Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    9.16. Florenz »

    « Nr. 701 Francesco Vettori an die Signorie von Florenz »

    [1.] Ankunft in Konstanz; [2.] Audienz vor Kg. Maximilian; [3.] Teilnehmer am RT und ausländische Gesandtschaften am Hof Kg. Maximilians; [4.] fehlende Informationen über die Geschehnisse auf dem RT; [5.] Sorge Vettoris um seine Gesundheit; [6.] Langsamkeit der Nachrichtenübermittlung; [7.] Besuch Vettoris bei Matthäus Lang; [8.] baldiger Abschluß des RT.

    Konstanz, 14. Juli 1507.
    ŠDruck: Passy , Vettori II, S. 219–222 (frz. Übersetzung).

    [1.] Er ist am 11. Juli hier in Konstanz eingetroffen. Wegen der Vielzahl der anwesenden Herren und Gesandtschaften hatte er große Schwierigkeiten bei der Beschaffung einer Herberge. Er bemühte sich durch die Vermittlung Pigello Portinaris [kgl. Sekretär] um eine Audienz beim Kg. Er ist Portinari sehr zu Dank verpflichtet. Denn wie er ihnen schon vor seiner Abreise angekündigt hatte, kam er an einen Hof, wo er niemanden kennt und die Sprache nicht versteht.1 
    [2.] Heute gelangte er vor den röm. Kg. und legte ihm so knapp und angemessen wie möglich seinen von ihnen erteilten Auftrag dar.2 Der Kg. bereitete ihm einen sehr liebenswürdigen Empfang. So allgemein gehalten wie seine eigene Erklärung war auch die kgl. Antwort darauf. Bei dieser Audienz waren nur der Bf. von Gurk, Matthäus Lang, der die Antwort gab, der Hofmeister der röm. Kgin., Niklas von Firmian (Fiamaino), zwei Kammerdiener und Portinari zugegen. Der röm. Kg. hatte ihm ursprünglich eine geheime Audienz gewähren wollen, weil er – wie ihm hintertragen wurde – konkrete Vorschläge erwartet hatte. Der Kg. erbot sich ihm gegenüber in vielerlei Weise und entschuldigte sich, ihn nicht länger anhören zu können. Er bat auch, es ihm mitzuteilen, falls er nicht angemessen untergebracht sei, und im übrigen Verständnis für die deutsche Lebensart aufzubringen. – Er dankte dem Kg. und kündigte an, noch einige Tage an seinem Hof zu bleiben, bis dieser ihm mitteilen könne, daß er keine weiteren Anliegen gegenüber Florenz habe.
    [3.] Wie bereits angedeutet, sind alle deutschen Fürsten hier. Wer nicht selbst kommen konnte, hat seine Gesandten geschickt. Ebenso sind die reichsfreien Städte hier vertreten. Von den [geistlichen] Kff. sind Mainz und Trier persönlich anwesend. Der Ebf. von Köln, durch eine Krankheit verhindert, hat Gesandte abgeordnet. Im Auftrag des pfälzischen Kf. sind zwei seiner Söhne hier. Der Kf. von Sachsen weilt persönlich in Konstanz. Der Kf. von Brandenburg hat seinen Bruder [Mgf. Albrecht] hier.3 Der Kg. von Ungarn, als Kg. von Böhmen zugleich Kf., hat zwei Gesandte abgeordnet. Aus Italien ist als päpstlicher Legat Costantino [Arianiti] hier. Ein venezianischer Gesandter [Vincenzo Querini] ist ebenfalls anwesend. Der Kg. von Aragon hat wie der Kg. von Portugal einen Repräsentaten geschickt. Vor drei Tagen traf ein Emissär des Hg. von Savoyen ein. Lediglich von Gesandten Pandolfos [Petrucci von Siena], des Hg. von Ferrara und des Mgf. von Mantua hört man nichts; vielleicht nimmt jemand insgeheim diese Funktion wahr.4 
    Š[4.] Von weiteren Verhandlungen weiß er nichts. Zweifellos erwarten sie detaillierte Informationen über die hiesigen Vorgänge. Aber er ist gerade erst hier angekommen und kennt niemanden. An Eifer ließ er es indessen nicht fehlen.
    [5.] Im Moment sind in Konstanz alle wohlbehalten. Aber viele Orte in Deutschland werden von Seuchen heimgesucht. Falls sich der röm. Kg. dorthin begeben sollte – die Deutschen bekümmern sich wenig um die Pest – werden sie ihn entschuldigen, wenn er ihm nicht dorthin zu folgen bereit ist. Sie werden sicherlich einverstanden sein, wenn er dann nach Verabschiedung durch den Kg. nach Italien zurückkehrt.
    [6.] Er hat Ardingo, der innerhalb von zehn Tagen in Florenz eintreffen soll, 10 fl.rh. gegeben. Der Bote wird morgen, am 16. Juli [!], aufbrechen. Der Weg ist sehr lang – über 500 Meilen – und beschwerlich. Allein die Überquerung der Alpen zu Pferd dauert drei Tage. Die ausgelegten 10 fl. können zu Händen seines Bruders Paolo [Vettori] erstattet werden.
    [7.] Er hat heute Matthäus Lang, dem ersten Mann im kgl. Gefolge, einen Besuch abgestattet. Dieser zeigte sich Florenz gegenüber sehr geneigt.
    [8.] [PS] Es heißt, daß der RT sich noch in dieser Woche auflösen und alles abgeschlossen sein wird.

