemen wollt, so wer ich der mainung, wir verträuten in gar, damit wir den Kg. von Frankreich strafen mochten.
    [3.] Er wird von Neapel aus wieder berichten.2 Der Papst hat ihm unter Androhung der Exkommunikation verboten, die Verhandlungen jemand anderem als ihm, dem röm. Kg., zu offenbaren. Er selbst bittet den Kg. ebenfalls um strikte Geheimhaltung insbesondere gegenüber Venedig, das sonst zusätzlichen Grund hätte, sich mit dem frz. Kg. gut zu stellen. ŠEr bittet ihn darum, nichts zu verabsäumen. Es verdrießt ihn, den Papst und alle Welt so viel von seiner Nachlässigkeit sprechen zu hören.

    «Nr. 35 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Er sprach seit seinem letzten Bericht erneut mit dem röm. Kg., der die [Oster-]Feiertage zurückgezogen, wie üblich im Gebet und in Andacht, in dem Kloster verbringt, wo er Herberge bezogen hat. Der Kg. ist über das gewohnte Maß hinaus gedrückter Stimmung und gedankenversunken, seit er erfahren hat, daß der frz. Kg. seinen Zug nach Italien forciert hat und bald dort eintreffen wird. Er ist überaus unzufrieden damit, daß diesem die Unterwerfung Genuas so leicht gelingen wird. Der röm. Kg. setzt die Einberufung der deutschen Fürsten fort; er fordert sie auf, am 23. April (San Zorzo) in Konstanz zu erscheinen, um mit ihnen über die bereits in seinen früheren Berichten genannten Punkte zu beraten. Der Kg. will alles daransetzen, sie für seine Absichten zu gewinnen.
    [2.] Es heißt, daß der Kg. nach den Feiertagen mit seinem Hofstaat nach Konstanz aufbrechen wird, zumal ihn ein Schreiben seiner Tochter Margarethe vom 29. März1 darüber informiert hat, daß sie in Löwen eingetroffen sei, wo die Stände versammelt seien; am 30. April (marti sancto) werde sie den Eid als Statthalterin in Vertretung des Kg. leisten. Die niederländischen Angelegenheiten erfordern demnach nicht die persönliche Anwesenheit des Kg., der also ohne weiteres am RT in Konstanz teilnehmen kann.
    [3.] Der spanische Gesandte, der an diesem Hof sein bester Freund ist, hat ihm eröffnet, daß er eine vom 17. März datierende Weisung seines Kg.2 erhalten habe: Er solle dem röm. Kg. mitteilen, daß Kg. Ferdinand über die Anwesenheit von Gesandten der kastilischen Stände bei ihm informiert sei; diese suchten den röm. Kg. zu überzeugen, daß seine Tochter [Johanna] die Übernahme der Regierung durch ihn ablehne. Doch hätten dieselben Granden Kg. Ferdinand für die Gewährung von Pardon die Regentschaft angeboten. Der röm. Kg. solle ihren Worten keinen Glauben schenken. Die Kinder Kg. Philipps seien ihrer beider Enkel; er werde nichts tun, was nicht ihrem Vorteil diene. – Der röm. Kg. behandelt die Angelegenheit wie gewöhnlich hinhaltend.

    Straßburg, 3. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 10–10’ (ital. Kop.; Postverm.: Per Martinum Bestiam cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 81–81’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    «Nr. 36 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.-3.] Gespräch mit Kg. Maximilian über die französische Italienpolitik; [4.] Bedeutung des Konstanzer RT für die weiteren Pläne des röm. Kg.; [5.] Übernahme der niederländischen Statthalterschaft durch Ehgin. Margarethe; [6.] Unterredung Kg. Maximilians mit dem päpstlichen Legaten Arianiti.

    Straßburg, 6. April 1507.
    ŠVenedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 10’-11’ (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem Martinum Bestiam.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 81’-82’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert, z.T. Ganztextwiedergabe, bei: Brunetti, Vigilia, S. 14f.

    [1.] Nach der gestrigen Messe eröffnete der röm. Kg. ihm unter sichtbarer Bekundung seines Mißfallens, daß er Nachrichten erhalten habe, wonach der frz. Kg. mit einem großen Heer nach Italien komme, um Genua zu unterwerfen und seine sonstigen üblen Absichten zu realisieren. Er habe sich deshalb bemüht, die Fürsten so rasch wie möglich zusammenzurufen, und erwarte ein gutes Ergebnis zum Wohle Italiens. Er hoffe, daß die Signorie im eigenen Interesse zu einem entsprechenden Beschluß kommen werde.
    [2.] Er antwortete dem Kg., daß Venedig vor allem an Ruhe und Frieden in Italien gelegen und davon überzeugt sei, mit dem angeregten Bündnis [zwischen Kg. Maximilian, Frankreich, Spanien und Venedig] das richtige Mittel gefunden zu haben. Er versuchte gemäß der Weisung vom 13. März [Nr. 32, Anm. 1] erneut, den röm. Kg. unter Hinweis auf den Nutzen für Italien und die ganze Christenheit dazu zu bewegen, auf die Bündnisverhandlungen einzugehen.
    [3.] Der Kg. unterbrach ihn und bekräftigte seine frühere Äußerung, daß es sich um ein Täuschungsmanöver Frankreichs handle, um Venedig von einem Bündnis mit ihm abzuhalten und die eigenen Ziele weiterverfolgen zu können. Er sei erstaunt, daß die Signorie dies nicht bemerke; am Ende werde sie sich aber getäuscht sehen. Falls Venedig sich mit Frankreich und Spanien verbünde, sei es verpflichtet, Mailand und Neapel zu verteidigen. Wenn er jedoch wie erhofft das Reich zur Erhaltung der Reichsrechte [in Italien] einigen könne, werde Venedig feststellen, daß große Lasten auf es zukommen. Er sage dies als ein Freund Venedigs. Sollte es sich jedoch gegen das Reich stellen, werde er das Erforderliche tun. Wenn sich die Fürsten erst einmal zum Italienzug entschlossen hätten, würden sie ihn unbeirrbar durchführen.
    Der Kg. ersuchte ihn, dies nach Venedig zu berichten und die Signorie aufzufordern, die Taten und die vom frz. Kg. auf Anstiftung des Kardinals von Rouen und auch des span. Kg. verfolgten Ziele auf der einen und die bekannten und erwiesenen guten Absichten des röm. Kg. gegenüber dem Senat auf der anderen Seite sorgfältig abzuwägen.
    Er bestätigte diese Äußerungen und benannte die Haltung des röm. Kg. als Grundlage für die Ehrerbietigkeit und den Gehorsam Venedigs ihm gegenüber. Er bekräftigte noch einmal, daß das Streben Venedigs auf den Frieden und auf das Wohl der christlichen Religion ausgerichtet sei. Mit weiteren ähnlichen Worten verabschiedete er sich vom Kg.
    [4.] Das gesamte Denken des Kg. ist auf den Konstanzer RT gerichtet, von dem seine sämtlichen weiteren Schritte abhängen. Die Einschätzung wurde mehrfach auch von anderer Seite bestätigt. Nach Ende des RT wird man sehen, welche Richtung der röm. Kg. für längere Zeit einschlagen wird.
    [5.] Ehgin. Margarethe berichtete am 1. April aus Mecheln1, daß sie als Statthalterin vereidigt worden sei; der frz. Kg. habe vor seiner Abreise die Grenzen zur Gft. Burgund und überhaupt zu allen Ländern Kg. Maximilians durch Truppen gesichert.
    Š[6.] Der röm. Kg. hielt am Vortag eine lange Unterredung mit Costantino Arianiti. Laut zuverlässiger Quelle informierte er diesen über alle Vorbereitungen und Umtriebe des frz. Kg. und forderte ihn auf, den Papst zu warnen, sich in Acht zu nehmen. Nach dem Dafürhalten des röm. Kg. wünschen der frz. Kg. und der Kardinal von Rouen nichts mehr als eine Vakanz des Hl. Stuhls.

    «Nr. 37 Bericht Daniel Ruhes (kgl. Sollizitator in Rom) an Kg. Maximilian »

    Nachrichten über die Unterstützung Genuas gegen Frankreich, Überlegungen hinsichtlich einer Unterstützung der Stadt durch Kg. Maximilian.

    Rom, 8. April 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Karton 2, Fasz. 1506–1508, fol. 54–55’ (Or. m. 2 Ss., Postverm.: Ir kgl. Mt. zo handen. – Cito, cito.).
    Druck (unter Übertragung in das Hochdeutsche): Wolff, Beziehungen, S. 125f.1

    [1.] Nach der Abreise des Bf. von Laibach aus Rom entstand hier ain gross geschrey, daß in Genua der Krieg gegen die Franzosen öffentlich erklärt worden sei2; und die Francoesen ziehen hart zo, und were des andern mechtig ist, der slecht den andern ze tode. In Rom werden Truppen für die Stadt angeworben. Das Geld dafür geben die in päpstlichen Diensten stehenden, aus Genua stammenden Sauli.3 Der Papst liefert heimlich Artilleriemunition. Er stellt auch in Civitavecchia Schiffe für die Truppen zur Verfügung.4 Der Kardinal von St. Malo [Guillaume Briçonnet] sagte heute angeblich, daß der frz. Kg. am kommenden Samstag in Aes5 eintreffen und dann nach Mailand kommen werde. Es heißt, er habe 1 200 Lanzenträger und 15 000 Fußsoldaten aus Mailand und Savoyen sowie aus der Auvergne (Avernyen) und dem Languedoc (Langwedoch) bei sich. Dazu kämen noch die von den Eidgenossen gestellten Knechte; man spricht von 6 000 Mann. Über die Größe des Heeres ist der Kg. jedoch sicherlich besser informiert.
    [2.] Etliche Kardinäle aus Genua leisten der Stadt ebenfalls heimlich Hilfe, also das mich pedunkt, eß woll ayn seltzemer handel darauß werden. Die frz. Kgin. bleibt in Grenoble (Garnobbell). Auch wenn Genua dem Angriff standhält, wird die Stadt nach der hier herrschenden Meinung doch beträchtlichen Schaden davontragen Die Genueser haben überall die französischen Herrschaftszeichen durch Wappen des röm. Kg. ersetzt.6. Wenn Šdie Italiener (Walen) auf jemand anderen angewiesen sind, so geben sie sich freundlich und untertänig, wenn nicht, sind sie niemandes Freund. Wenn der frz. Kg. sich Genuas, einer Reichsstadt, bemächtigt, ist er der Herr über Italien. Genua hat zur See und auf dem Land eine wichtige Stellung, es ist reich und gut befestigt. Wenn er, der röm. Kg., ihnen hilft und die Stadt sich behauptet, wird er eine wichtige Position in Italien gewinnen und auch den Papst für sich einnehmen.
    [3.] Ein einflußreicher Kardinal äußerte ihm gegenüber, wenn der röm. Kg. Genua durch Costantino [Arianiti] mit 2000–3000 Knechten unterstützen würde, könnten diese durch Montferrat und über die Berge ziehen, auf Wegen, die Costantino kenne. Der Kardinal meint, daß der röm. Kg. sich Genuas zweifellos bemächtigen könne. Dann könnten die Franzosen binnen kurzer Zeit mit genuesischer Hilfe auch aus Mailand vertrieben werden. Falls jedoch diese Truppenhilfe nicht möglich sei, müsse man die Franzosen möglichst bald an einer anderen Stelle angreifen. So sollt man ayn getroest folk sehen gegen den Francosen, dan man ist inen so fyand, das ichs nyt schreiben kan. 
    [4.] Der Papst entsandte etliche Galeeren nach Genua. Auch zieht ein gewisser Gobbo7 der Stadt zu Hilfe. Hier in Rom heißt es, die Franzosen verachten den röm. Kg. und die ganze deutsche Nation. Er selbst zweifelt nicht daran, daß er, der röm. Kg., Vergeltung üben wird, sobald er davon erfährt.8 

    «Nr. 38 Rat der Stadt Genua an die Kff.1  »

    [1.] Bitte um Hilfe zur Bewahrung der Reichsrechte in Genua; [2.] Scheitern einer Vermittlung zwischen den Fraktionen in Genua an der Benachteiligung der Popularen; [3.] unbegründete Verurteilung der Bürger Genuas als Rebellen gegen die französische Krone, unrechtmäßige Übergriffe gegen Bürger, Scheitern einer ŠGesandtschaft zum frz. Statthalter in Mailand, Charles d’Amboise; [4.] Bitte der Stadt an Kg. Maximilian um Unterstützung und insbesondere um Intervention bei den Eidgenossen gegen eine Teilnahme am Feldzug gegen Genua sowie um eine Warnung an den Statthalter in Mailand vor einem Angriff auf Genua als Angriff auf das Reich; Bitte an die Kff. zur Verwendung in diesem Sinne bei Kg. Maximilian.

    Genua, 9. April 1507.
    Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 258–259 (lat. Kop., Adresse: Illustrissimis principibus Sacri Imperii electoribus et consiliariis d[omi]nis d[ominis] col[endissi]mis.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 8–9 (lat. Kop., Adresse wie A) = B.

    [1.] /258/ Illustrissimi principes d[omi]ni, d[omini] cl[ementissi]mi. Nisi scripsissemus imperatori serenissimo quecunque superioribus mensibus gesta, apud nos sunt et nunc geruntur, ea iudicaremus omnia opus fore ex[cellen]ciis vestris ordine narrare, verum quoniam persuademus nobis quecunque ad conservandam Imperii jurisdictionem pertineant ad consultationem et examen vestri sapientissimi consilii referria. Satis visum est exemplum earum litterarum, quas paulo ante scripsimus2, nunc quoque mittere et vestras excellencias rogare illud, ut legere velint atque eo lecto ad tuendum ius Imperii ea confestim remedia adhibere, que pertinere ad imperatoriam auctoritatem et nobis magis accomodata iudicaverint.
    [2.] Vexati iam aliquot mensibus fuimus intestinis discordiis, ut accidit aliquando vel divino judicio vel fortuito aut naturali fato, et ventum est ad arma inter nos non tamen in mutuam cedem aut perniciem. Causas, propter quas arma sumpta sunt, statim declaravimus per litteras et nunctios regi cristianissimo.3 Et cum sepe scriptum et rescriptum fuisset, misit tandem illustrissimum Ravastenum4, qui tumultus sedaret, animos conponeret, et tamen graviores motus de integro concitatis armis, ut adversariis faveret, excitavit, laudavit postmodum rex, ut ad se oratores mitteremus, ac promisit remedia malis nostris adhibere. Mis[s]umque confestim oratores miserunt quoquo ex suo genere adversarii, et cum eis ad regem profectus est m[agnifi]cus d[ominus] Johannes Ludovicus Fliscus5. Et ipse quoque nobis adversus, rex adversarios prompte Šet volenter audivit atque adeo credidit eorum delacionibus, ut nostros oratores nisi certis condicionibus, que servari non poterant, audire nunquam voluerit.6
    [3.] Redierunt domini desperati ipsi et hunc populum in desperacionem prope ultimam induxerunt, quod a suo rege, a suo domino tam inclementer reiecti fuissent. Et, quod eciam gravius fuit, inauditos et insontes nos in tota dicione sua rebelles publicavit7 et frumentis, ut a rege Aragonum atque aliis provinciis interdictum nobis esset8, summo studio curavit. Fidem tamen ad ultimum servavimus, donec vidimus sine ulla belli denunctiacione quecunque Januensium popularium bona in Mediolano et tota eius dicione capi et tanquam hostium bona interdici.9 Atque eodem tempore /258’/ conspeximus plurimos cives nostros in sancta pace per prefectum regium arcis sacro in templo nihil tale timentes per insidias intercipi et subinde illum tormentis ex arce et bambardas domos atque urbis tecta dirruere barbarum in morem, nulla a nobis injuria lacessitum.10 Vidimus insuper regium locumtenentem simulacionem profectionis minime id suspicantibus nobis excedere urbe et regimine ipsius urbis extemplo deserere comitante populo racione officii et magnis honoribus prosequente.11 Vidimus ad postremum Gallicos omnes nemine urgente clauculum12 noctu sese in arcem recipere. Et quamquam tot signis, tot incommodis, tot damnis, tot denique malis multipliciter laccessiti, permansimus in fide.13 Et ad ultimum, cum rex christianissimus oratores nostros admittere neque audire voluisset, novos oratores ad illustrissimum magnum magistrum mittere visum est, ut pacem, quacunque fieri posset racione, inquireremus. Qui cum profecti a nobis essent, in ipso itinere denunctiatum illis est, sese minime tute ad suam ex[cellen]ciam iter facere, atque ita territi minis occultis itineribus redire domum coacti sunt.14 Hec atque talia pertulimus tam diu, donec Švidimus aperta arma contra nos et validum exercitum moneri, tunc vero desperata pace visum est nobis ipseb consulere et Deo bene juvante defensionem parare.
    [4.] Et postquam rex alioquin clementissimus falsis adversariorum delationibus fidem atque obsequium nostrum penitus aspernabatur, ab eius imperio licet admodum inviti et coacti tandem discessimus et ad tutelam atque opem imperatoris invictissimi confugimus, cuius hec civitas antiqua sedes est et tanquam sedem suam protegere ab omni vi et tueri clementer iure Imperii tenetur. Quod ut facere dignetur, vestras ex[cellen]cias maximo affectu rogamus orantes, ut iubeat inprimis omnibus subditis suis ac confederatis quarumvis nacionum et presertim Helveciis, ut nullo pacto nobis, qui iurisdictionis Sacri /259/ Imperii sumus, inferant arma et a bello contra nos et dampnis nostris abstineant, et illustrissimo magno magistro, qui huius belli curam et administracionem habere creditur, in eam sentenciam scribat, ut sciat, si nobis et imperatorie huic sedi et camere bellum inferat ac sibi persuadeat, bellum ipsi quoque Imperio inferri et nos antiquissimos sedis imperatorie servitores quibuscunque aliis auxiliis ac presidiis videbitur sacra imperatoria maiestas sua nobis sucurrere et in hac tanta necessitate nostra opem ferre dignetur, idque quanta maxime celeritate fieri possit, quoniam in ipsis prope portasc iam exercitum habemus. Interea et nos et quidquid mari ac terra possimus ac valemus Sacro Imperio et ex[cellen]ciis vestris prompto omni animod deferimus ac dedimus. Data Janue, die VIIII Aprilis MDVIImo.
    Ex[cellen]tiarum vestrarum cultores observantissimi antiani et officium Balie communis Janue, Nicolaus [Oderico].

    «Nr. 39 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1./3.] Gegenstand der Unterredung zwischen Kg. Maximilian und dem päpstlichen Legaten Arianiti am 5. April; [2.] Spekulationen über die Ziele Arianitis; [4.] Nachrichten über französische Truppenbewegungen, Drängen Kg. Maximilians zum Erscheinen auf dem RT.

    Straßburg, 10. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 11’-12’ (ital. Kop.; Postverm.: Per postas regias in Hispruch et inde Venetias per proprium nuntium cum diligentia.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 82’-83’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Auszugsweise referiert bei: Brunetti, Vigilia, S. 15–17.

    [1.] Er konnte durch Gewährsmänner mehr über das Gespräch zwischen dem röm. Kg. und Arianiti in Erfahrung bringen. Im wesentlichen ging es um das, was er bereits am 6. April berichtet hatte [Nr. 36, Pkt. 6]. Ein Teil des Gesprächs fand allerdings unter vier Augen statt. Der röm. Kg. ist in wichtigen Dingen äußerst verschwiegen. Gleichwohl wird von kundiger ŠSeite die Auffassung vertreten, daß es nur darum gehen könne, den Papst für ein Bündnis mit dem röm. Kg. zu gewinnen, um sich mit Unterstützung der Reichsfürsten gegen den frz. Kg. wenden zu können; dafür brauche der Kg. das Bündnis mit einer der italienischen Mächte. Der röm. Kg. wisse zwar um die guten Beziehungen des Papstes zu Frankreich, hege aber die Hoffnung, die Beendigung dieser Freundschaft bewirken zu können. Denn der Kg. glaube, aus der plötzlichen Abreise des Papstes aus Bologna ein gewisses Mißtrauen gegen den frz. Kg. ablesen zu können, mit dem eigentlich ein Treffen vereinbart gewesen sei. Konsequent versuche der röm. Kg., Arianiti von den üblen Absichten des frz. Kg. gegenüber dem Papst zu überzeugen. Er behaupte, daß dieser nach Italien komme, um sich mit Hilfe der Partei Giovanni Bentivoglios zum Herren über Bologna zu machen und weiter gegen den Papst vorzugehen, mit dem Ziel einer Vakanz des Hl. Stuhls und der Wahl des Kardinals von Rouen zum Papst, o per bontà o per forza.
    [2.] Arianiti ist zwar klug, dem frz. Kg. gegenüber aber äußerst feindselig gesinnt, seit er aus seinem Statthalteramt in Montferrat vertrieben wurde.1 Es ist deshalb gut möglich, daß, obgleich er bislang in eine ganz andere Richtung verhandelt und auf einen Ausgleich zwischen dem röm. Kg. und Frankreich hingearbeitet hat, nunmehr auf die Linie des röm. Kg. eingeschwenkt ist, den Papst von der Notwendigkeit eines neuen Bündnisses mit diesem zu überzeugen. Arianiti hat sich gegenüber Personen, die wiederum ihm darüber berichtet haben, selbst in diese Richtung geäußert.
    Als sie beide über die Ankunft Kg. Ludwigs in Italien mit einem so großen Heer sprachen, äußerte Arianiti, daß der Ausgleich zwischen Venedig und dem Papst eine heilige Pflicht sei und ein Bündnis dieser beiden Mächte mit dem röm. Kg. uneingeschränkt dem Wohl Italiens dienen würde. Er betonte in seiner Antwort die Verbundenheit Venedigs mit dem röm. Kg. und wies darauf hin, daß der Papst mehr als jeder seiner Vorgänger über Venedig verfügen könne, wenn er nur seine Zusagen einhalte2.
    [3.] Weitere Informationen bestätigen die Korrektheit seiner Angaben über die Unterredung [zwischen Kg. Maximilian und Arianiti]. Er hat auch gelegentlich eines Gesprächs mit dem röm. Kg. versucht, eine Bestätigung dafür zu bekommen. Er verfährt dabei vorsichtig und umsichtig, wie es einem Orator Venedigs obliegt.
    [4.] Der röm. Kg. drängt die Reichsfürsten weiter, so rasch wie möglich zum RT zu kommen. Nachdem er erfahren hat, daß der frz. Kg. beträchtliche Truppen unter dem Befehl von [Louis de] La Trémoille an die Grenze von Burgund und unter dem Befehl des H. von Piennes [Louis de Halwin] an die Grenze von Flandern und auch in die Champagne an die Grenze zu Metz verlegen ließ, forderte er alle Fürsten auf, wegen wichtiger Obliegenheiten des Reiches gerüstet zum RT zu kommen [Nr. 16]. Der Kg. will diese Sache als Angelegenheit des Reiches und nicht als seine eigene behandeln, um die Fürsten dadurch zu verpflichten. Man glaubt, daß dies der größte RT seit vielen Jahren sein wird. Der röm. Kg. ist der Meinung, daß die französischen Truppenbewegungen einzig den Zweck haben, ihn von Šseinem Zug nach Italien abzuhalten, bekräftigt aber, daß ihm nichts übrigbleibe, als seine Ziele weiterzuverfolgen, auch wenn er dafür seinen ganzen Besitz verpfänden und verkaufen müßte. Jeden Tag erscheint der Kg. erregter angesichts der Aussicht, bald verwirklichen zu können, woran er so lange Zeit gehindert war.
    Er berichtet über dies alles nach bestem Gewissen.

    «Nr. 40 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Spekulationen über die Gründe für die Haltung Kg. Maximilians gegenüber dem Papst, Bedeutung Ebf. Jakobs von Trier für den röm. Kg.; [2.] Verhandlungen mit den Eidgenossen; [3.] Unterredung Querinis mit Kg. Maximilian; [4.] Verhandlungen spanischer Gesandter mit dem röm. Kg.; [5.] Musterung von Landsknechten.

    Straßburg, 12./13. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 12’-14 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas regias.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 83’-85 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Auszugsweise referiert bei: Brunetti, Vigilia, S. 17.

    [1.] Er hat weitere Erkundigungen über die Unterredung vor einigen Tagen zwischen dem röm. Kg. und Arianiti eingeholt und erfahren, daß alles darauf abzielt, den Papst von Frankreich zu trennen und zu einem neuen Bündnis mit dem röm. Kg. zu bewegen. Es gibt seitens des Papstes keinen Hinweis, daß er angesichts des Erscheinens der Franzosen in Italien Befürchtungen hegt, aber man bemüht sich darum, Verdacht zu erwecken. Der röm. Kg. wiederholt ständig, daß er die wahren Beweggründe für den Italienzug Kg. Ludwigs kenne, der auch gegen den Papst gerichtet sei und auf die Kontrolle Bolognas abziele. Er bietet dem Papst für die Sicherung Bolognas 800 Reiter und 2000 Fußsoldaten an und hat bereits erklärt, die Truppen zu diesem Zweck nach Italien zu beordern. Ihm, Querini, ist unklar, ob der röm. Kg. dies tut, weil er wirklich glaubt, daß der Papst diese Truppen benötigt und den Franzosen mißtraut; es kann auch sein, daß er seine Glaubwürdigkeit bei den Reichsfürsten erhöhen will, die zum RT kommen sollen, indem er demonstriert, daß er im guten Einvernehmen mit dem Papst steht und die Angelegenheit wichtig ist, und zugleich das Vorgehen Frankreichs als Vorbereitung zur widerrechtlichen Aneignung von Gebieten des Kirchenstaates diskreditiert. Der Kg. ist unverändert der Absicht, auf dem Konstanzer RT große Dinge zu vollbringen. Er läßt, soweit ihm dies ersichtlich ist, nichts unversucht, sich die Fürsten geneigt zu machen. In allen Dingen bedient er sich des Ebf. von Trier, der in Deutschland sowohl aufgrund seines Ranges als auch seines Verwandtschaftsverhältnisses zum Kg. und durch dessen Hochschätzung große Autorität besitzt. Laut eingegangenen Nachrichten befinden sich die Ebff. von Trier und Mainz sowie viele andere Fürsten bereits auf dem Weg zum RT, der am 23. April (San Zorzi) eröffnet werden soll.
    [2.] Der röm. Kg. ist in Verhandlungen mit den Eidgenossen eingetreten und hat Hans von Königsegg (Consecha) als Gesandten in die Schweiz abgeordnet. Der Kg. hofft, auch über die Schweizer verfügen zu können, wenn es ihm gelingt, die Reichsfürsten für den Italienzug zu gewinnen. Wenngleich die Schweizer immer Feinde des Kg. qua Ehg. von ŠÖsterreich waren, so waren sie doch immer gehorsam gegenüber dem Reich. Er, Querini, glaubt, daß der Kg. Tag und Nacht über nichts anderes nachdenkt als über diese Dinge.
    [3.] Der röm. Kg. sagte ihm gestern [11.4.] nach der Messe, daß der frz. Kg. mit seinem Heer bereits an der Grenze Italiens stehe. Er wisse, daß die Signorie dies nicht erwartet habe. Da sie sich so zurückhaltend zeige, werde er seine eigenen Angelegenheiten verfolgen. Zu dem von Venedig angeregten Bündnis äußerte sich der Kg. nicht mehr. Jedesmal, wenn er ihn darauf ansprach, wich der Kg. auf ein anderes Thema aus. Denn er ist davon überzeugt, daß er erfolgreich sein wird, auch wenn er sein Ziel trotz aller Bemühungen nicht erreicht. Denn wenn er auf den Italienzug verzichtet, wird er vom frz. Kg. weit bessere Konditionen erhalten, als wenn er sich auf das von Venedig vorgeschlagene Bündnis einläßt. Soweit er den Kg. verstanden hat, ist dieser der Ansicht, daß Venedig kein Bündnis mit Frankreich und Spanien eingehen werde. Die venezianischen Bündnisse hätten immer den Zweck gehabt, die Franzosen aus Italien zu vertreiben und so die eigenen Interessen zu realisieren. Venedig werde auch viel eher gegen Frankreich ziehen als gegen das benachbarte Deutschland.
    Für ihn ist es offensichtlich, daß der röm. Kg. ihn nicht länger an seinem Hof dulden wird, falls sich diese Erwartung nicht erfüllt.
    [4.] Der Gesandte des spanischen Kg. und die Vertreter der kastilischen Granden bedrängen den röm. Kg., sich in der kastilischen Frage zu erklären. Kg. Ferdinand wünscht die Zustimmung des röm. Kg. zur Übernahme der Regierung in Kastilien stellvertretend für ihre gemeinsamen Enkelsöhne [Karl und Ferdinand]. Die Granden arbeiten darauf hin, daß der röm. Kg. den spanischen Kg. zu seinem Feind erklärt, falls dieser nach Kastilien ziehen sollte, und dessen Gegner unterstützt. Beide Parteien wurde bislang mit Worten abgespeist, ohne daß eine Entscheidung gefallen wäre.
    [5.] [PS] Der röm. Kg. musterte am heutigen 13. April außerhalb der Stadt 1000 Landsknechte, die anschließend Richtung Trient abgefertigt wurden. Er will sie nach seinem Bekunden zur Unterstützung des Papstes nach Bologna schicken, zusammen mit 600 Reitern, die sich bei Augsburg gesammelt haben.

    «Nr. 41 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    Der Kg. ließ ihm am Vormittag mitteilen, daß er beschlossen habe, zur Unterstützung des Papstes 1000 Fußknechte nach Bologna zu entsenden. Denn er habe Nachricht erhalten, daß der frz. Kg. gegen den Papst und den Kirchenstaat ziehe. Er solle dies an den Dogen berichten, damit Venedig seinen Truppen ungehinderten Durchzug nach Bologna gestatte. Die Hauptleute hätten Befehl, bei den Knechten für Disziplin zu sorgen und für die Verpflegung zu bezahlen. Der röm. Kg. kündigte ein Schreiben in dieser Angelegenheit an die Signorie an.

    Straßburg, 14. April 1507; präs. Venedig, 26. April.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 14 (ital. Kop.; Verm. am Textende: Tradita fuit regi.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 85 (ital. Kop.; Verm. wie A) = B.

    «ŠNr. 42 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der röm. Kg. forderte ihn am Vormittag auf, wegen der Genehmigung des Durchzuges für 1000 Fußsoldaten an den Dogen zu schreiben. Denn er habe Nachricht erhalten, daß der Italienzug des frz. Kg. vor allem gegen den Papst und den Kirchenstaat gerichtet sei. Er werde in dieser Angelegenheit einen Boten nach Venedig schicken.
    Er verfaßte den Brief in der gewünschten Weise und zeigte ihn dem Kg. Er erinnerte aber auch daran, daß der Papst sich bislang wenig freundlich gegenüber Venedig erzeigt und man keinen Grund habe, ihm zu vertrauen. Er erläuterte weiter, wie der Papst sein gegebenes Wort im Zusammenhang mit der Rückgabe der Romagna gebrochen habe.1 
    [2.] Der Kg. antwortete, daß der Signorie seine Haltung in ihrem Streit mit dem Papst bekannt sei. Er erinnerte an seine Äußerung vor einigen Tagen, daß er für Papst Julius keine drei Schritte tun würde, aber sehr wohl für die Erhaltung des Hl. Stuhls in Italien und um die Eroberung ganz Italiens durch die Franzosen zu verhindern. Er sei fest davon überzeugt, daß die Signorie für diese Ziele noch weit mehr tun würde als er. Sie könne selbst die Folgen einer Eroberung Bolognas durch die Franzosen ermessen. Er sei deshalb zuversichtlich, daß Venedig ohne Schwierigkeiten den ungehinderten Durchzug seiner Truppen bewilligen werde; falls nicht, werde er seine gute Meinung über die Signorie ändern.
    [3.] Der Kg. hat die Fußsoldaten bereits nach Trient losgeschickt. Seines Wissens hat der Papst diese Truppen nicht angefordert. Der Kg. tut dies, um bei Kg. Ludwig Verdacht zu erwecken, den Papst aus der Verbindung mit Frankreich zu lösen, somit den gegen die Franzosen gerichteten Italienzug gegenüber den Reichsfürsten zu legitimieren, das französische Vorgehen wiederum zu diskreditieren und zugleich sein eigenes Ansehen zu steigern.
    [4.] Der Kg. forderte ihn und die anderen Oratoren auf, ihn nach Konstanz zu begleiten. Er wird morgen dorthin aufbrechen.

    Straßburg, 14. April 1507; präs. Venedig, 26. April.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 14–15 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas in Hispruch et per proprium nuntium Venetias.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 85’-86 (ital. Kop.; Verm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti, Vigilia, S. 17f.

    «Nr. 43 Instruktion Kg. Maximilians für Dr. Heinrich Hayden, Camillo de Montibus, Leonhard Rauber, Georg Moysse und Dr. Johannes Räbler als Gesandte nach Venedig »

    [1.] Ziele Kg. Ludwigs von Frankreich in Italien, Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen, Verhandlungen auf dem bevorstehenden RT über eine Reichshilfe; [2.] Bitte an Venedig um eine Geldhilfe, Zusage Kg. Maximilians über die Stellung von Truppen; [3.] Vorschlag eines Bündnisses zwischen röm. Kg., Papst und Venedig, Vermittlungsinitiative im Streit um Rimini und Faenza.

    s.l., s.d., jedoch wohl Straßburg, um den 16. April 1507.
    ŠWien, HHStA, Reichsregisterbuch OO, fol. 21–25’ (Reinkonz., Verm.: IIII. VENECIAS. – Instructio Camilli de Montibus, Dr. Haiden, Moysse, Rabler. Instructio Camilli de Montibus et Moysse. Litterae caesaris ad eos. Litterae eorum et Rabler ad caesarem. Litterae Camilli ad caesarem. Litterae Rabler ad caesarem. – Verm. von anderer Hd.: Pro adducendis Venetis contra Galliam et sic utendum Maria Sforzia duce Med[iolanensi]).

    [1.] Nach der Übergabe ihres Kredenzbriefes sollen die Gesandten daran erinnern, daß er die venezianischen Oratoren wiederholt darauf hingewiesen habe, daß man dem frz. Kg. nicht trauen könne und daß dieser beabsichtige, sich ganz Italien zu unterwerfen. Aus diesem Grund hat er den RT nach Konstanz einberufen, um dort darüber zu beraten, wie man dem frz. Kg. entgegentreten könne, und dafür die nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp von Kastilien anstehende wichtige Reise nach Burgund zur Übernahme der Regierung zurückgestellt. Inzwischen hat ihm der frz. Kg. angekündigt, daß er nach Italien ziehen wolle, dieser Zug jedoch nicht gegen ihn, den röm. Kg., gerichtet sei, und gebeten, ihn dabei nicht zu behindern. Er hat diesem daraufhin geantwortet, daß er jetzt einen RT in Konstanz abhalten werde; da die Angelegenheit nicht nur ihn, sondern das Hl. Röm. Reich angehe, werde er seine Mitteilung und sein Anliegen den Kff., Ff. und Ständen des Reiches eröffnen. Danach wolle er ihm antworten; bis dahin solle er seinen Zug nach Italien zurückstellen. Dessenungeachtet zieht der frz. Kg. persönlich mit einem großen Heer aus Franzosen und Schweizern nach Italien, ain der Absicht – worüber er durch zuverlässige Berichte genauestens informiert ist –, zuerst dem Papst Bologna wegzunehmen und es für viel Geld seinem Parteigänger Giovanni Bentivoglio zurückzugeben. Anschließend will der frz. Kg. den Papst angreifen und zu diesem Zweck zuerst das zum Hl. Reich gehörende Genua unterwerfen. Sein Plan ist, den Hl. Stuhl unter seine Kontrolle zu bringen und ganz Italien zu erobern. Die beiden Städte will der frz. Kg. durch eine doppelte Befestigungsanlage für alle Zeit für sich sichern-a. bZwar behauptet dieser, er wolle nur Genua erobern und bestrafen. Dies ist jedoch lediglich ein Vorwand, um den Papst, ihn, den röm. Kg., und die italienischen Stände und Kommunen zu täuschen. Denn die Genuesen waren jederzeit bereit, dem frz. Kg. ihre Tore zu öffnen, wenn er nur ihre städtische Freiheiten garantiert hätte. Dafür hätte es seiner persönlichen Anwesenheit mit einer so großen Streitmacht nicht bedurft-b. Daraus folgt, daß der frz. Kg. beabsichtigt, nicht nur den Hl. Stuhl in Rom und die zum Hl. Reich gehörenden Stände in Italien in seine Gewalt zu bringen, sondern ganz Italien zu erobern. Da ihm als gewählten, gesalbten und gekrönten röm. Kg. das röm. Kaisertum zusteht und der Hl. Stuhl sowie ganz Italien mit diesem Kaisertum verbunden sind, kann und darf er dies nicht gestatten. Es wäre für ihn unerträglich, sollten die italienischen Stände und Kommunen und insbesondere Venedig unter die französische Tyrannei geraten. Er wird deshalb jetzt persönlich am RT in Konstanz teilnehmen, um dort gemeinsam mit Kff., Ff. und Ständen des Reiches unverzüglich ein großes Heerc zu versammeln. Aufgrund des französischen Vorgehens besteht jedoch die Gefahr, daß diese ŠHilfe nicht rechtzeitig eintrifft. Deshalb ist rascher Entsatz nötig, um die Franzosen so lange aufzuhalten. Er will zu diesem Zweck von Konstanz aus persönlich mit soviel Truppen, wie er zusammenbringen kann, den frz. Kg. angreifen, bis die Reichshilfe nachkommt, die on underlass von des Reichs versamblung dannen gericht werden muss. Dadurch kann Italien vor den Franzosen gerettet werden.
    [2.] dDie Gesandten sollen sich deshalb bei den Venezianern um eine Hilfe von 50 000 Dukaten bemühen, damit er seinen Angriff früher eröffnen kann. Ansonsten läge die ganze Last allein auf ihm-d. eEr schickt jetzt auch 3000 Knechte nach Italien.1 Falls Venedig diese Truppen gegen den frz. Kg. benötigt, werden die Hauptleute sie ihnen zuführen-e. Er erwartet zuversichtlich eine zustimmende Antwort, was auch im Interesse Venedigs ist. Denn er erstrebt in Italien nur das, was ihm und dem Reich zusteht; und es geht ihm um die Ehre, Italien vor den Franzosen fals ains frevenlichen, neu geporen folks-f gerettet und die Freiheit der italienischen Staaten bewahrt zu haben. Seinem Anliegen liegt allein der Wunsch zugrunde, dem frz. Kg. Widerstand zu leisten.
    [3.] Durch ein Bündnis zwischen dem Papst, ihm und der Republik Venedig wäre man künftig vor einem solchen Angriff geschützt. Er ist deshalb willens, ein solches Bündnis mit ihnen zu schließen. Zuvor muß jedoch der Konflikt zwischen dem Papst und Venedig wegen Riminis und Faenzas beigelegt werden. Die Gesandten sollen deshalb beantragen, die beiden Städte bis zur Beendigung des Streits an ihn zu übergeben. Er wird seinen Hauptmann zu Triest, Georg Moysse, und Gf. Francesco Sforza jeweils als Statthalter einsetzen und sich unverzüglich um eine gütliche Einigung bemühen. Falls diese scheitert, will er gemeinsam mit den in Konstanz versammelten Reichsständen oder in anderer Weise eine rechtliche Entscheidung fällen. Er bittet Venedig, ihm die Angelegenheit anzuvertrauen. Er wird auch mit dem Papst darüber verhandeln lassen und zweifelt nicht, daß dieser das ŠAngebot annehmen wird. Sobald dies geschehen ist und Venedig sein Einverständnis zu einem Bündnis erklärt hat, will er weiter darüber verhandeln lassen.2 

    «1.3. Verhandlungen König Maximilians mit den Eidgenossen »

    «Nr. 44 Abschied des eidgenössischen Tages in Einsiedeln »

    [1.] Vorschlag von Gesandten Kg. Maximilians zu einer Einung zwischen den Eidgenossen und den Häusern Österreich und Burgund; [2.] Antwort der Eidgenossen.

    Einsiedeln, 1. Dezember 1506 (zinstag post Andree apostoli).
    Solothurn, StA, Eidgenössische Abschiede 1501–1506, AG 1,4, pag. 559–562 (Kop.) = Textvorlage A. Zürich, StA, B VIII 84, fol. 164–164’ (Kop.) = B. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 133[a]’-134 (Kop., Datumverm.: Zinstag post Andree angefangen). Bern, StA, A IV 10, pag. 74–78 (Kop.). Luzern, StA, TA 4, fol. 234–235’, 239 (Kop.). Schaffhausen, StA, Tagsatzung 1506, unfol. (Kop.).
    Druck: Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 256, S. 355.1

    [1.] Der Tag wurde auf Wunsch des röm. Kg. einberufen. Dessen Gesandte Bf. Hugo von Konstanz, Christoph Schenk von Limpurg (kgl. Vogt zu Nellenburg), Hans von Landau, Hans von Königsegg und Dr. Hans Schad brachten folgendes Anliegen vor: Der Kg. habe für sich selbst und seinen verstorbenen Sohn Kg. Philipp um eine Einung mit den Eidgenossen ersucht.2 Die Sache habe sich allerdings durch seine Beanspruchung in Ungarn verzögert. Außerdem habe sich der Kg. zu diesem Zweck in die Nähe der Eidgenossenschaft begeben Šwollen, woran ihn der Tod seines Sohnes gehindert habe. Deshalb seien die Verhandlungen bislang zu keinem Abschluß gelangt. Der Kg. sei den Eidgenossen als seiner und des Reichs getruwen und verwanten besonders geneigt und wünsche mehr als bei anderen Nationen ein Bündnis und gutnachbarliche Beziehungen. Er wolle die Eidgenossen auch bei seinem Romzug einsetzen, in der Hoffnung, daß dies nicht nur ihm selbst, seinen Enkeln und den Erblanden, sondern auch dem Hl. Reich, zu dessen Gliedern die Eidgenossen gehörten, und ihnen selbst zu Ehren und Nutzen gereiche und schließlich auch der Christenheit diene. Der Ks. schlage deshalb für sich selbst und seine Enkel eine Einung für 50 oder 60 Jahre – oder solange die Eidgenossen wünschten – zwischen den Häusern Österreich und Burgund und den Eidgenossen vor. Von der Beistandspflicht in Höhe von 6 000 Fußsoldaten sollten lediglich der Papst, die röm. Kss. und Kgg. sowie das Hl. Reich ausgenommen bleiben. Die Eidgenossen sollten sich überdies verpflichten, kein Bündnis gegen die Häuser Österreich und Burgund einzugehen. Die Einung solle mit dem in Kürze zu erwartenden Auslaufen des eidgenössischen Bündnisses mit dem frz. Kg. in Kraft treten. Der Kg. werde – auch als Vormund seiner Enkel – für die Dauer des Bündnisses jedem der zwölf Orte eine jährliche Pension von 1 500 fl.rh., insgesamt also 18 000 fl.rh. bezahlen. Diese Summe werde je zur Hälfte auf die Salzpfanne zu Hall im Inntal und auf die Gft. Burgund oder andere Orte in den Niederlanden versichert. Falls den Eidgenossen diese Sicherstellung wider Erwarten nicht ausreichen sollte, so könnten sie dafür andere Einkünfte aus den Erblanden vorschlagen. Der röm. Kg. verpflichte sich, den Eidgenossen gegen jeden Angriff, der wegen dieses Bündnisses gegen sie geführt werde, mit Rat und Hilfe zur Seite stehen. Die Gesandten äußerten abschließend die Hoffnung, die Eidgenossen würden bedenken, daß dieses Bündnis ihnen Ruhe und Frieden brächte und dadurch alle bisherigen Konflikte mit dem Kg. und den Erblanden zu einem Ende kämen.
    [2.] Die versammelten Eidgenossen nahmen den Vorschlag zur Berichterstattung an und beraumten den kgl. Gesandten in zwölf Tagen einen weiteren Tag nach Baden zur Entgegennahme ihrer Antwort an.3 [...].

    «Nr. 45 Abschied des eidgenössischen Tages in Baden/Aargau »

    [1.] Einung der Eidgenossenschaft mit der Stadt Rottweil; [2.] Vortrag frz. Gesandter an die Eidgenossen; [3.] Verhandlungen der Eidgenossen mit Gesandten Kg. Maximilians wegen dessen Bündnisangebots.

    Baden/Aargau, 7. Januar 1507 (angefangen donstag nach der hl. 3 Kgg. tag).
    Solothurn, StA, Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 1–6 (Kop.) = Textvorlage A. Zürich, StA, B VIII 84, fol. 167–169’ (Kop.). Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 136’-139 (Kop.). Bern, StA, A IV 10, pag. 93–98 (Kop.). Luzern, StA, TA 4, fol. 244–247 (Kop.). Schaffhausen, StA, Tagsatzung 1507, unfol. (Kop.). Wien, HHStA, Schweiz, Kart. 2, Fasz. 2 (alt C 2), fol. 112–113’ (Kop.).
    ŠRegest: Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 261, S. 359–361 = B.

    [...]1. [1.] An die Stadt Rottweil wurde geschrieben, daß die Eidgenossen es bei der auf dem Tag zu Zürich gegebenen Antwort beließen, wonach ihre Einung mit Rottweil noch bis zum 10. August dauere und man die Angelegenheit bis dahin erwägen werde.2 – [Beschwerde des Bf. von Konstanz]3.
    [2.] Die französischen Gesandten bekundeten die Hoffnung Kg. Ludwigs, daß die Eidgenossen auf das Bündnisangebot des röm. Kg. nicht eingehen, sondern bei dem seit Kg. Ludwig XI. bestehenden Bündnis mit Frankreich4 bleiben würden. Ein erprobter Bündnispartner sei zuverlässiger als ein neuer. Das neue Bündnis könne gegen Frankreich gerichtet sein. Sie seien bevollmächtigt, Vorschläge der Eidgenossen zur Verlängerung des Bündnisses oder andere Punkte zur Berichterstattung an Kg. Ludwig entgegenzunehmen. [...].
    [3.] Die Gesandten Kg. Maximilians wurden darauf hingewiesen, daß das Bündnis der Eidgenossen mit Frankreich noch nicht ausgelaufen sei. Man werde deshalb darüber nicht weiterverhandeln, zumal sie aufgrund des bestehenden Bündnisses kein neues abschließen könnten und jetzt getroffene Vereinbarungen durch eine Änderung der Interessen einzelner Kantone gegenstandslos werden könnten. Die Eidgenossen erwarteten gleichwohl allen guten Willen seitens des röm. Kg. und versicherten diesen umgekehrt auch ihrerseits.5 
    Die kgl. Räte erwiderten, daß sie die Antwort der Eidgenossen so verstünden, wegen der Abwesenheit einiger Orte oder ungleichen Instruktionen keine Zu- oder Absage geben zu wollen. Da der kgl. Vorschlag dahin gelautet habe, erst nach Beendigung des eidgenössischen Bündnisses mit Frankreich eine Einung abschließen zu wollen, bäten sie um erneute Beratung und Erteilung eines definitiven Bescheids am 14. März (sonntag nach oculi)6 wiederum in Baden.
    ŠDie eidgenössischen Gesandten replizierten, es bei ihrer vorigen Antwort belassen zu wollen. Sie würden aber das Anliegen der kgl. Räte noch einmal ihren Obrigkeiten vortragen.

    «Nr. 46 Abschied des eidgenössischen Tages in Zürich »

    Bitte Kg. Ludwigs von Frankreich um Stellung von 4000 eidgenössischen Söldnern.

    Zürich, 13. Februar 1507 (samstag vor des Herrn vaßnacht).
    Zürich, StA, B VIII 84, fol. 172–173’ (Kop., Datumverm.) = Textvorlage A.
    Regest: Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 263, S. 362 = B.

    [Antwort Hg. Albrechts von Bayern und der Stadt München wegen der Forderung Sigmund Zweikopfs an die Stadt; Schreiben der vorderösterreichischen Regierung zu Ensisheim wegen Beschwerden der Städte Basel und Mülhausen]1. – Der Tag wurde auf Bitten der französischen Gesandten einberufen. Diese beantragten die Stellung von 4 000 eidgenössischen Söldnern gemäß dem bestehenden Bündnisvertrag. Die eidgenössischen Boten erkundigten sich nach dem Verwendungszweck, da das Hl. Röm. Reich von dem Bündnis ausgenommen war. Der Gesandte erwiderte, daß sein Kg. die Knechte zur Begleitung in das Hm. Mailand benötige und zu keinem anderen Zweck. Er wurde gewarnt, die Söldner nicht, wie schon geschehen, ohne Beschluß der Tagsatzung aufzuwiegeln, sondern die Entscheidung der Orte abzuwarten. Der Gesandte versicherte dies und überließ den Eidgenossen die Aufteilung des Kontingents sowie die Bestellung der Truppenführer. Da etliche eidgenössischen Boten lediglich auf Hintersichbringen bevollmächtigt waren, wurde ein neuer Tag zur Beantwortung des französischen Antrags für den 23. Februar (zinstag nach der alten vaßnachten) nach Luzern angesetzt.2 [...].

    «ŠNr. 47 Weisung Kg. Maximilians an Ulrich Frh. von Hohensax »

    [1.] Er verfügt über zuverlässige Informationen, daß der frz. Kg. sich bei den Eidgenossen um die Bereitstellung von 4000 Knechten bemüht, die insbesondere für den Einsatz gegen Genua benötigt werden. Dieser behauptet zwar, die Knechte nicht gegen den röm. Kg. oder das Hl. Reich einzusetzen, gleichwohl plant der frz. Kg. nicht nur, ungeachtet bestehender Verträge1 gewaltsam gegen Genua und andere Angehörige des Reiches zu ziehen. Er will sich auch des Papstes bemächtigen, um die Kaiserkrone zu erhalten und also das Röm. Rich und tütsch nation in Frankrich zu wenden. Die Eidgenossen haben dem frz. Kg. dafür 4000 Knechte bewilligt und damit zugesagt, sein unrechtmäßiges Vorgehen gegen den röm. Kg. und das Hl. Reich, des glider und verwandten si sind, zu unterstützen. Dies muß er als röm. Kg. verhindern. Er hat deshalb das Reich und die Erbländer aufgeboten [Nr. 16] und entsprechende Verhandlungen mit benachbarten und befreundeten Staaten geführt, um den französischen Absichten mit Gewalt begegnen zu können und das Hl. Reich für die deutsche Nation zu bewahren. So droht also Krieg zwischen ihm und den Eidgenossen.
    [2.] Deshalb befiehlt er ihm, unverzüglich seine Freunde und Verwandten, die Eidgenossen, schriftlich über dies alles zu informieren und sie vor den Folgen ihres Tuns zu warnen. Wenn sie Unruhe und Kriegs verhindern wollten, sollten sie ihre Knechte nicht ausziehen lassen, sondern sie heimberufen. Dies würde ihm zeigen, daß sie die Ehre und Wohlfahrt des Hl. Richs tütscher nacion wie auch ihre eigene höher achteten als das französische Geld. Er soll über die Reaktionen Bericht erstatten und seine eigene Meinung mitteilen. Dieses Schreiben und die Antwortschreiben an ihn soll er an Niklas von Firmian (Hofmeister der röm. Kgin., Hauptmann zu Ortenburg) nach Konstanz schicken. Firmian hat Weisung, die Schreiben unverzüglich weiterzuleiten.2
    [3.] [PS] Übersendet eine Abschrift seiner Schreiben an alle eidgenössischen Orte [Nr. 48], und daruf botbrief vorbestimpt in das Hl. Rich und unser erbland ußgegangen; und gedenken kainen unlust gegen den Aidgnossen anzufachen vor dem obbestimpten tag zu Baden, und das wir sehen und vornemen mugen, wie si sich verer in den sachen halten.

