Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    1.2. Beziehungen König Maximilians zum europäischen Ausland »

    « Nr. 22 Bericht Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Äußerungen Kg. Maximilians über seine Feinde und [2.] die Unzuverlässigkeit Ungarns in bezug auf die Türken; [3.] Werben des röm. Kg. um ein Bündnis mit Venedig; [4.] Vertraulichkeit der Mitteilungen Kg. Maximilians.

    s.l., jedoch Innsbruck, 10. Januar 1507.
    Venedig, AS, Capi del Consiglio dei Dieci, Lettere di Ambasciatori, busta 12, fol. 9 (ital. Reinschrift) = Textvorlage A. Ebd., fol. 8–8’ (chiffriertes Or.).

    [1.] Kg. Maximilian bat ihn am Vortag [9.1.] zu sich und äußerte mit der aus Gründen der Geheimhaltung gemachten Auflage zur Berichterstattung ausschließlich an den Rat der Zehn und nicht an den Senat folgendes: Er habe derzeit drei Türken zu Feinden: den Kg. von Spanien (re de Tremisen1) wegen des Anspruches seiner Enkel auf das Kgr. Kastilien, den Kg. von Frankreich, der ein schlechter Mensch gleich dem treulosen Türken sei, und den türkischen Sultan (gran turcho). Er denke Tag und Nacht an nichts anderes, als sich an diesen Dreien zu rächen, insbesondere am frz. Kg. und am Sultan.
    [2.] Der Kg. von Ungarn und er hätten einen dreijährigen Waffenstillstand mit den Türken geschlossen2, der bald auslaufe. Er habe deshalb Sigmund Pflug zu Kg. Wladislaw Šentsandt, um dessen Absichten diesbezüglich in Erfahrung zu bringen. Der Gesandte habe nach seiner Rückkehr berichtet, daß sich der ungarische Kg. ausweichend geäußert habe; von anderer Seite habe er jedoch zuverlässig in Erfahrung bringen können, daß der Kg. einen unbefristeten Geheimvertrag mit dem Sultan geschlossen habe.3 Wenn es sich so verhalte, vergeude Venedig die 30 000 Dukaten, die es jährlich an den ungarischen Kg. zahle.4 
    [3.] Er, der röm. Kg., habe den schriftlichen Bericht des Kardinals von Brixen und die mündliche Relation des Ebf. von Trier vernommen5, ebenso wie zuvor die entsprechenden Mitteilungen Pasqualigos in Salzburg vor ihm und dem kgl. Rat.6 Er solle dem Dogen und dem Rat der Zehn berichten, che al tempo dela dieta imperial de Constanza vi farò resposta, attrovandome o non me attrovando in dicta dieta, perché pretendo che in essa dieta se dedugi la dicta resposta et se consegli de agendis. Ein von ihm kürzlich hier in Innsbruck verlesenes Schreiben der Signorie, das die in Salzburg (Malzpurch [!]) gegebene Antwort Pasqualigos auf seine Äußerung über die gegen ihn gerichtete Agitation Frankreichs in Venedig bestätige, und die Berichte seiner Gesandten, des Kardinals von Brixen und des Ebf. von Trier, gäben ihm Hoffnung, daß Venedig sich doch noch mit ihm verbünden werde. Er verspreche, der Republik, solange er lebe, niemals feindlich gegenüberzutreten, sondern ihr immer in jeder möglichen Weise beizustehen. Er, Pasqualigo, solle die Signorie inständig bitten, ihn nicht im Stich zu lassen. Die Signorie sei weise, aber nicht kriegserfahren, sie habe zwar genügend Soldaten, aber keinen Truppenkommandeur von seiner Qualität. Er Šverfüge bereits über 100 000 Dukaten, die er ausschließlich für den Italienzug verwenden werde, um sich an den Franzosen als seinen Feinden und als Feinden Venedigs zu rächen.
    [4.] Der Kg. forderte ihn anschließend noch einmal auf, seine Äußerungen streng vertraulich zu behandeln und darüber ausschließlich an den Dogen und den Rat der Zehn zu berichten, nicht jedoch an den Senat. Falls dessen Informierung als notwendig erachtet werden sollte, bittet er, Pasqualigo, dies insgeheim zu tun, damit der röm. Kg. davon nicht erfährt.

    « Nr. 23 Bericht Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Eingang einer Weisung aus Venedig; [2.] Absicht Papst Julius’ II. zur Vermittlung zwischen Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich; [3.] Bewertung des Vorgangs durch Pasqualigo; [4.] freundliche Haltung Kg. Maximilians gegenüber Venedig.

    Innsbruck, 12. Januar 1507.
    Venedig, AS, Capi del Consiglio dei Dieci, Lettere di Ambasciatori, busta 12, fol. 11–12’ (ital. Reinschrift) = Textvorlage A. Ebd., fol. 10–10’ (chiffriertes Or.).

    [1.] Bestätigt, am Abend des 11. Januar die Weisung vom 5. Januar mit der Mitteilung über die Abreise des päpstlichen Gesandten zu Kg. Maximilian, Costantino Arianiti, aus Rom und mit der Aufforderung zu regelmäßiger Berichterstattung empfangen zu haben.1 
    [2.] Kürzlich kehrte der kgl. Sekretär Agostino Somenza aus Rom zurück. Dieser informierte ihn vertraulich über eine Äußerung des Papstes, Arianiti beauftragt zu haben, den von ihm so sehr ersehnten Ausgleich zwischen dem frz. Kg. und dem röm. Kg. herbeizuführen. Der Papst habe dabei gegen Venedig räsoniert. Auch wenn die erwarteten Nachrichten aus Frankreich und aus Neapel noch nicht eingetroffen seien, habe er die Mission [Arianitis] nicht länger verschieben können. Somenza äußerte weiter, er habe in Bologna erfahren, daß aus Frankreich die Nachricht von der Zustimmung Kg. Ludwigs zur Vermittlung durch den Papst erwartet worden sei. Der frz. Kg. wolle aber keinesfalls, daß der Eindruck entstehe, als ob diese Initiative von ihm ausgegangen sei; vielmehr solle der Papst es so aussehen lassen, als ob der röm. Kg. dessen Vermittlung erbeten habe. Der Špäpstliche Unterhändler gehe aber davon aus, daß der frz. Kg. sich letztlich den päpstlichen Wünschen fügen werde. Aus Neapel erwarte man die Bestätigung, daß der Kg. von Aragon dem künftigen Abkommen und Bündnis ebenfalls beitreten wolle.
    a Diese Mitteilung Somenzas steht zweifellos im Zusammenhang mit dem, was der röm. Kg. vor drei Tagen eröffnet hat – cum affection incredibile, worüber er in seinem Bericht vom 10. Januar Bericht erstattet hat-a.
    [3.] Die Reise Arianitis hierher ist seiner Ansicht nach damit zu erklären, daß die inzwischen eingetroffenen Stellungnahmen aus Frankreich und Neapel entsprechend den päpstlichen Wünschen ausfielen. Arianiti kommt demnach, um über ein Bündnis zwischen dem Papst, dem röm. Kg., Frankreich, Spanien und ihren Parteigängern zu verhandeln. Dies erinnert an das vor drei Jahren geschlossene Bündnis dieser Herren gegen Venedig2, la qual subito fo intesa, fo interrota. Der Vertrag wurde damals nicht realisiert, da Spanien das befreundete Venedig in den dreijährigen Waffenstillstand mit Frankreich einbezogen hatte.3 Dazu paßt auch, daß der röm. Kg., [Matthäus] Lang und der gesamte kgl. Rat seit Tagen ihm gegenüber von einer Übereinkunft zwischen dem Papst und Frankreich sprechen, unverzüglich gegen Venedig vorzugehen. Wie dem auch sei, er wird sich darum bemühen, mehr über die Mission Arianitis in Erfahrung zu bringen, und unverzüglich darüber Bericht erstatten.
    [4.] Er kann versichern, daß sich der röm. Kg. ganz als Freund Venedigs erzeigt und keinem anderen Staat auf der Welt so zugeneigt ist. In vertraulichen Gesprächen und öffentlich erklärt er seine Zuneigung zu Venedig und seine Hoffnung auf ein Bündnis, mit dessen Hilfe er sich problemlos für das von den Franzosen verübte Unrecht rächen könne. Für den Papst hegt der röm. Kg. geringe Wertschätzung: Dieser sei gut französisch und wegen der Erhebung von Franzosen zu Kardinälen daran schuld, wenn das Papsttum nach Frankreich zurückkehre.4

    « Nr. 24 Weisung des Dogen und der Signorie von Venedig an Dr. Pietro Pasqualigo »

    [1.] Bestätigen den Eingang seiner Berichte vom 24. und 28. Januar1. Er soll gegenüber Kg. Maximilian erneut ihre Verbundenheit und Treue bekunden. Was die kgl. Vorschläge angeht2, soll er wie zuvor beteuern, daß Venedig im Herzen bereits mit dem röm. Kg. Šverbündet ist. Konkret sollte man sich in der derzeitigen Situation aber vor allem der Position Kg. Ferdinands von Aragon versichern. Die venezianischen Gesandten in Neapel haben berichtet, daß der kgl. Gesandte Bf. [Christoph] von Laibach auf dem Rückweg zu Kg. Maximilian sei, wie es heißt, mit geheimen und wichtigen Informationen, die auch auf diese Materie Bezug haben. Er soll den röm. Kg. versichern, daß sie sich an seine großzügigen Angebote erinnern und davon überzeugt sind, daß er nichts unternehmen wird, was der Republik schaden könnte.

    s.d., jedoch Venedig, 9. Februar 1507.
    Venedig, AS, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 229–229’ (ital. Kop., Randverm.: Ser Laur[entius] Iustiniano, ser Aloysius de Mollino, consiliarii; ser Marcus Bollani, ser Hier[onymus] Georgio, eques, ser Franc[iscus] Tronus, ser Leon[ardus] Mocenigo, ser Petrus Duodo, sapientes consilii; ser Hier[onymus] Quirino, ser Petrus Victuri, ser Marinus Georgio, Dr., ser Ant[onius] Iustiniano, Dr., sapientes t[erre] firme. Verm. am Textende: De parte: 154).

    « Nr. 25 Instruktion Kg. Maximilians für Kaspar von Winzer (kgl. Rat und Pfleger zu Dürnstein) als Gesandten zu Pfgf. Philipp, Administrator des Bm. Freising »

    Nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp fiel das Kgr. Kastilien an dessen Witwe Johanna und damit an deren Kinder. Um deren Erbanspruch auf das Kgr. zu sichern, auch um die verwitwete Kgin. zu trösten, beabsichtigt er, eine vornehme Gesandtschaft, darunter ihn, Administrator Philipp, nach Spanien abzuordnen.1 Er ist für das Unternehmen besonders geeignet. Er ist ein nahe verwandter Freund der Kinder, zwischen Kg. Philipp und dem Bruder des Administrators bestand ein besonderes Vertrauensverhältnis.2 Er soll deshalb an Šder Reise nach Spanien teilnehmen und dort gemäß der für ihn und seine Begleiter erstellten Instruktion verfahren. Dafür will er ihm die Teilnahme am Konstanzer RT erlassen. Philipp soll statt dessen nach den Osterfeiertagen nach Mecheln ziehen. Er wird bis dahin alles für die Reise Notwendige einschließlich der Gesandtschaftunterlagen erhalten. Winzer soll dessen Antwort unverzüglich mitteilen.

    Straßburg, 21. März 1507.3 
    München, HStA, Hst. Freising, K.blau 220/1, unfol. (Or. m. S., Verm. prps., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 26 Bericht Dr. Vincenzo Querinis und Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Empfang der venezianischen Gesandten am kgl. Hof; [2.] Äußerungen Kg. Maximilians über das Vorgehen Frankreichs in Italien und die Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen.

    Straßburg, 22. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 3’-4’ (ital. Kop.; Postverm.: Per Joanem Vesicam, cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 74’-75’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.1
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 9.

    [1.] Sie sind am 19. März hier in Straßburg eingetroffen.2 Der röm. Kg. schickte ihnen zum Empfang zwei Meilen vor der Stadt seinen Hofmeister (maestro de caxa) 3 und den Bailli von Burgund4 mit einigen Berittenen entgegen. Der Kg., der zur Falkenjagd auswärts weilte, hatte ihnen erlaubt, sich zu ihm zu begeben. Sie trafen ihn vor den Toren der Stadt Šan; der Kg. forderte sie auf, ihre Quartiere zu beziehen, und beschied sie zur Audienz, die gestern in Gegenwart vieler Herren stattfand. Nach den üblichen Grußworten in Namen der Signorie übergab Querini sein Kredenzschreiben und hielt eine lateinische Rede. In seiner durch Dr. Hayden (Aidem) vorgetragenen Antwort bekundete der Kg. seine Geneigtheit gegenüber Venedig.
    [2.] Nach dem Essen zog sich der Kg. mit ihnen beiden, Serntein und dem kgl. Marschall Gf. [Wolfgang] von Fürstenberg in ein Zimmer zurück, wo er lange über vielerlei Dinge sprach, wovon sie das wichtigste wiedergeben: Nachdem er über die Ankunft des frz. Kg. in Mailand samt seinem zum Einsatz gegen Genua vorgesehenen Heer, darunter 4000 Schweizern, informiert worden sei, habe er seine ursprüngliche Absicht, sich in die Niederlande zu begeben, geändert und den RT nach Konstanz einberufen – in dem Wissen, daß die Absicht des frz. Kg. zur Unterwerfung Genuas bei jedermann höchstes Mißfallen hervorrufen werde, zumal die Stadt immer reichsunmittelbar gewesen sei. Sie habe ihm während seines Aufenthalts dort den Gehorsamseid geleistet und die Stadtschlüssel übergeben.5 Er hoffe, daß der RT gute Entschlüsse fassen werde. Einstweilen habe er den frz. Kg. schriftlich davor gewarnt, sich in Reichsangelegenheiten einzumischen, was großes Mißfallen erregen würde. Gleichwohl befürchte er, daß die Franzosen binnen eines Monats die uneingeschränkten Herren der Stadt sein würden. Dies sei eine schlimme Sache, da Frankreich als letztes Ziel dann nur noch die Unterwerfung Venedigs bleibe, um die Alleinherrschaft über ganz Italien zu erringen, was, wenn nicht bald, dann doch im Laufe der Zeit geschehen werde. Die Deutschen, obwohl sehr mächtig, ließen in ihrer Kleinmütigkeit die Franzosen gewähren, zum Unglück Italiens und zur Schande des Reiches. Deshalb habe er Venedig wiederholt aufgefordert, das Bündnis mit ihm zur Vertreibung der Franzosen nicht länger hinauszuschieben; wenn sie darauf eingingen, käme er sofort mit großer Macht nach Italien, unter Hintanstellung seiner übrigen Angelegenheiten. Andernfalls könne es leicht geschehen, daß er den vom frz. Kg. mit vielen Versprechungen angebotenen Frieden akzeptiere. Wenn er dieses Jahr nicht nach Italien käme, würde nie wieder ein Deutscher zum Kaiser gekrönt werden, da alles den Franzosen gehören würde. Wenn die Signorie bedenke, was er bislang gesagt und angekündigt habe, werde sie feststellen, daß es die Wahrheit gewesen sei. Er sei davon überzeugt, daß er sich auch jetzt nicht täusche, wenn nicht geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen würden.
    Der Kg. ersuchte Pasqualigo eindringlich, der Signorie nach seiner Rückkehr diesen Sachverhalt detailliert zu erläutern. Die weiteren Äußerungen des Kg. sollen hier der Kürze halber nicht wiedergegeben werden.
    Sie antworteten im Sinne der Signorie. Pasqualigo dankte mit den für einen Gesandten üblichen liebenswürdigen Worten und Gesten und bat um seine Verabschiedung. Er wird morgen oder übermorgen [23./24.3.] aufbrechen.

    « ŠNr. 27  Bericht Dr. Vincenzo Querinis und Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Ein zum röm. Kg. entsandter Kammerdiener des frz. Kg. ist eingetroffen und wurde nach nur einer Audienz unverzüglich wieder entlassen. Sie konnten in Erfahrung bringen, daß der Gesandte die Mitteilung über die Ankunft seines Kg. in Mailand überbrachte. Es heißt, dieser bezwecke nichts anderes, als zum einen den Besitz dieses Hm., mit dem der röm. Kg. den frz. Kg. belehnt habe, zu demonstrieren und zum anderen die exilierten genuesischen Patrizier zu repatriieren sowie das Volk zu bestrafen, um künftigen Erhebungen vorzubeugen. Der röm. Kg. bestätigte in seiner Antwort [an Kg. Ludwig], daß eine Belehnung mit Mailand erfolgt sei, machte jedoch zugleich darauf aufmerksam, daß er für den Fall seines erbenlosen Todes seinen Sohn, den verstorbenen Kg. von Kastilien, für sich und seine männlichen Erben mit Mailand belehnt habe1, und warnte davor, sich in Angelegenheiten des Reiches einzumischen. Er werde sonst bis vor die Tore von Paris ziehen; den Weg dorthin kenne er gut.
    Der König sagte ihnen am Vortag [21.3.] auf dem Weg zur Messe, daß der französische Gesandte zum Wohle des Friedens gekommen sei und mit diesem Anliegen auch rasch wieder habe abreisen müssen.
    [2.] Ebenfalls eingetroffen ist ein Gesandter des Kg. von Aragon, der sagte, daß er beauftragt sei, die – bereits erfolgte – Abfertigung des Bf. von Laibach zu erwirken. Der Bf. solle den Kg. von Aragon, wie von diesem erbeten, über die Anliegen des röm. Kg. bezüglich Kastiliens unterrichten. Denn sein Kg. wolle in Kürze nach Spanien zurückkehren, um dort zum Wohle der gemeinsamen Enkel der beiden Kgg. [Karl und Ferdinand] entsprechend den Wünschen des röm. Kg. zu verfahren.

    Straßburg, 22. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 4’-5 (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem.2 ) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 75’-76 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 10.

    « Nr. 28 Kredenzbrief Kg. Maximilians für Luca de Renaldis als Gesandten zu Papst Julius II. »

    Er hat den kgl. Rat Luca de Renaldis (Propst zu Xanten) beauftragt, nach seiner Rückkehr aus Neapel von Kg. Ferdinand von Aragon1 als kgl. Orator an der Kurie zu fungieren. Bittet, diesem Glauben zu schenken.2

    Š s.l., s.d., jedoch Straßburg, zwischen dem 23. und 28. März 1507.3 
    Wien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 77 (lat. Konz. mit ex.-Verm.).

    « Nr. 29 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der röm. Kg. ist unter Zurücklassung des Rates und des größten Teils seines Hofstaates mit geringer Begleitung in die Berge geritten; er wird in Kürze hierher zurückkehren. Sein Vorgänger [Pasqualigo] ist am Vortag [24.3.] nach Venedig abgereist. Er hinterließ beim Kg. und bei den Angehörigen des Hofes einen sehr guten Eindruck.1 
    [2.] Er selbst stattete dem päpstlichen Gesandten Costantino Arianiti einen Besuch ab. Dieser sagte, daß die Versöhnung und die Einigung des röm. Kg. mit dem frz. Kg. der einzige Zweck seiner Mission sei. Er bemühe sich darum befehlsgemäß mit allem Nachdruck, gleichwohl widerwillig, da er erkannt habe, daß dies dem Ruin Italiens diene, daß es der Serenissima zum Nachteil gereiche, gegenüber der er sich, nicht zuletzt als venezianischer Edelmann2, immer als bereitwilliger Diener erzeigt habe, und schließlich daß alles Gute, das man für Italien erhoffen könne, von Venedig abhänge. Er habe sich wiederholt beim Papst in diesem Sinne eingesetzt, allerdings vergeblich. Er habe dem Papst bei einer vertraulichen Unterredung auseinandergesetzt, daß sein Streit mit Venedig letztlich zur Zerstörung Italiens führen werde. Seine Heiligkeit habe allerdings auf ihrem Standpunkt verharrt und mit dem Worten geschlossen: Pereat totus mundus, purché io consequisca lo intento mio. Er habe mit dem Kg. darüber gesprochen und hoffe, während des Konstanzer RT eine verbindliche Erklärung zu bekommen. Er wundere sich über das Vertrauen Venedigs gegenüber dem frz. Kg., der mit einem starken Heer nach Italien ziehe, und auch über die Überzeugung Venedigs, daß sein Ziel ausschließlich Genua sei – zumal in Anbetracht seines ehrgeizigen Charakters und da dies zu einer Zeit geschehe, da Kg. Ferdinand (re de Napoli) nach Spanien zurückkehre und den frz. Kg. deshalb in seinen Absichten nicht hindern könne.
    Er wies in seiner Antwort unter anderem auf die feindselige Haltung des Papstes gegenüber Venedig hin, das daran keine Schuld trage, sondern vielmehr treu zu diesem stünde. ŠDie Serenissima wünsche sich vom Papst nichts anderes, als daß er sein Wort halte.3 Er forderte Arianiti auf, seiner behaupteten wohlmeinenden Haltung gegenüber Venedig treu zu bleiben.
    Arianiti bekräftigte diese wortreich und bekundete seine Hoffnung, daß zum Wohle Italiens ein Weg zum Ausgleich zwischen dem Papst und Venedig gefunden werde und der röm. Kg. bei seinen guten Absichten bleibe.
    Er, Querini, wird versuchen, Arianiti soweit möglich als Freund zu gewinnen.

    Straßburg, 25. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 5’-6 (ital. Kop.; Postverm.: Per postas regias in Hispruch et inde per proprium nuntium Roveredum.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 76’-77 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 10f.

    « Nr. 30 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der Kg. hält sich nach wie vor vier Meilen entfernt von Straßburg auf. Soweit er in Erfahrung bringen konnte, wartet er auf eine Nachricht von seiner Tochter Margarethe, die in die Niederlande gereist ist, um dort an seiner Stelle an einer Ständeversammlung zu Verhandlungen über die Übernahme der Statthalterschaft teilzunehmen. Falls es Schwierigkeiten gibt, wird sich der Kg. unverzüglich in die Niederlande begeben – unter Hintanstellung aller übrigen Angelegenheiten. Wenn die Ehgin., wie erhofft, als Statthalterin akzeptiert wird, wird der Kg. in jedem Fall persönlich am RT teilnehmen.
    [2.] Der RT wurde deshalb nach Konstanz ausgeschrieben, um Grenzstreitigkeiten der dort beheimateten Stände mit den benachbarten Schweizern zu bereinigen. Außerdem soll über die Kaiserkrönung des röm. Kg. und über Angelegenheiten Italiens beraten werden. Und schließlich wird der röm. Kg. schwerwiegende Anschuldigungen gegen den frz. Kg. wegen des Bruches des Vertrags von Hagenau erheben. Für alle Fälle hat der röm. Kg. gegenüber Arianiti und anderen ein Übereinkommen mit Frankreich nicht völlig ausgeschlossen. Doch hält er alles in der Schwebe, während er in erster Linie auf die Erklärung Venedigs wartet; nach wie vor hofft er – aufgrund seiner Auslegung des von Pasqualigo übergebenen Schreibens1 – auf ein Bündnis gegen Frankreich bei gleichzeitiger Neutralität des Kg. von Spanien.
    [3.] Er wird sich bei weiteren Gesprächen mit dem röm. Kg. bedeckt halten und alles daran setzen, dessen freundliche Einstellung gegenüber Venedig zu erhalten und die Dinge Šso zu belassen, wie sie jetzt sind. Diejenigen, die mit den deutschen Angelegenheiten vertraut sind, vertreten die Auffassung, daß es der röm. Kg. nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp umso leichter haben wird, die Ff. auf dem RT für seine Ziele zu gewinnen, da sie nicht mehr befürchten müssen, daß er sich nur selbst erhöhen und seinen Sohn zum röm. Kg. krönen will. Diese Willfährigkeit der Ff. bedeutet für den Kg. einen Zuwachs an Autorität und Macht, was man im Umgang mit ihm wird berücksichtigen müssen. Er, Querini, hofft, daß auch die Signorie dies beachtet und die Bedeutung eines guten Verhältnisses zum röm. Kg. genügend würdigt.
    [4.] Der Gesandte Kg. Ferdinands (zentilhomo aragonexe) bemüht sich weisungsgemäß um eine Erklärung des röm. Kg. bezüglich Kastiliens. Doch befinden sich am Hof auch Gesandte von kastilischen Granden, die Anhänger Kg. Philipps waren. Diese bemühen sich beim Kg. darum, entweder die Reise Kg. Ferdinands nach Kastilien zu verhindern oder wenigstens dafür zu sorgen, daß sie wegen ihrer Parteinahme für Kg. Philipp keine Nachteile zu gewärtigen haben. Der röm. Kg. hält sich nach beiden Seiten hin bedeckt; er wartet den Ausgang des nach Ostern zusammentretenden RT und die Erklärung Venedigs ab.

