Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    «   III. Kapitel
      Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages
     »

    «1. Romzug »

    1.1. Reichsstatthalteramt Kurfürst Friedrichs von Sachsen »

    « Nr. 733 Mandat Kg. Maximilians an alle Reichsangehörigen »

    [1.] Ernennung Kf. Friedrichs von Sachsen zum Reichsstatthalter, dessen Befugnisse und Aufgaben; [2.] Befehl zum Gehorsam gegenüber dem Statthalter.

    Konstanz, 3. August 1507.
    I. (Or. Druck, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein): Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. (m. S.) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 337–337’ (m. S.) = B.Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (Registraturverm.: Feria quarta post Bartholomei [25.8.]1507). Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Fasz. 2 M, fol. 3–3’. Dresden, HStA, Ältere Urkunden 9735. Esslingen, StdA, F 282a, unfol. Marburg, StA, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42. Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. Metz, AM, AA 4/301. Mühlhausen, StdA, G 1, Nr. 2, fol. 6–6’. München, HStA, Hst. Freising Lit. 713/I, unfol. Nordhausen, StdA, 1 D, Nr. 19 (m. S.; präs. Nordhausen, kurz vor dem 20.9.2). Straßburg, AV, AA 328, fol. 9–9’. Wien, HHStA, AUR 1507 VIII 3 (Adressat: Ebf. Leonhard von Salzburg). Wiesbaden, HStA, Abt. 150, Nr. 833, fol. 1–1’. Worms, StdA, 1 B, Nr. 226,3, unfol. (präs. Worms, mondags nach Egidii [6.9.]1507).3 
    Kurzregest: Rauch , Urkundenbuch III, Nr. 2090, S. 170.

    [1.] WJr, Maximilian, von gottes gnaden Roͤmischer künig, zuͤ allen zeiten merer des Reichs, zuͤ Hungern, Dalmatien, Croatien etc. Künig, Ertzhertzog zuͤ Osterreich, Hertzog zuͤ Burgundi, zuͤ Brabanndt vnnd Pfaltzgraue etc. Embietten allen vnnd yegklichen Churfürsten, Fürsten, Geistlichen vnd weltlichen, Prelaten, Grauen, Freyen, Herren, Rittern vnd knechten, Haubtleüten, Vitztumben, Voͤgten, Pflegern, Verwesern, Amptleüten, Schultheissen, Burgermaistern, Richtern, Raͤten, Burgern, Gemaynden vnnd sunst allen anndern vnnsers vnnd des Reichs vnderthanen vnnd getreüen, Jn was wirden, Stadts oder wesens die sein, vnnser gnad vnd alles guͤt. Erwirdigen, Hohgebornen, Wolgebornen, Edlen, Ersamen, lieben Neuen, oͤheimen, Churfürsten, Fürsten, Andechtigen vnnd getrewen. Nachdem wir yetz in Ytalien personlich zuͤ ziehen vnnd mit hilff Gottes die kayserlich Cron zuͤ empfahen willens sein, damit dann die selb zeit solhs vnnsers abwesens an außrichtung des heiligen Reichs sachen nit mangel erscheine, Haben wir mit guͤtem, zeitigem Rate, auch wissen vnd zuͤgeben vnnser vnd des Reichs Churfürsten, Fürsten, Stende vnd gemainer versamlung des heiligen Reichs diß Reichßtags, hie zuͤ Costentz gehalten, den Hohgebornen Fridrichen, Hertzogen zuͤ Sachsen, ŠLandtgrafen in Düringen vnnd Marggrafen zuͤ Meissen, des heiligen Roͤmischen Reichs Ertzmarschalck, vnnsern lieben oͤheim vnd Churfürsten, zuͤ vnnserm vnd des Reichs Statthalter herdißhalben des gepirgs gesetzt vnd geordent vnd Jm volkomen macht vnnd gewalt gegeben, das sein lieb in vnnserm abwesen bis auff vnnser widerkunfft in Teütsche lannd an vnnser statt vnd von vnnsern wegen mitsambt seinen zuͤgeordneten Raͤten zuͤ handthabung friden vnd Rechtens all vnd yegklich auffruͤr, widerwertigkaiten, krieg vnd empoͤrung, wo sich die an den angezaygten Enden herdißhalben des gepirgs erzeigen wurden, von wem sich das begebe, verhuten, abstellen vnd, souil ym müglichen ist, fürkomen vnd deßhalben gegen denselben Parteyen durch ernstlich gebott oder in ander wege fürnemen, Deßgleichen auch in allen vnd yeglichen sachen, die Jm fürfallen vnd an Jn gelangen vnd in sonderhait, was wir Jme hernachmals zuͤschreiben vnd beuelhen werden, nach besag der selben vnser beuelh handlen, tuͤn vnd gefaren. Vnd wo yemand sich der selben handlungen, gebotten oder aber den vrtailen vnd Rechtlichen Processen, so an vnserm künigklichen Camergericht gesprochen vnd ergangen weren, widersetzen vnnd den nit nachuolgen vnnd gehorsam tuͤn wurde, die selben mit hilff vnser vnd des heiligen Reichs Churfürsten, Fürsten vnd Stennde in den vier tailen, darinn die selben vngehorsamen gesessen oder wonhafftig sein vnd güter haben, die er also, wann das die notdurfft erfordern wirdet, samentlich oder sonderlich in solhem in hilff erfordern vnd auffbietten, mit Ernst zuͤ gehorsam bringen, auch darob sein vnnd verfugen sol, damit dem Abschid, der auff dem gehalten Reichßtag hie gemacht vnnd beschlossen ist, Jn allen seinen Artickeln volziehung beschehe, vnd in dem alles das mit dem Bessten fleiß fürnemen, handlen, tuͤn vnd lassen sol vnd mag, das Jne für das Rechtlichest, notdurfftigest, nützest vnd Besst für vns, das heilig Reiche vnd gemainen nutz ansicht, wie Jme als vnserm vnd des Reichs getreüen Statthalter gebüret vnd wir als Roͤmischer künig selbs tuͤn moͤchten.
    [2.] Solhs verkünden wir Eüch, damit ain yeder den selben vnnsern Statthalter in solhem vnserm Abwesen Jn seinen sachen vnd notdurfften anzelangen vnd zuͤ ersuͤchen wisse. Vnd empfelhen darauff Eüch allen vnd Ewr yedem besonnder von Roͤmischer künigklicher macht volkomenhait, bey vermeidung vnser vnd des Reichs Schweren vngnad vnd straffe Ernstlich gebiettend, das ir des gemelten vnnsers oͤheims vnd Churfürsten von Sachsen als vnsers vnd des Reichs Statthalters handlungen, gebotten vnd verbotten, so er Jn solhem, wie obsteet, tuͤn wirdet, gehorsam vnd gewertig seyt vnd dem selben gestracks nachfolg vnd volziehung tuͤt vnd Eüch des nit sperret oder widert, noch eynich außflucht oder waigerung darinn suͤchet oder yemand anderm zuͤtuͤn gestattet in dhein weise, als lieb eüch allen vnd Ewr yedem sey, die obbestimbt Pene vnd Puͤsse zuͤuermeiden; daran tut Jr vnd Ewr yeder vnnser Ernstliche mainung vnd gefallen. Geben zuͤ Costentz, Am dritten tag des Monats Augusti Nach Cristi gepurt Fünffzehenhundert vnd ym Sibenden, Vnnser Reich, des Roͤmischen ym zwayundzwaintzigisten Vnnd des Hungrischen ym Achzehenden Jaren.

    « ŠNr. 734  Mandat Kg. Maximilians an alle Reichsangehörigen »

    [1.] Damit während seiner Abwesenheit in Italien zum Empfang der Kaiserkrone bezüglich der Reichsangelegenheiten nichts versäumt wird, setzt er Kf. Friedrich von Sachsen als kgl. und Reichsstatthalter ein und stattet ihn mit allen erforderlichen Vollmachten aus. Dies gilt bis auf weiteren kgl. Befehl von Weihnachten an. Kf. Friedrich soll in seinem Namen gemeinsam mit den zugeordneten Ff. oder je nach Dringlichkeit des Vorgangs auch allein zur Handhabung Friedens und Rechts alle Streitigkeiten, gewaltsamen Auseinandersetzungen und Kriege im Reich unterbinden und zu diesem Zweck gegen die Beteiligten mittels Mandaten oder in anderer Weise vorgehen. Er soll in allen vorfallenden und insbesondere in denen ihm durch kgl. Befehl aufgetragenen Angelegenheiten nach besten Wissen und Gewissen zum Nutzen von Kg. und Reich verfahren, wie dies seine Pflicht als röm. Kg. wäre und Kf. Friedrich dies zugesagt hat.
    [2.] Ratifiziert und bestätigt alle künftigen Handlungen des Reichsstatthalters. Alle Briefe des Statthalters sollen vor ihrem Ausgang registriert und vom Kf. eigenhändig unterzeichnet werden. Zu dessen Unterstützung werden Ebf. Jakob von Trier, Ebf. Ernst von Magdeburg, Bf. Georg von Bamberg, Bf. Lorenz von Würzburg, Bf. Heinrich von Augsburg, Hg. Albrecht von Bayern, Abt Johannes von Salem, Abt Georg von Kaisheim und Deputierte der Städte Augsburg und Nürnberg – sowie ggf. weitere Personen nach Ermessen des Kf. – zu Beiräten ernannt.1 Nach Aufforderung durch den Kf. sollen diese oder ihre Gesandten zusammenkommen, dessen Bericht über den fraglichen Vorgang anhören und daraufhin ein versiegeltes Gutachten dazu übergeben. Der Kf. wird dann entweder entsprechend verfahren oder ihn, den Kg., informieren.2 Falls der Statthalter und die zugeordneten Räte dies für erforderlich halten, haben sie die Befugnis, weitere Stände zu den Beratungen hinzuzuladen. Der Kf. kann das Statthalteramt mit einer Frist von zwei Monaten aufkündigen.

    Konstanz, 8. August 1507.
    I. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein): Dresden, HStA, Ältere Urkunden 9739 (Perg.) = Textvorlage A.
    II. (Or. Druck, Vermm. und Gegenz. wie A): Worms, StdA, 1 B, 226,3, [Stück-Nr. 42] (präs. Worms, mondags nach Egidii [6.9.]1507) = B.
    III. (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein): Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10575/5, fol. 1–2’. Weimar, HStA, Kopialbuch F 11, fol. 44–46. Würzburg, StA, WRTA 5, fol. 86’-88 (Überschr.: Wie kgl. Mt. ein stathalter des Hl. Richs verordent hat.).
    ŠIV. (Kop.): Meiningen, StA, Zinck-Mattenberg-Sammlung, Nr. 97, fol. 35–38.
    Druck: Müller , Reichstagsstaat, S. 712–716; Lünig , Reichs-Archiv V/2 (Part. Spec., 4. Abt., 2. Abs.), Nr. XIII, S. 28f.; Ziegler , Corpus, S. 928–930.

    « Nr. 735 Verschreibung Kg. Maximilians für Kf. Friedrich von Sachsen »

    Bekundet als röm. Kg. und kunftiger Ks.  seine Zusage an Kf. Friedrich von Sachsen, daß ihm die Übernahme des Statthalteramtes an seiner gerechtigkait des vicariats a als ainem Kf. zu Sachsen, und so weit sein vicariatambt reicht-a, in kunftig zeit unvergriffenlich und unschedlich sein sol.

    Konstanz, 8. August 1507.
    Dresden, HStA, Ältere Urkunden 9737 (Or. Perg. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Weimar, HStA, Kopialbuch F 11, fol. 47’-48 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein) = B. Ebd., fol. 48’-49 (Kop. mit imit. Vermm. wie A) = C. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10575/5, fol. 3; 4; 5–5’; 6–6’ (jew. Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein). Meiningen, StA, Zinck-Mattenberg-Sammlung, Nr. 97, fol. 39–39’ (Kop.).
    Druck: Müller , Reichstagsstaat, S. 718 (wie B), S. 719f. (wie A); Lünig , Reichs-Archiv V/2 (Part. Spec., 4. Abt., 2. Abs.), Nr. XIV, S. 29 (wie B), Nr. XV, S. 30 (wie A); Ziegler , Corpus, S. 930f. (wie B), S. 931 (wie A).

    « Nr. 736 Münzprivileg Kg. Maximilians für den Reichsstatthalter Kf. Friedrich von Sachsen »

    Er hat Kf. Friedrich von Sachsen kraft Konstanzer Reichsabschied zum kgl. Reichsstatthalter nördlich der Alpen eingesetzt und bewilligt ihm für die Dauer seines Statthalteramtes die Prägung von Gold- und Silbermünzen: Auf der einen Seite soll ein Adler mit den Wappen Österreichs und Burgunds auf der Brust und der Legende Maximilianus Romanorum rex semper augustus zu sehen sein; auf der anderen Seite ist das kfl. Wappen abgebildet, mit der Umschrift: Fridericus d[ux Saxo]nie princeps [elector et Sacri Romani Imperii]1 locumtenens generalis. Die Goldmünzen sollen nach Gewicht und Feingehalt dem rheinischen Gulden entsprechen, die Silbermünzen ihrem realen Wert. Befiehlt unter Androhung der kgl. Ungnade und einer Strafe von 50 Mark lötigen Goldes die Beachtung dieser Urkunde und die Akzeptierung der genannten Münzen als im Reich gängige Sorten.

    Kaufbeuren, 12. November 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 20–21 (Konz. mit ex.-Verm.).

    « ŠNr. 737  Mandat Kg. Maximilians an die Reichsstände und an alle übrigen Reichsangehörigen »

    [1.] Ernennung Kf. Friedrichs von Sachsen zum Reichsstatthalter, dessen Kompetenzen und Befugnisse; [2.] Befehl zum Gehorsam gegenüber dem Statthalter und zu dessen Unterstützung.

    a Memmingen, 16. Dezember 1507-a.
    Innsbruck, TLA, Inkunabeln, Nr. 25 (Druck mit Zierinitiale, gestrichene Passage, Unterz.: Fridericus [von Sachsen]) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10575/5, fol. 7–8’, 9’ (Kop.) = B.

    [1.] [Intitulatio. Inscriptio]. Nachdem wir in Ytalien persondlichen zuziehen vnd mit hilff gottes die Keyserlich cron zuentpfahen willens sein. Damit nu an außrichtung des heyligen Reichs sachen nit mangel erscheine, Haben wir mit guͦtem, zeitigem Rate den hochgebornen Fridrichen, Hertzogen zu Sachssen, Landtgrauen in Doringen vnnd Marggrauen zu Meyssen, des heyligen Roͤmischen Reichs Ertzmarschalh, vnnser lieben Oheim vnd Churfursten, zu vnnserm vnd des Reichs Stathalter general byß auff vnnsern weyttern beuelh gesetzt vnd geordent Vnd Jme volkomen macht vnd gewalt gegeben, Das sein lieb auff Weynachten schirstkunfftig anzufahen Vnd nu hinfuro an vnnser Stat vnd von vnnsern wegen mitsambt seinen zugeordeten Fursten vnnd Reten oder allein, Wie sich ye zuzeyten gelegenheyt, groß oder eyll der sachen begeben oder die notturfft erfordern wirdet, zuhanthabung Fryeden vnd Rechtens all vnd yeglich Auffruͦr, Widerwerdigkeyten, Krieg vnd empoͤrung, Wo sich die in dem Heyligen Reich erzeygen wurden, von wem sich das begebe, Verhuͦtten, Abstellen Vnd, so vill jm moglich ist, furkomen. Vnd deßhalben gegen denselben Partheyen durch Ernstlich gebot oder in annder weg furnemen, Deßgleichen auch in allen vnd yeglichen sachen, die Jm furfallen vnd an Jne gelangen, Vnd in sonderheyt, Was wir Jme sunnst mer schreiben vnd beuelhen werden, nach besag derselben vnnser beuelh, Damit der abschied, der auff dem gehalten Reichs tag zu Costentz gemacht vnd beschlossen ist, Jn allen seinen Artickeln volziehung beschee. Vnd in dem alles das mit dem pesten vleyß furnemen, Hanndeln, thuͤn vnd lassen soll vnd mag, das Jne fur das Rechtlichist, Notturfftigist, Nutzist vnd best fur vnns, das heylig Reiche vnd gemeinen nutz ansicht, Wie Jme als vnnserm vnnd des Reichs getrewen Stathalter gebuͤret, So vil Jm moͤglich ist Vnd wir als Roͤmischer Kunig thun moͤchten. b Ob wir auch uber kurtz oder lang auff yemandts ungestuͤmbs ansuchen oder in annder wegk ichts dawider geben oder außgeen lassen wurden, das solichs nit stat haben, Sonnder von vnwirden sein sol, Das wir auch hiemit auß obbestympter vnnser kunigklichen macht volkomenheyt vnd Rechter wissen abthuͤn vnnd von vnkrefften erkennen vnd erkleren yetzo als dann, Dann als yetzo-b. Wie dann sollichs vnnser Kunigkliche verschreibung [Nr. 734], dem obbestymbten vnnserm Oheym vnd Churfursten, Hertzog Fridrichen, solchs Stathalter Ambts halb Sonnderlich gegeben, Jn ferrerm Jnhalt außweyst. Solich verkunden wir ŠEuch, damit ain yeder denselben vnnsern Stathalter in seinen sachen vnd notturfften anzelangen vnd zuersuchen wisse.
    [2.] Befiehlt unter Androhung der schweren Ungnade von Kg. und Reich, Kf. Friedrich als Reichsstatthalter gehorsam zu sein und dem Kf. und seinen Landen im Falle eines Angriffs mit Rat und Hilfe beizustehen, solange er mit den Angelegenheiten von Kg. und Reich befaßt ist.

    « Nr. 738 Mandat Kg. Maximilians an Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg  »

    Die Reichsstände haben für den gemeinsam beschlossenen Romzug eine zum 16. Oktober (St. Gallen tag) zu leistende Reichshilfe bewilligt. Er hätte erwartet, daß die Hilfe inzwischen geleistet worden wäre. Er hatte sich bei seinen kostspieligen Vorbereitungen in den Erblanden und in seinem Vorgehen gegenüber seinen italienischen und anderen Parteigängern darauf verlassen und kann den Romzug ohne nachteilige Folgen für sich und die gehorsamen Reichsstände nicht länger aufschieben. Da jedoch die Mehrzahl der Stände ihren Beitrag noch nicht geleistet hat, hat er aus den genannten Gründen Kf. Friedrich von Sachsen als Generalstatthalter im Reich unter anderem mit der Eintreibung der Romzughilfe beauftragt. Der Kf. hat daraufhin gebeten, ihm einige Reichsstände beizuordnen. Dieser Bitte ist er nachgekommen und hat ihm bewilligt, die Stadt Nürnberg und die übrigen beigeordneten Kff., Ff., Prälaten und Städte nach seinem Gutdünken zu Beratungen heranzuziehen. Befiehlt ihnen, einer entsprechenden Aufforderung durch den Kf. Folge zu leisten.

    Memmingen, 16. Dezember 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Registraturverm.: Feria quarta post Lucie [15.12.]1507).

    « Nr. 739  Kf. Friedrich von Sachsen an die Bff. von Bamberg, Würzburg und Augsburg sowie an Hg. Albrecht von Bayern »

    Er, Kf. Friedrich, soll sich gemäß dessen Befehl in Kürze zum röm. Kg. verfügen. Dieser hat ihn vorab darüber informiert, was den Romzug bisher verhindert hat, und ihm als Statthalter befohlen, in dieser und anderen Angelegenheiten tätig zu werden. Er seinerseits hat gebeten, sich mit den ihm auf dem Konstanzer RT zugeordneten Kff. und Ff. darüber besprechen zu dürfen, wie dies das beiliegende kgl. Mandat [Nr. 738] besagt. Er, der Adressat, hat bewilligt, ihm auf seine Bitte hin in Angelegenheiten von Kg. und Reich beratend zur Seite zu stehen. Dieser Fall ist jetzt gegeben. Er bittet ihn deshalb, am 6. Januar (hl. dreu Kgg. tag) persönlich in Nürnberg zu erscheinen, dort den kgl. Befehl anzuhören und zum Nutzen von Kg. und Reich und ihrem eigenen Besten zu handeln.

    Memmingen, 16. Dezember 1507 (dornstag nach St. Lucien der junkfrau tag).
    Augsburg, StA, Hst. Augsburg, Mü. Best. Lit. 1102, unfol. (Or., eh. Unterz. Kf. Friedrich) = Textvorlage A. Weimar, HStA, Reg. E, Nr. 54, fol. 157–157’, 158’ (Konz., Dorsalverm.: An die Ff., neben kgl. Mt. schirst gen Nurnberg trium regum zu komen.) = B.
    Druck: Müller , Reichstagsstaat, S. 729.

    « ŠNr. 740  Verschreibung Kg. Maximilians für Kf. Friedrich von Sachsen »

    Bekundet, daß er Kf. Friedrich von Sachsen als kgl. und Reichsstatthalter zur Erstattung seiner Unkosten 1000 fl.rh. und – falls er in Angelegenheiten des Reiches außerhalb seiner Lande zugange ist – zusätzlich für 60 Reiter monatlich je 8 fl.rh., insgesamt [für vier Monate] also 1920 fl.rh., Liefergeld bezahlen wird.1

    Memmingen, 17. Dezember 1507.
    Dresden, HStA, Ältere Urkunden 9750 (Or. Perg. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Weimar, HStA, Kopialbuch F 11, fol. 46’-47 (Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie A) = B. Meiningen, StA, Zinck-Mattenberg-Sammlung, Nr. 97, fol. 41–42 (Kop.).
    Druck: Müller , Reichstagsstaat, S. 716f.; Lünig , Reichs-Archiv V/2 (Part. Spec., 4. Abt., 2. Abs.), Nr. XVI, S. 30.

    « Nr. 741  Bf. Georg von Bamberg an den Reichsstatthalter Kf. Friedrich von Sachsen »

    Der röm. Kg. hat ihn, Bf. Georg, in einem vor kurzem zugegangenen Mandat an seine mit Zustimmung der Reichsstände erfolgte Ernennung zum Reichsstatthalter erinnert, ihn über den Auftrag an ihn zur Mitwirkung an der vollständigen Einhebung der Reichshilfe und zur Erledigung weiterer Angelegenheiten informiert und ihm befohlen, sich nach Aufforderung durch den Reichsstatthalter zum 6. Januar (hl. dreyer Kgg. tag) nach Nürnberg zu verfügen. Auch von ihm selbst hat er eine entsprechende Aufforderung [Nr. 739] erhalten. Er würde dem gern willfahren, doch hindern ihn gesundheitliche Gründe daran, wie er, Kf. Friedrich, selbst bei seinem Aufenthalt in Bamberg feststellen konnte. Bittet, seine Entschuldigung zu akzeptieren und ihn auch gegenüber dem Kg. zu rechtfertigen.

    Bamberg, 23. Dezember 1507 (donerstag nach Thome).
    Weimar, HStA, Reg. E, Nr. 54, fol. 159–159’ (Or.).

    «1.2. Einsammlung und Verwaltung der Reichshilfe  »

    « Nr. 742 Mandat Kg. Maximilians an verschiedene Reichsstädte, hier an Bürgermeister und Rat der Stadt Esslingen »

    Erinnert an den Beschluß des RT zu einer Romzughilfe, wobei Esslingen mit 11 Pferden und 17 Fußsoldaten veranschlagt wurde, die zum 16. Oktober (St. Gallen tag) nach Konstanz zu entsenden sind. Da er jedoch unverzüglich eine Reitertruppe (geraisigen zeug) benötigt, hat er sich mit Hg. Ulrich von Württemberg über die rasche Zuführung einer solchen Truppe über dessen Anteil am Reichsanschlag hinaus verständigt.1 Damit dieses ŠUnterfangen nicht zum Nachteil der Christenheit, des Hl. Reiches und der deutschen Nation verzögert wird, befiehlt er ihnen, ihren Anteil an der Romzughilfe mit Ausnahme des für ihn selbst bestimmten Bargelds an den Hg. von Württemberg zu schicken, die durch die seinen zu bestellen und zu verdienen.

    Konstanz, 1./2. August 1507.
    I. (Datum 1.8.1507): Esslingen, StdA, F 307, unfol. (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 234–234’ (Abschrift von A, Verm.: Dabey hat die kgl. Mt. ain credenz auf Jacoben Hainhofer an die stett Speyr, Ravenspurg, Esslingen, Gmund, Swabischen Hall, Hailpronnen, Uberlingen, Wumpfen, Wyl, Aulon [= Aalen] und Pfullendorf in der gemainen form außgeen lassen. 2) = B.
    II. (Datum 2.8.1507): Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie A, Verm. wie B, Adressat des zugrundeliegenden – am 25.8. durch Jakob Heimhofer zugestellten – Originals war Heilbronn). Frankfurt, ISG, Reichssachen II/199, Stück-Nr. 42 (Kop. mit imit. Vermm. und Gegenz. wie A, Adressat des zugrundeliegenden Originals war Speyer [präs. 20.8.]).3
    Regest: Rauch , Urkundenbuch III, Nr. 2089, S. 169f.

    « Nr. 743 Mandat Kg. Maximilians an den Frankfurter Rat »

    Die Reichsstände haben für den Romzug und gegenwärtige Obliegenheiten eine Gemeine Hilfe bewilligt. Dabei entfallen auf jeden Juden im Reich, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, gleich ob Mann oder Frau, 2 fl. Er hat Michael Rüttner (kgl. Waldvogt am Schwarzwald) mit der Eintreibung dieser Abgabe beauftragt. Gibt Weisung, Reuter für die Einsammlung unter den Frankfurter Juden ein Ratsmitglied zur Seite zu stellen. Erklärt, daß diese Steuer bestehende Privilegien nicht berührt.1 

    ŠKonstanz, 2. August 1507; präs. Frankfurt, 17. September 1507.
    Regest: Andernacht , Regesten, Nr. 3518, S. 914.

    « Nr. 744 Mandat Kg. Maximilians an Reichsstände zur Leistung der Reichshilfe »

    [1.] Wiederholung der auf Frankreich und den Romzug bezüglichen Punkte des RT-Ausschreibens; Unterwerfung Genuas durch Kg. Ludwig von Frankreich; Absichten Frankreichs gegen Bologna und Lucca, Pläne für einen Romzug Kg. Ludwigs; Maßnahmen Kg. Ludwigs gegen den geplanten Romzug Kg. Maximilians; [2.] Beschluß des Konstanzer RT zur Durchführung des Romzugs und Bewilligung einer Reichshilfe; [3.] Wiedereröffnung des kgl. Kammergerichts und Beschlüsse des RT zur Landfriedens- und Exekutionsordnung; [4.] Beitrag der Eidgenossen zum Romzug Kg. Maximilians; geplante Besetzung der Alpenpässe; [5.] Aufforderung zur termingerechten Leistung der Romzughilfe; [6.] Folgen bei Verweigerung der zugesagten Reichshilfe; [7.] Erflehen göttlichen Beistands für den Romzug.

    Konstanz, 3. August 1507.1 
    I. (Adressaten: Reichsfürsten, Prälaten, Gff. und Hh., Or. Druck, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat, Grußformel und Angabe über die Höhe der geforderten Reichshilfe handschriftlich inseriert): München, HStA, KÄA 3136, [nach fol. 264] (Adressat: Hg. Albrecht von Bayern) = Textvorlage A. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 10, Nr. 2 M, fol. 4–4’ (Adressat: Kf. Joachim von Brandenburg). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 9133/1, fol. 2 (Adressat: Hg. Georg von Sachsen). Magdeburg, LHA, A 1, Nr. 266, fol. 9–9’ (Adressat: Ebf. Ernst von Magdeburg). München, HStA, Hst. Freising, K.blau 220/1, unfol. (Adressat: Administrator Philipp von Freising). Paris, BNF, Collection de Lorraine 192, Stück-Nr. 42 (Adressat: Hh. von Blâmont; Angabe über die Höhe der geforderten Reichshilfe fehlt). Wien, HHStA, AUR 1507 VIII 3 (Adressat: Ebf. Leonhard von Salzburg)2. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IVa, Nr. 13, unfol. (Adressat Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken).
    II. (Adressaten: Reichsstädte; sonst wie I.):Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (m. S.; Registraturverm.: Feria quarta post Bartholomei [25.8.]1507; am 28.8. durch den kgl. Boten Jörg Gentner an BM Leonhard Grundherr Š(Grunther) übergeben)3 = B4. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. Esslingen, StdA, F 280, unfol. (m. S.)5. Hagenau, AM, EE 65, Nr. 10 (m. S.). Karlsruhe, GLA, D 1113 (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Gengenbach). Ludwigsburg, StA, B 177S, Bü. 43, unfol. (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Schwäbisch Gmünd). Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. (m. S.)6. Metz, AM, AA 4/28 (stark beschädigt, m. S.). Mühlhausen, StdA, G 1, Nr. 2, fol. 5–5’. München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, unfol. (präs. Regensburg, 13.9.1507). Nordhausen, StdA, 1 D, Nr. 18 (m. S.; präs. Nordhausen, kurz vor dem 20.9.7). Straßburg, AV, AA 328, fol. 9–9’ (m. S.).8
    ŠIII. (sonstige Exemplare): Basel, StA, Deutschland B 2,III, fol. 124 (Druck, Kanzleivermerke, Gegenzeichnung, Adressat und Angabe über die Höhe der geforderten Reichshilfe fehlen). Wien, HHStA, Reichsakten i.g. 1, fol. 23’-27’ (Kop.). Straßburg, AV, AA 328, fol. 20–20’, 23 (auszugsweise Kop.). Metz, AM, AA 4/29 (frz. Übersetzung, Exemplar verletzt).
    Druck: Datt , De pace publica, S. 577 (auszugsweise).

    [1.] [Intitulatio, Inscriptio, Salutatio]. Dir ist vngezweifelt in frischer gedächtnuß, das wir dir vnnd andern ständen des heiligen Reichs Jn vnnserm außschreiben des yetzgehalten Reichs tag zu Costentz [Nr. 5] vnder anderm die vrsachen, auß den wir bewegt worden seyn, den Hungrischen krieg zu verlassen vnd von dannen vnsern Romzug zuͤtuͤn, vnd wie vns durch des künigs von franckreichs uͤbung vnd Practica von den Venedigern vnd dem Marggrauen von Mantua der durchzug gewaigert vnd abgeschlagen ist, Auch was der selb künig von Franckreich gegen vnns vnd dem heiligen Reich in Ytalien vnd Geldern wider den Tractat, zu Hagnaw beschlossen, vnd sein Eer vnd pflicht geuͤbt vnd gehanndelt, vnd sonderlich, das vnns der selb künig Ytalien entpfrembdet vnd an sich gezogen hat vnd sich understeet, vnns an empfahung der kaiserlichen Cron zuͤ verhindern vnd sich selbs Erblichen Roͤmischen kayser zemachen, auß ansprach, herrürendt von dem grossen kayser Karel, der ain Frantzoß, als er sagt, gewest solt sein, das doch nicht, sonder er ist ain geborner Teütscher auß Brabannt, mit vil andern vmbstenten klaͤrlichen angezaigt. Hat sich darauff der selb künig von Franckreich in solchem seinem vnloblichen vnd vnzimlichen fürnemen wider vns vnd das heilig Reych nit settigen lassen, sonder zwischen der handlung des nechstgehalten Reichstag das groß Commun Genua, so on mittel dem heiligen Reych zu gehort und das sich, als uns die Genueser berichten, in Namen des heiligen Reichs auff vnsers heiligen Vatters, des Bapsts, hilff vnd trost verlassen, das Jnen aber der selb künig abgewendet, in sein gewaltsam getrungen, Jnen all ir freyhait, damit sy von uns, do wir personlich da selbs als in vnser vnd des heiligen Reichs Statt vnd Commun gewest sein, vnd weyter von vnsern vorfaren, Roͤmischen kaisern vnd künigen, fürsehen gewest, vnd sonderlich die freyheit der Müntz, die inen weilend vnser vorfar kayser Conrad gegeben9, abgenomen vnd sein Müntz an der selben stat getan vnd die bemelten freyhaiten mit ym in Franckreich zuͤ ainem Ruͦm also gefurt, Alles vns vnd dem heiligen Reich zu verklainung vnd verachtung. Er hat auch zuͤ der selben zeit Johann Pentenoia [= Bentivoglio] vnd ander sein Lampartisch haubtleüt mit Acht Tausent Mannen für Bononia geschickt, in maynung, die selb Stat auch einzuͤnemen wider sein selbs Eer, Brieff vnnd Sigel, damit er dem beruͤrten vnserm heiligen vatter, dem Babst, dem Šer die daruor hat helffen erobern, verbunden gewesen; und ist daneben sein gemut vnd maynung gestanden, die Stat Lüca, so auch dem Reich zuͤsteet vnd die er ainem Frantzosen zuͦm halben tail geben vnd in ewig zeit zuͤ Regieren zuͤgesagt, auch zuͤ erobern vnd von dannen gen Bisa, die ym vnder augen gen Genua zogen sein vnd sich ym vnderworffen, vnd also gen Rom zuͤ ziehen; dabey aigendlichen abgenomen wirdet, das sein grund dahin gesetzt ist, die Teütsch Nation in ewig zeyt auß Ytalien zuͤuertilgen vnd sich selbs erblichen kayser zuͤ machen. Sobald er aber die loblich handlung vnd ainigkait vnser vnd des heyligen Reichs Stend der versamlung alhie zuͤ Costentz, Auch das er bey den Eydgnossen in sollichem seinem fürnemen kain hilff erlangen mügen vnd die selben durch unser zuͤtuͤn von ym abgezogen sein, Jm auch sein verräterey mit der Statt Bonony zuͤrugk gangen ist, gesehen, hat er das selb sein fürnemen angestelt vnd vndersteet sich yetzo widerumb auff das hochst, mit volck vnd in ander weg zuͤbewerben, vns die Bass zuͤ vnserm Romzug vorzuͤhalten, Auch deßhalben den Künig von Arragon durch sein selbs person, deßgleichen die Venediger vmb hilff vnd beystand ersuͤcht, darauff ym der selb von Arragon noch kain endtliche antwurt gegeben, sonder das auff seine künigreich gewaigert. Aber die Venediger soͤllen ym hilff zuͤgesagt haben, dem wir gentzlichen glauben geben, dieweil sy den iren verbotten, mit vnser bottschafft, die wir nechst bey inen gehabt, on ir sonder erlaubnuß nichts zuͦreten. Sy haben auch all ir Bass wider vns besetzen lassen vnd allem irem kriegsvolck auffgebotten vnd die Stradioten auß Dalmatien über Meer erfordert.
    [2.] Sollich vnauffhoͤrlich des künigs von franckreichs uͤbung wir als Roͤmischer künig, der dem heiligen Reich fürgesetzt ist, billichen zuͤhertzen vnd gemuͤt gefast vnd mit vnsern vnd des heiligen Reichs Churfürsten, Fürsten vnd Stenden, die in mercklicher anzal personlich vnnd durch ir volmächtig Anwalt auff disem Reichstag auff vnnser erfordern alhie zuͤ Costentz bey vnns gehorsamlich erschinen sein, auß dem vnd anderm obligen vnd bewegungen des heiligen Reichs beschlossen, vnsern Romzug, den wir gemayner Cristenhait, dem heiligen Reich vnd Teütscher Nation zuͤ Eere vnd guͤtem zuͤtuͤn beuor haben, dest stattlicher zuͦuolbringen, die kaiserlich Cron zuͦerholen und zuͦerlangen, Auch die yhenen, so vns des verhindrung zuͤtuͤn understuͤnden, tapffern widerstand zuͤtuͤn vnd zuͤbegegnen vnd das, so das heilig Reich nit bekennen wil, zuͦ Reformieren vnd also dem heiligen Reich widerumb anhengig zuͤ machen, darinn vns durch die gemelten Churfürsten, Fürsten vnd stennd ain treffenliche hilff zuͤ Ross vnd fuͤß bewilligt vnd zuͦgesagt, des auch ainen gemaynen anschlag [Nr. 271] vnder die Stennd des heiligen Reichs gemacht vnd gesetzt Vnd darauff auch vnserm gnädigen ansynnen vnnd begeren nach ferrer bewilligt vnd zuͤgesagt, ain nämliche summa, Hunderdtausent vnd zwayntzig tausent guldin, Doch in abschlag des volcks vorberuͤrt, zuͤ vnderhaltung vnsers bestelten kriegßvolcks zuͤ fuͦß zuͦm vorzug vnser geschütz über gebürg zuͤ bringen, vor vnd Ee die verschneyen. [Annähernd wörtliche Wiedergabe des Reichsabschieds; Nr. 268, §§ 2–7, 11–12].
    [3.] Zuͤ dem haben wir auch nach Rat der obgemelten Churfürsten, Fürsten vnd Stend geordent zuͤ vnderhaltung fridens vnd Rechtens, Auch vnsers auffgerichten Landfriden, vnser küngklich Camergericht, das etlich zeit her nit in ubung gewesen, widerumb auffzuͦrichten, das auff sant Gallen tag [16.10.] schierist künfftig angeen vnd dann Šfür vnd für die angesehen zeit gehalten werden sol mit guͤter ordnung, das den vrtailen, so daselbs ergeen, notdürfftig Execution beschehen, auch dem berürten Landtfriden handthabung vnd volstreckung getan werden müg, alles nach besag derselben ordnung vnd abschids solhs gehalten tags.
    [4.] Vnd haben auch demnach dye Eydgnossen, bey den der gemelt kunig von Franckreich grosse Practica vnd fürkeren gehabt, die in sein hilff zuͤbringen, zuͤ verwilligung bracht, vnns in solhem vnserm fürnemen zuͤzeziehen vnd zehelffen; vnd wellen, damit durch den Franzosen, der in seinem geschwinten fürnemen nit auffhoͤret, sonder durch gelt ettlich lauffend knecht vnd kriegßfolck auß der Eydgnoßschafft vnd andern enten zuͤ ime zuͤ bringen vndersteet, Jn dem selben vnns zuͦ nachtail nit weyter fürgefaren werdt, mit vnnserm Kriegßfolck von den gemelten Eydgnoßen vnnd andern yetzo unverczogennlichen mit vnnserm Geschütz den vorczuͤg an zweyen Enden thun vnnd versuͤchen, dye Pass des gebirgs Eynzuͤnemmen.10 Der ungezweyfelten zuͦuersicht, du vnnd ander vnnser vnnd des heyligen Reich Churfürsten, Fürsten vnnd Stennd werden vnns mit der berürten irer zuͤgesagten hilff, darauff wir vns dann hierinn verlassen, auff das furderlichest nachfolgen vnd ainer auff den andern in kainen weg warten. Dann wir muͤsten widerum zuͤ rugk ziehen, wer dann all müe vnd kost vnd die kaiserlich Cron in ewig zeit verloren.
    [5.] Befiehlt ihm unter Geltendmachung seiner Ehre und seiner Pflichten gegen Kg. und Reich und unter Androhung des Verlustes seiner Reichsregalien und Privilegien, der kgl. Ungnade sowie einer Geldstrafe von 50 Mark lötigen Goldes, sein Kontingent – 60 Reiter und 69 Fußsoldaten – zum 16. Oktober (sant Gallen tag) nach Konstanz zu entsenden. Sein Anteil an der Geldhilfe ist ebenfalls unverzüglich nach Konstanz zu überweisen oder – falls er die Summe so rasch nicht aufbringen kann – zu Händen Jakob Fuggers bzw. seines Bevollmächtigten als Vertreters des kgl. Schatzmeisters Hans von Landau gegen Quittung11 zur Herbstmesse nach Frankfurt zu erlegen.12 Falls auch dieser Termin nicht eingehalten werden kann, ist das Geld gemäß Reichsabschied gegen Quittung an den Überlinger Magistrat zu überweisen. Er soll auch mitteilen, ob er Schwierigkeiten bei der Aufbringung seines vollzähligen Truppenkontingents hat und beabsichtigt, die Truppen in Šder Umgebung von Konstanz anzuwerben, damit er, der Kg., ihm dabei helfen kann. Er soll auch dafür Sorge tragen, daß seine Soldaten die auf dem Augsburger RT verabschiedeten Bestimmungen gegen überflüssigen Kleiderluxus13 einhalten.
    [6.] Dann wir vnns darauff versehen vnnd mit vnnser macht, wie obsteet, vnns in die handlung yetzo begeben. Vnd wo wir hierinn verlassen werden solten, des wir vns ye nit versehen, vnd uns schaten, schimpff vnd nachtail hierauß entsteen, magstu vnd menigklich gedencken, was ewigen schmach, nachred vnnd laster dir vnd andern Stenden vnd verwandten des heiligen Reichs, das sy iren künig vnd herren, der auff ir trostlich zuͤsagen vnd bewilligen sich in die sachen begeben, in solchem verfuͤrt hetten, auch sunst grundtlich verdrück, abfal vnd nachtail des heiligen Reichs solchs brecht vnd darauß entstund. Woͤlten auch nichts destminder vnserm künigklichen Camer procurator Fiscal gestatten, mit den obbestimbten penen, straffen vnd puͤssen darumb gegen dir on auffhalten für zuͦnemen vnd zuͤgefaren; darnach wisse sich dein lieb zuͤrichten.
    [7.] Er soll auch in seinem Territorium dafür Sorge tragen, daß Geistliche und Laien in den Gotteshäusern den göttlichen Beistand für sein Unternehmen erflehen. [Datum].

