Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
Einfache Suche
Schnittstellen Quellen Formalia
BEACON
METS
XSLT
eXist-DB
jQuery-Layout
Nominatim
OpenLayers
GND
Impressum
Kontakt

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

    Register

    Register

    Erweiterte Suche
    Text
    unscharf
    Zeitraum zwischen und
    Sortierung
    Erweiterte Suche
    Text
    unscharf
    Zeitraum zwischen und
    Sortierung

    «5. Schiedsverfahren während des Reichstages »

    5.1. Herzog Georg von Sachsen gegen Bischof Friedrich von Utrecht: Streit um Groningen »

    5.1.1. Sachsen gegen Utrecht »

    « Nr. 369 Protokoll über die Schiedsverhandlungen zwischen Hg. Georg von Sachsen und Bf. Friedrich von Utrecht »

    [1.] Anwesende bei der Eröffnung der Verhandlungen am 21. Mai; [2.] Eröffnung der Verhandlungen: Verfahrensfragen; [3.] Entscheidung Kg. Maximilians über Verfahrensfragen, Vorlage der Utrechter Vollmacht; [4.] Eingabe Utrechts; Verfahrensfrage; [5.] Eingabe der sächsischen Replik am 1. Juni; [6.] Einsetzung einer Schiedskommission; [7.] Verhandlungen am 2. Juni: Bevollmächtigung der Anwälte Hg. Georgs von Sachsen; Verfahrensfragen; [8.] Duplik Bf. Friedrichs von Utrecht; [9.] Verhandlungen am 26. Juni; [10.] Annahme eines Utrechter Schriftsatzes zur Prüfung; [11.] Verhandlungen am 9. Juli: Zulassung des Utrechter Schriftsatzes; [12.] Bescheinigung des kgl. Sekretärs Sixtus Ölhafen für die Parteien vom 20. Juli.

    Act. Konstanz, 21. Mai-20. Juli 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 3–13’ (Konz., Aufschr.: Prothocol Hg. Georg contra Bf. zu Utricht.).1

    [1.] /4–4’/ 21. Mai 1507. [Anwesende:] Kg. Maximilian, Ebff. von Mainz, Trier und Magdeburg persönlich; Gesandte der Kff. von Köln, Sachsen und Brandenburg sowie des Ehg. von Österreich; Pfgf. Friedrich, Hg. Ulrich von Württemberg, Bff. von Sitten, Würzburg, Trient, Eichstätt, Straßburg, Konstanz, Augsburg, Freising, Basel und Chur persönlich, Hg. [Albrecht] von Mecklenburg persönlich, Gesandte Hg. Albrechts von Bayern und Mgf. Friedrichs von Brandenburg-Ansbach, Gf. Haug von Montfort, Gesandte der Bff. von Bamberg, Speyer und Passau, ein Deutschordenskomtur2 als Vertreter des Deutschordensmeisters, Abt [Johannes] von Salem, Gf. [Eitelfriedrich] von Zollern, Gf. [Wolfgang von] Fürstenberg und Gf. [!] [Hans Kaspar von] Mörsberg, der Propst zu Stuttgart [Dr. Ludwig Vergenhans], Hans von Reichenburg, der Propst zu Nürnberg [Dr. Erasmus Topler], Niklas von Firmian, Adam von Frundsberg, Dr. [Heinrich] Hayden, Veit von Lentersheim, Sebastian Truchseß [von Rheinfelden]3, Dechant zu Augsburg [Wolfgang von Zülnhart], Hans von Königsegg, Hans von Landau und der Propst zu Backnang (Backenheim) Dr. Peter [Jakobi].
    Š[2.] /5–5’/ Vortrag im Namen Hg. Georgs von Sachsen: Der röm. Kg. habe seinerzeit Hg. Albrecht von Sachsen die Reichsstatthalterschaft über Friesland übertragen, der es unternommen habe, das Land dem Reich botmäßig zu machen. Zu anderen Schwierigkeiten seien dabei bislang unentschiedene Streitigkeiten mit dem Bf. zu Utrecht wegen der Stadt Groningen gekommen. Der Kg. habe zwar beide Parteien vor sich und die Reichsstände zitieren lassen4, der Termin sei aber bis jetzt verlängert worden. Hg. Georg habe dies gebilligt und sei der Zitation nachgekommen. Er sei bereit, sein Anliegen mündlich oder schriftlich vorzubringen.
    /5’/ Im Namen des röm. Kg. wurde Hg. Georg mitgeteilt, daß gemäß dem Herkommen im Hl. Reich und am Kammergericht Schriftsätze einzureichen seien. Dieser reichte daraufhin seinen Antrag gegen den Bf. von Utrecht [Nr. 370] schriftlich ein.
    /6/ Die Vertreter des Bf. von Utrecht [Dr. Johann Krisch und Gerhard de Sucgerode] erklärten, daß der Bf. sie aufgrund der kgl. Zitation abgeordnet habe. Da darin kein Kläger benannt sei, Hg. Georg indessen als solcher auftrete, bäten sie um einen oder zwei Tage Aufschub für die Erstellung der Gegenschrift und für deren Übersetzung in das Deutsche.
    /6–6’/ Hg. Georg akzeptierte die Erklärung der Utrechter Gesandten, wies jedoch darauf hin, daß über deren Bevollmächtigung noch nicht entschieden sei.
    /6’/ Die Utrechter Gesandten baten erneut um zwei Tage Aufschub, da sie nicht darüber informiert waren, daß unverzüglich in Verhandlungen eingetreten werden sollte. Die Gesandten kündigten an, ihre Vollmacht und Instruktion studieren zu wollen und weiterhin entsprechend zu verfahren. Hg. Georg lehnte die Gewährung eines Aufschubs vor Einsichtnahme in die Utrechter Vollmacht ab. Falls die Gegenpartei auf ihrer Forderung beharren sollte, sei sie als ungehorsam anzusehen.
    [3.] /6’–7/ Der röm. Kg. entschied, daß die Utrechter Gesandten bis zum nächsten Gerichtstag eine gemäß der Zitation ausreichende Vollmacht für ein rechtliches Verfahren vorlegen müßten. In jedem Fall werde das Verfahren fortgesetzt.5 Diese Entscheidung wurde den Parteien am 27. Mai (quinta post pentecostis) mitgeteilt.
    Die Utrechter Gesandten reichten daraufhin ihre Vollmacht [Nr. 67] ein6, die verlesen wurde.
    /7–7’/ Hg. Georg von Sachsen ließ durch seinen Marschall7 um Bedenkzeit bitten und anschließend erklären, er habe ihre Vollmacht angehört und lasse sie auf sich beruhen. Er erbitte Abschriften davon und von dem kgl. Entscheid sowie um eine Frist, um dazu Stellung nehmen zu können. Falls die Gegenpartei weitere Punkte vorbringen wolle, wolle er diese anhören und sich dazu ebenfalls äußern.
    [4.] /7’/ Die Utrechter Gesandten erbaten eine Abschrift der Zitation, reichten eine in Latein verfaßte Stellungnahme ein [Nr. 372] und beantragten deren Verlesung.
    Š Hg. Georg von Sachsen erhob Einspruch gegen den Vortrag eines lateinischen Schriftsatzes als im Reich und am Kammergericht unüblich. Da er selbst und möglicherweise auch einige der Beisitzer des Lateinischen nicht genügend mächtig seien, könnten ihm daraus Nachteile entstehen. Er beantrage deshalb, die deutschsprachige Gegenpartei zu veranlassen, sich bei dem Verfahren ausschließlich des Deutschen zu bedienen.
    /8/ Der Kg. entschied, daß alle weiteren Schriftsätze in deutscher Sprache eingereicht werden sollten. Anschließend wurde die Utrechter Stellungnahme in der vorgelegten Form verlesen. Hg. Georg erklärte, daß er darauf antworten werde, sobald ihm das Schriftstück in deutscher Übersetzung vorliege. Die Verhandlungen wurden bis zum 1. Juni (erigtag schierst) vertagt.
    [5.] /8’/ 1. Juni 1507. Sachsen reichte eine Erwiderung [Nr. 373] auf den Utrechter Schriftsatz ein.
    [6.] /9–9’/ Kg. Maximilian stellte fest, daß nunmehr Hg. Georg von Sachsen, dann die Gesandten des Bf. von Utrecht und schließlich die Vertreter Groningens [Nr. 378, Pkt. 1] angehört worden seien. Es bestehe keine Notwendigkeit, daß er selbst und die Reichsstände mit der Anhörung der Schriftsätze bemüht würden, da sie von vielen Angelegenheiten in Anspruch genommen würden. Deshalb solle für die Fortsetzung des Verfahrens ein Ausschuß aus Vertretern des Kg., der Kff., der Ff. und der übrigen Stände gebildet werden. Das Urteil solle abschließend jedoch durch den Kg. und alle Stände gesprochen werden.
    Die Deputierten waren Bf. [Heinrich] von Augsburg, der Propst zu Stuttgart [Dr. Ludwig Vergenhans] und Hans Imber (Yngwer) zu Gilgenberg sowie je ein Kurmainzer, ebfl. Magdeburger und Württemberger Rat.8 
    [7.] /9’/ 2. Juni 1507. a Hg. Georg von Sachsen erklärte persönlich vor den kgl. Kommissaren und den zugeordneten Räten, daß er für die weiteren Verhandlungen seinen Marschall und seine anwesenden Räte bevollmächtige, da er persönlich wegen der Reichsangelegenheiten verhindert sei und auch nicht am Verfahren teilnehmen wolle.
    /9’-10’/ Zwischen den beiden Parteien entbrannte ein Streit über die Forderung der sächsischen Vertreter, gemäß dem kgl. Entscheid in deutscher Sprache zu verhandeln. Die nach eigenem Bekunden des Oberdeutschen nicht mächtigen Vertreter Utrechts bestanden auf Latein. Die Deputierten entschieden schließlich, die beiden Parteien getrennt anzuhören und die vom röm. Kg. bereits angenommenen Schriftsätze zu hören. Den Parteien wurde außerdem vorgeschlagen, der Gegenpartei jeweils eine Abschrift eingereichter Schriftstücke zuzustellen und die Fristen zu verkürzen. Die sächsischen Anwälte beantragten, gegen die Gegenpartei ein Kontumazialverfahren einzuleiten, falls sie dem kgl. Bescheid nicht nachkomme. Die Parteien nahmen anschließend die eingereichten Schriftsätze entgegen. Die Fortsetzung der Verhandlungen wurde auf den 7. Juni um 7.00 Uhr anberaumt-a.
    [8.] /10’-11/ 7. Juni 1507. Die Vertreter Utrechts reichten gemäß dem Bescheid der Kommissare ihre Duplik [Nr. 374] ein.
    Die Anwälte Hg. Georgs von Sachsen stellten fest, sie hätten die sogenannte Duplik des Bf. von Utrecht gehört und kämen zu dem Schluß, daß diese nur zur Verlängerung des ŠVerfahrens diene, da sie lediglich die Exzeption wiederhole. Dieses Vorgehen lehnten sie grundsätzlich ab und erneuerten ihren vorigen Antrag. 9  Die Utrechter Vertreter erneuerten den in ihrer Duplik gestellten Antrag und wiesen im übrigen die Vorwürfe der Gegenpartei zurück.
    [9.] /11–11’/ 26. Juni 1507b. Die Utrechter Vertreter ersuchten darum, ihren Standpunkt durch einen weiteren Schriftsatz darlegen zu dürfen. Die sächsischen Anwälte lehnten dies ab, da die Beweisaufnahme bereits abgeschlossen worden sei und die Gegenpartei ohnehin die letzte Eingabe vorgelegt habe. Die Utrechter Anwälte machten geltend, daß es sich nicht um ein neues Schriftstück, sondern lediglich um eine Erläuterung ihrer letzten Erklärung handle. Der Streit wurde zur Entscheidung vor Kg. und Stände gebracht. Deren Beschluß lautete, daß das Utrechter Schriftstück [Nr. 375] angenommen werden solle. Doch sollten die Kommissare und Beisitzer alle neuen Aspekte daraus streichen.
    [10.] /11’/ Als die beiden Parteien zum anberaumten Termin vor den Deputierten erschienen, wurde die Utrechter Eingabe lediglich zur Durchsicht angenommen. Die förmliche Annahme bzw. die Zurückweisung des Schriftstücks sollte erst zum nächsten Gerichtstermin erfolgen.
    [11.] /13/ 9. Juli 1507. Den Parteien wurde mitgeteilt, daß man die Schrift durchgesehen und darin keine neuen Aspekte darin gefunden habe, so daß sie zugelassen werde. Man werde alle Eingaben der Parteien prüfen und weiter darüber verhandeln.
    [12.] /13–13’/ 20. Juli 1507. c Bescheinigung Sixtus Ölhafens für die Parteien-c [Nr. 377].

    « Nr. 370 Klageschrift Hg. Georgs von Sachsen gegen Bf. Friedrich von Utrecht  »

    [1.] Hg. Georg von Sachsen bringt vor Kg. Maximilian und den versammelten Kff., Ff. und Ständen folgende Klage gegen Bf. Friedrich von Utrecht vor: Der röm. Kg. hat mit Zustimmung von sechs Kff. und der [Freiburger] Reichsversammlung seinen Vater Hg. Albrecht von Sachsen und dessen Erben zu Statthaltern über das zum Reich gehörige Friesland eingesetzt1, wozu auch die Stadt Groningen mit ihren Einwohnern zählt. Den friesischen Ständen wurde durch mehrere kgl. Mandate geboten, Hg. Albrecht und seine männlichen Erben als kgl. und Reichsstatthalter anzuerkennen und ihnen zu huldigen.2 Hg. Albrecht und nach ihm Hg. Georg, der als rechtmäßiger Erbe und kraft der kgl. Verfügung Šdie Statthalterwürde angetreten hat, konnten einen Großteil Frieslands in Besitz nehmen. Die ungehorsame Stadt Groningen wurde mitsamt ihren Helfern in die Reichsacht und Aberacht erklärt.3 An die benachbarten Stände und insbesondere auch an Bf. Friedrich von Utrecht gingen entsprechende Exekutionsmandate aus.4 Der röm. Kg. befahl dem Bf. auch mündlich, den Geächteten gegen den mit Vollmacht von Kg. und Reich gegen Groningen vorgehenden Statthalter keinerlei Unterstützung zu gewähren. Auch das gemeine ksl. Recht besagt eindeutig, daß die Stadt dem röm. Kg. und somit auch dessen Statthalter untersteht. Dies belegen auch die vom Kg. ausgestellten Schriftstücke. Hg. Georg als Statthalter belagerte die Stadt unter hohen Kosten mit seinem Heer, so daß sie sich ohne fremde Hilfe nicht länger hätte halten können. Bf. Friedrich jedoch nahm sich Groningens an und unterstützte die Stadt in ihrem Ungehorsam. Er behauptete öffentlich, daß die Stadt nicht reichsunmittelbar sei, sondern ihm und dem Hst. Utrecht unterstehe. Obwohl er, Hg. Georg, diesen Anspruch nicht akzeptierte und auch davon überzeugt ist, daß er nicht belegt werden kann, hat der Bf. ihn dennoch daran gehindert, dem ihm von Kg. und Reich erteilten Auftrag nachzukommen und die Stadt seiner Regierung zu unterwerfen, und ist somit als Helfer Groningens ebenfalls der gegen die Stadt verhängten Strafe verfallen. Er wurde dadurch um über 500 000 fl. geschädigt. Das Vorgehen des Bf. entbehrt jeglicher Rechtsgrundlage.
    [2.] Er bittet deshalb den Kg. und die versammelten Stände, rechtsverbindlich festzustellen, daß die Stadt Groningen unmittelbar dem Reich und somit ihm als dessen Statthalter untersteht, daß er zum gewaltsamen Vorgehen gegen die Stadt befugt und Bf. Friedrich nicht berechtigt war, ihn daran zu hindern, sondern dadurch ebenfalls der gegen Groningen verhängten Strafe verfallen ist. Dem Bf. soll geboten werden, von seinen Ansprüchen bezüglich Groningens zurückzutreten und ihm als Statthalter gegenüber zu gewährleisten, daß er in dieser Sache nichts weiter unternimmt. Außerdem soll ihm die Ersetzung der geltend gemachten Schäden und Unkosten auferlegt werden. An den Bf. soll eine Aufforderung ergehen, sich gegenüber dieser Klage zu verantworten. Er bietet an, für die gemachten Behauptungen Beweise vorzulegen.

    In Konstanz am 21. Mai 1507 dem röm. Kg. und den Reichsständen vorgelegt.5 
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 18–23 (Reinkonz., Aufschr.: Clag wider den Bf. zu Utrich etc.).

    « Nr. 371 Protest der Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht an Kg. Maximilian »

    [1.] Sie haben sich aufgrund der kgl. Zitation bereits vor dem darin anberaumten Termin in seiner Abwesenheit bei den kgl. Räten als Prokuratoren Bf. Friedrichs akkreditiert und Šerscheinen jetzt erneut vor ihm. Sie legen hiermit eine Abschrift der kgl. Zitation [Nr. 66] und ihre Vollmacht [Nr. 67] vor und bitten um Verlesung der beiden Schriftstücke.
    [2.] Aus der Zitation geht eindeutig hervor, daß sie aufgrund der Bitte des Bf. an den Kg., seine Rechte an der Stadt Groningen zu verteidigen, von Amts wegen ausgegangen ist. Demnach sollte der Bf. ab dem 15. Mai in Konstanz persönlich oder durch Bevollmächtigte gegen Hg. Georg von Sachsen als Statthalter in Friesland, der ebenfalls Ansprüche auf die Stadt erhebt, sein Recht vertreten. Der Kg. werde dann mit seinen Räten und den zu dieser Zeit dort versammelten Reichsständen ein Urteil fällen.
    [3.] Im Sinne dieser Zitation hat Bf. Friedrich sie bevollmächtigt und mit den notwendigen Instruktionen versehen, was keineswegs als Säumnis oder Ungehorsam gelten kann. Sie protestieren über den Vorbehalt des Rechtsweges, was ausdrücklich für alle folgenden Handlungen in diesem Verfahren gelten soll. Gleichwohl akzeptieren sie alles, was die Zitation beinhaltet, insbesondere daß Bf. Friedrich um Bewahrung seiner Rechte in Groningen an den röm. Kg. suppliziert hat.
    [4.] Vorbehaltlich dieses Protests erklären sie, daß der Bf. zu der Zeit, als er gegenüber dem röm. Kg. erklärte, daß Groningen ihm und seinem Stift unterstehe, und um die Verteidigung seiner Rechte bat, im unbestrittenen Besitz dieser Stadt war, der auf Schenkungen früherer Kss. und Kgg. gründete.1 Die Einwohner leisteten ihm gegenüber den Untertaneneid und übergaben die Schlüssel der Stadt. Somit nahmen sie ihn, wie dies in allen bfl. Städten seit Menschengedenken üblich ist und auch bei seinen Vorgängern Bf. David von Burgund und Bf. Rudolf von Diepholz der Fall war, als ihren Herrn an. Bf. Friedrich bat den röm. Kg. um die Verteidigung dieser unangefochtenen, sich beinahe über 500 Jahre erstreckenden Possession der Stadt durch die Bff. von Utrecht. Knapp ein Jahr vor Ausstellung des ex officio ergangenen Zitationsmandats sah sich Bf. Friedrich seines Besitzes beraubt. Das Besitzrecht ist also derzeit beeinträchtigt, obwohl es dies nicht war, als der Bf. den Kg. um Schutz bat und Hg. Georg mit Hilfe des in seinem Sold stehenden Gf. Edzard von Ostfriesland Groningen belagerte, mit dem Ergebnis, daß sich die Stadt in dessen Hände ergab. Gf. Edzard konnte in die Stadt einziehen, errichtete darin eine Befestigung und beraubte somit den Bf. und das Hochstift ihres rechtmäßigen Besitzes.
    [5.] Possession und Spoliation setzen sie als offenkundig voraus. Falls die Gegenseite dies bestreitet, bieten sie an, dies in Form einer Exzeptionsschrift zu beweisen. Der Bf. hätte die Belagerung und daraus resultierende Spoliation leicht verhindern können, wenn ihm klar gewesen wäre, daß Hg. Georg beabsichtigte, ihm seinen Besitz wegzunehmen. Denn für die Belagerung ließ dieser auf hochstiftischem Territorium eine Festung errichten, die bis heute von sächsischen Truppen besetzt ist. Bf. Friedrich ging jedoch davon aus, daß Hg. Georg lediglich die Preisgabe der Ommelande durch die Groninger erzwingen wollte. Sie erheben deshalb Einrede und fordern, daß gemäß dem göttlichen, geistlichen und weltlichen Recht zuallererst der Geschädigte wieder in seinen Besitz eingesetzt wird, da gemäß dem ius gentium niemand seines Rechts beraubt werden darf. Sie ersuchen deshalb den röm. Kg. als obersten Richter und Wahrer allen Rechts – und erheben damit auch Einrede –, vor Eintritt in das Verfahren über Groningen, worüber sie ausdrücklich protestieren, die ŠStadt dem Bf. ohne jeden Vorbehalt zurückzugeben. Nach erfolgter Restitution ist dieser bereit, jeder Forderung bezüglich der Rechte an Groningen vor dem zuständigen Richter zu begegnen.
    [6.] Sie hoffen, damit der kgl. Zitation Genüge geleistet zu haben. Sie protestieren ausdrücklich, daß sie nicht instruiert sind, den Bf. gegen eine Klage Hg. Georgs von Sachsen zu vertreten. Der Bf. konnte aus der Zitation keinesfalls entnehmen, daß er sich gegen eine Klage zu verteidigen hat, und gab ihnen deshalb keine entsprechende Weisung mit. Wenn er eine solche Klage befürchtet hätte, wäre er zweifellos entweder in eigener Person erschienen oder hätte mehr und gelehrtere Vertreter, als sie es sind, mit ausreichender Instruktion entsandt.
    [7.] Falls der Bf. aufgrund dieser Klage vorgeladen werden sollte, wird es ihm ein Leichtes sein, seine Unschuld zu beweisen und zu belegen, wie er Hg. Georg in vielerlei Weise bei der Durchführung seines Auftrages – ausgenommen gegen die Stadt Groningen – unterstützt hat.

    In Konstanz am 27. Mai (quinta post pentecostes) 1507 präsentiert und verlesen.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 71’-76, 77’ (lat. Kop., Dorsalverm.: Antwort der von Utrecht auf die erst einleg Hg. Georgen und sein exceptiones. Präsentatverm.: Praesentata quinta post pentecostes Ao. 1507.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 13–17’ (lat. Kop. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen; Präsentatverm. wie A) = B.

    « Nr. 372 Eingabe der Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht »

    [1.] Bezüglich des auf ksl. und kgl. Begnadungen beruhenden Rechts des Hst. Utrecht an der zugleich zur Diözese gehörenden Stadt Groningen ist an erster Stelle zu beachten, daß die Stadt in der Gft. Drente liegt, welche das Hst. bzw. die Bff. seit der Übereignung mit allen Rechten und Zugehörungen bis zum heutigen Tag unangefochten innehaben. 2. Darüber hinaus ist zu bedenken, daß das in der Gft. Drente gelegene Landgut Groningen und das Dorf mit allen damaligen und künftigen Zugehörungen der Utrechter Domkirche geschenkt wurden, wie dies aus der Urkunde Kg. Heinrichs III. von 10401 und aus deren mit dem Rat der Reichsfürsten, darunter Kf. Rudolf von Sachsen und Mgf. Wilhelm von Meißen, erfolgten Bestätigung durch Ks. Karl IV. hervorgeht.2 Auf dieser Rechtsgrundlage besaßen das Stift und die Bff. von Utrecht das Landgut und Dorf Groningen, das durch den Fleiß seiner Einwohner und glückliche Umstände zu der heutigen Stadt wurde. 3. Seit dieser Zeit huldigen die Einwohner Groningens den Bff. von Utrecht als ihren Fürsten und weltlichen Herren. 4. Die Einwohner der Stadt Groningen empfingen Bf. Friedrich bei seinem ersten Einzug in die Stadt und bei allen folgenden Gelegenheiten, wie seine Vorgänger auch, als ihren Herrn und akzeptierten die von ihm eingesetzten Richter. 5. Demnach waren und sind die auf den ksl. und kgl. Donationen beruhenden Rechte des Hochstifts an der Stadt uneingeschränkt und unbestritten. Selbst wenn der auf der Schenkung ruhende Rechtstitel unwirksam geworden wäre, so hätte doch das Hochstift die Stadt seit 500 Jahren mit Šallen Rechten und Zugehörungen in gutem Glauben inne, was seit Menschengedenken unangefochten blieb. 6. Falls Hg. Georg oder sein Vater Hg. Albrecht von Sachsen durch den röm. Kg. irgendeinen Rechtstitel auf die Stadt Groningen zum Nachteil Utrechts erlangt haben sollten, so wäre dieser schon deshalb nichtig, weil in dieser Sache weder Bf. Friedrich noch ein anderer Vertreter des Hochstifts angehört wurden, wie dies rechtlich vorgeschrieben ist.
    [2.] Bf. Friedrich hat aufgrund der an ihn – nicht aufgrund einer Klage, sondern von Amts wegen – ausgegangenen Zitation seine dementsprechend bevollmächtigten Anwälte entsandt, um die Rechte Utrechts an der Stadt Groningen zu verteidigen. Die bfl. Vertreter erheben – gemäß der kgl. Zitation – Einrede und fordern, daß zuallererst der gewaltsam seiner Rechte beraubte Bf. uneingeschränkt wieder in den Besitz der Stadt eingesetzt werden muß. Danach ist er bereit, sich gegen jegliche Ansprüche Dritter vor dem zuständigen Richter zu verteidigen. Sie beantragen demnach im Namen des Bf., das Hauptverfahren erst nach dessen Restitution zu eröffnen.
    [3.] Desweiteren fordern sie, nicht aufgrund einer Klage Hg. Georgs zu prozessieren, womit der Bf. aufgrund der ihm zugestellten kgl. Zitation nicht rechnen konnte. Der Streit mit Hg. Georg von Sachsen betrifft dessen Vorgehen in Friesland, von Groningen war nie die Rede. Dem Bf. war zu keinem Zeitpunkt bewußt, daß es den Hgg. von Sachsen darum ging, dem Hochstift und ihm Groningen wegzunehmen. Deren Vorgehen gegen die Stadt bezweckte nach seiner Überzeugung vielmehr, diese zur Preisgabe der Ommelande zu zwingen. Da der Bf. und das Hochstift in den Ommelanden keinerlei Rechte beanspruchen, wurde der dortige Widerstand gegen die Hgg. von Sachsen auch in keiner Weise unterstützt. Wenn der Bf. den Eindruck gewonnen hätte, daß die Belagerung Groningens darauf abzielte, ihm und seinem Stift die Stadt wegzunehmen, wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, dieses Unternehmen zu unterbinden.
    [4.] Abschließend beantragen sie, ihnen die Eingabe lateinischer Schriftstücke zu erlauben, da ihre Unterlagen und Instruktion in dieser Sprache verfaßt sind und es sich um eine kirchliche Angelegenheit handelt, die besser in Latein verhandelt wird – und nicht in einer Sprache, deren die Anwälte nicht mächtig sind. Es besteht sonst die Gefahr, daß ihnen im Verfahren Fehler unterlaufen, die nicht mehr zu korrigieren sind. Da die Gegenseite über genügend rechtsgelehrte Vertreter verfügt, stellt es für sie keinen Nachteil dar, wenn in lateinischer Sprache verhandelt wird oder lateinische Schriftsätze eingereicht werden.

    In Konstanz am 27. Mai 1507 präsentiert.3 
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 1–4’ (lat. Kop., Überschr.: Summaria et brevis informatio de et super jure, quod semper habuit ecclesia Traiectensis et pro tempore eius nomine reverendus pater et illustris dominus Federicus marchio Badensis eiusdem ecclesie episcopus in oppido de Gröningen habet.).

    « ŠNr. 373  Replik Hg. Georgs von Sachsen gegen Bf. Friedrich von Utrecht an Kg. Maximilian und Reichsstände »

    [1.] Er akzeptiert sämtliche in den drei von der Gegenseite vorgelegten Schriftstücken (Zitation, Vollmacht, Exzeption [Nrr. 66, 67, 371]) gemachten Angaben, die zu seinen Gunsten und gegen den Bf. von Utrecht sprechen, als deren eigene Aussage, widerspricht jedoch sämtlichen für ihn nachteiligen Behauptungen.
    [2.] Durch die Vorlage einer Abschrift der Zitation und durch ihr Erscheinen haben die bfl. Anwälte den Inhalt der Zitation bekannt. Daß Bf. Friedrich und er wegen ihres konkurrierenden Anspruches auf die weltliche Herrschaft über die Stadt Groningen zu diesem Gerichtstag nach Konstanz geladen wurden, um darüber angehört zu werden und ein Urteil zu erhalten, haben die bfl. Anwälte am Anfang ihrer vorgeblichen Exzeption eingeräumt. Dort bekennen sie, wie in der kgl. Zitation auch formuliert ist, daß der Bf. gegenüber dem röm. Kg. die Zugehörigkeit Groningens zu seinem Hochstift beansprucht habe, er mit ihm in einen Konflikt geraten und jetzt wegen des von ihm erhobenen Anspruches hierher vorgeladen worden sei; die Anwälte seien vom Bf. zu diesem Rechtstag deputiert worden und bevollmächtigt, wegen dieser Sache Klage gegen Sachsen zu erheben sowie umgekehrt den Bf. gegen seine Klage zu verteidigen – wie dies auch ihre vorgelegte Vollmacht besagt.
    [3.] In ihrer Eingabe behaupten die bfl. Anwälte den Besitz, das Eigentumsrecht und die weltliche Herrschaft des Bf. bzgl. Groningens. Er, Hg. Georg, hat aufgrund der kgl. Ladung in der Klageschrift seine Rechte auf Groningen begründet und die ihm Kosten und Schäden verursachende Behinderung durch den Bf. bei deren Geltendmachung dargelegt. Er hat um Stellungnahme der Gegenseite gebeten, damit das Verfahren rechtshängig wird, und die Beweisführung angeboten. Die gegnerischen Anwälte haben jedoch weder auf seine Klage geantwortet noch den Anspruch des Bf. auf Groningen in Form einer Klage geltend gemacht. Sie mißachten dadurch den angesetzten Rechtstag, sie protestieren, sich nicht weiter in das Verfahren einzulassen als sie sich verpflichtet glauben, und sie erheben in unrechtmäßiger Weise Einrede. Somit hat die Gegenseite der kgl. Ladung nicht Folge geleistet, wie dies auch aus ihrer Exzeptionsschrift hervorgeht. Auch trifft es nicht zu, daß der Bf. aufgrund der Ladung nicht mit der sächsischen Klage rechnen konnte. Denn abgesehen von seinem Anspruch auf Groningen bestand sonst kein Streit mit dem Bf. Er konnte sich auch mit dem Bf. vertraglich einigen1, doch stellte sich dieser dann wieder gegen ihn. Der Bf. mußte sich deshalb über den Gegenstand der Zitation und die sich daraus für ihn ergebenden Obliegenheiten im klaren sein, ungeachtet ob die Zitation ex officio ausging, was nicht ausdrücklich der Fall war. Auch die Form der kgl. Zitation weist nicht darauf hin, daß diese ex officio ausging, in dem Sinne, daß der Kg. von Amts wegen gegen den Bf. eine Klage anhängig machen wollte, sondern es ging darum, die Ansprüche beider Parteien auf Groningen zu klären und rechtlich darüber zu entscheiden, um Unfrieden im Reich zu verhindern, wie dies dem Kg. von Amts wegen obliegt. Die zu Beginn und am Ende der Šsogenannten Exzeption der Gegenseite vorgebrachten Rechtfertigungen sind deshalb in sich unschlüssig und somit zurückzuweisen.
    [4.] Die Exzeption der Gegenseite ist außerdem nicht mit dem Gemeinen Recht vereinbar und kann den mit der sächsischen Klage eröffneten Prozeß nicht verhindern. Denn auch laut Exzeption hat nicht er als Kläger, sondern Gf. Edzard von Emden und Ostfriesland die Stadt eingenommen und somit das Unrecht am Bf. verübt. Das Gemeine Recht jedoch besagt, daß in der Hauptsache ungeachtet der Spoliation durch einen Dritten weiterprozessiert werden soll. Daß der Gf. zu dieser Zeit sächsischer Rat und Diener war – a zu welchem Punkt er sich weitere Darlegungen vorbehält-a –, ist demgegenüber unerheblich, da das Gemeine Recht besagt, daß eine gewaltsame Entsetzung durch einen Diener ohne Wissen und in Abwesenheit seines Herrn als Tat des Dieners zu werten ist. Dieses von der Gegenseite vorgebrachte Argument ist somit unerheblich; die vermeintliche Exzeption ist in diesem Punkt widerlegt.
    [5.] Die bfl. Anwälte machen in ihrem Protest geltend, daß sie den Tatbestand des Spoliums allein in Form einer Exzeption vorgebracht hätten. Dennoch bitten sie, den Bf. vor Eröffnung des Verfahrens zu restituieren. Diese Vorgehensweise widerspricht der Rechtsordnung. Da laut den bfl. Anwälten die Einnahme Groningens erfolgt war, bevor die kgl. Zitation ausging, hat die Exzeption keine Wirkung. Da das Verfahren vor der Zitation nicht anhängig war, kann es auch nicht angefochten werden.
    [6.] Die bfl. Anwälte waren zu ihrem überdies in unzulässiger Weise gegen ihn vorgetragenen Vorwurf der Spoliation aus einem weiteren Grund nicht berechtigt: Selbst wenn er Groningen persönlich eingenommen oder dessen Einnahme befohlen hätte, so hätte er doch damit weder gegen den Bf. noch sonst jemanden ein Unrecht begangen. Die Stadt war als offenbare Feindin von Kg. und Reich in die Reichsacht erklärt worden und hatte den Schutz des Reichsfriedens verloren. Er war deshalb durch Kg. und Reich sowie gemäß Goldener Bulle, dem Gemeinen Recht und der Wormser Landfriedensordnung befugt, die Stadt zu belagern und gewaltsam zu unterwerfen. Er konnte deshalb in dieser Angelegenheit kein Unrecht begehen. Dies kann er anhand des Gemeinen Rechts und mittels der im Namen von Kg. und Reich ausgegangenen Mandate belegen. Trotz Aufforderung durch ihn hat der Bf. damals keine stichhaltigen Gründe vorgebracht, die gegen sein Vorgehen aufgrund der kgl. Mandate gesprochen hätten. Er hat auch erklärt, die Rechte des Bf. und des Stifts nicht schmälern zu wollen, auch wenn er Groningen eingenommen habe – dieser Meinung ist er noch. Der Bf. hat seinen angeblichen Rechtsanspruch jedoch nie dargelegt, wie er auch jetzt nur Ausflüchte gebraucht.
    [7.] Da die bfl. Anwälte auf seine Klage nicht geantwortet und dies am Schluß ihrer sogenannten Exzeption auch abgelehnt haben, sondern fehlende Anweisungen des Bf. diesbezüglich geltend machten, beschuldigt er die Gegenpartei des Ungehorsams und beantragt, zur Beweisführung zugelassen zu werden und das Verfahren gemäß der Wormser Reichsordnung bis zum Endurteil und zu dessen Exekution fortzusetzen.

    In Konstanz am 1. Juni 1507 übergeben.
    Š Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 158–165’ (Kop., Präsentatverm., Aufschr.: A. Duplicen Hg. Georgen.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 23–30 (Reinkonz., Aufschr.: Replica ducis Georgii contra putefactam exceptionem episcopi Traiectensis.) = B.

    « Nr. 374 Duplik Bf. Friedrichs von Utrecht gegen Hg. Georg von Sachsen an den Ausschuß »

    [1.] Die Adressaten, Bf. Heinrich von Augsburg und die übrigen sechs Deputierten von Kg. und Reichsständen1, haben ihnen, den bfl. Prokuratoren, am vergangenen Mittwoch (goedensdach) [2.6.] die sächsische Replik zugestellt, mit der Aufforderung, bis heute ihre Duplik einzureichen. Sie erscheinen demgemäß heute zur Vorlage der Duplik, erneuern allerdings zugleich ihren schon früher eingelegten Protest [Nr. 371, Pkt. 3]. Sie haben vier gelehrte Drr., zwei davon in Konstanz wohnhaft, beauftragt, die Replik, die sie – wie bereits den Deputierten gegenüber erklärt – nicht verstanden haben oder übersetzen konnten, in das Lateinische zu übertragen. Diese mußten jedoch einräumen, nicht alle Artikel begriffen zu haben. Ihre Bitte an die Deputierten, ihnen auf ihre Kosten einen Rechtsgelehrten für die Übersetzung zur Verfügung zu stellen, wurde zwar abschlägig beschieden. Sie wiederholen jedoch diesen Antrag. Nur so ist zu gewährleisten, daß ihre Duplik nicht auf einem irrtümlichen Verständnis der Replik basiert.
    [2.] Sie bekräftigen angesichts der sächsischen Replik noch einmal ihren früheren Protest und ihre Exzeption und erklären, daß ihr Stillschweigen zu einzelnen Punkten keinesfalls als Zustimmung gelten darf. Sie anerkennen diese Replik im übrigen nicht als solche, da sie nicht den Anforderungen eines rechtlichen Verfahrens genügt. Sie erneuern ebenso ihren Protest, daß sie den röm. Kg. nicht als den für diesen Fall zuständigen Richter anerkennen. In diesem Verfahren kann es ausschließlich um die Feststellung der Tatsache gehen, daß Bf. Friedrich durch die Besetzung Groningens um sein rechtmäßiges Eigentum gebracht wurde.
    [3.] Sie bestreiten die Behauptung der sächsischen Replik, wonach der Bf. ungehorsam gegen die kgl. Zitation war, als er seine Prokuratoren in ihrer Exzeption protestieren ließ, daß ihr Erscheinen keineswegs eine Anerkennung der kgl. Gerichtsbarkeit in diesem Fall impliziere. Sie erneuern vielmehr ihren in der Exzeption geltend gemachten Vorbehalt bezüglich dieses Verfahrens.
    [4.] Es ist ebenfalls unzutreffend, daß Bf. Friedrich vorgeladen worden sei, um seine Rechte bzgl. Groningens zu beweisen. Vielmehr genügt die in der Exzeption gemachte und hiermit in dieser Duplik erneuerte Feststellung, daß diese Rechte seit Menschengedenken nicht in Frage gestellt wurden, und das damit verbundene Angebot, eventuellen Forderungen auf dem Rechtsweg zu begegnen, sobald das Eigentumsrecht Bf. Friedrichs an Groningen wiederhergestellt ist. Wenngleich in der bfl. Vollmacht ihre Befugnisse für ein Rechtsverfahren definiert wurden, so sind sie doch nicht verpflichtet, davon Gebrauch zu machen, bevor nicht die Voraussetzungen für ein solches Verfahren hergestellt sind.
    Š[5.] Bezüglich des in der Replik geltend gemachten Arguments, daß der Bf. aufgrund der Zitation hätte wissen müssen, daß eine Klage gegen ihn anhängig gemacht werde, da zwischen Hg. Georg und Bf. Friedrich kein anderer Streit als um Groningen und die ihm als Statthalter aufgrund der Politik Utrechts entstandenen Kosten und Schäden bestehe, wenden sie ein, daß der Bf. nicht verpflichtet war, die Zitation in dieser für ihn nachteiligen Weise auszulegen; von einer Forderung über 500.000 fl. stand darin nichts. Ebenso darf dem Bf. der Umstand, daß er Hg. Georg wegen der Aneignung Groningens noch nicht rechtlich belangt hat, nachteilig als Arglist ausgelegt werden. a Der Bf. hat – wie bereits in der Exzeption dargelegt – dem Hg. jederzeit alle notwendige Hilfe geleistet-a, außer gegenüber der Stadt Groningen, wo er zur Verteidigung des Eigentums der Utrechter Kirche verpflichtet war.
    [6.] Die sächsische Replik argumentiert, daß kein Unterschied bestehe, ob die kgl. Zitation von Amts wegen oder aufgrund der Klage einer interessierten Partei ausgegangen sei, und fordert deshalb, aufgrund der sächsischen Klage in ein Rechtsverfahren einzutreten. Sie machen hingegen darin einen erheblichen Unterschied aus. Diesen zu beachten, ist die Pflicht des Richters, um Nachteile für eine Partei auszuschließen, wenn nicht zu erkennen ist, ob eine Zitation aufgrund einer Klage ausgegangen ist. Daß die kgl. Zitation an den Bf. ex officio erging, räumte die Gegenseite in ihrer Replik selbst ein, wenn es heißt, daß es dem röm. Kg. darum ging, Streit zwischen den beiden Parteien um die Stadt Groningen zu verhüten, was ja die Aufgabe des Kg. ist.
    [7.] Die sächsische Replik macht geltend, daß die Spoliation nicht durch Hg. Georg, sondern durch einen Dritten, Gf. Edzard von Emden, und ohne sein Wissen erfolgt sei, weshalb das Hauptverfahren fortgesetzt werden müsse. Dabei sei es auch ohne Bedeutung, daß der Gf. zu dieser Zeit in sächsischen Diensten gestanden habe. Doch war damals in den Niederlanden allgemein bekannt, daß das Vorgehen gegen Groningen dazu diente, die Stadt in die Gewalt Hg. Georgs zu bringen und daß Gf. Edzard dabei als dessen oberster Feldhauptmann fungierte. Unbestreitbar ist, daß Hg. Georg seine Truppen vor der Stadt beließ – und nicht etwa abgezogen hat –, bis diese schließlich gewaltsam eingenommen wurde. Angesichts dieser Faktenlage hat die Replik gegenüber dem Interdikt „Unde vi“2 keinen Bestand. Die Exzeption ist dadurch rechtlich unangreifbar, die Restitution des Spoliierten hat jeglicher Klage Dritter voranzugehen, auch wenn diese nicht im Besitz des Spoliums sind. Bf. Friedrich ist nicht verpflichtet, sich in ein Rechtsverfahren gegen Hg. Georg einzulassen, solange ihm Groningen nicht zurückgegeben wurde.
    [8.] Das Argument der gegnerischen Replik, daß die Exzeption ungültig sei, da die Spoliation vor der kgl. Zitation datiere, ist nicht zulässig. Entscheidend ist, daß die Exzeption vor Eintritt in das rechtliche Verfahren stattfindet. Es bleibt dabei, daß vor Eintritt in die Hauptverhandlungen Groningen an den Bf. zurückgegeben werden muß.
    [9.] Gegen das Argument, Hg. Georg habe in Vollzug des kgl. Achturteils gegen die Stadt kein Unrecht begehen können und Bf. Friedrich habe auch kein Unrecht gegen sich geltend Šgemacht, wenden sie ein, daß der Bf. auch dann nicht in seinen Rechten beeinträchtigt werden darf, wenn seine Untertanen ohne seine Mitwirkung ein Unrecht begangen haben sollten.
    [10.] Hinsichtlich der Erklärung Hg. Georgs, die Rechte des Hst. Utrecht nicht schmälern zu wollen, bitten sie, es auch so zu halten.
    [11.] Stellen fest, daß Bf. Friedrich der ausgegangenen Zitation in ausreichendem Maße nachgekommen ist, so daß nicht gegen ihn als Ungehorsamen prozessiert werden darf. Ebensowenig darf die Klage Hg. Georgs gegen den Bf. zugelassen werden, solange dieser nicht Groningen zurückerhalten hat.

    In Konstanz am 7. Juni 1507 an die Deputierten des Kg. und der Reichsstände übergeben.3 
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 32–41’ (niederdt. Kop. mit lateinischen Randvermerken, vermutlich Hd. H. Goede, die teils den Inhalt kennzeichnen, teils Argumente für die sächsische Gegendarstellung enthalten; Präsentatvermerk).

    « Nr. 375 Eingabe (Quadruplik) der Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht an den Ausschuß »

    [1.] Sie erklären vor dem kgl. Kommissar Bf. [Heinrich von Augsburg] und den zugeordneten Beisitzern in Form einer Quadruplik, daß sie ungeachtet der sächsischen Triplik1 an der Exzeption festhalten und diese bekräftigen.
    [2.] Erklären noch einmal wie schon in der Duplik mit Hinblick auf ihre Spolieneinrede, daß die Belagerung Groningens unbestreitbar auf Befehl Hg. Georgs hin durchgeführt wurde und daß Gf. Edzard von Emden als dessen besoldeter Heerführer die Stadt eingenommen hat. Da die Gegenseite diese offenkundige Tatsache bestreitet, bieten sie ergänzend zur Exzeption und Duplik die Beweisführung für die folgenden Punkte an:
    [3.] Tatsache ist, daß Hg. Georg Groningen mit einem Heer eingeschlossen und belagert hat, daß er Gf. Edzard als seinen besoldeten Rat zum Befehlshaber über dieses Heer eingesetzt hat, daß die im Namen und auf Kosten Hg. Georgs erfolgte Belagerung bis zur Einnahme der Stadt fortgesetzt wurde und daß das hgl. Heer nicht vor, sondern erst nach der Einnahme abgezogen wurde. Die Belagerung war die Ursache der Spoliation. Daraus folgt, daß Hg. Georg um das Vorgehen Gf. Edzards gegen die Stadt und deren Eroberung wußte und dies billigte.
    [4.] Es ist weiterhin Tatsache, daß die Bff. von Utrecht seit mehr als 100 Jahren und länger als Menschengedenken bis zur Eroberung durch die Gegenpartei die rechtmäßige Obrigkeit der Stadt Groningen waren und als solche auch anerkannt wurden, daß umgekehrt die Stadt unmittelbar Bf. und Hst. zugehörig ist und daß die Einwohner der Stadt bis zur Spoliation niemandem außer den Bff. von Utrecht als ihren Herren gehuldigt haben.
    [5.] Ebenso entspricht es den Tatsachen, daß Bf. Friedrich den Groningern zu dem Vergehen, weswegen sie der Reichsacht verfielen, keinerlei Veranlassung gab noch sie dabei Šin irgendeiner Weise unterstützte oder unterstützt, sondern sich aus dieser Angelegenheit heraushielt. Die Groninger wurden niemals wegen dieses verübten Unrechts vor Bf. Friedrich verklagt, er hätte in dieser Sache niemandem sein Recht verweigert. Der Bf. wurde in die Achterklärung gegen Groningen nicht einbezogen. Das kgl. Mandat gegen Groningen, auf das sich die Gegenseite beruft, darf deshalb keine negativen Konsequenzen für den Bf. zeitigen. Es ist überdies zu bezweifeln, daß das kgl. Mandat einen dahinlautenden Passus enthielt. Man muß sich wundern, daß die Gegenpartei ernsthaft die Auffassung vertritt, durch das gewaltsame Vorgehen gegen die Stadt dem Bf. von Utrecht keinen Schaden zugefügt zu haben.
    [6.] Sie erneuern deshalb die in der Exzeption und Duplik vertretene Position, daß die Klage Hg. Georgs gegen Bf. Friedrich unzulässig ist, solange nicht die Spoliation rückgängig gemacht wurde. Behalten sich Änderungen an ihrer Quadruplik vor.

    Am 26. Juni 1507 in Konstanz den Deputierten von Kg. und Reichsständen übergeben.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 42–46 (Kop., Aufschr.: Traiectensis quadruplica, sabbato St. Johannis et Pauli [26.6.].).

    « Nr. 376 Supplikation Hg. Georgs von Sachsen an Kg. Maximilian (und Reichsstände) »

    [1.] Der Kg. hat Bf. Friedrich von Utrecht und ihn auf diesen RT vor sich und die Versammlung der Reichsstände zitiert. Laut der Zitation sollte jede Partei ihren Rechtsanspruch auf die Stadt Groningen begründen, worauf durch Kg. und Reichsversammlung verhandelt und ein Urteil gefällt werden sollte. Er hat seinen Anspruch in seiner Klage begründet, die Stellungnahme der Gegenseite dazu gefordert und um ein Urteil gebeten. Auch hat er sich vorbehalten, seine Klageschrift zu modifizieren oder zu erweitern, und die Vorlage von Beweisen angeboten. Er hatte erwartet, daß die Gegenpartei ebenfalls gemäß der kgl. Zitation verfahren und daß auf diesem RT ein Urteil ergehen würde, wem Groningen zusteht. Er hätte auch erwartet, daß die unzulässige Exzeption der Gegenpartei gemäß seinem Antrag nicht zugelassen würde. Er hat dabei erstens angeboten – und tut dies noch – zu beweisen, daß er selbst und sein Vater Hg. Albrecht gegen Friesland und Groningen ausschließlich gemäß den Mandaten des Kg. und des Hl. Reiches vorgingen, daß ein kgl. Mandat ihn auch eigens zur Belagerung Groningens ermächtigte1 und der Kg. ihm zu diesem Zweck Geschütze und 1000 Kriegsknechte schickte. Weder er noch sein Vater können deshalb unrechtmäßiger Gewalt oder einer Besitzentsetzung bezichtigt werden. Falls diese Tatbestände zu konstatieren wären – was er nicht zugesteht –, so wären sie doch nicht ihm, sondern dem röm. Kg. und dem Hl. Reich anzulasten. Den Reichsuntertanen darf kein Nachteil daraus entstehen, daß sie dem Reichsoberhaupt und dem Reich gehorchen. Zweitens hat er die Beweisführung darüber angeboten, daß die Groninger ihm gemäß Acht und Aberacht mit ihrem Leben und ihrer Habe verfallen waren, so daß er sich bei seinem Vorgehen gegen sie keines Unrechts und keiner Besitzentsetzung schuldig machen konnte. Die Gegenseite kann demgegenüber nicht geltend machen, daß das Handeln der Stadt die Rechte des Bm. Utrecht nicht tangiert. Genau diese Rechte gesteht er der Gegenseite nicht zu; Šsie hat dafür auch keine Beweise vorgelegt. Drittens hat Gf. Edzard von Emden, wie der Kg. weiß, die Stadt ohne sein Vorwissen und seine Zustimmung, auch nicht in seinem Namen, sondern, wie der Gf. selbst schreibt, im Namen des Reiches erobert. Demnach wurden die angeblichen Rechte des Bf. nicht tangiert; er, Hg. Georg, hat niemanden seines Eigentums entsetzt. Dem röm. Kg. obliegt die Rechtsprechung, er hat überdies triftige Gründe, die Einrede der Gegenseite zu verwerfen und das Verfahren ohne weiteren Aufschub gemäß der Zitation fortzusetzen, insbesondere weil – viertens – er das gut befestigte Groningen schwerlich wieder in Besitz nehmen kann, auch wenn ihm das Eigentumsrecht daran zugesprochen wird, und – fünftens – zumal wenn Gf. Edzard im Falle eines langwierigen Prozesses die Befestigungen der Stadt weiter ausbauen kann.
    [2.] Er hat aus diesen Gründen ihn und die versammelten Kff. und Ff. mehrmals gebeten, dafür zu sorgen, daß ihm gemäß der Zitation im Hauptverfahren gegen den Bf. von Utrecht und die Stadt Groningen ungeachtet der Exzeption möglichst rasch zu seinem Recht verholfen wird. Wie sein berechtigtes und begründetes Anliegen bislang beschieden und das Verfahren deshalb in die Länge gezogen wurde, das wissen Kg. und Fürsten. Für den Fall, daß sie die Angelegenheit, wegen der er herzitiert wurde, noch zu dem von ihm erbetenen Abschluß bringen wollen, wird er eine entsprechende Vollmacht hinterlassen. Falls dem aber nicht so ist, kann er hier nicht länger auf sein Recht warten, sondern muß seine Angelegenheit Gott befehlen und sie in dem Stand belassen, wie sie vor der kgl. Zitation war.

    s.l., s.d. jedoch Konstanz, vermutlich kurz vor dem 20. Juli 1507.2 
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 62–64’ (Kop.).

    « Nr. 377 Bescheinigung Sixtus Ölhafens (kgl. Sekretär) für die Parteien »

    [1.] Erklärung Hg. Georgs von Sachsen und der Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht über die Annullierung des in Konstanz geführten Verfahrens; [2.] Bescheinigung Sixtus Ölhafens darüber für beide Parteien.

    Act. Konstanz, 20. Juli 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 246–246’ (Or.) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 13–13’ (dem Protokoll [Nr. 369] inserierte Kop.) = B.
    Druck: Moser , Kanzlei II, Nr. 29, S. 130f.
    Kurzregest: Baks , Inventaris, Nr. 809, S. 205.

    [1.] /246/ Hg. Georg von Sachsen und die Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht erschienen vor dem röm. Kg. und erklärten, daß sy in hofnung guetlicher einigkeit und vertrag sich guetlich miteinander vereint, das die obbestympt kgl. außgegangen ladung, und was (als obsteet) von inen bederseyt im rechten darauf furgebracht und gehandelt ist, auf ditsmal aufgehaben sein, also das solich ladung und was (als yetz steet) darauf Šfurgenomen und getan ist, sy beyd teyl noch ir yeden nichts bynden, verpflichten oder zu frumen oder nachtayl gelangen, sonder die sachen und ir yedes gerechtigkeit steen soll, als wie die vor außgang solicher ladung und anfang dits rechten gestanden sein. Und so unser allergnst. H. Kg. obbestympt hinfur in den sachen von beden oder ir einem teyl ferrer angelangt, wurde sich sein kgl. Mt. wol unverweyslich und gnediglich darin wissen zu halten.
    [2.] Dise bekantnus und ansag ist also zu disen acta verzeichnet und des yedem teyl /246’/ ein zetl zu gedechtnus geben. Mit mein, Sixten Olhafen, kgl. secretarien, hand verzeichnet. Actum ut supra.  Sixtus Olhafen, a regius secretarius subscripsit-a.1

    «5.1.2. Sachsen gegen Groningen »

    « Nr. 378 Protokoll über die Schiedsverhandlungen zwischen Hg. Georg von Sachsen und der Stadt Groningen »

    [1.] Eröffnung der Verhandlungen am 1. Juni, Bildung eines Ausschusses; [2.] Verhandlungen am 2. Juni: Bevollmächtigung der Anwälte Hg. Georgs von Sachsen; Verfahrensfragen; [3.] Protest Sachsens gegen die Vollmacht der Groninger Anwälte; [4.] Verhandlungen am 9. Juni: Einreichung einer weiteren Vollmacht und eines Schriftsatzes durch die Groninger Anwälte; [5.] Verhandlungen am 10. Juni: Einreichung eines Schriftsatzes durch die sächsischen Anwälte; Antrag Groningens auf Vertagung der Verhandlungen; [6.] Verhandlungen am 12. Juni: Einreichung eines Schriftsatzes durch die Groninger Anwälte; Verfahrensfragen; [7.] Verhandlungen am 14. Juni: Einreichung eines Schriftsatzes durch die sächsischen Anwälte; Š[8.] Entscheidung der Deputierten über eine Verfahrensfrage; [9.] Bescheinigung des kgl. Sekretärs Sixtus Ölhafen für die Parteien vom 29. Juli.

    Act. Konstanz, 1. Juni-14. Juni, 29. Juli 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 32–44 (Konz. von verschiedenen Händen, Aufschr.: Prothocol Hg. Georg contra die stat Gruningen.).

    [1.] /33–33’/ 1. Juni 1507. Hg. Georg von Sachsen erklärte vor Kg. und Reichsständen, daß der Kg. Groningen vorgeladen habe, um sich gegen seine Klage zu verteidigen. Der Hg. legte eine Abschrift der kgl. Zitation [Nr. 68] vor und bat um deren Verlesung. Darauf traten die Vertreter der Stadt vor und übergaben eine Vollmacht [Nr. 69], die ebenfalls verlesen wurde. Hg. Georg ließ erklären, daß er dieses Schriftstück auf sich beruhen lasse und sich im Moment nicht dazu äußern könne. Er bitte deshalb um Bedenkzeit und gegebenenfalls um die Gewährung einer Frist für die Abfassung einer Stellungnahme.
    /34/ Der röm. Kg. beschied die beiden Parteien, daß ihr Streit wegen der Inanspruchnahme von Kg. und Ständen durch eine Vielzahl von Angelegenheiten vor Deputierten verhandelt werden sollten. Das Urteil solle allerdings durch Kg. und Stände gesprochen werden.
    Zum Kommissar wurde Bf. Heinrich von Augsburg ernannt, Deputierte für den röm. Kg. waren der Propst zu Stuttgart [Dr. Ludwig Vergenhans] und Hans Imber von Gilgenberg. Die Ebff. von Mainz und Magdeburg, Hg. Albrecht [von Bayern] und Hg. [Ulrich] von Württemberg stellten je einen Rat.
    [2.] /34–35/ 2. Juni 1507. Verhandlungen vor der Schiedskommission.1 
    [3.] /35’-38/ Dr. Henning [Goede] als sächsischer Vertreter legte Protest ein: Hg. Georg habe die aufgrund der Entscheidung Kg. Maximilians am vergangenen Dienstag [1.6.] von den Anwälten Groningens vorgelegte sogenannte Vollmacht studiert und festgestellt, daß sie schon nach formalen Kriterien unzureichend sei; so fehlten einige der üblichen Klauseln. Insbesondere aber verstoße es gegen geltendes Recht, wenn die unter Acht und Bann stehenden Groninger darin feststellten, Gegenklage zu erheben. Die Anwälte Hg. Georgs lehnten es deshalb ab, die Vollmacht zuzulassen. Auch der Richter müsse im Sinne einer reibungslosen Umsetzung seines Urteils ein Interesse daran haben, daß die Vertreter der Parteien ausreichend bevollmächtigt seien. Die sächsischen Anwälte stellten die Entscheidung, ob die Vollmacht ausreichend sei, den Deputierten anheim. Falls diese so befinden sollten, so beantragten sie im Namen Hg. Georgs, daß die Groninger Anwälte für die Widerklage eine Bürgschaft stellten. Der Anwalt der Gegenseite sei verpflichtet, vor der Litiskontestation alle rechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen. Falls dieser sich weigere oder dies nicht tun könne, solle er nicht zugelassen und gegen Groningen ein Kontumazialprozeß eingeleitet werden. Dem Hg. von Sachsen sei dagegen gemäß der Wormser Ordnung2 die Fortsetzung des Prozesses bis zum Endurteil zu gestatten.
    Der Vertreter Groningens [Dr. Hendrik Elderwolt] erbat eine Abschrift des sächsischen Protests und Gewährung einer Frist für seine Gegendarstellung.
    ŠDie sächsischen Anwälte erwiderten, daß sie den Protest nicht schriftlich formulieren wollten, da die Sache wichtig sei und dem Hg. daraus Nachteile entstehen könnten. Doch stellten sie es der Entscheidung der Deputierten anheim, ob der Gegenseite eine Abschrift übergeben werden solle oder nicht. Dieser dürfe gegebenenfalls für ihre Gegendarstellung allerdings nur eine kurze Frist eingeräumt werden.
    [4.] /38–39/ 9. Juni 1507. Der Anwalt der Stadt Groningen reichte eine weitere Vollmacht ein.3 Die Anwälte Hg. Georgs verwiesen auf ihren früheren Protest und stellten fest, daß der Groninger Anwalt von Anfang an eine zweite Vollmacht bei sich gehabt, jedoch nicht vorgelegt habe. Sie akzeptierten die Vorlage der neuen Vollmacht. Falls der Anwalt nunmehr ausreichend bevollmächtigt sei, so seien sie einverstanden, ihn zum Verfahren zuzulassen; falls nicht, sei das Verfahren dessenungeachtet fortzusetzen.
    Der Groninger Vertreter reichte daraufhin eine Einrede (E) ein4 und bat um deren Verlesung. Die Anwälte Hg. Georgs machten geltend, daß die Anhörung der Einrede unnötig sei, nachdem sie die Vollmacht akzeptiert hätten. Der Groninger Anwalt wiederholte seine Bitte mit dem Hinweis, daß er weitere Verhandlungen auf diesem Tag nicht erwartet habe.
    Der Anwalt Groningens führte weiter aus, daß die Gegenpartei seine zuletzt eingereichte Vollmacht akzeptiert habe, und bat deshalb um die Verlesung seiner Einrede (F) [Nr. 382] gegen die sächsische Klageschrift.
    Die sächsischen Anwälte bestätigten, daß sie diese sogenannte Einrede angehört hätten, und baten um Vertagung bis zum 10. Juni.
    [5.] /39–39’/ 10. Juni 1507. Die sächsischen Anwälte reichten ein weiteres Schriftstück (G) [Nr. 383] ein. Die Gegenpartei erhielt davon eine Abschrift.
    Der Anwalt Groningens erbat einen Aufschub unter Hinweis auf seine schlechten Deutschkenntnisse. Er müsse seine Schriftsätze zuerst in Latein verfassen und danach in das Deutsche übersetzen.
    Die sächsischen Anwälte brachten demgegenüber Gründe für eine knappe Fristsetzung vor.
    Die Verhandlung wurde auf Samstag [12.6.] (13.00 Uhr) vertagt.
    [6.] /40/ 12. Juni 1507. Der Groninger Anwalt reichte ein Schriftstück [Nr. 384] ein, das anschließend verlesen wurde.
    Die Anwälte Hg. Georgs erklärten, die vermeintliche Duplik angehört zu haben, und erneuerten dagegen ihre Replik. Sie baten erneut um Zulassung zum Beweis der Klageartikel, wohingegen der Antrag der Gegenseite schon aufgrund formaler Mängel abgewiesen werden sollte.
    /40’/ Die Anwälte Groningens erbaten eine Abschrift der sächsischen Triplik [Nr. 385] und eine Fristsetzung für ihre Quadruplik.
    Die Anwälte Hg. Georgs erklärten noch einmal, sich nur allgemein über den von Groningen eingereichten Schriftsatz geäußert zu haben, und wiederholten ihre Forderung, der Gegenseite keine weiteren Verzögerungen zu gestatten.
    ŠDie Anwälte Groningens bestanden darauf, als Vertreter der beklagten Partei den abschließenden Schiftsatz einbringen zu dürfen. Die verhandelte Angelegenheit sei wichtig, und es sei auch vereinbart, schriftlich zu verfahren.
    Die Deputierten bewilligten Groningen eine Abschrift der sächsischen Triplik und beraumten einen neuen Termin auf Montag [14.6.] (7.00 Uhr) an, sofern sie selbst nicht durch anderweitige Geschäfte verhindert sein würden.
    [7.] /42/ 14. Juni 1507. Der Anwalt Groningens reichte seine Quadruplik [Nr. 386] ein und erklärte: Falls die Gegenpartei ihr schriftliches Rechtsbegehren vorbringt, haben sie dies ihrerseits hiermit getan.
    Die Anwälte Sachsens beließen es bei ihren bisherigen Darlegungen und stellten die Entscheidung den Deputierten anheim.
    [8.] In der sachen zwischen Hg. Georgen von Sachsen etc. als cleger an einem und den von Grunyngen als antwurtern andersteils ist durch die röm. kgl. Mt. etc. und des Hl. Reichs Kff., Ff. und stende auf disem gegenwurtigen reichstag, zu Costenz versamelt, zu recht erkenta , /42’/ beweyse Hg. Georg sein replica, wider die von Gruningen eingelegt, zu recht genug, das soll gehort werden und, er tu das oder nit, ferrer beschehen, was recht ist.5  
    [9.] /42’, 44/ 29. Juli 1507. b Bescheinigung Sixtus Ölhafens für die Parteien-b [Nr. 387].

    « Nr. 379 Klageschrift Hg. Georgs von Sachsen gegen die Stadt Groningen an Kg. Maximilian und die Reichsstände »

    [1.] Er erhebt vor dem röm. Kg., vor Kff. und Ff. sowie anderen Mitgliedern dieser Reichsversammlung folgende Klage gegen Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Groningen: Kg. Maximilian hat mit Zustimmung von sechs Kff. seinen Vater Hg. Albrecht von Sachsen und dessen Erben mit der Statthalterschaft über ganz Friesland – wozu auch Groningen gehört – beauftragt und ihm befohlen, diese Gebiete im Namen von Kg. und Reich wieder botmäßig zu machen und sie zu regieren.1 An alle friesischen ŠStände, also auch an Groningen, gingen mehrere entsprechende kgl. Mandate aus.2 Sein Vater und nach dessen Tod er selbst konnten einen großen Teil des Landes unter ihre Kontrolle bringen, doch hat die Stadt Groningen nicht nur die kgl. Mandate mißachtet, sondern sich auch noch einen beträchtlichen Teil der Ommelande gewaltsam angeeignet und darüber hinaus adelige und andere Einwohner des Landes, die sich gegenüber den kgl. Mandaten gehorsam erzeigten, angegriffen und geschädigt sowie andere aufrührerische Friesen unterstützt. Obgleich Groningen deshalb in die Reichsacht erklärt wurde3, setzte die Stadt ihren Widerstand fort und verursachte zuerst seinem Vater, dann ihm selbst durch die erforderlichen Gegenmaßnahmen und an erlittenen Schäden Unkosten in Höhe von ca. 500 000 fl.rh.
    [2.] Der kgl. Ladung zum heutigen Termin [1.6.] kam die Stadt nicht nach. Er beantragt deshalb, ihren Ungehorsam festzustellen, sie zur Erstattung seiner sämtlichen Kosten zu verurteilen und ynen auf ir unbillich widerhalten ein ewig sweygen einzulegen. Da Groningen die kgl. Achterklärung ignoriert und in Ungehorsam verharrt, bittet er außerdem, die Stadt zum Gehorsam ihm gegenüber zu zwingen und seinen entsprechenden Rechtsanspruch zu konstatieren. Zu dessen Durchsetzung erbittet er die Unterstützung von Kg. und Reich. Er beantragt, über seine Klage zu beraten und in aller Form ein Urteil zu sprechen. Sein Antrag gilt auch, falls ein Bevollmächtigter Groningens noch erscheinen und auf seine Klage antworten sollte. Ansonsten soll, wie gebeten, der Ungehorsam der Stadt konstatiert werden. Bietet an, seine Angaben zu beweisen, und behält sich gemäß dem geltenden Recht Änderungen an seiner Klageschrift vor.

    Am 1. Juni 1507 in Konstanz an Kg. und Reichsstände übergeben.4 
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 132–136 (Kop., Aufschr.: Clage wider die von Groningen. Überschr. entsprechend) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 58–60’ (Kop., Überschr.: Wider die stadt Groningen.) = B.

    « Nr. 380 Protest der Anwälte Hg. Georgs von Sachsen gegen die Vollmacht der Groninger Anwälte »

    Erklären vor Bf. Heinrich von Augsburg sowie den übrigen Kommissaren des Kg. und der Reichsversammlung, daß der röm. Kg. Hg. Georg von Sachsen am vergangenen Dienstag [1.6.] die vermeintliche Prozeßvollmacht der Groninger Anwälte eröffnet und eine Abschrift davon übergeben hat. Sie mußten feststellen, daß diese Vollmacht formal unzureichend ist. So fehlen die erforderlichen Klauseln über die Ablegung des Kalumnieneids und über die Stellung einer Kaution, wie dies der beklagten Partei obliegt. Überdies steht den unter Acht und Aberacht stehenden Groningern kein Recht auf eine Gegenklage zu. Den Richtern muß daran gelegen sein, daß die auftretenden Personen ausreichend bevollmächtigt sind. Sie bestreiten die Zulässigkeit der vorgelegten Groninger Vollmacht und beantragen deren Abweisung. Falls die Vollmacht zugelassen wird, sollen die Anwälte der Gegenpartei eine ŠProzeßbürgschaft leisten. Sie erwarten allerdings, daß diese sich weigern werden oder dazu außerstande sind. Sie beantragen, dessenungeachtet zur Beweisführung über ihre Klage zugelassen zu werden.

    s.l., s.d., jedoch Konstanz, nach dem 2. Juni 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 56–56’; 57–57’, 61 (2 wörtlich übereinstimmende Kopien, Überschr., fol. 56: Exception wider der von Groningen erst mandat, muntlich eingeredt. Überschr., fol. 57, entsprechend).

    « Nr. 381 Protest des Groninger Syndikus Dr. Hendrik Elderwolt an den Ausschuß »

    [1.] Erklärt im Namen der Stadt, daß er die im Namen Hg. Georgs erhobene Einrede gegen die Groninger Vollmacht [Nr. 380] nur für diejenigen Punkte akzeptiert, die für Groningen sprechen, weist jedoch die Punkte, die der Stadt nachteilig ausgelegt werden können, zurück und begnügt sich deshalb mit einer generellen Erwiderung auf die Einrede.
    [2.] Hg. Georg macht geltend, daß das von ihm, Elderwolt, dem röm. Kg. vorgelegte Mandat ungenügend und ungültig sei, da die in Acht und Bann geschlagene Stadt ihren Vertreter darin zur Gegenklage bevollmächtigt habe. Dagegen wendet er ein, daß laut dem Gemeinen Recht der Beklagte auch nach der Litiskontestation während eines anhängigen Verfahrens befugt ist, Gegenklage zu erheben. Ebenso besagt das Gemeine Recht, daß die ihm erteilte Vollmacht nicht als Ganzes wirkungslos wird, auch wenn ein Teil davon nicht mehr gültig ist. Bislang hat Groningen im übrigen noch gar keine Gegenklage erhoben.
    [3.] Er kann als Syndikus nicht die Kaution für die von der Gegenseite geforderten 500 000 fl. leisten, bietet jedoch an, eine eidliche Versicherung abzugeben. Das Gemeine Recht sieht dies für den, hier gegebenen, Fall vor, daß einer Prozeßpartei die Stellung einer Kaution durch Pfand oder Bürgen nicht möglich ist.1 
    [4.] Er bittet deshalb um die Entscheidung, die Groninger Vollmacht anzuerkennen und die Forderung der Gegenpartei nach Stellung einer Kaution von 500 000 fl. abzulehnen. Er beantragt, zur Anhörung seiner Einrede zugelassen zu werden und seine vorgelegte zweite, nicht anfechtbare Vollmacht zu verlesen, wodurch die von der Gegenpartei erhobenen Einwände gegenstandslos werden. Er war von der Stadt Groningen ermächtigt, die zweite Vollmacht später vorzulegen. Bittet zum Zurückweisung der sächsischen Einrede. Behält sich Änderungen an dieser Erwiderung vor.

    s.l., s.d., jedoch in Konstanz zwischen dem 2. und 9. Juni den Deputierten vorgetragen.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 140–143 (Kop.).