    Straßburg, 27. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 6’-7 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas et nuntium.2 ) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 77’-78 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    « Nr. 31 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Gestern ging er auf Einladung des röm. Kg. gemeinsam mit den anderen Oratoren und den Angehörigen des kgl. Hofes zur Messe. Auf dem Rückweg zur Herberge beklagte sich der röm. Kg. ihm und Arianiti gegenüber über die Franzosen: Diese beraubten andere und ihnen fehle jegliche Glaubwürdigkeit. Seine erregten Worte schloß er mit der Feststellung, daß niemand den Franzosen trauen könne und daß man vor seiner Person keinerlei Achtung habe, obwohl die Franzosen bereits ganz Italien oder doch einen großen Teil davon besetzt hätten, wenn er nicht wäre. Aber die Herren in Italien wollten dies nicht glauben; da er ein Kg. mit wenigen Freunden sei, habe er bei ihnen kein Ansehen. Mit diesen Worten entließ ihn der Kg., um mit seinen Gedanken allein zu sein – wie ihm gesagt wurde, um sich, wie meist, Gedanken über die Franzosen zu machen, gegen die er gleichsam einen natürlichen Haß hegt.
    [2.] Personen, die mit den Absichten des Kg. vertraut sind, bestätigten ihm gegenüber, daß dessen ganzes Denken darauf gerichtet sei, auf dem bevorstehenden RT den Haß der deutschen Fürsten gegen Frankreich anzustacheln. Er wolle an das Unrecht erinnern, das dem Reich zugefügt worden sei und vom jetzigen frz. Kg. noch täglich begangen werde. Dieser beabsichtige nichts anderes, als sich zum Herrscher über Italien zu erheben und die Reichsrechte zu usurpieren. Man ist der Meinung, daß der Kg. bei den Fürsten weit mehr Gehör finden werde als früher – aus den Gründen, die er in seinem Schreiben vom 27. März [Nr. 30, Pkt. 3] dargelegt hat.
    Š[3.] Deshalb glaubt der Kg. auch, ohne Schwierigkeiten das Bündnis mit Venedig zu erlangen. Wenn er seine Erwartungen jedoch enttäuscht sieht, kann es leicht sein, daß er nach Flandern zieht und denen Gehör schenkt, die ihn für ein Bündnis mit Frankreich gewinnen wollen. Bisher vertröstet er diese Partei, während er auf die Entscheidung des RT und die Erklärung Venedigs wartet. Derzeit scheint der röm. Kg. der Signorie wohl gewogen. Er, Querini, ist davon überzeugt, daß nichts mehr geeignet ist, dieses Wohlwollen zu erhalten, als dem Kg. Gehorsam zu erweisen und ihn nicht geringer zu schätzen als einen anderen christlichen Fürsten. Dies würde er sehr übel vermerken.

    Straßburg, 28. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 7’-8 (ital. Kop.; Postverm.: Per Baronum cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 78’-79 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    « Nr. 32 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1./3.] Aufforderung an Kg. Maximilian zum Bündnis mit Frankreich, Spanien und Venedig; [2./4.] Mißtrauen des röm. Kg. gegen Frankreich, Spanien und den Papst, Wunsch nach einem Bündnis mit Venedig, Option einer Verständigung Habsburgs mit Frankreich.

    Straßburg, 31. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 8–10 (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem.1 ) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 79–80’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 13f.

    [1.] Bestätigt für den Abend des 28. März den Empfang seiner durch den Boten Martin Bestia zugestellten Weisung vom 13. März bezüglich der Verhandlungen über ein neues Bündnis.2 In einer Unterredung mit dem röm. Kg. am Nachmittag des 30. März beteuerte er die Treue Venedigs zu diesem und legte die Bemühungen der Signorie bei den Kgg. von Frankreich und Spanien um seinen Anschluß an das Bündnis und die günstige Reaktion der Šbeiden Kgg. dar. Er forderte den röm. Kg. wortreich auf, sich auf dieses Unterfangen zur Erhaltung des Friedens in Italien und zur Erhöhung der christlichen Religion einzulassen.
    [2.] Der röm. Kg. lobte in seiner wortreichen Antwort die Haltung Venedigs ihm gegenüber und die geschilderten Bemühungen der Signorie, bezweifelte aber die Aufrichtigkeit der beiden nur auf ihren eigenen Vorteil bedachten Kgg. in dieser Angelegenheit: Er wisse zuverlässig, daß der frz. Kg. ein Bündnis Venedigs mit ihm fürchte und alles daran setze, es nicht zustandekommen zu lassen. Inzwischen trachte der frz. Kg. danach, Genua zu unterwerfen und es durch die Errichtung einer Festung oberhalb des Hafens unter seine Kontrolle zu bringen, um darüber verfügen zu können wie über die übrigen Länder unter seiner Herrschaft. Was immer dieser Kg. vorschlage, jeder Verständige könne leicht den Zweck ermessen, vor allem mit Hinblick auf seine Absicht, Italien Stück für Stück zu unterwerfen und das Papsttum unter französische Kontrolle zu bringen3, wohinter der Kardinal von Rouen stehe. Und schließlich solle auch die Kaiserkrone usurpiert werden. Der Kg. von Aragon jedoch wolle sich so rasch wie möglich nach Spanien begeben, um die Regierung über die Königreiche seiner Enkel [Karl und Ferdinand] zu übernehmen und sich an seinen Feinden, den Freunden und loyalen Dienern seines verstorbenen Sohnes Kg. Philipp, zu rächen. Kg. Ferdinand bemühe sich um ein Bündnis mit Venedig, damit es während seiner Abwesenheit zum Schutz Neapels verpflichtet sei – und nicht etwa zum Wohl oder Vorteil der Signorie. Dieser Aspekt sei für diese beiden Kgg. irrelevant. Ihm dagegen sei immer das Wohl Italiens mehr am Herzen gelegen als das seiner eigenen Länder. Er habe die Reichsfürsten zusammenberufen, um sie über die französischen Machenschaften zu informieren. Sie sollten erkennen, daß das Reich nicht sicher und Italien nicht befriedet werden könne, solange die Franzosen dort seien. Er hoffe, bei den Fürsten jetzt mehr Glauben zu finden als zu Lebzeiten seines Sohnes Philipp und daß sie einsähen, daß ihn nicht Eigeninteressen oder Rachsucht trieben, sondern sein Wunsch nach Frieden in Italien und somit die Erhaltung des Reiches und schließlich des Hl. Stuhles, la qual dovemo deffensar totis viribus in non lassarla transferir in Franza. Gleiches müsse Venedig tun, nicht für irgendeinen Papst, sondern für den Hl. Stuhl. Für jemanden wie Papst Julius, der weder sein Freund sei noch der Venedigs, würde er keine drei Schritte tun. Er hoffe aber, mit der Unterstützung der Fürsten einige Vorkehrungen treffen zu können und diese Mißstände abzustellen. Und deswegen wolle er dieses Bündnis [mit Venedig]. Er wolle der Signorie keine nutzlose, weil offensichtliche Antwort geben, aber er, Querini, solle sie warnen, sich von den Worten der Kgg. von Frankreich und Spanien täuschen zu lassen.
    Er, der röm. Kg., unternehme alles, um Kg. Ferdinand davon abzuhalten, gegen die Freunde und treuen Diener seines Sohnes Philipp vorzugehen. Auch wenn der spanische Kg. einige Granden für sich gewinnen könne, so wären dennoch Konflikte unvermeidlich, wenn dieser versuche, die Regierung zu übernehmen. Denn seine Tochter, die Kgin. [Johanna], die zuerst nicht habe glauben können, wie schlecht sich ihr Vater ihr und ihrem Mann [Kg. Philipp] gegenüber benommen habe, nun aber alles wisse, sei dafür nicht zu gewinnen. Sie habe sich nach Granada zurückgezogen, wo sie sich bei den Leichnamen (corpo) ihres ŠMannes und ihrer Mutter [Kgin. Isabella] aufhalte, und wolle die Regierungsgeschäfte Kastiliens weiterhin den Granden überlassen.
    Falls er, der röm. Kg., dann alles versucht habe und dennoch erfolglos geblieben sei, so wisse er doch, daß ihm unter Verzicht auf sein geplantes Unternehmen in Italien immer noch ein gutes und ehrenvolles Abkommen mit Frankreich bleibe. Er könne sich dann, während die Ruhe und Sicherheit Kastiliens, Flanderns und aller seiner Länder wie der seiner Enkel garantiert seien, zurückziehen und die ihm verbleibenden Tage in Ruhe und im Dienst für Gott genießen – et non mi mover, se sentisse la ruina del mondo. Die unvergängliche Signorie (la signoria vostra che sempre vive) werde dann vielleicht bereuen, nicht auf ihn vertraut zu haben, und wolle auf ihn zurückgreifen, wenn dies nicht mehr möglich sei. Wenn sie aber die Absichten und Ziele Frankreichs und Spaniens auf der einen Seite und seine Aufrichtigkeit auf der anderen recht erwäge, werde sie zweifelsohne eine gute Entscheidung treffen.
    [3.] Er legte dem Kg. daraufhin dar, daß sein Anschluß an das Bündnis ihm nur Ruhm und Ehre einbringen würde. Er könne dadurch alle seine Angelegenheiten nach jeder Seite hin absichern und das durchführen, was ihm zur Erhöhung des christlichen Glaubens aufgegeben sei. Die Signorie wünsche dieses Bündnis vor allem wegen des damit verbundenen Vorteils für den röm. Kg. und zu seiner Erhöhung.
    [4.] Der röm. Kg. erwiderte, daß er die ernsthaften Bemühungen Venedigs um ihn erkenne und deshalb seine Geheimnisse offenbaren wolle: Er, Querini, solle nach Hause melden, daß er bereits in Bündnisverhandlungen mit Frankreich und Spanien stehe. Es wäre nichts leichter für ihn, als sich mit dem frz. Kg. einzulassen, der ihm einen Freibrief für alle seine Anliegen geben wolle; ebenso mit dem Kg. von Spanien, der nach Kastilien ziehen wolle, um sich an seinen, des röm. Kg., Freunden zu rächen, zum großen Schaden seines Hauses. Er verspreche, ihn über die weiteren Verhandlungen zu informieren, solange er die Hoffnung hege, daß Venedig ebensosehr sein Freund sei wie umgekehrt. Diese Mitteilungen sollten in Venedig streng vertraulich behandelt werden.

    « Nr. 33 Bericht Bf. Christoph Raubers von Laibach (kgl. Gesandter an der Kurie) an Kg. Maximilian »

    Unterredung mit Papst Julius II. über die Lage in Italien.

    Rom, 1. April 1507.
    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 11973, fol. 1–3, 4’ (Or., Postverm.: Ad manus proprias).

    [1.] Er traf auf kgl. Befehl hin am 30. März in Rom ein und erhielt am folgenden Tag eine Audienz beim Papst, um instruktionsgemäß seinen Vortrag zu halten. Anders als vorgesehen war der Kardinal von Brixen, der sich derzeit noch in Bologna aufhält, nicht anwesend. Auch sonst war niemand zugegen. Der Papst hörte ihn mit gueter disposition an. Er rechtfertigte zuerst, daß der röm. Kg. Arianiti so lange aufgehalten hat. Danach sprach er über die Politik des Kg. von Frankreich, und nemlichen, wie er sich unterstet, sein Hlt. mit vil seltzamen practikhen zu sich in Frankreich zu bringen, darauf ermant und Šgebeten von wegen e. kgl. Mt., das er sich in keinen weg in der Franzosen hend ergeben welle.
    Der Papst erwiderte, daß er nicht die Absicht habe, nach Frankreich zu reisen. Er wolle für den Rest seines Lebens in Rom bleiben, wo sein Papststuhl stehe. Im übrigen danke er dem röm. Kg. für die Warnung.
    [2.] Er eröffnete daraufhin als seine persönliche Meinung, daß der Papst in Deutschland als französischer Parteigänger gelte. Es heiße, er veranlasse den frz. Kg., sich stärker in die italienischen Angelegenheiten einzumischen, als er dies vielleicht sonst täte.
    Der Papst räumte ein, er sei den Franzosen bisher etban vil anhengig gebest. Dazu sei er aber gezwungen gewesen, da der röm. Kg. keinen entschiedenen Widerstand gegen die Franzosen geleistet habe und auch, weil die Bemühungen seines Orators Mariano de Bartolini um Hilfe gegen Venedig vergeblich gewesen seien.1 Die Franzosen hingegen hätten ihm gegen Bologna geholfen. Doch habe er sie nie gegen den röm. Kg. unterstützt. Er hätte bis auf den heutigen Tag auch lieber die Freundschaft des röm. Kg. als die der Franzosen gesucht, wenn er dafür eine Möglichkeit gesehen hätte.
    [3.] Er entgegnete dem Papst, daß dieser nun merke, wie wenig Verlaß auf den frz. Kg. sei. Dieser habe die Absicht, zuerst Genua und dann das übrige Italien anzugreifen, was nicht nur dem Papst, sondern auch dem röm. Kg. und der deutschen Nation zu Spott und Schaden gereichen würde. Deshalb müsse dieses Unternehmen rechtzeitig verhindert werden. Die Voraussetzung dafür sei eine Einigung des Papstes und Venedigs wegen Riminis und Faenzas, die bis dahin an den röm. Kg. übergeben werden sollten. Er trug die Einzelheiten des Vorschlags weisungsgemäß vor.
    Der Papst erwiderte, daß er sich lieber nicht so weit mit den Franzosen eingelassen hätte. Er hätte auch nichts dagegen, wenn diese aus Italien vertrieben würden und daß der röm. Kg. die Reichsstadt Genua gegen sie beschützte. Er könne sich jedoch nicht allein aufgrund bloßer Worte in ein gegen Frankreich gerichtetes Bündnis mit dem röm. Kg. und Venedig einlassen. Sobald er aber ein konkretes Vorgehen erkenne, verhalte sich die Sache anders. Eine Einigung mit Venedig sei allerdings unmöglich, solange ihm seine Städte nicht ohne jede Bedingung zurückgegeben würden. Er sei indessen einverstanden, wenn der röm. Kg. der Signorie eine Entschädigung aus dem Hm. Mailand zusage.
    [4.] Er wies darauf hin, daß der röm. Kg. dafür Sorge getragen habe, gemeinsam mit dem Papst Frankreich zu widerstehen; die Kgg. von England, Portugal und Navarra sowie das ganze Hl. Reich stünden auf seiner Seite.
    Der Papst erwiderte abschließend, er werde sich dem röm. Kg. in jeder Weise gefällig erzeigen, sobald dieser mit tapheren fürnemen nach Italien ziehe, und bat um unverzügliche Unterstützung Genuas mit 8 000–10 000 Mann. Er hoffe, daß der Kg. die Franzosen dann auch aus Mailand vertreiben könne. Der Papst bat außerdem, den frz. Kg. in Burgund anzugreifen, um ihn von seinem Zug nach Italien abzuhalten. Von den Venezianern erwarte er nicht viel; er sei vielmehr der Meinung, daß sie die Franzosen über alle Verhandlungen Šmit dem röm. Kg. informieren würden. Der Papst hofft, den Mgf. von Mantua und den Hg. von Ferrara auf die Seite des röm. Kg. zu ziehen, sobald sie merkten, daß er mit ernst nach Italien komme.2 Der röm. Kg. müsse sich bezüglich seiner Pläne für Italien beeilen, bevor sich die Franzosen weiter verstärkten. Wenn der röm. Kg. Genua Hilfe schicken wolle, müsse er dies bald tun. Der Kg. von Aragon unterstütze die Franzosen gegen Genua mit vier Galeeren und habe in Neapel und auf Sizilien die Lieferung von Getreide und anderen Gütern nach Genua untersagt. Der Papst befürwortet eine Einigung zwischen dem röm. Kg. und dem frz. Kg., er würde sich gemeinsam mit dem Kg. von Aragon einem solchen Frieden anschließen. Dann könne der röm. Kg. in Spanien und Italien seine Angelegenheiten regeln, auch mitler zeit die Venediger kriegen.
    [5.] Er ist der Meinung, daß Venedig ihn, den Kg., unterstützen wird, wenn er nach Italien zieht. Dann werden ihm zweifellos auch Genua und der Papst beistehen.

    Er wird den Kardinal von Brixen für dessen weitere Verhandlungen mit dem Papst schriftlich über sein Vorgehen informieren. Der Papst wünscht, daß alle Verhandlungen mit ihm strikt geheim gehalten werden. Der Gf. von Ribagorza (Rippa Gorza) 3 soll anstelle Gonsalvos [Hernandez de Córdova] Neapel regieren; dieser wird mit Kg. Ferdinand nach Spanien zurückkehren. Der Papst ist am 27. März (vigilia palmarum) mit großem Triumph in Rom eingezogen, ihm zu Ehren wurden viele schöne Triumphbögen errichtet.4

    « Nr. 34 Bericht Bf. Christoph Raubers von Laibach an Kg. Maximilian »

    Unterredung mit Papst Julius II. über die Lage in Italien.

    Rom, 3. April 1507.
    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 11973, fol. 5–6’ (Or., Postverm.: In irer kgl. Mt. selbst hand.).

    [1.] Nach Fertigstellung seines ersten Berichts [Nr. 33] wurde er erneut zum Papst beschieden. Dieser eröffnete ihm in Gegenwart des Kardinals von Pavia [Francesco Alidosi], daß ihn inzwischen ein Schreiben Costantinos [Arianiti]1 erreicht habe. Er wolle sich in allen Angelegenheiten nach den Wünschen des röm. Kg. richten, vor allem damit der frz. Kg. nicht diesem zu Schimpf und Spott in der Weise, wie befürchtet, nach Italien ziehe. Voraussetzung sei allerdings, daß der röm. Kg. wirkungsvollen Widerstand dagegen organisiert habe. Er zweifle allerdings daran, daß der röm. Kg. dies tun wolle, zumal er fernab in die Niederlande ziehe; vielleicht verfüge er auch nicht über die notwendigen Mittel. Der Papst befürchtet, nach ergebnislosen Verhandlungen mit dem röm. Kg. gegenüber den Kgg. von Frankreich und Spanien kompromittiert zu sein, denen er ganz gesessen ist. Falls der Š röm. Kg. sich aber für stark genug halte, so bewillige er ihm, auf eigene Verantwortung mit Venedig wegen der Übergabe Riminis und Faenzas zu Händen des Kg. unter den von ihm, Rauber, vorgeschlagenen Modalitäten zu verhandeln. Falls Venedig zustimme, solle der Kg. dies dem Papst unter dem Vorwand einer Vermittlungsinitiative – damit die Venezianer nicht Verdacht schöpften, der Vorschlag ginge von ihm aus – unterbreiten. Der Kg. und Venedig würden eine gute Antwort erhalten. Er wolle dann auch einen Vertrag mit dem röm. Kg. und Venedig zur Vertreibung der Franzosen aus Italien, zur Rückeroberung Mailands und zur Erlangung der Kaiserkrone schließen.
    Er versicherte dem Papst, daß der röm. Kg. weder sich selbst noch ihn auf Abwege führen werde.
    [2.] Der Papst bittet darum, daß der röm. Kg., wie von diesem selbst immer wieder vorgeschlagen, unverzüglich sein Pläne in Burgund umsetze und ebenso Genua auffordere, Widerstand zu leisten, bis er der Stadt zu Hilfe komme. Sollte der Kg. von Frankreich Genua unterwerfen, befürchtet der Papst, er könne mit ganz Italien nach seinem Willen verfahren. Er meint, daß die Italiener des französischen Hochmuts überdrüssig seien und die Sache ein gutes Ende fände, wenn der röm. Kg. nur käme. Der Papst bat ihn, sich darum zu bemühen, den Kg. von Aragon dem französischen Lager abspenstig zu machen und für den röm. Kg. zu gewinnen. So vermaint er, wir möchten den Franzosen mer dan sein franzosische plag geben und antuen. Der Papst ist auch der Meinung, daß es der röm. Kg. wegen geringfügiger Streitigkeiten nicht so weit kommen lassen solle, daß Unwillen zwischen ihm und dem Kg. von Aragon enstünde. Wo Kg. von Aragon den Franzosen zu einem offenbaren feind annemen wollt, so wer ich der mainung, wir verträuten in gar, damit wir den Kg. von Frankreich strafen mochten.
    [3.] Er wird von Neapel aus wieder berichten.2 Der Papst hat ihm unter Androhung der Exkommunikation verboten, die Verhandlungen jemand anderem als ihm, dem röm. Kg., zu offenbaren. Er selbst bittet den Kg. ebenfalls um strikte Geheimhaltung insbesondere gegenüber Venedig, das sonst zusätzlichen Grund hätte, sich mit dem frz. Kg. gut zu stellen. ŠEr bittet ihn darum, nichts zu verabsäumen. Es verdrießt ihn, den Papst und alle Welt so viel von seiner Nachlässigkeit sprechen zu hören.

    « Nr. 35 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Er sprach seit seinem letzten Bericht erneut mit dem röm. Kg., der die [Oster-]Feiertage zurückgezogen, wie üblich im Gebet und in Andacht, in dem Kloster verbringt, wo er Herberge bezogen hat. Der Kg. ist über das gewohnte Maß hinaus gedrückter Stimmung und gedankenversunken, seit er erfahren hat, daß der frz. Kg. seinen Zug nach Italien forciert hat und bald dort eintreffen wird. Er ist überaus unzufrieden damit, daß diesem die Unterwerfung Genuas so leicht gelingen wird. Der röm. Kg. setzt die Einberufung der deutschen Fürsten fort; er fordert sie auf, am 23. April (San Zorzo) in Konstanz zu erscheinen, um mit ihnen über die bereits in seinen früheren Berichten genannten Punkte zu beraten. Der Kg. will alles daransetzen, sie für seine Absichten zu gewinnen.
    [2.] Es heißt, daß der Kg. nach den Feiertagen mit seinem Hofstaat nach Konstanz aufbrechen wird, zumal ihn ein Schreiben seiner Tochter Margarethe vom 29. März1 darüber informiert hat, daß sie in Löwen eingetroffen sei, wo die Stände versammelt seien; am 30. April (marti sancto) werde sie den Eid als Statthalterin in Vertretung des Kg. leisten. Die niederländischen Angelegenheiten erfordern demnach nicht die persönliche Anwesenheit des Kg., der also ohne weiteres am RT in Konstanz teilnehmen kann.
    [3.] Der spanische Gesandte, der an diesem Hof sein bester Freund ist, hat ihm eröffnet, daß er eine vom 17. März datierende Weisung seines Kg. 2 erhalten habe: Er solle dem röm. Kg. mitteilen, daß Kg. Ferdinand über die Anwesenheit von Gesandten der kastilischen Stände bei ihm informiert sei; diese suchten den röm. Kg. zu überzeugen, daß seine Tochter [Johanna] die Übernahme der Regierung durch ihn ablehne. Doch hätten dieselben Granden Kg. Ferdinand für die Gewährung von Pardon die Regentschaft angeboten. Der röm. Kg. solle ihren Worten keinen Glauben schenken. Die Kinder Kg. Philipps seien ihrer beider Enkel; er werde nichts tun, was nicht ihrem Vorteil diene. – Der röm. Kg. behandelt die Angelegenheit wie gewöhnlich hinhaltend.

    Straßburg, 3. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 10–10’ (ital. Kop.; Postverm.: Per Martinum Bestiam cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 81–81’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    « Nr. 36 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.-3.] Gespräch mit Kg. Maximilian über die französische Italienpolitik; [4.] Bedeutung des Konstanzer RT für die weiteren Pläne des röm. Kg.; [5.] Übernahme der niederländischen Statthalterschaft durch Ehgin. Margarethe; [6.] Unterredung Kg. Maximilians mit dem päpstlichen Legaten Arianiti.

    Straßburg, 6. April 1507.
    ŠVenedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 10’-11’ (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem Martinum Bestiam.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 81’-82’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert, z.T. Ganztextwiedergabe, bei: Brunetti , Vigilia, S. 14f.

    [1.] Nach der gestrigen Messe eröffnete der röm. Kg. ihm unter sichtbarer Bekundung seines Mißfallens, daß er Nachrichten erhalten habe, wonach der frz. Kg. mit einem großen Heer nach Italien komme, um Genua zu unterwerfen und seine sonstigen üblen Absichten zu realisieren. Er habe sich deshalb bemüht, die Fürsten so rasch wie möglich zusammenzurufen, und erwarte ein gutes Ergebnis zum Wohle Italiens. Er hoffe, daß die Signorie im eigenen Interesse zu einem entsprechenden Beschluß kommen werde.
    [2.] Er antwortete dem Kg., daß Venedig vor allem an Ruhe und Frieden in Italien gelegen und davon überzeugt sei, mit dem angeregten Bündnis [zwischen Kg. Maximilian, Frankreich, Spanien und Venedig] das richtige Mittel gefunden zu haben. Er versuchte gemäß der Weisung vom 13. März [Nr. 32, Anm. 1] erneut, den röm. Kg. unter Hinweis auf den Nutzen für Italien und die ganze Christenheit dazu zu bewegen, auf die Bündnisverhandlungen einzugehen.
    [3.] Der Kg. unterbrach ihn und bekräftigte seine frühere Äußerung, daß es sich um ein Täuschungsmanöver Frankreichs handle, um Venedig von einem Bündnis mit ihm abzuhalten und die eigenen Ziele weiterverfolgen zu können. Er sei erstaunt, daß die Signorie dies nicht bemerke; am Ende werde sie sich aber getäuscht sehen. Falls Venedig sich mit Frankreich und Spanien verbünde, sei es verpflichtet, Mailand und Neapel zu verteidigen. Wenn er jedoch wie erhofft das Reich zur Erhaltung der Reichsrechte [in Italien] einigen könne, werde Venedig feststellen, daß große Lasten auf es zukommen. Er sage dies als ein Freund Venedigs. Sollte es sich jedoch gegen das Reich stellen, werde er das Erforderliche tun. Wenn sich die Fürsten erst einmal zum Italienzug entschlossen hätten, würden sie ihn unbeirrbar durchführen.
    Der Kg. ersuchte ihn, dies nach Venedig zu berichten und die Signorie aufzufordern, die Taten und die vom frz. Kg. auf Anstiftung des Kardinals von Rouen und auch des span. Kg. verfolgten Ziele auf der einen und die bekannten und erwiesenen guten Absichten des röm. Kg. gegenüber dem Senat auf der anderen Seite sorgfältig abzuwägen.
    Er bestätigte diese Äußerungen und benannte die Haltung des röm. Kg. als Grundlage für die Ehrerbietigkeit und den Gehorsam Venedigs ihm gegenüber. Er bekräftigte noch einmal, daß das Streben Venedigs auf den Frieden und auf das Wohl der christlichen Religion ausgerichtet sei. Mit weiteren ähnlichen Worten verabschiedete er sich vom Kg.
    [4.] Das gesamte Denken des Kg. ist auf den Konstanzer RT gerichtet, von dem seine sämtlichen weiteren Schritte abhängen. Die Einschätzung wurde mehrfach auch von anderer Seite bestätigt. Nach Ende des RT wird man sehen, welche Richtung der röm. Kg. für längere Zeit einschlagen wird.
    [5.] Ehgin. Margarethe berichtete am 1. April aus Mecheln1, daß sie als Statthalterin vereidigt worden sei; der frz. Kg. habe vor seiner Abreise die Grenzen zur Gft. Burgund und überhaupt zu allen Ländern Kg. Maximilians durch Truppen gesichert.
    Š[6.] Der röm. Kg. hielt am Vortag eine lange Unterredung mit Costantino Arianiti. Laut zuverlässiger Quelle informierte er diesen über alle Vorbereitungen und Umtriebe des frz. Kg. und forderte ihn auf, den Papst zu warnen, sich in Acht zu nehmen. Nach dem Dafürhalten des röm. Kg. wünschen der frz. Kg. und der Kardinal von Rouen nichts mehr als eine Vakanz des Hl. Stuhls.