    Hagenau, 8. März 1507.
    Zürich, StA, B VIII 272, Nr. 54 (Kop. mit imit. Vermm. prps./cdrp. und Gegenz. Serntein).

    «Nr. 48 Ausschreiben Kg. Maximilians an die eidgenössischen Orte »

    [1.] Er hat erfahren, daß der Kg. von Frankreich sie erneut in seine Dienste genommen hat, um dadurch seinen, Kg. Maximilians, Romzug zu verhindern, in der Absicht, ihm die ŠKaiserkrone zu nehmen, den Hl. Stuhl in seine Gewalt zu bringen und alles erblich zu [er]obern und zu behalten uf des hl. Ks. Karlis ansprach. Dies kann er nicht hinnehmen. Die Eidgenossen sind dem Hl. Reich und der deutschen Nation on mittel verwant, sie dienten viele hundert Jahre lang als Schild gegen dem welschen zug, um die Kaiserwürde für die deutsche Nation zu bewahren. Er hat sie deshalb mehrmals ersucht, sein Geld anstatt des französischen anzunehmen, sich ihm als ihrem röm. Kg. und künftigen Ks. anzuschließen und zur Verteidigung dieser Würde in die Fußstapfen ihrer Vorfahren zu treten. Er hat sie gebeten, am Romzug auf seinen Sold mit 6000 Knechten unter ihren eigenen Fahnen teilzunehmen.1 Sie haben seine Angebote jedoch zurückgewiesen und es dahin gebracht, daß der frz. Kg. seine Absichten in bezug auf den Hl. Stuhl und die Kaiserkrone problemlos realisieren kann. Er will jede Möglichkeit für Gegenmaßnahmen nutzen und wird sich deshalb in Kürze nach Konstanz begeben.
    [2.] Er fordert sie – wie die anderen eidgenössischen Orte auch – als Glieder und Angehörige des Röm. Reiches und der deutschen Nation auf, zum 9. April (frytag nach dem hl. ostertag) ihre bevollmächtigten Gesandten zu seinen Räten nach Baden (Obernbaden) zu schicken. Er will dort erfahren, ob sie ewige und natürliche Feinde des röm. Kg. und des Hl. Reiches sind oder noch ihrem christlichen Glauben gehorchen und dieses unchristliche und unrechte Vorgehen [Frankreichs] nicht länger unterstützen wollen. Vor allem aber sollen sie ihre dem frz. Kg. zur Verfügung gestellten Knechte unverzüglich unter Androhung von Strafen für Leib und Leben nach Hause berufen. Er ermahnt sie, dem Tag keinesfalls fernzubleiben und sein Schreiben nicht zu ignorieren. Denn er verzichtet ihretwegen und wegen dieses Tages auf seine Reise nach Burgund, obwohl seine Anwesenheit dort erforderlich wäre und er wegen seines Fernbleibens Nachteile zu gewärtigen hat. Er hat die Ehre und das Wohl des Reiches und der deutschen Nation über seine eigenen Interessen gestellt und erwartet dies auch von ihnen. Er bietet ihnen als Zeichen seines guten Willens erneut an, ihm auf seinen Sold 6000 Mann unter ihren eigenen Fahnen oder als freie Knechte zu schicken und die Pensionszahlungen des frz. Kg. unter Stellung ausreichender Sicherheiten zu übernehmen. Er erwartet, daß sie dem nachkommen, sover ye Got, die natur und weltliche ere by uch erkantlicheit gehaben mag. Darum bedenkt, wo das von uch abgeschlagen wurd, was uch und gmeiner Eydgnoschaft darus erwachsen mocht. [Datum].

    Straßburg, 13. März 1507.
    Luzern, StA, AKT A 1 F 1, Schachtel 53, Fasz. Maximilian I., unfol. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Schultheiß und Rat der Stadt Luzern) = Textvorlage A. Schaffhausen, StA, Korrespondenzen 1501–1515, Nr. 34 (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Schaffhausen) = B. Zürich, StA, A 176.1, Stück-Nr. 42 (Kop.; Originalschreiben am 27.3.1507 in Zürich übergeben) = C. Zürich, StA, B VIII 272, [zu Stück-Nr. 42b] (Kop.), Stück-Nr. 42 (Or., Vermm. Šprps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Ammann und Rat zu Glarus).2 Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 243–244’ (Kop.).
    Druck: Anshelm, Berner-Chronik III, S. 1–3.

    «Nr. 49 Reaktionen eidgenössischer Orte auf das Ausschreiben Kg. Maximilians (25. März-3. Mai) (Aktenreferat) »

    Basel informierte Zürich mit Schreiben vom 26. März über den Eingang des als gravierend erachteten kgl. Ausschreibens und fragte an, ob dort ein entsprechendes Schriftstück eingegangen sei und man die Absicht habe, den anberaumten Tag zu beschicken.1 Vier Tage später unterrichteten Bürgermeister Offenburg und der Rat der Stadt Basel Hauptmann Hans Kilchmann, Leutnant Peter Strüblin und den Fähnrich Jakob Meyer, daß nach ihren Informationen – der röm. Kg. wurde als Quelle nicht benannt –der frz. Kg. die Absicht haben solle, die Kaiserkrone an sich zu bringen und deshalb gegen den Papst und das Hl. Röm. Reich vorgehen wolle. Außerdem hätten die eidgenössischen Söldner in ihrem Diensteid befehlswidrig lediglich die Eidgenossenschaft und Frankreich ausgenommen, nicht aber den Papst und das Reich. Die Stadt untersagte dem Basler Kontingent, sich an gegen den Papst und das Reich gerichteten Unternehmungen zur Usurpierung der Kaiserkrone zu beteiligen.2 Die Adressaten übersandten am 29. April einen Bericht über den Zug gegen Genua nach Basel und beteuerten, daß es keine Hinweise auf Absichten des frz. Kg. zu einem Zug gegen den Papst oder das Reich gebe.3
    Bern reagierte sofort nach Eingang des kgl. Schreibens am 25. März, darin vermerken, zu was undank und mißvallen dieselb kgl. Mt. unsern und andrer unser Eidgnoschaft hinzug zu dem frankricheschen Kg. annimpt, also das uns wil bedenken, wo dem mit vernunft und wyßheit nit begegnet, das dahar gemeiner unser Eidgnoschaft merkliche unruw, irrung und widerwertigkeyt wird zustan. Das Berner Kontingent erhielt Befehl, nördlich des Po zu bleiben. Da die eidgenössischen Truppen, anders als von den Franzosen ursprünglich behauptet, nicht zum Schutz Kg. Ludwigs dienen, sondern für den geplanten Angriff auf Genua – dem Rich widerwertig – eingesetzt werden sollten, hielt Bern Beratungen mit den übrigen eidgenössischen Orten für erforderlich.4 Gleichzeitig informierte Bern Fribourg und Solothurn über den Befehl an seine Truppen5, ebenso Zürich und Luzern, die zugleich ersucht wurden, noch vor dem von Kg. Maximilian genannten ŠTermin einen Tag einzuberufen, zu dem auch St. Gallen, Appenzell und andere zugewandte Orte geladen werden sollten, um über diese bedenkliche Entwicklung zu beraten.6 Mit Schreiben vom 26. März setzte Bern Fribourg und Solothurn über seinen Beschluß in Kenntnis, sich mit Schwyz und Unterwalden über die Heimberufung ihrer Kontingente zu verständigen, sofern diese noch nicht über die Alpen gezogen waren.7 Fähnrich [Peter] Achshalm wurde beauftragt, die Zielsetzung Berns, einen Krieg zu vermeiden, in Schwyz und Unterwalden zu vertreten und eine verbindliche Absprache über den Abzug ihrer Kontingente zu treffen.8 In einem – dem Gesandten mitgegebenen, dann jedoch nicht zugestellten – Mandat an das Berner Kontingent wurde der Befehl zur Rückkehr mit dem zögerlichen Zuzug aus Frankreich und der restlichen Schweiz sowie mit den Drohungen Kg. Maximilians begründet und noch einmal bekräftigt: Dann uns von wegen des Kg. von Frankenrych in sorg und beschwärd und zu eynem tödlichen krieg füren zu lassen, ist uns deheins wägs gemeint.9
    Schaffhausen bat unter Hinweis auf die Bedeutung der Angelegenheit Zürich um seine Stellungnahme und insbesondere um Mitteilung, ob es an dem vom röm. Kg. ausgeschriebenen Tag teilnehmen werde.10 
    Solothurn befahl am 26. März seinem Altschultheiß Daniel Babenberg sowie Hauptmann, Leutnant11 und anderen Räten im Feld unter Verweis auf das kgl. Schreiben und die obige Mitteilung Berns und dann erneut am 21.4. unter Bezugnahme auf die Tagsatzungsabschiede von Luzern und Baden [Nrr. 50f.], nicht über den Po vorzurücken, und begründete dies mit der Sorge um die schweizerischen Knechte.12 In einem Schreiben an Bern vom 1. Mai zeigte sich der inzwischen über die Vorgänge in Italien informierte Solothurner Magistrat sehr erschrocken angesichts des weiteren Vorrückens gegen Genua und des bevorstehenden Angriffs auf die Stadt, was als Verstoß gegen die ergangenen Abschiede, die Zusage der französischen Gesandten und seinen ausdrückliche Befehl verstanden wurde. Solothurn erwartete sich von dem Unternehmen überdies keinen Gewinn. Bern wurde daran erinnert, daß zu Zeiten Kaspars vom Stein13 von 4000 Eidgenossen nicht einmal Š1200 zurückgekehrt waren.14 Bern bekundete in seiner Antwort vom 3.5. sein Mißfallen am eigenmächtigen Vorgehen der eidgenössischen Söldner unter Mißachtung des Luzerner Abschieds, zumal auch andere Orte deren Teilnahme am Zug gegen Genua ablehnten, sah sich aber außerstande, zu konkreten Schritten zu raten.15 
    Abt Franz von St. Gallen übersandte durch Ulrich von Hohensax übermittelte Abschriften des kgl. Schreibens sowie des in das Reich ausgegangenen kgl. Mandats vom 20.3. [Nr. 16] an die Züricher Bürgermeister Matthias Wyss und Marx Röist und fragte an, ob Zürich am Tag zu Baden teilnehmen werde und was die Stadt weiter in dieser Sache beabsichtigte. Dann uns und unsern gotzhusluten, so da vorna am hatz ligen, merklich und gros daran gelegen sin wil und zu ganzer vorderbung, wo es zu ufrur und krieg komen sölt, raichen wurd.16 Zürich bestätigte am 5. April den Eingang von Schreiben Kg. Maximilians und informierte den Abt über den Wunsch etlicher Orte, sich vorab zu beraten, weshalb ein Tag nach Luzern anberaumt wurde. Für den anschließenden Tag in Baden rechnete Zürich mit zahlreichen Teilnehmern.17 
    Schwyz meldete am 23. April an Glarus, daß die Schweizer Kontingente inzwischen bis Serravalle (Serrümal) vorgerückt seien und der frz. Kg. bislang 400 Mann eingebüßt habe. Darumben uns not sin wil, die unsern ouch zu bedenken, dann uwer Ll. die untruwen land und allerley in der sach wol mag erkennen. Schwyz lud deshalb für den 26. April zu Beratungen in Zug ein.18

    «Nr. 50 Abschied des eidgenössischen Tages in Luzern »

    [1.] Antwort der Eidgenossen an Kg. Maximilian wegen der Söldner in französischen Diensten; [2.] Weisung an die eidgenössischen Kontingente in Italien.

    Luzern, 6. April 1507 (uf den osterzinstag).
    Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 139’-140’ (Kop., Datumverm.) = Textvorlage A. Bern, StA, A IV 10, pag. 117 (Kop.). Solothurn, StA, Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, fol. 21 (Kop.). Zürich, StA, B I 340, unfol. (Abschr. 18. Jh.).
    Druck: Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 268, S. 365f. = B.

    [1.] Auf diesem Tag sollte noch einmal über das Schreiben des röm. Kg. [Nr. 48], weswegen bereits ein Tag auf den 9. April (freitag in der osterwoche) anberaumt wurde, beraten werden. Nach Verlesung der kgl. Schreiben wurde beschlossen, daß alle Orte den Tag zu Baden beschicken sollen, um dort eine einhellige Erklärung abzugeben, mit welchen Konditionen die Eidgenossen dem frz. Kg. die Kriegsknechte bewilligt haben.
    Š[2.] Den eidgenössischen Söldnern wurde geschrieben, bis auf weiteren Bescheid durch den Tag zu Baden nördlich des Po zu bleiben.1 [Konflikte zwischen Basel und der vorderösterreichischen Regierung sowie zwischen Savoyen und Wallis]2.

    «Nr. 51 Abschied des eidgenössischen Tages in Baden/Aargau »

    [1.] Mandate Kg. Maximilians an die Eidgenossen und in das Reich; [2.] Antrag von Gesandten Kg. Maximilians auf Abschluß einer Einung zwischen den Eidgenossen und dem Haus Habsburg sowie auf Abberufung der eidgenössischen Söldner aus dem frz. Italienheer; [3.] Antwort der versammelten Eidgenossen; [4.] vergebliches Insistieren der kgl. Gesandten auf dem Abzug der eidgenössischen Söldner aus Italien; [5.] Beschwerde Churs und der drei Bünde über ihre Nichtberücksichtigung bei der Stellung von Söldnern für Kg. Ludwig von Frankreich.

    Baden/Aargau, 10./11. April 1507 (angefangen sambstag in der osterwochen/actum sonntags quasimodo[geniti] Ao. etc. 15071.).
    Zürich, StA, B VIII 84, fol. 226–227’2, 176–176’ (Kop.) = Textvorlage A. Luzern, StA, TA 4, fol. 275–275’ (Kop., Datumverm.) = B. Glarus, LA, Z IV 3.2, Nr. 77 (Kop., Datumverm.) = C. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 140’-141’ (Kop., Datumverm.). Bern, StA, A IV 10, pag. 113–114 (Kop.). Schaffhausen, StA, Tagsatzung 1507, unfol. (Kop.). Solothurn, StA, Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 29–31 (Kop.).
    Regest: Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 270, S. 368f.

    [1.] aDer röm. Kg. teilte in Mandaten an die Eidgenossen und an andere Reichsstände [Nr. 48] mit, daß der frz. Kg. sich bei den Eidgenossen um die Stellung etlicher tausend Kriegsknechte bemühe, die er zur Bestrafung von Aufständischen und insbesondere gegen Genua einsetzen wolle. Der frz. Kg. wolle seine Herrschaft über Genua und andere Reichsgebiete in Italien ausdehnen, sich des Papstes bemächtigen, der ihm die Kaiserkrone verleihen solle, und so das Römische Reich und die deutsche Nation in französische Hände bringen. Die Eidgenossen beförderten durch die Bewilligung der Knechte dieses Absichten. Der Kg. wolle von ihnen erfahren, ob sie seine und des Reiches ewige und natürliche Feinde seien und solche unchristliche Pläne unterstützten. Zugleich ersuche er um eine beträchtliche Truppenhilfe. Er setze den Eidgenossen auf den 9. April (fritag in der osterwuchen) einen Tag nach Baden zu Verhandlungen mit seinen Räten an.-a 
    [2.] Vor den eidgenössischen Boten erschienen die kgl. Gesandten Gf. Ulrich von Montfort, Christoph Schenk von Limpurg (kgl. Vogt zu Nellenburg) sowie Dr. Hans Schad3 und Šentboten die Grüße des röm. Kg.: Dieser habe bereits auf dem Tag in Einsiedeln um den Abschluß einer Einung ersucht [Nr. 44]. Die Eidgenossen hätten auf dem zum 6. Januar (hl. dry kung tag) einberufenen Tag zu Baden die Verhandlungen darüber wegen des noch geltenden Bündnisses mit Frankreich einstellen wollen. Sie hätten jedoch den kgl. Gesandten erneute Beratungen durch ihre Obrigkeiten und die schriftliche Mitteilung des Ergebnisses durch den auf den 28. Februar (reminiscere) anberaumten Tag an den Bf. von Konstanz zugesagt [Nr. 45, Pkt. 3]. Jedoch sei die Antwort weder dem röm. Kg. noch dem Bf. zugegangen, weshalb der Kg. einen erneuten Tag nach Baden angesetzt habe. Sie bäten, das Wohl und die Ehre des Hl. Reiches und der deutschen Nation wie auch die Wichtigkeit dieser Angelegenheit zu bedenken, deshalb die Einung mit dem röm. Kg. und seinen Enkeln [Karl und Ferdinand] unter den bekannten Konditionen anzunehmen und ebenso auf seinen Sold 6 000 Kriegsknechte – entweder unter den Fahnen der eidgenössischen Orte oder als freie Knechte – für den Romzug zu bewilligen. Dafür wolle der röm. Kg. ihnen eine Pension in Höhe der von Frankreich gezahlten gewähren und darüber Sicherheiten ausstellen. Außerdem bäten sie, die in Diensten des frz. Kg. stehenden Knechte zurückzurufen, da dessen Unternehmen gegen das Hl. Reich und dessen Angehörige ziele.4 
    [3.] bDie eidgenössischen Boten gingen in ihrer Antwort auf die im kgl. Mandat aufgeworfene Frage ein, ob die Eidgenossen ewige und natürliche Feinde von Kg. und Reich seien und unchristliches wie unrechtmäßiges Handeln unterstützten. Dies beleidige sie und ihre Obrigkeiten und werde den Eidgenossen zu Unrecht unterstellt. Ihre Vorfahren hätten als Glieder des Hl. Reiches röm. Kss. und Kgg. in den Burgunderkriegen ebenso wie davor und seither ihre Ehre und ihren Gehorsam bewiesen; sie hätten sich als fromme Christen erzeigt und nie unchristliches und unrechtmäßiges Tun gefördert. Sie wollten ihren Vorfahren nacheifern und nicht Feinde des röm. Kg. und des Hl. Reiches sein, sondern Frieden und Einigkeit fördern. Pflicht und Ehre hätten sie daran gehindert, dem frz. Kg. die Knechte zu verweigern, da diese unter Berufung auf ihr bestehendes Bündnis gefordert worden seien. Dabei sei es keinesfalls ihre Absicht gewesen, daß die Söldner sich im französischen Dienst an Unternehmungen gegen den Papst, die röm. Kirche oder das Röm. Reich beteiligten. Sie hätten dies den Hauptleuten, Räten und Knechten vor ihrem Auszug eingeschärft, die Tagsatzung zu Luzern habe ihnen erneut schriftlich befohlen, nichts gegen den Hl. Stuhl und das Röm. Reich zu unternehmen, sondern heimzuziehen, bevor es dazu komme.5 Falls die kgl. Gesandten weitere Weisungen an die Knechte für notwendig erachteten, wollten sie dies tun. Um verbindliche Auskunft geben zu können, hätten sie die französischen Gesandten befragt, die versichert hätten, daß ihr Kg. die Söldner weder gegen den Papst oder den Hl. Stuhl noch gegen das Röm. Reich einsetzen werde; vielmehr wolle der frz. Kg. als christlicher Kg. jedem derartigen Unternehmen entgegentreten; keineswegs Šbeabsichtige er, die Kaiserkrone an sich zu bringen; dafür würden sie sich persönlich verbürgen. Auch sie, die Eidgenossen, beabsichtigten als Glieder des Hl. Röm. Reiches nicht, den röm. Kg. an der Erlangung der Kaiserwürde zu hindern und den Verlust dieser Ehre für die deutsche Nation zuzulassen. Die Abberufung der Söldner sei deshalb unnötig.6 Sie bäten die Gesandten, sie gegenüber dem röm. Kg. zu verantworten. Die Werbung wegen der Einung und der 6 000 Kriegsknechte nähmen sie auf Hintersichbringen an, da diesbezüglich nicht alle Boten instruiert seien. Für die Mitteilung ihrer Entscheidung werde eine neue Zusammenkunft für den Abend des 9. Mai (sonntag vor der uffart) nach Schaffhausen angesetzt-b.7 
    [4.] Nach dieser Antwort forderten die kgl. Gesandten erneut den Abzug der eidgenössischen Söldner aus Italien, doch beließ es die Versammlung bei ihrem vorigen Bescheid.
    [5.] cZürich und Glarus wurden mit der Abfertigung von Gesandten nach Chur und zu den drei Bünden beauftragt, um zu deren Beschwerde Stellung zu nehmen, daß ihnen zum Zug nach Mailand nicht auch eine Anzahl von Knechten auferlegt wurde-cd.

    «Nr. 52 Vollmacht Kg. Maximilians für Bf. Matthäus von Sitten und Georg auf der Flüe/Supersaxo »

    Bekundet, daß er Bf. Matthäus von Sitten und Georg auf der Flüe (Hauptmann zu Sitten) zu Verhandlungen beauftragt hat, um Hilfe bei der Rückgewinnung des Hm. Mailand und der Gft. Pavia für ihn als röm. Kg. und Lehensherrn wie auch für die Söhne Hg. Ludovicos von Mailand [Massimiliano und Francesco] zu erlangen. Hm. und Gft. sind ŠLehen des Reiches, Hg. Ludovico wurde von ihm damit belehnt.1 Seitdem dieser seiner Hftt. entsetzt wurde, hat sie der Kg. von Frankreich auch einstails in schirmsweise von uns und dem Hl. Reiche inne. Bevollmächtigt Bf. Mätthäus und Flüe, einzelnen Kantonen und auch in Frage kommenden Personen Pensionen zuzusagen. Erklärt ihre Zusagen als für sich bindend. Für die Pensionen werden seine und die von seinem Sohn Kg. Philipp von Kastilien hinterlassenen Häuser Spanien, Österreich und Burgund aufkommen, worüber auch urkundliche Verschreibungen ausgestellt werden. Sobald er und die Söhne Hg. Ludovicos mit Hilfe der Pensionenempfänger in den Besitz des Hm. Mailand und der Gft. Pavia eingesetzt werden, werden ihre Bezüge von der mailändischen Kammer bestritten. Hierüber werden die beiden jungen Fürsten ebenfalls Verschreibungen ausstellen. Diese Pensionenzusagen sind dann für ihn selbst nicht länger bindend.2 

    Straßburg, 12. April 1507.
    Druck: Büchi, Korrespondenzen I, Nr. 90, S. 64–66.

    «Nr. 53 Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    Er hat Anweisung, sich heute gemeinsam mit Gf. Heinrich [Prüschenk] von Hardegg nach Ensisheim zu verfügen. Von dort aus werden sie in Begleitung zweier Ritter bis zum Sonntag [18.4.] zu gütlichen Verhandlungen nach Basel reiten.1 Anschließend soll er sich nach Konstanz begeben. Der Kg. wird ebenfalls bis Sonntag von hier nach Konstanz abreisen. Sie sollen ihre Boten deshalb künftig dorthin schicken.2 

    Straßburg, 16. April 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, D-Laden-Akten 219, Stück-Nr. 42 (eh. Or.).
    Druck: Gümbel, Berichte, Nr. 9, S. 285–288, hier 287.

    «2. Angelegenheiten von Reichsständen »

    «2.1. Kurmainz »

    «Nr. 54 Beschlüsse des Mainzer Domkapitels (24. März-10. April) »

    /530’/ [24. März] Einhelliger Beschluß, wegen der Reise des Ebf. nach Konstanz und damit zusammenhängender Punkte beim Ebf. vorstellig zu werden: Die Abgeordneten sollen einen im Namen des Kapitels ausgestellten Kredenzbrief erhalten. Der Domdekan Uriel von Gemmingen wird beauftragt, mit Unterstützung Ulrichs von Schechingen und Lorenz’ Truchseß [von Pommersfelden] die Instruktion zu erstellen. Mit dem Vortrag an den Ebf. werden die Domherren Johann von Hattstein und Lorenz Truchseß betraut.
    Am gleichen Tag (mittwochen nach judica) wird über ein Schreiben des Ebf. an das Domkapitel beraten: Der erste Punkt handelt von der persönlichen Teilnahme des Ebf. am Konstanzer RT, auf die der röm. Kg. unablässig drängt. Der zweite Punkt betrifft eine kgl. Zitation an den Ebf. wegen der Beschwerden über den neuen hessischen Zoll. Zu diesen beiden Punkten erbittet der Ebf. den Rat des Domkapitels.
    /531/ Das Domkapitel empfiehlt dem Ebf. die persönliche Teilnahme am RT, da viele bedenkliche Vorgänge die Interessen des Stifts tangieren; auch die kgl. Zitation an den Ebf. ist zu berücksichtigen. Der Ebf. soll von den Deputierten des Kapitels vernehmen, was bezüglich der Angelegenheiten des Stifts auf dem RT vorzubringen ist. Besonders hervorzuheben ist das Bemühen des Domkapitels bezüglich der Rechte des Erzstifts gegenüber der Stadt Mainz.1 Sie schlagen außerdem vor, für die Zeit seiner Abwesenheit eine geeignete Person damit zu beauftragen, die Abwehr eventueller Übergriffe des Lgf. von Hessen2 oder anderer gegen das Stift zu organisieren. Da der Kg. dem Ebf. bewilligt hat, den RT nur mit kleinem Gefolge zu besuchen, vertritt auch das Domkapitel die Ansicht, sich zur Vermeidung von Unkosten auf die notwendige Zahl von Dienern zu beschränken. Insbesondere sollte der Ebf. uß besondern ursachen auf die Begleitung durch den Dompropst3 verzichten. Das Domkapitel hat schon öfters die durch dienstunfähiges Personal entstandenen Kosten beklagt. /531’/ Es Šschlägt deshalb erneut vor, eine mit der bevorstehenden Reise zu rechtfertigende Neuordnung und Reduzierung des Hofgesindes vorzunehmen, bevor der Ebf. zum RT aufbricht. Insbesondere ist die Abstellung der kostspieligen Mißstände in der Kanzlei überfällig. Beim Regierungsantritt des Ebf. war nur wenig Bargeld vorhanden. Seither liefen durch die Verleihung des Palliums, den Ungarnzug und die Begleichung von Forderungen etlicher Adliger beträchtliche Kosten auf, die das Stift durch Anleihen finanzieren mußte. Das Domkapitel empfiehlt deshalb eine Weisung des Ebf., während seiner Abwesenheit wie bereits in Niederolm (Ulm) die Mißstände auch in anderen Kellereien und Ämtern abzustellen, um die jährliche Belastung durch die Anleihen leichter bewältigen zu können. /532/ aEbenso muß für die Stadt Mainz, darinnen mein gn. Hh. vom capitel groisse widerwertikeyt und unwillen befinden, darab seynen ftl. Gn. und stift große beswerungen und unrait mechten erwachsen, eine Ordnung verabschiedet werden. Bitten den Ebf., dafür zu sorgen, daß künftige Auseinandersetzungen vermieden werden-a. Der Ebf. ist auch auf die zunehmenden Klagen über die Juden in Mainz, im Rheingau, in Weisenau, Neudenau und Lahnstein hinzuweisen; sie treten ohne Zeichen in der Öffentlichkeit auf und treiben zwar nicht offenkundigen Wucher, schädigen aber mit ihren üblen Geschäftspraktiken Arme wie Reiche. Dies zu tolerieren, können der Ebf. und das Domkapitel gegenüber Gott und der Welt nicht verantworten. Vermutlich dulden Amtleute des Stifts diese Mißstände zu ihrem eigenen Vorteil. Der Ebf. sollte auch die von kurpfälzischer Seite ausgehenden Verletzungen der Fischereirechte auf der Nahe bei Bingen abstellen. Das Kapitel hat außerdem Kenntnis von den zunehmenden Verletzungen der ebfl. Jurisdiktion und Rechte durch die Stadt Erfurt sowie von unpilligem bezwang und nachteil der dortigen Geistlichkeit, /532’/ wogegen der Ebf. vorgehen muß.4 Zu der von Caspar von Trohe (Drahe) herrührenden Forderung Sittichs von Ehringshausen waren bislang keine Unterlagen auffindbar; das Kapitel wird aber gegebenenfalls den Ebf. informieren.b 
    /533/ [26.3.] Verlesung der dem Ebf. vorzutragenden Artikel und Beschlußfassung darüber unter Ergänzung des folgenden Artikels: Der Ebf. soll auch an die Verstöße gegen die Mainzer Fischmarktordnung erinnert werden. Falls die Streitigkeiten nicht abzustellen sind, empfiehlt das Domkapitel die Aufhebung der Ordnung nach Ostern und die Erlaubnis zum Handel mit Fisch wie bisher.c 
    Vortrag folgender Artikel durch den ebfl. Kanzler5 im Namen Ebf. Jakobs: 1. Der H. von Königstein (Konst.) hat wegen der Forderungen des Gf. von Waldeck gegen Ebf. und Stift mit Wissen beider Parteien einen Vertrag aufgesetzt, den der Ebf. bis zum 18. April (sontag misericordia Domini) ratifizieren muß. Der Ebf. bittet um Begutachtung des ŠEntwurfs und Stellungnahme. 2. Der Ebf. beabsichtigt, für den Besuch des Konstanzer RT von Wolf Adel 2000 fl. zu leihen und diese Summe gemäß der vorgelegten Urkunde auf das Amt Gamburg zu verschreiben. 3. Da der Aufenthalt des Ebf. in Konstanz voraussichtlich länger dauern wird, ist zu beraten, wie zusätzlich Geld aufgebracht werden kann, so daß insgesamt 3000–4000 fl. zur Verfügung stehen. /533’/ 4. Der Ebf. ersucht in diesem Zusammenhang um die Bewilligung eines Subsidiums, was in solchen Fällen auch seinen Vorgängern genehmigt wurde. Seit seinem Regierungsantritt hat er kein Subsidium mehr eingenommen.
    Das Kapitel vertagt sich zur Beratung darüber auf den 27. März.
    /534/ [27.3.] Verlesung eines Schreibens des Ebf. samt der Abschrift eines kgl. Schreibens an diesen [Nr. 15] mit der Aufforderung zum persönlichen Erscheinen auf dem RT nach den Osterfeiertagen (post festa paschalia).
    Beschlußfassung über die vom ebfl. Kanzler am Vortag vorgetragenen Artikel: 1. Der Vertragsentwurf des H. von Königstein wird gebilligt. 2./3. Der Revers für Wolf Adel über die Verschreibung von 2000 fl. auf das Amt Gamburg wird abgelehnt. Da der Ebf. unbestreitbar rasch Geld benötigt, bewilligt das Kapitel ihm den Zugriff auf Renten und Einkünfte des Stifts, jedoch ohne die Veräußerung oder Verpfändung von Eigentums- und obrigkeitlichen Rechten. 4. Mit dem Subsidium soll aus schwerwiegenden Gründen noch einige Zeit gewartet werden. Bis dahin kann sich der Ebf. damit behelfen, eine Landsteuer im Stift auszuschreiben oder von den Empfängern der hl. Kommunion für begrenzte Zeit einen Wochenpfennig einzufordern. Auf diese Weise müßte eine erhebliche Summe Geldes aufzubringen sein. Das Kapitel wird jedoch über diesen Punkt noch einmal beraten, wenn mehr Domherren anwesend sind.
    /534’/ [30.3.] Das Domkapitel bewilligt die zuerst abgelehnte Verschreibung Wolf Adels auf Schloß und Stadt Gamburg für 2000 fl., um damit die Teilnahme Ebf. Jakobs am RT zu finanzieren, doch mit der Auflage, die Schuld binnen Jahresfrist zurückzuzahlen; dem Reversbrief ist ein entsprechender Passus einzufügen. Der ebfl. Kanzler nimmt diesen neuen Entwurf zur Ratifizierung durch den Ebf. mit nach Steinheim, ebenso den Vertragsentwurf zwischen dem Ebf. und dem Gf. von Waldeck.
    [8.4.] Anwesend: Domscholaster6, Kantor7, [Ulrich von] Schechingen, [Johann von] Hattstein, [Adolf von] Stockheim, [Gf. Thomas von] Rieneck, [Dr. Johann] Küchenmeister, [Lorenz] Truchseß [von Pommersfelden], [Otto von] Langen, [Balthasar] Groschlag und der Sekretär [Johann Monster].
    Die vom Ebf. ratifizierte Verschreibung für Wolf Adel auf Burg und Stadt Gamburg wird noch einmal verlesen. Die Domherren Johann von Hattstein und Lorenz Truchseß berichten über ihre Verhandlungen mit Ebf. Jakob in Steinheim.
    /535/ [9.4.] Ulrich von Schechingen und [Gf. Thomas von] Rieneck erstatten dem Kapitel Bericht über ihre vergeblichen Verhandlungen mit Wolf Adel zur Abmilderung der Verschreibung auf das Schloß Gamburg. Der dann ratifizierte Entwurf des Reversbriefs wird vorgelegt und auf Weisung des Domscholasters durch den Protokollanten gegengezeichnet.
    Š/535’/ [10.4.] Persönlicher Vortrag Ebf. Jakobs vor den Domherren: Da er bis zum 12. April (montag nach quasimodogeniti) zum RT abreisen und eine Zeit lang vom Stift fernbleiben wird, ersucht er das Kapitel 1. um die Wahl der Statthalter neben dem Dompropst [Pfgf. Georg]. 2. Das Kapitel soll dafür Sorge tragen, unnötige Unkosten in den Ämtern und Kellereien zu vermeiden. 3. Es soll Streitigkeiten zwischen Viztumen, Kellermeistern und Amtleuten beilegen. 4. Die Juden sollen aus dem Erzstift vertrieben werden, soweit sie nicht mit besonderen Rechten ausgestattet sind. 5. Er bittet um den Rat der Domherren für den Fall, daß dem röm. Kg. auf dem RT ein Gemeiner Pfennig oder eine andere Reichssteuer bewilligt wird. 6. Das Kapitel soll angesichts der Entfernung und Dauer der Reise über weitere Geldquellen beraten. Dabei ist auch zu erwägen, diese Belastung nicht nur in Form von Verschreibungen dem Ebf. und dem Stift aufzuerlegen, sondern wie in anderen Fürstentümern durch ein Subsidium oder eine Landsteuer auch die Untertanen heranzuziehen.
    Nach Beratung Antwort des Domkapitels durch den Scholaster [Adolf Rau]: /536/ 1. Das Domkapitel stellt es dem Ebf. anheim, für die Zeit seiner Abwesenheit die Statthalter zu benennen. 2.-4. Es sagt zu, sich um diese Angelegenheiten, die auch kürzlich durch Johann von Hattstein und Lorenz Truchseß gegenüber dem Ebf. angesprochen wurden, zu kümmern. 5. Item uf den artikel zukunftig beswerung, als, sich zu besorgen steet, uf obgemeltem Reichs tag werd furgenommen etc., haben mein gn. Hh. des capitels nit geringe anlygen, wes sein ftl. Gn. darinnen sey zu raten, ongnade und unwillen zu furkomen. Were aber ire gutbedunken, sein ftl. Gn. hett sich in diesem falle mit andern Kff., Ff., reten und stenden des Reichs getrulich besprochen, ire gemut, meynung und willen derhalb zu erlernen und vernemen, demnach fuglich antwort zu geben oder ziemlichen ufschub und berat zu begern. 6. Bezüglich des Vorschlags, Geld durch ein Subsidium oder eine Landsteuer aufzubringen, hat sich das Kapitel kürzlich gegenüber dem ebfl. Kanzler erklärt. Dabei soll es bleiben.

    Mainz, 24./26./27./30. März, 8.-10. April 1507.
    Würzburg, StA, Mainzer Domkapitelprotokolle 3, fol. 530’-536 passim (lat./dt. Reinschr. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen).

    «2.2. Kurtrier »

    «Nr. 55 Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Trier an Ebf. Jakob von Trier »

    Ihnen ging am vergangenen Montag [8.2.] ein kgl. Mandat [Nr. 5] zu, worin sie unter anderem aufgefordert wurden, am 7. März (sontagh oculi) neben anderen Reichsständen in Konstanz zu erscheinen. Die Stadt gehört zum Erzstift und wurde bislang durch die Ebff. von Trier vertreten. Bitten ihn, es ebenso zu halten.

    Trier, 11. Februar 1507 (donnerßtags nah Scolastice virginis Ao. XVcVIto more trevirensi.) 
    Koblenz, LHA, 1 C, Nr. 738, fol. 3 (Or.).
    Regest: Rudolph, Quellen I, Nr. 188, S. 459.

    «Š2.3. Kurpfalz »

    «Nr. 56 Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    [1.] Berichtet über Schwierigkeiten bei der Erlangung eines Privilegs für Nürnberg [Nr. 97, Anm. 1].
    [2.] Er konnte aus einiger Entfernung einen Vortrag zweier kurpfälzischer Gesandter, Landschads und des Kanzlers [Venningen], mithören, was diese zu ihrem Schrecken erst am Schluß bemerkten. Soweit er dies mitbekam, baten die Gesandten, den Kf. aus der Acht zu lösen und die Landvogtei zurückzugeben; sie haben dafür Geld angeboten. Der Kg. erwiderte, daß er in dieser Sache ohne seine Verbündeten nichts unternehmen könne. Doch in Anbetracht der Notlage des Kf. und weil er diesem nicht ungnädig sei, wolle er ihm aus Gnaden und nicht etwa, weil ein Anspruch darauf bestünde, [für die beiden Landvogteien] 50 000 fl. geben1 und einen Vergleich mit den übrigen Kriegsgegnern vermitteln. Die Gesandten erwiderten, daß dieses Angebot zu niedrig sei, und nannten eine Summe von 80 000–100 000 fl. Anschließend beschwerten sie sich über Nürnberg: Die Pfalz könne sich schon zur Wehr setzen, befürchte aber ein Eingreifen des Schwäbischen Bundes, womit die Nürnberger beim Konflikt um Velden schon gedroht hätten. Jetzt sei eine Anhörung durch die Bundesversammlung angesetzt. Die Gesandten baten den Kg., seinen Vertreter zu den Schiedsverhandlungen abzuordnen. Dies lehnte der Kg. mit dem Hinweis, daß er unparteiisch bleiben müsse und ohnehin durch Räte auf dem Bundestag vertreten sei, ab, versicherte jedoch, keine bewaffneten Auseinandersetzungen zuzulassen. Damit wurden die Gesandten verabschiedet. Ob sie später noch etwas erreichen konnten, weiß er nicht, er wird jedoch darauf achtgeben. [Vorbereitung des RT; Nr. 133. Streit zwischen Hg. Albrecht von Bayern und Pfgf. Friedrichs wegen des Unterpfands; Nr. 78].

    Straßburg, 31. März 1507 (mittichen in der hl. wochen). 
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, A-Laden-Akten 83, Nr. 10, unfol. (eh. Or. m. S.).

    «Nr. 57 (Geheime) Instruktion Kf. Philipps von der Pfalz für Dr. Florenz von Venningen (Kanzler) und Hans Landschad als Gesandte zu Kg. Maximilian »

    Verhandlungen mit Kg. Maximilian über Materien im Zusammenhang mit dem Landshuter Erbfolgekrieg.

    s.l., s.d., jedoch Heidelberg, wahrscheinlich 6. April 1507.1
    München, HStA, Fürstensachen 963, fol. 83–88 (Konz., Überschr.: Instruction, wes von unser, Pfgf. Philipsen Kf., wegen durch unsern canzler Florenz von Venningn, Dr., und Bgf. von Alzey Hans Lantschaden, ritter, uf unser hiebyligend credenz abermals und ferner by röm. kgl. Mt., unserm allergnst. H., gehandelt und anbracht werden solle.).

    Š[1.] Die beiden Gesandten werden aufgrund eines Angebots Kg. Maximilians erneut abgefertigt. Er hat mehrmals durch eigene Schreiben an den Kg., dann durch Landschad und zuletzt durch sie beide, Venningen und Landschad, die [im Landshuter Erbfolgekrieg] erlittenen territorialen Verluste geschildert und um deren Rückgabe gebeten. Der Kg. hat mehrfach seinen geneigten Willen bekundet. Zuletzt ließ er durch seinen Kanzler Serntein erklären, daß er ihm und seinen Söhnen zugute einen Vertrag über seinen förmlichen Verzicht auf die Kriegsverluste und dann auch eine Erbeinung abschließen wolle. Der Kg. bat um Stellungnahme zu seinem Vorschlag.
    Er bekundet für sich und seine Söhne seine Dankbarkeit. Die Gesandten sind bevollmächtigt, die Verhandlungen zu einem Abschluß zu bringen. Der Kg. hat erklärt, der Kf. solle sich nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten untertänig erzeigen und seinen Verzicht auf dessen Eroberungen erklären, sowohl bezüglich des Eigengutes als auch der Pfandschaften. Dafür bot er 50 000 fl. und forderte ein Gegenangebot.
    Die angebotene Summe kompensiert nicht den Verlust der Landvogtei [im Elsaß] und der Ortenau; und wer die jerlich nutzung beder ort, aigens und pfantschaft, uns alweg lieber und nutzer gewest dan XVM fl. jerlichs gelts. Er kann jedoch kein Gegenangebot vorlegen, sondern stellt es dem Kg. anheim, den Verlust und den täglich wachsenden Schaden für ihn und seine Kinder zu ermessen. Dieser wird ihm für seinen Verlust und die entgangenen Einkünfte und gegen seine Verzichtserklärung sowie die Aushändigung der Urkunden sicherlich für nicht unter 120 000 fl. Verschreibungen ausstellen.
    Natürlich sind die Landvogtei mit der Ortenau samt seinem Eigengut und dem jährlichen Einkommen viel mehr wert. Dies ist aus den ihnen mitgegebenen Unterlagen zu entnehmen, die die Gesandten jedoch, um Zeit zu sparen und im Vertrauen auf den röm. Kg., daß er den Kf. und seine Söhne wie zugesagt anderweitig bedenken wird, nicht vorlegen sollen. Die Gesandten sollen folgenden Vorschlag machen:
    1. Der röm. Kg. übernimmt in Abschlag der oben genannten Hauptsumme die Bezahlung von Gülten; die Empfänger sollen dagegen die kurpfälzischen Verschreibungen herausgeben.
    2. Falls der Kg. dies ablehnt, soll er Kf. Philipp die gesamte Summe auf Einkünfte aus seinen Erblanden und aus Reichsstädten verschreiben.
    3. Falls der Kg. dies nicht oder nur für einen Teil der Summe tun will, soll die Zahlung in bar – wenn nicht sofort, so doch in absehbarer Zeit – erfolgen.
    4. Falls der Kg. einwilligt, in Abschlag der 120 000 fl.a Gültzahlungen Kf. Philipps zu übernehmen, sollen die Gesandten darauf achten, daß solichs an andern enden dan uf den, so wir zu Straßburg gulten geben, geschee, dan das ausgeben, wir vom hundert nemen vier und mussen V geben. 
    5. Falls der Kg. nicht bereit ist, 120 000 fl. zu geben, sollen sich die Gesandten mit Nachdruck um die Bewilligung von 100 000 fl. bemühen. Äußerstenfalls können sie sich, um erneuten Krieg und weiteren Schaden zu verhindern, und damit der Kg. sein Entgegenkommen auch in seinen Werken sieht, auf 80 000 fl. einlassen.
    [2.] Zentrale Anliegen sind das Aushandeln eines möglichst hohen Summe, die Rückgabe des kfl. Titels und die Lösung aus der Reichsacht. Die Gesandten sollen außerdem auf das Šzunehmende Räuberunwesen in seinem verbliebenen Territorium und den benachbarten Gebieten hinweisen. Der Kf. will sich darum bemühen, dies durch eine berittene Streife zu unterbinden; diese Maßnahme soll vom Kg. und den benachbarten Ff. nicht als Vorbereitung zu einem neuerlichen bewaffneten Konflikt mißverstanden werden.
    [3.] Notavermerke: Wegen der Gülten zu Straßburg wird Jakob von Landsberg mit den Gesandten sprechen. – Zu überlegen ist, ob mit [Niklas] Ziegler wegen Barr verhandelt werden soll2; ebenso, ob – wie dies der Landvogt [Jakob von Fleckenstein] angeregt hat – den zum kgl. Hofstaat gehörenden Inhabern von Rappoltsweiler (Raperßwiler)3 vorgeschlagen werden soll, gegen eine Geldzahlung den halben Anteil wieder an Kf. Philipp zurückzugeben, da dort jeder Zinsgulden mit 40 fl. abgelöst werden muß.
    [4.] Die jüngst eingetroffenen Schreiben bezüglich Nürnbergs sollen auch an den kgl. Hof mitgenommen werden. Die Gesandten sollen dem Kg. über die tägliche Feindschaft der Stadt und deren Versuche, sich kurpfälzischer Besitzungen zu bemächtigen, berichten.
    [5.] Die Gesandten sollen sich darum bemühen, eine Zusage über weitere 20 000 fl. nach dem Tod des Kg. zu erwirken, falls derzeit nur 80 000 fl. erreichbar sind. Doch sollen eher 60 000 oder sogar 50 000 fl. zuzüglich der Übernahme von 4000 fl. [auf die Landvogtei verschriebener] jährlicher Gülten akzeptiert werden, bevor überhaupt keine Einigung zustandekommt.
    [6.] Notavermerk: Mit dem Kg. soll auch über die von Pfgf. Otto [von Mosbach] hinterlassenen böhmischen Lehen4 verhandelt werden, um dessen Haltung zu erkunden, wenn in dieser Angelegenheit etwas unternommen wird.
    [7.] Außerdem soll mit dem Kg. wegen des Hst. Speyer verhandelt werden. Der Kanzler [Venningen] ist darüber informiert.

    «ŠNr. 58 (Offene) Instruktion Kf. Philipps von der Pfalz für Dr. Florenz von Venningen (Kanzler) und Hans Landschad als Gesandte zu Kg. Maximilian »

    Verhandlungen mit Kg. Maximilian über Materien im Zusammenhang mit dem Landshuter Erbfolgekrieg

    s.l., s.d., jedoch Heidelberg, wahrscheinlich 6. April 1507.1 
    München, HStA, Fürstensachen 217/II, fol. 170–173’ (Kop.).

    [1.] Der Vortrag der Gesandten erfolgt unter dem Vorbehalt, daß die dem röm. Kg. nicht zusagenden Punkte als gegenstandslos gelten sollen. Damit ist die Hoffnung verbunden, den Kg. milde zu stimmen, damit dieser der großen Zahl seiner Nachkommen und der Notwendigkeit ihrer fürstengemäßen Ausstattung Rechnung trägt. Die Gesandten sollen den Kg. seines Gehorsams versichern und seine Freude über dessen Wohlergehen bekunden. Anlass für die Gesandtschaft sind die durch Venningen und Landschad in Straßburg geführten Verhandlungen, die auf dem von Kg. Maximilian durch Landschad bei Verhandlungen in Österreich erlangten Bescheid gründeten. Er läßt die in Köln gemachte Zusage des Kg.2 und die Berichte Landschads über seine Verhandlungen am kgl. Hof3 auf sich beruhen; entscheidend ist das Angebot einer Zahlung – vorgeschlagen wurden 50 000 fl. – im Gegenzug zu seiner Verzichtserklärung.
    [2.] Die Gesandten sollen in untertänigster Weise darlegen, daß er zu Unrecht der kgl. Ungnade verfallen sei und er immer treu zum röm. Kg. und zum Haus Österreich gehalten habe. Seine Antwort auf das Angebot zu einer Abfindung von 50 000 fl. für den Verzicht auf die Landvogteien Hagenau und Ortenau sowie das dortige kurpfälzische Eigengut lautet wie folgt: Er besitzt ksl. und kgl. Urkunden unter anderem von Ks. Friedrich III. und Kg. Maximilian selbst, wonach die Reichspfandschaften bei der Kurpfalz verbleiben sollen4, doch läßt er dies auf sich beruhen. Falls der Kg. ihn wieder in Gnaden aufnimmt, ihn und seine Gefolgsleute aus der Acht löst, ihm seinen kfl. Titel wieder zuerkennt, ihm den Schutz des kgl. Landfriedens angedeihen läßt, ihn und seine vielen Söhne gnädig bedenkt und einen gewissen Schadenersatz leistet, ihm auch gegenüber seinen Kriegsgegnern bei der Restituierung der Kurpfalz sowie der kurpfälzischen Prälaten und Ritterschaft behilflich ist, so will er im Gegenzug seinen Verzicht auf die vom Kg. eroberten Pfandschaften und das kurpfälzische Eigengut in den Landvogteien Hagenau und Ortenau erklären.
    [3.] Er kann nicht – wie vom Kg. gewünscht – die Höhe der Ausgleichszahlung beziffern. Pfandschaft und Eigengut umfassen zusammen 57 Schlösser, Städte, Dörfer und Flecken mit einem jährlichen Ertrag von über 12 000 fl., nach Abzug der davon verschriebenen Gülten netto 8000 fl. – das nicht vom Feind eroberte, sondern zu treuen Händen übergebene Schloß Hohengeroldseck5 nicht eingerechnet. Sein Verzicht würde sich Šaußerdem auf den Wildbann, Frondienste, obrigkeitliche Rechte und die dort ansässige Ritterschaft erstrecken; er müßte eine beträchtliche Reduzierung seines Territoriums und seiner Landstände akzeptieren. Die Bezahlung der Renten durch den Kg. abgerechnet, ist der Gesamtverlust für ihn auf mindestens 160 000 fl. zu veranschlagen.
    [4.] Doch kann diese Summe dem Kg. nicht angegeben werden. Erachtet dieser sie als zu hoch, erhebt er Einwände; ist sie zu niedrig angesetzt, fällt dies ebenfalls zu seinem, Kf. Philipps, Nachteil aus. Er bekundet deshalb nur seine Hoffnung, daß der Kg. ihn und seine Söhne gnädig bedenken werde, damit sie dem Reich umso besser dienen könnten. Erklärt seinen Willen, seine Rechte an der Pfandschaft und an seinem Eigentum unbefristet an Kg. Maximilian und dessen Erben zu übertragen. Der Nutzen für das Haus Österreich wäre enorm. Die Landvogteien Hagenau und Ortenau sind seine bei weitem einträglichsten Reichspfandschaften. Ein gewisser Ausgleich für ihn – was auch der vom Kg. bekundeten Absicht, sich gnädig erzeigen zu wollen, entspräche – ist umso notwendiger.
    [5.] Aus dem Vortrag kann der Kg. seinen guten Willen erkennen. Bittet erneut, sich ihm gegenüber gnädig zu zeigen. Die Gesandten sind bevollmächtigt, die Verhandlungen zum Abschluß zu führen. Er verpflichtet sich zur Einhaltung sämtlicher Vereinbarungen.