    « Nr. 382 Exzeption bzw. Positionalartikel des Groninger Anwalts Hendrik Elderwolt an die Kommissare »

    [1.] Er wird darlegen, warum Groningen nicht dazu verpflichtet ist, sich auf die von Hg. Georg erhobene vermeintliche Klage hin zu rechtfertigen. Zugleich erklärt er unter ŠProtest, daß er diese Klageschrift nur akzeptiert, insofern sie für seine Partei und gegen die Gegenpartei spricht. Die Gegenpartei soll auf die folgenden Artikel mit „ja“ oder „nein“ antworten. Für die dann zurückgewiesenen Artikel bittet er, zur Beweisführung zugelassen zu werden.
    [2.] 1. Das Gemeine Recht besagt, daß Spoliatoren nicht vor der Restitution des Geschädigten gegen diesen klagen können. 2. Die Stadt Groningen hat vor vielen Jahren ein Bündnis mit dem Ostergau geschlossen, worin ihr dort obrigkeitliche und Nutzungsrechte eingeräumt wurden. 3. Diese Rechte übte die Stadt bislang unangefochten aus. 4. Kg. Maximilian hat diese – ohnehin schon wirksame – Einung noch einmal bestätigt.1 5. Diese Bestätigung erwirkte seinerzeit Hg. Albrecht von Sachsen und erhielt dafür von der Stadt Groningen 1000 fl. 6. Gemäß dem Gemeinen Recht ist es nicht gestattet, daß jemand, der als Prokurator für einen anderen ein Rechtsgeschäft zustandegebracht hat, dieses aus Eigennutz wieder rückgängig macht. 7. Hg. Albrecht hatte nicht die Befugnis oder das Recht, den Ostergau gewaltsam einzunehmen; ebensowenig hat Hg. Georg das Recht, den Ostergau zu behalten. 8. Gemäß dem Gemeinen Recht ist nicht nur der Spoliator, sondern auch dessen Rechtsnachfolger als Nutznießer verpflichtet, sich wegen der gewaltsamen Entsetzung rechtlich zu verantworten. 9. Der in seinem Eigentumsrecht Geschädigte ist gemäß dem Gemeinen Recht befugt, gegen den Schädiger gewaltsamen Widerstand zu leisten. 10. Die Stadt Groningen hat auch mit den Ommelanden eine Einung geschlossen, worin ihr Obrigkeits- und Nutzungsrechte eingeräumt wurden. 11. Diese Einung wurde durch Ks. Friedrich konfirmiert.2 12. Diese Rechte übte die Stadt bis zu ihrer gewaltsamen Enteignung unangefochten aus. 13. Hg. Albrecht hat die Ommelande dessenungeachtet gewaltsam besetzt, Hg. Georg behält das Gebiet ohne irgendeinen Rechtstitel in seiner Gewalt. 14. Groningen hatte seine Obrigkeits- und Nutzungsrechte vor der gewaltsamen Besetzung der Ommelande durch Hg. Albrecht und den vermeintlichen Kläger Hg. Georg unbestritten inne. 15. Die dargelegten Fakten sind allgemein bekannt.
    [3.] Bittet im Namen der Stadt um ein Urteil, wonach die Stadt Groningen vor ihrer Restitution nicht verpflichtet ist, sich auf die Klage Hg. Georgs hin zu verantworten, und ihr die Gerichtskosten erstattet werden müssen. Bittet, der Stadt zu ihrem Recht zu verhelfen. Behält sich Änderungen an dieser Einrede vor.

    In Konstanz am 9. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 144–148’ (Kop., Aufschr. F, Präsentatverm., Unterz. Dr. decr. Hendrik Elderwolt, Syndikus der Stadt Groningen) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 50–53’ (Kop. mit lat. Randvermm., vermutlich Hd. H. Goede, die teils den Inhalt kennzeichnen, teils Argumente für die sächsische Gegendarstellung enthalten. Überschr.: Exceptio Groningensis de spolio. Unterz. wie A) = B.3

    « ŠNr. 383  Replik Hg. Georgs von Sachsen an den Ausschuß »

    [1.] Die Anwälte Hg. Georgs erneuern auf die Spolieneinrede der Gegenseite hin den Antrag, sie zur Beweisführung ihrer Klageschrift zuzulassen, um den Ungehorsam der Gegenpartei zu beweisen. Demnach war die Stadt Groningen zum Zeitpunkt der angeblichen Spoliierung bereits der Reichsacht verfallen und Hg. Albrecht somit berechtigt, gegen die Stadt und ihr Eigentum vorzugehen. Der Hg. konnte an der Stadt kein Unrecht begehen. Alle, auch aus ksl. und kgl. Konfirmationen und anderen Begnadungen herrührenden Rechte waren aufgehoben, Groningen hatte den Schutz des Reichsfriedens verloren. Das Vorgehen der Hgg. von Sachsen gegen die Stadt geschah auf Befehl und mit Vollmacht des röm. Kg. Gegenüber der sächsischen Klageschrift und dieser Replik ist die Exzeption der Gegenseite gegenstandslos und nichtig.
    [2.] a In rechtlichen Verfahren sind unnötige Handlungen zu vermeiden-a. Die Exzeption ist gegenüber Klage und Replik wirkungslos, sie dient nur zur Verlängerung des Verfahrens b und verunglimpft im 5. und 6. Artikel unnötigerweise den verstorbenen Hg. Albrecht-b. Deshalb beantragen sie, sie unter Feststellung des Ungehorsams der Gegenpartei, die zur Klage nicht Stellung genommen hat, zur Beweisführung zuzulassen, damit auch die Unbegründetheit der Exzeption offenkundig wird. Zugleich erneuern sie die früheren Anträge und Proteste Hg. Georgs.

    In Konstanz am 10. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 150–152 (Kop., Präsentatverm., Aufschr.: G.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 54–55 (Kop., Überschr.: Replica ducis contra exceptionem Groningensem.) = B.1

    « Nr. 384 Duplik der Stadt Groningen an den Ausschuß »

    [1.] Sie, die Anwälte der Stadt Groningen, akzeptieren diejenigen Teile der sächsischen Replik, die für ihren Mandanten von Nutzen sind. Im übrigen protestieren sie gegen die vermeintliche Replik und erneuern ihre Exzeption, wonach die Stadt nicht verpflichtet ist, sich gegen die Klage Hg. Georgs zu verantworten, solange dieser ihr nicht ihr Eigentum zurückerstattet hat.
    [2.] Die Gegenpartei führt an, daß die Stadt schon vor der Besetzung ihres Eigentums in die Reichsacht erklärt, somit aller ihrer vom Reich herrührenden Rechte verlustig geworden und das Vorgehen Hg. Albrechts von Sachsen deshalb berechtigt gewesen sei. Sie bestreiten, daß die Stadt etwas getan hat, das die Beschuldigung des Friedbruches rechtfertigt, ebenso, daß Groningen in der von der Gegenpartei behaupteten Weise durch den röm. Kg. geächtet wurde. Keinesfalls war Hg. Albrecht in der von der Gegenpartei unterstellten Weise durch den Kg. oder aufgrund der Rechtslage befugt, sich gewaltsam des unbestrittenen Eigentums Groningens zu bemächtigen. Ebensowenig waren die von Kss. und Kgg. herrührenden ŠPrivilegien und Rechte der Stadt aufgehoben worden. Der fünfte und sechste Artikel der Groninger Exzeption stellen keine Schmähung oder Beleidigung Hg. Albrechts dar. Bitten um Zulassung zur Beweisführung der vorgelegten Positionalartikel.
    [3.] Bitten um die Zulassung der Exzeption ungeachtet der vermeintlichen sächsischen Replik und um Zulassung zur Beweisführung der Positionalartikel, soweit diese von der Gegenseite zurückgewiesen werden, vor Eintritt in ein rechtliches Verfahren. Behalten sich Änderungen an der Duplik vor.

    In Konstanz am 12. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 154–156 (Kop., Präsentatverm.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 47–49 (Kop., Überschr.: Duplica Groningensis.) = B.1

    « Nr. 385 Eingabe Hg. Georgs von Sachsen an den Ausschuß »

    [1.] Antrag auf Zulassung zur Beweisführung; [2.] Vorgehen der Hgg. Albrecht und Georg von Sachsen gegen Groningen als Reichsstatthalter und kraft kgl. Befehl, Unrechtmäßigkeit des Groninger Widerstandes, Nichtigkeit der Groninger Spolieneinrede; [3.] Unbegründetheit des Vorwurfs einer widerrechtlichen Besitzentziehung; [4.] rechtliche Unangreifbarkeit der Hgg. von Sachsen als kgl. Mandatare; [5.] Gegenstandslosigkeit der von Groningen geltend gemachten Besitztitel hinsichtlich des Ostergaus und der Ommelande; [6.] Antrag auf Zurückweisung der gegnerischen Exzeption.

    s.l., s.d., jedoch in Konstanz am 12. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 127–131’ (lat. Kop., Aufschr.: Instructio contra Groeningen[ses]. Überschr.: Allegationes juris illustrissimi principis et domini, domini Georgii ducis Saxonie, perpetui gubernatoris Frisie etc., super his, que pro parte gratie sue replicative et triplicative sunt deducta, clare ostendentes, quod idem princeps reiectis exceptionibus et scripturis reorum (si libello suo respondere et litem desuper contestari non curaverint) ad probandum oblatam impetitionem suam de iure sit admittendus.).

    [1.] Gemäß dem Gemeinen Recht sind in rechtlichen Verfahren unnötige Handlungen zu vermeiden.1 In diesem Fall präjudiziert die Beweisführung der Klageschrift die Einrede des Beklagten in der Weise, daß aus der Richtigkeit der Beweisführung de jure die Nichtigkeit der Einrede folgt. Der Kläger muß deshalb zuerst zur Beweisführung über seine Klage – ungeachtet der Einrede – zugelassen und angehört werden.2 
    Š[2.] Am Anfang seiner Klageschrift – für die Hg. Georg die Zulassung zur Beweisführung beantragte – wird dargelegt, daß der röm. Kg. mit Zustimmung von sechs Kff. seinen Vater Hg. Albrecht von Sachsen und dessen Nachfolger zu ewigen Statthaltern über das ganze zum Reich gehörige Friesland eingesetzt hat, wozu auch der Ostergau, die Ommelande und die Stadt Groningen gehören. Der Kg. befahl ihnen, diese Gebiete Kg. und Reich wieder botmäßig zu machen und zu regieren. Hg. Albrecht und nach seinem Tod Hg. Georg nahmen als Statthalter in Vollzug der kgl. Mandate die zum Reich gehörigen Ommelande und den Ostergau in Besitz. Die Groninger leisteten gegen den Vollzug dieser Mandate Widerstand. Daraus folgt von Rechts wegen die Nichtigkeit der Spolieneinrede, zumal keine arglistige Schädigung durch die beiden Fürsten vorlag, da sie in Stellvertretung und auf Befehl des Richters bzw. Herrschers handelten.3 Liegt indessen keine arglistige Schädigung vor, dann auch keine unrechtmäßige Besitzentziehung, da diese Gewalt und diese wiederum Arglist voraussetzt.4 
    [3.] Hg. Georg muß also zur Beweisführung über seine Klageschrift und das geltend gemachte Mandat zugelassen werden. Denn ist das Mandat bewiesen, folgt daraus die Entlastung vom Vorwurf der unrechtmäßigen Besitzentziehung. Wenn nun festgestellt ist, daß die Besitzentziehung oder die Schädigung ohne Verschulden von seiner Seite aufgrund eines Mandats entstanden ist, dann muß dies noch mehr gelten bei einem Mandat des röm. Kg. und des Hl. Reiches. Da Hg. Georg und sein Vater in Vollzug eines Befehls ihres Herrn handelten, sind sie vom Vorwurf der Besitzentziehung und der Schädigung entlastet.5 
    [4.] Offenkundig hatten und haben der röm. Kg. und das Hl. Reich über die beiden Fürsten als kgl. Vasallen die Befehlsgewalt. Die beiden Fürsten mußten diesen Mandaten gehorchen, sonst wären sie nicht frei von Arglist gewesen6, zumal wenn dieser Kg. der Herr Šaller Menschen ist und die Befugnis zur Strafverfolgung im ganzen Erdkreis innehat und wenn den beiden Fürsten als Vasallen dessen Person als unverletzlich erscheinen mußte und muß. Ihre Sache war und ist es nicht, zu befinden, ob das Mandat gerecht war oder nicht.7 Nicht einmal die Erörterung des kgl. Mandats hinsichtlich Recht und Unrecht stand ihnen frei; und es war auch nicht ihre Pflicht, zumal es mit dem Rat [der sechs Kff.] erging.8 Wenn die Exzipienten in einem Fall, da die beiden Fürsten den Befehlen ihres Herren gehorchten, behaupten, diese hätten Gewalt und Arglist gebraucht und sich unrechtmäßig Besitz angeeignet, dürfen sie nicht gehört werden.9 Selbst wenn sich die beiden Fürsten im Vollzug der Mandate etwas hätten zuschulden kommen lassen, so wäre dies dennoch gegenstandslos.10 Frena ergo ori excipentium de dicto praetenso spolio imponenda sunt.
    Im übrigen gilt weiterhin das Argument der sächsischen Replik, daß die Reichsregalien von Geächteten ebenfalls außerhalb des Reichsfriedens stehen und als eingezogen gelten, so daß die beiden Fürsten hier keine unrechtmäßige Besitzentziehung begehen konnten. Hg. Georg bietet hierfür die Beweisführung an, infolge deren die Exzeption der Gegenseite unhaltbar würde, und weist in diesem Zusammenhang noch einmal auf seine an anderer Stelle gemachten Einwände gegen die Exzeption hin.
    [5.] Die Einrede ist aus einem weiteren Grund unerheblich und unzulässig, wie sie in ihrer Replik und Triplik im allgemeinen ausführten.11 In der Einrede wird an erster Stelle ein – nach dem Gemeinen Recht ungültiger – Besitztitel hinsichtlich obrigkeitlicher und anderer Rechte geltend gemacht, der auf dem vom röm. Kg. konfirmierten Abkommen Groningens mit dem Ostergau und den Ommelanden gründet. Es steht fest, daß solche Bündnisse vom Gemeinen Recht verworfen werden, wenn sie zum Nachteil der Rechte und Šdes Eigentums des Reiches oder der Obrigkeit geschlossen wurden.12 Solche Bündnisse sind auch gemäß dem Gemeinen Recht nicht derart, daß daraus Herrschafts- oder Eigentumsrechte abgeleitet werden könnten, welche die Geltendmachung von unrechtmäßigem Besitzentzug rechtfertigen.13 Da das Gemeine Recht diese Spolieneinrede verwirft und die Position Hg. Georgs stützt, darf die Exzeption der Gegenpartei auch nicht zugelassen werden.14 Die Gegenseite spezifiziert zudem nicht die aufgrund des bewußten Abkommens geltend gemachten Rechte. Dies hätte schon deshalb geschehen müssen, weil diese sehr unterschiedlicher Natur sein und auf verschiedene Inhaber bzw. Nutznießer verteilt sein können.15 Da die diversen obrigkeitlichen und jurisdiktionellen Befugnisse sowie die Nutzungsrechte von ihrer Rechtsnatur her unterschieden sind, folgt aus der Wegnahme des einen Rechts nicht notwendigerweise die des anderen.16 Da über die herangezogenen, jedoch nicht spezifizierten Rechte keine zuverlässigen Beweise vorgelegt werden können, kann auch kein verbindliches Urteil gefällt werden.17 
    Die geltend gemachte Konfirmation ist unerheblich, da aus ihr kein neues Recht erwächst.18 In der vermeintlichen Exzeption wurde auch nicht dargelegt, daß Hg. Georg oder sein Vater [Hg. Albrecht] die Beklagten ihrer Rechte beraubt hätten, in welcher Weise, wann oder wo sie dies getan haben sollen.19 
    Genaugenommen deduzierte die Gegenseite nur ihr vermeintliches Petitorium und das Interdikt „Uti possidetis“20, wonach es den beiden Fürsten nicht erlaubt war, die genannten Länder zu übernehmen und zu behalten, und es nicht zulässig ist, daß einer den anderen Šin seinem Besitzrecht beeinträchtigt. Daraus folgt aber in keiner Weise notwendig der Tatbestand einer Spoliation.
    Da ferner sowohl die Groninger als auch die Einwohner des Ostergaus und der Ommelande dem Hl. Reich und dem röm. Kg. unterworfen waren und sind, bestand und besteht ein begründeter Anspruch auf diese zu Friesland gehörenden Gebiete.21 Deshalb konnten sich die Groninger nur aufgrund des Bündnisses auch keine obrigkeitlichen Rechte gegenüber Kg. und Reich aneignen. Umgekehrt war und ist der röm. Kg., der den rechtlichen Besitztitel (civilis possessio) für das ganze Reich innehat, befugt, selbst oder durch seinen Statthalter den tatsächlichen Besitz dieser Gebiete zu übernehmen. Die Einwohner des Ostergaus und der Ommelande waren und sind nicht befugt, sich zum Nachteil ihres rechtmäßigen Herrn der Stadt Groningen zu unterwerfen.22 Groningen wiederum kann wegen seines Ungehorsams gegen den röm. Kg. und seinen Statthalter um so weniger einen Besitztitel geltend machen. Vielmehr ist die Stadt wegen der unrechtmäßigen Besitzergreifung nicht nur zur Restitution, sondern auch zur Kassation etwaiger Rechte zu verurteilen.23
    [6.] Aus den angegebenen und im weiteren der Kürze halber nicht eigens aufgeführten Gründen ist die vermeintliche Einrede der Gegenseite zurückzuweisen und festzustellen, daß das von Hg. Georg angestrengte Verfahren deshalb nicht verzögert werden darf.

    « Nr. 386 Quadruplik der Stadt Groningen an den Ausschuß »

    Die Anwälte der Stadt erklären, daß das von der Gegenpartei als vermeintliche Triplik [Nr. 385] eingereichte Schriftstück vor der Beweisführung über die Groninger Spolieneinrede Šnicht zugelassen werden darf. Statt dessen soll verfahren werden, wie sie dies in ihrer Einrede und Duplik gefordert haben. Sie lehnen unter Geltendmachung der Exzeption die Aufnahme der Hauptverhandlungen ab. Da diese formal korrekt und rechtmäßig ist, können sie nicht als ungehorsam gelten. Erklären, daß sie vor der Restitution der Stadt durch die Gegenseite zur Beantwortung der Klage nicht verpflichtet sind. Erneuern die Exzeption und Duplik zur Zurückweisung der gegnerischen Triplik.

    In Konstanz am 14. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 138–138’ (Kop., Präsentatverm.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 31–31’ (Kop., Präsentatverm.) = B.

    « Nr. 387 Bescheinigung Sixtus Ölhafens (kgl. Sekretär) für die Prozeßparteien »

    [1.] Kassation des in Konstanz geführten Verfahrens durch Kg. Maximilian; [2.] Datum, Unterzeichnung.

    Act. Konstanz, 29. Juli 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 247–247’ (Or.) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 42’, 44 (dem Protokoll [Nr. 378] inserierte Kop.) = B.
    Kurzregest: Baks , Inventaris, Nr. 810, S. 206.1

    [1.] /247/  In sachen zwischen meinem gn. H., Hg. Georgen von Sachsen etc., an einem und der stat Groningen am andern tayl, darin sy bederseyt auf unsers allergnst. H., des röm. Kg. etc., außgegangen ladung vor seiner kgl. Mt. und des Hl. Reichs Kff., Ff. und stenden auf dem Reichs tag alhie zu Costenz erschinen sein und darin furgenomen und gehandlt, bis yetzo die gemelten Kff., Ff. und stende verriten und ferrer solicher ladung nach statlich nit wol gehandlt werden mugen: Hat auß denselben und andern beweglichen ursachen die röm. kgl. Mt. vorbestympt die gemelt ladung, und was darauf (als yetz berurt) vor seiner kgl. Mt. und den gemelten Kff., Ff. und stenden von beden vor bestympten teylen und ir jedem furgebracht und gehandelt worden ist, mitsampt denselben acta und actitata mit ir beider tayl wissen und willen aufgehaben, also das die hinfur keinen vorgemelten teyl bynden noch sich der gegen dem andern zu gebrauchen haben sullen, sonder das die sachen in dem stant stee, wie die vor außgang der gemelten ladung und verhor gewesen ist. Und wo auch hinfur in den sachen weyter zu handlen sich begeben wurde, well sich sein kgl. Mt. auf ansuchen /247’/ der parteyen darinn gnediglich und unverweyslich halten.
    [2.] Actum zu Costenz, am XXIX. tag July Ao. 1507. Sixtus Olhafen, regius secretariusa subscripsit.

    « Š5.2. Stadt Worms gegen Bischof Reinhard und den Wormser Stiftsklerus »

    « Nr. 388 Schiedsverhandlungen zwischen Bf. Reinhard von Worms und dem Wormser Klerus auf der einen und der Stadt Worms auf der anderen Seite, Mitte Juni-Ende Juli 1507 (Aktenreferat) »

    Wohl kurz vor dem 17. Juni erlangten die Wormser Gesandten Philipp Wolff und Balthasar Mühl durch Vermittlung Niklas Zieglers eine Audienz beim Kg. und brachten weisungsgemäß die städtischen Beschwerden gegen den Wormser Klerus vor.1 Nach Beratung mit Ziegler ließ der Kg. den beiden Gesandten einen Vorschlag unterbreiten, in dem wir kgl. Mt. hitziges und erzornt gemut gegen der pfaffheit offentlich spuren, und das ire Mt. zu anderm, des wir hoffen, uns erlaubet werden mag, auch gegen pfaffen selbs durch irer Mt. procurator fiscal auf ire verachtung zu handlen furgenommen hat. Wir haben aber in solchen noch keynen gewissen abschied und steen noch deßhalb in steter handlung by irer Mt. in geheym.
    Am 17. Juni übergab – laut mehreren Informanten der Wormser Gesandten – Bf. Reinhard im Reichsrat einige Supplikationen und bat die Stände um Fürsprache beim Š Kg. Dieser sollte die Stadt veranlassen, die Rechte von Bf. und Hst. zu respektieren. Die Gesandten kündigten dem Wormser Magistrat an, dem entgegenzuarbeiten und sich um die Erlangung der gewünschten kgl. Mandate2 zu bemühen.3 
    Bf. Reinhard hatte die Stände um Fürsprache beim Kg. in vier Punkten gebeten: 1. Belehnung mit den Reichsregalien, 2. Vollzug des Antwerpener Spruches4 durch die Stadt, 3. Aushändigung der ihm von der Stadt vorenthaltenen Einkünfte, 4. Respektierung des vom Wormser Klerus anhängig gemachten geistlichen Prozesses und des erwirkten Bannes gegen die Stadt sowie Sicherung der Rechte und Freiheiten der Wormser Geistlichkeit. Kg. Maximilian verwies nach der ständischen Interzession die Supplikation des Bf. an den kgl. Hofrat. Am 23. Juni teilten Bf. Georg von Trient und Kaspar von Mörsberg mit, daß der Kg. sie gemeinsam mit Degen Fuchs und Dr. Hans Schad beauftragt habe, im Rahmen eines Schiedsverfahrens die Parteien anzuhören, jedoch nichts ohne den Kg. zu beschließen. Die drei Parteien sollten ihre Klagen schriftlich vorlegen. Bf. Reinhard sowie Dr. Haring Sinnama als Vertreter der fünf Wormser Stifte akzeptierten dies jeweils, behielten sich jedoch vor, für die Verhandlungen nicht bevollmächtigt zu sein.5 
    Drei Tage später, am 26. Juni, reichten der Bf. und Sinnama ihre Klagen gegen die Stadt bei den vier Hofräten ein: Der Bf. forderte unter Vorbehalt seiner und der stiftischen Rechte erneut 1. den Vollzug des in Antwerpen ergangenen und in Augsburg6 sowie durch das Nürnberger Reichsregiment mit Verhängung der Reichsacht und einem Exekutorialmandat7 bestätigten kgl. Urteils bezüglich der Besetzung von Rat und Gericht sowie anderer Ämter durch die Stadt. 2. Die Stadt soll ihm alle während und nach dem durch Mgf. Christoph von Baden im Landshuter Erbfolgekrieg vermittelten Waffenstillstand8 bzw. auf der Grundlage einer angeblichen Achterklärung gegen den Bf. vorenthaltenen Einkünfte aushändigen und die weitere Nutznießung seiner Güter nicht mehr behindern. 3. Die Gegenpartei darf ihn nicht am Einzug in die Stadt hindern und muß ihm den Eid in der Form leisten, wie dies durch den Bf. von Speyer sowie die Städte Straßburg und Frankfurt vermittelt9 und von der Stadt angenommen wurde. 4. Die Gegenpartei soll sich mit der Š bfl. Bestätigung der städtischen Rechte in der von seinen Vorgängern gepflegten Form10 begnügen und alle damit nicht im Einklang stehenden, von der Stadt durch Statuten und Ordnungen eingeführten Neuerungen aufheben sowie sämtliche ihm im Zusammenhang mit den genannten Streitpunkten entstandenen Kosten und Schäden ersetzen.11 
    Sinnama forderte unter Vorbehalt der Rechte des Wormser Klerus und unter Protest über seine fehlende Vollmacht für die Verhandlungen, daß die Stadt die durch Kg. und Kff. vermittelten und von beiden Seiten angenommenen Rachtungen12 einhalten, die dementgegen erlassenen Ordnungen und Satzungen aufheben und die dem Klerus entstandenen Kosten und Schäden erstatten soll.13 
    Die städtischen Vertreter überreichten den Hofräten am 28. Juni ihre Stellungnahmen zu den beiden Klageschriften ebenfalls vorbehaltlich der städtischen Rechte. Sie machten gegenüber dem Bf. die längst erfolgte Umsetzung des Antwerpener Urteils geltend und führten einen gesiegelten Reversbrief Bf. Johanns14 als Beweis an. Als Voraussetzung für eine qualifizierte Stellungnahme der Stadt sollte der Bf. über die ihm angeblich vorenthaltenen Einkünfte eine genaue Aufstellung übergeben. Als Vorbedingung für seinen Einzug in die Stadt sollte er dem Herkommen gemäß einen Eid über die Respektierung der städtischen Rechte und Freiheiten leisten und einen schriftlichen Reversbrief übergeben. Die Stadt sagte zu, ihn dann an geburlichem, unnachteyligem inryten nicht zu hindern. Bezüglich des geforderten Eides sollte den städtischen Anwälten ein Entwurf vorgelegt werden, wellen wir uns gepurlich und unverwyßlich erzeigen, auch uns der billicheit gemeß bewysen. Die vom Bf. inkriminierten städtischen Ordnungen und Statuten sollte die Gegenseite für eine Stellungnahme im einzelnen benennen. Im übrigen lehnten die städtischen Vertreter die geforderten Zahlungen ab. Statt dessen erhoben sie ihrerseits Anspruch auf Kostenerstattung durch die Gegenseite.15 Unter dem Vorbehalt des beim Kg. anhängigen Verfahrens und der kgl. Tagsatzung [vom 13.5.] forderten Wolff und Mühl in Beantwortung der von Sinnama übergebenen Klageschrift die Vorlage der geltend gemachten Rachtungen sowie der städtischen Ordnungen und Satzungen, um dazu im einzelnen Stellung nehmen zu können.16 
    Am gleichen Tag übergaben die städtischen Gesandten den kgl. Hofräten eine Klage wegen des von der Wormser Stiftsgeistlichkeit gegen die Stadt geführten geistlichen Prozesses Šund wegen des vom geistlichen Richter [Anton Leist] verhängten Bannes. Nach ihrer Auffassung lag aufgrund des städtischen Rechtserbietens, der Klassifikation des Streits als weltlicher Angelegenheit und dessen Anhängigkeit vor dem röm. Kg. eine Mißachtung der Rechtsordnung, des kgl. Mandats17 und der Reichsordnung und damit eine Verletzung der kgl. Jurisdiktion durch die Gegenseite vor. Die Stadt beantragte deshalb die Einstellung des geistlichen Prozesses, die Kassation des ergangenen Urteils, die kostenfreie Absolution vom Bann sowie die Fortsetzung des Verfahrens vor dem röm. Kg. 18 
    Bf. Reinhard räumte in seiner mündlichen Replik am Nachmittag des 29. Juni bezüglich des ersten Verhandlungspunktes ein: Es sy ware, demselben sy sym furfare Bf. Johansen gnugen und volstreckung gescheen eynmal und darnach das ander jare auch bis auf den eid, so man eym Bf. am andern tag nach Martini [12.11.] sweren solt etc. Aber darnach haben die von Worms ime nit wollen gestatten, burgermeister und rat zu setzen, sunder setzen die noch jerlich etc. 2. Die Wormser haben ihm Zoll und Waage sowie die Abgaben der Zünfte und weitere Einkünfte, über die sie selbst am besten Bescheid wissen, entzogen. 3. Erneuert sein früheres Angebot, den Eid und die Verschreibung gegenüber der Stadt wie seine Amtsvorgänger zu leisten. Die Stadt soll ihren Eid in der Form wie gegenüber Bf. Johann ablegen19, wie dies seinerzeit auch die Vermittler, Bf. [Ludwig] von Speyer sowie die Städte Straßburg und Frankfurt, vereinbart haben. 4. Die Statuten und Ordnungen brauchen nicht spezifiziert zu werden, die Wormser haben davon ein Buch20 drucken lassen.21
    Der gemeinsam mit dem Bf. vor die Hofräte getretene Sinnama übergab als Anwalt des Wormser Klerus dem Bf. von Trient den Schiedsspruch Kg. Ruprechts.22 Die strittigen, der ŠGegenseite ohnehin bekannten städtischen Statuten und Ordnungen vorzulegen, erachtete er hingegen für unnötig.23 
    Am folgenden Tag, den 30. Juni, verlas Bf. Georg von Trient in Anwesenheit der städtischen Bevollmächtigten Sinnama die am 28. Juni eingebrachte Supplikation und übergab ihm eine Abschrift davon zur Stellungnahme.24 
    Am 2. Juli trugen Wolff und Mühl ihre Duplik gegen den Klerus vor: 1. Die von der Gegenseite herangezogenen Verträge wurden durch ksl. Rechtsspruch als dem Hl. Reich nachteilig kassiert; der röm. Kg. hat diese Entscheidung bestätigt.25 Die Stadt wird sich jedoch bei gütlichen Verhandlungen über den Weinausschank und die übrigen Differenzen kompromißbereit zeigen. 2. Sie wiederholen ihre Forderung, daß die Gegenpartei diejenigen städtischen Statuten und Ordnungen benennen soll, die unrechtmäßige Neuerungen enthalten. – Zugleich erneuerten die beiden Gesandten ihre Klage gegen den Klerus: Die Stadt hat zu keinem Zeitpunkt das Recht verweigert und will den vom Kg. anberaumten gütlichen Verhandlungen gerne Folge leisten. Allerdings ging den Wormsern ein Schreiben zahlreicher Adliger26 zu, das die Absichten der Gegenseite erhellt. Die Geistlichen gehen mit widerrechtlichem Bann und dessen Reaggravation27 gegen die Stadt vor, während die Schiedsverhandlungen zugleich durch ungenügend bevollmächtigte Vertreter geführt werden. Falls die Gegenpartei ihr unrechtmäßiges Vorgehen nicht einstellt, sollen die Schiedsrichter den Kg. darüber informieren, damit dieser eingreift, und ihn ebenso über das großzügige Angebot der Stadt in Kenntnis setzen.28
    Vermutlich ebenfalls am 2. Juli übergaben die städtischen Gesandten den deputierten Hofräten ihre Duplik gegen den Bischof: 1. Der Bf. gesteht selbst zu, daß das Antwerpener ŠUrteil vollzogen wurde, weshalb er die Stadt offenkundig zu Unrecht verklagt hat. Die Besetzung der Rats- und Gerichtsämter durch den Wormser Rat statt durch den Bf. geschah keineswegs unter Mißachtung eines geltenden Urteils, sondern weil der Kg. diese Befugnis dem Bf. als verwirkt entzogen und an den Magistrat übertragen hat.29 2. Gleiches gilt für den Wegezoll und die Abgaben der Zünfte. 3. Hinsichtlich des bfl. Einzugs in die Stadt und der Eide erneuern sie ihren vorherigen Antrag. 4. Der Magistrat hat pflichtgemäß als zuständige Obrigkeit die Ordnungen für die Stadt reformiert und im Druck publiziert. Falls der Bf. Bestimmungen benennen kann, die unrechtmäßig sind, wollen sie sich aller gepure wysen lassen.
    Dies und andere bericht haben wir angezeigt in der gutlicheit, doch mit vorbehaltung aller notturft und unbegeben der injurien, der erbern statt wider die offenbare lantkundige warheit vor kgl. Mt. und des Hl. Rychs versamlung, auch hofrichtern und kgl. reten, uns zugezogen, des wir uns als geschickten protestiren. 30 
    Balthasar Schlör triplizierte als Vertreter des Bf. am 3. Juli in einem langen mündlichen Vortrag; die städtischen Gesandten entgegneten darauf ebenfalls unverbindlich mündlich, bestanden indessen auf der Übergabe einer schriftlichen Triplik gemäß den Verfahrensregeln.31 Im übrigen entgegnete Schlör auf die städtische Klage gegen den Stiftsklerus vom 28. Juni, daß die Stadt aus dem Bann gelöst werde, wenn sie die bestehenden Verträge einhalte; sie dazu zu zwingen, sei der Zweck des Bannspruches.32 
    Die kgl. Hofräte stellten daraufhin die Unvereinbarkeit der Positionen fest: Der Bf. beharrt auf dem Vollzug des ergangenen Urteils [von 1494], die Stadt macht dagegen die kgl. Begnadung [von 1504] geltend. Der Klerus erachtet die vermittelten Schiedsverträge für relevant, die Stadt dagegen deren Kassation durch den Ks. 33 Da dies Angelegenheiten des Kg. sind, wollen sie ihm dieses Ergebnis vortragen und dessen Erklärung anschließend den Parteien eröffnen. Bezüglich der dem Bf. von Trient und anderen Hofräten übergebenen Supplikation der Stadt gegen den Klerus wegen des Bannes und seiner Verschärfung sowie des Absagebriefes der 65 Adligen wurde im Hofrat beschlossen, den Kg. zu informieren und die Ausstellung entsprechender Mandate zu empfehlen.34
    ŠWyter ist in des Bf. sachen nicht entlichs gehandelt wurden.35
    Kg. Maximilian stellte der Stadt am 15. Juli ein Mandat an alle Reichsstände, Amtsträger und Reichsuntertanen aus: Er hat erfahren, daß die fünf in Worms ansässigen Stifte versuchen, die Stadt wegen einiger Streitpunkte durch geistliche Prozesse und mit anderen Mitteln zum Einlenken zu bewegen – und dies, obwohl bei ihm in dieser Sache ein Verfahren anhängig ist und er beide Parteien zum gütlichen bzw. rechtlichen Verfahren vorgeladen hat. Er kann als röm. Kg. nicht hinnehmen, daß sich jemand in eine Angelegenheit einmischt, mit der er befaßt ist, und verbietet deshalb unter Androhung schwerer Ungnade und der im kgl. Landfrieden vorgesehenen Strafe, gegen Bürgermeister und Rat – und denen, so inen zu versprechen steen – in irgendeiner Weise gewaltsam vorzugehen oder sich sonst dieser Sache anzunehmen.36 
    Inzwischen war am 10. Juli der Wormser Stadtschreiber Adam von Schwechenheim – als einer der Bevollmächtigten zu dem gemäß kgl. Zitation [Nr. 92] anberaumten Gerichtstag37 – und mit ihm der in Worms ansässige kgl. Sekretär Jörg Mosbach in Konstanz eingetroffen. Bf. Reinhard sowie Dr. Sinnama und andere Bevollmächtigte des Wormser Klerus bekundeten am Nachmittag des 12. Juli vor dem kgl. Hofrat, aufgrund der kgl. Zitation termingerecht in Verhandlungen eintreten zu wollen, und machten die Mißachtung des festgesetzten Termins (Montag, den 12.7.), durch die Gegenseite geltend. Die durch einen Vertrauensmann informierten Wormser Anwälte Wolff, Mühl und Schwechenheim verfügten sich daraufhin am Morgen des 13. Juli zu den Hofräten in das Dominikanerkloster. Der Stadtschreiber legte dar, daß dieser Dienstag als der 45. ŠTag nach Verkündung des kgl. Mandats38 der korrekte Termin sei. Einer der kgl. Räte, der Wormser Domherr Dr. [Ludwig] Vergenhans, sprach sich dafür aus, die Versäumung des Termins durch die Stadt zu konstatieren; diese müsse als ungehorsam angesehen und dürfe nicht mehr angehört werden. Nach Vermittlung durch den als Vorsitzenden des Hofrats mit dem Richterstab ausgestatteten Bf. von Trient wurde das Verfahren am 14. Juli eröffnet. Die Vertreter des Klerus – Bf. Reinhard, der Domdekan Erpho von Gemmingen, die Domherren Lukas von Ehrenberg und Dr. Sinnama sowie die Dekane von St. Paul [Nikolaus Bart] und des Liebfrauenstifts [Jost Buwer] – beklagten durch ihren Sprecher Balthasar Schlör die Verletzung ihrer Rechte und Privilegien durch die Stadt und reichten einen entsprechenden Schriftsatz39 ein. Schwechenheim beanspruchte demgegenüber die Rolle des Klägers für die Stadt und forderte die Verlesung der von ihm eingereichten Klageschrift an erster Stelle. Nach einer Erklärung Gf. Eitelfriedrichs von Zollern über die Unerheblichkeit der Reihenfolge wurde zuerst die Klageschrift des Klerus vorgetragen. Laut der anschließend verlesenen städtischen Klageschrift beruhte der Konflikt zwischen der Stadt und der Stiftsgeistlichkeit vor allem auf drei Punkten: 1. Der – zum Teil gar nicht in Worms residierende – Klerus beansprucht das ganze Jahr über das Recht auf freie Einfuhr in die Stadt und auf freien öffentlichen Ausschank unterschiedslos für seinen gesamten, auch den zugekauften Wein. 2. Der Klerus verweigert eine seit über hundert Jahren auch von allen Bürgern zu entrichtende Abgabe auf das zu Handelszwecken aus der Stadt ausgeführte Getreide – 2 Pf. für jeden Malter Roggen oder Weizen, 1 Pf. je Malter Rauhfrucht [= Dinkel und Hafer] –, die zum Unterhalt der Verkehrswege dient. 3. Der Klerus verweigert sämtliche Abgaben von seinem im städtischen Gerichtsbezirk gelegenen, durch Kauf, Verpfändung oder in anderer Weise aus den Händen von Laien an ihn gelangten Immobilienbesitz. Dadurch wird 4. das Einkommen der Stadt, wovon die öffentlichen Aufgaben und der Dienst für das Reich finanziert werden, erheblich geschmälert. Der für das städtische Gemeinwesen existenzielle Weinanbau wird beeinträchtigt. 5. Die drei angesprochenen Beschwerdepunkte sind offenkundig weltliche Angelegenheiten und, zumal die Stadt Worms reichsunmittelbar ist, Sache der kgl. Jurisdiktion. 6. Der Klerus hat die Stadt wegen dieser Punkte vor dem Kg. verklagt und Mandate erwirkt. 7. Die Stadt hat dazu durch ihre zum Kg. entsandten Anwälte Stellung genommen. 8. Dadurch wurde der Streit vor dem röm. Kg. als für die Stadt zuständigem Richter anhängig gemacht, was er noch ist. 9. Ungeachtet des laufenden Verfahrens und unter Verletzung der städtischen Rechte brachte der Klerus den Fall vor einen geistlichen Richter seiner Wahl, den Dechant von St. Johann in Mainz, Anton Leist. 10. Die Stadt beklagte sich darüber vor dem Kg., der daraufhin eine Ladung ausgehen ließ, aufgrund derer beide Parteien auf dem Augsburger Reichstag (1500) erschienen sind. 11. Wegen des Landshuter Erbfolgekrieges konnte sich der Kg. dieser Angelegenheit nicht annehmen und setzte deshalb mit Zustimmung beider Seiten [am 31.3.504] eine Schiedskommission ein. 12. Diese remittierte das Verfahren an den Kg., nachdem die Vertreter des Klerus auf einem Schiedstag zu Mainz jegliche Verhandlungen zur Sache verweigert hatten.40 13. Ungeachtet des anhängigen Verfahrens setzte der Klerus Šden geistlichen Prozeß vor Anton Leist fort, um die Bürgerschaft durch Verhängung des Banns zum Einlenken zu zwingen. 14. Die Bürgerschaft klagte gegen dieses Vorgehen erneut beim Kg., der daraufhin gemäß einem Beschluß des kgl. Hofrates ein Inhibitionsmandat an den Klerus41 ausgehen ließ. 15. Das Mandat wurde dem Klerus mitgeteilt. Dennoch prozessierte dieser weiter vor dem geistlichen Richter. Der von der Stadt informierte Kg. gebot dem Klerus erneut und unter Androhung des Verlusts seiner Freiheiten die Einstellung des geistlichen Prozesses und zitierte die Parteien vor sich, um eine gütliche Einigung herbeizuführen oder, falls diese scheitern sollte, zu entscheiden, welche Punkte vor geistlichen und welche vor weltlichen Richtern zu verhandeln seien.42 16. Dessenungeachtet verhängte der geistliche Richter bald nach Zustellung des Mandats [am 31.5.] erneut den Bann über die Wormser Bürgerschaft. 17. Ohne Einhaltung der vorgeschriebenen Frist und in ungewöhnlicher Form ließ der Klerus den Bann unverzüglich verkünden. 18. Allen übrigen Einwohnern wurde unter Androhung des Banns der Abzug aus der Stadt innerhalb von sechs Tagen befohlen. 19. Aufgrund von Bemühungen der Geistlichen sagten 65 Adlige dem Wormser Magistrat ab, falls dieser nicht dem Klerus nachgeben würde. Der Bürgerschaft gehen täglich weitere Drohungen zu. 20. Der Klerus mißachtete durch sein Vorgehen die kgl. Jurisdiktion, das gemeine Recht, die [Wormser] Reichsordnung, den Landfrieden und die kgl. Mandate einschließlich der Zitation und ist deshalb den darin vorgesehenen Strafen verfallen. Die städtischen Anwälte bitten den Kg., den Streit in allen genannten Punkten zu einer weltlichen und somit in seine jurisdiktionelle Zuständigkeit gehörigen Angelegenheit zu erklären, für die Einstellung des geistlichen Prozesses zu sorgen, festzustellen, daß der Klerus wegen hartnäckigen Ungehorsams der Strafe des Landfriedens und der kgl. Mandate verfallen und Schutz und Schirm des Hl. Reiches verlustig geworden sei, und entsprechende Mandate ausgehen zu lassen. Der Klerus soll der Stadt überdies für die entstandenen Kosten und Schäden einstehen.43 
    Nach Verlesung der beiden Klageschriften wurde auf Forderung Schwechenheims hin auch die von den fünf Stiften ausgestellte Vollmacht für ihre Anwälte vorgelesen. Der Stadtschreiber machte wegen des darin enthaltenen Protests bzgl. des kgl. Gerichtszwangs ungenügende Bevollmächtigung und Ungehorsam der Gegenpartei gegenüber dem kgl. Mandat geltend44 und beantragte für die Klageschrift der Stadt die Zulassung zum ŠBeweisverfahren. Der Sprecher der Gegenpartei, Schlör, forderte wiederum die Übergabe der städtischen Klageschrift und Vollmacht. Die kgl. Räte zogen sich daraufhin zur Beratung zurück.45 
    Am 16. Juli teilte der Bf. von Trient den allein vorgeladenen städtischen Vertretern die mündliche Stellungnahme der Gegenseite zur städtischen Klageschrift und zu den Vermittlungsvorschlägen der Kommissare mit: Der Klerus verweist auf die ergangenen Schiedssprüche und seine urkundlich belegten Rechte und Freiheiten. Die Stadt hat insbesondere den von Kg. Ruprecht vermittelten, den Klerus ohnehin benachteiligenden Vertrag bzgl. des Weinausschanks46 lange Zeit eingehalten. Der mit den Geistlichen mutwillig begonnene Streit ist eigentlich eine Konsequenz aus dem Konflikt der Stadt mit Bf. Johann. Da sie darin erfolglos blieb, wandte sie sich gegen den Klerus. Die Angaben der städtischen Anwälte über angeblich vom Klerus eingeführten Wein im Umfang von mehr als 1000 Fuder sind falsch. In guten Jahren beläuft sich der gesamte Ertrag auf höchstens 400 Fuder Wein. – Angesichts Šdieser widersprüchlichen Angaben bekundeten die Vermittler ihre Ratlosigkeit und baten um Mitteilung von Vorschlägen für einen Vergleich.47 
    Am 21. Juli traten die Vertreter der Stadt erneut vor den von Bf. Georg von Trient geleiteten Hofrat. Schwechenheim bestritt [1.] die Existenz gültiger Verträge oder Urteile. [2.] Auch beeinträchtigte der von Kg. Ruprecht vermittelte Vertrag nicht etwa ein zuvor bestehendes freies Weinausschankrecht des Klerus. Dies geht aus zwei älteren Verträgen48 hervor: Zum einen durften die Geistlichen nur den von ihren in der Stadt gestifteten Pfründen stammenden Wein abgabenfrei einführen, für den übrigen eingeführten Wein hatten sie jedoch Ungeld bezahlen müssen. Zum anderen galt die Erlaubnis zum Weinausschank nur für die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten. [3.] Die Stadt hat den sie benachteiligenden, von Kg. Ruprecht als parteiischem Schiedsmann und Ebf. [Johann] von Mainz vermittelten Vertrag [von 1407] nur widerwillig und unter Druck akzeptiert. Dies kann erforderlichenfalls schriftlich belegt werden. Indessen hat sich die Bürgerschaft unverzüglich beklagt, als der Klerus begann, seine Weingefälle zu mehren, die Stadt zu benachteiligen und gegen geltende Ordnungen und Verträge Wein auszuschenken. Dies geht aus insbesondere zu Zeiten der Bff. Reinhard und Johann eingereichten Schriften hervor. Die der Stadt gegebenen Zusagen, Mißstände abzustellen, die Schuldigen zu bestrafen und für die Zahlung der Abgaben zu sorgen, wurden nicht eingehalten. Der Rechtsstreit darüber dauert bis heute an. [4.] Die Stadt hat den Konflikt mit dem Klerus keineswegs mutwillig vom Zaun gebrochen. Vielmehr hat Bf. Johann seit seinem Amtsantritt Streit mit der Stadt Šangefangen, um ihre obrigkeitlichen Rechte und ihre Freiheiten einzuschränken, wogegen sich der Rat, wie es ihm obliegt, bislang erfolgreich zur Wehr gesetzt hat. Das Vorgehen des Klerus beim Weinausschank ist aus zwei Gründen nicht hinnehmbar: a) Die Wormser Bürger beziehen den größten Teil ihres Einkommens aus dem Weinanbau und -handel. Sie können jedoch im unfairen Preiskampf mit den Geistlichen nicht bestehen. Diese weisen überdies weitaus mehr Wein als von ihren Pfründen stammend aus, als dies tatsächlich der Fall ist, und verkaufen ihn das ganze Jahr über. b) Durch das Vorgehen des Klerus werden mit dem Weingeld als wichtigster Geldquelle die Einkünfte der Stadt geschmälert, die davon die öffentlichen Ausgaben und die durch Anleihen finanzierten Aufwendungen für das Reich – seit dem Neußer Krieg über 24 000 fl. – bestreiten muß. Diese laufenden Ausgaben können nicht länger getragen werden. Die Klage wurde also nicht mutwillig, sondern aufgrund von existenziellen Interessen der Gemeinde und der Stadt anhängig gemacht. Dem Klerus hingegen geht es nur um eigennütziges Gewinnstreben, von dem zum Nachteil einer ganzen Stadt höchstens 50 Angehörige des Domstifts und des Stifts St. Andreas profitierten, während sich nur wenige Angehörige des Frauenstifts und der Stifte St. Paul und St. Martin an den Klagen gegen die Stadt beteiligten. Diesen wurde bewilligt, für den Eigenbedarf gekauften Wein frei einzuführen. Das Domstift und St. Andreas haben inzwischen allerdings sehr viele Weinzehnten an sich gebracht. – Nach Verlesung eines vorgelegten Verzeichnisses über die Weinzehnten49 setzte Schwechenheim seinen Vortrag fort: Das Verzeichnis listet über 30 Weinzehnten auf, von denen der Klerus Wein die Stadt einführt und von denen die Hälfte erst in jüngerer Zeit durch Kauf oder Verpfändung in dessen Besitz gelangt ist. Der Gesamtertrag beläuft sich auf 2100 Fuder Wein. In Worms residierten nicht einmal 200 Geistliche, deren Weinverbrauch keine 400 Fuder erreicht. Der Rest wird ausgeschenkt oder verkauft. Die bürgerlichen Händler werden verdrängt, die städtischen Einnahmen aus dem Ungeld gehen dramatisch zurück. Die Stadt kann die öffentlichen Ausgaben nicht mehr bestreiten und ihre Schulden nicht mehr bedienen. Es steht zu befürchten, daß die Gläubiger sich an das Eigentum der Bürger halten werden. Die Stadt bittet den Kg., diesen Mißstand abzustellen. [5.] Falls sich der Klerus mit den angegebenen 400 Fudern tatsächlich begnügen würde, würde die Stadt ihre Klage fallenlassen, die abgabenfreie Einfuhr für den Hausverbrauch gestatten und den Verkauf des restlichen Weins erlauben. Diese Behauptung der Gegenpartei entspricht aber nicht der Wahrheit, weswegen die Stadt erneut bittet, deren Ungehorsam festzustellen.
    Die kgl. Hofräte kündigten anschließend Berichterstattung an den Kg. an.50 Kg. Maximilian wurde allerdings vollständig durch die Reichstagsverhandlungen über den Romzug in ŠAnspruch genommen und vertröstete die Wormser Gesandten auf den Abschluß der Reichsangelegenheiten. Die kgl. Räte zeigten sich von der Argumentation der Stadt überzeugt und vertraten dies auch gegenüber dem Kg. Sie erreichten auch bei etlichen Ff. und Adligen eine Distanzierung vom Klerus. Am Abend des 25. Juli51 gewährte der Kg. den Wormser Vertretern eine Audienz, bei der auch der Hofmarschall Gf. Wolfgang von Fürstenberg und der Kanzler Zyprian von Serntein zugegen waren. Schwechenheim bekundete seine Hoffnung, daß der Kg. über die Wormser Angelegenheiten und die vor den kgl. Hofräten geführten Verhandlungen gut unterrichtet sei, und legte dar, daß die Wohlfahrt der Stadt Worms auf zwei Säulen ruhe: Für (1.) ein gutes Regiment hat der Kg. die Stadt gnädig ausgestattet; man hoffe, daß er ihre Rechte schützen wird. Dagegen ist (2.) ihr finanzielles Wohlergehen durch den Klerus bedroht, der zum einen sein Weinausschankrecht mißbraucht und zum anderen Güter der Bürger an sich bringt. Das Einkommen der Bürger und infolgedessen der Stadt, das für die öffentlichen Ausgaben und den Dienst für das Hl. Reich benötigt wird, wird dadurch geschmälert. Die Wormser konnten einem röm. Kg. einmal 2000 Bewaffnete zur Verfügung stellen, doch haben Ritter und Adel unter dem Druck des Klerus die Stadt inzwischen verlassen. Der Klerus wird reich, die Stadt verarmt. Die Stadt bittet deshalb um die Hilfe des Kg. Sie erinnert ihn außerdem an seine Zusage, für die Rückgabe der Urkunden über die Einung und das Schirmverhältnis mit Kurpfalz zu sorgen. Die Wormser Bürger werden ständig bedroht und bedrängt, wogegen sie den kgl. Schutz erflehen. Die Stadt macht außerdem den Vorschlag, zur Begleichung seiner Schulden bei den Wormsern entweder zu jeder Frankfurter Messe Silber zu liefern oder fur IIII- oder funftusent fl. kupfer zu geben. Das wollt eyn rait zu buchsen zu Inßpruck giessen und sich also schicken, damit man ir Mt. und dem Reich auch, so es noit were, desto Šstattlicher dienen mochten etc. – Kg. Maximilian bat um eine schriftliche Fassung des Vortrags.
    Einige kgl. Räte erhielten den Befehl, einen Vertrag zwischen Klerus und Stadt auszuarbeiten. Die Geistlichen versuchten jedoch durch ihre Fürsprecher, namentlich Gf. Eitelfriedrich von Zollern, zu erreichen, daß lediglich eine Vereinbarung für einen Austrag verabschiedet werden sollte.52 Die städtischen Verordneten lehnten dies als Zeitverlust ab: Die Gegenseite spielt lediglich auf Zeitgewinn, um – wie schon mehrmals geschehen – das Verfahren dann durch Ausflüchte zum Scheitern zu bringen. Der Kg. und die Räte sollen deshalb über den Weinschank und die anderen Streitpunkte, bei denen es sich um weltliche Angelegenheiten handelt, entscheiden, damit der Streit ein Ende hat und die Stadt vom Bann gelöst wird.
    Nach weiteren Verhandlungen legten die städtischen Vertreter einen Entwurf für einen Schiedsgerichtsvertrag vor, den Mosbach Kg. Maximilian unterbreitete. Dieser erteilte den mit den Verhandlungen betrauten kgl. Räten Befehl, auf die Annahme des Entwurfs durch die Parteien hinzuarbeiten. Also arbeiten die rete daruf und ward beslussen uf form und masse, wie hienach geschriben [Nr. 970].

    «5.3. Herzog Albrecht IV. von Bayern gegen Pfalzgraf Friedrich: Streit um das niederbayerische Erbe53  »

    « Nr. 389  Pfgf. Friedrich an Kg. Maximilian »

    [1.] Er hat dem kgl. Schreiben1 entnommen, daß die kgl. Räte Hans Walter von Laubenberg zu Hg. Albrecht von Bayern entsandt haben. Dieser habe den Auftrag, unverzüglich nach Freising an Adam von Törring zu berichten, falls der Hg. den Waffenstillstand ablehnen und die Ladung nach Konstanz zurückweisen sollte. Törring könne dann entsprechend der mündlichen kgl. Mitteilung an ihn, Pfgf. Friedrich, weiterverfahren; er solle Törring entsprechend abfertigen.
    [2.] Er erhält täglich Warnungen, daß Hg. Albrecht seine Absicht [zur militärischen Besetzung des Unterpfandes] umsetzen will, weshalb er, zumal angesichts der Rüstungen des Hg. und des Schwäbischen Bundes, des ergangenen Aufgebots zum 30. Mai (sontag trinitatis) und der Kürze des Termins, nicht an einen Erfolg der Mission Laubenbergs Šglaubt. Der Kg. hat ihn, Pfgf. Friedrich, für diesen Fall angewiesen, Wasserburg zu sichern. Er hat ihm jedoch schon früher mitgeteilt, daß er dazu nicht imstande ist. Ohnehin hat Hg. Albrecht Wasserburg bereits isoliert. Er erinnert vorsorglich daran, daß er ihm, dem Kg., seine Angelegenheiten anheimgestellt und er ihm wiederum versichert hat, daß er keinen Krieg dulden werde. Bittet deshalb, dem Schwäbischen Bund jegliche Unterstützung für Hg. Albrecht zu verbieten. Diesem soll die Aufnahme von Kampfhandlungen untersagt werden. Außerdem soll er darüber informiert werden, daß der Kg. Wasserburg bis zum Abschluß des Verfahrens besetzen wird.

    Konstanz, 11. Mai 1507 (erichtag nach vocem jocunditatis).
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 49–49’ (Kop.).

    « Nr. 390 Supplikation Pfgf. Friedrichs an die Reichsstände »

    [1.] Erinnert daran, daß er die Vormundschaft für seine Neffen Ottheinrich und Philipp übernommen und den Streit um das niederbayerische Erbe der Entscheidung Kg. Maximilians anheimgestellt hat.1 Seinen Mündeln wurde in Köln ein Besitz mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. zugesprochen.2 Bis zur Gewährleistung dieser Summe durch die Gegenseite wurde ihm ein Unterpfand übergeben. Nachdem er mit beträchtlichen Kosten seine Bevollmächtigten zum baldigen Vollzug des kgl. Spruches abgeordnet hatte, mußte er feststellen, daß die Verordneten Hg. Albrechts die Ausweisung der Güter nicht nach dem üblichen Anschlag vornahmen, sondern zum Teil unsichere Einkünfte einkalkulierten und die Einkünfte teilweise höher bewerteten als nach der landesüblichen Berechnungsweise. Verschiedentlich wurden ihm auch bereits übergebene Güter bzw. deren Einkünfte wieder entzogen. Dies alles geschah ohne Wissen und Einwilligung des Kg. und ohne eine diesem allein zustehende Erläuterung seines Entscheids.
    [2.] Hg. Albrecht hingegen geht aufgrund der überhöhten Veranschlagung davon aus, daß die ihm, Pfgf. Friedrich, zugewiesenen Ländereien auch ohne das Unterpfand den jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. bereits übersteigen3, und fordert zum Ausgleich die Rückgabe eines Teils der Güter samt dem Unterpfand. Er wiederum verweigert dies zu Recht, da sich die Einkünfte aus den ihn übergebenen, zum Teil im Krieg niedergebrannten und verödeten Besitzungen auf kaum 12 000 fl. belaufen und er aus dem Unterpfand im vergangenen Jahr ungefähr 8000 fl. eingenommen hat. Um ein Versäumnis von seiner Seite jedoch auszuschließen, hat er vor kurzem dem röm. Kg. und dessen Räten sowie der Schwäbischen Bundesversammlung in Augsburg unter anderem angeboten, einen Teil der Güter einschließlich des Unterpfands abzutreten, falls die Gegenseite durch Unterlagen oder Aussagen von Amtleuten belegen kann, daß die Zuweisung an seine Mündel bereits übererfüllt wurde. Obwohl dies innerhalb von drei Tagen möglich gewesen wäre, lehnte Hg. Albrecht sein Angebot ab und traf statt dessen Vorbereitungen, um ihn ohne rechtliche Klärung der Streitfrage mit Hilfe des Schwäbischen Bundes anzugreifen. Er hat dem Hg. zu Šeinem Krieg im Reich, infolgedessen der röm. Kg. und die versammelten Reichsstände in den die christliche Kirche, das Hl. Reich und die deutsche Nation betreffenden Angelegenheiten behindert würden, keinen Grund gegeben. Vielmehr hat er den Streit abermals in die Entscheidung des Kg. gestellt, diesem das Unterpfand bis zu einer Einigung übergeben und sein in Augsburg gemachtes Angebot erneuert. Er hat jedoch auch gefordert, daß ein ggf. festgestelltes Defizit gegenüber der spruchgemäßen Zuweisung ausgeglichen werden müsse. An dieses Angebot will er hiermit erinnern.
    [3.] Er bittet in Namen seiner Mündel um eine Intervention beim Kg., damit dieser Hg. Albrecht von seinem geplanten Vorgehen abhält und sich mit seinem Angebot zufriedengibt, so daß die Angelegenheit hier in Konstanz friedlich beigelegt werden kann. Falls einer der Anwesenden Vorschläge zur Verhinderung dieses Krieges machen kann, bittet er, dies zu tun.4 

    In Konstanz am 14. Mai 1507 (freitag nach ascensionis Domini) nach einer Rede Pfgf. Friedrichs an die versammelten Reichsstände übergeben.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 239–243’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 27’-30 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = B.

    « Nr. 391 Mandat Kg. Maximilians an den Schwäbischen Bund »

    Gemäß einer Klausel des Kölner Spruches1 obliegt ihm die Entscheidung über strittige Punkte bei der Aufteilung des niederbayerischen Erbes. Er hat es demzufolge übernommen, die derzeitigen Streitigkeiten zwischen den Parteien zu regeln. Laut vorliegenden zuverlässigen Informationen treffen die Hgg. Albrecht und Wolfgang von Bayern Kriegsvorbereitungen. Der Schwäbische Bund hat seine Hilfe zugesagt und beschlossen, am 30. Mai (suntag trinitatis) seine Truppen zu versammeln, um das Unterpfand, das Pfgf. Friedrich gemäß dem Kölner Spruch innehat, zu besetzen.
    Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zum kgl. Spruch, den beide Parteien akzeptiert haben. Ein Krieg im Reich würde die anstehenden Angelegenheiten von Kg., Reich und deutscher Nation gefährden. Es steht dem Bund auch nicht zu, ohne seine Zustimmung einen Krieg im Reich zu beginnen, um so weniger, als er diesen Streit auf dem RT beilegen will. Er ist nicht gewillt, einen Krieg im Reich oder eine Verletzung des kgl. Spruchs zu tolerieren. Befiehlt ihnen unter Androhung der kgl. Ungnade und schwerer Strafe, jegliche ŠUnterstützung Hg. Albrechts und Hg. Wolfgangs gegen Pfgf. Friedrich und seine Mündel bzw. zur Einnahme des Unterpfandes zu unterlassen. Truppen, die sich bereits im Anmarsch befinden, müssen unverzüglich zurückgezogen werden. Er hat beiden Parteien geboten, sich in dieser Angelegenheit ihm gegenüber gehorsam zu erzeigen.

    Konstanz, 15. Mai 1507. In der Bundesversammlung zu Überlingen am 16. Mai verlesen.2
    München, HStA, KÄA 3136, fol. 269 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. N. Ziegler) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 260’-262’ (koll. Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. N. Ziegler) = B.

    « Nr. 392 Mandat Kg. Maximilians an Hg. Albrecht und Hg. Wolfgang von Bayern »

    [Narratio wie Nr. 391 (Gemäß ... tolerieren)]. Befiehlt ihnen unter Androhung der kgl. Ungnade und schwerer Strafe, von ihrer Absicht zurückzustehen und jegliche Feindseligkeiten gegen Pfgf. Friedrich, seine Mündel und ihr Territorium zu unterlassen. Sollten sich Truppen bereits auf dem Anmarsch befinden, müssen diese zurückgezogen werden. Und euch von stund zu uns auf unsern gegenwurtigen Reichs tag gen Costenz in aignen personen fueget, uns daselbst neben andern unsern und des Reichs Kff., Ff. und stenden in des Reichs, deutscher nation und gemainer cristenhait obligenden sachen helfen zu handlen. Er wird dort beide Parteien anhören und die Streitigkeiten beilegen.

    Konstanz, 15. Mai 1507.
    München, HStA, Kurbay. Urk. 7089 (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. N. Ziegler) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 263–264’ (koll. Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie A) = B.
    Druck: Krenner , Landtagshandlungen XVI, S. 194–197.

    « Nr. 393 Mandat Kg. Maximilians an Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Wasserburg »

    [Narratio wie Nr. 391 (Gemäß ... tolerieren.)]. Er hat Hg. Albrecht und Hg. Wolfgang von Bayern sowie dem Schwäbischen Bund befohlen, ihr Vorhaben aufzugeben und jegliche Feindseligkeiten gegen Pfgf. Friedrich, seine Mündel und ihr Territorium zu unterlassen und ggf. ihre Truppen zurückzuziehen. Da Wasserburg Teil des Unterpfands ist, befiehlt er ihnen unter Androhung der kgl. Ungnade und schwerer Strafe, die beiden genannten Hgg. oder ihre Anhänger nicht in die Stadt einzulassen, sondern Pfgf. Friedrich als Vormund gehorsam zu sein, bis er eine Entscheidung über den Streit gefällt und ihnen diese mitgeteilt hat.

    Konstanz, 15. Mai 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 265–266’ (koll. Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. N. Ziegler).

    « ŠNr. 394  Vortrag Pfgf. Friedrichs vor Kg. Maximilian und den Reichsständen »

    [1.] Vortrag seiner wichtigsten Beschwerden über das Taxationsverfahren: [2.] abweichende Veranschlagung der ausgewiesenen Güter durch die Parteien, Zurückweisung des von Pfgf. Friedrichs angebotenen Beweisverfahrens, Vorbereitung Hg. Albrechts zur gewaltsamen Besetzung des Unterpfands; [3.] überhöhte Taxationsergebnisse der Gegenseite durch Verzicht auf die gemäß Kölner Spruch vorgeschriebene landesübliche Berechnungsweise; Darlegung der Konsequenzen anhand der [3.1.] Getreideerträge und [3.2.] Holznutzung; [3.3.] unbegründete Geltendmachung von Posten als jährliche Einkünfte durch die Gegenseite; [4.] Zurückweisung des Vorwurfes der Verfahrensverschleppung, Protest gegen das Taxationsverfahren, Bitte um Veranschlagung der ausgewiesenen Besitzungen auf landesüblicher Berechnungsgrundlage; [5.] Verletzung der Bestimmung des Kölner Spruches über die Verweisung Pfgf. Friedrichs ausschließlich auf Gebiete Hg. Georgs von Niederbayern nördlich der Donau; [6.] Übergabe von Gütern durch die Gegenseite ohne Einräumung der zugehörigen obrigkeitlichen Befugnisse.

    [Konstanz], wohl nach dem 15. Mai 1507.1 
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 187–195 (unvollständige Kop.).