    « Nr. 37 Bericht Daniel Ruhes (kgl. Sollizitator in Rom) an Kg. Maximilian »

    Nachrichten über die Unterstützung Genuas gegen Frankreich, Überlegungen hinsichtlich einer Unterstützung der Stadt durch Kg. Maximilian.

    Rom, 8. April 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Karton 2, Fasz. 1506–1508, fol. 54–55’ (Or. m. 2 Ss., Postverm.: Ir kgl. Mt. zo handen. – Cito, cito.).
    Druck (unter Übertragung in das Hochdeutsche): Wolff , Beziehungen, S. 125f.1

    [1.] Nach der Abreise des Bf. von Laibach aus Rom entstand hier ain gross geschrey, daß in Genua der Krieg gegen die Franzosen öffentlich erklärt worden sei2; und die Francoesen ziehen hart zo, und were des andern mechtig ist, der slecht den andern ze tode. In Rom werden Truppen für die Stadt angeworben. Das Geld dafür geben die in päpstlichen Diensten stehenden, aus Genua stammenden Sauli.3 Der Papst liefert heimlich Artilleriemunition. Er stellt auch in Civitavecchia Schiffe für die Truppen zur Verfügung.4 Der Kardinal von St. Malo [Guillaume Briçonnet] sagte heute angeblich, daß der frz. Kg. am kommenden Samstag in Aes 5 eintreffen und dann nach Mailand kommen werde. Es heißt, er habe 1 200 Lanzenträger und 15 000 Fußsoldaten aus Mailand und Savoyen sowie aus der Auvergne (Avernyen) und dem Languedoc (Langwedoch) bei sich. Dazu kämen noch die von den Eidgenossen gestellten Knechte; man spricht von 6 000 Mann. Über die Größe des Heeres ist der Kg. jedoch sicherlich besser informiert.
    [2.] Etliche Kardinäle aus Genua leisten der Stadt ebenfalls heimlich Hilfe, also das mich pedunkt, eß woll ayn seltzemer handel darauß werden. Die frz. Kgin. bleibt in Grenoble (Garnobbell). Auch wenn Genua dem Angriff standhält, wird die Stadt nach der hier herrschenden Meinung doch beträchtlichen Schaden davontragen Die Genueser haben überall die französischen Herrschaftszeichen durch Wappen des röm. Kg. ersetzt.6. Wenn Šdie Italiener (Walen) auf jemand anderen angewiesen sind, so geben sie sich freundlich und untertänig, wenn nicht, sind sie niemandes Freund. Wenn der frz. Kg. sich Genuas, einer Reichsstadt, bemächtigt, ist er der Herr über Italien. Genua hat zur See und auf dem Land eine wichtige Stellung, es ist reich und gut befestigt. Wenn er, der röm. Kg., ihnen hilft und die Stadt sich behauptet, wird er eine wichtige Position in Italien gewinnen und auch den Papst für sich einnehmen.
    [3.] Ein einflußreicher Kardinal äußerte ihm gegenüber, wenn der röm. Kg. Genua durch Costantino [Arianiti] mit 2000–3000 Knechten unterstützen würde, könnten diese durch Montferrat und über die Berge ziehen, auf Wegen, die Costantino kenne. Der Kardinal meint, daß der röm. Kg. sich Genuas zweifellos bemächtigen könne. Dann könnten die Franzosen binnen kurzer Zeit mit genuesischer Hilfe auch aus Mailand vertrieben werden. Falls jedoch diese Truppenhilfe nicht möglich sei, müsse man die Franzosen möglichst bald an einer anderen Stelle angreifen. So sollt man ayn getroest folk sehen gegen den Francosen, dan man ist inen so fyand, das ichs nyt schreiben kan. 
    [4.] Der Papst entsandte etliche Galeeren nach Genua. Auch zieht ein gewisser Gobbo7 der Stadt zu Hilfe. Hier in Rom heißt es, die Franzosen verachten den röm. Kg. und die ganze deutsche Nation. Er selbst zweifelt nicht daran, daß er, der röm. Kg., Vergeltung üben wird, sobald er davon erfährt.8 

    « Nr. 38 Rat der Stadt Genua an die Kff. 1   »

    [1.] Bitte um Hilfe zur Bewahrung der Reichsrechte in Genua; [2.] Scheitern einer Vermittlung zwischen den Fraktionen in Genua an der Benachteiligung der Popularen; [3.] unbegründete Verurteilung der Bürger Genuas als Rebellen gegen die französische Krone, unrechtmäßige Übergriffe gegen Bürger, Scheitern einer ŠGesandtschaft zum frz. Statthalter in Mailand, Charles d’Amboise; [4.] Bitte der Stadt an Kg. Maximilian um Unterstützung und insbesondere um Intervention bei den Eidgenossen gegen eine Teilnahme am Feldzug gegen Genua sowie um eine Warnung an den Statthalter in Mailand vor einem Angriff auf Genua als Angriff auf das Reich; Bitte an die Kff. zur Verwendung in diesem Sinne bei Kg. Maximilian.

    Genua, 9. April 1507.
    Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 258–259 (lat. Kop., Adresse: Illustrissimis principibus Sacri Imperii electoribus et consiliariis d[omi]nis d[ominis] col[endissi]mis.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 8–9 (lat. Kop., Adresse wie A) = B.

    [1.] /258/ Illustrissimi principes d[omi]ni, d[omini] cl[ementissi]mi. Nisi scripsissemus imperatori serenissimo quecunque superioribus mensibus gesta, apud nos sunt et nunc geruntur, ea iudicaremus omnia opus fore ex[cellen]ciis vestris ordine narrare, verum quoniam persuademus nobis quecunque ad conservandam Imperii jurisdictionem pertineant ad consultationem et examen vestri sapientissimi consilii referria. Satis visum est exemplum earum litterarum, quas paulo ante scripsimus2, nunc quoque mittere et vestras excellencias rogare illud, ut legere velint atque eo lecto ad tuendum ius Imperii ea confestim remedia adhibere, que pertinere ad imperatoriam auctoritatem et nobis magis accomodata iudicaverint.
    [2.] Vexati iam aliquot mensibus fuimus intestinis discordiis, ut accidit aliquando vel divino judicio vel fortuito aut naturali fato, et ventum est ad arma inter nos non tamen in mutuam cedem aut perniciem. Causas, propter quas arma sumpta sunt, statim declaravimus per litteras et nunctios regi cristianissimo.3 Et cum sepe scriptum et rescriptum fuisset, misit tandem illustrissimum Ravastenum4, qui tumultus sedaret, animos conponeret, et tamen graviores motus de integro concitatis armis, ut adversariis faveret, excitavit, laudavit postmodum rex, ut ad se oratores mitteremus, ac promisit remedia malis nostris adhibere. Mis[s]umque confestim oratores miserunt quoquo ex suo genere adversarii, et cum eis ad regem profectus est m[agnifi]cus d[ominus] Johannes Ludovicus Fliscus5. Et ipse quoque nobis adversus, rex adversarios prompte Šet volenter audivit atque adeo credidit eorum delacionibus, ut nostros oratores nisi certis condicionibus, que servari non poterant, audire nunquam voluerit.6
    [3.] Redierunt domini desperati ipsi et hunc populum in desperacionem prope ultimam induxerunt, quod a suo rege, a suo domino tam inclementer reiecti fuissent. Et, quod eciam gravius fuit, inauditos et insontes nos in tota dicione sua rebelles publicavit7 et frumentis, ut a rege Aragonum atque aliis provinciis interdictum nobis esset8, summo studio curavit. Fidem tamen ad ultimum servavimus, donec vidimus sine ulla belli denunctiacione quecunque Januensium popularium bona in Mediolano et tota eius dicione capi et tanquam hostium bona interdici.9 Atque eodem tempore /258’/ conspeximus plurimos cives nostros in sancta pace per prefectum regium arcis sacro in templo nihil tale timentes per insidias intercipi et subinde illum tormentis ex arce et bambardas domos atque urbis tecta dirruere barbarum in morem, nulla a nobis injuria lacessitum.10 Vidimus insuper regium locumtenentem simulacionem profectionis minime id suspicantibus nobis excedere urbe et regimine ipsius urbis extemplo deserere comitante populo racione officii et magnis honoribus prosequente.11 Vidimus ad postremum Gallicos omnes nemine urgente clauculum12 noctu sese in arcem recipere. Et quamquam tot signis, tot incommodis, tot damnis, tot denique malis multipliciter laccessiti, permansimus in fide.13 Et ad ultimum, cum rex christianissimus oratores nostros admittere neque audire voluisset, novos oratores ad illustrissimum magnum magistrum mittere visum est, ut pacem, quacunque fieri posset racione, inquireremus. Qui cum profecti a nobis essent, in ipso itinere denunctiatum illis est, sese minime tute ad suam ex[cellen]ciam iter facere, atque ita territi minis occultis itineribus redire domum coacti sunt.14 Hec atque talia pertulimus tam diu, donec Švidimus aperta arma contra nos et validum exercitum moneri, tunc vero desperata pace visum est nobis ipseb consulere et Deo bene juvante defensionem parare.
    [4.] Et postquam rex alioquin clementissimus falsis adversariorum delationibus fidem atque obsequium nostrum penitus aspernabatur, ab eius imperio licet admodum inviti et coacti tandem discessimus et ad tutelam atque opem imperatoris invictissimi confugimus, cuius hec civitas antiqua sedes est et tanquam sedem suam protegere ab omni vi et tueri clementer iure Imperii tenetur. Quod ut facere dignetur, vestras ex[cellen]cias maximo affectu rogamus orantes, ut iubeat inprimis omnibus subditis suis ac confederatis quarumvis nacionum et presertim Helveciis, ut nullo pacto nobis, qui iurisdictionis Sacri /259/ Imperii sumus, inferant arma et a bello contra nos et dampnis nostris abstineant, et illustrissimo magno magistro, qui huius belli curam et administracionem habere creditur, in eam sentenciam scribat, ut sciat, si nobis et imperatorie huic sedi et camere bellum inferat ac sibi persuadeat, bellum ipsi quoque Imperio inferri et nos antiquissimos sedis imperatorie servitores quibuscunque aliis auxiliis ac presidiis videbitur sacra imperatoria maiestas sua nobis sucurrere et in hac tanta necessitate nostra opem ferre dignetur, idque quanta maxime celeritate fieri possit, quoniam in ipsis prope portasc iam exercitum habemus. Interea et nos et quidquid mari ac terra possimus ac valemus Sacro Imperio et ex[cellen]ciis vestris prompto omni animod deferimus ac dedimus. Data Janue, die VIIII Aprilis MDVIImo.
    Ex[cellen]tiarum vestrarum cultores observantissimi antiani et officium Balie communis Janue, Nicolaus [Oderico].

    « Nr. 39 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1./3.] Gegenstand der Unterredung zwischen Kg. Maximilian und dem päpstlichen Legaten Arianiti am 5. April; [2.] Spekulationen über die Ziele Arianitis; [4.] Nachrichten über französische Truppenbewegungen, Drängen Kg. Maximilians zum Erscheinen auf dem RT.

    Straßburg, 10. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 11’-12’ (ital. Kop.; Postverm.: Per postas regias in Hispruch et inde Venetias per proprium nuntium cum diligentia.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 82’-83’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Auszugsweise referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 15–17.

    [1.] Er konnte durch Gewährsmänner mehr über das Gespräch zwischen dem röm. Kg. und Arianiti in Erfahrung bringen. Im wesentlichen ging es um das, was er bereits am 6. April berichtet hatte [Nr. 36, Pkt. 6]. Ein Teil des Gesprächs fand allerdings unter vier Augen statt. Der röm. Kg. ist in wichtigen Dingen äußerst verschwiegen. Gleichwohl wird von kundiger ŠSeite die Auffassung vertreten, daß es nur darum gehen könne, den Papst für ein Bündnis mit dem röm. Kg. zu gewinnen, um sich mit Unterstützung der Reichsfürsten gegen den frz. Kg. wenden zu können; dafür brauche der Kg. das Bündnis mit einer der italienischen Mächte. Der röm. Kg. wisse zwar um die guten Beziehungen des Papstes zu Frankreich, hege aber die Hoffnung, die Beendigung dieser Freundschaft bewirken zu können. Denn der Kg. glaube, aus der plötzlichen Abreise des Papstes aus Bologna ein gewisses Mißtrauen gegen den frz. Kg. ablesen zu können, mit dem eigentlich ein Treffen vereinbart gewesen sei. Konsequent versuche der röm. Kg., Arianiti von den üblen Absichten des frz. Kg. gegenüber dem Papst zu überzeugen. Er behaupte, daß dieser nach Italien komme, um sich mit Hilfe der Partei Giovanni Bentivoglios zum Herren über Bologna zu machen und weiter gegen den Papst vorzugehen, mit dem Ziel einer Vakanz des Hl. Stuhls und der Wahl des Kardinals von Rouen zum Papst, o per bontà o per forza.
    [2.] Arianiti ist zwar klug, dem frz. Kg. gegenüber aber äußerst feindselig gesinnt, seit er aus seinem Statthalteramt in Montferrat vertrieben wurde.1 Es ist deshalb gut möglich, daß, obgleich er bislang in eine ganz andere Richtung verhandelt und auf einen Ausgleich zwischen dem röm. Kg. und Frankreich hingearbeitet hat, nunmehr auf die Linie des röm. Kg. eingeschwenkt ist, den Papst von der Notwendigkeit eines neuen Bündnisses mit diesem zu überzeugen. Arianiti hat sich gegenüber Personen, die wiederum ihm darüber berichtet haben, selbst in diese Richtung geäußert.
    Als sie beide über die Ankunft Kg. Ludwigs in Italien mit einem so großen Heer sprachen, äußerte Arianiti, daß der Ausgleich zwischen Venedig und dem Papst eine heilige Pflicht sei und ein Bündnis dieser beiden Mächte mit dem röm. Kg. uneingeschränkt dem Wohl Italiens dienen würde. Er betonte in seiner Antwort die Verbundenheit Venedigs mit dem röm. Kg. und wies darauf hin, daß der Papst mehr als jeder seiner Vorgänger über Venedig verfügen könne, wenn er nur seine Zusagen einhalte2.
    [3.] Weitere Informationen bestätigen die Korrektheit seiner Angaben über die Unterredung [zwischen Kg. Maximilian und Arianiti]. Er hat auch gelegentlich eines Gesprächs mit dem röm. Kg. versucht, eine Bestätigung dafür zu bekommen. Er verfährt dabei vorsichtig und umsichtig, wie es einem Orator Venedigs obliegt.
    [4.] Der röm. Kg. drängt die Reichsfürsten weiter, so rasch wie möglich zum RT zu kommen. Nachdem er erfahren hat, daß der frz. Kg. beträchtliche Truppen unter dem Befehl von [Louis de] La Trémoille an die Grenze von Burgund und unter dem Befehl des H. von Piennes [Louis de Halwin] an die Grenze von Flandern und auch in die Champagne an die Grenze zu Metz verlegen ließ, forderte er alle Fürsten auf, wegen wichtiger Obliegenheiten des Reiches gerüstet zum RT zu kommen [Nr. 16]. Der Kg. will diese Sache als Angelegenheit des Reiches und nicht als seine eigene behandeln, um die Fürsten dadurch zu verpflichten. Man glaubt, daß dies der größte RT seit vielen Jahren sein wird. Der röm. Kg. ist der Meinung, daß die französischen Truppenbewegungen einzig den Zweck haben, ihn von Šseinem Zug nach Italien abzuhalten, bekräftigt aber, daß ihm nichts übrigbleibe, als seine Ziele weiterzuverfolgen, auch wenn er dafür seinen ganzen Besitz verpfänden und verkaufen müßte. Jeden Tag erscheint der Kg. erregter angesichts der Aussicht, bald verwirklichen zu können, woran er so lange Zeit gehindert war.
    Er berichtet über dies alles nach bestem Gewissen.

    « Nr. 40 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Spekulationen über die Gründe für die Haltung Kg. Maximilians gegenüber dem Papst, Bedeutung Ebf. Jakobs von Trier für den röm. Kg.; [2.] Verhandlungen mit den Eidgenossen; [3.] Unterredung Querinis mit Kg. Maximilian; [4.] Verhandlungen spanischer Gesandter mit dem röm. Kg.; [5.] Musterung von Landsknechten.

    Straßburg, 12./13. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 12’-14 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas regias.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 83’-85 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Auszugsweise referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 17.

    [1.] Er hat weitere Erkundigungen über die Unterredung vor einigen Tagen zwischen dem röm. Kg. und Arianiti eingeholt und erfahren, daß alles darauf abzielt, den Papst von Frankreich zu trennen und zu einem neuen Bündnis mit dem röm. Kg. zu bewegen. Es gibt seitens des Papstes keinen Hinweis, daß er angesichts des Erscheinens der Franzosen in Italien Befürchtungen hegt, aber man bemüht sich darum, Verdacht zu erwecken. Der röm. Kg. wiederholt ständig, daß er die wahren Beweggründe für den Italienzug Kg. Ludwigs kenne, der auch gegen den Papst gerichtet sei und auf die Kontrolle Bolognas abziele. Er bietet dem Papst für die Sicherung Bolognas 800 Reiter und 2000 Fußsoldaten an und hat bereits erklärt, die Truppen zu diesem Zweck nach Italien zu beordern. Ihm, Querini, ist unklar, ob der röm. Kg. dies tut, weil er wirklich glaubt, daß der Papst diese Truppen benötigt und den Franzosen mißtraut; es kann auch sein, daß er seine Glaubwürdigkeit bei den Reichsfürsten erhöhen will, die zum RT kommen sollen, indem er demonstriert, daß er im guten Einvernehmen mit dem Papst steht und die Angelegenheit wichtig ist, und zugleich das Vorgehen Frankreichs als Vorbereitung zur widerrechtlichen Aneignung von Gebieten des Kirchenstaates diskreditiert. Der Kg. ist unverändert der Absicht, auf dem Konstanzer RT große Dinge zu vollbringen. Er läßt, soweit ihm dies ersichtlich ist, nichts unversucht, sich die Fürsten geneigt zu machen. In allen Dingen bedient er sich des Ebf. von Trier, der in Deutschland sowohl aufgrund seines Ranges als auch seines Verwandtschaftsverhältnisses zum Kg. und durch dessen Hochschätzung große Autorität besitzt. Laut eingegangenen Nachrichten befinden sich die Ebff. von Trier und Mainz sowie viele andere Fürsten bereits auf dem Weg zum RT, der am 23. April (San Zorzi) eröffnet werden soll.
    [2.] Der röm. Kg. ist in Verhandlungen mit den Eidgenossen eingetreten und hat Hans von Königsegg (Consecha) als Gesandten in die Schweiz abgeordnet. Der Kg. hofft, auch über die Schweizer verfügen zu können, wenn es ihm gelingt, die Reichsfürsten für den Italienzug zu gewinnen. Wenngleich die Schweizer immer Feinde des Kg. qua Ehg. von ŠÖsterreich waren, so waren sie doch immer gehorsam gegenüber dem Reich. Er, Querini, glaubt, daß der Kg. Tag und Nacht über nichts anderes nachdenkt als über diese Dinge.
    [3.] Der röm. Kg. sagte ihm gestern [11.4.] nach der Messe, daß der frz. Kg. mit seinem Heer bereits an der Grenze Italiens stehe. Er wisse, daß die Signorie dies nicht erwartet habe. Da sie sich so zurückhaltend zeige, werde er seine eigenen Angelegenheiten verfolgen. Zu dem von Venedig angeregten Bündnis äußerte sich der Kg. nicht mehr. Jedesmal, wenn er ihn darauf ansprach, wich der Kg. auf ein anderes Thema aus. Denn er ist davon überzeugt, daß er erfolgreich sein wird, auch wenn er sein Ziel trotz aller Bemühungen nicht erreicht. Denn wenn er auf den Italienzug verzichtet, wird er vom frz. Kg. weit bessere Konditionen erhalten, als wenn er sich auf das von Venedig vorgeschlagene Bündnis einläßt. Soweit er den Kg. verstanden hat, ist dieser der Ansicht, daß Venedig kein Bündnis mit Frankreich und Spanien eingehen werde. Die venezianischen Bündnisse hätten immer den Zweck gehabt, die Franzosen aus Italien zu vertreiben und so die eigenen Interessen zu realisieren. Venedig werde auch viel eher gegen Frankreich ziehen als gegen das benachbarte Deutschland.
    Für ihn ist es offensichtlich, daß der röm. Kg. ihn nicht länger an seinem Hof dulden wird, falls sich diese Erwartung nicht erfüllt.
    [4.] Der Gesandte des spanischen Kg. und die Vertreter der kastilischen Granden bedrängen den röm. Kg., sich in der kastilischen Frage zu erklären. Kg. Ferdinand wünscht die Zustimmung des röm. Kg. zur Übernahme der Regierung in Kastilien stellvertretend für ihre gemeinsamen Enkelsöhne [Karl und Ferdinand]. Die Granden arbeiten darauf hin, daß der röm. Kg. den spanischen Kg. zu seinem Feind erklärt, falls dieser nach Kastilien ziehen sollte, und dessen Gegner unterstützt. Beide Parteien wurde bislang mit Worten abgespeist, ohne daß eine Entscheidung gefallen wäre.
    [5.] [PS] Der röm. Kg. musterte am heutigen 13. April außerhalb der Stadt 1000 Landsknechte, die anschließend Richtung Trient abgefertigt wurden. Er will sie nach seinem Bekunden zur Unterstützung des Papstes nach Bologna schicken, zusammen mit 600 Reitern, die sich bei Augsburg gesammelt haben.

    « Nr. 41 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    Der Kg. ließ ihm am Vormittag mitteilen, daß er beschlossen habe, zur Unterstützung des Papstes 1000 Fußknechte nach Bologna zu entsenden. Denn er habe Nachricht erhalten, daß der frz. Kg. gegen den Papst und den Kirchenstaat ziehe. Er solle dies an den Dogen berichten, damit Venedig seinen Truppen ungehinderten Durchzug nach Bologna gestatte. Die Hauptleute hätten Befehl, bei den Knechten für Disziplin zu sorgen und für die Verpflegung zu bezahlen. Der röm. Kg. kündigte ein Schreiben in dieser Angelegenheit an die Signorie an.

    Straßburg, 14. April 1507; präs. Venedig, 26. April.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 14 (ital. Kop.; Verm. am Textende: Tradita fuit regi.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 85 (ital. Kop.; Verm. wie A) = B.

    « ŠNr. 42  Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der röm. Kg. forderte ihn am Vormittag auf, wegen der Genehmigung des Durchzuges für 1000 Fußsoldaten an den Dogen zu schreiben. Denn er habe Nachricht erhalten, daß der Italienzug des frz. Kg. vor allem gegen den Papst und den Kirchenstaat gerichtet sei. Er werde in dieser Angelegenheit einen Boten nach Venedig schicken.
    Er verfaßte den Brief in der gewünschten Weise und zeigte ihn dem Kg. Er erinnerte aber auch daran, daß der Papst sich bislang wenig freundlich gegenüber Venedig erzeigt und man keinen Grund habe, ihm zu vertrauen. Er erläuterte weiter, wie der Papst sein gegebenes Wort im Zusammenhang mit der Rückgabe der Romagna gebrochen habe.1 
    [2.] Der Kg. antwortete, daß der Signorie seine Haltung in ihrem Streit mit dem Papst bekannt sei. Er erinnerte an seine Äußerung vor einigen Tagen, daß er für Papst Julius keine drei Schritte tun würde, aber sehr wohl für die Erhaltung des Hl. Stuhls in Italien und um die Eroberung ganz Italiens durch die Franzosen zu verhindern. Er sei fest davon überzeugt, daß die Signorie für diese Ziele noch weit mehr tun würde als er. Sie könne selbst die Folgen einer Eroberung Bolognas durch die Franzosen ermessen. Er sei deshalb zuversichtlich, daß Venedig ohne Schwierigkeiten den ungehinderten Durchzug seiner Truppen bewilligen werde; falls nicht, werde er seine gute Meinung über die Signorie ändern.
    [3.] Der Kg. hat die Fußsoldaten bereits nach Trient losgeschickt. Seines Wissens hat der Papst diese Truppen nicht angefordert. Der Kg. tut dies, um bei Kg. Ludwig Verdacht zu erwecken, den Papst aus der Verbindung mit Frankreich zu lösen, somit den gegen die Franzosen gerichteten Italienzug gegenüber den Reichsfürsten zu legitimieren, das französische Vorgehen wiederum zu diskreditieren und zugleich sein eigenes Ansehen zu steigern.
    [4.] Der Kg. forderte ihn und die anderen Oratoren auf, ihn nach Konstanz zu begleiten. Er wird morgen dorthin aufbrechen.

    Straßburg, 14. April 1507; präs. Venedig, 26. April.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 14–15 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas in Hispruch et per proprium nuntium Venetias.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 85’-86 (ital. Kop.; Verm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 17f.