    «Nr. 59 Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    Es heißt, Pfgf. Alexander von Zweibrücken werde seine Verschreibung1 abtreten. Der Kg. wird die darin benannten Orte bei der Landvogtei Hagenau behalten und dem Pfgf. dafür jährlich 300 fl. aus den Städtesteuern der Landvogtei geben. Dessen Leute haben ihm gegenüber bestätigt, daß Pfgf. Alexander dies bewilligt habe.2 

    Straßburg, 16. April 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, D-Laden-Akten 219, Stück-Nr. 42 (eh. Or.).
    Druck: Gümbel, Berichte, Nr. 9, S. 285–288, hier 287f.

    «Nr. 60 Weisung Kf. Philipps von der Pfalz an Dr. Florenz von Venningen und Hans Landschad »

    Bestätigt den Empfang ihres Berichts1 am 17. April. Er hat daraufhin noch einmal den Entwurf ihrer [geheimen] Instruktion studiert. Er befindet darin das jährliche Einkommen Šaus den [im Landshuter Erbfolgekrieg] verlorenen Orten in der Landvogtei und der Ortenau mit 15 000 fl. [Nr. 57, Pkt. 1] als etwas zu hoch angesetzt. Es wäre besser gewesen, wenn sie instruktionsgemäß 12 000 fl. [Nr. 58, Pkt. 3] geltend gemacht hätten, da eine höhere Summe nicht belegt werden kann. Sie sollen deshalb bei den weiteren Verhandlungen möglichst geschickt diese Summe ins Spiel bringen. Falls diese Angaben dann belegt werden müssen, ist er damit einverstanden. Er übersendet zu diesem Zweck ein Verzeichnis aller von der Gegenseite eroberten Schlösser, Städte und größeren Dörfer [Nr. 426] sowie ein Register der jährlichen Einkünfte daraus.2 Dies könnte durch Abrechnungen belegt werden. Doch soll das Register beim derzeitigen Stand der Verhandlungen keinesfalls übergeben werden. Da er ohnehin nicht vollständig restituiert oder entschädigt werden wird, reicht es vorläufig aus, bei den Verhandlungen daraus zu referieren. Selbst wenn der Kg. die Bezahlung der 4000 fl. Bodenrenten übernehmen und dazu 100 000 fl. bar bezahlen würde, ginge sein Verlust dennoch in die Tausende, abgesehen vom Gewinn des Hauses Österreich und dem Verlust der Kurpfalz an Frondiensten, Kriegsdiensten, obrigkeitlichen Rechten, Weiderechten, Wildbännen und anderen im Register nicht berücksichtigten Posten. Falls es ihnen dessenungeachtet erforderlich erscheint, das Register zu übergeben, ist er damit einverstanden. Seinem Schreiben liegt außerdem ein Verzeichnis über die jährlichen Ausgaben für die Amtleute3 bei. Sie sind nun einschließlich ihrer vorherigen Instruktionen und Weisungen für die Schlußverhandlungen ausreichend informiert. Dan ist der Mt. meynung und will, uns und unsere sone mit gnaden und truwen zu meynen, so stet unser will oder meynung, entlich mit ir gericht zu sein uf form und maß, ir von uns abgescheiden seint. Sie sollen sich darum bemühen, daß er die Gnade des Kg. wiedererlangt.

    Heidelberg, 18. April 1507 (sontaig misericordias Domini).
    München, HStA, Fürstensachen 963, fol. 94–94’ (Or.).

    «Nr. 61 Weisung Kf. Philipps von der Pfalz an Dr. Florenz von Venningen und Hans Landschad »

    Sein Freund, der Bf. von Würzburg, hat ihm mitgeteilt, daß er zum RT nach Konstanz geladen und auf dem Weg dorthin sei. Der Bf. hat angeboten, ihm dort behilflich zu sein, wenn er dies tun könne. Er hat dafür gedankt und ihn gebeten, sie beide zu unterstützen. Teilt dies zu ihrer Information mit. Der Bf. hat sich bislang immer als Šzuverlässiger Sachwalter pfälzischer Interessen erwiesen. Sie sollen ihn um Rat bitten und seine Unterstützung in Anspruch nehmen.

    Heidelberg, 20. April 1507 (dinstaig nach misericordia Domini).
    München, HStA, Fürstensachen 963, fol. 108 (Konz.).

    «Nr. 62 Bericht Dr. Florenz’ von Venningen und Hans Landschads an Kf. Philipp von der Pfalz »

    [1.] Rechtfertigen gegenüber dem letzten kfl. Schreiben [Nr. 60] die bei den Verhandlungen am kgl. Hof angegebene überhöhte Summe von 15 000 fl. mit fehlenden genauen Anweisungen diesbezüglich und der verhandlungstaktischen Notwendigkeit zu präzisen Angaben über das Ausmaß der pfälzischen Verluste. Sie haben zwei Instruktionen erhalten, eine zur Vorlage an Kg. Maximilian [Nr. 58], die andere [Nr. 57] für sie selbst, um damit nach ihrem Gutdünken zu verfahren. Sie haben aus triftigen Gründen keine der beiden Instruktionen vorgelegt. Da für die Verhandlungen wichtige Punkte darin fehlten, haben sie nach bestem Wissen und Gewissen einiges ergänzt und unter anderem das jährliche Einkommen auf 15 000 fl. veranschlagt. Bei Berücksichtigung aller in die – laut Instruktion angegebenen – 12 000 fl. nicht eingerechneten Posten erschien ihnen diese Zahl realistisch. In der [geheimen] kfl. Instruktion heißt es, daß dem Kf. das Einkommen aus den Landvogteien lieber wäre als 15 000 fl. Im kfl. Rat wurde sogar geäußert, daß das Einkommen durch die Eroberungen Kg. Maximilians und der übrigen Kriegsgegner um 18 000 fl. gesunken sei. Wenn sie gewußt hätten, daß das jährliche Einkommen, wie im Register angegeben, maximal 9000 fl. beträgt, wären sie natürlich anders vorgegangen. Der röm. Kg. will die Höhe seiner Zahlung ohnehin nicht daran bemessen, sondern bietet aus Gnade als gewissen Ausgleich für die erlittenen Verluste 50 000 fl. an. Sie haben bislang keine Mühe gescheut, eine möglichst hohe Summe herauszuschlagen. Für die weiteren Verhandlungen ist allerdings seine Entscheidung notwendig, welche Mindestsumme er äußerstenfalls akzeptieren will. In seinem Schreiben heißt es, wenn der Kg. die auf diesen Gütern liegenden Zahlungsverpflichtungen von jährlich 4000 fl. übernehmen und darüber hinaus 100 000 fl. bezahlen würde, wären dennoch viele tausend fl. nicht beglichen und vieles andere wäre nicht berücksichtigt. Vor ihrer Abreise hat dagegen der kfl. Rat in seiner Anwesenheit beschlossen, daß es wichtig sei, einen Ausgleich mit dem Kg. zu erreichen und dessen Gnade wiederzuerlangen; wenn man keine 100 000 fl. bekommen könne, so wären auch 80 000 fl. akzeptabel; wenn man die kgl. Ungnade abstellen könne, den kfl. Titel zurückerhielte und die – allerdings unrechtmäßige – Acht aufgehoben würde, so würde man sogar 50 000 fl. annehmen. Dies haben sie so verstanden, daß der röm. Kg. seinen Verzicht auf die eroberten Gebiete mit einer solchen Summe in bar und entsprechenden jährlichen Gülten bezahlen soll. Er, Venningen, besprach sich noch einmal mit ihm, dem Kf., und erhielt den Bescheid, daß es bei einer Mindestforderung von 80 000 fl. und der Übernahme der jährlichen Renten von 4000 fl. bleiben solle. Die Angabe in ihrer Nebeninstruktion – 50 000 fl. – interpretierten sie beide deshalb als Irrtum. In der jüngsten kfl. Weisung sind allerdings ähnlich wie in der Nebeninstruktion wieder 50 000 fl. und 4000 fl. angegeben. Bitten um eine von ihm selbst Šunterzeichnete, eindeutige und verbindliche Weisung diesbezüglich. Vorher werden sie nicht in die abschließenden Verhandlungen eintreten.
    [2.] Der Kg. ist von Straßburg nach Konstanz aufgebrochen und hat sie zuerst nach Gengenbach, dann hierher nach Villingen beschieden. Für den nächsten Tag hat der Kg. weitere Verhandlungen in Engen in Aussicht gestellt. Falls diese sich verzögern, werden sie ihre Knechte und Pferde von Konstanz aus nach Hause schicken, um Kosten zu sparen.

    s.l., jedoch Villingen, 24. April 1507 (samßtags nach misericordias Domini); präs. Heidelberg, 27. April (dinstags nach Marci).
    München, HStA, Fürstensachen 217/II, fol. 179–179’, 177–178’, 180–180’ (Or. Hd. Venningen m. 2 Ss., Postverm.: Zu siner ftl. Gn. selbs handen. Stück z.T. in der falschen Reihenfolge abgelegt).

    «Nr. 63 Weisung Kf. Philipps von der Pfalz an Dr. Florenz von Venningen und Hans Landschad »

    [1.] Bestätigt für den 27. April den Eingang ihres Berichts vom 24. April [Nr. 62]. Er wurde ihm mehr als einmal vorgelesen. Die in Heidelberg erfolgte Beschlußfassung und die ihnen mitgegebenen Instruktionen sind eindeutig; seine vorige Weisung stimmt ebenfalls damit überein. Deshalb bestand kein Grund für ihre Irritation bezüglich seiner letzten Weisung [Nr. 60]. Er hat sie als Räte seines besonderen Vertrauens zum Kg. entsandt. Wenn sie bei den Verhandlungen mit dem Kg. zu dem Ergebnis kommen, daß dieser seine Ungnade gegen ihn, seine Kinder sowie die pfälzischen Prälaten und Adligen abstellt, ihn und sie wieder in die Würden einsetzt, die sie vor dem Bayerischen Krieg innehatten, und sich für die Rückerstattung ihrer Verluste durch die übrigen Kriegsgegnern einsetzt, so will er sich wegen Kleinigkeiten nicht beirren lassen. Wenn sie eine solche Zusage des Kg. erhalten, sollen sie für seinen Verzicht eine möglichst hohe Summe herausschlagen – 120 000 fl. oder mehr. Falls dies nicht zu erlangen ist, 110 000 fl., andernfalls 90 000–100 000 fl., 80 000 fl. oder wenigstens 70 000 fl. Doch soll der Kg. auf jeden Fall die obigen Punkte erfüllen. Diesbezüglich waren sie bereits zuvor bevollmächtigt. Er hofft, daß die Summe 80 000 fl. – in bar oder jedenfalls mit möglichst kurzen Zahlungsfristen – nicht unterschreitet. Falls Barzahlung nicht möglich ist, soll der Kg. ihm für 4000 fl. jährlich Verschreibungen ausstellen. Zumindest aber sollen die Räte 70 000 fl. ggf. mit einer jährlichen Verschreibung von ebenfalls 4000 fl. herausschlagen. Sie sind bevollmächtigt, die Verhandlungen mit diesem Ergebnis abzuschließen, in der Hoffnung, der Kg. wird ihn oder seine Söhne dereinst in anderer Weise bedenken. Es bleibt somit bei den Beschlüssen des Rates. Er geht allerdings davon aus, daß sie sich um ein besseres Verhandlungsergebnis bemühen, sowie sie eine Möglichkeit dafür sehen. Das Geld wird dringend benötigt. Vielleicht können sie eine Verschreibung über eine weitere Erstattung durch das Haus Österreich nach dem Tode Kg. Maximilians erreichen.
    [2.] [Notavermerk:] Dem Schreiben ist ein Zettel beizulegen, wonach die beiden Gesandten den Bf. von Würzburg um Vermittlung bitten sollen, falls die Verhandlungen scheitern.
    Š[3.] [PS] Sie sollen diesen Befehl niemandem zeigen, bevor sie nicht zu dem Ergebnis gelangt sind, daß mehr nicht zu erreichen ist. Sie sind gehalten, sich bei den Verhandlungen mit dem Kg. an dieser Weisung zu orientieren.
    [4.] [PPS] Informiert sie über ein Schreiben seines Sohnes Pfgf. Johann an ihn1. Sie sollen sich beim Kg. und bei geeigneten anderen Personen dafür einsetzen, daß Johann im Bm. [Regensburg] bleiben kann.

    Heidelberg, 28. April 1507 (mitwuch zu abent nach dem sontag jubilate).
    München, HStA, Fürstensachen 963, fol. 104–105’, 106, 107 (Konz.).

    «Nr. 64 Nachschrift zu einer Weisung Kf. Philipps von der Pfalz an Dr. Florenz von Venningen und Hans Landschad »

    Er hat ihren Zettel bezüglich des RT zu Konstanz mit ihrer Stellungnahme dazu1 erhalten und bekundet seine Zustimmung. Dweyl uns dann noch nit geschriben oder wir zu solichem dag erfordert sint, wissen wir nit wol, was zu tun sy. Aber wie dem, ob ir kgl. Mt. gen Kostenz nachfolgen musten, so dan uf die red, ir deshalben mit dem röm. canzler [Zyprian von Serntein] geton haben, ansynnen an uch, von unsern wegen unser stat zu verdreten, gescheen, so wollent solichs uß ursach, in uwerm schryben gemelt, [ablehnen], dan wir den nutz, so uns on das daruß entspringt, nit groß achten konnen. Darumb, so nemen es selbst zum besten fur und wie es uch fur gut ansicht. 

    s.l., s.d., jedoch Heidelberg, wohl Ende April 1507.
    München, HStA, Fürstensachen 963, fol. 97 (Or.).

    «Š2.4. Kursachsen »

    «Nr. 65 Bf. Johann von Naumburg an Kf. Friedrich III. und Hg. Johann von Sachsen »

    Vor kurzem ging ihm das kgl. Ausschreiben (Zeiring, 27.10.1506) zum RT nach Konstanz zu. Die Kff. von Sachsen als Schutzherren des Bistums haben die Bff. von Naumburg bislang von allen Anforderungen seitens des Hl. Röm. Reiches eximiert. Bittet darum, es auch weiterhin so zu halten und ihn gegenüber dem röm. Kg. zu entschuldigen.

    s.l., 23. Januar 1507 (sonnabents noch St. Fabiani und Sebastiani). 
    Weimar, HStA, Reg. E, Nr. 54, fol. 1–1’ (Or.).

    «2.5. Herzog Georg von Sachsen gegen Bischof Friedrich von Utrecht: Streit um Groningen »

    «Nr. 66 Zitationsmandat Kg. Maximilians an Bf. Friedrich von Utrecht »

    aDer Bf. hat mehrfach auf seine Rechte an der Reichsstadt Groningen hingewiesen-a und um einen rechtlichen Austrag zwischen ihm und Hg. Georg von Sachsen gebeten, der als von Kg. und Reich bestellter Statthalter in Friesland ebenfalls Ansprüche auf die Stadt geltend macht. Er benennt ihm deshalb wie schon Hg. Georg den 15. Mai als Termin für einen Rechtstag in Konstanz, wo zu dieser Zeit ein RT abgehalten wird. Der Bf. soll selbst erscheinen oder sich durch bevollmächtigte Anwälte vertreten lassen. Er selbst oder kgl. Räte werden die Parteien gemeinsam mit Kff., Ff. und Ständen anhören und eine Entscheidung fällen. Falls eine Partei den Termin ignoriert, wird das Verfahren dennoch durchgeführt.

    Hagenau, 6. März 1507.
    Wien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 58–58’ (niederdt. Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 233’-234’ (Kop.) = B.
    Kurzregest: Baks, Inventaris, Nr. 803, S. 204; Nr. 2344, S. 473.

    «Nr. 67 Vollmacht Bf. Friedrichs von Utrecht für Gesandte zum Konstanzer Tag »

    Verkündet, daß er Johann Krisch (Friss) (Dekan zu St. Severin/Köln, Domherr zu Utrecht) und Lic. Gerhard de Sucgerode (Kanoniker zu St. Salvator/Utrecht) als seine Prokuratoren zu Verhandlungen im Namen von Bf. und Hochstift vor Kg. Maximilian, Kff., Ff. und den übrigen Ständen des Reichs, vor den kgl. Räten totoque senatu Imperii per regiam maiestatem et Imperium deputato seu deputando sowie vor den kgl. Richtern und Kommissaren in Konstanz abgeordnet hat. Gegenstand des Verfahrens ist die bfl. Stadt Groningen, die länger als Menschengedenken dem Hst. Utrecht untersteht, und deren ŠSpoliation. Die beiden Prokuratoren sind zu allen für das Verfahren erforderlichen – im einzelnen aufgeführten – Handlungen bevollmächtigt.

    Schloß Duurstede, 28. April 1507; präs. Konstanz, 27. Mai1.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 7–9’ (lat. Kop., Überschr.: Mandatum episcopi Traiectensis.).

    «2.6. Herzog Georg von Sachsen gegen Groningen »

    «Nr. 68 Zitationsmandat Kg. Maximilians an Bürgermeister und Rat der Stadt Groningen »

    Hg. Georg von Sachsen, Reichsstatthalter in Friesland, hat geklagt, daß sie ihn bei der Durchführung des ihm von Kg. und Reich erteilten Auftrags unrechtmäßigerweise behindert hätten. Wegen der ihm daraus entstandenen erheblichen Kosten und Schäden erhebt der Hg. rechtliche Ansprüche gegen die Stadt.
    Er lädt sie deshalb binnen 63 Tagen nach Aushändigung des Ladungsschreibens zu einem Rechtstag vor ihm oder seinen Vertretern auf den RT nach Konstanz, um sich durch ihre bevollmächtigten Anwälte gegen die Klage Hg. Georgs zu verteidigen. Falls sie dieser Vorladung nicht Folge leisten, wird dessenungeachtet das Verfahren auf Antrag der erschienenen Partei eröffnet.

    Hagenau, 4. März 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 80–80’ (Kop.) = Textvorlage A. Ebd., fol. 123–124 (Konz. mit ex.-Verm.) = B. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 10–10’ (Kop.) = C.

    «Nr. 69 Vollmacht der Stadt Groningen für Gesandte zum Konstanzer Tag »

    Erklären gegenüber Kg. Maximilian, daß sie Dr. Hendrik Elderwolt und Magister Gelmar Kanter als ihre Prokuratoren bevollmächtigt haben, die Stadt in Konstanz vor ihm oder seinen Räten wegen der Ansprüche Hg. Georgs von Sachsen auf Schadenersatz und Kostenerstattung zu vertreten und ihrerseits gegenüber dem Hg. die der Stadt entstandenen Kosten und Schäden geltend zu machen. Die beiden Prokuratoren haben uneingeschränkte Handlungsvollmacht, doch behält sich der Magistrat vor, die vorliegende Vollmacht zu widerrufen.

    Groningen, 4. Mai 1507 (dinstag vor dem sontag vocem jocunditatis); präs./lect. Konstanz, 1. Juni.1
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 11–12’ (Kop. mit lat. Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen).
    Kurzregest: Baks, Inventaris, Nr. 2115, S. 429.

    «Š2.7. Stadt Konstanz gegen Bischof Hugo von Konstanz »

    «Nr. 70 Kg. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz »

    Er hat den Vortrag ihrer Gesandtschaft wegen des Konflikts zwischen Bf. und Stadt angehört. Bezüglich ihrer Bitte, ihre Freiheiten und Rechte zu schützen, versichert er ihnen, daß er als röm. Kg. und – gemäß den zwischen ihnen verabredetena Verträgen1 – als Schirmherr der Stadt nach wie vor die Meinung vertritt, die er ihnen unlängst schriftlich mitgeteilt hat2, nämlich daß sie eine Einschränkung ihrer Freiheiten und Rechte nicht hinnehmen dürfen und er diese schützen wird. Er ist geneigt, in dem Konflikt gütlich zu vermitteln. Da die Gegenpartei nicht anwesend ist und er in Konstanz einen RT abhalten wird, will er bei dieser Gelegenheit ihren Streit mit dem Bf. beilegen. Er geht davon aus, daß dieser aufgrund eines kgl. Mandats [Nr. 71] bis dahin nichts gegen die Stadt unternehmen wird. Sie sollen sich ihrerseits ebenfalls aller weiteren Schritte gegen Bf. und Stift enthalten.3 

    Rottenmann, 20. Oktober 1506.
    Karlsruhe, GLA, 209/85, unfol. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1506), fol. 96–96’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm. G[abriel Kramer], Verm. über ein entsprechendes Schreiben an Bf. Hugo von Konstanz) = B. Wien, HHStA, Reichsregisterbuch TT, fol. 2 (Kop.).

    «Nr. 71 Mandat Kg. Maximilians an Bf. Hugo von Konstanz »

    Er hat sein Schreiben1 sowie den Vortrag einer städtischen Gesandtschaft wegen des Konflikts zwischen ihm und der Stadt vernommen. Er ist jedoch nicht in Vermittlungsverhandlungen eingetreten, da er noch nicht beide Seiten angehört und auch den Bericht der kgl. Räte, die zuvor in Konstanz in dieser Sache verhandelt haben, noch nicht erhalten hat. Er wird jedoch Šeinen RT in Konstanz abhalten, unter anderem, um diesen Konflikt beizulegen. Befiehlt ihm, bis dahin nichts weiter gegen die Stadt zu unternehmen, wie er ihm auch beiliegend geschrieben hat [Nr. 72]. Davon hat er auch die städtischen Gesandten unterrichtet, ebenfalls mit der Maßgabe, daß die Stadt bis dahin auf weitere Schritte gegen Bf. und Stift verzichte.

    Rottenmann, 22. Oktober 1506.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1506), fol. 99–99’ (Konz. mit Verm.: Expeditum per [Jörg] Kofer, Registraturverm. Gab[riel Kramer], Dorsalverm.: Lb. Kesinger, ich bitt euch, den brief zu schreiben und, sobald der H. aus dem rat kombt, den sigeln lassen.) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Reichsregisterbuch TT, fol. 2’ (Kop.) = B.

    «Nr. 72 Mandat Kg. Maximilians an Bf. Hugo von Konstanz »

    Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz haben geklagt, daß er neuerdings von ihren Bürgern Zehnten einzutreiben versuche und auch den bfl. Untertanen gestatte, gegen ihre Bürger in weltlichen Angelegenheiten vor geistlichen Gerichten zu prozessieren. Die Stadt hat ihn um Hilfe gebeten. Da er in Kürze wegen dieser und anderer Streitigkeiten vermitteln will, befiehlt er ihm, bis dahin die Eintreibung der Zehnten und das Prozessieren an geistlichen Gerichten einzustellen.

    Rottenmann, 22. Oktober 1506.
    Wien, HHStA, Reichsregisterbuch TT, fol. 2’ (Kop.) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV/Misc., Kart. 34 (Schuber 58), fol. 298’ (Kop.) = B.

    «Nr. 73 Inhibitionsmandat Kg. Maximilians an [den bfl. Konstanzer Offizial Georg Schütz] »

    Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz haben geklagt, daß der Priester Ulrich Frey gegen die Stadt in einer Erbschaftsangelegenheit vor einem geistlichen Gericht prozessiert habe. Die Stadt habe gegen das Urteil an ihn, den Adressaten, appelliert und dies mit der Zuständigkeit der weltlichen Gerichtsbarkeit begründet. Da wegen dieser und anderer Angelegenheiten Streitigkeiten zwischen Bf. und Stadt entstanden sind und diese Angelegenheit die kgl. Obrigkeit betrifft, weshalb ihm als röm. Kg. die Entscheidung obliegt, befiehlt er ihm, das Verfahren einzustellen und die Parteien an ihn zu verweisen.

    s.l., s.d., jedoch Rottenmann, 22. Oktober 1506.
    Wien, HHStA, Reichsregisterbuch TT, fol. 2’-3 (Kop.).

    «Nr. 74 Beschlüsse des Konstanzer Domkapitels »

    [9.4.] Anwesend: Johann Bletz von Rotenstein (Dekan), Johannes Zwick (Kustos), Gf. Heinrich von Montfort, Johann Konrad von Bodman, Johann von Randegg, Lukas Conrater, Peter von Hertenstein, Gf. Johann von Lupfen, Dr. Matthäus von Bubenhofen, Hieronymus ŠSchenk von Limpurg, Georg Vergenhans; abwesend: Roland Göldlin und Wolfgang von Hewen.
    Der Streit zwischen Johann von Lupfen und Konrad Blarer soll bis zur Ankunft des röm. Kg. ruhen und dann zusammen mit anderen Artikeln behandelt werden. Ebenso soll es mit dem Streit zwischen dem Domkapitel und der Stadt über das Weinvisieren und den Zwischenhandel [mit Wein] gehalten werden. Die Angelegenheit wurde inzwischen vor die kgl. Räte gebracht, die den städtischen Magistrat damit konfrontiert haben. Es besteht keine Notwendigkeit, sich auf die Forderung der Stadt hin noch einmal zu rechtfertigen.1
    [30.4.] Über die Streitigkeiten im Amt Esslingen soll mit den württembergischen Räten gesprochen werden, wenn sie [zum RT] nach Konstanz kommen.2

    Konstanz, 9./30. April 1507.
    Karlsruhe, GLA, 61/7237, fol. 63’.
    Regest: Krebs, Protokolle des Konstanzer Domkapitels, Nrr. 2979f., 2995.

    «2.8. Herzog Albrecht IV. von Bayern gegen Pfalzgraf Friedrich: Streit um das niederbayerische Erbe »

    «Nr. 75 Kg. Maximilian an Hg. Albrecht IV. von Bayern »

    Er hat die Darlegungen seiner Räte über den Streit zwischen ihm und Pfgf. Friedrich angehört. Er ist aber derzeit mit wichtigen Angelegenheiten befaßt, die ihn selbst, das Hl. Reich und die Niederlande betreffen, und konnte deshalb in seiner Sache bislang nichts unternehmen. Er wird sich aber unverzüglich darum kümmern.

    Hagenau, 1. März 1507. 
    Wien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 50 (Konz. mit ex.-Verm.).

    «Nr. 76 Bericht Dr. Sebastian Ilsungs1 an Hg. Albrecht IV. von Bayern »

    Unterredung mit Matthäus Neithart über die Streitigkeiten beim Taxationsverfahren und die mögliche Blockierung der Schwäbischen Bundeshilfe für Hg. Albrecht durch Kg. Maximilian.

    ŠAugsburg, 19. März 1507 (freitag vor judica).
    München, HStA, KÄA 1238, fol. 224–226’ (Or.).

    [1.] Berichtet über eine am Vortag [18.3.] in Aichach geführte Unterredung mit dem Schwäbischen Bundeshauptmann Matthäus Neithart: Er schilderte diesem detailliert die Behinderung der Taxation durch die Vertreter Pfgf. Friedrichs und kündigte an, daß die Taxatoren Hg. Albrechts die drei Bundeshauptleute um eine Aufforderung an Dr. [Augustin] Lösch bitten wollten, seine Aufgaben zügig zu erledigen.2 
    [2.] Laut Neithart äußerte der Bf. von Trient, daß die Taxation bis Pfingsten abgeschlossen sein könne, wenn sich die pfalzgräflichen Vertreter so konstruktiv verhielten wie die bayerischen. Gibt Mitteilungen Neitharts über dessen Gespräche mit Adam von Törring3 und mit dem Bf. von Gurk, Matthäus Lang, wieder. Letzterer kündigte ein Schreiben Kg. Maximilians an die Bundeshauptleute wegen des Taxationsstreits an. Neithart erwartet von diesem Schreiben nicht viel Gutes. Denn er wurde von etlichen Mitglieder des kgl. Hofes, die wohl Eigeninteressen vertreten, heftig attackiert; vermutlich verfolgen sie die Absicht, das Unterpfand zu Händen des Kg. zu sequestrieren, der dann Wasserburg und andere Orte mit Hauptleuten besetzen würde.4 Neithart vertrat den kgl. Räten gegenüber die ŠAuffassung, daß der Bund die Hilfszusage für Hg. Albrecht einhalten werde und daß der Kg. zur Umsetzung seines eigenen Urteils verpflichtet sei; nur Hg. Albrecht selbst könne den Bund von seiner Hilfspflicht entbinden. Laut Neithart wird am kgl. Hof gegen Hg. Albrecht intrigiert.
    [3.] Neithart befürchtet, daß der Kg. den nächsten Bundestag nach Konstanz verlegen will, um dort mit den Bundes- und Reichsständen über den Konflikt zwischen Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich zu verhandeln. Pfgf. Friedrich und Kf. Philipp bedrängen Kff. und Ff., auf den RT zu kommen und dort einen Ausgleich herbeizuführen. Dies geschieht in der Absicht, die Bundeshilfe für Hg. Albrecht zu hintertreiben. So könnte es sich bei dem von Lang avisierten Schreiben an die Bundeshauptleute um eine Aufforderung handeln, den Bundestag nach Konstanz und nicht nach Augsburg auszuschreiben. Der Kg. sagte persönlich zu Neithart, daß er nicht in die Niederlande, sondern zuerst nach Konstanz ziehen wolle, jedoch erst nach den Osternfeiertagen.
    [4.] Er wies Neithart darauf hin, daß seines Wissens eine Vertagung der Bundesversammlung nur mit Einwilligung Hg. Albrechts erfolgen dürfe. Neithart stimmte dem zu. Der Kg. könne aber die drei Hauptleute ohne Angabe von Gründen zur Zeit des Bundestages zu sich berufen, ebenso etliche Bundesräte; die übrigen Teilnehmer würden dann abreisen wollen. So könnte der Bundestag aufgelöst werden. Der Kg. hätte dann einen Grund, auch die übrigen Bundesstände einschließlich Hg. Albrechts zu sich zu laden. Er erinnerte Neithart daran, daß Hg. Albrecht gute Gründe habe, nicht nach Konstanz zu kommen. Der Hg. könne in dieser Situation nicht ohne weiteres sein Land verlassen. Einzig Augsburg sei als Tagungsort akzeptabel. Neithart erwiderte, daß er aus diversen Äußerungen und Geschehnissen schlußfolgern müsse, daß Pfgf. Friedrich so vorgehen werde; was der Kg. tun werde, könne er nicht wissen. Der Pfgf. bemühe sich aber beim Kg., die Bundeshilfe für Hg. Albrecht zu hintertreiben und diesen zu Verhandlungen zu zwingen.

    «Nr. 77 Bericht Bf. Georgs von Trient und Wolfgangs von Zülnhart an Kg. Maximilian »

    [1.] Verhandlungen mit Hg. Albrecht von Bayern über seine persönliche Teilnahme am Konstanzer RT; [2.] Schilderung der Verhandlungen Hg. Albrechts wegen der Verzögerung des Taxationsverfahrens durch Verschulden Pfgf. Friedrichs, Bitte Hg. Albrechts um die Erlaubnis zum Fernbleiben vom RT; [3.] Kriegsgefahr wegen des Konflikts zwischen Pfgf. Friedrich und Hg. Albrecht.

    Ingolstadt, 28. März 1507. 
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1507), fol. 25–26’ (Or.).

    [1.] Bestätigen für den 24. März den Eingang einer kgl. Weisung, sich unverzüglich zu Hg. Albrecht von Bayern zu begeben und mit diesem gemäß Instruktion zu verhandeln.1 Sie haben sich am folgenden Tag nach Ingolstadt verfügt, dem Hg. der cristenhait, des pabstumbs, des Reichs und teutscher nation furfallend beswerung, irrung, obligen und hendl dargelegt und ihn im Namen des Kg. aufgefordert, sich unverzüglich zu Beratungen mit dem Kg. und anderen Reichsständen nach Konstanz zu verfügen.
    Š[2.] Heute erfolgte die Antwort des Hg.: Er habe sich mit dem Nachreisen und anderem gegenüber dem Kg. immer nach seinem Vermögen, manchmal auch darüber hinaus willfährig erzeigt und wolle dies auch künftig tun. Er sei aber mit wichtigen Angelegenheiten befaßt, derenthalben er bereits zum Kg. nach Salzburg gereist sei. Dort habe er ihn ersucht, die zu taxierenden Güter im Wert von 4000 fl. südlich der Donau auszuweisen, und ihn über den Beschluß des Schwäbischen Bundes informiert, ihn bei der Wiedererlangung des Unterpfands zu unterstützen, wenn durch ein Verschulden Pfgf. Friedrichs – anders als in dem um Pfingsten [1506] mit Zustimmung beider Parteien in Augsburg vermittelten Vertrag vorgesehen2 – das ursprünglich bis zum 23. April (St. Jorgen tag) [1506] terminierte Taxationsverfahren3 bis zum 6. Dezember (Nicolay) [1506] nicht abgeschlossen sein sollte.4 Auf dem letzten Bundestag am 6. Januar (trium regum) habe er der Gegenpartei die Schuld für die Verzögerung des Verfahrens angelastet.5 
    Er habe den Kg. gebeten6, ihn in seinem legitimen Vorgehen nicht zu behindern. Dieser habe erklärt, er wolle noch einen Vermittlungsvorschlag machen. Falls Pfgf. Friedrich diesen nicht annehme, so werde er ihn gewähren lassen und sich Pfgf. Friedrichs nicht weiter annehmen, dyweil er sich in ander hendl ausserhalb eur Mt. spruch7 geben hat. Auf Nachfrage Hg. Albrechts habe ihm der Kg. seinen Vermittlungsvorschlag mitgeteilt, wonach Pfgf. Friedrich das Unterpfand an den Hg. übergeben solle, jedoch die Amtleute alle anfallenden Einkünfte einbehalten sollten. Sollte sich der Pfgf. Friedrich zugewiesene Anteil am Erbe zur Deckung der 20 000 fl. als unzureichend erweisen, werde die Differenz aus dem Unterpfand ergänzt. Diesen Vorschlag habe Hg. Albrecht akzeptiert. Der Kg. habe daraufhin den Hg. zum 6. Januar (trium regum) nach Augsburg beschieden, wohin er selbst kommen und auch Pfgf. Friedrich einladen habe wollen, um diesem ebenfalls den Vorschlag zu eröffnen. Der Hg. habe sich daraufhin nach Augsburg verfügt und [wie oben schon gesagt] vor der Versammlung in dessen Gegenwart Pfgf. Friedrich die Schuld daran angelastet, daß die Taxation nicht bis zum 6. Dezember (Nicolay) abgeschlossen worden sei. Der Bund habe dem Hg. daraufhin die in Aussicht gestellte Hilfe bewilligt.8 Da der Kg. nicht selbst nach Augsburg gekommen sei9, habe er den Vermittlungsvorschlag Pfgf. Friedrich Šdurch seine Räte eröffnen lassen, der ihn aber abgelehnt habe.10 Paul von Liechtenstein, einer der Räte, habe Hg. Albrecht die Nachricht des Kg. übermittelt, daß er seine [in Salzburg gemachte] Zusage einhalten werde, falls Pfgf. Friedrich den Vorschlag nicht annehme.11 Zum Š18. April (misericordias Domini) sei ein weiterer Bundestag zum Vollzug der Bundeshilfe anberaumt worden; der Hg. habe auf den 7. April (mitwoch in den osterfeirtagen) einen Landtag zu Beratungen über diese Angelegenheit ausgeschrieben.12 Deshalb könne er dem Wunsch des Kg. nur unter beträchtlichen Nachteilen für sich selbst, seine Erben und sein Land nachkommen. Dann solt sein Gn. aus dem land sein und dy Hg. Fridrichischen nit feyern, durch manicherlay practiken unrat zu stiften und zu machen, so mocht sich geben, wann sein Gn. wider ins land kome, das es wol stuend oder villeicht dermassen gestallt sein, daz sein Gn. dy hend ob dem haubt zusamenslagen wurd. Der Hg. bitte, dies zu bedenken und ihm die persönliche Teilnahme am RT zu erlassen. Er werde jedoch eine Gesandtschaft nach Konstanz abordnen, mit der Vollmacht, das durch eur Mt., Kff., Ff. und ander stend des Hl. Reychs fur nutz und guet angesehen werd, zu schliessen; und well auch dasselb nach seiner Gn. vermogen helfen volziehen.
    [3.] Sie sind der Meinung, daß es zu einem Krieg kommen werde, wenn er den Streit nicht bald beilegt.

    «Nr. 78 Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    [Verhandlungen über Privilegien für Nürnberg; Nr. 97 Anm. 1. Verhandlungen über die Restitution Kf. Philipps von der Pfalz; Nr. 56. Vorbereitung des Konstanzer RT; Nr. 133]. Der Kg. ist entschlossen, Wasserburg zu sequestrieren. Dazu soll Hg. Albrecht weitere Gebiete mit einem jährlichen Ertragswert von insgesamt 4000 fl. an den Kg. übergeben, um die Versorgung der Kinder Pfgf. Ruprechts zu sichern. Der Kg. hat neue Kommissare ernannt und will selbst als Obmann fungieren. Dies alles wird für Hg. Albrecht nicht akzeptabel sein. Der Kg. indessen hofft, dadurch die dem Hg. zugesagte Bundeshilfe zu unterbinden, in der Erwartung, daß der Bund nichts gegen seinen ausdrücklichen Willen unternehmen wird. Der Bf. von Trient und der Domdechant von Augsburg [Wolfgang von Zülnhart] wurden zu Hg. Albrecht entsandt, um diesen zum Einlenken zu bewegen. Er, Topler, erwartet, daß der Kg. auf seiner Absicht beharren wird, da er diese bereits hier den Räten Hg. Albrechts sowie Pfgf. Friedrich eröffnet hat.1 

    Straßburg, 31. März 1507 (mittichen in der hl. wochen)
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, A-Laden-Akten 83, Nr. 10, unfol. (eh. Or. m. S.).

    «Nr. 79 Kg. Maximilian an den Schwäbischen Bundestag in Augsburg »

    Er hat im Konflikt zwischen Hg. Albrecht von Bayern und Pfgf. Friedrich um die im Kölner Spruch vorgesehene Zuweisung von Ländereien im Wert von 24 000 fl. an letzteren Šbeide Parteien angehört und beschlossen, das an Pfgf. Friedrich übergebene Unterpfand bis zur Beilegung des Streits zu sequestrieren. Eine kgl. Gesandtschaft bemüht sich derzeit um die Annahme dieses Beschlusses durch Hg. Albrecht. Er erwartet deren Rückkehr und Berichterstattung. Weist sie an, sich bei seinem Schwager Hg. Albrecht darum zu bemühen, seinem Beschluß zuzustimmen und nichts gegen Pfgf. Friedrich oder hinsichtlich des Unterpfands zu unternehmen. Dann uns, als ir selbs abnemen mugt, dem furnemen nach, darin wir dem Hl. Reiche und deutscher nacion zu eren und gut in ubung und arbeit steen, aufrur in dem Hl. Reiche zu gedulden swer und unleidlichen wer. 

    Straßburg, 13. April 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1507), fol. 28–29 (Konz. mit ex.-Verm.) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 3136, fol. 277–277’, 278’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein) = B.

    «Nr. 80 Instruktion Hg. Albrechts IV. von Bayern für Kaspar von Winzer (hgl. Rat) als Gesandten zu Kg. Maximilian »

    [1.] Kaspar von Winzer hat ihm ein eigenhändiges kgl. Schreiben mit der Aufforderung, persönlich zu ihm nach Überlingen zu kommen, überbracht. Dies ist jedoch aus schwerwiegenden Gründen nicht möglich: Er hat seinen in der Osterwoche in Landshut versammelten Landständen die unter Bruch des Kölner Spruches und aller weiteren Abkommen erfolgte Behinderung der Taxationsverhandlungen bezüglich der 20 000 fl. jährlichen Einkommens durch Pfgf. Friedrich dargelegt, wodurch die Rückgabe des Unterpfands und die Auszahlung der inzwischen eingegangenen Einkünfte an ihn verzögert werde. Die Landstände baten nach erfolgter Beratung, das Vorgehen der Gegenseite nicht länger zu tolerieren und sich des Unterpfands ohne weiteren Verzug, notfalls mit Gewalt, zu bemächtigen, wozu sie ihre Hilfe angeboten haben. Hinsichtlich der kgl. Ladung zum persönlichen Erscheinen auf dem Konstanzer RT haben ihn die Stände dringend ersucht, das Land vor Rückgabe des Unterpfands keinesfalls zu verlassen und alle für dessen Rückgewinnung notwendigen Schritte einzuleiten.1 In Erwägung aller Umstände bewilligte er dies. Er sagte weiterhin zu, sich nach Abschluß der derzeitigen Beratungen des Schwäbischen Bundes über die Bundeshilfe zur Rückgewinnung des Unterpfands, an denen er persönlich teilnimmt, unverzüglich zum Landschaftsausschuß nach Landshut zu begeben, um gemeinsam eine endgültige Entscheidung zu treffen. Er kann demzufolge derzeit keinesfalls zum Kg. nach Überlingen kommen.
    Falls er ihm jedoch, wozu er gemäß der Anheimstellung durch die Gegenseite befugt ist, das Unterpfand übergibt und Pfgf. Friedrich zur Annahme des in Salzburg gemachten Škgl. Vorschlags veranlaßt, so will er trotz seiner gesundheitlichen Probleme nach Überlingen reisen.
    [2.] Der Kg. hat die in Augsburg versammelten Bundesstände aufgefordert, ihn zur Zustimmung zur Sequestration des Unterpfands bis zum Abschluß der Verhandlungen zu bewegen [Nr. 79]. Er hat den entsprechenden Antrag des Bundes an ihn abgewiesen; er würde damit die Vereinbarungen mit seinen Landständen brechen. Dies wäre überdies mit dem kgl. [Kölner] Spruch und der kgl. Deklaration2 wie auch mit den bisherigen Verhandlungsergebnissen nicht vereinbar.

    s.l., s.d., jedoch Augsburg, 16. April 1507.3
    München, HStA, KÄA 3136, fol. 213–214’ (Konz.).

    «Nr. 81 Abschied des Schwäbischen Bundes »

    [1.] Aufgrund der ausreichenden Begründung Hg. Albrechts von Bayern für seine Bitte um Vollzug der auf dem letzten Bundestag bewilligten Hilfe gegen Pfgf. Friedrich1 wurde beschlossen, zum 30. Mai (suntag trinitatis) 300 Reiter und 1200 Fußsoldaten nach Friedberg zu entsenden, die der Hg. gemäß der Bundesordnung zur Besetzung des Unterpfandes einsetzen kann. Jeder Bundesstand ist außerdem verpflichtet, seinen gemäß Einungsurkunde über die jetzt beschlossene Hilfe hinausgehenden Anteil an der Bundeshilfe in Bereitschaft zu halten. Falls die Verhandlungen des Bundes mit Pfgf. Friedrich, gegen die Besetzung keinen Widerstand zu leisten, scheitern sollten, der Pfgf. seine Zusage nicht einhalten würde oder dessen Untertanen gegen Hg. Albrecht oder andere Bundesstände vorgehen würden, sollen die drei Bundeshauptleute unverzüglich die Bundesräte versammeln und die bereitgehaltenen Kontingente aufmahnen. Diese Hilfe ist dann unverzüglich zu leisten.
    [2.] Auf die einzelnen Stände entfallen anteilig an der bis Trinitatis zu leistenden Hilfe: röm. Kg. 52 Reiter, 192 Fußsoldaten2; Ebf. von Mainz 29a Reiter, 69 Fußsoldaten; Bf. von Augsburg 15 Reiter, 42 Fußsoldaten; Mgf. von Brandenburg 52 Reiter, 137 Fußsoldaten; Hg. von Württemberg 39 Reiter, 165 Fußsoldaten; Mgf. von Baden 15 Reiter, 42 Fußsoldaten; Prälaten, Gff. und Adel 13 Reiter, 137 Fußsoldaten; Straßburg 15 Reiter, Š33 Fußsoldaten; Nürnberg 15 Reiter, 80 Fußsoldaten; übrige Bundesstädte 39 Reiter, 306 Fußsoldaten3.
    [3. Rechnungslegung des Bundeshauptmannes der Ff., Wilhelm Güss von Güssenberg; 4. Unterhalt der Bundesämter; 5. Sold Georgs von Vohenstein].

    Augsburg, 18. April 1507 (sonntag misericordia Domini). 
    Wien, HHStA, Maximiliana 17, Fasz. 4, fol. 112–113’ (Kop.) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 2013, fol. 205–206 (Kop.) = B. Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Provenienz Ulm) = C. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [15] 1507, Augsburg (Febr.-Dez.), unfol. (Kop.).

    «Nr. 82 Instruktion Hg. Albrechts IV. von Bayern für Dietrich von Plieningen (hgl. Rat), Georg Eisenreich (Dechant zu St. Peter/München) und Johannes von Emershofen (Pfleger zu Aichach) als Gesandte zu Kg. Maximilian nach Überlingen bzw. zum RT nach Konstanz1 »

    Verhandlungen wegen der Verschleppung des Taxationsverfahrens durch Pfgf. Friedrich.

    s.l., s.d., jedoch Augsburg, 24. April.2
    München, HStA, K.schwarz 15060 (Or. m. S.) = Textvorlage A. München, HStA, Kurbay. Geheimes Landesarchiv 1241, fol. 132–139 (Or.) = B. München, HStA, KÄA 3136, fol. 206–209’, 211 (unvollständiges Konz.) = C. Ebd., fol. 210–210’, 212–212’ (Fragment eines Reinkonz.) = D. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 245–253, 256’-260’ (Kop.)3.
    Druck: Krenner, Landtagshandlungen XVI, S. 175–194.