    « Nr. 702 Francesco Vettori an die Signorie von Florenz »

    [1.] Vorkehrungen zur Geheimhaltung der Nachricht; [2.] Mitteilung Kg. Maximilians durch Matthäus Lang über sein gutes Verhältnis zu Florenz; höfliche Erwiderung Vettoris; [3.] Vorbereitungen zum kgl. Romzug, voraussichtliche Beteiligung der Eidgenossen, Unklarheit über die Marschroute und die Größe des kgl. Heeres; [4.] Unsicherheit über die Haltung Venedigs und Papst Julius’ II. hinsichtlich des Romzuges; [5.] Ankunft Massimiliano und Francesco Sforzas in Konstanz, Gerüchte über die geplante Rückeroberung Mailands; [6.] Empfehlung zur Abordnung bevollmächtigter Gesandter, Intrigen gegen Florenz.

    Konstanz, 14. Juli 1507.
    Druck: Passy , Vettori II, S. 222–226 (frz. Übersetzung).

    [1.] Er hat diesen Brief Ardingo anvertraut, der ihn so diskret wie möglich überbringen soll. Der andere Brief [Nr. 701] enthält nichts Wichtiges. Wenn der Bote also genötigt werden sollte, die mitgeführte Post vorzuzeigen, so kann er diesen vorlegen.
    [2.] Der röm. Kg. ließ ihm durch [Matthäus] Lang, seinem wichtigsten Vertrauten, antworten, daß ihm seine Ankunft sehr angenehm sei, daß er um den guten Willen der Signorie von Florenz ihm gegenüber wisse und nicht daran zweifle, daß sie sich als gehorsame Untertanen des Reiches erzeigen. Über den Termin für seinen Italienzug könne man ihm nichts sagen, da dieser noch nicht feststehe. Er werde ihm aber in Kürze darüber Mitteilung machen können.
    ŠEr antwortete, daß man sich in Florenz wegen des Erscheinens des röm. Kg. keine Sorge mache; vielmehr sei er der Signorie willkommen. Er werde noch einige Tage am kgl. Hof bleiben für den Fall, daß sich etwas von seiten der Republik ergeben werde.
    [3.] Hier werden große Vorbereitungen [für den Romzug] getroffen. Die deutschen Fürsten sind sich alle einig. Allgemein heißt es, daß der röm. Kg. in jedem Fall nach Italien ziehen wird. Viele Deutsche sagen, daß seit hundert Jahren keinem Kg. so viel Gehorsam entgegengebracht wurde wie diesem. Sämtliche Fürsten und Reichsstädte haben Leute geschickt, so daß mehr als 600 0001 kommen. Die Macht Deutschlands ist groß, und dieses Mal sind sie untereinander einig. Der RT ist noch nicht zu Ende, jeden Tag treten die Fürsten zusammen. Wer ihrer Sprache nicht mächtig ist – es gibt hier keinen Italiener, der sie gut beherrscht –, wird kaum wichtige Dinge verstehen und muß nach den Geschehnissen urteilen.
    Es heißt, daß die Eidgenossen mit Sicherheit zustimmen werden und daß diejenigen drei Kantone [Luzern, Zug und Glarus], die sich wegen ihrer Nachbarschaft zur Lombardei bislang halsstarrig zeigten, in dieser Stunde einlenken. Einige glauben, daß die Reichsfürsten untereinander über die Route des Kg. für den Zug gegen den Kg. von Frankreich diskutieren, ob über Italien oder durch Burgund. Manche glauben, daß er durch Savoyen ziehen wird. Man sieht indessen keine Truppen, die sich in Marsch setzen. Er selbst hat während eines sechstägigen Rittes durch Deutschland keinen einzigen auf dem Weg nach Trient befindlichen Reiter oder Fußsoldaten gesehen. Doch erscheint ihre Einigkeit so groß, daß die Dinge glaubwürdiger sind als zu anderen Zeiten. Es heißt, daß der röm. Kg. Anfang August mit der Auszahlung der Gelder an die Eidgenossen beginnen wird.
    Er hat nicht berichtet, welches Kontingent an Fußsoldaten und Reitern den röm. Kg. begleiten wird. Italiener wie Deutsche nennen so unterschiedliche Zahlen, daß er nicht weiß, was glaubwürdig ist. Aber sie können sicher sein, daß die Zahl sehr groß sein wird. Wiederholt hat der Kg. gesagt, er will mit so großer Heeresmacht kommen, daß es gleich wäre, auch wenn sich ganz Italien mit Frankreich gegen ihn verbünden würde. Man sagt, die Magistrate sammeln in den Reichsstädten, die allesamt bereitwillig ihren Beitrag leisten, bereits Geld ein.
    [3.] Er konnte ihnen nicht berichten, ob Venedig und der Papst mit dem röm. Kg. einig sind oder nicht. Er hat davon keine Kenntnis, da diese Dinge vertraulich behandelt werden. Vor wenigen Tagen kam ein Neapolitaner als Gesandter Venedigs an, wie man glaubt, mit einem abgeschlossenen Vertrag. Nichtsdestotrotz hat er keine zuverlässigen Informationen. Einige glauben, daß der röm. Kg. die Einigkeit unter den Deutschen festigen und Geld für den Unterhalt seines Heeres sammeln will und aus diesem Grund die italienischen Angelegenheiten in der Schwebe hält.
    [4.] Nach dem, was er hier in Erfahrung bringen konnte, stehen dem röm. Kg. viele Wege für seinen Zug nach Italien offen: der eine Weg führt durch Savoyen. Es heißt, der allerchristlichste Kg. wollte deshalb nicht in Asti bleiben, um nicht dort abgeschnitten zu Šwerden. Außerdem gibt es zwei Routen durch die Eidgenossenschaft und vier über das venezianische Territorium.
    [5.] Am Sonntag [11.7.] trafen hier die beiden Söhne Ludovico Sforzas [Massimiliano und Francesco] ein. Sie halten sich am Hof bei der röm. Kgin. auf, die ebenfalls hier ist. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß der röm. Kg. die Lombardei zurückerobern will.
    [6.] Empfiehlt, in konkrete Verhandlungen mit dem röm. Kg. einzutreten und zu diesem Zweck Gesandte abzuordnen, bevor dieser sein Heer versammelt hat und sich die Bedingungen deutlich verschlechtern. Er muß ihnen weiter mitteilen, daß Florenz hier viele Feinde hat, vor allem Venedig, dessen Gesandter [Vincenzo Querini] allem Anschein nach nicht aufhört, den röm. Kg. davon zu überzeugen, daß der frz. Kg. seine Positionen in Italien dank florentinischem Geld halten kann. Möglicherweise gab es keine solchen Äußerungen, doch wurde es ihm so berichtet.