    « Nr. 745 Mandat Kg. Maximilians an Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg »

    Erinnert an den Konstanzer Reichshilfebeschluß, wonach sie zum 16. Oktober (St. Gallen) 15 Reiter und 28 Fußsoldaten nach Konstanz zu entsenden haben. Da er jedoch unverzüglich eine Reitertruppe benötigt, hat er sich mit Pfgf. Friedrich geeinigt, daß dieser ihm über seinen Anteil an der Reichshilfe hinaus mit einer Anzahl Reiter dienen wird.1 Damit in dieser Sache nichts zum Schaden der Christenheit, des Hl. Reiches und der deutschen Nation verabsäumt wird, befiehlt er ihnen, ihren Anteil an der Reichshilfe mit Ausnahme der bewilligten Bargeldhilfe unverzüglich dem Pfgf. zuzuschicken, die durch die seinen zu bestellen und zu verdienen.2 

    ŠKonstanz, 10. August 1507; präs. Regensburg, 22. August.
    München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, unfol. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 746 Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    [1.] [Konflikt zwischen Nürnberg und Brandenburg wegen des adligen Räuberunwesens; Nr. 625, Anm. 3]. Referiert aufgrund von Hörensagen aus dem Inhalt der am 5. August an die kurpfälzischen Gesandten übergebenen Erklärung Kg. Maximilians [Nr. 952] und berichtet über deren Reaktion.1 
    [2.] Der Kg. beabsichtigte, nach Überlingen überzusetzen, wo sich ein ungarischer Gesandter, Bf. Johann [Filipec], aufhält, ist aber nicht abgereist. Angeblich wird der Kg. morgen aufbrechen; mit welchem Ziel, ist unbekannt. Die Vollmacht für Kf. Friedrich von Sachsen als Statthalter [Nr. 734] wurde heute ausgefertigt. [Verpfändung der Stadtsteuer und andere Nürnberger Angelegenheiten; Nr. 987, Pkt. 2].
    [3.] Der Kg. will Anton Tucher und Anton Tetzel mit auf den Romzug nehmen. An den Nürnberger Magistrat wird deshalb noch geschrieben werden. Aber ich halt auf den romzug nicht. Es wurd nicht darauß. Ich sihe noch kein schicklikeit. Er wollte dies mitteilen, da er es vom Kg. selbst gehört hat. [Nürnberger Stadtsteuer; Nr. 987, Pkt. 3/4].

    Konstanz, 10. August 1507 (St. Lorenzen tag).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, D-Laden-Akten, Nr. 219, Stück-Nr. 42 (eh. Or. m. S.).
    Druck: Gümbel , Berichte, Nr. 13, S. 295–299.

    « Nr. 747  Kg. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Straßburg »

    Sie wissen zweifellos, wie hoch gemäß dem Beschluß des RT ihr Anteil in Truppen und Bargeld an der Romzughilfe ist. Der Zahlungstermin ist zwar erst der 16. Oktober (St. Gallen tag), doch benötigt er sofort Geld für den Unterhalt seiner Truppen, insbesondere der eidgenössischen Söldner, damit sie nicht zu seinen Feinden überlaufen. Es gibt noch andere Gründe, die ihre [RT-]Gesandten ihnen mitteilen werden. Ersucht sie deshalb, das Geld gegen Quittung an die kgl. Kommissare, die er zu ihnen schicken wird1, auszuzahlen. Das ihnen auferlegte Kontingent von Reisigen sollen sie zu dem im Reichsabschied benannten Termin nach Konstanz schicken. Bittet sie, ihm für den Romzug ein bestimmtes Geschütz, genannt der „junge Rohraffe“, samt Steinmuniton und einem Wagen zur Verfügung zu stellen. Die Kosten dafür sollen mit ihrem Anteil an den Fußknechten verrechnet werden, Šden er in Geld zu erstatten wünscht. Falls noch Geld übrigbleiben sollte, würde er dafür aber die Stellung von einer oder zwei Feldschlangen mit Steinen und Wägen akzeptieren. Sie sollen deshalb das Geld für das Fußvolk bis auf weiteren Bescheid behalten. Er erwartet, daß sie seinen Wunsch nicht abschlagen werden.

    Konstanz, 11. August 1507.
    Straßburg, AV, AA 328, fol. 21–21’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein).

    « Nr. 748 Mandat Kg. Maximilians an Reichsstände, hier an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Erinnert daran, daß die Reichsstände auf dem Konstanzer RT eine Geldhilfe von 120 000 fl. für den Unterhalt von Truppen, zahlbar bis zum 16. Oktober (St. Gallen tag), bewilligt haben. In Kürze wird ihnen wie anderen Ständen ein kgl. Mandat zum Vollzug des Konstanzer Abschieds [Nr. 744] zugehen. Nun sind jedoch die kgl. Truppen und insbesondere die freien eidgenössischen Söldner wegen der Verzögerung des Anzugs unruhig. Es steht zu befürchten, daß sie zum frz. Kg. überlaufen, der beträchtliche Geldmittel dafür aufwendet. Auch ist für den Romzug die rechtzeitige Besetzung von Pässen und Klausen notwendig, ebenso der Transport der Geschütze über die Alpen (uber perg) vor Einbruch des Winters. Dafür benötigt er rasch Geld. Er fordert sie deshalb auf, ihren Anteil in Höhe von 1040a fl.rh. unverzüglich aufzubringenb. Mit einer kleinen Summe Geldes kann jetzt mehr erreicht werden als später mit ungleich höherem Aufwand. Er hegt keine Zweifel an ihrem Gehorsam. Gleichwohl sollen sie dem Überbringer des Schreibens schriftlich mitteilen, wann sie das Geld zu bezahlen gedenken.1 

    Konstanz, 11./12. August 1507.
    ŠI. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; Datierung auf den 11.8.): Frankfurt, ISG, RTA 23, fol. 91–91’2 = Textvorlage A. Esslingen, StdA, F 307, unfol. (m. S.). St. Gallen, StdA, Tr. VII.2.19 (m. S.; präs. St. Gallen, 25.8.1507).
    II. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; Datierung auf den 12.8.): München, HStA, Fürstensachen 217/II, fol. 23–23’ (Adressat: Bf. Heinrich von Augsburg; präs. Dillingen, 18.8. oder kurz davor) = B. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, fol. 201–201’ (Adressat: Lgf. Wilhelm von Hessen) = C. Hagenau, AM, AA 118, Stück-Nr. 423. Ludwigsburg, StA, B 177S, Bü. 44, unfol. (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Schwäbisch Gmünd). München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, unfol. (m. S.; präs. Regensburg, 29.8.1507). Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. (m. S.). München, HStA, KL Regensburg/Niedermünster, Nr. 40, fol. 9–9’ (Adressat: Äbtissin [Agnes Nothafft] von Niedermünster). Nördlingen, StdA, Missiven 1507, fol. 88–88’ (m. S.). Nürnberg, GNM, Historisches Archiv, Rst. Windsheim, Fasz. I, unfol. (m. S.).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (m. S., Registraturverm.: Feria quarta post Bartholomei [25.8.]1507)4.
    Regest: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 925, S. 741 (Adressat: Frankfurt); Rauch , Urkundenbuch III, Nr. 2091, S. 170 (Adressat: Heilbronn).

    « Nr. 749 Bürgermeister und Rat der Stadt Esslingen an Dr. Matthäus Neithart (Schwäbischer Bundeshauptmann der Städte) »

    Jakob Heimhofer trat heute als kgl. Gesandter vor den versammelten Rat und überbrachte gemäß der beiliegenden Abschrift eines kgl. Schreibens [Nr. 742] die Aufforderung, den Esslinger Anteil an der Konstanzer Romzughilfe Hg. Ulrich von Württemberg zuzusenden. Sie haben zugesagt, so bald wie möglich eine Antwort zu geben. Wie sie aus dem Kredenzbrief des Gesandten entnehmen konnten, gingen gleichlautende Schreiben auch anderen Städten Šzu, weshalb sie nicht im Alleingang eine Antwort geben wollen. Sie erachten es deshalb für ratsam, noch vor dem Städtetag zu Speyer die Schwäbischen Bundesstädte zu versammeln, um sich auf eine gemeinsame Linie zu einigen. Bitten, ihnen durch den Überbringer dieses Schreibens seine Stellungnahme mitzuteilen.

    Esslingen, 14. August 1507 (vigilie assumptionis Marie).
    Esslingen, StdA, F 12, Missivenbücher 15, fol. 33’ (Konz.).

    « Nr. 750 Offenes Mandat Kg. Maximilians an alle Reichsangehörigen »

    Ausländische Mächte behindern seinen Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone. Karl von Egmond, der sich Hg. von Geldern nennt, enthält ihm und dem Hl. Reich widerrechtlich das Hm. Geldern vor und ist Parteigänger des Kg. von Frankreich, der nach dem Besitz der Kaiserkrone und Italiens trachtet. Verbietet den Kriegsdienst für den Kg. von Frankreich, Karl von Egmond und andere ausländische Mächte gegen Kg. und Reich. Er verfügt hiermit aus kgl. Machtvollkommenheit, daß künftig kein Deutscher mehr gegen Kg. und Reich dienen darf. Gebietet die Beachtung des Mandats bei Androhung schwerer kgl. Ungnade und Strafe.

    Konstanz, 14. August 1507.
    I. (Or. Druck, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein): München, HStA, KÄA 3136, [nach fol. 264] = Textvorlage A. Augsburg, StA, Kurbayerische Hftt., Akten 1369, unfol. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 24.1 Ludwigsburg, StA, B 177S, Bü. 68, unfol. Marburg, StA, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42 (m. S.). Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. (m. S.)2. Metz, AM, AA 4/35. München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, unfol. (m. S.).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (Registraturverm.: Feria quarta post Bartholomei [25.8.]1507). Speyer, StdA, 1 A, Nr. 157/13, fol. 212–212’. Wien, HHStA, AUR 1507 VIII 14.3 
    II. (Kop.): Metz, AM, AA 3/43 (frz., Nachweis über Verm. amdrp. und Gegenz. Serntein). Mühlhausen, StdA, G 1, Nr. 2, fol. 7–7’.
    Regest: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 926, S. 741.

    « ŠNr. 751   Kg. Maximilian an Reichsstädte, hier an Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg »

    Wie sie wissen, wird er zur Erlangung der Kaiserwürde nach Rom ziehen. Von dort will er mit der Hilfe Gottes und der Unterstützung Kg. Ferdinands von Aragon den schon lange geplanten Zug gegen die Ungläubigen antreten und zu bestetigung unser angenommen St.-Georigen-ritterschaft und bruderschaft, die zu erlangen. Fordert sie auf, einen Gerüsteten aus ihren Geschlechtern zu entsenden, der vermögend und kriegstauglich ist, um auf seine, des Kg., Kosten am Romzug und anschließend für halben Sold am Krieg gegen die Heiden teilzunehmen. So soll dieser gemeinsam mit ihm die Ehre dieser Bruderschaft annehmen und erlangen. Er bittet auch um baldigen Bericht, ob sie eine geeignete Person gewinnen konnten.

    Konstanz, 16. August 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, Registraturverm.: Feria quarta post Bartholomei [25.8.]1507) = Textvorlage A. Lübeck, StdA, ASA Ex. 2296, unfol. (Or. m. beschädigtem S., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein) = B. Frankfurt, ISG, RTA 23, fol. 92–92’ (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein)1. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein).
    Druck: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 927, S. 741f.

    « Nr. 752 Georg von Schaumberg (Landrichter zu Bamberg) an Stadt Rothenburg/Tauber »

    Der röm. Kg. hat ihn während des Konstanzer RT persönlich ersucht, am Romzug teilzunehmen. Als kgl. Rat und Diener und in Anbetracht des persönlichen Wunsches des Kg. sah er sich dazu verpflichtet und sagte zu. Sie sind zweifellos darüber informiert, daß sie auf dem RT zur Romzughilfe veranschlagt wurden. Der Kg. hat laut beiliegendem Schreiben an sie verfügt, daß sie ihn mit einer ihrem Anschlag entsprechenden Zahl von Pferden für den Romzug anwerben sollen.1 Bittet sie, dem kgl. Mandat zu gehorchen und ihm einen Termin für die Regelung der Einzelheiten zu benennen.

    Bamberg, 16. August 1507 (montag nach assumptionis Marie).
    Nürnberg, GNM, Historisches Archiv, Rst. Windsheim, Fasz. I, unfol. (Kop.).

    « ŠNr. 753   Kg. Maximilian an Hg. Heinrich von Sachsen »

    Er ist zweifellos darüber informiert, daß die auf dem Konstanzer RT versammelten Stände eine Geld- und Truppenhilfe bewilligt haben. Dabei wurde auch seinem Bruder Georg, Hg. von Sachsen, Lgf. zu Thüringen und Mgf. zu Meißen, kgl. und Reichsstatthalter in Friesland, ein Beitrag auferlegt, und in demselben alle seyn eynkomen und nuczung, es sey der mit dier geteylt oder nit, angeschlagen. Befiehlt ihm, von seinem Anteil am Hm. einen angemessenen Betrag beizusteuern, als du der billicheit nach schuldig bist.1  

    Konstanz, 17. August 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8186/1, fol. XCII-XCII’ (Kop. mit imit. Verm. amdrp.).

    « Nr. 754  Kg. Maximilian an Kf. Joachim von Brandenburg und andere Reichsfürsten »

    Wie er weiß, wird er zur Erlangung der Kaiserwürde nach Rom ziehen. Von dort aus will er mit der Hilfe Gottes und der Unterstützung Kg. Ferdinands von Aragon den schon lange geplanten Zug gegen die Ungläubigen antreten und zu bestetigung unser angenomen St.-Georigen-ritterschaft und bruderschaft zu erlangen. Fordert ihn auf, ihm einen dafür geeigneten gerüsteten Adligen zu senden, um auf seine, Kg. Maximilians, Kosten am Romzug und anschließend für halben Sold am Krieg gegen die Heiden teilzunehmen. So soll dieser gemeinsam mit ihm die Ehre dieser Bruderschaft erlangen, a wie er dies auf dem Konstanzer RT angezeigt hat-a [Nr. 211, Pkt. 5]. Er bittet um baldigen Bericht, ob er einen geeigneten Adligen in seinem Fm. gewinnen konnte.1

    Konstanz, 18. August 1507.
    ŠBerlin, GStA, 1. HA, Repos. 1, Nr. 2A, fol. 12–12’ (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Wien, HHStA, Maximiliana, Fasz. 18, Konv. 1, fol. 68–68’ (Konz., (2) Kanzleivermm.: Kesinger, las die brief vertigen, dieweil du die schreiber beyeinander hast. – Dero schreibt VI brief in gleichem laut.) = B. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, fol. 203–203’ (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Lgf. Wilhelm von Hessen). München, HStA, KÄA 3137, fol. 89–89’ (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein; Adressat: Hg. Wolfgang von Bayern). Schwerin, LHA, 2.11–1/1 Acta Imperii, Nr. 1, unfol. (Or. Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Hg. Heinrich von Mecklenburg).

    « Nr. 755 Beschlüsse des Augsburger Domkapitels zur Romzughilfe »

    [18.8.] Der Domdechant [Wolfgang von Zülnhart] teilte mit, daß der Bf. auf dem Konstanzer RT mit 21 Pferden und 24 Fußsoldaten veranschlagt worden sei und daß darüber hinaus 750 fl. unverzüglich in bar nach Konstanz geschickt werden müßten.1 Nach dem Dafürhalten des Bf. sollten dazu das Kapitel, die Prälaten und die bfl. Untertanen herangezogen, die Priesterschaft jedoch, die erst kürzlich eine Steuer habe aufbringen müssen, davon befreit werden. Das Kapitel stimmte dem zu.
    [6.9.] Auf einen Vortrag des bfl. Kanzlers [Dr. Hieronymus Lochner] hin erklärte das Kapitel seine Absicht, seinen vertragsgemäßen Anteil an der Reichssteuer zu leisten.
    [22.9.] Der Domdechant fragte erneut an, was das Domkapitel zur Romzughilfe beitragen wolle. Das Kapitel beschloß, anhand der alten Register festzustellen, was dem Bf. bislang in solchen Fällen bezahlt wurde, und beim nächsten Kapiteltag weiter darüber zu beraten.
    [24.9.] Der Dechant informierte das Kapitel über eine Bitte Kg. Maximilians an den Bf. 2, mit Hinblick auf den bevorstehenden Romzug Geistliche und Laien in seinem Bm. während der Gottesdienste zum täglichen Gebet für den Kg. und seine Begleiter zu veranlassen. Das Kapitel stimmte dem zu und beschloß darüber hinaus, in den Kirchen der Stadt alle vierzehn Tage Prozessionen mit Fürbitten für den Kg. und seine Begleiter abzuhalten.
    Nachdem festgestellt wurde, daß das Domkapitel bei früheren Reichshilfen ein Viertel der vom Bf. zu stellenden Fußtruppen finanziert hatte, wurde beschlossen, es erneut so zu halten. Doch sollte der Bf. eine schriftliche Erklärung abgeben, daß darauf kein Rechtsanspruch besteht, sondern die Bewilligung des Kapitels freiwilliger Natur ist.
    [27.9.] Das Domkapitel verabschiedete das Mandat über die Prozessionen und Fürbitten für den Kg. und seine Begleiter auf dem Romzug.3 
    Der Dechant informierte das Kapitel über eine Beschwerde des Bf., daß seine Untertanen zur Steuer beitragen sollten, jedoch nicht die in seinen Gerichten ansässigen Hintersassen des Kapitels. Um Unwillen zu vermeiden, sollten auch diese herangezogen werden. Das Kapitel lehnte es ab, diesen Personenkreis zu besteuern und gleichzeitig die außerhalb der Š bfl. Gerichte wohnenden kapitlischen Hintersassen von der Steuer auszunehmen. Dr. Gregor Neithart und der Syndikus wurden beauftragt, eine Steuerordnung auszuarbeiten und die Steuer einzutreiben.
    [1.10.] Nach Vortrag durch den bfl. Kanzler bewilligte das Kapitel, 1000 fl. für den Romzug aufzubringen.
    [2.10.] Das Kapitel beließ es ungeachtet der bfl. Forderung nach einer Erhöhung seines Beitrags bei dem Beschluß vom Vortag. Da die Fußknechte jedoch mit 4½ [anstatt wie üblich 4] fl. besoldet werden müssen, will das Kapitel die damit verbundene Mehrbelastung anteilig mittragen.

    [Dillingen], 18. August-2. Oktober 1507.
    Augsburg, StA, Hst. Augsburg, Neuburger Abgabe, Akten 5491, fol. 46’, 50, 55–57’ (Kop.).

    « Nr. 756 Mandat Kg. Maximilians an Gf. Edzard und Gf. Uko von Ostfriesland »

    Er hat seinerzeit mit Zustimmung der Kff. Hg. Albrecht von Sachsen und seinen Erben die Statthalterschaft in Friesland übertragen. Die auf dem RT in Konstanz versammelten Stände haben eine Romzughilfe bewilligt, für die auch Hg. Georg von Sachsen für seine sämtlichen Besitzungen, wobei Friesland miteingerechnet wurde, veranschlagt wurde. Sie als Einwohner Frieslands haben dazu ihren Teil beizutragen. Befiehlt ihnen deshalb, von ihren Besitzungen einen Anteil am sächsischen Beitrag zur Romzughilfe beizusteuern und dies nicht zu verweigern, damit er, der Kg., nicht gegen sie vorgehen muß.1 

    Konstanz, 20. August 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8182/7, fol. 252–252’ (Kop. mit imit. Verm. amdrp.).
    Regest: Baks , Inventaris, Nr. 814, S. 206.

    « Nr. 757 Ausschreiben Bf. Hugos von Konstanz an Dekanate im Bm. Konstanz, hier an Dekan und Kämmerer des Dekanats Überlingen »

    Informiert die Adressaten über den Romhilfebeschluß des Konstanzer RT. Nachdem aber solich furnemen des romzugs tutscher nacion zu sunderm hohem lob, eren und wurden raicht und deshalb all und yede gaistlich und weltlich personen, derselben nacion anhengig, schuldiger pflicht nach iren ordenlichen obern darin söllen erschießlich und hilflich sin, deßhalb auch uf beschluß gemainer Reychß stenden kgl. Mt. gegen den ungehorsamen gaistlichen und weltlichen penlich mandata1 gegeben, hat er gemeinsam mit seinen Räten und dem Domkapitel beschlossen2, von den Prälaten und Geistlichen im Š Bm. Konstanz ein Subsidium zu erheben. Die Geistlichkeit der Stadt hat sich auf sein Ansinnen hin gehorsam erzeigt. Er ist sicher, daß auch sie sich nicht verweigern werden. Er wollte Gesandte zu ihnen schicken, wurde daran aber durch die Umstände gehindert. Befiehlt ihnen die Eintreibung des Subsidiums von den Geistlichen in ihrem Dekanat, so daß sein Bevollmächtigter das Geld am 11. November (St. Martins tag) entgegennehmen kann.

    Meersburg, 23. August 1507 (montag vor Bartholomei apostoli).
    Konstanz, StdA, G II 27, Stück-Nr. 42 (Or.).

    « Nr. 758  Kg. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Die für den Unterhalt von Truppen vorgesehenen 120 000 fl. wurden auf dem Konstanzer RT zwar erst zum 16. Oktober (Galli) bewilligt, er hat jedoch in Schreiben an etliche Kff., Ff. und andere Reichsstände dargelegt, warum er einen Teil des Geldes unverzüglich benötigt, und um sofortige Zahlung gebeten [Nr. 748]. Einige der Adressaten sind gehalten, das Geld bei ihnen in Frankfurt zu hinterlegen. Er erwartet in Anbetracht der geltend gemachten Gründe, daß die Stände seinem Ansinnen willfahren werden. Befiehlt ihnen die Entgegennahme des Geldes gegen Aushändigung der ihnen vom Reichsschatzmeister Hans von Landau zugehenden Quittungen und die Weiterleitung der Gelder an Landau.1 

    [Konstanz], 24. August 1507.
    Frankfurt, ISG, RTA 23, fol. 97–97’ (Kop. mit imit. Verm. amdric. und Gegenz. Serntein).

    « Nr. 759 Zahlungsmandat Kg. Maximilians an Reichsstände, hier an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Befiehlt ihnen, den trotz mehrmaliger Mahnung noch ausstehenden Anteil der Stadt an der vom Kölner RT (1505) bewilligten Reichshilfe in Geld – a für 12 Reiter und 36 Fußsoldaten 3168 fl. -a – beim Magistrat der Stadt Ulm zu hinterlegen.
    Š[Gedruckter Nachtrag auf gesondertem Blatt:] Falls die Reichshilfe bereits ganz oder teilweise bezahlt oder anderweitig abgegolten wurde, ist dem Überbringer dieses Mandats eine Erklärung über den Empfänger mitzugeben.1

    Konstanz, 26. August 1507.
    I. (Or., gedr. Formular, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein, handschriftlich inseriert: Anrede, Höhe des Anschlags, Monatstag und Monat des Datums): Frankfurt, ISG, RTA 23, fol. 33–33’ = Textvorlage A2. Nordhausen, StdA, R, Ag 1, fol. 3 (präs. Nordhausen, kurz vor dem 20.9.3) = B.4 Straßburg, AV, AA 327, fol. 1–1’ = C. Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 9–9’ (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Cambrai) = D. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10502/17, fol. 1–2 (Adressat: Hgg. Georg und Heinrich von Sachsen). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 254–254’ (Adressat: Gf. [Jost] von Barby-Mühlingen). Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8993/2, fol. 6–6’ (Adressat: Bf. Johann von Meißen). Marburg, StA, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42 (Adressat: Gf. Reinhard von Hanau). Metz, AM, AA 3/45. München, HStA, KÄA 3136, fol. 263–263’, 262½. Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 276–276’.5 Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden 181, Nr. 8, unfol. Š(präs. Nürnberg, 10.9.6). Schwerin, LHA, RTA I/2, Reichs-Onera und Kontributionswesen, Generalia: Acta ... 1505, unfol. 7 Wien, HHStA, AUR 1507 VIII 26 (Adressat: Ebf. Leonhard von Salzburg).
    II. (Kop.): Metz, AM, AA 3/44 (frz. Übersetzung).
    Regest: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 930, S. 742; Linke , Urkundenbuch I, Nachtrag, Nr. 4, S. 105f. (irrtümliche Datierung auf den 23.8.1507).8

    « Nr. 760  Kg. Maximilian an die Innsbrucker Raitkammer »

    Teilt mit, daß er mit Gangolf d. J. von Hohengeroldseck eine Vereinbarung getroffen hat, wonach dieser ihm die Reiterkontingente etlicher Gff. für den Romzug zuführen wird.1

    Imst, 27. August 1507.
    Innsbruck, TLA, Oberösterreichische Kammer-Kopialbücher, Bd. 33, fol. 220 (Kop. mit imit. Gegenz. J. Villinger).

    « Nr. 761 Instruktion Hg. Wilhelms von Jülich für Friedrich von Brambach als Gesandten zu Kg. Maximilian »

    Erinnert daran, daß er trotz des kurzfristigen Termins und ungeachtet eigener wichtiger Angelegenheiten gemäß dem Wunsch Kg. Maximilians auf eigene Kosten mit Hgin. Margarethe nach Brabant gezogen ist, um sie bei der Huldigung durch die Untertanen zu unterstützen. Dort haben die Hgin. und einige niederländische Räte mit ihm über den Geldernkrieg Šverhandelt, es wurde jedoch trotz seines Entgegenkommens keine Einigung erzielt.1 Er, der Kg., hat ihm schriftlich mitgeteilt, daß er nach Abschluß der Huldigung wieder nach Hause ziehen könne; eine kgl. Gesandtschaft werde dort mit ihm über den Geldernkrieg und alle übrigen noch offenen Angelegenheiten einen Vertrag aushandeln. Da er krank heimkehrte, war es ihm nicht möglich, selbst zu ihm zu kommen. Er bittet jedoch [durch seinen Gesandten] um die Erledigung folgender Punkte: 1. Begleichung seiner Aufwendungen für die niederländische Reise; 2. Begleichung der alten Schulden Kg. Maximilians2, in diesem Zusammenhang Bitte um Übergabe Montforts anstatt Erkelenz’. 3. Sein Vertreter auf dem Konstanzer RT, Dr. Herbert von Bilsen, hat ihm eröffnet, daß er mit 40 [!] Reitern3 und – wie die Kff. – mit 67 Fußsoldaten veranschlagt wurde, wilchs nycht in mynem vermoigen ind ouch nyt mehr gescheyn ist. Bittet, dies zu bedenken.
    Er kann aufgrund seines derzeit schlechten Gesundheitszustandes nicht persönlich am Romzug teilnehmen. Erinnert daran, daß er wegen des Rheinzolls, worüber Niklas Ziegler in seinem Namen mit ihm, dem Kg., gesprochen hat, noch immer keine Antwort erhalten hat. Er hofft, daß er ihn, wie schon früher erbeten, berücksichtigt, wenn er das niederländische [Unter-]Statthalteramt besetzt. Er erwartet, in Kürze wieder gesund zu sein.4

    ŠBurg (Bürch), 27. August 1507 (frydach na St. Bartholomeus dach).
    Düsseldorf, HStA, JB I, Nr. 272, fol. 20–22 (Reinkonz.).

    « Nr. 762  Ebf. Ernst von Magdeburg an Senior und Kapitel zu Magdeburg »

    [1.] Teilt mit, daß wir uns itzd von dem kgl. und reichstage, zu Costenz versammelt gewest, mit Gottes hulfe gesunt wider anheym in unser behaußung hie zu Halle gefugt haben durch gn. erleubung kgl. Mt., wiewol lange und manchfeltig gebeten, die doch zuletzt swerlich erlangt, uf dem tage wir beratslageter handelung zu widerufrichtung und erhaltung friedes und rechten durch das Reiche sampt andren notsachen, gemachten verordenungen, statuten, bewilligung und satzungen des Hl. Reichs einen besließlichen abschied entpfangen, dorunder in einem artikel von Kff., Ff., prelaten und andern des Reichs stenden allen mit röm. kgl. Mt. uf die romefart zu erlangung ksl. kron und das Fm. Meyland mitsampt andrn stenden in Italien, dem Röm. Reiche zugeherig, ufs allerforderlichst einzubringen, auch dem Kg. von Frankreich widerstant zu tun beslossen und seinen kgl. Gn. hirzu einmutig ein tröstliche hulfe vom ganzem Reiche mit einer anzal dinstleuten zu rosse und fuess, uf die dreißigtausent mann reichent, ein jar zeit zu versolden, derzu ein gelt, sich uf hunderttausent und zwenzigtausent fl. erstreckent, zu leisten bewilligt und zugesagt haben, doran den Ff. und heupten aller stende iglichem sein benante anteil ufgelegt ist. Under dem uns von beiden unsern stiften Magdeburg und Halberstad zu unserm teile vierundfunfzig reysigen und zweyundfunfzig1 fueßvolks, derzu tausentachthundert und achzig fl. ufzubringen und alle uf Galli [16.10.] schirst gein Costentz ungeseumet zu bestellen neben den andern sein angeslagen bey sweren angeheften penen und straf des fischkalisch kgl. Mt., als ir zu furder zeit von uns weiter verstehen werdet. Dorgegen dann bey uns kein abslag ader bete zu verschonung hat stad wollen leyden, dieweil das zu vorsuchen nicht unterlassen, und doch mit einem besundern artikel in der verordenung verstrickt [Nr. 268, § 11] ist hertiglich, das keinerley bete ader furbete zu verschonung bey kgl. Mt. noch den stenden stad solle haben, noch gefordert, sundern in deme gegen Šallermeniglich gleich sol gehalten werden, domit dieß loblich furnemen dem Hl. Reiche dester fruchtbarlicher erspriessen moge.2  
    [2.] Deshalb ist die baldige Einberufung eines Landtages der beiden Stifte zur Aufbringung der Reichshilfe erforderlich, was er ohne ihren Rat nicht tun will. Nach seiner Heimkehr ist jedoch eine Verzögerung eingetreten, da Kf. Joachim von Brandenburg ihn um Übernahme der Patenschaft [für seine Tochter Anna] bitten ließ, was er nicht abschlagen konnte. Deshalb kann der Tag nicht so bald stattfinden, wie es die Sache erfordern würde. Er muß am kommenden Montag [6.9.] nach Berlin reisen und wird erst kurz vor dem 22. September (Mauricii) zurückkehren. So wäre der 27. September (montag nach Mauricii) ein geeigneter Termin für den Landtag. Angesichts der grassierenden Seuche hält er Magdeburg für den geeigneten Versammlungsort. Vorher will er mit ihnen noch über die Angelegenheit beraten. Ersucht sie, seinem Vorschlag wegen des Landtages zuzustimmen oder durch den Überbringer dieses Schreibens bis zum kommenden Sonntag [5.9.] einen besseren Vorschlag zu unterbreiten, damit der Landtag während seiner Abwesenheit ausgeschrieben werden kann.

    Moritzburg/Halle, 31. August 1507 (dinstags nach decollationis Johannis baptiste).
    Magdeburg, LHA, 1 A, Nr. 272, fol. 1–2’ (Or. m. S.).

    « Nr. 763 Hans von Landau (kgl. Reichsschatzmeister) an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Der röm. Kg. hat die im beiliegenden Verzeichnis aufgelisteten Stände1 aufgefordert, ihren Anteil an den vom Konstanzer RT bewilligten 120 000 fl.rh. Bargeldhilfe zur Finanzierung Švon Fußtruppen gegen kgl. Quittung beim Frankfurter Magistrat zu hinterlegen. Im ebenfalls beiliegenden Schreiben [Nr. 758] befiehlt der Kg. ihnen, diese Gelder gegen Quittung an ihn als kgl. Schatzmeister auszuhändigen. Übersendet dieses Schreiben samt 30 kgl. Quittungen durch seinen Freund, den kgl. Rat Johann Storch. Bittet, diesem den Empfang zu bestätigen2 und eingezahlte Gelder an Storch als seinen Vertreter gegen Quittung auszuhändigen, damit er, Landau, gemäß kgl. Weisung damit verfahren kann.3

    Konstanz, 4. September 1507; präs. Frankfurt, 15. September.
    Frankfurt, ISG, RTA 23, fol. 98–98’ (Kop.).