    [1.] Pfgf. Friedrich2 als Vormund seiner Neffen hat den Kg. mehrmals mündlich und schriftlich um Anhörung seiner Beschwerden im Streit mit den Hgg. Albrecht und Wolfgang von Bayern gebeten. Diese Anhörung vor ihm und den versammelten Reichsständen wurde ihm zum heutigen Tag bewilligt. Um nicht zu Verärgerung Anlaß zu geben und andere Angelegenheit von Kg. und Reich nicht zu behindern, will Pfgf. Friedrich den Sachverhalt so knapp wie möglich und in Beschränkung auf die drei wesentlichen Punkte darstellen.
    [2.] 1. Hg. Albrecht behauptet gegenüber Kg. und Reichsständen und insbesondere gegenüber den Mitgliedern des Schwäbischen Bundes, daß der jährliche Ertragswert der von ihm ausgewiesenen und übergebenen Besitzungen die Pfgf. Friedrich gemäß Kölner Spruch zustehenden 24 000 fl. um 6000 fl. übersteigen würden, weshalb dieser gemäß kgl. Spruch verpflichtet sei, den Überschuß samt dem Unterpfand zurückzugeben. Pfgf. Friedrich bestreitet diese Angabe. Vielmehr beläuft sich der Jahresertrag der an ihn abgetretenen Ländereien gemäß dem landesüblichen Anschlag auf nicht einmal 12 000 fl.; aus dem Unterpfand kommen weitere 8000 fl. Es fehlen also noch 4000 fl. Angesichts dieser unvereinbaren Angaben der Parteien ist eine Klärung des Sachverhaltes unumgänglich. Hg. Albrecht hat sich indessen geweigert, seine Angaben zu beweisen. Pfgf. Friedrich dagegen hat angeboten, die Einkünfte aus den von ihm übernommenen Ämtern nicht anhand von eigenen Abrechnungen, sondern durch die ihm von Hg. Albrecht ausgehändigten Urbarbücher, Salbücher, Register und Kastenrechnungen und entsprechenden Unterlagen aus der Zeit Hg. Ludwigs und Hg. [Georgs] über einen Zeitraum von 30 Jahren zu belegen. Doch wollte Hg. Albrecht diese Beweisführung nicht zulassen und konnte auf dem zur ŠFastenzeit in Augsburg abgehaltenen Schwäbischen Bundestag erreichen, daß auch die kgl. Räte sein Angebot zurückwiesen. Obwohl Pfgf. Friedrich dafür nur zwei Tage Zeit beanspruchte, verweigerte ihm die Bundesversammlung die Beweisführung. Statt dessen wurde Hg. Albrecht eine Bundeshilfe für die Eroberung des Unterpfands bewilligt.3 Über die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens haben Kg. und Reichsstände zu befinden. Denn Pfgf. Friedrich hat das Unterpfand gemäß kgl. Spruch und mit Einwilligung der Gegenpartei bis zum Abschluß des Verfahrens inne. Er hat angeboten zu beweisen, daß die ihm als Vormund zugesprochene Summe noch nicht erreicht ist. Deshalb besteht keine rechtliche Grundlage, ihm das Unterpfand zu entziehen. Hg. Albrecht verfolgt jedoch seine Absicht zur gewaltsamen Rückeroberung mithilfe des Schwäbischen Bundes weiter, weshalb Pfgf. Friedrich genötigt ist, seine Beschwerde dem Kg. als oberstem Vormund und zuständigem Richter vorzutragen und um Hilfe zu ersuchen. Der Pfgf. bittet den Kg., gemeinsam mit den anwesenden Reichsständen die Beweisführung für die Richtigkeit seiner Angaben zum Ertrag der ihm übergebenen Ländereien zu gestatten.
    [3.] 2. Gemäß dem Kölner Spruch sind die 20 000 fl. aus Gebieten nördlich der Donau und die übrigen durch den röm. Kg. auszuweisenden 4000 fl. explizit nach gewonlichem anschlagen zu taxieren.4 Diese Bestimmung ist nicht nach Belieben interpretierbar, sondern besagt eindeutig: nach landleufigem, gewondlichen anschlag jeder gegend nutzung und gült. Die Klausel gilt ipso facto für alle Gebiete, in denen sie auch anwendbar ist, also für ganz Bayern und Schwaben. Eine Taxation nach einem anderen Modus verstößt somit eindeutig gegen den Kölner Spruch, die kgl. [Ennser] Deklaration [vom 18.1.1506] und alle sonstigen kgl. Regelungen und ist somit nichtig. Die Anwälte und Taxatoren Hg. Albrechts haben zu dessen Vorteil den Ertragswert vielfach in unüblicher Weise veranschlagt. Wie aus dem beiliegenden Verzeichnis5 hervorgeht, errechneten sie auf diese Weise gegenüber der üblichen Veranschlagung einen um über 10 000 fl. höheren Ertrag. Pfgf. Friedrich will dies am Beispiel einiger wichtiger Posten gegenüber Kg. und Reichsversammlung mündlich darlegen lassen6:
    [3.1.] Im Raum Neuburg wird bei Erbschaftsangelegenheiten, Kauf- und allen sonstigen Verträgen sowie in Rechtsstreitigkeiten ein Ingolstädter oder Neuburger Schaff Weizen mit 1 Ort und 2 fl. bewertet, ein Schaff Roggen mit 2 fl. und ein Schaff Hafer mit 1 fl. Daran haben sich die Anwälte und Taxatoren Pfgf. Friedrichs gehalten. Die Taxatoren Hg. Albrechts dagegen legten unter Mißachtung des Kölner Spruches ein frembden, unzimblichen, ubermessigen und vorteilischen anschlag des getraids [zugrunde], nemliche also, das das traide soll angeschlagen werden, was und wie es in XXV jarn bei prelaten und steten auf den casten ader dem markt jedes trayde golten hab oder verkauft sey worden. Es ist allgemein bekannt, daß das Getreide vor zwanzig Jahren teurer war als in den letzten drei bis vier Jahren. Jedes Schaff Getreide wurde dadurch zum Nachteil Pfgf. Friedrichs und Šseiner Neffen um die Hälfte höher veranschlagt. Die Differenz, für alle Ämter hochgerechnet, beläuft sich allein bei den jährlichen Getreidegülten auf 4000 fl.
    [3.2.] Die Anwälte und Taxatoren Hg. Albrechts haben den Wald flächenweise gemessen und einen Ertrag von 2 fl. je Morgen bei vollständiger Abholzung zugrundegelegt. Aufgrund dieser Berechnung veranschlagten sie die Wälder im Amt Weiden, das Hg. Albrecht zur Hälfte an Pfgf. Friedrich übergeben hat, auf einen Wert von 22 000 fl. und einen jährlichen Ertrag von 1100 fl. Aus den Rechnungsbüchern ist ersichtlich, daß die Holznutzung Hg. Georg aus seinem halben Anteil jährlich nie mehr als 90 bis 100 fl. einbrachte, was allein in diesem Amt eine Differenz von 1000 fl. zum Nachteil Pfgf. Friedrichs ausmacht. Ähnlich verhält es sich mit den übrigen Ämtern, so daß der Pfgf. und seine Mündel durch die inkorrekte Berechnung der Gegenseite um jährlich 5000 fl. übervorteilt würden. Damit verstößt die Gegenseite gegen den kgl. Spruch und dessen Regelung bezüglich des üblichen Anschlags. Dieser berücksichtigt beispielsweise die lange Produktionszeit von über hundert Jahren für Bauholz, während der kein jährlicher Ertrag abfällt. Bezüglich der Einkünfte aus dem Stangenholz dagegen sind die jährlichen Abrechnungen der Hgg. von Bayern maßgeblich. Die dafür erforderlichen Register will Pfgf. Friedrich für jedes Amt vorlegen.
    [3.3.] Die gegnerischen Anwälte und Taxatoren wollen außerdem jährliche Einkünfte anrechnen, die nach dem üblichen Anschlag nicht als solche gelten. So haben sie Jagdrechte für Vögel, Hasen und anderes Wild sowie Frondienste und Scharwerke im Zusammenhang mit der Jagd, Brennholz für den Haushalt, Bußtaxen, Strafgelder und Gerichtsgefälle – ohne die Kosten für Richter, Amtleute und Gericht abzuziehen –, Posten wie Hundelager7, Siegelgeld, Geleitgeld und Wegezoll – ohne den Unterhalt der Geleitsleute oder die Kosten für die Instandhaltung der Wege zu berücksichtigen –, und andere Scharwerke entgegen dem landesüblichen Gebrauch angerechnet. Die Schäferei zu Heideck, die keine 300 fl. einbringt, veranschlagten sie mit 1100 fl. 8 Die Weiher werden, verglichen mit den Angaben in den Registern, um die Hälfte überbewertet.9 
    [4.] Pfgf. Friedrich erhebt seine Beschwerden also zu Recht, er ist als Vormund und gegenüber dem röm. Kg. als oberstem Vormund dazu verpflichtet. Die zuvor und jetzt wieder vor dieser Versammlung von der Gegenseite erhobenen Vorwürfe – wobei die Schmähungen [Dietrichs von] Plieningen sicherlich ohne Wissen und Willen Hg. Albrechts erfolgten –, Pfgf. Friedrich habe den kgl. Spruch nicht vollzogen, können dagegen nicht bestehen. Vielmehr wurde bewiesen, daß die bayerischen Anwälte und Taxatoren gegen dessen Bestimmungen verstoßen und das Verfahren dadurch in die Länge gezogen haben. Die Abwehr ihres unzulässigen Vorgehens durch die Vertreter Pfgf. Friedrichs kostete viel Zeit. Die gegnerischen Anwälte haben durch die überhöhte Taxation entgegen dem üblichen Anschlag gegen den Kölner Spruch verstoßen, so auch der Obmann durch seine unbegründete Zustimmung zum bayerischen Standpunkt; damit hat er die ihm aufgetragene kgl. Kommission mißachtet. Alle Ergebnisse der Taxation, denen nicht das landesübliche Berechnungsverfahren zugrundliegt, sind infolgedessen null und nichtig. Pfgf. Friedrich hat sich nach Bekanntwerden der gegnerischen Vorgehensweise das Recht zum Einspruch Švorbehalten. Er bittet den Kg. – und bittet die Stände, in diesem Sinne beim Kg. zu intervenieren –, nach erfolgter Überprüfung der einschlägigen Unterlagen Hg. Albrecht dazu zu veranlassen, die 24 000 fl. entsprechend dem üblichen Anschlag auszuweisen.
    [5.] 3. Gemäß kgl. Spruch soll Pfgf. Friedrich auf zum georgianischen Erbe gehörige Gebiete nördlich der Donau verwiesen werden. [Text bricht ab].
    [6.] Hg. Albrecht hat etliche Orte ohne zugehörige obrigkeitliche Rechte übergeben oder solche Rechte nachträglich wieder eingezogen. [Text bricht ab].

    « Nr. 395 Supplikation Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Zurückweisung der gegnerischen Vorwürfe über die Verschleppung des Taxationsverfahrens; Gliederung der Supplikation; [2.] Ertragwert der an Pfgf. Friedrich gemäß Kölner Spruch übergebenen Besitzungen; [3.] Einbehaltung von Besitzungen Hg. Georgs im Oberland nördlich der Donau durch Hg. Albrecht von Bayern; [4.] überhöhte Taxationsergebnisse der Gegenseite beim Getreide durch Nichtanwendung der laut Kölner Spruch vorgeschriebenen landesüblichen Berechnungsweise; Unzulässigkeit der Entscheidung des Obmanns; Ungültigkeit des Taxationsverfahrens; [5.] überhöhte Taxationsergebnisse der Gegenseite bei der Holznutzung durch Nichtanwendung der laut Kölner Spruch vorgeschriebenen landesüblichen Berechnungsweise; Unzulässigkeit der Entscheidung des Obmanns; Ungültigkeit des Taxationsverfahrens; [6.] unbegründete Geltendmachung unsicherer Posten als jährliche Einkünfte durch die Gegenseite; Unzulässigkeit der Entscheidung des Obmanns; Ungültigkeit des Taxationsverfahrens; [7.] unvollständige Übergabe von Besitzungen oder erneute Aneignung von übergebenen Gütern durch die Gegenseite; [8.] Bitte um Abstellung der genannten Beschwerden Pfgf. Friedrichs gegen Hg. Albrecht, um Ausweisung der restlichen 4000 fl. jährlichen Einkommens durch Kg. Maximilian und um Weisung an Hg. Albrecht und den Schwäbischen Bund bezüglich des Unterpfands.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl zwischen dem 15. Mai und 3. Juni 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 266’-277’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs; Überschr.: Auf der röm. kgl. Mt. begern hat Hg. Friderich solch schriften seiner Mt. uberantworten lassen, lautend also.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 35–42, 34’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = B.

    [1.] Nach Aufforderung durch den Kg. übergibt er eine so knapp wie möglich gehaltene Klageschrift gegen Hg. Albrecht und bittet, mit den Kff. und Ff., auch den kgl. Hofräten und den Ständen des Reiches, die der Kg. hinzuziehen wird, darüber zu beraten. Die von Hg. Albrecht insbesondere durch Plieningen erhobenen Vorwürfe gegen ihn, er leiste dem kgl. Spruch und den Verträgen nicht Folge, weist er zurück. Vielmehr ist die Gegenseite daran schuld, daß der kgl. [Kölner] Spruch bislang nicht vollzogen werden konnte. Dies wird er im folgenden darlegen. Doch sollen seine Vorwürfe gegen Hg. Albrecht, dessen Anwälte und Taxatoren sowie gegen den kgl. Obmann [Bf. Georg von Trient] nicht als ehrenrührig angesehen werden. Seine Schrift umfaßt drei Hauptpunkte: 1. Hg. Albrecht Šhat ihm gegenüber den kgl. Spruch im wichtigsten Punkt bislang nicht umgesetzt. 2. Die Taxatoren und Anwälte Hg. Albrechts sowie der kgl. Obmann haben gegen den kgl. Spruch, die [Ennser] Deklaration, die ihnen erteilte Kommission und gegen die Schiedsverträge verstoßen. Infolgedessen sind alle ihre Handlungen nichtig. 3. Hg. Albrecht hat ihm unter Mißachtung des kgl. Spruches Unrecht zugefügt.
    [2.] 1. Laut kgl. Spruch soll ihm Hg. Albrecht Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von 20 000 fl. nach dem üblichen Anschlag übergeben; der Kg. wird weitere Güter im Wert von 4000 fl. ausweisen, die ihm ebenfalls übergeben werden sollen. Bezüglich der Gesamtsumme von 24 000 fl. wurde er bis zum heutigen Tag nicht zufriedengestellt. Hg. Albrecht behauptet, ihm – das Unterpfand nicht eingerechnet – Besitzungen im Wert von 30 000 fl. übergeben zu haben, was jedoch nicht zutrifft. Dennoch hat er, Pfgf. Friedrich, in Augsburg vor den kgl. Räten und den Schwäbischen Bundesständen angeboten, innerhalb von zwei Tagen anhand der ihm von Hg. Albrecht ausgehändigten Sal- und Rechnungsbücher zu beweisen, daß die 24 000 fl. bei weitem noch nicht erreicht sind. Dies hat Hg. Albrecht jedoch unter Ausflüchten abgelehnt. Der Kg. kann selbst ermessen, warum. Er hat gleichwohl einen kurzen Auszug (Beilage A)1 anfertigen lassen, der beweist, daß die ihm übergebenen Güter zu Zeiten Hg. Georgs und Hg. Albrechts vor dem [Landshuter Erbfolge-]Krieg nicht mehr als 16 974 fl., 19 d., 1 h. einbrachten. Infolge von Kriegsschäden betrugen die Einkünfte im vergangenen Jahr nur noch 12 668 fl., 6 ß, 8 d. Zusammen mit den Erträgen aus dem Unterpfand in Höhe von ca. 8000 fl. beläuft sich die Gesamtsumme auf 20 668 fl., 6 ß, 8 d. Es fehlen also noch etwa 3500 fl. Dabei sind die unsicheren Einkünfte und andere Posten, die üblicherweise nicht berücksichtigt werden, sogar bereits eingerechnet. Bietet an, die den Berechnungen zugrundeliegenden Salbücher und Rechnungsregister vorzulegen.
    [3.] Hg. Albrecht hat auch die Bestimmung des Spruches nicht erfüllt, wonach er die Güter im Wert von 20 000 fl. aus den Besitzungen Hg. Georgs im Oberland nördlich der Donau – ausgenommen Ingolstadt – ausweisen soll. Der Hg. hat ihm jedoch aus dem Georgianischen Erbe Wemding, Kösching, Gerolfing, Gaimersheim, Etting (Oting) und Stammham bis dato vorenthalten.2 
    [4.] 2. Die bisherigen Ergebnisse der Taxation und die Entscheidungen des Obmannes sind null und nichtig: Gemäß dem Kölner Spruch ist die Taxation der Güter explizit nach Šgewonlichem anschlag vorzunehmen. Diese Bestimmung ist nicht von den Parteien nach ihrem Gutdünken interpretierbar, sondern besagt eindeutig: wie die gemain gewonhait und landßgebrauch ist an den enden, da die flecken ligen. Die gegnerischen Anwälte und Taxatoren haben jedoch den Ertragswert anders als in Bayern und Schwaben üblich und dazu überhöht veranschlagt. Seine Vertreter konnten dem nicht zustimmen und wollten die Entscheidung dem Kg. überlassen. Als der kgl. Obmann nach Augsburg kam, trugen sie diesem die Streitigkeiten vor: Bezüglich der Getreidegülten wollten die Taxatoren Hg. Albrechts ainen anschlag machen, wie das getraid von den prelaten und stetten von funfundzwainzig jaren here ab den casten und ab dem markt verkauft ist. So haben mein taxatores den anschlag gemacht, wie der gewonlich anschlag im land zu Bairen und Schwaben, da mein flecken ligen, ist. Sie erstatteten dem Kg. darüber Bericht, der den Kommissar beauftragte, in Erfahrung zu bringen, welches Verfahren bei der Feststellung des jährlichen Ertragswert in Bayern und in den zu taxierenden Orten üblich ist (Beilage B)3. Die pfgfl. Taxatoren und Anwälte machten auch geltend, daß gemäß kgl. Spruch bei Streitigkeiten darüber dem Kg. dessen Auslegung obliege (Beilage C)4 Sie baten den Kommissar außerdem, zu klären, wie in Bayern und Schwaben die Getreidegült bei Rechtsgeschäften üblicherweise veranschlagt wird, und boten ihm an, rechtskräftige Zeugnisse darüber vorzulegen. Der Kommissar entschied jedoch, daß die Getreidegülten nach dem Verfahren der Taxatoren Hg. Albrechts veranschlagt werden sollten (Beilage D)5. Aufgrund dieser Deklaration berechneten die Taxatoren der Gegenpartei die Getreidegülten doppelt so hoch wie üblich. Bekanntlich wird in Bayern ein Schaff Weizen Ingolstädter Maß mit 2 fl., 60 d. bewertet, die bayerischen Taxatoren gingen jedoch von 4 fl., 22 d. aus. Ein Schaff Korn wird gewöhnlich mit 2 fl., von den Taxatoren der Gegenseite jedoch mit 3 fl., 66½ d. veranschlagt. Ein Schaff Dinkel bringt 1 fl. ein, während die bayerischen Taxatoren 1 fl., 5 ß, 20 d. zugrundelegen (Beilage E)6. Die Gegenpartei veranschlagt das Getreide gegenüber seinem realen Wert um das Doppelte zu hoch. Der ihm und seinen Mündeln daraus entstehende Verlust würde jährlich an die 3000 fl. betragen. Doch ist die Taxation als gegen den kgl. Spruch, die [Ennser] Deklaration und die Verträge verstoßend, aber auch wegen der unzulässigen Entscheidung des Obmanns und seines Verstoßes gegen die kgl. Kommission ungültig.
    [5.] Auch über die Holzmessung kam es zum Streit. Die Anwälte und Taxatoren Hg. Albrechts schlugen vor, man soll die holzer außmessen mit der ruten nach dem morgen, während seine Vertreter eine Veranschlagung aufgrund der Register Hg. Georgs und Hg. Albrechts über die jährlichen Erträge forderten. Der Obmann traf erneut in unzulässiger Weise eine Entscheidung. Darauf Hg. Albrechts anweld die mainung furgenommen, das holz zu achten, wie man es verkaufen mocht, so man es vom stammen gar abhauen sollt, und ain summa darauß gemacht, und mir allweg fur zwainzig fl. ain ewigen fl. Šangeschlagen. Aufgrund dieser Berechnung veranschlagten sie die Wälder im Amt Weiden mit 22 000 fl. und den jährlichen Ertrag daraus auf 1100 fl. Dieses Amt gehört indessen nur zur Hälfte ihm. Das ganze Amt ist für nur 17 166 fl. ein Pfand der böhmischen Krone.7 Aus den Rechnungsbüchern ist zu ersehen, daß die Holznutzung Hg. Georg jährlich nie mehr als 100–110 fl. einbrachte. Im Amt Neuburg berechneten die bayerischen Taxatoren den Wert der Wälder auf 10 500 fl. und entsprechend den jährlichen Ertrag auf 525 fl., während Hg. Georg seinerzeit tatsächlich nie mehr als 20 lb d. einnehmen konnte. Zudem waren die Wälder in den beiden Ämtern früher in einem besseren Zustand als heutzutage. In anderen Ämtern wurden die Wälder ähnlich überhöht veranschlagt (Beilage F)8. Die Differenz gegenüber dem realen Ertrag beläuft sich zu seinem Nachteil auf jährlich 5000 fl. Überdies würde es ihm an Bauholz fehlen, das erst in 200 Jahren nachwächst, und er müßte auf den Wildbann ganz verzichten. Aus den genannten Gründen sind die Taxationsergebnisse und die Entscheidung des Obmannes ungültig.
    [6.] Die bayerischen Taxatoren wollten außerdem Scharwerke miteinberechnen, die zu Zeiten Hg. Georgs dem gemeinen Mann auferlegt wurden. Diesen Posten wollte er jedoch nur akzeptieren, insoweit das Scharwerk üblicherweise durch Geldzahlungen abgelöst wird. Auch Leistungen wie das Schlagen und den Transport von Holz, die Lieferung von Wildbret und dergleichen wollten sie ihm unrichtigerweise als Ewiggülte anrechnen. Eine im Amt Reichertshofen gelegene Taverne, die einen jährlichen Erbzins von 6 fl. abwirft, wollte die Gegenseite als neue Gülte mit 142 fl., 4 ß, 5 d. veranschlagen. Da der Pfleger jedoch mit Gewinn und Verlust an den Getränken beteiligt ist, schwankt der jährliche Ertrag. Ebenso wurden Küchendienste wie die Lieferung von Lämmern, Hühnern, Eiern, Hanf und Erbsen höher, als üblich ist und die Rechnungsbücher ausweisen, veranschlagt. Einen Hof mit Schäferei zu Heideck mit einem Wert von 100 fl. bewerteten die bayerischen Taxatoren mit über 1000 fl. Darüber hinaus wollten sie weitere unsichere und schwankende Einkommen (Vogeljagd, Siegelgelder, Verspruchgelder9, Handlöhne10, Hauptrechte11, Geleitgelder, Gerichtswändel12 und Viztumswändel13) als Ewiggülte einstufen und ignorierten beispielsweise die Kosten für den Unterhalt der Gerichte. Der Obmann stimmte der Taxierung dieser Šunsicheren Einkünfte in fast allen Fällen zu. Damit wurde erneut gegen den kgl. Spruch verstoßen und die Taxation ist demzufolge nichtig. Er weist hiermit die Anschuldigungen Hg. Albrechts, insofern diese auf der Taxation und den unrechtmäßigen Entscheidungen des Obmannes gründen, zurück.
    [7.] 3. Laut kgl. Spruch hat Hg. Albrecht ihm alle Güter mit sämtlichen zugehörigen Rechten und Besitzungen zu übergeben, vorbehaltlich der bereits vor dem Spruch erfolgten Verschreibungen der Hgg. Albrecht und Wolfgang an Dritte. Dagegen hat Hg. Albrecht sich bei der Übergabe etliche Güter vorbehalten und einige nach erfolgter Übergabe gewaltsam wieder an sich gebracht (Beilage G)14. Hg. Albrecht hat außerdem den Schwäbischen Bund veranlaßt, ihm bei der gewaltsamen Einnahme des laut Kölner Spruch ihm, Pfgf. Friedrich, übergebenen Unterpfands zu helfen.
    [8.] Aus seiner Darlegung geht eindeutig hervor, bei wem die Schuld für den Nichtvollzug des kgl. Spruches zu suchen ist und daß er sich zu Recht über Hg. Albrecht beklagt. Bittet, diesen dazu zu veranlassen, ihm weitere Güter zu übergeben, damit die Summe von 20 000 fl. nach dem üblichen Anschlag erfüllt wird, die wieder eingezogenen Güter zurückzugeben und die Übergabe dessen, was ihm gemäß kgl. Spruch zusteht, mit allen Zugehörungen vorzunehmen. Bittet außerdem den Kg., die restlichen 4000 fl. gemäß dem kgl. Spruch an gelegen enden auszuweisen. Außerdem soll Weisung an Hg. Albrecht und den Schwäbischen Bund ergehen, ihn bis zum Abschluß des Verfahrens im ungestörten Besitz des Unterpfands zu belassen.

    « Nr. 396 Supplikation Pfgf. Friedrichs an die deputierten Ff. (Ebf. Ernst von Magdeburg, Bf. Lorenz von Würzburg, Bf. Georg von Bamberg, Bf. Gabriel von Eichstätt, Bf. Hugo von Konstanz und Hg. Georg von Sachsen) »

    Er hat seine Beschwerden gegen Hg. Albrecht zuerst dem Kg. und dann ihnen schriftlich mitgeteilt. Doch widerfuhr ihm inzwischen weiteres Unrecht. Hg. Albrecht hat sich nicht damit begnügt, ihn unter Mißachtung des Kölner Spruches durch überhöhte Veranschlagung des Getreides und der Wälder sowie durch Einberechnung der Scharwerke und unsicherer Einkünfte um mehr als 10 000 fl. zu übervorteilen oder ihm zu seinem Nachteil die nördlich der Donau gelegenen Orte Wemding, Kösching, Gaimersheim, Gerolfing, Stammham und Etting (Otting) vorzuenthalten, die wirtschaftlich wertvoller sind als die von Hg. Albrecht abgetretenen Gebiete des Nordgaus. Ferner hat sich der Hg. auch nicht damit zufriedengegeben, ihm unter Mißachtung des Kölner Spruches die obrigkeitlichen Rechte in etlichen abgetretenen Gebieten zu verwehren oder ihm obrigkeitliche Rechte und Einkommen aus bereits übergebenen Gebieten gewaltsam wieder zu entziehen – wie er dies alles bereits zuvor angezeigt hat. Hg. Albrecht hat darüber hinaus hinter seinem Rücken beim Kg. in Salzburg eine Ausweisung der 4000 fl. zu seinem Vorteil erlangt.1 Denn diese umfaßt größtenteils in Šeiner rauhen Gegend im vorderen Bayerischen Wald nahe der böhmischen Grenze gelegene Orte, die mehr Kosten verursachen als Einkünfte erbringen. Überdies soll Hg. Albrecht die freie Wahl haben, welche dieser Orte er ggf. abtreten will. Er bittet, diese und seine übrigen Beschwerden zu berücksichtigen und den Kg. dazu zu bewegen, daß er diesen üblen Absichten entgegentritt und der kgl. [Kölner] Spruch vollzogen wird.

    [Konstanz], s.d., jedoch nach dem 4. Juni 1507.2
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 308’-310’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs).

    « Nr. 397 Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians 1  an Pfgf. Friedrich »

    Pfgf. Friedrich bezieht [laut Angabe Hg. Albrechts von Bayern] aus den ihn zugewiesenen 33 Gütern einen um etliche 1000 fl. höheren Ertrag als die ihm zugesprochenen 24 000 fl. Zusammen mit dem auf 10 000 fl. zu veranschlagenden Unterpfand beläuft sich das derzeitige jährliche Einkommen sogar auf 40 000 fl.

    Soll Hg. Friderich als vormund der kgl. Mt. anzaigen, ob er leiden wolle, das die geschehen taxierung mit des obmanns zufall beleib und die stuck, so nit taxiert sein, noch taxiert werden und in dem allem der willkurt obmann sein zufall tue laut des spruchs zu Cöln und der vertreg, nachmals darauß gevolgt, und das Hg. Friderich des underpfands itz Hg. Albrechten abtrete. So soll Hg. Albrecht ander schloß und stett enhalb der Thonau biß ungeverlich IIIIM fl. nutz und gelts in des obmanns hand stellen. Was sich dann durch dieselb tax erfindet, das im an den dreiunddreissig stucken abgeet, soll ime erstatt oder, ob er zuvil inhett, abgezogen werden.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl vor dem 11. Juni 1507.2
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 299’-300 (Kop.).

    « Nr. 398 Antwort Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    Er bestreitet nach wie vor, daß sich der jährliche Ertrag der ihm übereigneten Güter zusammen mit dem Unterpfand auf 40 000 fl. belaufen soll. Er bietet erneut an, seine Angaben zu beweisen, was ihm bislang nicht gestattet wurde.
    Was den Vorschlag angeht, die bisherigen Taxationsergebnisse zu akzeptieren und lediglich die noch untaxierten Güter veranschlagen zu lassen, so hat er schon zuvor auf die ŠUngültigkeit der Taxation hingewiesen. Falls das von ihm übergebene Schriftstück [Nr. 395] noch nicht angehört wurde, bittet er, dies nachzuholen oder ihn zum mündlichen Vortrag zuzulassen, zumal Hg. Albrecht schon mehrere Male vor dem Kg., den kgl. Räten und den Reichsständen angehört wurde.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl vor dem 11. Juni 1507.1
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 300–301 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 25 (Kop.) = B.

    « Nr. 399 Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians an Pfgf. Friedrich »

    [1.] Pfgf. Friedrich hat vorgebracht, daß die Taxierung nicht, wie im kgl. [Kölner] Spruch vorgesehen, nach dem üblichen Anschlag erfolgte und deshalb das ihm als Vormund bzw. seinen Mündeln zugesprochene jährliche Einkommen deutlich unterschritten wird. Man hat daraufhin im kgl. Rat erwogen, dem bisherigen Obmann, Bf. Georg von Trient, jeweils einen durch die beiden Parteien zu benennenden Schiedsrichter aus dem Fürstenstand oder aus dem Kreis der adligen kgl. Hofräte beizuordnen. In deren Anwesenheit sollen die sechs Taxatoren alle Güter erneut besichtigen und nach dem üblichen Anschlag taxieren. Einhellige Berechnungen sind von beiden Seiten ohne weiteres zu akzeptieren. Wo die Taxatoren der beiden Parteien erneut zu abweichenden Ergebnissen gelangen, sollen die drei kgl. Obmänner, die nach eigener Besichtigung entweder einer Partei zustimmen oder einen Kompromiß ausarbeiten, den Ausschlag geben. Ihre Entscheidung haben beide Parteien anzunehmen.
    [2.] Pfgf. Friedrich soll das Unterpfand wieder an Hg. Albrecht abtreten. Im Gegenzug soll Hg. Albrecht nördlich der Donau gelegene Schlösser und Städte aus dem georgianischen Erbe oder ggf. aus seinen eigenen Besitzungen im Wert von 5000–6000 fl. jährlichen Ertrags an die drei Obleute übergeben. Falls bei der neuen Taxation festgestellt wird, daß das Pfgf. Friedrich zugesprochene Einkommen durch die 33 Güter noch nicht gewährleistet ist, soll die Differenz aus diesen Besitzungen ausgeglichen werden; falls diese nicht ausreichen sollten, werden weitere nördlich der Donau gelegene Besitzungen dazugeschlagen. Falls die Taxation zu einem höheren Ergebnis als 24 000 fl. gelangt, sollen die drei Obleute Güter im entsprechenden Wert an Hg. Albrecht übergeben.
    [3.] Pfgf. Friedrich behauptet, daß der Nordgau nach den kriegsbedingten Verwüstungen ein unfruchtbares Land bleiben wird, während Hg. Albrecht entgegenhält, daß das Land bei guter Bewirtschaftung nach kurzer Zeit wieder ertragreich sein wird. Beide Parteien sollen deshalb hinsichtlich der verwüsteten Güter einer Anrechnung nur der Hälfte des durchschnittlichen Ertrags zustimmen; bei der neuen Taxation dieser Güter ist entsprechend zu verfahren. Dabei soll es dann auch unbefristet bleiben, wobei jede Partei gleichermaßen für sich das Risiko einer Benachteiligung trägt.
    [4.] Falls bezüglich dieses neuen Schiedsvertrages erneut Streitigkeiten zwischen den Parteien ausbrechen, soll der Kg. gemäß Kölner Spruch darüber entscheiden.

    Š[Konstanz], s.d., jedoch 11. Juni 1507 (freitag vor Viti).1
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 301–303 (Kop.).

    « Nr. 400 Antwort Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Vorschlag Kg. Maximilians zur Erweiterung der bestehenden Taxationskommission um zwei Schiedsleute und zur erneuten Besichtigung und Taxierung der an Pfgf. Friedrich zu übergebenden Besitzungen; Gegenvorschlag zur Bildung einer neuen Taxationskommission; [2.] Vorschlag zur Abtretung des Unterpfands und zur Sequestrierung anderer Besitzungen Hg. Albrechts von Bayern zu Händen der kgl. Obleute; [3.] Taxierung der im Landshuter Erbfolgekrieg verwüsteten Landstriche; [4.] Erneuerung der Forderung nach Übergabe der Güter mit allem Zubehör und insbesondere den obrigkeitlichen Rechten.

    [Konstanz], s.d., jedoch 11. Juni 1507 (freitag vor Viti).
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 303–307 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrich).

    [1.] Er kann den Bf. von Trient keinesfalls weiterhin als Obmann akzeptieren, da dieser auf seinen früheren Entscheidungen zugunsten der Gegenpartei beharren wird. Abgesehen davon sieht er sich außerstande, den Unterhalt für den Bf. und die beiden anderen Schiedsrichter zu bestreiten. Ebenso werden die sechs Taxatoren auf ihrer Meinung beharren. Darüber wird erneut Streit ausbrechen, so daß nur die Kosten weiter anwachsen und das Verfahren in die Länge gezogen wird.
    Die vorgeschlagene erneute Besichtigung und Taxierung aller Güter nach gewonlichem anschlag verstößt offensichtlich gegen den kgl. [Kölner] Spruch und die [Ennser] Deklaration und ist auch für ihn selbst nicht akzeptabel. Die Wälder, Städte und Schlösser würden nur wieder nach der bisherigen Methode veranschlagt, was mit dem kgl. Spruch nicht vereinbar ist. Denn dieser besagt, daß 24 000 fl. Ertrag nach landesüblicher Berechnungsweise auf Schlösser, Städte und Flecken verwiesen werden1, nicht jedoch, daß die Güter geschätzt oder nach ihrem Wert angeschlagen werden sollen.
    Er wäre jedoch einverstanden, wenn der Kg., wie schon erbeten, die bisherigen Ergebnisse der Taxation und die Entscheidungen des Obmannes kassiert, beide Parteien jeweils einen Schiedsrichter aus dem Kreis der Fürsten bzw. ihrer Gesandten oder der adligen kgl. Hofräte auswählen und der Kg. mit seinem Vorwissen einen weiteren Obmann, nicht jedoch den Bf. von Trient, bestimmt. Diese drei sollen als Taxatoren den Auftrag erhalten, das Getreide nicht in der Weise wie zuvor die Bevollmächtigten Hg. Albrechts, sondern nach dem landesüblichen Verfahren wie im Handel, bei Erbschaftsangelegenheiten oder bei anderen Rechtsgeschäften gebräuchlich zu veranschlagen. Die Wälder sollen aufgrund der vorliegenden Rechnungsregister und Kastenrechnungen der Hgg. von Bayern und nicht höher taxiert werden. Im übrigen sind unregelmäßige bzw. unsichere Einkünfte wie im Lande üblich auch als solche zu behandeln und nicht neue Gülten zu erfinden.
    Š[2.] Was die vorgeschlagene Abtretung des Unterpfands durch ihn und die Übergabe weiterer Gebiete nördlich der Donau im Wert von 5000–6000 fl. durch Hg. Albrecht an die Obleute anbelangt: Laut kgl. Spruch sollen die 24 000 fl. auf zum georgianischen Erbe gehörige Gebiete nördlich der Donau und, falls diese nicht ausreichen sollten, auch auf transdanubische Besitzungen Hg. Albrechts verwiesen werden.2 Sollten nördlich der Donau gelegene Besitzungen Hg. Georgs wie Wemding, Kösching, Gerolfing, Gaimersheim, Stammham und Etting (Oting), die ihm laut kgl. Spruch als Teil des georgianischen Erbes im Oberland vor anderen Gütern aus dem Besitz Hg. Albrechts zustehen, in die Summe der 5000–6000 fl. einbezogen werden, so würden sie als Pfandschaft und nicht als Eigengut angesehen und er müßte überdies bis zum Abschluß des Verfahrens darauf verzichten. Dies wäre zu seinem Nachteil und verstieße gegen den kgl. Spruch. Denn Hg. Albrecht hat nördlich der Donau mit Ausnahme Ingolstadts keine anderen Besitzungen aus dem georgianischen Erbe als die genannten Orte.
    Ebenso ist es für ihn nachteilig, daß dieses Unterpfand bis zum Abschluß des Verfahrens in die Hände Dritter übergehen soll und nicht an ihn. Überdies würde der Wert nur bis zu 6000 fl. betragen, während das jetzige Unterpfand mit Wasserburg und anderen Orten jährlich ca. 8000 fl. einbringt und er dennoch gegenüber der im kgl. Spruch genannten Summe immer noch ein Defizit von 3000 fl. verbuchen muß. Außerdem bewilligte ihm der kgl. Spruch den Besitz des Unterpfands bis zum Abschluß des Verfahrens.3 
    Falls Hg. Albrecht ihm jedoch weitere nicht zum georgianischen Erbe gehörige Gebiete nördlich der Donau mit einem laut Rechnungsregister jährlichen Ertragswert von 8000 fl. übergibt, so wird er – obwohl er dazu nicht verpflichtet ist – im Gegenzug das jetzige Unterpfand abtreten.
    [3.] Die kriegsbedingten Verwüstungen erstrecken sich nicht nur auf den Nordgau, sondern betreffen auch die Ämter Heideck, Hilpoltstein, Allersberg, Neuburg und Graisbach. Letztere beide Ämter liegen in einer fruchtbaren Gegend und werden sich mit der Zeit wieder erholen, die übrigen Ämter jedoch auch in vielen Jahren und trotz aller Maßnahmen nicht. Er fordert, in allen diesen Ämtern lediglich die Hälfte des in den Rechnungsregistern ausgewiesenen Jahreseinkommens zu Zeiten Hg. Georgs und Hg. Albrechts zu veranschlagen.
    [4.] Erneuert seine Forderung nach Einsetzung in die von Hg. Albrecht bisher vorenthaltenen oder wieder eingezogenen obrigkeitlichen und sonstigen Rechte an den übergebenen Gebieten gemäß kgl. Spruch.4 

    « Nr. 401 Auszug aus einem Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians »

    A. Der Bf. von Trient fungiert beim Taxationsverfahren weiterhin als einer von künftig drei Obleuten.
    B. Pfgf. Friedrich als Vormund muß nur für den Unterhalt des von ihm bestellten Obmanns aufkommen.
    C. Beide Parteien sollen neue Taxatoren einsetzen.
    ŠD. Es sollen, wie von Pfgf. Friedrich gefordert, nur Einkünfte nach dem landesüblichen Anschlag berücksichtigt werden.
    E. Ist eben mit dem von Trient verantwort.
    F. Alle Posten sollen nach dem landesüblichen Anschlag taxiert werden.
    G. Das Unterpfand ist an die drei Obleute zu übergeben.
    Bezüglich der mit + bezeichneten [hier fehlenden] Artikel bleibt es beim letzten Vorschlag.
    H. Die Veranschlagung niedergebrannter Güter auf den halben Ertragswert soll sich nicht auf den Nordgau beschränken, sondern auf alle betroffenen Gebiete.
    K. Vorschlag: Der röm. Kg. überstellt das Unterpfand für ein halbes Jahr oder – wenn dies bei Hg. Albrecht zu erreichen ist – länger an einen Treuhänder. Hg. Albrecht verpflichtet sich, das Unterpfand an Pfgf. Friedrich zu übergeben, wenn die Taxation innerhalb dieses Zeitraums nicht abgeschlossen ist. Zugleich soll er Deggendorf, Donaustauf und andere Besitzungen an die Obleute übergeben. Wenn bei der Taxation festgestellt wird, daß die bisher abgetretenen 33 Güter zur Deckung der 24 000 fl. nicht ausreichen, soll das Defizit aus diesen Besitzungen ausgeglichen werden.

    Wo der mitl kains gefunden mag werden, so muß kgl. Mt. der billichait nach, nachdem es auch kgl. Mt. Hg. Albrechten zugesagt hat, das die tax fur sich gee, wie sie angefangen ist, und weß sich beed Ff. wilkurlich fur den Pund geben haben, dabei pleiben lassen des underpfands halben.

    [Konstanz], s.d., jedoch am 13. Juni 1507 an Pfgf. Friedrich übergeben.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 307’-308’ (Kop.).

    « Nr. 402 Stellungnahme Pfgf. Friedrichs zum Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians 1  »

    [1.] Vorschläge Kg. Maximilians zur Einsetzung einer neuen Taxationskommission, zur Berechnungsgrundlage für das Taxationsverfahren und zur Sequestrierung des Unterpfands; [2.] Erneuerung der Forderung nach Übergabe der Güter mit allem Zubehör, insbesondere den obrigkeitlichen Rechten; [3.] Ablehnung des kgl. Vermittlungsvorschlags bzgl. des Unterpfands, Angebot zur Überstellung des Unterpfands an Kg. Maximilian bzw. an diesen und die in Konstanz versammelten Reichsfürsten gemeinsam.

    s.l., s.d., jedoch Konstanz, 13. Juni 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 32–34 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs).

    [1.] Antwortet auf die ihm am heutigen 13. Juni (sontag vor Viti) übergebenen kgl. Artikel: Bezüglich der Artikel 2 und 3 bzw. B und C2 bleibt er bei seiner bisherigen Position, den Obmann und neue Taxatoren nicht akzeptieren zu können. Zu den Artikeln 4 und 6 bzw. D und F gibt er seine Einwilligung, wenn die Bestimmung: mit gewonlichem anschlag, Šausdrücklich so definiert wird, wie er dies in seiner letzten Erklärung getan hat.3 Sollte es dagegen bei einer allgemeinen Redewendung bleiben und diese weiterhin im Sinne Hg. Albrechts und seiner Taxatoren ausgelegt werden, wird es erneut Streit geben. Bezüglich Art. 7 bzw. G hat er bereits dargelegt, daß er ohne das Unterpfand lediglich Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von nicht über 13 000 fl. innehabe [Nr. 395, Pkt. 2] und er gemäß kgl. [Kölner] Spruch, kgl. [Ennser] Deklaration und den Schiedsverträgen nicht verpflichtet sei, das Unterpfand vor Abschluß des Verfahrens zurückzugeben. Sollte er das Unterpfand vorzeitig zurückgeben müssen, würde dies gegen den kgl. Spruch verstoßen und seinen Interessen schaden. Zum 8. und folgenden, jeweils mit einem + bezeichneten Artikel hat er bereits erklärt, daß diese ebenfalls gegen den kgl. Spruch verstießen und Hg. Albrecht ihm demgemäß zustehende, zum georgianischen Erbe gehörende Orte nördlich der Donau im Oberland noch nicht übergeben habe [Nrr. 395, Pkt. 3; 400, Pkt. 2]. Diesen Aspekt will er samt seinem Angebot noch einmal angesprochen haben. Mit dem in Art. 9 bzw. H gemachten Vorschlag bzgl. der im Krieg verwüsteten Besitzungen erklärt er sich einverstanden. Doch sind auch diese nach dem landesüblichen Anschlag zu taxieren, wie er bereits in seiner letzten Erklärung gefordert hat [Nr. 400, Pkt. 3].
    [2.] Er hat bereits beklagt, daß Hg. Albrecht Güter ohne die zugehörigen obrigkeitlichen und andere Rechte und Einkünfte übergeben oder ihm solche nach bereits erfolgter Übergabe gewaltsam wieder entzogen habe [Nr. 400, Pkt. 4]. Da der Kg. darauf nicht geantwortet hat, bittet er erneut, beim Hg. diesbezüglich zu intervenieren.
    [3.] Der Kg. ließ ihm neben den Artikeln auf einem eigenen Zettel einen Vorschlag [Nr. 401, Pkt. K] bezüglich des Unterpfands übermitteln. Er hat bereits dargelegt, daß eine solche Regelung unannehmbar sei [Nr. 400, Pkt. 2]. Er würde sonst gegen den Kölner Spruch verstoßen; dies kann nicht die Absicht des Kg. sein.
    Am Schluß des besagten Zettels heißt es: Falls der Vorschlag abgelehnt wird, wird das Taxationsverfahren wie bisher fortgesetzt, wie dies der Kg. auch Hg. Albrecht zugesagt hat. Ebenso bleibt es bei den Ergebnissen der vor der Schwäbischen Bundesversammlung [in Augsburg] geführten Schiedsverhandlungen bezüglich des Unterpfands. – Er erwartet hingegen, daß der Kg. es beim Kölner Spruch belassen wird, wonach Hg. Albrecht ihm Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. nach dem üblichen Anschlag zu übergeben hat. Er hat dem Kg. bereits ausführlich dargelegt, daß er vor den Bundesständen bezüglich des Unterpfands keine Zugeständnisse gemacht hat. Führt die vom Bund vermittelte Abrede4 als Beweis an und erklärt sich bereit, auf Wunsch eine Abschrift davon vorzulegen. Er hat auch dargelegt, wie es zu dieser Vereinbarung kam5, die ganz im Einklang mit dem kgl. [Kölner] Spruch steht. Er hat bereits die Übergabe des Unterpfands an den Kg. angeboten, der dann beide Parteien anhören und nach Maßgabe des Kölner Spruches entscheiden soll. Dieses Angebot erneuert er hiermit. Falls der Kg. dies ablehnt, bietet er alternativ an, das Unterpfand gemeinsam an den Kg. und die in Konstanz versammelten Kff. und Ff. zu übergeben und deren Entscheid zu akzeptieren.

    « ŠNr. 403  Stellungnahme Pfgf. Friedrichs zum Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians »

    [1.] Ablehnung Bf. Georgs von Trient als Obmann; [2.] Ablehnung der Ernennung neuer Taxatoren, Gegenvorschlag für die Wiederaufnahme des Taxationsverfahrens; [3.] Ablehnung des Vorschlags zur Rückgabe des Unterpfands an Hg. Albrecht von Bayern; [4.] unzutreffende Behauptung Hg. Albrechts über den Wert der übergebenen Orte; [5.] Ablehnung des kgl. Vorschlags zur Rückgabe des Unterpfands; [6.] Festhalten Pfgf. Friedrichs am Kölner Spruch; Rechtfertigung des Schiedsverfahrens vor dem Schwäbischen Bund; Vorschlag zur Beendigung des Streits.

    [Konstanz], s.d., jedoch 14. Juni 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 312’-317’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 25–27’ (unvollständige Kop., erster Absatz, die Punkte 4 und 5 sowie die erste Hälfte von Punkt 6 [Am Schluß ... Spruch steht.] fehlen) = B.

    [1.] Antwortet auf die ihm am Vortag, dem 13. Juni (sontag vor Viti), übergebenen kgl. Artikel [Nr. 401]: Er hat bereits erklärt [Nr. 400, Pkt. 1], daß er den bisherigen Obmann keinesfalls weiterhin akzeptieren kann, da dieser das Verfahren in der früheren Weise weiterführen wird. Der Bf. wird seine einmal getroffenen Entscheidungen nicht revidieren und auch nicht seine Verstöße gegen den kgl. [Kölner] Spruch und gegen seine Kommission eingestehen. Werden die bisherigen Taxatoren ausgetauscht, dann billigerweise auch der Obmann. Der Auftrag des Bf. lautete, die zu taxierenden Orte nach dem dort üblichen Verfahren zu veranschlagen. Bereits elf Tage nach Eingang der kgl. Kommission fällte der Obmann jedoch seine Entscheidung zu seinen Ungunsten. Man wird nicht davon ausgehen können, daß er sich in so kurzer Zeit an allen Orten über den dort üblichen Anschlag erkundigt hat. Die pfgfl. Anwälte haben ihm angeboten, Belege für die gängige Berechnungsweise vorzulegen. Davon wollte der Bf. jedoch nichts hören. In Anbetracht dieser Umstände kann er den Bf. nicht länger als Obmann akzeptieren. Er geht zudem davon aus, daß der Bf. auch selbst angesichts dieser Vorwürfe diese Kommission nicht länger übernehmen will.
    [2.] Bezüglich der drei neuen Taxatoren, die jede Partei den drei kgl. Obleuten zuordnen soll [Nr. 401, Pkt. C], wiederholt er seine vorige Antwort [Nr. 400, Pkt. 1]. Wenn jedoch die bisherige Taxation für ungültig erklärt und mit Hinblick auf die künftige Taxation geregelt wird, daß das Getreide nach dem üblichen Anschlag zu taxieren ist und die Wälder anhand der hgl. bayerischen Register und Kastenrechnungen zu bewerten sind, auch wie es bezüglich der Scharwerke und anderer unsicherer Einkünfte gehalten werden soll, dann will er zustimmen, daß mit seinem Vorwissen ein kgl. Obmann eingesetzt wird, dem die beiden Parteien je einen Beisitzer aus dem Kreis der Fürsten oder deren Gesandten bzw. der adligen kgl. Hofräte zuordnen. Die Einsetzung von sechs neuen Beisitzern lehnt er dagegen ab, da diese zweifellos wieder durch ihre Uneinigkeit das Verfahren verzögern und unnütze Kosten verursachen würden. Die Taxation soll vielmehr durch die drei Obleute gemäß dem Kölner Spruch durchgeführt werden, mit der Maßgabe, daß dieser auch in den übrigen Punkten – z. B. der Übergabe der nördlich der Donau gelegenen und zum georgianischen Erbe gehörigen Orte oder der ihm bei der Übergabe der Orte gemäß seinem Šzuvor überreichten Verzeichnis [Nr. 395, Anm. 14] vorenthaltenen Rechte und Einkünfte – vollzogen wird.
    [3.] Er hat bereits dargelegt, daß er gemäß kgl. [Kölner] Spruch und [Ennser] Deklaration vor Abschluß des Verfahrens zur Abtretung des Unterpfands nicht verpflichtet sei, da er bezüglich der 24 000 fl. noch nicht zufriedengestellt sei, was zu beweisen er angeboten hat. Wie er dargelegt hat, betragen die jährlichen Einkünfte aus den bisher abgetretenen Gebieten und dem Unterpfand keine 21 000 fl. [Nrr. 394, Pkt. 2; 395, Pkt. 2]. Falls er das Unterpfand abtreten würde, hätte er nicht viel mehr als das halbe Einkommen gegenüber dem ihm zugesprochenen Anteil – zum großen Nachteil seiner Mündel. Da Hg. Albrecht jedoch darauf insistiert, hat er in seiner letzten Antwort aus Sorge vor weiteren Übergriffen der Gegenseite die Abtretung des Unterpfandes unter der Bedingung angeboten, daß der Hg. aus seinen Gebieten nördlich der Donau Besitzungen im Wert von 8000 fl. ausweist, die für die Dauer des Verfahrens an ihn, Pfgf. Friedrich, übergeben werden sollen.1 
    [4.] Die Gegenseite versucht, Kg., und Ff. davon zu überzeugen, daß er 33 bedeutende Orte innehat. Dies trifft jedoch nicht zu, da Hg. Albrecht dabei auch etliche Dörfer und Märkte mitzählt, die eigentlich zu anderen Schlössern und Städten gehören und nicht als selbständige Güter angesehen werden können.
    [5.] Der Kg. hat ihm auch einen Zettel mit einem Vorschlag bezüglich des Unterpfands [Nr. 401, Pkt. K] übergeben lassen. Er hat bereits zuvor angezeigt, warum dieser Vorschlag für ihn unannehmbar ist, da er dadurch gegen den Kölner Spruch verstoßen würde. Er hofft doch, daß dies nicht in der Absicht des Kg. liegt.
    [6.] Am Schluß des besagten Zettels heißt es: Falls der Vorschlag abgelehnt wird, wird das Taxationsverfahren wie bisher fortgesetzt, wie dies der Kg. auch Hg. Albrecht zugesagt hat. Ebenso bleibt es bei den Ergebnissen der vor der Schwäbischen Bundesversammlung geführten Schiedsverhandlungen bezüglich des Unterpfands. – Er erwartet, daß der Kg. es beim Kölner Spruch belassen wird, wonach Hg. Albrecht ihm Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. nach dem üblichen Anschlag zu übergeben hat. Er hat dem Kg. bereits ausführlich dargelegt, daß er vor den Bundesständen bezüglich des Unterpfands keine Zugeständnisse gemacht hat. Führt die vom Bund vermittelte Abrede2 als Beweis an und erklärt sich bereit, auf Wunsch eine Abschrift davon vorzulegen. Er hat auch bereits dargelegt, wie es zu dieser Vereinbarung kam3, die ganz im Einklang mit dem kgl. [Kölner] Spruch steht.
    Falls die Gegenseite seine bisherigen Zugeständnisse nicht akzeptieren will, wäre er um des Friedens willen einverstanden, nach Annullierung des bisherigen Taxationsverfahrens und nach Vorlage des Kölner Spruchs, der [Ennser] Deklaration und aller Schiedsverträge die Entscheidung darüber, wie Hg. Albrecht die ihm zugesprochenen jährlichen Einkünfte in Höhe von 24 000 fl. nach gewonlichem anschlag laut e. kgl. Mt. spruchs, es sein besetzt oder onbesetzt gült und nutzung an gelt, an getraid, an holz und allem anderm gewährleisten soll, Kg., Kff. und Ff. anheimzustellen. Dieser Entscheidung will er sich unterwerfen und ohne weiteren Verzug das Unterpfand im Gegenzug zu den ihm laut ŠKölner Spruch und der neuen Entscheidung zustehenden Gütern abtreten. Und ob ich mich ichts weiter erbieten sollt, das will ich hiemit auch getan haben, wie das durch e. kgl. Mt., auch Kff. und Ff. erkennt wirdet.

    « Nr. 404  Hg. Albrecht von Bayern an Lgf. Wilhelm von Hessen »

    Bestätigt den Empfang seines Schreibens [vom 28.5.]1. Er hat den hessischen Boten einige Tage in Konstanz aufgehalten, um ihm mitteilen zu können, wieviel er bezahlen kann. Dies war aber bislang nicht möglich, da die täglichen Verhandlungen des röm. Kg. für einen Ausgleich zwischen ihm und Pfgf. Friedrich und zur Verhinderung eines weiteren Krieges bislang erfolglos geblieben sind. Deshalb weiß er noch nicht, ob man Frieden haben oder es zu einem neuen Krieg kommen wird. Er konnte dem Boten also noch keine verbindliche Antwort wegen der Bezahlung geben, wollte diesen aber auch mit der Abfertigung seiner Antwort nicht länger aufhalten. Er will ihm schreiben, sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind und damit die Entscheidung über Krieg oder Frieden gefallen ist.2 

    Konstanz, 16. Juni 1507 (mitichen nach St. Veits tag). 
    München, HStA, KÄA 4571, fol. 44 (Konz.).

    « ŠNr. 405   Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Hauptmann der Schwäbischen Bundesstädte) an Schwäbische Bundesstädte, hier an Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen »

    Er hat ihnen schriftlich die Verschiebung der vom Schwäbischen Bund beschlossenen Hilfe für Hg. Albrecht von Bayern auf den 4. Juli (St. Ulrichstag) mitgeteilt [Nr. 88, Anm. 1]. Der röm. Kg. hat Verhandlungen in dieser Sache aufgenommen und soviel erreicht, daß die Bundeshilfe derzeit unnötig ist. Teilt ihnen dies mit der Bitte mit, ihre Bundeshilfe a bis auf weiteres Ersuchen-a bereitzuhalten.
    [PS] b Bittet sie, die beiliegenden Schreiben auf Kosten der Bundesstädte an die Adressaten weiterzuleiten-b.1

    Konstanz, 22. Juni 1507 (aftermontags vor Johannis baptiste). 
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 227–228 (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg) = B. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156, Fasz. 46, unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn) = C.

    « Nr. 406 Nicht übergebene Erklärung Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Er muß feststellen, daß er bei seinem Angebot, die endgültige Entscheidung über seinen Streit mit Hg. Albrecht dem Kg. und dem auf dem Reichstag versammelten Kff. und Ff. zu überlassen, nicht bleiben kann, ohne das Unterpfand abzutreten, obwohl dies gegen Recht und Gesetz verstößt und insbesondere mit dem Kölner Spruch unvereinbar ist, wonach er das Unterpfand erst dann zurückgeben muß, wenn der ihm zugesprochene jährliche Ertrag von 24 000 fl. nach dem üblichen Anschlag gewährleistet ist. Bietet erneut an, den Beweis anzutreten, daß diese Summe noch nicht erreicht ist. Falls dies nicht bewilligt wird, ist er – um einen Krieg im Hl. Reich und weiteres Unrecht an seinen Mündeln zu verhindern – als Vormund bereit, das Unterpfand mit Zustimmung des Kg. als obersten Vormunds unverzüglich an Hg. Albrecht abzutreten, doch unter der Bedingung, daß dieser sich im Gegenzug in ein Verfahren vor Kg., Kff. und Ff. einläßt. Diese sollen auf der Grundlage des Kölner Spruchs, der [Ennser] Deklaration und der Schiedsverträge nach Anhörung beider Parteien eine endgültige Entscheidung fällen, wie Hg. Albrecht die 24 000 fl. jährlichen Ertrags, nämlich 20 000 fl. aus nördlich der Donau gelegenen Besitzungen und vorzugsweise aus der Verlassenschaft Hg. Georgs sowie 4000 fl. gemäß Ausweisung durch den röm. Kg., zu gewährleisten hat. Im übrigen soll der Kölner Spruch in allen Punkten, ausgenommen den Artikel über das Unterpfand, in Kraft bleiben.
    Š[2.] Falls dieses Angebot nicht angenommen wird und er seine Mündel also nicht vor Unrecht schützen kann, befiehlt er diese dem Schutz des Kg. als obersten Vormunds und Richters.1 Er bittet auch zu bedenken, daß er seine wichtigsten Städte Landshut und Burghausen bereitwillig abgetreten hat, in der Hoffnung auf den Vollzug des Kölner Spruches auch durch die Gegenpartei.
    [3.] Er sieht sich jedoch gezwungen, vor Kg., Kff. und Ff. und allen Ständen des Hl. Reichs zu beklagen, daß ihm und seinen Mündeln Unrecht geschehen soll. Er hofft darauf, daß der Kg. dem entgegentreten und sein Angebot an die Gegenseite annehmen wird.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl vor der – wahrscheinlich am 27. Juni 1507 oder kurz davor erfolgten – Eröffnung des Entwurfs zur Konstanzer Deklaration [Nr. 410 (C)].
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 318–320 (Kop., Überschr.: Daneben ist auch mein gn. H. diser nachvolgenden schrift, der kgl. Mt. zu uberantworten, beratig worden. Ist nit uberantwort.).

    « Nr. 407 Supplikation Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Die vom Kg. beabsichtigte Deklaration soll regeln, daß die Getreidegülten nicht nach dem überhöhten Anschlag Hg. Albrechts, sondern gemäß kgl. [Kölner] Spruch nach dem üblichen Anschlag, also dem in Bayern und Schwaben üblichen Verfahren bei Käufen, Erbschaften und anderen Rechtsgeschäften bewertet werden. Das Holz soll nicht danach taxiert werden, wie es vom Stamm verkauft werden kann, sondern gemäß dem durchschnittlichen jährlichen Ertrag der Wälder laut den Rechnungsregistern Hg. Georgs und Hg. Albrechts. Die unsicheren Einkünfte, wie Siegelgelder, Verspruchgelder, die Lieferung von Brennholz, das Schlagen und der Transport von Holz, Kornrenten, die Lieferung von Schlachtvieh und Wildbret und andere Scharwerke und ungewisse Einkünfte, die die Untertanen nicht durch Geldzahlungen ablösen und die auch nicht bei anderen Rechtsgeschäften veranschlagt werden, dürfen nicht angerechnet werden, da der Kölner Spruch die Bewertung nach gewonlichem anschlag vorschreibt. Die Küchendienste (Lieferung von Gänsen, Hühnern, Lämmern, Eiern, Erbsen, Hanf usw.) sollen so veranschlagt werden, wie es bislang laut den Salbüchern und Rechnungsregistern gehalten wurde.
    [2.] Er bittet, Hg. Albrecht dazu zu bewegen, daß er gemäß Kölner Spruch zuerst diejenigen Orte an ihn übergibt, die Hg. Georg abgesehen von Ingolstadt nördlich der Donau im Oberland hinterlassen hat: Wemding, Kösching, Gerolfing, Gaimersheim, Etting (Oting) und Stammham. a Er bittet weiter, daß Hg. Albrecht alle obrigkeitlichen und sonstigen Rechte und alle Einkünfte an den bereits übergebenen Orten gemäß dem vorgelegten Verzeichnis [Nr. 395, Anm. 14] an ihn abtritt-a. Der Hg. darf die Einkünfte des Klosters Niederaltaich aus Bayern nicht länger sperren und soll den Abt [Kilian Weybeck] zur Rückkehr veranlassen.1 Er soll ebenfalls die in Landshut zurückgelassenen Geschütze Šund andere bewegliche Güter an ihn, Pfgf. Friedrich, übergeben. Hg. Albrecht soll außerdem gemäß dem zwischen ihnen geschlossenen Vertrag die Gegenlieferung oder Bezahlung für das ihm in Burghausen überlassene Getreide leisten.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl vor der – wahrscheinlich am 27. Juni 1507 oder kurz davor erfolgten – Eröffnung des Entwurfs zur Konstanzer Deklaration [Nr. 410 (C)].
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 320–321’ (Kop., Überschr.: Hg. Friderichs bitt der declaration halben, so die kgl. Mt. tun will.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 31’-32, 31 (Kop., Überschr. wie A) = B.

    « Nr. 408 Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians »

    [1.] Laut der künftigen Deklaration sollen etliche transdanubische Besitzungen Hg. Albrechts mit allen Rechten bis zum Abschluß der Angelegenheit an die drei Kommissare übergeben werden. Der Hg. hat Einspruch gegen die Bestimmung erhoben, daß die Kommissare auch die obrigkeitlichen Rechte ausüben sollen, unter anderem weil seine Feinde in Böhmen seinen Untertanen Schaden zufügen könnten und diese einstweilen ohne rechtlichen Schutz dastünden. Er schlägt vor, dem Hg. für den Notfall ein Öffnungsrecht – jedoch vorbehaltlich der kgl. Deklaration in allen übrigen Punkten – einzuräumen. So könnten die Untertanen vor Gewalt geschützt werden. Um die Rechtsprechung nicht zu behindern, soll Hg. Albrecht auch weiterhin alle Appellationen annehmen dürfen.
    [2.] Er will jetzt den kgl. Obmann ernennen. Die beiden Parteien sollen ihre Beisitzer auch benennen.
    [3.] Der Bf. von Trient soll alle Taxationsunterlagen aushändigen.
    [4.] Die drei Obleute werden einen Tag nach Augsburg anberaumen, um zur Ausweisung der 4000 fl. die Erkundigung der Renten und Gülten vorzunehmen. Da Hg. Albrecht den Kommissaren Güter mit einem Ertragswert von jährlich 4000 fl. übergeben soll, schlägt er vor, daß ein entsprechender Anteil daran an den Hg. zurückgegeben wird, falls die in der Deklaration aufgeführten Orte gemäß Feststellung der Kommissare diesen Ertragswert übersteigen.
    [5.] Der Kg. will noch hier in Konstanz über das Kloster Niederaltaich verhandeln und im Streit zwischen Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich wegen des Getreides, der Geschütze und andere Punkte vermitteln.

    [Konstanz], s.d., jedoch nach der – wahrscheinlich am 27. Juni 1507 oder kurz davor erfolgten – Eröffnung des Entwurfs zur Konstanzer Deklaration [Nr. 410 (C)].
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 311–312 (Kop.).

    « Nr. 409 Stellungnahme Pfgf. Friedrichs zum Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians »

    [1.] Gegen die Forderung Hg. Albrechts hinsichtlich der Wahrnehmung seiner obrigkeitlichen Rechte wendet er ein, daß er viel größere Einwände gegen den kgl. Deklarationsentwurf erheben könnte als der Hg., da er auf das Unterpfand samt Einkünften und obrigkeitlichen Rechten verzichten muß, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Sollte Hg. Albrecht obrigkeitliche Befugnisse und das Öffnungsrecht in den an die Obleute zu übergebenden ŠOrten behalten, wäre dies eine gegen die Deklaration verstoßende Ungleichbehandlung. Es wäre auch ein Anlaß für Verzögerungen und für ihn und die betroffenen Ortschaften von Nachteil. Würde die Öffnung gestattet, würden die Orte in etwaige Konflikte hineinbezogen, woraus ihnen nur Schaden erwachsen könnte. Würden sie aber zu Händen der drei Kommissare sequestriert, blieben die Ortschaften unbeteiligt und stünden unter kgl. Schutz und Schirm. Auch die Rechtswahrung wäre den Untertanen garantiert, da sie ihre Untergerichte haben, von denen sie an die Kommissare oder an das kgl. Kammergericht appellieren können.
    [2.] Die Ernennung des Obmanns durch den Kg. und der beiden Beisitzer jeweils durch die Parteien steht im Widerspruch zur Bestimmung der kgl. Deklaration, wonach durch den Kg. und die beiden Parteien drei gleichberechtigte Kommissare eingesetzt werden sollen. Dabei will er es bleiben lassen, ist jedoch bereit, eine anderslautende Interpretation des Kg. zu akzeptieren. Je rascher der Kg. seinen Kommissar benennt, um so lieber ist es ihm. Er selbst wird dann mit der Benennung des dritten Kommissars keine Zeit verlieren.
    [3.] Die Herausgabe der Akten durch den Bf. von Trient versteht sich von selbst.
    [4.] Er würde Regensburg als Tagungsort Augsburg vorziehen, da es näher an den fraglichen Orten in Niederbayern und im Vorwald gelegen ist. Doch stellt er diesen Punkt der Entscheidung durch den Kg. anheim.
    [5.] Dem Vorschlag, daß Hg. Albrecht die Differenz erstattet werden soll, falls die Orte mehr als 4000 fl. wert sind, stimmt er zu, sofern die Ergänzung: laut der Salbücher und Rechnungsregister nach dem üblichen Anschlag, hinzugefügt wird. Die Erstattung eines eventuellen Defizits durch Hg. Albrecht bleibt davon unberührt.
    [6.] Er bittet, die Verhandlungen wegen Niederaltaichs möglichst bald durchzuführen, da dies im Interesse des Klosters liegt.
    [7.] Die ihm zugesprochenen Geschütze hat er in gutem Glauben in Landshut zurückgelassen. Es wurde verabredet, daß er sie jederzeit abtransportieren lassen kann. Die Geschütze werden also von Hg. Albrecht zu Unrecht zurückgehalten. Ebenso hat er dem Hg. auf dessen Bitte in Burghausen gelagerte 4000 Schaff Getreide überlassen; im Gegenzug sollte dieser Getreide in gleichem Wert liefern oder dafür bezahlen. Die hgl. Räte haben für die baldige Gegenlieferung bzw. Bezahlung gebürgt. Jedoch wurde nur ein Viertel des Getreides bezahlt. Diese Forderung von seiner Seite besteht zu Recht. Dennoch stellt er diesen Punkt in die Entscheidung des Kg.
    [8.] Beantragt, wegen Wemdings hier in Konstanz eine Anhörung durchzuführen und dann eine Entscheidung zu fällen.

    [Konstanz], s.d., jedoch nach dem 27. Juni 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 335’-338 (Kop.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 167–169 (Kop.) = B.

    « Nr. 410 Konstanzer Deklaration Kg. Maximilians »

    [1.] Entscheidungskompetenz Kg. Maximilians bei Streitigkeiten über den Vollzug des Kölner Spruchs von 1505; [2.] Zusammensetzung und Aufgaben der TaxatiŠonskommission; [3.] Entscheidungskompetenz Kg. Maximilians bei Auftreten neuerlicher Streitigkeiten; [4.] Abtretung des Unterpfands an Hg. Albrecht von Bayern; [5.] Sequestration transdanubischer Besitzungen Hg. Albrechts mit einem jährlichen Ertragswert von 4000 fl. zu Händen der Taxationskommission; [6.] Gehorsamseid der Amtleute und Untertanen des neuen Unterpfands an die Kommissare; Vorbehalt eines Öffnungsrechts für Hg. Albrecht im Kriegsfall und Aufrechterhaltung des gerichtlichen Instanzenzugs; [7.] Regelung für die Einkünfte aus dem Unterpfand; [8.] Termin für die Taxation des Unterpfands; Regelung für den Fall der Über- bzw. Unterschreitung des vorgesehenen jährlichen Ertragswerts; [9.] Regelung für den Fall der Nichtdeckung von 24 000 fl. jährlichen Ertrags durch die Pfgf. Friedrich zugewiesenen Besitzungen; [10.] Regelung für den Fall der Überschreitung dieses Ertragswerts; [11.] Verpflichtung der im Unterpfand beheimateten Untertanen zur Hilfe bei der Abwehr von Angriffen aus Böhmen; [12.] Regelung für an Pfgf. Friedrich übergebene, im Landshuter Erbfolgekrieg verwüstete Besitzungen; [13.] Rückerstattung zu Unrecht einbehaltener Einkünfte Pfgf. Friedrichs aus von Hg. Albrecht gemäß Kölner Spruch abgetretenen Besitzungen; [14.] Regelung für die Taxation der Pfgf. Friedrich zugesprochenen böhmischen Pfandschaften; [15.] Regelung bzgl. der von Hg. Albrecht Pfgf. Friedrich vorenthaltenen ehemaligen Besitzungen Hg. Georgs von Bayern nördlich der Donau; [16.] Regelung bzgl. der Pfgf. Friedrich vorenthaltenen obrigkeitlichen Rechte und anderer Zugehörungen der von Hg. Albrecht übergebenen Besitzungen; [17.] Entscheidung der Kommissare über den künftigen Eigentümer Wemdings; [18.] Diensteid der Kommissare; [19.] Ersetzung ausgefallener Kommissare; [20.] künftige Entscheidung des Streits um das Kloster Niederaltaich durch Kg. Maximilian; [21.] künftige Entscheidung über die Forderung Pfgf. Friedrichs wegen seiner in Landshut zurückgelassenen Geschütze und des Hg. Albrecht zur Verfügung gestellten Getreides in Burghausen; [22.] künftige Entscheidung über nicht spezifizierte Forderungen Hg. Albrechts an Pfgf. Friedrich; [23.] Unerheblichkeit dieser drei Streitpunkte für das weitere Taxationsverfahren; [24.] Aufhebung der Feindschaft zwischen den Parteien; [25.] Verpflichtung Hg. Albrechts und Pfgf. Friedrichs zum Vollzug der Konstanzer Deklaration; [26.] Garantie dieser Verpflichtung durch Bürgen; [27.] Geltung der Konstanzer Deklaration für Hg. Wolfgang von Bayern; [28.] Ausfertigung jeweils eines Exemplars der Deklaration für die Parteien.

    Konstanz, 2. Juli 1507. Pfgf. Friedrich am 11. Juli zugestellt.
    München, HStA, PNU, Landschaft 85 (Or. Perg. Libell m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Registraturverm. S. Ölhafen, Verm.: Kgl. declaration uber der verordneten taxatorn und willkuerner taxiern, darin irrung und unverstendnus eingefallen sind, zu Costenz auf[gericht].) = Textvorlage A. München, GHA, HU 865 (Or. Perg. Libell m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Registraturverm. S. Ölhafen) = B. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 332–339’ (Kop. eines den Parteien [am 27.6. oder kurz davor1] vorgelegten Entwurfs; Aufschr.: Item, das ist die copey der kgl. Š Mt. declaration, zue Costenz ausgangen, die daselbs offenlich vor kgl. Mt., auch Kff., Ff. und andern des Reichs stenden verlesen, meinem gn. H., Hg. Fridrichen, durch H. Niclasn Ziegler uberantwort, aber nachmals in des Sernteiners canzley betrüglich in funf haubtarticuln verkert worden ist und also mein gn. H. die declaration darnach hat muessen annemen.) = C. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 321’-332’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein). München, HStA, KÄA 2017, fol. 379–384’ (Kop. mit Randvermm.). München, HStA, KÄA 1238, fol. 298–308’ (Kop.). München, HStA, KÄA 1209, fol. 190–194’ (Kop.). München, HStA, KÄA 1210, fol. 63–69 (Kop.). München, HStA, KÄA 1212, fol. 40–47’ (Kop.). München, HStA, KÄA 1239, fol. 265–271 (Kop.). München, GHA, Pfalz-Neuburger Akten 2379a, fol. 75–82’ (Abschr. zweite Hälfte 16. Jh. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen; imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein).
    Druck: Krenner , Landtagshandlungen XVI, S. 200–215.