    « Nr. 703 Francesco Vettori an die Signorie von Florenz »

    [1.] Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Informationen; [2.] Abschluß des RT; [3.] Beschlüsse des RT zum kgl. Romzug: Reichsstatthalterschaft, Größe des kgl. Heeres; Unkenntnis des Aufmarschtermins; Einigkeit der deutschen Fürsten; [4.] Aufforderung von Kg. und Reichsversammlung an Vincenzo Querini zu einer verbindlichen Erklärung über die Haltung Venedigs hinsichtlich des kgl. Romzuges; Entlassung Querinis vom kgl. Hof; [5.] drohende Entfernung Vettoris vom kgl. Hof, dessen Empfehlung zur Abordnung bevollmächtigter Gesandter und Bitte um Erlaubnis zur Heimreise; [6.] Gerüchte über ein Einverständnis zwischen Kg. Maximilian und Papst Julius II., Postverbindung zwischen Italien und dem Reich; [7.] Abordnung eines spanischen Gesandten zu Kg. Maximilian und zu Kg. Ludwig von Frankreich; [8.] Anwesenheit einer ungarischen Gesandtschaft, Abreise Querinis vom kgl. Hof; [9.] Schwierigkeiten bei der Besorgung der Post.

    Konstanz, 26. Juli/5. August 1507.
    Druck: Passy , Vettori II, S. 226–229 (frz. Übersetzung).