    « Nr. 764 Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg an Kg. Maximilian »

    Bestätigen für den 25. August den Empfang von drei an die Stadt adressierten Schreiben des Kg. 1 sowie einiger zur Weiterleitung an Dritte bestimmte Briefe, die sie inzwischen zugestellt haben. Sie haben bislang gewartet, um die Antwortschreiben dem kgl. Boten zu übergeben. Dieser kehrte aber nicht mehr nach Augsburg zurück.
    Sie sind bereit, wie in einem der Schreiben gefordert, die ihnen auf dem Konstanzer RT auferlegten 1010 fl.rh. gegen Quittung zu bezahlen. Bezüglich der Aufforderung, ihm die in Augsburg eingegangenen Beiträge zur Konstanzer Reichshilfe zuzuschicken, teilen sie ihm mit, daß noch nichts eingegangen ist. Etliche Stände haben die Zahlung zwar avisiert, allerdings lagen noch keine Quittungen vor. Sobald die von ihm angekündigten Quittungen eingetroffen sind, werden sie davon Gebrauch machen können. Sie haben die zur Weiterleitung bestimmten Briefe durch Dr. Peutinger versenden lassen.
    Die Proklamationen (außkundbrieve) über die Wiedereröffnung des kgl. Kammergerichts haben sie im Gebiet der Stadt anschlagen lassen.

    ŠAugsburg, 7. September 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/19, fol. 85–85’ (Or., Registraturverm. G[abriel Kramer]).
    Referiert bei Horn , Peutinger, S. 67f.

    « Nr. 765  Kg. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Speyer »

    Bestätigt den Empfang ihrer Antwort1 auf sein Mandat bezüglich der auf dem Konstanzer RT bewilligten Bargeldhilfe [Nr. 748]. Er benötigt das Geld ausschließlich für die Anwerbung eidgenössischer Knechte, die sonst dem Kg. von Frankreich zuziehen und ihn am Romzug hindern werden. Befiehlt ihnen, das Geld unverzüglich zu bezahlen und zu bedenken, wie wichtig die Sache für Kg. und Reich ist, auch daß der Termin für den Aufmarsch der Reichstruppen, der 16. Oktober (St. Gallen tag), kurz bevorsteht.

    Innsbruck, 14. September 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/19, fol. 86–86’ (Konz., Registraturverm. G[abriel Kramer]).

    « Nr. 766 Weisung Kg. Maximilians an Sebastian Aigl (kgl. Kammerdiener) »

    Befiehlt ihm, den Anteil des Propsts von Berchtesgaden an der auf dem Konstanzer RT bewilligten Geldhilfe entgegenzunehmen und gegen Quittung an den kgl. Falkner Hans Strattner auszuhändigen. Er hat diesem das Geld zur Begleichung eines Teils seiner Schulden und des fälligen Liefergelds zugesagt.1 

    Innsbruck, 15. September 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1507), fol. 89 (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm. G[abriel Kramer]).

    « Nr. 767  Kg. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Kaufbeuren »

    Bestätigt den Empfang ihres Schreibens.1 Die Summe wurde ihnen durch die auf dem Konstanzer RT versammelten Stände auferlegt. Er ist nicht befugt, daran ohne die Stände etwas zu ändern. Befiehlt ihnen, das Geld gemäß seinem letzten Mandat [Nr. 748] unverzüglich zu bezahlen.

    Innsbruck, 15. September 1507.
    Š Innsbruck, TLA, Maximiliana VI/19, fol. 87–87’ (Konz., Registraturverm. G[abriel Kramer]).

    « Nr. 768 Weisung Kg. Maximilians an [Niklas Ziegler] »

    Er hat ihm befohlen, mit den Ebff. von Mainz, Köln und Trier sowie mit dem Lgf. von Hessen und dem Mgf. von Baden über eine möglichst baldige Leistung der Reichshilfe zu verhandeln.1 Indessen sind die Franzosen zur Unterstützung der Aufständischen nach Geldern gezogen. Ihm selbst und der deutschen Nation entsteht erheblicher Schaden, wenn das französische Unternehmen nicht verhindert wird. Befiehlt ihm deshalb, die genannten Fürsten in seinem Namen aufzufordern, ihre laut Konstanzer Abschied zu stellenden Truppenkontingente unverzüglich zu den Hgg. von Jülich und Kleve abzuordnen, um so zur Abwehr der Franzosen beizutragen. So wollen wir dir auf das furderlichest ander solder zu ross und fues bestellen und versetzen, zu unserm furgenomen romzug zu uns erfordern und prauchen. Die zeit, so sy auch in solchem dienst wider die Geldrischen und Franzosen sein, sol inen an irer zeit, so sy uns zu demselben romzug zu dienen schuldig sein, abgeen. Befiehlt ihm, seinen Auftrag umgehend zu erledigen, damit ihm, seinen Erblanden und der deutschen Nation kein Schaden entsteht.2
    Die beiden beiliegenden Mandate soll er an die Hgg. von Jülich und Kleve übergeben.

    Steinach, 21. September 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/334, fol. 333–333’ (Or., ex.-Verm. auf der Rückseite, Registraturverm.: G[abriel Kramer]) = Textvorlage A. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, unfol. [nach fol. 199] (Kop., irrtümlich datiert auf den 27.9.) = B.

    « ŠNr. 769  Mandat Kg. Maximilians an Gf. Wilhelm von Henneberg und andere Stände  »

    Wie er weiß, haben die Stände auf dem Konstanzer RT eine Romzughilfe bewilligt. Dabei entfielen auf ihn a 9 Reiter und 6 Fußsoldaten-a, die bis zum 16. Oktober (St. Gallen tag) nach Konstanz zu entsenden sind. Da er jedoch unverzüglich eine Eilende Hilfe und Reitertruppen benötigt, hat er sich mit Mgf. Friedrich von Brandenburg über die rasche Zuführung einer solchen Truppe über dessen Anteil am Reichsanschlag hinaus verständigt. Damit dabei nichts versäumt, sondern der Christenheit, dem Hl. Reich und der deutschen Nation zum besten gehandelt wird, befiehlt er ihm, seinen Anteil an der Truppenhilfe, nicht jedoch die bewilligte Geldhilfe, dem Mgf. [als Geldbetrag] zuzusenden, damit dieser davon Truppen anwerben kann.1 

    ŠInnsbruck, 22. September 1507.
    Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 308–308’ (Kop.) = Textvorlage A. München, HStA, KU Regensburg/Niedermünster, 1507 IX 22 (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Äbtissin [Agnes] von Niedermünster) = B. München, HStA, KU Regensburg/Obermünster, 1507 IX 22 (beschädigtes Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Äbtissin [Katharina] von Obermünster).
    Druck: Linke , Urkundenbuch I, Nr. 81, S. 41f. (Adressat: Stadt Nordhausen).

    « Nr. 770 Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    [1.] Bestätigt den Empfang ihres durch den Boten Erlein zugestellten Schreibens vom 30. August (montag nach Augustini) [Nr. 744, Anm. 3] für den 4. September. Er konnte den Nürnberger Anteil an der Konstanzer Reichshilfe in Höhe von 1760 fl. nicht selbst an den Kg. übergeben, sondern mußte zuerst an diesen schreiben. Denn laut kgl. Befehl dürfen sich die Räte in Konstanz nur nach erfolgter Aufforderung zu ihm verfügen. Doch hat er das Schreiben der Stadt dem Kg. übersandt und, um sicherzugehen, dies auch der kgl. Hofkammer mitgeteilt und da also vil erfunden, das kein finanz auf diß gelt gemacht ist; dem Kg. sei, um Schaden und Spott zu verhüten, viel daran gelegen, daß das Geld zu Händen des kgl. Schatzmeisters Hans von Landau, der die Quittungen bei sich habe, in die Hofkammer übergeben werde. Ihm wurde bewilligt, die Hälfte der Summe dem Kg. persönlich, den Rest an Landau in die Hofkammer zu übergeben. Er wird morgen zum Kg. reiten. Diese Regelung ist für die Stadt Nürnberg annehmbar, da die Hofräte und der Kg. zufrieden sind und sie zugleich ihren Willen wenigstens zur Hälfte durchsetzen konnte. Die Hofkammer wird ihm nach Übergabe des Geldes die Quittung aushändigen. [2. Räuberunwesen in Franken; Nr. 965. 3. Nürnberger Stadtsteuer, 4. Balthasar Wolf, 5. Verbleib Toplers am kgl. Hof, 6. Klage der Tetzel, 7. Decknamenverzeichnis; Nr. 989].
    [8.] Er wird sich weisungsgemäß um die Befreiung des Abts von St. Egidien (Dilingen [!]) von der Konstanzer Reichssteuer bemühen. Wiewol ich sorg, es werde schwere zugeen, dann das gelt seer teuer bei uns ist und nicht liderlich nachgelassen [wird]. Solchs were auch billicher und fuglicher hie in der versamlung und anslag verkummen.1  [9. Verpflichtung des Propstes von St. Lorenz als Assessor am kgl. Kammergericht; Nr. 989].
    Š[10.] Das für den Kg. bestimmte Schreiben des Rates wird er weiterleiten. Falls der Kg. nicht geneigt ist, sich das Schreiben vorlesen zu lassen, wird er ihm wenigstens kurz den Inhalt referieren.2 [11. Nürnberger Appellationsprivileg und böhmische Belehnung; Nr. 989].
    [12.] Die französische Gesandtschaft in Luzern hat einem kgl. Boten etliche Briefe gewaltsam abgenommen.3 Deßhalben die potschaft kaum auß dem land kummen und die brief unserem Kg. zugeschickt sind. Waiß niemand, was noch darauß wird. Die Schweizer sagten, daß das Wallis und Uri 1400 Mann schicken, die der Kg. in das Nasertal 4 bei Trient beordern wird. Er selbst wird heute aus Konstanz abreisen.

    Konstanz, 23. September 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, D-Laden-Akten, Nr. 219, Stück-Nr. 42 (eh. Or. m. S.).
    Druck: Gümbel , Berichte, Nr. 15, S. 305–311.

    « Nr. 771 Bericht des Hans von Werthern und Caesar Pflugs an Hg. Georg von Sachsen »

    Verhandlungen Wertherns und Pflugs mit thüringisch-sächsischen Reichsgrafen über ihren Beitrag zur Romzughilfe des Hm. Sachsen bzw. der Lgft. Thüringen.

    Act. Erfurt, 23./24. September 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10432/1, fol. 83–85 (Kop.).
    Referiert bei Goerlitz , Staat, S. 239f.

    Sie trugen den anwesenden Gff. von Schwarzburg, Gf. Botho von Stolberg, den Gff. Ernst und Albrecht von Mansfeld und Gf. Johann von Honstein sowie den Gesandten Gf. Adams von Beichlingen und Gf. Gebhards von Mansfeld den Inhalt ihrer Instruktion1 vor.
    ŠDie Gff. antworteten, daß die in Konstanz versammelten Reichsstände sie ebenfalls für die zugesagte Hilfe veranschlagt hätten. Sie seien als Reichsgrafen verpflichtet, dem Kg. und dem Hl. Reich den schuldigen Gehorsam zu leisten. Sie müßten auch für ihre von anderen Ff. herrührenden Lehen Anforderungen erwarten. Sie seien überdies nicht verpflichtet, Hg. Georg einen Beitrag zu leisten, und bäten deshalb, auf die Forderung zu verzichten. Im übrigen wollten sie sich als gehorsame Gff. erzeigen.
    Die sächsischen Räte erwiderten, daß die Veranschlagung durch das Reich mit den Hg. Georg zustehenden Leistungen nichts zu tun habe und ihre Verweigerung unbegründet sei. Vielmehr hätten ihre Vorfahren und zum Teil auch sie selbst bei früheren Beanspruchungen durch das Reich, bspw. beim Zug nach Neuß, immer ihre Zugehörigkeit zur Lgft. Thüringen geltend gemacht. Sie sollten sich weiterhin daran halten, der Hg. werde sie im Gegenzug gegenüber dem röm. Kg. und dem Reich vertreten. Falls sie wider Erwarten an ihrem Standpunkt festhalten und sich in andere Dienste begeben wollten, so solle dies dennoch ohne Beeinträchtigung ihrer Dienst- und Lehnspflichten gegenüber Hg. Georg geschehen.
    Die Gff. beharrten auf ihrer Position und erklärten die Forderung Hg. Georgs zu einer unrechtmäßigen Neuerung. So sie aber durch andere wege, dann itzund beschehen, mochten erinnert werden, das sie solichs zu tun verpflicht, alsdann wolten sie sich geburlich erzeigen, mit voriger erbietunge. 
    Die sächsischen Räte wiederholten ihre vorherigen Darlegungen und bestritten, daß die hgl. Forderung eine Neuerung sei. Es gäbe keine Regelungen für die Dienste des Lehnsmannes gegenüber dem Lehnsherren. Wenn der Lehnsträger für eine bestimmte Zeit nach Köln und dann für eine weitere Zeit nach Prag beschieden würde, müßte er beidem nachkommen. Sie und ihre Vorfahren hätten mit dem Lgf. von Thüringen bereits vor Neuß gedient. So liege auch keine Neuerung vor, wenn sie jetzt mit dem Lgf. [Hg. Georg] nach Rom ziehen sollten. Die Rechtslage sei eindeutig. Die weiteren Gründe für die Dienstpflicht der Gff. gegenüber dem Hg. müßten jetzt nicht dargelegt werden. Sie sollten es sich gut überlegen, eine Aufforderung des Hg. zur Dienstleistung abzulehnen.
    Am folgenden Tag [24.9.] eröffnete Gf. Botho von Stolberg den sächsischen Räten, daß er seine Meinung vom Vortag geändert habe und anerkenne, daß er der Lgft. Thüringen und nicht dem Reich zum Dienst verpflichtet sei. Der Gf. bat, Hg. Georg folgende Antwort zu übermitteln: Falls der Hg. seinen Vater [Gf. Heinrich] erneut schriftlich zum Dienst rufen würde, so wurde er sich aller gebure und billigkeyt halten. Die sächsischen Räte lobten seine Antwort, das Schreiben an seinen Vater hielten sie indessen für unnötig. Aufgrund seiner Äußerung, daß er solde wye vor elders gebraucht werden, fragten sie nach, ob die Zahlung von Geld anstatt der Stellung von Truppen für ihn ein Problem darstelle. Der Gf. verzichtete auf das Schreiben und bestätigte, daß er die Zahlung von Geld für eine beschwerliche Neuerung halte. Die beiden Räte erklärten daraufhin, daß der Adel in Thüringen und Meißen diesbezüglich durch einen Reversbrief sichergestellt sei. Da er sich damit nicht zufriedengab, haben wir ime dise meynunge zu vorstehen gegeben, dieweyl e. ftl. Gn. aus redelicher betrachtung der dreyer stende e. ftl. Gn. landschaft angehalten, als vil e. ftl. Gn. und der landschaft ufgeleget, selbst ufzunehmen, das e. ftl. Gn. also getan und dye zal volkommen habe, so were seyne schickunge uberflussig, und yme vorgeschlagen, das er in derselben zal, die e. ftl. Gn. ufgenommen, eyn zymlich Šanzal, dyeselbigen zu versolden, uf sich nehme und bewilligte. Der Gf. bat darum, diesen Vorschlag seinem Vater zu übermitteln, er selbst werde Hg. Georg in wenigen Tagen Antwort geben. Auch Gf. Johann von Honstein distanzierte sich von der gemeinschaftlich gegebenen Antwort der Gff. und bat, ihm eine Frist einzuräumen, um den Vorschlag seinem Bruder [Gf. Heinrich] zu übermitteln; er werde dann Hg. Georg gegenüber persönlich eine Erklärung abgeben.2 

    « Nr. 772 Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt an Kg. Maximilian »

    [1.] Bestätigen den Empfang der kgl. Aufforderung zur Aufbringung ihres Anteils von 1040 fl. an der auf dem Konstanzer RT zugesagten Geldhilfe. [Nr. 748]. Wenige Tage später wurde ihnen indessen ein kgl. Mandat zugestellt, das Geld an Jakob Fugger als Bevollmächtigten des kgl. Schatzmeisters Hans von Landau auszuhändigen [Nr. 744, Pkt. 5]. Ein weiteres kgl. Schreiben [Nr. 758], dem eine Reihe von Quittungen beilag, beauftragte die Stadt mit der Entgegennahme und Verwahrung der Hilfsgelder. Von Landau ging ihnen ein entsprechendes Schreiben zu [Nr. 763]. Er erinnert sich sicherlich noch daran, daß die Frankfurter Gesandten in Konstanz den Anteil der Stadt am Kölner Anschlag [von 1505] bezahlt haben, der dann an Ebf. Jakob von Trier übergeben wurde, und daß sie einen Teil der Summe aus Mangel an Bargeld vorläufig schuldig bleiben mußten.1 Dessenungeachtet haben sie in Berücksichtigung der von ihm geltend gemachten Gründe die 1040 fl. aufgebracht und samt dem Geld, das sie gegen Übergabe der mitgeschickten Quittungen eingenommen haben, an Johann Storch als Vertreter Hans’ von Landau ausgehändigt.
    [2.] Weisen darauf hin, daß die Stadt unrechtmäßigerweise durch Adlige vom Schloß Lindheim aus bedroht wird, wie die Frankfurter Gesandten in Konstanz angezeigt haben, und man täglich die Eröffnung der Fehde erwarten muß. Das kgl. Mandat an die Ganerben, nicht gewaltsam gegen Frankfurt vorzugehen, haben diese zurückgewiesen.2 Sie können deshalb voraussichtlich keine Reiter für den Romzug abstellen. Bitten, sich um diese Angelegenheit zu kümmern.
    [3.] [PS] Er hat ihnen Schreiben zur Weiterleitung an Kff., Ff. und andere Stände übersandt und sie angewiesen, ihm die Empfangsbestätigungen zuzuschicken [Nr. 744, Anm. 1]. Übersenden diese durch einen Frankfurter Boten.

    Frankfurt, 24. September 1507 (frytags nach Mathei).
    Frankfurt, ISG, RTA 23, fol. 93–93’, 95 (Konz.).

    « ŠNr. 773   Kg. Maximilian an Bf. Georg von Trient »

    Bestätigt den Empfang seines Schreibens bezüglich der auf dem Konstanzer RT bewilligten Reichshilfe.1 Er hat zwar Mandate zur Leistung der Hilfe an ihn ausgehen lassen. Dennoch soll er seinen Anteil ungeachtet dieser und etwaiger weiterer Mandate einbehalten.2 

    Innsbruck, 25. September 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 15–15’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm.: G[abriel Kramer]).

    « Nr. 774 Beschlüsse des Deutschen Ordens im Reich »

    Die Versammlung wurde in Vertretung des Deutschmeisters [Hartmann von Stockheim] durch den fränkischen Landkomtur [Wolfgang von Eisenhofen] geleitet. Der Komtur zu Blumenthal [Johann Adelmann] soll Erkundigungen einziehen, wie es die anderen Stände mit der Bargeldhilfe halten. Falls er feststellt, daß die Hilfe bezahlt wird, sollen die dem Orden auf dem Konstanzer RT auferlegten 410 fl. entrichtet werden, damit bey röm. kgl. Mt. danck und derselben commissarien zu Augspurg nit undanck erlangt werde – zumal ein kgl. Falkner bereits eine Forderung von 200 fl. auf den Anteil des Deutschmeisters erhoben und dem Komtur zu Blumenthal eine entsprechende Quittung vorgelegt hat.
    Die Komture zu Blumenthal und Heilbronn [Hans von Welden] werden als Hauptleute des Ordens mit dem röm. Kg. über die Alpen ziehen. Der Komtur zu Venedig [Albrecht von] Lammersheim erhält Weisung, sie mit einer eigenen Abteilung zu begleiten. [Beschlußfassung über die einzelnen Beiträge der Kommenden zum Reiterkontingent des Deutschen Ordens von insgesamt 18 Pferden]. Die beiden Komture sollen mit jeweils zwei Trabanten nach Konstanz ziehen und dort zur Erfüllung des vollständigen Anschlags von 14 Fußknechten weitere 10 Knechte anwerben. [Detaillierte Beschlußfassung über die Ausstattung und Ausrüstung sowie die Finanzierung und den Anmarsch des Romzugskontingents].1

    Mergentheim, act. 28. September 1507.
    Druck: Biskup/Janosz-Biskupowa , Protokolle, Nr. 19, S. 103–107.

    « Nr. 775  Kf. Joachim von Brandenburg an Kg. Maximilian »

    Ihr gemeinsamer Rat Eitelwolf von Stein hatte Befehl, ihm, Kf. Joachim, etwas bezüglich des Romzugs vorzubringen und in dieser Sache weitere kgl. Räte anzukündigen. Stein hat Šden kgl. Vorschlag, auf das ich dester baß und statlicher mit irer Mt. solchen romzug volbringen mocht, vorgetragen.1 Ebenso sind ihm kürzlich kgl. Mandate und Schreiben [Nrr. 733, 744, 754, 941] zugegangen. Da jedoch die kgl. Räte noch nicht bei ihm eingetroffen sind, sowie Kürze der Zeit und der großen Entfernung wegen ist es ihm nicht möglich, am kgl. Romzug persönlich teilzunehmen, obwohl er als gehorsamer Kf. nichts lieber täte. Er kann aus den genannten Gründen auch seinen Anteil an der Truppenhilfe sowie die 2000 fl. Geldhilfe nicht so bald wie gewünscht schicken. Er schreibt wegen der Romzughilfe beiliegend an Mgf. Kasimir von Brandenburg2, wie er zweifellos von diesem vernehmen wird. Er beabsichtigt, das Geld für seinen Anteil an der Reichshilfe zusammen mit den 2000 fl. so bald wie möglich aufzubringen und zu schicken. Bedankt sich für das Angebot des Kg. Bittet, ihn wegen seines Ausbleibens und wegen der Verzögerung seiner Romzughilfe zu entschuldigen. Er wird einen seiner Räte zu ihm schicken. Dessen Sold für sechs Monate soll auf den kurbrandenburgischen Anteil an der Romzughilfe angerechnet werden.

    Cölln/Spree, 28. September 1507 (dinstag nach Maurici).
    Wien, HHStA, Maximiliana, Fasz. 18, Konv. 1, fol. 113–113’ (Or.) = Textvorlage A. Berlin, GStA, Repos. 10, Fasz. 2 M, fol. 7–7’ (Konz.) = B.

    « Nr. 776  Kg. Maximilian an Kf. Joachim von Brandenburg »

    Teilt als Neuigkeit mit, daß Venedig die Partei Frankreichs ergriffen und sich gegen ihn gestellt hat. Er erwartet einen Angriff Venedigs, sobald der Krieg zwischen ihm und Frankreich beginnt. Die Franzosen haben entlang seiner Route für den Romzug alle Brücken abgetragen, die Wege und Straßen blockiert und mit Geschützen gesichert. Wo Gewässer zu überqueren wären, wurden alle Wasserfahrzeuge in die Städte verlegt und gesichert. Er kann deshalb nicht mit seinem ganzen Heer auf dem üblichen Weg durch das Territorium Venedigs ziehen, doch hat er einen Weg gefunden, über den er eine kleine Anzahl von Fußtruppen zu bringen hofft. Er verhandelt nach wie vor mit den Eidgenossen um Hilfe für einen Zug durch Mailand nach Rom, hat aber wenig Hoffnung auf mehr als eine Anzahl von Fußknechten und die Unterstützung des Grauen Bundes. Falls die Unterstützung der ŠEidgenossen nicht zu gewinnen ist, wird er dennoch über Hochburgund und Savoyen ziehen. Er verbindet diese Mitteilung mit der Aufforderung, seinen Anteil an der Reichshilfe gemäß Konstanzer Abschied zuverlässig zu leisten.1

    Innsbruck, 3. Oktober 1507; präs. durch den kfl. Boten Jakob am 1. November (omnium sanctorum).
    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 1, Nr. 2A, fol. 11–11’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. M. Lang).

    « Nr. 777  Ebf. Jakob von Trier an Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Trier »

    Bekundet seine Unzufriedenheit über das Ausbleiben ihrer Antwort auf seine Erklärung gegenüber ihren Gesandten. Befiehlt ihnen, über die Angelegenheit zu beraten. Da uf dem letsten gehalten reichstage zu Costenz durch des Reichs versamblunge uns und unseren undertonen solche hilf kgl. Mt. zu erlangunge der ksl. crone zu tunde ufgelegt und wir auch alda desjenen, so euch nach des Reichs register sunderlich ufgelegt, abgehalten und solichs in unser hilf, uns zu steuer zu komen, gezogen haben, auch in ansehung, dz ir und ein jeglicher in Reich gesessen, darzu hilf und steuer zu tuende im rechten gepflichtiget und darfur keiner freiheit geniessen mögen, befiehlt er ihnen, durch ihre Gesandten am 18. Oktober (St. Lucas evangelisten tag) in Cochem verbindlich zu erklären, was sie zu seinem Anteil an der Romzughilfe beitragen wollen. Er hat die geistlichen und weltlichen Stände des Erzstifts für den darauffolgenden Tag in das dortige Rathaus beschieden; sie sollen ihre Gesandten anweisen, an den Beratungen über die Romsteuer teilzunehmen.

    Ehrenbreitstein, 6. Oktober 1507 (mitwochs nach St. Frideriscus1 tag).
    Š Köln, HAStd, Auswärtiges 338, Stück-Nr. 42, pag. 595 (Kop.).

    « Nr. 778 Sieben Kriegsverordnete der Stadt Metz an Ammeister und Rat der Stadt Straßburg »

    Der Kg. hat sie ersucht, die Romzughilfe unverzüglich in bar zu überweisen [Nr. 748]. Sie sind mit den übrigen Ratsherren einer Meinung, daß sie gemäß dem Konstanzer Reichsabschied dazu nicht verpflichtet sind, es sei denn, der kgl. Zug über die Alpen ginge vonstatten. Bitten, ihnen vertraulich mitzuteilen, wie sie es bezüglich des Romzuges halten, ob ihrem Dafürhalten nach der Konstanzer Abschied vur sich gange oder nit, schließlich, ob die Städte das Geld auszahlen müssen, gleichgültig, ob der Zug stattfindet oder nicht.

    Metz, 6. Oktober 1507 (mitwoch post Francisci).
    Straßburg, AV, AA 328, fol. 13–13’ (Or.).

    « Nr. 779 Instruktion Hg. Albrechts von Bayern für Georg Eisenreich als Gesandten zu Kg. Maximilian  »

    [1.] Gemäß Beschluß des Konstanzer RT wurde er wie andere Ff. für den kgl. Romzug mit einer Geldsumme sowie einem Kontingent an Reiter- und Fußtruppen veranschlagt. Durch kgl. Mandat [Nr. 744] wurde er aufgefordert, diese Reichshilfe bis zum 16. Oktober (Galli) zu leisten. Er hat nach seiner Rückkehr vom RT einen Landtag nach Ingolstadt einberufen, der eine Steuer unter anderem zur Bestreitung der Reichshilfe zugesagt hat. Anders kann er die ihm auferlegte Hilfe nicht aufbringen. Die Landsteuer wird jedoch erst zwischen Martini [11.11.] und Weihnachten [25.12.] von den Untertanen eingebracht. Er bittet deshalb um einen Aufschub und bekundet zugleich seine feste Absicht zur möglichst raschen Leistung der Reichshilfe.
    [2.] Ebenso ist er bereit, seine noch unbezahlten Schulden in Höhe von 6000–7000 fl. mittels der bewilligten Landsteuer zu begleichen, um die kgl. Truppen in Weilheim auszulösen. Er ist zuversichtlich, daß die Weilheimer sich aufgrund dieser Zusage gedulden werden und die kgl. Truppen ziehen lassen, die dann anstelle des bayerischen Kontingents eingesetzt werden können.
    [3.] Nach erfolgter kgl. Antwort zu diesen beiden Punkten ist bezüglich der kgl. Aufforderung, die Ausstände an der auf dem Kölner RT bewilligten Reichshilfe unverzüglich nach Ulm zu überweisen [Nr. 759], geltend zu machen, daß er termingerecht Truppen entsandt und finanziert hat, bis diese vom Kg. wieder nach Hause geschickt wurden. Die Mahnung ist deshalb unbegründet.
    [4.] Was die kgl. Aufforderung angeht, einen Adligen abzustellen, der auf Kosten des Kg. am Romzug und für halben Sold als St.-Georgs-Ritter am anschließenden Heidenkrieg teilnimmt [Nr. 754], hat er keine geeignete Person finden können.

    s.l., s.d., jedoch München, vor dem 9. Oktober 1507.1 
    Š München, HStA, KÄA 3136, fol. 229–230 (Konz.).
    Druck: Krenner , Landtags-Handlungen XVI, S. 415–420.

    « Nr. 780 Ammeister und Rat der Stadt Colmar an Ammeister und Rat der Stadt Straßburg »

    Der Städtetag zu Speyer hat beschlossen, dem Kg. zu willfahren und den Konstanzer Reichsabschied bezüglich der Romzughilfe zu vollziehen [Nr. 859, Pkt. 2]. Ihnen ging inzwischen eine Aufforderung des Zinsmeisters zu Hagenau [Hans Heinrich Armstorfer] zu, nicht selbst Truppen anzuwerben, sondern das Geld dafür an Gf. Wolfgang von Fürstenberg (kgl. Hofmarschall) zu übergeben.1 
    Wir verston ouch, das an etliche stette gesucht und werbung beschehen, sich umb ir uflage gegen kgl. Mt. zu vertragen. Das alles, als wir achtent, dem abscheid zu Costenz ganz unglich, deshalb wir uns darin nit wol wussent zu halten. Bitten um vertrauliche Mitteilung, wie sie es mit der Sendung von Geld bzw. der Stellung von Truppen halten.

    Colmar, 9. Oktober 1507 (samstags St. Dionisyen tag).
    Straßburg, AV, AA 328, fol. 12–12’ (Or.).

    « Nr. 781  Hg. Georg von Sachsen an Kg. Maximilian  »

    [1.] Die auf dem Konstanzer RT versammelten Stände bewilligten für die Erlangung der Kaiserkrone und für andere Angelegenheiten des Reiches eine zum 16. Oktober (St. Gallen tag) nach Konstanz zu schickende Reichshilfe. Sein Bruder Hg. Heinrich und er wurden dabei für ihre Untertanen und Länder mit einer Summe Geldes und einer Anzahl Reiter und Fußsoldaten veranschlagt. Nach seiner Rückkehr aus Konstanz hat er deshalb seinen Bruder sowie die Bff. von Meißen und Merseburg – so mit iren stiften in meinem Fm. begryffen, der vorfarn und sie allezeit in meiner vorfarn dinsten, so sie dem Hl. Reich getan, blyben – aufgefordert, ihren Anteil an der Reichshilfe bereitzustellen. Sein Bruder ließ sein Schreiben unbeantwortet und unternahm in dieser Sache auch sonst nichts. Die Bff. haben gegen das bisherige Verfahren eingewandt, daß sie separat veranschlagt worden seien [Nr. 271, Pkt. 3]. Sie befürchteten deshalb, doppelt zur Reichshilfe herangezogen zu werden. Er hat seinen voraussichtlich rechtzeitig bis zum 16. Oktober (St. Gallen tag) oder kurz danach in Konstanz eintreffenden Anteil an der Reichshilfe in Geld und Truppen deshalb ganz aus eigenen Mitteln bestritten. Er bittet aber zu bedenken, daß die Leistung der Reichshilfe ohne die bislang übliche Beihilfe der beiden Hochstifte für ihn nachteilig ist. Er bittet außerdem, seinen Bruder, der ein vor kurzem zugestelltes kgl. Schreiben [Nr. 753] durch eine eigene Gesandtschaft beantworten will, zur Erstattung des ihm obliegenden ŠAnteils an der sächsischen Reichshilfe zu veranlassen1, oder ihn, Hg. Georg, zu unterrichten, wie er im Falle seiner weiteren Verweigerung vorgehen soll, um zu seinem Geld zu kommen. Er bittet schließlich, die beiden Bff. schriftlich zur Wahrnehmung ihrer überkommenen Pflichten gegen ihn als Hg. von Sachsen aufzufordern und ihnen die durch den RT auferlegte Hilfeleistung zu erlassen.2 
    [2.] Er hat zwei weitere kgl. Schreiben mit der Aufforderung erhalten, zum einen die auf dem Kölner RT bewilligte Hilfe zu erlegen [Nr. 759] und zum anderen einen geeigneten Adligen für den Romzug und den anschließenden Heidenkrieg abzuordnen [Nr. 754]. Er erinnert daran, daß er ihm die Kölner Reichshilfe erlassen hat, da er zur Zeit des Kölner RT in den Diensten von Kg. und Reich in Friesland Krieg führte. Bittet, es dabei zu belassen. Er ist zuversichtlich, daß viele Adlige aus seinen Ländern nach Aufforderung durch ihn, den Kg., gern am Romzug und am Heidenkrieg teilnehmen werden, sowie diese Unternehmen beginnen.

    s.l., 11. Oktober 1507 (montag nach Dionisy).
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 338 (Reinkonz.).

    « Nr. 782  Bf. Christoph von Basel an Kg. Maximilian »

    Bestätigt den Empfang des kgl. Mandats [Nr. 744] und beiliegender Schreiben [Nrr. 748, 754, 759]. Er wird dem Mandat gehorchen und so bald wie möglich die Truppen und das Geld schicken. [Stellungnahme zur Kölner Reichshilfe von 1505]1. Er bemüht sich weiterhin um den erbetenen Adligen für den Zug gegen die Heiden und wird diesbezüglich Bericht erstatten. Beklagt sich über die feindseligen Nachbarn seines Hochstifts.

    Pruntrut, 14. Oktober 1507 (donnstag vor St. Gallen tag).
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 122–122’ (Or.).

    « Nr. 783 Mandat Kg. Maximilians an Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen »

    Bf. Gabriel von Eichstätt hat das Recht erhalten, die Romzughilfe auf die Untertanen seines Hochstifts umzulegen. Er selbst ließ entsprechende Mandate an die geistlichen und weltlichen Untertanen des Bf. ausgehen.1 Das Domkapitel zu Eichstätt hat sich zu seinem Mißfallen gegen dieses Vorgehen verwahrt. Befiehlt ihnen, die Einkünfte des Domkapitels aus seinem Kasten in Nördlingen zu sperren, bis dieses dem kgl. Befehl Folge leistet.2

    ŠInnsbruck, 14. Oktober 1507
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507, fol. 104–104’ (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 784  Kg. Maximilian an Kf. Joachim von Brandenburg »

    Bestätigt den Empfang eines Schreibens Mgf. Kasimirs von Brandenburg bezüglich der Kurbrandenburg in Konstanz auferlegten Reichshilfe1 und bekundet sein Gefallen an seinem Angebot, persönlich am Romzug teilzunehmen, vorausgesetzt dieser findet nicht zu bald statt. Gleichwohl hätte er erwartet, daß er die ihm auferlegte Hilfe – insbesondere die Reiter (da in Brandenburg gute Reiter zu finden sind), aber auch die Fußtruppen und das Geld – gemäß dem Konstanzer Abschied geschickt hätte. Da die gesetzte Frist für ihn jedoch zu kurz ist, akzeptiert er sein Angebot, daß Mgf. Kasimir für ihn zusätzlich zu seinem eigenen Kontingent so viele Reiter anwirbt, wie ihm durch den Reichsanschlag auferlegt sind. Der von ihm avisierte Rat wird mit seinen Pferden auf das Kurbrandenburger Kontingent angerechnet. Befiehlt ihm, eine entsprechende Geldsumme an Mgf. Kasimir zu schicken. Die Bargeldhilfe in Höhe von 2000 fl. und seinen Anteil für den sechsmonatigen Unterhalt der Fußknechte sollen ihm, dem Kg., unverzüglich durch den angekündigten kfl. Rat überbracht werden. Er benötigt das Geld für die Bezahlung und die Anwerbung eidgenössischer Söldner.2 

    Innsbruck, 17. Oktober 1507; präs. durch den [kfl.] Boten Jakob am 4. November (donrstag nach omnium sanctorum).
    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 1, Nr. 2A, fol. 10–10’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 785 Anton Tetzel an Bf. Gabriel von Eichstätt »

    [1.] Bedankt sich auch im Namen seiner Ratskollegen für die Zusendung eines gedruckten Exemplars des Bamberger Abschieds [Nr. 963]. Sie hatten bislang davon keine Kenntnis. Über das Ergebnis ihrer Beratungen wird er informiert werden.
    [2.] Auf seine Anfrage wegen Neuigkeiten teilt er streng vertraulich mit, daß ihm ein Angehöriger des kgl. Hofes von einer Äußerung des Kg. berichtet hat, wonach der Romzug aus drei Gründen nicht stattfinden könne: 1. Die Eidgenossen hätten die Unterstützung Šdes Romzuges abgelehnt. 2. Der Kg. beabsichtige jetzt, sich mit dem Papst zu verbünden und Venedig anzugreifen. 3. Der Kg. plane ein Bündnis mit dem Kg. von Frankreich, das durch eine Heirat besiegelt werden solle. Der päpstliche Legat [Carvajal] solle hinter diesen Plänen stehen. Obwohl vom Papst bereits wieder abberufen, wolle er dennoch länger bei Kg. Maximilian bleiben.
    [3.] Das Nürnberger Romzugskontingent steht zwar bereit1, ist aber noch nicht abgerückt, da man beobachten will, wie sich die anderen Stände verhalten. Serntein hat einem Nürnberger Emissär am kgl. Hof geraten, noch zu warten, während ein anderer Angehöriger des kgl. Hofes es für das Beste hielt, unverzüglich nach Memmingen zu ziehen. Ihm selbst wurde zugetragen, daß der Kg. die Ebff. von Mainz und Trier, Kf. Friedrich von Sachsen, den Bf. von Würzburg und Hg. Albrecht von Bayern zu sich berufen wird, um mit ihnen über die Einberufung eines neuen RT zu sprechen, auf dem über wichtige Angelegenheiten des Reiches, unter anderem über Verteidigungsmaßnahmen gegen das feindliche Ausland, beraten werden soll.
    [4.] Mgf. Friedrich von Brandenburg hat ihn, Tetzel, zu sich nach Ansbach beschieden. Dort hielt sich auch Pfgf. Friedrich auf, weshalb er wichtige Verhandlungen erwartete. Doch tat der Mgf. im wesentlichen nicht mehr, als dem Nürnberger Magistrat für die Zeit seiner Abwesenheit sein Land zu empfehlen, so daß er wieder abreisen mußte, ohne etwas bewirkt zu haben.
    [5.] [PS] Gerade traf ein kfl. Gesandter auf der Durchreise in Nürnberg ein und eröffnete ihm vertraulich, daß der kgl. Heerzug stattfinden werde; man wisse jedoch nicht, mit welchem Ziel. Dann kgl. Mt. sey etwaß in irer handlung – villeicht durch vil der selczamen teglichen zufallenden deß Reichs sachen und beschwerden – zerstreut und ganz irrig und darumb im furnemen, mit dem schirsten ainen anderen reichstag außzuschreiben, von solchen treffenlichen sachens zu ratschlagen und zu handeln.
    [6.] Heute sind die bfl. Bamberger Fußknechte in Nürnberg eingetroffen; für morgen werden die Reiter erwartet.