    [1.] Er, der Kg., hat auf dem Kölner RT den Streit zwischen den Hgg. Albrecht und Wolfgang von Bayern auf der einen und Pfgf. Friedrich (als Vormund der Söhne seines Bruders Pfgf. Ruprecht) auf der anderen Seite um das Erbe Hg. Georgs von Niederbayern durch kgl. Spruch entschieden. Dieser besagt unter anderem, daß Pfgf. Friedrich als Vormund Gebiete mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. erhalten soll; über Streitigkeiten bezüglich einzelner Punkte des Spruches soll der Kg. entscheiden.2 Diese Kompetenz erstreckt sich auch auf die bei der Taxation der fraglichen Besitzungen entstandenen Streitigkeiten, bei denen keine gütliche Einigung möglich war. Er hat deshalb nach ausreichender Informierung über den Sachverhalt kraft der genannten Bestimmung des Kölner Spruches und mit dem Rat der auf dem RT versammelten Stände und der kgl. Räte über diese Streitigkeiten folgendes entschieden:
    [2.] Noch in Konstanz sollten durch ihn selbst sowie durch Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich jeweils ein Kommissar aus dem Ff.-, Gff.- oder Ritterstand bzw. aus dem Kreis der kgl. Hofräte benannt werden. a Der von ihm ernannte Kf. Friedrich von Sachsen soll gemeinsam mit dem von Hg. Albrecht berufenen Dr. Ludwig Vergenhans und dem von Pfgf. Friedrich beauftragten Ernst von Welden-a alle Einkünfte erkunden, die Parteien dazu anhören und b in Augsburg, von wo aus die Taxatoren auch bislang operierten-b, im Namen des Kg. gemäß Kölner Spruch über alle beim bisherigen Taxationsverfahren entstandenen Streitpunkte entscheiden. Sie sollen auch alle noch nicht erfaßten Besitzungen nach gewondlichem anslag taxieren, c und an den orten, allda die fordern sechs taxatores ir taxation verbracht sollt haben-c .
    [3.] Falls dabei oder bei einem der folgenden Artikel neue Streitigkeiten entstehen, so steht ihm als röm. Kg. entsprechend dem Kölner Spruch die Entscheidung darüber zu.
    [4.] Pfgf. Friedrich soll das Unterpfand am 10. August (St. Larenzen tag) an Hg. Albrecht abtreten.
    Š[5.] Dieser wiederum soll am gleichen Tag Besitzungen nördlich der Donau mit einem jährlichen Ertragswert von 4000 fl. einschließlich der obrigkeitlichen Rechte als Unterpfand an die drei kgl. Kommissare übergeben, im einzelnen: Stadt und Landgericht Deggendorf, Schloß, Markt und Gericht Donaustauf (Thumbstauff), Schloß, Markt und Gericht Falkenstein, Schloß und Landgericht Mitterfels, beide Landgerichte im Viechtreich samt den beiden Märkten Viechtach und Regen, Schloß, Markt und Landgericht Kötzting samt Schloß und Stadt Furth, die ebenfalls im Landgericht Kötzting gelegenen Schlösser und Märkte Neukirchen (Neunkirchen) und Eschlkam sowie Stadt und Gericht Dietfurt.3 
    [6.] Die im Unterpfand ansässigen Amtleute und Untertanen sollen den Kommissaren für die Zeit bis zum Abschluß des Taxationsverfahrens den Gehorsamseid leisten, sich auch verpflichten, derjenigen Partei, der sie durch die Kommissare zugesprochen werden, als ihrer Obrigkeit zu huldigen, und niemandem sonst verpflichtet sein – d allain ausgenomen, das all und yede sloss, stet und flecken des yetzbenennten underphands Hg. Albrechten und seinen haubtleuten in und zu der kriegsnotdurft land und leut und dasselb underphand zu retten auf Hg. Albrechts schaden offen sein und die ambtleut desselben underphands zu solher kriegsnotturft ine getreu, gewertig und gehorsam beleiben; auch die appellation der inwoner solhs underphands und yedes seins eingehorens von den gerichten daselbs fur Hg. Albrechts vitztumb und rate zu Straubing wie bisher irn gang haben sollen, damit die undertan der ende nit rechtlos beleiben, doch in all ander weg diser unser kgl. declaration und entschid unabbruchig und on schaden-d .
    [7.] Die Kommissare sollen bis zum Ende der Taxation die Einkünfte aus dem Unterpfand einnehmen und verwahren.
    [8.] Die Taxatoren sollen bis zum 10. August (St. Larenzen tag) verbindlich feststellen, ob das Unterpfand ein jährliches Einkommen von 4000 fl. garantiert. Falls diese Summe nicht gewährleistet ist, soll Hg. Albrecht bis zum genannten Termin die Differenz durch Ausweisung von weiteren Schlössern, Städten und Ortschaften gemäß der Veranschlagung durch die Taxatoren ausgleichen. e Falls das Einkommen aus dem Unterpfand 4000 fl. übersteigt, ist Hg. Albrecht befugt, nach eigenem Gutdünken und gemäß der Veranschlagung der Taxatoren Besitzungen in diesem Wert einzubehalten. Die Parteien sollen zur Klärung und Regelung dieser Fragen am 30. Juli (freitag vor vincula Petri) in Augsburg als einem für beide Seiten günstig gelegenen Tagungsort erscheinen, damit die gegenseitige Abtretung des Unterpfands gemäß dieser Deklaration am 10. August (St. Larenzen tag) erfolgen kann-e.
    Š[9.] Falls die Taxatoren feststellen, daß die 33 Güter, die Pfgf. Friedrich bereits von Hg. Albrecht übernommen hat, zusammen mit dem Unterpfand für die 4000 fl. den jährlichen Ertrag von 24 000 fl. nicht gewährleisten, soll Hg. Albrecht die Differenz durch Ausweisung weiterer nördlich der Donau gelegener Güter innerhalb einer von den Kommissaren zu setzenden Frist ausgleichen und diese nach erfolgter Taxation einschließlich der eingebrachten Einkünfte an Pfgf. Friedrich übergeben.
    [10.] Falls die Taxatoren feststellen, daß die 33 Güter zusammen mit dem Unterpfand den Wert von 24 000 fl. übersteigen, so soll Hg. Albrecht Güter in entsprechendem Wert samt der Einkünfte bis zu einem von den Taxatoren gesetzten Termin zurückerhalten. Die bayerischen Amtleute sind ab diesem Zeitpunkt nicht mehr an ihre Eide gegenüber den Kommissaren gebunden. Doch sollen die von Hg. Albrecht eingesetzten Amtleute, die den Kommissaren gegenüber, wie im obigen Artikel [6] festgesetzt, den Treueid geleistet haben, bis zum Abschluß der Taxation auf ihren Posten bleiben.
    [11.] Da Hg. Albrecht wegen seiner an der böhmischen Grenze gelegenen Gebieten ständig in Konflikte verwickelt wird, sind die Kommissare gehalten, die Amtleute und Untertanen des Unterpfandes zur Hilfe bei der Abwehr eventueller Angriffe zu veranlassen.
    [12.] Um zu verhindern, daß wegen der verödeten und niedergebrannten Ortschaften und Güter künftig Streit entsteht, sollen die drei Kommissare deren Einkommen in der Weise taxieren, daß die betroffenen, von Hg. Albrecht an Pfgf. Friedrich übergebenen Besitzungen mit hilf und furdrung desselben Hg. Friderichs durch denselben Hg. Albrechten und die seinen wider gestift und besetzt werden sollen. Falls die Kommissare feststellen, daß der Schaden nicht wiedergutzumachen ist, soll Hg. Albrecht Pfgf. Friedrich den Verlust gemäß kgl. Spruch durch Ausweisung anderer Güter ersetzen; falls der Schaden befristeter Natur ist, soll Pfgf. Friedrich der Verlust für die entsprechende Dauer ersetzt werden, wie dies die bisherigen Taxatoren in Augsburg vereinbart haben.
    [13.] Hg. Albrecht hat sich darüber beschwert, daß Pfgf. Friedrich Einkünfte aus den ihm gemäß Kölner Spruch zuerkannten Besitzungen über die darin gesetzte Frist hinaus4 eingezogen habe. Falls die Taxatoren zum gleichen Ergebnis kommen, sollen sie Pfgf. Friedrich veranlassen, die zu Unrecht einbehaltenen Einkünfte an Hg. Albrecht auszuhändigen oder das derselb Hg. Friderich von den vierundzwainzigtausent fl. nutz und gelts demselben Hg. Albrechten sovil, nemlich funf fl. vom hundert ze rechen, an gulten widerumb herausgebe, doch auf ablosung.
    [14.] Hg. Georg von Niederbayern hatte seinerzeit böhmische Pfandschaften inne, die kraft Kölner Spruch auf Pfgf. Friedrich übergegangen sind.5 Die Gülten daraus sind vermutlich höher als die üblichen fünf Prozent. Die drei Kommissare sollen diese Einkünfte ebenfalls taxieren, den Überschuß über die üblichen fünf Prozent hinaus jedoch nur zur Hälfte in die 24 000 fl. mit einberechnen, da man nicht weiß, wie bald die Pfandschaften ausgelöst werden. Falls die Kommissare aber Urkunden finden, die eine künftige Ablösung ausschließen, sollen sie die Pfandschaften wie die anderen Güter auch gemäß den Bestimmungen des Kölner Spruches veranschlagen.
    Š[15.] Die Kommissare sollen aufgrund vorliegender Register und durch Erkundigungen bei den Magistraten klären, ob die von Pfgf. Friedrich benannten Ortschaften6 zu Ingolstadt gehören oder nicht. Falls dies nicht der Fall ist, sollen sie, da sie nördlich der Donau liegen, gemäß Kölner Spruch an den Pfgf. übergeben werden.
    [16.] Die Kommissare sollen sich erkundigen, welche obrigkeitlichen Rechte, Güter etc., die Pfgf. Friedrich laut Kölner Spruch zustehen, diesem durch Hg. Albrecht wieder entzogen wurden oder vorenthalten werden, und ggf. für die Übergabe an Pfgf. Friedrich sorgen.
    [17.] Die Kommissare sollen nach Anhörung beider Seiten gemäß Kölner Spruch entscheiden, wem die Stadt Wemding zufallen soll. Falls Pfgf. Friedrich der künftige Besitzer ist, sollen sie ihm die Stadt übergeben und diesen Posten mit den 24 000 fl. verrechnen.
    [18.] Die nicht-ftl. Kommissare sollen dem Kg. gegenüber jetzt einen Eid leisten, daß sie ihr Amt nach bestem Wissen und Gewissen, unparteilich und unbestechlich gemäß dem Kölner Spruch und der Konstanzer Deklaration ausüben werden. Ftl. Kommissare sollen dies bei ihren Pflichten gegen Kg. und Reich schwören.
    [19.] Falls einer der drei Kommissare vor Abschluß der Taxation stirbt, soll die Partei, die ihn präsentiert hat, unverzüglich einen neuen Kommissar aus dem geistlichen oder weltlichen Fürstenstand, Grafenstand, aus der Ritterschaft oder aus dem Kreis der geschworenen kgl. Hofräte benennen. Dieser soll dann in gleicher Weise wie die anderen Kommissare einen Eid ablegen und seine Aufgaben erfüllen.
    [20.] Wegen der Streitigkeiten zwischen Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich um das Kloster Niederaltaich und aber deshalben mit dem abt ein sonder spann ist, will der Kg. den Abt jetzt und hier [in Konstanz] anhören und dann nach Billigkeit verfahren.7
    [21.] Pfgf. Friedrich beklagt sich über Hg. Albrecht wegen Geschützen und Getreides. f Die drei Kommissare sollen beide Seiten anhören und einen gütlichen Vergleich herbeiführen oder ggf. durch Mehrheit rechtlich entscheiden-f.
    Š[22.] g Entsprechend soll bezüglich der Forderungen Hg. Albrechts gegen Pfgf. Friedrich verfahren werden-g.
    [23.] Die letzten drei Artikel [20–22] dürfen aber den Vollzug dieser Deklaration und die Taxation nicht behindern oder verzögern.
    [24.] Alle Feindschaft zwischen den beiden Parteien und ihren Anhängern und Verbündeten ist hiermit aufgehoben.
    [25.] Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich haben sich dem Kg. gegenüber bei der im Kölner Spruch verfügten Strafe8 für Zuwiderhandlung und dazu der Ungnade von Kg. und Reich urkundlich verpflichtet, die Deklaration in allen Punkten und ohne jede Verzögerung oder Ausflucht zu vollziehen. Darüber hinaus wird er als Kg. dafür Sorge tragen, daß die beiden Parteien und die Kommissare die Konstanzer Deklaration vollziehen.
    [26.] Als zusätzliche Garantie sollen beide Seiten sich gegenseitig durch zwei oder drei Kff. oder Ff. Bürgschaft leisten, alle durch die kgl. Kommissare oder ihn selbst gemäß der Deklaration getroffenen Entscheidungen in allen Punkten zu vollziehen.
    [27.] Zwar ist Hg. Wolfgang am Beginn der Deklaration neben Hg. Albrecht benannt, so betrifft ine doch in kraft des vertrags, zwischen inen baiden aufgericht und durch uns als röm. Kg. bestetigt9, diser handel nit mer zu gleicher weise, als wer er hierin nit benennt.
    [28.] Von dieser Urkunde wurde den beiden Parteien jeweils ein gesiegeltes Exemplarh zugestellt. [Datum]i.

    « Nr. 411 Supplikation Gf. Wolfgangs von Oettingen an Kg. Maximilian »

    Seiner Kenntnis nach hat er den Streit zwischen Hg. Albrecht von Bayern und Pfgf. Friedrich als Vormund beigelegt und dabei verfügt, daß die von Hg. Albrecht für die Deckung der 24 000 fl. ausgewiesenen Ländereien erneut taxiert werden sollen; falls die Summe noch nicht gedeckt ist, soll Pfgf. Friedrich auch Wemding erhalten. Dies wäre für ihn nicht akzeptabel, da er die Stadt von Hg. Albrecht gekauft und die Kaufsumme zum Teil bereits bezahlt hat.1 Zwar ist er noch nicht im Besitz Wemdings, doch ist das vor den Richtern des Schwäbischen Bundes gegen Hg. Albrecht anhängige Verfahren2 soweit gediehen, daß er zuversichtlich ist, Recht zu bekommen. Wenn die Stadt kraft der kgl. Deklaration inzwischen an Pfgf. Friedrich abgetreten würde, würde dies gegen die Bundesordnung und das gemeine Recht verstoßen, dessen Wahrung ihm als röm. Kg. mehr Šals anderen obliegt. Die Deklaration erging zweifellos in Unkenntnis dieses Sachverhalts. Bittet ihn, dafür zu sorgen, daß sein Recht an der Stadt gewahrt und die Rechtsprechung des Bundes nicht mißachtet wird.

    s.l., jedoch Konstanz, 3. Juli 1507 (sampstag nach visitationis Marie virginis). 
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 28–28’ (Or.).

    « Nr. 412 Bürgschaftserklärung Hg. Ulrichs von Württemberg über den Vollzug der kgl. Deklaration durch Hg. Albrecht von Bayern »

    Bürgt auf Bitte Hg. Albrechts gegenüber Kg. Maximilian für den Vollzug der Konstanzer Deklaration durch den Hg. Falls die Kommissare einhellig oder mehrheitlich feststellen, daß der Hg. in einem oder mehreren Artikeln säumig ist, wird er sich nach Aufforderung durch die Gegenpartei binnen Monatsfrist gemeinsam mit zehn Rittern als Geisel je nach Wahl der Gegenseite nach Straßburg, Regensburg, Augsburg oder Nürnberg begeben. Falls er nicht als Geisel zur Verfügung steht, werden ihn fünf weitere Ritter vertreten. Sollte er ihrer Aufforderung nicht Folge leisten, sind die Gegenpartei und ihre Helfer befugt, sein Land und seine Untertanen so lange anzugreifen, bis er seiner Verpflichtung nachkommt, wogegen keine gewaltsame oder rechtliche Gegenwehr zulässig ist. Diese Bürgschaft gilt, bis die kgl. Deklaration durch Hg. Albrecht vollzogen wurde.1 

    ŠKonstanz, 5. Juli 1507 (montag nach St. Ulrichs tag). 
    München, HStA, Kurbay. Urk. 11877 (Kop.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 139–140’ (Kop.) = B.

    « Nr. 413 Schadlosbrief Hg. Albrechts von Bayern für Hg. Ulrich von Württemberg »

    a Sein Schwiegersohn Hg. Ulrich von Württemberg-a hat auf seine Bitte hin gegenüber dem Kg. dafür gebürgt, daß er die Konstanzer Deklaration in allen Punkten vollziehen wird. Er sagt zu, daß er oder seine Erben unverzüglich und ausnahmslos für jegliche Kosten und Schäden aufkommen werden, die dem Hg. oder seinen Erben aus dieser Bürgschaft entstehen. b Falls er dabei säumig sein sollte, verspricht er für sich und seine Nachkommen, daß er sich binnen eines Monats nach erfolgter Mahnung gemeinsam mit zehn Rittern als Geisel nach Reutlingen, Esslingen, Weil der Stadt oder Schwäbisch Gmünd begeben wird; falls er nicht selbst als Geisel zur Verfügung steht, werden ihn fünf weitere Ritter vertreten. Sollte er dabei säumig sein oder weiterhin den Schadensersatz nicht leisten, hat der Hg. von Württemberg das Recht, die Schuld im Hm. Bayern gewaltsam einzutreiben, wogegen keine bewaffnete oder rechtliche Gegenwehr zulässig ist -b.1 

    Konstanz, 5. Juli 1507 (montag nach St. Ulrichs tag). 
    München, HStA, Kurbay. Urk. 11861 (Or. Perg. m. S., Unterz.: Wir, obgenanter Hg. Albrecht etc., bestäten disen brief mit unser aigen hantschrift.) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 1238, fol. 310 (Abschrift eines abweichenden Entwurfs) = B. München, HStA, KÄA 1238, fol. 312–313’ (Kop.).

    « Nr. 414 Bürgschaftserklärung Ebf. Jakobs von Trier (bzw. Hg. Georgs von Sachsen) über den Vollzug der kgl. Deklaration durch Pfgf. Friedrich »

    Bürgt gegenüber dem röm. Kg. für den Vollzug der Konstanzer Deklaration durch Pfgf. Friedrich. Falls die Taxatoren einhellig oder mehrheitlich feststellen, daß der Pfgf. in einem oder mehreren Artikeln säumig ist, wird er sich nach Aufforderung durch die Gegenpartei binnen Monatsfrist zusammen mit zehn Rittern als Geisel je nach Wahl der Gegenseite nach Straßburg, Regensburg, Augsburg oder Nürnberg begeben. Sollte er nicht als Geisel zur Verfügung stehen, werden ihn fünf weitere Ritter ersetzen. Falls er der Aufforderung nicht oder unvollständig Folge leistet, sind die Gegenpartei und ihre Helfer berechtigt, sein Land und seine Untertanen so lange anzugreifen, bis er seiner Verpflichtung nachkommt, wogegen keine bewaffnete oder rechtliche Gegenwehr zulässig ist. Diese Bürgschaft gilt, bis die kgl. Deklaration durch Pfgf. Friedrich vollzogen wurde.

    ŠKonstanz, 7. Juli 1507 (mittwoch nach St. Ulrichs tag). 
    I. (Bürgschaftserklärung Ebf. Jakobs): Koblenz, LHA, 1 A, Nr. 9207 [= Afi. Nr. 83], unfol. (Or. Perg. m. S.; Insert des Schadlosbriefes Pfgf. Friedrichs für Ebf. Jakob) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 1238, fol. 319–320’ (Kop.).
    II. (Bürgschaftserklärung Hg. Georgs): Dresden, HStA, Ältere Urkunden 9728 (Or. Perg. m. S.; Insert des Schadlosbriefes Pfgf. Friedrichs für Hg. Georg). München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 147–148’ (Reinkonz. C) = B.1
    III. (Entwürfe): München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 137–138’ (Reinkonz. B der Bürgschaftserklärung eines ungenannten Fürsten für Pfgf. Friedrich). Ebd., fol. 135–136’ (Reinkonz. A der Bürgschaftserklärung eines ungenannten Fürsten für Hg. Albrecht, korrigiert zu Pfgf. Friedrich).

    « Nr. 415 Schadlosbrief Pfgf. Friedrichs für Ebf. Jakob von Trier bzw. Hg. Georg von Sachsen »

    Ebf. Jakob von Trier/Hg. Georg von Sachsen hat laut der (inserierten) Urkunde gegenüber Hg. Albrecht von Bayern dafür gebürgt, daß er die Konstanzer Deklaration vollziehen wird. Er sagt für sich und die ihm nachfolgenden Vormünder sowie für seine beiden Mündel [Philipp und Ottheinrich] zu, dem Ebf./Hg. alle aus dieser Bürgschaft entstehenden Kosten und Schäden zu ersetzen. Falls dies nicht geschieht, haben der Ebf./Hg. und seine Helfer das Recht, die Schuld gewaltsam einzutreiben, wogegen keine bewaffnete oder rechtliche Gegenwehr zulässig ist.

    Konstanz, 7. Juli 1507 (mitwoch nach St. Ulrichs tag). 
    I. (Schadlosbrief für Ebf. Jakob): Koblenz, LHA, 1 A, Nr. 9207 [= Afi. Nr. 83], unfol. (Or. Perg. m. S.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 143–144 (Reinkonz.). Koblenz, LHA, 1 C, Nr. 21 [= Afi. Nr. 375], pag. 107–115 (Kop.).
    II. (Schadlosbrief für Hg. Georg): Dresden, HStA, Ältere Urkunden 9728 (Or. Perg. m. S.) = B. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 141–142 (Reinkonz.).

    « Nr. 416 Supplikation Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    Verweist auf seine an ihn übergebene schriftliche Antwort1 auf die Forderung des Bf. von Trient gegen ihn. Er hätte erwartet, daß dieser daraufhin von seiner Forderung zurückgetreten wäre oder sein Angebot zum rechtlichen Austrag angenommen hätte. Auf die erneute kgl. Anfrage hin wird er hiermit jedenfalls einen Teil der Gründe darlegen, warum er glaubt, dem Bf. nichts mehr schuldig zu sein, obwohl damit Nachteile für ihn verbunden sein könnten: Er hat dem Bf. von dessen Aufbruch von Trient an und während dessen Aufenthalt in Augsburg bis zum 25. Dezember 1506 (hl. cristag nechstverschinen) seine Hälfte an dessen übermäßigen Zehrungskosten bezahlt. Der Bf. hat jedoch gegen den kgl. Spruch und seine Kommission verstoßen, als er mit seiner Entscheidung den bayerischen Taxatoren beipflichtete, ihren Berechnungen nicht den üblichen Anschlag zugrundezulegen. Er hatte sich zuvor nicht einmal danach erkundigt und das Angebot, ihn darüber zu informieren, zurückgewiesen. So weilte der Bf. 19 Wochen lang untätig in Augsburg. Der Bf. hatte zur Wahrung eigener Belange ein übermäßig großes Gefolge von 24 Knechten und Pferden bei sich und unterhielt in der teuren Reichsstadt ein offenes, gastfreundliches Haus. Er hat sich darüber beschwert und seine Klagen auch dem Kg. vorgetragen. Er ist bereit, der Forderung des Bf. auf dem Rechtsweg zu begegnen.

    Konstanz, 7. Juli 1507 (mitwoch [nach] Udalrici). 
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 170’-171 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrich).

    « Nr. 417 Ergänzende Bestimmungen Kg. Maximilians zur Konstanzer Deklaration »

    Er hat mit dem Rat der in Konstanz versammelten Reichsstände eine Deklaration zwischen Hg. Albrecht von Bayern und Pfgf. Friedrich als Vormund über den Kölner Spruch und die daraufhin durchgeführte Taxation verabschiedet und dabei verfügt, daß die kgl. Kommissare bis zum 10. August (St. Laurenzen tag) feststellen sollen, ob die aufgeführten Besitzungen einen jährlichen Ertrag von 4000 fl. gewährleisten oder nicht; falls nicht, soll Hg. Albrecht die Differenz durch Ausweisung weiterer Güter ausgleichen, so daß die Übergabe zum genannten Termin sichergestellt ist [Nr. 410, Pkt. 8]. Da die Taxation der Güter durch die drei Kommissare wegen wichtiger anderer Angelegenheiten des Kg. bis dahin nicht möglich ist, verlängert er mit Zustimmung beider Parteien den Termin bis zum 24. August (St. Bartholomes tag). a Bis dahin soll alles vollzogen werden, was gemäß der Konstanzer ŠDeklaration bis zum ursprünglichen Termin vorgesehen war-a. In allen übrigen Punkten bleibt die Deklaration unverändert gültig. Ebenso soll Pfgf. Friedrich dessenungeachtet am 10. August (St. Laurenzen tag) das Unterpfand an Hg. Albrecht abtreten und dieser wiederum die Amtleute und Untertanen der Städte, Schlösser und Ortschaften, die er laut Deklaration an die drei Kommissare zu übergeben hat, zur Eidesleistung diesen gegenüber veranlassen. Da die Kommissare nicht an allen zum Unterpfand gehörigen Orten die Eide entgegennehmen können, ist dies mit Zustimmung beider Parteien auch durch Stellvertreter zulässig.

    Konstanz, 10. Juli 1507. An Pfgf. Friedrich am 15. Juli übergeben.
    München, GHA, HU 866 (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1507), fol. 63–64 (Reinkonz.) = B. München, HStA, KÄA 1238, fol. 321–322 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein)= C. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 333–335 (Kop.) = D. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 169–170’ (Kop.) = E.

    « Nr. 418 Supplikation Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    Die Konstanzer Deklaration wurde öffentlich vor dem Kg., sowie Kff., Ff. und anderen Anwesenden verlesen. Anschließend erhielt er aus der kgl. Kanzlei eine Abschrift der Deklaration [Nr. 410 (C)] ausgehändigt. Am gestrigen Sonntag [11.7.]1 hat er die auf Pergament geschriebene Originalausfertigung mit anhängendem kgl. Siegel erhalten, die jedoch gegenüber der öffentlich verlesenen und ihm zugestellten Fassung zu seinem Nachteil geändert wurde. Seine Kritikpunkte sind den beiliegenden Artikeln2 zu entnehmen. Bittet um eine mit der ersten Fassung übereinstimmende Ausfertigung.

    [Konstanz], s.d., jedoch 12. Juli 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 166 (Kop.).

    « Nr. 419 Supplikation Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Er, der Kg., hat ihm auf seine mündliche Beschwerde über die an der besiegelten Deklaration gegenüber dem Entwurf vorgenommenen Änderungen mitteilen lassen, daß er vor der Ausfertigung der Urkunde darüber in Kenntnis gesetzt worden und ihm versichert worden sei, daß die Abweichungen unerheblich seien. Er sei deshalb der Ansicht gewesen, daß er, Pfgf. Friedrich, die Änderungen auch so bewerte und überdies um seine Einwilligung ersucht worden sei. Sollte dies unterblieben sein, handle es sich um ein Versehen. Er bitte ihn um Vortrag seiner Beschwerden, damit er angemessen verfahren könne.
    [2.] Versichert, daß er über die Modifikationen nicht informiert wurde. Indessen hat er, der Kg., ihn vor einigen Tagen durch seinen Sekretär Niklas Ziegler über Einwände Hg. ŠAlbrechts gegen die Deklaration informieren lassen. Er hat jedoch seine Einwilligung zu entsprechenden Änderungen nicht gegeben und ihn, den Kg., über seine diesbezüglichen Einwände informiert. Dabei ist es bislang geblieben.
    [3.] In der ausgefertigten Deklaration wurden außer den mündlich monierten Abweichungen drei weitere Punkte verändert, worüber er am vergangenen Montag [12.7.] schriftlich Mitteilung machte [Nr. 418]. Die Deklaration wurde mit mit dem Rat der versammelten Kff., Ff. und Stände verabschiedet, ihr Entwurf in der Versammlung öffentlich verlesen. Er selbst und am folgenden Tag Hg. Albrecht erhielten gleichlautende Abschriften. Auf deren Grundlage leisteten der Ebf. von Trier (Trient [!]) und Hg. Georg von Sachsen Bürgschaften. Er bittet deshalb, zwei mit dem verlesenen Exemplar übereinstimmende Deklarationen auszufertigen und an die Parteien zu übergeben.

    [Konstanz], s.d., jedoch zwischen dem 12. und 15. Juli 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 166–167 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs).

    « Nr. 420 Stellungnahme Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Er hat darauf hingewiesen, daß die Änderungen an der mit dem Rat der in Konstanz versammelten Reichsstände verabschiedeten kgl. Deklaration, welche ihm in Anwesenheit der Stände und Hg. Albrechts eröffnet wurde, ohne sein Wissen erfolgten und für ihn nachteilig sind. Die Gründe hat er ihm schriftlich mitgeteilt [Nrr. 418f.] und gebeten, es bei der ursprünglichen Fassung zu belassen und den beiden Parteien entsprechende Ausfertigungen zu übergeben. Darum bittet er erneut. Er hat seinen Bürgen den Entwurf der Deklaration, wie er in der Reichsversammlung verlesen und ihm ausgehändigt wurde, gegeben; diese haben auf dieser Grundlage die Bürgschaft übernommen.
    [2.] Am gestrigen Donnerstag [15.7.] übergab ihm der kgl. Sekretär Niklas Ziegler auf kgl. Befehl ein Schriftstück [Nr. 417]. Er sollte einwilligen, den Termin für die Taxation des neuen Unterpfands auf den 24. August (St. Barthlmestag) zu verschieben, dennoch aber das bisherige Unterpfand zum 10. August ( St. Lorenzen tag) an Hg. Albrecht abzutreten; außerdem sollten die Kommissare die Eide der Amtleute und Untertanen durch Stellvertreter entgegennehmen können. In die Verlängerung des Termins bis zum 24. August (Bartholomei) will er dem Kg. zu Gefallen einwilligen. Doch soll dieser Termin dann auch für die Rückgabe des Unterpfands an Hg. Albrecht gelten, da in der Konstanzer Deklaration die gleichzeitige Übergabe vorgesehen ist. Auch in die Vertretung der Kommissare bei der Entgegennahme der Eide willigt er ein. Doch sollen diese Änderungen der Deklaration in allen übrigen Punkten nichts benehmen.

    Konstanz, 15. Juli 1507 (donerstags post Margrethe).
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 293–294’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 22–23’ (Kop mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs, Datumverm.) = B.

    « ŠNr. 421   Pfgf. Friedrich an Georg von Wispeck  »

    1. [Verhandlungen Wispecks mit dem Regensburger Domkapitel; Nr. 560, Anm. 3].
    2. Laut seinem Bericht1 hat er, Wispeck, den Hauptmann [David von Nußdorf] und den Rentmeister zu Wasserburg [Hans von Dachsberg] schriftlich über die Abtretung des Unterpfandes gemäß der Deklaration informiert und mit deren Verkündung an die Einwohner des Unterpfandes beauftragt. Er erklärt sein Einverständnis, doch behält er sich die an Laurentii [10.8.] fälligen Getreidegülten vor.
    3. Er weiß noch nicht, ob Hg. Albrecht ihm die Geschütze aus Landshut übergeben wird oder nicht. Der Kg. hat verfügt, diesen Punkt gütlich zu regeln. Befiehlt, die Geschütze aus Wasserburg abzutransportieren. Er wird die Geschütze im Nordgau dringender benötigen als in Neuburg.
    [4.] Die Entlassungen sollen bis zu seiner Heimkehr aufgeschoben werden, da er bereits reisefertig ist.
    [5.] Die Abtretung Wasserburgs und des übrigen Unterpfands ist bis zum 10. August (St. Lorenzn tag) zu vollziehen. Er soll dafür Sorge tragen, daß die Geschütze und sein übriges Eigentum abtransportiert und der Hauptmann und andere pfgfl. Diener mit der Übergabe beauftragt werden. Den Wasserburgern und anderen Einwohnern des Unterpfands ist die Befreiung von ihrem Untertaneneid mitzuteilen.
    [6.] Kf. Friedrich von Sachsen beabsichtigt, noch diese Woche aus Konstanz abzureisen und die Verhandlungen in Augsburg zu eröffnen. Es wurde vereinbart, daß beide Parteien ihre Räte zum Freitag in acht Tagen [30.7.] dorthin bescheiden sollen. Leonhard von Egloffstein und Florenz von Venningen stehen ihm zwar nicht zur Verfügung. Sie sollen jedoch schriftlich konsultiert werden. Er will deshalb Ludwig von Habsberg, wenn es dessen Gesundheitszustand erlaubt, für 14 Tage nach Augsburg entsenden.
    [7.] Über seine Verhandlungen in Konstanz wird er nach seiner Heimkehr berichten.

    Konstanz, 19. Juli 1507 (montag nach Margarethe).
    München, HStA, Fürstensachen 218/I, fol. 72–73 (Kop.).

    « Nr. 422 Mandat Kg. Maximilians an die Städte Wasserburg und Traunstein sowie an alle übrige Orte des an Pfgf. Friedrich übergebenen Unterpfands »

    Er hat auf dem RT zu Konstanz mit dem Rat der versammelten Reichsstände und mit der Zustimmung der beiden Parteien, Hg. Albrechts von Bayern und Pfgf. Friedrichs als Vormund, eine kgl. Deklaration verabschiedet, die unter anderem zum 10. August (St. Laurenzen tag) die Abtretung des in den Händen Pfgf. Friedrichs befindlichen Unterpfands an Hg. Albrecht vorsieht. Befiehlt ihnen, zum besagten Termin den Hg. als Landesfürsten und rechtmäßigen Erbherren bzw. seine Vertreter einzulassen und den Untertaneneid zu leisten.

    Konstanz, 19. Juli 1507.
    München, HStA, Kurbay. Urk. 7090 (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 49–49’ (Reinkonz. mit ex.-ŠVerm., Verm.: Und des ainen offen brief aufzurichten an alle ort, hiervorgemelt, lautend.) = B. München, HStA, KÄA 1238, fol. 326–327 (Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie Or.).

    « Nr. 423 Mandat Kg. Maximilians an alle Reichsuntertanen »

    Pfgf. Friedrich hat sich beklagt, daß sie ungeachtet mehrerer Mahnungen ihre bei Hg. Georg von Niederbayern gemachten und gemäß kgl. Entscheid1 seinen Mündeln, den Pfgff. Ottheinrich und Philipp, zugesprochenen Schulden nicht begleichen würden. Der Pfgf. müsse selbst beträchtliche Schuldforderungen bedienen und könne das Geld nicht länger entbehren. Der Pfgf. hat deshalb ihn als röm. Kg. und obersten Vormund um seine Hilfe gebeten. Befiehlt allen, denen dieses Mandat vorgelegt wird, die unverzügliche Begleichung ihrer Schulden bei Pfgf. Friedrich.

    Konstanz, 24. Juli 1507.2 
    München, HStA, PNU, Landschaft 33 (Or. Perg., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 424 Dietrich von Plieningen an Hg. Albrecht von Bayern »

    Bf. Georg von Trient hat die ihm vom Kg. vor einigen Tagen befohlene Herausgabe der von den Parteien eingereichten Unterlagen wegen der bislang durch Pfgf. Friedrich verweigerten Bezahlung seines Unterhalts abgelehnt. Diese Akten werden im bevorstehenden Taxationsverfahren benötigt. Er empfiehlt, Kf. Friedrich von Sachsen und seine Beisitzer bei Beginn der Verhandlungen um ein Schreiben an den Bf. in dieser Sache zu bitten. Er, Hg. Albrecht, hätte nach erneuter Ablehnung durch den Bf. einen Grund, um in einem Schriftsatz die Verpflichtung Pfgf. Friedrichs zur Auslösung der Akten festzustellen. In der Konstanzer Deklaration heißt es, daß Kf. Friedrich von Sachsen und seine beiden Beisitzer über zwischen den bisherigen Taxatoren strittige Punkte zu befinden haben [Nr. 410, Pkt. 2]. Dies ist jedoch ohne diese Akten nicht möglich. Wenn Pfgf. Friedrich das Verfahren also durch Verweigerung der Unterhaltszahlung für Bf. Georg verhindert, müssen ihn die Kommissare zur Zahlung veranlassen. Sperrt er sich gegen ihre Entscheidung, sollten unverzüglich die Bürgen gemahnt werden.

    Konstanz, 28. Juli 1507 (mitwoch nach Jacobi).
    München, HStA, KÄA 1238, fol. 330–330’ (eh. Or.).

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/rta1507/II5/pages

    Die PDF-Anzeige ist eingebettet. Durch die Tastenkombination STRG+P bzw. das Öffnen der PDF-Datei in einem neuen Fenster (schwarzes "+"-Symbol oben rechts) können Sie das PDF Dokument ausdrucken.