    [1.] Verweist auf seinen durch Ardingo überbrachten Bericht vom 15. Juli.1 Er war seither so aufmerksam wie möglich, um ihnen etwas über die hiesigen Vorgänge schreiben zu können. Er kann sie indessen nur über Materien informieren, die bereits erledigt sind – aus den ihnen bereits mitgeteilten Gründen.
    [2.] Gestern vormittag, am 27. Juli [!], verabschiedete der röm. Kg. alle auf dem RT versammelten Fürsten und reichsständischen Gesandten. In der Reichsversammlung wurden in Anwesenheit des Kg. alle Beschlüsse verlesen. Jeder der Anwesenden wurde durch Eid zu Stillschweigen verpflichtet, solange die Beschlüsse noch nicht umgesetzt sind.
    [3.] Für die Zeit des Italienzuges des röm. Kg. wurde Kf. Friedrich von Sachsen zum Statthalter bestimmt. Auch über den Feldzug wurden Beschlüsse gefaßt: Der röm. Kg. wird zur Erlangung der Kaiserkrone mit, wie es heißt, 25 000 Fußsoldaten und 25 000 Reitern nach Italien ziehen. Er ist der Feind des frz. Kg.; durch Ausschreiben in das ŠReich verkündete er, wie dieser ihn verraten und betrogen hat. Alle Fürsten und Städte demonstrierten Einigkeit und legten fest, was jeder von ihnen an Geld- und Truppenhilfe zu leisten hat. Die Größe und Macht Deutschlands ist solchergestalt, daß es problemlos ein Heer im genannten Umfang unterhalten kann. Auch die Dauer der Hilfe wurde beschlossen, er konnte darüber jedoch noch nichts in Erfahrung bringen. Viele glauben, daß der röm. Kg. Mitte September mit dem Großteil seines Heeres an der Grenze Italiens stehen wird. Er verfügt über 12 000 Schweizer, der ganze Bund steht im Einvernehmen mit dem Kg. Sobald die Beschlüsse umgesetzt werden, wird Italien sie als Realität anerkennen müssen. Wie er bereits geschrieben hat, wurde dem röm. Kg. auf diesem RT mehr Gehorsam erzeigt als jedem seiner Amtsvorgänger in vielen hundert Jahren. Deutsche und Italiener sind sich darüber einig, daß jeder Fürst, der nicht selbst kommen konnte, und jede Stadt Gesandte geschickt haben und daß seit langer Zeit kein Kg. Vergleichbares erreicht hat.
    [4.] Gestern vormittag [27.7.], vor der Verabschiedung der RT-Teilnehmer, wurde der venezianische Gesandte [Vincenzo Querini] herbeizitiert. Im Namen des Kg. und der Reichsversammlung forderte Gf. [Eitelfriedrich] von Zollern (Thorn) ihn auf, zu erklären, ob Venedig den ungehinderten Durchzug [des kgl. Heeres] gestatten und ein Bündnis mit dem röm. Kg. eingehen werde oder nicht. Der Gesandte, der wußte, daß die Entscheidung darüber bereits hätte gefallen sein müssen, antwortete, daß er keine Weisung für eine Antwort habe. Er wurde daraufhin beauftragt, nach Venedig zurückzukehren und binnen eines Monats eine verbindliche Antwort zu erwirken. Der Gesandte wies darauf hin, daß ihm die Todesstrafe drohe, wenn er ohne Erlaubnis der Signorie zurückkehre. Ihm wurde gesagt, daß er den Hof verlassen müsse. Bislang ist er jedoch nicht gegangen; nach allem was er, Vettori, hört, wird er dies auch nicht tun. Manche argwöhnen, daß es sich um eine List der Venezianer handelt, die dem frz. Kg. demonstrieren wollen, daß sie unter Druck gesetzt wurden. Es könnte sich aber auch um einen ganz bewußten Schritt handeln, um mit einem Schlag die Lage zu klären.
    [5.] Er ist davon überzeugt, daß der röm. Kg. ihn ebenfalls bald vom Hof verabschieden wird; [Matthäus] Lang machte Andeutungen in diese Richtung. Man sagte dem Kg., daß er nur hier sei, um Informationen zu gewinnen. Es heißt hier, daß Florenz es mit dem frz. Kg. halte und er selbst keine weitergehenden Befehle habe. Er empfiehlt die Abordnung eines zu Verhandlungen bevollmächtigten Gesandten, da es nach einem Bruch des röm. Kg. mit Venedig dafür zu spät sein wird. Da er selbst nichts ausrichten kann, bittet er, ihm die Heimkehr erlauben. Um über wichtige Angelegenheiten berichten zu können, benötigt er Geld (das er hier jedoch bei keinem Kaufmann aufbringen kann), denn er kann hier niemandem trauen. Auch wenn er die Mittel hätte, könnte Pigello [Portinari] dies viel besser erledigen, denn dieser hat – anders als er selbst oder jeder andere Gesandte, den Florenz schicken könnte – die Möglichkeit, sich über die Vorgänge kundig zu machen.
    [6.] Man glaubt, daß der röm. Kg. mit dem Papst einig ist. Gestern traf hier ein Mann aus Rom auf der Postroute ein. Es heißt, daß die Post nicht mehr über venezianisches Territorium geht. Vielleicht schickt Venedig seine Schreiben auf dem direkten Weg.
    [7.] Der Kg. von Aragon hat erneut jemanden entsandt, der dann mit dem allerchristlichsten Kg. gesprochen hat – vielleicht um ein Übereinkommen zu treffen.
    Š[8.] Auch der Kg. von Ungarn hat Gesandte abgeordnet. Sie halten sich eine Tagesreise entfernt von hier auf. Der venezianische Gesandte [Querini] hat gestern [4.8.]2 den Hof verlassen. Es heißt, daß er nach Augsburg gehen wird. Man sollte dieses Zerwürfnis mit den geeigneten Mitteln fördern.
    [9.] Da er nicht wußte, wem er den Brief aufgeben kann, hat er ihn bis zum 5. August zurückgehalten. Wenn ihm nicht die geeigneten Leute zur Verfügung stehen, kann er nichts Wichtiges berichten.