    « Nr. 43 Instruktion Kg. Maximilians für Dr. Heinrich Hayden, Camillo de Montibus, Leonhard Rauber, Georg Moysse und Dr. Johannes Räbler als Gesandte nach Venedig »

    [1.] Ziele Kg. Ludwigs von Frankreich in Italien, Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen, Verhandlungen auf dem bevorstehenden RT über eine Reichshilfe; [2.] Bitte an Venedig um eine Geldhilfe, Zusage Kg. Maximilians über die Stellung von Truppen; [3.] Vorschlag eines Bündnisses zwischen röm. Kg., Papst und Venedig, Vermittlungsinitiative im Streit um Rimini und Faenza.

    s.l., s.d., jedoch wohl Straßburg, um den 16. April 1507.
    ŠWien, HHStA, Reichsregisterbuch OO, fol. 21–25’ (Reinkonz., Verm.: IIII. VENECIAS. – Instructio Camilli de Montibus, Dr. Haiden, Moysse, Rabler. Instructio Camilli de Montibus et Moysse. Litterae caesaris ad eos. Litterae eorum et Rabler ad caesarem. Litterae Camilli ad caesarem. Litterae Rabler ad caesarem. – Verm. von anderer Hd.: Pro adducendis Venetis contra Galliam et sic utendum Maria Sforzia duce Med[iolanensi]).

    [1.] Nach der Übergabe ihres Kredenzbriefes sollen die Gesandten daran erinnern, daß er die venezianischen Oratoren wiederholt darauf hingewiesen habe, daß man dem frz. Kg. nicht trauen könne und daß dieser beabsichtige, sich ganz Italien zu unterwerfen. Aus diesem Grund hat er den RT nach Konstanz einberufen, um dort darüber zu beraten, wie man dem frz. Kg. entgegentreten könne, und dafür die nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp von Kastilien anstehende wichtige Reise nach Burgund zur Übernahme der Regierung zurückgestellt. Inzwischen hat ihm der frz. Kg. angekündigt, daß er nach Italien ziehen wolle, dieser Zug jedoch nicht gegen ihn, den röm. Kg., gerichtet sei, und gebeten, ihn dabei nicht zu behindern. Er hat diesem daraufhin geantwortet, daß er jetzt einen RT in Konstanz abhalten werde; da die Angelegenheit nicht nur ihn, sondern das Hl. Röm. Reich angehe, werde er seine Mitteilung und sein Anliegen den Kff., Ff. und Ständen des Reiches eröffnen. Danach wolle er ihm antworten; bis dahin solle er seinen Zug nach Italien zurückstellen. Dessenungeachtet zieht der frz. Kg. persönlich mit einem großen Heer aus Franzosen und Schweizern nach Italien, a in der Absicht – worüber er durch zuverlässige Berichte genauestens informiert ist –, zuerst dem Papst Bologna wegzunehmen und es für viel Geld seinem Parteigänger Giovanni Bentivoglio zurückzugeben. Anschließend will der frz. Kg. den Papst angreifen und zu diesem Zweck zuerst das zum Hl. Reich gehörende Genua unterwerfen. Sein Plan ist, den Hl. Stuhl unter seine Kontrolle zu bringen und ganz Italien zu erobern. Die beiden Städte will der frz. Kg. durch eine doppelte Befestigungsanlage für alle Zeit für sich sichern-a. b Zwar behauptet dieser, er wolle nur Genua erobern und bestrafen. Dies ist jedoch lediglich ein Vorwand, um den Papst, ihn, den röm. Kg., und die italienischen Stände und Kommunen zu täuschen. Denn die Genuesen waren jederzeit bereit, dem frz. Kg. ihre Tore zu öffnen, wenn er nur ihre städtische Freiheiten garantiert hätte. Dafür hätte es seiner persönlichen Anwesenheit mit einer so großen Streitmacht nicht bedurft-b. Daraus folgt, daß der frz. Kg. beabsichtigt, nicht nur den Hl. Stuhl in Rom und die zum Hl. Reich gehörenden Stände in Italien in seine Gewalt zu bringen, sondern ganz Italien zu erobern. Da ihm als gewählten, gesalbten und gekrönten röm. Kg. das röm. Kaisertum zusteht und der Hl. Stuhl sowie ganz Italien mit diesem Kaisertum verbunden sind, kann und darf er dies nicht gestatten. Es wäre für ihn unerträglich, sollten die italienischen Stände und Kommunen und insbesondere Venedig unter die französische Tyrannei geraten. Er wird deshalb jetzt persönlich am RT in Konstanz teilnehmen, um dort gemeinsam mit Kff., Ff. und Ständen des Reiches unverzüglich ein großes Heerc zu versammeln. Aufgrund des französischen Vorgehens besteht jedoch die Gefahr, daß diese ŠHilfe nicht rechtzeitig eintrifft. Deshalb ist rascher Entsatz nötig, um die Franzosen so lange aufzuhalten. Er will zu diesem Zweck von Konstanz aus persönlich mit soviel Truppen, wie er zusammenbringen kann, den frz. Kg. angreifen, bis die Reichshilfe nachkommt, die on underlass von des Reichs versamblung dannen gericht werden muss. Dadurch kann Italien vor den Franzosen gerettet werden.
    [2.] d Die Gesandten sollen sich deshalb bei den Venezianern um eine Hilfe von 50 000 Dukaten bemühen, damit er seinen Angriff früher eröffnen kann. Ansonsten läge die ganze Last allein auf ihm-d. e Er schickt jetzt auch 3000 Knechte nach Italien.1 Falls Venedig diese Truppen gegen den frz. Kg. benötigt, werden die Hauptleute sie ihnen zuführen-e. Er erwartet zuversichtlich eine zustimmende Antwort, was auch im Interesse Venedigs ist. Denn er erstrebt in Italien nur das, was ihm und dem Reich zusteht; und es geht ihm um die Ehre, Italien vor den Franzosen f als ains frevenlichen, neu geporen folks-f  gerettet und die Freiheit der italienischen Staaten bewahrt zu haben. Seinem Anliegen liegt allein der Wunsch zugrunde, dem frz. Kg. Widerstand zu leisten.
    [3.] Durch ein Bündnis zwischen dem Papst, ihm und der Republik Venedig wäre man künftig vor einem solchen Angriff geschützt. Er ist deshalb willens, ein solches Bündnis mit ihnen zu schließen. Zuvor muß jedoch der Konflikt zwischen dem Papst und Venedig wegen Riminis und Faenzas beigelegt werden. Die Gesandten sollen deshalb beantragen, die beiden Städte bis zur Beendigung des Streits an ihn zu übergeben. Er wird seinen Hauptmann zu Triest, Georg Moysse, und Gf. Francesco Sforza jeweils als Statthalter einsetzen und sich unverzüglich um eine gütliche Einigung bemühen. Falls diese scheitert, will er gemeinsam mit den in Konstanz versammelten Reichsständen oder in anderer Weise eine rechtliche Entscheidung fällen. Er bittet Venedig, ihm die Angelegenheit anzuvertrauen. Er wird auch mit dem Papst darüber verhandeln lassen und zweifelt nicht, daß dieser das ŠAngebot annehmen wird. Sobald dies geschehen ist und Venedig sein Einverständnis zu einem Bündnis erklärt hat, will er weiter darüber verhandeln lassen.2 

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/rta1507/I12/pages

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    Anmerkungen

    1
     = Tlemcen/Algerien. Vgl. Hakluyt , Voyages IV, S. 37f.
    2
     Gemäß Instruktion Kg. Maximilians vom 15.9.1504 sollten seine Gesandten den Beitritt des Kg. zum siebenjährigen Waffenstillstand zwischen dem Osmanischen Reich und Ungarn (20.8.1503) erklären ( Gröblacher , König, S. 160–163; Babinger , Zwischenspiele, S. 328–330; Müller , Erbfeind, S. 257f.). Über den von Kg. Maximilian behaupteten Vertragsschluß liegen keine Unterlagen vor. Er hatte allerdings bereits kurz nach der Rückkehr seiner Gesandten aus der Türkei während des Hagenauer Tages 1505 eine entsprechende Mitteilung an die venezianischen Gesandten gemacht ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 91, S. 244f.). Gröblacher  (ebd., S. 162) geht davon aus, „daß Sultan Bayezid den erbetenen ‚willbrief’ über die Einbeziehung des Römischen Königs in den siebenjährigen Waffenstillstand und auch ein Schreiben an Maximilian übergeben hat“.
    3
     Kein Nachweis. Da der bestehende Waffenstillstand erst 1510 auslaufen sollte, erscheint zumal angesichts der Vorgänge in Ungarn ein vorzeitiger erneuter Vertragsabschluß unwahrscheinlich.
    4
     Kg. Wladislaw versicherte in einem Schreiben vom 18.6. an den Dogen, daß die ihm gezahlten Gelder ausschließlich zu den im Vertrag bestimmten Zwecken ausgegeben wurden ( Libri commemoriali  VI, Nr. 136, S. 93).
    5
     Die Signorie hatte gegenüber den beiden Gesandten Kg. Maximilians im Nov. 1506 dessen Durchzug mit großer Heeresmacht verweigert und statt dessen – wie schon gegenüber den Gesandten Moysse, Fuchshard und Rauber Anfang Sept. 1506 (lat. Entwürfe für die Antworten an die Gesandten bzw. an Moysse, 5.9.1506; StA Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 195’-196; 196–196’. Entsprechende Mitteilung an P. Pasqualigo, 6.9.1506; ebd., fol. 196’-197. Sanuto , Diarii VI, Sp. 411f.; Lutter , Kommunikation, S. 74f.) – dem Kg. einen Krönungszug mit kleinem Gefolge nahegelegt. Das vorgeschlagene Bündnis wurde als gleichermaßen unnötig angesichts der guten bilateralen Beziehungen wie destablisierend in Hinblick auf die Verhältnisse in Europa abgelehnt. Statt dessen sollte Maximilian einen Kreuzzug unternehmen (lat. Entwurf für die Antwort an Bf. Melchior von Brixen und Ebf. Jakob von Trier, 17.11.1506; StA Venedig, ebd., fol. 209–209’. Entsprechende Mitteilung des Dogen an den Orator in Frankreich, Alvise Mocenigo, ital. Kop., 19.11.1506; ebd., fol. 201–211. Lutter , ebd., S. 75, 130–134; Wiesflecker , Maximilian III, S. 356; Pernthaller , Bestrebungen, S. 75f.; Leipold , Beziehungen, S. 232f., 236f.; Ulmann , Maximilian II, S. 294f.; Wolff , Beziehungen, S. 89f.).
    6
     Die Signorie hatte Pasqualigo am 21.11. über die Antwort an die kgl. Gesandten und deren weiteres Drängen informiert. Pasqualigo wurde angewiesen, Kg. Maximilian gegenüber darzulegen, daß die seinen Gesandten gegebene Antwort keiner weiteren Erklärung bedürfe (ital. Kop.; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 211). Bereits am 9.12. bestätigte der Senat den Eingang zweier Berichte Pasqualigos – der letzte datierte vom 1.12. – über seine Unterredungen mit Kg. Maximilian (vgl. Sanuto , Diarii VI, Sp. 505f.) und lobte dessen klugen Vortrag an den Kg., et maxime dove li havete affirmato esser penitus impossibile che nui possiamo ad persuasione de alcun principe del mondo esser rimossi da questa nostra optima dispositione et proposito, nonché ad far né pur pensar alcuna cosa offensiva né contraria a sua maestà (ital. Kop.; ebd., fol. 215’).
    1
     Liegt nicht vor. Doch informierte Venedig seinen Gesandten am frz. Hof, Alvise Mocenigo, mit Schreiben vom 4.1., daß man unter anderem durch Berichte des venezianischen Orators an der Kurie [Domenico Pisani; Lanzer , Gesandten, Nr. 11.36] von der Entsendung Arianitis nach Deutschland und eines weiteren Gesandten namens Gabrielletto [= wahrscheinlich Stefano Gabriele Merino] nach Neapel zu Kg. Ferdinand von Spanien erfahren habe. Zum frz. Kg. sei der Ebf. [Pierre Le Filleul] von Aix (monsignor de Aquis) abgefertigt worden. Der Papst plane etwas. Wegen dieser Sache reise auf dessen Betreiben hin angeblich auch der H. de Chaumont [Charles d’Amboise] nach Frankreich. Sie hätten nicht in Erfahrung bringen können, worum es sich genau handle, doch sei es sicher auch zum Nachteil des frz. Kg., perché da quelle sogliono produrse perturbatione, scandali et periculi che, dapoi principiati, se fano molte volte grandissimi et irremediabili (ital. Kop.; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 218’). Mit Schreiben vom 6.1. stellte die Signorie klar, daß die Absichten des Papstes eindeutig gegen Venedig gerichtet seien – tenta et procura contra el stado nostro cum tuti li mezi a lui possibili. Mocenigo wurde angewiesen, die Pläne des frz. Kg. zu erkunden (ital. Kop.; ebd., fol. 218’-219). Zur Mission Arianitis vgl. Stelzer , Maximilian, S. 164f.; Ders. , Arianiti, S. 41–44; Lanzer , Gesandten, S. 137f.; Brunetti , Vigilia S. 10f., 22–25.
    2
     Spielt auf den Geheimvertrag von Blois zwischen Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich vom 22.9.1504 an (Druck: Léonard , Recueil II, S. 17–21; DuMont , Corps IV/1, Nr. XXX, S. 58f. Regest: Wiesflecker , Regesten IV/2, Nr. 21556, S. 1058f. Vgl. Tautscher , König, S. 147–149; Stelzer , König, S. 42f.; Leipold , Beziehungen, S. 202–204; Wiesflecker , Maximilian III, S. 129f.).
    3
     Da Venedig nicht explizit in den Bündnisvertrag von Blois vom 12.10.1505 (Druck: Léonard, Recueil II, S. 35–40; DuMont , Corps IV/1, Nr. XL, S. 72–74) einbezogen war, muß hier der bereits vor dem französisch-habsburgischen Angriffspakt gegen Venedig geschlossene dreijährige Waffenstillstand zwischen Spanien und Frankreich vom 31.3.1504 (Druck: ebd., Nr. XXVI, S. 51–54) gemeint sein.
    4
     Anspielung auf das avignonesische Papsttum (1309–1377).
    1
     Liegen nicht vor, siehe jedoch Anm. 2.
    2
     Laut zwei im Senat abgelehnten Entwürfen für eine Weisung an Pasqualigo berichtete der Gesandte am 28.1. über den Wunsch Kg. Maximilians nach einem Bündnis mit Venedig mit der Zielsetzung eines Einmarsches in das Hm. Mailand und über das Drängen der niederländischen Gesandten am kgl. Hof nach Erscheinen Kg. Maximilians in den burgundischen Erblanden. Im Entwurf Veniers wurde der Vorschlag zu einer Invasion Mailands unter Hinweis auf die Gefährlichkeit eines solchen Unternehmens und die unabsehbaren Konsequenzen zurückgewiesen. Voraussetzung für eine ernsthafte Erörterung des angeregten Bündnisses war die Einbeziehung Kg. Ferdinands von Aragon (ital. Kop., Verm.: Ser Andreas Venerio, consiliarius. – De parte: 7 [Verm. über Neinstimmen und Enthaltungen fehlt.]; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 228’-229). Laut dem Entwurf Giorgio Emos sollte Pasqualigo Kg. Maximilian der unverbrüchlichen Treue Venedigs versichern. Ein Einmarsch nach Mailand wurde jedoch mit dem Bedürfnis Italiens nach Frieden als unvereinbar erachtet. Im übrigen wurde ebenfalls auf die Rückkehr des Bf. von Laibach zu Kg. Maximilian verwiesen (ital. Kop., Verm.: Georgius Emo, sapiens t[erre] firme; Verm. am Textende: De parte: 5. De non: 8. Non sync[eri]: 3; ebd., fol. 229’).
    1
     Mit Instruktion vom 7.3.1507 (Druck: Calogera , Memorie, S. 93–100) hatte Kg. Maximilian Bf. Christoph Rauber von Laibach und Luca de Renaldis zu Verhandlungen mit Kg. Ferdinand von Aragon über die Einrichtung der Regentschaftsregierung in Kastilien und über die Sicherung der Erbfolge Ehg. Karls abgeordnet. Die Gesandten sollten Kg. Ferdinand angesichts seiner engen Beziehungen zu Frankreich und der Schwangerschaft seiner Gemahlin Germaine nachdrücklich davor warnen, die Regentschaft in Kastilien an sich zu ziehen (Weisung Kg. Maximilians an dies., Straßburg, 17.4.1507; Druck: ebd., S. 101–107). Vgl. zu den Verhandlungen Raubers und Renaldis’ mit Kg. Ferdinand in Neapel Zurita , Historia IV, S. 192–202; Fink , Beziehungen, S. 56–59; Krendl , Verhandlungen, S. 229–241.
    2
     Gemeint ist Pfgf. Friedrich, der sich mehrere Jahre zur Ausbildung am burgundischen Hof aufgehalten hatte und in Diensten Kg. Philipps gestanden war ( Cauchies , Philippe, S. 139; Baar-Cantoni , Religionspolitik, S. 14).
    3
     Winzer legte dem Administrator laut Präsentatvermerk am 6.4. den ihm mitgegebenen Kredenzbrief vor (Or. Straßburg, 21.3.5107, Verm. prps., Gegenz. Serntein; HStA München, Hst. Freising, K.blau 220/1, unfol.).
    1
     Eine weitere, wohl auf das 18. Jahrhundert zu datierende Abschrift der Gesandtenberichte Querinis wird in der Bibliothek des Museo Civico Correr di Venezia (Sign.: Cicogna, Nr. 2581 (= 1975), fol. 1–233) aufbewahrt ( Brunetti , Vigilia, S. 2 Anm. 1; Kristeller , Iter VI, S. 267). Der Band stand für die Einarbeitung in die vorliegende Edition nicht zur Verfügung. Borino  (Codices XII, S. 1–3) weist außerdem eine auf das 18./19. Jh. zu datierende Abschrift in der Vatikanischen Bibliothek (Cod. Vat. Lat. 10701) nach.
    2
     Nachdem ein erster Senatsbeschluß vom 23.10.1506 nicht umgesetzt worden war, erfolgte die Ernennung Querinis zum venezianischen Residenten am Hof Kg. Maximilians nach erneutem Beschluß vom 29.1.1507 ( Brunetti , Vigilia, S. 7; Erdmannsdörffer , Depeschen, S. 58) am 25.2. (Kommission des Dogen Leonardo Loredan, lat. Kop.; AS Venedig, Collegio, secreta, commissioni 1500–1513, fol. 68’-69). Mit Schreiben vom 26.2. teilte Querini mit, daß er sich weisungsgemäß rechtzeitig zum voraussichtlichen Beginn des Konstanzer RT am 7.3. am kgl. Hof einfinden werde (ital. Kop. Bozen; BM Venedig, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 2; BFQS Venedig, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 73). Der bevorstehende RT hatte die Signorie zur Abfertigung ihres außerordentlichen Gesandten veranlaßt ( Brunetti , Vigilia, S. 7f.). Zu den Berichten Pasqualigos vom 28.2. (über die Abreise der röm. Kgin. nach Konstanz) und 8.3. (über die Belehnung Bf. Wilhelms von Straßburg) vgl. Sanuto , Diarii VII, Sp. 32, 36f.
    3
     Gemeint ist der kgl. Oberhofmeister Gf. Eitelfriedrich von Zollern.
    4
     Gemeint ist vermutlich der Großbailli des Hennegau, Guillaume de Croy, der sich im März 1507 als Vertreter der niederländischen Statthalterregierung am kgl. Hof in Straßburg aufhielt.
    5
     Vgl. Nr. 19, Anm. 2.
    1
     Lehenbrief Kg. Maximilians für Kg. Philipp von Kastilien als Vormund seines Sohnes Ehg. Karl vom 7.4.1505 [Nachweise s. Nr. 5, Anm. 16].
    2
     Bezug auf den Postverm. in Nr. 26.
    1
     Kg. Maximilian hatte Renaldis im Nov. 1506 zusammen mit dem Bf. von Laibach zu Kg. Ferdinand entsandt, um mit diesem über die Nachfolgefrage in Kastilien und die Beziehungen Kg. Maximilians zu Frankreich zu verhandeln ( Zurita , Historia IV, S. 172f.; Rodriguez Villa , Reina, S. 460–465 (Schreiben Kg. Ferdinands an Bartolomé Samper vom 15.3.1507); Krendl , Verhandlungen, S. 223–228; Fink , Beziehungen, S. 52–56; Naschenweng , Beiträge I, S. 137–139).
    2
     Entsprechende Kredenzbriefe waren auch an die Kardinäle Melchior von Meckau, Bf. von Brixen (Brixinensi) , Ebf. Oliviero Carafa von Neapel (Neapolitano) , Bernardino López de Carvajal (St. Crucis) , Gian Antonio Sangiorgi (St. Georgii) , Bf. Pietro Isvalies, [bis 24.7.1506] Ebf. von Reggio di Calabria (Regino) , Bf. Galeotto Franciotti von Lucca (St. Petri ad Vincula) , Bf. Gabriele de’ Gabrielli von Urbino (Urbinati) , Jorge da Costa (Portugalensi) , Bf. Francesco Soderini von Volterra (Volterano)  und Giovanni Colonna (Columna)  adressiert (lat. Konz. mit ex.-Verm., s.l., s.d.; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 77–77’ unten). Mit Schreiben vom gleichen Tag wurde Renaldis entgegen einer früheren kgl. Weisung beauftragt, nicht mit Kg. Ferdinand von Neapel nach Spanien zu reisen, da andere Gesandte dorthin abgeordnet worden waren, sondern sich zum Papst zu begeben und dort als Orator die Angelegenheiten Kg. Maximilians zu vertreten (lat. Konz. mit ex.-Verm., s.l., s.d.; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 77’ oben). Spätestens Ende Mai reiste Renaldis aus Rom ab. Am 2.6. verhandelte er in Venedig über eine Durchzugsgenehmigung für das kgl. Romzugsheer ( Lutter , Kommunikation, S. 76).
    3
     Gemäß archivalischer Einordnung. Naschenweng  (Beiträge I, S. 138 Anm. 2) datiert auf den 28.3.
    1
     Zur Finalrelation Pasqualigos vor dem Senat am 15.4. vgl. Sanuto , Diarii VII, Sp. 48f.
    2
     Vgl. Brunetti , Vigilia, S. 10 Anm. 1.
    3
     Dies spielt auf den Anfang März 1505 zwischen Julius II. und Venedig geschlossenen Vertrag zur Beilegung der Streitigkeiten über die Romagna an. Venedig hatte darin eingewilligt, vierzehn Orte einschließlich des zu Cesena und Imola gehörenden Territoriums an den Kirchenstaat zurückzugeben, wohingegen Julius II. durch den Hg. von Urbino zusagen ließ, auf weitere Versuche zum Rückerwerb Riminis und Faenzas zu verzichten. Venedig legte die Vereinbarung in der Folge dahingehend aus, förmlich in den Besitz dieser beiden Städte eingesetzt worden zu sein. Gerade diesen Schritt hatte der Papst jedoch vermeiden wollen ( Pastor , Geschichte III/2, S. 721; Brosch , Papst, S. 120f.; Fusero , Giulio, S. 297–304; Seneca , Venezia, S. 73–77; Shaw , Julius, S. 138f.; Stelzer , König, S. 49–51, 54; Leipold , Beziehungen, S. 214–216).
    1
     Siehe Nr. 22 [Pkt. 3].
    2
     Verweist auf den Postvermerk in Nr. 29.
    1
     Bezieht sich auf den Postvermerk in Nr. 31.
    2
     Querini wurde darin angewiesen, gegenüber Kg. Maximilian dessen Ruhm und Ehre sowie das Wohlergehen, die Sicherheit und die Ausdehnung der Respublica Christiana als die beiden zentralen Anliegen venezianischer Politik zu definieren. Man habe deshalb bei den in Frankreich und Neapel geführten Bündnisverhandlungen – worüber gerade Berichte der Gesandten Venedigs eingegangen seien – auf der Miteinbeziehung des röm. Kg. insistiert, was die uneingeschränkte Zustimmung der Kgg. von Frankreich und Spanien gefunden habe. Venedig sei zuversichtlich, daß es zum Abschluß dieses Bündnisses zur Aufrechterhaltung des Friedens in der Christenheit und in der Folge zu einem Kreuzzug unter Führung Kg. Maximilians kommen werde. Querini sollte dies dem röm. Kg. darlegen und ihm aufzeigen, daß dies der einzig gangbare Weg zur Wahrnehmung seiner Interessen sei (Venedig an P. Pasqualigo und V. Querini bzw. an Querini allein, ital. Kop., 13.3.1507; BM Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1507–1509 (reg. 41), fol. 18’-19). Aufgrund des inzwischen eingegangenen – nicht vorliegenden – Berichts Pasqualigos vom 28.2., in dem dieser das Ergebnis der gemäß Weisung vom 9.2. [Nr. 24] geführten Verhandlungen mitteilte, bekundeten Doge und Senat ihr Befremden über die Äußerungen Kg. Maximilians in bezug auf Kg. Ferdinand von Aragon, erklärten sich aber für weitere Vorschläge des röm. Kg. offen (ital. Kop., Verm. am Textende: De parte: 42. Volunt quod praesens materia differatur pro nunc. De parte: 118. De non: 3. Non synceri: 6; ebd., fol. 19–19’).
    3
     Diesen Vorwurf erhob im März 1507 auch ein Gesandter Kg. Maximilians gegenüber Kg. Ludwig von Frankreich ( Ulmann , Absichten, S. 6).
    1
     Der im März 1504 an den kgl. Hof entsandte Rotaauditor Bartolini sollte Kg. Maximilian dazu bewegen, Venedig zur Rückgabe der Romagna aufzufordern und gegebenenfalls militärisch gegen die Republik vorzugehen ( Brosch , Papst, S. 112; Pastor , Geschichte III/2, S. 719; Fusero , Giulio, S. 299f.; Tautscher , König, S. 145; Stelzer , Maximilian, S. 29, 31–33, 169–171).
    2
     Kardinal Sigismondo Gonzaga berichtete am 17.4. über ein in Rom eingetroffenes Schreiben Arianitis, worin dieser die Verstimmung Kg. Maximilians in bezug auf Mgf. Francesco von Mantua meldete und gleichzeitig seine Vermittlung anbot (Nachschrift zu einem Schreiben Sigismondo Gonzagas an Mgf. Francesco von Mantua, ital. Or. Rom; StA Mantua, A.G., ser. E.XXV.3, busta 857, fol. 290–290’).
    3
     Juan de Aragón, Gf. von Ribagorza, fungierte von Mitte Juni 1507 bis Dezember 1508 als spanischer Statthalter und bis Oktober 1509 als Vizekönig von Neapel ( Pedio , Napoli, S. 186 Anm. 30, 535).
    4
     Vgl. die Einträge im Tagebuch des päpstlichen Zeremonienmeisters Paris de Grassis vom 14. und 27.3. ( Döllinger , Quellen, S. 378–380. Vgl. Pastor , Geschichte III/2, 743f.; Shaw , Julius, S. 205f.).
    1
     Liegt nicht vor.
    2
     Vgl. das Protokoll Bf. Christophs von Laibach und Lucas de Renaldis über die in Neapel geführten Verhandlungen mit Kg. Ferdinand von Spanien, Anf. Apr.-4.6.1507 (lat.; AG Simancas, patr. real, leg 56, fol. 46–76. Regest: Wiesflecker , Regesten V/2 (in Vorbereitung durch M. Hollegger). Auswertung durch Krendl , Verhandlungen, S. 231–241; Fink , Beziehungen, S. 55–59). Kg. Ferdinand gab den Gesandten Kg. Maximilians ein Schreiben mit, worin er ankündigte, daß diese ihn über seine Stellungnahmen zu den unterbreiteten Vorschlägen unterrichten würden. Zugleich versicherte er den Habsburger seines Interesses an der Nachfolge Ehg. Karls in Spanien: Muy afectuosamente vos rogamos que tengáys por certissimo que en las cosas que tocan á la seguridad de la successión del illustrissimo principe don Carlos, nostro muy caro y muy amado nieto, y á todo su bien nos tenemos la misma voluntad que vuestra serenidad y mayor, si mayor puede ser y assi lo vereys por la obra plaziendo á nuestro Señor. Y tengo yo por certissimo que á los que mas esto pesara serán aquellos que agora trabajan de daros a entender lo contrario (span. Or. Neapel, 4.6.1507, eh. Unterz. Kg. Ferdinand, Gegenz.: Miguel Pérez de Almazán (kgl. Sekretär); HHStA Wien, Habsburgisch-Lothringische Familienurkunden, Nr. 911. Fehlerhafter Teilabdruck: Bauer , Anfänge, S. 12 Anm. 1). Sicherlich vor Eingang dieses Schreibens in Konstanz kündigte Kg. Maximilian Juan Manuel und den kastilischen Granden seine Ankunft in Begleitung Ehg. Karls in Kastilien an. Demnach beabsichtigte der Kg., in zwei Wochen von Konstanz nach Brabant aufzubrechen. Manuel sollte bis seinem Eintreffen die Interessen Kgin. Johannas und des Ehg. wahrnehmen (Konstanz, 12.6.1507; Druck: Zurita , Historia IV, S. 239. Vgl. Schmid , Maximilian, S. 29; Cauchies , Philippe, S. 216; Aram , Governing, S. 197).
    1
     Liegt nicht vor.
    2
     Liegt nicht vor.
    1
     Liegt nicht vor.
    1
      Wolff  (Beziehungen, S. 87) gibt fälschlich den ebenfalls in Rom weilenden kgl. Agenten Luca de Renaldis als möglichen Verfasser des Schreibens an.
    2
     Am 28.3. war in Genua feierlich die Kriegserklärung an Frankreich verkündet worden ( Pandiani , Anno, S. 231).
    3
     Etliche Familienmitglieder der Sauli, einer genuesischen Bankiersfamilie, hatten zur Zeit des Aufstandes führende Positionen inne. Julius II. setzte sich in einem Schreiben vom 20.5. an Ludwig XII. für die Sauli ein ( Pandiani , Anno, S. 412 Anm. 1).
    4
     Tatsächlich trafen im März/April 1507 aus Rom bzw. Civitavecchia wiederholt Truppentransporte sowie Lieferungen von Pulver und Kriegsmaterial in Genua ein ( Pandiani , Anno, S. 226, 250, 257, 380f., 386f., 391, 395).
    5
     Wahrscheinlich ist Aix-les-Bains gemeint.
    6
     Die Zerstörung der frz. Herrschaftsinsignien in Genua ist verbürgt ( Pandiani , Anno, S. 231, 384), ihre Ersetzung durch den Reichsadler erwähnt sonst nur – als Behauptung der Adelspartei gegenüber Kg. Ludwig – Guicciardini  (Storia II, S. 723). Vgl. auch Nr. 657 [Pkt. 6].
    7
     Es handelt sich jedenfalls um ein Mitglied der Familie Giustiniani. In Frage kommen vor allem der genuesische Flottenkommandant Brizio (für den der Beiname „il Gobbo“ verbürgt ist; Sanuto , Diarii VII, S. 108f., 216) und Silvestro Giustiniani, der tatsächlich mit Truppen in Genua erwartet wurde ( Pandiani , Anno, S. 251, 397), außerdem der Truppenführer Greghetto (auch Greco) und Galeazzo Giustiniani (ebenfalls genannt „il Gobbo“).
    8
     Auf der Rückseite sind die Punkte des Antwortschreibens an Ruhe vermerkt: Im widerzuschreiben, kgl. Mt. hab seins anzaigens gn. gefallen, mit beger, dz er alzeit in dergleichen hendeln sein fleissig aufmerken hab und alwegen die kgl. Mt. des grunds bericht. Im auch zu verkunden, dz kgl. Mt. ytz 3000 knecht verordent hab, die gestracks in Ytalien ziehen und auf dem weg sein, aber nit auf die pass, als er in disem schreiben anzaigt, dann sy mochten daselbs nit sicher durchkumen. Ferrer, dz er hetz den babst und all cardinal wider Fr[ankreich] und dz Genua getrost werde, dann kgl. Mt. well Fr[ankreich] bald angreifen und Genua helfen. – Tatsächlich beschränkte sich die Hilfe Kg. Maximilians für Genua auf ein Vermittlungsangebot an Ludwig XII. und die Bitte an Kg. Ferdinand, Frankreich nicht gegen die Aufständischen zu unterstützen ( Ulmann , Maximilian II, S. 307f.; Stelzer , Maximilian, S. 66; Schmid , König, S. 40f.).
    1
     Möglicherweise handelt es sich bei dem Schreiben um eine Fälschung. Wie das ominöse Ausschreiben Kg. Maximilians an Ebf. Ernst von Magdeburg [Nr. 19] ist es lediglich in zwei voneinander abhängigen Überlieferungen imStA Nürnberg und im StA Würzburg erhalten (was auch für Nr. 151 zutrifft) und trägt das gleiche Ausstellungsdatum. Allerdings wäre der Verfasser außergewöhnlich gut informiert gewesen, und Querini bezeugt für den 26.4. die Ankunft eines genuesischen Gesandten – vielleicht Paolo Battista Giustiniani [Nr. 358] – in Konstanz [Nr. 657, Pkt. 6].
    2
     Liegen nicht vor. Pandiani , Anno, gibt keinen Hinweis auf eine Kontaktaufnahme der Aufständischen mit Kg. Maximilian. Recherchen im HHStA Wien und im TLA Innsbruck blieben ebenso ergebnislos wie eine Anfrage an das AS Genua.
    3
     Schreiben des neugewählten Rates an Kg. Ludwig von Frankreich vom 21.7.1506 (ital. Druck: Pandiani , Anno, S. 422–424. Pacini , presupposti, S. 175). Im August entsandten die Popularen Dr. Nicolò Oderico zu Kg. Ludwig, um die Gründe für die Vorgänge in Genua darzulegen (ebd., S. 19f. Instruktion für Oderico vom 6.8.1506; lat. Druck, ebd., S. 431–440. Pacini , presupposti, S. 159f., 170f.).
    4
     Der frz. Statthalter von Genua, Philipp von Kleve, H. von Ravenstein, traf nach ersten Vermittlungsbemühungen zwischen Adel und Volk am 29.8.1506 in Genua ein. Seine Maßnahmen zur Beruhigung der Lage erwiesen sich jedoch als unzureichend, der Adel beschuldigte ihn der Parteilichkeit zugunsten der Popularen. Gleichzeitig jedoch zunehmenden Verdächtigungen und Drohungen seitens der Aufständischen ausgesetzt, verließ der Statthalter Genua am 25.10. wieder. Vgl. Pandiani , Anno, S. 22–78 passim; Coles , crisis, S. 37–39.
    5
     Gianluigi Fieschi war Ende Oktober 1506 an den Hof Kg. Ludwigs geladen worden. Im Gegenzug entsandte die Popularenpartei zwei weitere Oratoren, Paolo de Franchi und Simone Giovo, nach Frankreich ( Auton , Chroniques IV, S. 105 Anm. 1; Pandiani , Anno, S. 82f., 344. Instruktion für die beiden Gesandten vom 12.11.1506; ital. Druck: ebd., S. 457–470. Pacini , presupposti, S. 163).
    6
     Die Gesandten der Popularen zu Kg. Ludwig beklagten wiederholt, nicht zur Audienz zugelassen zu werden ( Pandiani , Anno, S. 122, 155 Anm. 2, 179, 362. Vgl. Pacini , presupposti, S. 177–181).
    7
     Anfang Februar 1507 traf aus Mailand die Nachricht in Genua ein, daß Ludwig XII. beschlossen habe, die Popularen zu Rebellen zu erklären ( Pandiani , Anno, S. 185, 367).
    8
     Vgl. Nr. 33 [Pkt. 4 – Der Kg. von Aragon ... untersagt.].
    9
     Ende Februar/Anfang März 1507 wurden sämtliche in Mailand befindlichen Anhänger der Popularen festgenommen und ihre Güter beschlagnahmt ( Pandiani , Anno, S. 215, 376, 523; Sanuto , Diarii VII, Sp. 25, 27).
    10
     Der auf der Seite der Adelspartei stehende Kommandant des Castelletto, Galeazzo Salazar, ließ am 7.2.1507 zum Sonntagsgottesdienst in der Kirche San Francesco versammelte Anhänger der Popularen gefangensetzen. Ab Ende Februar beschoß er mehrmals die Stadt vom Castelletto aus. Über die Grausamkeiten Salazars gegen seine Gefangenen beklagten sich die Bürger am 8.3. in einem Schreiben an den frz. Statthalter von Mailand, Charles d’Amboise ( Pandiani , Anno, S. 189, 221f., 230, 370, 374, 376, 378, 383, 523f.; Senarega, De rebus Genuensibus, S. 111 mit Anm. 4, 112 mit Anm. 1; Guicciardini , Storia II, S. 722; Auton , Chroniques IV, S. 128).
    11
     Der Stellvertreter Kleves, Philippe de Roquebertin, verließ Ende Februar 1507 Genua ( Pandiani , Anno, S. 211f.).
    12
     = heimlich.
    13
     Die in das Castelletto geflohenen frz. Bürger ergaben sich nach der Zusicherung, ihr Leben zu verschonen, am 12.3. den Aufständischen. Dennoch wurden sie hingerichtet ( Auton , Chroniques IV, S. 140–143; Terrasson de Fougères , Royauté, S. 283).
    14
     Tatsächlich mußten auf dem Weg zum mailändischen Statthalter Charles d’Amboise (Großmeister von Frankreich) befindliche Gesandte der Popularen wegen ihrer Bedrohung durch genuesische Adlige umkehren ( Pandiani , Anno, S. 216, 376f.; Sanuto , Diarii VII, Sp. 31f.).
    1
     Arianiti war nach dem Tod Mgf. Bonifaz’ von Montferrat (1494) von dessen Witwe testamentarisch zum Statthalter und Vormund ihres Sohnes Wilhelm bestellt worden. Nach dem französischen Einzug in Mailand wurde Arianiti verhaftet. Seine Bemühungen um Rehabilitierung nach erfolgreicher Flucht blieben vergeblich ( Babinger , Ende, bes. S. 35–38, 48f.; Stelzer , Arianiti, S. 31).
    2
     Vgl. Nr. 29, Anm. 3.
    1
     Vgl. Nr. 29, Anm. 3.
    1
     Am 14.4. informierte Kg. Maximilian die Innsbrucker Raitkammer und Martin Aichorn (kgl. Hauskämmerer zu Innsbruck) über die Entsendung Leonhard Raubers mit 1000 [!] Knechten nach Italien und wies sie an, unverzüglich Waffen und Ausrüstung nach Trient vorauszuschicken (Kop. mit imit. Gegenz. M. Treitzsaurwein, Straßburg, präs. Innsbruck, 19.4.1507; TLA Innsbruck, Oberösterreichische Kammer-Kopialbücher, Bd. 33, fol. 124’-125. Verm. über den Beschluß der Raitkammer: Fiat cito laut des bevelchs und dan furlon durch hauscamer zu bezalen.).
    2
     Leonhard Rauber berichtete am 7.5., daß ihm der Podestà von Rovereto [Giovanni Francesco Pisani] den Durchzug verweigere; er sei mit seinen Knechten nach einigem Hin und Her in Rovereto untergekommen. Der Statthalter und die Einwohner verhielten sich ihm gegenüber freundlich, aber die Gemeinde (parisen [wohl abgeleitet von parése/palése; Battaglia , Dizionario XII, S. 397ff.]) und der Pfleger zu Kastelkorn ließen allerorten die Sturmglocken schlagen und wappneten sich gegen ihn. Sie hätten 2000–2500 Mann aufgeboten, obwohl er ihnen mitgeteilt habe, daß er nicht in ihrem Gebiet lagern werde. Dennoch hätten sie alle Pässe und Flußübergänge gesperrt. Der Statthalter habe ihm angeboten, ihn auf dem Wasserweg nach Venedig bringen zu lassen, doch die Gemeinde und der Pfleger von Kastelkorn lehnten dies ab. Der Statthalter habe deshalb nach Venedig um Instruktionen geschrieben [vgl. Nr. 667, Anm. 2 (Weisung vom 8.5.)]. Seine Knechte litten Not. Bologna, Ferrara, Mantua, Florenz und Pescia wollten ihn und seine Truppen ebensowenig aufnehmen wie voraussichtlich Ancona. Sollte Camillo [de Montibus] ihm melden, daß ihm auch keine andere italienische Kommune Aufnahme gewährt, will er wenigstens dafür Sorge tragen, daß die Knechte sich nicht in fremde Dienste begeben, sondern sie nach Hause beurlauben (Or. Rovereto (Raffreyd), freytag nach des hl. kreuzerfindung tag; HHStA Wien, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 135–136’. Druck: Chmel , Urkunden, Nr. CCXIX, S. 284–287. Vgl. Leipold , Beziehungen, S. 243; Naschenweng , Beiträge I, S. 98f.). Am 24.5. bestätigte Rauber den Empfang einer am 23.5. (hl. pchingstag) eingegangenen kgl. Weisung, sich unverzüglich zurückzuziehen und die Knechte nach Kempten zu führen, um sie dort zu entlassen. Er mußte indessen melden, daß er aufgrund von Berichten eines Boten Camillos de Montibus (kamylus) und seines eigenen, zum Dogen abgefertigten Boten sowie aufgrund von Mitteilungen des mantuanischen Kanzlers [Stazio Gadio] wie auch aus anderen Gründen bereits am 20.5. (pchinzttag vor pchingsten) aus dem Territorium Venedigs abgezogen sei und die Knechte am 22.5. (sambstag vor pchingsten) entlassen habe (Or. m. ex.-Verm. auf dem Umschlag, Trient, montag nach pfingsten; ebd., fol. 152).