    [Nürnberg], 17. Oktober 1507 (suntag nach Galli).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 60, fol. 84’-85’ (Kop.).

    « Nr. 786 Rat der Stadt Schwäbisch Hall an Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen »

    Melden die Bereitschaft ihres Romzugskontingents. Sie wollen aber nicht bey dem fordersten anziehen, um unnötige Kosten zu vermeiden. Bitten sie, auch in Anbetracht ihrer guten Kontakte zum kgl. Hof, um Mitteilung, ob sie ihr Kontingent bereits vollzählig aufgestellt haben, ob dieses aus Bürgern besteht, wie die Truppen unterhalten werden und wann sie ausrücken werden, schließlich ob sie etwas davon wissen, daß etliche Städte bezüglich der Romzughilfe mit dem Kg. oder anderen Personen eine Vereinbarung getroffen haben.

    Schwäbisch Hall, 18. Oktober 1507 (montags nach Galli).
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 198–198’ (Or.).

    « ŠNr. 787  Gian Stefano Rozone an Mgf. Francesco von Mantua »

    [1.] Er wies in einer Unterredung mit dem Legaten [Kardinal George d’Amboise] darauf hin, daß der 16. Oktober (San Gallo) vorüber sei, et anchor non si vede questo tanto furioso exercito dil re de’ Romani. Me rispose hora gli pensava, et cominciomi a dire che mons[ignor] granmeter [Charles d’Amboise] gli havea scritto che per una spia sua, quale era ritornata di Elemagna, haveva intexo che li homini de Lolimbergo [!] haveano mandati certi fanti al re de’ Romani et che lui li ricerchava denari e non homini, perché di megliori di quelli gli haveano mandati ne haverìa ritrovato; et che loro gli resposeno che non gli volevano dare denari, ma homini solamente per acompagnarlo a Roma e non per fare guerra. Et che da molti altri signori e principi gli era stato fata simile risposta, et che sin a quella hora, s’è partita la spia, el re de’ Romani non havea uniti più che secento fanti e tresenti cavalli. 
    [2.] Er wies auf die ungenügenden Abwehrmaßnahmen Venedigs hin. Der Legat erwiderte, daß er eine Reise nach Italien derzeit für unnötig halte und daß die Venezianer – per quanto mostraveno – seine guten Freunde seien. Wenn der röm. Kg. versuche, gewaltsam durch venezianisches Territorium zu ziehen, so habe der frz. Kg. so viele Truppen und so viel Geld, daß der röm. Kg. nicht standhalten könne. In Burgund seien einige Festungen eingenommen und dem Mgf. von Rötteln (Rotolino) [Ludwig I., Gf. von Neuenburg] zurückgegeben worden; der Hg. von Geldern [Karl von Egmond] verursache in Flandern große Schäden. Er könne sich nicht vorstellen, con che modo el re de’ Romani puotesse provedere in tanti luoghi. Er habe mit Andrea del Burgo gesprochen, el quale, essendo in ragionamento con lui di queste cose dil re de’ Romani, gli havea dito che esso re non era homo per far effetti, anchorché dicesse parole.
    [3.] Andrea del Burgo ist, in Begleitung eines Emissärs des Kg. von Aragon (Ragona), als Gesandter des röm. Kg. hier. Den Grund für Burgos Abreise aus Kastilien hat er bereits mitgeteilt.1 [...].

    Lyon, 18. Oktober 1507
    Mantua, AS, A.G., ser. E.XV.3, busta 631, fol. 71–71’ (ital. Or.).

    « Nr. 788 Vincenzo Querini an den Dogen von Venedig  »

    [1.] [Verhandlungen mit den Eidgenossen wegen des Romzuges; Nr. 923]. Er hat glaubwürdige Informationen erhalten, daß der Krieg in Flandern im Sinne Kg. Maximilians verläuft. Obwohl dieser Sorglosigkeit demonstriert, hat er die Hgg. von Jülich und Kleve, den Ebf. von Köln, den Mgf. von Baden und, wie es heißt, auch den Lgf. von Hessen angewiesen, Hilfe dorthin zu schicken [Nr. 768]. Dies zeigt, daß der Kg. sich größere Sorgen macht, als er zugibt.
    Š[2.] In Konstanz ist der Hg. von Württemberg mit 250 Reitern und seinen Fußtruppen eingetroffen; zur Kostenersparnis lagert sein Kontingent jedoch in seinem nahegelegenen Fürstentum. Man erwartet in Konstanz stündlich das Eintreffen Mgf. Friedrichs von Brandenburg mit Mgf. Kasimir und einem weiteren Sohn [Mgf. Johann] samt ihren Truppen und vielen Herren und Hauptleuten der Reichsstädte. Der Bf. von Würzburg und einige andere Bff. sind bereits eingetroffen, cum bellissima compagnia. Es heißt, die Truppen seien in bester Ordnung und jeder stelle mehr Soldaten bereit als ihm auferlegt sei. Ein Teil der Reiterei ist in Konstanz untergebracht, der Rest lagert wie die Fußtruppen im Umland.1 [3. Ankunft des spanischen Gesandten Bf. Jaime de Conchillos von Gerace in Innsbruck; 4. Abreise des ungarischen Gesandten].

    Hall, 20. Oktober 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 121’-122’ (ital. Kop.; Postverm.: Per Baronem, cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 180’-181’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    « Nr. 789  Bf. Georg von Bamberg an Bf. Lorenz von Würzburg »

    Er hat Christoph Schenk von Limpurg zum Hauptmann des Bamberger Kontingents1 ernannt. Es steht jedoch zu befürchten, daß dieser nicht zur Verfügung steht, falls sich der ŠTermin des Romzuges ändern sollte. Für diesen Fall und vorausgesetzt, eine Mehrheit der Kff. und Ff. beteiligt sich am Romzug, müßte ein anderer Hauptmann gefunden werden. Da Philipp Schenk von Limpurg und der H. von Heideck noch nicht über die nötige Erfahrung verfügen, hat er den bfl. Würzburger Marschall Hans Zollner gebeten, Limpurg gegebenenfalls zu ersetzen.2 

    Bamberg, 21. Oktober 1507 (donerstag eylf M  junkfrauen).
    Bamberg, StA, B 34 Bamberger Reichskorrespondenz, Nr. 1, fol. 22–22’ (Konz.).

    « Nr. 790 Weisung Kg. Maximilians an Paul von Liechtenstein, Frh. zu Kastelkorn (Marschall des Innsbrucker Regiments und Hauptmann zu Rattenberg), Georg von Rottal, Frh. zu Talberg, und andere nach Innsbruck verordnete Räte  »

    Sigmund von Fraunberg, Frh. zum Haag (kgl. Rat und Pfleger zu Neuburg), wird ihnen weisungsgemäß am 14. Dezember die Abrechnungen über das ihm verschriebene Pflegamt und seine Mission nach England vorlegen.1 Befiehlt ihnen, die Abrechnungen zu prüfen und ihn gegebenenfalls über Ungereimtheiten informieren. Für die Gesandtschaft nach England sollen sie gemäß dem Herkommen am Hof von einer Begleitung von acht Pferden samt einem Ersatzpferd ausgehen. Von der Summe soll der Anteil Fraunbergs am Kölner Reichsanschlag abgezogen werden. Für den Konstanzer Anschlag sollen ihm 150 fl. berechnet werden; der Rest wurde ihm aus anderen Gründen bereits erlassen.

    Innsbruck, 24. Oktober 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1507), fol. 101–101’ (Or. mit Korrekturen und Ergänzungen).

    « Nr. 791 Nürnberg an Schwäbisch Hall  »

    Bestätigen den Empfang ihrer von einem Vertrauensmann stammenden Nachricht, daß der Romzug nicht stattfinden werde. Sie haben gleichlautende Informationen erhalten, daß villeicht ander anschleg und practica vor augen sein sollen. Da sie jedoch wissen, daß die Truppen etlicher Kff., Ff. und Städte bereits unterwegs sind, werden sie das Nürnberger ŠKontingent ebenfalls am nächsten Tag [28.10.] losschicken, um nicht als Ungehorsame der kgl. Ungnade zu verfallen.

    Nürnberg, 27. Oktober 1507 (vigilia Simonis et Jude).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 60, fol. 101’ (Kop.).

    « Nr. 792 Hans von Landau (Reichsschatzmeister) an [Jakob von Landau] 1   »

    [1.] [...]. Er soll den Kg. um eine Entscheidung bitten, ob er die Kgg. von Böhmen und Dänemark und die zur Eidgenossenschaft gehörigen Klöster und Städte zur Leistung der bewilligten Bargeldhilfe auffordern soll oder nicht2; auch wie er es diesbezüglich mit dem Bf. von Freising halten soll, der behauptet, er habe sich mit dem Kg. vertraglich geeinigt.
    [2.] Verrer, nachdem dz angeslagen hilfgelt von den stenden langsam ankümpt und noch vil außsteet, ist durch uns uf der kamer beratslagt, das ich alz schatzmaister denen, so soliches hilfgelt noch nit uberlifret hetten, züschreiben, nochmalz zum furderlichisten one verzug bezalten und her uberantwurten sollten. Dieweil wir aber bericht sein, das di kgl. Mt. jetz willens sey, allen stenden im Reich mandaten zü schicken, mit irer anzal zu roß und fuess furderlich anzukümen, wolte uns fur gut ansehen, das ir kgl. Mt. in soliche mandatn inseriern und schreiben hett lassen, das di, so solich gelt noch nit entricht hetten, dasselbig on alles lenger verziehen her uberantwurt hetten gegen irer Mt. quittung. Er muß dann keine eigenen Boten zu den Ständen schicken, was dem Kg. große Kosten erspart. Für den Fall, daß der Kg. dies nicht will, übersendet er die Abschrift eines von den Hofkammerräten für gut befundenen Entwurfes für ein Schreiben in seinem Namen als Schatzmeister an die Reichsstände [Nr. 793]. Dieses könnte zur Kostenersparnis mit den kgl. Mandat verschickt werden. Falls der Kg. dem zustimmt, soll er diese Briefe schreiben lassen und siegeln und zusammen mit den kgl. Mandaten ausgehen lassen.
    [3.] Die Gff. von Sonnenberg und Werdenberg haben ihr Hilfsgeld nach Konstanz überwiesen, wollen es aber erst aushändigen lassen, wenn der Romzug beginnt. Da sich andere Stände ein Beispiel daran nehmen könnten, soll er den Kg. zu einem ernsten Mahnschreiben zur unverzüglichen Aushändigung des Geldes sowie der noch ausstehenden, auf dem Kölner RT bewilligten Hilfe an ihn als Reichsschatzmeister bewegen.3 

    Š s.l., s.d., jedoch wohl Konstanz, 29. Oktober 1507.4 
    Wien, HHStA, Maximiliana, Fasz. 18, Konv. 1, fol. 132–132’, 135 (Kop.).

    « Nr. 793 Mahnschreiben Hans von Landaus (kgl. Reichsschatzmeister) an säumige Reichsstände (Entwurf) »

    Wie sie wissen, haben die Reichsstände dem röm. Kg. auf dem RT zu Konstanz eine Hilfe von 120 000 fl.rh. zum Unterhalt von Fußtruppen bewilligt. Sie hätten demnach ihren Anteil von N. fl. zum vereinbarten Termin, dem 16. Oktober (St. Gallen tag), gegen kgl. Quittung in Konstanz erlegen müssen. Die Frist ist inzwischen verstrichen, ihre Zahlung steht jedoch immer noch aus. Da der Kg. das Geld für seinen Romzug dringend benötigt, hat er ihn als Reichsschatzmeister mit dessen Eintreibung beauftragt. Er fordert daher im Namen des Kg. und bittet sie als Schatzmeister, das Geld unverzüglich zu seinen Händen nach Konstanz zu überweisen. Falls die Zahlung weiterhin ausbleibt, muß er dies befehlsgemäß dem Kg. berichten, wonach der kgl. Fiskal wegen dieser Hilfe und darüber hinaus wegen des dem Kg. aus der Zahlungsverweigerung entstandenen Schadens gegen sie als Säumige prozessieren wird.

    Konstanz, 29. Oktober 1507.
    Wien, HHStA, Maximiliana, Fasz. 18, Konv. 1, fol. 133–133’ (Kop.).

    « Nr. 794 Verzeichnis über reichsständische Romzugskontingente  »

    Lindau 6 Reiter/18 Fußsoldaten, Speyer 101/20, Überlingen 11/20, Frankfurt 21/342, Wimpfen 3/3, Heilbronn 6/15, Biberach 0/30, Esslingen 11/17, Schwäbisch Gmünd 6/133, Nördlingen 11/17, Weil der Stadt 2/4, Augsburg 26/33, Ulm 30/33, Giengen 2/4a, Kaufbeuren 3/20, Donauwörth 5/9, Kempten 3/9, Memmingen 11/17, Schwäbisch Hall 5/9b.
    c Menzisch, Wurzpurg, Bamberg geschickten. Mgf. Friderich [von Brandenburg-Ansbach], Gf. Ludwig von Babenhusen4, der abt von Fulda, Nurmberg, Bf. von Spyer-c.

    Š s.l., s.d., jedoch Konstanz, 10. November 1507.5 
    Frankfurt, ISG, Reichssachen II/199, Stück-Nr. 42 (Kop., Überschr.: Das sein die stett, so sich den herren von der hofecamer angesagt haben und ankomen sein.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 106, unfol. (Kop. 6, Überschr. entspr. A) = B.

    « Nr. 795 Bericht Niklas Zieglers an Kg. Maximilian »

    [1.] Verhandlungen mit Kf. Jakob von Mainz, Lgf. Wilhelm von Hessen und Mgf. Christoph von Baden über die Romzughilfe; [2.] diesbezügliche Verhandlungen mit Kf. Jakob von Trier, Kf. Hermann von Köln und Hg. Wilhelm von Jülich; [3.] Einsatzzweck des hessischen Kontingents; [4.] Informierung Ehgin. Margarethes und F. Rudolfs von Anhalt; [5.] Nachrichten vom Geldernkrieg; rheinischer Kff.tag in Oberwesel.

    Köln, 10. November 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/334, fol. 337–338’ (Or., Postverm.: cito; ex.-Verm. auf der Rückseite, Registraturverm.: G[abriel Kramer]).

    [1.] Verweist auf einen früheren Bericht1 über seine Verhandlungen mit Mainz, Hessen und Baden: Der Kf. von Mainz erklärte, sein Reiterkontingent bereits nach Konstanz losgeschickt zu haben2; der Lgf. von Hessen hat eingewilligt, seine Reiter zum Mgf. von Baden nach ŠLuxemburg zu schicken; Mgf. [Christoph] will auf Befehl Hgin. Margarethes mit Reisigen und Fußknechten ebenfalls nach Luxemburg ziehen.3 
    [2.] Inzwischen hat er auch mit Köln, Trier und Jülich verhandelt. Laut einem Schreiben des Ebf. von Trier hat dieser Weisung, mit seinem Kontingent für ein Jahr nach Brabant zu ziehen. Darin teilte er weiter mit, daß es dabei jedoch Schwierigkeiten gebe, weshalb er einen Gesandten zum Kg. abgefertigt habe. Vor dessen Rückkehr könne er auf das von ihm vorgebrachte Anliegen nicht antworten. Der Ebf. von Köln erklärte, er habe die Absicht gehabt, seine Truppen in die Niederlande zu schicken; da die Franzosen inzwischen jedoch wieder abgezogen seien, habe er davon abgesehen und belasse sein Kontingent bis auf weiteren Bescheid des Kg. zu Hause. Dem Hg. von Jülich wurde der größte Teil der Reichshilfe für seine jüngst aufgewandten Kosten in den Niederlanden und als Abschlag auf kgl. Schulden4 erlassen, wie er, der Kg., selbst weiß. Seine Bitte, mit Reiter- und Fußtruppen Hilfe gegen Geldern zu leisten, hat der Hg. mit dem Argument, daß ein kleines Kontingent nichts nützen würde, abschlägig beschieden. Falls jedoch der Kg. und Hgin. Margarethe zusammen mit den niederländischen Ständen mit ihm über eine größere Hilfeleistung und ein Kommando in den Niederlanden verhandeln wollten, würde er Entgegenkommen zeigen. Warlich sein person ist gerecht, aber er kan von seiner landschaft so leichtlichen kain volg haben. Dann hetten sy yetz etwas wider die Franzosen gehandlt, were sein land hart verprennt worden; doch wo er gesund gewesen, weren die Franzosen so leichtlich nit aus dem land kommen, wiewol sy etwas schadens gelitten und leut und gut laut hierin ligender zedel5 verloren haben sollen.
    [3.] Der Lgf. von Hessen hat ihm geschrieben, daß Hgin. Margarethe dem Mgf. von Baden die Hilfeleistung in Luxemburg erlassen habe, da die Franzosen abgezogen seien. Der Mgf. habe den Lgf. daraufhin informiert, daß die Entsendung seiner Reiter nach Luxemburg unnötig sei. Der Lgf. hat bei ihm, Ziegler, angefragt, wohin er seine in Koblenz liegenden Reitertruppen – und der LXXXVII pherd von vast guten leuten sein – schicken soll. Er hat den Lgf. aufgefordert, seine Truppen zum F. [Rudolf] von Anhalt zu beordern. Er geht davon aus, daß dies geschehen wird.
    [4.] Über seine Verhandlungen hat er auch Hgin. Margarethe und den F. [Rudolf] von Anhalt informiert. Er konnte nicht früher berichten, da sich die Erklärungen der Ff. bis jetzt verzögert haben. Der Ebf. von Köln wird ihm, dem Kg., in Kürze seinen Anteil an der Geldhilfe zusenden.
    [5.] Der Ebf. von Köln teilte ihm eine zuverlässige Nachricht mit, wonach die Franzosen in die Niederlande zurückkehren würden. Er selbst hat außerdem von zuverlässiger Seite erfahren, daß Karl von Egmond am vergangenen Samstag [6.11.] aus Frankreich 32 000 Kronen erhalten hat. Warlich so will not sein, pesser ordnung in disen landen furzuŠnemen. Dise wochen kumen die vier Kff. am Rein zu Oberwesl persondlich zusamen von wegen allerley gebrechen des Reinstroms und auch, als ich verstee, der meynung, sich zu underreden frombder leut uberzug in dise land, als die Franzosen nechst getan haben. Über deren Verhandlungen wird er ihn informieren.6 

    « Nr. 796 Weisung Kg. Maximilians an Niklas Ziegler »

    [1.] Bestätigt den Empfang seines Berichts vom 10. November [Nr. 795]. Teilt mit, daß der Ebf. von Mainz seine Truppenhilfe vollständig durch die Entsendung von Reitern geleistet und auch die Geldhilfe bereits gezahlt hat. Damit ist er ebenso zufrieden wie mit der Einwilligung des Lgf. [Wilhelm von Hessen], seine Reiter dem Mgf. von Baden zu schicken. Da sich dessen Aufmarsch jedoch verzögert und er mit dem Lgf. vereinbart hat, seine Truppen zu F. [Rudolf] von Anhalt zu beordern, befürchtet er, daß der hessische Zuzug für den Mgf. nicht stattfindet. Er weist deshalb den Lgf. durch das beiliegende Schreiben, mit dessen Zusendung durch einen Boten er ihn beauftragt, an, seine Reisigen zum Mgf. nach Trier oder, falls dieser sie nicht benötigt, nach Burgund abzufertigen.1 Falls die hessischen Reiter bereits zum F. von Anhalt aufgebrochen sein sollten, läßt er es darauf beruhen.
    [2.] Dem Mgf. von Baden hat er seine Anweisungen übermittelt2, weitere Verhandlungen mit ihm sind unnötig. Bekundet sein Gefallen an der Bereitschaft des Ebf. von Köln, seine Reiter in die Niederlande zu entsenden. Angesichts des Rückzugs der Franzosen ist dies jedoch nicht mehr notwendig. Er schreibt deshalb selbst an den Ebf., seine Reiter nach Trier und Burgund zu schicken, wie aus der beiliegenden Abschrift3 zu entnehmen ist. Er soll mit dem Ebf. über einen zeitnahen Vollzug dieser Weisung verhandeln, außerdem über die Bereitstellung von Reitern anstelle von Fußtruppen und über die baldige Bezahlung der Geldhilfe an den kgl. Hof oder deren Hinterlegung in Straßburg.
    [3.] Er ist nach wie vor der Meinung, daß der Ebf. von Trier mit seinen Truppen nach Brabant ziehen soll. Entsprechende Instruktionen wird der Ebf. durch einen kgl. Boten erhalten. Weitere Verhandlungen mit ihm sind deshalb unnötig.
    Š[4.] Daß Hgin. Margarethe und der F. von Anhalt durch ihn informiert wurden, begrüßt er. Bezüglich der Rückkehr der Franzosen in die Niederlande, der französischen Subsidien für Karl von Egmond und des rheinischen Kurfürstentages soll er ihn weiter informieren.

    s.l., s.d., jedoch nach dem 10. November 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/334, fol. 334–336’ (Konz., Registraturverm.: G[abriel Kramer]).

    « Nr. 797  Hg. Albrecht von Bayern an Kg. Maximilian  »

    Sein Bruder Hg. Wolfgang hat ihn über ein kgl. Mandat [zur Leistung der Romzughilfe] informiert und gemäß dem zwischen ihnen geschlossenen und durch den Kg. konfirmierten Vertrag1 um seine Hilfe gebeten.2 Ihm, Hg. Albrecht, obliegt die Vertretung Bayerns gegenüber dem Reich. Demnach hab ich auf dem vermelten reichstag zu Costenz den Kff., Ff. und andern stenden des Hl. Reichs, als in irer versamblung von der hilf, e. kgl. Mt. zu angeregtem romzug ze tun, geratslagt warde, zu erkennen geben, wiewol von weyland Hg. Jorgens lande, als e. kgl. Mt. wissen mogen, mer, dann mein vorgehabte Fm. in der nutzung jarlich tut, komen und nu in andern henden ist, also ob es derselb Hg. Jorg mer, dann ich und gedachter mein bruder Hg. Wolfgang ytzo inhaben, an landen und leuten hinder sein verlassen, aber ime dannoch in allen des Hl. Reichs anlegen, vorher geschehen, nit mer dann ainem Kf. auferlegt ist, hab ich mich darauf erpoten und zugesagt von meinen vorgehabten und demselben Hg. Jorgens angefallen Fmm., sovil ich des als regirender F. ytzo inhab, doch das, so gedachter mein bruder ime ausgezaigt auch inhat, darein gerechent, von mein und meins ytzgemelten bruders wegen ainem Kf. gleich auch ze tun, und hab darauf den anslag, mir auferlegt, Šdermassen und anders nit angenomen. Hg. Wolfgang übt in seinen Besitzungen kein ftl. Regiment aus, er hat sie nur als Leibgedinge inne. Diese Ländereien fallen nach dessen Tod an ihn und seine Erben zurück. Die Hilfeleistung für das Reich ist also seine Aufgabe. Bittet, seinen Bruder von weiteren Anforderungen zu verschonen und dafür seinen Beitrag in Höhe eines kfl. Anschlags zu akzeptieren.3

    München, 12. November 1507.
    München, HStA, KÄA 3137, fol. 102–103 (Konz.).

    « Nr. 798 Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn an Balthasar Berlin  »

    Sie sind befremdet, daß sich die Truppen der Städte und anderen Stände so zögerlich in Konstanz versammeln.1 Bitten um Mitteilung, Kontingente welcher Stände sich bereits dort aufhalten, auch ob nit etlich verhalten ader widerumb abzyhen oder die yren zu roß und fuß sonst haymlich abschlaychen oder ob die kgl. Mt. oder yr hauptleut etlichen fur andern abzuzyhen vergunnen ader erloben, desglychen, ob der romzug sein fürgang haben werde oder nit, oder wo sich der zug hinauß lenden welle, und andere geschray, so zu Costanz verhanden, wie und welcherlay gestalt die weren und du erfaren magest. 

    Heilbronn, 13. November 1507 (samstag nach St. Martinstag).
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 157 (Nr. 46), unfol. (Konz.).
    Druck: Rauch , Urkundenbuch III, Nr. 2098e, S. 176.

    « ŠNr. 799  Hans von Landau (kgl. Reichsschatzmeister) an Zyprian von Serntein  »

    Der Bürgermeister von Rottweil [August Eberhard], dessen an ihn, Serntein, gerichtetes Schreiben beiliegt1, war bei ihm und sprach mit ihm über die Veranschlagung der Stadt durch den RT.2 Er konnte feststellen, daß die Rottweiler die Truppenhilfe nicht verweigern werden, wenn der Kg. deshalb mit ihnen verhandelt. Über die Geldhilfe sprach er mit dem Bürgermeister allerdings nicht. Bittet, diesen zu unterstützen, damit er vom Kg. gnädig abgefertigt wird. Bittet außerdem um Mitteilung, wie dieser beschieden wurde und was er selbst wegen [des Rottweiler Anteils an] der Bargeldhilfe unternehmen soll.

    Konstanz, 15. November 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1507), fol. 107–107’ (Or.).

    « Nr. 800 Cyriakus von Rinkenberg (Esslinger Hauptmann) an Bürgermeister und Rat der Stadt Esslingen  »

    [1.] Legt seinem Bericht auf ihre Anfrage hin eine Aufstellung über die bislang eingetroffenen Kontingente [Nr. 794 (B)] bei. Er ist auf kgl. Weisung hin und gemäß Bescheid seines Hauptmanns [Wilhelm Marschall von Pappenheim] am 13. November (samstag vor St. Othmarß tag) von Konstanz nach Innsbruck aufgebrochen. Von den Fürsten machte sich als erster Mgf. Friedrich von Brandenburg auf den Weg, ihm folgten die Hauptleute der Bff. von Bamberg, Würzburg, Mainz, Eichstätt und Augsburg. Von den Hgg. von Bayern ist noch niemand da. Straßburg soll seinen Beitrag zum Romzug mit Geld abgelöst haben; bislang hat sich auch kein Straßburger Kontingent angemeldet. Wie Wilhelm Marschall [von Pappenheim] erklärte, hat sich auch Nürnberg bislang weder in der kgl. Hofkammer noch bei ihm als Hauptmann der städtischen Kontingente angezeigt. Laut Pappenheim und dem Augsburger Bürgermeister [Jörg Langenmantel] machen die Nürnberger geltend, daß sie die kgl. Krone verwahren und nicht mit den übrigen Städten ziehen können, sondern auf den Kg. warten müssen.
    Š[2.] Die Kontingente liegen in und um Leutkirch, Memmingen, Kempten, Isny und Wangen. Niemand will als erster losziehen, denn der Kg. will zuerst am 6. Dezember (St. Nicklaus tag) in Zürich mit den Eidgenossen einen Tag abhalten. Er soll die Schweizer Gesandten, die erst vor kurzem bei ihm waren, zuvorkommend behandelt und jedem von ihnen 50 fl. geschenkt haben. Die im Verzeichnis fehlenden oberdeutschen Städte halten ihre Kontingente zur Kostenersparnis noch zurück und warten bis zum Aufbruch des Heeres über die Alpen. Das übersandte Verzeichnis über die in der Hofkammer und beim Hauptmann angemeldeten städtischen Kontingente gab ihm der Bürgermeister von Augsburg. Dieser hat Georg vom Thurn (Durn) um eine Aufstellung der angemeldeten reichsfürstlichen Truppen gebeten, jedoch nicht erhalten. Er und Hans Holdermann haben sich am 18. Oktober (gutentag nach St. Gallen tag) noch vor den Heilbronnern in der Hofkammer angemeldet. Wilhelm Marschall [von Pappenheim] und der Augsburger Bürgermeister haben den Augsburger Magistrat um weitere Instruktionen gebeten. Pappenheim hat einen Knecht dorthin geschickt. Es heißt, der Kg. halte sich jetzt in Augsburg auf; von dort werde man weiteren Bescheid erhalten. Darauf warten nun der Hauptmann, die Hauptleute von Ulm und Schwäbisch Hall und er selbst. Pappenheim meint, er wolle nicht zuviel tun, um nicht die kgl. Ungnade gewärtigen zu müssen.

    s.l., jedoch wahrscheinlich Leutkirch, 20. November 1507 (samstag nach St. Elisabeta tag).
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 106, unfol. (Or. m. S.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, J 9, Bü. 5, Stück-Nr. 42 (Auszug 19. Jh.).

    « Nr. 801 Weisung Kg. Maximilians an die Regierung zu Ensisheim  »

    [1.] Der Großprior des Johanniterordens in Deutschland, Johannes Heggenzer, hat sich darüber beklagt, daß er auf dem Konstanzer RT bei der Romzughilfe durch die Stände zu hoch veranschlagt worden sei [Nr. 271, Pkt. 6]; sein Wohnsitz liege im übrigen in den Erblanden und somit sei er ausschließlich ihm, dem Kg., als Ehg. von Österreich steuerpflichtig. Befiehlt ihnen, dafür zu sorgen, daß Heggenzer eine angemessene Hilfe lediglich für seine im Reich gelegenen Güter leistet.
    [2.] Obwohl die Klöster Murbach, Schuttern, St. Peter im Schwarzwald und Ettenheimmünster sowie die Hh. von Rappoltstein sämtlich in den Erblanden beheimatet und somit ausschließlich ihm als Ehg. von Österreich untertan sind, wurden sie ebenfalls auf dem RT veranschlagt [Nr. 271, Pkt. 6/9]. Sie sollen Anweisung erhalten, ihre Hilfe ausschließlich ihm als Landesherren zu leisten, damit seine obrigkeitlichen Rechte nicht geschmälert werden.1 Er wird dies auch den Reichsständen mitteilen.2 

    ŠAugsburg, 21. November 1507.
    Karlsruhe, GLA, 90/1, unfol. (Kop. mit imit. Verm. cdrp. und Gegenz. Serntein; Verm.: Copie des kgl. geschafts, durch den canzler Dr. Jacoben Mennel usbracht, St. Johansorden zu Heytersheim berurende.).

    « Nr. 802 Instruktion Kg. Maximilians für Gf. Georg von Montfort als Gesandten zu Hg. Ulrich von Württemberg  »

    [1.] Hg. Ulrich hat ihm vor kurzem schriftlich mitgeteilt, daß er mit 200 Pferden am Romzug teilnehmen wolle, wovon 100 auf den Anschlag Württembergs entfielen; 100 weitere Pferde wolle er ihm zu Gefallen ausrüsten.1 Er hat darauf geantwortet, daß er sich mit seiner Reitertruppe bis auf weiteren Bescheid zu Hause bereithalten solle. Wenn er dann zu ihm käme, werde man sich über die 100 Pferde verständigen.2 
    [2.] Er ist der festen Absicht, den Romzug gemäß dem Konstanzer Reichsabschied durchzuführen, doch will ihn der Kg. von Frankreich daran hindern. Dies wird daran deutlich, daß der Kg. ohne jede Veranlassung und Warnung beträchtliche Truppenkontingente nach Niederburgund entsandt hat, die dort erhebliche Schäden verursacht haben. Die Franzosen standen schon bereit, ihr Unternehmen in Hochburgund fortzusetzen, doch zogen sie nach der Entsendung von Truppen zu ihrer Bekämpfung wieder ab, wobei sie erhebliche Verluste erlitten. Er verfügt außerdem über glaubwürdige Informationen, daß der frz. Kg. in die Š Gft. Burgund einfallen will, ebenfalls um ihn am Romzug zu hindern. Dennoch will er den Romzug so bald wie möglich antreten. Im Falle eines französischen Angriffes auf die Gft. Burgund sind auch in den benachbarten Ländern Vorderösterreich und Württemberg Schäden zu befürchten. Er ist entschlossen, die Gft. während seines Aufenthaltes in Italien durch Truppen zu sichern. Da Hg. Ulrich für seine Gft. Mömpelgard und andere Hftt. mit Vorderösterreich verbündet ist, soll er die ihm gemäß Reichsanschlag auferlegten 100 Reiter unverzüglich nach Mömpelgard entsenden und mit den übrigen 100, vom Kg. zu finanzierenden Reitern nach Lindau ziehen. Er hat die Ebff. von Mainz und Köln, Hessen, Pfalz (Bairn), Straßburg und andere jenseits des Rheins beheimatete Reichsstände mit ihren Kontingenten ebenfalls nach Mömpelgard und Burgund beschieden und will noch andere Truppen dorthin entsenden. Diese Truppen sollen jedoch nicht dort bleiben, sondern nach seiner Ankunft in Italien durch Savoyen ziehen und zu ihm stoßen.
    [3.] Er soll Hg. Ulrich außerdem um Erlaubnis für den kgl. Feldzeugmeister der Vorderen Lande, Adrian von Brempt, bitten, die in Mömpelgard aufbewahrten kgl. Geschütze für den Romzug abzutransportieren. Brempt wird ihm für die Lagerungskosten sechs Feldschlangen überlassen.

    Memmingen, 26. November 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 24, 25, 26–28’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm.: G[abriel Kramer]; Aufschr.: Instruction Costenz anslag. Verm. auf dem letzten Blatt: Initium sapientiae.).

    « Nr. 803 Bürgermeister und Rat der Stadt Konstanz an den Rat der Stadt Schwäbisch Hall »

    Bestätigen den Empfang ihres Schreibens bezüglich der auf dem RT bewilligten Romzughilfe.1 Teilen mit, daß sich derzeit an Fremden nur die röm. Kgin. in der Stadt aufhält. Zwar sind in den vergangenen Tagen ständische Romzugskontingente – laut beiliegendem Verzeichnis2 – in Konstanz angekommen, diese wurden jedoch ihrer Kenntnis nach vom Kg. nach Innsbruck beschieden.3 

    Konstanz, 29. November 1507 (montags nach Conradi).
    Konstanz, StdA, B II, Nr. 28, fol. 57’ (Konz.).

    « ŠNr. 804  Mandat Kg. Maximilians an säumige Reichsstände im Elsaß und in der Ortenau 1   »

    Sie sind seinem Mandat, ihre gemäß Beschluß der auf dem Konstanzer RT versammelten Stände für den Romzug zu stellende Truppen- und Geldhilfe zu leisten, bislang nicht nachgekommen. Da er nunmehr bereit ist, den Romzug anzutreten, befiehlt er ihnen erneut unter Androhung der kgl. Ungnade, den auf sie entfallenden Anteil an der Reichshilfe unverzüglich abzufertigen, damit er an seinem Unternehmen nicht gehindert und somit genötigt wird, durch den kgl. Kammerprokuratorfiskal gegen sie als Ungehorsame zu prozessieren.

    Mindelheim, 1. Dezember 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 29–30’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm. G[abriel Kramer]).

    « Nr. 805 Weisung Kg. Maximilians an Dionysius Braun (kgl. Zahlschreiber)  »

    Der Kölner Gesandte Dr. Dietrich Meinertzhagen hat im Rahmen einer Einigung über die auf den RTT von Köln und Konstanz bewilligten Reichshilfen1 zugesagt, in Augsburg unverzüglich 3000 fl.rh. aufzubringen und an ihn, Braun, auszuhändigen. Übersendet ihm in diesem Zusammenhang etliche Briefe zur Übergabe an Meinertzhagen. Befiehlt ihm, sich zur Entgegennahme des Geldes unverzüglich zu dem Kölner Gesandten zu verfügen. Da Meinertzhagen nur 2000 fl.rh. zuverlässig sofort aufbringen kann und die restlichen 1000 fl.rh. vermutlich erst später, soll er von dieser ersten Tranche die im beigefügten Verzeichnis A2 aufgeführten Personen bezahlen und den Rest dann an ihn schicken. Er soll den Kölner Gesandten außerdem zur baldigen Aushändigung der restlichen 1000 fl.rh. veranlassen und davon die im Verzeichnis B3 benannten Personen bezahlen.
    [PS] Er hat seine Meinung geändert und deshalb anstatt der beiden Verzeichnisse A und B eine neue Liste4 erstellen lassen. Er soll mit Meinertzhagen über die Aushändigung der 3000 fl.rh. verhandeln und die in der Liste aufgeführten Personen nach ihrer Reihenfolge zufriedenstellen. Das restliche Geld soll er ihm, dem Kg., unverzüglich zusenden.