    [1.] aDie Gesandten sollen gemeinsam mit den bereits in Konstanz anwesenden bayerischen Gesandten und den Gesandten des Schwäbischen Bundes agieren. Sie sollen dem Kg. seinen Gehorsam bekunden bund den auf dem RT zu Konstanz versammelten Ständen, insbesondere dem Ebf. von Mainz, dem Hg. von Württemberg und dem Lgf. von Hessen als ihm nahestehenden Fürsten, freundliche Grüße bestellen-b.
    [2.] Nach Übergabe ihres Kredenzbriefs4 sollen sie folgendes vortragen: Kg. Maximilian fällte auf dem Kölner RT einen Spruch über das Erbe Hg. Georgs von Niederbayern (Beilage ŠA), wonach er Pfgf. Friedrich unter anderem zwölf im Spruch benannte Schlösser und Städte abtreten sollte. Im Gegenzug hatte dieser bis zum 29. September 1505 (Michaelis) alle anderen Schlösser, Städte und Flecken – mit Ausnahme Wasserburgs und dem übrigen Unterpfand – zu übergeben.5 Doch kam Pfgf. Friedrich dieser Verpflichtung nicht nach. Auf dessen mehrmalige Beschwerde hin verabschiedete der Kg. eine Deklaration (Beilage B)6 über den Kölner Spruch, wonach zusätzlich zu den darin benannten zwölf Schlössern und Städten weitere einundzwanzig nördlich der Donau gelegene Schlösser, Städte und Orte an Pfgf. Friedrich zu übergeben waren. Auf Drängen des Kg. akzeptierte er diese Deklaration, worin der 17. Januar [1506] (Antonii)7 als Termin für die Abtretung und den Abschluß des Taxationsverfahrens festgesetzt war. Doch unterblieb wiederum die Umsetzung durch Pfgf. Friedrich. Die kgl. Kommissare vermittelten daraufhin in Freising einen neuen Vertrag (Beilage C)8, zu dessen Durchführung sich beide Seiten verpflichteten. Die gegenseitige Abtretung der Schlösser, Städte und Orte wurde während der Fastenzeit vollzogen. Doch die Taxation und Feststellung der Einkünfte unterblieb; ebensowenig wurde ihm das Unterpfand, ausgehändigt, was gemäß dem Kölner Spruch bis zum 23. April 1506 (Georgii) bzw. gemäß dem Freisinger Vertrag bis zum 31. Mai (pfingsten) hätte geschehen sollen. Statt dessen verzögerten die Anwälte Pfgf. Friedrichs die Taxation zuerst und verweigerten deren Durchführung schließlich ganz. Sie rechtfertigten dies mit der Unklarheit der Worte „nutz und gelts“ im Kölner Spruch9, worüber sie eine Entscheidung des Kg. forderten. Doch steht gemäß Kölner Spruch, [Ennser] Deklaration [vom 18.1.1506] und Freisinger Vertrag [vom 25.2.1506] die Feststellung der Einkünfte den sechs Taxatoren zu, bei Uneinigkeit entscheidet das Votum des Obmanns. Auch ist das allgemeine Rechtsverständnis bezüglich der Bedeutung dieser beiden Begriffe eindeutig.
    [3.] Pfgf. Friedrich erhält aus den übergebenen 33 Gütern deutlich mehr als die ihm gemäß Kölner Spruch zustehenden 24 000 fl.; das Unterpfand bringt ihm zusätzliche 10 000 fl. jährlich ein. Die Verschleppung des Taxationsverfahrens verschafft ihm also, zu seinem, Hg. Albrechts, Nachteil ein jährliches Einkommen von bis zu 40 000 fl. Auf seine Beschwerde hin befahl der röm. Kg. den Taxatoren die unverzügliche Fortsetzung des Verfahrens und lehnte es ab, auf die Einwände Pfgf. Friedrichs einzugehen (Beilage D)10.
    [4.] Er erhob wegen der unrechtmäßigen Verzögerung des Verfahrens durch die Gegenseite auf dem Schwäbischen Bundestag in Augsburg nach dem 7. Juni 1506 (suntag trinitatis) Klage. Aufgrund der daraufhin erfolgten Anhörung beider Seiten wurde die Verschleppung der Taxation durch Pfgf. Friedrich festgestellt. Der Schwäbische Bund wäre infolgedessen Šsowohl berechtigt als auch verpflichtet gewesen, ihm zum Unterpfand und den ihm vorenthaltenen Einkünften zu verhelfen. Er stimmte jedoch auf Bitten der Bundesversammlung dem Kg. zu Ehren, zur Erhaltung des Friedens im Reich, und um den Ungarnfeldzug des Kg. nicht zu gefährden, einem weiteren Vertrag zum Vollzug des Kölner Spruches, der [Ennser] Deklaration und des Freisinger Vertrages zu, den neben den Bundesständen auch beide Parteien besiegelten (Beilage E)11. Darin wurde der 6. Dezember 1506 (Nicolai) als Frist für den Abschluß der Taxation und die Aushändigung der einschlägigen Unterlagen festgelegt. Für den Fall, daß der Vertrag infolge eines Verschuldens Pfgf. Friedrichs nicht vollzogen würde, bewilligte die Bundesversammlung ihm eine Hilfe (Beilage F)12.
    [5.] Dessenungeachtet verzögerte die Gegenseite die Taxation weiterhin, weshalb das Verfahren bis zum gesetzten Termin kaum Fortschritte machte. Ebenso hält Pfgf. Friedrich bis heute unter Verletzung des Kölner Spruches, der kgl. Deklaration [von Enns], des Freisinger und des Augsburger Vertrags das Unterpfand zurück, das gemäß dem Kölner Spruch bereits am 23. April 1506 (Georii), also vor einem Jahr, hätte zurückgegeben werden müssen. Einziger Grund für die Verzögerung ist, daß Pfgf. Friedrich möglichst lang Einkünfte aus dem Unterpfand beziehen will.
    [6.] Er reiste deshalb zum Kg. nach Salzburg, legte diesem die Sachlage dar und bat ihn, die zusätzlichen 4000 fl. gemäß Kölner Spruch ausweisen und den Spruch diesbezüglich zu präzisieren. Dies tat der Kg. gemäß in Abschrift beiliegender Urkunde (G)13. Der Kg. und seine Räte sprachen außerdem über die Rückgabe des Unterpfands mit ihm und eröffneten folgenden Vermittlungsvorschlag–a: Demnach sollte Pfgf. Friedrich das Unterpfand abtreten und er im Gegenzug Deggendorf, Donaustauf und alle übrigen in der Salzburger Deklaration aufgelisteten Orte zur Ausweisung der 4000 fl. – vorbehaltlich seiner landesfürstlichen Obrigkeit und Rechte – bis zum Abschluß der Taxation an den Bf. von Trient als kgl. Obmann übergeben; die Amtleute sollten bis dahin die Einkünfte einbehalten. Falls sich die bereits an Pfgf. Friedrich übergebenen 33 Güter als nicht ausreichend zur Deckung der 24 000 fl. erweisen sollten, sollte die Differenz mittels der an den Bf. übergebenen Ländereien beglichen und die bis dahin eingebrachten Einkünfte Šan Pfgf. Friedrich übergeben werden. Die nicht zur Deckung der Summe erforderlichen Güter sollte er unter Erstattung aller Einkünfte zurückerhalten.
    [7.] Er erklärte sich bereit, diesen Vorschlag zu realisieren, sofern sich auch Pfgf. Friedrich dazu verpflichten würde. Der Kg. sagte zu, am 6. Januar 1507 (hl. dreyer Kgg. tag) persönlich zum Schwäbischen Bundestag nach Augsburg zu kommen, um dort mit Pfgf. Friedrich über die Annahme des Vorschlags zu verhandeln. Für den Fall, daß der Pfgf. ablehnen sollte, versprach der Kg., ihn an der Rückgewinnung des Unterpfands nicht zu hindern, und begründete dies damit, daß Pfgf. Friedrich sich ohne seine Einwilligung in das Vermittlungsverfahren des Bundes eingelassen hatte. Der Kg. konnte wegen wichtiger Angelegenheiten nicht zum Bundestag reisen, seine Räte verhandelten indessen vergeblich mit Pfgf. Friedrich. Da dieser den Augsburger Vertrag insbesondere bezüglich der Taxation nicht vollzogen hatte, beantragte er gemäß dem Bundesabschied vom 7. Juni eine Bundeshilfe. Um jeden Verdacht einer Benachteiligung des Pfgf. auszuschließen, beschloß die Versammlung in der Woche nach Hl. Drei Kgg. [6.1.]: Falls der Konflikt nicht bis Pfingsten [23.5.] durch die Vermittlung des Kg. oder seiner Räte bzw. durch die Taxatoren und den Obmann samt Rückgabe des Unterpfands beigelegt ist, erhält er, Hg. Albrecht, auf weiteres Ersuchen hin die zugesagte Hilfe.14 Aus diesem Grund kamen die Hauptleute und Räte des Bundes am 18. April (suntag misericordia Domini) erneut in Augsburg zusammen und berieten über die Bundeshilfe. Gemäß dem Bundesabschied trat in der gleichen Woche die Bundesversammlung wieder zusammen, der er die fortgesetzte Verschleppung der Taxation durch die Gegenseite darlegen ließ (Beilage H)15. Die Bundesversammlung verabschiedete daraufhin einen Beschluß bezüglich der Hilfe [Nr. 81].
    [8.] Der Kg. hat ihn schriftlich und durch Gesandte, zuletzt durch Kaspar von Winzer, der ein eigenhändiges Schreiben des Kg. überbrachte, aufgefordert, zu ihm nach Überlingen zu kommen, was er als gehorsamer Fürst gerne tun würde. Doch wird er aus den angezeigten und auch dem Kg. durch Winzer mitgeteilten Gründen [Nr. 80] daran gehindert: Er Šhat seinen in der Osterwoche in Landshut versammelten Landständen cdie unter Bruch des Kölner Spruches und aller weiteren Abkommen erfolgte Behinderung der Taxationsverhandlungen dbezüglich der 20 000 fl. jährlichen Einkommens durch Pfgf. Friedrich dargelegt, wodurch die Rückgabe des Unterpfands und die Auszahlung der inzwischen eingegangenen Einkünfte an ihn verzögert werde. Die Landstände baten nach erfolgter Beratung, das Vorgehen der Gegenseite nicht länger zu tolerieren und sich des Unterpfands ohne weiteren Verzug, notfalls mit Gewalt, zu bemächtigen, wozu sie ihre Hilfe angeboten haben. Hinsichtlich der kgl. Ladung zum persönlichen Erscheinen auf den Konstanzer RT haben ihn die Stände dringend ersucht, das Land vor Rückgabe des Unterpfands keinesfalls zu verlassen und alle für dessen Rückgewinnung notwendigen Schritte einzuleiten.16 In Erwägung aller Umstände bewilligte er dies. Er sagte weiterhin zu, sich nach Abschluß der derzeitigen Beratungen des Schwäbischen Bundes über die Bundeshilfe zur Rückgewinnung des Unterpfands, an denen er persönlich teilnimmt, unverzüglich zum Landschaftsausschuß nach Landshut zu begeben, um gemeinsam mit diesem eine endgültige Entscheidung zu treffen. Er kann demzufolge derzeit keinesfalls zum röm. Kg. nach Überlingen kommen.
    Falls der Kg. jedoch, wozu er gemäß der Anheimstellung durch die Gegenseite befugt ist, ihm das Unterpfand übergibt und Pfgf. Friedrich zur Annahme edes in Salzburg gemachten kgl. Vorschlags-e veranlaßt, so will er trotz gesundheitlicher Probleme nach Überlingen reisen.
    [9.] fDer Kg. hat die in Augsburg versammelten Bundesstände aufgefordert, ihn zur Zustimmung zur Sequestration des Unterpfands bis zum Abschluß der Verhandlungen zu bewegen [Nr. 79]. Er hat den entsprechenden Antrag des Bundes abgewiesen; er würde damit die Vereinbarungen mit seinen Landständen brechen-f. Dies wäre überdies mit dem kgl. [Kölner] Spruch und der kgl. Deklaration [von Enns] wie auch mit den bisherigen Verhandlungsergebnissen nicht vereinbar–c –d.

    «Nr. 83 Weisung Hg. Albrechts IV. von Bayern an Georg Eisenreich und Johannes von Emershofen »

    [1.] Übersendet ihnen einen an den röm. Kg. adressierten Kredenzbrief [Nr. 138] und eine Instruktion [Nr. 84]. Sie sollen sich unverzüglich zum Kg. begeben, sich vorher jedoch des Beistandes Pauls von Liechtenstein versichern. Sie sollen Liechtenstein auch die beiliegenden, den Abt [Kilian Weybeck] von Niederaltaich betreffenden Unterlagen vorlegen1 und um Rat Šbitten, was diesbezüglich beim Kg. zu unternehmen ist. Auch in dieser Angelegenheit soll Liechtenstein sie unterstützen und insbesondere den Kg. über das unrechtmäßige Vorgehen der Gegenseite gegen den Abt und das Kloster informieren und ihn darauf hinweisen, daß Pfgf. Friedrich Geschütze und Truppen nach Niederaltaich verlegen läßt, vielleicht in der Absicht, seinen Besitz gewaltsam zu behaupten. Dies soll der Kg. erwägen und die notwendigen Maßnahmen – am besten vor seinem Aufbruch nach Rom – einleiten, um als Schutzherr das Kloster vor weiterem Schaden zu bewahren und es nicht der Gegenseite zu überlassen.
    [2.] Der Oberrichter zu Straubing und bayerische Rat Kuno von Wallbrunn beschwerte sich bereits des öfteren, daß ihm ungeachtet des Kölner Spruches das von Kf. Philipp im Landshuter Erbfolgekrieg besetzte und an Hans Landschad übergebene Schloß Partenheim vorenthalten werde2, und bat um Hilfe. Der Kf. lehnte auf sein Schreiben hin die Rückgabe jedoch ab. Kraft kgl. Spruches muß Wallbrunn sein Eigentum zurückgegeben werden. Der Kg. soll um eine schriftliche Aufforderung an Landschad und den kurpfälzischen Kanzler [Florenz von Venningen] – nachdem ir Mt. dem Pfgf. selb villeicht noch nit schreibt – gebeten werden, das Schloß mit allem Zubehör und den vorenthaltenen Einkünften unverzüglich an Wallbrunn zurückzugeben.

    s.l., s.d., jedoch wohl Augsburg, 24. April 1507 oder kurz danach.3 
    München, HStA, KÄA 3136, [nach fol. 228’] (Konz.).

    «Nr. 84 Instruktion Hg. Albrechts IV. von Bayern für Georg Eisenreich und Johannes von Emershofen als Gesandte zu Kg. Maximilian und zum Konstanzer RT »

    Nach Übergabe des Kredenzbriefs [Nr. 138] sollen sie erklären, daß er der schriftlichen Aufforderung des Kg., unverzüglich zum RT nach Konstanz zu kommen, wie auch in allen anderen Dingen gerne willfahren würde, wenn er nicht wegen wichtiger Angelegenheiten in seinem Fürstentum bleiben müßte. Die Gründe konnte der Kg. bereits seiner Antwort an dessen Gesandte, den Bf. von Trient und den Domdechant zu Augsburg [Wolfgang von Zülnhart], entnehmen [Nr. 77, Pkt. 2]. Abgesehen davon hat er vor Eintreffen der beiden kgl. Gesandten seine Landstände einberufen, die derzeit noch beratschlagen. Die Stände haben ihn dringend ersucht, im Land zu bleiben. Er hat deshalb die beiden im Kredenzbrief Šbenannten Gesandten abgefertigt, damit sie in seinem Namen am RT teilnehmen. Er hofft, daß der Kg. sich damit begnügen wird. Bekundet für sich, seine Gemahlin [Kunigunde] und ihre gemeinsamen Kinder ihren Gehorsam ihm gegenüber. Nach erfolgter Werbung an den Kg. sollen die Gesandten zu den anderen Ständen treten und sich halten, als sy wol ze tun wissen, auch in all weg guet aufsehen auf ander stende haben und sich in sonderhait für ander der kgl. Mt. zuwider nit merken lassen. Die Gesandten sollen über die Reaktion des Kg. auf ihren Vortrag sowie über alles Weitere Bericht erstatten.

    s.l., s.d., jedoch wohl 24. April 1507 oder kurz danach.1 
    München, HStA, KÄA 3136, [nach fol. 230½] (Konz.).

    «Nr. 85 Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Hauptmann der Schwäbischen Bundesstädte) an Schwäbische Bundesstädte, hier an Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen »

    Hg. Albrecht von Bayern bat auf dem Bundestag in Augsburg um Vollzug der von der letzten Bundesversammlung zugesagten Hilfe gegen Pfgf. Friedrich. Die Bundesstände bewilligten daraufhin, zum Abend des 30. Mai (sonntag trinitatis) 300 Reiter und 1200 Fußsoldaten nach Friedberg bei Augsburg zu entsenden, die der Hg. für die Besetzung des Unterpfands einsetzen kann [Nr. 81]. Der Anteil Nördlingens an der Bundeshilfe beläuft sich auf a2 Reiter und 17-a Fußsoldaten. Die Bundesversammlung hat außerdem beschlossen, daß jeder Bundesstand Truppen in dem Umfang bereithalten soll, wie es ihm über die jetzt bewilligte Hilfe hinaus gemäß dem Einungsvertrag obliegt. Falls Pfgf. Friedrich als Vormund die Forderung des Bundes ablehnt, die Besetzung des Unterpfands widerstandslos hinzunehmen, eine solche Zusage nicht einhält oder durch seine Gefolgsleute oder in seinen Städten, Schlössern und Flecken bewaffnet gegen Hg. Albrecht oder andere Bundesstände vorgegangen wird, sollen die drei Bundeshauptleute die Bundesräte unverzüglich zusammenrufen und die bereitgehaltenen Bundeskontingente zur bewaffneten Gegenwehr abrufen. Bittet sie in seiner Eigenschaft als Bundeshauptmann, ihre Truppen zum angegebenen Termin nach Friedberg zu entsenden und das restliche Kontingent bereitzuhaltenb.

    s.l., jedoch wohl Ulm, 29. April 1507 (dornstag vor St. Philip und Jacobstag). 
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 237–237’, 238’ (Or. m. S.) = Textvorlage A. Straßburg, AV, AA 351, fol. 16–16’, 17’, 18 (Or.) = B. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156, Fasz. 44, unfol. (Or., Adressat: Heilbronn) = C.
    Regest: Rauch, Urkundenbuch III, Nr. 2076, S. 152.

    «ŠNr. 86 Gf. Heinrich [Prüschenk] von Hardegg an Hg. Albrecht IV. von Bayern »

    Kaspar von Winzer hat ihn über seine, Hg. Albrechts, Position informiert. Empfiehlt ihm dringend, so rasch wie möglich zum Kg. nach Konstanz zu kommen. Winzer hat ihm mitgeteilt, daß Liechtenstein und der Bf. von Gurk in zehn Tagen auch hier eintreffen werden.1 

    Konstanz, 2. Mai 1507 (sunntag nach Vilippe und Jakob)
    München, HStA, KÄA 1238, fol. 289–289’ (eh. Or.).

    «Nr. 87 Schwäbische Bundesversammlung in Überlingen an Hg. Albrecht IV. von Bayern »

    [1.] Etliche Teilnehmer am Bundestag, die zuvor in Konstanz waren, haben berichtet, daß der Kg. ihm erneut geschrieben habe und ihn durch Gesandte habe auffordern lassen, persönlich zum RT nach Konstanz zu kommen, verbunden mit dem Angebot, seine Angelegenheiten vorrangig zu behandeln und zu einem für ihn günstigen Ende zu bringen. Sie, die Bundesstände, haben ebenfalls erfahren, daß die Kff. und Ff. in Konstanz, sowohl Bundesstände als auch Nichtmitglieder, sich im Falle seines Erscheinens darum bemühen wollen, daß euer ftl. Gn. sachen vor allen dingen und eer, als kain handlung in des Reichs sachen furgenomen, euern ftl. Gn. zu eern und gutem ausgetragen und beschlossen werden.
    [2.] Die Bundesstände haben darüber beraten und sind zu dem Schluß gelangt, falls er das Erscheinen auf dem RT aus triftigen Gründen ablehne und sich mithilfe des Bundes des Unterpfandes bemächtige, so sei damit für ihn dennoch die Angelegenheit noch nicht erledigt, zumal da die Ungnade des Kg. zu befürchten sei. Dem kann er durch den persönlichen Besuch des RT vorbeugen, worum sie ihn hiermit bitten. Sagen ihre Unterstützung zu. Falls er zum RT kommt, bitten sie, den Termin für die Bundeshilfe um einen Monat zu verlängern und dies durch den Überbringer dieses Schreibens mitzuteilen, damit sich die Bundeshauptleute danach richten können. Keinesfalls geht es ihnen darum, die Bundeshilfe zu verzögern.1 

    Überlingen, 10. Mai 1507 (montags nach vocem jocunditatis).
    München, HStA, KÄA 2017, [nach fol. 376] (Or.).

    «ŠNr. 88 Antwortschreiben Hg. Albrechts IV. von Bayern an die Schwäbische Bundesversammlung in Überlingen »

    Bestätigt den Empfang ihrer Aufforderung, nach Überlingen zu kommen. Er hat sich ungeachtet seines Gesundheitszustands und wichtiger obliegender Angelegenheiten, auch gegen den Rat des Landschaftsausschusses dazu entschlossen. Er wird unverzüglich aufbrechen und bis zum 27. Mai (pfintztag nach dem hl. pfingstag) bei ihnen eintreffen. Er hat auch den Termin für die Sammlung der bayerischen Truppen vom 30. Mai (sonntag trinitatis) auf den 4. Juli (St. Ulrichs tag) verschoben. Teilt dies mit, damit sie seine Ankunft abwarten und die Bundeshauptleute über den neuen Termin informieren können.1 

    München, 13. Mai 1507 (hl. auffarttag); präs. Überlingen, 17. Mai.2
    München, HStA, KÄA 2017, fol. 377 (Kop.) = Textvorlage A. Ebd., fol. 378 (Konz.) = B.

    «2.9. Konflikt zwischen den Herzögen von Mecklenburg und der Hansestadt Lübeck »

    «Nr. 89 Mandat Kg. Maximilians an Bürgermeister und Rat der Stadt Lübeck »

    Er hat auf die Klage der Hgg. Heinrich und Balthasar von Mecklenburg hin1 Hg. Bogislaw von Pommern sowie Bürgermeister und Rat der Stadt Lüneburg mit gütlichen Verhandlungen im Konflikt zwischen Mecklenburg und Lübeck beauftragt.2 Befiehlt ihnen, Šderen Vermittlung anzunehmen und das Verfahren nicht zu verschleppen, um den Erfolg der Kommission zu gewährleisten und unnötige Kosten zu vermeiden.3 

    Straßburg, 15. März 1507; präs. Lübeck, 16. Mai.
    Lübeck, StdA, ASA Ex. 5390, unfol. (Or. m. Siegelrest, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Schwerin, LHA, Urkunden, Verträge mit Lübeck, Nr. 54, unfol. (undat. Konz.) = B.

    «Nr. 90 Dr. Hartmann Bgf. von Kirchberg (Koadjutor des Stifts Fulda) an Bürgermeister und Rat der Stadt Lübeck »

    Bestätigt den Empfang ihres Schreibens1. Er hat die Unterlagen über ihre Verhandlungen mit Kg. Maximilian wegen des Konflikts mit Mecklenburg studiert. Er wird wegen dieser Angelegenheit früher als geplant zum Kg. reisen und mit diesem gemäß ihrem Schreiben verhandeln.
    [PS] Er wurde am 26. März (freitag nach judica) zum Koadjutor und künftigen Herrn des Stifts Fulda gewählt, uß dem wir in dem Hl. Röm. Reiche sonderlich beampt und der röm. Kgin. erzcanzler sein. Er dankt ihnen für ihr Entgegenkommen wegen der 600 fl.; er kann ihnen am kgl. Hof nun weitaus dienlicher sein, als dies aufgrund seiner Armut zuvor der Fall war. Das Geld wird er, wie sie geschrieben haben, bei einem Kaufmann aufnehmen.2 Seine Abreise zum Kg. ist für den 2. Mai (sonntag cantate) vorgesehen. Ihm ging eine Nachricht zu, daß die Reichsstände noch nicht vollständig in Konstanz versammelt sind.

    Neuhof, 29. April 1507 (donnerstage nach dem sonntag jubilate); präs. Lübeck, 12. Mai.
    Lübeck, StdA, ASA Ex. 4337, unfol. (Or. m. S.).

    «ŠNr. 91 Hgg. Heinrich V. und Balthasar von Mecklenburg an Dr. Johannes Mogenhofer (kursächsischer Kanzler und Domherr zu Naumburg) »

    Der Entscheidung im Konflikt zwischen den Hgg. von Mecklenburg und der Stadt Lübeck wurde dem röm. Kg. zum rechtlichen Austrag anheimgestellt. Sie werden der Stadt mit dem heutigen Datum eine kgl. Vorladung an den kgl. Hof1 zuschicken und außerdem Räte zu Hg. Albrecht (VII.) an den kgl. Hof entsenden, die als ihre Anwälte in dem Verfahren fungieren sollen. Sie haben Kf. Friedrich von Sachsen um die Erlaubnis gebeten, daß er sie in dieser Angelegenheit berät, auch wenn der Kf. selbst vorzeitig vom kgl. Hof abreisen sollte.2 Bitten ihn, diese Aufgabe zu übernehmen und ihrem Bruder Hg. Albrecht sowie ihren Anwälten zur Seite zu stehen.

    Güstrow, 16. Juni 1507 (mitwoch nach Viti).
    Schwerin, LHA, Urkunden, Verträge mit Lübeck, Nr. 54, unfol. (Konz./Kop.).

    «2.10. Stadt Worms gegen Bischof Reinhard und den Wormser Stiftsklerus »

    «Nr. 92 Zitationsmandat Kg. Maximilians an Dechanten, Kapitelherren und Angehörige des Domstifts, der Stifte St. Paul, St. Andreas und St. Martin sowie des Liebfrauenstifts »

    [1.] Er hat wegen des langjährigen Streits über den Weinausschank und den Getreideaufschlag als oberster Richter alle Parteien angehört und mit deren Zustimmung in Augsburg kgl. Kommissare mit der Fortsetzung des Verfahrens beauftragt. Diese haben das Verfahren wiederum an ihn remittiert1, wo es noch anhängig ist. Laut Beschwerde der Stadt würden sie – ungeachtet der in diesem Zusammenhang wiederholt an sie ausgegangenen Mandate, gegen die Stadt nicht mit dem geistlichen Recht zu verfahren, sondern seine jurisdiktionelle Zuständigkeit zu respektieren –, yetzo dieselben burgermeister und rat abermalen auf den vorergangen legatischen process vor eurm vermainten executor [Anton Leist] furgenommen haben, zu sehen und zu horen ein rechtmessig absolution, so ir vormals, wie sich gepurt, frey bewilligt habet, widerumb abzutun und zu cassieren, in mainung, die gedachten von Worms abermals in pan zu bringen und dardurch in schein geistlicher Šfreyheiten eurn willen, des ir gegen inen im rechten nit fug zu haben besorgt, zu erlangen.2 Die Stadt hat ihn deshalb um seine Hilfe gebeten.
    [2.] Für ihn als röm. Kg. ist es nicht akzeptabel, daß im Reich weltliche Angelegenheiten vor geistliche Gerichte gebracht werden. Er befiehlt ihnen deshalb bei Androhung des Verlusts ihrer vom Reich herrührenden Privilegien und Freiheiten und einer Geldstrafe von 40 Mark lötigen Goldes, das Verfahren am geistlichen Gericht einzustellen. Lädt sie binnen 45 Tagen zu einem Rechtstag an den kgl. Hof. Falls keine gütliche Einigung möglich ist, wird er festlegen, welche Teile des Streits vor ein weltliches und welche vor ein geistliches Gericht gehören, und dann entsprechend verfahren.3

    Fürstenberg, 13. Mai 1507. 
    Worms, StdA, 1 B, 1921/3, unfol. (Kop. und Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; Verm.: Terminus comparendi 12. Julii, vigilia Margarethe.).
    Druck: Harpprecht, Staats-Archiv II, Nr. CXXXVII, S. 440f.

    Der Kg. hat wegen des Streits der Stadt mit Bf. Reinhard und den fünf in der Stadt gelegenen Stiften einen Rechtstag anberaumt. Bitten deshalb um Befehl an ihre RT-Gesandten, den Anwälten der Stadt während der Verhandlungen beizustehen.

    ŠWorms, 29. Mai 1507 (samstags nach dem hl. pfingstag).
    Straßburg, AV, IV 42/24, unfol. (Or. m. S.). Köln, HAStd, K+R 36/1, fol. 6–6’ (Or. m. Siegelrest, Verm.: 14. Juni).

    «2.11. Graf Edzard von Ostfriesland »

    «Nr. 94 Zitationsmandat Kg. Maximilians an die Gff. Edzard und Uko von Ostfriesland »

    Da wichtige Angelegenheiten zur Erledigung anstehen, an denen ihm, dem Reich, auch ihnen und allen übrigen Angehörigen des Reiches viel gelegen ist, befiehlt er ihnen beiden – oder Gf. Edzard allein, jedoch mit ausreichender Vollmacht – unter Androhung schwerer Ungnade und Strafe, binnen 28 Tagen nach Übergabe des Ladungsschreibens vor ihm oder seinen beauftragten Räten in Konstanz zu erscheinen. Dort will er gemeinsam mit den Reichsständen in unsern und des Reichs sachen mit euch handeln und besliessen.1 Sie Šsollen sich gehorsam erzeigen, damit er nicht mit der Hilfe des Reiches gegen sie vorgehen muß. Fordert sie auf, dem kgl. Herold eine schriftliche Antwort mitzugeben.2 Gewährt ihnen für die Verhandlungen in Konstanz freies Geleit.

    Straßburg, 29. März 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 78–78’ (Kop. mit Verm.: Sic signatum per regem, Sernetiner.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 5–5’ (Kop.) = B.
    Kurzregest: Baks, Inventaris, Nr. 2111, S. 428.

    «Nr. 95 Otto von Langen zu Beverförde (Mainzer Domherr) an Zyprian von Serntein »

    Gf. Edzard von Ostfriesland entsendet Räte1 zum röm. Kg., die allerdings weder den kgl. Hof, noch die Räte und das Hofgesinde kennen. Auf deren Wunsch bittet er ihn, ihnen bei der Anhörung vor dem Kg. behilflich zu sein.

    s.l., 10. Mai 1507. 
    Wien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 137–137’ (Or.).

    «2.12. Reichsstadt Frankfurt »

    «Nr. 96 Memorial des Frankfurter Rates für Verhandlungen der RT-Gesandten Johann von Lünen und Johann Frosch mit Kg. Maximilian »

    [1.] Frankfurt liegt abseits der Landstraße und hat ein nur geringes Handelsaufkommen. Die von Burgen der benachbarten Fürsten und Grafen umgebene Stadt muß beträchtliche Mittel für ihre militärische Sicherung aufwenden. Man hat keine Verbündeten, sondern ist ausschließlich auf den Schutz durch den Kg. angewiesen. Die Stadt muß die Stadtsteuer bezahlen; der Rat hat diese immer dem Kg. gegeben und einer Veräußerung oder Verpfändung nie zugestimmt.1 Die städtischen Finanzen sind durch Pensionszahlungen belastet. Die Häuser und die Messe bringen weniger dem Magistrat, sondern vor allem den Bürgern Einkünfte. Die Stadt verödet, Häuser stehen nicht zuletzt wegen der vielen Seuchen leer und werden baufällig. Frankfurt hat dem Ks. [Friedrich III.] und dem Kg. [Maximilian I.] Šseit dem Neußer Krieg über 130 000 fl. gezahlt. Die Stadt wurde [auf dem Kölner RT 1505] über ihre Leistungsfähigkeit veranschlagt. Der Rat hat rechtzeitig Gesandte nach Ulm abgeordnet, um den kgl. Einsammlern seine Beschwerde vorzutragen.2 Der röm. Kg. hat die Stadt bislang wie sein Vater immer unter seinen Schutz gestellt.
    Item so nicht abgeteidingt mocht werden und unser gn. H. von Trier3 abegestanden were und Hammans schwieger4 yemant hette, der sich bey der kgl. Mt. arbeit, wes man ire dan mit fugen dienen mocht, sey man gutwillig. 
    [2.] Die Gesandten sollen zuerst die Hälfte der geforderten Summe anbieten und dann 2000 fl. Falls die vollständige Bezahlung nicht zu vermeiden ist, sollen sie um die Mitteilung von Zahlungsfristen bitten. Frühestens jedoch ist die Zahlung zur nächsten Frankfurter Herbstmesse möglich, um kein Geld bei anderen Städten aufnehmen zu müssen. Falls die Gesandten die Forderung reduzieren können, sollen sie mitteilen, daß Gesandte zu etlichen Städten und Kaufleuten abgehen würden, um das Geld so rasch wie möglich aufzutreiben.5 
    [3.] Die Gesandten sollen die kgl. Mandate [Nrr. 5, 7, 15, 16] noch einmal studieren, um sich bei Beratungen der Städte über die Verhandlungsmaterien [des RT] sachkundig äußern zu können. Die Städte sollen auch über Maßnahmen beraten, damit sie nit alwegen von Ff. irs gefallens angeslagen wurden.

    s.l., s.d., jedoch Frankfurt, wohl 21. April 1507.6 
    ŠFrankfurt, ISG, RTA 22, fol. 12–13 (Kop.).
    Druck: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 902, S. 700–702.

    «2.13. Reichsstadt Nürnberg »

    «Nr. 97 Weisung der Nürnberger Hh. Älteren an Dr. Erasmus Topler »

    [1.] Bestätigen den Empfang seines Schreibens.1 Sie sind nicht bereit, für das zu erlangende [Appellations-]Privileg wie die Straßburger 2500 fl. auszugeben, da die beiden Fälle nicht vergleichbar sind. Das Straßburger Privileg beläuft sich auf einen Streitwert bis in Höhe von 200 fl. jährlichem Zins, was einer Hauptsumme von 4000 fl. entspricht. Das von ihnen gewünschte Privileg hingegen soll lediglich auf 200 fl. Hauptsumme und nicht jährlichen Ertrag verstanden werden. Sie sind bereit, für die gewünschten Privilegien und die Konfirmation der böhmischen Belehnung2 bis zu 1200 fl. auszugeben.
    [2.] Die Bemühungen um eine kgl. Kommission in der Lentersheimischen Sache soll er vorläufig zurückstellen, da Wilhelm von Lentersheim angeboten hat, seinen Sohn Christoph Šdavon zu überzeugen, den Streit um die Kleider und Kleinodien seiner Frau [Christina] am Nürnberger Stadtgericht anhängig zu machen. Falls dies gelingt, ist die Kommission unnötig.3
    [3.] Es ist nötig, auf die gegen Nürnberg gerichteten kurpfälzischen Intrigen am kgl. Hof achtzugeben. Falls sich Hg. Albrecht von Bayern, Hg. Ulrich von Württemberg, Lgf. Wilhelm von Hessen und Pfgf. Alexander von Zweibrücken oder deren Gesandte auf dem RT einfinden, soll er gemeinsam mit ihnen den Kg. ersuchen, ungeachtet aller Bemühungen der Gegenseite die Zusagen und Verschreibungen an die Verbündeten4 einzuhalten. Im gleichen Sinne soll er sich auch bei Gelegenheit allein beim Kg. einsetzen und dabei darauf hinweisen, daß der Gehorsam gegenüber dem Kg. der Stadt erhebliche Kosten verursacht habe.

    Nürnberg, 9. April 1507 (freytag nach pasce); präs. Straßburg, 15. April.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 59, fol. 8’-10 (Kop.).
    Regest: Gümbel, Berichte, S. 285 Anm. 5.

    «Nr. 98 Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    [1.] Bestätigt den Empfang ihrer durch den Boten Peter Leupold überbrachten Weisung vom 9. April (freitag nach pasce) [Nr. 97] für den Vortag [15.4.]. Tatsächlich gilt das Straßburger Appellationsprivileg nur bis zu einem Streitwert von 200 fl. Er versteht ihre Weisung dahingehend, daß er für die Konfirmation der böhmischen Belehnung und die gewünschte Gerichtsfreiheit in Höhe von 200 fl. 1200 fl. ausgeben kann. Die Gerichtsfreiheit betrifft allerdings vier unterschiedliche Materien: Kaufmannshändel, Streitsachen um Gebäude, Ratsdekrete und Gerichtssachen allgemein. Er bittet um Anweisung, ob sich die Begrenzung auf die 200 fl. Streitwert tatsächlich unterschiedslos auf diese vier Materien beziehen soll. Denn selbst ein Appellationswert von 600 fl. wäre unter Umständen nachteilig, da die Appellationsfreiheit der Stadt in Gebäude betreffenden Angelegenheiten seit Menschengedenken unbegrenzt ist. Er empfiehlt deshalb, sich um zwei Gerichtsfreiheiten zu bemühen: eine in unbegrenzter Höhe bezüglich der Gebäude und eine zweite in Höhe von 200 fl. für die übrigen Angelegenheiten. Was die von Straßburg für ihr Gerichtsprivileg bezahlten Š2500 fl. angeht, verhält es sich so, daß der röm. Kg. ihnen diese Summe noch schuldig war. Da der Kg. auch noch Schulden bei der Stadt Nürnberg hat und eine Begleichung kaum zu erwarten ist, könnte für die gewünschte Konfirmation und die Privilegien – vielleicht mit einem Wert von bis zu 600 fl., mindestens aber 200 fl. – die Verrechnung von bis zu 1300 fl. angeboten werden. Die 600 fl. kann Nürnberg gegenüber künftigen röm. Kgg. als der Reichshoheit abträglich möglicherweise nicht behaupten. Keine Reichsstadt besitzt ein so hohes Appellationsprivileg; so erstreckt sich das Augsburger Privileg nur auf 40 fl. Streitwert.
    [2.] Hinsichtlich ihrer Weisung, den Fall Christoph von Lentersheim hinhaltend zu behandeln, ist zu bemerken, daß am kgl. Hof keine den Wünschen Nürnbergs entsprechende Kommission bewilligt werden wird. Zur Verzögerungstaktik gibt es deshalb keine Alternative.
    [3.] Sagt zu, wirkungsvoll gegen die kurpfälzischen Intrigen angehen zu wollen. Die pfelzischen stocheren heimlichen seer auf mich, doch so spricht mir Pfgf. Fridrich gn[ädig] zue. Aber es ist bedes sit zu hove.1

    Straßburg, 16. April 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, D-Laden-Akten 219, Stück-Nr. 42 (eh. Or.).
    Druck: Gümbel, Berichte, Nr. 9, S. 285–288, hier 285–287.

    «2.14. Reichsstadt Konstanz »

    «Nr. 99 Beschlüsse des Konstanzer Rates »

    Beratungen über Anliegen der Stadt zum Vortrag an Kg. Maximilian.

    Konstanz, 26./27. April, 4./6.-7. Mai, 5./8./19./21. Juni 1507.
    Konstanz, StdA, B I, Bd. 25, fol. 225–227, 229’-230, 231’.

    /225/ [26.4.] Kleiner Rat: Was Costenz wonen, dz ir kgl. Mt. die ließ durch ir erpliche land zollfry etc. Deßglich, dz er bi den van Nürenberg ainer stat Costenz burger in ir stat zollfry furen liessen uß und in, deßglich welt ain stat sy hie auch halten. Und dz der Kg. ain stat Costenz ließ castvogt sin uber Peterßhusen.1
    ŠItem der munz halb ain fryhait, was man vor ton hab und noch tun mög.2
    /225’/ [27.4.] Kleiner Rat: Da der Kg. bi den van Nurnberg vermacht, dz man ainer stat Costenz burger zolfry gen Nürenberg uß- und infaren, oder doch etlich jar. Deßglich in ir kgl. Mt. erblanden ouch.
    /226/ [6.5.] Kleiner Rat: Kgl. Mt. wyl des ersehen mit der landvogty Schwaben oder aber durch zinß widerlegung aller deryenen, so daruß gut haben; im Thurgau deßglich fur dz landgericht auch.
    Ain rait wolle achten, unfruchtbar sin und auch nit achten kgl. Mt. mainung sin, die guter zu lassen, dz es wurd auch ab 1ctusend fl. lofen und auch die guter verderben; aber fur den zirk, der biß an die Thur gangen ist, welle ain stat ain zirk nennen.
    /226’/ Peterßhusen, dz ain stat kastvogt sy. Der munz halb, und dz man fl. munzen dorft.
    Auf dz anbringen, so Dr. Haiden vor aim rait ton hait, wyl ain rait nicht achten, dz solichs fruchtbar oder kgl. Mt. mainung sig, dann es wurd ein witlofiger handel und sich ob den hunderttausend fl. loufen, so das angeschlagen wurd, dz ain stat Costenz oder ire burger das haben. Aber dz möcht ein rait kgl. Mt. fir gut anzaigen, sover ir kgl. Mt. disen nachbenempten gezierk ainer stat zuwegen bringen mocht, namlich von Munsterlingen unz [= bis] zum hochen Alber und da dannen von dem wald hin unz an den Agerstenbach und hinab unz in den Rin, und von Munsterling uberse an dz Aichhorn, da dannen unz gen Stad und gen Egg und da dannen unz gen Wolmatingen und von Wolmatingen herab an die stainebrug und unz in den Rin. Und Šzu solichem zirk ainer stat die XVI-tusend fl. fur dz landgericht gab und darnach järlich dz schirmgelt lut des vertragsa3.
    /227/ [7.5.] Kleiner Rat: Man sol es werben bi kgl. Mt., das der munz gesetzt werd uf die alten fryhaiten, so verbrunen syen, und dabi goldmunz auch. So man mit dem gezierk in red kompt, sol man der kastvogty halb handeln. Altburgermaister [Bartholomäus Blarer], burgermaister [Jörg von Hof], vogt [Sigmund] Flaur, Claus in Stainhus, [Konrad] Schwartz, [Stephan] Rinspeck.
    /229’/ [5.6.] Burgermaister [von Hof], altburgermaister [Blarer], Flaur, Schwartz send zum Kg.
    /230/ [8.6.] Kleiner Rat: Wie dem apt [Martin von Petershausen] nit gehalten wär lut der vurschriben. Illa [die], dz er die V jar nit verwilliget. Item so het er die Aidgnossen angeruft.4 Item so het er comissary von bapst zuwegen bracht. Item hat ain rait dz uß guter meinung angesehen, achte auch ain rait kgl. Mt. kain mißfallen.
    Man sol H. Niclaussen5 100 fl. schenken, und Flaur und Schwartz mit Claus im Stainhus sol 100 fl. geven [?].
    Uf den tag ist botschaft komen, dz der Kg. [Ferdinand] von Aregon tod sy.
    /231’/ [21.6.] Kleiner Rat: Ulrich von Hopspurg bringt an, wie kgl. Mt. Wolffen van Knoringen gelait geben, doch nit anders dan sovers aim rat gefelt. Illa [die] ain rait git Wolffen van Knoringen auch gelait 1 monat, doch mit dem underschaid, dz er welle Hansen Hoffner oder ander vor rait rechtens sin.6 

    «Š2.15. Reichsstädte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen: Verpfändung an Kursachsen »

    «Nr. 100 Antwort Kg. Maximilians an Gesandte der Städte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen1 »

    Er hat aus kgl. Machtvollkommenheit Goslar, Mühlhausen und Nordhausen für 64.0002 fl.rh. an Kf. Friedrich und Hg. Johann von Sachsen verpfändet, wogegen die drei Städte Einspruch erhoben haben. Er wird deshalb auf dem Konstanzer RT mit diesen beiden Fürsten oder ihren Gesandten darüber verhandeln, einstweilen von der Verpfändung keinen Gebrauch zu machen. Nach erfolgter Zustimmung wird er den drei Städten eine Sicherstellung für 100 000 fl. geben. Davon sollen die Städte sich selbst für 64 000 fl. auslösen. Der Kg. wird die beiden Fürsten oder ihre Gesandten über die Verschreibung informieren, genslikes verhopendes, sie ganz gewiß sin sollen. Er erwartet, daß Hg. Heinrich d. Ä. von Braunschweig-Wolfenbüttel auf dem RT erscheinen und dort erneut in die Dienste von Kg. und Reich treten wird. Diesen Fürsten wird er über die Verschreibung informieren, der dann als Vertreter der drei Städte dafür Sorge tragen soll, daß das Geld bei ihnen eingeht. Dessenungeachtet sollen sie einen Gesandten zum RT abordnen.3 

    ŠAct. Salzburg, 29. November 1506 (am sondage vur Andree apostoli).
    Goslar, StdA, Best. B, unverzeichneter Teil, Reichssachen 1506–1510 [alt R.S. 20/3934], pag. 11–12 = Textvorlage A. Mühlhausen, StdA, D 5 ab, Nr. 2a, fol. 32–32’ = B.4

    «Nr. 101 Antwort Kg. Maximilians an Gesandte der Städte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen »

    Er wird auf dem bevorstehenden RT zu Konstanz mit Kf. Friedrich und Hg. Johann von Sachsen verhandeln, damit ihre Forderungen an ihn auf andere Weise beglichen und die drei Städte von dieser Angelegenheit befreit werden. Sie sollen der Ladung zum Konstanzer RT Folge leisten und ihre Gesandten dorthin abordnen.1

    Act. Salzburg, 3. Dezember 1506 (donerstach nach Andree apostoli).
    Goslar, StdA, Best. B, unverzeichneter Teil, Reichssachen 1506–1510 [alt R.S. 20/3934], pag. 15 = Textvorlage A. Mühlhausen, StdA, D 5 ab, Nr. 2a, fol. 34’ = B.2

    «Nr. 102 Bürgermeister und Räte der Städte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Bedanken sich für den ihren Gesandten in ihren Angelegenheiten gegebenen Rat. Die Gesandten haben vom röm. Kg. die Zusage erlangt, daß er auf dem Konstanzer RT dafür sorgen werde, daß die Geldforderung Kf. Friedrichs von Sachsen beglichen und ihre damit zusammenhängenden Beschwerden abgestellt würden. Da sie ebenfalls zum Konstanzer Tag geladen sind, bitten sie um Mitteilung, ob dieser stattfinden oder verschoben wird. Bitten auch, die Frankfurter RT-Gesandten zu instruieren, ihren Emissären auf deren Bitte beizustehen.1 

    Nordhausen, s.d., jedoch vor dem 18. März 1507.
    Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 9–9’ (Or.) = Textvorlage A. Nordhausen, StdA, R, Da 5, fol. 1 (Konz.) = B.

    «ŠNr. 103 Bürgermeister und Räte der Städte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen an Kg. Maximilian »

    Bevollmächtigen und akkreditieren gemeinsam Hermann Pfeiffer (Kanoniker in Nordhausen) als Teilnehmer am ausgeschriebenen Taga zu Konstanz.1 

    [Nordhausen], 22. März 1507 (montags nach dem suntage judica).
    Nordhausen, StdA, R, Da 5, fol. 86–86’ (Konz. A); 86’-87 (Konz. B).

    «Nr. 104 Entwurf Nordhausens für die Instruktion Hermann Pfeiffers als Gesandten zum kgl. Tag in Konstanz »

    1. Der Gesandte soll mit Vollmacht zur Teilnahme am angesetzten Tag in Konstanz abgefertigt werden, um mit den Gesandten der übrigen Frei- und Reichsstädte, was gut und nutz sien will, von aller stet wegen zu beraten und zu beschließen.
    2. Die kgl. Räte und die Unterstützer der drei Städte sollen informiert werden, was in der Angelegenheit seit dem Salzburger Rezeß geschehen ist.
    3. Wenn der Gesandte feststellt, daß in dieser Sache inzwischen etwas zum Nachteil der Städte geschehen ist, wogegen er auch mit der Hilfe der den Städten geneigten kgl. Räte nichts unternehmen kann, soll er unverzüglich die Gesandten der Reichsstädte um Rat bitten. Falls dies nichts nützt, soll sich der Gesandte um die Beauftragung unparteiischer Kommissare oder, falls dies nicht möglich ist, um Anhängigmachung eines Verfahrens am kgl. Kammergericht bemühen.
    4. Falls der Kg. eine Anhörung in Konstanz wünscht und den Fall an die Reichsstände verweisen will, soll der Gesandte geltend machen, daß die drei Städte ihre Sache in Rottenmann vorgebracht und in Salzburg eine Antwort erhalten hätten. Sie hielten deshalb eine Anhörung für unnötig, er sei auch nicht mit den nach Rottenmann mitgeführten Unterlagen ausgestattet. Falls jedoch auf der Anhörung insistiert würde, solle dies den Städten mitgeteilt werden, damit sie ihn entsprechend bevollmächtigen und mit den erforderlichen Belegdokumenten ausstatten könnten. Gleichwohl soll der Gesandte Abschriften der städtischen Freiheiten1 erhalten.
    5. Der Bf. von Hildesheim und Hg. [Heinrich d. Ä.] von Braunschweig[-Wolfenbüttel] sollen gebeten werden, sich noch einmal schriftlich an den Kg. zu wenden und die Einhaltung früherer Zusagen einzufordern. Dieser Schritt wird dem Kg. die Beschwerden der Fürsten vergegenwärtigen und könnte ihn veranlassen, die Freiheiten der Fürsten und Städte Šzu respektieren. Die Städte Nordhausen und Mühlhausena sollen deshalb auch bei Hg. Georg [von Sachsen] vorstellig werden, falls dieser nicht persönlich dorthin [nach Konstanz] reist.2
    6. Falls der röm. Kg., wie zu vermuten ist, noch erwägt, die drei Städte mit den ihm in der Verpfändungssache, etwa für die Gesandtschaft, aufgelaufenen Unkosten zu belasten, soll der Gesandte so verfahren, daß ein Nachteil für die Städte vermieden wird.
    7. Nordhausen und Mühlhausen sollen sich Dr. [Sigmund] Pflug durch ein Geschenk gewogen halten.

    s.l., s.d., jedoch Nordhausen, 22. März 1507.3
    Nordhausen, StdA, R, Da 5, fol. 94–95 (Konz.).

    «3. Organisatorische Vorbereitung des Reichstages »

    «Nr. 105 Kg. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz »

    Er ist im Begriff, sämtliche Reichsstände zum 21. Dezember (St. Thomas des hl. zwelfpoten tag) nach Konstanz zu laden und daselbs mit inen in der cristenhait und Hl. Reichs merklichen obligen und sachen zu handeln und einen gemeinen Reichs tag zu halten. Sie sollen dafür sorgen, daß jedem eintreffenden Teilnehmer eine Herberge und alles Notwendige zur Verfügung gestellt wird.

    Pettau, 6. September 1506.
    Konstanz, StdA, PU 5036 (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein).
    Regest: Marmor, Urkunden-Auszüge, S. 153.

    «Nr. 106 Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz an Kg. Maximilian »

    Bestätigen den Empfang seines Schreibens über die geplante Abhaltung eines RT in Konstanz. Sie erkennen daran die kgl. Gnade gegenüber ihrer Stadt. Magistrat und Gemeinde treffen Vorbereitungen, um alle Besucher des RT angemessen empfangen und mit allem Notwendigen versehen zu können. Um zu gewährleisten, daß unser jetz empfangne frod nit mit laid oder lerer hoffnung werd geendet, bitten sie ihn, mit der abstellung der rysenden sachen, die diesem Unterfangen im Weg stehen, fortzufahren, soweit ihm dies möglich ist und tunlich erscheint. Bitten ihn um seinen Schutz für sie als seinen Untertanen.1

    Konstanz, 26. September 1506.
    Konstanz, StdA, B II, Bd. 27, fol. 238 (Kop.).

    «Nr. 107 Bürgermeister und Rat der Stadt Freiburg/Br. an Niklas Ziegler (obersten kgl. Sekretär) und Jakob Villinger (kgl. Buchhalter) »

    Ihnen ist dieser Tage ein Schreiben Hgin. Margarethes von Savoyen1 zugegangen, wonach der röm. Kg. die Absicht hatte, den libfall unsers gnst. [Herrn], des Kg. zu Castilien, hochloblicher gedächtnus, hie zu begen und ander tagleistung halten zu laussen.2 Bitten Šdeshalb sie beide als gute Freiburger, sich beim Kg. dafür einzusetzen, daß er solh libfall und taghaltung in seiner Stadt begehe. Falls eingewandt wird, daß in Freiburg eine Seuche wüte, sollen sie im Namen der Stadt versichern, daß dies nicht zutreffe und die Verpflegung der Gäste in guter Qualität und zu einem guten Preis gewährleistet sei.

    Freiburg/Br., 8. Dezember 1506 (unser lb. Frowen tag conceptionis).
    Freiburg, StdA, B 5 XI (Missiven), Nr. 8,1, fol. 122–122’ (Kop.).

    «Nr. 108 Beschlüsse des Konstanzer Domkapitels im Zusammenhang mit dem RT »

    /57–57’/ [10.2.1507] Anwesend: Johann Bletz von Rotenstein (Dekan), Gf. Heinrich von Montfort, Johann Konrad von Bodman (Kantor), Roland Göldlin, Dr. Matthäus von Bubenhofen, Peter von Hertenstein, Hieronymus Schenk von Limpurg. – Moritz Hurus, Othmar Hugs und der Konstanzer Stadtschreiber1, die vom Rat mit der Beschaffung von Quartieren für den röm. Kg., die Reichsfürsten und andere Teilnehmer des RT beauftragt waren, informierten das Domkapitel über ihre Bitte an den Domdekan, sich dafür einzusetzen, daß auch die Häuser von Priestern für Herbergen und Stallungen zur Verfügung gestellt würden. Der Domdekan habe ihnen geantwortet, ihre Bitte dem Domkapitel vortragen zu wollen. Da sie bereits mit der Organisierung von Quartieren begonnen hätten, hätten sie auch die Häuser von Priestern einbezogen, obwohl noch kein Bescheid vorgelegen habe. Dies sei jedoch nicht aus Mißachtung dem Kapitel gegenüber geschehen. Da inzwischen etliche Teilnehmer am RT um Beschaffung von Unterkünften gebeten hätten, müßten weitere Besichtigungen durchgeführt werden. Sie bäten deshalb im Namen des Rates um die Einwilligung des Domkapitels dazu und um Zuordnung eines Bevollmächtigen für die Bereitstellung von Herbergen und Stallungen in den Priesterhäusern. Etliche Fürsten, so der Bf. von Augsburg, wünschten die Unterbringung in einem Domherrenhof.
    Das Domkapitel bewilligte die Abstellung des Pflegers Markus [Bärtelin] für die Besichtigung von Häusern der Priester, mit der Bitte, sy wellen daran sin, dz den priestern zimlich, geschickt personen zugeordnet werden zu beherbergen, dz sy in irem wesen nit geirrt werden etc. Aber der tumherrnhöf halb wussen sy selbs, dz die tumherrn vil fruntschaft haben, die villicht bij inen herberg haben werden, sich nichtdestminder kgl. Mt., wa sich begebe, in gehorsame erzaigen und gepurlich halten.
    Die Verordneten der Stadt nahmen diese Antwort zur Berichterstattung an den Rat an.
    /59/ [22.2.] Anwesend: Johann Bletz von Rotenstein (Dekan), Johann Zwick (Kustos), Gf. Heinrich von Montfort, Johann von Randegg, Roland Göldlin, Peter von Hertenstein, Gf. Johann von Lupfen, Wolfgang von Hewen, Dr. Matthäus von Bubenhofen und Hieronymus Schenk von Limpurg. – Auf Antrag des Dekans wurde darüber beraten, wie die röm. Kgin. empfangen und seitens des Kapitels beschenkt werden soll. Durch ŠMehrheit wurde beschlossen, die Kgin. wie in Augsburg nicht mit einer Prozession zu empfangen. Ebensowenig besteht die Notwendigkeit, ihr ein Kleinod zu schenken, dann zu besorgen, solhs in kainer achtung werden etc. Außerdem müßte man dann den Hg. von Württemberg und andere Fürsten mit erheblichen Kosten in ähnlicher Weise bedenken. Darüber soll allerdings noch einmal beraten werden.
    [25.2.] Anwesend: Johann Bletz von Rotenstein (Dekan), Johann von Randegg, Johann Zwick (Kustos), Gf. Heinrich von Montfort, Johann Konrad von Bodman (Kantor), Lukas Conrater, Dr. Matthäus von Bubenhofen und Georg Vergenhans. – Aufgrund einer Mitteilung des Hofmeisters der röm. Kgin. [Niklas von Firmian] und eines Schreibens Clemens Reichlins wurde die Kgin. beim Tor an der Hofhalde, wo sie aus dem Wagen stieg, cum processione, reliquiis et clero civitatis praeter religiosos empfangen und unter einem Himmel in das Münster vor den Hochaltar geleitet. Dort wurde ein „Tedeum“ mit Orgel und Chor gesungen und durch eine Antiphon mit einer Kollekte beschlossen. Am Morgen schenkte das Domkapitel der Kgin. Wein und Hafer.
    [8.3.] Bedienstete der röm. Kgin. baten, das goldene Tuch, unter dem diese empfangen wurde, und die Säcke, in denen die Geschenke übergeben wurden, auszulösen und den Torhüter zu bezahlen. Der Dekan wurde beauftragt, mit dem Hofmeister der Kgin. darüber zu verhandeln.
    [26.3.] Die röm. Kgin. bat, ihr Reliquien der Heiligen Konrad, Pelagius und Gebhard zu überlassen. Es wurde beschlossen, diesem Wunsch zu willfahren und die Kgin. durch Dr. Macharius [Leopardi] um ein Gegengeschenk zu bitten.
    /64/ [9.4.] Anwesend: Johann Bletz von Rotenstein (Dekan), Johann von Randegg, Johann Zwick (Kustos), Gf. Heinrich von Montfort, Johann Konrad von Bodman (Kantor), Lukas Conrater, Dr. Matthäus von Bubenhofen, Peter von Hertenstein, Gf. Johann von Lupfen, Wolfgang von Hewen, Hieronymus Schenk von Limpurg und Georg Vergenhans. – Aufgrund einer vom Dekan übermittelten Bitte des kgl. Furiers wurde beschlossen, daß Markus [Bärtelin] gemeinsam mit dem Furier alle Domherrenhöfe besichtigen soll. Jeder Domherr soll sich dann selbst mit dem Furier wegen der Einquartierung einigen.
    [9.6.] Haring Sinnama (Dr. Frieß) erhielt gegen eine Kaution den Schlüssel für die Bibliothek. Laut Johann von Randegg wünschte der Leiter der kgl. Kantorei [Georg von Slatkonia], einige beim Astrolabium in der Bibliothek liegende Bücher des Regiomontanus zu lesen. Dies wurde ihm gegen Hinterlegung eines Pfandes gewährt.2 
    /68’/ [11.6.] Anwesend: Johann Bletz von Rotenstein (Dekan), Gf. Heinrich von Montfort, Johann von Randegg, Lukas Conrater, Peter von Hertenstein, Gf. Johann von Lupfen, Wolfgang von Hewen, Dr. Matthäus von Bubenhofen, Hieronymus Schenk von Limpurg und Georg Vergenhans; abwesend: Johann Konrad von Bodman und Roland Göldlin. – Der Dekan und Bodman wurden wegen der Exequien für den Kg. von Kastilien zu den kgl. ŠRäten geschickt und erhielten die Mitteilung, daß dominus episcopus Const[antiensis] dz erst ampt defunctorum werd uf des lutpriesters altar haben und caplani domini regis das ander ampt de S. virgine. Und dieselben caplän werden das opfer halb nemen und dz ander halbtail werd des stifts personen beliben, nach gepur ze tailen.