    Anmerkungen

    a
    -a  Diese ... hat] Randverm.: Non legatur.
    a
     referri] In B: referre.
    b
     ipse] In B: ipsis.
    c
     portas] Korrigiert aus, in B: portis.
    d
     animo] In B danach, in A gestrichen: tanquam suum.
    a
    -a  in ... sichern] Randverm.: Nota. – Das Argument stimmt passagenweise wörtlich mit den Ausführungen im kgl. Mandat vom 9.4. [Nr. 19, Pkt. 1] überein.
    b
    -b  Zwar ... bedurft] Randverm.: Nota. – Das Argument stimmt passagenweise wörtlich mit den Ausführungen im kgl. Mandat vom 9.4. [Nr. 19, Pkt. 1] überein.
    c
     Heer] Danach gestrichen: des wir den mererteil gewiss sein.
    d
    -d  Die ... ihm] Einfügung am Rand. 
    e
    -e  Er... zuführen] Ergänzung von anderer Hd., korrigiert aus folgendem durchgestrichenen Abschnitt (Verm.: Auszulassen all.): Damit Venedig und andere dem frz. Kg. bis zu seinem Eintreffen Widerstand leisten können, hat er 3000 Knechte nach Trient geschickt, die von dort aus weiter nach Italien ziehen sollen. Falls Venedig oder andere italienische Staaten auf diese Truppen zurückgreifen wollen, sollen sie dies dem kgl. Hauptmann [Leonhard Rauber] mitteilen. Da er die Kosten allein bestreiten muß, benötigt er Unterstützung. Die Gesandten sollen deshalb nachdrücklich um eine Hilfe von 50 000 Dukaten bitten, die ihm wie auch Venedig selbst von Nutzen sein wird. Für den Fall, daß Venedig oder andere Staaten den frz. Kg. selbst angreifen wollen, was gut wäre, verfügt er über weitere 3000 Reiter und 7000 Fußknechte, die in kurzer Zeit in Trient sein und ihnen zu Hilfe eilen können. Venedig soll ggf. die kgl. Kommissare Hg. Heinrich von Braunschweig und Mgf. Kasimir von Brandenburg in Trient verständigen; diese werden ihnen die benötigte Zahl an Truppen zuführen. – Randverm. von anderer Hand: In Ytalien, ob sy der bedurften, ansprechen die haubtleut.
    f
    -f als ... volks ] Korrigiert aus: als tirannen.

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    1.2. Beziehungen König Maximilians zum europäischen Ausland »

    « Nr. 22 Bericht Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Äußerungen Kg. Maximilians über seine Feinde und [2.] die Unzuverlässigkeit Ungarns in bezug auf die Türken; [3.] Werben des röm. Kg. um ein Bündnis mit Venedig; [4.] Vertraulichkeit der Mitteilungen Kg. Maximilians.

    s.l., jedoch Innsbruck, 10. Januar 1507.
    Venedig, AS, Capi del Consiglio dei Dieci, Lettere di Ambasciatori, busta 12, fol. 9 (ital. Reinschrift) = Textvorlage A. Ebd., fol. 8–8’ (chiffriertes Or.).

    [1.] Kg. Maximilian bat ihn am Vortag [9.1.] zu sich und äußerte mit der aus Gründen der Geheimhaltung gemachten Auflage zur Berichterstattung ausschließlich an den Rat der Zehn und nicht an den Senat folgendes: Er habe derzeit drei Türken zu Feinden: den Kg. von Spanien (re de Tremisen1) wegen des Anspruches seiner Enkel auf das Kgr. Kastilien, den Kg. von Frankreich, der ein schlechter Mensch gleich dem treulosen Türken sei, und den türkischen Sultan (gran turcho). Er denke Tag und Nacht an nichts anderes, als sich an diesen Dreien zu rächen, insbesondere am frz. Kg. und am Sultan.
    [2.] Der Kg. von Ungarn und er hätten einen dreijährigen Waffenstillstand mit den Türken geschlossen2, der bald auslaufe. Er habe deshalb Sigmund Pflug zu Kg. Wladislaw Šentsandt, um dessen Absichten diesbezüglich in Erfahrung zu bringen. Der Gesandte habe nach seiner Rückkehr berichtet, daß sich der ungarische Kg. ausweichend geäußert habe; von anderer Seite habe er jedoch zuverlässig in Erfahrung bringen können, daß der Kg. einen unbefristeten Geheimvertrag mit dem Sultan geschlossen habe.3 Wenn es sich so verhalte, vergeude Venedig die 30 000 Dukaten, die es jährlich an den ungarischen Kg. zahle.4 
    [3.] Er, der röm. Kg., habe den schriftlichen Bericht des Kardinals von Brixen und die mündliche Relation des Ebf. von Trier vernommen5, ebenso wie zuvor die entsprechenden Mitteilungen Pasqualigos in Salzburg vor ihm und dem kgl. Rat.6 Er solle dem Dogen und dem Rat der Zehn berichten, che al tempo dela dieta imperial de Constanza vi farò resposta, attrovandome o non me attrovando in dicta dieta, perché pretendo che in essa dieta se dedugi la dicta resposta et se consegli de agendis. Ein von ihm kürzlich hier in Innsbruck verlesenes Schreiben der Signorie, das die in Salzburg (Malzpurch [!]) gegebene Antwort Pasqualigos auf seine Äußerung über die gegen ihn gerichtete Agitation Frankreichs in Venedig bestätige, und die Berichte seiner Gesandten, des Kardinals von Brixen und des Ebf. von Trier, gäben ihm Hoffnung, daß Venedig sich doch noch mit ihm verbünden werde. Er verspreche, der Republik, solange er lebe, niemals feindlich gegenüberzutreten, sondern ihr immer in jeder möglichen Weise beizustehen. Er, Pasqualigo, solle die Signorie inständig bitten, ihn nicht im Stich zu lassen. Die Signorie sei weise, aber nicht kriegserfahren, sie habe zwar genügend Soldaten, aber keinen Truppenkommandeur von seiner Qualität. Er Šverfüge bereits über 100 000 Dukaten, die er ausschließlich für den Italienzug verwenden werde, um sich an den Franzosen als seinen Feinden und als Feinden Venedigs zu rächen.
    [4.] Der Kg. forderte ihn anschließend noch einmal auf, seine Äußerungen streng vertraulich zu behandeln und darüber ausschließlich an den Dogen und den Rat der Zehn zu berichten, nicht jedoch an den Senat. Falls dessen Informierung als notwendig erachtet werden sollte, bittet er, Pasqualigo, dies insgeheim zu tun, damit der röm. Kg. davon nicht erfährt.

    « Nr. 23 Bericht Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Eingang einer Weisung aus Venedig; [2.] Absicht Papst Julius’ II. zur Vermittlung zwischen Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich; [3.] Bewertung des Vorgangs durch Pasqualigo; [4.] freundliche Haltung Kg. Maximilians gegenüber Venedig.

    Innsbruck, 12. Januar 1507.
    Venedig, AS, Capi del Consiglio dei Dieci, Lettere di Ambasciatori, busta 12, fol. 11–12’ (ital. Reinschrift) = Textvorlage A. Ebd., fol. 10–10’ (chiffriertes Or.).

    [1.] Bestätigt, am Abend des 11. Januar die Weisung vom 5. Januar mit der Mitteilung über die Abreise des päpstlichen Gesandten zu Kg. Maximilian, Costantino Arianiti, aus Rom und mit der Aufforderung zu regelmäßiger Berichterstattung empfangen zu haben.1 
    [2.] Kürzlich kehrte der kgl. Sekretär Agostino Somenza aus Rom zurück. Dieser informierte ihn vertraulich über eine Äußerung des Papstes, Arianiti beauftragt zu haben, den von ihm so sehr ersehnten Ausgleich zwischen dem frz. Kg. und dem röm. Kg. herbeizuführen. Der Papst habe dabei gegen Venedig räsoniert. Auch wenn die erwarteten Nachrichten aus Frankreich und aus Neapel noch nicht eingetroffen seien, habe er die Mission [Arianitis] nicht länger verschieben können. Somenza äußerte weiter, er habe in Bologna erfahren, daß aus Frankreich die Nachricht von der Zustimmung Kg. Ludwigs zur Vermittlung durch den Papst erwartet worden sei. Der frz. Kg. wolle aber keinesfalls, daß der Eindruck entstehe, als ob diese Initiative von ihm ausgegangen sei; vielmehr solle der Papst es so aussehen lassen, als ob der röm. Kg. dessen Vermittlung erbeten habe. Der Špäpstliche Unterhändler gehe aber davon aus, daß der frz. Kg. sich letztlich den päpstlichen Wünschen fügen werde. Aus Neapel erwarte man die Bestätigung, daß der Kg. von Aragon dem künftigen Abkommen und Bündnis ebenfalls beitreten wolle.
    a Diese Mitteilung Somenzas steht zweifellos im Zusammenhang mit dem, was der röm. Kg. vor drei Tagen eröffnet hat – cum affection incredibile, worüber er in seinem Bericht vom 10. Januar Bericht erstattet hat-a.
    [3.] Die Reise Arianitis hierher ist seiner Ansicht nach damit zu erklären, daß die inzwischen eingetroffenen Stellungnahmen aus Frankreich und Neapel entsprechend den päpstlichen Wünschen ausfielen. Arianiti kommt demnach, um über ein Bündnis zwischen dem Papst, dem röm. Kg., Frankreich, Spanien und ihren Parteigängern zu verhandeln. Dies erinnert an das vor drei Jahren geschlossene Bündnis dieser Herren gegen Venedig2, la qual subito fo intesa, fo interrota. Der Vertrag wurde damals nicht realisiert, da Spanien das befreundete Venedig in den dreijährigen Waffenstillstand mit Frankreich einbezogen hatte.3 Dazu paßt auch, daß der röm. Kg., [Matthäus] Lang und der gesamte kgl. Rat seit Tagen ihm gegenüber von einer Übereinkunft zwischen dem Papst und Frankreich sprechen, unverzüglich gegen Venedig vorzugehen. Wie dem auch sei, er wird sich darum bemühen, mehr über die Mission Arianitis in Erfahrung zu bringen, und unverzüglich darüber Bericht erstatten.
    [4.] Er kann versichern, daß sich der röm. Kg. ganz als Freund Venedigs erzeigt und keinem anderen Staat auf der Welt so zugeneigt ist. In vertraulichen Gesprächen und öffentlich erklärt er seine Zuneigung zu Venedig und seine Hoffnung auf ein Bündnis, mit dessen Hilfe er sich problemlos für das von den Franzosen verübte Unrecht rächen könne. Für den Papst hegt der röm. Kg. geringe Wertschätzung: Dieser sei gut französisch und wegen der Erhebung von Franzosen zu Kardinälen daran schuld, wenn das Papsttum nach Frankreich zurückkehre.4

    « Nr. 24 Weisung des Dogen und der Signorie von Venedig an Dr. Pietro Pasqualigo »

    [1.] Bestätigen den Eingang seiner Berichte vom 24. und 28. Januar1. Er soll gegenüber Kg. Maximilian erneut ihre Verbundenheit und Treue bekunden. Was die kgl. Vorschläge angeht2, soll er wie zuvor beteuern, daß Venedig im Herzen bereits mit dem röm. Kg. Šverbündet ist. Konkret sollte man sich in der derzeitigen Situation aber vor allem der Position Kg. Ferdinands von Aragon versichern. Die venezianischen Gesandten in Neapel haben berichtet, daß der kgl. Gesandte Bf. [Christoph] von Laibach auf dem Rückweg zu Kg. Maximilian sei, wie es heißt, mit geheimen und wichtigen Informationen, die auch auf diese Materie Bezug haben. Er soll den röm. Kg. versichern, daß sie sich an seine großzügigen Angebote erinnern und davon überzeugt sind, daß er nichts unternehmen wird, was der Republik schaden könnte.

    s.d., jedoch Venedig, 9. Februar 1507.
    Venedig, AS, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 229–229’ (ital. Kop., Randverm.: Ser Laur[entius] Iustiniano, ser Aloysius de Mollino, consiliarii; ser Marcus Bollani, ser Hier[onymus] Georgio, eques, ser Franc[iscus] Tronus, ser Leon[ardus] Mocenigo, ser Petrus Duodo, sapientes consilii; ser Hier[onymus] Quirino, ser Petrus Victuri, ser Marinus Georgio, Dr., ser Ant[onius] Iustiniano, Dr., sapientes t[erre] firme. Verm. am Textende: De parte: 154).