    Mindelheim, 1. Dezember 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1507), fol. 113–114, 115’ (Or., Vermm. prps./cdrp., Gegenz. J. Villinger).

    « ŠNr. 806  Mandat Kg. Maximilians an säumige Reichsstände  »

    Die auf dem Konstanzer RT versammelten Stände erlegten ihnen einen Anteil an der für seinen Romzug bewilligten Truppen- und Geldhilfe auf. Sie sind jedoch seinem Mandat zur Leistung dieser Hilfe [Nr. 744] bislang nicht nachgekommen. Da er nunmehr bereit ist, seinen Romzug durchzuführen, befiehlt er ihnen erneut unter Androhung der kgl. Ungnade, ihren Anteil an der Reichshilfe unverzüglich zu leisten, damit er an seinem Unternehmen nicht gehindert und somit genötigt wird, durch den kgl. Kammerprokuratorfiskal gegen sie als Ungehorsame zu prozessieren.

    Kaufbeuren, 2. Dezember 1507.
    Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 332–332’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Registraturverm. J. Villinger, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Goslar); fol. 335–335’ (Or. m. S., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Registraturverm. J. Villinger, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nordhausen); fol. 333–333’ (Kop., Adressat: Abt [Georg] zu Waldsassen).1

    « Nr. 807 Hans von Landau (kgl. Reichsschatzmeister) an Zyprian von Serntein  »

    Er ist im Begriff, wegen der Ausstände an den in Köln und Konstanz bewilligten Reichshilfen an etliche rheinische Reichsstände zu schreiben. Bittet um Weisung, wie er diesbezüglich mit dem Ebf. von Magdeburg, Kf. Joachim von Brandenburg und anderen in Sachsen beheimateten Ständen verfahren soll, bzw. um Mitteilung, wer von ihnen die Hilfe bereits geleistet hat. Denn er hat erfahren, daß am kgl. Hof viele Quittungen über eingegangene Zahlungen ausgestellt werden. Würde er dieses Geld anmahnen, wer es schimphlich.
    Übersendet den Entwurf einer Zitation an die Bff. von Metz, Toul und Verdun1 zur Durchsicht bzw. zur Vorlage an Gelehrte zur Prüfung. Bittet, die Dokumente so rasch wie möglich auszustellen und ihm zuzuschicken. Ich acht wol, es mues dergleichen auch mit Šandern gehandlt werden. On das wurd man sonst nit vil einbringen mugen. Bittet erneut um baldige Verhandlungen in seinem Streit mit Dietrich von Plieningen2 und um einen Hengst für seinen Sohn [Lutz].3

    Konstanz, 3. Dezember 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1507), fol. 116–116’ (Or.).

    « Nr. 808 Mandat Kg. Maximilians an säumige Reichsstände  »

    Erinnert an sein Mandat zur Leistung der auf dem Konstanzer RT bewilligten Romzughilfe [Nr. 769]. Befiehlt ihnen, ihren Beitrag unverzüglich an Mgf. Friedrich von Brandenburg zu schicken, der Befehl hat, sich mit einem größeren Truppenkontingent zu ihm zu verfügen. Ihr Anschlag dient zur Finanzierung seiner Reiter.

    Kaufbeuren, 4. Dezember 1507.
    Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 336–336’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Goslar); ebd., fol. 337–337’ (Or. Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Nordhausen).1

    « Nr. 809 Hans von Landau (kgl. Reichsschatzmeister) an Zyprian von Serntein »

    [1.] Empfehlungen für eine effizientere Einbringung der Konstanzer Reichshilfe; [2.] Entsendung Landaus nach Zürich.

    Konstanz, 6. Dezember 1507.
    Š Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/256/V, fol. 26–26’, 27’ (eh. Or.).

    [1.] /26/ Mein fruntlich, ganz williger dienst, besunder lb. H. canzler. Nachdem und von den stenden des Richs dem abschid und zusagen nach das hilfgelt nit erlegt werde und glich wie in andern vor zugesagten anschlegen kgl. Mt. zu merklichem nachtail angehenkt werden wil, hab ich dem handel nachgedacht und kgl. Mt. ain ußzug der rest baider anschleg Koln und hie machen wolen, mit anzaigung meinß torochten gedenkens, wie die inzubringen warend. Das auch die gehorsamen gern sechen und horn wurden und kgl. Mt. von nemand verwisen werden mag, das ier Mt. solich hilf zu ier Mt. und des Richs noturft inziechen laß. So beschaidend ier mich, gen Zirch zu riten, da ich nit vil danks erlangen und das hie versumen wurd. Aber wie dem, so schick ich uch hiemit ain possen ains mandatz mit angehenkter zitatz1, dardurch ich vermaint, das es ingebracht werden solt. Dan diewil darin stan wurd, das kgl. Mt. dem vischgal und mier dem penfal halb zugestelt hett, wurdend die lut gedenken, wier wurdend in unserm tail nicht nachlassen, sunder ernstlich wider sy procediern, dardurch das gelt ingebracht wurd. Es ist aber mein begern, wil noch gemut nit, das mier nichtz darvon werden sol, sunder tu ich das alain kgl. Mt. zugut und zu ainem schreckbot. Und miest mit dem fischgal dieselb mainung och abgeret werden. Dan on ain ernst gedenkt uch nit, nichtz inzubringen. Nun verhofte ich, durch den weg in kurzer zit /26’/ ICM fl. und wol daryber inzubringen, die yetz mit merklichem kosten ufgebracht werden miesend. Sölichs wolend mit kgl. Mt. reden und ier Mt. sagen, das ich willig sey, ales darin zu handlen, so ier Mt. zugutkumen mug, und mich nit ieren lassen, was unwilens ich darumb enpfach. Und was ier Mt. darin gefelig sein wolt, das wolend mich berichten.
    [2.] Die Instruktion nach Zürich2 ist kurz abgeschniten. Damit wird man nicht viel ausrichten. Aufgrund eines Schreibens Hartmann Bodmers und anderer glaubwürdiger Äußerungen, vermutet er, das lenger kain ufzug sein werd; wolen wier nit, so werdend sy mit hufen in Frankrich lofen und ins niemands wern lassen. [...].

    « Nr. 810 Instruktion Kg. Maximilians für Wolfgang von Zülnhart (Domdechant zu Augsburg, kgl. Rat) als Gesandten zu Hg. Heinrich d. Ä. von Braunschweig-Wolfenbüttel und Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg  »

    [1.] Verhandlungen mit Hg. Heinrich d. Ä. von Braunschweig; [2.] Verhandlungen mit Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig.

    Memmingen, 10. Dezember 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 50–53, 37–38’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm.: G[abriel Kramer], Kanzleiverm.: Fiat ain credenz darauf.).

    [1.] Niklas Ziegler (oberster kgl. Sekretär) hat über seine Verhandlungen mit braunschweigischen Gesandten Bericht erstattet. Demnach sei der Hg. [Heinrich d. Ä.] bereit, ihm mit 300–400 gerüsteten Pferden zu dienen und das Amt des Reichsfeldhauptmanns zu Šübernehmen, doch müsse zuvor eine Einigung über den Sold und die finanzielle Ausstattung erzielt werden. So sei er einverstanden, zur Finanzierung die in Konstanz beschlossene Reichshilfe benachbarter Stände anzunehmen. Er benötigt den Hg. in Anbetracht ihres Vertrauensverhältnisses und seiner Eignung – wie Ziegler in einem Schreiben an diesen bereits dargelegt hat1 – dringend für seinen Romzug. Er ist entschlossen, das Unternehmen jetzt zu beginnen und den Franzosen und anderen Mächten, die ihn daran hindern wollen und die Pässe sperren, entgegenzutreten. Er will den Romzug auch nicht länger hinausschieben, aus ursachen, das yetzo ain gute anzal zu roß und fuß des Hl. Richs hilf, uns jungst zu Costenz zu solhem unserm romzug zugesagt, ankomen ist und noch teglichs ankumbt. Auch rüsten jetzt seine Freunde und Verbündeten, die er um Hilfe gebeten hat. Seine Parteigänger in Italien erwarten dringend seine Ankunft. Für die Eröffnung des Feldzugs benötigt er den Rat des Hg. Er beabsichtigt, ihn zum obersten Hauptmann über die kgl. Truppen in Burgund zu ernennen. Deshalb muß er sich mit ihm besprechen. Falls die Verhandlungen mit dem Hg. über seine Dienstverpflichtung zuerst geführt werden sollen, würde dies zu lange dauern, so daß er mit seinen Truppen nicht rechtzeitig zum Beginn des Unternehmens eintreffen würde. Zülnhart soll den Hg. deshalb ersuchen, a mit geringem Gefolge zu ihm, dem Kg., zu stoßen und weitere 100 gerüstete Pferde als seinen Beitrag zur Reichshilfe nach Konstanz zu schicken. Zugleich soll er Vorkehrungen treffen, nach einer Einigung über seine Bestallung weitere 200 gerüstete Pferde nachkommen zu lassen-a. Zülnhart soll dem Hg. mitteilen, daß wir sein L. auf den negstverschinen reichstag gen Costenz zu komen nit ernstlich ersucht und in deshalben nit in costen bringen haben wellen, der zuversicht, damit er mit uns unsern furgenomen romzug zu volbringen dest williger und genaigter sein wurde. Der Gesandte soll ebenfalls darauf hinweisen, daß der Kg. mit Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig darüber verhandeln will, seinen Anteil an der in Konstanz bewilligten Truppenhilfe – anstatt der Fußtruppen eine entsprechende Zahl von Reitern – zu Hg. Heinrich d. Ä. zu schicken. Der Hg. soll diese Verhandlungen unterstützen.
    [2.] Nach den Verhandlungen mit Hg. Heinrich d. Ä. soll sich Zülnhart zu Hg. Heinrich d. M. verfügen und diesem gegenüber erklären, daß er, der Kg., gemäß Konstanzer Reichsabschied und -anschlag die termingerechte Entsendung seines Truppenkontingents zum 16. Oktober (St. Gallen tag) nach Konstanz und die Erlegung der Bargeldhilfe in Frankfurt erwartet hätte. Beides ist aber bislang unterblieben. Da er mit der Eröffnung seines Romzugs nicht länger warten kann, befiehlt er ihm, sein Truppenkontingent – anstelle der Fußknechte ebenfalls Reiter – unverzüglich zu Hg. Heinrich d. Ä. zu schicken, der mit weiteren Truppen persönlich am Romzug teilnehmen wird. Falls Hg. Heinrich d. Ä. dazu nicht bereit sein sollte, soll Hg. Heinrich d. M. gleichwohl die Geldhilfe nach Frankfurt überweisen und sein Truppenkontingent zu Gf. Wolfgang von Fürstenberg (kgl. HofmarŠschall, oberster Hauptmann und Landvogt im Elsaß und in der Ortenau) nach Hochburgund entsenden, um dort auf weitere Befehle zu warten.2 Über die Antworten der beiden Ff. soll Zülnhart unverzüglich Bericht erstatten.

    « Nr. 811  Kg. Maximilian an Mgf. Friedrich von Brandenburg-Ansbach 1   »

    Er hat zuverlässige Nachricht erhalten, daß Venedig seine Grenzen zu den Erblanden und insbesondere zur Gft. Tirol sichert und bei Rovereto und südlich davon im Etschtal (in dem tal heraus) 8000–10 000 Mann zu Fuß und Pferd zusammengezogen hat, um den kgl. Romzug zu verhindern. Im Interesse von Kg. und Reich will er Venedig mit seiner und anderer Hilfe entgegentreten. Befiehlt ihm, mit seinen Truppen unverzüglich nach Trient zu ziehen und gemeinsam mit Bf. Georg von Trient (kgl. Rat) und anderen dorthin beschiedenen kgl. Räten und Hauptleuten Venedig und seinen Parteigängern gegebenenfalls Widerstand zu leisten, um ihn, den Kg., seine Länder und auch die deutsche Nation vor Schaden zu bewahren. Er wird selbst auch möglichst bald nach Italien aufbrechen.

    Memmingen, 12. Dezember 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 39–39’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm. G[abriel Kramer]).

    « Nr. 812 Georg von Frundsberg an Kg. Maximilian »

    Bestätigt den Empfang zweier kgl. Weisungen1, wonach er zum einen mit seinen Truppen unverzüglich nach Telve (Delphan) im Suganertal (Vallzigan) ziehen und zum anderen mitteilen soll, welche Prälaten ihn als Truppenführer beauftragt hätten und wie groß das von ihm befehligte Kontingent sei. Teilt mit, daß ihn der verstorbene Abt von Kempten2  Šsowie die Äbte von Salem und Weißenau (in der Myndernau) auch im Namen der übrigen schwäbischen Prälaten verpflichtet hätten.3 Wer diese im einzelnen sind, weiß er nicht, will es aber in Erfahrung bringen. Die Äbte haben erklärt, daß sie 28 Reiter und 52 Fußsoldaten zu stellen hätten. Auf die kgl. Weisung zum Aufbruch hin hat er an seine Auftraggeber geschrieben, ihm als ihrem Truppenführer auch die übrigen Kontingente zu schicken. Wie er erfahren hat, sind die Truppen auf dem Weg; mit ihrem Eintreffen ist täglich zu rechnen. Nach ihrer Ankunft wird er befehlsgemäß aufbrechen. Falls er wünscht, daß er nicht auf sie warten, sondern unverzüglich abrücken soll, bittet er um Mitteilung.

    s.l., 13. Dezember 1507 (montags St. Lucien tag).
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 41–41’ (Or., ex.-Verm. auf dem Umschlag).

    « Nr. 813 Weisung Kg. Maximilians an Räte der Hofkammer in Konstanz  »

    Befiehlt ihnen, die in Konstanz eintreffenden Kontingente der Reichsstände nach Burgund zu Gf. Wolfgang von Fürstenberg, soweit sie vom Rhein oder von jenseits des Rheins kommen, bzw. nach Innsbruck zu bescheiden, soweit sie von diesseits des Rheins – aus Bayern, Schwaben, Franken, Sachsen und der Mark Brandenburg – kommen. Dort werden sie weitere Anweisungen erhalten.1

    Memmingen, 14. Dezember 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1506), fol. 109–109’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm. G[abriel Kramer]).

    « ŠNr. 814  Mandat Kg. Maximilians an [Gf. Hermann von Henneberg-Römhild] 1  »

    Er hat Kf. Friedrich von Sachsen beauftragt, von ihm seinen Anteil an den durch die RTT zu Köln und Konstanz bewilligten Reichshilfen einzunehmen und ihm, dem Kg., zu übergeben. Befiehlt ihm die unverzügliche Aushändigung seines Beitrags an Kf. Friedrich gegen kgl. Quittung. Er soll sich durch eventuelle anderslautende Schreiben davon nicht abhalten lassen.

    Memmingen, 15. Dezember 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 259 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein und Registraturverm. J. Villinger)

    « Nr. 815 Mandat Kg. Maximilians an durch Kursachsen eximierte Inhaber von Reichslehen 1   »

    Kf. Friedrich von Sachsen hat für ihn seinen Anteil an den auf den RTT zu Köln und Konstanz bewilligten Reichshilfen erstattet – dweil du und dein vorfaren alwege in des Hl. Reichs auflegungen in synen anslegen, als er uns bericht, bgriffen wurden. Befiehlt ihm, seinen Anteil an diesen Reichshilfen unverzüglich an Kf. Friedrich auszubezahlen.
    [PS]2 Im Fall der Weigerung hat der Kf. Befehl, dies dem Reichsschatzmeister zu melden, der daraufhin am kgl. Kammergericht gegen ihn prozessieren wird.

    Memmingen, 15. Dezember 1507.
    Š Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 264 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein und Registraturverm. J. Villinger) = Textvorlage A. Weimar, HStA, Sachsen-Weimar-Eisenach, Ks. und Reich, Nr. C 1363a (Verm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein; Adressat: Abt zu Saalfeld) = B.

    « Nr. 816 Mandat Kg. Maximilians an im Reichsanschlag aufgeführte kursächsische Landsassen 1   »

    Kf. Friedrich von Sachsen hat erklärt, daß er, der Adressat, bei Reichssteuern immer mit Kursachsen veranschlagt wurde, und darum gebeten, es dabei zu belassen. Dies wurde von ihm, dem Kg., bewilligt. Und dweil sich sein L. darauf umb die hilf, so dir auf den nest vergangen Reichs tagen zu Collen und Costenz aufgelegt ist, von deinen wegen durch seinen anslag mit uns vertragen und deßhalben zufridengestelt hat, befiehlt er ihm, seinen Anteil an den beiden Reichshilfen an Kf. Friedrich auszubezahlen. Er soll sich auch durch eventuelle anderslautende Schreiben davon nicht abhalten lassen.

    Memmingen, 15. Dezember 1507.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 265 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein und Registraturverm. J. Villinger).

    « Nr. 817 Weisung Kg. Maximilians an Wilhelm Güss von Güssenberg (Schwäbischer Bundeshauptmann der Kff. und Ff.)  »

    Der RT zu Konstanz hat eine beträchtliche Hilfe für seinen Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone bewilligt. Er hat indessen glaubwürdige Warnungen erhalten, und auch deren Vorgehen läßt erkennen, daß der Kg. von Frankreich und seine Parteigänger den Romzug verhindern wollen, um ihm und der deutschen Nation die Kaiserwürde zu entziehen. Der frz. Kg. steht in Verhandlungen, um ihm die Eidgenossen, die die Unterstützung des Romzuges zugesagt haben, abspenstig zu machen. Venedig hat, ebenfalls um den Romzug zu verhindern und die Erblande anzugreifen, 10 000 Mann Reiter- und Fußtruppen mit Artillerie an den Grenzen zu Tirol zusammengezogen. Ihm als röm. Kg. und Ehg. von Österreich obliegt die Sorge für die Ehre und Wohlfahrt der deutschen Nation, er muß sich deshalb den Absichten Frankreichs und Venedigs wie auch ihrer Anhänger und Verbündeten entgegenstellen. Befiehlt ihm, unverzüglich einen Schwäbischen Bundestag zum 8. Januar (St. Erhartz tag) nach Ulm auszuschreiben, wo die bevollmächtigten Bundesgesandten darüber beraten sollen, wie gegen Frankreich, Venedig und die Eidgenossen samt ihren Anhängern und Verbündeten vorgegangen, das Reich und das Haus Österreich geschützt und die Kaiserwürde für die deutsche Nation bewahrt werden kann.

    Memmingen, 15. Dezember 1507.
    Bamberg, StA, C 3, Nr. 625, fol. 100–100’ (Kop. mit imit. Verm. amdrp. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 2017, fol. 392–392’ (wie A) = B.

    « ŠNr. 818   Kg. Maximilian an [Ebf. Jakob von Trier] 1   »

    [1.] Geplante Entsendung Ebf. Jakobs von Trier in die Niederlande; [2.] ungenügende Leistung der auf dem Konstanzer RT bewilligten Romzughilfe, erfolgreiche Verhandlungen Kg. Maximilians mit Papst Julius II. über eine Kaiserkrönung auf Reichsgebiet; [3.] Aufforderung an Ebf. Jakob zur Teilnahme an Beratungen mit dem Reichsstatthalter Kf. Friedrich von Sachsen in Nürnberg und zum Erscheinen im kgl. Hoflager.

    s.l., s.d. jedoch wahrscheinlich zweite Dezemberhälfte 1507.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 18–19 (Konz.).

    [1.] Er, der Kg., hat ihm jüngst schriftlich seinen Wunsch mitgeteilt, daß er sich ihrer in Konstanz getroffenen Vereinbarung gemäß in die Niederlande begeben2, doch zunächst zuhause auf die Abfertigung des kgl. Rates Sigmund Pflug warten solle, damit sie beide zugleich bei Hgin. Margarethe in Mecheln einträfen.3 Der Hauptgrund für seine Mission in den Niederlanden war ursprünglich, daß die Franzosen mit großer Heeresmacht in Brabant lagen und die Regierung und die Untertanen in Unruhe versetzten. Die Franzosen sind indessen nach beträchtlichen Verlusten wieder abgezogen, Hgin. Margarethe und das Regiment haben die Ordnung wiederhergestellt. Vor seiner, des Kg., Ankunft in den Niederlanden wird kein weiterer französischer Einfall erwartet.
    [2.] Wie er weiß, hat er gemeinsam mit den Ständen auf dem Konstanzer RT beschlossen, den Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone durchzuführen. Ihm ist auch bekannt, welche Hilfe die Stände dafür zusagten und daß diese zum 16. Oktober (St. Gallen tag) bereit hätte sein sollen. Dieweil sich aber solhs alles verzogen und ders[elben] hilf gar clain und nicht ansechlich ankomen ist und doch wir und die stend des Hl. Reichs bey andern frembden nacionen uber den treffenlichen besluss und abschid, der solhs zugs halben zu Costenz gemacht ist, nicht geschimpft ader veracht wurden, haben wir bey uns selbst bedacht, wie wir die ksl. cron, dieweil sich solh des Reich[s] hilf dermassen verzeucht, mit den minsten costen und doch ansechlich und eerlich erlangten und mit unsern gehaimen practiken und grossem vleis, so wir bey unserm hl. vater, dem babst, gehebt, sovil bey seiner Hlt. erlangt, das sich ir Hlt. verwilligt haben, uns die ksl. Šcron bey etlichen cardinelen, wie das vergangen zeiten röm. Kgg. auch beschehen ist, an die confinien /18’/ welscher oder, wo wir wellen und das begern, gar in deutsche lande unsers gefallens zu schicken. Das wir auch von seiner Hlt. angenomen und uns entlichen entslossen haben, mit dem volk, so vom Reich ankomen ist und noch komen sol, desgleichen mit unser selbst aigen macht von unsern erblanden, die dann nicht clain sein wirdet, uns von stund an zu erheben und gegen Trient und Ytalien zu rucken, als wir auch yetzo an dem zug sein, und unser volk daselbst zu versamlen und ye understeen, die Venediger fur unser partey zu gewynnen. Wiewol sy sich mit allem irm krigsfolk zu ross und fuess gen Rofreid und an andre ende gegen unser Gft. Tirol geleget, haben wir doch aina hoffnung, sy zu bewegen, und uns auch darneben understeen, unser parteyen in Ytalien und sonderlichen die, so yetzo bei IM knechten der unsern eingelassen und wir etlich pass in Ytalia eingenomen, zu behalten und darzue vleiss haben, ob wir dem Kg. von Frankrich, oder wo die Venediger nit neutral sein wolten, ein pueberey zu tun.
    [3.] Und dieweil sich dann die handlungen, wie ob angezaigt ist, und sonderlichen der ksl. cron halben dermassen schicken, so erforder unser grosse notdurft, will dir auch als ainem Kf. geburen, dz du dismals personlichen bey uns seiest, dardurch wir auch geursacht werden, dich des zugs in die Niderland dismals zu erlassen. Befiehlt ihm deshalb, mit 50 Pferden unverzüglich aufzubrechen und sich zum 6. Januar (hl. dreier Kgg. tag) zum Reichsstatthalter Kf. Friedrich von Sachsen nach Nürnberg zu begeben, wo sich auch andere Ff. aufhalten werden, um dort gemäß einem weiteren beiliegenden kgl. Schreiben4 und aufgrund ergänzender Mitteilungen Kf. Friedrichs zu beraten. Nach Abschluß der Beratungen soll er sich mit seinen Truppen unverzüglich über Innsbruck nach Trient und weiter zu ihm, dem Kg., verfügen. Nach dem Empfang der Kaiserkrone will er unverzüglich gemeinsam mit ihm in die Niederlande aufbrechen5 und ihn gemäß ihrer in Konstanz getroffenen Vereinbarung in die Regierung der Niederlande einsetzen.

    « Nr. 819 Hans von Landau (kgl. Reichsschatzmeister) an Bürgermeister und Rat der Stadt St. Gallen »

    Dem röm. Kg. wurde auf dem Konstanzer RT für den Romzug eine Geldhilfe von 120 000 fl. bewilligt, wovon auf St. Gallen als ain glid und verwonten des Röm. Reichs 530 fl.rh., zahlbar am 16. Oktober (St. Gallen tag), entfielen. Da die Zahlung immer noch aussteht, hat der Kg. ihn als Schatzmeister mit der Eintreibung des Geldes betraut. Er fordert im Namen des Kg. und bittet für seine Person, das Geld unverzüglich gegen Quittung zu seinen Händen nach Konstanz zu schicken, damit der Kg. an seinem Unternehmen, woran diesem, dem Hl. Reich und insbesondere der deutschen Nation viel gelegen ist, nicht gehindert wird.1 

    ŠKonstanz, 16. Dezember 1507.
    St. Gallen, StdA, Tr. VII, Nr. 2.19, unfol. (Or. m. S.).

    « Nr. 820  Gf. Bernhard von Solms-Braunfels an Gf. Johann von Nassau-Dillenburg »

    Im Konstanzer Reichsanschlag zur Romzughilfe sind auch sie beide aufgeführt. Wie er weiß, haben einige [Wetterauer] Gff. eine Gesandtschaft zum röm. Kg. abgefertigt, der versehung, solichs abzuteydingen. Auf dem Grafentag zu Mainz haben diese Gesandten berichtet, daß der röm. Kg. auf der Bargeldhilfe und den auferlegten Reiterkontingenten – oder einer entsprechenden Geldzahlung – bestehe, jedoch zu einem Nachlaß beim Fußvolk bereit sei. Zugleich habe er indessen dem Fiskal Befehl erteilt, gegen Ungehorsame zu prozessieren. Auf ihre Beiträge seien schon jetzt viele Anleihen aufgenommen worden.
    Die ihnen benachbarten Gff. haben ihr Einverständnis bekundet. Gf. Eberhard von Königstein will sich sogar selbst darum bemühen, daß die Reiter und das Geld binnen 14 Tagen abgeschickt werden. Sie beide waren an der Gesandtschaft an den Kg. nicht beteiligt, sollten jedoch auch nicht allein als ungehorsam darstehen. Er schlägt deshalb eine gemeinsame Gesandtschaft an den kgl. Hof vor, um eine Reduzierung der Forderung auf die Geldhilfe und das Reiterkontingent zu erreichen. Falls sich der Kg., wie er erwartet, in oder in der Nähe von Straßburg aufhält, sollten sie beide persönlich mit ihm sprechen, um ein gutes Verhandlungsergebnis zu erzielen und zu verhindern, daß ihre Nachbarn – die doch sonderlich gerne mit uns zwyen zu schaffen hetten – zu Exekutoren ernannt werden. Bittet ihn, ihm schriftlich seine Meinung dazu mitzuteilen.1 

    s.l., 26. Dezember 1507 (sontag St. Stefans tag).
    Wiesbaden, HStA, Abt. 171, R 423, fol. 33–33’ (Or., Kanzleiverm.: Heruf ist geantwort, das diß m. gn. H. Mgf. [Christoph von Baden] abetragen sulle.).

    « Nr. 821 Hans von Landau (kgl. Reichsschatzmeister) an Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen »

    Der röm. Kg. hat ihn angewiesen, das Hilfsgeld, das Nördlingen und etliche andere Stände in Augsburg hinterlegen sollten, entgegenzunehmen und befehlsgemäß weiter damit zu verfahren. Ihm wurde mitgeteilt, daß sie ihren seinen Beitrag noch nicht bezahlt haben. Befiehlt ihnen im Namen des Kg., das Geld unverzüglich nach Augsburg zu überweisen.

    Augsburg, 26. Dezember 1507.
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507, fol. 54–54’ (Or. m. S.)

    « ŠNr. 822   Instruktion Kg. Maximilians für Gesandte 1  zum niederösterreichischen Landtag in Krems »

    Er steht im Begriff, mit der Romzughilfe der Reichsstände, so zue guetem tail ankomen ist, und eigenen Truppen, die er seit geraumer Zeit unter Waffen hält, den auf dem Konstanzer RT beschlossenen Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone anzutreten. Er beabsichtigt, durch Italien zu ziehen und daselb dem Hl. Reich, auch unserm haus Osterreich widerumb anhängig zu machen, alles zu eren und wolfart der ganzen cristenhait. Dies will jedoch der frz. Kg. mit Hilfe einiger italienischer Kommunen verhindern, um – wie zu befürchten ist – zur Schmach und zum Schaden für ihn und alle Deutschen selbst die Kaiserkrone zu gewinnen und künftig das Papsttum unter französische Kontrolle zu bekommen. Dies zeigte sich vor kurzem daran, daß der Papst durch einen Mönch vergiftet werden sollte und die Franzosen ihm verräterischerweise die Stadt Bologna wegnehmen wollten. Er hat glaubwürdige Nachricht, daß das mit Frankreich verbündete Venedig sich ebenfalls gegen den Romzug stellen will. Es hat Truppen nach Rovereto entsandt, um die Gft. Tirol anzugreifen, ohne daß dafür ein Grund besteht. Er hat sich in allen Streitigkeiten nachgiebig erzeigt und sich überdies geweigert, dem Papst im Streit um einige Städte gegen Venedig militärisch beizustehen. Erhebt Vorwürfe gegen Venedig in Hinblick auf Mailand und den Ungarnkrieg. Als er nach dem Kölner RT den Romzug antreten wollte, verhinderte Venedig dies durch einen Truppenaufmarsch und sperrte für ihn seine Gebiete, die doch dem Hl. Reich verwant sein. Dan das wir sy in offner versamlung der stende des Reichs auf yetztgehalten reichstag zu Costenz umb den durchzug ersuecht, aber mit erbietung on allen iren schaden und nachtail, haben sy uns den uppiglichen und verachtlichen gestragks abgeschlagen und sich erneut mit dem frz. Kg. verbündet. Er will sein Land vor Schaden bewahren und gemeinsam mit den Reichstruppen durch Italien – dasselb teutscher nacion widerumb anhengig zu machen – nach Rom ziehen. Bittet um die Stellung von 3000 Mann gegen Venedig. [Regelung von Einzelheiten der Hilfe]. Die Gesandten sollen eröffnen, daß er mit Böhmen über die Stellung einer halben Wagenburg verhandelt. Diese sollen Nieder- und Oberösterreich gemeinsam finanzieren. Er wird zum Schutz des Landes Mgf. Kasimir von Brandenburg mit 8000 Mann schicken. Ein ungarischer Adliger hat die Stellung von 2000 Mann für einen Monatssold von 5 Dukaten angeboten.2 

    ŠInnsbruck, 3. Januar 1508.
    Wien, ÖNB, Cod. 7552, fol. 65’-74’ (spätere Abschrift, imit. Verm. cdrp. und Gegenz. Serntein).

    « Nr. 823 Schwäbischer Bundesabschied »

    [1.] Der Kg. hat für den Fall eines Krieges gegen Venedig durch seine Gesandten beantragt, auf Kosten des Bundes 1000 Fußknechte bereitzustellen und weitere Rüstungsanstrengungen zu unternehmen, damit der Bund im Falle eines Angriffes auf die Erblande gemäß Einungsurkunde nach der zweiten oder dritten Aufmahnung zum Zuzug bereit ist.
    Die Bundesstände sind durch die in Konstanz bewilligte Romzughilfe belastet; überdies betrifft die Angelegenheit nicht speziell den Bund, sondern das ganze Reich. Denn auf dem Konstanzer RT wurde darüber beraten, wie Kf. Friedrich von Sachsen als Reichsstatthalter gemeinsam mit den Reichsständen bei auftretenden Problemen während des kgl. Romzuges verfahren soll. Offensichtlich ist der Bund nicht befugt, dem Ansinnen des Kg. zu willfahren. Dieser sollte bedenken, daß für den Unterhalt des Bundes und für die häufigen Bundeshilfen beträchtliche Mittel aufgewendet werden müssen, die Bundesmitglieder als Reichsstände nicht etwa von den Reichssteuern befreit sind, sondern über ihre Leistungsfähigkeit hinaus dazu beitragen. Es steht außerhalb der Möglichkeiten des Bundes, in dieser Angelegenheit alleine tätig zu werden; auch dürfen nicht nur die Bundesstände damit belastet werden.
    [2.] [Klage der Städte Augsburg und Nürnberg wegen der Entführung von Bürgern durch Heinz Baum]. Der Streit zwischen Mgf. Friedrich von Brandenburg und Nürnberg wird mit Zustimmung beider Seiten auf den nächsten Bundestag verschoben. Dort sollen auch die mit der Besichtigung der umstrittenen Nürnberger Befestigungsanlagen beauftragten Personen erscheinen.

    Ulm, 8. Januar 1508 (Erhardi).1  
    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.) = Textvorlage A. München, HStA, KÄA 2013, fol. 219–221 (Kop.) = B. Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. [4] 1508, Schwäbischer Bund (Jan.-Dez.), unfol. (Kop.). Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42a (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).
    Regest: Klüpfel , Urkunden II, S. 14–16.

    « ŠNr. 824  Hans von Landau an Zyprian von Serntein  »

    [1.] Erinnert an seine wiederholten Anregungen, Mandate zur Leistung der Romzughilfe in das Reich ausgehen zu lassen.1 Er hat darauf noch keinen Bescheid erhalten. Bittet noch einmal, diesbezüglich etwas zu unternehmen, dan sunst bring ich nymermer nichts eyn. Es hat auch bisher niemand nichts erlegt. Wenn der Kg. in die Mandate einwilligt, soll er seinen Stempel (geschnitten zaichen) seinem Schreiber Gabriel [Vogt] zusenden, der sie dann in seinem Namen ausfertigen wird.2
    [2.] [PS] Die Auslösung der Leute in St. Gallen scheiterte bislang am mangelnden Geld.

    Konstanz, 15. Januar 1508.
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 3, fol. 29–29’ (Or.).

    « Nr. 825  Kg. Maximilian an Pfgf. Alexander von Zweibrücken (bzw. an Pfgf. Johann von Simmern und Gf. Philipp von Hanau-Lichtenberg 1 )  »

    Er steht im Begriff, zum Romzug aufzubrechen. Er hat ihm zwar zuvor befohlen, sein Truppenkontingent zur Entsendung nach Luxemburg aufzustellen, doch hat Venedig inzwischen Truppen zusammengezogen, um ihm den Durchgang zu versperren. Er plant deshalb, seinen Durchzug notfalls mit Gewalt zu erzwingen. Dafür benötigt er seine Truppen, in Luxemburg werden sie nicht mehr gebraucht. Er befiehlt ihm deshalb, sein Kontingent – anstatt der Fußsoldaten eine entsprechende Zahl von Reitern – unverzüglich nach Trient zu schicken und es zur Eile anzuhalten. Er kann mit seinem Heer, das er mit großen Kosten finanzieren muß, nicht länger warten.

    Bozen, 18. Januar 1508.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 102 (Konz. mit ex.-Verm.).

    « Nr. 826  Kg. Maximilian an Bf. Hugo von Konstanz  »

    Er beabsichtigt, nunmehr zu seinem Romzug aufzubrechen. Befiehlt ihm deshalb, unverzüglich mit seinem gemäß Konstanzer Anschlag vorgesehenen Truppenkontingent – die Fußknechte in Reiter umgerechnet – nach Trient zu ziehen. Falls er nicht persönlich teilnehmen will, soll er seine Truppen abfertigen und sie zur Eile anhalten.1 Er kann mit seinem Heer, Šdas er mit großen Kosten finanzieren muß, nicht länger warten. Er soll ihm auch mitteilen, für wann er mit der Ankunft seiner Truppen in Trient rechnet.2 

    Bozen, 18. Januar 1508.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 103–103’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    « Nr. 827 Mandat Kg. Maximilians an säumige Reichsstände, hier an Gf. Johann von Nassau-Dillenburg 1   »

    Die auf dem Konstanzer RT versammelten Stände haben ihm für den Romzug eine Geldhilfe von 840 fl. und die Stellung von 23 Reitern und 25 Fußsoldaten auferlegt [Nr. 271, Pkt. 9, fol. 595]. Wider Erwarten hat er seine Hilfe jedoch nicht geleistet. Da er im Begriff steht, seinen Romzug anzutreten, befiehlt er ihm noch einmal, das Geld und die Truppen – die Fußknechte in Reiter umgerechnet – unverzüglich nach Trient zu schicken. Für den Fall, daß er sich diesem Mandat erneut widersetzt, hat der ŠReichskammerprokuratorfiskal Befehl, gegen ihn als Ungehorsamen zu prozessieren. a Er soll außerdem mitteilen, für wann mit dem Eintreffen seiner Reiter in Trient zu rechnen ist-a.

    Bozen, 18. Januar 1508.
    Wiesbaden, HStA, Abt. 171, R 423, fol. 36–36’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Adressat: Gf. Johann von Nassau-Dillenburg) = Textvorlage A. Innsbruck, TLA, Maximiliana I/44, Fasz. 1506–1508, fol. 105–105’ (Konz. mit ex.-Verm., Adressat – aufgrund der angegebenen Höhe der schuldigen Romzughilfe – wie A) = B.