    Konstanz, 10./22./25. Februar, 9. April, 11. Juni 1507.
    Karlsruhe, GLA, 61/7237, fol. 57–68’ passim.
    Regest: Krebs, Protokolle des Konstanzer Domkapitels IV, Nrr. 2914, 2928f., 2949, 2972, 2981, 3026f., 3031.

    «Nr. 109 Gf. Wilhelm von Henneberg-Schleusingen an Mgf. Friedrich von Brandenburg–Ansbach »

    Teilt mit, daß der röm. Kg. ihn für den 7. März (sonntag oculi) zum RT geladen hat. Aufgrund triftiger Gründe beabsichtigt er, daran teilzunehmen, falls er mit einem Fürsten nach Konstanz reiten kann. Bittet deshalb um schriftliche Mitteilung, ob und ggf. wann er zum RT aufbrechen will. Er würde dann auf ihn warten, um ihn nach Konstanz zu begleiten.1 

    Schleusingen, 11. Februar 1507 (am donerstage nach Dorothee).
    Meiningen, StA, GHA I, Nr. 1701, unfol (Konz.).

    «Nr. 110 Beschlüsse des Konstanzer Rates im Zusammenhang mit dem RT1 »

    /213/ [25.2.1507] Der Kgin.2 schenkt man: ain drinkschier, hait 4 mark, 6½ lot, 67 gr[an], darin 100 fl.; haber, 2 wagen mit haber; 1 wagen mit win, wissen und roten, uns geschier; visch, 21 seck. Ist 8 malter win 1 fuder ungevarlich. Zu der schenk burgermaister3, vogt4, altburgermaister5, obervogt6, zunftmeister Flaur, Heinrich von Ulm.7
    /220’/ [17.3.] Beschluß des Kleinen Rates: Man sol der Kgin. ir folk inlassen, sunst niemand.
    /223/ [14.4.] Beschluß des Kleinen Rates: Die stalmiet sol sin, wellicher nit futer git, 8 d., wellicher aber futer git, 7 d.
    Š/223’/ [17.4.] Beschluß des Kleinen Rates: Man sol an den rindermarkt faren mit dem holz und heu. – Die vechtmaister sollen kain offen schulen halten.
    /224’/ [24.4.] Beschluß des Kleinen Rates, dz ain yeder wasser in die hußer trag. Illa [die], man wyl die grundlen usserhalb dem bier erlaben, was gefangen wirt, hie zu verkofen.
    [26.4.] Beschluß des Kleinen Rates: Dem Kg. sol man schenken 2 fuder win und 27 seck haber, 20 gangvisch8. Illa, soln den Kg. enpfahen burgermaister [von Hof], vogt [Flar], altburgermaister [Blarer], Labhart, Flaur, Hainrich von Ulm.
    /225/ [27.4.] Der röm. Kg. traf an diesem Tag in Konstanz ein.9
    /225’/ [29.4.] Beschluß des Kleinen Rates: Altburgermaister [Blarer] und [Sigmund] Flaur sind zum richstag verordnet.10
    Am 3. Mai (hl. cruz tag) ritt der Kg. wieder aus Konstanz weg.
    /225’/ [4.5.] Beschluß des Kleinen Rates: Man sol sich mit guldinen, die mit dem gran instond, in kaufen und verkofen zalen lon; deßglich sollen, die also instend, auch mit aim zinß bezalen lon und fur 15 ß genomen werden.
    /50/ [4.5.] Beschluß, auf den Märkten die Verfügung anzuschlagen, daß ain jeder, der ain koufmanschaft gibt ains guldins wert und daruber, der soll sich mit gold lassen bezalen, und wölher gulden mit ainem gran instat, der soll gut werschaft sein.
    /226/ [6.5.] Beschluß des Kleinen Rates: Der munzmaister sol fl. ufwechsel[n], die ring sind, und die zerschniden.
    /227/ [8.5.] Beschluß des Kleinen Rates: Weliche futer gend, sond 7 d. stalmuet nemen. Item van wagenrossen 8 d. Item die, so kain futer gend und allain heu und stro, sollen 8 d. nemena. Item welicher nit legt und allain stellt, sol 8 d. nemen.
    /227’/ Es soll auch kainer die 2 tag kain visch in schiffen, sonder am markt verkoufen, es sig dann under tagen. Es sol auch kain vischer dem andern kain visch abkoufen, sond gangenvisch 8 kr.
    /228’/ [27.5.] Beschluß des Kleinen Rates: Es sol kain vischer kaim frömbden verkoufen, deßglich an der brugk nit verkoufen.
    Des Knöringers sun hant dz gelait brochen und des Kg. knaben ainen geschlagen.
    /229/ Am Abend des 31. Mai (montag nacht [vor corporis Christi]) kehrte der röm. Kg. aus Überlingen zurück.
    /55’/ [2.6.] Mit den metzgern ist verlassen, das sy hinfur die guten, großen hammel geben sollen umb 7 h. Item das geliber und kopf von großen kelbern sollen sy geben Šumb 9 d. Item was guter, faißter kalblen, die bis uber die 8 fl. wert sind, mogen sy umb 7 h. geben, wann die schetzer mogen gedenken, des wert sin. Item wie die schetzer das flaisch schetzend, also sollen sy es geben zu der metze und kains ins hus tragen, noch si trucken machen oder salzen, es syg dann, das ers in der metze nit mog verkoufen. Item kain metzger soll ganz kain flaisch im hus, sunder allain in der metzge, und wan es geschout ist, verkoufen. Es soll auch kain metzger sin flaisch lebendig verkoufen, sonder mezgen und an die schou geben und offentlich in der metzg und nit im hus verkoufen. Doch mag ain metzger dem andern wol lebendigs verkoufen. Und sollen sunst ir alte ordnung in allen dingen halten.
    /229’/ [5.6.] Beschluß des Kleinen Rates: Man wyl die guten hamel laussen dz pfund vur 7 h. geben. Item deßglich van den guten kelber dz ingewaid und kepf vur 9 d. Item und weliche kalbel 8 fl. oder darob wert ist und die schätzer die gut schätzen. Item es sol auch ain yder dz flaisch, wie es im geschätz wirt, den luten, so sy dz haben wend, verkoufen, und nit durer. Und sol auch kainer kain flaisch im huß verkofen, sonder in der metz, und sols nit salzen, er konds dann nit verkoufen. /230/ Item es sol auch kain metzger nichtz lebendigs verkoufen. Es mag aber ain metzger dem andern wol abkofen. Item es sol auch kainer kain flaisch verkofen, es sig dann geschout.11 

    Konstanz, 25. Februar-5. Juni 1507.
    Konstanz, StdA, B I, Bd. 25, fol. 213, 220’, 223–223’, 224’-225, 226, 227–227’, 228’-230; Bd. 27, fol. 50, 55’.

    «Nr. 111 Ebf. Ernst von Magdeburg an den Rat der Stadt Frankfurt »

    Er ist wegen verschiedener Angelegenheiten aus seinem Ebm. abgereist und wird voraussichtlich am Abend des 28. Februar (nehsten sontag) in Frankfurt eintreffen. Bittet für sich und sein Gefolge um Geleit.1 

    Steina, 26. Februar 1507.
    Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 5–5’ (Or. m. S.).

    «ŠNr. 112 Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Aachen an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Der röm. Kg. hat durch ein offenes Ausschreiben [Nr. 5] neben Kff., Ff. und anderen Reichsständen die Stadt Aachen – wie zweifellos auch Frankfurt – als Glied des Reiches zum 7. März (sontag oculi) nach Konstanz geladen. Sie beabsichtigten ursprünglich, eine Gesandtschaft zu dem Tag abzuordnen. Doch sammeln sich in der Umgebung der Stadt ständig Kriegsknechte, die den Geldernern oder anderen Feinden des Reiches zulaufen. Nach ihren Informationen sammelt sich in Frankreich ein großes Heer zur Unterstützung der Gelderner. Dies veranlaßt sie zur Sorge. Sie können deshalb niemanden für den Konstanzer Tag entbehren. Bitten, das Fernbleiben Aachens vom RT durch ihre Gesandten gegenüber Kg. und Reichsständen zu entschuldigen und ihnen auf ihre Kosten ein Exemplar des Reichsabschieds zu schicken.1 

    Aachen, 26. Februar 1507 (vrijdagen nae dem sondag invocavit).
    Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 4–4’ (Or.).

    «Nr. 113 Rat der Stadt Wetzlar an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Der röm. Kg. hat Wetzlar für den 7. März (sonntaig oculi) zum RT nach Konstanz eingeladen. Doch ist der Tagungsort ferre und ungelegen. Bitten deshalb um Weisung an die Frankfurter Gesandten, das Fernbleiben Wetzlars zu entschuldigen und ihnen eine Abschrift des Reichsabschieds zuzusenden.1

    Wetzlar, 26. Februar 1507 (fritag noch dem sontag invocavit).
    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 191, fol. 2–2’ (Or.).

    «Nr. 114 Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz an den Rat der Stadt Frankfurt »

    Antworten auf ihre Anfrage1, daß ihnen keine Mitteilung von einer Verschiebung des RT gemacht wurde. Ihrer Kenntnis nach wird der RT stattfinden. Der Bf. von Augsburg und Šder Hg. von Württemberg haben bereits Herbergen bestellt. Die röm. Kgin. hält sich seit dem 25. Februar (dornstag vor reminiscere) in Konstanz auf.

    Konstanz, 6. März 1507 (sambstags vor oculi).
    Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 8–8’ (Or.) = Textvorlage A. Konstanz, StdA, B II, Bd. 28, fol. 14’ (Kop.) = B.
    Regest: Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 901, S. 700.

    «Nr. 115 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    [1.] Nach erfolgter Rechnungslegung wurde der Ulmer Altbürgermeister Dr. Matthäus Neithart zum Hauptmann der Bundesstädte gewählt. Zu Bundesräten wurden ernannt: Ulrich Artzt (Bürgermeister zu Augsburg), Jörg Holzschuher (Bürgermeister zu Nürnberg), Hans Ungelter d. J. (Bürgermeister zu Esslingen), Ulrich Strauß (Bürgermeister zu Nördlingen), Adam Besserer (Bürgermeister zu Überlingen), Hans Stöbenhaber (Bürgermeister zu Memmingen)1 und Rudolf Nagel (Stadtmeister zu Schwäbisch Hall). Damit Gott dem Bund umso mehr Gnade und Glück schenkt, wurde beschlossen, daß in jeder Stadt Messen abgehalten werden sollen.
    [2.] Mit Hinblick auf den zum 7. März (oculi) ausgeschriebenen RT wurde ausführlich beraten2 und dessen Wichtigkeit für die Städte festgestellt. Deshalb wurde beschlossen, durch vier Gesandte am RT teilzunehmen. Diese haben Befehl, in keine Geldhilfe einzuwilligen. Falls die übrigen Reichsstände eine Truppenhilfe bewilligen wollen, sind die Gesandten zu Verhandlungen darüber bevollmächtigt. Sie haben dabei darauf zu achten, daß die Bundesstädte so niedrig wie möglich veranschlagt werden und es beim alten Herkommen bleibt. Falls die Gesandten etwas als für die Bundesstädte inakzeptabel erachten und die Annahme des Beschlusses auf Hintersichbringen möglich ist, sollen sie die Städte für weitere Beratungen darüber zusammenberufen. Falls dafür keine Zeit ist, sollen sie erklären, daß die Städte nicht einwilligen könnten und erwarteten, nicht über ihr Vermögen und das alte Herkommen belastet zu werden. Die Gesandten sind gehalten, so zu agieren und zu argumentieren, wie dies zum Besten der Bundesstädte dient, und sich auch mit den Gesandten anderer Frei- und Reichsstädte zu beraten. Um unnötige Ausgaben zu vermeiden, sollen die Gesandten noch nicht zum RT aufbrechen. Vorläufig soll sich Überlingen regelmäßig über den Stand der Dinge in Konstanz informieren und dem Städtehauptmann darüber berichten. Sobald ein weiteres Ausbleiben der Gesandten nicht Šmehr vertretbar erscheint, sollen sie sich zum RT verfügen. Falls sich die RT-Verhandlungen in die Länge ziehen, können einige der Gesandten zur Kostenersparnis bereits früher abreisen, insofern dies ohne Nachteile für die Städte möglich ist. Zu RT-Gesandten der Schwäbischen Bundesstädte wurden gewählt: Dr. Matthäus Neithart (Hauptmann), Ulrich Artzt (Bürgermeister zu Augsburg), Jörg Holzschuher (Bürgermeister zu Nürnberg) und Adam Besserer (Bürgermeister zu Überlingen).
    [3.] Der Memminger Bürgermeister Hans Stöbenhaber erhält den Auftrag, sich zum 14. März (sonntag letare) nach Innsbruck zu verfügen und dort neben anderen Emissären des Bundes den Gff. von Werdenberg gegen Jakob von Landau (kgl. Landvogt in Schwaben) vor dem Tiroler Regiment beizustehen.3 

    Ulm, 6. März 1507 (sampstags vor dem sontag oculi).
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156, unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = Textvorlage A. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.) = B.Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 119, Nr. 2, fol. 109–110’ (Kop.) = C. HStA Stuttgart, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42, unfol. (Kop.).
    Regest (unvollständig): Klüpfel, Urkunden II, S. 1.

    «Nr. 116 Kg. Maximilian an Mgf. Friedrich von Brandenburg-Ansbach »

    Bestätigt den Empfang seiner Bitte, ihm die persönliche Teilnahme am Konstanzer RT zu erlassen.1 Will uns das nit moglichen sein, angesehen das des Hl. Reichs und deutscher nacion ere und wolfart genzlich an diesem tag gelegen ist. Er kann jedoch akzeptieren und hat auch bereits angeordnet, daß sein Sohn Mgf. Kasimir zur Eröffnung des RT nach Konstanz reist. Diesem soll er einige für die RT-Verhandlungen bevollmächtigte Räte zur Seite stellen. Für den Abschluß des RT ist seine persönliche Anwesenheit jedoch unentbehrlich. Er hat auch die auf dem Kölner RT bewilligte Reichshilfe noch nicht geleistet.2 Befiehlt ihm deshalb, ein entsprechendes Kontingent auszurüsten, um auf weitere Aufforderung durch ihn binnen drei Tagen gerüstet nach Konstanz aufbrechen und seinen Sohn ablösen zu können. Denn er, Kg. Maximilian, will von dort aus seinen Romzug antreten.

    Hagenau, 7. März 1507; präs. Plassenburg, 23. März.
    ŠMeiningen, StA, GHA I, Nr. 1701, unfol. (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein).

    «Nr. 117 Instruktion Kg. Maximilians für seine Räte Gf. Ulrich von Montfort, Christoph Schenk von Limpurg (kgl. Vogt zu Nellenburg und Hauptmann des Schwäbischen Bundes), Niklas von Firmian (kgl. Vogt zu Ortenburg und Hofmeister der röm. Kgin.), Wilhelm Marschall von Pappenheim, Dr. Ludwig Vergenhans (Propst zu Stuttgart), Dr. Peter Jakobi (Propst zu Backnang) und Dr. Hans Schad als Gesandte zu den Reichsständen in Konstanz  »

    [1.] Die Gesandten sollen alle auf dem RT eintreffenden Kff., Ff. und andere Stände sowie die ständischen Gesandtschaften empfangen und ihnen mitteilen, daß sie bleiben sollten, bis noch mehr Teilnehmer einträfen. Er wolle seinen Gesandten im Sinne effektiverer und rascherer Verhandlungen unverzüglich eine Instruktion schicken, was sie auf dem RT erledigen sollten.
    [2.] Die Gesandten sollen in Erfahrung bringen, ob reichsständische Emissäre beauftragt sind, die Ankunft der Teilnehmer zu beobachten und darüber nach Hause zu berichten. Diese Emissäre sollen sie veranlassen, ihre Herren persönlich oder durch Schreiben zum baldigen Erscheinen auf dem RT aufzufordern. Kein Reichsstand solle auf den anderen warten, damit die für das Hl. Reich wichtigen Verhandlungen um so rascher vonstatten gehen könnten.
    [3.] Die Gesandten sollen mit Hinblick auf weitere Weisungen an sie über alle Geschehnisse, insbesondere über das Eintreffen der Teilnehmer, ständig Bericht erstatten.1 

    Hagenau, 10. März 1507.2 
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/19, fol. 64–65 (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm. G[abriel Kramer]).

    «Nr. 118 Kg. Maximilian an Hg. Johann II. von Kleve »

    Er erläßt ihm wegen des Geldernkrieges und aus anderen Gründen die persönliche Teilnahme am Konstanzer RT. Doch soll er unverzüglich seine bevollmächtigten Gesandten dorthin abfertigen. Er wird ihn rechtzeitig über seine weiteren Pläne informieren.
    PS. Er soll die Abordnung seiner Gesandten auf keinen Fall verzögern, da ihm viel an diesem RT gelegen ist. Er wird sich auch jetzt persönlich dorthin begeben.

    ŠHagenau, 10. März 1507; präs. Kleve, 7. April.
    Düsseldorf, HStA, Kleve-Mark, Akten 3144, fol. 22–22’ (Or. m. Siegelrest, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein).

    «Nr. 119 Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg an Bürgermeister und Räte der Städte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen »

    Bestätigen den Eingang ihrer Anfrage wegen des RT [Nr. 102, Anm. 1]. Sie wurden ebenfalls dorthin eingeladen. Sie beabsichtigen, Gesandte dorthin abzuordnen, wenn der RT von Kff., Ff. und anderen Reichsständen besucht wird. Sie haben indessen noch keine Kenntnis davon, daß von den Ff. oder vornehmen Ständen bereits jemand in Konstanz wäre. Nach ihren Informationen war der Kg. am 28. Februar (suntag reminiscere) in Straßburg1 und hält sich vielleicht noch in der Gegend auf. Der Kg. soll wiederholt bekundet haben, daß er den RT in Konstanz persönlich besuchen wird und nicht als letzter kommen will. Ob dies geschieht und wann der Tag eröffnet wird, wissen sie aber nicht. Falls der Tag jedoch beginnt und sie eine Gesandtschaft dorthin abordnen, soll diese wunschgemäß Befehl erhalten, ihre Gesandten auf deren Bitte in ihren Angelegenheiten zu unterstützen

    Nürnberg, 11. März 1507 (quinta post oculi).
    Goslar, StdA, Best. B, unverzeichneter Teil, Reichssachen 1506–1510 (alt R.S. 33 – 3658), unfol. (Kop.) = Textvorlage A.Nürnberg, StA, Nürnberger Briefbücher 58, fol. 190–190’ (Kop.) = B.

    «Nr. 120 Mgf. Albrecht IV. von Brandenburg an Kg. Maximilian »

    Bestätigt für den Vortag [17.3.] den Empfang zweier kgl. Schreiben aus Innsbruck vom 21. und 22. Januar [Nr. 8 mit Anm. 3]. Er hat die Briefe in Abwesenheit seines Bruders [Kf. Joachim I.] geöffnet und gelesen. Dieser hat, da er durch wichtige Angelegenheiten am persönlichen Besuch des RT gehindert wird, zu Beginn der Fastenzeit seinen Rat Ritter Eitelwolf vom Stein zum RT abgeordnet und bevollmächtigt, gemeinsam mit den anderen Kff., Ff. und Ständen des Reiches zu beraten und zu beschließen. Er wird seinem Bruder die kgl. Schreiben nach dessen Rückkehr vortragen.

    s.l., 18. März 1507 (donrstag nach Gertruden).
    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Fasz. 2 M, fol. 6 (Konz.).

    «Nr. 121 Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt an Bürgermeister und Räte der Städte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen »

    Informieren sie auf ihre Anfrage [Nr. 102] über Mitteilungen der Stadt Konstanz [Nr. 114]. Sie wissen nicht, wann der RT eröffnet wird, zumal sich nach ihrer Kenntnis derzeit Šnoch keine Reichsstände in Konstanz aufhalten. Die Frankfurter RT-Gesandten erhalten Weisung, ihren Vertretern beizustehen – agemeinsam mit den Emissären anderer Städte, die sie sicherlich auch in ihrer Angelegenheit angeschrieben haben-a.1 

    Frankfurt, 18. März 1507 (dornstags nach letare).
    Nordhausen, StdA, I. Abt., Nr. X 29a, unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 10 (Konz.) = B. Goslar, StdA, Best. B, unverzeichneter Teil, Reichssachen 1506–1510 [alt R.S. 34/3667], unfol. (Kop).

    «Nr. 122 Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz an Niklas Ziegler (oberster kgl. Sekretär) »

    Da die Stände zum Teil bereits zum RT anreisen, machten sie den Reichsmarschall Wilhelm von Pappenheim darauf aufmerksam, daß niemand in Konstanz ist, der sich um die Herbergen kümmert, damit ain jeder nach seinem stat gelegt und dannocht kgl. Mt. ir furgenommene quartier behalten wurd. Pappenheim bat daraufhin darum, ihm einen Boten für die Zustellung seines Schreibens an den röm. Kg. wegen dieser und anderer Angelegenheiten zur Verfügung zu stellen. Dieser Bitte sind sie nachgekommen. Ersuchen ihn, sich ebenfalls beim Kg. dafür einzusetzen, daß jemand zu ihnen geschickt wird, der jetlichen nach rechter ordnung und wie sich gezimpt, unterbringt. Bitten ihn außerdem, sich beim röm. Kg. im Sinne ihres Schreibens an diesen1 einzusetzen.

    Konstanz, 19. März 1507.
    Konstanz, StdA, B II, Bd. 28, fol. 18 (Konz.).

    «Nr. 123 Reichserbmarschall Wilhelm von Pappenheim an Kg. Maximilian »

    [1.] Er ist am 18. März (dornstag nächst vor judica) in Konstanz eingetroffen und hat am nächsten Morgen [19.3.] von Niklas von Firmian, dem Hofmeister der röm. Kgin., und anschließend vom Rat der Stadt Konstanz laut beiliegendem Verzeichnis1 erfahren, welche ständischen Emissäre bereits in Konstanz anwesend sind und Herbergen bestellt haben. Es ist aber sonst noch niemand da.
    [2.] Der Rat der Stadt beschwert sich darüber, daß niemand die Zuweisung der Herbergen übernommen habe; man wisse auch nicht, wie sie jeden Teilnehmer am RT standesgemäß unterbringen und zugleich die Interessen des Kg. wahren sollten, der ihrer Kenntnis nach für sein Hofgesinde etliche Quartiere in der Stadt belegt habe. Der Rat Šder Stadt bat ihn deshalb um seine Hilfe, um nicht den Undank des Kg. oder der Stände gewärtigen zu müssen.
    Bittet, dem Hofmeister und ihm diesbezügliche Weisungen zur Mitteilung an die Stadt Konstanz zu geben.
    [3.] Er hatte die Absicht, einen Boten zu den Fürsten von Sachsen nach Coburg zu schicken und diese aufzufordern, sich so rasch wie möglich zum RT zu verfügen. Doch wollte er zuerst seine, des Kg., Meinung diesbezüglich in Erfahrung zu bringen. Er hat keinen Zweifel, daß sich diese Fürsten einer Aufforderung durch den Kg. gehorsam erzeigen werden.

    [Konstanz], 20. März 1507 (sambstag vor judica).2
    Weimar, HStA, Reg. E, Nr. 54, fol. 2–2’ (Kop. mit Verm. Hd. J.J. Müller).

    «Nr. 124 Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz an die Stadt Überlingen »

    Sie batena, informiert zu werden, sobald die RT-Teilnehmer anzureisen beginnen.1 Teilen ihnen mit, daß der Reichserbmarschall Wilhelm von Pappenheim sowie die Gesandten des Ebf. von Mainz und Mgf. Friedrichs von Brandenburg bereits ihre Quartiere bezogen haben. Für den Ebf. mit einem Gefolge von 100 Pferden wurden Herbergen reserviert. Pappenheim teilte dem Kg. aufgrund ihrer Angaben schriftlich mit, welche Stände bereits Herbergen bestellt haben [Nr. 123]. Sie haben diesem auch die von ihnenb benannten Überlinger Gesandten gemeldet.

    Konstanz, 20. März 1507.
    Konstanz, StdA, B II, Bd. 28, fol. 19’ (Konz.).

    «Nr. 125 Mgf. Friedrich von Brandenburg-Ansbach an Gf. Wilhelm von Henneberg-Schleusingen »

    Erinnert an seine vorige Antwort auf die Anfrage des Gf. [Nr. 109 mit Anm. 1] wegen einer gemeinsamen Reise nach Konstanz. Er hat heute ein Schreiben des Kg. [Nr. 116] erhalten, das er ihm in Abschrift zusendet.
    Falls er immer noch gewillt ist, am Romzug teilzunehmen, wird er gerne mit ihm gemeinsam ziehen. Er hat sich bereits mit dem Bf. von Bamberg über einen gemeinsamen Verband verständigt und diesen gebeten, sich deshalb auch an den Bf. von Würzburg zu wenden. Und nachdem wier alle Franken sint, das wier unß vereinigten, ein farb miteinander zu furen1, ouch aufeinander seen, het[ten] wier alle ein starken zeug und mochten ein gut geschrey erlangen. Bittet um Antwort.

    ŠPlassenburg, 23. März 1507 (dinstdag nach dem sondag judica).
    Meiningen, StA, GHA I, Nr. 1701, unfol. (Or. m. S.).

    «Nr. 126 Vollmacht Hg. Heinrichs V. von Mecklenburg für Hg. Albrecht VII. von Mecklenburg zur Teilnahme am RT »

    Er kann wegen des Todes Hg. Balthasars und aus anderen schwerwiegenden Gründen nicht persönlich an dem kurz nach Ostern beginnenden Konstanzer RT teilnehmen. Da er jedoch gegenüber dem Kg. nicht als ungehorsam gelten will, bittet er ihn [als seinen jüngeren Bruder], in seinem Namen den RT zu besuchen und, was darselbst durch röm. kgl. Mt., Kff., Ff. und Hh. vorgenomen, gehandelt und beslossen wirt, darein von unsern wegen auch volkomlich, volstendig bewilligen unde consentirn, wozu er ihn hiermit bevollmächtigt.

    [Groß] Eichsen (Exzen), 24. März 1507.
    Schwerin, LHA, 2.11–1/3 RTA I/1, Nr. 18, Fasz. 1, unfol. (4 wörtlich übereinstimmende Kopien).

    «Nr. 127 Matthäus Neithart an Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg »

    Bestätigt den Empfang der Abschrift des kgl. RT-Ausschreibens [Nr. 5]. Der Stadt Ulm ging ein entsprechendes Ausschreiben zu. Er hat dies Ulrich Artzt mitgeteilt, der mit ihm und anderen als Gesandter der Schwäbischen Bundesstädte nach Konstanz abgeordnet ist. Er hat auch Adam Besserer (Bürgermeister zu Überlingen) schriftlich um Mitteilung gebeten, sobald der röm. Kg. in Konstanz eintrifft oder in die Nähe der Stadt kommt, damit sich die Deputierten unverzüglich auf den Weg machen können. Artzt hat sie, die Adressaten, sicherlich inzwischen darüber informiert. Seiner Meinung nach muß der größte Teil der zum RT geladenen Stände bei der Anreise Augsburg und Ulm passieren.

    [Ulm], 26. März 1507 (freytags vor palmarum).
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez.), unfol. (Or. m. S.).

    «Nr. 128 Weisung Kg. Maximilians an Gf. Eitelfriedrich von Zollern, Stadt Überlingen u.a.1 »

    Er hat Nachricht erhalten, daß in der Umgebung von Konstanz und auf dem Weg dorthin das Räuberunwesen überhandnimmt und die öffentlichen Straßen infolgedessen unsicher sind. Er ist nicht gewillt, dies zu akzeptieren. Befiehlt ihm/ihnen deshalb, auf den Šunter seiner/ihrer Verwaltung stehenden Straßen Reiterpatrouillen einzusetzen und diesen Mißstand abzustellen. Gestellte Übeltäter sind gefangenzunehmen; es ist, wie sich gebührt, gegen sie zu verfahren.

    Straßburg, 27./28. März 1507.
    27.3.: Karlsruhe, GLA, D 1107a (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Überlingen) = Textvorlage A.
    28.3.: Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/296, unfol. (Konz. mit Registraturverm. G[abriel Kramer], Adressat: Gf. Zollern) = B.
    Druck: Roth v. Schreckenstein, Geschichte, S. 272.

    «Nr. 129 Bericht Peters von Aufseß (Würzburger Domherr) an Bf. Lorenz von Würzburg »

    [1.] Er ist am Vortag [28.3.] in Konstanz angekommen. In Anbetracht der Mitteilung Gf. [Eitelfriedrichs von] Zollern, daß noch nicht verhandelt werde, hat er sich nicht beeilt. Sowie Friedrich Schenk [von Limpurg] und er eingetroffen waren, wurden sie für heute zur bfl. Pfalz in den Rat beschieden. Dort traten im Namen des Kg. dessen Räte Gf. Ulrich von Montfort, Christoph Schenk von Limpurg und der Hofmeister Niklas von Firmian auf und teilten den Versammelten – für Kurmainz: Dr. Küchenmeister; für Kurtrier der Offizial zu Koblenz1; für [Kur-]Sachsen: Eukarius von Rosenau; für Bamberg: Friedrich Schenk [von Limpurg]; für Würzburg: er selbst; für Mgf. Friedrich von Brandenburg: der Abt von Auhausen [Georg Truchseß von Wetzhausen] und der mgfl. Kanzler [Theobald von Heimkofen, genannt] Rennwarth, der sich jedoch jetzt in Einsiedeln aufhält; für Württemberg: [Georg] Vergenhans (Propst von Göppingen) – folgendes mit: Der Kg. habe ihnen, seinen Vertretern, einen an die Versammlung gerichteten Kredenzbrief und eine Instruktion [Nr. 117] für einen Vortrag an sie zugeschickt. Er danke für ihr Erscheinen als Vertreter ihrer Herren und fordere sie auf, nicht mehr abzureisen, sondern in Konstanz zu bleiben. Der Kg. erwarte, daß in Kürze ihre Herren und andere Kff., Ff. und Stände des Reiches persönlich einträfen. Auch sei er entschlossen, selbst so rasch wie möglich anzureisen. Bis dahin sei aus der Instruktion zu ersehen, was zu tun sei. Die Gesandten, die Befehl hätten, in Erfahrung zu bringen, wann der RT eröffnet und der Kg. kommen werde, sollten an ihre Herren schreiben und sie ermahnen, sich durch nichts von der Reise zum RT abhalten zu lassen und auch nicht auf andere Stände zu warten.
    [2.] Sie antworteten nach einer kurzen Unterredung, daß sie von ihren Herrschaften nach Konstanz abgefertigt worden seien, um dem Kg. Gehorsam zu erzeigen. Sie wollten also dem kgl. Wunsch willfahren und entsprechend nach Hause schreiben. Also sind wir desmals als des ersten zusamenkomens eines Reichs tags voneinander geschiden. 
    [3.] Dr. Eitelwolf vom Stein ist als Vertreter Kurbrandenburgs hier, hält sich aber derzeit auch in Einsiedeln auf. Die röm. Kgin. befindet sich in Konstanz, und sonst nyemands frembds. Angeblich wird die Kgin. nach Ostern wieder abreisen. Es heißt, daß der Kg. danach kommen werde.
    Š[4.] Er geht nicht davon aus, daß ihm, dem Bf., seit seiner Abreise ein Schreiben mit der Aufforderung zugegangen sei, persönlich zum RT zu kommen, es sei denn Wilhelm von Bibra hätte inzwischen ein solches überbracht. Er ist der Meinung, dieser von den kgl. Räten vorgetragene Wunsch entspreche dem üblichen Verfahren und habe nichts weiter zu bedeuten. Ein Fernbleiben des Bf. wäre sicherlich zu rechtfertigen. Sobald er dazu weiteres erfährt, wird er dies mitteilen.

    Konstanz, 29. März 1507 (montag nach dem hl. palmtag).
    Würzburg, StA, WRTA 4, fol. 30–31’ (Or., Verm.: In seiner Gn. hand.).

    «Nr. 130 Lgf. Wilhelm II. von Hessen an Hg. Heinrich d. Ä. von Braunschweig-Wolfenbüttel »

    Teilt auf dessen Anfrage mit, daß er seine Räte am 5. April (montag nach dem hl. ostertag) von Kassel aus nach Konstanz abfertigen wird. Die voraussichtliche Reiseroute führt über Worms und Speyer, durch die Mgft. Baden und über den Schwarzwald nach Überlingen.

    Kassel, 29. März 1507 (montags nach palmarum). 
    Marburg, StA, Best. 2, Nr. 142, Fasz. 28, unfol. (Kop.).

    «Nr. 131 Weisung Kg. Maximilians an das Regiment und die Raitkammer zu Innsbruck »

    Er beabsichtigt, auf dem RT in Konstanz eine Seelenmesse für seinen verstorbenen Sohn Kg. Philipp abhalten zu lassen. Befiehlt ihnen, ihm für 400 fl. schwarzes Loferer Tuch von Innsbruck nach Konstanz zu schicken. Sie sollen außerdem für diesen Anlaß den kgl. Hofmaler Jörg Kölderer beauftragen, Schilde mit den Wappen der von Kg. Philipp regierten Länder zu malen, und diese ebenfalls nach Konstanz schicken.1
    [PS] Und das darunder sein vier gar costlich grosse wappen, dreyssig mittelmessig zü den altarn und die andern gemaine wappen zü den kerzen. Sie sollen dies auf keinen Fall unterlassen; wir wellen euch auch solichs in den stat unsers regiments zu Insprugk schreyben und passirn.2

    ŠStraßburg, 29. März 1507.
    Innsbruck, TLA, Oberösterreichische Kammer-Kopialbücher, Bd. 33, fol. 111–111’ (Kop. mit Nachweis über Gegenz. J. Villinger).
    Regest: Schönherr, Urkunden, S. XXVIII, Nr. 829.

    «Nr. 132 Weisung Kg. Maximilians an Reichserbmarschall Wilhelm von Pappenheim (kgl. Rat) »

    Bestätigt den Empfang seines Schreibens aus Konstanz [Nr. 123]. Teilt auf seine Anfrage mit, daß er den kgl. Türhüter Sebastian Strasser und den kgl. Furier Reinprecht mit Anweisungen für die Beschaffung und Aufteilung der Herbergen nach Konstanz abgefertigt hat. Befiehlt ihm, diesen auf ihre Bitte hin behilflich zu sein. Befiehlt ihm weiter, den Boten zu Kf. [Friedrich] und zu Hg. [Johann] von Sachsen abzufertigen und ihnen, wie in seinem Bericht mitgeteilt, zu schreiben.

    Straßburg, 30. März 1507; präs. Konstanz, 6. April. 
    Weimar, HStA, Reg. E, Nr. 54, fol. 4–4’ (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein).

    «Nr. 133 Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    [Verhandlungen Toplers über Privilegien für Nürnberg; Nr. 97, Anm. 1. Verhandlungen über die Restitution Kf. Philipps von der Pfalz; Nr. 56]. Man druckt jetzt neue Ausschreiben, die überall in das Reich ausgehen werden. Der Termin wird verlängert. Der Kg. hat gestern den Kammermeister [Balthasar Wolf von Wolfsthal] und Ernst von Welden mit Instruktion an die Hgg. von Sachsen, den Lgf. von Hessen und die anderen in der Region beheimateten Ff. entsandt, um sie zum Erscheinen auf dem RT aufzufordern.1 Er erwartet, daß die Gesandten nicht vor dem 3. Juni (corporis Christi) zurück sein werden. Deshalb bezweifelt er, daß der Konstanzer RT vor dem 25. Juli (Jacobi) beginnen kann. Der Kg. versichert, daß er persönlich zum RT kommen werde und deshalb auch auf die Reise in die Niederlande verzichte. Er kann ihnen dennoch keine zuverlässigen Nachrichten senden, da sich unsere anschleg täglich ändern. Der Kg. hat sich sehr verändert, er ist viel allein und läßt die Leute nicht mehr zu sich. Er wird verdrießlich, und am Hof wird wenig ausgerichtet. [Streit zwischen Hg. Albrecht von Bayern und Pfgf. Friedrich um das niederbayerische Erbe; Nr. 78].

    Straßburg, 31. März 1507 (mittichen in der hl. wochen)
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, A-Laden-Akten 83, Nr. 10, unfol. (eh. Or. m. S.).

    «ŠNr. 134 Reichserbmarschall Wilhelm von Pappenheim an Kf. Friedrich III. und Hg. Johann von Sachsen »

    Er hat vor einigen Tagen gemäß beiliegender Kopie an den röm. Kg. geschrieben [Nr. 123], woraufhin ihm der Kg. laut ebenfalls beiliegender Abschrift des heute eingegangenen Schreibens [Nr. 132] geantwortet hat. Dies wollte er mitteilen, mich zu derselben dinsten in aller undertänigkait willig und geflissen als ain guter, alter Sachs zu halten.

    [Konstanz], 6. April 1507 (aftermontag in den osterfeirn)
    Weimar, HStA, Reg. E, Nr. 54, fol. 5–5’ (Or.).

    «Nr. 135 Vollmacht Lgf. Wilhelms II. von Hessen für Gesandte zum RT »

    Er kann zu seinem Bedauern der ihm zugegangenen und mit eren und wirden, als sich gezympt, empfangenen kgl. Ladung zum Konstanzer RT wegen seines schlechten Gesundheitszustandes und aus anderen wichtigen Gründen nicht persönlich Folge leisten. Er bevollmächtigt deshalb Sittich d. Ä. von Berlepsch, Erbkämmerer zu Hessen, und Jost von Baumbach1, um in seinem Namen beneben andern Kff., Ff. und stenden des Hl. Reichs ze raten helfen und zu handeln [...] alles, das röm. kgl. Mt., dem Hl. Reich, teutscher nation und gemeiner cristenheit zu eren, aufnemen und nutz dienen und reichen soll und mag, auch zu behalten derselben gerechtigkeyt und freyheyt. Erteilt den beiden Räten hiermit entsprechende Vollmacht.

    Kassel, 6. April 1507 (dinstag [in] der hl. osterwochen). 
    Marburg, StA, K 13, fol. 244’-245 (Kop.).
    Regest: Demandt, Schriftgut III/3, Nr. 1653, S. 89.

    «Nr. 136 Beschlüsse des Bamberger Domkapitels »

    Am 8. April (donerstag in der osterwochen) wurde auf Bitte Bf. Georgs von Bamberg Alexander von Rabenstein Erlaubnis zur Absenz erteilt, um mit dem Bf. zum RT reiten zu können. Rabenstein legte den üblichen Eid ab. Als Statthalter für die Dauer seiner Abwesenheit hat der Bf. am 9. April (freitags in der osterwochen) benannt: den Dekan1, ŠWilhelm Schenk [von Limpurg], Christoph von Thunfeld, Werner von Aufseß, Johann Frh. von Schwarzenberg, Eberhard Fortsch, Erasmus Zollner und Hans Braun.
    Leonhard von Egloffstein erhielt am 5. Mai (mitwochen darnach [= nach inventionis sanctae crucis]) auf ein Schreiben des Bf. [Nr. 139] hin die Erlaubnis zur Absenz, als wer er hie und volbrecht sein residenz, um zum Bf. zu reisen und mit dem röm. Kg. über die neue Belastung für die Bergwerke in Kärnten und über die Angelegenheit Wolf Gotzmanns zu verhandeln wie auch sonst die Angelegenheiten des Stifts zu vertreten. Am 11. Mai (dinstags nach vocem jocunditatis) schwor Egloffstein wegen seiner Absenz auf dem RT zu Konstanz den üblichen Eid.

    Bamberg, 8./9. April, 5. Mai 1507.
    Bamberg, StA, B 86, Nr. 2, fol. 34’-36’ passim (Reinschr.).

    «Nr. 137 Anton Tucher d. Ä. an Kf. Friedrich III. von Sachsen »

    Eine vertrauenswürdige Person teilte ihm in einem am Vortag [11.4.] eingegangenen Schreiben aus Konstanz vom 5. April (montag in den osterfeiern)1 mit, in welcher Weise sich der röm. Kg. gegenüber den Eidgenossen geäußert hat. Eine Abschrift liegt bei.2 Laut dem Schreiben sind der Ebf. von Magdeburg3 und der Hg. von Württemberg am 5. April (ostermontags) in Konstanz eingetroffen. Man warte auf die Ankunft des Kg. Dieser habe sich an diesem Tag unweit von Freiburg aufgehalten und werde innerhalb der nächsten acht Tage in Konstanz erwartet. Dort hätten bereits viele andere Ff. und Hh. Herbergen bestellt. Von anderer Seite hat er erfahren, daß der Bf. von Augsburg in der vergangenen Woche aufgebrochen4 und auf dem Weg nach Konstanz befindlich sei. Hier heißt es, die Bff. von Bamberg und Würzburg würden ebenfalls in Kürze zum Kg. abreisen. Er hofft, daß die Verhandlungen dem Wohl des Hl. Reiches dienen werden.

    [Nürnberg], 12. April 1507 (montag nach quasimodogeniti)
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 59, fol. 17–17’ (Kop.).
    Druck: Westphal, Korrespondenz, Nr. 84, S. 293.

    «ŠNr. 138 Hg. Albrecht IV. von Bayern an Kg. Maximilian/Kredenzbrief für Gesandte zum RT »

    Er kann der kgl. Einladung, persönlich zum RT nach Konstanz zu kommen, wegen wichtiger, dem Kg. bekannter Angelegenheiten seines Fürstentums nicht nachkommen. Er entsendet deshalb seine Räte Lic. Georg Eisenreich (Dechant zu St. Peter/München und Propst zu St. Peter am Madron) und Johannes von Emershofen (Pfleger zu Aichach) als Gesandte zum RT, die ihn wegen seines Fernbleibens beim Kg. sowie Kff., Ff. und Ständen des Reichs entschuldigen und in seinem Namen an den Verhandlungen des RT teilnehmen werden. Er bittet, diesen Glauben zu schenken und sie an seiner Stelle zum RT zuzulassen.

    s.l., s.d., jedoch wohl Augsburg, 24. April 1507, oder kurz danach.
    München, HStA, KÄA 3136, [nach fol. 230] (Konz.).

    «Nr. 139 Bf. Georg von Bamberg an Domdechant Georg Stiebar und Domkapitel des Hst. Bamberg »

    Er hat ihnen vor seiner Abreise aus Bamberg eröffnet, wie wir aus unsers allergnst. H., des röm. Kg., ernstlichen und hohen gescheften in aigner persone uf yetzigem furgenomen und außgeschrieben irer Mt. reichstage alhie zu Costenz erscheynen mussen und in unsers stifts merklichen notsachen bey irer Mt. zu handeln haben. Er hat zu diesem Zweck um die Erlaubnis zur Mitnahme Dr. Leonhards von Egloffstein ersucht, was sie jedoch abgelehnt haben. Er benötigt Egloffstein jedoch hier in Konstanz für die Angelegenheiten des Hochstifts. Die kgl. Amtleute und Bergrichter in Kärnten beeinträchtigen die bfl. Bergwerksrechte. Zwar hat der bfl. Viztum in Kärnten, Bernhard von Schaumberg, in dieser Angelegenheit mit kgl. Räten verhandelt und war zuversichtlich hinsichtlich eines positiven Ergebnisses. Durch Intrigen von eigennützigen Personen im Umfeld des Kg. wurde jedoch ein Tag vor dem Innsbrucker Regiment anberaumt.1 Da nach seinen Informationen die Innsbrucker Regenten in dieser Angelegenheit auch eigene Interessen vertreten, ist von diesem Tag für das Stift nichts Gutes zu erwarten. Sie werden die Beweisführung über die bfl. Rechte nicht akzeptieren und dem Kg. ein Urteil nach ihrem Gutdünken zusenden. Deshalb muß hier mit dem Kg. verhandelt und diesem die Rechtslage verdeutlicht werden. Ihm wurden beglaubigte Abschriften der bfl. Privilegien nachgeschickt. Da diese teilweise in Latein geschrieben sind, benötigt er einen gelehrten Rat. Fremden, nicht dem Stift angehörigen Personen kann er in dieser Sache nicht vertrauen.
    Weiterhin hat der röm. Kg. wegen des alten Streits von Wolf Gotzmann mit einigen seiner Vorgänger auf dem Bischofsstuhl2 Verhandlungen anberaumt und angekündigt, selbst in Šdieser Angelegenheit tätig werden zu wollen. Egloffstein hat wegen Gotzmann schon früher vor dem Innsbrucker Regiment und anderweitig verhandelt. Und schließlich ist dem Stift viel an seinen Geroldsecker Lehen und Schuttern, wie auch an anderen zu verhandelnden Materien, gelegen. Er kann deshalb Egloffstein nicht entbehren. Bittet sie, diesem Urlaub zu genehmigen und ihn von seiner Residenzpflicht zu dispensieren. Anderen Domherren wurde dies bereits in weniger dringlichen Angelegenheiten gewährt. Diese Sachen sind jedoch wichtig, und wir geschickt leute darzu notturftig sind, der wir dieser zeit nit bey uns und ander mit iren selbst gescheften genug zu tun haben.

    Konstanz, 28. April 1507 (mittwochen nach jubilate).
    Bamberg, StA, B 31b, Nr. 4b, fol. 14–14’ (Or. m. S.).

    «Nr. 140 Weisung Kg. Maximilians an Regiment und Raitkammer zu Innsbruck »

    Befiehlt, ihm unverzüglich die bei ihnen verwahrte Goldene Bulle samt beiliegendem Schriftstück durch den Kammerschreiber Jörg Kirchmüller zuzusenden.1

    Konstanz, 30. April 1507; präs. Innsbruck, 8. Mai.
    Innsbruck, TLA, Oberösterreichische Kammer-Kopialbücher, Bd. 33, fol. 137’ (Kop. mit Nachweis über Gegenz. Serntein).

    «Nr. 141 Ebf. Leonhard von Salzburg an Zyprian von Serntein »

    [1.] Verweist auf sein beiliegendes erneutes Schreiben an Kg. Maximilian1, daz wir aus merklicher eehaft und blodigkait unsers leibs, nachdem uns ain fluss in ain pain gesessen ist, daz wir nit wol geen noch reiten mugen und allain auf ainem wagen, und dannoch in die ferr diser zeit auch nit wol komen mochten; und daz uns auch, als du waist, von Maidburg und andern in der session auf den reichstagen irrung beschicht2, deshalben unserm stift nachtailig, auch uns schimpflich wer, uns an der herberg und ausserhalb versamlung unser herrn und frund, der Kff. und Ff., in solher irrung zu enthalten. Er bittet den Kg. deshalb, sein Fernbleiben vom RT zu entschuldigen.
    Š[2.] Er soll sich dafür einsetzen, daß der Kg. ihn deshalb nicht weiter behelligt, und ggf. auch gegenüber den Ständen die Gründe für sein Fernbleiben darlegen. Er hat Andreas von Trauttmansdorff (Domherr zu Salzburg) als bevollmächtigten Gesandten zum RT abgeordnet. Er soll gegenüber dem Kg. erklären, daß er, der Ebf., sich bislang immer gehorsam erzeigt habe und dies auch künftig so halten werde.

    Salzburg, 30. April 1507.
    Wien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 125–125’ (Or., ex.-Verm. bei der Adresse).

    «Nr. 142 Weisung Kg. Maximilians an Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach »

    Befiehlt ihm bzw. in dessen Abwesenheit seinen Reitern in Hüfingen, sich am 6. Mai (phintztag) um 14.00 Uhr im Dorf Aldingen (Altingen) einzufinden, um von dort gemeinsam mit ihm nach Rottweil zu reiten.1 

    Tuttlingen, 4. Mai 1507. 
    Nürnberg, StA, Fm. Ansbach, Kriegsakten, Nr. 3, fol. 43–43’ (Or., Verm. amdrp., Gegenz. M. Treitzsaurwein).