    « Nr. 25 Instruktion Kg. Maximilians für Kaspar von Winzer (kgl. Rat und Pfleger zu Dürnstein) als Gesandten zu Pfgf. Philipp, Administrator des Bm. Freising »

    Nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp fiel das Kgr. Kastilien an dessen Witwe Johanna und damit an deren Kinder. Um deren Erbanspruch auf das Kgr. zu sichern, auch um die verwitwete Kgin. zu trösten, beabsichtigt er, eine vornehme Gesandtschaft, darunter ihn, Administrator Philipp, nach Spanien abzuordnen.1 Er ist für das Unternehmen besonders geeignet. Er ist ein nahe verwandter Freund der Kinder, zwischen Kg. Philipp und dem Bruder des Administrators bestand ein besonderes Vertrauensverhältnis.2 Er soll deshalb an Šder Reise nach Spanien teilnehmen und dort gemäß der für ihn und seine Begleiter erstellten Instruktion verfahren. Dafür will er ihm die Teilnahme am Konstanzer RT erlassen. Philipp soll statt dessen nach den Osterfeiertagen nach Mecheln ziehen. Er wird bis dahin alles für die Reise Notwendige einschließlich der Gesandtschaftunterlagen erhalten. Winzer soll dessen Antwort unverzüglich mitteilen.

    Straßburg, 21. März 1507.3 
    München, HStA, Hst. Freising, K.blau 220/1, unfol. (Or. m. S., Verm. prps., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 26 Bericht Dr. Vincenzo Querinis und Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Empfang der venezianischen Gesandten am kgl. Hof; [2.] Äußerungen Kg. Maximilians über das Vorgehen Frankreichs in Italien und die Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen.

    Straßburg, 22. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 3’-4’ (ital. Kop.; Postverm.: Per Joanem Vesicam, cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 74’-75’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.1
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 9.

    [1.] Sie sind am 19. März hier in Straßburg eingetroffen.2 Der röm. Kg. schickte ihnen zum Empfang zwei Meilen vor der Stadt seinen Hofmeister (maestro de caxa) 3 und den Bailli von Burgund4 mit einigen Berittenen entgegen. Der Kg., der zur Falkenjagd auswärts weilte, hatte ihnen erlaubt, sich zu ihm zu begeben. Sie trafen ihn vor den Toren der Stadt Šan; der Kg. forderte sie auf, ihre Quartiere zu beziehen, und beschied sie zur Audienz, die gestern in Gegenwart vieler Herren stattfand. Nach den üblichen Grußworten in Namen der Signorie übergab Querini sein Kredenzschreiben und hielt eine lateinische Rede. In seiner durch Dr. Hayden (Aidem) vorgetragenen Antwort bekundete der Kg. seine Geneigtheit gegenüber Venedig.
    [2.] Nach dem Essen zog sich der Kg. mit ihnen beiden, Serntein und dem kgl. Marschall Gf. [Wolfgang] von Fürstenberg in ein Zimmer zurück, wo er lange über vielerlei Dinge sprach, wovon sie das wichtigste wiedergeben: Nachdem er über die Ankunft des frz. Kg. in Mailand samt seinem zum Einsatz gegen Genua vorgesehenen Heer, darunter 4000 Schweizern, informiert worden sei, habe er seine ursprüngliche Absicht, sich in die Niederlande zu begeben, geändert und den RT nach Konstanz einberufen – in dem Wissen, daß die Absicht des frz. Kg. zur Unterwerfung Genuas bei jedermann höchstes Mißfallen hervorrufen werde, zumal die Stadt immer reichsunmittelbar gewesen sei. Sie habe ihm während seines Aufenthalts dort den Gehorsamseid geleistet und die Stadtschlüssel übergeben.5 Er hoffe, daß der RT gute Entschlüsse fassen werde. Einstweilen habe er den frz. Kg. schriftlich davor gewarnt, sich in Reichsangelegenheiten einzumischen, was großes Mißfallen erregen würde. Gleichwohl befürchte er, daß die Franzosen binnen eines Monats die uneingeschränkten Herren der Stadt sein würden. Dies sei eine schlimme Sache, da Frankreich als letztes Ziel dann nur noch die Unterwerfung Venedigs bleibe, um die Alleinherrschaft über ganz Italien zu erringen, was, wenn nicht bald, dann doch im Laufe der Zeit geschehen werde. Die Deutschen, obwohl sehr mächtig, ließen in ihrer Kleinmütigkeit die Franzosen gewähren, zum Unglück Italiens und zur Schande des Reiches. Deshalb habe er Venedig wiederholt aufgefordert, das Bündnis mit ihm zur Vertreibung der Franzosen nicht länger hinauszuschieben; wenn sie darauf eingingen, käme er sofort mit großer Macht nach Italien, unter Hintanstellung seiner übrigen Angelegenheiten. Andernfalls könne es leicht geschehen, daß er den vom frz. Kg. mit vielen Versprechungen angebotenen Frieden akzeptiere. Wenn er dieses Jahr nicht nach Italien käme, würde nie wieder ein Deutscher zum Kaiser gekrönt werden, da alles den Franzosen gehören würde. Wenn die Signorie bedenke, was er bislang gesagt und angekündigt habe, werde sie feststellen, daß es die Wahrheit gewesen sei. Er sei davon überzeugt, daß er sich auch jetzt nicht täusche, wenn nicht geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen würden.
    Der Kg. ersuchte Pasqualigo eindringlich, der Signorie nach seiner Rückkehr diesen Sachverhalt detailliert zu erläutern. Die weiteren Äußerungen des Kg. sollen hier der Kürze halber nicht wiedergegeben werden.
    Sie antworteten im Sinne der Signorie. Pasqualigo dankte mit den für einen Gesandten üblichen liebenswürdigen Worten und Gesten und bat um seine Verabschiedung. Er wird morgen oder übermorgen [23./24.3.] aufbrechen.

    « ŠNr. 27  Bericht Dr. Vincenzo Querinis und Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Ein zum röm. Kg. entsandter Kammerdiener des frz. Kg. ist eingetroffen und wurde nach nur einer Audienz unverzüglich wieder entlassen. Sie konnten in Erfahrung bringen, daß der Gesandte die Mitteilung über die Ankunft seines Kg. in Mailand überbrachte. Es heißt, dieser bezwecke nichts anderes, als zum einen den Besitz dieses Hm., mit dem der röm. Kg. den frz. Kg. belehnt habe, zu demonstrieren und zum anderen die exilierten genuesischen Patrizier zu repatriieren sowie das Volk zu bestrafen, um künftigen Erhebungen vorzubeugen. Der röm. Kg. bestätigte in seiner Antwort [an Kg. Ludwig], daß eine Belehnung mit Mailand erfolgt sei, machte jedoch zugleich darauf aufmerksam, daß er für den Fall seines erbenlosen Todes seinen Sohn, den verstorbenen Kg. von Kastilien, für sich und seine männlichen Erben mit Mailand belehnt habe1, und warnte davor, sich in Angelegenheiten des Reiches einzumischen. Er werde sonst bis vor die Tore von Paris ziehen; den Weg dorthin kenne er gut.
    Der König sagte ihnen am Vortag [21.3.] auf dem Weg zur Messe, daß der französische Gesandte zum Wohle des Friedens gekommen sei und mit diesem Anliegen auch rasch wieder habe abreisen müssen.
    [2.] Ebenfalls eingetroffen ist ein Gesandter des Kg. von Aragon, der sagte, daß er beauftragt sei, die – bereits erfolgte – Abfertigung des Bf. von Laibach zu erwirken. Der Bf. solle den Kg. von Aragon, wie von diesem erbeten, über die Anliegen des röm. Kg. bezüglich Kastiliens unterrichten. Denn sein Kg. wolle in Kürze nach Spanien zurückkehren, um dort zum Wohle der gemeinsamen Enkel der beiden Kgg. [Karl und Ferdinand] entsprechend den Wünschen des röm. Kg. zu verfahren.

    Straßburg, 22. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 4’-5 (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem.2 ) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 75’-76 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 10.

    « Nr. 28 Kredenzbrief Kg. Maximilians für Luca de Renaldis als Gesandten zu Papst Julius II. »

    Er hat den kgl. Rat Luca de Renaldis (Propst zu Xanten) beauftragt, nach seiner Rückkehr aus Neapel von Kg. Ferdinand von Aragon1 als kgl. Orator an der Kurie zu fungieren. Bittet, diesem Glauben zu schenken.2

    Š s.l., s.d., jedoch Straßburg, zwischen dem 23. und 28. März 1507.3 
    Wien, HHStA, Maximiliana 17, Konv. 4, fol. 77 (lat. Konz. mit ex.-Verm.).

    « Nr. 29 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der röm. Kg. ist unter Zurücklassung des Rates und des größten Teils seines Hofstaates mit geringer Begleitung in die Berge geritten; er wird in Kürze hierher zurückkehren. Sein Vorgänger [Pasqualigo] ist am Vortag [24.3.] nach Venedig abgereist. Er hinterließ beim Kg. und bei den Angehörigen des Hofes einen sehr guten Eindruck.1 
    [2.] Er selbst stattete dem päpstlichen Gesandten Costantino Arianiti einen Besuch ab. Dieser sagte, daß die Versöhnung und die Einigung des röm. Kg. mit dem frz. Kg. der einzige Zweck seiner Mission sei. Er bemühe sich darum befehlsgemäß mit allem Nachdruck, gleichwohl widerwillig, da er erkannt habe, daß dies dem Ruin Italiens diene, daß es der Serenissima zum Nachteil gereiche, gegenüber der er sich, nicht zuletzt als venezianischer Edelmann2, immer als bereitwilliger Diener erzeigt habe, und schließlich daß alles Gute, das man für Italien erhoffen könne, von Venedig abhänge. Er habe sich wiederholt beim Papst in diesem Sinne eingesetzt, allerdings vergeblich. Er habe dem Papst bei einer vertraulichen Unterredung auseinandergesetzt, daß sein Streit mit Venedig letztlich zur Zerstörung Italiens führen werde. Seine Heiligkeit habe allerdings auf ihrem Standpunkt verharrt und mit dem Worten geschlossen: Pereat totus mundus, purché io consequisca lo intento mio. Er habe mit dem Kg. darüber gesprochen und hoffe, während des Konstanzer RT eine verbindliche Erklärung zu bekommen. Er wundere sich über das Vertrauen Venedigs gegenüber dem frz. Kg., der mit einem starken Heer nach Italien ziehe, und auch über die Überzeugung Venedigs, daß sein Ziel ausschließlich Genua sei – zumal in Anbetracht seines ehrgeizigen Charakters und da dies zu einer Zeit geschehe, da Kg. Ferdinand (re de Napoli) nach Spanien zurückkehre und den frz. Kg. deshalb in seinen Absichten nicht hindern könne.
    Er wies in seiner Antwort unter anderem auf die feindselige Haltung des Papstes gegenüber Venedig hin, das daran keine Schuld trage, sondern vielmehr treu zu diesem stünde. ŠDie Serenissima wünsche sich vom Papst nichts anderes, als daß er sein Wort halte.3 Er forderte Arianiti auf, seiner behaupteten wohlmeinenden Haltung gegenüber Venedig treu zu bleiben.
    Arianiti bekräftigte diese wortreich und bekundete seine Hoffnung, daß zum Wohle Italiens ein Weg zum Ausgleich zwischen dem Papst und Venedig gefunden werde und der röm. Kg. bei seinen guten Absichten bleibe.
    Er, Querini, wird versuchen, Arianiti soweit möglich als Freund zu gewinnen.

    Straßburg, 25. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 5’-6 (ital. Kop.; Postverm.: Per postas regias in Hispruch et inde per proprium nuntium Roveredum.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 76’-77 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 10f.

    « Nr. 30 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der Kg. hält sich nach wie vor vier Meilen entfernt von Straßburg auf. Soweit er in Erfahrung bringen konnte, wartet er auf eine Nachricht von seiner Tochter Margarethe, die in die Niederlande gereist ist, um dort an seiner Stelle an einer Ständeversammlung zu Verhandlungen über die Übernahme der Statthalterschaft teilzunehmen. Falls es Schwierigkeiten gibt, wird sich der Kg. unverzüglich in die Niederlande begeben – unter Hintanstellung aller übrigen Angelegenheiten. Wenn die Ehgin., wie erhofft, als Statthalterin akzeptiert wird, wird der Kg. in jedem Fall persönlich am RT teilnehmen.
    [2.] Der RT wurde deshalb nach Konstanz ausgeschrieben, um Grenzstreitigkeiten der dort beheimateten Stände mit den benachbarten Schweizern zu bereinigen. Außerdem soll über die Kaiserkrönung des röm. Kg. und über Angelegenheiten Italiens beraten werden. Und schließlich wird der röm. Kg. schwerwiegende Anschuldigungen gegen den frz. Kg. wegen des Bruches des Vertrags von Hagenau erheben. Für alle Fälle hat der röm. Kg. gegenüber Arianiti und anderen ein Übereinkommen mit Frankreich nicht völlig ausgeschlossen. Doch hält er alles in der Schwebe, während er in erster Linie auf die Erklärung Venedigs wartet; nach wie vor hofft er – aufgrund seiner Auslegung des von Pasqualigo übergebenen Schreibens1 – auf ein Bündnis gegen Frankreich bei gleichzeitiger Neutralität des Kg. von Spanien.
    [3.] Er wird sich bei weiteren Gesprächen mit dem röm. Kg. bedeckt halten und alles daran setzen, dessen freundliche Einstellung gegenüber Venedig zu erhalten und die Dinge Šso zu belassen, wie sie jetzt sind. Diejenigen, die mit den deutschen Angelegenheiten vertraut sind, vertreten die Auffassung, daß es der röm. Kg. nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp umso leichter haben wird, die Ff. auf dem RT für seine Ziele zu gewinnen, da sie nicht mehr befürchten müssen, daß er sich nur selbst erhöhen und seinen Sohn zum röm. Kg. krönen will. Diese Willfährigkeit der Ff. bedeutet für den Kg. einen Zuwachs an Autorität und Macht, was man im Umgang mit ihm wird berücksichtigen müssen. Er, Querini, hofft, daß auch die Signorie dies beachtet und die Bedeutung eines guten Verhältnisses zum röm. Kg. genügend würdigt.
    [4.] Der Gesandte Kg. Ferdinands (zentilhomo aragonexe) bemüht sich weisungsgemäß um eine Erklärung des röm. Kg. bezüglich Kastiliens. Doch befinden sich am Hof auch Gesandte von kastilischen Granden, die Anhänger Kg. Philipps waren. Diese bemühen sich beim Kg. darum, entweder die Reise Kg. Ferdinands nach Kastilien zu verhindern oder wenigstens dafür zu sorgen, daß sie wegen ihrer Parteinahme für Kg. Philipp keine Nachteile zu gewärtigen haben. Der röm. Kg. hält sich nach beiden Seiten hin bedeckt; er wartet den Ausgang des nach Ostern zusammentretenden RT und die Erklärung Venedigs ab.

    Straßburg, 27. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 6’-7 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas et nuntium.2 ) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 77’-78 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    « Nr. 31 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Gestern ging er auf Einladung des röm. Kg. gemeinsam mit den anderen Oratoren und den Angehörigen des kgl. Hofes zur Messe. Auf dem Rückweg zur Herberge beklagte sich der röm. Kg. ihm und Arianiti gegenüber über die Franzosen: Diese beraubten andere und ihnen fehle jegliche Glaubwürdigkeit. Seine erregten Worte schloß er mit der Feststellung, daß niemand den Franzosen trauen könne und daß man vor seiner Person keinerlei Achtung habe, obwohl die Franzosen bereits ganz Italien oder doch einen großen Teil davon besetzt hätten, wenn er nicht wäre. Aber die Herren in Italien wollten dies nicht glauben; da er ein Kg. mit wenigen Freunden sei, habe er bei ihnen kein Ansehen. Mit diesen Worten entließ ihn der Kg., um mit seinen Gedanken allein zu sein – wie ihm gesagt wurde, um sich, wie meist, Gedanken über die Franzosen zu machen, gegen die er gleichsam einen natürlichen Haß hegt.
    [2.] Personen, die mit den Absichten des Kg. vertraut sind, bestätigten ihm gegenüber, daß dessen ganzes Denken darauf gerichtet sei, auf dem bevorstehenden RT den Haß der deutschen Fürsten gegen Frankreich anzustacheln. Er wolle an das Unrecht erinnern, das dem Reich zugefügt worden sei und vom jetzigen frz. Kg. noch täglich begangen werde. Dieser beabsichtige nichts anderes, als sich zum Herrscher über Italien zu erheben und die Reichsrechte zu usurpieren. Man ist der Meinung, daß der Kg. bei den Fürsten weit mehr Gehör finden werde als früher – aus den Gründen, die er in seinem Schreiben vom 27. März [Nr. 30, Pkt. 3] dargelegt hat.
    Š[3.] Deshalb glaubt der Kg. auch, ohne Schwierigkeiten das Bündnis mit Venedig zu erlangen. Wenn er seine Erwartungen jedoch enttäuscht sieht, kann es leicht sein, daß er nach Flandern zieht und denen Gehör schenkt, die ihn für ein Bündnis mit Frankreich gewinnen wollen. Bisher vertröstet er diese Partei, während er auf die Entscheidung des RT und die Erklärung Venedigs wartet. Derzeit scheint der röm. Kg. der Signorie wohl gewogen. Er, Querini, ist davon überzeugt, daß nichts mehr geeignet ist, dieses Wohlwollen zu erhalten, als dem Kg. Gehorsam zu erweisen und ihn nicht geringer zu schätzen als einen anderen christlichen Fürsten. Dies würde er sehr übel vermerken.

    Straßburg, 28. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 7’-8 (ital. Kop.; Postverm.: Per Baronum cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 78’-79 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    « Nr. 32 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1./3.] Aufforderung an Kg. Maximilian zum Bündnis mit Frankreich, Spanien und Venedig; [2./4.] Mißtrauen des röm. Kg. gegen Frankreich, Spanien und den Papst, Wunsch nach einem Bündnis mit Venedig, Option einer Verständigung Habsburgs mit Frankreich.

    Straßburg, 31. März 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 8–10 (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem.1 ) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 79–80’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 13f.

    [1.] Bestätigt für den Abend des 28. März den Empfang seiner durch den Boten Martin Bestia zugestellten Weisung vom 13. März bezüglich der Verhandlungen über ein neues Bündnis.2 In einer Unterredung mit dem röm. Kg. am Nachmittag des 30. März beteuerte er die Treue Venedigs zu diesem und legte die Bemühungen der Signorie bei den Kgg. von Frankreich und Spanien um seinen Anschluß an das Bündnis und die günstige Reaktion der Šbeiden Kgg. dar. Er forderte den röm. Kg. wortreich auf, sich auf dieses Unterfangen zur Erhaltung des Friedens in Italien und zur Erhöhung der christlichen Religion einzulassen.
    [2.] Der röm. Kg. lobte in seiner wortreichen Antwort die Haltung Venedigs ihm gegenüber und die geschilderten Bemühungen der Signorie, bezweifelte aber die Aufrichtigkeit der beiden nur auf ihren eigenen Vorteil bedachten Kgg. in dieser Angelegenheit: Er wisse zuverlässig, daß der frz. Kg. ein Bündnis Venedigs mit ihm fürchte und alles daran setze, es nicht zustandekommen zu lassen. Inzwischen trachte der frz. Kg. danach, Genua zu unterwerfen und es durch die Errichtung einer Festung oberhalb des Hafens unter seine Kontrolle zu bringen, um darüber verfügen zu können wie über die übrigen Länder unter seiner Herrschaft. Was immer dieser Kg. vorschlage, jeder Verständige könne leicht den Zweck ermessen, vor allem mit Hinblick auf seine Absicht, Italien Stück für Stück zu unterwerfen und das Papsttum unter französische Kontrolle zu bringen3, wohinter der Kardinal von Rouen stehe. Und schließlich solle auch die Kaiserkrone usurpiert werden. Der Kg. von Aragon jedoch wolle sich so rasch wie möglich nach Spanien begeben, um die Regierung über die Königreiche seiner Enkel [Karl und Ferdinand] zu übernehmen und sich an seinen Feinden, den Freunden und loyalen Dienern seines verstorbenen Sohnes Kg. Philipp, zu rächen. Kg. Ferdinand bemühe sich um ein Bündnis mit Venedig, damit es während seiner Abwesenheit zum Schutz Neapels verpflichtet sei – und nicht etwa zum Wohl oder Vorteil der Signorie. Dieser Aspekt sei für diese beiden Kgg. irrelevant. Ihm dagegen sei immer das Wohl Italiens mehr am Herzen gelegen als das seiner eigenen Länder. Er habe die Reichsfürsten zusammenberufen, um sie über die französischen Machenschaften zu informieren. Sie sollten erkennen, daß das Reich nicht sicher und Italien nicht befriedet werden könne, solange die Franzosen dort seien. Er hoffe, bei den Fürsten jetzt mehr Glauben zu finden als zu Lebzeiten seines Sohnes Philipp und daß sie einsähen, daß ihn nicht Eigeninteressen oder Rachsucht trieben, sondern sein Wunsch nach Frieden in Italien und somit die Erhaltung des Reiches und schließlich des Hl. Stuhles, la qual dovemo deffensar totis viribus in non lassarla transferir in Franza. Gleiches müsse Venedig tun, nicht für irgendeinen Papst, sondern für den Hl. Stuhl. Für jemanden wie Papst Julius, der weder sein Freund sei noch der Venedigs, würde er keine drei Schritte tun. Er hoffe aber, mit der Unterstützung der Fürsten einige Vorkehrungen treffen zu können und diese Mißstände abzustellen. Und deswegen wolle er dieses Bündnis [mit Venedig]. Er wolle der Signorie keine nutzlose, weil offensichtliche Antwort geben, aber er, Querini, solle sie warnen, sich von den Worten der Kgg. von Frankreich und Spanien täuschen zu lassen.
    Er, der röm. Kg., unternehme alles, um Kg. Ferdinand davon abzuhalten, gegen die Freunde und treuen Diener seines Sohnes Philipp vorzugehen. Auch wenn der spanische Kg. einige Granden für sich gewinnen könne, so wären dennoch Konflikte unvermeidlich, wenn dieser versuche, die Regierung zu übernehmen. Denn seine Tochter, die Kgin. [Johanna], die zuerst nicht habe glauben können, wie schlecht sich ihr Vater ihr und ihrem Mann [Kg. Philipp] gegenüber benommen habe, nun aber alles wisse, sei dafür nicht zu gewinnen. Sie habe sich nach Granada zurückgezogen, wo sie sich bei den Leichnamen (corpo) ihres ŠMannes und ihrer Mutter [Kgin. Isabella] aufhalte, und wolle die Regierungsgeschäfte Kastiliens weiterhin den Granden überlassen.
    Falls er, der röm. Kg., dann alles versucht habe und dennoch erfolglos geblieben sei, so wisse er doch, daß ihm unter Verzicht auf sein geplantes Unternehmen in Italien immer noch ein gutes und ehrenvolles Abkommen mit Frankreich bleibe. Er könne sich dann, während die Ruhe und Sicherheit Kastiliens, Flanderns und aller seiner Länder wie der seiner Enkel garantiert seien, zurückziehen und die ihm verbleibenden Tage in Ruhe und im Dienst für Gott genießen – et non mi mover, se sentisse la ruina del mondo. Die unvergängliche Signorie (la signoria vostra che sempre vive) werde dann vielleicht bereuen, nicht auf ihn vertraut zu haben, und wolle auf ihn zurückgreifen, wenn dies nicht mehr möglich sei. Wenn sie aber die Absichten und Ziele Frankreichs und Spaniens auf der einen Seite und seine Aufrichtigkeit auf der anderen recht erwäge, werde sie zweifelsohne eine gute Entscheidung treffen.
    [3.] Er legte dem Kg. daraufhin dar, daß sein Anschluß an das Bündnis ihm nur Ruhm und Ehre einbringen würde. Er könne dadurch alle seine Angelegenheiten nach jeder Seite hin absichern und das durchführen, was ihm zur Erhöhung des christlichen Glaubens aufgegeben sei. Die Signorie wünsche dieses Bündnis vor allem wegen des damit verbundenen Vorteils für den röm. Kg. und zu seiner Erhöhung.
    [4.] Der röm. Kg. erwiderte, daß er die ernsthaften Bemühungen Venedigs um ihn erkenne und deshalb seine Geheimnisse offenbaren wolle: Er, Querini, solle nach Hause melden, daß er bereits in Bündnisverhandlungen mit Frankreich und Spanien stehe. Es wäre nichts leichter für ihn, als sich mit dem frz. Kg. einzulassen, der ihm einen Freibrief für alle seine Anliegen geben wolle; ebenso mit dem Kg. von Spanien, der nach Kastilien ziehen wolle, um sich an seinen, des röm. Kg., Freunden zu rächen, zum großen Schaden seines Hauses. Er verspreche, ihn über die weiteren Verhandlungen zu informieren, solange er die Hoffnung hege, daß Venedig ebensosehr sein Freund sei wie umgekehrt. Diese Mitteilungen sollten in Venedig streng vertraulich behandelt werden.