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    ser/rta1507/II916/pages

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    Anmerkungen

    1
     Laut der späteren Aufzeichnung Vettoris über seine Deutschlandreise wurde er von dem lateinisch sprechenden Friesen „Pierre Dornit“ [= Hicko von Dornum], mit dem er die Herberge teilte, bspw. über die Teilnehmer am RT informiert ( Passy , Vettori II, S. 105–108).
    2
     Vettori hatte keine Verhandlungsvollmacht, sondern fungierte lediglich als Beobachter am Hof Kg. Maximilians ( Devonshire Jones , Vettori, S. 14–18). Vgl. auch den Reisebericht Vettoris über seinen Aufenthalt in Konstanz bei Passy , Vettori II, bes. S. 103–112.
    3
     Tatsächlich wurde Kf. Joachim durch seinen Rat Eitelwolf vom Stein vertreten [Nrr. 120; 268, Pkt. 32].
    4
     Der ferraresische Gesandte Antonio de’ Costabili traf erst Ende Juli in Konstanz ein, als sich der RT gerade auflöste. Sein Auftrag betraf Erkundigungen über die Vorbereitungen Kg. Maximilians für den Romzug und die Investitur Hg. Alfonsos mit Modena und Reggio. Vgl. – auch zu den Verhandlungen – Voigt , Briefe, S. 108–112. Siena entsandte, wohl ebenfalls erst nach dem RT, Domenico Placidi und Antonio da Venafro an den Hof Kg. Maximilians. Vgl. zu deren Mission Pecci , Memorie I/1, S. 225.
    1
     Vermutlich handelt es sich um einen Fehler der Vorlage. Der Florentiner Luca Landucci erwähnt in seinem Tagebuch die Bewilligung von 160 000 Kämpfern und 22 000 Pferden ( Landucci , Tagebuch II, S. 143).
    1
     Liegt entweder nicht vor oder verweist auf den zweiten Bericht Vettoris vom 14.7. [Nr. 702].
    2
     Richtig: 5.8. [Nr. 700, Anm. 6].

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    9.16. Florenz »

    « Nr. 701 Francesco Vettori an die Signorie von Florenz »

    [1.] Ankunft in Konstanz; [2.] Audienz vor Kg. Maximilian; [3.] Teilnehmer am RT und ausländische Gesandtschaften am Hof Kg. Maximilians; [4.] fehlende Informationen über die Geschehnisse auf dem RT; [5.] Sorge Vettoris um seine Gesundheit; [6.] Langsamkeit der Nachrichtenübermittlung; [7.] Besuch Vettoris bei Matthäus Lang; [8.] baldiger Abschluß des RT.

    Konstanz, 14. Juli 1507.
    ŠDruck: Passy , Vettori II, S. 219–222 (frz. Übersetzung).

    [1.] Er ist am 11. Juli hier in Konstanz eingetroffen. Wegen der Vielzahl der anwesenden Herren und Gesandtschaften hatte er große Schwierigkeiten bei der Beschaffung einer Herberge. Er bemühte sich durch die Vermittlung Pigello Portinaris [kgl. Sekretär] um eine Audienz beim Kg. Er ist Portinari sehr zu Dank verpflichtet. Denn wie er ihnen schon vor seiner Abreise angekündigt hatte, kam er an einen Hof, wo er niemanden kennt und die Sprache nicht versteht.1 
    [2.] Heute gelangte er vor den röm. Kg. und legte ihm so knapp und angemessen wie möglich seinen von ihnen erteilten Auftrag dar.2 Der Kg. bereitete ihm einen sehr liebenswürdigen Empfang. So allgemein gehalten wie seine eigene Erklärung war auch die kgl. Antwort darauf. Bei dieser Audienz waren nur der Bf. von Gurk, Matthäus Lang, der die Antwort gab, der Hofmeister der röm. Kgin., Niklas von Firmian (Fiamaino), zwei Kammerdiener und Portinari zugegen. Der röm. Kg. hatte ihm ursprünglich eine geheime Audienz gewähren wollen, weil er – wie ihm hintertragen wurde – konkrete Vorschläge erwartet hatte. Der Kg. erbot sich ihm gegenüber in vielerlei Weise und entschuldigte sich, ihn nicht länger anhören zu können. Er bat auch, es ihm mitzuteilen, falls er nicht angemessen untergebracht sei, und im übrigen Verständnis für die deutsche Lebensart aufzubringen. – Er dankte dem Kg. und kündigte an, noch einige Tage an seinem Hof zu bleiben, bis dieser ihm mitteilen könne, daß er keine weiteren Anliegen gegenüber Florenz habe.
    [3.] Wie bereits angedeutet, sind alle deutschen Fürsten hier. Wer nicht selbst kommen konnte, hat seine Gesandten geschickt. Ebenso sind die reichsfreien Städte hier vertreten. Von den [geistlichen] Kff. sind Mainz und Trier persönlich anwesend. Der Ebf. von Köln, durch eine Krankheit verhindert, hat Gesandte abgeordnet. Im Auftrag des pfälzischen Kf. sind zwei seiner Söhne hier. Der Kf. von Sachsen weilt persönlich in Konstanz. Der Kf. von Brandenburg hat seinen Bruder [Mgf. Albrecht] hier.3 Der Kg. von Ungarn, als Kg. von Böhmen zugleich Kf., hat zwei Gesandte abgeordnet. Aus Italien ist als päpstlicher Legat Costantino [Arianiti] hier. Ein venezianischer Gesandter [Vincenzo Querini] ist ebenfalls anwesend. Der Kg. von Aragon hat wie der Kg. von Portugal einen Repräsentaten geschickt. Vor drei Tagen traf ein Emissär des Hg. von Savoyen ein. Lediglich von Gesandten Pandolfos [Petrucci von Siena], des Hg. von Ferrara und des Mgf. von Mantua hört man nichts; vielleicht nimmt jemand insgeheim diese Funktion wahr.4 
    Š[4.] Von weiteren Verhandlungen weiß er nichts. Zweifellos erwarten sie detaillierte Informationen über die hiesigen Vorgänge. Aber er ist gerade erst hier angekommen und kennt niemanden. An Eifer ließ er es indessen nicht fehlen.
    [5.] Im Moment sind in Konstanz alle wohlbehalten. Aber viele Orte in Deutschland werden von Seuchen heimgesucht. Falls sich der röm. Kg. dorthin begeben sollte – die Deutschen bekümmern sich wenig um die Pest – werden sie ihn entschuldigen, wenn er ihm nicht dorthin zu folgen bereit ist. Sie werden sicherlich einverstanden sein, wenn er dann nach Verabschiedung durch den Kg. nach Italien zurückkehrt.
    [6.] Er hat Ardingo, der innerhalb von zehn Tagen in Florenz eintreffen soll, 10 fl.rh. gegeben. Der Bote wird morgen, am 16. Juli [!], aufbrechen. Der Weg ist sehr lang – über 500 Meilen – und beschwerlich. Allein die Überquerung der Alpen zu Pferd dauert drei Tage. Die ausgelegten 10 fl. können zu Händen seines Bruders Paolo [Vettori] erstattet werden.
    [7.] Er hat heute Matthäus Lang, dem ersten Mann im kgl. Gefolge, einen Besuch abgestattet. Dieser zeigte sich Florenz gegenüber sehr geneigt.
    [8.] [PS] Es heißt, daß der RT sich noch in dieser Woche auflösen und alles abgeschlossen sein wird.