    «Nr. 143 Werner Holzsattel (ebfl. Kölner Diener) und Johann Heinrich von Schmalkalden (Dechant zu Bonn, ebfl. Kölner Sekretär) an Zyprian von Serntein »

    Antworten auf die Weisung des Kg. und Sernteins an Holzsattel, sich in der bewußten Angelegenheit1 nach Konstanz zu verfügen: Sie bemühen sich darum, in dieser Sache einen gütlichen Bescheid zu erlangen, den sie stündlich erwarten. Sobald dieser erfolgt ist, wird er, Holzsattel, unverzüglich nach Konstanz aufbrechen. Er ist zuversichtlich, in den Pfingstfeiertagen [nach dem 23.5.] abreisen zu können. Bitten ihn, über die Angelegenheit mit dem Kg. zu sprechen.

    Brühl, 10. Mai 1507 (mantag nach dem suntag vocem jocunditatis). 
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/V, fol. 17–17’ (Or., Postverm.: In sin hant.).

    «Nr. 144 Ebf. Hermann von Köln an Gf. Wilhelm von Henneberg-Schleusingen »

    Er hat seine schriftliche Bitte, Johann Heinrich von Schmalkalden (Dechant zu Bonn) mit auf seine Reise zum röm. Kg. nehmen zu dürfen, erhalten, muß ihm jedoch mitteilen, daß Schmalkalden und andere ebfl. Räte bereits beauftragt wurden, in Angelegenheiten von Ebf. und Stift zum Kg. zu ziehen. Die Emissäre werden am kommenden Samstag [29.5.] von Bonn nach Konstanz abreisen. Er hat Schmalkalden jedoch die Weisung erteilt, ihm in seinen Angelegenheiten am kgl. Hof behilflich zu sein.

    Brühl, 24. Mai 1507 (montag nach dem hl. phingstagen). 
    Meiningen, StA, GHA I, Nr. 3555, unfol. (Or.).

    «ŠNr. 145 Kg. Maximilian an Hg. Johann II. von Kleve (entsprechend an Mgf. Christoph I. von Baden) »

    Er hat ihm auf seine Bitte hin die persönliche Teilnahme am RT erlassen, dafür jedoch die Abordnung bevollmächtigter Gesandter gefordert [Nr. 118]. Dies ist bislang unterblieben, was ihm und den hier versammelten Ständen zur Beschwerde gereicht, angesehen, daz a-du nit das wenigist glid des Hl. Reichs bist und-a an den sachen, so auf disen Reichs tag zu handlen sein, uns, dem Hl. Reiche, gemainer cristenheit und deutscher nation merklich und vil gelegen ist. Befiehlt ihm deshalb erneut, seine Gesandten unverzüglich zum RT abzuordnen, um mit ihm und den Reichsständen über die erwähnten Angelegenheiten Beschlüsse zu fassen. Dies ist er dem Kg., dem Hl. Reich, der Christenheit und sich selbst schuldig.

    Konstanz, 29. Mai 1507; präs. Kleve, 15. Juni (ipso die Viti et Modesti).
    Düsseldorf, HStA, Kleve-Mark, Akten 3144, fol. 23–23’ (Or. m. Siegelrest, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/19, fol. 75–75’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm. G[abriel Kramer]) = B.

    «Nr. 146 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen »

    Kündigt für den kommenden Samstag [5.6.] seine Ankunft in Nördlingen an. Bittet um Unterbringung in dem gewöhnlich vom röm. Kg. genutzten Haus.1 

    Nürnberg, 3. Juni 1507 (dornstag des hl. fronleichnams tag).2 
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507, fol. 130–130’ (Or. m. S.).

    «Nr. 147 Kf. Friedrich III. von Sachsen an Kg. Maximilian »

    Die schriftliche Aufforderung, sich so rasch wie möglich zu ihm, dem Kg., zu verfügen1, ist ihm am heutigen Montagabend zugegangen. Er will seine Reise beschleunigen, so daß er spätestens am 12. Juni (komenden sambstag) in Konstanz eintreffen wird.

    Giengen, 7. Juni 1507.
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 4–4’ (Or.).