    Anmerkungen

    1
     Das Protokoll über die Verhandlungen zwischen Sachsen und Groningen [Nr. 378] wurde als Protokoll B teilweise in den Variantenapparat eingearbeitet.
    2
     Es handelt sich um Johann Adelmann von Adelmannsfelden, Komtur zu Blumenthal. Vgl. Nr. 724 [Pkt. 5].
    3
      Merz , Burgen, bei S. 164 (Tafel 8).
    4
     Kein Nachweis.
    5
     Interlokut Kg. Maximilians (Kop., Präsentatverm.: Praesentata partibus pfinztag nach pfingsten [27.5.] Ao. etc. 7mo ; HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 235).
    6
     Im Protokoll folgt indessen nicht die eigentliche Vollmacht, sondern eine fehlerhafte und unvollständige Wiedergabe von Nr. 371 (lat. Kop., Präsentatverm.: 5ta post penthecostis [27.5.]  Ao. 1507.  Verm. am Textende: Sequitur copia copie citationis. Sequitur procuratorium ; TLA Innsbruck, Maximiliana VI/33, fol. 71; HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 13).
    7
     Gemeint ist wahrscheinlich der sächsische Obermarschall Heinrich von Schleinitz. Vgl. Nr. 148, Anm. 16.
    8
     In der Utrechter Duplik [Nr. 374] ist von sechs zugeordneten Assessoren die Rede. Hier fehlt der hgl. bayerische Vertreter. Vgl. Nr. 378, Pkt. 1.
    9
     Gemeint ist: gegen den Bf. von Utrecht ein Kontumazialverfahren einzuleiten.
    1
     Ernennungsurkunde Kg. Maximilians für Hg. Albrecht von Sachsen vom 20.7.1498 (Regest: Gross/Lacroix , Urkunden I, Nr. 75, S. 35–37; Wiesflecker , Regesten II/1, Nr. 6436, S. 400). Vgl. Mayer , Beziehungen, S. 74f.; Gross , Geschichte, S. 34f.; Vries , Rijk, S. 182–184; Baks , Modernisierung, S. 139f.
    2
     Z. B. Mandate Kg. Maximilians an Friesland vom 16.7. ( Wiesflecker , Regesten II/1, Nr. 6416, S. 395) und 20.7.1498 (ebd., Nr. 6438, S. 400; Gollwitzer , RTA-MR VI, S. 669f.; Baks , Inventaris, Nr. 342, S. 103); Mandat Kg. Maximilians an Friesland vom 27.3.1499 ( Möhlmann , Urkundenbuch III, Nr. 715, S. 196); Mandate Kg. Maximilians (Reichskanzlei) an Groningen vom 4.7.1499 und 17.1.1500 ( Wiesflecker , Regesten III/2, Nr. 13514, S. 732; Nr. 13907, S. 820; Baks , Inventaris, Nr. 2319, S. 468).
    3
     Mitteilung der Reichskanzlei an Groningen über die erfolgte Achterklärung vom 6.3.1500 ( Baks , Inventaris, Nr. 52, S. 45; Nr. 2321, S. 468f.; Wiesflecker , Regesten III/2, Nr. 13977, S. 831); kgl. Achtmandat gegen Groningen vom 6.3.1505 ( Berns , Verslag, Nr. 284, S. 43; Mayer , Beziehungen, S. 128).
    4
     Mandat Kg. Maximilians (Reichskanzlei) unter anderem an Bf. Friedrich von Utrecht vom 17.1.1500 ( Wiesflecker , Regesten III/2, Nr. 13906, S. 820 Anm.); Mandat Kg. Maximilians (Reichsregiment) an Bf. Friedrich vom 11.8.1501 ( Baks , Inventaris, Nr. 443, S. 124); kgl. Achtexekutionsmandat vom 25.4.1505 ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 230, S. 370f.); Mandat Kg. Maximilians an Bf. Friedrich vom 23.7.1505 (ebd., Nr. 503, S. 820).
    5
     Laut Nr. 369 [Pkt. 2, fol. 5’].
    1
     Vgl. Nr. 372 [Pkt. 2].
    1
     Urkunde Kg. Heinrichs III. vom 21.5.1040 (Druck: Bresslau/Kehr , Diplomata, Nr. 45, S. 55f.). 
    2
     Urkunde Ks. Karls IV. vom 11.4.1359 (Regest: Huber , Regesten, Nr. 2937, S. 240).
    3
     Laut Nr. 369 [Pkt. 4].
    1
     Kein Nachweis. Die von kgl. Räten am 17.10.1505 in Hattem vorgeschlagene Regelung (HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 254–254’) kann nicht gemeint sein.
    1
     = Dr. Ludwig Vergenhans und Hans Imber zu Gilgenberg als Vertreter Kg. Maximilians sowie je ein Kurmainzer, ebfl. Magdeburger, Württemberger und bayerischer Rat. Vgl. Nrr. 369 [Pkt. 6], 378 [Pkt. 1].
    2
     CICivilis, Codex Iustinianus 8,4; Digesta 43,16,3 ( Krueger , Corpus II, S. 333; I, S. 737). Vgl. zu dem Interdikt Müller , Besitzschutz, S. 14.
    3
     Bei dem Datumvermerk (7.7.) auf dem Stück (fol. 32) handelt es sich um ein Versehen; danach auch die irrtümliche Datierung bei Baks , Inventaris, Nr. 2120, S. 429.
    1
     Die sächsische Triplik liegt nicht vor. Laut Erklärung der sächsischen Anwälte vom 26.6. [Nr. 369, Pkt. 9] wurde kein entsprechendes Schriftstück vorgelegt.
    1
     Kein Nachweis.
    2
     Die sächsische Erklärung erging kurz vor der Abreise Hg. Georgs. Laut kurpfälzischem Gesandtenbericht war diese für den 19.7. geplant [Nr. 577, Pkt. 4]. Die Frankfurter Gesandten berichteten am 20.7., daß der Hg. im Begriff sei abzureisen [Nr. 648, Pkt. 3].
    1
     Bf. Friedrich teilte Hg. Georg mit Schreiben vom 23.8. mit, daß ihn seine aus Konstanz zurückgekehrten Anwälte über ihre mit den sächsischen Vertretern getroffene Vereinbarung zu gütlichen Verhandlungen informiert hätten. Der Bf. benannte als Termin den 5.10. und als mögliche Tagungsorte Amsterdam, Gouda, Woerden und Schoonhoven (Or. Duurstede, Gegenz. P. Hoszen; HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 251–251’; Regest: Baks , Inventaris, Nr. 813, S. 206). Hg. Georg entschuldigte sich mit wichtigen Angelegenheiten und schlug als neuen Termin den 11.11. und als Tagungsort Münster oder Köln vor (Konz., s.d.; ebd., fol. 250. Regest: Baks , Inventaris, Nr. 812, S. 206). Bf. Friedrich lehnte den Vorschlag wegen des Geldernkrieges ab und erklärte sich zu einem Treffen am 25.11. in Schüttorf oder Neuenhaus bereit (Or. m. S. Abcoude, 4.10.1507; ebd., fol. 278. Regest: Baks , Inventaris, Nr. 825, S. 209). Hg. Georg zeigte sich einverstanden, zum angegebenen Termin Bevollmächtigte nach Schüttorf zu entsenden (Konz. Schellenberg, 26.10.1507; ebd., fol. 277. Regest: Baks , Inventaris, Nr. 824, S. 209). Am 12.11. instruierte er Dr. Niklas Heynitz, Christoph von Taubenheim und Caspar Ziegeler als Gesandte zu den – offensichtlich ergebnislosen – Verhandlungen (Konz. Schellenberg; ebd., fol. 267–268). Bereits am 25.11. ordnete Hg. Georg ebendiese Gesandten zu weiteren Verhandlungen mit Kg. Maximilian ab. Laut ihrer Instruktion waren ihnen inzwischen das Gutachten des [Leipziger] Ordinarius Dr. [Johann] Schantz (wahrscheinlich das im HStA Dresden, Geheimer Rat, Loc. 8194/12, fol. 1–68’ erhaltene „Consilium in causa Gruningensi“) sowie Unterlagen Dr. Henning Goedes zugesandt worden. Im Bedarfsfall war Heynitz über den Kern der sächsischen Argumentation während der Konstanzer Verhandlungen informiert. Die Gesandten sollten dem Kg. noch einmal die in der Instruktion auseinandergesetzten Belege für die Reichsunmittelbarkeit Groningens und somit die Gegenstandslosigkeit des Besitzanspruches Bf. Friedrichs darlegen (Konz. Leipzig, dornstags am tage Katherine; ebd., fol. 248–250’ Regest: Baks , Inventaris, Nr. 811, S. 206).
    1
     Siehe Nr. 369 [Pkt. 7, mit App. a-a].
    2
     Wormser RKGO, 7.8.1495, § 22 (Druck: Angermeier , RTA-MR V/1, Nr. 342/IV, hier S. 406).
    3
     Liegt nicht vor.
    4
     Liegt nicht vor. Vgl. jedoch den bei Emmius  (Geschichte V, S. 670f.) wiedergegebenen, irrtümlich auf den 7.6. datierten Vortrag Kanters.
    5
     Auf fol. 43 und 43’ sind von verschiedenen Händen weitere Varianten des Interlokuts festgehalten: Ist zu recht erkent, beweyse Hg. Georg sein replica [Korrigiert aus: triplica ], wider die von Gruningen eingelegt [Einfügung am Rand wieder gestrichen: sovil zur ausleschung der excepcion dient und notturftig ist ], das zu recht gnug ist, das werde gehort werden und, er tu das oder nit, beschehe ferrer, was recht ist. – Ist zu recht erkant, das Hg. Georg zu beweisen seiner replica, wider die von Gruningen eingelegt, wie zu recht genug ist, zugelassen werde, und, er tue das oder nit, beschehe ferrer, was recht ist. – Beweyse Hg. Georg sein replica, wider die von Groningen eingelegt, zu recht genug, das sull gehort werden und, er tu das oder nit, ferrer beschehen, was recht ist.
    1
     Ernennungsurkunde Kg. Maximilians für Hg. Albrecht von Sachsen vom 20.7.1498 [Nachweise s. Nr. 370, Anm. 1].
    2
      S.o. Nr. 370, Anm. 2.
    3
     Nachweise s. Nr. 370, Anm. 3.
    4
     Laut Nr. 148 [Pkt. 34 Zu dem auch ... notturft etc.]. Die Datierung auf den 4.6. bei Emmius  (Geschichte V, S. 669) ist unzutreffend.
    1
     CICivilis, Codex Iustiniani 1,49 ( Krueger , Corpus II, S. 87f.); CICanonici, Liber extra 2,7; 5,39,15 ( Richter/Friedberg , Corpus II, Sp. 265–267, 894f.); CICanonici, Liber sextus Bonifacii VIII. 2,4 (ebd., Sp. 998).
    1
     Bestätigung Kg. Maximilians über das Bündnis Groningens mit dem Ostergau vom 23.5.1494 ( Wiesflecker , Regesten I/1, Nr. 709, S. 80).
    2
     Kein Nachweis.
    3
     Vgl. auch die Wiedergabe dieser Eingabe bei Emmius  (Geschichte V, S. 671).
    1
     Vgl. auch die Wiedergabe der Replik bei Emmius  (Geschichte V, S. 671).
    1
     Vgl. auch die Wiedergabe der Duplik bei Emmius  (Geschichte V, S. 672).
    1
     Im Text angegebener Beleg: c. II, de probatione [!] (CICanonici, Liber extra II, tit. 19; Richter/Friedberg , Corpus II, Sp. 306–315).
    2
     Angegebene Belege: per l[egem] Filium ff. De his, qui sui vel alieni juris sunt (CICivilis, Digesta 1,6,6; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 37), l[egem] II, C. De ord[ine] iudi[ciorum] (CICivilis, Codex Iustiniani 3,8,2; Krueger , Corpus II, S. 125), l[eges] I, II, III, l[egem] Si status, l[egem] Cum status et l[egem] Si res tuas, C. De ord[ine] cogni[tionum] (CICivilis, Codex Iustiniani 7,19,4–6; ebd., S. 304), c. I et c. Tuam, de ord[ine] cogni[tionum] (CICanonici, Decretales Gregorii IX. 2,10,1 und 3; Richter/Friedberg , Corpus II, Sp. 273–275), c. Auditis, de praescrip[tionibus] (CICanonici, Decretales Gregorii IX. 2,26,15; ebd., Sp. 387f.), c. Lator, qui fil[ii] sint legit[imi], cum s[equent]i (CICanonici, Decretales Gregorii IX. 4,17,5f.; ebd., Sp. 711f.).
    3
     Angegebene Belege: Qui iussu iudicis aliquid facit, non videtur dolo malo facere (CICivilis, Digesta 50,17,167; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 925), per tex[tum] in l[ege] Iuste ff. De acqui[renda vel amittenda] poss[essione] (CICivilis, Digesta 41,2,11; ebd., S. 699), l[ege] Non videtur data, § Qui iussu, l[ege] Qui autore judice, l[ege] Qui in jus, § Nemo, ff. De [diversis] re[gulis] ju[ris] (CICivilis, Digesta 50,17,167, 137 und 177; ebd., S. 924f.), et in c. Quod quis mandato judicis [dolo facere non videtur, q.uum habeat parere necesse.], eo ti[tulo: De regulis iuris], Li. VI (CICanonici, Liber sextus Bonifacii VIII. 5,13,24; Richter/Friedberg , Corpus II, S. 1122).
    4
     Angegebene Belege: Tex[tus] est in l[ege] I, § I et in l[ege] III, § Interdictum, ff. De vi et vi armata (CICivilis, Digesta 43,16,1 und 3,13; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 735–737), et melior in l[ege] I et § Dolo [autem] malo, ff. Vi bonorum raptorum, cum s[equent]i (CICivilis, Digesta 47,8,1 und 2,2–3; ebd., S. 827).
    5
     Angegebene Belege: Per tex[tum] in l[ege] Quod meo nomine, in prin[cipio], ff. De acqui[renda vel amittenda] poss[essione] (CICivilis, Digesta 41,2,18; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 700), l[ege] Mandatam, in fine, ff. De off[icio] eius, cui manda[ta] est jurisd[ictio], in fi[ne] ibi: non tamen pro suo imperio agit, sed pro eo, cuius mandatu jus dicit etc. (CICivilis, Digesta 1,21,5; ebd., S. 46). Ubi glo[ssa] inquit: Facit enim non tanquam ipse, sed tanquam alius, hoc est, cuius mandato facit ( Bartolus , Opera I, S. 103; Baldus , Commentaria I, pag. 67’). Idem tex[tus] in l[ege] Is damnum dat, ff. De [diversis] reg[ulis] iu[ris], dicens: Is damnum dat, qui iubet dare, eius vero nulla est culpa, cui parere necesse est (CICivilis, Digesta 50,17,169; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 925). Ubi glo[ssa] percipiens tenetur: Obediens excusatus est, ubi praecipiens ius imperandi habuit (kein Nachweis).
    6
     Angegebener Beleg: L[ex]: Non potest dolo carere [qui imperio magistratus non paruit], ff. de [diversis] reg[ulis] ju[ris] (CICivilis, Digesta 50,17,199; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 926).
    7
     Angegebene Belege: L[ex: Liberto et] filio, ff. De obse[quiis a] liber[is] (CICivilis, Digesta 37,15,9 (De obsequiis parentibus et patronis praestandis); Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 608). Et probant hoc Bal[dus de Ubaldis] et Al[exander de Tartagnis] in ti[tulo] Hic fi[nitur] lex, in prin[cipio], In usu feudorum (Libri Feudorum 2.28; Lehmann , Consuetudines, S. 158; Baldus , In usus feudorum, pag. 72).
    8
     Angegebene Belege: Ut inquit imperator in l[ege] Si [imperialis maiestas], C. De leg[ibus et constitutionibus], dicens: Quis tante superbie fastidio tumidus [est], ut regalem sensum contemnat? (CICivilis, Codex Iustiniani 1,14,12; Krueger , Corpus II, S. 68). Et alibi: Nec disputari oportet de principali iudicio. Sacrilegii enim instar est dubitare, an is dignus sit, quem elegerit imperator; L[ex] II, C. De cri[mine] sacri[legii] (CICivilis, Codex Iustiniani 9,29,2; ebd., S. 385. Außerdem: Codex Theodosianus 1,6,9 (385); Mommsen , Codex I/2, S. 41).
    9
     Angegebene Belege: De quo scriptum est: Labiis rex regit. Et iterum: Cor regis in manu Dei est, et ubi voluerit, inclinabit illud. L[ex] Inter claras, C. De sum[ma] tri[nitate] (CICivilis, Codex Iustiniani 1,1,8,3; Krueger , Corpus II, S. 10–12, hier 10, mit Nachweisen über die zitierten Bibelstellen). Non tanquam ipse, sed tanquam Deus facere videtur. Non sua vice, sed delegantis Dei, cuius vice fungitur, nam princeps est ordinarius omnium et legatus sive proconsul Dei, ut inquit et probat eleganter Bal[dus] de pace Constantie in prin[cipio] et in § I ( Baldus , In usus feudorum (Commentariolum eiusdem Baldi super pace Constantiae), pag. 117’-127’, hier 117’, 117’-120). Quasi ad finem vero nota, q[uod] non debeat quis audiri c[ontra] illud, quod facit princeps ex certa scientia ( Baldus , ebd., pag. 120). Idem Cy[nus] in l[egem] Rescripta, C. De preci[bus] impe[ratori] off[erendis] (CICivilis, Codex Iustiniani 1,19,7; Krueger , Corpus II, S. 75. Cynus , Lectura I, pag. 35’-36).
    10
     Angegebener Beleg: L[ex] I ad fi[nem], C. De his, qui ve[niam] eta[tis] impe[traverunt] (CICivilis, Codex Iustiniani 2,44,1; Krueger , Corpus II, S. 114).
    11
     Angegebener Beleg: C. Ut quae desunt advo[cationi] parti[um], iud[ex] supp[leat] (CICivilis, Codex Iustiniani 2,10; Krueger , Corpus II, S. 102).
    12
     Angegebene Belege: § Conventiculas (Libri feudorum 2,53,6; Lehmann , Consuetudines, S. 178), iuncta glo[ssa] cum multis concor[dat], ac Bal[dus] de pace jura[mento] fir[manda] ( Baldus , In usus feudorum, pag. 93’-99’, hier 97–98).
    13
     Angegebene Belege: Glo[ssae] et doct[ores] sub ti[tulo]: De acq[uirendo] re[rum] do[minio], ti[tulo] De acq[uirenda vel amittenda] poss[essione] (CICivilis, Digesta 41,1–2; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 690–703. Bartolus , Opera III, S. 181–227), et aliis his consonantibus ff. et C.
    14
     Angegebener Beleg: Per textum glo[ssas] et docto[res] in c. Ad decimas, de resti[tutione] spo[liatorum], Li. VI etc. (CICanonici, Liber sextus Bonifacii VIII. 2,5,2; Richter/Friedberg , Corpus II, Sp. 999).
    15
     Angegebene Belege: Sicuti videndum est in l[ege] Solemus, § Latrunculator, ff. De judi[ciis] (CICivilis, Digesta 5,1,61; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 106), in l[ege] III, ff. De off[icio] praefecti vig[ilium] (CICivilis, Digesta 1,15,3; ebd., S. 42), et Bar[tolus] in l[egem] Si, ff. Uti possidetis (CICivilis, Digesta 43,17,3; ebd., S. 739. Bartolus , Opera III, S. 366f.).
    16
     Angegebene Belege: Per l[egem] Papinianus exuli, ff. De mi[noribus vigintiquinque annis] (CICivilis, Digesta 4,4,20; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 88f.), et Barth[olus] ff. De calumniat[oribus], cum s[equent]i (CICivilis, Digesta 3,6; ebd., S. 78f. Bartolus , Opera I, S. 297–299).
    17
     Angegebener Beleg: Iuxta § Curare, insti[tutiones] de acti[onibus], cum s[equent]i: Igitur etc. (CICivilis, Institutiones 4,6,32; Krueger , Corpus II, S. 49).
    18
     Angegebene Belege: Ut in c. I et fi[nali] de confir[matione] utili [vel inutili], in Auten[tica] Si quis in aliquo (Epitome Iuliani 400; Fiorelli/Bartoletti Colombo , Epitome, S. 166. CICivilis, Authentica „Si quis in aliquo“, post C. 2.1.7, ex Nov. 119, c. 3; Kriegel , Corpus II, S. 128), C. De eden[do], cum s[equent]i (CICivilis, Codex Iustiniani 2,1; Krueger , Corpus II, S. 92).
    19
     Angegebene Belege: Iuxta ea, que notat et probat Barth[olus] in l[egem] I, § Rectissime et § Ibi autem, ff. De vi et [de] vi ar[mata] (CICivilis, Digesta 43,16,1,34 und 37; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 736, 737. Bartolus , Opera III, S. 357), imo in c. qual[ite]r et q[ua]n[do], De accu[sationibus], cum s[equent]i (CICanonici, Decretales Gregorii IX. 5,1,24; Richter/Friedberg , Corpus II, Sp. 745–747).
    20
     = Verbot der eigenmächtigen Störung oder Veränderung des gegenwärtigen Besitzstandes. Vgl. Kaser/Hackl , Zivilprozeßrecht, S. 413f.; Simmler , Prinzip, bes. S. 34; Müller , Besitzschutz, S. 12–14.
    21
     Angegebene Belege: Specialiter per tex[tum] in § Hec si quis, antiqua XI q[uaestione] I (CICanonici, Decretum Gratiani 2,11,1,36 [und 37]; Richter/Friedberg , Corpus I, Sp. 636f.), probantem in specie, quod Frisones sunt sub Imperio; et etiam generaliter per l[egem] Dep[re]catio [Eudaemonis (bzw. ίωσις Ευδαίμονος)], ff. Ad l[egem] Rho[diam] de iact[u] (CICivilis, Digesta 14,2,9; Mommsen/Krueger , Corpus I/2, S. 221), l[egem] Bene a Zenone, C. De quadri[ennii] praescript[ione] (CICivilis, Codex Iustiniani 7,37,3; Krueger , Corpus II, S. 310), glo[ssa] in prohoemio ff. cum s[equent]i ( Bartolus , Opera IV, S. 665f.; Cynus , Lectura II, pag. 445’-446’).
    22
     Angegebene Belege: L[ex] Si, C. Per quas personas nobis acquiritur (CICivilis, Codex Iustiniani 4,27,2; Krueger , Corpus II, S. 166), et ibi Bal[dus in] l[egem] Si ( Baldus , Commentaria VI, pag. 75), et ibi doct[ores], C. De acq[uirenda et retinenda] poss[essione] (CICivilis, Codex Iustiniani 7,32; Krueger , ebd., S. 307), Bal[dus] in l[egem] II, C. De op[eris] liber[torum] (CICivilis, Codex Iustiniani 6,3; ebd., S. 240f. Baldus , Commentaria VII, pag. 20), et in l[egem] Nec si volens (CICivilis, Codex Iustiniani 7,16,6; ebd., S. 301. Baldus , Commentaria VIII, pag. 12), et ibi tex[tus] C. De li[berali] cau[sa] (CICivilis, Codex Iustiniani 7,16; Krueger , ebd., S. 301–303), Bal[dus], in us[us] feu[dorum commentaria], de investi[tura] de re alie[na] facta, § Quid ergo (Libri feudorum 2,8,1 (§ Rei autem); Lehmann , Consuetudines, S. 124. Baldus , In usus feudorum, pag. 48), et in titulo: Qui testes sint necessarii ad prob[andam] nov[am] invest[ituram] (Libri feudorum 2,32; Lehmann , Consuetudines, S. 161f. Baldus , In usus feudorum, pag. 75’-76; auszugsweise zitiert bei Danusso , Ricerche, S. 111 Anm. 128–130, 132, S. 112f.), specialiter in ti[tulo] de [prohibita] feu[di alienatione per Lotharium], § Quoniam (Libri feudorum 2,52,3; Lehmann , Consuetudines, S. 177. Baldus , In usus feudorum, pag. 93’), ver[siculo] XI Queritur ( Baldus , In usus feudorum, pag. 93–93’).
    23
     Angegebene Belege: Per tex[tum] in l[ege] Conductores, et ibi Bal[dus], C. Locati (CICivilis, Codex Iustiniani 4,65,33; Krueger , Corpus II, S. 190. Baldus , Commentaria VI, pag. 143), l[ege] Non ab re est, C. Unde vi, cum s[equent]i (CICivilis, Codex Iustiniani 8,4,10; Krueger , Corpus II, S. 332. Baldus , Commentaria VIII, pag. 137’-138).
    1
     Vgl. auch die Wiedergabe des Dekrets bei Emmius  (Geschichte V, S. 672f.).
    1
     Die Stadt hatte in zwei Schreiben vom 1.6. an Kg. Maximilian und Niklas Ziegler (jeweils Konz., dinstags nach trinitatis/dinstags nach dem sonndag trinitatis ; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nrr. 189, 188) Beschwerde erhoben, daß der Stiftsklerus das durch einen kgl. Boten zugestellte Zitationsmandat [Nr. 92] ignoriere und erreicht habe, daß die Stadt unter Mißachtung aller Verfahrensregeln erneut in den Bann erklärt worden sei. Man werde deshalb durch Gesandte am kgl. Hof vorstellig werden. In einer Weisung an die Gesandten vom 10.6. (Or., dorstag octava corporis Christi ; ebd., 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42. Konz.; ebd., 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42; Boos , Quellen III, S. 514 Anm. 2) berichtete der Wormser Magistrat von Warnungen, daß alle dise handlung und furnemen der pfaffheit am pfalzgravischen hof practicirt, angezetelt, entlich dahin gericht und beslossen, mit dem furgenommen bann uf uns zu procediren und vollenfaren mit aggravation [und] reaggravation, uns und den unsern alle gemeinschaft, malen, backen, hausen, hofen by allen nachbaurn, besunder Pfalz und pfaffheit angehorigen und verwanten, auch probiand zu fieren, kaufen und verkaufen, schulden, zinse, gulten zu bezalen zu verbiten und sovil muglich wege und strassen zu weren, allen widertrieß und unwillen zu bewysen, eins ufs ander nit zu verziehen noch zu sparen und invocation brachii secularis zum furderlichsten ußzubringen, die dinge alle by dem vermeinten richter und executor [Antonius Leist] abgeredt und vor diser zit, auch ytz fur und fur edeln und andere besprochen, bestelt, gemeiner sloss beworben, so die invocatio brachii secularis zu geben erkent, denjenen, so gern an uns weren und uf hutigen dag andere durch dieselben in hilf erfordert sind und noch werden, bevolhen und von bapstlichem gwalt geboten wurde, der pfaffheit zu vollstreckung irs furnemens zu verhelfen, dadurch sie, die on das willig, gern ursach hetten, uns dermassen anzugryfen und zu ubereylen, damit sie iren unwillen an uns rechen und nach irem hoffen gar umb und under sich bringen mechten. Die Gesandten sollten deshalb den Kg. unverzüglich um Ausfertigung von Pönalmandaten ersuchen, worin dem Klerus jegliches gegen Reichsrecht und die kgl. Mandate verstoßendes Vorgehen gegen die Stadt wegen ihres ausschließlich weltliche Angelegenheiten betreffenden und ohnehin beim röm. Kg. anhängigen Streites untersagt würde. Des weiteren sollte den Nachbarn der Stadt verboten werden, dem Wormser Klerus bei seinen Rechtsverletzungen Unterstützung zu leisten. Schließlich sollten die Gesandten den Kg. als Ehg. von Österreich und Wormser Schirmherrn um Schutz und um entsprechende Weisungen an den Landvogt [im Elsaß] und andere kgl. Amtleute bitten. – Die Wormser Befürchtungen wegen des Bannspruches waren keineswegs grundlos. Oppenheim – dort waren die Kleriker von Liebfrauen und St. Paul untergekommen ( Keilmann , Paulusstift, S. 90 Anm. 6) – untersagte den Wormsern am 28.6. unter Hinweis darauf den Aufenthalt in der Stadt und den Umgang mit seinen Bürgern (Or. m. S., montagh noch Johannis baptiste; StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 42. Boos , Geschichte IV, S. 101).
    2
     S.o. Anm. 1.
    3
     Philipp Wolff/Balthasar Mühl an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms, [Konstanz], 17.6.1507 (Or., dornstags nach Viti; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42; Boos , Quellen III, S. 517 Anm.).
    4
     Kg. Maximilian hatte im Antwerpener Spruch vom 23.12.1494 Bf. Johann von Dalberg das Recht zur Einsetzung des Rates bestätigt ( Schannat , Historia II, S. 277; Boos , Quellen III, S. 386f.; Schwan , Urkunden, Nr. 885, S. 256f.; Jürgensmeier , Bistum, S. 145; Morneweg , Johann, S. 167f.).
    5
     P. Wolff/B. Mühl an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms, [Konstanz], 24.6.1507 (Or., St. Johans baptisten tag; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42; Boos , Quellen III, S. 517 Anm. 1); Protokoll (A) über die Schiedsverhandlungen zwischen Bf. Reinhard und der Stadt Worms, 23.6.-3.7.1507 (StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 36, unfol.); Protokoll (B) über die Schiedsverhandlungen zwischen den fünf Wormser Stiften und der Stadt, 23.6.-nach dem 25.7.1507 (StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 64–77’, hier fol. 64’).
    6
     Kg. Maximilian hatte auf dem Augsburger RT am 17.8.1500 entschieden, daß die Stadt den Bf. wieder in seine Rechte einsetzen sollte ( Boos , Quellen III, S. 443, 452–456; Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 813, hier S. 662; Wiesflecker , Regesten III/1, Nr. 10730, hier S. 297).
    7
     Spruch des Nürnberger Reichsregiments vom 14.9.1501 ( Boos , Quellen III, S. 469; Ders. , Geschichte IV, S. 83; Toifl , Friede, S. 13; Morneweg , Johann, S. 285).
    8
     Waffenstillstand zwischen Kg. Maximilian und Kf. Philipp von der Pfalz vom 10.9.1504. Vgl. Heil , RTA-MR VIII/1, S. 87 Anm. 94.
    9
     Urkunde Bf. Ludwigs von Speyer vom 25.10.1483 ( Schannat , Historia II, Nr. CCLXXI, S. 249f.; Boos , Quellen III, S. 601–603; Schwan , Urkunden, Nr. 775, S. 224; Bönnen , Konflikt, S. 52f. Anm. 28 und Abb. 13; Jürgensmeier , Bistum, S. 145; Morneweg , Johann, S. 66f., 74f.).
    10
     Bezieht sich vor allem auf die Bestätigung der städtischen Freiheiten durch Bf. Johann von Dalberg am 22.9.1483. Vgl. Bönnen , Konflikt, S. 51f. mit Abb. 12; Ders. , Geschichte, S. 238f.
    11
     Klage des Bf. gegen die Stadt Worms an kgl. Hofräte, act. Konstanz, 26.6.1507 (Kop.; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42. Dem Protokoll (A) inserierte Kop.; StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 42, unfol.).
    12
     = Schlichtung, Friedensschluß, Austrag ( Grimm , Deutsches Wörterbuch VIII, S. 31).
    13
     Klage der fünf Wormser Stifte gegen die Stadt Worms an kgl. Hofräte, act. Konstanz 26.6.1507; den städtischen Anwälten am 28.6. übergeben (Kop. mit imit. Unterz. H. Sinnama; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42. Dem Protokoll (B) inserierte Kop.; StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 65).
    14
     Kein Nachweis.
    15
     Erwiderung der Stadt Worms auf die Klage Bf. Reinhards, act. Konstanz, 28.6.1507 (Reinkonz.; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42. Dem Protokoll (A) inserierte Kop.; StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 42, unfol.).
    16
     Erwiderung der Stadt Worms auf die Klage der Wormser Stifte an kgl. Hofräte, act. Konstanz, 28.6.1507 (Dem Protokoll (B) inserierte Kop.; StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 65’).
    17
     Mandat Kg. Maximilians vom 5.2.1507 [Nachweis s. Anm. 41].
    18
     Klage der Stadt Worms gegen den Stiftsklerus an kgl. Hofräte, act. Konstanz, 28.6.1507 (Dem Protokoll (B) inserierte Kop.; StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 66–66’). Die Stadt versuchte auch, über Verhandlungen mit dem Papst die Absolution vom Bann zu erreichen. Der wohl im Juni mit päpstlichen Schreiben und Aufträgen an Kg. Maximilian aus Rom zurückgekehrte Johann von Brempt schrieb am 3.7. an Adam von Schwechenheim, er hätte gehofft, ihn in Konstanz anzutreffen, um mit ihm über seine Unterredung mit Kg. Maximilian wegen des Konflikts zwischen Stadt und Klerus zu beraten, want yn kurzer zyt synt vast wort gewest vur deme paebs in uwer sachen, als yr zo syner zyt von myr bericht sult werden. Er selbst habe zwar nicht in Konstanz bleiben können; wenn Schwechenheim dies wünsche, könne er jedoch über seinen Bruder, den kgl. Zeugmeister [Adrian von Brempt], beim Kg. und beim päpstlichen Gesandten Costantino Arianiti (Hg. Constantyn) intervenieren, der sich schon wiederholt für die Stadt eingesetzt habe (Or. Straßburg, samsdach nach Marie visitationis; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42).
    19
     Eidleistung des Wormser Rates gegenüber Bf. Johann am 8.11.1483 ( Boos , Quellen III, S. 599; Ders. , Geschichte IV, S. 13, 15; Todt , Kleruskritik, S. 114).
    20
     Wormser Stadtrechtsreformation von 1498, gedr. v. Peter Drach, Speyer, 27.5.1499 (Druck: Köbler , Reformation). Vgl. Morneweg , Johann, S. 124f.; Battenberg , Gerichtsbarkeit, S. 69–75.
    21
     Mündliche Replik Bf. Reinhards an die kgl. Hofräte, act. Konstanz, 29.6.1507 (Protokoll (A); StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 42, unfol.).
    22
     Schiedsspruch Kg. Ruprechts und Ebf. Johanns von Mainz zwischen Bf. Matthäus von Worms und dem Wormser Klerus auf der einen und der Stadt Worms auf der anderen Seite vom 9.7.1407, die sog. „Große Pfaffenrachtung“ (Druck: Schannat , Historia II, Nr. CCXLVI, S. 218–223; Boos , Quellen III, S. 260–266. Regest: Oberndorff , Regesten II, Nr. 4869, S. 360; Chmel , Regesta, Nr. 2331, S. 143; Schwan , Urkunden, Nr. 84, S. 25). Vgl. Boos , Städtekultur II, S. 262–266; Bönnen , Geschichte, S. 227f.; Todt , Kleruskritik, S. 102f.; Battenberg , Gerichtsbarkeit, S. 50f.
    23
     Mündliche Replik Sinnamas an kgl. Hofräte, act. 29.6.1507 (Protokoll (B); StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 66).
    24
     Protokoll (B) (StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 66’).
    25
     Kg. Maximilian bestätigte am 25.8.1494 eine Deklaration vom 21.5.1489 [Nachweise s.u. Anm. 33], worin Ks. Friedrich III. die zum Nachteil des Reiches zwischen Bf. und Stadt geschlossenen Verträge kassiert hatte ( Boos , Quellen III, S. 380; Wiesflecker , Regesten I/1, Nr. 967, S. 103). Vgl. Morneweg , Johann, S. 161f.; Todt , Kleruskritik, S. 116; Toifl , Friede, S. 2.
    26
     Absagebrief von 65 Adligen an die Stadt wegen des gegen Bf. und Stiftsgeistlichkeit verübten Unrechts, [Wimpfen], 22.6.1507 (Or. m. 5 Ss.; StdA Worms, Urkunden 664; Boos , Quellen III, S. 515 Anm.). Das Schriftstück war den Gesandten mit Weisung vom 25.6. übersandt worden. Darin schilderte der Wormser Magistrat noch einmal das Vorgehen der Geistlichen, das darauf abziele, sich gegen die Stadt durchzusetzen, ehe ihr jemand zu Hilfe eile, und berichteten zur Mitteilung an Kg. Maximilian von der Beschießung eines Wormser Schiffes durch Konrad Schott, der den Absagebrief mitunterzeichnet hatte (Kop./Or., frytags nach Johannis baptiste; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nrr. 123, 144; Boos , Quellen III, S. 517 Anm.).
    27
      Naz , Dictionnaire de Droit canonique VII, Sp. 466 (G. Mollat); Hageneder , Peccatum, S. 226f.
    28
     Protokoll (B) (StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 68–69). Laut dem Bericht P. Wolffs und B. Mühls an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms vom 5.7. (Or. [Konstanz], montags nach visitationis Marie ; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42) hatten die Gesandten aufgrund des Ratsschreibens vom 25.6. [s.o. Anm. 26] und nach Beratung mit Dr. Johann Lupfdich in einer entsprechenden Supplikation an den Kg. das Vorgehen des Stiftsklerus beklagt. Sie konnten feststellen, daß dieser vast daruber erzurnet und willens ist, dargegen furzunemen. Und hat eyn sunderlich gevallen, das die wider[teil] ire Mt. mit dem ernstlichen practiciren verursachen. Dem Schreiben lag ein Verzeichnis mit dem Vermerk: Habeatur hec in secreto, bei: Item das der Bf. von Worms alle sachen von wegen der oberkeit zuschen ime und der stat entlichen zu der kgl. Mt. stelle. Item das der Bf. und priesterschaft den bann abschaffen und mit geistlichem gericht gegen der stat Worms stylsten. Und das alle sachen zuschen der priesterschaft und der stat uf kgl. Mt. oder das kammergericht gestelt werden zu rechtlicher erclerung, was geistlich oder weltlich sij, und alsdan yde sach vor kgl. Mt. ader irem geordenten gericht rechtlich usgetragen werd.
    29
     Urkunde Kg. Maximilians vom 4.9.1504 (Druck: Schannat , Historia II, Nr. CCLXXXVIII, S. 291f. Regest: Boos , Quellen III, S. 495 Anm.; Heil , RTA-MR VIII/1, S. 382 Anm. 1).
    30
     Protokoll (A) (StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 42, unfol.).
    31
     Protokoll (A) (StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 42, unfol.).
    32
     Protokoll (B) (StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 67, 69–69’).
    33
     Urkunde Ks. Friedrichs III. vom 21.5.1489 ( Schannat , Historia II, Nr. CCLXXIII, S. 251; Boos , Quellen III, S. 568f.; Heinig , Urkunden Frankfurt, Nr. 996, S. 471f.; Boos , Geschichte IV, S. 30; Battenberg , Gerichtsbarkeit, S. 52).
    34
     Diese und eine weitere Supplikation der Wormser Gesandten wurden am 8.7. dem Kg. vorgelegt (Kop., präs. in die Kyliani; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nrr. 100f.). Als Kg. Maximilian über das Schreiben der Adligen an die Stadt informiert wurde, glaubte er zuerst, die Stadt habe aufgrund seiner früheren Erklärung der Gegenseite abgesagt. Do er aber vernommen hat, das es nit beschehen, ist es ime wolgefallen (PS zum Bericht Wolffs und Mühls vom 5.7.1507; StdA Worms, 1 B, 1927,3, zu Stück-Nr. 42). Vom 8.7. datiert ein nur als Fragment erhaltenes (fiskalisches Zitations?-)Mandat Kg. Maximilians an den Wormser Stiftsklerus, das anscheinend die weitere Verletzung städtischer Rechte untersagte (Kop. mit imit. Verm. amdric. und Gegenz. Serntein, Kollationsverm. des Speyrer Dompropsts Georg von Gemmingen, (2) Aufschrr.: Executio citationis fiscalis contra episcopum Wormaciensem und Executiones mandati regie maiestatis maioris et aliarum ecclesiarum collegiatarum Wormaciensium; StdA Worms, 1 B, 1921, unfol.).
    35
     Protokoll (A) (StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 42); Protokoll (B) (StdA Worms, 1 B, 1939,3, fol. 69’); Bericht Wolffs und Mühls, Konstanz, 5.7.1507 (Or., montags nach visitationis ; StA Worms, 1 B, 1927, 3, Stück-Nr. 42).
    36
     StdA Worms, 1 B, 1921/3, unfol. (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein); ebd., 1922, unfol. (Druck, gedr. Vermm. per regem manu propria/amdrp. und Gegenz. Serntein). Das Mandat wurde von den städtischen Gesandten am 18.7. nach Worms geschickt, mit dem Kommentar: Wir hoffen, mit der zeit etwas bessers zu bringen (Or. [Konstanz], sonndags Arnolfi; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42). Die Stadt bat mit Schreiben vom 28.7. Kf. Philipp von der Pfalz – wie zweifellos auch andere benachbarte Stände –, das ihm zur Einsichtnahme im Original und als kollationierte Kopie übersandte Mandat in seinem Herrschaftsbereich zu publizieren (Konz., quarta post Magdalene; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42).
    37
     Die Vollmacht vom 30.6. galt außer für Schwechenheim auch für Reinhard Noltz, Philipp Wolff, Balthasar Mühl und Hans von Homberg (Hornberg) . Mindestens zwei Anwälte sollten jeweils an den Verhandlungen teilnehmen (Konz., mittwoch nach St. Petri und Pauli tag ; präs. dem kgl. Hofrat in Konstanz am 13.7.; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42; Boos , Quellen III, S. 519 Anm. 1). Wolff und Mühl zählten neben Schwechenheim und Noltz auf städtischer Seite zu den treibenden Kräften im Konflikt mit dem Klerus. So tadelten sie in einem Schreiben an Bürgermeister und Rat deren Kleinmütigkeit, des wir beswerde tragen, so doch der handel noch aller in schrieften steet und mit der tat nit gegen uch furgenommen wirdet , und äußerten die Hoffnung, sie verhielten sich in der dorichten widerwertigkeit des bans so großmutig, doch mit geschicklicheit, das uwere fynd des eyn schrecken und ersitzen entpfinden  (Or. m. S. [Konstanz], dornstags nach Udalrici  [8.7.]1507; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42). Noltz und Homberg reisten erst am 24.7. nach Konstanz ab ( Boos , Quellen III, S. 517), wo sie am 28.7. eintrafen (Bericht der Gesandten an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms, Or. Konstanz, donerstags nach Jacobi [29.7.]1507; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42; Boos , Quellen III, S. 521 Anm.).
    Soweit nicht anders angegeben, basiert die Darstellung des Gerichtstages im folgenden auf dem Protokoll (B) (StdA Worms, 1 B, 1939,3, unfol.).
    38
     Vgl. Nr. 92, Anm. 3.
    39
     Liegt nicht vor.
    40
     Vgl. Nr. 92, Anm. 1.
    41
     Mandat Kg. Maximilians an die fünf Wormser Stifte, den Konflikt mit der Stadt nicht weiter vor geistlichen Gerichten zu verfolgen. Der Streit sollte als weltliche Angelegenheit vor kgl. Kommissaren ausgetragen werden (Kop. Innsbruck, 5.2.1507; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42. Boos , Geschichte IV, S. 100). Die Stadt richtete am 10.5. – also kurz vor Ausfertigung der kgl. Ladung nach Konstanz – eine Anfrage an den Klerus, ob er sich gegen das Mandat gehorsam erzeigen und seine Anwälte in Mainz davon unterrichten wolle oder nicht (Kop., montags rogationis; UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 158, fol. 195’-196).
    42
     Mandat Kg. Maximilians vom 13.5.1507 [Nr. 92].
    43
     Klageschrift der Stadt Worms gegen den Stiftsklerus (Konz., mit lat. Randvermm. vermutlich von der Hd. J. Lupfdichs; StdA Worms, 1 B, 1939,2, unfol.).
    44
     Die städtischen Gesandten hatten ursprünglich erwogen, einen Fiskalprozeß gegen den Klerus anzustrengen, falls dieser die anberaumten Schiedsverhandlungen boykottieren würde, und sogar mit Kg. Maximilian darüber gesprochen. Nachdem dieser Dr. Johann Lupfdich als fiskalischen Prokurator empfohlen hatte, fragten die Gesandten bei dem hessischen Rat an, ob er zur Übernahme dieser Aufgabe bereit sei (P. Wolff/B. Mühl an Bürgermeister und Rat der Stadt Worms, Or. [Konstanz], St. Johans baptisten tag [24.6.]1507; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42). Lupfdich sagte zu, die Stadt sowohl in einem fiskalischen, als auch einem gütlichen oder rechtlichen Verfahren zu vertreten (Dies. an dies., Or. m. S. [Konstanz], montags vigilia Petri et Pauli [28.6.]1507; ebd., 1927,3, Stück-Nr. 42). 
    45
     Die städtischen Gesandten berichteten am 15.7., daß dem Kg. und geistlichen wie weltlichen Reichsständen das Vorgehen des Wormser Klerus gegen die Stadt mißfalle. Diese wollten den Streit beigelegt sehen, dann dieselb irrung verhinder und hab verhindert viellycht Rychs tege, cammergericht und anders, so daselbst bißher gehandelt und noch zu gescheen fur gelegen angesehen ist. Die Gesandten forderten für das Verfahren weitere Unterlagen an, insbesondere eine in der Bibliothek aufbewahrte cronic der Geschehnisse zu Zeiten Kg. Ruprechts sowie ein Verzeichnis der Weingärten des Klerus, um die Behauptung Sinnamas, wonach der Wormser Klerus lediglich über ein Einkommen von 400 Fuder Wein verfüge, widerlegen zu können. Außerdem sollten die übrigen deputierten städtischen Vertreter so bald wie möglich nach Konstanz kommen (Or. [Konstanz], dunerstags divisionis apostolorum; präs. Worms, 18.7.1507 (abends); StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42; Boos , Quellen III, S. 521 Anm.). Der Rat teilte in seinem Antwortschreiben vom 19.7. mit, daß am Vortag in den Kirchen in der Kurpfalz aufgrund des von Anton Leist [am 12.7.] verhängten Interdikts jeglicher Umgang mit den Wormsern verboten worden sei. Den Gottesdienst bestritten vorläufig die – vom Magistrat mit der Drohung, ihnen den Schutz der Stadt zu entziehen (Aufzeichnung über Verhandlungen zwischen Wormser Geistlichen und Deputierten des Rates am 10.7.1507; ebd., Stück-Nr. 42. Weisung von Bürgermeistern und Rat an Gesandte in Konstanz, Or., sonndags nach Kiliani [11.7.]; ebd., 1927,3, Stück-Nr. 42), unter Druck gesetzten – Angehörigen der vier Bettelorden [Dominikaner, Franziskaner, Augustinereremiten und Karmeliter; Kemper , Klosterlandschaft, S. 156]. Den Gesandten wurde eine Abschrift der von den Bettelmönchen eingelegten Appellation [des Augustinereremitenpriors Engelmann Glauberger und des Dominikaners Peter Holderbaum vom 11.1.1507; Mitteilung Worms’ an P. Wolff, B. Mühl und A. Schwechenheim, Or. Worms, mitwochs nach Margarethe virginis [14.7.]1507; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42; Boos , Quellen III, S. 520 Anm.; Springer , Dominikaner, S. 156f. Vgl. auch das Notariatsinstrument über den Protest des Franziskanerguardians Nikolaus Bickelheim und Glaubergers gegen den über die Stadt verhängten Bann, act. Worms, 9.7.1507; StdA Worms, 1 B, 1939,2, Stück-Nr. 42/42; Wiesehoff , Stellung, S. 106f.] zur Übergabe an den Provinzial in Oberdeutschland [Konrad von Bondorf] oder ggf. zur Weiterleitung an dessen Vertreter zugesandt. Die Gesandten sollten den Kg. außerdem an den Fall Regensburgs erinnern, dessen Niedergang ebenfalls durch die vom Ks. geduldeten Umtriebe des dortigen Klerus verschuldet worden sei (Or., mondags nach divisionis apostolorum; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42. Konz.; ebd., 1927,2, Stück-Nr. 42; Boos , Quellen III, S. 521 Anm.). Die Wormser Vertreter mußten indessen mitteilen, daß niemand in Konstanz sei, dem sie die zugesandte Appellation übergeben könnten (PS zum Bericht der Gesandten vom 25.7.; ebd., Stück-Nr. 42).
    46
     Schiedsspruch Kg. Ruprechts und Ebf. Johanns von Mainz vom 9.7.1407 [Nachweise s.o. Anm. 22].
    47
     Die städtischen Gesandten berichteten am 18.7. über die Verhandlungen am 16.7., daß der Bf., weitere Vertreter des Klerus und sie selbst vor dem kgl. Hofrat erschienen seien und zu beiden teylen ingelegt, wie angezeigt, die innovata nach verkunter kgl. ladung furgenommen, mit bitt, fur allen dingen dieselben und wes wider die stuck in hangender rechtfertigung begriffen, fur Antonio Leist furgenommen und gehandelt sij, fur allen dingen abzutun; dagegen die paffheit eyn mandat ad declinandum forum mit protestacion, in keyn rechtfertigung fur kgl. Mt. zu gehellen etc., inbracht, begerend, sie bij iren vor behebten kgl. mandaten, erlangtem rechten zu hanthaben, blyben lassen und hanthaben, mit viel angeben und erklagen unrechtens, gewalts und uberlasts, mit angehenkter bitt, sie bij iren erlangten spruchen, kgl. mandaten und erlangten rechten zu hanthaben etc. Dagegen wir unser inbracht materi repetirt und begert, das fur allen dingen die innovaten abgetan sollen werden. Daruf zu allen teyln abgangen, bescheits zu gewarten. Der Kg. habe ihnen mehrmals versichert, daß er die Stadt nicht im Stich lassen werde. Ebenso stünden ihnen die Städte bei, insbesondere der Dr. aus Köln [Dietrich Meinertzhagen] (Or. [Konstanz], sondags Arnolfi; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42). Am 20.7. berichteten die Gesandten, daß nach ihrem Eindruck der Kg. und die Reichsstände die Beilegung des Konflikts wollten. Die Klagen des Klerus insbesondere wegen des Weinausschanks, aber auch wegen des Getreideaufschlags hätten Verwunderung und Spott erregt. Die kgl. [Hof-]Räte erachteten die Klagen wegen des Aufschlags und der in der Stadt erworbenen Liegenschaften des Klerus aufgrund ihrer Gegendarstellung als obsolet, und auch die Gegenseite vertrete diese beiden Punkte mit wenig Nachdruck. Doch bestritten deren Anwälte die von ihnen geltend gemachten 1000 Fuder, sondern reklamierten eine jährliche Einfuhrmenge von maximal 400 Fuder Wein. Die kgl. Räte seien geneigt, dem Glauben zu schenken. Sie hätten deshalb ihrerseits angeboten, Register über den Weinausschank des Klerus zu Zeiten Kg. Ruprechts und für die letzten Jahre vor ihrem Auszug aus der Stadt sowie Unterlagen über die Verletzungen des Vertrags von 1407 durch die Gegenseite vorzulegen (Or. [Konstanz], dinstags vor Marie Magdalene; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42).
    48
     Gemeint sind die sogenannte Vierte Rachtung vom 25.1.1366 (Druck: Schannat , Historia II, Nr. CCXI, S. 181–185; Boos , Urkundenbuch II, Nr. 607, S. 392–396, hier 394, § 12. Vgl. Bönnen , Geschichte, S. 218–220) und wohl die Fünfte Rachtung vom 25.6.1386 (Druck: Schannat , ebd., Nr. CCXXVII, S. 200–202; Boos , ebd., Nr. 880, S. 584–587. Vgl. Ders. , Städtekultur II, S. 218f.).
    49
     Liegt nicht vor.
    50
     Die städtischen Gesandten berichteten am 25.7., daß sie im Hofrat angehört und drei gütliche Mittel – etwas ruger und gemeyner statt mere nutzlicher, dann zu zyten bescheen – vorgeschlagen wurden. Während sie für ihre Verhandlungsführung gelobt wurden, agierten die Anwälte der Gegenseite zum Unwillen der kgl. Räte hinhaltend und verwiesen auf ihre unzureichende Vollmacht; sie wollten die Verhandlungen vertagen. Die kgl. [Hof-]Räte beschlossen, dem Kg. Bericht zu erstatten. Mittels der ihnen kurz vor Beginn der letzten Verhandlungen zugegangenen Unterlagen konnten die städtischen Vertreter die Angaben der Gegenseite in vier wichtigen Punkten widerlegen (Or. [Konstanz], sonndags Jacobi; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42). Bei dem erwähnten Vermittlungsvorschlag handelt es sich vermutlich um folgendes Aktenstück mit der Aufschrift: Dieses synt die dry hauptartikel der irrung zwuschen der pristerschaft und den burgern zu Worms, so zu Costenz gehort syn (Kop.; StdA Worms, 1 B, 1927,3, Stück-Nr. 42). Bezüglich des 1. Artikels, den Weinausschank betreffend, wurde vorgeschlagen: Were eyn maynung zu entschaiden, wes die priesterschaft wyngefell hetten, die mit iren pfrunden, die in der statt Worms aufgestift syn, das sie dieselben wyn zu eyner yeden zyt, wan sie wolten, in die statt Worms eynfuren mogen frey one alle beswernuß, fur sich und ire gewonlich haußgesinde zu geprauchen; und was inen an denselben uberigt, mit der alten maß one ungelt ader mit der burgermaße, also das der statt das ungelt, das die burgermaß uberdregt, und diejenen, die solchen wein holen, bezalen mussen, gefiele, schenken mogen zwuschen ostern und pfingsten, als zu Spyer die ubung ist. Wes sie aber ausserthalb des, wie vorgeschrieben steet, wein hetten und in die statt infuren wolten, davon solten sie tun und gefallen lassen das gewonlich pfortengelt, doch das sie derselben wein nit zum zapfen schenken. Ob aber eyn priester nit weingefell hette von syner pfrunden, in der statt Worms gelegen, der mocht zu syner notturft fur sich und syn haußgesinde ungeverlich wein kaufen und inlegen one alle beswernuß, doch das er derselben wein nit zum zapfen verschenk. Bezüglich des 2. Artikels über die Getreideabgabe lautete der Vorschlag: Were eyn maynung zu entscheiden, dwyl solchs eyn alte aufsatzung dem gemeynen nutze zu gut und notturft zu underhaltung brucken, wege und stege und allenthalben im Reich gewonlich auf kaufhendel zu setzen, auch auf das außfuren und den kaufman [Einfügung am Rand: und nit auf die priesterschaft] gesetzt, so die frucht nit meher ire ist, das sie dan in solchem stuck der statt keyn irrung noch intrag tuen. Beim 3. Artikel bezüglich der Besteuerung der aus bürgerlichem Eigentum an den Klerus übergegangenen Liegenschaften in der Stadt wurde empfohlen: Were eyn maynung zu entscheiden, wes die burger solcher guter anzeigen mogen, die in weltlicher persone handen gewesen und nu in der pfaffheit gwaltsam komen sein ader noch hinfuro komen wurden, das sie dieselben wider in weltlich hande, die dem rate verpflicht syn, verkaufen und komen lassen, die davon tun, dienen und steuren, als sich gepurt, ader sie das selber tuen ader bestellen zu tun.
    51
      Boos  (Quellen, S. 518 Anm. 1) datiert den dort wörtlich wiedergegebenen Vortrag irrtümlich auf den 11.7.
    52
     Am 29.7. berichteten die städtischen Gesandten nach Hause, daß sich der Wormser Domdechant [Erpho von Gemmingen] sowie die Domherren Dr. [Ludwig] Vergenhans und Lukas von Ehrenberg von den Verhandlungen zurückgezogen hätten und Sinnama sowie die Dechanten von St. Paul und des Liebfrauenstifts auf eine Vereinbarung über gütliche Verhandlungen in Worms hinarbeiteten und weitere Stellungnahmen zur Sache verweigerten. Dies wollten sie jedoch nur akzeptieren, wenn der Bann zuvor aufgehoben wird (Or. Konstanz, donerstags nach Jacobi; StdA Worms, 1 B, 1927,2, Stück-Nr. 42).
    53
     Das überlieferte Aktenmaterial zu diesen Verhandlungen ist lückenhaft. Die Resolutionen Kg. Maximilians bzw. der deputierten Stände liegen nur vereinzelt vor, Stellungnahmen Hg. Albrechts von Bayern fehlen völlig und sind nur indirekt aus den Erwiderungen Pfgf. Friedrichs zu erschließen.
    1
     Liegt nicht vor.
    1
     Reversbrief Pfgf. Friedrichs vom 24.7.1505 ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 447, S. 738f.).
    2
     Kölner Spruch Kg. Maximilians vom 30.7.1505 (ebd., Nr. 476, S. 771–779).
    3
     Das Taxationsregister Hg. Albrechts von 1507 bezifferte das Bruttoeinkommen der jungen Pfalz auf 26 917 fl.rh. ( Rankl , Staatshaushalt, S. 77–134, hier 134).
    4
     Nach anschließender Beratung antwortete die Reichsversammlung mündlich, daß sie den Vortrag angehört und die schriftliche Erklärung angenommen habe, dann er leidenlich und zimlich gestellt . Die Stände erklärten sich einverstanden, mit dem Kg. sovil in gebürn mög  – über die Angelegenheit zu verhandeln. Sie forderten den Pfgf. zu Kompromißbereitschaft auf, um nicht einen Krieg im Reich zu riskieren, und kündigten an, das Schriftstück auch an die Räte Hg. Albrechts weiterzuleiten. Pfgf. Friedrich ließ antworten, er nehme die Antwort bzw. das Angebot an und werde es weiterhin von seiner Seite an nichts fehlen lassen. Als die Räte Hg. Albrechts später ebenfalls in der Reichsversammlung vorstellig wurden, bat Pfgf. Friedrich, ihn zu informieren. Johannes von Emershofen sagte dies zu. Dem Pfgf. wurden Abschriften der Kredenz und Instruktion für die Gesandten Hg. Albrechts [Nr. 82 mit Anm. 2] übergeben (HStA München, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 243’-244).
    1
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, § 24 (Druck: Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 777).
    2
     Gemäß Nr. 591 [Pkt. 3].
    1
     Vermutlich handelt es sich nur um die Abschrift eines Entwurfs, dessen Realisierung dann unterblieben ist. Diese Frage ist aber anhand des vorliegenden Aktenmaterials nicht sicher zu entscheiden. Schriftlich vorgelegt wurde jedenfalls Nr. 395.
    2
     Der Pfgf. wird im vorliegenden Stück ausschließlich in der dritten Person genannt.
    3
     Vgl. Nr. 82 [Pkt. 7, mit Anm. 15].
    4
     Kölner Spruch Kg. Maximilians vom 30.7.1505, §§ 7, 8, 21 ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier 775, 777).
    5
     Nachweis s. Nr. 395, Anm. 1.
    6
     An dieser Stelle wechselt im fortlaufenden Text die Anrede. War die Resolution bis dahin an e. kgl. Mt.  gerichtet, wendet sie sich jetzt an: e. kgl. Mt., eur Gnn. und gunsten.
    7
     = Ablösung in Geld (Deutsches Rechtswörterbuch VI, Sp. 93).
    8
     Im Taxationsregister Hg. Albrechts von 1507 sind 100 fl. angegeben ( Rankl , Staatshaushalt, hier S. 101).
    9
     Im folgenden wendet sich die Resolution wieder ausschließlich an den röm. Kg.
    1
     Vermerkt, was die nachvolgenden flecken bey weiland Hg. Georgen etc., auch Hg. Albrechten vor dem vergangen krieg inhalt der ambtrechnungen, so der getraid in gewonlichem anschlag besteet, mitsambt den zollen, glaiten, leibsteuern von aigenleuten und todfällen, handlang, hoch und nider strafen, ungelt, jager- und hundleger, jarlich verkauft holz, vorstmaisterstraf und anderm, des vil nach gewonlichem landsgebrauch nit angeschlagen werden sollt, des jars ertragen haben  (Kop.; HStA München, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 280’-289’, 290’). Diese und die im weiteren Text angeführten Beilagen wurden den [am 4.6.] deputierten sechs Ff. verlesen und anschließend übergeben (ebd., fol. 299’).
    2
     Laut einem Rechtsgutachten der Universität Tübingen vom 7.1.1507 hatte der Kölner Spruch diese Orte aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Pflege Ingolstadt Hg. Albrecht IV. zugewiesen (Or. m. S., dornstag nach der hl. dry Kgg. tag, Unterz. Dr. Johannes Vergenhans [Kanzler der Universität], Dr. Johannes Lupfdich (Dekan), Dr. Ludwig Truchseß von Höfingen [außerordentlicher Professor für Kirchenrecht; Haller , Anfänge I, S. 127–129; Finke , Juristenfakultät, S. 104–107], Dr. Konrad [Blicklin, genannt] Ebinger (Ordinarius für kanonisches Recht), Dr. Andreas Trostel (Lektor), Dr. Kaspar Forstmeister (außerordentlicher Professor für kanonisches Recht) und Dr. Ambrosius Widmann (Ordinarius für Zivilrecht); GHA München, HU 868).
    3
     Liegt nicht vor.
    4
     Kölner Spruch Kg. Maximilians vom 30.7.1505, § 24 ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 777).
    5
     Entscheid Bf. Georgs von Trient, Augsburg, 31.8.1506 (Or.; HStA München, Kurbay. Urk. 7109. Krenner , Landtagshandlungen XVI, S. 55).
    6
     Gegenüberstellung des gängigen Verkaufswerts verschiedener Getreidesorten und der von den bayerischen Taxatoren zugrundegelegten Zahlen (Kop.; HStA München, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 289’-290).
    7
     Die Formulierung der Vorlage ist nicht ganz klar, bezieht sich jedoch zweifellos auf den Verkauf des halben Anteils Pfgf. Ottos am Kondominat Parkstein-Weiden für 16 000 fl.rh. an den Pfandinhaber Hg. Ludwig IX. von Bayern-Landshut am 22.6.1475 ( Wagner , Regesten, Nr. 384; Sturm , Neustadt, S. 68f.; Stauber , Herzog, S. 686; Ziegler , Staatshaushalt, S. 217).
    8
     Aufstellung über die Veranschlagung durch die bayerischen Taxatoren und über die realen Einkünfte aus der Holznutzung in den Ämtern Reichertshofen, Neuburg, Höchstädt, Gundelfingen, Hagel und Staufen, Graisbach, Monheim, Heideck, Hilpoltstein (Stain) , Allersberg, Bärnstein, Diessenstein, Ranfels, Hilgartsberg, Egg, Heilsberg, Regenstauf, Burglengenfeld, Schwandorf, Sulzbach, Velburg (Veldorf) , Hemau (Hembaur) , Laaber, Weiden und Floß (Kop., HStA München, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 295–299).
    9
     = Schutzzins, Entschädigung für die Ausübung des Patronats ( Grimm , Deutsches Wörterbuch XII/1, Sp. 1503; Haberkern/Wallach , Hilfswörterbuch II, S. 638).
    10
     = Abgabe des Erben oder Käufers an den Lehnsherrn für die Überlassung eines nur auf Lebenszeit verliehenen Gutes ( Grimm , Deutsches Wörterbuch IV/2, Sp. 403f.).
    11
     = das Recht zur Erhebung einer Kopfsteuer von einem Zinspflichtigen ( Grimm , Deutsches Wörterbuch IV/2, Sp. 625; Deutsches Rechtswörterbuch V, Sp. 337–339, III.).
    12
     = Geldbuße am Gericht (Deutsches Rechtswörterbuch IV, Sp. 387; Anderson/Goebel/Reichmann , Frühneuhochdeutsches Wörterbuch VI, Sp. 1117).
    13
     = Geldstrafe für Kapitalverbrechen ( Schmeller , Bayerisches Wörterbuch I/1, Sp. 852).
    14
     Vermerkt, was stuck, nutzungen und obrigkaiten Hg. Friderichen durch Hg. Albrechten widerumb einzogen und etlich seinen ftl. Gn. noch nit einhendig gemacht sein  (Kop.; HStA München, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 278–280).
    1
     Zur Salzburger Deklaration vom 9.12.1506 siehe Nr. 82, Anm. 13.
    2
     An diesem Tag wurden die genannten Fürsten von der Reichsversammlung mit den Vermittlungsverhandlungen betraut [Nr. 148, Pkt. 38].
    1
     Das Stück weist weist formal den röm. Kg. als Verantwortlichen für den Vermittlungsvorschlag aus. Auch im Text heißt es, daß die Antwort Pfgf. Friedrichs an den Kg. zu erfolgen hat (Soll Hg. ... anzaigen). Im zweiten Vermittlungsvorschlag [Nr. 399, Pkt. 1] wird der kgl. Rat als Urheber erwähnt. Doch ist hier und im folgenden davon auszugehen, daß jeweils die Vermittler gemeint sind, die im Namen des Kg. agierten, wie dies vergleichbar bei Schriftstücken des RKG der Fall ist.
    2
     Vermutlich war dieser Vorschlag ein Ergebnis der Ende Mai/Anfang Juni in Überlingen geführten Verhandlungen zwischen Kg. Maximilian und Hg. Albrecht von Bayern. Vgl. den Bericht Ulrich Strauß’ vom 2.6.1507 [Nr. 607, Pkt. 5].
    1
     Noch am gleichen Tag wie Nr. 397 übergeben.
    1
     Laut Hinweis in der Antwort Pfgf. Friedrichs [Nr. 400].
    1
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, §§ 7f. ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 774f.).
    2
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, § 7 (ebd.).
    3
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, § 22 (ebd., hier S. 777).
    4
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, §§ 7, 19, 22 (ebd., hier S. 774f., 776f.).
    1
     Gemeint ist Nr. 401. Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen nicht realisierten Entwurf und statt dessen wurde die Stellungnahme vom 14.6. [Nr. 403] übergeben. Ein Indiz dafür ist die dortige [Pkt. 6] wörtliche Wiedergabe von Pkt. 3 [Am Schluß ... kgl. Spruch steht.].
    2
     Die alphanumerische Zählung korreliert mit Nr. 401.
    3
     Nr. 400 [Pkt. 1 – Diese drei sollen ... zu erfinden.].
    4
     Augsburger Vertrag vom 22.6.1506 (Or.; HStA München, Kurbayern Urk. 13218. Druck: Krenner , Landtagshandlungen XV, S. 324–337).
    5
     Vgl. Nr. 77, Anm. 10.
    1
     Nr. 400 [Pkt. 2 – Falls Hg. Albrecht ... abtreten.].
    2
     Augsburger Vertrag vom 22.6.1506 [Nachweise wie Nr. 402, Anm. 4].
    3
     Vgl. Nr. 77, Anm. 10.
    1
     Lgf. Wilhelm hatte Hg. Albrecht darin informiert, daß ihn sein Gesandter Peter von Treisbach über die Verhandlungen wegen der Begleichung der aus dem Landshuter Erbfolgekrieg herrührenden Schulden des Hg. [vgl. dazu Heil , RTA-MR VIII, Nrr. 195, 699, 710 [fol. 273–273’], 853] unterrichtet hatte. Demnach hatte Hg. Albrecht erklärt, wegen des Streits mit Pfgf. Friedrich über das Unterpfand im Moment keine Zahlung leisten zu können. Für den Fall des Scheiterns der Vermittlungsverhandlungen auf dem Konstanzer RT glaubte er, erhebliche Geldmittel zur gewaltsamen Besetzung des Unterpfands zu benötigen. Er bat den Lgf. deshalb um die Gewährung eines Aufschubs bis zum 11.11.1507 (St. Martins tag)  und stellte dafür die Zahlung der vollständigen (Rest-)Summe von 25 000 fl. in Aussicht. Im Falle einer Einigung der Konfliktparteien durch den Kg., also das des herzugs nit noit sein wurde,  wollte der Hg. bis Mitte Juni 4000–5000 fl. aufbringen und diese in Anrechnung auf die Restschuld überweisen. Lgf. Wilhelm monierte in seinem Schreiben, die Bezahlung fest einkalkuliert zu haben. Die Dringlichkeit wegen seiner Kosten für die Ablösung des Wittums der Mgfin. [Elisabeth] von Baden (vgl. Stauber , Herzog, S. 736–738) hatte Treisbach nach seinem Dafürhalten ausreichend verdeutlicht. Der Lgf. lehnte deshalb den erbetenen Aufschub ab. In der sicheren Erwartung einer zufriedenstellenden Konfliktlösung bzgl. des Unterpfands durch Kg. Maximilian ersuchte er diesen um Zahlung wenigstens der überfälligen Tranche von 10 000 fl. spätestens bis zum 24.6. (St. Johanns des teufers tag)  oder höchstens 14 Tage später und bat um eine verbindliche Antwort (Lgf. Wilhelm von Hessen an Hg. Albrecht von Bayern, Or. Kassel, frietags in der pfingstwochen  [28.5.]1507, Gegenz. J. Cherubim, Kanzleiverm. A. Alberti; HStA München, KÄA 4571, fol. 43–43’).
    2
     In weiteren Verhandlungen einigten sich Hg. Albrecht und Lgf. Wilhelm auf den 29.9 (Michaelis) als Zahlungstermin. Doch entschuldigte der Wittelsbacher mit Schreiben vom 3.10. seine erneute Säumigkeit mit seinem persönlichen Aufenthalt auf dem Konstanzer RT, wo er lange von Kg. und Reichsständen aufgehalten worden sei, und mit einer anschließenden Erkrankung, weshalb er den Landtag erst zum 1.9. (Egidi) habe einberufen können. Da laut dessen Beschluß [vom 19.9.; vgl. Krenner , Landtagshandlungen XVI, S. 240–258] die bewilligte Landsteuer bis Weihnachten eingebracht werden sollte, bat Hg. Albrecht um weiteren Aufschub bis dahin (Konz. München, sontag nach Michaelis; HStA München, KÄA 4571, fol. 48). Lgf. Wilhelm erklärte sich damit einverstanden. Doch mußte Hg. Albrecht in der Folge wiederholt um weitere Stundung bitten (ebd., fol. 49; 52; 58–58’; 67’). Im Sommer 1508 wurden immerhin 20 000 fl. bezahlt. In einem Schreiben Hg. Albrechts vom 2.8. ist nur noch eine Restschuld von 5000 fl. erwähnt (Konz. München, mitichen inventionis Stephani; ebd., fol. 61). Vgl. Rankl , Staatshaushalt, S. 69 Anm. 229.
    1
     Nördlingen informierte wie üblich die beiden Städte Bopfingen und Dinkelsbühl sowie Donauwörth über das Schreiben des Hauptmanns (Eintrag im Botenregister der Stadt unter dem 26.6.1507 (sampstags nach Johannis baptiste) ; StA Augsburg, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 946, unfol.).
    1
     Kg. Maximilian hatte bereits am 11.5.1506 in einem Ausschreiben in das Reich verkündet, daß die minderjährigen Pfgff. Ottheinrich und Philipp unter seinem Schutz stünden (Kop. Eisenerz;StA Nürnberg, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 84, Nr. 8, fol. 2–2’).
    1
     Vgl. Stadtmüller , Niederaltaich, S. 193. Vgl. auch Nrr. 83, Anm. 1; 410, Anm. 7.
    1
     Erwähnung in den Berichten Vincenzo Querinis vom 27.6. [Nr. 686, Pkt. 1] und Hans Ungelters vom 28.6. [Nr. 599, Pkt. 1].
    2
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, §§ 7f., 24 (Druck: Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 774f., 777).
    3
     Übereinstimmend mit der Salzburger Deklaration vom 9.12.1506 [Nr. 82, Anm. 13]. Zurück in München befahl Hg. Albrecht in Vollzug dieser Bestimmung den betroffenen Gemeinden, gegenüber den kgl. Kommissaren die entsprechenden Eide zu leisten (jew. Or. München, 1./6.8.1507; HStA München, Kurbay. Urk. 7046–7060, 7075–7081). Kuno von Wallbrunn (hgl. Oberrichter) und Christoph Süß (hgl. Rentmeister zu Straubing) wurden bevollmächtigt, die Orte an die pfgfl. Vertreter zu übergeben (jew. Or. München, 1.8.1507; HStA München, Kurbay. Urk. 7082f.). Die kgl. Kommissare entschieden am 2.9., daß Deggendorf und Donaustauf wieder Hg. Albrecht unterstellt werden sollten (Or. Augsburg; HStA München, Kurbay. Urk. 7086), und erteilten den beiden Orten am 6.9. entsprechende Befehle (Or. Augsburg; HStA München, Kurbay. Urk. 7070f.).
    4
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, § 20 ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 776).
    5
     Gemeint ist die ehemals brandenburgische Hälfte des Kondominats Parkstein-Weiden.
    6
     Siehe Nr. 395 [Pkt. 3].
    7
     Am 12.9. stellte Kg. Maximilian fest, daß der Konvent unter Mißachtung des Willens des Abtes einen Administrator [Johannes Pramhaas] ernannt hatte und die Geschicke des Klosters nach seinem eigenen Gutdünken lenkte. Er befahl deshalb den niederösterreichischen Zöllnern, Mautnern und Amtleuten, die Einkünfte des Klosters aus den Erblanden zu beschlagnahmen (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein, Innsbruck; HStA München, KÄA 4119, fol. 43–43’). In einem späteren Mandat an Pfgf. Friedrich erinnerte der Kg. an seine aufgrund der unterstellten Reichsunmittelbarkeit des Klosters ergangene Weisung an die Taxatoren Kf. Friedrich von Sachsen, Ludwig Vergenhans und Ernst von Welden, diesen zur Übergabe des Klosters an den kgl. Diener Christoph Jörger als Vertreter von Kg. und Reich zu veranlassen. Der Kg. befahl dem Pfgf., die bis dahin verzögerte Überantwortung des Klosters an Jörger binnen 15 Tagen zu vollziehen. Für den Fall, daß aufgrund dieser Maßnahme die laut Kölner Spruch zugesicherten 24 000 fl. nicht mehr gewährleistet sein würden, sah der Kg. eine anderweitige Erstattung durch Hg. Albrecht vor (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein, Mindelheim, 1.12.1507; HStA München, KÄA 4119, fol. 41–41’).
    8
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, § 28 (Druck: Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 778).
    9
     Gemeint ist die durch Kg. Maximilian am 21.8.1506 bestätigte Primogeniturordnung vom 8.7.1506 (Druck: Gebert , Primogeniturordnung, S. 97–112; Ay , Altbayern, Nr. 139, S. 186–194; Krenner , Landtagshandlungen XV, S. 355–381).
    1
     Vgl. dazu Heil , RTA-MR VIII/2, Nr. 852, S. 1328f. [Pkt. 4], mit Anm. 3.
    2
     Vgl. dazu Ackermann , Reuchlin, S. 129–139.
    1
     Eine nicht vorliegende entsprechende Bürgschaftserklärung vom gleichen Datum stellte auch Mgf. Kasimir von Brandenburg-Ansbach aus. Vgl. Nr. 413, Anm. 1.
    1
     Einen entsprechenden Schadlosbrief stellte Hg. Albrecht auch für den zweiten Bürgen, Mgf. Kasimir von Brandenburg, aus. Im erhaltenen Entwurf fehlt ebenfalls der Passus über die Geiselstellung (Konz. Konstanz, montag nach St. Ulrichs tag  [5.7.]1507; HStA München, KÄA 1238, fol. 314–315’).
    1
     Nach Berücksichtigung der darin enthaltenen Ergänzungen und Korrekturen stimmt B mit der Textvorlage A überein. Ursprünglich fehlten im Konzept Aussteller und Datum. Als Nutznießer der Bürgschaft war ursprünglich Hg. Albrecht angegeben, was zu Pfgf. Friedrich korrigiert wurde.
    1
     Liegt nicht vor.
    1
     Laut Nr. 574 [Pkt. 4].
    2
     Liegt nicht vor. Vgl. jedoch Nr. 410 [App. a-a – h (Abweichungen im Entwurf C gegenüber A)] und die Aufstellung bei Krenner , Landtagshandlungen XVI, S. 216f.
    1
     Liegt nicht vor.
    1
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, § 15 (Druck: Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 776).
    2
     Das Mandat ist anscheinend rückdatiert. Kg. Maximilian übersandte es erst mit Schreiben vom 11.8. an Pfgf. Friedrich, versehen mit der Auflage, es nicht gegen den Bf. und das Domkapitel von Passau einzusetzen. Darüber wollte der Kg. erst mit dem Pfgf. verhandeln (Kop. Konstanz; HHStA Wien, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 57).

    Anmerkungen

    a
    -a  Hg. ... anberaumt] Protokoll B, fol. 34–35, weitgehend wörtlich mit der Vorlage übereinstimmend.
    b
     26. Juni 1507] Davor gestrichen: 12. Juni.
    c
    -c  Bescheinigung ... Partei] Ergänzung zum Protokoll von anderer Hand.
    a
    -a  zu ... vorbehält] Randverm. in B: Nota. Obstat, si comes [Edzard von Emden-Ostfriesland] fuerit stipendiarius noster.
    a
    -a  Der ... geleistet] Notazeichen neben dem Randverm.: Quod praestitit nobis opem etc.
    a
    -a regius ... subscripsit] In B: manu propria.
    a
     erkent] Danach gestrichen: das Hg. Georg egenant zu beweysen seiner replica, wider dieselben von Grunyngen eingelegt, wie zu recht gnug ist, zugelassen werde. Und er tu das oder nit, beschehe ferrer das, was recht ist. – Ist zu recht erkent, beweyse Hg. Georg sein replica, wider die von Gruningen eingelegt, das zu recht genug ist, das solle gehort werden und, er tu das oder nit, beschehe ferrer, was recht ist.
    b
    -b  Bescheinigung ... Parteien] Ergänzung zum Protokoll von anderer Hand.
    a
    -a  In ... vermeiden] In B späterer Randverm.: c. II, de probatione [!] (CICanonici, Liber extra II, tit. 19; Richter/Friedberg , Corpus II, Sp. 306–315).
    b
    -b  und .. Albrecht] In B Notazeichen am Rand.
    a
     regius secretarius] In B: manu propria.
    a
    -a  bis ... Ersuchen] In B Einfügung am Rand.
    b
    -b  Bittet ... weiterzuleiten] Fehlt in B, C.
    a
    -a  Er ... abtritt] Einfügung am Rand.
    a
    -a Der ... Welden] Fehlt in C. B wie A.
    b
    -b in ... operierten] Fehlt in C. B wie A.
    c
    -c und ... haben] Fehlt in C. B wie A.
    d
    -d allain ... schaden] Fehlt in C. B wie A.
    e
    -e Falls ... kann] Fehlt in C. B wie A.
    f
    -f Die ... entscheiden] In C: Der Kg. will beide Parteien anhören und einen Schiedsversuch unternehmen. Falls dies nicht gelingt, sollen die Kommissare ihm eine Stellungnahme für einen rechtlichen Entscheid vorlegen. B wie A.
    g
    -g Entsprechend ... werden] In C: Entsprechend will er die Parteien wegen der Beschwerden Hg. Albrechts gegen Pfgf. Friedrich anhören und nach Billigkeit verfahren. B wie A.
    h
     Exemplar] In C zusätzlich: in geleicher laut. B wie A.
    i
     Datum] Fehlt in C. 
    a
    -a  Sein ... Württemberg] In B hier und entsprechend im folgenden: N.
    b
    -b  Falls ... ist] Fehlt in B.
    a
    -a  Bis ... war] In B, D, E: Dann sollen die Kommissare mit der Taxation beginnen. Bis zum genannten Termin soll Hg. Albrecht, der bis dahin wegen des Kg. verhindert sein wird, seine Verordneten zur Taxation entsenden; falls es ihm früher möglich ist, soll er dies tun. C wie A.

    Faksimiles der Druckseiten: Durch Verschieben der Spaltenteiler wird das Faksimile vergrößert. Durch einen Klick öffnet sich die seitenweise Blätterfunktion.

    Verweise auf Dokumente der Edition sowie weitere Ressourcen im Web.

    Registereinträge, die auf die Seite(n) dieses Dokuments verweisen.

    Erneute Fassung des Dokuments zum parallelen Lesen.

    «5. Schiedsverfahren während des Reichstages »

    5.1. Herzog Georg von Sachsen gegen Bischof Friedrich von Utrecht: Streit um Groningen »

    5.1.1. Sachsen gegen Utrecht »

    « Nr. 369 Protokoll über die Schiedsverhandlungen zwischen Hg. Georg von Sachsen und Bf. Friedrich von Utrecht »

    [1.] Anwesende bei der Eröffnung der Verhandlungen am 21. Mai; [2.] Eröffnung der Verhandlungen: Verfahrensfragen; [3.] Entscheidung Kg. Maximilians über Verfahrensfragen, Vorlage der Utrechter Vollmacht; [4.] Eingabe Utrechts; Verfahrensfrage; [5.] Eingabe der sächsischen Replik am 1. Juni; [6.] Einsetzung einer Schiedskommission; [7.] Verhandlungen am 2. Juni: Bevollmächtigung der Anwälte Hg. Georgs von Sachsen; Verfahrensfragen; [8.] Duplik Bf. Friedrichs von Utrecht; [9.] Verhandlungen am 26. Juni; [10.] Annahme eines Utrechter Schriftsatzes zur Prüfung; [11.] Verhandlungen am 9. Juli: Zulassung des Utrechter Schriftsatzes; [12.] Bescheinigung des kgl. Sekretärs Sixtus Ölhafen für die Parteien vom 20. Juli.

    Act. Konstanz, 21. Mai-20. Juli 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 3–13’ (Konz., Aufschr.: Prothocol Hg. Georg contra Bf. zu Utricht.).1

    [1.] /4–4’/ 21. Mai 1507. [Anwesende:] Kg. Maximilian, Ebff. von Mainz, Trier und Magdeburg persönlich; Gesandte der Kff. von Köln, Sachsen und Brandenburg sowie des Ehg. von Österreich; Pfgf. Friedrich, Hg. Ulrich von Württemberg, Bff. von Sitten, Würzburg, Trient, Eichstätt, Straßburg, Konstanz, Augsburg, Freising, Basel und Chur persönlich, Hg. [Albrecht] von Mecklenburg persönlich, Gesandte Hg. Albrechts von Bayern und Mgf. Friedrichs von Brandenburg-Ansbach, Gf. Haug von Montfort, Gesandte der Bff. von Bamberg, Speyer und Passau, ein Deutschordenskomtur2 als Vertreter des Deutschordensmeisters, Abt [Johannes] von Salem, Gf. [Eitelfriedrich] von Zollern, Gf. [Wolfgang von] Fürstenberg und Gf. [!] [Hans Kaspar von] Mörsberg, der Propst zu Stuttgart [Dr. Ludwig Vergenhans], Hans von Reichenburg, der Propst zu Nürnberg [Dr. Erasmus Topler], Niklas von Firmian, Adam von Frundsberg, Dr. [Heinrich] Hayden, Veit von Lentersheim, Sebastian Truchseß [von Rheinfelden]3, Dechant zu Augsburg [Wolfgang von Zülnhart], Hans von Königsegg, Hans von Landau und der Propst zu Backnang (Backenheim) Dr. Peter [Jakobi].
    Š[2.] /5–5’/ Vortrag im Namen Hg. Georgs von Sachsen: Der röm. Kg. habe seinerzeit Hg. Albrecht von Sachsen die Reichsstatthalterschaft über Friesland übertragen, der es unternommen habe, das Land dem Reich botmäßig zu machen. Zu anderen Schwierigkeiten seien dabei bislang unentschiedene Streitigkeiten mit dem Bf. zu Utrecht wegen der Stadt Groningen gekommen. Der Kg. habe zwar beide Parteien vor sich und die Reichsstände zitieren lassen4, der Termin sei aber bis jetzt verlängert worden. Hg. Georg habe dies gebilligt und sei der Zitation nachgekommen. Er sei bereit, sein Anliegen mündlich oder schriftlich vorzubringen.
    /5’/ Im Namen des röm. Kg. wurde Hg. Georg mitgeteilt, daß gemäß dem Herkommen im Hl. Reich und am Kammergericht Schriftsätze einzureichen seien. Dieser reichte daraufhin seinen Antrag gegen den Bf. von Utrecht [Nr. 370] schriftlich ein.
    /6/ Die Vertreter des Bf. von Utrecht [Dr. Johann Krisch und Gerhard de Sucgerode] erklärten, daß der Bf. sie aufgrund der kgl. Zitation abgeordnet habe. Da darin kein Kläger benannt sei, Hg. Georg indessen als solcher auftrete, bäten sie um einen oder zwei Tage Aufschub für die Erstellung der Gegenschrift und für deren Übersetzung in das Deutsche.
    /6–6’/ Hg. Georg akzeptierte die Erklärung der Utrechter Gesandten, wies jedoch darauf hin, daß über deren Bevollmächtigung noch nicht entschieden sei.
    /6’/ Die Utrechter Gesandten baten erneut um zwei Tage Aufschub, da sie nicht darüber informiert waren, daß unverzüglich in Verhandlungen eingetreten werden sollte. Die Gesandten kündigten an, ihre Vollmacht und Instruktion studieren zu wollen und weiterhin entsprechend zu verfahren. Hg. Georg lehnte die Gewährung eines Aufschubs vor Einsichtnahme in die Utrechter Vollmacht ab. Falls die Gegenpartei auf ihrer Forderung beharren sollte, sei sie als ungehorsam anzusehen.
    [3.] /6’–7/ Der röm. Kg. entschied, daß die Utrechter Gesandten bis zum nächsten Gerichtstag eine gemäß der Zitation ausreichende Vollmacht für ein rechtliches Verfahren vorlegen müßten. In jedem Fall werde das Verfahren fortgesetzt.5 Diese Entscheidung wurde den Parteien am 27. Mai (quinta post pentecostis) mitgeteilt.
    Die Utrechter Gesandten reichten daraufhin ihre Vollmacht [Nr. 67] ein6, die verlesen wurde.
    /7–7’/ Hg. Georg von Sachsen ließ durch seinen Marschall7 um Bedenkzeit bitten und anschließend erklären, er habe ihre Vollmacht angehört und lasse sie auf sich beruhen. Er erbitte Abschriften davon und von dem kgl. Entscheid sowie um eine Frist, um dazu Stellung nehmen zu können. Falls die Gegenpartei weitere Punkte vorbringen wolle, wolle er diese anhören und sich dazu ebenfalls äußern.
    [4.] /7’/ Die Utrechter Gesandten erbaten eine Abschrift der Zitation, reichten eine in Latein verfaßte Stellungnahme ein [Nr. 372] und beantragten deren Verlesung.
    Š Hg. Georg von Sachsen erhob Einspruch gegen den Vortrag eines lateinischen Schriftsatzes als im Reich und am Kammergericht unüblich. Da er selbst und möglicherweise auch einige der Beisitzer des Lateinischen nicht genügend mächtig seien, könnten ihm daraus Nachteile entstehen. Er beantrage deshalb, die deutschsprachige Gegenpartei zu veranlassen, sich bei dem Verfahren ausschließlich des Deutschen zu bedienen.
    /8/ Der Kg. entschied, daß alle weiteren Schriftsätze in deutscher Sprache eingereicht werden sollten. Anschließend wurde die Utrechter Stellungnahme in der vorgelegten Form verlesen. Hg. Georg erklärte, daß er darauf antworten werde, sobald ihm das Schriftstück in deutscher Übersetzung vorliege. Die Verhandlungen wurden bis zum 1. Juni (erigtag schierst) vertagt.
    [5.] /8’/ 1. Juni 1507. Sachsen reichte eine Erwiderung [Nr. 373] auf den Utrechter Schriftsatz ein.
    [6.] /9–9’/ Kg. Maximilian stellte fest, daß nunmehr Hg. Georg von Sachsen, dann die Gesandten des Bf. von Utrecht und schließlich die Vertreter Groningens [Nr. 378, Pkt. 1] angehört worden seien. Es bestehe keine Notwendigkeit, daß er selbst und die Reichsstände mit der Anhörung der Schriftsätze bemüht würden, da sie von vielen Angelegenheiten in Anspruch genommen würden. Deshalb solle für die Fortsetzung des Verfahrens ein Ausschuß aus Vertretern des Kg., der Kff., der Ff. und der übrigen Stände gebildet werden. Das Urteil solle abschließend jedoch durch den Kg. und alle Stände gesprochen werden.
    Die Deputierten waren Bf. [Heinrich] von Augsburg, der Propst zu Stuttgart [Dr. Ludwig Vergenhans] und Hans Imber (Yngwer) zu Gilgenberg sowie je ein Kurmainzer, ebfl. Magdeburger und Württemberger Rat.8 
    [7.] /9’/ 2. Juni 1507. a Hg. Georg von Sachsen erklärte persönlich vor den kgl. Kommissaren und den zugeordneten Räten, daß er für die weiteren Verhandlungen seinen Marschall und seine anwesenden Räte bevollmächtige, da er persönlich wegen der Reichsangelegenheiten verhindert sei und auch nicht am Verfahren teilnehmen wolle.
    /9’-10’/ Zwischen den beiden Parteien entbrannte ein Streit über die Forderung der sächsischen Vertreter, gemäß dem kgl. Entscheid in deutscher Sprache zu verhandeln. Die nach eigenem Bekunden des Oberdeutschen nicht mächtigen Vertreter Utrechts bestanden auf Latein. Die Deputierten entschieden schließlich, die beiden Parteien getrennt anzuhören und die vom röm. Kg. bereits angenommenen Schriftsätze zu hören. Den Parteien wurde außerdem vorgeschlagen, der Gegenpartei jeweils eine Abschrift eingereichter Schriftstücke zuzustellen und die Fristen zu verkürzen. Die sächsischen Anwälte beantragten, gegen die Gegenpartei ein Kontumazialverfahren einzuleiten, falls sie dem kgl. Bescheid nicht nachkomme. Die Parteien nahmen anschließend die eingereichten Schriftsätze entgegen. Die Fortsetzung der Verhandlungen wurde auf den 7. Juni um 7.00 Uhr anberaumt-a.
    [8.] /10’-11/ 7. Juni 1507. Die Vertreter Utrechts reichten gemäß dem Bescheid der Kommissare ihre Duplik [Nr. 374] ein.
    Die Anwälte Hg. Georgs von Sachsen stellten fest, sie hätten die sogenannte Duplik des Bf. von Utrecht gehört und kämen zu dem Schluß, daß diese nur zur Verlängerung des ŠVerfahrens diene, da sie lediglich die Exzeption wiederhole. Dieses Vorgehen lehnten sie grundsätzlich ab und erneuerten ihren vorigen Antrag. 9  Die Utrechter Vertreter erneuerten den in ihrer Duplik gestellten Antrag und wiesen im übrigen die Vorwürfe der Gegenpartei zurück.
    [9.] /11–11’/ 26. Juni 1507b. Die Utrechter Vertreter ersuchten darum, ihren Standpunkt durch einen weiteren Schriftsatz darlegen zu dürfen. Die sächsischen Anwälte lehnten dies ab, da die Beweisaufnahme bereits abgeschlossen worden sei und die Gegenpartei ohnehin die letzte Eingabe vorgelegt habe. Die Utrechter Anwälte machten geltend, daß es sich nicht um ein neues Schriftstück, sondern lediglich um eine Erläuterung ihrer letzten Erklärung handle. Der Streit wurde zur Entscheidung vor Kg. und Stände gebracht. Deren Beschluß lautete, daß das Utrechter Schriftstück [Nr. 375] angenommen werden solle. Doch sollten die Kommissare und Beisitzer alle neuen Aspekte daraus streichen.
    [10.] /11’/ Als die beiden Parteien zum anberaumten Termin vor den Deputierten erschienen, wurde die Utrechter Eingabe lediglich zur Durchsicht angenommen. Die förmliche Annahme bzw. die Zurückweisung des Schriftstücks sollte erst zum nächsten Gerichtstermin erfolgen.
    [11.] /13/ 9. Juli 1507. Den Parteien wurde mitgeteilt, daß man die Schrift durchgesehen und darin keine neuen Aspekte darin gefunden habe, so daß sie zugelassen werde. Man werde alle Eingaben der Parteien prüfen und weiter darüber verhandeln.
    [12.] /13–13’/ 20. Juli 1507. c Bescheinigung Sixtus Ölhafens für die Parteien-c [Nr. 377].

    « Nr. 370 Klageschrift Hg. Georgs von Sachsen gegen Bf. Friedrich von Utrecht  »

    [1.] Hg. Georg von Sachsen bringt vor Kg. Maximilian und den versammelten Kff., Ff. und Ständen folgende Klage gegen Bf. Friedrich von Utrecht vor: Der röm. Kg. hat mit Zustimmung von sechs Kff. und der [Freiburger] Reichsversammlung seinen Vater Hg. Albrecht von Sachsen und dessen Erben zu Statthaltern über das zum Reich gehörige Friesland eingesetzt1, wozu auch die Stadt Groningen mit ihren Einwohnern zählt. Den friesischen Ständen wurde durch mehrere kgl. Mandate geboten, Hg. Albrecht und seine männlichen Erben als kgl. und Reichsstatthalter anzuerkennen und ihnen zu huldigen.2 Hg. Albrecht und nach ihm Hg. Georg, der als rechtmäßiger Erbe und kraft der kgl. Verfügung Šdie Statthalterwürde angetreten hat, konnten einen Großteil Frieslands in Besitz nehmen. Die ungehorsame Stadt Groningen wurde mitsamt ihren Helfern in die Reichsacht und Aberacht erklärt.3 An die benachbarten Stände und insbesondere auch an Bf. Friedrich von Utrecht gingen entsprechende Exekutionsmandate aus.4 Der röm. Kg. befahl dem Bf. auch mündlich, den Geächteten gegen den mit Vollmacht von Kg. und Reich gegen Groningen vorgehenden Statthalter keinerlei Unterstützung zu gewähren. Auch das gemeine ksl. Recht besagt eindeutig, daß die Stadt dem röm. Kg. und somit auch dessen Statthalter untersteht. Dies belegen auch die vom Kg. ausgestellten Schriftstücke. Hg. Georg als Statthalter belagerte die Stadt unter hohen Kosten mit seinem Heer, so daß sie sich ohne fremde Hilfe nicht länger hätte halten können. Bf. Friedrich jedoch nahm sich Groningens an und unterstützte die Stadt in ihrem Ungehorsam. Er behauptete öffentlich, daß die Stadt nicht reichsunmittelbar sei, sondern ihm und dem Hst. Utrecht unterstehe. Obwohl er, Hg. Georg, diesen Anspruch nicht akzeptierte und auch davon überzeugt ist, daß er nicht belegt werden kann, hat der Bf. ihn dennoch daran gehindert, dem ihm von Kg. und Reich erteilten Auftrag nachzukommen und die Stadt seiner Regierung zu unterwerfen, und ist somit als Helfer Groningens ebenfalls der gegen die Stadt verhängten Strafe verfallen. Er wurde dadurch um über 500 000 fl. geschädigt. Das Vorgehen des Bf. entbehrt jeglicher Rechtsgrundlage.
    [2.] Er bittet deshalb den Kg. und die versammelten Stände, rechtsverbindlich festzustellen, daß die Stadt Groningen unmittelbar dem Reich und somit ihm als dessen Statthalter untersteht, daß er zum gewaltsamen Vorgehen gegen die Stadt befugt und Bf. Friedrich nicht berechtigt war, ihn daran zu hindern, sondern dadurch ebenfalls der gegen Groningen verhängten Strafe verfallen ist. Dem Bf. soll geboten werden, von seinen Ansprüchen bezüglich Groningens zurückzutreten und ihm als Statthalter gegenüber zu gewährleisten, daß er in dieser Sache nichts weiter unternimmt. Außerdem soll ihm die Ersetzung der geltend gemachten Schäden und Unkosten auferlegt werden. An den Bf. soll eine Aufforderung ergehen, sich gegenüber dieser Klage zu verantworten. Er bietet an, für die gemachten Behauptungen Beweise vorzulegen.

    In Konstanz am 21. Mai 1507 dem röm. Kg. und den Reichsständen vorgelegt.5 
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 18–23 (Reinkonz., Aufschr.: Clag wider den Bf. zu Utrich etc.).

    « Nr. 371 Protest der Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht an Kg. Maximilian »

    [1.] Sie haben sich aufgrund der kgl. Zitation bereits vor dem darin anberaumten Termin in seiner Abwesenheit bei den kgl. Räten als Prokuratoren Bf. Friedrichs akkreditiert und Šerscheinen jetzt erneut vor ihm. Sie legen hiermit eine Abschrift der kgl. Zitation [Nr. 66] und ihre Vollmacht [Nr. 67] vor und bitten um Verlesung der beiden Schriftstücke.
    [2.] Aus der Zitation geht eindeutig hervor, daß sie aufgrund der Bitte des Bf. an den Kg., seine Rechte an der Stadt Groningen zu verteidigen, von Amts wegen ausgegangen ist. Demnach sollte der Bf. ab dem 15. Mai in Konstanz persönlich oder durch Bevollmächtigte gegen Hg. Georg von Sachsen als Statthalter in Friesland, der ebenfalls Ansprüche auf die Stadt erhebt, sein Recht vertreten. Der Kg. werde dann mit seinen Räten und den zu dieser Zeit dort versammelten Reichsständen ein Urteil fällen.
    [3.] Im Sinne dieser Zitation hat Bf. Friedrich sie bevollmächtigt und mit den notwendigen Instruktionen versehen, was keineswegs als Säumnis oder Ungehorsam gelten kann. Sie protestieren über den Vorbehalt des Rechtsweges, was ausdrücklich für alle folgenden Handlungen in diesem Verfahren gelten soll. Gleichwohl akzeptieren sie alles, was die Zitation beinhaltet, insbesondere daß Bf. Friedrich um Bewahrung seiner Rechte in Groningen an den röm. Kg. suppliziert hat.
    [4.] Vorbehaltlich dieses Protests erklären sie, daß der Bf. zu der Zeit, als er gegenüber dem röm. Kg. erklärte, daß Groningen ihm und seinem Stift unterstehe, und um die Verteidigung seiner Rechte bat, im unbestrittenen Besitz dieser Stadt war, der auf Schenkungen früherer Kss. und Kgg. gründete.1 Die Einwohner leisteten ihm gegenüber den Untertaneneid und übergaben die Schlüssel der Stadt. Somit nahmen sie ihn, wie dies in allen bfl. Städten seit Menschengedenken üblich ist und auch bei seinen Vorgängern Bf. David von Burgund und Bf. Rudolf von Diepholz der Fall war, als ihren Herrn an. Bf. Friedrich bat den röm. Kg. um die Verteidigung dieser unangefochtenen, sich beinahe über 500 Jahre erstreckenden Possession der Stadt durch die Bff. von Utrecht. Knapp ein Jahr vor Ausstellung des ex officio ergangenen Zitationsmandats sah sich Bf. Friedrich seines Besitzes beraubt. Das Besitzrecht ist also derzeit beeinträchtigt, obwohl es dies nicht war, als der Bf. den Kg. um Schutz bat und Hg. Georg mit Hilfe des in seinem Sold stehenden Gf. Edzard von Ostfriesland Groningen belagerte, mit dem Ergebnis, daß sich die Stadt in dessen Hände ergab. Gf. Edzard konnte in die Stadt einziehen, errichtete darin eine Befestigung und beraubte somit den Bf. und das Hochstift ihres rechtmäßigen Besitzes.
    [5.] Possession und Spoliation setzen sie als offenkundig voraus. Falls die Gegenseite dies bestreitet, bieten sie an, dies in Form einer Exzeptionsschrift zu beweisen. Der Bf. hätte die Belagerung und daraus resultierende Spoliation leicht verhindern können, wenn ihm klar gewesen wäre, daß Hg. Georg beabsichtigte, ihm seinen Besitz wegzunehmen. Denn für die Belagerung ließ dieser auf hochstiftischem Territorium eine Festung errichten, die bis heute von sächsischen Truppen besetzt ist. Bf. Friedrich ging jedoch davon aus, daß Hg. Georg lediglich die Preisgabe der Ommelande durch die Groninger erzwingen wollte. Sie erheben deshalb Einrede und fordern, daß gemäß dem göttlichen, geistlichen und weltlichen Recht zuallererst der Geschädigte wieder in seinen Besitz eingesetzt wird, da gemäß dem ius gentium niemand seines Rechts beraubt werden darf. Sie ersuchen deshalb den röm. Kg. als obersten Richter und Wahrer allen Rechts – und erheben damit auch Einrede –, vor Eintritt in das Verfahren über Groningen, worüber sie ausdrücklich protestieren, die ŠStadt dem Bf. ohne jeden Vorbehalt zurückzugeben. Nach erfolgter Restitution ist dieser bereit, jeder Forderung bezüglich der Rechte an Groningen vor dem zuständigen Richter zu begegnen.
    [6.] Sie hoffen, damit der kgl. Zitation Genüge geleistet zu haben. Sie protestieren ausdrücklich, daß sie nicht instruiert sind, den Bf. gegen eine Klage Hg. Georgs von Sachsen zu vertreten. Der Bf. konnte aus der Zitation keinesfalls entnehmen, daß er sich gegen eine Klage zu verteidigen hat, und gab ihnen deshalb keine entsprechende Weisung mit. Wenn er eine solche Klage befürchtet hätte, wäre er zweifellos entweder in eigener Person erschienen oder hätte mehr und gelehrtere Vertreter, als sie es sind, mit ausreichender Instruktion entsandt.
    [7.] Falls der Bf. aufgrund dieser Klage vorgeladen werden sollte, wird es ihm ein Leichtes sein, seine Unschuld zu beweisen und zu belegen, wie er Hg. Georg in vielerlei Weise bei der Durchführung seines Auftrages – ausgenommen gegen die Stadt Groningen – unterstützt hat.

    In Konstanz am 27. Mai (quinta post pentecostes) 1507 präsentiert und verlesen.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 71’-76, 77’ (lat. Kop., Dorsalverm.: Antwort der von Utrecht auf die erst einleg Hg. Georgen und sein exceptiones. Präsentatverm.: Praesentata quinta post pentecostes Ao. 1507.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 13–17’ (lat. Kop. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen; Präsentatverm. wie A) = B.