    « Nr. 702 Francesco Vettori an die Signorie von Florenz »

    [1.] Vorkehrungen zur Geheimhaltung der Nachricht; [2.] Mitteilung Kg. Maximilians durch Matthäus Lang über sein gutes Verhältnis zu Florenz; höfliche Erwiderung Vettoris; [3.] Vorbereitungen zum kgl. Romzug, voraussichtliche Beteiligung der Eidgenossen, Unklarheit über die Marschroute und die Größe des kgl. Heeres; [4.] Unsicherheit über die Haltung Venedigs und Papst Julius’ II. hinsichtlich des Romzuges; [5.] Ankunft Massimiliano und Francesco Sforzas in Konstanz, Gerüchte über die geplante Rückeroberung Mailands; [6.] Empfehlung zur Abordnung bevollmächtigter Gesandter, Intrigen gegen Florenz.

    Konstanz, 14. Juli 1507.
    Druck: Passy , Vettori II, S. 222–226 (frz. Übersetzung).

    [1.] Er hat diesen Brief Ardingo anvertraut, der ihn so diskret wie möglich überbringen soll. Der andere Brief [Nr. 701] enthält nichts Wichtiges. Wenn der Bote also genötigt werden sollte, die mitgeführte Post vorzuzeigen, so kann er diesen vorlegen.
    [2.] Der röm. Kg. ließ ihm durch [Matthäus] Lang, seinem wichtigsten Vertrauten, antworten, daß ihm seine Ankunft sehr angenehm sei, daß er um den guten Willen der Signorie von Florenz ihm gegenüber wisse und nicht daran zweifle, daß sie sich als gehorsame Untertanen des Reiches erzeigen. Über den Termin für seinen Italienzug könne man ihm nichts sagen, da dieser noch nicht feststehe. Er werde ihm aber in Kürze darüber Mitteilung machen können.
    ŠEr antwortete, daß man sich in Florenz wegen des Erscheinens des röm. Kg. keine Sorge mache; vielmehr sei er der Signorie willkommen. Er werde noch einige Tage am kgl. Hof bleiben für den Fall, daß sich etwas von seiten der Republik ergeben werde.
    [3.] Hier werden große Vorbereitungen [für den Romzug] getroffen. Die deutschen Fürsten sind sich alle einig. Allgemein heißt es, daß der röm. Kg. in jedem Fall nach Italien ziehen wird. Viele Deutsche sagen, daß seit hundert Jahren keinem Kg. so viel Gehorsam entgegengebracht wurde wie diesem. Sämtliche Fürsten und Reichsstädte haben Leute geschickt, so daß mehr als 600 0001 kommen. Die Macht Deutschlands ist groß, und dieses Mal sind sie untereinander einig. Der RT ist noch nicht zu Ende, jeden Tag treten die Fürsten zusammen. Wer ihrer Sprache nicht mächtig ist – es gibt hier keinen Italiener, der sie gut beherrscht –, wird kaum wichtige Dinge verstehen und muß nach den Geschehnissen urteilen.
    Es heißt, daß die Eidgenossen mit Sicherheit zustimmen werden und daß diejenigen drei Kantone [Luzern, Zug und Glarus], die sich wegen ihrer Nachbarschaft zur Lombardei bislang halsstarrig zeigten, in dieser Stunde einlenken. Einige glauben, daß die Reichsfürsten untereinander über die Route des Kg. für den Zug gegen den Kg. von Frankreich diskutieren, ob über Italien oder durch Burgund. Manche glauben, daß er durch Savoyen ziehen wird. Man sieht indessen keine Truppen, die sich in Marsch setzen. Er selbst hat während eines sechstägigen Rittes durch Deutschland keinen einzigen auf dem Weg nach Trient befindlichen Reiter oder Fußsoldaten gesehen. Doch erscheint ihre Einigkeit so groß, daß die Dinge glaubwürdiger sind als zu anderen Zeiten. Es heißt, daß der röm. Kg. Anfang August mit der Auszahlung der Gelder an die Eidgenossen beginnen wird.
    Er hat nicht berichtet, welches Kontingent an Fußsoldaten und Reitern den röm. Kg. begleiten wird. Italiener wie Deutsche nennen so unterschiedliche Zahlen, daß er nicht weiß, was glaubwürdig ist. Aber sie können sicher sein, daß die Zahl sehr groß sein wird. Wiederholt hat der Kg. gesagt, er will mit so großer Heeresmacht kommen, daß es gleich wäre, auch wenn sich ganz Italien mit Frankreich gegen ihn verbünden würde. Man sagt, die Magistrate sammeln in den Reichsstädten, die allesamt bereitwillig ihren Beitrag leisten, bereits Geld ein.
    [3.] Er konnte ihnen nicht berichten, ob Venedig und der Papst mit dem röm. Kg. einig sind oder nicht. Er hat davon keine Kenntnis, da diese Dinge vertraulich behandelt werden. Vor wenigen Tagen kam ein Neapolitaner als Gesandter Venedigs an, wie man glaubt, mit einem abgeschlossenen Vertrag. Nichtsdestotrotz hat er keine zuverlässigen Informationen. Einige glauben, daß der röm. Kg. die Einigkeit unter den Deutschen festigen und Geld für den Unterhalt seines Heeres sammeln will und aus diesem Grund die italienischen Angelegenheiten in der Schwebe hält.
    [4.] Nach dem, was er hier in Erfahrung bringen konnte, stehen dem röm. Kg. viele Wege für seinen Zug nach Italien offen: der eine Weg führt durch Savoyen. Es heißt, der allerchristlichste Kg. wollte deshalb nicht in Asti bleiben, um nicht dort abgeschnitten zu Šwerden. Außerdem gibt es zwei Routen durch die Eidgenossenschaft und vier über das venezianische Territorium.
    [5.] Am Sonntag [11.7.] trafen hier die beiden Söhne Ludovico Sforzas [Massimiliano und Francesco] ein. Sie halten sich am Hof bei der röm. Kgin. auf, die ebenfalls hier ist. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß der röm. Kg. die Lombardei zurückerobern will.
    [6.] Empfiehlt, in konkrete Verhandlungen mit dem röm. Kg. einzutreten und zu diesem Zweck Gesandte abzuordnen, bevor dieser sein Heer versammelt hat und sich die Bedingungen deutlich verschlechtern. Er muß ihnen weiter mitteilen, daß Florenz hier viele Feinde hat, vor allem Venedig, dessen Gesandter [Vincenzo Querini] allem Anschein nach nicht aufhört, den röm. Kg. davon zu überzeugen, daß der frz. Kg. seine Positionen in Italien dank florentinischem Geld halten kann. Möglicherweise gab es keine solchen Äußerungen, doch wurde es ihm so berichtet.