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

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    Anmerkungen

    1
     Kgl. Gesandte hatten zuletzt auf einem Schwäbischen Bundestag in Donauwörth Ende August 1506 beantragt, für den Fall eines feindlichen Angriffes während des kgl. Romzuges Vorkehrungen zu treffen. Die Versammlung griff in ihrer Antwort am 31.8. den instruktionsgemäßen Hinweis der Gesandten auf, daß diese Angelegenheit das ganze Reich angehe, und erklärte, daß nur ein gemeinsamer Beschluß aller Reichsstände den frz. Kg. und die Eidgenossen wirkungsvoll abschrecken könne. Man erinnerte auch an die von ständischer Seite geübte Kritik am Alleingang des Schwäbischen Bundes im Schweizerkrieg. Da Kg. Maximilian gemäß der Ankündigung seiner Gesandten ohnehin möglichst bald einen RT einberufen wollte, schlugen die Bundesstände vor, sein Anliegen dort vorzubringen, und sagten die Unterstützung durch ihre Gesandten zu. Gleichzeitig wurde die auf dem Ulmer Bundestag gemachte Hilfszusage [Nr. 3, Anm. 1] erneuert (Schwäbischer Bundesabschied, Kop. Donauwörth, montag nach St. Bartholomäus; HStA München, KÄA 2013, fol. 193–196’, hier fol. 193’-194’; HStA Stuttgart, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42).
    1
     Gesandte Kg. Maximilians baten auf dem Schwäbischen Bundestag in Ulm gegen Ende Juli 1506 um Bundeshilfe für den Fall, daß die Erbländer, das Reich oder Bundesmitglieder während des geplanten Romzuges angegriffen würden, um den Kg. von seinem Unternehmen abzubringen. Sie eröffneten außerdem ihren Auftrag, diesbezüglich auch bei der Niederen Vereinigung (vgl. Matzinger, Geschichte II; Mertens, Reich, S. 222–229) vorstellig zu werden. Die versammelten Stände sagten für den Fall eines Angriffes auf die Erblande ihre Hilfe gemäß der Bundesordnung zu, bekundeten aber auch ihre Erwartung, daß die übrigen Reichsstände im Verteidigungsfalle ebenfalls Hilfe leisten würden (Schwäbischer Bundesabschied, Kop. Ulm, St. Jacobs tag im schnit [25.7.]1506; HStA München, KÄA 2013, fol. 191–192; StdA Augsburg, Lit. 1505–1507, Fasz. [14] Schwäbischer Bund (Jan.-Okt. 1506), unfol.; HStA Stuttgart, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42. Knappes Regest: Klüpfel, Urkunden I, S. 552f.).
    2
     Siehe Nr. 2, Anm. 1.
    3
     Gemäß Carl (Bund, S. 458f.) ist dies so nicht richtig.
    1
     Ein Archivarsvermerk datiert das Stück auf den 23.10. An diesem Tag erhielt Kg. Maximilian die Nachricht vom Tod seines Sohnes Philipp (Wiesflecker, Maximilian III, S. 304; Hollegger, Maximilian, S. 167; Krendl, Verhandlungen, S. 220). Richtiger ist wohl: um den 23.10. Der Entwurf entstand schon vom Schriftbild her zweifellos mit Unterbrechungen.
    2
     Beschluß des Kölner RT zur Bewilligung einer einjährigen Ungarnhilfe von 4000 Mann (RAb vom 31.7.1505; Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 366, hier S. 526f., Pkt. 3).
    3
     Schreiben Kg. Maximilians an die in Ofen versammelten ungarischen Stände vom 18.4.1506 (Szalay, Geschichte III/2, S. 123f.; Fessler, Geschichte III, S. 280; Fuchs, König, S. 155; Leipold, Ostpolitik, S. 208; Wiesflecker, Maximilian III, S. 329).
    4
     Resolution Kg. Maximilians an die auf dem Kölner RT versammelten Stände vom 24.7.1505 (Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 358, S. 500f., Pkt. 2); Mitteilung des Straßburger Gesandten Ott Sturm über den kgl. Vortrag (ebd. 2, Nr. 756, S. 1072).
    5
     Vertrag von Hagenau, 4.4.1505 (Regest: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 75, S. 222–226); Beeidigung durch Kg. Maximilian und Kg. Philipp von Kastilien, Hagenau, 4.4.1505 (ebd., Nr. 77, S. 227); Garantieerklärung Kg. Maximilians, Hagenau, 9.4.1505 (ebd., Nr. 90, S. 243f.).
    6
     Mit Ausnahme von Maximilian I. und seinem Sohn Philipp waren keine Monarchen in Hagenau anwesend. Vgl. Wiesflecker, Maximilian III, S. 135–139.
    7
     Anwesend waren als Gesandte kgl. Häuser die französische Delegation (z. B. Bericht der venezianischen Gesandten vom 1.4.1505; Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 72, S. 219) und der spanische Gesandte Pedro de Ayala (Bericht der venezianischen Gesandten vom 31.3.1505; ebd., Nr. 71, S. 218, Pkt. 2. Wiesflecker, Maximilian III, S. 136).
    8
     Gemeint sind der päpstliche Legat Mariano de Bartolini (z. B. Weisung Papst Julius’ II. an Bartolini vom 16.4.1505; Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 317, S. 428) und der frz. Delegationsführer Kardinal George d’Amboise, Legat des Hl. Stuhls in Frankreich (Wiesflecker, Maximilian III, S. 136).
    9
     Als einziger Kf. war Ebf. Jakob von Trier auf dem Hagenauer Tag anwesend. Zu dessen Aufenthalt in Hagenau: Heil, RTA-MR VIII/1, S. 215–222 passim, 227f., 233, 236, 239, 245–247, 251).
    10
     Gemeint ist der zwischen Philipp dem Schönen und Karl von Egmond geschlossene Vertrag von Tiel vom 28.7.1505 (Frz. Druck: Molinet, Chroniques, S. 556–560). Vgl. dazu Nijhoff, Gedenkwaardigheden VI/1, S. LXXXIf.; Struick, Gelre, S. 65f.; Mayer, Beziehungen, S. 146; Cauchies, Philippe, S. 173.
    11
     Lehenbrief Kg. Maximilians für Kg. Philipp von Kastilien über das Hm. Geldern und die Gft. Zutphen vom 4.4.1505 (Regest: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 76, S. 226).
    12
     Vgl. zu dem durch Karl von Egmond im Mai 1506 eröffneten und nach dem Tod Kg. Philipps von Kastilien durch Waffenstillstand vom 14.10.1506 beendeten Geldernkrieg: Struick, Gelre, S. 80–104; Redlich, Vermittlungspolitik, S. 144–147; Mayer, Beziehungen, S. 154–158; Wiesflecker, Maximilian III, S. 287f.
    13
     Im Sommer 1506 hielten sich zwei frz. Gesandtschaften im Reich auf: François de Rochechouart, Antoine Du Prat und der kgl. Sekretär Antoine Jourdan wurden auf ihrer Reise zu Kg. Maximilian auch bei Bf. Albrecht von Straßburg, Mgf. Christoph von Baden und Hg. Ulrich von Württemberg vorstellig (Auton, Chroniques IV, S. 51–61; Le Glay, Négociations I, S. LXXX-LXXXII; Richter, Beziehungen, S. 147–149; Fuchs, König, S. 112–115; Simon, Beziehungen, S. 10f.; Wiesflecker, Maximilian III, S. 276f.). Eine zweite Gesandtschaft – bestehend aus Philippe de Commynes, Pierre de la Vernade, François de Loynes und dem kgl. Sekretär Jean Poncher – referierte ihre Instruktion vermutlich Ende Juni/Anfang Juli u.a. vor Räten Hg. Wilhelms von Jülich (Beglaubigungsschreiben Kg. Ludwigs von Frankreich an Hg. Wilhelm von Jülich [und andere Kff. und Ff.] für seine Gesandten, Montils-les-Tours, 31.5.1506, dt. Übers.; HStA Düsseldorf, Jülich-Berg I, Nr. 272, fol. 13–14. Eh. Aufzeichnung des Jülicher Kanzlers Wilhelm von Lüninck über den Vortrag der frz. Gesandten, s.d.; ebd., fol. 15–16’). Sehr wahrscheinlich waren es auch diese Gesandten, die am 15.7. einen Vortrag vor Deputierten des Frankfurter Rates hielten (ISG Frankfurt, BMB 1506, fol. 23’, 25’). Der kgl. Rat Heinrich Hayden warnte einen ungenannten Kf., wohl Ebf. Hermann von Köln, am 3.7. vor den Absichten der zu dieser Zeit in Köln oder Bonn weilenden frz. Gesandten. Deren Mission diene dazu, die Haltung der Kff. gegenüber Kg. Maximilian zu erkunden, die Unterstützung für den röm. Kg. und seinen Sohn Philipp zu hintertreiben und schließlich den Bruch des Hagenauer Vertrages durch Kg. Ludwig zu beschönigen (Kop. Mecheln; HHStA Wien, Maximiliana 43, Fasz. V/6, fol. 40–43).
    14
     So wies die Signorie ihren Gesandten am kgl. Hof, Pietro Pasqualigo, am 17.2.1506 an, Kg. Maximilian mitzuteilen, daß man die angeforderten Galeeren bereitstellen und ihn auch sonst bei seinem Romzug in jeder Weise unterstützen werde, und lud den Kg. ein, mit seinem Gefolge in Venedig Station zu machen (ital. Kop.; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 154’-155’, hier 154’-155). In einem zweiten Schreiben erhielt Pasqualigo jedoch Befehl, Maximilian davon zu überzeugen, den Seeweg zu nehmen. Darin relativierte der Magistrat auch die Ernsthaftigkeit seiner Einladung nach Venedig (ital. Kop., 17.2.1506; ebd., fol. 155’-156). Laut Weisung an den venezianischen Orator in Frankreich, Alvise Mocenigo, hatte Pasqualigo am 6.2. berichtet, daß der röm. Kg. um zwei große Galeeren und um Geleitbriefe für den Zug seines übrigen Gefolges durch venezianisches Territorium – a via pacifica et quieta – ersuche. Venedig habe deshalb dem Ersuchen stattgegeben (ital. Kop., 19.2.1506; ebd., fol. 156’). Tatsächlich wurden alle lokalen Stellen informiert, daß der röm. Kg. mit einem Großteil seines Gefolges den Seeweg nehmen werde. Für die restlichen Gefolgsleute sollten die Verkehrswege instandgesetzt werden. Die lokalen venezianischen Befehlshaber wurden auch angewiesen, deren Durchzug keinesfalls zu behindern, sondern das kgl. Gefolge vielmehr in jeder Weise zu unterstützen (lat. Kop., 18.2.1506; ebd., fol. 156–156’). Zwei Monate später stellte die Signorie in einer weiteren Weisung an Pasqualigo klar, daß die Einladung nach Venedig allein aus dem Grund erfolgt sei, um Maximilian die gleiche Ehrerbietung erweisen zu können wie bekanntermaßen seinerzeit dessen Vater. Bezüglich des vom röm. Kg. gegenüber Pasqualigo angesprochenen Verdachts Papst Julius’ II. in bezug auf den Romzug verwies die Signorie darauf, daß andere italienische Machthaber die päpstliche Auffassung teilen könnten, nachdem bereits das Gerücht umlaufe, daß der röm. Kg. mit Truppen und nicht wie sein Vater friedlich – was bislang allgemein erwartet worden sei – nach Italien kommen werde. Es heiße, der frz. Kg. verlege aus diesem Grund bereits Truppen nach Mailand und ziehe nach Lyon und notwendigenfalls noch weiter. Ein Bündnis Venedigs mit dem röm. Kg. – Maximilian und Matthäus Lang hatten Pasqualigo laut einer Weisung Venedigs an Alvise Mocenigo jeweils in vertraulichen Unterredungen angekündigt, daß der Kg. nach dem Abschluß eines Vertrages mit Ungarn ein Bündnis mit der Serenissima unter Einbeziehung des Papstes schließen wolle (ital. Kop., 18.4.1506; ebd., fol. 164’-165, hier 164’) – hätte zweifellos ein Gegenbündnis aller anderen Staaten zur Folge und brächte die Gefahr eines Krieges zwischen den christlichen Fürsten mit sich, der erfahrungsgemäß die Türken auf den Plan rufen würde mit dem Ziel, die christliche Religion auszulöschen. Pasqualigo sollte deshalb Kg. Maximilian bitten, sich Gedanken über einen Weg zur Beseitigung des Unfriedens zwischen den christlichen Staaten zu machen und entweder friedlich nach Italien zu kommen, wie dies sein Vater getan und er selbst bislang angekündigt habe, oder eine andere Möglichkeit zu finden, den Papst und die übrigen italienischen Fürsten zu beruhigen (ital. Kop., 18.4.1506; ebd., fol. 163’-164). Laut Weisung vom 17.8. sollte Mocenigo über einen Bericht Pasqualigos Mitteilung machen, wonach der röm. Kg. seine Meinung, über das Meer nach Rom zu reisen, geändert und beschlossen hatte, non andar modo quieto, ma cum exercito potente, per piùi sua securità. Venedig empfahl Kg. Ludwig, sich nach Lyon zu begeben und eine Nachricht über seinen Zug nach Italien mit einem großen Heer zu lancieren (ital. Kop.; ebd., fol. 189’).
    15
     Der spätere Papst Julius II., Giuliano della Rovere, Kardinal von S. Pietro in Vincoli, war 1494 nach Frankreich geflohen. Er hatte an den Italienkampagnen Karls VIII. und Ludwigs XII. teilgenommen und war in dieser Zeit wiederholt als Sachwalter französischer Interessen aufgetreten (Pastor, Geschichte III/1, S. 385f.; Brosch, Julius, S. 55–58, 64–72, 85f.; Shaw, Julius, S. 81–115; Fusero, Giulio, S. 177–199).
    16
     Diesen Standpunkt hatte Papst Julius beispielsweise gegenüber Gesandten Kg. Maximilians Anfang März 1506 vertreten (Sanuto, Diarii VI, Sp. 310; Stelzer, Maximilian, S. 56; Wiesflecker, Maximilian III, S. 346f.).
    17
     In seiner Weisung an Alvise Mocenigo vom 17.8. kündigte die Signorie an, die venezianischen Truppen in Alarmbereitschaft zu versetzen (ital. Kop.; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 189’). Der Statthalter zu Friaul [Pietro Cappello] erhielt Weisung zur Aufstellung einer Truppe von 1500–2000 Mann und zu anderen geeigneten Maßnahmen, um Übergriffe der als barbare und indomite qualifizierten kgl. Truppen zu unterbinden (ital. Kop., 20.8.1506; ebd., fol. 189’-190’). Laut Ratsbeschluß vom gleichen Tag erhielten Bartolomeo d’Alviano und andere venezianische Truppenführer Befehl, mit ihren Einheiten nach Friaul zu ziehen, um das venezianische Territorium zu sichern (ital. Kop.; ebd., fol. 190’). Am 23.8. wurden Maßnahmen zur Sicherung der Romagna beschlossen (ital. Kop.; ebd., fol. 193’). Zwei Tage später erging der Beschluß zur Anwerbung weiterer 200 Reiter und 2000 Fußsoldaten (ital. Kop.; ebd., fol. 194). Vgl. Bembo, Historia VII, pag. 157–158.
    18
     = aus bewegnis: auf Veranlassung, auf Initiative (Grimm, Deutsches Wörterbuch I, Sp. 1774).
    19
     Kein Nachweis möglich.
    20
     Kardinalbf. Melchior von Brixen, Teilnehmer an der Gesandtschaft nach Venedig im Okt./Nov. 1506, war anschließend gemäß Weisung Kg. Maximilians (Kg. Maximilian an Paul von Liechtenstein, Kop. Rottenmann, 20.10.1506; ÖNB Wien, Cod. ser. n. 2646, fol. 137–138) zu Papst Julius nach Bologna weitergezogen (Ulmann, Maximilian II, S. 289; Stelzer, Maximilian, S. 176f.).
    21
     Satz bricht ab; zu ergänzen wohl: nach Rom ziehen.
    22
     Spielt an auf die Gefangensetzung Ludovico Sforzas im Jahre 1500.
    23
     Gemeint ist die Mission der frz. Gesandten Valéran de Sains, H. von Marigny, und Accurse Mainier im Spätsommer 1506 (Sanuto, Diarii VI, Sp. 420; Naschenweng, Beiträge III, S. 182).
    24
     Gemeint ist der Wiener Vertrag zwischen Kg. Maximilian und Kg. Wladislaw von Ungarn vom 19.7./5.8.1506 (Fuchs, Maximilian, S. 166; Wiesflecker, Maximilian III, S. 334f.; Hollegger, Maximilian, S. 177; Szalay, Geschichte III/2, S. 126f.; Fessler, Geschichte III, S. 281f.).
    25
     Preßburger Vertrag vom 7.11.1491 (Druck: Bak, Königtum, S. 154–157; Firnhaber, Beiträge, Nr. LXIX, S. 469–490; DuMont, Corps III/2, Nr. CXLV, S. 263–269. Vgl. Turba, Geschichte, S. 331–334; Wiesflecker, Maximilian I, S. 303–305).
    26
     Schreibfehler; richtig: und.
    27
     Text bricht ab. Die Fortsetzung auf der nächsten Seite ist – wohl nach einer weiteren Unterbrechung – mit deutlich unruhigerer Hand geschrieben.
    28
     Zu den Bemühungen Kg. Maximilians um ein Bündnis mit den Eidgenossen ab Dez. 1505 vgl. Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 231, S. 328, Pkt. h; Nr. 237, S. 334, Pkt. g; Nr. 248, S. 345, Pkt. c, S. 345f. Anm. zu c; Nr. 253, S. 351, Pkt. a; Gagliardi, Anteil, S. 605–609; Kohler, Suisses, S. 30–35. Zu den diesbezüglichen Verhandlungen im Vorfeld des Konstanzer RT vgl. Nrr. 44f.
    29
     = der Böse: Kg. Ludwig von Frankreich.
    30
     Schreibfehler, richtig: sie.
    31
     Abbildung dieser Seite bei Wiesflecker, Maximilian III, vor S. 273; Hollegger, Maximilian, S. 168 Abb. 10; Buck, Nation, S. 46 Abb. 3.
    32
     = Eloi, Eloi, lama sabachthani: Mein Gott, warum hast Du mich verlassen? – die letzten Worte Christi am Kreuz (Ps 22,2; Mt 27,46; Mk 15,34).
    33
     Es folgen (fol. 22, 23–33, 35–40, 41–41’, 43–49, 50–51, 52–53, 54–56, 58) Überlegungen Kg. Maximilians zur außenpolitischen Lage, die in keinem direkten Bezug zum projektierten RT stehen.
    1
     Das Konzept (H) datiert ebenfalls vom 27.10. Die danach noch benötigte Zeit für die Herstellung der Drucke erklärt die große Differenz zwischen dem Ausstellungsdatum und der Zustellung des Ausschreibens, weshalb im handschriftlichen Zusatz [Pkt. 11] der Termin auf den 7.3. verschoben werden mußte.
    2
     Beschreibung des Augsburger Exemplars bei Rosenthal, Einblattdrucke, Nr. 87.
    3
     Der Frankfurter Rat beschloß am 7.1. aufgrund des kgl. Ausschreibens [Pkt. 6 – Deßhalben mit ... versehenn.], am 20.1. eine Seelenmesse für Kg. Philipp von Kastilien abzuhalten (ISG Frankfurt, RP 1498–1510, fol. 92’).
    4
     Kg. Maximilian hatte die beiden 1492 und 1493 geborenen Brüder im April 1505 für volljährig erklärt (Heil, RTA-MR VIII/1, S. 908 Anm. 1).
    5
     Das Ausschreiben nach Konstanz war die letzte RT-Ladung für Braunschweig (Achilles, Beziehungen, S. 35; Täubrich, Herzog, S. 19; Schneidmüller, Reichsnähe, S. 39); drei Tage zuvor, am 24.10., hatte Kg. Maximilian die Privilegien der Stadt bestätigt (Hänselmann, Urkundenbuch I, Nr. CXXIII, S. 276f.). Baumann/Riezler (Urkundenbuch IV, Nr. 423, S. 387) weisen ein an Gf. Wolfgang von Fürstenberg gerichtetes gedrucktes Ausschreiben nach. Auch die Stadt Magdeburg wurde 1507 zum RT eingeladen, nahm aus Rücksicht auf Ebf. Ernst aber nicht daran teil (Asmus, Magdeburg, S. 407; Rogge, Ernst, S. 75). Hoffmann (Verhältnis, S. 21) erwähnt eine weitere Einladung an Danzig, das sich jedoch als dem Kg. von Polen untertänig entschuldigte.
    6
     Schreiben Kg. Maximilians vom 18.4.1506 [Nachweise s. Nr. 4, Anm. 3].
    7
     Siehe Nr. 4, Anm. 4.
    8
     Preßburger Vertrag vom 7.11.1491 [Nachweise s. Nr. 4, Anm. 25].
    9
     Wiener Vertrag vom 19.7./5.8.1507 [Nachweise s. Nr. 4, Anm. 24].
    10
     Vertrag von Hagenau, 4.4.1505 [Nachweise s. Nr. 4, Anm. 5].
    11
     Zu den Teilnehmern am Hagenauer Tag vgl. Nr. 4, Anm. 6–9.
    12
     Robert von der Marck führte im September 1506 ein französisches Hilfskorps für Hg. Karl von Egmond nach Geldern (Blok, Geschichte II, S. 417; Struick, Gelre, S. 100; Meij, Gelderland, S. 32f.; Mayer, Beziehungen, S. 158).
    13
     Lehenbrief Kg. Maximilians für Kg. Philipp von Kastilien vom 4.4.1505 [Nachweis s. Nr. 4, Anm. 11].
    14
     Nachweise s. Nr. 4, Anm. 13.
    15
     Hg. Wilhelm von Jülich unterstützte durch ein Fürschreiben an Kg. Maximilian Simon von Gülge (Guylge) (Propst zu St. Dionysius/Lüttich und Drost zu Palant) als Bevollmächtigten des 1506 gewählten Lütticher Bf. Eberhard von der Marck zum Empfang der Reichsregalien (Or. Kaster, St. Steffanis dach [26.12.]1506; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 2, fol. 44–44’).
    16
     Lehenbriefe Kg. Maximilians für Kg. Ludwig von Frankreich (Lat. Druck: Léonard, Recueil II, S. 41–43; Lünig, Reichs-Archiv VII, 1. Abt., Anhang, 5. Absatz, Nr. LXIX, S. 8–10; DuMont, Corps IV/1, Nr. XXXIII, S. 60f.; Müller, Reichs-Tags-Staat, S. 427–432. Regest: Heil, RTA-MR VIII, Nr. 86, S. 237f.) und für Kg. Philipp von Kastilien als Vormund seines Sohnes Hg. Karl vom 7.4.1505 (Lat. Druck: Le Glay, Négociations I, Nr. XXII, S. 78–84. Regest: Heil, ebd., Nr. 87, S. 238–240).
    17
     S.u. Anm. 19.
    18
     Vgl. Nr. 4, Anm. 15.
    19
     Einem Emissär F. Rudolfs von Anhalt nach Venedig, der dessen Gesuch um die Genehmigung zum Durchzug von 3000 Mann nach Mantua überbrachte, empfahl der Senat den Seeweg über Triest oder alternativ die Route über Trient – per ambe le dicte doe prime vie siamo contenti accomodar el transito a dicte zente, per la observantia nostra verso la maestà cesarea, et siamo presti mandar l’homo nostro che le conduchi et accompagni. Weniger in Betracht kam nach dem Dafürhalten Venedigs der längere und schwierigere Weg durch Friaul; man wollte Schwierigkeiten mit den undisziplinierten deutschen Truppen vermeiden. Der Senat signalisierte jedoch auch hier – zweifellos nicht ernstgemeintes – Entgegenkommen, falls Kg. Maximilian auf dieser Route bestehen würde (ital. Kop., 14.10.1506, Verm.: De hac autem deliberatione fieri debeat communicatio cum reverendissimo domino cardinale Brixinense, oratore cesareo hic existente; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 205–205’). Letztlich konnten zwei Gesandte Anhalts im Oktober 1506 als Erfolg nur die Auszahlung von 6000 Dukaten – die Ende August/Anfang September in Venedig vorstellig gewordene kgl. Gesandtschaft hatte 16 000 Dukaten gefordert (Sanuto, Diarii VI, Sp. 405; Leipold, Beziehungen, S. 231) – verbuchen, die Venedig Kg. Maximilian seit dessen Italienfeldzug von 1496 schuldig geblieben war. Vgl. Sanuto, Diarii VI, Sp. 446, 447, 448; Libri commemoriali VI, Nrr. 122f., S. 89; Wiesflecker, Maximilian III, S. 343f.
    20
     Kg. Maximilian hatte Mgf. Francesco von Mantua mit Schreiben vom 15.8.1506 über seine Absicht informiert, den Romzug zu absolvieren. Er forderte den Gonzaga auf, seiner Pflicht als Reichsfürst nachzukommen und daran teilzunehmen. Damit verbunden war der Befehl zur Ausrüstung von Truppen (lat. Or. Eisenerz, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. M. Lang; AS Mantua, A.G., ser. E.II.2, busta 429, fol. 13–13’). Gemäß Instruktion vom 29.9. sollten Ambrosius Fuchshard, Georg Moysse und Leonhard Rauber Mgf. Francesco über die Vorbereitungen Kg. Maximilians für den Romzug und die in diesem Zusammenhang befohlene Verlegung von Truppen nach Italien informieren. Der kgl. Hauptmann F. Rudolf von Anhalt habe Befehl, in die Mgft. Mantua zu ziehen und dort auf den Kg. selbst oder auf weitere Befehle zu warten. Die Gesandten sollten um Aufnahme dieser Truppen und deren Verpflegung gegen angemessene Bezahlung bitten. Sie sollten außerdem eine weitere Gesandtschaft ankündigen, die den Mgf. als Reichsfürsten – erneut – zur Mitwirkung bei der Durchführung des Romzuges und zur Teilnahme daran auffordern würde (Or. m. S. Graz, Vermm. prps./cdrp., Gegenz. Serntein; HStA Hannover, Cal. Br. 22, Nr. 329, fol. 8–9). Mit Schreiben vom 23.10. informierte Kg. Maximilian seine Gesandten, daß noch keine Antwort auf seine schriftliche Bitte an den Mgf., die kgl. Soldaten unter F. Rudolf von Anhalt in sein Land zu lassen, erfolgt sei, und befahl ihnen, Anhalt durch den kgl. Diener Francesco di Castellalto (Kredenzbrief Kg. Maximilians für dens. als Gesandten zu Mgf. Francesco bzw. in dessen Abwesenheit zum Kardinal [Sigismondo] von Mantua, Or. Scheifling, 23.10.1506; AS Mantua, A.G., ser. E.II.2, busta 429, fol. 16–16’) unverzüglich mitzuteilen, ob der Mgf. die Truppen aufnehmen wolle oder nicht oder was sie diesbezüglich erwarteten (Or. Scheifling, Vermm. prps./cdrp., Gegenz. J. Renner; HStA Hannover, Cal. Br. 22, Nr. 329, fol. 6’, 7). F. Rudolf verwies in einem Schreiben vom 12.11.1506 an Mgf. Francesco auf die frühere Ankündigung des durch sein Territorium zu führenden Romzuges und erklärte die Verzögerung des Unternehmens mit dem Widerstand Frankreichs, zeigte sich jedoch zuversichtlich hinsichtlich des baldigen Aufbruchs der Truppen und forderte den Mgf. auf, die kgl. Soldaten ungehindert durch die Mgft. ziehen zu lassen und für deren Verpflegung und Unterkunft zu sorgen (lat. Or. Trient; AS Mantua, A.G., ser. E.XLIII.3, busta 1407, unfol.). Mgf. Francesco allerdings lehnte die Öffnung seines Territoriums für die Truppen Kg. Maximilians kategorisch ab (Leipold, Venedig, S. 239).
    21
     Gemeint ist die Eheschließung zwischen Kg. Ferdinand von Aragon und Germaine de Foix, einer Nichte Kg. Ludwigs von Frankreich.
    22
     Vgl. Nr. 4, Anm. 23.
    23
     Kg. Maximilian erbat für seinen Sohn die päpstliche Befreiung ab omnibus et singulis poenis purgatorii. Papst Julius bewilligte daraufhin die plenissimam indulgentiam per modum suffragii auctoritate Dei omnipotentis ac beatorum Petri et Pauli apostolorum eius ac nostra (Julius II. an Kg. Maximilian, lat. Konz. Rom, 5.5.1507, Gegenz. Sigismundus [de’ Conti]; ASV Rom, Arm. XL, Nr. 1, fol. 315, Stück-Nr. 42).
    24
     Vertrag von Blois, 12.10.1505 (Lat. Druck: Léonard, Recueil II, S. 35–40; DuMont, Corps IV/1, Nr. XL, S. 72–74. Vgl. Hillgarth, Kingdoms, S. 593f.).
    25
     Gemeint ist die Finanzierung dieser Truppen mit Geldern aus der Kölner Reichshilfe von 1505.
    26
     Zwar ruhte die Rechtsprechung, doch die Kanzlei des Kammergerichts erhielt den Betrieb aufrecht. Johann Storch, Protonotar am Kammergericht, wies Kg. Maximilian mit Schreiben vom 23.1.1507 darauf hin, daß er bereits mehrmals vergeblich um Geld gebeten habe und die Kosten für die Kanzlei nicht länger bestreiten könne. Er ersuchte deshalb erneut um Geld für die Bezahlung des Personals und für seinen eigenen Unterhalt (Or., s.l., jedoch wohl Regensburg; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 23–23’).
    1
     Der venezianische Gesandte Pietro Pasqualigo berichtete am 3.1.1507 aus Innsbruck über eine Unterredung mit Matthäus Lang. Demnach plante Kg. Maximilian nach wie vor, durch Savoyen nach Nizza zu ziehen und dort seine Truppen nach Rom einzuschiffen. Venedig wurde gebeten, dafür eine seiner großen Galeeren zur Verfügung zu stellen. Pasqualigo wurde angewiesen, deren Bereitstellung zuzusagen (Antwortschreiben der Signorie an Pasqualigo, ital. Kop. Venedig, 11.1.1507; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 219’).
    2
     Jiménez hatte Kg. Philipp im Juli 1506 50 000 Dukaten [= 100 000 fl.] ausbezahlt und den Unterhalt von 6000 Fußsoldaten für den Einsatz gegen Oran zugesagt (Bowd, Reform, S. 48).
    3
     Zum Abschluß des Kölner RT kam Kg. Maximilian am 31.7. oder 1.8.1505 auf das Projekt eines Kreuzzuges zu sprechen. Von einem bevorstehenden Unternehmen Kg. Philipps verlautete dabei allerdings nichts (Heil, RTA-MR VIII, Nr. 345, Pkt. 14, fol. 16–16’; Nr. 785, Pkt. 3, fol. 163’-164).
    4
     Gemäß Weisung Kg. Maximilians sollte Wilhelm von Pappenheim unverzüglich mit sechs Pferden nach Nürnberg aufbrechen und von dort gemeinsam mit Ernst von Welden weiterreisen, der Befehl zu Verhandlungen mit Kf. Friedrich und Hg. Johann von Sachsen habe. Eine Instruktion für die Verhandlungen und 100 fl. Zehrungsgeld sollten Pappenheim nachgeschickt werden (Mundum mit Korrekturen und Ergänzungen, Salzburg, 29.11.1506; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 2, fol. 15–15’).
    5
     Am gleichen Tag beschloß der Frankfurter Magistrat, über das kgl. Ausschreiben zu beraten (ISG Frankfurt, BMB 1506, fol. 81).
    6
     Das Datum bezeichnet entweder die Übergabe oder die erstmalige Beratung des Kölner Magistrats über das Ausschreiben.
    1
     Die Formulierung der Vorlage läßt keine eindeutige Klärung zu, ob das Schriftstück hier nur auf das RT-Ausschreiben [Nr. 5] Bezug nimmt oder zugleich auch auf das Schreiben Kg. Maximilians vom 30.11.1506 [Nr. 7].
    2
     Auch der kgl. Landhofmeister in Tirol, Michael von Wolkenstein, wurde beauftragt, ein Gutachten über diese Frage zu erstellen, nemlich wa ir kgl. Mt. iren furgenomen romzug hin und herwider mit lieb sicher nicht volpringen mocht, ob dan dij kgl. Mt. mit gebalt und dem schbert, doch durch rat ir kgl. Mt. rät und haubtleut untersteen soll, an dem gemelten hinein- und herwiderziechen durchzuprechen. Er empfahl, angesichts der bedenklichen Verhältnisse in Italien mit befreundeten christlichen Kgg. und mit den Reichsständen über eine Hilfe für den Romzug zu beraten, um mit einer für einen mächtigen röm. Kg. und künftigen Ks. angemessenen Heeresmacht ausgestattet zu sein. Hinsichtlich der Frage eines gewaltsamen Durchbruchs plädierte Wolkenstein für Beratungen mit den kgl. Räten und Hauptleuten. Vor Antreten des Romzugs sollte der Kg. für die Sicherheit seiner Kinder [gemeint sind Ehgin. Margarethe und die Enkelkinder] sowie der Erblande Österreich und Burgund Sorge tragen, dort alle Angelegenheiten für die Dauer seiner Abwesenheit regeln und einen Geldvorrat für einen eventuellen Angriff feindlicher Nachbarn anlegen (eh. Or., s.l., s.d., jedoch um den 21.1.1507; TLA Innsbruck, Maximiliana XIV/Misc., Kart. 33, VI. Teil, fol. 447–448’).
    3
     Mit einem beigefügten, vom 22.1. datierenden Schreiben instruierte der Kg. die ftl. Adressaten jeweils, ihr Gutachten gemeinsam mit drei oder vier geheimen Räten zu erstellen, diese bei ihrem Diensteid zur Verschwiegenheit bis zum Abschluß des RT zu verpflichten und auch selbst Stillschweigen zu bewahren (Or., Innsbruck, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg; GStA Berlin, I. HA, Repos. 10, Nr. 2 M, fol. 2–2’. Or. Innsbruck, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Hg. Albrecht von Bayern; HStA München, KÄA 3136, [nach fol. 230½]).
    4
     Entsprechende Schreiben gingen nachweislich auch Kf. Jakob von Mainz – er entschuldigte die Verschiebung des geplanten Schiedstages zwischen Stadt und Klerus von Worms mit der Aufforderung zum persönlichen Erscheinen auf dem RT (Kf. Jakob an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms, Or. m. S. Steinheim, sambstags nach dem sontag judica [27.3.]1507; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Nr. 175) –, Hg. Heinrich von Mecklenburg [vgl. Nr. 14] und der Stadt Worms zu (Eintrag im Tagebuch des Reinhard Noltz; StdA Worms, 1 B, Nr. 10, pag. 425f.; Boos, Quellen III, S. 513).
    1
     Laut dem kgl. Kredenzbrief (Or. Innsbruck, 22.1.1507, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; ISG Frankfurt, Kaiserschreiben 1374) war Gf. Reinhard von Hanau mit dieser Mission betraut. Tatsächlich wurde die Instruktion an diesen, nicht an Gf. Philipp übersandt (Kg. Maximilian an Gf. Reinhard von Hanau, Or. Innsbruck, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; StA Marburg, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42. Kop.; ISG Frankfurt, Kaiserschreiben 1375. Regest: Janssen, ebd., Nr. 898, S. 699).
    2
     Der kgl. Rat Peter Voelsch wurde mit einer entsprechenden Instruktion nach Straßburg geschickt [vgl. Nr.  11].
    3
     Die Instruktion nennt als Adressaten nur einen Bürgermeister, laut dem Kredenzbrief Kg. Maximilians [s. Anm. 1] war wahrscheinlich Johann vom Rhein gemeint (so auch Janssen, Reichscorrespondenz II, Nr. 897, S. 699). Gf. Reinhard lud indessen am 26.2. (feria sexta post invocavit) beide Frankfurter Bürgermeister [Johann vom Rhein und Gilbrecht von Holzhausen; ISG Frankfurt, Ratswahlen und Ämterbestellungen 1, pag. 149; Lersner, Chronica, S. 272] sowie die Ratsherren Karl von Hindersberg, Jakob Heller, Klaus von Rückingen und Ludwig Martorf zu der Unterredung ein. Am 2.3. wurde beschlossen, dem Gf. eine schriftliche Stellungnahme zu schicken (ISG Frankfurt, BMB 1506, fol. 94’). Am folgenden Tag informierte der Frankfurter Magistrat Gf. Reinhard durch einen beigefügten Zettel [Nr. 12] über seine Stellungnahme mit der Bitte um Mitteilung an Kg. Maximilian (Or., mittwochs nach dem sontag reminiscere; StA Marburg, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 3. Kop.; ISG Frankfurt, Kaiserschreiben 1378; Druck: Janssen, ebd., Nr. 900, S. 700).
    4
     Mit Schreiben vom 22.1. erteilte Kg. Maximilian Brekewolt den Auftrag, gemäß der mitgeschickten Instruktion tätig zu werden (Or. Innsbruck, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; StdA Lübeck, ASA Ex. 2295, unfol.). Dem Schreiben lag außerdem der an einen ungenannten Lübecker Bürgermeister adressierte Kredenzbrief für Brekewolt zu Beratungen in einer Angelegenheit, betreffent unser, des Hl. Reichs und teutscher nacion ere und wolfart, bei (Or. Innsbruck, präs. 5.3.1507, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; ebd., unfol.). Man wird davon ausgehen, daß alle vier Bürgermeister [Johann Hertze, Hartwig von Stiten, Tidemann Berck und David Divessen; Fehling, Ratslinie, Nrr. 571, 575f., 581; Schäfer, Hanserecesse, Nr. 243, § 7] sowie der Rat kontaktiert wurden. Vgl. Nr. 13.
    1
     Liegt nicht vor. Vgl. jedoch Nr. 9.
    1
     In seinem irrtümlich auf den 1.3. (montag noch dem sontag reminiscere) datierten Bericht an Kg. Maximilian schloß sich Gf. Reinhard der Frankfurter Position an (Konz., StA Marburg, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42. Kop.; ebd., A/223/4, unfol.). Der Kg. drückte am 8.4. seinen Dank aus (Or. Straßburg, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein; ebd., A/205/3, Stück Nr. 6).
    1
     Z. B. Verlautbarung Kg. Maximilians auf dem Kölner RT vom 1.8.1505 (Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 345, S. 475f.).
    2
     Luca de Renaldis verhandelte zwar als kgl. Gesandter Anfang 1503 in Rom über das Jubelablaßgeld und erreichte auch begrenzte Zusagen, so die Erlaubnis für Kg. Maximilian zur Entgegennahme von 10 000 fl. aus den in den Erbländern eingesammelten Geldern; ob aber Alexander VI. tatsächlich darüber hinaus dem röm. Kg. mündlich die Verfügung über das gesamte Ablaßgeld gestattete, läßt sich nicht verifizieren. Die schriftliche Genehmigung des Papstes stand jedenfalls vorläufig noch aus. Papst Julius II. überließ Maximilian schließlich das Ablaßgeld unter der Bedingung, daß er nach Rom käme, um bei der Rückgewinnung der von Venedig besetzten Romagna zu helfen (Leipold, Ostpolitik, S. 173f., 178f.; Mehring, Kardinal, S. 372). Doch hatte er den Lübecker Magistrat auch angewiesen, die von Peraudi in der Stadt deponierten Jubelablaßgelder bis zu einer anderweitigen Verfügung durch den Papst sorgfältig aufzubewahren (lat. Or. Perg. m. S., Rom, 15.6.1505; StdA Lübeck, Bullae papales, Nr. 98).
    3
     Gemeint ist der Landshuter Erbfolgekrieg (1504/1505).
    4
     Gemeint ist der mit dem Vertrag von Tiel für die Habsburger siegreich beendete Geldernkrieg von 1505.
    5
     Gemeint ist der Landshuter Erbfolgestreit.
    6
     Vgl. Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 641 Anm. 1, Nr. 654 (Reverse für Köln und Speyer vom 2.6. bzw. 28.7.1505).
    7
     Liegt nicht vor.
    8
     Gemäß dem Präsentatvermerk auf dem Kredenzbrief Brekewolts [Nr. 9, Anm. 4], der zweifellos auch für die Verhandlungen über das Jubelablaßgeld galt.
    1
     Hg. Heinrich, Jahrgang 1479, regierte Mecklenburg seit Ende 1503 gemeinsam mit seinem Brüdern Erich und Albrecht sowie seinem Onkel Balthasar.
    1
     Der oberste ksl. Sekretär, Niklas Ziegler, hatte am 12.3. an Lgf. Wilhelm von Hessen geschrieben, dass Kg. Maximilian nach Konstanz reisen werde, daselbst mit den Aidsgenossen tag ze laisten und sunst mit des Reichs Kff., Ff. und stenden auf dem ausgeschriben Reichs tag in desselben Reichs obligen handeln und furnemen tun. Seine Tochter Ehgin. Margarethe werde zusammen mit einigen vornehmen Räten bis auf weiteres die Angelegenheiten in den Niederlanden regeln (Or. Straßburg; StA Marburg, Best. 2, Nr. 109, fol. 196–196’, 197’). Auch Erasmus Topler hatte am 14.3. an den Nürnberger Rat berichtet, daß der Kg. seine ursprüngliche Absicht, unverzüglich in die Niederlande zu reisen, geändert habe und nach eigenem Bekunden zum RT nach Konstanz ziehen wolle (Gümbel, Berichte, Nr. 7, hier S. 282).
    2
     Siehe Nr. 16, Anm. 1.
    1
     Kg. Maximilian hatte mit Instruktion vom 18.3. seine Tochter Ehgin. Margarethe, Hg. Wilhelm von Jülich, Mgf. Christoph von Baden, F. [Rudolf] von Anhalt und seinen Rat Dr. Sigmund Pflug als Gesandte zum Ständetag nach Löwen abgeordnet. Sie sollten sein Bedauern erklären, die der burgundischen Kondolenzgesandtschaft in Hagenau gemachte Zusage über seine persönliche Teilnahme an der Versammlung nicht einhalten zu können, und dies mit gravierenden Neuigkeiten entschuldigen, die nach der Abreise der Gesandten am kgl. Hof eingetroffen seien: Er habe erfahren, daß der frz. Kg., der ihm feindlich gesinnt sei, in Frankreich und in der Schweiz (lighes des Suyches) insgeheim Truppen sammle, um nach Italien zu ziehen. Der Papst sei der Überzeugung, daß dies in der Absicht geschehe, sich seiner Person und somit des Hl. Stuhls zu bemächtigen – zu dessen Schaden und zum Nachteil des röm. Kg., des Hl. Reiches, der Erblande und der ganzen Christenheit. Der Papst sei deshalb vorzeitig von Bologna nach Rom zurückgekehrt. Um die Interessen der Kurie, deren oberster Vikar er sei, des Reiches und der ganzen Christenheit vertreten zu können, sei er jetzt unabkömmlich. Er habe außerdem erfahren, daß die Eidgenossen, die von jeher Rebellen gegen das Reich und Todfeinde der Häuser Österreich und Burgund gewesen seien, auf Veranlassung des frz. Kg. und seiner Agenten im Begriff stünden, den Krieg gegen Deutschland und Burgund zu erneuern. Et que plus est, nous savons que nostre journée impériale de Constance, dont espérons et tenons fermement q’un grant bien, honneur et utilité en aviendra pour nous, nostredict Saint Empire, nosdicts enfans et maisons d’Austrice et de Bourgoingne et consequament de ladicte chrétienneté, tomberoit à néant et seroit de mil fruit et effect, car nous avons nouvelles, que les princes d’icellui Saint Empire y viennent à grande diligence, à quoy ne nous seroit possible de jamais recouvrer, qui nous tourneroit à domaige intollerable, inextimable et irrecuperable, auquel par nostredicte demeure par deçà nous obvions, pourveons et remedions indubitament, car nous tenons en amitié et bonne intelligence nostredit saint père, les Venissiens et quasi toutes les Ytailes ensemble toute la Germaine, et si avons bon espoir par le moyen de ladite journée de gaigner et retirer à nous et de nostre bende et alyance lesdicts lighes. Ce que ne pourrions faire par aler par-delà, ainsi seroit le tout en confusion et perplexité, dont nosdict pays de par-delà seroient tailliez de supporter la plus grande partie du fair et charge. Die niederländischen Stände sollten dies bedenken und im übrigen seine Tochter Margarethe als Statthalterin akzeptieren. Kg. Maximilian sagte außerdem zu, sofort nach der in Kürze zu erwartenden Erledigung seiner Angelegenheiten in die Niederlande zu kommen (frz. Or. Straßburg; AD Lille, B 18826/24419. Vollmacht Kg. Maximilians für Ehgin. Margarethe, frz. Konz., s.d.; ebd., B 18847/29747. Vgl. Gachard, Analectes historiques II, Nr. XVIII, S. 41–43, 44–46; Quinsonas, Materiaux III, S. 181–195; Laurent, Recueil I, S. 8–10; Kooperberg, Margaretha, S. 197f.). Mgf. Christoph konnte dem ihm durch Hans von Reichenburg übermittelten kgl. Auftrag nicht sofort nachkommen. In einer Instruktion für seinen vermutlich im Frühsommer 1507 zur Zeit des Konstanzer RT bei Kg. Maximilian vorstellig gewordenen Gesandten Johannes von Emershofen begründete er dies mit einer Erkrankung. Er forderte aber auch unter Hinweis auf seine finanzielle Verlegenheit mehr Geld und erbat eine Instruktion zur Spezifizierung seines Auftrages (undat. Kop.; HHStA Wien, Maximiliana 40, Fasz. II/2 Baden, fol. 10–12).
    2
     Kaspar von Winzer berichtete am 8.3. aus Hagenau an Hg. Albrecht von Bayern, daß Kg. Maximilian um zwei Tage Bedenkzeit für seine Entscheidung über den Landshuter Erbfolgestreit gebeten habe. Der Kg. eröffnete Winzer vertraulich, daß er zuerst die niederländischen Gesandten abfertigen werde und sich entschieden habe, nicht in die Niederlande zu reisen, sondern nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Luxemburg nach Konstanz zu ziehen; er werde 2000 Knechte nach Spanien und 6000 in die Niederlande schicken. Er selbst wolle in das welsch land ziehen. Am Tag des Berichts wurde Bf. Christoph von Laibach als kgl. Gesandter zu Kg. Ferdinand nach Neapel abgefertigt (eh. Or. m. S., montag nach oculi; HStA München, KÄA 1238, fol. 188–189’, hier 188–188’, 189).
    3
     Der Kleine Rat der Stadt Konstanz hatte bereits am 6.3. beschlossen, den Kriegsdienst für Frankreich bei Androhung des Verlusts des Zunft- und Burgrechts sowie der Ausweisung der Angehörigen aus der Stadt zu untersagen (act. sambstag vor oculi; StdA Konstanz, B I 25, fol. 219, 219’).
    4
     Beilage zum Ausschreiben Kg. Maximilians an die Eidgenossen vom 13.3.1507 [Nr. 48].
    5
     Die vorliegende Abschrift des am 6.4. in Mülhausen zugestellten Ausschreibens übersandten Bürgermeister und Rat noch am gleichen Tag nach Basel. Da nach Meinung des Mülhäuser Magistrats das kgl. Mandat etwas ufrur und widerwertigkeit anzeigt, sich ouch den widerwertigen reden, so bißher ußgeschollen, zum teil verglicht, haben wir uns merglichen zu besorgen, das solichs nit on merklich widerwertigkeiten ende nemen, sunder understanden werde, durch soliche verrustung uns ilends mit macht zu uberfallen, damit uns kein zitliche entschuttung hilflich sin möge. Mülhausen bat das verbündete Basel um Beratung über das Mandat und um die Entsendung von Truppen im Ernstfall. Die Stadt glaubte sich zwar ausreichend mit Geschützen versehen, es fehlte aber an Mannschaften. Mülhausen setzte Basel außerdem in Kenntnis, daß man einem kurzfristig einberufenen Tag der Städte in der Landvogtei Hagenau der sorglichen, untruwen leuf, ouch unserer merklichen anligenden gescheften halben fernbleiben werde und sich entschuldigt habe. Dann soliche tagsatzung etwas swer und ernstlich gescheften angezeigt (Or., zinßtag nach ostern; StA Basel, Mülhausen D 1, unfol.; Druck: Mieg, Politique, Nr. 12, S. 51f.).
    1
     Vermutlich in Zusammenhang damit steht die Weisung Kg. Maximilians an den Innsbrucker Kammermeister Ulrich Möringer, Leonhard von Völs eine Quittung über 300 fl.rh. in Abschlag der Landsteuer zu übergeben. Völs sollte diese Summe an Jörg von Liechtenstein aushändigen, sobald dieser mit 600 Knechten nach Italien aufbrechen würde (Or. Villingen, 25.4.1507, präs. 8.5., Vermm. prps./cdrp., Gegenz. Serntein; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 114–114’).
    2
     = Stillhalten, Verzögerung (Lexer, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch I, Sp. 285f.).
    3
     Vgl. den Bericht Bf. Georgs und Wolfgangs von Zülnhart vom 28.3.1507 [Nr. 77].
    1
     Vgl. den Bericht Toplers vom 31.3.1507 [Nr. 133].
    1
     Die Datierung ist natürlich falsch. Kg. Maximilian hielt sich zum angegebenen Termin nicht in Konstanz, sondern in Straßburg auf. Für einen Fehler spricht auch die Nachricht über den Aufenthalt Kg. Ludwigs von Frankreich in Grenoble, die bis zum 9.4. keinesfalls den kgl. Hof erreicht haben konnte. Terminus ante quem wäre jedenfalls der 11.5. An diesem Tag traf die Nachricht von der Kapitulation Genuas in Konstanz ein [Nr. 665, Pkt. 4]. Auffällig ist, daß das Mandat ausschließlich in den Überlieferungen Brandenburg-Ansbachs und Würzburgs vorliegt, was auch auf andere suspekte Stücke (Nrr. 38, 151) zutrifft.
    2
     Vgl. dagegen Nrr. 4 [Pkt. 7], 5 [Pkt. 4Und solch ... bescheyden müssen.].
    3
     Über den feierlichen Einzug Kg. Maximilians in Genua am 27.9.1496 und die Schlüsselübergabe berichtete der venezianische Gesandte Francesco Foscari (Wiesflecker, Regesten II/1, Nr. 4384, S. 100).
    4
     Tatsächlich hatte sich Philipp von Kleve um die Beruhigung der Lage in Genua bemüht und zwischen Adel und Volk zu vermitteln versucht. Der Vorwurf der Bestechlichkeit war – anscheinend nicht zu Unrecht – von seiten der Adelspartei erhoben worden, die Kleve die Begünstigung der Popularen unterstellte. Die unklare Haltung des Statthalters und das Mißtrauen der Aufständischen führten dazu, daß er Ende Oktober 1506 Genua verlassen mußte. Vgl. Pandiani, Anno, S. 22–78 passim, bes. S. 40f.
    5
     Philipp von Kleve war im Juni 1488 auf die Seite der gegen Kg. Maximilian revoltierenden Flamen übergetreten. Er begründete dies mit dem Bruch des am 16.5.1488 mit Flandern geschlossenen Vertrags durch Maximilian, für dessen Vollzug Kleve gebürgt hatte (Wolf, Doppelherrschaft, S. 224f.).
    6
     Ein entsprechender Beschluß der in Konstanz versammelten Stände ist – auch für einen späteren Zeitpunkt – nicht nachweisbar.
    1
     Beschluß des Nürnberger Rates vom 14.4.1507 entsprechend der Antwort an die beiden kgl. Gesandten (StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratsverlässe 476, fol. 7’). Vgl. Egersdörfer, Städte, S. 26 Anm. 2.
    1
     Wahrscheinlich ist Nr. 19 gemeint.
    2
     Es handelt sich um Macé de Villebresme, der in Begleitung des Bailli von Charolais, Claude de Salins, Gesandter Ludwigs XII. beim röm. Kg. war (Auton, Chroniques IV, S. 153f.; Lanzer, Gesandten, Nr. 3.71). Kg. Maximilian hatte Salins zuvor nach Frankreich entsandt, um den grundlosen Bruch des Bündnisses von 1504/05 zu kritisieren und die Einstellung der Unterstützung für Karl von Egmond anzumahnen. In der Instruktion für Salins beteuerte der röm. Kg. seinen Willen zur Fortsetzung freundschaftlicher Beziehungen. Zugleich bat er um Beistand gegen Kg. Ferdinand von Aragon, dem er Absichten zur Usurpierung des kastilischen Thrones unterstellte. Im übrigen forderte er Kg. Ludwig auf, seinen Verpflichtungen aus dem Hagenauer Vertrag von 1505 – mit Ausnahme der Heiratsvereinbarung – und den aus der Belehnung mit Mailand resultierenden Pflichten gegen das Reich nachzukommen. Einzelheiten sollten durch Räte beider Seiten auf einem Tag in der Reichsstadt Verdun geregelt werden (Instruktion für Salins als Gesandten zum kgl. Kammerdiener François du Chesnay (de Schanetz) und zu Kg. Ludwig von Frankreich, frz. Konz. mit eh. Ergänzungen Kg. Maximilians, Innsbruck, 8.1.1507; HHStA Wien, Belgien PA 1, Konv. 1, fol. 77–79). Salins wurde nach einleitenden Beratungen mit du Chesnay am 10.2. in Bourges bei Kg. Ludwig vorstellig (Auton, ebd., S. 151–153). Laut Berichten des mantuanischen Gesandten antwortete dieser bezüglich Gelderns, Hg. Karl nicht im Stich lassen zu können (Giulio Gonzaga an Mgf. Francesco von Mantua, jew. ital. Or. m. S., Bourges, 25.2./1.3.1507; AS Mantua, A.G., ser. E.XV.3, busta 631, fol. 11–11’; 12–12’).
    3
     Gemeint sind wahrscheinlich Jaime de Albión und Giovanni Cossa (Ochoa Brun, Historia, App. I, S. 179). Vgl. zur Unterredung zwischen dem Kardinal und Salins gegen Ende März in Lyon Auton, Chroniques IV, S. 155.
    1
     = Tlemcen/Algerien. Vgl. Hakluyt, Voyages IV, S. 37f.
    2
     Gemäß Instruktion Kg. Maximilians vom 15.9.1504 sollten seine Gesandten den Beitritt des Kg. zum siebenjährigen Waffenstillstand zwischen dem Osmanischen Reich und Ungarn (20.8.1503) erklären (Gröblacher, König, S. 160–163; Babinger, Zwischenspiele, S. 328–330; Müller, Erbfeind, S. 257f.). Über den von Kg. Maximilian behaupteten Vertragsschluß liegen keine Unterlagen vor. Er hatte allerdings bereits kurz nach der Rückkehr seiner Gesandten aus der Türkei während des Hagenauer Tages 1505 eine entsprechende Mitteilung an die venezianischen Gesandten gemacht (Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 91, S. 244f.). Gröblacher (ebd., S. 162) geht davon aus, „daß Sultan Bayezid den erbetenen ‚willbrief’ über die Einbeziehung des Römischen Königs in den siebenjährigen Waffenstillstand und auch ein Schreiben an Maximilian übergeben hat“.
    3
     Kein Nachweis. Da der bestehende Waffenstillstand erst 1510 auslaufen sollte, erscheint zumal angesichts der Vorgänge in Ungarn ein vorzeitiger erneuter Vertragsabschluß unwahrscheinlich.
    4
     Kg. Wladislaw versicherte in einem Schreiben vom 18.6. an den Dogen, daß die ihm gezahlten Gelder ausschließlich zu den im Vertrag bestimmten Zwecken ausgegeben wurden (Libri commemoriali VI, Nr. 136, S. 93).
    5
     Die Signorie hatte gegenüber den beiden Gesandten Kg. Maximilians im Nov. 1506 dessen Durchzug mit großer Heeresmacht verweigert und statt dessen – wie schon gegenüber den Gesandten Moysse, Fuchshard und Rauber Anfang Sept. 1506 (lat. Entwürfe für die Antworten an die Gesandten bzw. an Moysse, 5.9.1506; StA Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 195’-196; 196–196’. Entsprechende Mitteilung an P. Pasqualigo, 6.9.1506; ebd., fol. 196’-197. Sanuto, Diarii VI, Sp. 411f.; Lutter, Kommunikation, S. 74f.) – dem Kg. einen Krönungszug mit kleinem Gefolge nahegelegt. Das vorgeschlagene Bündnis wurde als gleichermaßen unnötig angesichts der guten bilateralen Beziehungen wie destablisierend in Hinblick auf die Verhältnisse in Europa abgelehnt. Statt dessen sollte Maximilian einen Kreuzzug unternehmen (lat. Entwurf für die Antwort an Bf. Melchior von Brixen und Ebf. Jakob von Trier, 17.11.1506; StA Venedig, ebd., fol. 209–209’. Entsprechende Mitteilung des Dogen an den Orator in Frankreich, Alvise Mocenigo, ital. Kop., 19.11.1506; ebd., fol. 201–211. Lutter, ebd., S. 75, 130–134; Wiesflecker, Maximilian III, S. 356; Pernthaller, Bestrebungen, S. 75f.; Leipold, Beziehungen, S. 232f., 236f.; Ulmann, Maximilian II, S. 294f.; Wolff, Beziehungen, S. 89f.).
    6
     Die Signorie hatte Pasqualigo am 21.11. über die Antwort an die kgl. Gesandten und deren weiteres Drängen informiert. Pasqualigo wurde angewiesen, Kg. Maximilian gegenüber darzulegen, daß die seinen Gesandten gegebene Antwort keiner weiteren Erklärung bedürfe (ital. Kop.; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 211). Bereits am 9.12. bestätigte der Senat den Eingang zweier Berichte Pasqualigos – der letzte datierte vom 1.12. – über seine Unterredungen mit Kg. Maximilian (vgl. Sanuto, Diarii VI, Sp. 505f.) und lobte dessen klugen Vortrag an den Kg., et maxime dove li havete affirmato esser penitus impossibile che nui possiamo ad persuasione de alcun principe del mondo esser rimossi da questa nostra optima dispositione et proposito, nonché ad far né pur pensar alcuna cosa offensiva né contraria a sua maestà (ital. Kop.; ebd., fol. 215’).
    1
     Liegt nicht vor. Doch informierte Venedig seinen Gesandten am frz. Hof, Alvise Mocenigo, mit Schreiben vom 4.1., daß man unter anderem durch Berichte des venezianischen Orators an der Kurie [Domenico Pisani; Lanzer, Gesandten, Nr. 11.36] von der Entsendung Arianitis nach Deutschland und eines weiteren Gesandten namens Gabrielletto [= wahrscheinlich Stefano Gabriele Merino] nach Neapel zu Kg. Ferdinand von Spanien erfahren habe. Zum frz. Kg. sei der Ebf. [Pierre Le Filleul] von Aix (monsignor de Aquis) abgefertigt worden. Der Papst plane etwas. Wegen dieser Sache reise auf dessen Betreiben hin angeblich auch der H. de Chaumont [Charles d’Amboise] nach Frankreich. Sie hätten nicht in Erfahrung bringen können, worum es sich genau handle, doch sei es sicher auch zum Nachteil des frz. Kg., perché da quelle sogliono produrse perturbatione, scandali et periculi che, dapoi principiati, se fano molte volte grandissimi et irremediabili (ital. Kop.; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 218’). Mit Schreiben vom 6.1. stellte die Signorie klar, daß die Absichten des Papstes eindeutig gegen Venedig gerichtet seien – tenta et procura contra el stado nostro cum tuti li mezi a lui possibili. Mocenigo wurde angewiesen, die Pläne des frz. Kg. zu erkunden (ital. Kop.; ebd., fol. 218’-219). Zur Mission Arianitis vgl. Stelzer, Maximilian, S. 164f.; Ders., Arianiti, S. 41–44; Lanzer, Gesandten, S. 137f.; Brunetti, Vigilia S. 10f., 22–25.
    2
     Spielt auf den Geheimvertrag von Blois zwischen Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich vom 22.9.1504 an (Druck: Léonard, Recueil II, S. 17–21; DuMont, Corps IV/1, Nr. XXX, S. 58f. Regest: Wiesflecker, Regesten IV/2, Nr. 21556, S. 1058f. Vgl. Tautscher, König, S. 147–149; Stelzer, König, S. 42f.; Leipold, Beziehungen, S. 202–204; Wiesflecker, Maximilian III, S. 129f.).
    3
     Da Venedig nicht explizit in den Bündnisvertrag von Blois vom 12.10.1505 (Druck: Léonard, Recueil II, S. 35–40; DuMont, Corps IV/1, Nr. XL, S. 72–74) einbezogen war, muß hier der bereits vor dem französisch-habsburgischen Angriffspakt gegen Venedig geschlossene dreijährige Waffenstillstand zwischen Spanien und Frankreich vom 31.3.1504 (Druck: ebd., Nr. XXVI, S. 51–54) gemeint sein.
    4
     Anspielung auf das avignonesische Papsttum (1309–1377).
    1
     Liegen nicht vor, siehe jedoch Anm. 2.
    2
     Laut zwei im Senat abgelehnten Entwürfen für eine Weisung an Pasqualigo berichtete der Gesandte am 28.1. über den Wunsch Kg. Maximilians nach einem Bündnis mit Venedig mit der Zielsetzung eines Einmarsches in das Hm. Mailand und über das Drängen der niederländischen Gesandten am kgl. Hof nach Erscheinen Kg. Maximilians in den burgundischen Erblanden. Im Entwurf Veniers wurde der Vorschlag zu einer Invasion Mailands unter Hinweis auf die Gefährlichkeit eines solchen Unternehmens und die unabsehbaren Konsequenzen zurückgewiesen. Voraussetzung für eine ernsthafte Erörterung des angeregten Bündnisses war die Einbeziehung Kg. Ferdinands von Aragon (ital. Kop., Verm.: Ser Andreas Venerio, consiliarius. – De parte: 7 [Verm. über Neinstimmen und Enthaltungen fehlt.]; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 228’-229). Laut dem Entwurf Giorgio Emos sollte Pasqualigo Kg. Maximilian der unverbrüchlichen Treue Venedigs versichern. Ein Einmarsch nach Mailand wurde jedoch mit dem Bedürfnis Italiens nach Frieden als unvereinbar erachtet. Im übrigen wurde ebenfalls auf die Rückkehr des Bf. von Laibach zu Kg. Maximilian verwiesen (ital. Kop., Verm.: Georgius Emo, sapiens t[erre] firme; Verm. am Textende: De parte: 5. De non: 8. Non sync[eri]: 3; ebd., fol. 229’).
    1
     Mit Instruktion vom 7.3.1507 (Druck: Calogera, Memorie, S. 93–100) hatte Kg. Maximilian Bf. Christoph Rauber von Laibach und Luca de Renaldis zu Verhandlungen mit Kg. Ferdinand von Aragon über die Einrichtung der Regentschaftsregierung in Kastilien und über die Sicherung der Erbfolge Ehg. Karls abgeordnet. Die Gesandten sollten Kg. Ferdinand angesichts seiner engen Beziehungen zu Frankreich und der Schwangerschaft seiner Gemahlin Germaine nachdrücklich davor warnen, die Regentschaft in Kastilien an sich zu ziehen (Weisung Kg. Maximilians an dies., Straßburg, 17.4.1507; Druck: ebd., S. 101–107). Vgl. zu den Verhandlungen Raubers und Renaldis’ mit Kg. Ferdinand in Neapel Zurita, Historia IV, S. 192–202; Fink, Beziehungen, S. 56–59; Krendl, Verhandlungen, S. 229–241.
    2
     Gemeint ist Pfgf. Friedrich, der sich mehrere Jahre zur Ausbildung am burgundischen Hof aufgehalten hatte und in Diensten Kg. Philipps gestanden war (Cauchies, Philippe, S. 139; Baar-Cantoni, Religionspolitik, S. 14).
    3
     Winzer legte dem Administrator laut Präsentatvermerk am 6.4. den ihm mitgegebenen Kredenzbrief vor (Or. Straßburg, 21.3.5107, Verm. prps., Gegenz. Serntein; HStA München, Hst. Freising, K.blau 220/1, unfol.).
    1
     Eine weitere, wohl auf das 18. Jahrhundert zu datierende Abschrift der Gesandtenberichte Querinis wird in der Bibliothek des Museo Civico Correr di Venezia (Sign.: Cicogna, Nr. 2581 (= 1975), fol. 1–233) aufbewahrt (Brunetti, Vigilia, S. 2 Anm. 1; Kristeller, Iter VI, S. 267). Der Band stand für die Einarbeitung in die vorliegende Edition nicht zur Verfügung. Borino (Codices XII, S. 1–3) weist außerdem eine auf das 18./19. Jh. zu datierende Abschrift in der Vatikanischen Bibliothek (Cod. Vat. Lat. 10701) nach.
    2
     Nachdem ein erster Senatsbeschluß vom 23.10.1506 nicht umgesetzt worden war, erfolgte die Ernennung Querinis zum venezianischen Residenten am Hof Kg. Maximilians nach erneutem Beschluß vom 29.1.1507 (Brunetti, Vigilia, S. 7; Erdmannsdörffer, Depeschen, S. 58) am 25.2. (Kommission des Dogen Leonardo Loredan, lat. Kop.; AS Venedig, Collegio, secreta, commissioni 1500–1513, fol. 68’-69). Mit Schreiben vom 26.2. teilte Querini mit, daß er sich weisungsgemäß rechtzeitig zum voraussichtlichen Beginn des Konstanzer RT am 7.3. am kgl. Hof einfinden werde (ital. Kop. Bozen; BM Venedig, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 2; BFQS Venedig, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 73). Der bevorstehende RT hatte die Signorie zur Abfertigung ihres außerordentlichen Gesandten veranlaßt (Brunetti, Vigilia, S. 7f.). Zu den Berichten Pasqualigos vom 28.2. (über die Abreise der röm. Kgin. nach Konstanz) und 8.3. (über die Belehnung Bf. Wilhelms von Straßburg) vgl. Sanuto, Diarii VII, Sp. 32, 36f.
    3
     Gemeint ist der kgl. Oberhofmeister Gf. Eitelfriedrich von Zollern.
    4
     Gemeint ist vermutlich der Großbailli des Hennegau, Guillaume de Croy, der sich im März 1507 als Vertreter der niederländischen Statthalterregierung am kgl. Hof in Straßburg aufhielt.
    5
     Vgl. Nr. 19, Anm. 2.
    1
     Lehenbrief Kg. Maximilians für Kg. Philipp von Kastilien als Vormund seines Sohnes Ehg. Karl vom 7.4.1505 [Nachweise s. Nr. 5, Anm. 16].
    2
     Bezug auf den Postverm. in Nr. 26.
    1
     Kg. Maximilian hatte Renaldis im Nov. 1506 zusammen mit dem Bf. von Laibach zu Kg. Ferdinand entsandt, um mit diesem über die Nachfolgefrage in Kastilien und die Beziehungen Kg. Maximilians zu Frankreich zu verhandeln (Zurita, Historia IV, S. 172f.; Rodriguez Villa, Reina, S. 460–465 (Schreiben Kg. Ferdinands an Bartolomé Samper vom 15.3.1507); Krendl, Verhandlungen, S. 223–228; Fink, Beziehungen, S. 52–56; Naschenweng, Beiträge I, S. 137–139).
    2
     Entsprechende Kredenzbriefe waren auch an die Kardinäle Melchior von Meckau, Bf. von Brixen (Brixinensi), Ebf. Oliviero Carafa von Neapel (Neapolitano), Bernardino López de Carvajal (St. Crucis), Gian Antonio Sangiorgi (St. Georgii), Bf. Pietro Isvalies, [bis 24.7.1506] Ebf. von Reggio di Calabria (Regino), Bf. Galeotto Franciotti von Lucca (St. Petri ad Vincula), Bf. Gabriele de’ Gabrielli von Urbino (Urbinati), Jorge da Costa (Portugalensi), Bf. Francesco Soderini von Volterra (Volterano) und Giovanni Colonna (Columna) adressiert (lat. Konz. mit ex.-Verm., s.l., s.d.; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 77–77’ unten). Mit Schreiben vom gleichen Tag wurde Renaldis entgegen einer früheren kgl. Weisung beauftragt, nicht mit Kg. Ferdinand von Neapel nach Spanien zu reisen, da andere Gesandte dorthin abgeordnet worden waren, sondern sich zum Papst zu begeben und dort als Orator die Angelegenheiten Kg. Maximilians zu vertreten (lat. Konz. mit ex.-Verm., s.l., s.d.; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 77’ oben). Spätestens Ende Mai reiste Renaldis aus Rom ab. Am 2.6. verhandelte er in Venedig über eine Durchzugsgenehmigung für das kgl. Romzugsheer (Lutter, Kommunikation, S. 76).
    3
     Gemäß archivalischer Einordnung. Naschenweng (Beiträge I, S. 138 Anm. 2) datiert auf den 28.3.
    1
     Zur Finalrelation Pasqualigos vor dem Senat am 15.4. vgl. Sanuto, Diarii VII, Sp. 48f.
    2
     Vgl. Brunetti, Vigilia, S. 10 Anm. 1.
    3
     Dies spielt auf den Anfang März 1505 zwischen Julius II. und Venedig geschlossenen Vertrag zur Beilegung der Streitigkeiten über die Romagna an. Venedig hatte darin eingewilligt, vierzehn Orte einschließlich des zu Cesena und Imola gehörenden Territoriums an den Kirchenstaat zurückzugeben, wohingegen Julius II. durch den Hg. von Urbino zusagen ließ, auf weitere Versuche zum Rückerwerb Riminis und Faenzas zu verzichten. Venedig legte die Vereinbarung in der Folge dahingehend aus, förmlich in den Besitz dieser beiden Städte eingesetzt worden zu sein. Gerade diesen Schritt hatte der Papst jedoch vermeiden wollen (Pastor, Geschichte III/2, S. 721; Brosch, Papst, S. 120f.; Fusero, Giulio, S. 297–304; Seneca, Venezia, S. 73–77; Shaw, Julius, S. 138f.; Stelzer, König, S. 49–51, 54; Leipold, Beziehungen, S. 214–216).
    1
     Siehe Nr. 22 [Pkt. 3].
    2
     Verweist auf den Postvermerk in Nr. 29.
    1
     Bezieht sich auf den Postvermerk in Nr. 31.
    2
     Querini wurde darin angewiesen, gegenüber Kg. Maximilian dessen Ruhm und Ehre sowie das Wohlergehen, die Sicherheit und die Ausdehnung der Respublica Christiana als die beiden zentralen Anliegen venezianischer Politik zu definieren. Man habe deshalb bei den in Frankreich und Neapel geführten Bündnisverhandlungen – worüber gerade Berichte der Gesandten Venedigs eingegangen seien – auf der Miteinbeziehung des röm. Kg. insistiert, was die uneingeschränkte Zustimmung der Kgg. von Frankreich und Spanien gefunden habe. Venedig sei zuversichtlich, daß es zum Abschluß dieses Bündnisses zur Aufrechterhaltung des Friedens in der Christenheit und in der Folge zu einem Kreuzzug unter Führung Kg. Maximilians kommen werde. Querini sollte dies dem röm. Kg. darlegen und ihm aufzeigen, daß dies der einzig gangbare Weg zur Wahrnehmung seiner Interessen sei (Venedig an P. Pasqualigo und V. Querini bzw. an Querini allein, ital. Kop., 13.3.1507; BM Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1507–1509 (reg. 41), fol. 18’-19). Aufgrund des inzwischen eingegangenen – nicht vorliegenden – Berichts Pasqualigos vom 28.2., in dem dieser das Ergebnis der gemäß Weisung vom 9.2. [Nr. 24] geführten Verhandlungen mitteilte, bekundeten Doge und Senat ihr Befremden über die Äußerungen Kg. Maximilians in bezug auf Kg. Ferdinand von Aragon, erklärten sich aber für weitere Vorschläge des röm. Kg. offen (ital. Kop., Verm. am Textende: De parte: 42. Volunt quod praesens materia differatur pro nunc. De parte: 118. De non: 3. Non synceri: 6; ebd., fol. 19–19’).
    3
     Diesen Vorwurf erhob im März 1507 auch ein Gesandter Kg. Maximilians gegenüber Kg. Ludwig von Frankreich (Ulmann, Absichten, S. 6).
    1
     Der im März 1504 an den kgl. Hof entsandte Rotaauditor Bartolini sollte Kg. Maximilian dazu bewegen, Venedig zur Rückgabe der Romagna aufzufordern und gegebenenfalls militärisch gegen die Republik vorzugehen (Brosch, Papst, S. 112; Pastor, Geschichte III/2, S. 719; Fusero, Giulio, S. 299f.; Tautscher, König, S. 145; Stelzer, Maximilian, S. 29, 31–33, 169–171).
    2
     Kardinal Sigismondo Gonzaga berichtete am 17.4. über ein in Rom eingetroffenes Schreiben Arianitis, worin dieser die Verstimmung Kg. Maximilians in bezug auf Mgf. Francesco von Mantua meldete und gleichzeitig seine Vermittlung anbot (Nachschrift zu einem Schreiben Sigismondo Gonzagas an Mgf. Francesco von Mantua, ital. Or. Rom; StA Mantua, A.G., ser. E.XXV.3, busta 857, fol. 290–290’).
    3
     Juan de Aragón, Gf. von Ribagorza, fungierte von Mitte Juni 1507 bis Dezember 1508 als spanischer Statthalter und bis Oktober 1509 als Vizekönig von Neapel (Pedio, Napoli, S. 186 Anm. 30, 535).
    4
     Vgl. die Einträge im Tagebuch des päpstlichen Zeremonienmeisters Paris de Grassis vom 14. und 27.3. (Döllinger, Quellen, S. 378–380. Vgl. Pastor, Geschichte III/2, 743f.; Shaw, Julius, S. 205f.).
    1
     Liegt nicht vor.
    2