    « Nr. 828 Hans von Landau (kgl. Reichsschatzmeister) an Kg. Maximilian »

    [Verhandlungen mit den Eidgenossen; Nr. 929, Anm. 5]. Erinnert hinsichtlich der ihm befohlenen Berichterstattung über seine Einnahmen an der Konstanzer Reichshilfe daran, daß er ihm schon vor einiger Zeit ein solches Verzeichnis zugesandt hat. Er wird aber so bald wie möglich eine weitere Liste an Zyprian von Serntein schicken.1 Im übrigen hat er bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß keine Zahlungen aus dem Reichsanschlag mehr eingehen, weshalb er sie [= die kgl. Hofkammerräte in Konstanz] nicht auslösen kann. Falls er damit einverstanden ist, neue Mandate ausgehen zu lassen, ist er zuversichtlich, noch eine beträchtliche Summe einzutreiben. Er hat diesbezüglich bislang noch keinen Bescheid erhalten. Bittet um seine Einwilligung.2 

    Konstanz, 23. Januar 1508.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIV (1508), fol. 11–11’, 12’ (Or. m. S.).

    « Nr. 829 Zitationsmandat Kg. Maximilians an Bf. Johann von Metz und die Administratoren des Hochstifts »

    Der kgl. Reichsschatzmeister Hans von Landau hat mitgeteilt, daß sie, der erwählte Bf. von Metz und die ihm zur Seite gestellten Administratoren, die Bezahlung der in Köln beschlossenen Reichshilfe in Höhe von 577 fl.rh. sowie die in Konstanz bewilligte Bargeldhilfe von 510 fl.rh. für den Unterhalt von Fußtruppen ungeachtet der Reichsabschiede, der erfolgten Zusage der Stände und eines wegen des Kölner Anschlags ausgegangenen Zitationsmandats1 bislang nicht bezahlt haben, sondern die kgl. Gebote sträflich mißachtet und somit ihn und das Reich in wichtigen Angelegenheiten behindert haben. Landau hat ihn deshalb gebeten, durch den kgl. Reichsfiskal Hieronymus von Croaria gegen sie als Ungehorsame zu prozessieren. Der Reichsfiskal hat auf Vorladung an den kgl. Hof erkannt. Gebietet Šihnen demnach unter Androhung der kgl. Ungnade und einer Geldstrafe von 20 Mark lötigen Goldes, das Geld binnen drei Wochen nach Zustellung des Mandats an den kgl. Schatzmeister in Konstanz [Hans von Landau] auszuhändigen. Für den Fall weiterer Säumigkeit lädt er sie nach Ablauf des Termins vor das kgl. Hofgericht.2 

    s.l., 24. Januar 1508.
    Metz, AM, AA 3/50 (Kop.).

    « Nr. 830  Kg. Maximilian an Hg. Albrecht von Bayern »

    Der Bf. von Gurk hat ihn über seine Antwort bezüglich des Auftrags, seinen Sohn Hg. Wilhelm nach Rom zu entsenden, um vom Papst unser ksl. cron zu begern, informiert. Die Zeit drängt. Er steht ständig in Verhandlungen mit dem frz. Kg. und Venedig wegen seines Zuges nach Italien und wird zweifellos mit einer der beiden Mächte einen Friedensvertrag oder Waffenstillstand schließen, um dann die andere angreifen zu können. Befiehlt ihn, seinen Sohn ohne weiteren Verzug mit 25 Pferden auszurüsten, um auf seine weitere Aufforderung hin unverzüglich aufbrechen zu können. Er hat andere Personen, die Hg. Wilhelm begleiten sollen, entsprechend angewiesen. Fordert eine Antwort durch den Überbringer dieses Schreibens.1 

    Bozen, 24. Januar 1508.
    München, HStA, KÄA 3136, fol. 330–330’ (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. M. Lang).

    « Nr. 831 Ausschreiben Kg. Maximilians an Reichstände, hier an Kf. Friedrich von Sachsen  »

    Bekundet sein Gefallen daran, daß er seinen Anteil an der Reichshilfe gemäß dem Konstanzer Abschied zum 16. Oktober (St. Gallen tag) bezahlt bzw. geschickt hat. In der Erwartung, daß dies auch die übrigen Stände tun würden, hat er mit beträchtlichen Kosten Truppen für den Romzug a und die Rückgewinnung der verlorenen Reichsgebiete in Italien-a angeworben. Bislang sind aber an Reichskontingenten nicht mehr als 1500 Mann zu Roß und Fuß eingetroffen. Seine Erbländer haben ihm zu diesem Unternehmen eine beträchtliche Hilfe zugesagt.1 Er ist deshalb entschlossen, den Romzug zu beginnen Šund die Sperre der Venezianer und Franzosen gewaltsam zu durchbrechen. Doch ist die vorgesehene Dienstzeit der reichsständischen Kontingente schon zur Hälfte abgelaufen und die verbliebene Zeit zu knapp, um das Unternehmen erfolgreich abzuschließen. Insbesondere wenn die kursächsischen Hauptleute aus dem Feld abziehen würden, würde sich dies auch mit Hinblick auf die anderen Stände negativ auswirken. Er, der Kf., ist dazu zwar nicht verpflichtet, dennoch bittet er ihn, sein Kontingent noch weitere zwei Monate bei ihm zu belassen und seine Hauptleute und Truppen darüber zu informieren. So wellen wir nichts destmynder mitlerzeyt bey unserm hl. vater, dem babst, handlen und practiciren, das er uns die ksl. cron under augen in unser heer schicke, damit wir nit gar gen Rom ziehen bedurfen und solich unser furnemen dest mit ryngerm costen volbringen mugen. Bittet um schriftliche Antwort durch den Überbringer des Schreibens.
    [PS] b Über die erwähnten 1500 Mann hinaus sind weitere 400 Reiter und Fußsoldaten aus dem Reich im Elsaß eingetroffen-b.2 

    Kaltern/Bozen, 24./25. Januar 1508.3
    I. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Ausstellungsort Kaltern, Datum 24.1.): Weimar, HStA, Reg. E, Nr. 55, fol. 2–2’ = Textvorlage A. Marburg, StA, Best. 2, Nr. 109, unfol. (alt II, 2, Nr. 57, Schubl. 17).
    ŠII. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein, Ausstellungsort Bozen, Datum 25.1.):Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (m. S., präs. 10.2.1508, Registraturverm.: Feria quarta cinerum [8.3.]1508)4 = B.
    III. (wie II., Ausstellungsort Kaltern): Bamberg, StA, B 34 Bamberger Reichskorrespondenz, Nr. 1, fol. 33–34 (m. S., präs. 11.2.1508)5 = C. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 342–342’ (Nachschrift fehlt). Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 37–37’ (Verm.: Peter von Frankfurt, kgl. Mt. bot, praesentavit has litteras sabato post Valentini [19.2.] circa prandium Ao. 1508.)6. Esslingen, StdA, F 307, unfol. (Nachschrift fehlt). Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 2, fol. 27–28. Leutkirch, StdA, U 4 (präs. 8.2.1508).
    IV. (wie II., Datierung: Kaltern, 27.1.1508): Stuttgart, HStA, B 486, Bü. 11, unfol. (Nachschrift fehlt; Adressat: Abt [Konrad] von Rot) = D.
    V. (Abschriften): Bamberg, StA, B 34 Bamberger Reichskorrespondenz, Nr. 1, fol. 35–36 (Kop., Adressat: Bf. Lorenz von Würzburg). Nürnberg, StA, ARTA 8, fol. 345–346 (imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein, Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Schweinfurt, irrtümliche Datierung auf den 15.1.1508).
    Regest: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 931, S. 742; Rauch , Urkundenbuch III, Nr. 2114, S. 203f. (datiert auf den 22.1.).

    « Nr. 832 Mandat Kg. Maximilians an Gf. Johann von Nassau-Dillenburg  »

    Ungeachtet seiner vorherigen Aufforderung zur unverzüglichen Leistung der Romzughilfe [Nr. 827] ist dies bislang unterblieben, was ihn befremdet und zu nicht geringem Mißfallen gereicht. Er ist jetzt im Begriff, seinen Romzug anzutreten. Deshalb befiehlt er ihm nachdrücklich, seine Truppen – die Fußtruppen in Reiter umgerechnet – unverzüglich zu ihm zu schicken und seinen Anteil an der Bargeldhilfe in Frankfurt zu hinterlegen. Da Gf. Eberhard von Königstein am Romzug teilnehmen wird1, soll er seine Reisigen dessen ŠBefehl unterstellen. Bei weiterer Säumigkeit wird er dem kgl. Reichskammerprokuratorfiskal gestatten, gegen ihn zu prozessieren.

    Bozen, 4. Februar 1508.
    Wiesbaden, HStA, Abt. 171, R 423, fol. 37–37’ (Or., Vermm. prps./amdcp., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 833 Bericht Johann Butlers an Bürgermeister und Rat der Stadt Nordhausen über die Annahme des Kaisertitels durch Maximilian I. »

    Sämtliche Hauptleute wurden am 4. Februar (fritag nach purificacionis Marie virginis) aus dem Lager in Pergine (Persen) nach Trient beschieden. Do wir gen Trient komen, ist kgl. Mt. uß demselben schloß zu Trient mit einer grossen procession, allen priestern, monchen und pfaffen, allem heyltum, kreuzen und fanen, desglichen das kindlein [Simon] zu Trient, alles in der procession vor ym hergetragen, in den thum gefurt. Do er in den thum komen, ist mit grossem gesang angehaben: „Advenisti desiderabilis, quem expectabamus“ etc. Hernach hat ksl. Mt. verkinden lassen und reden vor den Ff. und herrn Bff. und stenden des Reichs, so uf dy zyt dogewest, wiewol in eyner klein zal, das er itzund das keysertum annemen, den ksl. namen und furt also gehalten und genant wol sein vom Reich, sich auch ein Ks. schriben, von meniglich ein Ks. geschriben werden. Doruf im die Ff., so dogewest, drei Mgff. [Friedrich, Kasimir und Johann von Brandenburg], der von Wirtenberg, zwen Bff., Trient, Hg. [Albrecht] von Meckelburg und ander vil Ff. a botschaft, das sy solchs von siner kgl. Mt. erfraut, inen fur iren Ks. halten, leib und gut zu im zu setzen, erzeln lassen. Er hat auch uf die zeyt St. Gorgen orden und pruderschaft an sich genommen, desgleichen der Mgf. [Friedrich] und ander meher. Darnach hat man mit trumeten und herpauken in der kirchen ufgeplasen, darnach das „Te deum laudamus“ gesungen, darnach der Bf. in seiner inful etzlich gepet und collecten uber in gelesen. Kgl. Mt. hat auch sagen lassen, sich mit der ksl. kronb kron[en] zu lassen und darnach zyhen wider die ungelaubigen und wider den Kg. von Frankreich, der im solch ksl. kron zu wern sich understanden. Und darnach kgl. Mt. wider in das schloß geritten und die stend des Reichs, die hauptleut, ein iztlich part selbist fur sich geheischt, inen befelch gegeben, das die uf sunabent frue [5.2.] zu ŠLevan1 uf einer wysen mit dem volk zu roß und fuß gewest. [Bericht über militärische Operationen gegen Venedig]2

    s.l., s.d., jedoch nach dem 5. Februar 1508.
    Nordhausen, StdA, R, Ka 4, fol. 42–42’ (Or.).

    « Nr. 834 Bericht Hans Claus’ an Bürgermeister und Rat der Stadt Nördlingen über die Annahme des Kaisertitels durch Maximilian I. »

    [Geldangelegenheiten in Zusammenhang mit der Nördlinger Teilnahme am Romzug]. Uf eitz freytag vergangen [4.2.] hat im die kgl. Mt. daß kindlin [Simon] zu Triend vor lassen tragen in daß munster, und hat die kgl. Mt. deß ksl. klaydung angehaben. Und mit dem Kg. sind gangen Bff., Hgg. und Mgff. Alß sie in daß munster komen sind, da hat im die kgl. Mt. lassen reden, daß die kgl. Mt. sich protestir, die ksl. Mt. also anzunemen und angenomen haben alß ain erwelter Ks., und sich erpoten, die cristenhait und daß Hl. Reych handzuhaben, auch damalß St.-Jergen-orden angenomen. Daruf die ksl. Mt. hat lassen reden, alle dieyeningen zu strafen, die wider die ksl. kron gehindert und darwider geton habent, alß der Kg. von Frankreych der bemelt ist worden. Daruf habent die Ff. der ksl. Mt. hilf [und] beystand zugesagt. Darnach sind sie in daß schloß gangen, der Ff., die dabey sind gewesen, ungevarlich bey zwelfen, namlich Bf. von Triend, auch noch bey trey Bff., der namen ich etz zumal nit waiß, auch Hg. von Wurtenberg, Hg. [Albrecht] von Meckelburg, Hg. von Bumer1, der Hg. [Erich] von Braunschweyckt und ander mer, der namen ich nit waiß, auch Mgf. Friderich mit trey sünen2.
    Am Samstag [5.2.] ist der Ks. mit seinem Gefolge, ca. 36 Pferde, in das Feld bei Livo (Leffe) gezogen. Dorthin kamen auch die Kontingente der Städte und Mgf. Kasimir, ebenso sechs Fähnlein des Ks. mit 1400 Knechten, insgesamt ca. 2000 Knechte. [Bericht über weitere Kriegsvorbereitungen und militärische Operationen]. 

    Telve (Delfan) im Suganertal (in der Pfalzsion), 7. Februar 1508 (montag zu nacht nach St. Blasius tag).
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 2, fol. 132–132’ (eh. Or.).

    « ŠNr. 835  Ausschreiben Kg. Maximilians an alle Reichsstände über die Annahme der Kaiserwürde »

    [1.] Mangelhafte Leistung der auf dem Konstanzer RT bewilligten Romzughilfe durch die Reichsstände; [2.] Scheitern der Verhandlungen mit den Eidgenossen über die Stellung von Söldnern für den Romzug, Aufrüstung Frankreichs und Venedigs; [3.] Absicht Kg. Maximilians zum Romzug, geringe Erfolgsaussichten; [4.] fehlende Unterstützung durch den Papst, Scheinangebot der Gegner zur Durchführung eines friedlichen Krönungszuges; [5.] Absicht Kg. Maximilians zum Angriff auf Frankreich und Venedig; [6.] Annahme des Titels eines erwählten römischen Kaisers; [7.] Anweisung zum künftigen Gebrauch dieses Titels; [8.] Vorbehalt der Kaiserkrönung durch den Papst; [9.] Ankündigung von Verhandlungen mit dem Papst; [10.] Bitte um Verlängerung der Konstanzer Romzughilfe um zwei weitere Monate.

    Bozen, 8. Februar 1508.
    I. (Or. Druck mit Zierinitiale, Adresse und Anrede freigelassen, handschriftlicher Anhang und Ausfertigungsvermerke fehlen): Innsbruck, TLA, Inkunabeln, Nr. 26 (stark beschädigtes Siegel) = Textvorlage A.
    II. (Or. Druck mit Zierinitiale, Adresse und Anrede handschriftlich inseriert, handschriftlicher Anhang, Vermm. prps./amdcp., Gegenz. Serntein): Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (m. S., präs. 29.3.1508) = B. Wiesbaden, HStA, Abt. 131, IVa, Nr. 13, unfol. (Adressat: Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken) = C. Straßburg, AV, AA 328, fol. 45 = D. Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, unfol. (Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg, Präsentatverm.: Feria quarta post letare [5.4.]) = E. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 118–118’ (m. S., Adressat: Hh. von Brandenstein-Ranis) = F. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. Esslingen, StdA, F 280, unfol. Frankfurt, ISG, Kaiserschreiben 1382. Marburg, StA, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42. Memmingen, StdA, A 1/2, unfol. (m. S.). Metz, AM, AA 3/51. Mühlhausen, StdA, Abt. G, Fach 1, Nr. 2, fol. 8–8’ (m. S.). München, HStA, KÄA 3137, fol. 98–98’ (Adressat: Sigmund von Fraunberg zu Haag). Nordhausen, StdA, 1 D, Nr. 21 (m. S.). Paris, BNF, Collection de Lorraine 192, Stück-Nr. 42 (Adressat: Hh. von Blâmont). Würzburg, StA, Histor. Saal VII, 30/451, fol. 2–2’ (m. S., Adressat: Bf. Lorenz von Würzburg).1
    III. (ital. Druck): Innsbruck, TLA, Inkunabeln, Nr. 27.
    IV. (Abschriften): Zürich, StA, B VIII 272, Stück-Nr. 42. Metz, AM, AA 3/48 (frz. Übersetzung).
    Druck: Datt , De pace publica, S. 568–570 (Adressat: Esslingen); Müller , Reichstagsstaat, S. 736–745 (Adressat: Esslingen); Wiesflecker-Friedhuber , Quellen, Nr. 47, S. 165–170 (Adressat: Frankfurt); Göbler , Chronica, pag. XI’-XIII’; Schmauss , Corpus, Nr. XII, S. 64–66 (Auszug);  Zeumer , Quellensammlung, Nr. 178, S. 307 (Auszug); Hofmann , Quellen, Nr. 3, S. 32f. (Auszug).
    Regest: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 934, S. 744f. (Adressat: Frankfurt).

    [1.] [Intitulatio, Inscriptio]. Wiewol wir auff nechstgehaltem Reichstag zuͦ Costenntz mit dir vnd anndern Churfursten, Fürsten vnd Stenden des hailigen Reichs vnsers Romtzugs zuͦ erlangen die Kaiserlich Chron enntschlossen sein, Vnns auch durch Šdieselben Stennde ain tapfere hilff an kriegsvolck vnd barem gelt auff ainen bestimpten Termin, Nemlich sant Gallen tag [16.10.] nächstuerschinen, zu schicken vnd zu erlegen gwißlich vertroͤst vnd zuͦgesagt worden. Darauff wir vns dann ungetzweyvelt versehen vnd verlassen, Bißhere mit swärem vnserm Costen gewart vnd all vnser Sachen darnach gestelt vnd gericht, dartzuͦ vnnser Erbliche Land zuͦ treffenlicher hilff bewegt, Deßgleichen auch vnser pundtzgnossen ermandt vnd vnser selbs kriegsvolck vnd dienstleüt, So wir das gantz jar herumb zuͦ soͤlchen vnsern furnemen enthalten, vberal erledigt vnd in rüstigung vnd antzug gebracht Vnd auff das alles mercklichen Costen gelegt haben, Alles der ungetzweyvelten hoffnung, Es solt doch an soͤlicher vnser vnd des Reichs Churfursten, Fürsten vnd Stende bewilligten vnd zuͦgesagten hilff der lewt vnd geltz dem ainhelligen, Loblichen beschluss vnd abschid nach auff die bestimpt zeit gar nit mangel, abgang noch verhindrung gewest sein. So ist doch, als nu nit allain sant Gallen tag, Sonder seidher ain langer zeit verschin biß auff heütigen tag von solicher des Reichs hilff, wie wir die vberfal finden vnd anschlahen, noch ain geringe antzal zuͦ Ross vnd fuess, daß noch wol mit hunderten zuͦ zelen sein2, Dero, als du waist, dem abschid nach zwelftausent, vnd an gelt Erst von dreissig- biß in viertzigtausend guldin, des hundert vnd zwaintzigtausend guldin sein soͤllen, ankumen vnd erlegt, das vns bißhere von vnnsern furnemen enthalten vnd gewendt, in mercklichen vncosten gefürt, Der gestalt, das wir das Bar gelt, vns bißhere vom Reich geuallen, vnd dartzuͦ annder vnser zusteend Chamerguͦt, So wir mit mercklichem schaden auffpracht, vertzern und verwarten. Auch ain schoͤne, guͦte vnd gelegne zeit versaumen, dartzuͦ das volck, das dannocht ankumen, verligen, Jr gelt vnd zeit umb sunst vnd on frucht verschwenden mussen, das zu erbarmen ist; vnd vns vnd dem Reich zuͦsampt solcher versaumbnus vnd schaden vor frembden Baͤbstlichen vnd vil Künigen vnd Communen Botschafften des mererntails der Cristenhait, So stätigs bey vns an vnserm hoff sein vnd des wissen haben, zuͦ uerachtung vnd schmach raichet, Auch vnsern vnd des Reichs widerwertigen vnd missgünnern sterckung gepiert. Wärn in guͦter zuͦuersicht vnd hoffnung gewest, wo sich die Stende des Reichs mit Jren hilffen von allen vorergangen Reichstagen nye fürderlich ertzaigt, Sy hetten doch von disem tag zuͦ Costentz in ansehung vnser vnd des hailigen Reichs obligen Sorgfeltigkait vnd beswärden, So vns allen so treffenlich als vor nye vor augen sein, mit Ernst, tapfferkait vnd gehorsam dartzuͦ getan. Das alles aber unbedacht, vnermessen, vnd vns also die zuͦgesagt hilff des mererntails vorgehalten vnd vertzogen wirdet.3 
    [2.] Vnd vber solch vorertzelt versaumbnus vnd hinderung vnnserer furnemen ain vrsach ist, das wir bißhere mit der Aidgnosschafft, darauff die Summa bar geltz verordent worden, nichts fruchtbars, enntlichs noch gwiss handeln noch tractiern mügen haben. Vnd darauß zu besorgen, Sich auch gentzlich darnach zu richten ist, das vns die selb Aidgnosschafft, die wir mit solchem barem gelt bey guͦter zeit wol vberkumen Vnd vns vnd dem Reiche zuͦ beystande vnd hilff behalten haben moͤchten, Šabfallen, Sich an die Frantzosen, die durch mercklich gelt on vnderlaß mit Jnen wider vns vnd das hailig Reich practiciern, schlahen. Damit alles, das wir bißhere auff guͦten wan auff sy gelegt, schier gar verlorn ist, zuͦsambt dem, das in solcher zeit vnd vertzug die Venediger den Frantzosen wider vns vnd des Reichs fürnemen mit gantzer macht zuͦ uerhelffen vnd beyzuͦsteen auch entschlossen. Darauff nu in merklich, gwaltig empörung vnd rüstung komen sein, Das vnsern vnd des Reichs fürnemen aber zuͦ groͤsser beswaͤrd, verhinderung vnd nachtail raichet vnd mit zeitiger hilff vnd zuͦthuͦn des Reichs wol fürkumen werden mügen hett. Nu aber, so gleichwol des Reichs hilff volkomen vnd gar ankompt vnd geraichet wirdet, mag die nymer zuͦ souil fürdrung vnd nutz erschiessen als im ersten, wie vns die bewilligt vnd zuͦgesagt ist, Jn ansehung obberuͤrter versaumnus der zeit vnd bißhere aufgeloffner Costen, zerung vnd darlegen, Auch rüstung vnd warnung vnser widerwertigen, des alles wir vns vor manigklich billich mercklich befremden, beklagen vnd beswärn.
    [3.] Doch nichtzdestminder, damit auff den abschid zuͦ Costentz an vns kain mangel erschein, So sein wir entschlossen vnd begirig, alles, das ainem Loblichen Roͤmischen Künig von Eeren zuͦgehoͤrt, zu thuͦn, vnnser leib vnd guͦt darzuͦstrecken. Vnd fügen dir zuͦ uernemen, das wir an heüt mit des Reichs kriegsfolck, Souil es ankumen ist, mitsampt vnsern dienstleüten, doch am maisten auff hoffnung der gnad vnd Sig des allmechtigen angetzogen sein, des willens, zuͦ vndersteen vnd allen vleiss vnd vermügen anzukern, vnser vnd des Reichs abschid vnd fürnemen zuͦ Costentz, so weyt müglich ist, außzurichten. Woͤllen vns aber hiemit entschuldigt haben, ob vns die sachen zu swaͤr sein vnd vnser fürnemen nit von statt geen moͤchten, Daraus dem hailigen Reiche aincherlay nachtail, das vns doch laid waͤre, begegnen würde, das solichs vnser klainen macht, Auch mangel vnd vertzug des Reichs hilff vnd nit vns zügemessen werde. Dann wir nun ain zeit her durch vnser kundtschafter erlernt haben, das die Frantzosen ausserhalb Jrer besetzungen Sybentausend vnd die Venediger zwelfftausend zu ross vnd fuͦss starck. So sein Jre Paͤss von vortail vesst vnd die prafandt in Jren Lannden vnnsernthalben gantz schmal, das wir besorgen, Jre paͤss vnd vnser Prafandt werden vns hoͤrter dann Jr macht kriegen vnd hindterstellig machen, Vnd deßhalben vnser fürnemen, vber den phadt [= Po] zu tziehen, mißlich sein, Jn ansehung, das sich die Frantzosen vnd Venediger also mit macht vnd sterck darwider setzen vnd vndersten, vns, so wir durch Jre Paͤss vnd Land ziehen, in Jrem vortail zuͦ bestreitten. Dagegen doch wir an vnserm volck zuͦ phaͤrden vnd fuͦss, vnd sonderlich zu phaͤrden, vil zu swach, als du dann, wie wir zuͦ solchen mercklichen fürnemen vnd gegen ainer solchen macht geschickt, von vnnsern lieben Ohamen, Fürsten vnd andern haubtleüten, die bey vns sein, hernachmals gründtlicher bericht werden mügt.
    [4.] So haben wir auff heütigen tag von vnserm hailigen vater, dem Babst, den doch die sachen auch mercklich beruͤrn, kain hilff, weder haimblich noch offenlich, Versehen vns auch, das er vns sorgen halben vor den Frantzosen vnd Venedigern kaine bewisen noch tuͦn werden tüt, Wiewol vns sein hailigkait stätigs mit guͦten zuͦempieten auffhelt. Deßhalben ain zweyfel darauff steet, Ob wir in Rat finnden werden Souil vnserer theüren Oheimen, Fürsten, Grauen, Ritter, Adel vnd gmain dienstleüt teütscher nacion, die vileicht Jr leib vnd guͦt so ainig bey uns nit gern verlieren werden, geswigen Švnser selbs person in sollich wagknus zu stellen, Da so wenig hoffnung wär, den Sig vnd Streytt zu erobern, Vnd doch dem hailigen Reich vnd Teütscher nacion gantz verderben, Erstoͤrung vnd truͤbsal darauff stuͤnde, das vns von got noch der welt nit auffgelegt ist noch gepürt. Wiewol vnser veind fürgeben, Wa wir mit ainer klainen macht durchziehen, das sy vns dess gestatten wolten.4 Aber wer wolt vnns das Raten oder sich daran verlassen? vnd ist dem selben kains wegs zuͦ getrauwen, Sonder, als menigklich ermessen mag, nit anders zuͦ uersteen, dann das vns vnd den vnsern kain glaitt gehalten, Wir all gefangen vnd darauß volgen, daz das Roͤmisch Kaiserthuͦmb, Auch gantz Jtalien mitsambt Teütschen Landen vnder der Frantzosen gwalt vnd gehorsam gedrungen würden.
    [5.] Doch vnangesehen des alles sein wir entschlossen zuͦ vndersteen, Baider vnnser widerpartheyen, die Frantzosen vnd Venediger, mit taͤglichem krieg anzugreiffen vnd zu uͤben, auff das, ob wir sy vonainander trennen, Jnen dardurch starck gnuͦg werden Vnd also zuͦ vnserm Romtzug durchtziehen moͤchten. Dabey vnser goͤtliche gerechtigkait vnd seiner gnaden barmhertzigkait beuor zuͦ nemen, Vns ain klains ungetailts nit erschrecken zu lassen Vnd zuͦ erlangung vnser Kaiserlichen Cron wider sy fürzunemen vnd außzurichten, zu schetzen, mer dann vns muglich ist.
    [6.] Dieweil das aber auß vil obertzelten vrsachen mißlich vnd sorgfaltig ist, So achten wir in vns, wo wir gleich die Chroͤnung vom Bapst vnser klainen macht vnd grossen widerstands halben, dergleichen doch kainem Roͤmischen Künig nye begegnet ist, ditzmals nit erlangen moͤchten, wie dann vnsern vorfordern Roͤmischen Künigen vor vil jaren offt beschehen ist, die die Kaiserlich Cron zuͦ Rom auch nit empfangen haben, das darum wir vnd die loblichen Teütschen dess Römischen Kaiserthuͦmbs nit beraubt sein soͤllen, Sonder woͤllen vns yetzo unangesehen desselben auff fürsorg, wie es vns gee, des Tittels ains Erwelten Roͤmischen kaisers angenomen haben, Der hoffnung, auch des fürsatz, ob ymmer müglich sein will, die Croͤnung zuͦ empfahen. Wa vns aber das selb durch vnser veind mit gwalt vnd dem swert gewendt vnd fürkumen würde, Woͤllen wir doch darfür haben vnd versten, als wir auch in treffenlichem Rat zimlich vnd billich sein erfunden, auff vnser gegründt gerechtigkait, So wir als gesalbter Roͤmischer Künig zuͦ diser Cron haben, Auch in ansehung vnsers mercklichen, untzalbern Costen, bißher darauff gelegt, zuͦsampt darstrecken vnser selbs person leib, guͦts vnd vermügens, dergleichen wir yetzo vnd künfftigklich, alßlang vns got Švnnser leben vnd vermügen verleicht, zu thuͦn begierig vnd willig sein, den Tittel des Kaiserthuͦmbs gnuͦgsamlich erlangt zu haben. Darauff wir vns auch von yetz an vnd hinfür also schreiben vnd nennen werden.
    [7.] Das haben wir diner lieb für das erst vnuerkündt nit lassen woͤllen, mit ernst begerend, du woͤllest vns hinfüro altzeit schreiben der gestalt N. Erwelten Roͤmischen kaiser, zuͦ allen tzeiten merer des Reichs, in Germanien, Auch zuͦ Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Künigen, Ertzhertzogen zuͦ Osterreich etc., mit den andern vnsern Titeln, dero wir vns bißher gebraucht haben. Aber in reden vnd mit mund wellest vns nennen gestracks Roͤmischen Kaiser etc., Wie vns dann auff heütigen tag all Latinisch vnd welsch getzüng Kaiser schreiben vnd nennen. Alles nit allain vmb vnser Eren willen, Sonder mer zü bestetung vnd behaltung des Roͤmischen kaisertumbs, vns allen vnd Teütscher nacion zu Eeren; des woͤllen wir vns zuͦ dir versehen.
    [8.] Das wir vnns aber selbs nit frey nennen Roͤmischen Kaiser, Sonder erwelten, das thuͦn wir darum, das vnnser hailiger vater Babst vnd der Stuͦl zuͦ Rom nit darfür haben, als ob wir Jnen die Roͤmisch kaiserlich Chroͤnung entziehen, Sonder wo wir mit vnser klainen gegenwürtigen macht vber vnsern vleiß vnd darstrecken vnsers leibs vnd guͦts yetzo nit moͤchten Vnd vns die Chroͤnung mit gwalt vnd dem Swert entzogen würde, das der almechtig verhuͤt, das wir dannocht die Baͤbstlich Croͤnung durch annemen des bestimbten vnnsers Tittels nit veracht noch vns der vertzigen haben, Sonder mit der zeit, so vns der almechtig das glück, die macht vnd gelegenhait villeicht baß dann yetzo verleicht, nochmals darnach stellen woͤllen.
    [9.] Mitler zeit verhoffen wir, vns auch mit der Babstlichen hailigkait der massen zuͦ uerainen vnd zuͦ bereden, damit vns die in ansehung vnd bedacht, das sy vnd der hailig Stuͦl zuͦ Rom so mercklich Eer vnd nutz von Teütscher nacion Järlich haben vnd geniessen, hundertmal mer dann wir als Roͤmischer kaiser, zuͦ solicher Croͤnung hilff, Rat vnd steür thuͦ; dann wie sich die leuͦff gegenwürtigklich von allen enden ertzaigen, So wirdet in künftig zeit kainem Roͤmischen künig hart müglich sein, on dergleichen hilff vnd zuͦthuͦn aines Babsts die kaiserlich Cron zu empfahen.
    [10.] Damit wir aber dannocht vnser fürnemen des Reichs halben nit so bloss vnd wagklich tuͦn, a Dieweil dann mit deiner vnd anderer gehorsamen vnd gegenwürtigen Šhilff bißhere vertzug vnd abwesens halben anderer Stennd vns vnd dem Reich nicht fruchtbars außgericht werden mügen hat, damit nu dein hilff vnd gehorsam vns vnd dem Reich dannocht zuͦ etwas frucht vnd fürdrung vnd dir, auch den deinen zuͦ Eeren erschiess vnd gedeyhe, So begern wir zum andern an dich mit ernst vnd sonderm vleiß, Du wöllest über die bestimbt zeit zuͦ Costentz mit vns vnd dem Reich ain wenig weyter mitleyden tragen vnd vns dein gebürlich antzal vber die selb zeit noch zwen monat halten, Wie wir dich dann in aim andern vnserm schreyben [Nr. 831] hieuor auch angesuͦcht. Vnd vns das kains wegs abschlahen noch dich des Costen daurn lassen, Als wir vns zuͦ dir vnd andern, an die wir deßgleichen auch begert haben, vnnser vnd des hailigen Reichs nutz, notturfft vnd wolfart nach gentzlich versehen. Daran thuͦst du vns sonder guͦt wolgeuallen, das wir in allen gnaden gegen dir erkennen vnd zuͦ guͦt nit vergessen wöllen-a.
    Geben in vnser Stat Bulsan, Am achten tag des monats Februarij Nach Christi geburt Fünfftzehenhundert vnd im achten, Vnser Reich, des Römischen im zwayvndzwaintzigisten Vnd des Hungrischen im achtzehenden Jaren.

    [Handschriftlicher Zusatz: b Seid wir disen brief fertigen haben lassen, hat uns die babstlich Hlt. ainen brief zugeschickt, inhaltend, nachdem wir seiner Hlt. durch unser treffenlich oratores verkundet, daz wir yetzo zu Trient den ksl. titel angenomen haben, das sein Hlt. des ain gut gefallen gehabt. Und hat uns darauf in dem oberurten brief den ksl. titel gegeben und wirdet das kunftiglichen auch tun-b .]

    « Nr. 836 Bericht Johann Froschs an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt über die Annahme des Kaisertitels durch Maximilian I. »

    Der röm. Kg. beschied für den 4. Februar (fritag noch purificacionis Marie) sämtliche Hauptleute der Städte von Pergine (Berschon) nach Trient. Alß dan dieselbigen zu fruer tagzijt daselbst erschienen, hat die röm. kgl. Mt. unß in der gemein zu erer Mt. noch essenß erfardern laßen inß schloß, darzu alle geißlichen von cloestern und stiften, etlichen mit eren heltum und monstranze und in sunderheit mit dem kindlin beatum Symon, so die juden hievore von leben zum tod bracht haben, von zweyen pristern uffentlichen in seinem silberen kestlin ader dragelin bis in daß schloß zu Trient getragen worden ist. Da dan die röm. kgl. Mt. myt mynen gn. Hh., Mgf. Friderichen von Brandenburg, Mgf. Kasimero und Mgf. Hanßen, dem Hg. von der Littaw1, Hg. von ŠWirtenberg, Hg. 2 von Meckelburg und vil Gff. und botschaften, nit alle myr zu nennen ader schriben wissen, ingewest, erfardert und komen sint. Und mit großer solemniteten und processionen zwuschen einer und zweyen oweren in daß monster gangen und daselbst soliche heltum und das gemelt kindelin beatum Symon auf daß hl. crux altare gestelt und gelegt. Hat sich die röm. kgl. Mt. vor demselbigen altare uf den geschickten stuel ader pultum vor dem altare, so erer Mt. derhalbe bereit waß, nidergekniehet und daselbst mit andacht ein cleine zijt gebet und darnoch zum altare by daß kindlin beatum Symon, so uf dem altare gelegen ist, gangen und daß besichtiget. Darnoch sich umgewant und den Bf. von Gurg zu erer Mt. erfurdert und allen Ff., Gff., Hh., ritter und knechten sagen lassen: Wiewole ere Mt., auch etlichen Ff., Gff., Hh., ritter und knechten St. Jorgen urden hie für guter zijt3 angenomen, so wolle doch ere Mt. den itzunt annemen und angenommen haben, auch den Ff., Gff., Hh., ritter und knechten, so nit zugeigen sint, solichs auch in schriften zu erkennen geben haben.
    Darnoch dur[ch] den gemelten Bf. zu Gurg reden lassen, daß ere Mt. daß keysertum anneme und angenommen habe; wil sich auch hinvore röm. Ks. schreiben, röm. Ks. sin und werden. Daruf fragen laßen sunderlich die Ff., Gff., Hh., ritter und knecht, so den urden St. Jorgen angenomen hetten, weß ere Mt. sich zu enen vorseen sulte, ob sie erer Mt. die ksl. krone wollen helfen erlangen.
    Haben sie sich kurzlich bedacht und durch Dr. Heyden röm. ksl. Mt. uffentlichen antwurt geben laßen, daß sie röm. ksl. Mt., erem allergnst. H., mit erem libe und gut die ksl. kronen erer Mt. zu eren und dem Hl. [Reich] und duetzer nacion zugut mit allen underdenigisten gehorsamen, dinstlichem willen und vermogen wollen helfen erlangen und erabern.
    Und darnoch durch den wybischof oder suffrigano4 ein collecte leßen laßen und darnoch etliche gesenge durch die gestlichen gesungen und in urganum gespielt und mit trumpeten geblosen. Darnoch wider uß dem monster gangen in daß schloß und unß alle, die geschickten von stetten, erfardert und unß selbst befelch geben, von Berschon unß gein Falschon5 zu erheben und H. Marten von Husenstam, den heuptman, mit 60 reysigen und 200 fußknechten zuvoran dahien reiten laßen. Ist also gescheen. [Bericht über weitere Kriegsvorbereitungen und militärische Operationen]. 