    « Nr. 33 Bericht Bf. Christoph Raubers von Laibach (kgl. Gesandter an der Kurie) an Kg. Maximilian »

    Unterredung mit Papst Julius II. über die Lage in Italien.

    Rom, 1. April 1507.
    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 11973, fol. 1–3, 4’ (Or., Postverm.: Ad manus proprias).

    [1.] Er traf auf kgl. Befehl hin am 30. März in Rom ein und erhielt am folgenden Tag eine Audienz beim Papst, um instruktionsgemäß seinen Vortrag zu halten. Anders als vorgesehen war der Kardinal von Brixen, der sich derzeit noch in Bologna aufhält, nicht anwesend. Auch sonst war niemand zugegen. Der Papst hörte ihn mit gueter disposition an. Er rechtfertigte zuerst, daß der röm. Kg. Arianiti so lange aufgehalten hat. Danach sprach er über die Politik des Kg. von Frankreich, und nemlichen, wie er sich unterstet, sein Hlt. mit vil seltzamen practikhen zu sich in Frankreich zu bringen, darauf ermant und Šgebeten von wegen e. kgl. Mt., das er sich in keinen weg in der Franzosen hend ergeben welle.
    Der Papst erwiderte, daß er nicht die Absicht habe, nach Frankreich zu reisen. Er wolle für den Rest seines Lebens in Rom bleiben, wo sein Papststuhl stehe. Im übrigen danke er dem röm. Kg. für die Warnung.
    [2.] Er eröffnete daraufhin als seine persönliche Meinung, daß der Papst in Deutschland als französischer Parteigänger gelte. Es heiße, er veranlasse den frz. Kg., sich stärker in die italienischen Angelegenheiten einzumischen, als er dies vielleicht sonst täte.
    Der Papst räumte ein, er sei den Franzosen bisher etban vil anhengig gebest. Dazu sei er aber gezwungen gewesen, da der röm. Kg. keinen entschiedenen Widerstand gegen die Franzosen geleistet habe und auch, weil die Bemühungen seines Orators Mariano de Bartolini um Hilfe gegen Venedig vergeblich gewesen seien.1 Die Franzosen hingegen hätten ihm gegen Bologna geholfen. Doch habe er sie nie gegen den röm. Kg. unterstützt. Er hätte bis auf den heutigen Tag auch lieber die Freundschaft des röm. Kg. als die der Franzosen gesucht, wenn er dafür eine Möglichkeit gesehen hätte.
    [3.] Er entgegnete dem Papst, daß dieser nun merke, wie wenig Verlaß auf den frz. Kg. sei. Dieser habe die Absicht, zuerst Genua und dann das übrige Italien anzugreifen, was nicht nur dem Papst, sondern auch dem röm. Kg. und der deutschen Nation zu Spott und Schaden gereichen würde. Deshalb müsse dieses Unternehmen rechtzeitig verhindert werden. Die Voraussetzung dafür sei eine Einigung des Papstes und Venedigs wegen Riminis und Faenzas, die bis dahin an den röm. Kg. übergeben werden sollten. Er trug die Einzelheiten des Vorschlags weisungsgemäß vor.
    Der Papst erwiderte, daß er sich lieber nicht so weit mit den Franzosen eingelassen hätte. Er hätte auch nichts dagegen, wenn diese aus Italien vertrieben würden und daß der röm. Kg. die Reichsstadt Genua gegen sie beschützte. Er könne sich jedoch nicht allein aufgrund bloßer Worte in ein gegen Frankreich gerichtetes Bündnis mit dem röm. Kg. und Venedig einlassen. Sobald er aber ein konkretes Vorgehen erkenne, verhalte sich die Sache anders. Eine Einigung mit Venedig sei allerdings unmöglich, solange ihm seine Städte nicht ohne jede Bedingung zurückgegeben würden. Er sei indessen einverstanden, wenn der röm. Kg. der Signorie eine Entschädigung aus dem Hm. Mailand zusage.
    [4.] Er wies darauf hin, daß der röm. Kg. dafür Sorge getragen habe, gemeinsam mit dem Papst Frankreich zu widerstehen; die Kgg. von England, Portugal und Navarra sowie das ganze Hl. Reich stünden auf seiner Seite.
    Der Papst erwiderte abschließend, er werde sich dem röm. Kg. in jeder Weise gefällig erzeigen, sobald dieser mit tapheren fürnemen nach Italien ziehe, und bat um unverzügliche Unterstützung Genuas mit 8 000–10 000 Mann. Er hoffe, daß der Kg. die Franzosen dann auch aus Mailand vertreiben könne. Der Papst bat außerdem, den frz. Kg. in Burgund anzugreifen, um ihn von seinem Zug nach Italien abzuhalten. Von den Venezianern erwarte er nicht viel; er sei vielmehr der Meinung, daß sie die Franzosen über alle Verhandlungen Šmit dem röm. Kg. informieren würden. Der Papst hofft, den Mgf. von Mantua und den Hg. von Ferrara auf die Seite des röm. Kg. zu ziehen, sobald sie merkten, daß er mit ernst nach Italien komme.2 Der röm. Kg. müsse sich bezüglich seiner Pläne für Italien beeilen, bevor sich die Franzosen weiter verstärkten. Wenn der röm. Kg. Genua Hilfe schicken wolle, müsse er dies bald tun. Der Kg. von Aragon unterstütze die Franzosen gegen Genua mit vier Galeeren und habe in Neapel und auf Sizilien die Lieferung von Getreide und anderen Gütern nach Genua untersagt. Der Papst befürwortet eine Einigung zwischen dem röm. Kg. und dem frz. Kg., er würde sich gemeinsam mit dem Kg. von Aragon einem solchen Frieden anschließen. Dann könne der röm. Kg. in Spanien und Italien seine Angelegenheiten regeln, auch mitler zeit die Venediger kriegen.
    [5.] Er ist der Meinung, daß Venedig ihn, den Kg., unterstützen wird, wenn er nach Italien zieht. Dann werden ihm zweifellos auch Genua und der Papst beistehen.

    Er wird den Kardinal von Brixen für dessen weitere Verhandlungen mit dem Papst schriftlich über sein Vorgehen informieren. Der Papst wünscht, daß alle Verhandlungen mit ihm strikt geheim gehalten werden. Der Gf. von Ribagorza (Rippa Gorza) 3 soll anstelle Gonsalvos [Hernandez de Córdova] Neapel regieren; dieser wird mit Kg. Ferdinand nach Spanien zurückkehren. Der Papst ist am 27. März (vigilia palmarum) mit großem Triumph in Rom eingezogen, ihm zu Ehren wurden viele schöne Triumphbögen errichtet.4

    « Nr. 34 Bericht Bf. Christoph Raubers von Laibach an Kg. Maximilian »

    Unterredung mit Papst Julius II. über die Lage in Italien.

    Rom, 3. April 1507.
    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 11973, fol. 5–6’ (Or., Postverm.: In irer kgl. Mt. selbst hand.).

    [1.] Nach Fertigstellung seines ersten Berichts [Nr. 33] wurde er erneut zum Papst beschieden. Dieser eröffnete ihm in Gegenwart des Kardinals von Pavia [Francesco Alidosi], daß ihn inzwischen ein Schreiben Costantinos [Arianiti]1 erreicht habe. Er wolle sich in allen Angelegenheiten nach den Wünschen des röm. Kg. richten, vor allem damit der frz. Kg. nicht diesem zu Schimpf und Spott in der Weise, wie befürchtet, nach Italien ziehe. Voraussetzung sei allerdings, daß der röm. Kg. wirkungsvollen Widerstand dagegen organisiert habe. Er zweifle allerdings daran, daß der röm. Kg. dies tun wolle, zumal er fernab in die Niederlande ziehe; vielleicht verfüge er auch nicht über die notwendigen Mittel. Der Papst befürchtet, nach ergebnislosen Verhandlungen mit dem röm. Kg. gegenüber den Kgg. von Frankreich und Spanien kompromittiert zu sein, denen er ganz gesessen ist. Falls der Š röm. Kg. sich aber für stark genug halte, so bewillige er ihm, auf eigene Verantwortung mit Venedig wegen der Übergabe Riminis und Faenzas zu Händen des Kg. unter den von ihm, Rauber, vorgeschlagenen Modalitäten zu verhandeln. Falls Venedig zustimme, solle der Kg. dies dem Papst unter dem Vorwand einer Vermittlungsinitiative – damit die Venezianer nicht Verdacht schöpften, der Vorschlag ginge von ihm aus – unterbreiten. Der Kg. und Venedig würden eine gute Antwort erhalten. Er wolle dann auch einen Vertrag mit dem röm. Kg. und Venedig zur Vertreibung der Franzosen aus Italien, zur Rückeroberung Mailands und zur Erlangung der Kaiserkrone schließen.
    Er versicherte dem Papst, daß der röm. Kg. weder sich selbst noch ihn auf Abwege führen werde.
    [2.] Der Papst bittet darum, daß der röm. Kg., wie von diesem selbst immer wieder vorgeschlagen, unverzüglich sein Pläne in Burgund umsetze und ebenso Genua auffordere, Widerstand zu leisten, bis er der Stadt zu Hilfe komme. Sollte der Kg. von Frankreich Genua unterwerfen, befürchtet der Papst, er könne mit ganz Italien nach seinem Willen verfahren. Er meint, daß die Italiener des französischen Hochmuts überdrüssig seien und die Sache ein gutes Ende fände, wenn der röm. Kg. nur käme. Der Papst bat ihn, sich darum zu bemühen, den Kg. von Aragon dem französischen Lager abspenstig zu machen und für den röm. Kg. zu gewinnen. So vermaint er, wir möchten den Franzosen mer dan sein franzosische plag geben und antuen. Der Papst ist auch der Meinung, daß es der röm. Kg. wegen geringfügiger Streitigkeiten nicht so weit kommen lassen solle, daß Unwillen zwischen ihm und dem Kg. von Aragon enstünde. Wo Kg. von Aragon den Franzosen zu einem offenbaren feind annemen wollt, so wer ich der mainung, wir verträuten in gar, damit wir den Kg. von Frankreich strafen mochten.
    [3.] Er wird von Neapel aus wieder berichten.2 Der Papst hat ihm unter Androhung der Exkommunikation verboten, die Verhandlungen jemand anderem als ihm, dem röm. Kg., zu offenbaren. Er selbst bittet den Kg. ebenfalls um strikte Geheimhaltung insbesondere gegenüber Venedig, das sonst zusätzlichen Grund hätte, sich mit dem frz. Kg. gut zu stellen. ŠEr bittet ihn darum, nichts zu verabsäumen. Es verdrießt ihn, den Papst und alle Welt so viel von seiner Nachlässigkeit sprechen zu hören.

    « Nr. 35 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Er sprach seit seinem letzten Bericht erneut mit dem röm. Kg., der die [Oster-]Feiertage zurückgezogen, wie üblich im Gebet und in Andacht, in dem Kloster verbringt, wo er Herberge bezogen hat. Der Kg. ist über das gewohnte Maß hinaus gedrückter Stimmung und gedankenversunken, seit er erfahren hat, daß der frz. Kg. seinen Zug nach Italien forciert hat und bald dort eintreffen wird. Er ist überaus unzufrieden damit, daß diesem die Unterwerfung Genuas so leicht gelingen wird. Der röm. Kg. setzt die Einberufung der deutschen Fürsten fort; er fordert sie auf, am 23. April (San Zorzo) in Konstanz zu erscheinen, um mit ihnen über die bereits in seinen früheren Berichten genannten Punkte zu beraten. Der Kg. will alles daransetzen, sie für seine Absichten zu gewinnen.
    [2.] Es heißt, daß der Kg. nach den Feiertagen mit seinem Hofstaat nach Konstanz aufbrechen wird, zumal ihn ein Schreiben seiner Tochter Margarethe vom 29. März1 darüber informiert hat, daß sie in Löwen eingetroffen sei, wo die Stände versammelt seien; am 30. April (marti sancto) werde sie den Eid als Statthalterin in Vertretung des Kg. leisten. Die niederländischen Angelegenheiten erfordern demnach nicht die persönliche Anwesenheit des Kg., der also ohne weiteres am RT in Konstanz teilnehmen kann.
    [3.] Der spanische Gesandte, der an diesem Hof sein bester Freund ist, hat ihm eröffnet, daß er eine vom 17. März datierende Weisung seines Kg. 2 erhalten habe: Er solle dem röm. Kg. mitteilen, daß Kg. Ferdinand über die Anwesenheit von Gesandten der kastilischen Stände bei ihm informiert sei; diese suchten den röm. Kg. zu überzeugen, daß seine Tochter [Johanna] die Übernahme der Regierung durch ihn ablehne. Doch hätten dieselben Granden Kg. Ferdinand für die Gewährung von Pardon die Regentschaft angeboten. Der röm. Kg. solle ihren Worten keinen Glauben schenken. Die Kinder Kg. Philipps seien ihrer beider Enkel; er werde nichts tun, was nicht ihrem Vorteil diene. – Der röm. Kg. behandelt die Angelegenheit wie gewöhnlich hinhaltend.

    Straßburg, 3. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 10–10’ (ital. Kop.; Postverm.: Per Martinum Bestiam cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 81–81’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    « Nr. 36 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.-3.] Gespräch mit Kg. Maximilian über die französische Italienpolitik; [4.] Bedeutung des Konstanzer RT für die weiteren Pläne des röm. Kg.; [5.] Übernahme der niederländischen Statthalterschaft durch Ehgin. Margarethe; [6.] Unterredung Kg. Maximilians mit dem päpstlichen Legaten Arianiti.

    Straßburg, 6. April 1507.
    ŠVenedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 10’-11’ (ital. Kop.; Postverm.: Per eundem Martinum Bestiam.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 81’-82’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert, z.T. Ganztextwiedergabe, bei: Brunetti , Vigilia, S. 14f.

    [1.] Nach der gestrigen Messe eröffnete der röm. Kg. ihm unter sichtbarer Bekundung seines Mißfallens, daß er Nachrichten erhalten habe, wonach der frz. Kg. mit einem großen Heer nach Italien komme, um Genua zu unterwerfen und seine sonstigen üblen Absichten zu realisieren. Er habe sich deshalb bemüht, die Fürsten so rasch wie möglich zusammenzurufen, und erwarte ein gutes Ergebnis zum Wohle Italiens. Er hoffe, daß die Signorie im eigenen Interesse zu einem entsprechenden Beschluß kommen werde.
    [2.] Er antwortete dem Kg., daß Venedig vor allem an Ruhe und Frieden in Italien gelegen und davon überzeugt sei, mit dem angeregten Bündnis [zwischen Kg. Maximilian, Frankreich, Spanien und Venedig] das richtige Mittel gefunden zu haben. Er versuchte gemäß der Weisung vom 13. März [Nr. 32, Anm. 1] erneut, den röm. Kg. unter Hinweis auf den Nutzen für Italien und die ganze Christenheit dazu zu bewegen, auf die Bündnisverhandlungen einzugehen.
    [3.] Der Kg. unterbrach ihn und bekräftigte seine frühere Äußerung, daß es sich um ein Täuschungsmanöver Frankreichs handle, um Venedig von einem Bündnis mit ihm abzuhalten und die eigenen Ziele weiterverfolgen zu können. Er sei erstaunt, daß die Signorie dies nicht bemerke; am Ende werde sie sich aber getäuscht sehen. Falls Venedig sich mit Frankreich und Spanien verbünde, sei es verpflichtet, Mailand und Neapel zu verteidigen. Wenn er jedoch wie erhofft das Reich zur Erhaltung der Reichsrechte [in Italien] einigen könne, werde Venedig feststellen, daß große Lasten auf es zukommen. Er sage dies als ein Freund Venedigs. Sollte es sich jedoch gegen das Reich stellen, werde er das Erforderliche tun. Wenn sich die Fürsten erst einmal zum Italienzug entschlossen hätten, würden sie ihn unbeirrbar durchführen.
    Der Kg. ersuchte ihn, dies nach Venedig zu berichten und die Signorie aufzufordern, die Taten und die vom frz. Kg. auf Anstiftung des Kardinals von Rouen und auch des span. Kg. verfolgten Ziele auf der einen und die bekannten und erwiesenen guten Absichten des röm. Kg. gegenüber dem Senat auf der anderen Seite sorgfältig abzuwägen.
    Er bestätigte diese Äußerungen und benannte die Haltung des röm. Kg. als Grundlage für die Ehrerbietigkeit und den Gehorsam Venedigs ihm gegenüber. Er bekräftigte noch einmal, daß das Streben Venedigs auf den Frieden und auf das Wohl der christlichen Religion ausgerichtet sei. Mit weiteren ähnlichen Worten verabschiedete er sich vom Kg.
    [4.] Das gesamte Denken des Kg. ist auf den Konstanzer RT gerichtet, von dem seine sämtlichen weiteren Schritte abhängen. Die Einschätzung wurde mehrfach auch von anderer Seite bestätigt. Nach Ende des RT wird man sehen, welche Richtung der röm. Kg. für längere Zeit einschlagen wird.
    [5.] Ehgin. Margarethe berichtete am 1. April aus Mecheln1, daß sie als Statthalterin vereidigt worden sei; der frz. Kg. habe vor seiner Abreise die Grenzen zur Gft. Burgund und überhaupt zu allen Ländern Kg. Maximilians durch Truppen gesichert.
    Š[6.] Der röm. Kg. hielt am Vortag eine lange Unterredung mit Costantino Arianiti. Laut zuverlässiger Quelle informierte er diesen über alle Vorbereitungen und Umtriebe des frz. Kg. und forderte ihn auf, den Papst zu warnen, sich in Acht zu nehmen. Nach dem Dafürhalten des röm. Kg. wünschen der frz. Kg. und der Kardinal von Rouen nichts mehr als eine Vakanz des Hl. Stuhls.

    « Nr. 37 Bericht Daniel Ruhes (kgl. Sollizitator in Rom) an Kg. Maximilian »

    Nachrichten über die Unterstützung Genuas gegen Frankreich, Überlegungen hinsichtlich einer Unterstützung der Stadt durch Kg. Maximilian.

    Rom, 8. April 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Karton 2, Fasz. 1506–1508, fol. 54–55’ (Or. m. 2 Ss., Postverm.: Ir kgl. Mt. zo handen. – Cito, cito.).
    Druck (unter Übertragung in das Hochdeutsche): Wolff , Beziehungen, S. 125f.1

    [1.] Nach der Abreise des Bf. von Laibach aus Rom entstand hier ain gross geschrey, daß in Genua der Krieg gegen die Franzosen öffentlich erklärt worden sei2; und die Francoesen ziehen hart zo, und were des andern mechtig ist, der slecht den andern ze tode. In Rom werden Truppen für die Stadt angeworben. Das Geld dafür geben die in päpstlichen Diensten stehenden, aus Genua stammenden Sauli.3 Der Papst liefert heimlich Artilleriemunition. Er stellt auch in Civitavecchia Schiffe für die Truppen zur Verfügung.4 Der Kardinal von St. Malo [Guillaume Briçonnet] sagte heute angeblich, daß der frz. Kg. am kommenden Samstag in Aes 5 eintreffen und dann nach Mailand kommen werde. Es heißt, er habe 1 200 Lanzenträger und 15 000 Fußsoldaten aus Mailand und Savoyen sowie aus der Auvergne (Avernyen) und dem Languedoc (Langwedoch) bei sich. Dazu kämen noch die von den Eidgenossen gestellten Knechte; man spricht von 6 000 Mann. Über die Größe des Heeres ist der Kg. jedoch sicherlich besser informiert.
    [2.] Etliche Kardinäle aus Genua leisten der Stadt ebenfalls heimlich Hilfe, also das mich pedunkt, eß woll ayn seltzemer handel darauß werden. Die frz. Kgin. bleibt in Grenoble (Garnobbell). Auch wenn Genua dem Angriff standhält, wird die Stadt nach der hier herrschenden Meinung doch beträchtlichen Schaden davontragen Die Genueser haben überall die französischen Herrschaftszeichen durch Wappen des röm. Kg. ersetzt.6. Wenn Šdie Italiener (Walen) auf jemand anderen angewiesen sind, so geben sie sich freundlich und untertänig, wenn nicht, sind sie niemandes Freund. Wenn der frz. Kg. sich Genuas, einer Reichsstadt, bemächtigt, ist er der Herr über Italien. Genua hat zur See und auf dem Land eine wichtige Stellung, es ist reich und gut befestigt. Wenn er, der röm. Kg., ihnen hilft und die Stadt sich behauptet, wird er eine wichtige Position in Italien gewinnen und auch den Papst für sich einnehmen.
    [3.] Ein einflußreicher Kardinal äußerte ihm gegenüber, wenn der röm. Kg. Genua durch Costantino [Arianiti] mit 2000–3000 Knechten unterstützen würde, könnten diese durch Montferrat und über die Berge ziehen, auf Wegen, die Costantino kenne. Der Kardinal meint, daß der röm. Kg. sich Genuas zweifellos bemächtigen könne. Dann könnten die Franzosen binnen kurzer Zeit mit genuesischer Hilfe auch aus Mailand vertrieben werden. Falls jedoch diese Truppenhilfe nicht möglich sei, müsse man die Franzosen möglichst bald an einer anderen Stelle angreifen. So sollt man ayn getroest folk sehen gegen den Francosen, dan man ist inen so fyand, das ichs nyt schreiben kan. 
    [4.] Der Papst entsandte etliche Galeeren nach Genua. Auch zieht ein gewisser Gobbo7 der Stadt zu Hilfe. Hier in Rom heißt es, die Franzosen verachten den röm. Kg. und die ganze deutsche Nation. Er selbst zweifelt nicht daran, daß er, der röm. Kg., Vergeltung üben wird, sobald er davon erfährt.8 

    « Nr. 38 Rat der Stadt Genua an die Kff. 1   »

    [1.] Bitte um Hilfe zur Bewahrung der Reichsrechte in Genua; [2.] Scheitern einer Vermittlung zwischen den Fraktionen in Genua an der Benachteiligung der Popularen; [3.] unbegründete Verurteilung der Bürger Genuas als Rebellen gegen die französische Krone, unrechtmäßige Übergriffe gegen Bürger, Scheitern einer ŠGesandtschaft zum frz. Statthalter in Mailand, Charles d’Amboise; [4.] Bitte der Stadt an Kg. Maximilian um Unterstützung und insbesondere um Intervention bei den Eidgenossen gegen eine Teilnahme am Feldzug gegen Genua sowie um eine Warnung an den Statthalter in Mailand vor einem Angriff auf Genua als Angriff auf das Reich; Bitte an die Kff. zur Verwendung in diesem Sinne bei Kg. Maximilian.

    Genua, 9. April 1507.
    Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 258–259 (lat. Kop., Adresse: Illustrissimis principibus Sacri Imperii electoribus et consiliariis d[omi]nis d[ominis] col[endissi]mis.) = Textvorlage A. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 8–9 (lat. Kop., Adresse wie A) = B.