     Vgl. das Protokoll Bf. Christophs von Laibach und Lucas de Renaldis über die in Neapel geführten Verhandlungen mit Kg. Ferdinand von Spanien, Anf. Apr.-4.6.1507 (lat.; AG Simancas, patr. real, leg 56, fol. 46–76. Regest: Wiesflecker, Regesten V/2 (in Vorbereitung durch M. Hollegger). Auswertung durch Krendl, Verhandlungen, S. 231–241; Fink, Beziehungen, S. 55–59). Kg. Ferdinand gab den Gesandten Kg. Maximilians ein Schreiben mit, worin er ankündigte, daß diese ihn über seine Stellungnahmen zu den unterbreiteten Vorschlägen unterrichten würden. Zugleich versicherte er den Habsburger seines Interesses an der Nachfolge Ehg. Karls in Spanien: Muy afectuosamente vos rogamos que tengáys por certissimo que en las cosas que tocan á la seguridad de la successión del illustrissimo principe don Carlos, nostro muy caro y muy amado nieto, y á todo su bien nos tenemos la misma voluntad que vuestra serenidad y mayor, si mayor puede ser y assi lo vereys por la obra plaziendo á nuestro Señor. Y tengo yo por certissimo que á los que mas esto pesara serán aquellos que agora trabajan de daros a entender lo contrario (span. Or. Neapel, 4.6.1507, eh. Unterz. Kg. Ferdinand, Gegenz.: Miguel Pérez de Almazán (kgl. Sekretär); HHStA Wien, Habsburgisch-Lothringische Familienurkunden, Nr. 911. Fehlerhafter Teilabdruck: Bauer, Anfänge, S. 12 Anm. 1). Sicherlich vor Eingang dieses Schreibens in Konstanz kündigte Kg. Maximilian Juan Manuel und den kastilischen Granden seine Ankunft in Begleitung Ehg. Karls in Kastilien an. Demnach beabsichtigte der Kg., in zwei Wochen von Konstanz nach Brabant aufzubrechen. Manuel sollte bis seinem Eintreffen die Interessen Kgin. Johannas und des Ehg. wahrnehmen (Konstanz, 12.6.1507; Druck: Zurita, Historia IV, S. 239. Vgl. Schmid, Maximilian, S. 29; Cauchies, Philippe, S. 216; Aram, Governing, S. 197).
    1
     Liegt nicht vor.
    2
     Liegt nicht vor.
    1
     Liegt nicht vor.
    1
     Wolff (Beziehungen, S. 87) gibt fälschlich den ebenfalls in Rom weilenden kgl. Agenten Luca de Renaldis als möglichen Verfasser des Schreibens an.
    2
     Am 28.3. war in Genua feierlich die Kriegserklärung an Frankreich verkündet worden (Pandiani, Anno, S. 231).
    3
     Etliche Familienmitglieder der Sauli, einer genuesischen Bankiersfamilie, hatten zur Zeit des Aufstandes führende Positionen inne. Julius II. setzte sich in einem Schreiben vom 20.5. an Ludwig XII. für die Sauli ein (Pandiani, Anno, S. 412 Anm. 1).
    4
     Tatsächlich trafen im März/April 1507 aus Rom bzw. Civitavecchia wiederholt Truppentransporte sowie Lieferungen von Pulver und Kriegsmaterial in Genua ein (Pandiani, Anno, S. 226, 250, 257, 380f., 386f., 391, 395).
    5
     Wahrscheinlich ist Aix-les-Bains gemeint.
    6
     Die Zerstörung der frz. Herrschaftsinsignien in Genua ist verbürgt (Pandiani, Anno, S. 231, 384), ihre Ersetzung durch den Reichsadler erwähnt sonst nur – als Behauptung der Adelspartei gegenüber Kg. Ludwig – Guicciardini (Storia II, S. 723). Vgl. auch Nr. 657 [Pkt. 6].
    7
     Es handelt sich jedenfalls um ein Mitglied der Familie Giustiniani. In Frage kommen vor allem der genuesische Flottenkommandant Brizio (für den der Beiname „il Gobbo“ verbürgt ist; Sanuto, Diarii VII, S. 108f., 216) und Silvestro Giustiniani, der tatsächlich mit Truppen in Genua erwartet wurde (Pandiani, Anno, S. 251, 397), außerdem der Truppenführer Greghetto (auch Greco) und Galeazzo Giustiniani (ebenfalls genannt „il Gobbo“).
    8
     Auf der Rückseite sind die Punkte des Antwortschreibens an Ruhe vermerkt: Im widerzuschreiben, kgl. Mt. hab seins anzaigens gn. gefallen, mit beger, dz er alzeit in dergleichen hendeln sein fleissig aufmerken hab und alwegen die kgl. Mt. des grunds bericht. Im auch zu verkunden, dz kgl. Mt. ytz 3000 knecht verordent hab, die gestracks in Ytalien ziehen und auf dem weg sein, aber nit auf die pass, als er in disem schreiben anzaigt, dann sy mochten daselbs nit sicher durchkumen. Ferrer, dz er hetz den babst und all cardinal wider Fr[ankreich] und dz Genua getrost werde, dann kgl. Mt. well Fr[ankreich] bald angreifen und Genua helfen. – Tatsächlich beschränkte sich die Hilfe Kg. Maximilians für Genua auf ein Vermittlungsangebot an Ludwig XII. und die Bitte an Kg. Ferdinand, Frankreich nicht gegen die Aufständischen zu unterstützen (Ulmann, Maximilian II, S. 307f.; Stelzer, Maximilian, S. 66; Schmid, König, S. 40f.).
    1
     Möglicherweise handelt es sich bei dem Schreiben um eine Fälschung. Wie das ominöse Ausschreiben Kg. Maximilians an Ebf. Ernst von Magdeburg [Nr. 19] ist es lediglich in zwei voneinander abhängigen Überlieferungen imStA Nürnberg und im StA Würzburg erhalten (was auch für Nr. 151 zutrifft) und trägt das gleiche Ausstellungsdatum. Allerdings wäre der Verfasser außergewöhnlich gut informiert gewesen, und Querini bezeugt für den 26.4. die Ankunft eines genuesischen Gesandten – vielleicht Paolo Battista Giustiniani [Nr. 358] – in Konstanz [Nr. 657, Pkt. 6].
    2
     Liegen nicht vor. Pandiani, Anno, gibt keinen Hinweis auf eine Kontaktaufnahme der Aufständischen mit Kg. Maximilian. Recherchen im HHStA Wien und im TLA Innsbruck blieben ebenso ergebnislos wie eine Anfrage an das AS Genua.
    3
     Schreiben des neugewählten Rates an Kg. Ludwig von Frankreich vom 21.7.1506 (ital. Druck: Pandiani, Anno, S. 422–424. Pacini, presupposti, S. 175). Im August entsandten die Popularen Dr. Nicolò Oderico zu Kg. Ludwig, um die Gründe für die Vorgänge in Genua darzulegen (ebd., S. 19f. Instruktion für Oderico vom 6.8.1506; lat. Druck, ebd., S. 431–440. Pacini, presupposti, S. 159f., 170f.).
    4
     Der frz. Statthalter von Genua, Philipp von Kleve, H. von Ravenstein, traf nach ersten Vermittlungsbemühungen zwischen Adel und Volk am 29.8.1506 in Genua ein. Seine Maßnahmen zur Beruhigung der Lage erwiesen sich jedoch als unzureichend, der Adel beschuldigte ihn der Parteilichkeit zugunsten der Popularen. Gleichzeitig jedoch zunehmenden Verdächtigungen und Drohungen seitens der Aufständischen ausgesetzt, verließ der Statthalter Genua am 25.10. wieder. Vgl. Pandiani, Anno, S. 22–78 passim; Coles, crisis, S. 37–39.
    5
     Gianluigi Fieschi war Ende Oktober 1506 an den Hof Kg. Ludwigs geladen worden. Im Gegenzug entsandte die Popularenpartei zwei weitere Oratoren, Paolo de Franchi und Simone Giovo, nach Frankreich (Auton, Chroniques IV, S. 105 Anm. 1; Pandiani, Anno, S. 82f., 344. Instruktion für die beiden Gesandten vom 12.11.1506; ital. Druck: ebd., S. 457–470. Pacini, presupposti, S. 163).
    6
     Die Gesandten der Popularen zu Kg. Ludwig beklagten wiederholt, nicht zur Audienz zugelassen zu werden (Pandiani, Anno, S. 122, 155 Anm. 2, 179, 362. Vgl. Pacini, presupposti, S. 177–181).
    7
     Anfang Februar 1507 traf aus Mailand die Nachricht in Genua ein, daß Ludwig XII. beschlossen habe, die Popularen zu Rebellen zu erklären (Pandiani, Anno, S. 185, 367).
    8
     Vgl. Nr. 33 [Pkt. 4 – Der Kg. von Aragon ... untersagt.].
    9
     Ende Februar/Anfang März 1507 wurden sämtliche in Mailand befindlichen Anhänger der Popularen festgenommen und ihre Güter beschlagnahmt (Pandiani, Anno, S. 215, 376, 523; Sanuto, Diarii VII, Sp. 25, 27).
    10
     Der auf der Seite der Adelspartei stehende Kommandant des Castelletto, Galeazzo Salazar, ließ am 7.2.1507 zum Sonntagsgottesdienst in der Kirche San Francesco versammelte Anhänger der Popularen gefangensetzen. Ab Ende Februar beschoß er mehrmals die Stadt vom Castelletto aus. Über die Grausamkeiten Salazars gegen seine Gefangenen beklagten sich die Bürger am 8.3. in einem Schreiben an den frz. Statthalter von Mailand, Charles d’Amboise (Pandiani, Anno, S. 189, 221f., 230, 370, 374, 376, 378, 383, 523f.; Senarega, De rebus Genuensibus, S. 111 mit Anm. 4, 112 mit Anm. 1; Guicciardini, Storia II, S. 722; Auton, Chroniques IV, S. 128).
    11
     Der Stellvertreter Kleves, Philippe de Roquebertin, verließ Ende Februar 1507 Genua (Pandiani, Anno, S. 211f.).
    12
     = heimlich.
    13
     Die in das Castelletto geflohenen frz. Bürger ergaben sich nach der Zusicherung, ihr Leben zu verschonen, am 12.3. den Aufständischen. Dennoch wurden sie hingerichtet (Auton, Chroniques IV, S. 140–143; Terrasson de Fougères, Royauté, S. 283).
    14
     Tatsächlich mußten auf dem Weg zum mailändischen Statthalter Charles d’Amboise (Großmeister von Frankreich) befindliche Gesandte der Popularen wegen ihrer Bedrohung durch genuesische Adlige umkehren (Pandiani, Anno, S. 216, 376f.; Sanuto, Diarii VII, Sp. 31f.).
    1
     Arianiti war nach dem Tod Mgf. Bonifaz’ von Montferrat (1494) von dessen Witwe testamentarisch zum Statthalter und Vormund ihres Sohnes Wilhelm bestellt worden. Nach dem französischen Einzug in Mailand wurde Arianiti verhaftet. Seine Bemühungen um Rehabilitierung nach erfolgreicher Flucht blieben vergeblich (Babinger, Ende, bes. S. 35–38, 48f.; Stelzer, Arianiti, S. 31).
    2
     Vgl. Nr. 29, Anm. 3.
    1
     Vgl. Nr. 29, Anm. 3.
    1
     Am 14.4. informierte Kg. Maximilian die Innsbrucker Raitkammer und Martin Aichorn (kgl. Hauskämmerer zu Innsbruck) über die Entsendung Leonhard Raubers mit 1000 [!] Knechten nach Italien und wies sie an, unverzüglich Waffen und Ausrüstung nach Trient vorauszuschicken (Kop. mit imit. Gegenz. M. Treitzsaurwein, Straßburg, präs. Innsbruck, 19.4.1507; TLA Innsbruck, Oberösterreichische Kammer-Kopialbücher, Bd. 33, fol. 124’-125. Verm. über den Beschluß der Raitkammer: Fiat cito laut des bevelchs und dan furlon durch hauscamer zu bezalen.).
    2
     Leonhard Rauber berichtete am 7.5., daß ihm der Podestà von Rovereto [Giovanni Francesco Pisani] den Durchzug verweigere; er sei mit seinen Knechten nach einigem Hin und Her in Rovereto untergekommen. Der Statthalter und die Einwohner verhielten sich ihm gegenüber freundlich, aber die Gemeinde (parisen [wohl abgeleitet von parése/palése; Battaglia, Dizionario XII, S. 397ff.]) und der Pfleger zu Kastelkorn ließen allerorten die Sturmglocken schlagen und wappneten sich gegen ihn. Sie hätten 2000–2500 Mann aufgeboten, obwohl er ihnen mitgeteilt habe, daß er nicht in ihrem Gebiet lagern werde. Dennoch hätten sie alle Pässe und Flußübergänge gesperrt. Der Statthalter habe ihm angeboten, ihn auf dem Wasserweg nach Venedig bringen zu lassen, doch die Gemeinde und der Pfleger von Kastelkorn lehnten dies ab. Der Statthalter habe deshalb nach Venedig um Instruktionen geschrieben [vgl. Nr. 667, Anm. 2 (Weisung vom 8.5.)]. Seine Knechte litten Not. Bologna, Ferrara, Mantua, Florenz und Pescia wollten ihn und seine Truppen ebensowenig aufnehmen wie voraussichtlich Ancona. Sollte Camillo [de Montibus] ihm melden, daß ihm auch keine andere italienische Kommune Aufnahme gewährt, will er wenigstens dafür Sorge tragen, daß die Knechte sich nicht in fremde Dienste begeben, sondern sie nach Hause beurlauben (Or. Rovereto (Raffreyd), freytag nach des hl. kreuzerfindung tag; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 135–136’. Druck: Chmel, Urkunden, Nr. CCXIX, S. 284–287. Vgl. Leipold, Beziehungen, S. 243; Naschenweng, Beiträge I, S. 98f.). Am 24.5. bestätigte Rauber den Empfang einer am 23.5. (hl. pchingstag) eingegangenen kgl. Weisung, sich unverzüglich zurückzuziehen und die Knechte nach Kempten zu führen, um sie dort zu entlassen. Er mußte indessen melden, daß er aufgrund von Berichten eines Boten Camillos de Montibus (kamylus) und seines eigenen, zum Dogen abgefertigten Boten sowie aufgrund von Mitteilungen des mantuanischen Kanzlers [Stazio Gadio] wie auch aus anderen Gründen bereits am 20.5. (pchinzttag vor pchingsten) aus dem Territorium Venedigs abgezogen sei und die Knechte am 22.5. (sambstag vor pchingsten) entlassen habe (Or. m. ex.-Verm. auf dem Umschlag, Trient, montag nach pfingsten; ebd., fol. 152).
    1
     Zur Problematik der Edition s. Jucker, Gesandte, S. 33–60.
    2
     Gemeint sind die seit Dez. 1505 geführten Verhandlungen [Nachweise s. Nr. 4, Anm. 28].
    3
     Gemäß Eidgenössische Abschiede III/2 (S. 355) wurde der Tag auf den Drei-Königstag, den 6.1.1507, anberaumt.
    1
     Zu den bzgl. des Konstanzer RT irrelevanten Beratungspunkten siehe Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 261 (Pkt. a-c, g-i, l-q).
    2
     Dies geht jedenfalls aus der schriftlich fixierten Antwort der Züricher Tagsatzung vom 14.12.1506 so nicht hervor. Demnach wurde lediglich die Anfrage zur Beratung durch die einzelnen Orte und zur anschließenden Beantwortung auf dem Badener Tag in den Abschied aufgenommen (Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 259, S. 358).
    3
     Siehe ebd., Nr. 261 (Pkt. e).
    4
     Gemeint ist der Pensions- und Bündnisvertrag zwischen Kg. Ludwig XI. von Frankreich und den Eidgenossen vom 26.10.1474/2.1.1475 (Druck: Eidgenössische Abschiede II, Nrr. 53f., S. 917–919; Thommen, Friedensverträge, S. 142–145), der „Grundlage fast aller folgender Verträge [der Eidgenossen] mit der französischen Krone bis ins 17. Jahrhundert“ wurde (ebd., S. 146). Das 1507 noch bestehende Bündnis mit zehnjähriger Laufzeit schlossen die Eidgenossen am 16.3.1499 mit Kg. Ludwig XII., der den Vertrag am 6.5. ratifizierte (Druck: Eidgenössische Abschiede III/1, Beilage Nr. 34, S. 755–757; Lünig, Reichs-Archiv VII (Part. Spec. Cont. I, Anh., 4. Absatz), Nr. XLIIX, S. 225f.; Thommen, Friedensverträge, S. 156–160. Vgl. Gagliardi, Anteil I, S. 285f.; Dierauer, Geschichte II, S. 404; Braun, Eidgenossen, S. 268f.).
    5
     Der Gesandte Basels war instruiert, die von Kg. Maximilian gewünschte Einung wegen des Bündnisses mit Frankreich abzulehnen. Er sollte sich indessen dafür aussprechen, nach dessen Auslaufen über eine Einung mit den der Eidgenossenschaft benachbarten habsburgischen Territorien vom Arlberg bis an den Eckenbach zu verhandeln (Kop., s.d., jedoch 6.1.1507 oder kurz davor; StA Basel, Eidgenossenschaft E 1, fol. 134’-136’, hier 134’-135).
    6
     Das Datum ist im Züricher Exemplar (s.o.) nachträglich zu lichtmeß [2.2.] korrigiert und zusätzlich vermerkt: Die am 28.2. (reminicere) in Baden zusammenkommenden eidgenössischen Gesandten werden über die Entscheidung der Obrigkeiten dem Bf. von Konstanz schriftliche Mitteilung machen. Falls weitere Verhandlungen darüber notwendig sind, soll zum 11.4. (quasimodogeniti) ein weiterer Tag ausgeschrieben werden. Vgl. Eidgenössische Abschiede III/2, S. 361, Anm. zu k.
    1
     Siehe dazu Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 263, S. 362 (Pkt. a/b). Vgl. Mossmann, Cartulaire IV, Nrr. 1971, 1973, S. 451–455; Mieg, Politique, S. 7–9, 12, 46–50; Sieber-Lehmann, Schimpfen, S. 120–134.
    2
     Der Tag zu Luzern beschloß nach kontroverser Debatte am 24.2. durch Mehrheit die Bewilligung der erbetenen Knechte (Kop., Mathye; StA Bern, A IV 10, pag. 102–105; Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 264, S. 363f.). Schultheiß und Rat der Stadt Bern machten in ihrem Ausschreiben vom 1.3. an die Stadt- und Landgemeinden kein Hehl aus ihrem Mißfallen an dieser Entscheidung: Und wiewol wir der sach gern welten vertragen beliben und die unsern anheimisch behalten, so uns aber nit wil gebüren, uns von andern unsern lb. Eidgnossen zu sundern oder dem abzustand, so wir mit inen verbrieft und besigelt, haben wir der obbemelten vierhundert man einen uszug getan und uch in sölichem N. man zugeordnet. Doch sollte darauf geachtet werden, daß über das Bern auferlegte Kontingent hinaus keine weiteren Knechte an dem Zug teilnähmen (Kop., mentag nach reminiscere; StA Bern, A III 14, fol. 262’). Entsprechend hieß es in einem Schreiben an die Orte Uri und Luzern vom 4.3.: Und wiewol wir desselben und derglichen unruw möchten vertragen beliben, jedoch als die, so uch und andern uwern und unsern lb. Eydgnossen nutzit abziechen söllen noch wellen, haben wir süliches in dem namen Gotz angenomen und die unsern dargeben und verordnet. Die beiden Orte sollten jedoch mit den frz. Gesandten über die festgestellte nicht genehmigte Anwerbung von Knechten sprechen (Kop., donstag vor oculi; StA Bern, A III 14, fol. 263’-264. Or.; StA Luzern, AKT A 1 F 1, Schachtel 27 A, Fasz. Frankreich, Kriege, Friedensschlüsse etc., 1500–1510, unfol.).
    1
     Gemeint ist die zuletzt im Vertrag von Hagenau 1505 enthaltene, explizit auch auf Italien bezogene Verpflichtung Kg. Ludwigs, sich nicht in Angelegenheiten des Reiches einzumischen (Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 75, hier S. 223, § 5).
    2
     Am 27.3. bestätigte Kg. Maximilian den Empfang eines Berichts Firmians, wonach etliche Eidgenossen die Absicht hätten, in seine Dienste zu treten. Firmian erhielt Weisung anzukündigen, daß der Kg. nach den Osterfeiertagen Gesandte in die Schweiz abordnen werde, um darüber und über andere Punkte zu verhandeln (Konz. mit ex.-Verm., Straßburg; TLA Innsbruck, Maximiliana XIII/296, Fasz. Beziehungen zur Schweiz, 1496–1511, unfol.).
    1
     Kgl. Gesandte hatten auf einem Eidgenössischen Tag zu Zürich am 15.12.1503 um die Stellung von 6000 Knechten für den bevorstehenden Romzug sowie um Aufkündigung des Bündnisses mit Frankreich ersucht und die Übernahme der frz. Jahrespension in Höhe von 36 000 fl. angeboten (Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 154, hier S. 249, Pkt. d; Wiesflecker, Regesten IV/2, Nr. 20834, S. 908).
    2
     Dem Stück liegt in der Züricher Überlieferung das Ausschreiben Kg. Maximilians vom 20.3. (Adressat hier: Bürgermeister und Rat der Stadt N.) [Nr. 16] bei.
    1
     Basel an Zürich, 26.3.1507 (Kop., fritag vor palmarum, Unterz. P. Offenburg; StA Basel, Missiven A 23, pag. 282).
    2
     Bürgermeister und Rat der Stadt Basel an Hans Kilchmann et al., 30.3.1507 (Konz., zinßtag nach palmarum; ebd., pag. 283–284).
    3
     Hans Kilchmann et al. an Bürgermeister und Rat der Stadt Basel (Or. m. S., vor Genua, donstag vor dem meydag; StA Basel, Politisches M 1, Stück-Nr. 42).
    4
     Schultheiß und Rat der Stadt Bern an Hauptmann und Räte des Berner Kontingents, 25.3.1507 (Konz., unser lb. frowen tag der verkundung; StA Bern, A III 14, fol. 268’; Gagliardi, Anteil, S. 622 Anm. 52).
    5
     Bern an Fribourg bzw. Solothurn, 25.3.1507 (Kop., annunciationis Marie; StA Bern, A III 14, fol. 269–269’; Gagliardi, Anteil, S. 622 Anm. 52).
    6
     Bern an Zürich bzw. Luzern, 25.3.1507 (Or., annunciationis Marie; StA Luzern, AKT A 1 F 1, Schachtel 27 A, Fasz. Frankreich, Kriege, Friedensschlüsse etc., 1500–1510, unfol. Kop.; StA Bern, A III 14, fol. 270–270’; Gagliardi, Anteil, S. 622 Anm. 52). Zu den Antworten Zürichs und Luzerns s. ebd., S. 623f. Anm. 54.
    7
     Bern an Fribourg bzw. Solothurn, 26.3.1507 (Kop., fritag vor palmarum; StA Bern, A III 14, fol. 271’; Gagliardi, Anteil, S. 623 Anm. 54).
    8
     Undat. Instruktion Berns für Peter Achshalm (Kop., s.d., jedoch wohl 26.3.1507; StA Bern, A IV 10, pag. 111–112).
    9
     Bern an Hauptmann, Räte und Bürger im Feld, 26.3.1507 (Kop., fritag vor palmarum; StA Bern, A III 14, fol. 272; Gagliardi, Anteil, S. 623 Anm. 54).
    10
     Schaffhausen an Zürich, 5.4.1507 (Konz., mentag in der osterwochen; StA Schaffhausen, Missiven 1507, unfol.).
    11
     Wahrscheinlich handelt es sich um Niklaus Ochsenbein (HBLS V, S. 330).
    12
     Solothurn an Hauptmann Babenberg et al., 26.3./21.4.1507 (jeweils Kop., fritag vor dem balmtag/mitwuchen vor St. Jörien tag; StA Solothurn, Missivenbuch 1506–1510, AB 1,3, pag. 335–336; 339–340; Gagliardi, Anteil, S. 623 Anm. 53, S. 630 mit Anm. 68).
    13
     Dies spielt entweder auf den Italienzug Kg. Maximilians von 1496 (HBLS VI, S. 529) oder auf den Schweizerkrieg von 1499 an, in dem Stein als Berner Truppenkommandeur fungierte (Feller, Geschichte, S. 487).
    14
     Solothurn an Bern, 1.5.1507 (Konz., meytag; StA Solothurn, Missivenbuch 1506–1510, AB 1,3, pag. 342–343; Gagliardi, Anteil, S. 647 mit Anm. 90). Vgl. auch das Schreiben Solothurns an seine Truppen im Feld vom 10.5. (ebd., S. 646f. mit Anm. 89, 648 mit Anm. 93).
    15
     Bern an Solothurn, 3.5.1507 (Or., inventionis crucis; StA Solothurn, Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 35–36; Gagliardi, Anteil, S. 647f. mit Anm. 91).
    16
     Abt von St. Gallen an Zürich, 3.4.1507 (Kop., hl. osterabend; StA Zürich, B VIII 272, Stück-Nr. 42).
    17
     Zürich an Abt von St. Gallen, 5.4.1507 (Kop., montags in osterfirtagen; StA Zürich, B VIII 272, Stück-Nr. 42).
    18
     Schwyz an Glarus, 23.4.1507 (Or., Georgii; StA Zürich, B VIII 272, Stück-Nr. 42).
    1
     Liegt nicht vor. Vgl. jedoch den Bericht des Fribourger Gesandten Hans Krummenstoll vom 6.4.1507 (Gagliardi, Anteil, S. 626 Anm. 60).
    2
     Siehe dazu Eidgenössische Abschiede III/2, Nr. 268, hier S. 366 (Pkt. c/d).
    1
     Die Datierung auf den 11.4. findet sich ausschließlich in A nach Pkt. 4.
    2
     Auf fol. 174–175’ befindet sich das Reinkonzept zu dieser Passage.
    3
     Kgl. Gesandte hatten vor der Tagsatzung auch mit einzelnen Orten verhandelt (Gagliardi, Anteil I, S. 648–650). So entsandte Kg. Maximilian seine Räte Christoph Schenk von Limpurg, Dr. Hans Schad und Hans von Landenberg nach Solothurn (Kgl. Kredenzbrief für dies., Or. Straßburg, 6.4.1507, Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; StA Solothurn, Eidgenössische Abschiede 1507–1510, pag. 23. Eidgenössische Abschiede III/2, S. 266, Anm. a, führt irrtümlich Hans von Landau anstelle Landenbergs auf).
    4
     Solothurn informierte Kg. Ludwig von Frankreich durch den Schultheiß Niclaus Conrad über die Anträge des röm. Kg. auf den letzten eidgenössischen Tagen (Kredenzbrief für Conrad, frz. Kop. Solothurn, l’antépénultime jour d’avrilz [28.4.]1507; StA Solothurn, Missivenbuch 1506–1510, AB 1,3, pag. 341).
    5
     Vgl. Nr. 50 [Pkt. 2].
    6
     Schultheiß und Rat der Stadt Bern erinnerten Hauptmann und Räte ihres Kontingents an den Beschluß des Badener Tages und das entsprechende Ausschreiben an die eidgenössischen Knechte, daß sie im Dienst des frz. Kg. bleiben sollten, sich jedoch entsprechend dem Luzerner Abschied keinesfalls an Unternehmungen gegen die Kurie und das Reich beteiligen dürften – wie sie dies bereits bei ihrer Verabschiedung geschworen und die eidgenössischen Boten den kgl. Gesandten zugesagt hätten. Auch sollten sie darauf achten, daß die Knechte an dehein ort und end werden gefürt, dadurch si schaden und verlust möchten empfachen. Im übrigen sollten sie bei den frz. Hauptleuten und Schatzmeistern die bislang unterbliebene Rückzahlung der von Bern geleisteten Anzahlung für den Sold ihrer Knechte in Höhe von 1000 Sonnenkronen anmahnen (Kop., fritag nach dem suntag quasimodogeniti [16.4.]1507; StA Bern, A III 14, fol. 275; Gagliardi, Anteil, S. 627f. Anm. 61).
    7
     Die Punkte 1–3 basieren auf einer nur in der Züricher Überlieferung erhaltenen Fassung (Druck unter Angleichung an das Neuhochdeutsche: Eidgenössische Abschiede III/2, S. 369). Die weniger detaillierten Varianten des Tagsatzungsabschiedes aus Luzern (B) und Glarus (C) sowie Basel, Bern, Schaffhausen und Solothurn entsprechen der Wiedergabe in den Eidgenössischen Abschieden III/2, Nr. 270, Pkt. a-c.
    1
     Vgl. Nr. 166b, Anm. 9.
    2
     Das vorliegende Exemplar war für Bf. Mätthäus bestimmt. Eine gleichlautende Urkunde für Flüe war mit der Zusage versehen, binnen 14 Tagen in Konstanz 10 000 fl.rh. zur Verteilung an die Orte Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden zu hinterlegen (Büchi, Kommentare I, S. 66 Verm.).
    1
     Vgl. zu dem Vorgang Nr. 46 mit Anm. 1. Ergebnis der Verhandlungen war ein Schiedsvertrag (Basel, 23.4.1507) zwischen Basel und Mülhausen auf der einen und Kg. Maximilian auf der anderen Seite (Druck: Thommen, Urkundenbuch IX, Nr. 336, S. 306–309; Mossmann, Cartulaire IV, Nr. 1975, S. 459–463).
    2
     Zu den weiteren Punkten des Schreibens siehe Nrr. 59, 98.
    1
     Bereits am 23.1.1507 (sabbathi post Vincentii) hatten der Ebf., die ebfl. Räte und das Domkapitel erstmals über das kgl. RT-Ausschreiben und eine durch den Kurtrierer Kammermeister Thomas Kratz von Scharfenstein überbrachte kgl. citation, vordrung und ansprach der stadt Meintz halben beraten und beschlossen, sich zu vertagen (StA Würzburg, Mainzer Domkapitelprotokolle 3, fol. 518). Vgl. zum Streit um Mainz Nr. 148 [Pkt. 31].
    2
     Kg. Maximilian hatte Lgf. Wilhelm von Hessen mit Mandat vom 2.1.1507 geboten, wegen des Weinzollstreits (vgl. Rommel, Geschichte III, S. 165f.; Henning, Grafschaft, S. 74f.; Kulenkampff, Einungen, S. 71, 75f.; Schmidt, Grafenverein, S. 29–31) mit Kurmainz nicht zu Waffengewalt zu greifen und statt dessen seine Beschwerden vorzubringen (Kop. Innsbruck; StA Marburg, Best. 2, Nr. 250, unfol.). Am 16.1. teilte der Kg. dem Lgf. mit, daß er wegen der strittigen Obrigkeit über Kostheim und den dort erhobenen hessischen Weinzoll Bf. Philipp von Speyer und Gf. Adolf von Nassau als Kommissare mit der Vermittlung betraut habe (Kop. Innsbruck; ebd., unfol.). Lgf. Wilhelm informierte am 19.2. Hg. Ulrich von Württemberg darüber, der ebenfalls seine Vermittlung angeboten hatte (Or. Kassel, frytags nach dem sonntag esto michi; HStA Stuttgart, A 104, Bü. 1, unfol.). Vgl. zum Streit um Kostheim Schliephake, Geschichte V/1, S. 503–505.
    3
     = Pfgf. Georg, Sohn Kf. Philipps von der Pfalz (Fouquet, Domkapitel, S. 705f.; Kisky, Domkapitel, S. 117; Rauch, Domkapitel III, S. 170f.). 
    4
     Vermutlich ist die vom Erfurter Rat projektierte Zwangsanleihe beim Klerus gemeint, die zur Sanierung der maroden städtischen Finanzen beitragen sollte (Gutsche, Geschichte, S. 106).
    5
     Dr. Johann von Dalheim (Otto, Studenten, S. 124).
    6
     = Adolf Rau von Holzhausen (Kisky, Domkapitel, S. 141; Rauch, Domkapitel III, S. 146).
    7
     = Pfgf. Friedrich von Simmern (Kisky, ebd., S. 40; Rauch, ebd., S. 136).
    1
     Diese Summe hatte Kg. Maximilian bereits bei Verhandlungen mit Landschad in Linz im Dezember 1505 angeboten. Dessen weitere Bemühungen im Frühjahr 1506 hatten somit keinerlei Fortschritte erbracht (Langendörfer, Landschaden, S. 46).
    1
     Vgl. Nr. 58, Anm. 1.
    2
     Vermutlich war Barr an Ziegler als Sicherheit überschrieben worden. Die Erwerbung erfolgte erst 1510 (Wiesflecker, Maximilian V, S. 255; Kohlweg, Ziegler, S. 73).
    3
     Verschreibung Kg. Maximilians für seine Räte Matthäus Lang, Ulrich von Habsberg, Hans von Neuhaus, Marx Reich und Jakob Villinger vom 24.8.1504 (Wiesflecker, Regesten IV/1, Nr. 19092, S. 563).
    4
     Über diesbezügliche Gespräche der Gesandten mit Kg. Maximilian liegen keine Unterlagen vor. Mitte Mai 1507 fanden in Ofen Verhandlungen mit Kg. Wladislaw, Hg. Kasimir von Teschen, dem böhmischen Kanzler Albrecht von Kolowrat und Vertretern der böhmischen Stände über die Belehnung statt, die das Problem illustrieren. Kf. Philipp beanspruchte die Belehnung auf der Grundlage des Lehenbriefs Kg. Georgs von Böhmen für Pfgf. Otto von Mosbach – gemeint ist der Prager Vertrag vom 14.7.1465 (Druck: DuMont, Corps III/1, Nr. CCXLIV, S. 330f. Vgl. Wüst, Pfalz-Mosbach, S. 206) – und vertrat den Standpunkt, daß dieser Anspruch ungeachtet der Aufkündigung der Lehnspflicht durch Otto gegenüber Kg. Matthias weiterbestand (Aufzeichnung des Kurpfälzer Gesandten Hans Nothafft von Weißenstein (Landrichter und Pfleger zu Waldeck) über Verhandlungen am 12.5.1507; HStA München, K.schwarz 16213, fol. 58–64). Abgesehen vom abweichenden Rechtsstandpunkt war Geld das zentrale Problem. Nothafft hatte bei informellen Verhandlungen kurz vor dem Ofener Tag ein Geldgeschenk von 2000 fl. angeboten. Kolowrat forderte allein für Kg. Wladislaw 16 000 fl., eine für Kf. Philipp nach dem Landshuter Erbfolgekrieg unerschwingliche Summe. In Ofen zeigte man sich auch über die rangniedere und kleine pfälzische Gesandtschaft verärgert. Eyb empfahl für den nächsten auf den 8.9. angesetzten Tag die Entsendung eines kfl. Prinzen, zumindest jedoch etlicher Gff. und kfl. Räte sowie die Beiordnung kurbrandenburgischer und kursächsischer Räte (Bericht Ludwigs von Eyb an Kf. Philipp von der Pfalz, Kop. [Amberg], corporis Cristi [3.6.]1507; ebd., fol. 67–73). Weitere Unterlagen zu den Verhandlungen über die böhmische Belehnung in den Jahren 1505 bis 1509: HStA München, K.schwarz 16209–16215; ebd., Fürstensachen 217/II, fol. 18–21.
    1
     Für den 6.4. (dinstag in osterfeirtagen) sind letztmalig Beratungen über die Gesandtschaft nachgewiesen (HStA München, Fürstensachen 963, fol. 80). Im Text selbst ist von den jezigen oster heyligen tagen die Rede.
    2
     Erklärung Kg. Maximilians vom 3.8.1505 (Heil, RTA-MR VIII/2, Nr. 840, S. 1314, 1316).
    3
     Vgl. zu den Verhandlungen Landschads am kgl. Hof ebd., S. 1314ff. Anm. 4.
    4
     Urkunde Ks. Friedrichs III. vom 15.2.1486 (Rübsamen, Urkunden, Nr. 443, S. 284); Schiedsspruch Kg. Maximilians vom 25.3.1486 (Angermeier/Seyboth, RTA-MR I/1, Nr. 609, S. 630f.).
    5
     Kf. Philipp hatte gemäß den Bestimmungen des Waffenstillstands vom 10.9.1504 Hohengeroldseck als Vertragspfand an Mgf. Christoph von Baden übergeben (Heil, RTA-MR VIII/1, S. 87f. Anm. 94).
    1
     Gemeint ist die Überschreibung von im Landshuter Erbfolgekrieg eroberten kurpfälzischen Besitzungen an Pfgf. Alexander (Regest: Heil, RTA-MR VIII/1, S. 271 Anm. 1; Wiesflecker, Regesten IV/1, Nr. 19121, S. 569). Am 6.10.1504 hatte Kg. Maximilian die Übereignung des Amtes Kleeburg und eines Drittels an Schloß Landeck bestätigt (Regest: ebd., Nr. 19187, S. 581). Vgl. Lehmann, Vollständige Geschichte, S. 241.
    2
     Zu den weiteren Punkten des Schreibens siehe Nrr. 53, 98.
    1
     Venningen und Landschad hatten am 15.4. berichtet, daß sie sich seit dem 11.4. bis zum Vortag vergeblich um eine Audienz bemüht hätten. Der Kg. habe sie nach Konstanz bescheiden wollen. Auf die Beschwerde der Gesandten hin ließ sich Kg. Maximilian indessen herbei, sie am Abend des 14.4. in Gegenwart des Kanzlers [Serntein] anzuhören. Der Kg. zeigte sich erfreut über das Angebot Kf. Philipps, bat sich jedoch Bedenkzeit aus. Der Kanzler machte in weiteren Verhandlungen das geringe Einkommen aus den eroberten Gebieten geltend und schlug vor, eine Aufstellung über die 57 Orte mit den – auf insgesamt 15 000 fl. bezifferten – Einkünften daraus zu erstellen und entsprechende Belegdokumente vorzulegen. Venningen und Landschad baten daraufhin Kf. Philipp, ihnen möglichst bald ein entsprechendes Verzeichnis mit einer Laufzeit über zwei oder drei besonders einträgliche Jahre zu schicken, die vlycht wole mogen gefunden werden; darzu, ob unfel, eckern oder andern derglich nit angeschlagen weren, das man die auch ungevarlichs anschlags hinzugesetzt, damit wir die summe der XVM fl. jarlicher nutzung oder gefell etlicher maß erraichen oder merers, doch mit warheyt, anzaigen mochten (Or. m. 2 Ss. [Straßburg], dornstags nach quasimodogeniti; HStA München 217/II, fol. 168–169’) .
    2
     Ein für die Verhandlungen angefertigtes Verzeichnis bezifferte die jährlichen Einkünfte aus der Landvogtei Hagenau mit 3971 fl., 11½ alb., aus der Ortenau mit 3104 fl., 22 alb. zuzüglich 498 fl. Gülten aus Straßburg, aus dem Kurpfälzer Eigengut in der Landvogtei Hagenau mit 1622 fl., 6 alb. Einschließlich einiger kleinerer Posten belief sich das jährliche Einkommen auf insgesamt 9802 fl. zuzüglich des Schirmgelds der Stadt Weißenburg in Höhe von 200 fl. und anderer Leistungen wie Frondiensten (HStA München, Fürstensachen 963, fol. 57–70).
    3
     Liegt nicht vor.
    1
     Liegt nicht vor. Es ging um die Nachfolge Pfgf. Johanns im Bm. Regensburg. Johann, Koadjutor von Regensburg, hatte während der Beisetzungsfeierlichkeiten für Bf. Ruprecht gegenüber Domherren die bisherige Ergebnislosigkeit der für ihn in Rom geführten Verhandlungen eingeräumt. Daraufhin wurden am 2.5. Kaspar von Gumppenberg [Domherr zu Regensburg] und Johann von Wirsberg [Domherr zu Regensburg und Augsburg, Student an der Univ. Heidelberg; Braun, Domkapitel, S. 572f.; Haemmerle, Canoniker, S. 193] in Heidelberg vorstellig. Die beiden Gesandten des Domkapitels erörterten gegenüber Kf. Philipp die Unmöglichkeit einer Wahl Pfgf. Johanns zum Bischof wegen seines zu geringen Alters und der fehlenden Konsekration sowie die zu erwartenden Schwierigkeiten im Domkapitel im Falle seiner Postulation, sprachen sich aber bei den folgenden Verhandlungen für den zweiten Weg als dem kleineren Übel aus. Die Kosten für die bis dahin verweigerte Konfirmation der Koadjutorie – Papst Julius II. forderte 6000 fl. oder eine jährliche Rente aus dem Stift – wurden als untragbar dargestellt. Entscheidend für das Domkapitel war die Behauptung seiner Wahlfreiheit und die Abwehr jeglicher Einmischung von außen, schlimmstenfalls der Einsetzung eines ausländischen Bf., weshalb das Domkapitel eine Vorverlegung des Wahltermins in Betracht zog (act. [Heidelberg], sontags cantate; HStA München, Fürstensachen 972, fol. 9–9’). Kf. Philipp plädierte dafür, in Rom eine mit einer Sukzessionsklausel versehene Bestätigung der Koadjutorie zu erwirken, und hielt auch die päpstliche Qualifizierung seines Sohnes als Administrator für erreichbar. Er informierte die Gesandten über seine Anfragen an Kg. Maximilian und Hg. Albrecht von Bayern um Unterstützungsschreiben an den Papst und sagte zu, sich um eine Reduzierung der päpstlichen Forderung sowie um eine Regelung der Schulden des Stifts zu bemühen. Die Befürchtungen der Domherren in bezug auf ihre Wahlfreiheit hielt er für unbegründet und bat, ihm für die Verhandlungen in Rom eine Frist von drei Monaten einzuräumen (act. dinstag nach invencionis crucis [4.5.]1507; ebd., fol. 7–8’).
    1
     Liegt nicht vor.
    1
     Gemäß dem Protokoll über das in Konstanz durchgeführte Verfahren [Nr. 369, Pkt. 3]. Baks (Inventaris, Nr. 2113, S. 429) datiert das Stück irrtümlich auf den 8.4.
    1
     Gemäß Nr. 148 [Pkt. 34].
    1
     Vgl. Nr. 99, Anm. 3.
    2
     Liegt nicht vor. 
    3
     Mit Schreiben vom 17.10. informierte Konstanz den obersten kgl. Sekretär, Niklas Ziegler, über einen weiteren Konflikt: Demnach sorgte Beringer von Landenberg durch sein Verhalten mehrfach für Unruhe und Aufruhr in der Stadt und verwundete zusammen mit Ulrich von Landenberg und Bernhard [richtig: Wolf Dietrich] von Knöringen den Bürger Hans Hafner tödlich. Der Bf. duldete ungeachtet einer Vereinbarung mit dem Magistrat Landenberg in provozierender Weise in seinem Gefolge. Bei seinem Einzug in die Stadt am 12.10. kam es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen dem Konstanzer Zunftmeister [Konrad] Zwingenstein und Bf. Hugo bzw. dem bfl. Hofmeister Fritz Jakob von Anwil. Der Bf. beanspruchte zudem die rechtliche Zuständigkeit für diesen Fall. Der Konstanzer Magistrat wurde gewarnt, daß der Bf. darüber berate, wie diese Angelegenheit gegen die Stadt verwendet werden könne. Deshalb wurde Ziegler gebeten, den Sachverhalt gegenüber dem Kg. darzulegen (Or., sambstags post Galli; TLA Innsbruck, Maximiliana XIV (1506), fol. 94–95’). Am 27.1. erschien Hans von Landau vor dem Konstanzer Magistrat und eröffnete, daß er Befehl des Kg. habe, ein bis Ostern währendes Moratorium zwischen Bf. und Stadt herbeizuführen. Die Stadt stimmte dem mit der Maßgabe zu, daß auch den bfl. Parteigängern untersagt werde, mit Wort oder Tat gegen sie vorzugehen (act. mitwoch vor liechtmeß im Kleinen Rat; StdA Konstanz, B I 25, fol. 210). Vgl. Rublack, Einführung, S. 138 Anm. 30; Maurer, Konstanz, S. 260.
    1
     Liegt nicht vor. 
    1
     Die Stadt verlangte von den Konstanzer Geistlichen das Ungeld und die Abgabe für den Zwischenhandel auf den während des RT an die Gäste verkauften Wein. Das Domkapitel erklärte sich am 2.12.1507 zu Verhandlungen über die Abgabe beim Weinhandel durch Zwischenhändler einverstanden (Krebs, Protokolle des Konstanzer Domkapitels, Nr. 3219, S. 107).
    2
     Der Domdekan Johannes Bletz von Rotenstein berichtete am 23.7. im Kapitel über seine Verhandlungen mit den württ. Räten. Vgl. Krebs, Protokolle des Konstanzer Domkapitels, Nr. 3061, S. 92. Am gleichen Tag bewilligte das Domkapitel, Kf. Friedrich von Sachsen auf dessen Wunsch Reliquien von Konstanzer Heiligen zu überlassen (ebd., Nr. 3062, S. 92).
    1
     Ilsung fungierte im Zusammenhang mit den Taxationsverhandlungen verschiedentlich als Anwalt Hg. Albrechts (z. B. Notariatsinstrument Johannes Beyers über einen Antrag von Anwälten Hg. Albrechts an die Taxationskommission, Or. Perg. Libell mit Notariatssignat, Augsburg, 5.1.1507; HStA München, Haus- und Familiensachen, Urkunden: Hgl. Länderteilungen, Nr. 338).
    2
     Schreiben der bayerischen Taxatoren an die drei Bundeshauptleute vom 24.3.1507 mit der Bitte, Lösch zur Wahrnehmung seines Kommissariats bezüglich der Taxation bis zum 18.4. anzuhalten (Kop. Augsburg, mitwoch nach sonntags judica; HStA München, KÄA 1238, fol. 239–240’). Lösch war gemäß dem Augsburger Vertrag vom 22.6.1506 zusammen mit dem Ulmer Stadtammann Konrad Locher zum Taxationskommissar ernannt worden (Or.; HStA München, Kurbayern Urk. 13218. Druck: Krenner, Landtagshandlungen XV, S. 324–337, hier 330f.).
    3
     Törring war Mitglied der Taxationskommission als einer von drei Vertretern Pfgf. Friedrichs (z. B. Vollmacht Pfgf. Friedrichs unter anderem für Törring zu den Freisinger Verhandlungen im Oktober 1505; Krenner, Landtagshandlungen XV, S. 147. Weisung Kg. Maximilians an die Taxationskommission, Or. Wien, 26.6.1506; HStA München, Fürstensachen 261½I, fol. 8–8’).
    4
     Die Vertreter Hg. Albrechts am kgl. Hof, Kaspar von Winzer und Thomas Salzinger, teilten am 24.3. mit, daß die kgl. Räte ihnen nach der Abreise Kg. Maximilians am 22.3. in dessen Namen folgende Erklärung eröffnet hätten: Pfgf. Friedrich habe geltend gemacht, daß er gemäß dem kgl. Spruch [vom 30.7.1505; Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 777, § 22] das Unterpfand erst nach erfolgter Zuweisung von Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. abtreten müsse; ebenso solle bei Unstimmigkeiten gemäß dem Spruch [ebd., § 24] der Kg. entscheiden. Zudem habe sich der Pfgf. über die Verfahrensweise des Obmanns [Bf. Georg von Trient] beschwert. Der Kg. habe deshalb entschieden, das Unterpfand bis zum Abschluß der Taxation an einen Treuhänder zu übergeben, und werde drei Räte abordnen, die gemeinsam mit den Kommissaren des Schwäbischen Bundes [Dr. Augustin Lösch und Konrad Locher] und den Anwälten der Parteien die Taxation vornehmen sollten. Bei Unstimmigkeiten zwischen diesen werde der Kg. selbst entscheiden. (Or. Straßburg, mitwoch nach sontag judica; HStA München, KÄA 1238, fol. 244–245’). Die bayerischen Vertreter bestanden in einem Schreiben an Kg. Maximilian darauf, daß bei Streitigkeiten, wie der Kg. auch in einem früheren Mandat an die Taxatoren befohlen habe, der Obmann den Ausschlag geben solle. Sie wiesen darauf hin, daß Hg. Albrecht nicht länger auf das Unterpfand – etwa durch Übergabe an einen Treuhänder – verzichten könne und keinen Grund sehe, die Entscheidung des Schwäbischen Bundes zu ignorieren. Die Bestimmung des kgl. Spruches, daß das Unterpfand erst nach Ausweisung der 24 000 fl. erfolgen solle, sei infolge der offenkundigen Verschleppung des Verfahrens durch die Gegenseite obsolet. Die Beschwerden Pfgf. Friedrichs wegen der angeblichen Parteilichkeit des Obmanns seien unzutreffend. Ein persönliches Eingreifen des Kg. bei Unstimmigkeiten zwischen den Taxatoren würde das Verfahren nur verlängern (Kop., s.d., jedoch 23.3.1507; HStA München, KÄA 1238, fol. 241–242). Laut dem Bericht vom 24.3. beharrte der Kg. allerdings auf seiner Entscheidung.
    1
     Die Weisung liegt nicht vor, bei der Instruktion muß es sich um Nr. 17 handeln.
    2
     Augsburger Vertrag vom 22.6.1506 (Or.; HStA München, Kurbayern Urk. 13218. Druck: Krenner, Landtagshandlungen XV, S. 324–337, hier 329).
    3
     Gemäß Kölner Spruch Kg. Maximilians vom 30.7.1505 (Druck: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 476, S. 777, § 21).
    4
     Schwäbischer Bundesabschied vom 7.6.1506 (Kop.; HStA München, KÄA 2013, fol. 183–190’, hier 190–190’; HStA Stuttgart, J 9, Bd. 25, Stück-Nr. 42. Unvollständiges Regest: Klüpfel, Urkunden I, S. 550f.).
    5
     Klage Hg. Albrechts gegen Pfgf. Friedrich an die Schwäbische Bundesversammlung, nach dem 6.1.1507 (Kop., nach trium regum; HStA München, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 85’-112’). Zu den weiteren Verhandlungen vor dem Schwäbischen Bund s. ebd., fol. 113–236’.
    6
     Gemeint sind wieder die Salzburger Verhandlungen im Dezember 1506.
    7
     Kölner Spruch Kg. Maximilians vom 30.7.1505 [Nachweis s. Anm. 3, S. 771–779).
    8
     Abschied des am 6.1.507 eröffneten Schwäbischen Bundestages (Kop. Augsburg; HStA München, KÄA 2013, fol. 198–200’, hier 199–200; StdA Augsburg, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] 1507, Schwäbischer Bund, Jan.-Dez., unfol.).
    9
     In einer Erklärung an Pfgf. Friedrich hatte Kg. Maximilian sein Fernbleiben mit seiner starken Beanspruchung nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp entschuldigt. Als kgl. Vertreter nahmen Bf. Matthias von Gurk, Christoph von Schrofenstein, Paul von Liechtenstein, Niklas von Firmian und Simon von Hungersbach am Schwäbischen Bundestag teil (Kop., s.d.; HStA München, KÄA 3136, fol. 138–140’. Krenner, Landtagshandlungen XVI, S. 60f.).
    10
     Mit der Begründung, die Angelegenheiten Kg. Maximilians und insbesondere seine geplante Reise in die Niederlande dürften nicht behindert werden, hatten Bf. Matthäus von Gurk, Paul von Liechtenstein, Christoph von Schrofenstein, Niklas von Firmian, Wolfgang von Zülnhart und Simon von Hungersbach als Bevollmächtigte des Kg. am 25.1. die Augsburger Verhandlungen eröffnet. Die Vertreter Pfgf. Friedrichs wiesen am folgenden Tag der Gegenpartei die Schuld an der Verzögerung des Taxationsverfahrens zu. Sie beklagten den zu geringen jährlichen Ertragswert der diesem als Vormund zugewiesenen Besitzungen, den sie auf höchstens 12 000 fl. nach dem Krieg und maximal 17 000 fl. davor bezifferten, während die Gegenseite bis zu 30 000 fl. veranschlagte. Sie schlugen vor, den Sachverhalt durch Einsichtnahme in die Unterlagen der Ämter und Pflegschaften zu klären. Dies lehnte Hg. Albrecht in einer Unterredung mit Liechtenstein als Zeitverlust ab. Er machte geltend, daß währenddessen der Obmann – auf dessen Entscheidung über die strittigen Punkte zu seinen Gunsten der Hg. vertraute – abreisen und die ihm zugesagte Hilfe des Schwäbischen Bundes gefährdet würde. Nach dreitägigen vergeblichen Verhandlungen schlugen die kgl. Räte durch Liechtenstein als letzte Möglichkeit vor, aus dem Unterpfand bis zu acht Orte auszuwählen und dem Obmann und einem weiteren Treuhänder zu übergeben. Nach Abschluß der Taxation sollte ein eventuelles Defizit gegenüber den Pfgf. Friedrich zugesprochenen 20 000 fl. daraus gedeckt werden. Soweit die Summe übererfüllt sein sollte, sollte Hg. Albrecht nicht nur die Orte, sondern auch die während der kommissarischen Verwaltung daraus eingegangenen Einkünfte erhalten. Im Gegenzug sollte Pfgf. Friedrich unverzüglich das restliche Unterpfand an die Gegenpartei aushändigen. Die kgl. Räte machten auf die Möglichkeit einer Hilfsbewilligung des Schwäbischen Bundes für Hg. Albrecht aufmerksam und erklärten, daß nicht einmal kgl. Mandate dies verhindern könnten, nachdem Pfgf. Friedrich sich ohne Wissen Kg. Maximilians in die Vermittlung durch den Bund eingelassen hätte. Die Anwälte Pfgf. Friedrichs wiesen den Vorschlag als mit dem Kölner Spruch unvereinbar zurück und hielten an ihrem ersten Vorschlag fest. Im übrigen machten sie geltend, daß der Pfgf. zu der von den kgl. Räten kritisierten, weil ohne Zustimmung Maximilians erfolgten Annahme der Vermittlung des Schwäbischen Bundes gezwungen war, um eine gewaltsame Besetzung des Unterpfands zu verhindern. Der Kg. sei damals in Ungarn gewesen, im übrigen entspreche die gütliche Entscheidung des Bundes dem Kölner Spruch fast in allen Punkten. Hg. Albrecht beharrte gegenüber dem weiteren Vorschlag der kgl. Räte, die im Krieg ruinierten Teile der an Pfgf. Friedrich abgetretenen Besitzungen zu sanieren und so die Differenz beim geschätzten Ertragswert entscheidend zu reduzieren, darauf, daß die übergebenen Güter einschließlich des Unterpfandes bei korrekter Berechnung mit 30 000 fl. weit mehr als den erforderlichen Gesamtwert erreichten, und lehnte die Einsichtnahme in die Unterlagen erneut als Zeitverlust und Gefährdung aller bisherigen Verhandlungsergebnisse ab. Bzgl. der Einkommensverluste infolge von Verwüstungen während des Krieges machte er geltend, daß diese vor allem Prälaten, Adel und Städte beträfen; der Verlust für die hgl. Kammer übersteige keinesfalls 3000 fl., also weitaus weniger, als von der Gegenseite angegeben. Während ihres Treffens in Salzburg habe Kg. Maximilian zur Begleichung der 4000 fl. weitere Güter ausgewiesen [vgl. Nr. 82, Anm. 13]. Er habe dem Kg. auch die Entscheidung des Schwäbischen Bundes mitgeteilt, ihm Hilfe zur Besetzung des Unterpfandes zu leisten, falls Pfgf. Friedrich das Taxationsverfahren verzögere. Der Kg. habe zugesagt, diese Entscheidung zu respektieren, falls Pfgf. Friedrich einen weiteren Vermittlungsvorschlag mit der Abtretung des Unterpfands ablehne (Rechenschaftsbericht der kgl. Kommissare an Kg. Maximilian, Augsburg, 2.2.1507, Kop., unser lb. frauen tag purificationis; TLA Innsbruck, Maximiliana XIV (1507), fol. 8–16, 17–17’. Vermittlungsvorschlag vom 28.1.1507, Kop., act. Augsburg, donerstag nach conversionis Pauli; HStA München, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 296–298).
    11
     Dies hatte Liechtenstein vermutlich während des Augsburger Schiedstages mitgeteilt. Die kgl. Kommissare mußten in ihrem Abschlußbericht an Kg. Maximilian das Scheitern ihrer Bemühungen konstatieren. Sie empfahlen, die strittigen Punkte gemäß dem Kölner Spruch der Entscheidung des Obmanns anheimzustellen und aufgrund der Salzburger Zusage die Unterstützung Hg. Albrechts durch den Schwäbischen Bund zuzulassen. Da Pfgf. Friedrich sich ohne Zustimmung des Kg. in das Verfahren vor dem Bund eingelassen habe, habe er den Kölner Spruch ignoriert und die Folgen selbst zu verantworten. Dies solle der Kg. dem Pfgf. eröffnen und ihn zur Abtretung des Unterpfands bewegen, nachdem wir achten, so nu der zuefal des maysten teils beschehen ist, es mochte noch ain klaine suma sein uber die 33 stuck, der Hg. Albrecht Hg. Friderichen zu vergnugen het (Abschlußbericht vom 2.2.1507; wie Anm. 10).
    12
     Ausschreiben Hg. Albrechts vom 10.3.1507 (Druck: Krenner, Landtagshandlungen XVI, S. 88f.).
    1
     Nürnberg informierte Hg. Albrecht mit Schreiben vom 8.4. über den Inhalt des Berichts, ohne Topler als Quelle zu benennen (Kop., quinta post pasce;StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Briefbücher 59, fol. 7–7’).
    1
     Resolution des bayerischen Landschaftsausschusses bzw. des Landtags vom 12.4.1507 (Kop., montag nach sonntag quasimodogeniti; HStA München, KÄA 2017, fol. 368–370. Druck: Krenner, Landtagsverhandlungen XVI, S. 97–102). Auf der Grundlage des Landtagsbeschlusses und unter Hinweis auf die vom Schwäbischen Bundestag bewilligte Hilfe mahnte Hg. Albrecht am 2.5. seine Landsassen auf, ihre Kontingente auszurüsten und zum 30.5. (sonntag Trinitatis) nach Landshut zu schicken (Or. Druck, sonntag cantate, Adressat: Abt [Johann Riemer] von Aldersbach; HStA München, Kurbay. Mandatensammlung, 1507 V 2).
    2
     Gemeint ist die Ennser Deklaration Kg. Maximilians vom 18.1.1506 [Nachweise s. Nr. 82, Anm. 6].
    3
     Datum des Kredenzbriefs Hg. Albrechts für Kaspar von Winzer (Konz. Augsburg, freitag vor Georii; HStA München, KÄA 3136, fol. 269½).
    1
     Beschluß des Schwäbischen Bundestages in Augsburg vom 6.1.1507 [Nachweise wie Nr. 82, Anm. 14].
    2
     Der Bundeshauptmann der Ff., Wilhelm Güss von Güssenberg, forderte mit Schreiben vom 29.4. den kgl. Hauptmann Christoph Schenk von Limpurg auf, dafür Sorge zu tragen, daß Kg. Maximilian seinen Anteil an der bewilligten Bundeshilfe termingerecht nach Friedberg entsende und sein restliches Bundeskontingent in Bereitschaft versetze (2 Kop., dundernstag nach dem sonntag jubilate; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 111–111’; 115–115’). Limpurg informierte den Kg. über den Hilfsbeschluß für Hg. Albrecht und leitete am 15.5. Abschriften des Schreibens Güss von Güssenbergs und des Bundesabschieds an die Innsbrucker Raitkammer und das Regiment weiter (jeweils Or., s.l., sambstags vor exaudi; Verm. über den Beschluß von Regiment und Raitkammer: Haubtmans punds 200 fl. minus 13 h. Fiat auf raitung zu schicken 250 fl., 22. Mai; HHStA Wien, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 23–23’; 24–24’).
    3
     Auf Ulm entfielen anteilig 9 Reiter und 69 Fußsoldaten (Verm. auf dem Aktenstück), auf Esslingen 3 Reiter und 14 Fußsoldaten (Auszug aus den Esslinger Bundesakten, Abschr. 19. Jh.; HStA Stuttgart, J 9, Bü. 5, Nr. 108).
    1
     In C sind die Namen Eisenreichs und Emershofens nachträglich am Rand ergänzt.
    2
     Gemäß Datum des Kredenzbriefs Hg. Albrechts für seine Gesandten [s. Anm. 4]. Diese trugen einen Teil der Instruktion am 15.5. der Schwäbischen Bundesversammlung in Überlingen vor [Nr. 590, Pkt. 1].
    3
     Die Abschrift wurde Pfgf. Friedrich kurz nach dem 14.5. zugestellt. Vgl. Nr. 390, Anm. 4.
    4
     Das an Kg. Maximilian adressierte Akkreditierungsschreiben für diese drei Gesandten liegt nicht vor [vgl. Nr. 138], jedoch der Kredenzbrief Hg. Albrechts für Eisenreich, Plieningen und Emershofen an Kff., Ff. und Stände bzw. an deren Gesandte auf dem Konstanzer RT (Or. Augsburg, sambstag [nach] St. Jörgentag [24.4.]1507; HStA München, KÄA 1238, [nach fol. 193]. Kop.; HStA München, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 244–245; ebd. 63, fol. 23’-24).
    5
     Kölner Spruch vom 30.7.1505 (Druck: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 776f., §§ 19f., 22).
    6
     Ennser Deklaration Kg. Maximilians vom 18.1.1506 (Kop.; HStA München, Kurpfalz Urk. 152; HStA München, KÄA 1210, fol. 78–85’; HStA München, Fürstensachen 217/II, fol. 31–33. Druck: Krenner, Landtagshandlungen XV, S. 215–231. Vgl. Hruschka, König, S. 319f.).
    7
     Tatsächlich handelte es sich um den 22.3.1506 (Krenner, Landtagshandlungen XV, S. 220).
    8
     Freisinger Vertrag vom 25.2.1506 (Kop.; HStA München, KÄA 1210, fol. 2–10. Druck: Krenner, Landtagshandlungen XV, S. 240–262. Vgl. Hruschka, König, S. 322–324).
    9
     Kölner Spruch vom 30.7.1505 (Druck: Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 774f., §§ 7f.).
    10
     Liegt nicht vor.
    11
     Augsburger Vertrag vom 22.6.1506 (Or., montag vor St. Johannis baptiste; HStA München, Kurbay. Urk. 13218. Kop.; HStA München, KÄA 1208, fol. 137–142’; ebd., KÄA 1212, fol. 34–39; ebd., Neuburger Kopialbücher 47, fol. 77’-85. Druck: Krenner, Landtagshandlungen XV, S. 324–337).
    12
     Schwäbischer Bundesabschied vom 7.6.1506 (Kop.; HStA München, KÄA 2013, fol. 183–190’, hier 190–190’; HStA Stuttgart, J 9, Bd. 25, Stück-Nr. 42. (Unvollständiges) Regest: Klüpfel, Urkunden I, S. 550f.).
    13
     Kg. Maximilian bestätigte in der Salzburger Deklaration vom 9.12.1506 bezüglich der – gemäß Kölner Spruch zusätzlich zu den 20 000 fl. jährlicher Einkünfte auszuweisenden – 4000 fl. noch einmal die Ennser Deklaration und verfügte für den Fall, daß die darin aufgelisteten Güter nicht ausreichen sollten, die Einbeziehung weiterer Besitzungen Hg. Albrechts, im einzelnen: Stadt und Landgericht Deggendorf, Schloß, Markt und Gericht Donaustauf, Schloß, Markt und Gericht Falkenstein, Schloß und Landgericht Mitterfels, die beiden Landgerichte im Viechtreich mit den Märkten Viechtach und Regen, Schloß, Markt und Landgericht Kötzting mit Schloß und Stadt Furth sowie Schloß und Markt Neukirchen und Eschlkam, schließlich Stadt und Gericht Dietfurt. Hg. Albrecht hatte das Recht auszuwählen, welche dieser Besitzungen zur Deckung der 24 000 fl. an Pfgf. Friedrich übergeben werden sollten (Or. Perg. m. S., Vidimus vom 21.5.1507, Aussteller: Propst Leonhard von Schäftlarn; HStA München, Kurbay. Urk. 13220. Konz. mit ex.-Verm.; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 2, fol. 22–24’. Druck: Krenner, Landtagshandlungen XVI, S. 57–60).
    14
     Abschied des am 6.1.1507 eröffneten Schwäbischen Bundestages (Kop. Augsburg; HStA München, KÄA 2013, fol. 198–200’, hier 199–200; StdA Augsburg, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] 1507, Schwäbischer Bund, Jan.-Dez., unfol. Druck. Krenner, Landtagshandlungen XVI, S. 61f.). Matthäus Neithart informierte die Bundesstädte mit Ausschreiben vom 6.2. über die Bewilligung einer Bundeshilfe für Hg. Albrecht zur Vollstreckung des Kölner Spruches und des Freisinger Vertrages und über den Beschluß zur Bereitstellung von Truppen bis Pfingsten [23.5.], um nach erfolgter Aufmahnung unverzüglich auf das Lechfeld ziehen zu können (jeweils Or., sampstags nach Blasy; StdA Nördlingen, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 170–171; HStA Stuttgart, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Adressat: Heilbronn); GLA Karlsruhe, 225/1226, unfol. (Adressat: Überlingen)).
    15
     Die der Bundesversammlung vorgelegten Beschwerden gegen Pfgf. Friedrich lauteten im einzelnen: 1. Verweigerung des Geleits für die bayerischen Taxatoren und Anwälte seit dem Schwäbischen Bundestag im Januar 1507; 2. Verweigerung des Unterhalts für Bf. Georg von Trient als Obmann seit mehr als 16 Wochen; 3. Verhinderung einer Einigung bei der Holzmessung und der Veranschlagung des Getreides unter Verletzung der Richtlinien für das Taxationsverfahren; 4. Behinderung der Sanierung der im Krieg verwüsteten Besitzungen; 5. Verschleppung des Verfahrens unter vielerlei Vorwänden; 6. Initiierung eines unnötigen Streits um das Amt Egg; 7. Nichterfüllung ihrer Aufgaben durch den Kommissar Dr. [Augustin] Lösch sowie die hgl. Anwälte, Holzmesser und Stifter wegen Behinderungen durch die Gegenseite; 8. Abforderung seiner Vertreter bei der Taxation durch Pfgf. Friedrich mit angeblichem Einverständnis Kg. Maximilians; 9. Bestreben Pfgf. Friedrichs nach einem Scheitern der Taxation (Kop., s.d.; HStA München, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 253–256; HStA München, KÄA 2013, fol. 203–204’).
    16
     Vgl. Nr. 80, Anm. 1.
    1
     Vermutlich ging es um die Exilierung Abt Kilians. Kg. Maximilian hatte mit Urkunde vom 12.12.1506 die Reichsunmittelbarkeit des Klosters erklärt, es jedoch mit der Begründung, wegen seiner vielfachen Beanspruchung die erforderliche Aufsicht nicht selbst ausüben zu können, zugleich der Schirmherrschaft Hg. Albrechts unterstellt (Kop. Salzburg; HStA München, KÄA 4119, fol. 39–39’. Feuerer, Klosterpolitik, S. 616, Regest Nr. 1171; Hund/Gewold, Metropolis II, S. 3). In einem während des Konstanzer RT vorgelegten Verzeichnis beschwerte sich Pfgf. Friedrich, daß ihm Hg. Albrecht die seit alters zu Hengersberg gehörige Vogtei über das Kloster Niederaltaich vorenthalte [Nachweis wie Nr. 395, Anm. 14, hier fol. 278’-279]. Am 27.1.1508 befahl der Kg. Pfgf. Friedrich unter Androhung schwerer Strafen, das Kloster an den kgl. Pfleger zu Starhemberg, Christoph Jörger, zu übergeben. Die für die bisherige Weigerung des Pfgf. geltend gemachten Gründe erklärte er für irrelevant, stellte diesem jedoch frei, seine Position in einem Fiskalprozeß am kgl. Kammergericht zu vertreten (Konz. mit ex.-Verm., Bozen; HHStA Wien, Maximiliana 18, Konv. 3, fol. 67–67’).
    2
     Wallbrunn hatte das pfälzische Lehen Partenheim während des Landshuter Erbfolgekrieges aufgesagt, woraufhin Kf. Philipp Hans von Landschad – anscheinend nur auf Lebenszeit – damit belehnte. Die bayerische Initiative zu dessen Rückgabe an Wallbrunn war erfolglos; 1508 belehnte Kf. Ludwig Landschad erneut mit Partenheim (Langendörfer, Landschaden, S. 129).
    3
     Gemäß der Datierung des Kredenzbriefs Hg. Albrechts für die beiden Gesandten [Nr. 138].
    1
     Gemäß der Datierung des Kredenzbriefs Hg. Albrechts für die beiden Gesandten [Nr. 138].
    1
     Das kgl. Silbermünzprivileg für Heinrichs Sohn Gf. Ulrich von Hardegg als Inhaber der Gft. Glatz wurde nicht am 20.5. (Druck: Wurmbrand, Collectanea, S. 256f.; Regest: Kopal, Regesten, S. 281, Nr. 15 (jew. falsches Datum). Entsprechend Schmidt, Silbererzbergbau, S. 28; Holzmair, Münzgeschichte, S. 29; Bergmann, Münzrecht (von 1507), S. 41f.; Bergmann, Münzrecht und die Münzen, S. 156), also während des Konstanzer RT, sondern bereits am 20.3. in Straßburg ausgestellt (Gross, Reichsregisterbücher, Nr. 1159, S. 182).
    1
     Das Schreiben wurde auf Bitte Neitharts durch einen berittenen Memminger Boten zugestellt (Bürgermeister und Rat der Stadt Memmingen an Hg. Albrecht von Bayern, Or., aftermontag vor der auffahrt Christi [11.5.]1507; HStA München, KÄA 3136, fol. 279–279’).
    1
     Entsprechende Mitteilung Matthäus Neitharts an die Schwäbischen Bundesstädte vom 17.5.1507 (jeweils Or. m. S. Überlingen, montag nach exaudi; HStA Stuttgart, H 53, Bü. 156, unfol. (Adressat: Heilbronn); StdA Augsburg, Literalien 1505–1507, Fasz. [18] 1507, Schwäbischer Bund, Jan.-Dez., unfol.; StdA Nördlingen, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 172–173).
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     Laut Nr. 595 [Pkt. 1].
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     Der Mecklenburger Gesandte Caspar von Schöneich hatte am 6.2. Kg. Maximilian an den von Hg. Heinrich während des Kölner RT gegen Lübeck erhobenen Vorwurf des Landfriedensbruches [vgl. Heil, RTA-MR VIII/1, Nr. 607, S. 903] erinnert und sich darüber beschwert, daß der Kg. nach Informationen der Hgg. den damals ausgestellten Achtbrief wieder vom Ebf. von Magdeburg zurückgefordert und dessen Kommission aufgehoben hatte. Laut den von ihm erhobenen Vorwürfen hatte Lübeck diesen Schritt durch falsche Angaben erwirkt und nutzte die Situation zu weiterem Vorgehen gegen Mecklenburg, so durch Errichtung eines Korbhauses [= von Faschinenwerk umgebene Befestigungsanlage; Wossidlo/Teuchert, Mecklenburgisches Wörterbuch IV, S. 579] auf dem Priwall (Trywalk) auf Mecklenburger Territorium und durch Übergriffe gegen Mecklenburger Untertanen. Schöneich äußerte die Befürchtung, daß etliche geschädigte Adlige zur Selbsthilfe greifen könnten. Er bat den Kg. um ein Mandat an Lübeck, sich bis zum 14.3. mit den Hgg. von Mecklenburg und den übrigen Geschädigten zu vergleichen, das Korbhaus wieder abzureißen und alle weiteren Übergriffe einzustellen. Der Kg. sollte in dem Mandat außerdem ankündigen, daß im Falle des Scheiterns einer gütlichen Einigung Lübeck eine Vorladung zu einem Gerichtsverfahren am kgl. Hof zugehen werde (Kop., act. Feldkirchen, sonnabende Dorothee [6.2.]1507; LHA Schwerin, Urkunden, Verträge mit Lübeck, Nr. 54, unfol.). Kg. Maximilian dementierte zwar die Aufhebung der Magdeburger Kommission (Bericht Schöneichs an die Hgg. Balthasar und Heinrich von Mecklenburg, eh. Or. Ulm, montage nach estomichi [15.2.]; ebd., unfol.), ließ sich aber schließlich – wie die Mandate an Lübeck belegen – auf das von Schöneich vorgeschlagene Verfahren ein.
    2
     Die kgl. Kommission vom 15.3. für Hg. Bogislaw und den Lüneburger Magistrat umfaßte die Anhörung der Parteien und die Herbeiführung eines Vergleichs. Die Verhandlungen sollten innerhalb von acht Wochen nach dem Ausstellungsdatum der Kommission abgeschlossen sein. Im Falle ihres Scheiterns würde ein dann bereits an Lübeck ausgegangenes kgl. Zitationsmandat [Nr. 91, Anm. 1] wirksam werden (Or. m. S. [Straßburg], Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; ebd., unfol.).
    3
     Hg. Bogislaw informierte Lüneburg am 28.4. über die kgl. Kommission. Aus Zeitmangel habe er es bislang versäumt, mit ihnen einen Termin abzustimmen. Er beraume jetzt einen Tag auf den 24.6. (Johannis baptiste) nach Stralsund an (Or. Lauenburg, mitwochen nach jubilate; StdA Lüneburg, Br. 49/7). Laut einer Bitte der Hgg. Heinrich und Balthasar von Mecklenburg an Kf. Joachim von Brandenburg, ihnen für den Schiedstag Dr. Dietrich von Dieskau zur Verfügung zu stellen, wurde der Termin schließlich auf den 26.7. (montag noch Jacobi) festgelegt (Konz., s.d.; LHA Schwerin, Urkunden, Verträge mit Lübeck, Nr. 54, unfol.). Vorläufig geschah aber wohl nichts oder die Verhandlungen scheiterten. Mit Schreiben vom 30.8. vertrat Lübeck gegenüber Lüneburg die Ansicht, daß eine Vermittlung unter der von verschiedenen Seiten angeregten Einbeziehung der Stadt aussichtsreich sei, und bat deshalb darum, von sich aus die Bereitschaft zu einer Vermittlung zu erklären (Or., am mandage vor Egidii; StdA Lüneburg, Br. 90/59). Der Konstanzer RT war nicht mit der Angelegenheit befaßt. Jedenfalls existieren keinerlei Hinweise darauf oder auf die Abhaltung des angekündigten und von Mecklenburg erwarteten [Nr. 91] Gerichtstages in dieser Zeit. Der Konflikt wurde im Vertrag von Marienwolde am 15.7.1508 beigelegt (Akten zu den Vermittlungsverhandlungen: StdA Lübeck, ASA Ex., Nr. 4337 passim; Mecklenburgica 396–398; LHA Schwerin, 1.1.-12, Nrr. 4460; StdA Lüneburg, UA a 1506, Okt. 23; Briefe 90/56). Vgl. Becker, Geschichte I, S. 482–484; Hamann, Geschichte, S. 256f.; Schick, Maximilian, S. 182f.
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     Liegt nicht vor.
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     Quittung Hartmanns Bgf. von Kirchberg für den Lübecker Magistrat über den Empfang von 600 fl., rückzahlbar binnen Jahresfrist, s.l., 9.6.1507 (Or. m. S.; StdA Lübeck, Urk. Interna 503a).