    Borgo Valsugana (Burgen im Falschogan), 8. Februar 1508.
    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 199, Stück-Nr. 42 (eh. Or.).
    Druck: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 933, S. 742–744; Wiesflecker-Friedhuber , Quellen, Nr. 46, S. 163–165.

    « ŠNr. 837  Zahlungsmandat Ks. Maximilians an Äbtissin [Agnes] von Niedermünster/Regensburg »

    Erinnert daran, daß er ihr befohlen hat, ihren Anteil an der auf dem Konstanzer RT bewilligten Romzughilfe (2 Pferde, 4 Fußsoldaten) in bar an Mgf. Friedrich von Brandenburg auszuhändigen [Nr. 769]. Der Mgf. hat ihm mitgeteilt, daß sie bislang unter Hinweis auf ein kgl. Schreiben, wonach sie lediglich für fünf Fußsoldaten aufkommen müsse1, nichts bezahlt habe. Der oben genannte Anschlag ist korrekt, bei dem anderen Schreiben handelte es sich um ein Versehen. Befiehlt ihr, ihren Beitrag zur Romzughilfe auf dessen Ersuchen an Mgf. Friedrich auszubezahlen, und droht, andernfalls wegen ihres Ungehorsams gegen sie vorzugehen.2 

    Bozen, 14. Februar 1508.
    Nürnberg, StA, ARTA 8, Stück-Nr. 42 (Kop.).

    « Nr. 838 Balthasar Berlin an Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn »

    Berichtet über die Annäherung des Romzugskontingents an die Feinde Kg. Maximilians, Venedig und Frankreich. Sye sein unß zu stark furware, eß will auße dem romzuge werden ein großer krieg, der dan nit vile nucze bringen wurden dem Reyche etc. [...]. Unßer herr Kg. ist schon keyßer worden zu Drint, hat imb daß kindlin [Simon von Trient] entgegendragen und vile heltum, kosteliche ein amt gehalten in St. Peters kirchen und froliche gesungen „Te Deum laudamus“. Der Bf. von Drint und ander mer etc. haben sein Gn. auf den altar geseczet, und hat daß alßo laßen ferkunden, er sey ein geweltiger keißer yczund und well ziehen gen Rom mit gewalt. Aber unßer herr keyßer hat ein clein folk beyeinander, eß hielft gar nychs. Er kompt nit gen Rom auf dyße jare etc.1  Berichtet über militärische Operationen.

    Trient, 14. Februar 1508 (St. Valentini tag).
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 157, unfol. (Or.).
    Druck: Rauch , Urkundenbuch III, S. 183f.

    « ŠNr. 839  Weisung Ks. Maximilians an das Regiment zu Innsbruck »

    Befiehlt ihnen nach der Annahme des Kaisertitels, daß sein Titel in den in seinem Namen ausgehenden Schreiben aus der Tiroler Kanzlei künftig gemäß dem folgenden Verzeichnis zu führen ist. In Schreiben an ihn sollen sie künftig des Titel des Kaisers ohne Zusatz verwenden.
    In offenen Briefen: Wir Maximilian, von Gots genaden erwelter röm. Ks., zu allen zeiten merer des Reichs, in Germanien, zu Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Kg., Ehg. zu Osterreich, Hg. zu Burgundi, zu Brabant und Pfgf. etc. 
    In Missiven: Maximilian von Gots genaden e[rwählter] röm. Ks. etc. 
    Zeichnungsvermerke: Ad mandatum domini cesaris proprium oder in consilio bzw. Commissio domini cesaris propria oder in consilio.
    Der Schluß der Reich1 bleibt wie sunst. 
    Und wer der ksl. Mt. fur sich selbst schreybt, der sol frey Ks. on additz schreyben.2

    Neustift, 17. Februar 1508; präs. Innsbruck, 20. Februar.
    Innsbruck, TLA, Oberösterreichische Kammer-Kopialbücher, Bd. 37, fol. 15’-16 (Kop.).

    « Nr. 840  Hg. Georg von Sachsen an Kg. Maximilian  »

    Bestätigt den Empfang der Mitteilung, daß der Romzug wegen des kleinen reichsständischen Kontingents bisher nicht habe durchgeführt werden können [Nr. 835], sowie der Bitte, das sächsische Kontingent noch weitere zwei Monate im Feld zu belassen [Nr. 831]. Bekundet sein Bedauern über die mißliche Situation des Kg., aber auch seine Freude daran, daß er den Romzug fortsetzen will, und wünscht dafür viel Erfolg. Erinnert daran, daß er die Reichshilfe nicht aus eigenen Mitteln bestreiten konnte; sie mußte durch eine von den Landständen bewilligte Steuer aufgebracht werden – einschließlich des Beitrags, den bislang die Bff. von Meißen und Merseburg, die mit sächsischen Lehen ausgestatteten Gff. und Frhh. sowie auch sein Bruder Hg. Heinrich geleistet hatten.1 Dieser hat trotz zweier kgl. Schreiben [Nrr. 753, 781 Anm. 1] bislang dazu nichts beigesteuert und auch noch keine verbindliche Erklärung abgegeben. Es ist zu vermuten – und Äußerungen Hg. Heinrichs bestätigen dies –, daß er sich insgeheim mit ihm, dem Kg., geeinigt hat. Ebenso hat er, der Kg., sich geweigert, die erbetenen Mandate an die beiden Bff. auszustellen, gemäß dem Herkommen ihren Anteil an der Reichshilfe an ihn, Hg. Georg, auszubezahlen. Statt dessen wurde anderen, obgleich sie keinen Rechtsanspruch geltend machen können, genehmigt, die Reichshilfe bei den beiden Bff., den sächsischen Gff. und Hh. sowie beim Stift Quedlinburg Šeinzunehmen2, obwohl er deren Beiträge zu der Reichshilfe bereits übernommen hatte. Für den Unterhalt des sächsischen Kontingents mußte er sich deshalb zum großen Unwillen der Landstände Geld leihen; diese werden deshalb für die Reichshilfe nichts mehr aufbringen. Es ist ihm selbst auch peinlich, ungeachtet seines erzeigten Gehorsams in seinen Rechten derart geschmälert zu werden, doch muß er sich wohl in Geduld üben. Im übrigen benötigt er sämtliche noch zur Verfügung stehenden Mittel für seine eigenen Angelegenheiten. Es wäre ihm aber ohnehin aus den angezeigten Gründen nicht möglich, sein Kontingent für zwei weitere Monate im Feld zu belassen, obwohl er ihm noch viel länger dienen wollte. Er bietet aber an, seine Truppen im kgl. Heer zu belassen, wenn diese aus den ihm verschriebenen Mauten zu Linz und Engelhartszell3 und anderen Zahlungen zur Begleichung der kgl. Schulden, über deren vertragliche Regelung ein sächsischer Gesandter derzeit am kgl. Hof verhandelt, finanziert werden. Er hat bereits an seine Truppenführer entsprechend geschrieben.
    [PS] Falls er indessen die Beiträge von Hg. Heinrich – der doch in dem und anderm von etzlichen leuten, die es billich enthielden, wider mich gesterkt wird –, den Bff. und Gff. sowie der Äbtissin von Quedlinburg – deren Anteil er bereits bestritten hat und die dennoch die Reichssteuer gegen seinen Willen aufgebracht hat und ihm jetzt vorenthält, vielleicht das Geld inzwischen sogar auf kgl. Befehl an einen Dritten ausgezahlt hat – erhält, so könnte mit dieser Summe das sächsische Kontingent wohl noch zwei Monate finanziert werden. Auch wenn er diese Summe bereits für die Reichshilfe aufgebracht hat, würde er sie dennoch dafür zur Verfügung stellen.

    Leipzig, 21. Februar 1508 (montags post Juliane).
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 339–341 (Kop.).

    « Nr. 841 Verschreibung Ks. Maximilians für Hans von Landau (ksl. Rat und Reichsschatzmeister) »

    Hans von Landau hat auf seinen Wunsch hin zugesagt, die ksl. Reiter in Freiburg, Villingen und Stockach auszulösen, wofür er bis zu 6000 fl. aufwenden muß. Er sagt ihm dafür zu, also das wir in auf unser und des Hl. Reich ansleg, zu Colen und Costenz angelegt, so noch nit ausgericht sein, verweisen und im darumb gnugsam verschreibung, mandat und ander notdurftig brief geben, auch darumb ferrer kain brief nit ausgeen lassen noch sunst kain irrung daran tun sollen und wollen. Falls diese Gelder zur Deckung der Forderung Landaus nicht ausreichen sollten, soll er in anderer Weise zufriedengestellt werden.1

    ŠToblach, 25. Februar 1508.
    Wien, HHStA, Maximiliana, Fasz. 18, Konv. 3, fol. 152–152’ (Konz. mit ex.-Verm., Registraturverm. G[abriel Kramer]).

    « Nr. 842  Ks. Maximilian an Kf. Joachim von Brandenburg »

    Er bat durch seinen Rat Eitelwolf vom Stein, ihm seinen Anteil an der auf dem Konstanzer RT bewilligten Geldhilfe in Höhe von 2000 fl.rh. zu erlassen, und machte geltend, daß er das Jubelablaßgeld aus Lüneburg noch nicht erhalten habe.1 Er würde ihm gern willfahren, kann es jedoch nicht tun, da die Reichsstände ihm diese Summe auferlegt haben und das Geld für den Romzug und für den Unterhalt von Truppen vorgesehen ist. Er steht zudem jetzt im Begriff, den Romzug durchzuführen, wofür dringend Geld benötigt wird. Fordert ihn auf, das Geld gemäß seinem früheren Schreiben [Nr. 784] ohne weiteren Verzug zu schicken. Er bemüht sich täglich darum, das Jubelgeld aus Lüneburg und anderen Orten zu erhalten, und will ihm dann die ihm zustehende Summe aushändigen.

    Bozen, 27. Februar 1508; präs. 15. Mai (montag noch jubilate).
    Berlin, GStA, I. HA, Repos. 1, Nr. 2A, fol. 7–7’ (Or., Vermm. prps./cdcp., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 843  Ks. Maximilian an Gf. Joachim von Oettingen  »

    Die auf dem Konstanzer RT versammelten Stände haben eine sechsmonatige Reichshilfe zur Erlangung der Kaiserkrone bewilligt. Zwar ist diese Zeit inzwischen abgelaufen, der Romzug wurde jedoch infolge des Widerstands Venedigs, das die Pässe gesperrt hat, noch nicht durchgeführt. Deshalb ist eine Verlängerung der Hilfe erforderlich. Da die Mehrzahl der Stände eine Verlängerung um zwei Monate bewilligt hat, ersucht er ihn, diesem Beispiel zu folgen und – wie für die ersten sechs Monate auch – eine entsprechende Geldsumme erneut an Mgf. Friedrich von Brandenburg auszubezahlen, der mit einem Reiterkontigent auch den Oettinger Beitrag ableistet.

    Speyer, 21. April 1508.
    Bamberg, StA, C 3, Nr. 388, fol. 29–29’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdip., Gegenz. [Wilhelm von] Wolfstein und Registraturverm. J. Villinger).

    « Nr. 844 Hans von Landau (ksl. Reichsschatzmeister) an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt  »

    [1.] Erinnert daran, daß sie 30 Quittungen über die auf dem Konstanzer RT bewilligte Bargeldhilfe ausgehändigt bekamen [Nr. 763]. Sie haben daraufhin von einigen Ständen Geld gegen die jeweilige Quittung erhalten und dieses dann an seinen Bevollmächtigten ŠJohann Storch übergeben. Derzeit haben sie noch 25 Quittungen, die für die weitere Einforderung des Geldes und für seine Abrechnung benötigt werden. Bittet, die Quittungen an den Überbringer dieses Schreibens auszuhändigen.1 
    [2.] Der Abt von Fulda hat nach seiner Kenntnis zusätzlich zu den 200 fl. weitere 140 fl. zur vollständigen Bezahlung seines Anteils bei ihnen hinterlegt. Bittet um Übergabe dieser Summe an den Boten gegen Aushändigung der diesem mitgegebenen kgl. Quittung für den Abt.2 

    Konstanz, 8. Juni 1508; präs. Frankfurt, 17. Juli.
    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 218, fol. 5–6’ (Or. m. S.)

    « Nr. 845 Antwort Gf. Johanns von Nassau-Dillenburg an den ksl. Gesandten Gf. Eberhard von Königstein  »

    [1.] Bezüglich des Vorwurfes, daß er seinen Beitrag zur Romzughilfe nicht geleistet habe, ist festzustellen, daß ihm nie ein diesbezügliches Schreiben, abgesehen von der Aufforderung zur Zahlung der Bargeldhilfe von 840 fl. [Nr. 748], zugegangen ist. Er sollte das Geld gegen Quittung nach Frankfurt erlegen. Daraufhin hat er, obwohl er überhöht veranschlagt worden war, dem Frankfurter Rat ein Drittel der Summe angeboten und den Betrag auch dorthin geschickt. Die Stadt wollte das Geld jedoch nicht annehmen und konnte überdies auch keine Quittung vorweisen. Die Zahlung unterblieb also aus diesem Grund. Kurz darauf kam Mgf. [Christoph von Baden] nach Dillenburg und wurde im Namen der Statthalterin, Ehgin. Margarethe, wegen des französischen Angriffes vorstellig. Zur Ehre und zum Nutzen des Ks., der Ehgin. und der Niederlande rüstete er seinen Sohn Gf. Wilhelm – er selbst war aus gesundheitlichen Gründen verhindert – unter beträchtlichen Kosten mit 130 Pferden aus, die vereinbarungsgemäß zum 11. November (St. Martyns tag) nach Luxemburg ziehen sollten. Der Mgf. verschob den Termin dann kurzfristig auf den 6. Dezember (St. Niclas tag). Auf seinen Wunsch stellte ihm der Mgf. eine Verschreibung aus, daß die Statthalterin seinen Anteil an der Romzughilfe begleichen werde. Er hat sich bislang darauf verlassen, daß dies auch dem Willen des Ks.  entsprach.
    Š[2.] Bezüglich des ksl. Angebots, ein Drittel des Anschlags zu erlassen1, ist zu bemerken, daß er lediglich zur Leistung der Bargeldhilfe aufgefordert wurde, von Reitern und Fußvolk war nicht die Rede. In jedem Fall wurde er überhöht veranschlagt. Der Erlaß eines Drittels ändert nichts an der übermäßigen Belastung. Er bietet jedoch einen ansehnlichen Betrag an, wenn der Ks. ihm im Gegenzug über die vollständige Romzughilfe quittiert. Er hat wegen des Konflikts mit Hessen hohe Unkosten. So verfügt er über keine Geldmittel, sondern hat nur Schulden.
    [3.] Die Bestreitung des Anteils seines Sohnes Gf. Heinrich lehnt er ab.2 

    s.l., 24. Juni 1508 oder später.
    Wiesbaden, HStA, Rep. 171, Z 1720, fol. 1’-2’; 4’-5’ (Konz./Kop.).

    « Nr. 846 Mandat Ks. Maximilians an säumige Reichsstände 1   »

    Er hat mehrmals befohlen, die auf den RTT zu Köln und Konstanz durch die Reichsstände auf ihn veranschlagten Reichshilfen an Kf. Friedrich von Sachsen (ksl. Rat und Reichsstatthalter) auszuhändigen. Er mußte jedoch erfahren, daß der Adressat dies bislang verweigert hat.2 Zwar wurde inzwischen ein Waffenstillstand mit Venedig und Frankreich
     geschlossen3, doch mußte er während des Krieges zur Durchsetzung des Romzuges und zur Erlangung der Kaiserkrone beträchtliche Truppenkontingente unterhalten, nachdem des Reichs hilf in clainer anzal gewesen. Abgesehen von den Schäden in seinen Territorien entstanden ihm erhebliche Unkosten, so daß er jetzt über kein Bargeld verfügt, das dringend für Šdie Abdankung der Söldner benötigt wird. Überdies müssen während des Waffenstillstands die Grenzen zum Schutz des Hl. Reiches und der Erblande besetzt und gegen Überfälle gesichert werden, und nit allain uns und unsern erblanden, sonder nachvolgend dem Hl. Reich und gemainer teutschn nation smach, spot und verlust daraus erwachsen mochte. Er beabsichtigt zudem, jetzt in sein Erblehen Geldern zu ziehen, das ihm und dem Hl. Reich ungehorsam ist, und es zu erobern, um den Frieden in den burgundischen Erblanden zu sichern, so daß diese nach Ablaufen des Waffenstillstands oder schon früher, falls dieser von der Gegenseite gebrochen wird, dem Hl. Reich beistehen können. Dies haben die Niederländer zugesagt, sobald sie vom Geldernkrieg entlastet sind. All dies dient den Interessen des Reiches. Befiehlt ihm deshalb, den auf ihn entfallenden Anteil an den in Köln und Konstanz bewilligten Reichshilfen unverzüglich an Kf. Friedrich von Sachsen auszuhändigen. Falls er der Meinung ist, dazu nicht verpflichtet zu sein, soll er dies durch den Überbringer dieses Schreibens, den Herold Tirol, erklären. Für den Fall weiterer Säumigkeit droht er, gegen ihn wegen seines Ungehorsams am ksl. Kammergericht zu prozessieren.4

    Herzogenbusch, 27. Juli 1508.
    Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10670/1, fol. 270–270’ (Kop.).

    « Nr. 847 Mandat Ks. Maximilians an [Bf. Wiguläus von Passau (ksl. Kammerrichter)]  »

    Er hat seinem Rat N. befohlen, in seinem Namen die auf den vorigen RTT bewilligten und noch unbezahlten Reichshilfen einzubringen. Er hat darüber hinaus dem ksl. und Reichskammerprokuratorfiskal befohlen, diesen dabei auf dessen Ersuchen hin zu unterstützen und gegen ungehorsame Stände zu prozessieren. Befiehlt ihm, auf Ersuchen N.s die entsprechenden Schriftstücke auszufertigen und ihm sonst behilflich zu sein. Auch soll er den Fiskal veranlassen, dem ksl. Befehl und den Ersuchen N.s nachzukommen.1 

    ŠAntwerpen, 18. November 1508.
    Heidelberg, UB, Cod. Pal. germ., fol. 406–406’ (Kop., irrtümliche Datierung auf den 9.11.1508).

    «1.3. Widerstand der Reichsstädte gegen die Reichshilfe »

    « Nr. 848  Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Hauptmann der Schwäbischen Bundesstädte) an Schwäbische Bundesstädte »

    Die Bürgermeister von Augsburg [Ulrich Artzt], Nürnberg [Jörg Holzschuher] und Überlingen [Adam Besserer] wurden wie er selbst als Gesandte des Schwäbischen Bundes zum Konstanzer RT abgeordnet. Heute erging der Reichsabschied, und uns vieren in handlung solicher sachen von der stet wegen begegnet, das sich uberland zu schriben nit gepuren. Sie halten eine möglichst baldige Beratung der Städte für erforderlich. Er beruft deshalb mit der Zustimmung seiner Mitgesandten einen Bundesstädtetag ein. Die Teilnehmer sollen sich am Abend des 6. August (freytag vor St. Lorenzen tag) in Ulm in ihren Herbergen einfinden. Bittet sie um die rechtzeitige Abfertigung ihrer Gesandten.

    Konstanz, 27. Juli 1507 (aftermontags nach Jacobi). 
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 229–229’ (Or. m. S.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Or. m. S.) = B. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156, unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn).

    « Nr. 849 Weisung von Bürgermeistern und Rat der Stadt Nürnberg an Jörg Holzschuher »

    Bestätigen für den 1. August (gestern sonntags) den Empfang seines und Tetzels Berichts aus Konstanz vom 28. Juli (mitwoch nach Jacobi) 1. Sie teilten darin unter anderem mit, daß der Bundeshauptmann Dr. Matthäus Neithart zum 6. August (freitag schirst) einen Bundesstädtetag nach Ulm ausgeschrieben habe, wo er, Holzschuher, mit [den drei] anderen Deputierten über den Reichsabschied [Nr. 268] Bericht erstatten werde, um dann zu beraten, ob jede Stadt das Hilfsgeld bezahlen solle oder nicht.
    Sie können ihm diesbezüglich keine Weisung geben, da sie über den Inhalt des Reichsabschieds noch nicht informiert sind und nicht wissen, wie hoch Nürnberg veranschlagt wurde. Er soll nach eigenem Gutdünken verfahren. Sie gehen indessen davon aus, daß die Städte so wenig wie nach dem Kölner RT einen Nachlaß an der Reichshilfe erreichen können.2 Gleichwohl haben die in Konstanz versammelten Frei- und Reichsstädte beschlossen, wegen dieser Belastung für den 14. September (exaltacionis crucis) einen Städtetag auszuschreiben [Nr. 278, Pkt. 5]. Dem Nürnberger Magistrat obliegt es, Schweinfurt, Rothenburg, Windsheim und Weißenburg darüber in Kenntnis zu setzen, doch waren diese Städte nicht auf dem RT vertreten und sind deshalb, wie sie selbst auch, nicht über die Šeinzelnen Materien – wie etwa die Verpfändung der Städte [Goslar, Mühlhausen und Nordhausen], die übermäßige Veranschlagung der Reichsstädte und ihre Benachteiligung bei den RT-Verhandlungen, welche Punkte in den ersten drei Artikeln des Städteabschieds [Nr. 278, Pkt. 1–3] thematisiert wurden – informiert. Ihres Erachtens wäre es deshalb ratsam gewesen, ein gemeinsames Ausschreiben zur Weiterleitung durch die vier ausschreibenden Städte [Frankfurt, Straßburg, Augsburg und Nürnberg] zu erstellen. Falls ein solches Schriftstück bereits existiert und ihrem Bericht versehentlich nicht beigelegt wurde, so sollen sie dies nachholen oder sie informieren, welche Punkte das Schreiben enthalten soll. Dies kann noch rechtzeitig vor dem anberaumten Termin geschehen.

    Nürnberg, 2. August 1507 (sontag 3  nach St. Peters ketenfeier).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 59, fol. 225’-226’ (Kop., Verm. über die Siegelung des Schreibens durch den älteren BM Marquard Mendel).

    « Nr. 850 Antwort des Überlinger Rates an den kgl. Gesandten Christoph von Thun »

    Der kgl. Gesandte Christoph von Thun forderte den Überlinger Magistrat auf, ihm den auf die Stadt entfallenden Anteil an der auf dem Konstanzer RT bewilligten Bargeldhilfe auszuhändigen.
    Der Rat antwortete, daß die vier auf dem RT anwesenden Bundesstädte weder in die Zahlung von Geld eingewilligt hätten noch dazu von den übrigen Bundesstädten ermächtigt gewesen seien. Der Bundeshauptmann habe die Städte zum 6. August (fritag vor Laurencii) nach Ulm geladen, um dort über den Reichsabschied und die Reichshilfe zu beraten. Überlingen werde durch Gesandte an dem Tag teilnehmen. Vor einer Beschlußfassung der Bundesstädte könne man auf das Ersuchen des Kg. nicht eingehen.
    Der Gesandte nahm diese Antwort zur Berichterstattung an den Kg. an.

    Act. Überlingen, 3. August 1507 (zinstag vor Oschwaldi) 
    Überlingen, StdA, Ratsprotokoll 1506/1507, pag. 22–23.

    « Nr. 851 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    [1.] Informierung der Bundesstädte über Konstanzer Reichsabschied und Reichsanschlag; [2.] Bezahlung der in Konstanz von Kff. und Ff. bewilligten Bargeldhilfe durch die Bundesstädte; [3.] Beschwerden der Reichsstädte (Verpfändung der Städte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen; überhöhter Reichsanschlag); [4.] Einberufung eines Städtetages aus diesen Gründen, außerdem wegen der Zurücksetzung der Städtegesandten auf dem RT und wegen der in Konstanz bewilligten Truppenhilfe für den Romzug; [5.] Wahl der Teilnehmer am Städtetag.

    Ulm, 7. August 1507 (sambstag vor Lorency). 
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = B. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.). Darmstadt, ŠStA, E 1 A, 17/4, fol. 271–272 (Kop., Exemplar der Stadt Wimpfen). Ludwigsburg, StA, B 177S, Bü. 182, unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Schwäbisch Gmünd).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 119, Nr. 1, fol. 68–69 (Kop.).1 Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).
    (Knappes) Regest: Klüpfel , Urkunden II, S. 9f.

    [1.] Die Versammlung wurde wegen des Endes des Konstanzer RT einberufen. Die Vertreter der Schwäbischen Bundesstädte auf dem RT, der Städtehauptmann sowie die Bürgermeister von Augsburg, Nürnberg und Überlingen, haben die Teilnehmer über den Reichsabschied [Nr. 268] und den Reichsanschlag [Nr. 271] informiert.
    [2.] Und wiewol dieselben botschaften von der stett des Bunds wegen in den anschlag des gelts irm bevelh nach nit bewilligt, auch den irs tails nit angenomen noch besigeln wollen haben, nochdann und dieweyl durch Kff., Ff. und ander stend des Reichs darein bewilligt, der abschid aufgericht und besigelt ist, bewegen der erbern stett boten, so yetz hie zu Ulm versamelt sind, das die stett des Bunds in ansehung der merklichen ursachen solichs anschlags nit ubrig sein mugen. Und so sich dann die röm. kgl. Mt. muntlich und sunst ernstlich horn und vernemen lassen hat, das sy den anschlag des gelts vor St. Gallen tag [16.10.], darauf der abschid anzaigung tut, zu underhaltung irs kriegsvolks und zu vertigung der buchsen haben mussen und ungezweivelt die nahern stend des Reichs umb ir anzal ersuchen wurd, haben der erbern stett boten des Bunds geratschlagt, das sich ain yede statt solichs gelts halben zum besten in die sach schicken mug, wie sich irthalben nutz und gut ansehen werd.2  
    [3.] Und alß dann die obgemelten meine Hh., so von gemainer stett des Bunds wegen zu Costenz gewest sein, angezaigt, wie gemainer frey- und Reichs stett boten zu Costenz etlich merklich obligen und beschwarden der stett mit hochem vleis bewogen, Šnamlich die verpfandung, so mit etlichen stetten vor augen ist, item welchermaß die stett yetz und vormals in des Reichs anlegungen anders, dann von alter herkomen und in irm vermugen sey, angeschlagen und uber ander stend des Reichs beschwert werden.
    [4.] Item, das den stettboten in handlung und ratschlagung der sachen vil und mancherlay beschwerden, verachtung und nachtail zugestanden und begegnet sein. Und haben demnach und sonderlich, dieweyl der röm. kgl. Mt. auf dem Reichs tag zu Costenz ain hilf zu ross und fuss inhalt des abschids zugesagt ist, ainen tag gemainer frey- und Reichs stett auf exaltacionis crucis [14.9.] nachstkunftig gen Speyr geratschlagt und furgenomen, damit die stett die irn zu solichem romzug mit guter ordnung abvertigen und von obgemelter und anderer der stett obligen und notdurft wegen geratschlagt und gehandelt werden, wie sich zum besten gepurt.
    [5.] Die Versammlung hat beschlossen, daß die unten genannten Personen als Vertreter der Bundesstädte nach Speyer abgeordnet werden, um mit den Gesandten der anderen Frei- und Reichsstädte über die oben aufgeführten Punkte und andere Themen zu beraten. Falls eine Bundesstadt dort weitere Beschwerden behandelt wissen will, soll sie dies dem Städtehauptmann mitteilen. Zu Gesandten der Bundesstädte wurden gewählt: Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Bundesstädtehauptmann), Ulrich Artzt (Bürgermeister zu Augsburg) und Jörg Holzschuher (Bürgermeister zu Nürnberg). Außerdem wurde Geheimhaltung vereinbart.

    « Nr. 852 Rat der Stadt Augsburg an Kämmerer und Rat der Stadt Regensburg »

    Sie haben ihren Rat erbeten, was sie beim Kg. wegen einer Reduzierung der Konstanzer Reichshilfe unternehmen könnten, nachdem ihnen bislang keine weiteren Informationen diesbezüglich und auch keine kgl. Mandate zugegangen sind.
    Der aus Konstanz zurückgekehrte Altbürgermeister Ulrich Artzt berichtete, daß Regensburg laut dem Anschlag [Nr. 271, Pkt. 10] bis zum 16. Oktober (Galli schierst) 15 Reiter und 28 Fußsoldaten nach Konstanz zu entsenden sowie 870 fl.rh. in bar zu entrichten hat. Artzt hat in Konstanz alles versucht, um eine Reduzierung des Regensburger Anschlags zu erreichen, doch konnte er wie die Gesandten anderer Städte auch in dieser Frage nichts erreichen, sondern sie wurden auf den Kg. verwiesen. Deshalb können sie hinsichtlich des erbetenen Ratschlags nur an ihr früheres Schreiben [Nr. 270, Anm. 23] erinnern.

    [Augsburg], 16. August 1507 (montags nach assumpcionis Marie); präs. Regensburg, 19. August (pfynztag nach assumptionis Marie). 
    München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, unfol. (Or. Perg.).

    « Nr. 853  Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Hauptmann der Schwäbischen Bundesstädte) an Schwäbische Bundesstädte »

    Die Stadt Esslingen hat ihn über ein in Kopie beigelegtes Schreiben Kg. Maximilians wegen der ihr auf dem Konstanzer RT auferlegten Romzughilfe [Nr. 742] informiert und gebeten, noch vor dem Städtetag in Speyer einen Bundesstädtetag einzuberufen, da sie dem Kg. eine Antwort durch eine eigene Gesandtschaft zugesagt habe [Nr. 749]. Da die ŠAngelegenheit auch für andere Städte von erheblicher Bedeutung ist, hat er diesen Tag für den 30. August (montag vor St. Gilligen tag) nach Ulm anberaumt. Bittet sie in seiner Eigenschaft als Bundeshauptmann, über die Sache zu beraten und ihre Gesandtschaft zu dem Tag abzuordnen. Falls ihnen bis dahin ein entsprechendes kgl. Mandat zugeht, sollen sie wie Esslingen die Antwort bis zu einem Beschluß des Bundesstädtetages verzögern.

    [Ulm], 18. August 1507 (mitwochen nach assumptionis). 
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 233–233’ (Or.) = Textvorlage A.1 Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Or. m. S.) = B. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn).2

    « Nr. 854 Bürgermeister und Rat der Stadt Speyer an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Sie sind zweifellos über den Konstanzer Reichsabschied und über den Beschluß der Reichsstädte zur Abhaltung eines Städtetages [Nr. 278, Pkt. 5] informiert. Gestern ging ihnen ein kgl. Mandat [Nr. 742] zu, das in Abschrift beiliegt. Der Kredenzbrief des kgl. Dieners Jakob Heimhofer ist außerdem an die Städte Ravensburg, Esslingen, Schwäbisch Hall, Heilbronn, Wimpfen, Weil der Stadt, Überlingen, Aalen und Pfullendorf adressiert. Sie haben das Anliegen zurückgewiesen. Der kgl. Gesandte kündigte jedoch an, daß der Kg. sie weiter wegen des Konstanzer Anschlags bedrängen werde. Teilen dies ihnen als einer der vier ausschreibenden Städte zur Beratung mit. Bitten um Nachricht, ob der Städtetag stattfinden wird.1 

    Speyer, 21. August 1507 (sambstags nach assumptionis Marie). 
    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 199, Stück-Nr. 42 (Or.).

    « Nr. 855 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    Der röm. Kg. hat etliche Bundesstädte aufgefordert, ihren Anteil an der auf dem Konstanzer RT beschlossenen Truppenhilfe für den Romzug in bar an Hg. Ulrich von Württemberg zu überweisen, der dafür Truppen anwerben wird.1 Da sich diese Regelung für die Städte als Šnachteilig erweisen kann, wurde beschlossen, es beim Konstanzer Reichsabschied zu belassen. Der Kg. wurde schriftlich gebeten, von seinem Wunsch abzustehen und die Bundesstädte bey dem abschid zu Costenz unzertrennet beyainander beleyben zu lassen [Nr. 856]. In gleicher Weise hat man dem Hg. von Württemberg geschrieben und ihn über das Schreiben an den Kg. informiert, damit dieser weiß, daß der Beschluß nicht gegen ihn gerichtet ist, sondern aufgrund von vitalen Interessen der Städte zustandekam.2 

    Ulm, 30. August 1507 (montag vor St. Gilgen tag). 
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = B. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 119, Nr. 1, fol. 70–70’ (Kop.).3 Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).
    Regest: Klüpfel , Urkunden II, S. 10.

    « Nr. 856  Dr. Matthäus Neithart (Bundeshauptmann) und Ludwig Hoser (Augsburger Bürgermeister) im Namen der Schwäbischen Bundesstädte an Kg. Maximilian »

    Er hat etliche Bundesstädte schriftlich und mündlich aufgefordert, ihren Anteil an der Konstanzer Romzughilfe für sechs Monate in bar an Hg. Ulrich von Württemberg zu überweisen, der mit dem Geld Truppen finanzieren wird [Nr. 742]. Dieses Ansinnen haben die hier versammelten Städtegesandten angehört und für beschwerlich erachtet. Er weiß zweifellos, daß dieses Vorgehen bei den bisherigen Reichshilfen und insbesondere bei den Romzügen nicht üblich war; die Städte selbst haben ihren Anteil an den Hilfen geleistet. Zu dem, das die stett nichtzit haben, dann das sy von inen selbs mit merklicher ir yedes darstreckung leibs und guts nemen und erschopfen. Sein Vorgehen verstößt auch gegen den Konstanzer Reichsabschied. Verweisen auf die wörtlich wiedergegebenen §§ 11f. des Abschieds [Nr. 268]. Auf solichs und dieweyl solcher abschid yetz allenthalb in den stetten deß bunds verkundt und sich von etlichen auß den stetten darauf gerist, ist zu besorgen, wa yetz uber solichs die hilf in gelt gewendt werden sollt, das solichs in den stetten zu merklichem widerwillen und aufrur dienen und komen und bey Šdem gemainen volk nit leichtiglich erlangt werden mocht. Bitten, von seiner Forderung zurückzustehen und die Städte ohne Ausnahme beim Konstanzer Abschied zu lassen.

    s.l., jedoch Ulm, 31. August 1507 (aftermontag nach Bartholomei). 
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei A-Laden, A 119, Nr. 1, fol. 71–72 (Kop.).
    Druck: Datt , De pace publica, S. 556f.

    « Nr. 857 Bürgermeister, Schöffen und Rat der Stadt Aachen an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Bestätigen den Empfang des Konstanzer Reichsabschieds und einiger Artikel [Nr. 278]1, über die ab dem 14. September (exaltationis crucis) auf dem Städtetag in Speyer beraten werden soll. Der Bürgermeister Peter Bstoltz ist beauftragt, mit ihnen darüber zu sprechen und die Position Aachens mitzuteilen. Bitten, diesem Glauben zu schenken und sich in dieser Sache ihnen gegenüber gutwillig zu erzeigen.

    Aachen, 1. September 1507 (St. Egidius dagh). 
    Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 23–23’ (Or.).

    « Nr. 858  Kg. Maximilian an Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Hauptmann der Schwäbischen Bundesstädte) »

    Bestätigt den Empfang des Schreibens der Schwäbischen Bundesstädte wegen ihres an Hg. Ulrich von Württemberg zu übergebenden Anteils am Konstanzer Reichsanschlag [Nr. 856]. Er hat den Hg. von Württemberg über dessen Anteil an der Reichshilfe hinaus mit weiteren 100 Pferden für den Romzug verpflichtet und ihn wegen der Kosten auf den Anschlag der Reichsstädte verwiesen, da dieser besser und wol geruster leut und mer dann die gemelten stett aufpringen und bestellen mochte. Der Anschlag wird zu keinem anderen Zweck als dem Romzug verwendet. Befiehlt ihm, unverzüglich einen neuen Bundesstädtetag auszuschreiben und den Termin auch den kgl. Räten Wolfgang von Zülnhart (Domdechant zu Augsburg) und Wilhelm Güss mitzuteilen, damit sie als seine Gesandten daran teilnehmen und mit dem Städten verhandeln können.

    Innsbruck, 7. September 1507.
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 232–232’ (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. Š44), unfol. (wie A) = B. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (wie A).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 119, Nr. 1, fol. 75 (wie A).
    Druck: Klüpfel , Urkunden II, S. 10f.