    [1.] /258/ Illustrissimi principes d[omi]ni, d[omini] cl[ementissi]mi. Nisi scripsissemus imperatori serenissimo quecunque superioribus mensibus gesta, apud nos sunt et nunc geruntur, ea iudicaremus omnia opus fore ex[cellen]ciis vestris ordine narrare, verum quoniam persuademus nobis quecunque ad conservandam Imperii jurisdictionem pertineant ad consultationem et examen vestri sapientissimi consilii referria. Satis visum est exemplum earum litterarum, quas paulo ante scripsimus2, nunc quoque mittere et vestras excellencias rogare illud, ut legere velint atque eo lecto ad tuendum ius Imperii ea confestim remedia adhibere, que pertinere ad imperatoriam auctoritatem et nobis magis accomodata iudicaverint.
    [2.] Vexati iam aliquot mensibus fuimus intestinis discordiis, ut accidit aliquando vel divino judicio vel fortuito aut naturali fato, et ventum est ad arma inter nos non tamen in mutuam cedem aut perniciem. Causas, propter quas arma sumpta sunt, statim declaravimus per litteras et nunctios regi cristianissimo.3 Et cum sepe scriptum et rescriptum fuisset, misit tandem illustrissimum Ravastenum4, qui tumultus sedaret, animos conponeret, et tamen graviores motus de integro concitatis armis, ut adversariis faveret, excitavit, laudavit postmodum rex, ut ad se oratores mitteremus, ac promisit remedia malis nostris adhibere. Mis[s]umque confestim oratores miserunt quoquo ex suo genere adversarii, et cum eis ad regem profectus est m[agnifi]cus d[ominus] Johannes Ludovicus Fliscus5. Et ipse quoque nobis adversus, rex adversarios prompte Šet volenter audivit atque adeo credidit eorum delacionibus, ut nostros oratores nisi certis condicionibus, que servari non poterant, audire nunquam voluerit.6
    [3.] Redierunt domini desperati ipsi et hunc populum in desperacionem prope ultimam induxerunt, quod a suo rege, a suo domino tam inclementer reiecti fuissent. Et, quod eciam gravius fuit, inauditos et insontes nos in tota dicione sua rebelles publicavit7 et frumentis, ut a rege Aragonum atque aliis provinciis interdictum nobis esset8, summo studio curavit. Fidem tamen ad ultimum servavimus, donec vidimus sine ulla belli denunctiacione quecunque Januensium popularium bona in Mediolano et tota eius dicione capi et tanquam hostium bona interdici.9 Atque eodem tempore /258’/ conspeximus plurimos cives nostros in sancta pace per prefectum regium arcis sacro in templo nihil tale timentes per insidias intercipi et subinde illum tormentis ex arce et bambardas domos atque urbis tecta dirruere barbarum in morem, nulla a nobis injuria lacessitum.10 Vidimus insuper regium locumtenentem simulacionem profectionis minime id suspicantibus nobis excedere urbe et regimine ipsius urbis extemplo deserere comitante populo racione officii et magnis honoribus prosequente.11 Vidimus ad postremum Gallicos omnes nemine urgente clauculum12 noctu sese in arcem recipere. Et quamquam tot signis, tot incommodis, tot damnis, tot denique malis multipliciter laccessiti, permansimus in fide.13 Et ad ultimum, cum rex christianissimus oratores nostros admittere neque audire voluisset, novos oratores ad illustrissimum magnum magistrum mittere visum est, ut pacem, quacunque fieri posset racione, inquireremus. Qui cum profecti a nobis essent, in ipso itinere denunctiatum illis est, sese minime tute ad suam ex[cellen]ciam iter facere, atque ita territi minis occultis itineribus redire domum coacti sunt.14 Hec atque talia pertulimus tam diu, donec Švidimus aperta arma contra nos et validum exercitum moneri, tunc vero desperata pace visum est nobis ipseb consulere et Deo bene juvante defensionem parare.
    [4.] Et postquam rex alioquin clementissimus falsis adversariorum delationibus fidem atque obsequium nostrum penitus aspernabatur, ab eius imperio licet admodum inviti et coacti tandem discessimus et ad tutelam atque opem imperatoris invictissimi confugimus, cuius hec civitas antiqua sedes est et tanquam sedem suam protegere ab omni vi et tueri clementer iure Imperii tenetur. Quod ut facere dignetur, vestras ex[cellen]cias maximo affectu rogamus orantes, ut iubeat inprimis omnibus subditis suis ac confederatis quarumvis nacionum et presertim Helveciis, ut nullo pacto nobis, qui iurisdictionis Sacri /259/ Imperii sumus, inferant arma et a bello contra nos et dampnis nostris abstineant, et illustrissimo magno magistro, qui huius belli curam et administracionem habere creditur, in eam sentenciam scribat, ut sciat, si nobis et imperatorie huic sedi et camere bellum inferat ac sibi persuadeat, bellum ipsi quoque Imperio inferri et nos antiquissimos sedis imperatorie servitores quibuscunque aliis auxiliis ac presidiis videbitur sacra imperatoria maiestas sua nobis sucurrere et in hac tanta necessitate nostra opem ferre dignetur, idque quanta maxime celeritate fieri possit, quoniam in ipsis prope portasc iam exercitum habemus. Interea et nos et quidquid mari ac terra possimus ac valemus Sacro Imperio et ex[cellen]ciis vestris prompto omni animod deferimus ac dedimus. Data Janue, die VIIII Aprilis MDVIImo.
    Ex[cellen]tiarum vestrarum cultores observantissimi antiani et officium Balie communis Janue, Nicolaus [Oderico].

    « Nr. 39 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1./3.] Gegenstand der Unterredung zwischen Kg. Maximilian und dem päpstlichen Legaten Arianiti am 5. April; [2.] Spekulationen über die Ziele Arianitis; [4.] Nachrichten über französische Truppenbewegungen, Drängen Kg. Maximilians zum Erscheinen auf dem RT.

    Straßburg, 10. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 11’-12’ (ital. Kop.; Postverm.: Per postas regias in Hispruch et inde Venetias per proprium nuntium cum diligentia.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 82’-83’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Auszugsweise referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 15–17.

    [1.] Er konnte durch Gewährsmänner mehr über das Gespräch zwischen dem röm. Kg. und Arianiti in Erfahrung bringen. Im wesentlichen ging es um das, was er bereits am 6. April berichtet hatte [Nr. 36, Pkt. 6]. Ein Teil des Gesprächs fand allerdings unter vier Augen statt. Der röm. Kg. ist in wichtigen Dingen äußerst verschwiegen. Gleichwohl wird von kundiger ŠSeite die Auffassung vertreten, daß es nur darum gehen könne, den Papst für ein Bündnis mit dem röm. Kg. zu gewinnen, um sich mit Unterstützung der Reichsfürsten gegen den frz. Kg. wenden zu können; dafür brauche der Kg. das Bündnis mit einer der italienischen Mächte. Der röm. Kg. wisse zwar um die guten Beziehungen des Papstes zu Frankreich, hege aber die Hoffnung, die Beendigung dieser Freundschaft bewirken zu können. Denn der Kg. glaube, aus der plötzlichen Abreise des Papstes aus Bologna ein gewisses Mißtrauen gegen den frz. Kg. ablesen zu können, mit dem eigentlich ein Treffen vereinbart gewesen sei. Konsequent versuche der röm. Kg., Arianiti von den üblen Absichten des frz. Kg. gegenüber dem Papst zu überzeugen. Er behaupte, daß dieser nach Italien komme, um sich mit Hilfe der Partei Giovanni Bentivoglios zum Herren über Bologna zu machen und weiter gegen den Papst vorzugehen, mit dem Ziel einer Vakanz des Hl. Stuhls und der Wahl des Kardinals von Rouen zum Papst, o per bontà o per forza.
    [2.] Arianiti ist zwar klug, dem frz. Kg. gegenüber aber äußerst feindselig gesinnt, seit er aus seinem Statthalteramt in Montferrat vertrieben wurde.1 Es ist deshalb gut möglich, daß, obgleich er bislang in eine ganz andere Richtung verhandelt und auf einen Ausgleich zwischen dem röm. Kg. und Frankreich hingearbeitet hat, nunmehr auf die Linie des röm. Kg. eingeschwenkt ist, den Papst von der Notwendigkeit eines neuen Bündnisses mit diesem zu überzeugen. Arianiti hat sich gegenüber Personen, die wiederum ihm darüber berichtet haben, selbst in diese Richtung geäußert.
    Als sie beide über die Ankunft Kg. Ludwigs in Italien mit einem so großen Heer sprachen, äußerte Arianiti, daß der Ausgleich zwischen Venedig und dem Papst eine heilige Pflicht sei und ein Bündnis dieser beiden Mächte mit dem röm. Kg. uneingeschränkt dem Wohl Italiens dienen würde. Er betonte in seiner Antwort die Verbundenheit Venedigs mit dem röm. Kg. und wies darauf hin, daß der Papst mehr als jeder seiner Vorgänger über Venedig verfügen könne, wenn er nur seine Zusagen einhalte2.
    [3.] Weitere Informationen bestätigen die Korrektheit seiner Angaben über die Unterredung [zwischen Kg. Maximilian und Arianiti]. Er hat auch gelegentlich eines Gesprächs mit dem röm. Kg. versucht, eine Bestätigung dafür zu bekommen. Er verfährt dabei vorsichtig und umsichtig, wie es einem Orator Venedigs obliegt.
    [4.] Der röm. Kg. drängt die Reichsfürsten weiter, so rasch wie möglich zum RT zu kommen. Nachdem er erfahren hat, daß der frz. Kg. beträchtliche Truppen unter dem Befehl von [Louis de] La Trémoille an die Grenze von Burgund und unter dem Befehl des H. von Piennes [Louis de Halwin] an die Grenze von Flandern und auch in die Champagne an die Grenze zu Metz verlegen ließ, forderte er alle Fürsten auf, wegen wichtiger Obliegenheiten des Reiches gerüstet zum RT zu kommen [Nr. 16]. Der Kg. will diese Sache als Angelegenheit des Reiches und nicht als seine eigene behandeln, um die Fürsten dadurch zu verpflichten. Man glaubt, daß dies der größte RT seit vielen Jahren sein wird. Der röm. Kg. ist der Meinung, daß die französischen Truppenbewegungen einzig den Zweck haben, ihn von Šseinem Zug nach Italien abzuhalten, bekräftigt aber, daß ihm nichts übrigbleibe, als seine Ziele weiterzuverfolgen, auch wenn er dafür seinen ganzen Besitz verpfänden und verkaufen müßte. Jeden Tag erscheint der Kg. erregter angesichts der Aussicht, bald verwirklichen zu können, woran er so lange Zeit gehindert war.
    Er berichtet über dies alles nach bestem Gewissen.

    « Nr. 40 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Spekulationen über die Gründe für die Haltung Kg. Maximilians gegenüber dem Papst, Bedeutung Ebf. Jakobs von Trier für den röm. Kg.; [2.] Verhandlungen mit den Eidgenossen; [3.] Unterredung Querinis mit Kg. Maximilian; [4.] Verhandlungen spanischer Gesandter mit dem röm. Kg.; [5.] Musterung von Landsknechten.

    Straßburg, 12./13. April 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 12’-14 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas regias.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 83’-85 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Auszugsweise referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 17.

    [1.] Er hat weitere Erkundigungen über die Unterredung vor einigen Tagen zwischen dem röm. Kg. und Arianiti eingeholt und erfahren, daß alles darauf abzielt, den Papst von Frankreich zu trennen und zu einem neuen Bündnis mit dem röm. Kg. zu bewegen. Es gibt seitens des Papstes keinen Hinweis, daß er angesichts des Erscheinens der Franzosen in Italien Befürchtungen hegt, aber man bemüht sich darum, Verdacht zu erwecken. Der röm. Kg. wiederholt ständig, daß er die wahren Beweggründe für den Italienzug Kg. Ludwigs kenne, der auch gegen den Papst gerichtet sei und auf die Kontrolle Bolognas abziele. Er bietet dem Papst für die Sicherung Bolognas 800 Reiter und 2000 Fußsoldaten an und hat bereits erklärt, die Truppen zu diesem Zweck nach Italien zu beordern. Ihm, Querini, ist unklar, ob der röm. Kg. dies tut, weil er wirklich glaubt, daß der Papst diese Truppen benötigt und den Franzosen mißtraut; es kann auch sein, daß er seine Glaubwürdigkeit bei den Reichsfürsten erhöhen will, die zum RT kommen sollen, indem er demonstriert, daß er im guten Einvernehmen mit dem Papst steht und die Angelegenheit wichtig ist, und zugleich das Vorgehen Frankreichs als Vorbereitung zur widerrechtlichen Aneignung von Gebieten des Kirchenstaates diskreditiert. Der Kg. ist unverändert der Absicht, auf dem Konstanzer RT große Dinge zu vollbringen. Er läßt, soweit ihm dies ersichtlich ist, nichts unversucht, sich die Fürsten geneigt zu machen. In allen Dingen bedient er sich des Ebf. von Trier, der in Deutschland sowohl aufgrund seines Ranges als auch seines Verwandtschaftsverhältnisses zum Kg. und durch dessen Hochschätzung große Autorität besitzt. Laut eingegangenen Nachrichten befinden sich die Ebff. von Trier und Mainz sowie viele andere Fürsten bereits auf dem Weg zum RT, der am 23. April (San Zorzi) eröffnet werden soll.
    [2.] Der röm. Kg. ist in Verhandlungen mit den Eidgenossen eingetreten und hat Hans von Königsegg (Consecha) als Gesandten in die Schweiz abgeordnet. Der Kg. hofft, auch über die Schweizer verfügen zu können, wenn es ihm gelingt, die Reichsfürsten für den Italienzug zu gewinnen. Wenngleich die Schweizer immer Feinde des Kg. qua Ehg. von ŠÖsterreich waren, so waren sie doch immer gehorsam gegenüber dem Reich. Er, Querini, glaubt, daß der Kg. Tag und Nacht über nichts anderes nachdenkt als über diese Dinge.
    [3.] Der röm. Kg. sagte ihm gestern [11.4.] nach der Messe, daß der frz. Kg. mit seinem Heer bereits an der Grenze Italiens stehe. Er wisse, daß die Signorie dies nicht erwartet habe. Da sie sich so zurückhaltend zeige, werde er seine eigenen Angelegenheiten verfolgen. Zu dem von Venedig angeregten Bündnis äußerte sich der Kg. nicht mehr. Jedesmal, wenn er ihn darauf ansprach, wich der Kg. auf ein anderes Thema aus. Denn er ist davon überzeugt, daß er erfolgreich sein wird, auch wenn er sein Ziel trotz aller Bemühungen nicht erreicht. Denn wenn er auf den Italienzug verzichtet, wird er vom frz. Kg. weit bessere Konditionen erhalten, als wenn er sich auf das von Venedig vorgeschlagene Bündnis einläßt. Soweit er den Kg. verstanden hat, ist dieser der Ansicht, daß Venedig kein Bündnis mit Frankreich und Spanien eingehen werde. Die venezianischen Bündnisse hätten immer den Zweck gehabt, die Franzosen aus Italien zu vertreiben und so die eigenen Interessen zu realisieren. Venedig werde auch viel eher gegen Frankreich ziehen als gegen das benachbarte Deutschland.
    Für ihn ist es offensichtlich, daß der röm. Kg. ihn nicht länger an seinem Hof dulden wird, falls sich diese Erwartung nicht erfüllt.
    [4.] Der Gesandte des spanischen Kg. und die Vertreter der kastilischen Granden bedrängen den röm. Kg., sich in der kastilischen Frage zu erklären. Kg. Ferdinand wünscht die Zustimmung des röm. Kg. zur Übernahme der Regierung in Kastilien stellvertretend für ihre gemeinsamen Enkelsöhne [Karl und Ferdinand]. Die Granden arbeiten darauf hin, daß der röm. Kg. den spanischen Kg. zu seinem Feind erklärt, falls dieser nach Kastilien ziehen sollte, und dessen Gegner unterstützt. Beide Parteien wurde bislang mit Worten abgespeist, ohne daß eine Entscheidung gefallen wäre.
    [5.] [PS] Der röm. Kg. musterte am heutigen 13. April außerhalb der Stadt 1000 Landsknechte, die anschließend Richtung Trient abgefertigt wurden. Er will sie nach seinem Bekunden zur Unterstützung des Papstes nach Bologna schicken, zusammen mit 600 Reitern, die sich bei Augsburg gesammelt haben.

    « Nr. 41 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    Der Kg. ließ ihm am Vormittag mitteilen, daß er beschlossen habe, zur Unterstützung des Papstes 1000 Fußknechte nach Bologna zu entsenden. Denn er habe Nachricht erhalten, daß der frz. Kg. gegen den Papst und den Kirchenstaat ziehe. Er solle dies an den Dogen berichten, damit Venedig seinen Truppen ungehinderten Durchzug nach Bologna gestatte. Die Hauptleute hätten Befehl, bei den Knechten für Disziplin zu sorgen und für die Verpflegung zu bezahlen. Der röm. Kg. kündigte ein Schreiben in dieser Angelegenheit an die Signorie an.

    Straßburg, 14. April 1507; präs. Venedig, 26. April.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 14 (ital. Kop.; Verm. am Textende: Tradita fuit regi.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 85 (ital. Kop.; Verm. wie A) = B.

    « ŠNr. 42  Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [1.] Der röm. Kg. forderte ihn am Vormittag auf, wegen der Genehmigung des Durchzuges für 1000 Fußsoldaten an den Dogen zu schreiben. Denn er habe Nachricht erhalten, daß der Italienzug des frz. Kg. vor allem gegen den Papst und den Kirchenstaat gerichtet sei. Er werde in dieser Angelegenheit einen Boten nach Venedig schicken.
    Er verfaßte den Brief in der gewünschten Weise und zeigte ihn dem Kg. Er erinnerte aber auch daran, daß der Papst sich bislang wenig freundlich gegenüber Venedig erzeigt und man keinen Grund habe, ihm zu vertrauen. Er erläuterte weiter, wie der Papst sein gegebenes Wort im Zusammenhang mit der Rückgabe der Romagna gebrochen habe.1 
    [2.] Der Kg. antwortete, daß der Signorie seine Haltung in ihrem Streit mit dem Papst bekannt sei. Er erinnerte an seine Äußerung vor einigen Tagen, daß er für Papst Julius keine drei Schritte tun würde, aber sehr wohl für die Erhaltung des Hl. Stuhls in Italien und um die Eroberung ganz Italiens durch die Franzosen zu verhindern. Er sei fest davon überzeugt, daß die Signorie für diese Ziele noch weit mehr tun würde als er. Sie könne selbst die Folgen einer Eroberung Bolognas durch die Franzosen ermessen. Er sei deshalb zuversichtlich, daß Venedig ohne Schwierigkeiten den ungehinderten Durchzug seiner Truppen bewilligen werde; falls nicht, werde er seine gute Meinung über die Signorie ändern.
    [3.] Der Kg. hat die Fußsoldaten bereits nach Trient losgeschickt. Seines Wissens hat der Papst diese Truppen nicht angefordert. Der Kg. tut dies, um bei Kg. Ludwig Verdacht zu erwecken, den Papst aus der Verbindung mit Frankreich zu lösen, somit den gegen die Franzosen gerichteten Italienzug gegenüber den Reichsfürsten zu legitimieren, das französische Vorgehen wiederum zu diskreditieren und zugleich sein eigenes Ansehen zu steigern.
    [4.] Der Kg. forderte ihn und die anderen Oratoren auf, ihn nach Konstanz zu begleiten. Er wird morgen dorthin aufbrechen.

    Straßburg, 14. April 1507; präs. Venedig, 26. April.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 14–15 (ital. Kop.; Postverm.: Per easdem postas in Hispruch et per proprium nuntium Venetias.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 85’-86 (ital. Kop.; Verm. wie A) = B.
    Referiert bei: Brunetti , Vigilia, S. 17f.

    « Nr. 43 Instruktion Kg. Maximilians für Dr. Heinrich Hayden, Camillo de Montibus, Leonhard Rauber, Georg Moysse und Dr. Johannes Räbler als Gesandte nach Venedig »

    [1.] Ziele Kg. Ludwigs von Frankreich in Italien, Notwendigkeit von Gegenmaßnahmen, Verhandlungen auf dem bevorstehenden RT über eine Reichshilfe; [2.] Bitte an Venedig um eine Geldhilfe, Zusage Kg. Maximilians über die Stellung von Truppen; [3.] Vorschlag eines Bündnisses zwischen röm. Kg., Papst und Venedig, Vermittlungsinitiative im Streit um Rimini und Faenza.

    s.l., s.d., jedoch wohl Straßburg, um den 16. April 1507.
    ŠWien, HHStA, Reichsregisterbuch OO, fol. 21–25’ (Reinkonz., Verm.: IIII. VENECIAS. – Instructio Camilli de Montibus, Dr. Haiden, Moysse, Rabler. Instructio Camilli de Montibus et Moysse. Litterae caesaris ad eos. Litterae eorum et Rabler ad caesarem. Litterae Camilli ad caesarem. Litterae Rabler ad caesarem. – Verm. von anderer Hd.: Pro adducendis Venetis contra Galliam et sic utendum Maria Sforzia duce Med[iolanensi]).

    [1.] Nach der Übergabe ihres Kredenzbriefes sollen die Gesandten daran erinnern, daß er die venezianischen Oratoren wiederholt darauf hingewiesen habe, daß man dem frz. Kg. nicht trauen könne und daß dieser beabsichtige, sich ganz Italien zu unterwerfen. Aus diesem Grund hat er den RT nach Konstanz einberufen, um dort darüber zu beraten, wie man dem frz. Kg. entgegentreten könne, und dafür die nach dem Tod seines Sohnes Kg. Philipp von Kastilien anstehende wichtige Reise nach Burgund zur Übernahme der Regierung zurückgestellt. Inzwischen hat ihm der frz. Kg. angekündigt, daß er nach Italien ziehen wolle, dieser Zug jedoch nicht gegen ihn, den röm. Kg., gerichtet sei, und gebeten, ihn dabei nicht zu behindern. Er hat diesem daraufhin geantwortet, daß er jetzt einen RT in Konstanz abhalten werde; da die Angelegenheit nicht nur ihn, sondern das Hl. Röm. Reich angehe, werde er seine Mitteilung und sein Anliegen den Kff., Ff. und Ständen des Reiches eröffnen. Danach wolle er ihm antworten; bis dahin solle er seinen Zug nach Italien zurückstellen. Dessenungeachtet zieht der frz. Kg. persönlich mit einem großen Heer aus Franzosen und Schweizern nach Italien, a in der Absicht – worüber er durch zuverlässige Berichte genauestens informiert ist –, zuerst dem Papst Bologna wegzunehmen und es für viel Geld seinem Parteigänger Giovanni Bentivoglio zurückzugeben. Anschließend will der frz. Kg. den Papst angreifen und zu diesem Zweck zuerst das zum Hl. Reich gehörende Genua unterwerfen. Sein Plan ist, den Hl. Stuhl unter seine Kontrolle zu bringen und ganz Italien zu erobern. Die beiden Städte will der frz. Kg. durch eine doppelte Befestigungsanlage für alle Zeit für sich sichern-a. b Zwar behauptet dieser, er wolle nur Genua erobern und bestrafen. Dies ist jedoch lediglich ein Vorwand, um den Papst, ihn, den röm. Kg., und die italienischen Stände und Kommunen zu täuschen. Denn die Genuesen waren jederzeit bereit, dem frz. Kg. ihre Tore zu öffnen, wenn er nur ihre städtische Freiheiten garantiert hätte. Dafür hätte es seiner persönlichen Anwesenheit mit einer so großen Streitmacht nicht bedurft-b. Daraus folgt, daß der frz. Kg. beabsichtigt, nicht nur den Hl. Stuhl in Rom und die zum Hl. Reich gehörenden Stände in Italien in seine Gewalt zu bringen, sondern ganz Italien zu erobern. Da ihm als gewählten, gesalbten und gekrönten röm. Kg. das röm. Kaisertum zusteht und der Hl. Stuhl sowie ganz Italien mit diesem Kaisertum verbunden sind, kann und darf er dies nicht gestatten. Es wäre für ihn unerträglich, sollten die italienischen Stände und Kommunen und insbesondere Venedig unter die französische Tyrannei geraten. Er wird deshalb jetzt persönlich am RT in Konstanz teilnehmen, um dort gemeinsam mit Kff., Ff. und Ständen des Reiches unverzüglich ein großes Heerc zu versammeln. Aufgrund des französischen Vorgehens besteht jedoch die Gefahr, daß diese ŠHilfe nicht rechtzeitig eintrifft. Deshalb ist rascher Entsatz nötig, um die Franzosen so lange aufzuhalten. Er will zu diesem Zweck von Konstanz aus persönlich mit soviel Truppen, wie er zusammenbringen kann, den frz. Kg. angreifen, bis die Reichshilfe nachkommt, die on underlass von des Reichs versamblung dannen gericht werden muss. Dadurch kann Italien vor den Franzosen gerettet werden.
    [2.] d Die Gesandten sollen sich deshalb bei den Venezianern um eine Hilfe von 50 000 Dukaten bemühen, damit er seinen Angriff früher eröffnen kann. Ansonsten läge die ganze Last allein auf ihm-d. e Er schickt jetzt auch 3000 Knechte nach Italien.1 Falls Venedig diese Truppen gegen den frz. Kg. benötigt, werden die Hauptleute sie ihnen zuführen-e. Er erwartet zuversichtlich eine zustimmende Antwort, was auch im Interesse Venedigs ist. Denn er erstrebt in Italien nur das, was ihm und dem Reich zusteht; und es geht ihm um die Ehre, Italien vor den Franzosen f als ains frevenlichen, neu geporen folks-f  gerettet und die Freiheit der italienischen Staaten bewahrt zu haben. Seinem Anliegen liegt allein der Wunsch zugrunde, dem frz. Kg. Widerstand zu leisten.
    [3.] Durch ein Bündnis zwischen dem Papst, ihm und der Republik Venedig wäre man künftig vor einem solchen Angriff geschützt. Er ist deshalb willens, ein solches Bündnis mit ihnen zu schließen. Zuvor muß jedoch der Konflikt zwischen dem Papst und Venedig wegen Riminis und Faenzas beigelegt werden. Die Gesandten sollen deshalb beantragen, die beiden Städte bis zur Beendigung des Streits an ihn zu übergeben. Er wird seinen Hauptmann zu Triest, Georg Moysse, und Gf. Francesco Sforza jeweils als Statthalter einsetzen und sich unverzüglich um eine gütliche Einigung bemühen. Falls diese scheitert, will er gemeinsam mit den in Konstanz versammelten Reichsständen oder in anderer Weise eine rechtliche Entscheidung fällen. Er bittet Venedig, ihm die Angelegenheit anzuvertrauen. Er wird auch mit dem Papst darüber verhandeln lassen und zweifelt nicht, daß dieser das ŠAngebot annehmen wird. Sobald dies geschehen ist und Venedig sein Einverständnis zu einem Bündnis erklärt hat, will er weiter darüber verhandeln lassen.2