    « Nr. 372 Eingabe der Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht »

    [1.] Bezüglich des auf ksl. und kgl. Begnadungen beruhenden Rechts des Hst. Utrecht an der zugleich zur Diözese gehörenden Stadt Groningen ist an erster Stelle zu beachten, daß die Stadt in der Gft. Drente liegt, welche das Hst. bzw. die Bff. seit der Übereignung mit allen Rechten und Zugehörungen bis zum heutigen Tag unangefochten innehaben. 2. Darüber hinaus ist zu bedenken, daß das in der Gft. Drente gelegene Landgut Groningen und das Dorf mit allen damaligen und künftigen Zugehörungen der Utrechter Domkirche geschenkt wurden, wie dies aus der Urkunde Kg. Heinrichs III. von 10401 und aus deren mit dem Rat der Reichsfürsten, darunter Kf. Rudolf von Sachsen und Mgf. Wilhelm von Meißen, erfolgten Bestätigung durch Ks. Karl IV. hervorgeht.2 Auf dieser Rechtsgrundlage besaßen das Stift und die Bff. von Utrecht das Landgut und Dorf Groningen, das durch den Fleiß seiner Einwohner und glückliche Umstände zu der heutigen Stadt wurde. 3. Seit dieser Zeit huldigen die Einwohner Groningens den Bff. von Utrecht als ihren Fürsten und weltlichen Herren. 4. Die Einwohner der Stadt Groningen empfingen Bf. Friedrich bei seinem ersten Einzug in die Stadt und bei allen folgenden Gelegenheiten, wie seine Vorgänger auch, als ihren Herrn und akzeptierten die von ihm eingesetzten Richter. 5. Demnach waren und sind die auf den ksl. und kgl. Donationen beruhenden Rechte des Hochstifts an der Stadt uneingeschränkt und unbestritten. Selbst wenn der auf der Schenkung ruhende Rechtstitel unwirksam geworden wäre, so hätte doch das Hochstift die Stadt seit 500 Jahren mit Šallen Rechten und Zugehörungen in gutem Glauben inne, was seit Menschengedenken unangefochten blieb. 6. Falls Hg. Georg oder sein Vater Hg. Albrecht von Sachsen durch den röm. Kg. irgendeinen Rechtstitel auf die Stadt Groningen zum Nachteil Utrechts erlangt haben sollten, so wäre dieser schon deshalb nichtig, weil in dieser Sache weder Bf. Friedrich noch ein anderer Vertreter des Hochstifts angehört wurden, wie dies rechtlich vorgeschrieben ist.
    [2.] Bf. Friedrich hat aufgrund der an ihn – nicht aufgrund einer Klage, sondern von Amts wegen – ausgegangenen Zitation seine dementsprechend bevollmächtigten Anwälte entsandt, um die Rechte Utrechts an der Stadt Groningen zu verteidigen. Die bfl. Vertreter erheben – gemäß der kgl. Zitation – Einrede und fordern, daß zuallererst der gewaltsam seiner Rechte beraubte Bf. uneingeschränkt wieder in den Besitz der Stadt eingesetzt werden muß. Danach ist er bereit, sich gegen jegliche Ansprüche Dritter vor dem zuständigen Richter zu verteidigen. Sie beantragen demnach im Namen des Bf., das Hauptverfahren erst nach dessen Restitution zu eröffnen.
    [3.] Desweiteren fordern sie, nicht aufgrund einer Klage Hg. Georgs zu prozessieren, womit der Bf. aufgrund der ihm zugestellten kgl. Zitation nicht rechnen konnte. Der Streit mit Hg. Georg von Sachsen betrifft dessen Vorgehen in Friesland, von Groningen war nie die Rede. Dem Bf. war zu keinem Zeitpunkt bewußt, daß es den Hgg. von Sachsen darum ging, dem Hochstift und ihm Groningen wegzunehmen. Deren Vorgehen gegen die Stadt bezweckte nach seiner Überzeugung vielmehr, diese zur Preisgabe der Ommelande zu zwingen. Da der Bf. und das Hochstift in den Ommelanden keinerlei Rechte beanspruchen, wurde der dortige Widerstand gegen die Hgg. von Sachsen auch in keiner Weise unterstützt. Wenn der Bf. den Eindruck gewonnen hätte, daß die Belagerung Groningens darauf abzielte, ihm und seinem Stift die Stadt wegzunehmen, wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, dieses Unternehmen zu unterbinden.
    [4.] Abschließend beantragen sie, ihnen die Eingabe lateinischer Schriftstücke zu erlauben, da ihre Unterlagen und Instruktion in dieser Sprache verfaßt sind und es sich um eine kirchliche Angelegenheit handelt, die besser in Latein verhandelt wird – und nicht in einer Sprache, deren die Anwälte nicht mächtig sind. Es besteht sonst die Gefahr, daß ihnen im Verfahren Fehler unterlaufen, die nicht mehr zu korrigieren sind. Da die Gegenseite über genügend rechtsgelehrte Vertreter verfügt, stellt es für sie keinen Nachteil dar, wenn in lateinischer Sprache verhandelt wird oder lateinische Schriftsätze eingereicht werden.

    In Konstanz am 27. Mai 1507 präsentiert.3 
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 1–4’ (lat. Kop., Überschr.: Summaria et brevis informatio de et super jure, quod semper habuit ecclesia Traiectensis et pro tempore eius nomine reverendus pater et illustris dominus Federicus marchio Badensis eiusdem ecclesie episcopus in oppido de Gröningen habet.).

    « ŠNr. 373  Replik Hg. Georgs von Sachsen gegen Bf. Friedrich von Utrecht an Kg. Maximilian und Reichsstände »

    [1.] Er akzeptiert sämtliche in den drei von der Gegenseite vorgelegten Schriftstücken (Zitation, Vollmacht, Exzeption [Nrr. 66, 67, 371]) gemachten Angaben, die zu seinen Gunsten und gegen den Bf. von Utrecht sprechen, als deren eigene Aussage, widerspricht jedoch sämtlichen für ihn nachteiligen Behauptungen.
    [2.] Durch die Vorlage einer Abschrift der Zitation und durch ihr Erscheinen haben die bfl. Anwälte den Inhalt der Zitation bekannt. Daß Bf. Friedrich und er wegen ihres konkurrierenden Anspruches auf die weltliche Herrschaft über die Stadt Groningen zu diesem Gerichtstag nach Konstanz geladen wurden, um darüber angehört zu werden und ein Urteil zu erhalten, haben die bfl. Anwälte am Anfang ihrer vorgeblichen Exzeption eingeräumt. Dort bekennen sie, wie in der kgl. Zitation auch formuliert ist, daß der Bf. gegenüber dem röm. Kg. die Zugehörigkeit Groningens zu seinem Hochstift beansprucht habe, er mit ihm in einen Konflikt geraten und jetzt wegen des von ihm erhobenen Anspruches hierher vorgeladen worden sei; die Anwälte seien vom Bf. zu diesem Rechtstag deputiert worden und bevollmächtigt, wegen dieser Sache Klage gegen Sachsen zu erheben sowie umgekehrt den Bf. gegen seine Klage zu verteidigen – wie dies auch ihre vorgelegte Vollmacht besagt.
    [3.] In ihrer Eingabe behaupten die bfl. Anwälte den Besitz, das Eigentumsrecht und die weltliche Herrschaft des Bf. bzgl. Groningens. Er, Hg. Georg, hat aufgrund der kgl. Ladung in der Klageschrift seine Rechte auf Groningen begründet und die ihm Kosten und Schäden verursachende Behinderung durch den Bf. bei deren Geltendmachung dargelegt. Er hat um Stellungnahme der Gegenseite gebeten, damit das Verfahren rechtshängig wird, und die Beweisführung angeboten. Die gegnerischen Anwälte haben jedoch weder auf seine Klage geantwortet noch den Anspruch des Bf. auf Groningen in Form einer Klage geltend gemacht. Sie mißachten dadurch den angesetzten Rechtstag, sie protestieren, sich nicht weiter in das Verfahren einzulassen als sie sich verpflichtet glauben, und sie erheben in unrechtmäßiger Weise Einrede. Somit hat die Gegenseite der kgl. Ladung nicht Folge geleistet, wie dies auch aus ihrer Exzeptionsschrift hervorgeht. Auch trifft es nicht zu, daß der Bf. aufgrund der Ladung nicht mit der sächsischen Klage rechnen konnte. Denn abgesehen von seinem Anspruch auf Groningen bestand sonst kein Streit mit dem Bf. Er konnte sich auch mit dem Bf. vertraglich einigen1, doch stellte sich dieser dann wieder gegen ihn. Der Bf. mußte sich deshalb über den Gegenstand der Zitation und die sich daraus für ihn ergebenden Obliegenheiten im klaren sein, ungeachtet ob die Zitation ex officio ausging, was nicht ausdrücklich der Fall war. Auch die Form der kgl. Zitation weist nicht darauf hin, daß diese ex officio ausging, in dem Sinne, daß der Kg. von Amts wegen gegen den Bf. eine Klage anhängig machen wollte, sondern es ging darum, die Ansprüche beider Parteien auf Groningen zu klären und rechtlich darüber zu entscheiden, um Unfrieden im Reich zu verhindern, wie dies dem Kg. von Amts wegen obliegt. Die zu Beginn und am Ende der Šsogenannten Exzeption der Gegenseite vorgebrachten Rechtfertigungen sind deshalb in sich unschlüssig und somit zurückzuweisen.
    [4.] Die Exzeption der Gegenseite ist außerdem nicht mit dem Gemeinen Recht vereinbar und kann den mit der sächsischen Klage eröffneten Prozeß nicht verhindern. Denn auch laut Exzeption hat nicht er als Kläger, sondern Gf. Edzard von Emden und Ostfriesland die Stadt eingenommen und somit das Unrecht am Bf. verübt. Das Gemeine Recht jedoch besagt, daß in der Hauptsache ungeachtet der Spoliation durch einen Dritten weiterprozessiert werden soll. Daß der Gf. zu dieser Zeit sächsischer Rat und Diener war – a zu welchem Punkt er sich weitere Darlegungen vorbehält-a –, ist demgegenüber unerheblich, da das Gemeine Recht besagt, daß eine gewaltsame Entsetzung durch einen Diener ohne Wissen und in Abwesenheit seines Herrn als Tat des Dieners zu werten ist. Dieses von der Gegenseite vorgebrachte Argument ist somit unerheblich; die vermeintliche Exzeption ist in diesem Punkt widerlegt.
    [5.] Die bfl. Anwälte machen in ihrem Protest geltend, daß sie den Tatbestand des Spoliums allein in Form einer Exzeption vorgebracht hätten. Dennoch bitten sie, den Bf. vor Eröffnung des Verfahrens zu restituieren. Diese Vorgehensweise widerspricht der Rechtsordnung. Da laut den bfl. Anwälten die Einnahme Groningens erfolgt war, bevor die kgl. Zitation ausging, hat die Exzeption keine Wirkung. Da das Verfahren vor der Zitation nicht anhängig war, kann es auch nicht angefochten werden.
    [6.] Die bfl. Anwälte waren zu ihrem überdies in unzulässiger Weise gegen ihn vorgetragenen Vorwurf der Spoliation aus einem weiteren Grund nicht berechtigt: Selbst wenn er Groningen persönlich eingenommen oder dessen Einnahme befohlen hätte, so hätte er doch damit weder gegen den Bf. noch sonst jemanden ein Unrecht begangen. Die Stadt war als offenbare Feindin von Kg. und Reich in die Reichsacht erklärt worden und hatte den Schutz des Reichsfriedens verloren. Er war deshalb durch Kg. und Reich sowie gemäß Goldener Bulle, dem Gemeinen Recht und der Wormser Landfriedensordnung befugt, die Stadt zu belagern und gewaltsam zu unterwerfen. Er konnte deshalb in dieser Angelegenheit kein Unrecht begehen. Dies kann er anhand des Gemeinen Rechts und mittels der im Namen von Kg. und Reich ausgegangenen Mandate belegen. Trotz Aufforderung durch ihn hat der Bf. damals keine stichhaltigen Gründe vorgebracht, die gegen sein Vorgehen aufgrund der kgl. Mandate gesprochen hätten. Er hat auch erklärt, die Rechte des Bf. und des Stifts nicht schmälern zu wollen, auch wenn er Groningen eingenommen habe – dieser Meinung ist er noch. Der Bf. hat seinen angeblichen Rechtsanspruch jedoch nie dargelegt, wie er auch jetzt nur Ausflüchte gebraucht.
    [7.] Da die bfl. Anwälte auf seine Klage nicht geantwortet und dies am Schluß ihrer sogenannten Exzeption auch abgelehnt haben, sondern fehlende Anweisungen des Bf. diesbezüglich geltend machten, beschuldigt er die Gegenpartei des Ungehorsams und beantragt, zur Beweisführung zugelassen zu werden und das Verfahren gemäß der Wormser Reichsordnung bis zum Endurteil und zu dessen Exekution fortzusetzen.

    In Konstanz am 1. Juni 1507 übergeben.
    Š Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 158–165’ (Kop., Präsentatverm., Aufschr.: A. Duplicen Hg. Georgen.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 23–30 (Reinkonz., Aufschr.: Replica ducis Georgii contra putefactam exceptionem episcopi Traiectensis.) = B.

    « Nr. 374 Duplik Bf. Friedrichs von Utrecht gegen Hg. Georg von Sachsen an den Ausschuß »

    [1.] Die Adressaten, Bf. Heinrich von Augsburg und die übrigen sechs Deputierten von Kg. und Reichsständen1, haben ihnen, den bfl. Prokuratoren, am vergangenen Mittwoch (goedensdach) [2.6.] die sächsische Replik zugestellt, mit der Aufforderung, bis heute ihre Duplik einzureichen. Sie erscheinen demgemäß heute zur Vorlage der Duplik, erneuern allerdings zugleich ihren schon früher eingelegten Protest [Nr. 371, Pkt. 3]. Sie haben vier gelehrte Drr., zwei davon in Konstanz wohnhaft, beauftragt, die Replik, die sie – wie bereits den Deputierten gegenüber erklärt – nicht verstanden haben oder übersetzen konnten, in das Lateinische zu übertragen. Diese mußten jedoch einräumen, nicht alle Artikel begriffen zu haben. Ihre Bitte an die Deputierten, ihnen auf ihre Kosten einen Rechtsgelehrten für die Übersetzung zur Verfügung zu stellen, wurde zwar abschlägig beschieden. Sie wiederholen jedoch diesen Antrag. Nur so ist zu gewährleisten, daß ihre Duplik nicht auf einem irrtümlichen Verständnis der Replik basiert.
    [2.] Sie bekräftigen angesichts der sächsischen Replik noch einmal ihren früheren Protest und ihre Exzeption und erklären, daß ihr Stillschweigen zu einzelnen Punkten keinesfalls als Zustimmung gelten darf. Sie anerkennen diese Replik im übrigen nicht als solche, da sie nicht den Anforderungen eines rechtlichen Verfahrens genügt. Sie erneuern ebenso ihren Protest, daß sie den röm. Kg. nicht als den für diesen Fall zuständigen Richter anerkennen. In diesem Verfahren kann es ausschließlich um die Feststellung der Tatsache gehen, daß Bf. Friedrich durch die Besetzung Groningens um sein rechtmäßiges Eigentum gebracht wurde.
    [3.] Sie bestreiten die Behauptung der sächsischen Replik, wonach der Bf. ungehorsam gegen die kgl. Zitation war, als er seine Prokuratoren in ihrer Exzeption protestieren ließ, daß ihr Erscheinen keineswegs eine Anerkennung der kgl. Gerichtsbarkeit in diesem Fall impliziere. Sie erneuern vielmehr ihren in der Exzeption geltend gemachten Vorbehalt bezüglich dieses Verfahrens.
    [4.] Es ist ebenfalls unzutreffend, daß Bf. Friedrich vorgeladen worden sei, um seine Rechte bzgl. Groningens zu beweisen. Vielmehr genügt die in der Exzeption gemachte und hiermit in dieser Duplik erneuerte Feststellung, daß diese Rechte seit Menschengedenken nicht in Frage gestellt wurden, und das damit verbundene Angebot, eventuellen Forderungen auf dem Rechtsweg zu begegnen, sobald das Eigentumsrecht Bf. Friedrichs an Groningen wiederhergestellt ist. Wenngleich in der bfl. Vollmacht ihre Befugnisse für ein Rechtsverfahren definiert wurden, so sind sie doch nicht verpflichtet, davon Gebrauch zu machen, bevor nicht die Voraussetzungen für ein solches Verfahren hergestellt sind.
    Š[5.] Bezüglich des in der Replik geltend gemachten Arguments, daß der Bf. aufgrund der Zitation hätte wissen müssen, daß eine Klage gegen ihn anhängig gemacht werde, da zwischen Hg. Georg und Bf. Friedrich kein anderer Streit als um Groningen und die ihm als Statthalter aufgrund der Politik Utrechts entstandenen Kosten und Schäden bestehe, wenden sie ein, daß der Bf. nicht verpflichtet war, die Zitation in dieser für ihn nachteiligen Weise auszulegen; von einer Forderung über 500.000 fl. stand darin nichts. Ebenso darf dem Bf. der Umstand, daß er Hg. Georg wegen der Aneignung Groningens noch nicht rechtlich belangt hat, nachteilig als Arglist ausgelegt werden. a Der Bf. hat – wie bereits in der Exzeption dargelegt – dem Hg. jederzeit alle notwendige Hilfe geleistet-a, außer gegenüber der Stadt Groningen, wo er zur Verteidigung des Eigentums der Utrechter Kirche verpflichtet war.
    [6.] Die sächsische Replik argumentiert, daß kein Unterschied bestehe, ob die kgl. Zitation von Amts wegen oder aufgrund der Klage einer interessierten Partei ausgegangen sei, und fordert deshalb, aufgrund der sächsischen Klage in ein Rechtsverfahren einzutreten. Sie machen hingegen darin einen erheblichen Unterschied aus. Diesen zu beachten, ist die Pflicht des Richters, um Nachteile für eine Partei auszuschließen, wenn nicht zu erkennen ist, ob eine Zitation aufgrund einer Klage ausgegangen ist. Daß die kgl. Zitation an den Bf. ex officio erging, räumte die Gegenseite in ihrer Replik selbst ein, wenn es heißt, daß es dem röm. Kg. darum ging, Streit zwischen den beiden Parteien um die Stadt Groningen zu verhüten, was ja die Aufgabe des Kg. ist.
    [7.] Die sächsische Replik macht geltend, daß die Spoliation nicht durch Hg. Georg, sondern durch einen Dritten, Gf. Edzard von Emden, und ohne sein Wissen erfolgt sei, weshalb das Hauptverfahren fortgesetzt werden müsse. Dabei sei es auch ohne Bedeutung, daß der Gf. zu dieser Zeit in sächsischen Diensten gestanden habe. Doch war damals in den Niederlanden allgemein bekannt, daß das Vorgehen gegen Groningen dazu diente, die Stadt in die Gewalt Hg. Georgs zu bringen und daß Gf. Edzard dabei als dessen oberster Feldhauptmann fungierte. Unbestreitbar ist, daß Hg. Georg seine Truppen vor der Stadt beließ – und nicht etwa abgezogen hat –, bis diese schließlich gewaltsam eingenommen wurde. Angesichts dieser Faktenlage hat die Replik gegenüber dem Interdikt „Unde vi“2 keinen Bestand. Die Exzeption ist dadurch rechtlich unangreifbar, die Restitution des Spoliierten hat jeglicher Klage Dritter voranzugehen, auch wenn diese nicht im Besitz des Spoliums sind. Bf. Friedrich ist nicht verpflichtet, sich in ein Rechtsverfahren gegen Hg. Georg einzulassen, solange ihm Groningen nicht zurückgegeben wurde.
    [8.] Das Argument der gegnerischen Replik, daß die Exzeption ungültig sei, da die Spoliation vor der kgl. Zitation datiere, ist nicht zulässig. Entscheidend ist, daß die Exzeption vor Eintritt in das rechtliche Verfahren stattfindet. Es bleibt dabei, daß vor Eintritt in die Hauptverhandlungen Groningen an den Bf. zurückgegeben werden muß.
    [9.] Gegen das Argument, Hg. Georg habe in Vollzug des kgl. Achturteils gegen die Stadt kein Unrecht begehen können und Bf. Friedrich habe auch kein Unrecht gegen sich geltend Šgemacht, wenden sie ein, daß der Bf. auch dann nicht in seinen Rechten beeinträchtigt werden darf, wenn seine Untertanen ohne seine Mitwirkung ein Unrecht begangen haben sollten.
    [10.] Hinsichtlich der Erklärung Hg. Georgs, die Rechte des Hst. Utrecht nicht schmälern zu wollen, bitten sie, es auch so zu halten.
    [11.] Stellen fest, daß Bf. Friedrich der ausgegangenen Zitation in ausreichendem Maße nachgekommen ist, so daß nicht gegen ihn als Ungehorsamen prozessiert werden darf. Ebensowenig darf die Klage Hg. Georgs gegen den Bf. zugelassen werden, solange dieser nicht Groningen zurückerhalten hat.

    In Konstanz am 7. Juni 1507 an die Deputierten des Kg. und der Reichsstände übergeben.3 
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 32–41’ (niederdt. Kop. mit lateinischen Randvermerken, vermutlich Hd. H. Goede, die teils den Inhalt kennzeichnen, teils Argumente für die sächsische Gegendarstellung enthalten; Präsentatvermerk).

    « Nr. 375 Eingabe (Quadruplik) der Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht an den Ausschuß »

    [1.] Sie erklären vor dem kgl. Kommissar Bf. [Heinrich von Augsburg] und den zugeordneten Beisitzern in Form einer Quadruplik, daß sie ungeachtet der sächsischen Triplik1 an der Exzeption festhalten und diese bekräftigen.
    [2.] Erklären noch einmal wie schon in der Duplik mit Hinblick auf ihre Spolieneinrede, daß die Belagerung Groningens unbestreitbar auf Befehl Hg. Georgs hin durchgeführt wurde und daß Gf. Edzard von Emden als dessen besoldeter Heerführer die Stadt eingenommen hat. Da die Gegenseite diese offenkundige Tatsache bestreitet, bieten sie ergänzend zur Exzeption und Duplik die Beweisführung für die folgenden Punkte an:
    [3.] Tatsache ist, daß Hg. Georg Groningen mit einem Heer eingeschlossen und belagert hat, daß er Gf. Edzard als seinen besoldeten Rat zum Befehlshaber über dieses Heer eingesetzt hat, daß die im Namen und auf Kosten Hg. Georgs erfolgte Belagerung bis zur Einnahme der Stadt fortgesetzt wurde und daß das hgl. Heer nicht vor, sondern erst nach der Einnahme abgezogen wurde. Die Belagerung war die Ursache der Spoliation. Daraus folgt, daß Hg. Georg um das Vorgehen Gf. Edzards gegen die Stadt und deren Eroberung wußte und dies billigte.
    [4.] Es ist weiterhin Tatsache, daß die Bff. von Utrecht seit mehr als 100 Jahren und länger als Menschengedenken bis zur Eroberung durch die Gegenpartei die rechtmäßige Obrigkeit der Stadt Groningen waren und als solche auch anerkannt wurden, daß umgekehrt die Stadt unmittelbar Bf. und Hst. zugehörig ist und daß die Einwohner der Stadt bis zur Spoliation niemandem außer den Bff. von Utrecht als ihren Herren gehuldigt haben.
    [5.] Ebenso entspricht es den Tatsachen, daß Bf. Friedrich den Groningern zu dem Vergehen, weswegen sie der Reichsacht verfielen, keinerlei Veranlassung gab noch sie dabei Šin irgendeiner Weise unterstützte oder unterstützt, sondern sich aus dieser Angelegenheit heraushielt. Die Groninger wurden niemals wegen dieses verübten Unrechts vor Bf. Friedrich verklagt, er hätte in dieser Sache niemandem sein Recht verweigert. Der Bf. wurde in die Achterklärung gegen Groningen nicht einbezogen. Das kgl. Mandat gegen Groningen, auf das sich die Gegenseite beruft, darf deshalb keine negativen Konsequenzen für den Bf. zeitigen. Es ist überdies zu bezweifeln, daß das kgl. Mandat einen dahinlautenden Passus enthielt. Man muß sich wundern, daß die Gegenpartei ernsthaft die Auffassung vertritt, durch das gewaltsame Vorgehen gegen die Stadt dem Bf. von Utrecht keinen Schaden zugefügt zu haben.
    [6.] Sie erneuern deshalb die in der Exzeption und Duplik vertretene Position, daß die Klage Hg. Georgs gegen Bf. Friedrich unzulässig ist, solange nicht die Spoliation rückgängig gemacht wurde. Behalten sich Änderungen an ihrer Quadruplik vor.

    Am 26. Juni 1507 in Konstanz den Deputierten von Kg. und Reichsständen übergeben.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 42–46 (Kop., Aufschr.: Traiectensis quadruplica, sabbato St. Johannis et Pauli [26.6.].).

    « Nr. 376 Supplikation Hg. Georgs von Sachsen an Kg. Maximilian (und Reichsstände) »

    [1.] Der Kg. hat Bf. Friedrich von Utrecht und ihn auf diesen RT vor sich und die Versammlung der Reichsstände zitiert. Laut der Zitation sollte jede Partei ihren Rechtsanspruch auf die Stadt Groningen begründen, worauf durch Kg. und Reichsversammlung verhandelt und ein Urteil gefällt werden sollte. Er hat seinen Anspruch in seiner Klage begründet, die Stellungnahme der Gegenseite dazu gefordert und um ein Urteil gebeten. Auch hat er sich vorbehalten, seine Klageschrift zu modifizieren oder zu erweitern, und die Vorlage von Beweisen angeboten. Er hatte erwartet, daß die Gegenpartei ebenfalls gemäß der kgl. Zitation verfahren und daß auf diesem RT ein Urteil ergehen würde, wem Groningen zusteht. Er hätte auch erwartet, daß die unzulässige Exzeption der Gegenpartei gemäß seinem Antrag nicht zugelassen würde. Er hat dabei erstens angeboten – und tut dies noch – zu beweisen, daß er selbst und sein Vater Hg. Albrecht gegen Friesland und Groningen ausschließlich gemäß den Mandaten des Kg. und des Hl. Reiches vorgingen, daß ein kgl. Mandat ihn auch eigens zur Belagerung Groningens ermächtigte1 und der Kg. ihm zu diesem Zweck Geschütze und 1000 Kriegsknechte schickte. Weder er noch sein Vater können deshalb unrechtmäßiger Gewalt oder einer Besitzentsetzung bezichtigt werden. Falls diese Tatbestände zu konstatieren wären – was er nicht zugesteht –, so wären sie doch nicht ihm, sondern dem röm. Kg. und dem Hl. Reich anzulasten. Den Reichsuntertanen darf kein Nachteil daraus entstehen, daß sie dem Reichsoberhaupt und dem Reich gehorchen. Zweitens hat er die Beweisführung darüber angeboten, daß die Groninger ihm gemäß Acht und Aberacht mit ihrem Leben und ihrer Habe verfallen waren, so daß er sich bei seinem Vorgehen gegen sie keines Unrechts und keiner Besitzentsetzung schuldig machen konnte. Die Gegenseite kann demgegenüber nicht geltend machen, daß das Handeln der Stadt die Rechte des Bm. Utrecht nicht tangiert. Genau diese Rechte gesteht er der Gegenseite nicht zu; Šsie hat dafür auch keine Beweise vorgelegt. Drittens hat Gf. Edzard von Emden, wie der Kg. weiß, die Stadt ohne sein Vorwissen und seine Zustimmung, auch nicht in seinem Namen, sondern, wie der Gf. selbst schreibt, im Namen des Reiches erobert. Demnach wurden die angeblichen Rechte des Bf. nicht tangiert; er, Hg. Georg, hat niemanden seines Eigentums entsetzt. Dem röm. Kg. obliegt die Rechtsprechung, er hat überdies triftige Gründe, die Einrede der Gegenseite zu verwerfen und das Verfahren ohne weiteren Aufschub gemäß der Zitation fortzusetzen, insbesondere weil – viertens – er das gut befestigte Groningen schwerlich wieder in Besitz nehmen kann, auch wenn ihm das Eigentumsrecht daran zugesprochen wird, und – fünftens – zumal wenn Gf. Edzard im Falle eines langwierigen Prozesses die Befestigungen der Stadt weiter ausbauen kann.
    [2.] Er hat aus diesen Gründen ihn und die versammelten Kff. und Ff. mehrmals gebeten, dafür zu sorgen, daß ihm gemäß der Zitation im Hauptverfahren gegen den Bf. von Utrecht und die Stadt Groningen ungeachtet der Exzeption möglichst rasch zu seinem Recht verholfen wird. Wie sein berechtigtes und begründetes Anliegen bislang beschieden und das Verfahren deshalb in die Länge gezogen wurde, das wissen Kg. und Fürsten. Für den Fall, daß sie die Angelegenheit, wegen der er herzitiert wurde, noch zu dem von ihm erbetenen Abschluß bringen wollen, wird er eine entsprechende Vollmacht hinterlassen. Falls dem aber nicht so ist, kann er hier nicht länger auf sein Recht warten, sondern muß seine Angelegenheit Gott befehlen und sie in dem Stand belassen, wie sie vor der kgl. Zitation war.

    s.l., s.d. jedoch Konstanz, vermutlich kurz vor dem 20. Juli 1507.2 
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 62–64’ (Kop.).

    « Nr. 377 Bescheinigung Sixtus Ölhafens (kgl. Sekretär) für die Parteien »

    [1.] Erklärung Hg. Georgs von Sachsen und der Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht über die Annullierung des in Konstanz geführten Verfahrens; [2.] Bescheinigung Sixtus Ölhafens darüber für beide Parteien.

    Act. Konstanz, 20. Juli 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 246–246’ (Or.) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 13–13’ (dem Protokoll [Nr. 369] inserierte Kop.) = B.
    Druck: Moser , Kanzlei II, Nr. 29, S. 130f.
    Kurzregest: Baks , Inventaris, Nr. 809, S. 205.

    [1.] /246/ Hg. Georg von Sachsen und die Anwälte Bf. Friedrichs von Utrecht erschienen vor dem röm. Kg. und erklärten, daß sy in hofnung guetlicher einigkeit und vertrag sich guetlich miteinander vereint, das die obbestympt kgl. außgegangen ladung, und was (als obsteet) von inen bederseyt im rechten darauf furgebracht und gehandelt ist, auf ditsmal aufgehaben sein, also das solich ladung und was (als yetz steet) darauf Šfurgenomen und getan ist, sy beyd teyl noch ir yeden nichts bynden, verpflichten oder zu frumen oder nachtayl gelangen, sonder die sachen und ir yedes gerechtigkeit steen soll, als wie die vor außgang solicher ladung und anfang dits rechten gestanden sein. Und so unser allergnst. H. Kg. obbestympt hinfur in den sachen von beden oder ir einem teyl ferrer angelangt, wurde sich sein kgl. Mt. wol unverweyslich und gnediglich darin wissen zu halten.
    [2.] Dise bekantnus und ansag ist also zu disen acta verzeichnet und des yedem teyl /246’/ ein zetl zu gedechtnus geben. Mit mein, Sixten Olhafen, kgl. secretarien, hand verzeichnet. Actum ut supra.  Sixtus Olhafen, a regius secretarius subscripsit-a.1

    «5.1.2. Sachsen gegen Groningen »

    « Nr. 378 Protokoll über die Schiedsverhandlungen zwischen Hg. Georg von Sachsen und der Stadt Groningen »

    [1.] Eröffnung der Verhandlungen am 1. Juni, Bildung eines Ausschusses; [2.] Verhandlungen am 2. Juni: Bevollmächtigung der Anwälte Hg. Georgs von Sachsen; Verfahrensfragen; [3.] Protest Sachsens gegen die Vollmacht der Groninger Anwälte; [4.] Verhandlungen am 9. Juni: Einreichung einer weiteren Vollmacht und eines Schriftsatzes durch die Groninger Anwälte; [5.] Verhandlungen am 10. Juni: Einreichung eines Schriftsatzes durch die sächsischen Anwälte; Antrag Groningens auf Vertagung der Verhandlungen; [6.] Verhandlungen am 12. Juni: Einreichung eines Schriftsatzes durch die Groninger Anwälte; Verfahrensfragen; [7.] Verhandlungen am 14. Juni: Einreichung eines Schriftsatzes durch die sächsischen Anwälte; Š[8.] Entscheidung der Deputierten über eine Verfahrensfrage; [9.] Bescheinigung des kgl. Sekretärs Sixtus Ölhafen für die Parteien vom 29. Juli.

    Act. Konstanz, 1. Juni-14. Juni, 29. Juli 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 32–44 (Konz. von verschiedenen Händen, Aufschr.: Prothocol Hg. Georg contra die stat Gruningen.).

    [1.] /33–33’/ 1. Juni 1507. Hg. Georg von Sachsen erklärte vor Kg. und Reichsständen, daß der Kg. Groningen vorgeladen habe, um sich gegen seine Klage zu verteidigen. Der Hg. legte eine Abschrift der kgl. Zitation [Nr. 68] vor und bat um deren Verlesung. Darauf traten die Vertreter der Stadt vor und übergaben eine Vollmacht [Nr. 69], die ebenfalls verlesen wurde. Hg. Georg ließ erklären, daß er dieses Schriftstück auf sich beruhen lasse und sich im Moment nicht dazu äußern könne. Er bitte deshalb um Bedenkzeit und gegebenenfalls um die Gewährung einer Frist für die Abfassung einer Stellungnahme.
    /34/ Der röm. Kg. beschied die beiden Parteien, daß ihr Streit wegen der Inanspruchnahme von Kg. und Ständen durch eine Vielzahl von Angelegenheiten vor Deputierten verhandelt werden sollten. Das Urteil solle allerdings durch Kg. und Stände gesprochen werden.
    Zum Kommissar wurde Bf. Heinrich von Augsburg ernannt, Deputierte für den röm. Kg. waren der Propst zu Stuttgart [Dr. Ludwig Vergenhans] und Hans Imber von Gilgenberg. Die Ebff. von Mainz und Magdeburg, Hg. Albrecht [von Bayern] und Hg. [Ulrich] von Württemberg stellten je einen Rat.
    [2.] /34–35/ 2. Juni 1507. Verhandlungen vor der Schiedskommission.1 
    [3.] /35’-38/ Dr. Henning [Goede] als sächsischer Vertreter legte Protest ein: Hg. Georg habe die aufgrund der Entscheidung Kg. Maximilians am vergangenen Dienstag [1.6.] von den Anwälten Groningens vorgelegte sogenannte Vollmacht studiert und festgestellt, daß sie schon nach formalen Kriterien unzureichend sei; so fehlten einige der üblichen Klauseln. Insbesondere aber verstoße es gegen geltendes Recht, wenn die unter Acht und Bann stehenden Groninger darin feststellten, Gegenklage zu erheben. Die Anwälte Hg. Georgs lehnten es deshalb ab, die Vollmacht zuzulassen. Auch der Richter müsse im Sinne einer reibungslosen Umsetzung seines Urteils ein Interesse daran haben, daß die Vertreter der Parteien ausreichend bevollmächtigt seien. Die sächsischen Anwälte stellten die Entscheidung, ob die Vollmacht ausreichend sei, den Deputierten anheim. Falls diese so befinden sollten, so beantragten sie im Namen Hg. Georgs, daß die Groninger Anwälte für die Widerklage eine Bürgschaft stellten. Der Anwalt der Gegenseite sei verpflichtet, vor der Litiskontestation alle rechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen. Falls dieser sich weigere oder dies nicht tun könne, solle er nicht zugelassen und gegen Groningen ein Kontumazialprozeß eingeleitet werden. Dem Hg. von Sachsen sei dagegen gemäß der Wormser Ordnung2 die Fortsetzung des Prozesses bis zum Endurteil zu gestatten.
    Der Vertreter Groningens [Dr. Hendrik Elderwolt] erbat eine Abschrift des sächsischen Protests und Gewährung einer Frist für seine Gegendarstellung.
    ŠDie sächsischen Anwälte erwiderten, daß sie den Protest nicht schriftlich formulieren wollten, da die Sache wichtig sei und dem Hg. daraus Nachteile entstehen könnten. Doch stellten sie es der Entscheidung der Deputierten anheim, ob der Gegenseite eine Abschrift übergeben werden solle oder nicht. Dieser dürfe gegebenenfalls für ihre Gegendarstellung allerdings nur eine kurze Frist eingeräumt werden.
    [4.] /38–39/ 9. Juni 1507. Der Anwalt der Stadt Groningen reichte eine weitere Vollmacht ein.3 Die Anwälte Hg. Georgs verwiesen auf ihren früheren Protest und stellten fest, daß der Groninger Anwalt von Anfang an eine zweite Vollmacht bei sich gehabt, jedoch nicht vorgelegt habe. Sie akzeptierten die Vorlage der neuen Vollmacht. Falls der Anwalt nunmehr ausreichend bevollmächtigt sei, so seien sie einverstanden, ihn zum Verfahren zuzulassen; falls nicht, sei das Verfahren dessenungeachtet fortzusetzen.
    Der Groninger Vertreter reichte daraufhin eine Einrede (E) ein4 und bat um deren Verlesung. Die Anwälte Hg. Georgs machten geltend, daß die Anhörung der Einrede unnötig sei, nachdem sie die Vollmacht akzeptiert hätten. Der Groninger Anwalt wiederholte seine Bitte mit dem Hinweis, daß er weitere Verhandlungen auf diesem Tag nicht erwartet habe.
    Der Anwalt Groningens führte weiter aus, daß die Gegenpartei seine zuletzt eingereichte Vollmacht akzeptiert habe, und bat deshalb um die Verlesung seiner Einrede (F) [Nr. 382] gegen die sächsische Klageschrift.
    Die sächsischen Anwälte bestätigten, daß sie diese sogenannte Einrede angehört hätten, und baten um Vertagung bis zum 10. Juni.
    [5.] /39–39’/ 10. Juni 1507. Die sächsischen Anwälte reichten ein weiteres Schriftstück (G) [Nr. 383] ein. Die Gegenpartei erhielt davon eine Abschrift.
    Der Anwalt Groningens erbat einen Aufschub unter Hinweis auf seine schlechten Deutschkenntnisse. Er müsse seine Schriftsätze zuerst in Latein verfassen und danach in das Deutsche übersetzen.
    Die sächsischen Anwälte brachten demgegenüber Gründe für eine knappe Fristsetzung vor.
    Die Verhandlung wurde auf Samstag [12.6.] (13.00 Uhr) vertagt.
    [6.] /40/ 12. Juni 1507. Der Groninger Anwalt reichte ein Schriftstück [Nr. 384] ein, das anschließend verlesen wurde.
    Die Anwälte Hg. Georgs erklärten, die vermeintliche Duplik angehört zu haben, und erneuerten dagegen ihre Replik. Sie baten erneut um Zulassung zum Beweis der Klageartikel, wohingegen der Antrag der Gegenseite schon aufgrund formaler Mängel abgewiesen werden sollte.
    /40’/ Die Anwälte Groningens erbaten eine Abschrift der sächsischen Triplik [Nr. 385] und eine Fristsetzung für ihre Quadruplik.
    Die Anwälte Hg. Georgs erklärten noch einmal, sich nur allgemein über den von Groningen eingereichten Schriftsatz geäußert zu haben, und wiederholten ihre Forderung, der Gegenseite keine weiteren Verzögerungen zu gestatten.
    ŠDie Anwälte Groningens bestanden darauf, als Vertreter der beklagten Partei den abschließenden Schiftsatz einbringen zu dürfen. Die verhandelte Angelegenheit sei wichtig, und es sei auch vereinbart, schriftlich zu verfahren.
    Die Deputierten bewilligten Groningen eine Abschrift der sächsischen Triplik und beraumten einen neuen Termin auf Montag [14.6.] (7.00 Uhr) an, sofern sie selbst nicht durch anderweitige Geschäfte verhindert sein würden.
    [7.] /42/ 14. Juni 1507. Der Anwalt Groningens reichte seine Quadruplik [Nr. 386] ein und erklärte: Falls die Gegenpartei ihr schriftliches Rechtsbegehren vorbringt, haben sie dies ihrerseits hiermit getan.
    Die Anwälte Sachsens beließen es bei ihren bisherigen Darlegungen und stellten die Entscheidung den Deputierten anheim.
    [8.] In der sachen zwischen Hg. Georgen von Sachsen etc. als cleger an einem und den von Grunyngen als antwurtern andersteils ist durch die röm. kgl. Mt. etc. und des Hl. Reichs Kff., Ff. und stende auf disem gegenwurtigen reichstag, zu Costenz versamelt, zu recht erkenta , /42’/ beweyse Hg. Georg sein replica, wider die von Gruningen eingelegt, zu recht genug, das soll gehort werden und, er tu das oder nit, ferrer beschehen, was recht ist.5  
    [9.] /42’, 44/ 29. Juli 1507. b Bescheinigung Sixtus Ölhafens für die Parteien-b [Nr. 387].

    « Nr. 379 Klageschrift Hg. Georgs von Sachsen gegen die Stadt Groningen an Kg. Maximilian und die Reichsstände »

    [1.] Er erhebt vor dem röm. Kg., vor Kff. und Ff. sowie anderen Mitgliedern dieser Reichsversammlung folgende Klage gegen Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Groningen: Kg. Maximilian hat mit Zustimmung von sechs Kff. seinen Vater Hg. Albrecht von Sachsen und dessen Erben mit der Statthalterschaft über ganz Friesland – wozu auch Groningen gehört – beauftragt und ihm befohlen, diese Gebiete im Namen von Kg. und Reich wieder botmäßig zu machen und sie zu regieren.1 An alle friesischen ŠStände, also auch an Groningen, gingen mehrere entsprechende kgl. Mandate aus.2 Sein Vater und nach dessen Tod er selbst konnten einen großen Teil des Landes unter ihre Kontrolle bringen, doch hat die Stadt Groningen nicht nur die kgl. Mandate mißachtet, sondern sich auch noch einen beträchtlichen Teil der Ommelande gewaltsam angeeignet und darüber hinaus adelige und andere Einwohner des Landes, die sich gegenüber den kgl. Mandaten gehorsam erzeigten, angegriffen und geschädigt sowie andere aufrührerische Friesen unterstützt. Obgleich Groningen deshalb in die Reichsacht erklärt wurde3, setzte die Stadt ihren Widerstand fort und verursachte zuerst seinem Vater, dann ihm selbst durch die erforderlichen Gegenmaßnahmen und an erlittenen Schäden Unkosten in Höhe von ca. 500 000 fl.rh.
    [2.] Der kgl. Ladung zum heutigen Termin [1.6.] kam die Stadt nicht nach. Er beantragt deshalb, ihren Ungehorsam festzustellen, sie zur Erstattung seiner sämtlichen Kosten zu verurteilen und ynen auf ir unbillich widerhalten ein ewig sweygen einzulegen. Da Groningen die kgl. Achterklärung ignoriert und in Ungehorsam verharrt, bittet er außerdem, die Stadt zum Gehorsam ihm gegenüber zu zwingen und seinen entsprechenden Rechtsanspruch zu konstatieren. Zu dessen Durchsetzung erbittet er die Unterstützung von Kg. und Reich. Er beantragt, über seine Klage zu beraten und in aller Form ein Urteil zu sprechen. Sein Antrag gilt auch, falls ein Bevollmächtigter Groningens noch erscheinen und auf seine Klage antworten sollte. Ansonsten soll, wie gebeten, der Ungehorsam der Stadt konstatiert werden. Bietet an, seine Angaben zu beweisen, und behält sich gemäß dem geltenden Recht Änderungen an seiner Klageschrift vor.

    Am 1. Juni 1507 in Konstanz an Kg. und Reichsstände übergeben.4 
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 132–136 (Kop., Aufschr.: Clage wider die von Groningen. Überschr. entsprechend) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 58–60’ (Kop., Überschr.: Wider die stadt Groningen.) = B.

    « Nr. 380 Protest der Anwälte Hg. Georgs von Sachsen gegen die Vollmacht der Groninger Anwälte »

    Erklären vor Bf. Heinrich von Augsburg sowie den übrigen Kommissaren des Kg. und der Reichsversammlung, daß der röm. Kg. Hg. Georg von Sachsen am vergangenen Dienstag [1.6.] die vermeintliche Prozeßvollmacht der Groninger Anwälte eröffnet und eine Abschrift davon übergeben hat. Sie mußten feststellen, daß diese Vollmacht formal unzureichend ist. So fehlen die erforderlichen Klauseln über die Ablegung des Kalumnieneids und über die Stellung einer Kaution, wie dies der beklagten Partei obliegt. Überdies steht den unter Acht und Aberacht stehenden Groningern kein Recht auf eine Gegenklage zu. Den Richtern muß daran gelegen sein, daß die auftretenden Personen ausreichend bevollmächtigt sind. Sie bestreiten die Zulässigkeit der vorgelegten Groninger Vollmacht und beantragen deren Abweisung. Falls die Vollmacht zugelassen wird, sollen die Anwälte der Gegenpartei eine ŠProzeßbürgschaft leisten. Sie erwarten allerdings, daß diese sich weigern werden oder dazu außerstande sind. Sie beantragen, dessenungeachtet zur Beweisführung über ihre Klage zugelassen zu werden.

    s.l., s.d., jedoch Konstanz, nach dem 2. Juni 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 56–56’; 57–57’, 61 (2 wörtlich übereinstimmende Kopien, Überschr., fol. 56: Exception wider der von Groningen erst mandat, muntlich eingeredt. Überschr., fol. 57, entsprechend).

    « Nr. 381 Protest des Groninger Syndikus Dr. Hendrik Elderwolt an den Ausschuß »

    [1.] Erklärt im Namen der Stadt, daß er die im Namen Hg. Georgs erhobene Einrede gegen die Groninger Vollmacht [Nr. 380] nur für diejenigen Punkte akzeptiert, die für Groningen sprechen, weist jedoch die Punkte, die der Stadt nachteilig ausgelegt werden können, zurück und begnügt sich deshalb mit einer generellen Erwiderung auf die Einrede.
    [2.] Hg. Georg macht geltend, daß das von ihm, Elderwolt, dem röm. Kg. vorgelegte Mandat ungenügend und ungültig sei, da die in Acht und Bann geschlagene Stadt ihren Vertreter darin zur Gegenklage bevollmächtigt habe. Dagegen wendet er ein, daß laut dem Gemeinen Recht der Beklagte auch nach der Litiskontestation während eines anhängigen Verfahrens befugt ist, Gegenklage zu erheben. Ebenso besagt das Gemeine Recht, daß die ihm erteilte Vollmacht nicht als Ganzes wirkungslos wird, auch wenn ein Teil davon nicht mehr gültig ist. Bislang hat Groningen im übrigen noch gar keine Gegenklage erhoben.
    [3.] Er kann als Syndikus nicht die Kaution für die von der Gegenseite geforderten 500 000 fl. leisten, bietet jedoch an, eine eidliche Versicherung abzugeben. Das Gemeine Recht sieht dies für den, hier gegebenen, Fall vor, daß einer Prozeßpartei die Stellung einer Kaution durch Pfand oder Bürgen nicht möglich ist.1 
    [4.] Er bittet deshalb um die Entscheidung, die Groninger Vollmacht anzuerkennen und die Forderung der Gegenpartei nach Stellung einer Kaution von 500 000 fl. abzulehnen. Er beantragt, zur Anhörung seiner Einrede zugelassen zu werden und seine vorgelegte zweite, nicht anfechtbare Vollmacht zu verlesen, wodurch die von der Gegenpartei erhobenen Einwände gegenstandslos werden. Er war von der Stadt Groningen ermächtigt, die zweite Vollmacht später vorzulegen. Bittet zum Zurückweisung der sächsischen Einrede. Behält sich Änderungen an dieser Erwiderung vor.

    s.l., s.d., jedoch in Konstanz zwischen dem 2. und 9. Juni den Deputierten vorgetragen.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 140–143 (Kop.).

    « Nr. 382 Exzeption bzw. Positionalartikel des Groninger Anwalts Hendrik Elderwolt an die Kommissare »

    [1.] Er wird darlegen, warum Groningen nicht dazu verpflichtet ist, sich auf die von Hg. Georg erhobene vermeintliche Klage hin zu rechtfertigen. Zugleich erklärt er unter ŠProtest, daß er diese Klageschrift nur akzeptiert, insofern sie für seine Partei und gegen die Gegenpartei spricht. Die Gegenpartei soll auf die folgenden Artikel mit „ja“ oder „nein“ antworten. Für die dann zurückgewiesenen Artikel bittet er, zur Beweisführung zugelassen zu werden.
    [2.] 1. Das Gemeine Recht besagt, daß Spoliatoren nicht vor der Restitution des Geschädigten gegen diesen klagen können. 2. Die Stadt Groningen hat vor vielen Jahren ein Bündnis mit dem Ostergau geschlossen, worin ihr dort obrigkeitliche und Nutzungsrechte eingeräumt wurden. 3. Diese Rechte übte die Stadt bislang unangefochten aus. 4. Kg. Maximilian hat diese – ohnehin schon wirksame – Einung noch einmal bestätigt.1 5. Diese Bestätigung erwirkte seinerzeit Hg. Albrecht von Sachsen und erhielt dafür von der Stadt Groningen 1000 fl. 6. Gemäß dem Gemeinen Recht ist es nicht gestattet, daß jemand, der als Prokurator für einen anderen ein Rechtsgeschäft zustandegebracht hat, dieses aus Eigennutz wieder rückgängig macht. 7. Hg. Albrecht hatte nicht die Befugnis oder das Recht, den Ostergau gewaltsam einzunehmen; ebensowenig hat Hg. Georg das Recht, den Ostergau zu behalten. 8. Gemäß dem Gemeinen Recht ist nicht nur der Spoliator, sondern auch dessen Rechtsnachfolger als Nutznießer verpflichtet, sich wegen der gewaltsamen Entsetzung rechtlich zu verantworten. 9. Der in seinem Eigentumsrecht Geschädigte ist gemäß dem Gemeinen Recht befugt, gegen den Schädiger gewaltsamen Widerstand zu leisten. 10. Die Stadt Groningen hat auch mit den Ommelanden eine Einung geschlossen, worin ihr Obrigkeits- und Nutzungsrechte eingeräumt wurden. 11. Diese Einung wurde durch Ks. Friedrich konfirmiert.2 12. Diese Rechte übte die Stadt bis zu ihrer gewaltsamen Enteignung unangefochten aus. 13. Hg. Albrecht hat die Ommelande dessenungeachtet gewaltsam besetzt, Hg. Georg behält das Gebiet ohne irgendeinen Rechtstitel in seiner Gewalt. 14. Groningen hatte seine Obrigkeits- und Nutzungsrechte vor der gewaltsamen Besetzung der Ommelande durch Hg. Albrecht und den vermeintlichen Kläger Hg. Georg unbestritten inne. 15. Die dargelegten Fakten sind allgemein bekannt.
    [3.] Bittet im Namen der Stadt um ein Urteil, wonach die Stadt Groningen vor ihrer Restitution nicht verpflichtet ist, sich auf die Klage Hg. Georgs hin zu verantworten, und ihr die Gerichtskosten erstattet werden müssen. Bittet, der Stadt zu ihrem Recht zu verhelfen. Behält sich Änderungen an dieser Einrede vor.

    In Konstanz am 9. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 144–148’ (Kop., Aufschr. F, Präsentatverm., Unterz. Dr. decr. Hendrik Elderwolt, Syndikus der Stadt Groningen) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 50–53’ (Kop. mit lat. Randvermm., vermutlich Hd. H. Goede, die teils den Inhalt kennzeichnen, teils Argumente für die sächsische Gegendarstellung enthalten. Überschr.: Exceptio Groningensis de spolio. Unterz. wie A) = B.3

    « ŠNr. 383  Replik Hg. Georgs von Sachsen an den Ausschuß »

    [1.] Die Anwälte Hg. Georgs erneuern auf die Spolieneinrede der Gegenseite hin den Antrag, sie zur Beweisführung ihrer Klageschrift zuzulassen, um den Ungehorsam der Gegenpartei zu beweisen. Demnach war die Stadt Groningen zum Zeitpunkt der angeblichen Spoliierung bereits der Reichsacht verfallen und Hg. Albrecht somit berechtigt, gegen die Stadt und ihr Eigentum vorzugehen. Der Hg. konnte an der Stadt kein Unrecht begehen. Alle, auch aus ksl. und kgl. Konfirmationen und anderen Begnadungen herrührenden Rechte waren aufgehoben, Groningen hatte den Schutz des Reichsfriedens verloren. Das Vorgehen der Hgg. von Sachsen gegen die Stadt geschah auf Befehl und mit Vollmacht des röm. Kg. Gegenüber der sächsischen Klageschrift und dieser Replik ist die Exzeption der Gegenseite gegenstandslos und nichtig.
    [2.] a In rechtlichen Verfahren sind unnötige Handlungen zu vermeiden-a. Die Exzeption ist gegenüber Klage und Replik wirkungslos, sie dient nur zur Verlängerung des Verfahrens b und verunglimpft im 5. und 6. Artikel unnötigerweise den verstorbenen Hg. Albrecht-b. Deshalb beantragen sie, sie unter Feststellung des Ungehorsams der Gegenpartei, die zur Klage nicht Stellung genommen hat, zur Beweisführung zuzulassen, damit auch die Unbegründetheit der Exzeption offenkundig wird. Zugleich erneuern sie die früheren Anträge und Proteste Hg. Georgs.

    In Konstanz am 10. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 150–152 (Kop., Präsentatverm., Aufschr.: G.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 54–55 (Kop., Überschr.: Replica ducis contra exceptionem Groningensem.) = B.1

    « Nr. 384 Duplik der Stadt Groningen an den Ausschuß »

    [1.] Sie, die Anwälte der Stadt Groningen, akzeptieren diejenigen Teile der sächsischen Replik, die für ihren Mandanten von Nutzen sind. Im übrigen protestieren sie gegen die vermeintliche Replik und erneuern ihre Exzeption, wonach die Stadt nicht verpflichtet ist, sich gegen die Klage Hg. Georgs zu verantworten, solange dieser ihr nicht ihr Eigentum zurückerstattet hat.
    [2.] Die Gegenpartei führt an, daß die Stadt schon vor der Besetzung ihres Eigentums in die Reichsacht erklärt, somit aller ihrer vom Reich herrührenden Rechte verlustig geworden und das Vorgehen Hg. Albrechts von Sachsen deshalb berechtigt gewesen sei. Sie bestreiten, daß die Stadt etwas getan hat, das die Beschuldigung des Friedbruches rechtfertigt, ebenso, daß Groningen in der von der Gegenpartei behaupteten Weise durch den röm. Kg. geächtet wurde. Keinesfalls war Hg. Albrecht in der von der Gegenpartei unterstellten Weise durch den Kg. oder aufgrund der Rechtslage befugt, sich gewaltsam des unbestrittenen Eigentums Groningens zu bemächtigen. Ebensowenig waren die von Kss. und Kgg. herrührenden ŠPrivilegien und Rechte der Stadt aufgehoben worden. Der fünfte und sechste Artikel der Groninger Exzeption stellen keine Schmähung oder Beleidigung Hg. Albrechts dar. Bitten um Zulassung zur Beweisführung der vorgelegten Positionalartikel.
    [3.] Bitten um die Zulassung der Exzeption ungeachtet der vermeintlichen sächsischen Replik und um Zulassung zur Beweisführung der Positionalartikel, soweit diese von der Gegenseite zurückgewiesen werden, vor Eintritt in ein rechtliches Verfahren. Behalten sich Änderungen an der Duplik vor.

    In Konstanz am 12. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 154–156 (Kop., Präsentatverm.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 47–49 (Kop., Überschr.: Duplica Groningensis.) = B.1

    « Nr. 385 Eingabe Hg. Georgs von Sachsen an den Ausschuß »

    [1.] Antrag auf Zulassung zur Beweisführung; [2.] Vorgehen der Hgg. Albrecht und Georg von Sachsen gegen Groningen als Reichsstatthalter und kraft kgl. Befehl, Unrechtmäßigkeit des Groninger Widerstandes, Nichtigkeit der Groninger Spolieneinrede; [3.] Unbegründetheit des Vorwurfs einer widerrechtlichen Besitzentziehung; [4.] rechtliche Unangreifbarkeit der Hgg. von Sachsen als kgl. Mandatare; [5.] Gegenstandslosigkeit der von Groningen geltend gemachten Besitztitel hinsichtlich des Ostergaus und der Ommelande; [6.] Antrag auf Zurückweisung der gegnerischen Exzeption.

    s.l., s.d., jedoch in Konstanz am 12. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 127–131’ (lat. Kop., Aufschr.: Instructio contra Groeningen[ses]. Überschr.: Allegationes juris illustrissimi principis et domini, domini Georgii ducis Saxonie, perpetui gubernatoris Frisie etc., super his, que pro parte gratie sue replicative et triplicative sunt deducta, clare ostendentes, quod idem princeps reiectis exceptionibus et scripturis reorum (si libello suo respondere et litem desuper contestari non curaverint) ad probandum oblatam impetitionem suam de iure sit admittendus.).

    [1.] Gemäß dem Gemeinen Recht sind in rechtlichen Verfahren unnötige Handlungen zu vermeiden.1 In diesem Fall präjudiziert die Beweisführung der Klageschrift die Einrede des Beklagten in der Weise, daß aus der Richtigkeit der Beweisführung de jure die Nichtigkeit der Einrede folgt. Der Kläger muß deshalb zuerst zur Beweisführung über seine Klage – ungeachtet der Einrede – zugelassen und angehört werden.2 
    Š[2.] Am Anfang seiner Klageschrift – für die Hg. Georg die Zulassung zur Beweisführung beantragte – wird dargelegt, daß der röm. Kg. mit Zustimmung von sechs Kff. seinen Vater Hg. Albrecht von Sachsen und dessen Nachfolger zu ewigen Statthaltern über das ganze zum Reich gehörige Friesland eingesetzt hat, wozu auch der Ostergau, die Ommelande und die Stadt Groningen gehören. Der Kg. befahl ihnen, diese Gebiete Kg. und Reich wieder botmäßig zu machen und zu regieren. Hg. Albrecht und nach seinem Tod Hg. Georg nahmen als Statthalter in Vollzug der kgl. Mandate die zum Reich gehörigen Ommelande und den Ostergau in Besitz. Die Groninger leisteten gegen den Vollzug dieser Mandate Widerstand. Daraus folgt von Rechts wegen die Nichtigkeit der Spolieneinrede, zumal keine arglistige Schädigung durch die beiden Fürsten vorlag, da sie in Stellvertretung und auf Befehl des Richters bzw. Herrschers handelten.3 Liegt indessen keine arglistige Schädigung vor, dann auch keine unrechtmäßige Besitzentziehung, da diese Gewalt und diese wiederum Arglist voraussetzt.4 
    [3.] Hg. Georg muß also zur Beweisführung über seine Klageschrift und das geltend gemachte Mandat zugelassen werden. Denn ist das Mandat bewiesen, folgt daraus die Entlastung vom Vorwurf der unrechtmäßigen Besitzentziehung. Wenn nun festgestellt ist, daß die Besitzentziehung oder die Schädigung ohne Verschulden von seiner Seite aufgrund eines Mandats entstanden ist, dann muß dies noch mehr gelten bei einem Mandat des röm. Kg. und des Hl. Reiches. Da Hg. Georg und sein Vater in Vollzug eines Befehls ihres Herrn handelten, sind sie vom Vorwurf der Besitzentziehung und der Schädigung entlastet.5 
    [4.] Offenkundig hatten und haben der röm. Kg. und das Hl. Reich über die beiden Fürsten als kgl. Vasallen die Befehlsgewalt. Die beiden Fürsten mußten diesen Mandaten gehorchen, sonst wären sie nicht frei von Arglist gewesen6, zumal wenn dieser Kg. der Herr Šaller Menschen ist und die Befugnis zur Strafverfolgung im ganzen Erdkreis innehat und wenn den beiden Fürsten als Vasallen dessen Person als unverletzlich erscheinen mußte und muß. Ihre Sache war und ist es nicht, zu befinden, ob das Mandat gerecht war oder nicht.7 Nicht einmal die Erörterung des kgl. Mandats hinsichtlich Recht und Unrecht stand ihnen frei; und es war auch nicht ihre Pflicht, zumal es mit dem Rat [der sechs Kff.] erging.8 Wenn die Exzipienten in einem Fall, da die beiden Fürsten den Befehlen ihres Herren gehorchten, behaupten, diese hätten Gewalt und Arglist gebraucht und sich unrechtmäßig Besitz angeeignet, dürfen sie nicht gehört werden.9 Selbst wenn sich die beiden Fürsten im Vollzug der Mandate etwas hätten zuschulden kommen lassen, so wäre dies dennoch gegenstandslos.10 Frena ergo ori excipentium de dicto praetenso spolio imponenda sunt.
    Im übrigen gilt weiterhin das Argument der sächsischen Replik, daß die Reichsregalien von Geächteten ebenfalls außerhalb des Reichsfriedens stehen und als eingezogen gelten, so daß die beiden Fürsten hier keine unrechtmäßige Besitzentziehung begehen konnten. Hg. Georg bietet hierfür die Beweisführung an, infolge deren die Exzeption der Gegenseite unhaltbar würde, und weist in diesem Zusammenhang noch einmal auf seine an anderer Stelle gemachten Einwände gegen die Exzeption hin.
    [5.] Die Einrede ist aus einem weiteren Grund unerheblich und unzulässig, wie sie in ihrer Replik und Triplik im allgemeinen ausführten.11 In der Einrede wird an erster Stelle ein – nach dem Gemeinen Recht ungültiger – Besitztitel hinsichtlich obrigkeitlicher und anderer Rechte geltend gemacht, der auf dem vom röm. Kg. konfirmierten Abkommen Groningens mit dem Ostergau und den Ommelanden gründet. Es steht fest, daß solche Bündnisse vom Gemeinen Recht verworfen werden, wenn sie zum Nachteil der Rechte und Šdes Eigentums des Reiches oder der Obrigkeit geschlossen wurden.12 Solche Bündnisse sind auch gemäß dem Gemeinen Recht nicht derart, daß daraus Herrschafts- oder Eigentumsrechte abgeleitet werden könnten, welche die Geltendmachung von unrechtmäßigem Besitzentzug rechtfertigen.13 Da das Gemeine Recht diese Spolieneinrede verwirft und die Position Hg. Georgs stützt, darf die Exzeption der Gegenpartei auch nicht zugelassen werden.14 Die Gegenseite spezifiziert zudem nicht die aufgrund des bewußten Abkommens geltend gemachten Rechte. Dies hätte schon deshalb geschehen müssen, weil diese sehr unterschiedlicher Natur sein und auf verschiedene Inhaber bzw. Nutznießer verteilt sein können.15 Da die diversen obrigkeitlichen und jurisdiktionellen Befugnisse sowie die Nutzungsrechte von ihrer Rechtsnatur her unterschieden sind, folgt aus der Wegnahme des einen Rechts nicht notwendigerweise die des anderen.16 Da über die herangezogenen, jedoch nicht spezifizierten Rechte keine zuverlässigen Beweise vorgelegt werden können, kann auch kein verbindliches Urteil gefällt werden.17 
    Die geltend gemachte Konfirmation ist unerheblich, da aus ihr kein neues Recht erwächst.18 In der vermeintlichen Exzeption wurde auch nicht dargelegt, daß Hg. Georg oder sein Vater [Hg. Albrecht] die Beklagten ihrer Rechte beraubt hätten, in welcher Weise, wann oder wo sie dies getan haben sollen.19 
    Genaugenommen deduzierte die Gegenseite nur ihr vermeintliches Petitorium und das Interdikt „Uti possidetis“20, wonach es den beiden Fürsten nicht erlaubt war, die genannten Länder zu übernehmen und zu behalten, und es nicht zulässig ist, daß einer den anderen Šin seinem Besitzrecht beeinträchtigt. Daraus folgt aber in keiner Weise notwendig der Tatbestand einer Spoliation.
    Da ferner sowohl die Groninger als auch die Einwohner des Ostergaus und der Ommelande dem Hl. Reich und dem röm. Kg. unterworfen waren und sind, bestand und besteht ein begründeter Anspruch auf diese zu Friesland gehörenden Gebiete.21 Deshalb konnten sich die Groninger nur aufgrund des Bündnisses auch keine obrigkeitlichen Rechte gegenüber Kg. und Reich aneignen. Umgekehrt war und ist der röm. Kg., der den rechtlichen Besitztitel (civilis possessio) für das ganze Reich innehat, befugt, selbst oder durch seinen Statthalter den tatsächlichen Besitz dieser Gebiete zu übernehmen. Die Einwohner des Ostergaus und der Ommelande waren und sind nicht befugt, sich zum Nachteil ihres rechtmäßigen Herrn der Stadt Groningen zu unterwerfen.22 Groningen wiederum kann wegen seines Ungehorsams gegen den röm. Kg. und seinen Statthalter um so weniger einen Besitztitel geltend machen. Vielmehr ist die Stadt wegen der unrechtmäßigen Besitzergreifung nicht nur zur Restitution, sondern auch zur Kassation etwaiger Rechte zu verurteilen.23
    [6.] Aus den angegebenen und im weiteren der Kürze halber nicht eigens aufgeführten Gründen ist die vermeintliche Einrede der Gegenseite zurückzuweisen und festzustellen, daß das von Hg. Georg angestrengte Verfahren deshalb nicht verzögert werden darf.

    « Nr. 386 Quadruplik der Stadt Groningen an den Ausschuß »

    Die Anwälte der Stadt erklären, daß das von der Gegenpartei als vermeintliche Triplik [Nr. 385] eingereichte Schriftstück vor der Beweisführung über die Groninger Spolieneinrede Šnicht zugelassen werden darf. Statt dessen soll verfahren werden, wie sie dies in ihrer Einrede und Duplik gefordert haben. Sie lehnen unter Geltendmachung der Exzeption die Aufnahme der Hauptverhandlungen ab. Da diese formal korrekt und rechtmäßig ist, können sie nicht als ungehorsam gelten. Erklären, daß sie vor der Restitution der Stadt durch die Gegenseite zur Beantwortung der Klage nicht verpflichtet sind. Erneuern die Exzeption und Duplik zur Zurückweisung der gegnerischen Triplik.

    In Konstanz am 14. Juni 1507 an den Ausschuß übergeben.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 138–138’ (Kop., Präsentatverm.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8194/10, fol. 31–31’ (Kop., Präsentatverm.) = B.

    « Nr. 387 Bescheinigung Sixtus Ölhafens (kgl. Sekretär) für die Prozeßparteien »

    [1.] Kassation des in Konstanz geführten Verfahrens durch Kg. Maximilian; [2.] Datum, Unterzeichnung.

    Act. Konstanz, 29. Juli 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 247–247’ (Or.) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/33, fol. 42’, 44 (dem Protokoll [Nr. 378] inserierte Kop.) = B.
    Kurzregest: Baks , Inventaris, Nr. 810, S. 206.1

    [1.] /247/  In sachen zwischen meinem gn. H., Hg. Georgen von Sachsen etc., an einem und der stat Groningen am andern tayl, darin sy bederseyt auf unsers allergnst. H., des röm. Kg. etc., außgegangen ladung vor seiner kgl. Mt. und des Hl. Reichs Kff., Ff. und stenden auf dem Reichs tag alhie zu Costenz erschinen sein und darin furgenomen und gehandlt, bis yetzo die gemelten Kff., Ff. und stende verriten und ferrer solicher ladung nach statlich nit wol gehandlt werden mugen: Hat auß denselben und andern beweglichen ursachen die röm. kgl. Mt. vorbestympt die gemelt ladung, und was darauf (als yetz berurt) vor seiner kgl. Mt. und den gemelten Kff., Ff. und stenden von beden vor bestympten teylen und ir jedem furgebracht und gehandelt worden ist, mitsampt denselben acta und actitata mit ir beider tayl wissen und willen aufgehaben, also das die hinfur keinen vorgemelten teyl bynden noch sich der gegen dem andern zu gebrauchen haben sullen, sonder das die sachen in dem stant stee, wie die vor außgang der gemelten ladung und verhor gewesen ist. Und wo auch hinfur in den sachen weyter zu handlen sich begeben wurde, well sich sein kgl. Mt. auf ansuchen /247’/ der parteyen darinn gnediglich und unverweyslich halten.
    [2.] Actum zu Costenz, am XXIX. tag July Ao. 1507. Sixtus Olhafen, regius secretariusa subscripsit.