    « Nr. 703 Francesco Vettori an die Signorie von Florenz »

    [1.] Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Informationen; [2.] Abschluß des RT; [3.] Beschlüsse des RT zum kgl. Romzug: Reichsstatthalterschaft, Größe des kgl. Heeres; Unkenntnis des Aufmarschtermins; Einigkeit der deutschen Fürsten; [4.] Aufforderung von Kg. und Reichsversammlung an Vincenzo Querini zu einer verbindlichen Erklärung über die Haltung Venedigs hinsichtlich des kgl. Romzuges; Entlassung Querinis vom kgl. Hof; [5.] drohende Entfernung Vettoris vom kgl. Hof, dessen Empfehlung zur Abordnung bevollmächtigter Gesandter und Bitte um Erlaubnis zur Heimreise; [6.] Gerüchte über ein Einverständnis zwischen Kg. Maximilian und Papst Julius II., Postverbindung zwischen Italien und dem Reich; [7.] Abordnung eines spanischen Gesandten zu Kg. Maximilian und zu Kg. Ludwig von Frankreich; [8.] Anwesenheit einer ungarischen Gesandtschaft, Abreise Querinis vom kgl. Hof; [9.] Schwierigkeiten bei der Besorgung der Post.

    Konstanz, 26. Juli/5. August 1507.
    Druck: Passy , Vettori II, S. 226–229 (frz. Übersetzung).