    « Š5.2. Stadt Worms gegen Bischof Reinhard und den Wormser Stiftsklerus »

    « Nr. 388 Schiedsverhandlungen zwischen Bf. Reinhard von Worms und dem Wormser Klerus auf der einen und der Stadt Worms auf der anderen Seite, Mitte Juni-Ende Juli 1507 (Aktenreferat) »

    Wohl kurz vor dem 17. Juni erlangten die Wormser Gesandten Philipp Wolff und Balthasar Mühl durch Vermittlung Niklas Zieglers eine Audienz beim Kg. und brachten weisungsgemäß die städtischen Beschwerden gegen den Wormser Klerus vor.1 Nach Beratung mit Ziegler ließ der Kg. den beiden Gesandten einen Vorschlag unterbreiten, in dem wir kgl. Mt. hitziges und erzornt gemut gegen der pfaffheit offentlich spuren, und das ire Mt. zu anderm, des wir hoffen, uns erlaubet werden mag, auch gegen pfaffen selbs durch irer Mt. procurator fiscal auf ire verachtung zu handlen furgenommen hat. Wir haben aber in solchen noch keynen gewissen abschied und steen noch deßhalb in steter handlung by irer Mt. in geheym.
    Am 17. Juni übergab – laut mehreren Informanten der Wormser Gesandten – Bf. Reinhard im Reichsrat einige Supplikationen und bat die Stände um Fürsprache beim Š Kg. Dieser sollte die Stadt veranlassen, die Rechte von Bf. und Hst. zu respektieren. Die Gesandten kündigten dem Wormser Magistrat an, dem entgegenzuarbeiten und sich um die Erlangung der gewünschten kgl. Mandate2 zu bemühen.3 
    Bf. Reinhard hatte die Stände um Fürsprache beim Kg. in vier Punkten gebeten: 1. Belehnung mit den Reichsregalien, 2. Vollzug des Antwerpener Spruches4 durch die Stadt, 3. Aushändigung der ihm von der Stadt vorenthaltenen Einkünfte, 4. Respektierung des vom Wormser Klerus anhängig gemachten geistlichen Prozesses und des erwirkten Bannes gegen die Stadt sowie Sicherung der Rechte und Freiheiten der Wormser Geistlichkeit. Kg. Maximilian verwies nach der ständischen Interzession die Supplikation des Bf. an den kgl. Hofrat. Am 23. Juni teilten Bf. Georg von Trient und Kaspar von Mörsberg mit, daß der Kg. sie gemeinsam mit Degen Fuchs und Dr. Hans Schad beauftragt habe, im Rahmen eines Schiedsverfahrens die Parteien anzuhören, jedoch nichts ohne den Kg. zu beschließen. Die drei Parteien sollten ihre Klagen schriftlich vorlegen. Bf. Reinhard sowie Dr. Haring Sinnama als Vertreter der fünf Wormser Stifte akzeptierten dies jeweils, behielten sich jedoch vor, für die Verhandlungen nicht bevollmächtigt zu sein.5 
    Drei Tage später, am 26. Juni, reichten der Bf. und Sinnama ihre Klagen gegen die Stadt bei den vier Hofräten ein: Der Bf. forderte unter Vorbehalt seiner und der stiftischen Rechte erneut 1. den Vollzug des in Antwerpen ergangenen und in Augsburg6 sowie durch das Nürnberger Reichsregiment mit Verhängung der Reichsacht und einem Exekutorialmandat7 bestätigten kgl. Urteils bezüglich der Besetzung von Rat und Gericht sowie anderer Ämter durch die Stadt. 2. Die Stadt soll ihm alle während und nach dem durch Mgf. Christoph von Baden im Landshuter Erbfolgekrieg vermittelten Waffenstillstand8 bzw. auf der Grundlage einer angeblichen Achterklärung gegen den Bf. vorenthaltenen Einkünfte aushändigen und die weitere Nutznießung seiner Güter nicht mehr behindern. 3. Die Gegenpartei darf ihn nicht am Einzug in die Stadt hindern und muß ihm den Eid in der Form leisten, wie dies durch den Bf. von Speyer sowie die Städte Straßburg und Frankfurt vermittelt9 und von der Stadt angenommen wurde. 4. Die Gegenpartei soll sich mit der Š bfl. Bestätigung der städtischen Rechte in der von seinen Vorgängern gepflegten Form10 begnügen und alle damit nicht im Einklang stehenden, von der Stadt durch Statuten und Ordnungen eingeführten Neuerungen aufheben sowie sämtliche ihm im Zusammenhang mit den genannten Streitpunkten entstandenen Kosten und Schäden ersetzen.11 
    Sinnama forderte unter Vorbehalt der Rechte des Wormser Klerus und unter Protest über seine fehlende Vollmacht für die Verhandlungen, daß die Stadt die durch Kg. und Kff. vermittelten und von beiden Seiten angenommenen Rachtungen12 einhalten, die dementgegen erlassenen Ordnungen und Satzungen aufheben und die dem Klerus entstandenen Kosten und Schäden erstatten soll.13 
    Die städtischen Vertreter überreichten den Hofräten am 28. Juni ihre Stellungnahmen zu den beiden Klageschriften ebenfalls vorbehaltlich der städtischen Rechte. Sie machten gegenüber dem Bf. die längst erfolgte Umsetzung des Antwerpener Urteils geltend und führten einen gesiegelten Reversbrief Bf. Johanns14 als Beweis an. Als Voraussetzung für eine qualifizierte Stellungnahme der Stadt sollte der Bf. über die ihm angeblich vorenthaltenen Einkünfte eine genaue Aufstellung übergeben. Als Vorbedingung für seinen Einzug in die Stadt sollte er dem Herkommen gemäß einen Eid über die Respektierung der städtischen Rechte und Freiheiten leisten und einen schriftlichen Reversbrief übergeben. Die Stadt sagte zu, ihn dann an geburlichem, unnachteyligem inryten nicht zu hindern. Bezüglich des geforderten Eides sollte den städtischen Anwälten ein Entwurf vorgelegt werden, wellen wir uns gepurlich und unverwyßlich erzeigen, auch uns der billicheit gemeß bewysen. Die vom Bf. inkriminierten städtischen Ordnungen und Statuten sollte die Gegenseite für eine Stellungnahme im einzelnen benennen. Im übrigen lehnten die städtischen Vertreter die geforderten Zahlungen ab. Statt dessen erhoben sie ihrerseits Anspruch auf Kostenerstattung durch die Gegenseite.15 Unter dem Vorbehalt des beim Kg. anhängigen Verfahrens und der kgl. Tagsatzung [vom 13.5.] forderten Wolff und Mühl in Beantwortung der von Sinnama übergebenen Klageschrift die Vorlage der geltend gemachten Rachtungen sowie der städtischen Ordnungen und Satzungen, um dazu im einzelnen Stellung nehmen zu können.16 
    Am gleichen Tag übergaben die städtischen Gesandten den kgl. Hofräten eine Klage wegen des von der Wormser Stiftsgeistlichkeit gegen die Stadt geführten geistlichen Prozesses Šund wegen des vom geistlichen Richter [Anton Leist] verhängten Bannes. Nach ihrer Auffassung lag aufgrund des städtischen Rechtserbietens, der Klassifikation des Streits als weltlicher Angelegenheit und dessen Anhängigkeit vor dem röm. Kg. eine Mißachtung der Rechtsordnung, des kgl. Mandats17 und der Reichsordnung und damit eine Verletzung der kgl. Jurisdiktion durch die Gegenseite vor. Die Stadt beantragte deshalb die Einstellung des geistlichen Prozesses, die Kassation des ergangenen Urteils, die kostenfreie Absolution vom Bann sowie die Fortsetzung des Verfahrens vor dem röm. Kg. 18 
    Bf. Reinhard räumte in seiner mündlichen Replik am Nachmittag des 29. Juni bezüglich des ersten Verhandlungspunktes ein: Es sy ware, demselben sy sym furfare Bf. Johansen gnugen und volstreckung gescheen eynmal und darnach das ander jare auch bis auf den eid, so man eym Bf. am andern tag nach Martini [12.11.] sweren solt etc. Aber darnach haben die von Worms ime nit wollen gestatten, burgermeister und rat zu setzen, sunder setzen die noch jerlich etc. 2. Die Wormser haben ihm Zoll und Waage sowie die Abgaben der Zünfte und weitere Einkünfte, über die sie selbst am besten Bescheid wissen, entzogen. 3. Erneuert sein früheres Angebot, den Eid und die Verschreibung gegenüber der Stadt wie seine Amtsvorgänger zu leisten. Die Stadt soll ihren Eid in der Form wie gegenüber Bf. Johann ablegen19, wie dies seinerzeit auch die Vermittler, Bf. [Ludwig] von Speyer sowie die Städte Straßburg und Frankfurt, vereinbart haben. 4. Die Statuten und Ordnungen brauchen nicht spezifiziert zu werden, die Wormser haben davon ein Buch20 drucken lassen.21
    Der gemeinsam mit dem Bf. vor die Hofräte getretene Sinnama übergab als Anwalt des Wormser Klerus dem Bf. von Trient den Schiedsspruch Kg. Ruprechts.22 Die strittigen, der ŠGegenseite ohnehin bekannten städtischen Statuten und Ordnungen vorzulegen, erachtete er hingegen für unnötig.23 
    Am folgenden Tag, den 30. Juni, verlas Bf. Georg von Trient in Anwesenheit der städtischen Bevollmächtigten Sinnama die am 28. Juni eingebrachte Supplikation und übergab ihm eine Abschrift davon zur Stellungnahme.24 
    Am 2. Juli trugen Wolff und Mühl ihre Duplik gegen den Klerus vor: 1. Die von der Gegenseite herangezogenen Verträge wurden durch ksl. Rechtsspruch als dem Hl. Reich nachteilig kassiert; der röm. Kg. hat diese Entscheidung bestätigt.25 Die Stadt wird sich jedoch bei gütlichen Verhandlungen über den Weinausschank und die übrigen Differenzen kompromißbereit zeigen. 2. Sie wiederholen ihre Forderung, daß die Gegenpartei diejenigen städtischen Statuten und Ordnungen benennen soll, die unrechtmäßige Neuerungen enthalten. – Zugleich erneuerten die beiden Gesandten ihre Klage gegen den Klerus: Die Stadt hat zu keinem Zeitpunkt das Recht verweigert und will den vom Kg. anberaumten gütlichen Verhandlungen gerne Folge leisten. Allerdings ging den Wormsern ein Schreiben zahlreicher Adliger26 zu, das die Absichten der Gegenseite erhellt. Die Geistlichen gehen mit widerrechtlichem Bann und dessen Reaggravation27 gegen die Stadt vor, während die Schiedsverhandlungen zugleich durch ungenügend bevollmächtigte Vertreter geführt werden. Falls die Gegenpartei ihr unrechtmäßiges Vorgehen nicht einstellt, sollen die Schiedsrichter den Kg. darüber informieren, damit dieser eingreift, und ihn ebenso über das großzügige Angebot der Stadt in Kenntnis setzen.28
    Vermutlich ebenfalls am 2. Juli übergaben die städtischen Gesandten den deputierten Hofräten ihre Duplik gegen den Bischof: 1. Der Bf. gesteht selbst zu, daß das Antwerpener ŠUrteil vollzogen wurde, weshalb er die Stadt offenkundig zu Unrecht verklagt hat. Die Besetzung der Rats- und Gerichtsämter durch den Wormser Rat statt durch den Bf. geschah keineswegs unter Mißachtung eines geltenden Urteils, sondern weil der Kg. diese Befugnis dem Bf. als verwirkt entzogen und an den Magistrat übertragen hat.29 2. Gleiches gilt für den Wegezoll und die Abgaben der Zünfte. 3. Hinsichtlich des bfl. Einzugs in die Stadt und der Eide erneuern sie ihren vorherigen Antrag. 4. Der Magistrat hat pflichtgemäß als zuständige Obrigkeit die Ordnungen für die Stadt reformiert und im Druck publiziert. Falls der Bf. Bestimmungen benennen kann, die unrechtmäßig sind, wollen sie sich aller gepure wysen lassen.
    Dies und andere bericht haben wir angezeigt in der gutlicheit, doch mit vorbehaltung aller notturft und unbegeben der injurien, der erbern statt wider die offenbare lantkundige warheit vor kgl. Mt. und des Hl. Rychs versamlung, auch hofrichtern und kgl. reten, uns zugezogen, des wir uns als geschickten protestiren. 30 
    Balthasar Schlör triplizierte als Vertreter des Bf. am 3. Juli in einem langen mündlichen Vortrag; die städtischen Gesandten entgegneten darauf ebenfalls unverbindlich mündlich, bestanden indessen auf der Übergabe einer schriftlichen Triplik gemäß den Verfahrensregeln.31 Im übrigen entgegnete Schlör auf die städtische Klage gegen den Stiftsklerus vom 28. Juni, daß die Stadt aus dem Bann gelöst werde, wenn sie die bestehenden Verträge einhalte; sie dazu zu zwingen, sei der Zweck des Bannspruches.32 
    Die kgl. Hofräte stellten daraufhin die Unvereinbarkeit der Positionen fest: Der Bf. beharrt auf dem Vollzug des ergangenen Urteils [von 1494], die Stadt macht dagegen die kgl. Begnadung [von 1504] geltend. Der Klerus erachtet die vermittelten Schiedsverträge für relevant, die Stadt dagegen deren Kassation durch den Ks. 33 Da dies Angelegenheiten des Kg. sind, wollen sie ihm dieses Ergebnis vortragen und dessen Erklärung anschließend den Parteien eröffnen. Bezüglich der dem Bf. von Trient und anderen Hofräten übergebenen Supplikation der Stadt gegen den Klerus wegen des Bannes und seiner Verschärfung sowie des Absagebriefes der 65 Adligen wurde im Hofrat beschlossen, den Kg. zu informieren und die Ausstellung entsprechender Mandate zu empfehlen.34
    ŠWyter ist in des Bf. sachen nicht entlichs gehandelt wurden.35
    Kg. Maximilian stellte der Stadt am 15. Juli ein Mandat an alle Reichsstände, Amtsträger und Reichsuntertanen aus: Er hat erfahren, daß die fünf in Worms ansässigen Stifte versuchen, die Stadt wegen einiger Streitpunkte durch geistliche Prozesse und mit anderen Mitteln zum Einlenken zu bewegen – und dies, obwohl bei ihm in dieser Sache ein Verfahren anhängig ist und er beide Parteien zum gütlichen bzw. rechtlichen Verfahren vorgeladen hat. Er kann als röm. Kg. nicht hinnehmen, daß sich jemand in eine Angelegenheit einmischt, mit der er befaßt ist, und verbietet deshalb unter Androhung schwerer Ungnade und der im kgl. Landfrieden vorgesehenen Strafe, gegen Bürgermeister und Rat – und denen, so inen zu versprechen steen – in irgendeiner Weise gewaltsam vorzugehen oder sich sonst dieser Sache anzunehmen.36 
    Inzwischen war am 10. Juli der Wormser Stadtschreiber Adam von Schwechenheim – als einer der Bevollmächtigten zu dem gemäß kgl. Zitation [Nr. 92] anberaumten Gerichtstag37 – und mit ihm der in Worms ansässige kgl. Sekretär Jörg Mosbach in Konstanz eingetroffen. Bf. Reinhard sowie Dr. Sinnama und andere Bevollmächtigte des Wormser Klerus bekundeten am Nachmittag des 12. Juli vor dem kgl. Hofrat, aufgrund der kgl. Zitation termingerecht in Verhandlungen eintreten zu wollen, und machten die Mißachtung des festgesetzten Termins (Montag, den 12.7.), durch die Gegenseite geltend. Die durch einen Vertrauensmann informierten Wormser Anwälte Wolff, Mühl und Schwechenheim verfügten sich daraufhin am Morgen des 13. Juli zu den Hofräten in das Dominikanerkloster. Der Stadtschreiber legte dar, daß dieser Dienstag als der 45. ŠTag nach Verkündung des kgl. Mandats38 der korrekte Termin sei. Einer der kgl. Räte, der Wormser Domherr Dr. [Ludwig] Vergenhans, sprach sich dafür aus, die Versäumung des Termins durch die Stadt zu konstatieren; diese müsse als ungehorsam angesehen und dürfe nicht mehr angehört werden. Nach Vermittlung durch den als Vorsitzenden des Hofrats mit dem Richterstab ausgestatteten Bf. von Trient wurde das Verfahren am 14. Juli eröffnet. Die Vertreter des Klerus – Bf. Reinhard, der Domdekan Erpho von Gemmingen, die Domherren Lukas von Ehrenberg und Dr. Sinnama sowie die Dekane von St. Paul [Nikolaus Bart] und des Liebfrauenstifts [Jost Buwer] – beklagten durch ihren Sprecher Balthasar Schlör die Verletzung ihrer Rechte und Privilegien durch die Stadt und reichten einen entsprechenden Schriftsatz39 ein. Schwechenheim beanspruchte demgegenüber die Rolle des Klägers für die Stadt und forderte die Verlesung der von ihm eingereichten Klageschrift an erster Stelle. Nach einer Erklärung Gf. Eitelfriedrichs von Zollern über die Unerheblichkeit der Reihenfolge wurde zuerst die Klageschrift des Klerus vorgetragen. Laut der anschließend verlesenen städtischen Klageschrift beruhte der Konflikt zwischen der Stadt und der Stiftsgeistlichkeit vor allem auf drei Punkten: 1. Der – zum Teil gar nicht in Worms residierende – Klerus beansprucht das ganze Jahr über das Recht auf freie Einfuhr in die Stadt und auf freien öffentlichen Ausschank unterschiedslos für seinen gesamten, auch den zugekauften Wein. 2. Der Klerus verweigert eine seit über hundert Jahren auch von allen Bürgern zu entrichtende Abgabe auf das zu Handelszwecken aus der Stadt ausgeführte Getreide – 2 Pf. für jeden Malter Roggen oder Weizen, 1 Pf. je Malter Rauhfrucht [= Dinkel und Hafer] –, die zum Unterhalt der Verkehrswege dient. 3. Der Klerus verweigert sämtliche Abgaben von seinem im städtischen Gerichtsbezirk gelegenen, durch Kauf, Verpfändung oder in anderer Weise aus den Händen von Laien an ihn gelangten Immobilienbesitz. Dadurch wird 4. das Einkommen der Stadt, wovon die öffentlichen Aufgaben und der Dienst für das Reich finanziert werden, erheblich geschmälert. Der für das städtische Gemeinwesen existenzielle Weinanbau wird beeinträchtigt. 5. Die drei angesprochenen Beschwerdepunkte sind offenkundig weltliche Angelegenheiten und, zumal die Stadt Worms reichsunmittelbar ist, Sache der kgl. Jurisdiktion. 6. Der Klerus hat die Stadt wegen dieser Punkte vor dem Kg. verklagt und Mandate erwirkt. 7. Die Stadt hat dazu durch ihre zum Kg. entsandten Anwälte Stellung genommen. 8. Dadurch wurde der Streit vor dem röm. Kg. als für die Stadt zuständigem Richter anhängig gemacht, was er noch ist. 9. Ungeachtet des laufenden Verfahrens und unter Verletzung der städtischen Rechte brachte der Klerus den Fall vor einen geistlichen Richter seiner Wahl, den Dechant von St. Johann in Mainz, Anton Leist. 10. Die Stadt beklagte sich darüber vor dem Kg., der daraufhin eine Ladung ausgehen ließ, aufgrund derer beide Parteien auf dem Augsburger Reichstag (1500) erschienen sind. 11. Wegen des Landshuter Erbfolgekrieges konnte sich der Kg. dieser Angelegenheit nicht annehmen und setzte deshalb mit Zustimmung beider Seiten [am 31.3.504] eine Schiedskommission ein. 12. Diese remittierte das Verfahren an den Kg., nachdem die Vertreter des Klerus auf einem Schiedstag zu Mainz jegliche Verhandlungen zur Sache verweigert hatten.40 13. Ungeachtet des anhängigen Verfahrens setzte der Klerus Šden geistlichen Prozeß vor Anton Leist fort, um die Bürgerschaft durch Verhängung des Banns zum Einlenken zu zwingen. 14. Die Bürgerschaft klagte gegen dieses Vorgehen erneut beim Kg., der daraufhin gemäß einem Beschluß des kgl. Hofrates ein Inhibitionsmandat an den Klerus41 ausgehen ließ. 15. Das Mandat wurde dem Klerus mitgeteilt. Dennoch prozessierte dieser weiter vor dem geistlichen Richter. Der von der Stadt informierte Kg. gebot dem Klerus erneut und unter Androhung des Verlusts seiner Freiheiten die Einstellung des geistlichen Prozesses und zitierte die Parteien vor sich, um eine gütliche Einigung herbeizuführen oder, falls diese scheitern sollte, zu entscheiden, welche Punkte vor geistlichen und welche vor weltlichen Richtern zu verhandeln seien.42 16. Dessenungeachtet verhängte der geistliche Richter bald nach Zustellung des Mandats [am 31.5.] erneut den Bann über die Wormser Bürgerschaft. 17. Ohne Einhaltung der vorgeschriebenen Frist und in ungewöhnlicher Form ließ der Klerus den Bann unverzüglich verkünden. 18. Allen übrigen Einwohnern wurde unter Androhung des Banns der Abzug aus der Stadt innerhalb von sechs Tagen befohlen. 19. Aufgrund von Bemühungen der Geistlichen sagten 65 Adlige dem Wormser Magistrat ab, falls dieser nicht dem Klerus nachgeben würde. Der Bürgerschaft gehen täglich weitere Drohungen zu. 20. Der Klerus mißachtete durch sein Vorgehen die kgl. Jurisdiktion, das gemeine Recht, die [Wormser] Reichsordnung, den Landfrieden und die kgl. Mandate einschließlich der Zitation und ist deshalb den darin vorgesehenen Strafen verfallen. Die städtischen Anwälte bitten den Kg., den Streit in allen genannten Punkten zu einer weltlichen und somit in seine jurisdiktionelle Zuständigkeit gehörigen Angelegenheit zu erklären, für die Einstellung des geistlichen Prozesses zu sorgen, festzustellen, daß der Klerus wegen hartnäckigen Ungehorsams der Strafe des Landfriedens und der kgl. Mandate verfallen und Schutz und Schirm des Hl. Reiches verlustig geworden sei, und entsprechende Mandate ausgehen zu lassen. Der Klerus soll der Stadt überdies für die entstandenen Kosten und Schäden einstehen.43 
    Nach Verlesung der beiden Klageschriften wurde auf Forderung Schwechenheims hin auch die von den fünf Stiften ausgestellte Vollmacht für ihre Anwälte vorgelesen. Der Stadtschreiber machte wegen des darin enthaltenen Protests bzgl. des kgl. Gerichtszwangs ungenügende Bevollmächtigung und Ungehorsam der Gegenpartei gegenüber dem kgl. Mandat geltend44 und beantragte für die Klageschrift der Stadt die Zulassung zum ŠBeweisverfahren. Der Sprecher der Gegenpartei, Schlör, forderte wiederum die Übergabe der städtischen Klageschrift und Vollmacht. Die kgl. Räte zogen sich daraufhin zur Beratung zurück.45 
    Am 16. Juli teilte der Bf. von Trient den allein vorgeladenen städtischen Vertretern die mündliche Stellungnahme der Gegenseite zur städtischen Klageschrift und zu den Vermittlungsvorschlägen der Kommissare mit: Der Klerus verweist auf die ergangenen Schiedssprüche und seine urkundlich belegten Rechte und Freiheiten. Die Stadt hat insbesondere den von Kg. Ruprecht vermittelten, den Klerus ohnehin benachteiligenden Vertrag bzgl. des Weinausschanks46 lange Zeit eingehalten. Der mit den Geistlichen mutwillig begonnene Streit ist eigentlich eine Konsequenz aus dem Konflikt der Stadt mit Bf. Johann. Da sie darin erfolglos blieb, wandte sie sich gegen den Klerus. Die Angaben der städtischen Anwälte über angeblich vom Klerus eingeführten Wein im Umfang von mehr als 1000 Fuder sind falsch. In guten Jahren beläuft sich der gesamte Ertrag auf höchstens 400 Fuder Wein. – Angesichts Šdieser widersprüchlichen Angaben bekundeten die Vermittler ihre Ratlosigkeit und baten um Mitteilung von Vorschlägen für einen Vergleich.47 
    Am 21. Juli traten die Vertreter der Stadt erneut vor den von Bf. Georg von Trient geleiteten Hofrat. Schwechenheim bestritt [1.] die Existenz gültiger Verträge oder Urteile. [2.] Auch beeinträchtigte der von Kg. Ruprecht vermittelte Vertrag nicht etwa ein zuvor bestehendes freies Weinausschankrecht des Klerus. Dies geht aus zwei älteren Verträgen48 hervor: Zum einen durften die Geistlichen nur den von ihren in der Stadt gestifteten Pfründen stammenden Wein abgabenfrei einführen, für den übrigen eingeführten Wein hatten sie jedoch Ungeld bezahlen müssen. Zum anderen galt die Erlaubnis zum Weinausschank nur für die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten. [3.] Die Stadt hat den sie benachteiligenden, von Kg. Ruprecht als parteiischem Schiedsmann und Ebf. [Johann] von Mainz vermittelten Vertrag [von 1407] nur widerwillig und unter Druck akzeptiert. Dies kann erforderlichenfalls schriftlich belegt werden. Indessen hat sich die Bürgerschaft unverzüglich beklagt, als der Klerus begann, seine Weingefälle zu mehren, die Stadt zu benachteiligen und gegen geltende Ordnungen und Verträge Wein auszuschenken. Dies geht aus insbesondere zu Zeiten der Bff. Reinhard und Johann eingereichten Schriften hervor. Die der Stadt gegebenen Zusagen, Mißstände abzustellen, die Schuldigen zu bestrafen und für die Zahlung der Abgaben zu sorgen, wurden nicht eingehalten. Der Rechtsstreit darüber dauert bis heute an. [4.] Die Stadt hat den Konflikt mit dem Klerus keineswegs mutwillig vom Zaun gebrochen. Vielmehr hat Bf. Johann seit seinem Amtsantritt Streit mit der Stadt Šangefangen, um ihre obrigkeitlichen Rechte und ihre Freiheiten einzuschränken, wogegen sich der Rat, wie es ihm obliegt, bislang erfolgreich zur Wehr gesetzt hat. Das Vorgehen des Klerus beim Weinausschank ist aus zwei Gründen nicht hinnehmbar: a) Die Wormser Bürger beziehen den größten Teil ihres Einkommens aus dem Weinanbau und -handel. Sie können jedoch im unfairen Preiskampf mit den Geistlichen nicht bestehen. Diese weisen überdies weitaus mehr Wein als von ihren Pfründen stammend aus, als dies tatsächlich der Fall ist, und verkaufen ihn das ganze Jahr über. b) Durch das Vorgehen des Klerus werden mit dem Weingeld als wichtigster Geldquelle die Einkünfte der Stadt geschmälert, die davon die öffentlichen Ausgaben und die durch Anleihen finanzierten Aufwendungen für das Reich – seit dem Neußer Krieg über 24 000 fl. – bestreiten muß. Diese laufenden Ausgaben können nicht länger getragen werden. Die Klage wurde also nicht mutwillig, sondern aufgrund von existenziellen Interessen der Gemeinde und der Stadt anhängig gemacht. Dem Klerus hingegen geht es nur um eigennütziges Gewinnstreben, von dem zum Nachteil einer ganzen Stadt höchstens 50 Angehörige des Domstifts und des Stifts St. Andreas profitierten, während sich nur wenige Angehörige des Frauenstifts und der Stifte St. Paul und St. Martin an den Klagen gegen die Stadt beteiligten. Diesen wurde bewilligt, für den Eigenbedarf gekauften Wein frei einzuführen. Das Domstift und St. Andreas haben inzwischen allerdings sehr viele Weinzehnten an sich gebracht. – Nach Verlesung eines vorgelegten Verzeichnisses über die Weinzehnten49 setzte Schwechenheim seinen Vortrag fort: Das Verzeichnis listet über 30 Weinzehnten auf, von denen der Klerus Wein die Stadt einführt und von denen die Hälfte erst in jüngerer Zeit durch Kauf oder Verpfändung in dessen Besitz gelangt ist. Der Gesamtertrag beläuft sich auf 2100 Fuder Wein. In Worms residierten nicht einmal 200 Geistliche, deren Weinverbrauch keine 400 Fuder erreicht. Der Rest wird ausgeschenkt oder verkauft. Die bürgerlichen Händler werden verdrängt, die städtischen Einnahmen aus dem Ungeld gehen dramatisch zurück. Die Stadt kann die öffentlichen Ausgaben nicht mehr bestreiten und ihre Schulden nicht mehr bedienen. Es steht zu befürchten, daß die Gläubiger sich an das Eigentum der Bürger halten werden. Die Stadt bittet den Kg., diesen Mißstand abzustellen. [5.] Falls sich der Klerus mit den angegebenen 400 Fudern tatsächlich begnügen würde, würde die Stadt ihre Klage fallenlassen, die abgabenfreie Einfuhr für den Hausverbrauch gestatten und den Verkauf des restlichen Weins erlauben. Diese Behauptung der Gegenpartei entspricht aber nicht der Wahrheit, weswegen die Stadt erneut bittet, deren Ungehorsam festzustellen.
    Die kgl. Hofräte kündigten anschließend Berichterstattung an den Kg. an.50 Kg. Maximilian wurde allerdings vollständig durch die Reichstagsverhandlungen über den Romzug in ŠAnspruch genommen und vertröstete die Wormser Gesandten auf den Abschluß der Reichsangelegenheiten. Die kgl. Räte zeigten sich von der Argumentation der Stadt überzeugt und vertraten dies auch gegenüber dem Kg. Sie erreichten auch bei etlichen Ff. und Adligen eine Distanzierung vom Klerus. Am Abend des 25. Juli51 gewährte der Kg. den Wormser Vertretern eine Audienz, bei der auch der Hofmarschall Gf. Wolfgang von Fürstenberg und der Kanzler Zyprian von Serntein zugegen waren. Schwechenheim bekundete seine Hoffnung, daß der Kg. über die Wormser Angelegenheiten und die vor den kgl. Hofräten geführten Verhandlungen gut unterrichtet sei, und legte dar, daß die Wohlfahrt der Stadt Worms auf zwei Säulen ruhe: Für (1.) ein gutes Regiment hat der Kg. die Stadt gnädig ausgestattet; man hoffe, daß er ihre Rechte schützen wird. Dagegen ist (2.) ihr finanzielles Wohlergehen durch den Klerus bedroht, der zum einen sein Weinausschankrecht mißbraucht und zum anderen Güter der Bürger an sich bringt. Das Einkommen der Bürger und infolgedessen der Stadt, das für die öffentlichen Ausgaben und den Dienst für das Hl. Reich benötigt wird, wird dadurch geschmälert. Die Wormser konnten einem röm. Kg. einmal 2000 Bewaffnete zur Verfügung stellen, doch haben Ritter und Adel unter dem Druck des Klerus die Stadt inzwischen verlassen. Der Klerus wird reich, die Stadt verarmt. Die Stadt bittet deshalb um die Hilfe des Kg. Sie erinnert ihn außerdem an seine Zusage, für die Rückgabe der Urkunden über die Einung und das Schirmverhältnis mit Kurpfalz zu sorgen. Die Wormser Bürger werden ständig bedroht und bedrängt, wogegen sie den kgl. Schutz erflehen. Die Stadt macht außerdem den Vorschlag, zur Begleichung seiner Schulden bei den Wormsern entweder zu jeder Frankfurter Messe Silber zu liefern oder fur IIII- oder funftusent fl. kupfer zu geben. Das wollt eyn rait zu buchsen zu Inßpruck giessen und sich also schicken, damit man ir Mt. und dem Reich auch, so es noit were, desto Šstattlicher dienen mochten etc. – Kg. Maximilian bat um eine schriftliche Fassung des Vortrags.
    Einige kgl. Räte erhielten den Befehl, einen Vertrag zwischen Klerus und Stadt auszuarbeiten. Die Geistlichen versuchten jedoch durch ihre Fürsprecher, namentlich Gf. Eitelfriedrich von Zollern, zu erreichen, daß lediglich eine Vereinbarung für einen Austrag verabschiedet werden sollte.52 Die städtischen Verordneten lehnten dies als Zeitverlust ab: Die Gegenseite spielt lediglich auf Zeitgewinn, um – wie schon mehrmals geschehen – das Verfahren dann durch Ausflüchte zum Scheitern zu bringen. Der Kg. und die Räte sollen deshalb über den Weinschank und die anderen Streitpunkte, bei denen es sich um weltliche Angelegenheiten handelt, entscheiden, damit der Streit ein Ende hat und die Stadt vom Bann gelöst wird.
    Nach weiteren Verhandlungen legten die städtischen Vertreter einen Entwurf für einen Schiedsgerichtsvertrag vor, den Mosbach Kg. Maximilian unterbreitete. Dieser erteilte den mit den Verhandlungen betrauten kgl. Räten Befehl, auf die Annahme des Entwurfs durch die Parteien hinzuarbeiten. Also arbeiten die rete daruf und ward beslussen uf form und masse, wie hienach geschriben [Nr. 970].

    «5.3. Herzog Albrecht IV. von Bayern gegen Pfalzgraf Friedrich: Streit um das niederbayerische Erbe53  »

    « Nr. 389  Pfgf. Friedrich an Kg. Maximilian »

    [1.] Er hat dem kgl. Schreiben1 entnommen, daß die kgl. Räte Hans Walter von Laubenberg zu Hg. Albrecht von Bayern entsandt haben. Dieser habe den Auftrag, unverzüglich nach Freising an Adam von Törring zu berichten, falls der Hg. den Waffenstillstand ablehnen und die Ladung nach Konstanz zurückweisen sollte. Törring könne dann entsprechend der mündlichen kgl. Mitteilung an ihn, Pfgf. Friedrich, weiterverfahren; er solle Törring entsprechend abfertigen.
    [2.] Er erhält täglich Warnungen, daß Hg. Albrecht seine Absicht [zur militärischen Besetzung des Unterpfandes] umsetzen will, weshalb er, zumal angesichts der Rüstungen des Hg. und des Schwäbischen Bundes, des ergangenen Aufgebots zum 30. Mai (sontag trinitatis) und der Kürze des Termins, nicht an einen Erfolg der Mission Laubenbergs Šglaubt. Der Kg. hat ihn, Pfgf. Friedrich, für diesen Fall angewiesen, Wasserburg zu sichern. Er hat ihm jedoch schon früher mitgeteilt, daß er dazu nicht imstande ist. Ohnehin hat Hg. Albrecht Wasserburg bereits isoliert. Er erinnert vorsorglich daran, daß er ihm, dem Kg., seine Angelegenheiten anheimgestellt und er ihm wiederum versichert hat, daß er keinen Krieg dulden werde. Bittet deshalb, dem Schwäbischen Bund jegliche Unterstützung für Hg. Albrecht zu verbieten. Diesem soll die Aufnahme von Kampfhandlungen untersagt werden. Außerdem soll er darüber informiert werden, daß der Kg. Wasserburg bis zum Abschluß des Verfahrens besetzen wird.

    Konstanz, 11. Mai 1507 (erichtag nach vocem jocunditatis).
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 49–49’ (Kop.).

    « Nr. 390 Supplikation Pfgf. Friedrichs an die Reichsstände »

    [1.] Erinnert daran, daß er die Vormundschaft für seine Neffen Ottheinrich und Philipp übernommen und den Streit um das niederbayerische Erbe der Entscheidung Kg. Maximilians anheimgestellt hat.1 Seinen Mündeln wurde in Köln ein Besitz mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. zugesprochen.2 Bis zur Gewährleistung dieser Summe durch die Gegenseite wurde ihm ein Unterpfand übergeben. Nachdem er mit beträchtlichen Kosten seine Bevollmächtigten zum baldigen Vollzug des kgl. Spruches abgeordnet hatte, mußte er feststellen, daß die Verordneten Hg. Albrechts die Ausweisung der Güter nicht nach dem üblichen Anschlag vornahmen, sondern zum Teil unsichere Einkünfte einkalkulierten und die Einkünfte teilweise höher bewerteten als nach der landesüblichen Berechnungsweise. Verschiedentlich wurden ihm auch bereits übergebene Güter bzw. deren Einkünfte wieder entzogen. Dies alles geschah ohne Wissen und Einwilligung des Kg. und ohne eine diesem allein zustehende Erläuterung seines Entscheids.
    [2.] Hg. Albrecht hingegen geht aufgrund der überhöhten Veranschlagung davon aus, daß die ihm, Pfgf. Friedrich, zugewiesenen Ländereien auch ohne das Unterpfand den jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. bereits übersteigen3, und fordert zum Ausgleich die Rückgabe eines Teils der Güter samt dem Unterpfand. Er wiederum verweigert dies zu Recht, da sich die Einkünfte aus den ihn übergebenen, zum Teil im Krieg niedergebrannten und verödeten Besitzungen auf kaum 12 000 fl. belaufen und er aus dem Unterpfand im vergangenen Jahr ungefähr 8000 fl. eingenommen hat. Um ein Versäumnis von seiner Seite jedoch auszuschließen, hat er vor kurzem dem röm. Kg. und dessen Räten sowie der Schwäbischen Bundesversammlung in Augsburg unter anderem angeboten, einen Teil der Güter einschließlich des Unterpfands abzutreten, falls die Gegenseite durch Unterlagen oder Aussagen von Amtleuten belegen kann, daß die Zuweisung an seine Mündel bereits übererfüllt wurde. Obwohl dies innerhalb von drei Tagen möglich gewesen wäre, lehnte Hg. Albrecht sein Angebot ab und traf statt dessen Vorbereitungen, um ihn ohne rechtliche Klärung der Streitfrage mit Hilfe des Schwäbischen Bundes anzugreifen. Er hat dem Hg. zu Šeinem Krieg im Reich, infolgedessen der röm. Kg. und die versammelten Reichsstände in den die christliche Kirche, das Hl. Reich und die deutsche Nation betreffenden Angelegenheiten behindert würden, keinen Grund gegeben. Vielmehr hat er den Streit abermals in die Entscheidung des Kg. gestellt, diesem das Unterpfand bis zu einer Einigung übergeben und sein in Augsburg gemachtes Angebot erneuert. Er hat jedoch auch gefordert, daß ein ggf. festgestelltes Defizit gegenüber der spruchgemäßen Zuweisung ausgeglichen werden müsse. An dieses Angebot will er hiermit erinnern.
    [3.] Er bittet in Namen seiner Mündel um eine Intervention beim Kg., damit dieser Hg. Albrecht von seinem geplanten Vorgehen abhält und sich mit seinem Angebot zufriedengibt, so daß die Angelegenheit hier in Konstanz friedlich beigelegt werden kann. Falls einer der Anwesenden Vorschläge zur Verhinderung dieses Krieges machen kann, bittet er, dies zu tun.4 

    In Konstanz am 14. Mai 1507 (freitag nach ascensionis Domini) nach einer Rede Pfgf. Friedrichs an die versammelten Reichsstände übergeben.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 239–243’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 27’-30 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = B.

    « Nr. 391 Mandat Kg. Maximilians an den Schwäbischen Bund »

    Gemäß einer Klausel des Kölner Spruches1 obliegt ihm die Entscheidung über strittige Punkte bei der Aufteilung des niederbayerischen Erbes. Er hat es demzufolge übernommen, die derzeitigen Streitigkeiten zwischen den Parteien zu regeln. Laut vorliegenden zuverlässigen Informationen treffen die Hgg. Albrecht und Wolfgang von Bayern Kriegsvorbereitungen. Der Schwäbische Bund hat seine Hilfe zugesagt und beschlossen, am 30. Mai (suntag trinitatis) seine Truppen zu versammeln, um das Unterpfand, das Pfgf. Friedrich gemäß dem Kölner Spruch innehat, zu besetzen.
    Dieses Vorgehen steht im Widerspruch zum kgl. Spruch, den beide Parteien akzeptiert haben. Ein Krieg im Reich würde die anstehenden Angelegenheiten von Kg., Reich und deutscher Nation gefährden. Es steht dem Bund auch nicht zu, ohne seine Zustimmung einen Krieg im Reich zu beginnen, um so weniger, als er diesen Streit auf dem RT beilegen will. Er ist nicht gewillt, einen Krieg im Reich oder eine Verletzung des kgl. Spruchs zu tolerieren. Befiehlt ihnen unter Androhung der kgl. Ungnade und schwerer Strafe, jegliche ŠUnterstützung Hg. Albrechts und Hg. Wolfgangs gegen Pfgf. Friedrich und seine Mündel bzw. zur Einnahme des Unterpfandes zu unterlassen. Truppen, die sich bereits im Anmarsch befinden, müssen unverzüglich zurückgezogen werden. Er hat beiden Parteien geboten, sich in dieser Angelegenheit ihm gegenüber gehorsam zu erzeigen.

    Konstanz, 15. Mai 1507. In der Bundesversammlung zu Überlingen am 16. Mai verlesen.2
    München, HStA, KÄA 3136, fol. 269 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. N. Ziegler) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 260’-262’ (koll. Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. N. Ziegler) = B.

    « Nr. 392 Mandat Kg. Maximilians an Hg. Albrecht und Hg. Wolfgang von Bayern »

    [Narratio wie Nr. 391 (Gemäß ... tolerieren)]. Befiehlt ihnen unter Androhung der kgl. Ungnade und schwerer Strafe, von ihrer Absicht zurückzustehen und jegliche Feindseligkeiten gegen Pfgf. Friedrich, seine Mündel und ihr Territorium zu unterlassen. Sollten sich Truppen bereits auf dem Anmarsch befinden, müssen diese zurückgezogen werden. Und euch von stund zu uns auf unsern gegenwurtigen Reichs tag gen Costenz in aignen personen fueget, uns daselbst neben andern unsern und des Reichs Kff., Ff. und stenden in des Reichs, deutscher nation und gemainer cristenhait obligenden sachen helfen zu handlen. Er wird dort beide Parteien anhören und die Streitigkeiten beilegen.

    Konstanz, 15. Mai 1507.
    München, HStA, Kurbay. Urk. 7089 (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. N. Ziegler) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 263–264’ (koll. Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie A) = B.
    Druck: Krenner , Landtagshandlungen XVI, S. 194–197.

    « Nr. 393 Mandat Kg. Maximilians an Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Wasserburg »

    [Narratio wie Nr. 391 (Gemäß ... tolerieren.)]. Er hat Hg. Albrecht und Hg. Wolfgang von Bayern sowie dem Schwäbischen Bund befohlen, ihr Vorhaben aufzugeben und jegliche Feindseligkeiten gegen Pfgf. Friedrich, seine Mündel und ihr Territorium zu unterlassen und ggf. ihre Truppen zurückzuziehen. Da Wasserburg Teil des Unterpfands ist, befiehlt er ihnen unter Androhung der kgl. Ungnade und schwerer Strafe, die beiden genannten Hgg. oder ihre Anhänger nicht in die Stadt einzulassen, sondern Pfgf. Friedrich als Vormund gehorsam zu sein, bis er eine Entscheidung über den Streit gefällt und ihnen diese mitgeteilt hat.

    Konstanz, 15. Mai 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 265–266’ (koll. Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. N. Ziegler).

    « ŠNr. 394  Vortrag Pfgf. Friedrichs vor Kg. Maximilian und den Reichsständen »

    [1.] Vortrag seiner wichtigsten Beschwerden über das Taxationsverfahren: [2.] abweichende Veranschlagung der ausgewiesenen Güter durch die Parteien, Zurückweisung des von Pfgf. Friedrichs angebotenen Beweisverfahrens, Vorbereitung Hg. Albrechts zur gewaltsamen Besetzung des Unterpfands; [3.] überhöhte Taxationsergebnisse der Gegenseite durch Verzicht auf die gemäß Kölner Spruch vorgeschriebene landesübliche Berechnungsweise; Darlegung der Konsequenzen anhand der [3.1.] Getreideerträge und [3.2.] Holznutzung; [3.3.] unbegründete Geltendmachung von Posten als jährliche Einkünfte durch die Gegenseite; [4.] Zurückweisung des Vorwurfes der Verfahrensverschleppung, Protest gegen das Taxationsverfahren, Bitte um Veranschlagung der ausgewiesenen Besitzungen auf landesüblicher Berechnungsgrundlage; [5.] Verletzung der Bestimmung des Kölner Spruches über die Verweisung Pfgf. Friedrichs ausschließlich auf Gebiete Hg. Georgs von Niederbayern nördlich der Donau; [6.] Übergabe von Gütern durch die Gegenseite ohne Einräumung der zugehörigen obrigkeitlichen Befugnisse.

    [Konstanz], wohl nach dem 15. Mai 1507.1 
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 187–195 (unvollständige Kop.).

    [1.] Pfgf. Friedrich2 als Vormund seiner Neffen hat den Kg. mehrmals mündlich und schriftlich um Anhörung seiner Beschwerden im Streit mit den Hgg. Albrecht und Wolfgang von Bayern gebeten. Diese Anhörung vor ihm und den versammelten Reichsständen wurde ihm zum heutigen Tag bewilligt. Um nicht zu Verärgerung Anlaß zu geben und andere Angelegenheit von Kg. und Reich nicht zu behindern, will Pfgf. Friedrich den Sachverhalt so knapp wie möglich und in Beschränkung auf die drei wesentlichen Punkte darstellen.
    [2.] 1. Hg. Albrecht behauptet gegenüber Kg. und Reichsständen und insbesondere gegenüber den Mitgliedern des Schwäbischen Bundes, daß der jährliche Ertragswert der von ihm ausgewiesenen und übergebenen Besitzungen die Pfgf. Friedrich gemäß Kölner Spruch zustehenden 24 000 fl. um 6000 fl. übersteigen würden, weshalb dieser gemäß kgl. Spruch verpflichtet sei, den Überschuß samt dem Unterpfand zurückzugeben. Pfgf. Friedrich bestreitet diese Angabe. Vielmehr beläuft sich der Jahresertrag der an ihn abgetretenen Ländereien gemäß dem landesüblichen Anschlag auf nicht einmal 12 000 fl.; aus dem Unterpfand kommen weitere 8000 fl. Es fehlen also noch 4000 fl. Angesichts dieser unvereinbaren Angaben der Parteien ist eine Klärung des Sachverhaltes unumgänglich. Hg. Albrecht hat sich indessen geweigert, seine Angaben zu beweisen. Pfgf. Friedrich dagegen hat angeboten, die Einkünfte aus den von ihm übernommenen Ämtern nicht anhand von eigenen Abrechnungen, sondern durch die ihm von Hg. Albrecht ausgehändigten Urbarbücher, Salbücher, Register und Kastenrechnungen und entsprechenden Unterlagen aus der Zeit Hg. Ludwigs und Hg. [Georgs] über einen Zeitraum von 30 Jahren zu belegen. Doch wollte Hg. Albrecht diese Beweisführung nicht zulassen und konnte auf dem zur ŠFastenzeit in Augsburg abgehaltenen Schwäbischen Bundestag erreichen, daß auch die kgl. Räte sein Angebot zurückwiesen. Obwohl Pfgf. Friedrich dafür nur zwei Tage Zeit beanspruchte, verweigerte ihm die Bundesversammlung die Beweisführung. Statt dessen wurde Hg. Albrecht eine Bundeshilfe für die Eroberung des Unterpfands bewilligt.3 Über die Rechtmäßigkeit dieses Vorgehens haben Kg. und Reichsstände zu befinden. Denn Pfgf. Friedrich hat das Unterpfand gemäß kgl. Spruch und mit Einwilligung der Gegenpartei bis zum Abschluß des Verfahrens inne. Er hat angeboten zu beweisen, daß die ihm als Vormund zugesprochene Summe noch nicht erreicht ist. Deshalb besteht keine rechtliche Grundlage, ihm das Unterpfand zu entziehen. Hg. Albrecht verfolgt jedoch seine Absicht zur gewaltsamen Rückeroberung mithilfe des Schwäbischen Bundes weiter, weshalb Pfgf. Friedrich genötigt ist, seine Beschwerde dem Kg. als oberstem Vormund und zuständigem Richter vorzutragen und um Hilfe zu ersuchen. Der Pfgf. bittet den Kg., gemeinsam mit den anwesenden Reichsständen die Beweisführung für die Richtigkeit seiner Angaben zum Ertrag der ihm übergebenen Ländereien zu gestatten.
    [3.] 2. Gemäß dem Kölner Spruch sind die 20 000 fl. aus Gebieten nördlich der Donau und die übrigen durch den röm. Kg. auszuweisenden 4000 fl. explizit nach gewonlichem anschlagen zu taxieren.4 Diese Bestimmung ist nicht nach Belieben interpretierbar, sondern besagt eindeutig: nach landleufigem, gewondlichen anschlag jeder gegend nutzung und gült. Die Klausel gilt ipso facto für alle Gebiete, in denen sie auch anwendbar ist, also für ganz Bayern und Schwaben. Eine Taxation nach einem anderen Modus verstößt somit eindeutig gegen den Kölner Spruch, die kgl. [Ennser] Deklaration [vom 18.1.1506] und alle sonstigen kgl. Regelungen und ist somit nichtig. Die Anwälte und Taxatoren Hg. Albrechts haben zu dessen Vorteil den Ertragswert vielfach in unüblicher Weise veranschlagt. Wie aus dem beiliegenden Verzeichnis5 hervorgeht, errechneten sie auf diese Weise gegenüber der üblichen Veranschlagung einen um über 10 000 fl. höheren Ertrag. Pfgf. Friedrich will dies am Beispiel einiger wichtiger Posten gegenüber Kg. und Reichsversammlung mündlich darlegen lassen6:
    [3.1.] Im Raum Neuburg wird bei Erbschaftsangelegenheiten, Kauf- und allen sonstigen Verträgen sowie in Rechtsstreitigkeiten ein Ingolstädter oder Neuburger Schaff Weizen mit 1 Ort und 2 fl. bewertet, ein Schaff Roggen mit 2 fl. und ein Schaff Hafer mit 1 fl. Daran haben sich die Anwälte und Taxatoren Pfgf. Friedrichs gehalten. Die Taxatoren Hg. Albrechts dagegen legten unter Mißachtung des Kölner Spruches ein frembden, unzimblichen, ubermessigen und vorteilischen anschlag des getraids [zugrunde], nemliche also, das das traide soll angeschlagen werden, was und wie es in XXV jarn bei prelaten und steten auf den casten ader dem markt jedes trayde golten hab oder verkauft sey worden. Es ist allgemein bekannt, daß das Getreide vor zwanzig Jahren teurer war als in den letzten drei bis vier Jahren. Jedes Schaff Getreide wurde dadurch zum Nachteil Pfgf. Friedrichs und Šseiner Neffen um die Hälfte höher veranschlagt. Die Differenz, für alle Ämter hochgerechnet, beläuft sich allein bei den jährlichen Getreidegülten auf 4000 fl.
    [3.2.] Die Anwälte und Taxatoren Hg. Albrechts haben den Wald flächenweise gemessen und einen Ertrag von 2 fl. je Morgen bei vollständiger Abholzung zugrundegelegt. Aufgrund dieser Berechnung veranschlagten sie die Wälder im Amt Weiden, das Hg. Albrecht zur Hälfte an Pfgf. Friedrich übergeben hat, auf einen Wert von 22 000 fl. und einen jährlichen Ertrag von 1100 fl. Aus den Rechnungsbüchern ist ersichtlich, daß die Holznutzung Hg. Georg aus seinem halben Anteil jährlich nie mehr als 90 bis 100 fl. einbrachte, was allein in diesem Amt eine Differenz von 1000 fl. zum Nachteil Pfgf. Friedrichs ausmacht. Ähnlich verhält es sich mit den übrigen Ämtern, so daß der Pfgf. und seine Mündel durch die inkorrekte Berechnung der Gegenseite um jährlich 5000 fl. übervorteilt würden. Damit verstößt die Gegenseite gegen den kgl. Spruch und dessen Regelung bezüglich des üblichen Anschlags. Dieser berücksichtigt beispielsweise die lange Produktionszeit von über hundert Jahren für Bauholz, während der kein jährlicher Ertrag abfällt. Bezüglich der Einkünfte aus dem Stangenholz dagegen sind die jährlichen Abrechnungen der Hgg. von Bayern maßgeblich. Die dafür erforderlichen Register will Pfgf. Friedrich für jedes Amt vorlegen.
    [3.3.] Die gegnerischen Anwälte und Taxatoren wollen außerdem jährliche Einkünfte anrechnen, die nach dem üblichen Anschlag nicht als solche gelten. So haben sie Jagdrechte für Vögel, Hasen und anderes Wild sowie Frondienste und Scharwerke im Zusammenhang mit der Jagd, Brennholz für den Haushalt, Bußtaxen, Strafgelder und Gerichtsgefälle – ohne die Kosten für Richter, Amtleute und Gericht abzuziehen –, Posten wie Hundelager7, Siegelgeld, Geleitgeld und Wegezoll – ohne den Unterhalt der Geleitsleute oder die Kosten für die Instandhaltung der Wege zu berücksichtigen –, und andere Scharwerke entgegen dem landesüblichen Gebrauch angerechnet. Die Schäferei zu Heideck, die keine 300 fl. einbringt, veranschlagten sie mit 1100 fl. 8 Die Weiher werden, verglichen mit den Angaben in den Registern, um die Hälfte überbewertet.9 
    [4.] Pfgf. Friedrich erhebt seine Beschwerden also zu Recht, er ist als Vormund und gegenüber dem röm. Kg. als oberstem Vormund dazu verpflichtet. Die zuvor und jetzt wieder vor dieser Versammlung von der Gegenseite erhobenen Vorwürfe – wobei die Schmähungen [Dietrichs von] Plieningen sicherlich ohne Wissen und Willen Hg. Albrechts erfolgten –, Pfgf. Friedrich habe den kgl. Spruch nicht vollzogen, können dagegen nicht bestehen. Vielmehr wurde bewiesen, daß die bayerischen Anwälte und Taxatoren gegen dessen Bestimmungen verstoßen und das Verfahren dadurch in die Länge gezogen haben. Die Abwehr ihres unzulässigen Vorgehens durch die Vertreter Pfgf. Friedrichs kostete viel Zeit. Die gegnerischen Anwälte haben durch die überhöhte Taxation entgegen dem üblichen Anschlag gegen den Kölner Spruch verstoßen, so auch der Obmann durch seine unbegründete Zustimmung zum bayerischen Standpunkt; damit hat er die ihm aufgetragene kgl. Kommission mißachtet. Alle Ergebnisse der Taxation, denen nicht das landesübliche Berechnungsverfahren zugrundliegt, sind infolgedessen null und nichtig. Pfgf. Friedrich hat sich nach Bekanntwerden der gegnerischen Vorgehensweise das Recht zum Einspruch Švorbehalten. Er bittet den Kg. – und bittet die Stände, in diesem Sinne beim Kg. zu intervenieren –, nach erfolgter Überprüfung der einschlägigen Unterlagen Hg. Albrecht dazu zu veranlassen, die 24 000 fl. entsprechend dem üblichen Anschlag auszuweisen.
    [5.] 3. Gemäß kgl. Spruch soll Pfgf. Friedrich auf zum georgianischen Erbe gehörige Gebiete nördlich der Donau verwiesen werden. [Text bricht ab].
    [6.] Hg. Albrecht hat etliche Orte ohne zugehörige obrigkeitliche Rechte übergeben oder solche Rechte nachträglich wieder eingezogen. [Text bricht ab].

    « Nr. 395 Supplikation Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Zurückweisung der gegnerischen Vorwürfe über die Verschleppung des Taxationsverfahrens; Gliederung der Supplikation; [2.] Ertragwert der an Pfgf. Friedrich gemäß Kölner Spruch übergebenen Besitzungen; [3.] Einbehaltung von Besitzungen Hg. Georgs im Oberland nördlich der Donau durch Hg. Albrecht von Bayern; [4.] überhöhte Taxationsergebnisse der Gegenseite beim Getreide durch Nichtanwendung der laut Kölner Spruch vorgeschriebenen landesüblichen Berechnungsweise; Unzulässigkeit der Entscheidung des Obmanns; Ungültigkeit des Taxationsverfahrens; [5.] überhöhte Taxationsergebnisse der Gegenseite bei der Holznutzung durch Nichtanwendung der laut Kölner Spruch vorgeschriebenen landesüblichen Berechnungsweise; Unzulässigkeit der Entscheidung des Obmanns; Ungültigkeit des Taxationsverfahrens; [6.] unbegründete Geltendmachung unsicherer Posten als jährliche Einkünfte durch die Gegenseite; Unzulässigkeit der Entscheidung des Obmanns; Ungültigkeit des Taxationsverfahrens; [7.] unvollständige Übergabe von Besitzungen oder erneute Aneignung von übergebenen Gütern durch die Gegenseite; [8.] Bitte um Abstellung der genannten Beschwerden Pfgf. Friedrichs gegen Hg. Albrecht, um Ausweisung der restlichen 4000 fl. jährlichen Einkommens durch Kg. Maximilian und um Weisung an Hg. Albrecht und den Schwäbischen Bund bezüglich des Unterpfands.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl zwischen dem 15. Mai und 3. Juni 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 266’-277’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs; Überschr.: Auf der röm. kgl. Mt. begern hat Hg. Friderich solch schriften seiner Mt. uberantworten lassen, lautend also.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 35–42, 34’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = B.

    [1.] Nach Aufforderung durch den Kg. übergibt er eine so knapp wie möglich gehaltene Klageschrift gegen Hg. Albrecht und bittet, mit den Kff. und Ff., auch den kgl. Hofräten und den Ständen des Reiches, die der Kg. hinzuziehen wird, darüber zu beraten. Die von Hg. Albrecht insbesondere durch Plieningen erhobenen Vorwürfe gegen ihn, er leiste dem kgl. Spruch und den Verträgen nicht Folge, weist er zurück. Vielmehr ist die Gegenseite daran schuld, daß der kgl. [Kölner] Spruch bislang nicht vollzogen werden konnte. Dies wird er im folgenden darlegen. Doch sollen seine Vorwürfe gegen Hg. Albrecht, dessen Anwälte und Taxatoren sowie gegen den kgl. Obmann [Bf. Georg von Trient] nicht als ehrenrührig angesehen werden. Seine Schrift umfaßt drei Hauptpunkte: 1. Hg. Albrecht Šhat ihm gegenüber den kgl. Spruch im wichtigsten Punkt bislang nicht umgesetzt. 2. Die Taxatoren und Anwälte Hg. Albrechts sowie der kgl. Obmann haben gegen den kgl. Spruch, die [Ennser] Deklaration, die ihnen erteilte Kommission und gegen die Schiedsverträge verstoßen. Infolgedessen sind alle ihre Handlungen nichtig. 3. Hg. Albrecht hat ihm unter Mißachtung des kgl. Spruches Unrecht zugefügt.
    [2.] 1. Laut kgl. Spruch soll ihm Hg. Albrecht Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von 20 000 fl. nach dem üblichen Anschlag übergeben; der Kg. wird weitere Güter im Wert von 4000 fl. ausweisen, die ihm ebenfalls übergeben werden sollen. Bezüglich der Gesamtsumme von 24 000 fl. wurde er bis zum heutigen Tag nicht zufriedengestellt. Hg. Albrecht behauptet, ihm – das Unterpfand nicht eingerechnet – Besitzungen im Wert von 30 000 fl. übergeben zu haben, was jedoch nicht zutrifft. Dennoch hat er, Pfgf. Friedrich, in Augsburg vor den kgl. Räten und den Schwäbischen Bundesständen angeboten, innerhalb von zwei Tagen anhand der ihm von Hg. Albrecht ausgehändigten Sal- und Rechnungsbücher zu beweisen, daß die 24 000 fl. bei weitem noch nicht erreicht sind. Dies hat Hg. Albrecht jedoch unter Ausflüchten abgelehnt. Der Kg. kann selbst ermessen, warum. Er hat gleichwohl einen kurzen Auszug (Beilage A)1 anfertigen lassen, der beweist, daß die ihm übergebenen Güter zu Zeiten Hg. Georgs und Hg. Albrechts vor dem [Landshuter Erbfolge-]Krieg nicht mehr als 16 974 fl., 19 d., 1 h. einbrachten. Infolge von Kriegsschäden betrugen die Einkünfte im vergangenen Jahr nur noch 12 668 fl., 6 ß, 8 d. Zusammen mit den Erträgen aus dem Unterpfand in Höhe von ca. 8000 fl. beläuft sich die Gesamtsumme auf 20 668 fl., 6 ß, 8 d. Es fehlen also noch etwa 3500 fl. Dabei sind die unsicheren Einkünfte und andere Posten, die üblicherweise nicht berücksichtigt werden, sogar bereits eingerechnet. Bietet an, die den Berechnungen zugrundeliegenden Salbücher und Rechnungsregister vorzulegen.
    [3.] Hg. Albrecht hat auch die Bestimmung des Spruches nicht erfüllt, wonach er die Güter im Wert von 20 000 fl. aus den Besitzungen Hg. Georgs im Oberland nördlich der Donau – ausgenommen Ingolstadt – ausweisen soll. Der Hg. hat ihm jedoch aus dem Georgianischen Erbe Wemding, Kösching, Gerolfing, Gaimersheim, Etting (Oting) und Stammham bis dato vorenthalten.2 
    [4.] 2. Die bisherigen Ergebnisse der Taxation und die Entscheidungen des Obmannes sind null und nichtig: Gemäß dem Kölner Spruch ist die Taxation der Güter explizit nach Šgewonlichem anschlag vorzunehmen. Diese Bestimmung ist nicht von den Parteien nach ihrem Gutdünken interpretierbar, sondern besagt eindeutig: wie die gemain gewonhait und landßgebrauch ist an den enden, da die flecken ligen. Die gegnerischen Anwälte und Taxatoren haben jedoch den Ertragswert anders als in Bayern und Schwaben üblich und dazu überhöht veranschlagt. Seine Vertreter konnten dem nicht zustimmen und wollten die Entscheidung dem Kg. überlassen. Als der kgl. Obmann nach Augsburg kam, trugen sie diesem die Streitigkeiten vor: Bezüglich der Getreidegülten wollten die Taxatoren Hg. Albrechts ainen anschlag machen, wie das getraid von den prelaten und stetten von funfundzwainzig jaren here ab den casten und ab dem markt verkauft ist. So haben mein taxatores den anschlag gemacht, wie der gewonlich anschlag im land zu Bairen und Schwaben, da mein flecken ligen, ist. Sie erstatteten dem Kg. darüber Bericht, der den Kommissar beauftragte, in Erfahrung zu bringen, welches Verfahren bei der Feststellung des jährlichen Ertragswert in Bayern und in den zu taxierenden Orten üblich ist (Beilage B)3. Die pfgfl. Taxatoren und Anwälte machten auch geltend, daß gemäß kgl. Spruch bei Streitigkeiten darüber dem Kg. dessen Auslegung obliege (Beilage C)4 Sie baten den Kommissar außerdem, zu klären, wie in Bayern und Schwaben die Getreidegült bei Rechtsgeschäften üblicherweise veranschlagt wird, und boten ihm an, rechtskräftige Zeugnisse darüber vorzulegen. Der Kommissar entschied jedoch, daß die Getreidegülten nach dem Verfahren der Taxatoren Hg. Albrechts veranschlagt werden sollten (Beilage D)5. Aufgrund dieser Deklaration berechneten die Taxatoren der Gegenpartei die Getreidegülten doppelt so hoch wie üblich. Bekanntlich wird in Bayern ein Schaff Weizen Ingolstädter Maß mit 2 fl., 60 d. bewertet, die bayerischen Taxatoren gingen jedoch von 4 fl., 22 d. aus. Ein Schaff Korn wird gewöhnlich mit 2 fl., von den Taxatoren der Gegenseite jedoch mit 3 fl., 66½ d. veranschlagt. Ein Schaff Dinkel bringt 1 fl. ein, während die bayerischen Taxatoren 1 fl., 5 ß, 20 d. zugrundelegen (Beilage E)6. Die Gegenpartei veranschlagt das Getreide gegenüber seinem realen Wert um das Doppelte zu hoch. Der ihm und seinen Mündeln daraus entstehende Verlust würde jährlich an die 3000 fl. betragen. Doch ist die Taxation als gegen den kgl. Spruch, die [Ennser] Deklaration und die Verträge verstoßend, aber auch wegen der unzulässigen Entscheidung des Obmanns und seines Verstoßes gegen die kgl. Kommission ungültig.
    [5.] Auch über die Holzmessung kam es zum Streit. Die Anwälte und Taxatoren Hg. Albrechts schlugen vor, man soll die holzer außmessen mit der ruten nach dem morgen, während seine Vertreter eine Veranschlagung aufgrund der Register Hg. Georgs und Hg. Albrechts über die jährlichen Erträge forderten. Der Obmann traf erneut in unzulässiger Weise eine Entscheidung. Darauf Hg. Albrechts anweld die mainung furgenommen, das holz zu achten, wie man es verkaufen mocht, so man es vom stammen gar abhauen sollt, und ain summa darauß gemacht, und mir allweg fur zwainzig fl. ain ewigen fl. Šangeschlagen. Aufgrund dieser Berechnung veranschlagten sie die Wälder im Amt Weiden mit 22 000 fl. und den jährlichen Ertrag daraus auf 1100 fl. Dieses Amt gehört indessen nur zur Hälfte ihm. Das ganze Amt ist für nur 17 166 fl. ein Pfand der böhmischen Krone.7 Aus den Rechnungsbüchern ist zu ersehen, daß die Holznutzung Hg. Georg jährlich nie mehr als 100–110 fl. einbrachte. Im Amt Neuburg berechneten die bayerischen Taxatoren den Wert der Wälder auf 10 500 fl. und entsprechend den jährlichen Ertrag auf 525 fl., während Hg. Georg seinerzeit tatsächlich nie mehr als 20 lb d. einnehmen konnte. Zudem waren die Wälder in den beiden Ämtern früher in einem besseren Zustand als heutzutage. In anderen Ämtern wurden die Wälder ähnlich überhöht veranschlagt (Beilage F)8. Die Differenz gegenüber dem realen Ertrag beläuft sich zu seinem Nachteil auf jährlich 5000 fl. Überdies würde es ihm an Bauholz fehlen, das erst in 200 Jahren nachwächst, und er müßte auf den Wildbann ganz verzichten. Aus den genannten Gründen sind die Taxationsergebnisse und die Entscheidung des Obmannes ungültig.
    [6.] Die bayerischen Taxatoren wollten außerdem Scharwerke miteinberechnen, die zu Zeiten Hg. Georgs dem gemeinen Mann auferlegt wurden. Diesen Posten wollte er jedoch nur akzeptieren, insoweit das Scharwerk üblicherweise durch Geldzahlungen abgelöst wird. Auch Leistungen wie das Schlagen und den Transport von Holz, die Lieferung von Wildbret und dergleichen wollten sie ihm unrichtigerweise als Ewiggülte anrechnen. Eine im Amt Reichertshofen gelegene Taverne, die einen jährlichen Erbzins von 6 fl. abwirft, wollte die Gegenseite als neue Gülte mit 142 fl., 4 ß, 5 d. veranschlagen. Da der Pfleger jedoch mit Gewinn und Verlust an den Getränken beteiligt ist, schwankt der jährliche Ertrag. Ebenso wurden Küchendienste wie die Lieferung von Lämmern, Hühnern, Eiern, Hanf und Erbsen höher, als üblich ist und die Rechnungsbücher ausweisen, veranschlagt. Einen Hof mit Schäferei zu Heideck mit einem Wert von 100 fl. bewerteten die bayerischen Taxatoren mit über 1000 fl. Darüber hinaus wollten sie weitere unsichere und schwankende Einkommen (Vogeljagd, Siegelgelder, Verspruchgelder9, Handlöhne10, Hauptrechte11, Geleitgelder, Gerichtswändel12 und Viztumswändel13) als Ewiggülte einstufen und ignorierten beispielsweise die Kosten für den Unterhalt der Gerichte. Der Obmann stimmte der Taxierung dieser Šunsicheren Einkünfte in fast allen Fällen zu. Damit wurde erneut gegen den kgl. Spruch verstoßen und die Taxation ist demzufolge nichtig. Er weist hiermit die Anschuldigungen Hg. Albrechts, insofern diese auf der Taxation und den unrechtmäßigen Entscheidungen des Obmannes gründen, zurück.
    [7.] 3. Laut kgl. Spruch hat Hg. Albrecht ihm alle Güter mit sämtlichen zugehörigen Rechten und Besitzungen zu übergeben, vorbehaltlich der bereits vor dem Spruch erfolgten Verschreibungen der Hgg. Albrecht und Wolfgang an Dritte. Dagegen hat Hg. Albrecht sich bei der Übergabe etliche Güter vorbehalten und einige nach erfolgter Übergabe gewaltsam wieder an sich gebracht (Beilage G)14. Hg. Albrecht hat außerdem den Schwäbischen Bund veranlaßt, ihm bei der gewaltsamen Einnahme des laut Kölner Spruch ihm, Pfgf. Friedrich, übergebenen Unterpfands zu helfen.
    [8.] Aus seiner Darlegung geht eindeutig hervor, bei wem die Schuld für den Nichtvollzug des kgl. Spruches zu suchen ist und daß er sich zu Recht über Hg. Albrecht beklagt. Bittet, diesen dazu zu veranlassen, ihm weitere Güter zu übergeben, damit die Summe von 20 000 fl. nach dem üblichen Anschlag erfüllt wird, die wieder eingezogenen Güter zurückzugeben und die Übergabe dessen, was ihm gemäß kgl. Spruch zusteht, mit allen Zugehörungen vorzunehmen. Bittet außerdem den Kg., die restlichen 4000 fl. gemäß dem kgl. Spruch an gelegen enden auszuweisen. Außerdem soll Weisung an Hg. Albrecht und den Schwäbischen Bund ergehen, ihn bis zum Abschluß des Verfahrens im ungestörten Besitz des Unterpfands zu belassen.

    « Nr. 396 Supplikation Pfgf. Friedrichs an die deputierten Ff. (Ebf. Ernst von Magdeburg, Bf. Lorenz von Würzburg, Bf. Georg von Bamberg, Bf. Gabriel von Eichstätt, Bf. Hugo von Konstanz und Hg. Georg von Sachsen) »

    Er hat seine Beschwerden gegen Hg. Albrecht zuerst dem Kg. und dann ihnen schriftlich mitgeteilt. Doch widerfuhr ihm inzwischen weiteres Unrecht. Hg. Albrecht hat sich nicht damit begnügt, ihn unter Mißachtung des Kölner Spruches durch überhöhte Veranschlagung des Getreides und der Wälder sowie durch Einberechnung der Scharwerke und unsicherer Einkünfte um mehr als 10 000 fl. zu übervorteilen oder ihm zu seinem Nachteil die nördlich der Donau gelegenen Orte Wemding, Kösching, Gaimersheim, Gerolfing, Stammham und Etting (Otting) vorzuenthalten, die wirtschaftlich wertvoller sind als die von Hg. Albrecht abgetretenen Gebiete des Nordgaus. Ferner hat sich der Hg. auch nicht damit zufriedengegeben, ihm unter Mißachtung des Kölner Spruches die obrigkeitlichen Rechte in etlichen abgetretenen Gebieten zu verwehren oder ihm obrigkeitliche Rechte und Einkommen aus bereits übergebenen Gebieten gewaltsam wieder zu entziehen – wie er dies alles bereits zuvor angezeigt hat. Hg. Albrecht hat darüber hinaus hinter seinem Rücken beim Kg. in Salzburg eine Ausweisung der 4000 fl. zu seinem Vorteil erlangt.1 Denn diese umfaßt größtenteils in Šeiner rauhen Gegend im vorderen Bayerischen Wald nahe der böhmischen Grenze gelegene Orte, die mehr Kosten verursachen als Einkünfte erbringen. Überdies soll Hg. Albrecht die freie Wahl haben, welche dieser Orte er ggf. abtreten will. Er bittet, diese und seine übrigen Beschwerden zu berücksichtigen und den Kg. dazu zu bewegen, daß er diesen üblen Absichten entgegentritt und der kgl. [Kölner] Spruch vollzogen wird.

    [Konstanz], s.d., jedoch nach dem 4. Juni 1507.2
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 308’-310’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs).

    « Nr. 397 Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians 1  an Pfgf. Friedrich »

    Pfgf. Friedrich bezieht [laut Angabe Hg. Albrechts von Bayern] aus den ihn zugewiesenen 33 Gütern einen um etliche 1000 fl. höheren Ertrag als die ihm zugesprochenen 24 000 fl. Zusammen mit dem auf 10 000 fl. zu veranschlagenden Unterpfand beläuft sich das derzeitige jährliche Einkommen sogar auf 40 000 fl.

    Soll Hg. Friderich als vormund der kgl. Mt. anzaigen, ob er leiden wolle, das die geschehen taxierung mit des obmanns zufall beleib und die stuck, so nit taxiert sein, noch taxiert werden und in dem allem der willkurt obmann sein zufall tue laut des spruchs zu Cöln und der vertreg, nachmals darauß gevolgt, und das Hg. Friderich des underpfands itz Hg. Albrechten abtrete. So soll Hg. Albrecht ander schloß und stett enhalb der Thonau biß ungeverlich IIIIM fl. nutz und gelts in des obmanns hand stellen. Was sich dann durch dieselb tax erfindet, das im an den dreiunddreissig stucken abgeet, soll ime erstatt oder, ob er zuvil inhett, abgezogen werden.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl vor dem 11. Juni 1507.2
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 299’-300 (Kop.).

    « Nr. 398 Antwort Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    Er bestreitet nach wie vor, daß sich der jährliche Ertrag der ihm übereigneten Güter zusammen mit dem Unterpfand auf 40 000 fl. belaufen soll. Er bietet erneut an, seine Angaben zu beweisen, was ihm bislang nicht gestattet wurde.
    Was den Vorschlag angeht, die bisherigen Taxationsergebnisse zu akzeptieren und lediglich die noch untaxierten Güter veranschlagen zu lassen, so hat er schon zuvor auf die ŠUngültigkeit der Taxation hingewiesen. Falls das von ihm übergebene Schriftstück [Nr. 395] noch nicht angehört wurde, bittet er, dies nachzuholen oder ihn zum mündlichen Vortrag zuzulassen, zumal Hg. Albrecht schon mehrere Male vor dem Kg., den kgl. Räten und den Reichsständen angehört wurde.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl vor dem 11. Juni 1507.1
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 300–301 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 25 (Kop.) = B.

    « Nr. 399 Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians an Pfgf. Friedrich »

    [1.] Pfgf. Friedrich hat vorgebracht, daß die Taxierung nicht, wie im kgl. [Kölner] Spruch vorgesehen, nach dem üblichen Anschlag erfolgte und deshalb das ihm als Vormund bzw. seinen Mündeln zugesprochene jährliche Einkommen deutlich unterschritten wird. Man hat daraufhin im kgl. Rat erwogen, dem bisherigen Obmann, Bf. Georg von Trient, jeweils einen durch die beiden Parteien zu benennenden Schiedsrichter aus dem Fürstenstand oder aus dem Kreis der adligen kgl. Hofräte beizuordnen. In deren Anwesenheit sollen die sechs Taxatoren alle Güter erneut besichtigen und nach dem üblichen Anschlag taxieren. Einhellige Berechnungen sind von beiden Seiten ohne weiteres zu akzeptieren. Wo die Taxatoren der beiden Parteien erneut zu abweichenden Ergebnissen gelangen, sollen die drei kgl. Obmänner, die nach eigener Besichtigung entweder einer Partei zustimmen oder einen Kompromiß ausarbeiten, den Ausschlag geben. Ihre Entscheidung haben beide Parteien anzunehmen.
    [2.] Pfgf. Friedrich soll das Unterpfand wieder an Hg. Albrecht abtreten. Im Gegenzug soll Hg. Albrecht nördlich der Donau gelegene Schlösser und Städte aus dem georgianischen Erbe oder ggf. aus seinen eigenen Besitzungen im Wert von 5000–6000 fl. jährlichen Ertrags an die drei Obleute übergeben. Falls bei der neuen Taxation festgestellt wird, daß das Pfgf. Friedrich zugesprochene Einkommen durch die 33 Güter noch nicht gewährleistet ist, soll die Differenz aus diesen Besitzungen ausgeglichen werden; falls diese nicht ausreichen sollten, werden weitere nördlich der Donau gelegene Besitzungen dazugeschlagen. Falls die Taxation zu einem höheren Ergebnis als 24 000 fl. gelangt, sollen die drei Obleute Güter im entsprechenden Wert an Hg. Albrecht übergeben.
    [3.] Pfgf. Friedrich behauptet, daß der Nordgau nach den kriegsbedingten Verwüstungen ein unfruchtbares Land bleiben wird, während Hg. Albrecht entgegenhält, daß das Land bei guter Bewirtschaftung nach kurzer Zeit wieder ertragreich sein wird. Beide Parteien sollen deshalb hinsichtlich der verwüsteten Güter einer Anrechnung nur der Hälfte des durchschnittlichen Ertrags zustimmen; bei der neuen Taxation dieser Güter ist entsprechend zu verfahren. Dabei soll es dann auch unbefristet bleiben, wobei jede Partei gleichermaßen für sich das Risiko einer Benachteiligung trägt.
    [4.] Falls bezüglich dieses neuen Schiedsvertrages erneut Streitigkeiten zwischen den Parteien ausbrechen, soll der Kg. gemäß Kölner Spruch darüber entscheiden.

    Š[Konstanz], s.d., jedoch 11. Juni 1507 (freitag vor Viti).1
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 301–303 (Kop.).

    « Nr. 400 Antwort Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Vorschlag Kg. Maximilians zur Erweiterung der bestehenden Taxationskommission um zwei Schiedsleute und zur erneuten Besichtigung und Taxierung der an Pfgf. Friedrich zu übergebenden Besitzungen; Gegenvorschlag zur Bildung einer neuen Taxationskommission; [2.] Vorschlag zur Abtretung des Unterpfands und zur Sequestrierung anderer Besitzungen Hg. Albrechts von Bayern zu Händen der kgl. Obleute; [3.] Taxierung der im Landshuter Erbfolgekrieg verwüsteten Landstriche; [4.] Erneuerung der Forderung nach Übergabe der Güter mit allem Zubehör und insbesondere den obrigkeitlichen Rechten.

    [Konstanz], s.d., jedoch 11. Juni 1507 (freitag vor Viti).
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 303–307 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrich).

    [1.] Er kann den Bf. von Trient keinesfalls weiterhin als Obmann akzeptieren, da dieser auf seinen früheren Entscheidungen zugunsten der Gegenpartei beharren wird. Abgesehen davon sieht er sich außerstande, den Unterhalt für den Bf. und die beiden anderen Schiedsrichter zu bestreiten. Ebenso werden die sechs Taxatoren auf ihrer Meinung beharren. Darüber wird erneut Streit ausbrechen, so daß nur die Kosten weiter anwachsen und das Verfahren in die Länge gezogen wird.
    Die vorgeschlagene erneute Besichtigung und Taxierung aller Güter nach gewonlichem anschlag verstößt offensichtlich gegen den kgl. [Kölner] Spruch und die [Ennser] Deklaration und ist auch für ihn selbst nicht akzeptabel. Die Wälder, Städte und Schlösser würden nur wieder nach der bisherigen Methode veranschlagt, was mit dem kgl. Spruch nicht vereinbar ist. Denn dieser besagt, daß 24 000 fl. Ertrag nach landesüblicher Berechnungsweise auf Schlösser, Städte und Flecken verwiesen werden1, nicht jedoch, daß die Güter geschätzt oder nach ihrem Wert angeschlagen werden sollen.
    Er wäre jedoch einverstanden, wenn der Kg., wie schon erbeten, die bisherigen Ergebnisse der Taxation und die Entscheidungen des Obmannes kassiert, beide Parteien jeweils einen Schiedsrichter aus dem Kreis der Fürsten bzw. ihrer Gesandten oder der adligen kgl. Hofräte auswählen und der Kg. mit seinem Vorwissen einen weiteren Obmann, nicht jedoch den Bf. von Trient, bestimmt. Diese drei sollen als Taxatoren den Auftrag erhalten, das Getreide nicht in der Weise wie zuvor die Bevollmächtigten Hg. Albrechts, sondern nach dem landesüblichen Verfahren wie im Handel, bei Erbschaftsangelegenheiten oder bei anderen Rechtsgeschäften gebräuchlich zu veranschlagen. Die Wälder sollen aufgrund der vorliegenden Rechnungsregister und Kastenrechnungen der Hgg. von Bayern und nicht höher taxiert werden. Im übrigen sind unregelmäßige bzw. unsichere Einkünfte wie im Lande üblich auch als solche zu behandeln und nicht neue Gülten zu erfinden.
    Š[2.] Was die vorgeschlagene Abtretung des Unterpfands durch ihn und die Übergabe weiterer Gebiete nördlich der Donau im Wert von 5000–6000 fl. durch Hg. Albrecht an die Obleute anbelangt: Laut kgl. Spruch sollen die 24 000 fl. auf zum georgianischen Erbe gehörige Gebiete nördlich der Donau und, falls diese nicht ausreichen sollten, auch auf transdanubische Besitzungen Hg. Albrechts verwiesen werden.2 Sollten nördlich der Donau gelegene Besitzungen Hg. Georgs wie Wemding, Kösching, Gerolfing, Gaimersheim, Stammham und Etting (Oting), die ihm laut kgl. Spruch als Teil des georgianischen Erbes im Oberland vor anderen Gütern aus dem Besitz Hg. Albrechts zustehen, in die Summe der 5000–6000 fl. einbezogen werden, so würden sie als Pfandschaft und nicht als Eigengut angesehen und er müßte überdies bis zum Abschluß des Verfahrens darauf verzichten. Dies wäre zu seinem Nachteil und verstieße gegen den kgl. Spruch. Denn Hg. Albrecht hat nördlich der Donau mit Ausnahme Ingolstadts keine anderen Besitzungen aus dem georgianischen Erbe als die genannten Orte.
    Ebenso ist es für ihn nachteilig, daß dieses Unterpfand bis zum Abschluß des Verfahrens in die Hände Dritter übergehen soll und nicht an ihn. Überdies würde der Wert nur bis zu 6000 fl. betragen, während das jetzige Unterpfand mit Wasserburg und anderen Orten jährlich ca. 8000 fl. einbringt und er dennoch gegenüber der im kgl. Spruch genannten Summe immer noch ein Defizit von 3000 fl. verbuchen muß. Außerdem bewilligte ihm der kgl. Spruch den Besitz des Unterpfands bis zum Abschluß des Verfahrens.3 
    Falls Hg. Albrecht ihm jedoch weitere nicht zum georgianischen Erbe gehörige Gebiete nördlich der Donau mit einem laut Rechnungsregister jährlichen Ertragswert von 8000 fl. übergibt, so wird er – obwohl er dazu nicht verpflichtet ist – im Gegenzug das jetzige Unterpfand abtreten.
    [3.] Die kriegsbedingten Verwüstungen erstrecken sich nicht nur auf den Nordgau, sondern betreffen auch die Ämter Heideck, Hilpoltstein, Allersberg, Neuburg und Graisbach. Letztere beide Ämter liegen in einer fruchtbaren Gegend und werden sich mit der Zeit wieder erholen, die übrigen Ämter jedoch auch in vielen Jahren und trotz aller Maßnahmen nicht. Er fordert, in allen diesen Ämtern lediglich die Hälfte des in den Rechnungsregistern ausgewiesenen Jahreseinkommens zu Zeiten Hg. Georgs und Hg. Albrechts zu veranschlagen.
    [4.] Erneuert seine Forderung nach Einsetzung in die von Hg. Albrecht bisher vorenthaltenen oder wieder eingezogenen obrigkeitlichen und sonstigen Rechte an den übergebenen Gebieten gemäß kgl. Spruch.4 

    « Nr. 401 Auszug aus einem Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians »

    A. Der Bf. von Trient fungiert beim Taxationsverfahren weiterhin als einer von künftig drei Obleuten.
    B. Pfgf. Friedrich als Vormund muß nur für den Unterhalt des von ihm bestellten Obmanns aufkommen.
    C. Beide Parteien sollen neue Taxatoren einsetzen.
    ŠD. Es sollen, wie von Pfgf. Friedrich gefordert, nur Einkünfte nach dem landesüblichen Anschlag berücksichtigt werden.
    E. Ist eben mit dem von Trient verantwort.
    F. Alle Posten sollen nach dem landesüblichen Anschlag taxiert werden.
    G. Das Unterpfand ist an die drei Obleute zu übergeben.
    Bezüglich der mit + bezeichneten [hier fehlenden] Artikel bleibt es beim letzten Vorschlag.
    H. Die Veranschlagung niedergebrannter Güter auf den halben Ertragswert soll sich nicht auf den Nordgau beschränken, sondern auf alle betroffenen Gebiete.
    K. Vorschlag: Der röm. Kg. überstellt das Unterpfand für ein halbes Jahr oder – wenn dies bei Hg. Albrecht zu erreichen ist – länger an einen Treuhänder. Hg. Albrecht verpflichtet sich, das Unterpfand an Pfgf. Friedrich zu übergeben, wenn die Taxation innerhalb dieses Zeitraums nicht abgeschlossen ist. Zugleich soll er Deggendorf, Donaustauf und andere Besitzungen an die Obleute übergeben. Wenn bei der Taxation festgestellt wird, daß die bisher abgetretenen 33 Güter zur Deckung der 24 000 fl. nicht ausreichen, soll das Defizit aus diesen Besitzungen ausgeglichen werden.

    Wo der mitl kains gefunden mag werden, so muß kgl. Mt. der billichait nach, nachdem es auch kgl. Mt. Hg. Albrechten zugesagt hat, das die tax fur sich gee, wie sie angefangen ist, und weß sich beed Ff. wilkurlich fur den Pund geben haben, dabei pleiben lassen des underpfands halben.

    [Konstanz], s.d., jedoch am 13. Juni 1507 an Pfgf. Friedrich übergeben.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 307’-308’ (Kop.).

    « Nr. 402 Stellungnahme Pfgf. Friedrichs zum Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians 1  »

    [1.] Vorschläge Kg. Maximilians zur Einsetzung einer neuen Taxationskommission, zur Berechnungsgrundlage für das Taxationsverfahren und zur Sequestrierung des Unterpfands; [2.] Erneuerung der Forderung nach Übergabe der Güter mit allem Zubehör, insbesondere den obrigkeitlichen Rechten; [3.] Ablehnung des kgl. Vermittlungsvorschlags bzgl. des Unterpfands, Angebot zur Überstellung des Unterpfands an Kg. Maximilian bzw. an diesen und die in Konstanz versammelten Reichsfürsten gemeinsam.

    s.l., s.d., jedoch Konstanz, 13. Juni 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 32–34 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs).

    [1.] Antwortet auf die ihm am heutigen 13. Juni (sontag vor Viti) übergebenen kgl. Artikel: Bezüglich der Artikel 2 und 3 bzw. B und C2 bleibt er bei seiner bisherigen Position, den Obmann und neue Taxatoren nicht akzeptieren zu können. Zu den Artikeln 4 und 6 bzw. D und F gibt er seine Einwilligung, wenn die Bestimmung: mit gewonlichem anschlag, Šausdrücklich so definiert wird, wie er dies in seiner letzten Erklärung getan hat.3 Sollte es dagegen bei einer allgemeinen Redewendung bleiben und diese weiterhin im Sinne Hg. Albrechts und seiner Taxatoren ausgelegt werden, wird es erneut Streit geben. Bezüglich Art. 7 bzw. G hat er bereits dargelegt, daß er ohne das Unterpfand lediglich Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von nicht über 13 000 fl. innehabe [Nr. 395, Pkt. 2] und er gemäß kgl. [Kölner] Spruch, kgl. [Ennser] Deklaration und den Schiedsverträgen nicht verpflichtet sei, das Unterpfand vor Abschluß des Verfahrens zurückzugeben. Sollte er das Unterpfand vorzeitig zurückgeben müssen, würde dies gegen den kgl. Spruch verstoßen und seinen Interessen schaden. Zum 8. und folgenden, jeweils mit einem + bezeichneten Artikel hat er bereits erklärt, daß diese ebenfalls gegen den kgl. Spruch verstießen und Hg. Albrecht ihm demgemäß zustehende, zum georgianischen Erbe gehörende Orte nördlich der Donau im Oberland noch nicht übergeben habe [Nrr. 395, Pkt. 3; 400, Pkt. 2]. Diesen Aspekt will er samt seinem Angebot noch einmal angesprochen haben. Mit dem in Art. 9 bzw. H gemachten Vorschlag bzgl. der im Krieg verwüsteten Besitzungen erklärt er sich einverstanden. Doch sind auch diese nach dem landesüblichen Anschlag zu taxieren, wie er bereits in seiner letzten Erklärung gefordert hat [Nr. 400, Pkt. 3].
    [2.] Er hat bereits beklagt, daß Hg. Albrecht Güter ohne die zugehörigen obrigkeitlichen und andere Rechte und Einkünfte übergeben oder ihm solche nach bereits erfolgter Übergabe gewaltsam wieder entzogen habe [Nr. 400, Pkt. 4]. Da der Kg. darauf nicht geantwortet hat, bittet er erneut, beim Hg. diesbezüglich zu intervenieren.
    [3.] Der Kg. ließ ihm neben den Artikeln auf einem eigenen Zettel einen Vorschlag [Nr. 401, Pkt. K] bezüglich des Unterpfands übermitteln. Er hat bereits dargelegt, daß eine solche Regelung unannehmbar sei [Nr. 400, Pkt. 2]. Er würde sonst gegen den Kölner Spruch verstoßen; dies kann nicht die Absicht des Kg. sein.
    Am Schluß des besagten Zettels heißt es: Falls der Vorschlag abgelehnt wird, wird das Taxationsverfahren wie bisher fortgesetzt, wie dies der Kg. auch Hg. Albrecht zugesagt hat. Ebenso bleibt es bei den Ergebnissen der vor der Schwäbischen Bundesversammlung [in Augsburg] geführten Schiedsverhandlungen bezüglich des Unterpfands. – Er erwartet hingegen, daß der Kg. es beim Kölner Spruch belassen wird, wonach Hg. Albrecht ihm Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. nach dem üblichen Anschlag zu übergeben hat. Er hat dem Kg. bereits ausführlich dargelegt, daß er vor den Bundesständen bezüglich des Unterpfands keine Zugeständnisse gemacht hat. Führt die vom Bund vermittelte Abrede4 als Beweis an und erklärt sich bereit, auf Wunsch eine Abschrift davon vorzulegen. Er hat auch dargelegt, wie es zu dieser Vereinbarung kam5, die ganz im Einklang mit dem kgl. [Kölner] Spruch steht. Er hat bereits die Übergabe des Unterpfands an den Kg. angeboten, der dann beide Parteien anhören und nach Maßgabe des Kölner Spruches entscheiden soll. Dieses Angebot erneuert er hiermit. Falls der Kg. dies ablehnt, bietet er alternativ an, das Unterpfand gemeinsam an den Kg. und die in Konstanz versammelten Kff. und Ff. zu übergeben und deren Entscheid zu akzeptieren.

    « ŠNr. 403  Stellungnahme Pfgf. Friedrichs zum Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians »

    [1.] Ablehnung Bf. Georgs von Trient als Obmann; [2.] Ablehnung der Ernennung neuer Taxatoren, Gegenvorschlag für die Wiederaufnahme des Taxationsverfahrens; [3.] Ablehnung des Vorschlags zur Rückgabe des Unterpfands an Hg. Albrecht von Bayern; [4.] unzutreffende Behauptung Hg. Albrechts über den Wert der übergebenen Orte; [5.] Ablehnung des kgl. Vorschlags zur Rückgabe des Unterpfands; [6.] Festhalten Pfgf. Friedrichs am Kölner Spruch; Rechtfertigung des Schiedsverfahrens vor dem Schwäbischen Bund; Vorschlag zur Beendigung des Streits.

    [Konstanz], s.d., jedoch 14. Juni 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 312’-317’ (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrichs) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 25–27’ (unvollständige Kop., erster Absatz, die Punkte 4 und 5 sowie die erste Hälfte von Punkt 6 [Am Schluß ... Spruch steht.] fehlen) = B.

    [1.] Antwortet auf die ihm am Vortag, dem 13. Juni (sontag vor Viti), übergebenen kgl. Artikel [Nr. 401]: Er hat bereits erklärt [Nr. 400, Pkt. 1], daß er den bisherigen Obmann keinesfalls weiterhin akzeptieren kann, da dieser das Verfahren in der früheren Weise weiterführen wird. Der Bf. wird seine einmal getroffenen Entscheidungen nicht revidieren und auch nicht seine Verstöße gegen den kgl. [Kölner] Spruch und gegen seine Kommission eingestehen. Werden die bisherigen Taxatoren ausgetauscht, dann billigerweise auch der Obmann. Der Auftrag des Bf. lautete, die zu taxierenden Orte nach dem dort üblichen Verfahren zu veranschlagen. Bereits elf Tage nach Eingang der kgl. Kommission fällte der Obmann jedoch seine Entscheidung zu seinen Ungunsten. Man wird nicht davon ausgehen können, daß er sich in so kurzer Zeit an allen Orten über den dort üblichen Anschlag erkundigt hat. Die pfgfl. Anwälte haben ihm angeboten, Belege für die gängige Berechnungsweise vorzulegen. Davon wollte der Bf. jedoch nichts hören. In Anbetracht dieser Umstände kann er den Bf. nicht länger als Obmann akzeptieren. Er geht zudem davon aus, daß der Bf. auch selbst angesichts dieser Vorwürfe diese Kommission nicht länger übernehmen will.
    [2.] Bezüglich der drei neuen Taxatoren, die jede Partei den drei kgl. Obleuten zuordnen soll [Nr. 401, Pkt. C], wiederholt er seine vorige Antwort [Nr. 400, Pkt. 1]. Wenn jedoch die bisherige Taxation für ungültig erklärt und mit Hinblick auf die künftige Taxation geregelt wird, daß das Getreide nach dem üblichen Anschlag zu taxieren ist und die Wälder anhand der hgl. bayerischen Register und Kastenrechnungen zu bewerten sind, auch wie es bezüglich der Scharwerke und anderer unsicherer Einkünfte gehalten werden soll, dann will er zustimmen, daß mit seinem Vorwissen ein kgl. Obmann eingesetzt wird, dem die beiden Parteien je einen Beisitzer aus dem Kreis der Fürsten oder deren Gesandten bzw. der adligen kgl. Hofräte zuordnen. Die Einsetzung von sechs neuen Beisitzern lehnt er dagegen ab, da diese zweifellos wieder durch ihre Uneinigkeit das Verfahren verzögern und unnütze Kosten verursachen würden. Die Taxation soll vielmehr durch die drei Obleute gemäß dem Kölner Spruch durchgeführt werden, mit der Maßgabe, daß dieser auch in den übrigen Punkten – z. B. der Übergabe der nördlich der Donau gelegenen und zum georgianischen Erbe gehörigen Orte oder der ihm bei der Übergabe der Orte gemäß seinem Šzuvor überreichten Verzeichnis [Nr. 395, Anm. 14] vorenthaltenen Rechte und Einkünfte – vollzogen wird.
    [3.] Er hat bereits dargelegt, daß er gemäß kgl. [Kölner] Spruch und [Ennser] Deklaration vor Abschluß des Verfahrens zur Abtretung des Unterpfands nicht verpflichtet sei, da er bezüglich der 24 000 fl. noch nicht zufriedengestellt sei, was zu beweisen er angeboten hat. Wie er dargelegt hat, betragen die jährlichen Einkünfte aus den bisher abgetretenen Gebieten und dem Unterpfand keine 21 000 fl. [Nrr. 394, Pkt. 2; 395, Pkt. 2]. Falls er das Unterpfand abtreten würde, hätte er nicht viel mehr als das halbe Einkommen gegenüber dem ihm zugesprochenen Anteil – zum großen Nachteil seiner Mündel. Da Hg. Albrecht jedoch darauf insistiert, hat er in seiner letzten Antwort aus Sorge vor weiteren Übergriffen der Gegenseite die Abtretung des Unterpfandes unter der Bedingung angeboten, daß der Hg. aus seinen Gebieten nördlich der Donau Besitzungen im Wert von 8000 fl. ausweist, die für die Dauer des Verfahrens an ihn, Pfgf. Friedrich, übergeben werden sollen.1 
    [4.] Die Gegenseite versucht, Kg., und Ff. davon zu überzeugen, daß er 33 bedeutende Orte innehat. Dies trifft jedoch nicht zu, da Hg. Albrecht dabei auch etliche Dörfer und Märkte mitzählt, die eigentlich zu anderen Schlössern und Städten gehören und nicht als selbständige Güter angesehen werden können.
    [5.] Der Kg. hat ihm auch einen Zettel mit einem Vorschlag bezüglich des Unterpfands [Nr. 401, Pkt. K] übergeben lassen. Er hat bereits zuvor angezeigt, warum dieser Vorschlag für ihn unannehmbar ist, da er dadurch gegen den Kölner Spruch verstoßen würde. Er hofft doch, daß dies nicht in der Absicht des Kg. liegt.
    [6.] Am Schluß des besagten Zettels heißt es: Falls der Vorschlag abgelehnt wird, wird das Taxationsverfahren wie bisher fortgesetzt, wie dies der Kg. auch Hg. Albrecht zugesagt hat. Ebenso bleibt es bei den Ergebnissen der vor der Schwäbischen Bundesversammlung geführten Schiedsverhandlungen bezüglich des Unterpfands. – Er erwartet, daß der Kg. es beim Kölner Spruch belassen wird, wonach Hg. Albrecht ihm Besitzungen mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. nach dem üblichen Anschlag zu übergeben hat. Er hat dem Kg. bereits ausführlich dargelegt, daß er vor den Bundesständen bezüglich des Unterpfands keine Zugeständnisse gemacht hat. Führt die vom Bund vermittelte Abrede2 als Beweis an und erklärt sich bereit, auf Wunsch eine Abschrift davon vorzulegen. Er hat auch bereits dargelegt, wie es zu dieser Vereinbarung kam3, die ganz im Einklang mit dem kgl. [Kölner] Spruch steht.
    Falls die Gegenseite seine bisherigen Zugeständnisse nicht akzeptieren will, wäre er um des Friedens willen einverstanden, nach Annullierung des bisherigen Taxationsverfahrens und nach Vorlage des Kölner Spruchs, der [Ennser] Deklaration und aller Schiedsverträge die Entscheidung darüber, wie Hg. Albrecht die ihm zugesprochenen jährlichen Einkünfte in Höhe von 24 000 fl. nach gewonlichem anschlag laut e. kgl. Mt. spruchs, es sein besetzt oder onbesetzt gült und nutzung an gelt, an getraid, an holz und allem anderm gewährleisten soll, Kg., Kff. und Ff. anheimzustellen. Dieser Entscheidung will er sich unterwerfen und ohne weiteren Verzug das Unterpfand im Gegenzug zu den ihm laut ŠKölner Spruch und der neuen Entscheidung zustehenden Gütern abtreten. Und ob ich mich ichts weiter erbieten sollt, das will ich hiemit auch getan haben, wie das durch e. kgl. Mt., auch Kff. und Ff. erkennt wirdet.

    « Nr. 404  Hg. Albrecht von Bayern an Lgf. Wilhelm von Hessen »

    Bestätigt den Empfang seines Schreibens [vom 28.5.]1. Er hat den hessischen Boten einige Tage in Konstanz aufgehalten, um ihm mitteilen zu können, wieviel er bezahlen kann. Dies war aber bislang nicht möglich, da die täglichen Verhandlungen des röm. Kg. für einen Ausgleich zwischen ihm und Pfgf. Friedrich und zur Verhinderung eines weiteren Krieges bislang erfolglos geblieben sind. Deshalb weiß er noch nicht, ob man Frieden haben oder es zu einem neuen Krieg kommen wird. Er konnte dem Boten also noch keine verbindliche Antwort wegen der Bezahlung geben, wollte diesen aber auch mit der Abfertigung seiner Antwort nicht länger aufhalten. Er will ihm schreiben, sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind und damit die Entscheidung über Krieg oder Frieden gefallen ist.2 

    Konstanz, 16. Juni 1507 (mitichen nach St. Veits tag). 
    München, HStA, KÄA 4571, fol. 44 (Konz.).

    « ŠNr. 405   Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Hauptmann der Schwäbischen Bundesstädte) an Schwäbische Bundesstädte, hier an Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen »

    Er hat ihnen schriftlich die Verschiebung der vom Schwäbischen Bund beschlossenen Hilfe für Hg. Albrecht von Bayern auf den 4. Juli (St. Ulrichstag) mitgeteilt [Nr. 88, Anm. 1]. Der röm. Kg. hat Verhandlungen in dieser Sache aufgenommen und soviel erreicht, daß die Bundeshilfe derzeit unnötig ist. Teilt ihnen dies mit der Bitte mit, ihre Bundeshilfe a bis auf weiteres Ersuchen-a bereitzuhalten.
    [PS] b Bittet sie, die beiliegenden Schreiben auf Kosten der Bundesstädte an die Adressaten weiterzuleiten-b.1

    Konstanz, 22. Juni 1507 (aftermontags vor Johannis baptiste). 
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 227–228 (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg) = B. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156, Fasz. 46, unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn) = C.

    « Nr. 406 Nicht übergebene Erklärung Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Er muß feststellen, daß er bei seinem Angebot, die endgültige Entscheidung über seinen Streit mit Hg. Albrecht dem Kg. und dem auf dem Reichstag versammelten Kff. und Ff. zu überlassen, nicht bleiben kann, ohne das Unterpfand abzutreten, obwohl dies gegen Recht und Gesetz verstößt und insbesondere mit dem Kölner Spruch unvereinbar ist, wonach er das Unterpfand erst dann zurückgeben muß, wenn der ihm zugesprochene jährliche Ertrag von 24 000 fl. nach dem üblichen Anschlag gewährleistet ist. Bietet erneut an, den Beweis anzutreten, daß diese Summe noch nicht erreicht ist. Falls dies nicht bewilligt wird, ist er – um einen Krieg im Hl. Reich und weiteres Unrecht an seinen Mündeln zu verhindern – als Vormund bereit, das Unterpfand mit Zustimmung des Kg. als obersten Vormunds unverzüglich an Hg. Albrecht abzutreten, doch unter der Bedingung, daß dieser sich im Gegenzug in ein Verfahren vor Kg., Kff. und Ff. einläßt. Diese sollen auf der Grundlage des Kölner Spruchs, der [Ennser] Deklaration und der Schiedsverträge nach Anhörung beider Parteien eine endgültige Entscheidung fällen, wie Hg. Albrecht die 24 000 fl. jährlichen Ertrags, nämlich 20 000 fl. aus nördlich der Donau gelegenen Besitzungen und vorzugsweise aus der Verlassenschaft Hg. Georgs sowie 4000 fl. gemäß Ausweisung durch den röm. Kg., zu gewährleisten hat. Im übrigen soll der Kölner Spruch in allen Punkten, ausgenommen den Artikel über das Unterpfand, in Kraft bleiben.
    Š[2.] Falls dieses Angebot nicht angenommen wird und er seine Mündel also nicht vor Unrecht schützen kann, befiehlt er diese dem Schutz des Kg. als obersten Vormunds und Richters.1 Er bittet auch zu bedenken, daß er seine wichtigsten Städte Landshut und Burghausen bereitwillig abgetreten hat, in der Hoffnung auf den Vollzug des Kölner Spruches auch durch die Gegenpartei.
    [3.] Er sieht sich jedoch gezwungen, vor Kg., Kff. und Ff. und allen Ständen des Hl. Reichs zu beklagen, daß ihm und seinen Mündeln Unrecht geschehen soll. Er hofft darauf, daß der Kg. dem entgegentreten und sein Angebot an die Gegenseite annehmen wird.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl vor der – wahrscheinlich am 27. Juni 1507 oder kurz davor erfolgten – Eröffnung des Entwurfs zur Konstanzer Deklaration [Nr. 410 (C)].
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 318–320 (Kop., Überschr.: Daneben ist auch mein gn. H. diser nachvolgenden schrift, der kgl. Mt. zu uberantworten, beratig worden. Ist nit uberantwort.).

    « Nr. 407 Supplikation Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    [1.] Die vom Kg. beabsichtigte Deklaration soll regeln, daß die Getreidegülten nicht nach dem überhöhten Anschlag Hg. Albrechts, sondern gemäß kgl. [Kölner] Spruch nach dem üblichen Anschlag, also dem in Bayern und Schwaben üblichen Verfahren bei Käufen, Erbschaften und anderen Rechtsgeschäften bewertet werden. Das Holz soll nicht danach taxiert werden, wie es vom Stamm verkauft werden kann, sondern gemäß dem durchschnittlichen jährlichen Ertrag der Wälder laut den Rechnungsregistern Hg. Georgs und Hg. Albrechts. Die unsicheren Einkünfte, wie Siegelgelder, Verspruchgelder, die Lieferung von Brennholz, das Schlagen und der Transport von Holz, Kornrenten, die Lieferung von Schlachtvieh und Wildbret und andere Scharwerke und ungewisse Einkünfte, die die Untertanen nicht durch Geldzahlungen ablösen und die auch nicht bei anderen Rechtsgeschäften veranschlagt werden, dürfen nicht angerechnet werden, da der Kölner Spruch die Bewertung nach gewonlichem anschlag vorschreibt. Die Küchendienste (Lieferung von Gänsen, Hühnern, Lämmern, Eiern, Erbsen, Hanf usw.) sollen so veranschlagt werden, wie es bislang laut den Salbüchern und Rechnungsregistern gehalten wurde.
    [2.] Er bittet, Hg. Albrecht dazu zu bewegen, daß er gemäß Kölner Spruch zuerst diejenigen Orte an ihn übergibt, die Hg. Georg abgesehen von Ingolstadt nördlich der Donau im Oberland hinterlassen hat: Wemding, Kösching, Gerolfing, Gaimersheim, Etting (Oting) und Stammham. a Er bittet weiter, daß Hg. Albrecht alle obrigkeitlichen und sonstigen Rechte und alle Einkünfte an den bereits übergebenen Orten gemäß dem vorgelegten Verzeichnis [Nr. 395, Anm. 14] an ihn abtritt-a. Der Hg. darf die Einkünfte des Klosters Niederaltaich aus Bayern nicht länger sperren und soll den Abt [Kilian Weybeck] zur Rückkehr veranlassen.1 Er soll ebenfalls die in Landshut zurückgelassenen Geschütze Šund andere bewegliche Güter an ihn, Pfgf. Friedrich, übergeben. Hg. Albrecht soll außerdem gemäß dem zwischen ihnen geschlossenen Vertrag die Gegenlieferung oder Bezahlung für das ihm in Burghausen überlassene Getreide leisten.

    [Konstanz], s.d., jedoch wohl vor der – wahrscheinlich am 27. Juni 1507 oder kurz davor erfolgten – Eröffnung des Entwurfs zur Konstanzer Deklaration [Nr. 410 (C)].
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 320–321’ (Kop., Überschr.: Hg. Friderichs bitt der declaration halben, so die kgl. Mt. tun will.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 31’-32, 31 (Kop., Überschr. wie A) = B.

    « Nr. 408 Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians »

    [1.] Laut der künftigen Deklaration sollen etliche transdanubische Besitzungen Hg. Albrechts mit allen Rechten bis zum Abschluß der Angelegenheit an die drei Kommissare übergeben werden. Der Hg. hat Einspruch gegen die Bestimmung erhoben, daß die Kommissare auch die obrigkeitlichen Rechte ausüben sollen, unter anderem weil seine Feinde in Böhmen seinen Untertanen Schaden zufügen könnten und diese einstweilen ohne rechtlichen Schutz dastünden. Er schlägt vor, dem Hg. für den Notfall ein Öffnungsrecht – jedoch vorbehaltlich der kgl. Deklaration in allen übrigen Punkten – einzuräumen. So könnten die Untertanen vor Gewalt geschützt werden. Um die Rechtsprechung nicht zu behindern, soll Hg. Albrecht auch weiterhin alle Appellationen annehmen dürfen.
    [2.] Er will jetzt den kgl. Obmann ernennen. Die beiden Parteien sollen ihre Beisitzer auch benennen.
    [3.] Der Bf. von Trient soll alle Taxationsunterlagen aushändigen.
    [4.] Die drei Obleute werden einen Tag nach Augsburg anberaumen, um zur Ausweisung der 4000 fl. die Erkundigung der Renten und Gülten vorzunehmen. Da Hg. Albrecht den Kommissaren Güter mit einem Ertragswert von jährlich 4000 fl. übergeben soll, schlägt er vor, daß ein entsprechender Anteil daran an den Hg. zurückgegeben wird, falls die in der Deklaration aufgeführten Orte gemäß Feststellung der Kommissare diesen Ertragswert übersteigen.
    [5.] Der Kg. will noch hier in Konstanz über das Kloster Niederaltaich verhandeln und im Streit zwischen Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich wegen des Getreides, der Geschütze und andere Punkte vermitteln.

    [Konstanz], s.d., jedoch nach der – wahrscheinlich am 27. Juni 1507 oder kurz davor erfolgten – Eröffnung des Entwurfs zur Konstanzer Deklaration [Nr. 410 (C)].
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 311–312 (Kop.).

    « Nr. 409 Stellungnahme Pfgf. Friedrichs zum Vermittlungsvorschlag Kg. Maximilians »

    [1.] Gegen die Forderung Hg. Albrechts hinsichtlich der Wahrnehmung seiner obrigkeitlichen Rechte wendet er ein, daß er viel größere Einwände gegen den kgl. Deklarationsentwurf erheben könnte als der Hg., da er auf das Unterpfand samt Einkünften und obrigkeitlichen Rechten verzichten muß, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten. Sollte Hg. Albrecht obrigkeitliche Befugnisse und das Öffnungsrecht in den an die Obleute zu übergebenden ŠOrten behalten, wäre dies eine gegen die Deklaration verstoßende Ungleichbehandlung. Es wäre auch ein Anlaß für Verzögerungen und für ihn und die betroffenen Ortschaften von Nachteil. Würde die Öffnung gestattet, würden die Orte in etwaige Konflikte hineinbezogen, woraus ihnen nur Schaden erwachsen könnte. Würden sie aber zu Händen der drei Kommissare sequestriert, blieben die Ortschaften unbeteiligt und stünden unter kgl. Schutz und Schirm. Auch die Rechtswahrung wäre den Untertanen garantiert, da sie ihre Untergerichte haben, von denen sie an die Kommissare oder an das kgl. Kammergericht appellieren können.
    [2.] Die Ernennung des Obmanns durch den Kg. und der beiden Beisitzer jeweils durch die Parteien steht im Widerspruch zur Bestimmung der kgl. Deklaration, wonach durch den Kg. und die beiden Parteien drei gleichberechtigte Kommissare eingesetzt werden sollen. Dabei will er es bleiben lassen, ist jedoch bereit, eine anderslautende Interpretation des Kg. zu akzeptieren. Je rascher der Kg. seinen Kommissar benennt, um so lieber ist es ihm. Er selbst wird dann mit der Benennung des dritten Kommissars keine Zeit verlieren.
    [3.] Die Herausgabe der Akten durch den Bf. von Trient versteht sich von selbst.
    [4.] Er würde Regensburg als Tagungsort Augsburg vorziehen, da es näher an den fraglichen Orten in Niederbayern und im Vorwald gelegen ist. Doch stellt er diesen Punkt der Entscheidung durch den Kg. anheim.
    [5.] Dem Vorschlag, daß Hg. Albrecht die Differenz erstattet werden soll, falls die Orte mehr als 4000 fl. wert sind, stimmt er zu, sofern die Ergänzung: laut der Salbücher und Rechnungsregister nach dem üblichen Anschlag, hinzugefügt wird. Die Erstattung eines eventuellen Defizits durch Hg. Albrecht bleibt davon unberührt.
    [6.] Er bittet, die Verhandlungen wegen Niederaltaichs möglichst bald durchzuführen, da dies im Interesse des Klosters liegt.
    [7.] Die ihm zugesprochenen Geschütze hat er in gutem Glauben in Landshut zurückgelassen. Es wurde verabredet, daß er sie jederzeit abtransportieren lassen kann. Die Geschütze werden also von Hg. Albrecht zu Unrecht zurückgehalten. Ebenso hat er dem Hg. auf dessen Bitte in Burghausen gelagerte 4000 Schaff Getreide überlassen; im Gegenzug sollte dieser Getreide in gleichem Wert liefern oder dafür bezahlen. Die hgl. Räte haben für die baldige Gegenlieferung bzw. Bezahlung gebürgt. Jedoch wurde nur ein Viertel des Getreides bezahlt. Diese Forderung von seiner Seite besteht zu Recht. Dennoch stellt er diesen Punkt in die Entscheidung des Kg.
    [8.] Beantragt, wegen Wemdings hier in Konstanz eine Anhörung durchzuführen und dann eine Entscheidung zu fällen.

    [Konstanz], s.d., jedoch nach dem 27. Juni 1507.
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 335’-338 (Kop.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 167–169 (Kop.) = B.

    « Nr. 410 Konstanzer Deklaration Kg. Maximilians »

    [1.] Entscheidungskompetenz Kg. Maximilians bei Streitigkeiten über den Vollzug des Kölner Spruchs von 1505; [2.] Zusammensetzung und Aufgaben der TaxatiŠonskommission; [3.] Entscheidungskompetenz Kg. Maximilians bei Auftreten neuerlicher Streitigkeiten; [4.] Abtretung des Unterpfands an Hg. Albrecht von Bayern; [5.] Sequestration transdanubischer Besitzungen Hg. Albrechts mit einem jährlichen Ertragswert von 4000 fl. zu Händen der Taxationskommission; [6.] Gehorsamseid der Amtleute und Untertanen des neuen Unterpfands an die Kommissare; Vorbehalt eines Öffnungsrechts für Hg. Albrecht im Kriegsfall und Aufrechterhaltung des gerichtlichen Instanzenzugs; [7.] Regelung für die Einkünfte aus dem Unterpfand; [8.] Termin für die Taxation des Unterpfands; Regelung für den Fall der Über- bzw. Unterschreitung des vorgesehenen jährlichen Ertragswerts; [9.] Regelung für den Fall der Nichtdeckung von 24 000 fl. jährlichen Ertrags durch die Pfgf. Friedrich zugewiesenen Besitzungen; [10.] Regelung für den Fall der Überschreitung dieses Ertragswerts; [11.] Verpflichtung der im Unterpfand beheimateten Untertanen zur Hilfe bei der Abwehr von Angriffen aus Böhmen; [12.] Regelung für an Pfgf. Friedrich übergebene, im Landshuter Erbfolgekrieg verwüstete Besitzungen; [13.] Rückerstattung zu Unrecht einbehaltener Einkünfte Pfgf. Friedrichs aus von Hg. Albrecht gemäß Kölner Spruch abgetretenen Besitzungen; [14.] Regelung für die Taxation der Pfgf. Friedrich zugesprochenen böhmischen Pfandschaften; [15.] Regelung bzgl. der von Hg. Albrecht Pfgf. Friedrich vorenthaltenen ehemaligen Besitzungen Hg. Georgs von Bayern nördlich der Donau; [16.] Regelung bzgl. der Pfgf. Friedrich vorenthaltenen obrigkeitlichen Rechte und anderer Zugehörungen der von Hg. Albrecht übergebenen Besitzungen; [17.] Entscheidung der Kommissare über den künftigen Eigentümer Wemdings; [18.] Diensteid der Kommissare; [19.] Ersetzung ausgefallener Kommissare; [20.] künftige Entscheidung des Streits um das Kloster Niederaltaich durch Kg. Maximilian; [21.] künftige Entscheidung über die Forderung Pfgf. Friedrichs wegen seiner in Landshut zurückgelassenen Geschütze und des Hg. Albrecht zur Verfügung gestellten Getreides in Burghausen; [22.] künftige Entscheidung über nicht spezifizierte Forderungen Hg. Albrechts an Pfgf. Friedrich; [23.] Unerheblichkeit dieser drei Streitpunkte für das weitere Taxationsverfahren; [24.] Aufhebung der Feindschaft zwischen den Parteien; [25.] Verpflichtung Hg. Albrechts und Pfgf. Friedrichs zum Vollzug der Konstanzer Deklaration; [26.] Garantie dieser Verpflichtung durch Bürgen; [27.] Geltung der Konstanzer Deklaration für Hg. Wolfgang von Bayern; [28.] Ausfertigung jeweils eines Exemplars der Deklaration für die Parteien.

    Konstanz, 2. Juli 1507. Pfgf. Friedrich am 11. Juli zugestellt.
    München, HStA, PNU, Landschaft 85 (Or. Perg. Libell m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Registraturverm. S. Ölhafen, Verm.: Kgl. declaration uber der verordneten taxatorn und willkuerner taxiern, darin irrung und unverstendnus eingefallen sind, zu Costenz auf[gericht].) = Textvorlage A. München, GHA, HU 865 (Or. Perg. Libell m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Registraturverm. S. Ölhafen) = B. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 332–339’ (Kop. eines den Parteien [am 27.6. oder kurz davor1] vorgelegten Entwurfs; Aufschr.: Item, das ist die copey der kgl. Š Mt. declaration, zue Costenz ausgangen, die daselbs offenlich vor kgl. Mt., auch Kff., Ff. und andern des Reichs stenden verlesen, meinem gn. H., Hg. Fridrichen, durch H. Niclasn Ziegler uberantwort, aber nachmals in des Sernteiners canzley betrüglich in funf haubtarticuln verkert worden ist und also mein gn. H. die declaration darnach hat muessen annemen.) = C. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 47, fol. 321’-332’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein). München, HStA, KÄA 2017, fol. 379–384’ (Kop. mit Randvermm.). München, HStA, KÄA 1238, fol. 298–308’ (Kop.). München, HStA, KÄA 1209, fol. 190–194’ (Kop.). München, HStA, KÄA 1210, fol. 63–69 (Kop.). München, HStA, KÄA 1212, fol. 40–47’ (Kop.). München, HStA, KÄA 1239, fol. 265–271 (Kop.). München, GHA, Pfalz-Neuburger Akten 2379a, fol. 75–82’ (Abschr. zweite Hälfte 16. Jh. mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen; imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein).
    Druck: Krenner , Landtagshandlungen XVI, S. 200–215.

    [1.] Er, der Kg., hat auf dem Kölner RT den Streit zwischen den Hgg. Albrecht und Wolfgang von Bayern auf der einen und Pfgf. Friedrich (als Vormund der Söhne seines Bruders Pfgf. Ruprecht) auf der anderen Seite um das Erbe Hg. Georgs von Niederbayern durch kgl. Spruch entschieden. Dieser besagt unter anderem, daß Pfgf. Friedrich als Vormund Gebiete mit einem jährlichen Ertragswert von 24 000 fl. erhalten soll; über Streitigkeiten bezüglich einzelner Punkte des Spruches soll der Kg. entscheiden.2 Diese Kompetenz erstreckt sich auch auf die bei der Taxation der fraglichen Besitzungen entstandenen Streitigkeiten, bei denen keine gütliche Einigung möglich war. Er hat deshalb nach ausreichender Informierung über den Sachverhalt kraft der genannten Bestimmung des Kölner Spruches und mit dem Rat der auf dem RT versammelten Stände und der kgl. Räte über diese Streitigkeiten folgendes entschieden:
    [2.] Noch in Konstanz sollten durch ihn selbst sowie durch Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich jeweils ein Kommissar aus dem Ff.-, Gff.- oder Ritterstand bzw. aus dem Kreis der kgl. Hofräte benannt werden. a Der von ihm ernannte Kf. Friedrich von Sachsen soll gemeinsam mit dem von Hg. Albrecht berufenen Dr. Ludwig Vergenhans und dem von Pfgf. Friedrich beauftragten Ernst von Welden-a alle Einkünfte erkunden, die Parteien dazu anhören und b in Augsburg, von wo aus die Taxatoren auch bislang operierten-b, im Namen des Kg. gemäß Kölner Spruch über alle beim bisherigen Taxationsverfahren entstandenen Streitpunkte entscheiden. Sie sollen auch alle noch nicht erfaßten Besitzungen nach gewondlichem anslag taxieren, c und an den orten, allda die fordern sechs taxatores ir taxation verbracht sollt haben-c .
    [3.] Falls dabei oder bei einem der folgenden Artikel neue Streitigkeiten entstehen, so steht ihm als röm. Kg. entsprechend dem Kölner Spruch die Entscheidung darüber zu.
    [4.] Pfgf. Friedrich soll das Unterpfand am 10. August (St. Larenzen tag) an Hg. Albrecht abtreten.
    Š[5.] Dieser wiederum soll am gleichen Tag Besitzungen nördlich der Donau mit einem jährlichen Ertragswert von 4000 fl. einschließlich der obrigkeitlichen Rechte als Unterpfand an die drei kgl. Kommissare übergeben, im einzelnen: Stadt und Landgericht Deggendorf, Schloß, Markt und Gericht Donaustauf (Thumbstauff), Schloß, Markt und Gericht Falkenstein, Schloß und Landgericht Mitterfels, beide Landgerichte im Viechtreich samt den beiden Märkten Viechtach und Regen, Schloß, Markt und Landgericht Kötzting samt Schloß und Stadt Furth, die ebenfalls im Landgericht Kötzting gelegenen Schlösser und Märkte Neukirchen (Neunkirchen) und Eschlkam sowie Stadt und Gericht Dietfurt.3 
    [6.] Die im Unterpfand ansässigen Amtleute und Untertanen sollen den Kommissaren für die Zeit bis zum Abschluß des Taxationsverfahrens den Gehorsamseid leisten, sich auch verpflichten, derjenigen Partei, der sie durch die Kommissare zugesprochen werden, als ihrer Obrigkeit zu huldigen, und niemandem sonst verpflichtet sein – d allain ausgenomen, das all und yede sloss, stet und flecken des yetzbenennten underphands Hg. Albrechten und seinen haubtleuten in und zu der kriegsnotdurft land und leut und dasselb underphand zu retten auf Hg. Albrechts schaden offen sein und die ambtleut desselben underphands zu solher kriegsnotturft ine getreu, gewertig und gehorsam beleiben; auch die appellation der inwoner solhs underphands und yedes seins eingehorens von den gerichten daselbs fur Hg. Albrechts vitztumb und rate zu Straubing wie bisher irn gang haben sollen, damit die undertan der ende nit rechtlos beleiben, doch in all ander weg diser unser kgl. declaration und entschid unabbruchig und on schaden-d .
    [7.] Die Kommissare sollen bis zum Ende der Taxation die Einkünfte aus dem Unterpfand einnehmen und verwahren.
    [8.] Die Taxatoren sollen bis zum 10. August (St. Larenzen tag) verbindlich feststellen, ob das Unterpfand ein jährliches Einkommen von 4000 fl. garantiert. Falls diese Summe nicht gewährleistet ist, soll Hg. Albrecht bis zum genannten Termin die Differenz durch Ausweisung von weiteren Schlössern, Städten und Ortschaften gemäß der Veranschlagung durch die Taxatoren ausgleichen. e Falls das Einkommen aus dem Unterpfand 4000 fl. übersteigt, ist Hg. Albrecht befugt, nach eigenem Gutdünken und gemäß der Veranschlagung der Taxatoren Besitzungen in diesem Wert einzubehalten. Die Parteien sollen zur Klärung und Regelung dieser Fragen am 30. Juli (freitag vor vincula Petri) in Augsburg als einem für beide Seiten günstig gelegenen Tagungsort erscheinen, damit die gegenseitige Abtretung des Unterpfands gemäß dieser Deklaration am 10. August (St. Larenzen tag) erfolgen kann-e.
    Š[9.] Falls die Taxatoren feststellen, daß die 33 Güter, die Pfgf. Friedrich bereits von Hg. Albrecht übernommen hat, zusammen mit dem Unterpfand für die 4000 fl. den jährlichen Ertrag von 24 000 fl. nicht gewährleisten, soll Hg. Albrecht die Differenz durch Ausweisung weiterer nördlich der Donau gelegener Güter innerhalb einer von den Kommissaren zu setzenden Frist ausgleichen und diese nach erfolgter Taxation einschließlich der eingebrachten Einkünfte an Pfgf. Friedrich übergeben.
    [10.] Falls die Taxatoren feststellen, daß die 33 Güter zusammen mit dem Unterpfand den Wert von 24 000 fl. übersteigen, so soll Hg. Albrecht Güter in entsprechendem Wert samt der Einkünfte bis zu einem von den Taxatoren gesetzten Termin zurückerhalten. Die bayerischen Amtleute sind ab diesem Zeitpunkt nicht mehr an ihre Eide gegenüber den Kommissaren gebunden. Doch sollen die von Hg. Albrecht eingesetzten Amtleute, die den Kommissaren gegenüber, wie im obigen Artikel [6] festgesetzt, den Treueid geleistet haben, bis zum Abschluß der Taxation auf ihren Posten bleiben.
    [11.] Da Hg. Albrecht wegen seiner an der böhmischen Grenze gelegenen Gebieten ständig in Konflikte verwickelt wird, sind die Kommissare gehalten, die Amtleute und Untertanen des Unterpfandes zur Hilfe bei der Abwehr eventueller Angriffe zu veranlassen.
    [12.] Um zu verhindern, daß wegen der verödeten und niedergebrannten Ortschaften und Güter künftig Streit entsteht, sollen die drei Kommissare deren Einkommen in der Weise taxieren, daß die betroffenen, von Hg. Albrecht an Pfgf. Friedrich übergebenen Besitzungen mit hilf und furdrung desselben Hg. Friderichs durch denselben Hg. Albrechten und die seinen wider gestift und besetzt werden sollen. Falls die Kommissare feststellen, daß der Schaden nicht wiedergutzumachen ist, soll Hg. Albrecht Pfgf. Friedrich den Verlust gemäß kgl. Spruch durch Ausweisung anderer Güter ersetzen; falls der Schaden befristeter Natur ist, soll Pfgf. Friedrich der Verlust für die entsprechende Dauer ersetzt werden, wie dies die bisherigen Taxatoren in Augsburg vereinbart haben.
    [13.] Hg. Albrecht hat sich darüber beschwert, daß Pfgf. Friedrich Einkünfte aus den ihm gemäß Kölner Spruch zuerkannten Besitzungen über die darin gesetzte Frist hinaus4 eingezogen habe. Falls die Taxatoren zum gleichen Ergebnis kommen, sollen sie Pfgf. Friedrich veranlassen, die zu Unrecht einbehaltenen Einkünfte an Hg. Albrecht auszuhändigen oder das derselb Hg. Friderich von den vierundzwainzigtausent fl. nutz und gelts demselben Hg. Albrechten sovil, nemlich funf fl. vom hundert ze rechen, an gulten widerumb herausgebe, doch auf ablosung.
    [14.] Hg. Georg von Niederbayern hatte seinerzeit böhmische Pfandschaften inne, die kraft Kölner Spruch auf Pfgf. Friedrich übergegangen sind.5 Die Gülten daraus sind vermutlich höher als die üblichen fünf Prozent. Die drei Kommissare sollen diese Einkünfte ebenfalls taxieren, den Überschuß über die üblichen fünf Prozent hinaus jedoch nur zur Hälfte in die 24 000 fl. mit einberechnen, da man nicht weiß, wie bald die Pfandschaften ausgelöst werden. Falls die Kommissare aber Urkunden finden, die eine künftige Ablösung ausschließen, sollen sie die Pfandschaften wie die anderen Güter auch gemäß den Bestimmungen des Kölner Spruches veranschlagen.
    Š[15.] Die Kommissare sollen aufgrund vorliegender Register und durch Erkundigungen bei den Magistraten klären, ob die von Pfgf. Friedrich benannten Ortschaften6 zu Ingolstadt gehören oder nicht. Falls dies nicht der Fall ist, sollen sie, da sie nördlich der Donau liegen, gemäß Kölner Spruch an den Pfgf. übergeben werden.
    [16.] Die Kommissare sollen sich erkundigen, welche obrigkeitlichen Rechte, Güter etc., die Pfgf. Friedrich laut Kölner Spruch zustehen, diesem durch Hg. Albrecht wieder entzogen wurden oder vorenthalten werden, und ggf. für die Übergabe an Pfgf. Friedrich sorgen.
    [17.] Die Kommissare sollen nach Anhörung beider Seiten gemäß Kölner Spruch entscheiden, wem die Stadt Wemding zufallen soll. Falls Pfgf. Friedrich der künftige Besitzer ist, sollen sie ihm die Stadt übergeben und diesen Posten mit den 24 000 fl. verrechnen.
    [18.] Die nicht-ftl. Kommissare sollen dem Kg. gegenüber jetzt einen Eid leisten, daß sie ihr Amt nach bestem Wissen und Gewissen, unparteilich und unbestechlich gemäß dem Kölner Spruch und der Konstanzer Deklaration ausüben werden. Ftl. Kommissare sollen dies bei ihren Pflichten gegen Kg. und Reich schwören.
    [19.] Falls einer der drei Kommissare vor Abschluß der Taxation stirbt, soll die Partei, die ihn präsentiert hat, unverzüglich einen neuen Kommissar aus dem geistlichen oder weltlichen Fürstenstand, Grafenstand, aus der Ritterschaft oder aus dem Kreis der geschworenen kgl. Hofräte benennen. Dieser soll dann in gleicher Weise wie die anderen Kommissare einen Eid ablegen und seine Aufgaben erfüllen.
    [20.] Wegen der Streitigkeiten zwischen Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich um das Kloster Niederaltaich und aber deshalben mit dem abt ein sonder spann ist, will der Kg. den Abt jetzt und hier [in Konstanz] anhören und dann nach Billigkeit verfahren.7
    [21.] Pfgf. Friedrich beklagt sich über Hg. Albrecht wegen Geschützen und Getreides. f Die drei Kommissare sollen beide Seiten anhören und einen gütlichen Vergleich herbeiführen oder ggf. durch Mehrheit rechtlich entscheiden-f.
    Š[22.] g Entsprechend soll bezüglich der Forderungen Hg. Albrechts gegen Pfgf. Friedrich verfahren werden-g.
    [23.] Die letzten drei Artikel [20–22] dürfen aber den Vollzug dieser Deklaration und die Taxation nicht behindern oder verzögern.
    [24.] Alle Feindschaft zwischen den beiden Parteien und ihren Anhängern und Verbündeten ist hiermit aufgehoben.
    [25.] Hg. Albrecht und Pfgf. Friedrich haben sich dem Kg. gegenüber bei der im Kölner Spruch verfügten Strafe8 für Zuwiderhandlung und dazu der Ungnade von Kg. und Reich urkundlich verpflichtet, die Deklaration in allen Punkten und ohne jede Verzögerung oder Ausflucht zu vollziehen. Darüber hinaus wird er als Kg. dafür Sorge tragen, daß die beiden Parteien und die Kommissare die Konstanzer Deklaration vollziehen.
    [26.] Als zusätzliche Garantie sollen beide Seiten sich gegenseitig durch zwei oder drei Kff. oder Ff. Bürgschaft leisten, alle durch die kgl. Kommissare oder ihn selbst gemäß der Deklaration getroffenen Entscheidungen in allen Punkten zu vollziehen.
    [27.] Zwar ist Hg. Wolfgang am Beginn der Deklaration neben Hg. Albrecht benannt, so betrifft ine doch in kraft des vertrags, zwischen inen baiden aufgericht und durch uns als röm. Kg. bestetigt9, diser handel nit mer zu gleicher weise, als wer er hierin nit benennt.
    [28.] Von dieser Urkunde wurde den beiden Parteien jeweils ein gesiegeltes Exemplarh zugestellt. [Datum]i.

    « Nr. 411 Supplikation Gf. Wolfgangs von Oettingen an Kg. Maximilian »

    Seiner Kenntnis nach hat er den Streit zwischen Hg. Albrecht von Bayern und Pfgf. Friedrich als Vormund beigelegt und dabei verfügt, daß die von Hg. Albrecht für die Deckung der 24 000 fl. ausgewiesenen Ländereien erneut taxiert werden sollen; falls die Summe noch nicht gedeckt ist, soll Pfgf. Friedrich auch Wemding erhalten. Dies wäre für ihn nicht akzeptabel, da er die Stadt von Hg. Albrecht gekauft und die Kaufsumme zum Teil bereits bezahlt hat.1 Zwar ist er noch nicht im Besitz Wemdings, doch ist das vor den Richtern des Schwäbischen Bundes gegen Hg. Albrecht anhängige Verfahren2 soweit gediehen, daß er zuversichtlich ist, Recht zu bekommen. Wenn die Stadt kraft der kgl. Deklaration inzwischen an Pfgf. Friedrich abgetreten würde, würde dies gegen die Bundesordnung und das gemeine Recht verstoßen, dessen Wahrung ihm als röm. Kg. mehr Šals anderen obliegt. Die Deklaration erging zweifellos in Unkenntnis dieses Sachverhalts. Bittet ihn, dafür zu sorgen, daß sein Recht an der Stadt gewahrt und die Rechtsprechung des Bundes nicht mißachtet wird.

    s.l., jedoch Konstanz, 3. Juli 1507 (sampstag nach visitationis Marie virginis). 
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 28–28’ (Or.).

    « Nr. 412 Bürgschaftserklärung Hg. Ulrichs von Württemberg über den Vollzug der kgl. Deklaration durch Hg. Albrecht von Bayern »

    Bürgt auf Bitte Hg. Albrechts gegenüber Kg. Maximilian für den Vollzug der Konstanzer Deklaration durch den Hg. Falls die Kommissare einhellig oder mehrheitlich feststellen, daß der Hg. in einem oder mehreren Artikeln säumig ist, wird er sich nach Aufforderung durch die Gegenpartei binnen Monatsfrist gemeinsam mit zehn Rittern als Geisel je nach Wahl der Gegenseite nach Straßburg, Regensburg, Augsburg oder Nürnberg begeben. Falls er nicht als Geisel zur Verfügung steht, werden ihn fünf weitere Ritter vertreten. Sollte er ihrer Aufforderung nicht Folge leisten, sind die Gegenpartei und ihre Helfer befugt, sein Land und seine Untertanen so lange anzugreifen, bis er seiner Verpflichtung nachkommt, wogegen keine gewaltsame oder rechtliche Gegenwehr zulässig ist. Diese Bürgschaft gilt, bis die kgl. Deklaration durch Hg. Albrecht vollzogen wurde.1 

    ŠKonstanz, 5. Juli 1507 (montag nach St. Ulrichs tag). 
    München, HStA, Kurbay. Urk. 11877 (Kop.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 139–140’ (Kop.) = B.

    « Nr. 413 Schadlosbrief Hg. Albrechts von Bayern für Hg. Ulrich von Württemberg »

    a Sein Schwiegersohn Hg. Ulrich von Württemberg-a hat auf seine Bitte hin gegenüber dem Kg. dafür gebürgt, daß er die Konstanzer Deklaration in allen Punkten vollziehen wird. Er sagt zu, daß er oder seine Erben unverzüglich und ausnahmslos für jegliche Kosten und Schäden aufkommen werden, die dem Hg. oder seinen Erben aus dieser Bürgschaft entstehen. b Falls er dabei säumig sein sollte, verspricht er für sich und seine Nachkommen, daß er sich binnen eines Monats nach erfolgter Mahnung gemeinsam mit zehn Rittern als Geisel nach Reutlingen, Esslingen, Weil der Stadt oder Schwäbisch Gmünd begeben wird; falls er nicht selbst als Geisel zur Verfügung steht, werden ihn fünf weitere Ritter vertreten. Sollte er dabei säumig sein oder weiterhin den Schadensersatz nicht leisten, hat der Hg. von Württemberg das Recht, die Schuld im Hm. Bayern gewaltsam einzutreiben, wogegen keine bewaffnete oder rechtliche Gegenwehr zulässig ist -b.1 

    Konstanz, 5. Juli 1507 (montag nach St. Ulrichs tag). 
    München, HStA, Kurbay. Urk. 11861 (Or. Perg. m. S., Unterz.: Wir, obgenanter Hg. Albrecht etc., bestäten disen brief mit unser aigen hantschrift.) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 1238, fol. 310 (Abschrift eines abweichenden Entwurfs) = B. München, HStA, KÄA 1238, fol. 312–313’ (Kop.).

    « Nr. 414 Bürgschaftserklärung Ebf. Jakobs von Trier (bzw. Hg. Georgs von Sachsen) über den Vollzug der kgl. Deklaration durch Pfgf. Friedrich »

    Bürgt gegenüber dem röm. Kg. für den Vollzug der Konstanzer Deklaration durch Pfgf. Friedrich. Falls die Taxatoren einhellig oder mehrheitlich feststellen, daß der Pfgf. in einem oder mehreren Artikeln säumig ist, wird er sich nach Aufforderung durch die Gegenpartei binnen Monatsfrist zusammen mit zehn Rittern als Geisel je nach Wahl der Gegenseite nach Straßburg, Regensburg, Augsburg oder Nürnberg begeben. Sollte er nicht als Geisel zur Verfügung stehen, werden ihn fünf weitere Ritter ersetzen. Falls er der Aufforderung nicht oder unvollständig Folge leistet, sind die Gegenpartei und ihre Helfer berechtigt, sein Land und seine Untertanen so lange anzugreifen, bis er seiner Verpflichtung nachkommt, wogegen keine bewaffnete oder rechtliche Gegenwehr zulässig ist. Diese Bürgschaft gilt, bis die kgl. Deklaration durch Pfgf. Friedrich vollzogen wurde.

    ŠKonstanz, 7. Juli 1507 (mittwoch nach St. Ulrichs tag). 
    I. (Bürgschaftserklärung Ebf. Jakobs): Koblenz, LHA, 1 A, Nr. 9207 [= Afi. Nr. 83], unfol. (Or. Perg. m. S.; Insert des Schadlosbriefes Pfgf. Friedrichs für Ebf. Jakob) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 1238, fol. 319–320’ (Kop.).
    II. (Bürgschaftserklärung Hg. Georgs): Dresden, HStA, Ältere Urkunden 9728 (Or. Perg. m. S.; Insert des Schadlosbriefes Pfgf. Friedrichs für Hg. Georg). München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 147–148’ (Reinkonz. C) = B.1
    III. (Entwürfe): München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 137–138’ (Reinkonz. B der Bürgschaftserklärung eines ungenannten Fürsten für Pfgf. Friedrich). Ebd., fol. 135–136’ (Reinkonz. A der Bürgschaftserklärung eines ungenannten Fürsten für Hg. Albrecht, korrigiert zu Pfgf. Friedrich).

    « Nr. 415 Schadlosbrief Pfgf. Friedrichs für Ebf. Jakob von Trier bzw. Hg. Georg von Sachsen »

    Ebf. Jakob von Trier/Hg. Georg von Sachsen hat laut der (inserierten) Urkunde gegenüber Hg. Albrecht von Bayern dafür gebürgt, daß er die Konstanzer Deklaration vollziehen wird. Er sagt für sich und die ihm nachfolgenden Vormünder sowie für seine beiden Mündel [Philipp und Ottheinrich] zu, dem Ebf./Hg. alle aus dieser Bürgschaft entstehenden Kosten und Schäden zu ersetzen. Falls dies nicht geschieht, haben der Ebf./Hg. und seine Helfer das Recht, die Schuld gewaltsam einzutreiben, wogegen keine bewaffnete oder rechtliche Gegenwehr zulässig ist.

    Konstanz, 7. Juli 1507 (mitwoch nach St. Ulrichs tag). 
    I. (Schadlosbrief für Ebf. Jakob): Koblenz, LHA, 1 A, Nr. 9207 [= Afi. Nr. 83], unfol. (Or. Perg. m. S.) = Textvorlage A. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 143–144 (Reinkonz.). Koblenz, LHA, 1 C, Nr. 21 [= Afi. Nr. 375], pag. 107–115 (Kop.).
    II. (Schadlosbrief für Hg. Georg): Dresden, HStA, Ältere Urkunden 9728 (Or. Perg. m. S.) = B. München, HStA, Neuburger Kopialbücher 49, fol. 141–142 (Reinkonz.).

    « Nr. 416 Supplikation Pfgf. Friedrichs an Kg. Maximilian »

    Verweist auf seine an ihn übergebene schriftliche Antwort1 auf die Forderung des Bf. von Trient gegen ihn. Er hätte erwartet, daß dieser daraufhin von seiner Forderung zurückgetreten wäre oder sein Angebot zum rechtlichen Austrag angenommen hätte. Auf die erneute kgl. Anfrage hin wird er hiermit jedenfalls einen Teil der Gründe darlegen, warum er glaubt, dem Bf. nichts mehr schuldig zu sein, obwohl damit Nachteile für ihn verbunden sein könnten: Er hat dem Bf. von dessen Aufbruch von Trient an und während dessen Aufenthalt in Augsburg bis zum 25. Dezember 1506 (hl. cristag nechstverschinen) seine Hälfte an dessen übermäßigen Zehrungskosten bezahlt. Der Bf. hat jedoch gegen den kgl. Spruch und seine Kommission verstoßen, als er mit seiner Entscheidung den bayerischen Taxatoren beipflichtete, ihren Berechnungen nicht den üblichen Anschlag zugrundezulegen. Er hatte sich zuvor nicht einmal danach erkundigt und das Angebot, ihn darüber zu informieren, zurückgewiesen. So weilte der Bf. 19 Wochen lang untätig in Augsburg. Der Bf. hatte zur Wahrung eigener Belange ein übermäßig großes Gefolge von 24 Knechten und Pferden bei sich und unterhielt in der teuren Reichsstadt ein offenes, gastfreundliches Haus. Er hat sich darüber beschwert und seine Klagen auch dem Kg. vorgetragen. Er ist bereit, der Forderung des Bf. auf dem Rechtsweg zu begegnen.

    Konstanz, 7. Juli 1507 (mitwoch [nach] Udalrici). 
    München, HStA, Neuburger Kopialbücher 63, fol. 170’-171 (Kop. mit imit. Unterz. Pfgf. Friedrich).

    « Nr. 417 Ergänzende Bestimmungen Kg. Maximilians zur Konstanzer Deklaration »

    Er hat mit dem Rat der in Konstanz versammelten Reichsstände eine Deklaration zwischen Hg. Albrecht von Bayern und Pfgf. Friedrich als Vormund über den Kölner Spruch und die daraufhin durchgeführte Taxation verabschiedet und dabei verfügt, daß die kgl. Kommissare bis zum 10. August (St. Laurenzen tag) feststellen sollen, ob die aufgeführten Besitzungen einen jährlichen Ertrag von 4000 fl. gewährleisten oder nicht; falls nicht, soll Hg. Albrecht die Differenz durch Ausweisung weiterer Güter ausgleichen, so daß die Übergabe zum genannten Termin sichergestellt ist [Nr. 410, Pkt. 8]. Da die Taxation der Güter durch die drei Kommissare wegen wichtiger anderer Angelegenheiten des Kg. bis dahin nicht möglich ist, verlängert er mit Zustimmung beider Parteien den Termin bis zum 24. August (St. Bartho