    [1.] Verweist auf seinen durch Ardingo überbrachten Bericht vom 15. Juli.1 Er war seither so aufmerksam wie möglich, um ihnen etwas über die hiesigen Vorgänge schreiben zu können. Er kann sie indessen nur über Materien informieren, die bereits erledigt sind – aus den ihnen bereits mitgeteilten Gründen.
    [2.] Gestern vormittag, am 27. Juli [!], verabschiedete der röm. Kg. alle auf dem RT versammelten Fürsten und reichsständischen Gesandten. In der Reichsversammlung wurden in Anwesenheit des Kg. alle Beschlüsse verlesen. Jeder der Anwesenden wurde durch Eid zu Stillschweigen verpflichtet, solange die Beschlüsse noch nicht umgesetzt sind.
    [3.] Für die Zeit des Italienzuges des röm. Kg. wurde Kf. Friedrich von Sachsen zum Statthalter bestimmt. Auch über den Feldzug wurden Beschlüsse gefaßt: Der röm. Kg. wird zur Erlangung der Kaiserkrone mit, wie es heißt, 25 000 Fußsoldaten und 25 000 Reitern nach Italien ziehen. Er ist der Feind des frz. Kg.; durch Ausschreiben in das ŠReich verkündete er, wie dieser ihn verraten und betrogen hat. Alle Fürsten und Städte demonstrierten Einigkeit und legten fest, was jeder von ihnen an Geld- und Truppenhilfe zu leisten hat. Die Größe und Macht Deutschlands ist solchergestalt, daß es problemlos ein Heer im genannten Umfang unterhalten kann. Auch die Dauer der Hilfe wurde beschlossen, er konnte darüber jedoch noch nichts in Erfahrung bringen. Viele glauben, daß der röm. Kg. Mitte September mit dem Großteil seines Heeres an der Grenze Italiens stehen wird. Er verfügt über 12 000 Schweizer, der ganze Bund steht im Einvernehmen mit dem Kg. Sobald die Beschlüsse umgesetzt werden, wird Italien sie als Realität anerkennen müssen. Wie er bereits geschrieben hat, wurde dem röm. Kg. auf diesem RT mehr Gehorsam erzeigt als jedem seiner Amtsvorgänger in vielen hundert Jahren. Deutsche und Italiener sind sich darüber einig, daß jeder Fürst, der nicht selbst kommen konnte, und jede Stadt Gesandte geschickt haben und daß seit langer Zeit kein Kg. Vergleichbares erreicht hat.
    [4.] Gestern vormittag [27.7.], vor der Verabschiedung der RT-Teilnehmer, wurde der venezianische Gesandte [Vincenzo Querini] herbeizitiert. Im Namen des Kg. und der Reichsversammlung forderte Gf. [Eitelfriedrich] von Zollern (Thorn) ihn auf, zu erklären, ob Venedig den ungehinderten Durchzug [des kgl. Heeres] gestatten und ein Bündnis mit dem röm. Kg. eingehen werde oder nicht. Der Gesandte, der wußte, daß die Entscheidung darüber bereits hätte gefallen sein müssen, antwortete, daß er keine Weisung für eine Antwort habe. Er wurde daraufhin beauftragt, nach Venedig zurückzukehren und binnen eines Monats eine verbindliche Antwort zu erwirken. Der Gesandte wies darauf hin, daß ihm die Todesstrafe drohe, wenn er ohne Erlaubnis der Signorie zurückkehre. Ihm wurde gesagt, daß er den Hof verlassen müsse. Bislang ist er jedoch nicht gegangen; nach allem was er, Vettori, hört, wird er dies auch nicht tun. Manche argwöhnen, daß es sich um eine List der Venezianer handelt, die dem frz. Kg. demonstrieren wollen, daß sie unter Druck gesetzt wurden. Es könnte sich aber auch um einen ganz bewußten Schritt handeln, um mit einem Schlag die Lage zu klären.
    [5.] Er ist davon überzeugt, daß der röm. Kg. ihn ebenfalls bald vom Hof verabschieden wird; [Matthäus] Lang machte Andeutungen in diese Richtung. Man sagte dem Kg., daß er nur hier sei, um Informationen zu gewinnen. Es heißt hier, daß Florenz es mit dem frz. Kg. halte und er selbst keine weitergehenden Befehle habe. Er empfiehlt die Abordnung eines zu Verhandlungen bevollmächtigten Gesandten, da es nach einem Bruch des röm. Kg. mit Venedig dafür zu spät sein wird. Da er selbst nichts ausrichten kann, bittet er, ihm die Heimkehr erlauben. Um über wichtige Angelegenheiten berichten zu können, benötigt er Geld (das er hier jedoch bei keinem Kaufmann aufbringen kann), denn er kann hier niemandem trauen. Auch wenn er die Mittel hätte, könnte Pigello [Portinari] dies viel besser erledigen, denn dieser hat – anders als er selbst oder jeder andere Gesandte, den Florenz schicken könnte – die Möglichkeit, sich über die Vorgänge kundig zu machen.
    [6.] Man glaubt, daß der röm. Kg. mit dem Papst einig ist. Gestern traf hier ein Mann aus Rom auf der Postroute ein. Es heißt, daß die Post nicht mehr über venezianisches Territorium geht. Vielleicht schickt Venedig seine Schreiben auf dem direkten Weg.
    [7.] Der Kg. von Aragon hat erneut jemanden entsandt, der dann mit dem allerchristlichsten Kg. gesprochen hat – vielleicht um ein Übereinkommen zu treffen.
    Š[8.] Auch der Kg. von Ungarn hat Gesandte abgeordnet. Sie halten sich eine Tagesreise entfernt von hier auf. Der venezianische Gesandte [Querini] hat gestern [4.8.]2 den Hof verlassen. Es heißt, daß er nach Augsburg gehen wird. Man sollte dieses Zerwürfnis mit den geeigneten Mitteln fördern.
    [9.] Da er nicht wußte, wem er den Brief aufgeben kann, hat er ihn bis zum 5. August zurückgehalten. Wenn ihm nicht die geeigneten Leute zur Verfügung stehen, kann er nichts Wichtiges berichten.