    « Nr. 859 Abschied des Städtetags zu Speyer »

    [Zusammenfassung des Konstanzer Städteabschieds vom 24. Juli; Nr. 278]. [1. Beschwerde der Städte Goslar, Mühlhausen und Nordhausen über ihre Verpfändung an Kursachsen; Nr. 994].
    2. Die Städte wurden auf dem Konstanzer RT und bereits auf den vorherigen RTT höher als früher üblich und gemessen an ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit und verglichen mit anderen Reichsständen überhöht veranschlagt. Dennoch will man dem Kg. willfahren und den Reichsabschied vollziehen.
    3. Sobald der Kg. einen neuen RT ausschreibt oder sonst Mandate ausgehen läßt, sollen die vier ausschreibenden Städte zur Beratung darüber einen Städtetag nach Speyer einberufen. Jede eingeladene Stadt soll zuverlässig ihre Gesandten dorthin abordnen. Dort soll auch beraten werden, wie die den Städtegesandten auf dem Konstanzer RT widerfahrene Zurücksetzung künftig vermieden werden kann.
    4. Hinsichtlich der bewilligten Romzughilfe wurde beschlossen, daß die städtischen Truppenkontingente in guter Ordnung abgefertigt werden und sich unter keinen Umständen voneinander trennen lassen sollen, um Nachteile für die Städte zu vermeiden. Deputierte der rheinischen und schwäbischen Städte sollen künftig als Anlaufstelle für etwaige Beschwerden fungieren.
    5. Teilnehmer am Städtetag: Straßburg: Peter Museler1; Frankfurt: Johann Frosch und Konrad zum Jungen (mit Vollmacht für Aachen); Hagenau: Ulrich Jungvogt (mit Vollmacht für die übrigen Städte der Landvogtei im Elsaß); Goslar: Lic. Georg Witzenhusen; Mühlhausen: Daniel Helmsdorf; Nordhausen: Caspar Bruchel; Wetzlar: Philipp von Babenhausen und Heinricha Laß; Schwäbische Bundesstädte: Dr. Matthäus Neithart (Ulmer Altbürgermeister und Bundeshauptmann), Ulrich Artzt (Bürgermeister zu Augsburg) und Konrad Imhoff (Bürgermeister zu Nürnberg2; mit Vollmacht auch für Schweinfurt und ŠWeißenburg/Franken); Rothenburg o. d. Tauber: Sebastian Bermenter; Speyer: Debold Beier (Bürgermeister), Jakob Burckhart und Jakob Meurer (beide Altbürgermeister)b.3

    Speyer, 15. September 1507 (mitwoch nach exaltationis crucis). 
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Speyer, StdA, 1 A, Nr. 250,1, fol. 151–153 (Kop.) = B. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = C. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.) = D. Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 205, unfol. (Kop.). Hagenau, AM, AA 241, Stück-Nr. 42 (Kop.). Ulm, StdA, A 675, Stück-Nr. 42 (Kop.). Goslar, StdA, Best. B, unverzeichneter Teil, Reichssachen 1506–1510 [R.S. 37], pag. 2–7 (Kop.). Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).
    Regest: Klüpfel , Urkunden II, S. 11; Fels , Zweyter Beytrag, S. 193f.

    « Nr. 860  Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Hauptmann der Schwäbischen Bundesstädte) an Schwäbische Bundesstädte »

    Ihm ging in Speyer die beiliegende Antwort des röm. Kg. auf das Schreiben der Bundesstädte wegen des an Hg. Ulrich von Württemberg zu übergebenden Anteils etlicher Städte am Konstanzer Reichsanschlag [Nr. 858] zu. Da die Angelegenheit für die Bundesstädte wichtig ist, beruft er eine Versammlung nach Ulm ein. Die Gesandten sollen sich am Abend des 26. September (sonntag vor St. Michels tag) dort einfinden. Er hat darüber auch den kgl. Räten Mitteilung gemacht. Bittet sie in seiner Eigenschaft als Bundeshauptmann, ihre Gesandtschaft rechtzeitig zu Beratungen über diese Angelegenheit und über den Abschied des Städtetags, an dem er derzeit mit anderen Deputierten des Bundes teilnimmt, dorthin abzufertigen.

    Speyer, 16. September 1507 (dornstags nach des hl. cruztag am herpst). 
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 231–231’ (Or. m. S.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn) = B. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Or. m. S.). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Or.).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 119, Nr. 1, fol. 75’ (Kop.).

    « ŠNr. 861  Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    [1.] Der Kg. hat die versammelten Städte durch seinen Rat Wilhelm Güss von Güssenberg ersucht, die geforderten Anteile an der auf dem Konstanzer RT bewilligten Truppenhilfe für den Romzug in bar an Hg. Ulrich von Württemberg zu überweisen.1 Die Städte haben darüber beraten und es bei ihrer früheren schriftlichen Ablehnung [Nr. 856] und den darin geltend gemachten Gründen bleiben lassen. Sie wiesen darauf hin, daß sie beschlossen hätten, sich nicht voneinander trennen zu lassen, sondern den Konstanzer Reichsabschied zu vollziehen und ihren Anteil an der Romzughilfe durch Stellung von Truppen zu leisten. Der kgl. Gesandte wurde gebeten, diese Antwort dem Kg. zu überbringen.2 
    [2.] Der Kg. hat außerdem einige Städte aufgefordert, ihren Anteil an der Romzughilfe dem kgl. Kammermeister und Pfleger zu Donauwörth (Werd) [Balthasar Wolf von Wolfsthal] und Georg von Emershofen zuzustellen.3 Auch zu diesem Punkt wurde beschlossen, daß diese Städte in gleicher Weise wie beim vorigen Punkt antworten und sich nicht voneinander trennen lassen sollten.
    [3.] Nach dem Vortrag des Speyerer Städteabschieds wurde bezüglich des Artikels über die Romzughilfe beschlossen, daß Wilhelm Marschall [von Pappenheim] und Jörg Langenmantel (Bürgermeister zu Augsburg) für sechs Monate die Aufsicht über die reichsstädtischen Kontingente führen und unter Hinzuziehung weiterer ihnen geeignet erscheinender Personen in allen Angelegenheiten zum Besten der Städte verfahren sollen.
    [4.] Die übrigen Artikel des Speyerer Städteabschieds bleiben auf sich beruhen.

    Ulm, 27. September 1507 (montag vor St. Michels tag). 
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = B. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.). Darmstadt, StA, E 1 A 17/4, fol. 268–268’ (Kop., Exemplar der Stadt Wimpfen).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 119, Nr. 1, fol. 74–74’ (Kop.). Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).

    « Nr. 862 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    [1. Anleihe Kg. Maximilians bei den Handelsgesellschaften; Nr. 887]. [2.] Auf das Schreiben Wilhelm Marschalls von Pappenheim und Jörg Langenmantels (Bürgermeister zu ŠAugsburg) wegen der in Konstanz liegenden bundesstädtischen Kontingente hin1 wurden die beiden angewiesen, den röm. Kg. um eine möglichst lange Beurlaubung dieser Truppen zu bitten und zuzusagen, daß diese nach Ablaufen der bewilligten Zeit wieder zurückkehren würden. Falls der Kg. die Genehmigung erteilt, soll der Bundeshauptmann die einzelnen Städte darüber informieren.

    Ulm, wahrscheinlich 23. November 1507.2 
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = Textvorlage A. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.) = B. Ludwigsburg, StA, B 177S, Bü. 184, unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Schwäbisch Gmünd). München, KÄA 2013, fol. 217–218’ (Kop.).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 119, Nr. 1, fol. 92–94 (Kop.). Stuttgart, HStA, J 9, Bd. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).
    Regest: Klüpfel , Urkunden II, S. 12–14.

    « Nr. 863 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    [1. Anleihe Kg. Maximilians bei Handelsgesellschaften; Nr. 897]. [2.] Auf dem Tag wurde ein kgl. Schreiben [Nr. 831] vorgetragen, worin der Kg. eine zweimonatige Verlängerung der Romzughilfe wünscht. Die Entscheidung darüber soll jede Stadt für sich entsprechend ihren Möglichkeiten treffen.1 

    Ulm, 6. Februar 1508 (sontag nach unser Frauen tag liechtmess).
    Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. [4] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez.), unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 157 (Fasz. 47), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = B. Darmstadt, StA, E 1 A, 17/4, fol. 275–275’, hier fol. 275’ (Kop., Exemplar der Stadt Wimpfen). Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).

    «1.4. Widerstand der Reichsstädte gegen die Zwangsanleihe  »

    « Nr. 864 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig »

    [Aufforderung Kg. Maximilians an Venedig zu einer Stellungnahme bezüglich seines geplanten Romzuges; Nr. 700, Anm. 2]. Hiesige Kaufleute, darunter der Handelsherr Anton Welser (Belzer), haben ihm mitgeteilt, daß der röm. Kg. Paul von Liechtenstein wegen der Fälligkeit von 50 000 fl. aus einem Kaufvertrag mit den Fuggern [Nrr. 507f.] und wegen einer von sieben hier ansässigen Gesellschaften – Fugger (Focher), Herwart, Gossembrot (Casimpruot), Welser, Adler, Baumgartner (Pangrot) und Höchstetter (Esteter) Š– geforderten einjährigen Anleihe in Höhe von 150 000 fl. nach Augsburg beordert habe. Laut Auskunft Welsers sind die Gesellschaften dazu bereit, da der Kg. dafür Sicherheiten in den Erbländern stellen und ein beträchtlicher Profit erwartet wird. Anderen deutschen Handelsgesellschaften, etwa in Ulm, ging eine entsprechende Aufforderung des Kg. zu. Man erwartet, daß er auf diese Weise eine erhebliche Geldsumme erhalten wird.1 Es heißt, der Kg. habe mit den Fuggern und anderen Kaufleuten umfassende Bergwerkskontrakte abgeschlossen, die ihm dafür in Innsbruck wöchentlich 6000 fl. auszahlen würden. Man sieht, daß er auf jede erdenkliche Weise an Geld zu kommen versucht. Hier geht man davon aus, daß das Heer am 29. September (San Michiel) zum Abmarsch nach Italien bereit sein wird. [Romzughilfe der Reichsstände; Nr. 851, Anm. 2. Zahl der Teilnehmer am Konstanzer RT; Nr. 654, Anm. 4. Interesse der Augsburger Kaufleute am Frieden mit Venedig].

    Augsburg, 12. August 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 78–79 (ital. Kop., Postverm.: Per cursorem de Augusta.)= Textvorlage A; Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 147–148 (ital. Kop., Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Lutz , Querini, S. 205.

    « Nr. 865 Mandat Kg. Maximilians an die Handelsgesellschaften in Augsburg, Nürnberg, Memmingen und Ravensburg »

    Er hat sie mit Zustimmung der Reichsstände aufgefordert, ihm für die anstehenden Angelegenheiten von Kg. und Reich gegen ausreichende Sicherheiten und eine angemessene Verzinsung eine befristete Anleihe zu bewilligen. Dies haben sie zu seiner Überraschung jedoch abgelehnt. Die Angelegenheiten, für die er das Geld benötigt, sind wichtig. Die Stände habe ihre Einwilligung zu dieser Anleihe gegeben, da die Handelsgesellschaften ihre Gewinne aus dem Handel mit Reichsangehörigen ziehen und keine anderweitigen ŠLeistungen für das Reich erbringen. Er befiehlt ihnen deshalb, den auf jede Gesellschaft entfallenden Anteil an der Anleihe gegen ausreichende Sicherheiten und einen angemessenen Zins zu entrichten. Andernfalls ist er genötigt, Handelsverbote und andere Strafen über sie zu verhängen. Jede Gesellschaft soll durch einen eigenen Boten antworten.

    Innsbruck, 7. September 1507.
    Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. N. Ziegler) = Textvorlage A.Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 119, Nr. 1, fol. 84 [! Foliierungsfehler; = Blatt nach fol. 85] = B.
    Druck: Schulte , Geschichte III, Nr. 137, S. 487 (unter Übertragung in das Neuhochdeutsche); Mertens , Kampf, S. 13 Anm. 41 (im Auszug).

    « Nr. 866a  Kg. Maximilian an Bürgermeister und Räte der Stadt Augsburg, Nürnberg, Memmingen und Ravensburg »

    Er hat die Handelsgesellschaften in ihrer Stadt um eine Anleihe für die Angelegenheiten von Kg. und Reich ersucht, wie dies die auf dem Konstanzer RT versammelten Stände bewilligt haben. Sein Anliegen wurde jedoch zurückgewiesen.1 Er schreibt deshalb erneut an die Gesellschaften um eine Anleihe, a wie aus der beiliegenden Abschrift (A)2 [Nr. 865] zu entnehmen ist-a. Fordert sie auf, die in ihrer Stadt ansässigen Gesellschaften zur Bewilligung der Anleihe zu veranlassen. Denn falls dies nicht geschieht, b werden Mandate gemäß beiliegender Abschrift (B) [Nr. 866b] in das Reich ausgehen-b.

    Innsbruck, 8. September 1507; präs. Ravensburg, 28. September; präs. Memmingen durch den kgl. Boten Jakob [Heimhofer] am 29. September; präs. Augsburg, 30. September; präs Nürnberg, 7. Oktober 1507.
    Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. N. Ziegler) = Textvorlage A. Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 175 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp., Adressat: Stadt Augsburg) = B. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp., Adressat: Stadt Augsburg) = C. Karlsruhe, GLA, 83/1a, unfol. (Kop., Adressat: Stadt Augsburg) = D.Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden 150, Nr. 38, unfol. (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp., ŠAdressat: Stadt Augsburg) = E.Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 119, Nr. 1, fol. 83 (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. N. Ziegler, Adressat: Stadt Nürnberg) = F.
    Druck: Datt , De pace publica, S. 524f. (Adressat: Augsburg); Schulte , Geschichte III, Nr. 137, S. 487 (in das Neuhochdeutsche übertragen; Adressat: Memmingen).

    « Nr. 866b Beilage: Entwurf für ein Mandat Kg. Maximilians an alle Reichsangehörigen »

    [1.] Erinnert an das derzeitige, gegen ihn als röm. Kg., das Hl. Reich und die deutsche Nation gerichtete Vorgehen Kg. Ludwigs von Frankreich, das die Usurpation der Kaiserkrone und die Unterwerfung des Papsttums bezweckt. Er und die in Konstanz versammelten Reichsstände haben eine Hilfe des ganzen Reiches beschlossen, um diesen Absichten entgegenzutreten und die Kaiserkrone zu gewinnen. Er hat gegenüber den Ständen seine Belastung als Ehg. von Österreich seit Beginn seiner Regierung als röm. Kg. dargelegt und insbesondere auf den kostspieligen Unterhalt von Truppen zum Nutzen des Reiches in den letzten beiden Jahren verwiesen, weshalb die Erblande so erschöpft seien, daß sie derzeit nicht weiter beansprucht werden könnten [Nrr. 150, Pkt. 2; 157, Pkt. 2]. Er hat deshalb gemeinsam mit den Ständen beschlossen, bei den Handelsgesellschaften gegen Stellung ausreichender Sicherheiten und mit einer Verzinsung von fünf Prozent eine Anleihe aufzunehmen. Die mit den Verhandlungen betrauten Hofkammerräte berichteten jedoch, daß die Gesellschaften die Zahlung verweigerten, und baten, dafür Sorge zu tragen, daß der von ihm und den Reichsständen gefaßte Beschluß umgesetzt werde. Die Handelsgesellschaften profitieren vom Schutz durch Kg. und Reich, leisten ihrerseits aber nichts für die Allgemeinheit. Sie mindern überdies den Gewinn der einfachen Kaufleute, die mit ihren Steuern die Reichshilfen ihrer Heimatstädte mitfinanzieren. In allen übrigen Königreichen ist es üblich, daß die großen Gesellschaften Steuern zahlen. Er ist deshalb als röm. Kg. befugt, gegen die Gesellschaften wegen ihrer Verweigerungshaltung vorzugehen.
    [2.] Er befiehlt allen Adressaten des Ausschreibens bei Androhung einer Strafe von 100 Mark lötigen Goldes, deren Geschäftstätigkeit nicht länger zu dulden, ihnen kein Geleit mehr zu gewähren und ihre Waren zu beschlagnahmen, bis sie die Anleihe an die Hofkammer ausgezahlt und damit den Beschluß von Kg. und Reichsständen umgesetzt haben.

    s.l., s.d.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 119, Nr. 1, fol. 85–85’ (Kop., Verm.: B).

    « Nr. 867 Gutachten [Konrad Peutingers] über die Zwangsanleihe bei den Handelsgesellschaften »

    Widerlegung der Argumente Kg. Maximilians.

    Augsburg, 2. Oktober 1507.
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [15] Augsburg (Febr.-Dez. 1507), unfol. (Kop.).

    Š[1.] In der mit Zustimmung der geistlichen Kff. erlassenen goldenen Bulle Kg. Ludwigs heißt es, daß die Augsburger Bürger dem Reichsoberhaupt jährlich 400 Pfd. Augsburger Pf. geben sollen und dafür von allen anderen Auflagen und Steuern befreit sind.1 Falls dagegen geltend gemacht wird, daß dieses Privileg durch die Leistung von Anschlägen und anderen Abgaben erloschen sei, soll eingewandt werden, daß es sich dabei nicht um Akte aus kgl. Machtvollkommenheit handelte, sondern um gemeinsam mit den Reichsständen beschlossene allgemeine Steuern. Noch nie wurden die Bürger unter Umgehung des Rates direkt von einem Ks. oder Kg. um eine Anleihe oder eine andere Abgabe ersucht – ein weiterer Grund, warum dieses Ansinnen als Neuerung abzulehnen ist. Das geltend gemachte Augsburger Privileg hingegen wurde von allen Kss. und Kgg. bestätigt.
    [2.] Niemand hat Kenntnis davon, daß die Reichsstände ihre Zustimmung zu diesem Vorgehen des Kg. gegeben haben.
    [3.] Die Gesellschaften treiben vor allem außerhalb Deutschlands Handel. Der erwirtschaftete Gewinn kommt in Form von Steuern zuerst ihren Heimatstädten und durch diese Kg. und Reich zugute. Die Vermögen der Gesellschaften werden ebenso besteuert wie die der anderen Bürger. Abgesehen davon bezahlen sie Zölle, Mauten und Geleitgelder. Und dieweil die geselschafter nach irem wesen so wol barschaft muessen haben als sonder personen, so konden sie sonder person nit sonder beschwern. Aber oft ist beschehen, das die geselschaften in irer war und kaufmanschaften abfall gemacht, der gemainen kaufern nutz gepracht hat. 
    [4.] Die Gesellschaften erhielten bislang auch keine Warnung, sich aus der deutschen Nation feindlichen Ländern zurückzuziehen. Sie haben [wegen des Romzugs] nur Schaden, jedoch keinen Vorteil zu erwarten.
    [5.] Die Realisierung der kgl. Forderung würde zum Ruin der Städte führen. Denn die Kaufleute haben öffentlich verlauten lassen, daß sie an andere Orte ziehen würden, wenn ihnen in dieser Angelegenheit nicht geholfen würde.
    [6.] Der Kg. verweist auf Beispiele in anderen Königreichen, doch den Kaufleuten ist davon nichts bekannt. Wol ist war, so in Frankreich der Kg. als ein erbherr gelt auf sein stet schlecht und dieselben stet nit ubrig gelt haben, so bringen sie solh gelt auf und zu zeiten von kaufleuten, doch in der gestalt, das vom Kg. von stund an sein rent und gult derselben stett inen bis zu bezahlung volgen lassen. Dann desselben und ander Kgg. maynung fur und fur ist, den kauf- und werbenden man zu fristen, damit inen ir einkomen, die nit die minsten sein, als zol, meut, det gefurdert und in abwesen gehalten werden. Es ist auch bekannt, daß die Kaufleute und Gesellschaften in Frankreich aus den dargelegten Gründen im Gegensatz zu anderen Einwohnern von der Steuer befreit sind. Papst Gregor I. schrieb an Ks. Mauricius2, daß der Unterschied zwischen dem Römischen Reich und anderen Reichen darin bestehe, daß die anderen Kgg. über ihre Untertanen als ŠEigenleute herrschten; die röm. Kgg. und Kss. indessen regierten im Hl. Röm. Reich über Freie, die nicht in den Status der Unfreiheit gebracht werden dürften.
    [7.] Falls dem kgl. Ansinnen nachgegeben würde, wäre die Sache damit nicht beendet, sondern würde weitere Forderungen an vermögende Bürger und Reichsstände nach sich ziehen.3 

    « Nr. 868 Rat der Stadt Augsburg an Dr. Matthäus Neithart (Schwäbischer Bundeshauptmann der Städte) »

    Ein kgl. Bote übergab am 30. September dem Bürgermeister Jörg Langenmantel das in Abschrift beiliegende kgl. Schreiben [Nr. 866a] und bat, alle Augsburger Kaufleute zusammenzurufen, um diesen ein offenes gesiegeltes kgl. Mandat (Beilage A) [Nr. 865] zuzustellen. Da die Kaufleute derzeit nicht alle in Augsburg sind, erhielt der Bürgermeister gestern das kgl. Mandat ausgehändigt und hörte dazu den mündlichen Vortrag des Boten an, wonach die Kaufleute gewarnt werden sollten, daß ihnen ein weiteres Mandat (Beilage B) [Nr. 866b] zugehen werde, wenn sie dem kgl. Wunsch nicht willfahren würden. Falls diese beschwerliche Neuerung durchgesetzt würde, hätte dies nicht nur den Niedergang der im Mandat benannten Städte und ihrer Kaufleute zur Folge, sondern wäre auch für die übrigen Frei- und Reichsstädte ebenso wie für die höheren Stände von Nachteil. Bitten um die unverzügliche Einberufung eines Bundesstädtetages, der darüber beraten soll, wie die betroffenen Städte und die Kaufleute von diesem beschwerlichem und unerhörten Ansinnen befreit werden können.1 

    Augsburg, 2. Oktober 1507.
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 25, unfol. (Or. Perg. m. S.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [15] Augsburg (Febr.-Dez. 1507), unfol. (Konz. Hd. K. Peutinger) = B.
    Druck: Simonsfeld , Fondaco I, Nr. 651, S. 357f.

    « Nr. 869 Rat der Stadt Augsburg an Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg 1  »

    Ein kgl. Bote übergab Bürgermeister Jörg Langenmantel ein kgl. Schreiben [Nr. 866a] samt einem offenen Mandat [Nr. 865], wovon Abschriften beiliegen. Ähnliche Schreiben werden ihrer Ansicht nach auch den Nürnberger Kaufleuten zugehen. Die Angelegenheit ist für Šdie Kaufleute außerordentlich wichtig und tangiert darüber hinaus auch die Interessen der Städte und wohl sogar der höheren Stände. Sie haben deshalb den Bundeshauptmann um Einberufung eines Bundesstädtetages ersucht [Nr. 868]. Bitten, solichen schweren und unerhorten furfall zu erörtern und eine Gesandtschaft zu dem Tag abzuordnen, auf dem darüber beraten werden soll, wie die Kaufleute von dieser Belastung befreit werden können.2 

    Augsburg, 2. Oktober 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden 150, Nr. 38, unfol. (Or. m. S.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Konz. Hd. K. Peutinger) = B.

    « Nr. 870 Ausschreiben Dr. Matthäus Neitharts an die Schwäbischen Bundesstädte »

    Der Augsburger Magistrat hat ihn über ein abschriftlich beiliegendes Schreiben des röm. Kg. wegen einer Anleihe bei den Handelsgesellschaften [Nr. 866a] informiert und gebeten, einen Bundesstädtetag einzuberufen. Da dieser Vorgang nicht nur Augsburg, sondern alle Städte angeht, auch die sach dermassen, wie angezaigt, zu Costenz, sovil ich dabey geweßt bin, nit bewilligt noch gehandelt ist, beruft er als Hauptmann einen Tag der Bundesstädte nach Ulm ein. Die Gesandten sollen sich am Abend des 13. Oktober (mitwochen vor St. Gallen tag) dort einfinden. Er bittet, vorab über die Sache zu beraten und durch bevollmächtigte Gesandte an der Versammlung teilzunehmen.

    [Ulm], 4. Oktober 1507 (montags vor a  Michahelis).
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn) = Textvorlage A. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Or.) = B. Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 174–174’ (Or. m. S.).1 Darmstadt, StA, E 1 A, 17/4, fol. 270–270’ (Or., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Wimpfen).

    « Nr. 871 Augsburger Memorial für den bevorstehenden Schwäbischen Bundesstädtetag »

    Aufgrund des Nürnberger Schreibens [Nr. 869, Anm. 2] ist zu vermeiden, daß Augsburg im Ausschreiben des Hauptmanns erwähnt wird. Bei den Verhandlungen mit Kg. Maximilian sollte anfänglich keine zu kompromißlose Position eingenommen werden. Ks. Friedrich soll nicht erwähnt werden, da die oberdeutschen Kaufleute ihm in Wien eine Anleihe bewilligen Šmußten. Bürger anderer Kommunen sind ebenfalls an den Handelsgesellschaften der vier Städte [Augsburg, Nürnberg, Memmingen und Ravensburg] beteiligt. Auch ist darauf hinzuweisen, daß diese vier Städte durch die Bundeshilfen mehr als andere Städte im Reich belastet werden. Es heißt, dem Kg. werde nachred und spott darauß entsteen. In diesem Punkt soll ergänzt werden: nachtail und schaden. Denn die betroffenen Städte werden ihm aufgrund seines Vorgehens nicht mehr wie bisher dienen können. Auf jeden Fall soll ein schriftlicher Abschied und eine Abschrift des Vortrags an den röm. Kg. mitgebracht werden.

    Augsburg, s.d., jedoch nach dem 8. Oktober 1507.1 
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [15] 1507, Augsburg, Febr.-Dez., unfol. (Konz.).

    « Nr. 872 Instruktion der Stadt Memmingen für Hans Tochtermann als Gesandten zum Tag der Schwäbischen Bundesstädte »

    Zur Information oder auch zur eventuellen Vorlage werden dem Gesandten das Ausschreiben des Bundeshauptmannes [Nr. 870] sowie Abschriften des kgl. Schreibens an die Stadt [Nr. 866a] und des kgl. Mandats an die Kaufleute [Nr. 865] mitgegeben. Er soll auf die Voten der vor Memmingen sitzenden Städte achten und dann erklären, daß die Forderung des Kg. vormalen von röm. Kss. und Kgg. nie erhort und ain nuwerung sye, ouch beschwärlich, und was nachfolgender beschwarnußen daruß fliessen und entspringen mugen, auch daß die Angelegenheit nicht nur Memmingen, sondern alle Reichsstände angehe. Er ist bevollmächtigt, darüber mitzuberaten, was man in dieser Angelegenheit zum Nutzen der Gesellschaften und Städte tun kann.
    Falls er als Vertreter Memmingens von den Beratungen ausgeschlossen werden sollte, soll er zuvor eine Erklärung abgeben, daß nur Jörg Besserer und Hans Funck mit einigen wenigen Angehörigen ein gemeinschaftliches Unternehmen führten, das jedoch nicht als Handelsgesellschaft angesehen werden könne. Sie zahlten Steuern wie alle anderen Bürger. Memmingen bitte, die Interessen seiner Bürger und Kaufleute zu wahren.
    Falls er und die Vertreter anderer Städte, in denen Handelsgesellschaften sitzen, im Rat bleiben dürfen, soll er an den Beratungen auch teilnehmen. Er wäre gut, im Namen und auf Kosten aller Bundesstädte gemeinsame Gesandte zum Kg. zu schicken oder diesem zu schreiben. Falls ein Teil der Städte dies jedoch ablehnt und dafür votiert, daß die Gesellschaften die Kosten für die Verhandlungen mit dem Kg. tragen sollten, soll er dies auf Hintersichbringen akzeptieren. [...].

    Memmingen, s.d., jedoch vor dem 13. Oktober 1507.
    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Konz.).

    « Nr. 873 Beschluß der Stadt Ulm »

    Die Gesandten zum Bundesstädtetag erhalten Weisung, sich von den erbarn stetten nit zu sondern, sonder die sach nit mynder zu achten, als ob sie aines rats wegen suchten. ŠTeilnehmer für Ulm sind der Bürgermeister [Kaspar Rembold], Bartholomäus Rot, Ulrich Krafft und Jos Scherer.

    Ulm, 13. Oktober 1507 (mittwochen vor Galli).
    Ulm, StdA, A 3530 Ratsprotokolle, Bd. 2, fol. 71.

    « Nr. 874 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    [1.] Die Gesandten sind übereingekommen, daß die von den Handelsgesellschaften in einigen Städten geforderte Anleihe alle Städte angeht und negative Konsequenzen zeitigen würde. Sie haben deshalb beschlossen, mit dem Kg. durch eine Gesandtschaft über den Verzicht auf seine Forderung zu verhandeln. Falls dieser wider Erwarten auf seiner Absicht beharrt, soll auf einer weiteren Versammlung der Bundesstädte über die nächsten Schritte beraten werden.
    [2.] In Anbetracht der Bedeutung der Angelegenheit kritisieren die anwesenden Gesandten das Fernbleiben etlicher Städte. Man ist übereingekommen, daß am nächsten Bundestag alle Städte teilnehmen sollen. Ebenso wurde beschlossen, daß sich keine Gesellschaft separat mit dem Kg. über die Anleihe einigen darf, um Nachteile für die anderen Gesellschaften zu vermeiden.
    [3.] Zur Teilnahme an der Gesandtschaft zum Kg. wurden bestimmt: Dr. Matthäus Neithart (Hauptmann, Altbürgermeister zu Ulm), Ulrich Artzt (Bürgermeister zu Augsburg) und Jörg Holzschuher (Bürgermeister zu Nürnberg).

    Ulm, 13. Oktober 15071 (mittwoch vor St. Galli).
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = Textvorlage A. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.) = B. Darmstadt, StA, E 1 A, 17/4, fol. 273–273’ (Kop., Exemplar der Stadt Wimpfen). Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 223–223’ (Kop.).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 119, Nr. 1, fol. 82–82’ (Kop.). Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).
    Regest: Klüpfel , Urkunden II, S. 12.

    « Nr. 875 Instruktion der Schwäbischen Bundesstädte für Gesandte zu Kg. Maximilian »

    [1.] Der röm. Kg. ließ an einige Bundesstädte und die dort ansässigen Handelsgesellschaften Schreiben ausgehen, worin er die Gesellschaften zur Zahlung einer Anleihe in erheblicher Höhe auffordert [Nr. 866b]. Dagegen haben die Bundesstände erhebliche Einwände. Der Kg. ist in dieser Angelegenheit nicht ausreichend informiert, was die Gesandten des Bundes korrigieren sollen.
    [2.] Im Mandat heißt es, daß die Gesellschaften nichts für die Allgemeinheit leisten. Tatsächlich verhält es sich so, daß sie in ihren Heimatstädten wie alle anderen Bürger auch zu den Reichsanlagen und zu den städtischen Abgaben entsprechend ihrem Vermögen beisteuern. Da Fahrhabe und Bargeld doppelt so hoch besteuert werden wie Liegenschaften, ist der Beitrag der Gesellschaften um so größer. Sie verfügen für ihre Geschäfte nicht über Šgenügend Barmittel, die sie deshalb von anderen Bürgern leihen. Es ist auch allgemein bekannt, daß die Großkaufleute ihren Handel nur zu einem kleinen Teil im Reich und in Deutschland treiben, sondern mit hohem Risiko vor allem im Ausland und in Übersee. So ist kürzlich ein Handelsschiff auf der Fahrt von Portugal nach Flandern gesunken; sieben von der Frankfurter Messe kommende Wägen mit Waren wurden in den Niederlanden von aufständischen Geldrern ausgeraubt. Von den Gesellschaften profitieren nicht nur die Stadtbewohner, sondern auch die Einwohner des flachen Landes, deren Waren sie vertreiben. Ein Großteil der städtischen Einkünfte kommt von ihren Kaufleuten und Gewerbetreibenden.
    [3.] Die Gesellschaften sind nicht imstande, der Forderung des Kg. nachzukommen. Sie würden dadurch die für sie existentielle Kreditwürdigkeit verlieren und bankrott gehen. Ihre Anleger würden ebenso in große Not geraten wie die Handwerker und andere Einwohner der Städte und auf dem Land – mit den entsprechenden nachteiligen Konsequenzen für die Städte. Die Reichen würden wegziehen. Die Städte könnten dann für Kg. und Reich nichts mehr leisten.
    [4.] Die Bundesstädte bitten, dies zu erwägen, ebenso, daß es sich bei dieser Forderung um eine noch nie dagewesene Neuerung handelt, und auf diese Forderung zu verzichten.

    s.l., s.d., jedoch Ulm, 13. Oktober 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten A 119, Nr. 1, fol. 86–87’ (Kop.).
    Referiert bei Lutz , Peutinger, S. 74f.

    « Nr. 876 Aufzeichnung [Konrad Peutingers] über die Antwort Kg. Maximilians an die Gesandten der Schwäbischen Bundesstädte »

    Der Kg. beabsichtigt keineswegs, die Bundesstädte und die Kaufleute zu ruinieren. Er wird für die Anleihe ausreichende Sicherheiten geben und einen angemessenen Zins zahlen. Dergleichen Anleihen sind in Notfällen auch in anderen Königreichen üblich, beispielsweise in Frankreich. Die Gründung von Handelsgesellschaften ist nur mit kgl. Erlaubnis möglich, sie unterstehen deshalb unmittelbar dem Reichsoberhaupt. Er weist das Argument zurück, die Gesellschaften und Kaufleute würden geschädigt. Schaden entstünde nur ihm, wenn sie seiner Forderung nicht nachkämen. Es ist keineswegs seine Absicht, die hergebrachten Freiheiten der Kaufleute zu verletzen. Vielmehr mußten sie schon früher Anleihen gewähren. Die Anleihe übersteigt im Einzelfall nicht 30 000–40 000 fl. und ist somit erträglich. Er kennt den Konstanzer Reichsabschied. In Konstanz wurde einhellig beschlossen, daß die Kaufleute die Anleihe geben sollen. Davon kann er nicht abstehen. Er fordert für weitere Verhandlungen die Einberufung eines Bundestages.

    Act. Fragenstein, vor dem 1. November 1507.
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [15] Augsburg (Febr.-Dez. 1507), unfol. (Konz. Hd. K. Peutinger).
    Referiert bei Lutz , Peutinger, S. 72.

    « ŠNr. 877   Kg. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Memmingen1  »

    Befiehlt ihnen, die Oberhäupter der in ihrer Stadt ansässigen Handelsgesellschaften, mit denen er wegen einer Anleihe in Verhandlungen steht, zum 9. November (morgen eritag uber acht tag) nach Mindelheim zu bescheiden. Dort will er weiter mit ihnen verhandeln.

    Stams, 1. November 1507.
    Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. G. Vogt) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 5, unfol. (Auszug aus dem Ulmer Ratsprotokoll, Hd. J.C. v. Schmid, 19. Jh.).

    « Nr. 878 Ausschreiben Dr. Matthäus Neitharts an die Schwäbischen Bundesstädte »

    Gemäß dem Abschied des Ulmer Bundesstädtetages [Nr. 874] reiste er gemeinsam mit den Bürgermeistern von Augsburg [Ulrich Artzt] und Nürnberg [Jörg Holzschuher] zum röm. Kg., um wegen der von den Handelsgesellschaften geforderten Anleihe vorstellig zu werden. Nachdem sie einige Tage in Innsbruck warten mußten, konnten sie auf Schloß Fragenstein mit dem Kg. verhandeln. Ihr Anliegen wurde jedoch ungeachtet ihrer Bemühungen abschlägig beschieden.
    Die Angelegenheit ist für alle Städte von höchster Wichtigkeit. Die Teilnehmer am letzten Bundesstädtetag haben deshalb beschlossen, daß bei weiteren Verhandlungen darüber keine Stadt fernbleiben soll. Beraumt für den 19. November (St. Elisabethen tag) einen Tag der Schwäbischen Bundesstädte nach Ulm an. Er ersucht sie in seiner Eigenschaft als Städtehauptmann, vorab über diese Angelegenheit zu beraten und auf jeden Fall durch einen bevollmächtigten Gesandten an der Versammlung teilzunehmen.

    s.l., jedoch vermutlich Ulm, 4. November 1507 (dornstags nach allerseelentag). 
    Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, fol. 221–221’ (Or. m. S.)1 = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [18] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez. 1507), unfol. (Or. m. S.) = B. Stuttgart, HStA, H 53 (Fasz. 44), Bü. 156, unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Or.). Karlsruhe, GLA, 225/1226 (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Überlingen).

    « Nr. 879 Antwort Memmingens bzw. Augsburgs an die kgl. Räte in Mindelheim »

    Bestätigen den Empfang der kgl. Weisung vom 1. November [Nr. 877]. Die Schwäbischen Bundesstädte haben sich dieser Angelegenheit angenommen und ihren Hauptmann Dr. Matthäus Neithart sowie die Bürgermeister von Augsburga und Nürnberg [Jörg Holzschuher] zu Verhandlungen mit dem Kg. abgefertigt. Sie haben deshalb das bewußte kgl. ŠSchreiben Neithart zugesandt. Dieserb hat sie jetzt über die Ergebnisse der auf Fragenstein geführten Verhandlungen informiert, wonach der Hauptmann die Bundesstädte erneut zusammenrufen und ihnen ankündigen soll, daß dort eine kgl. Gesandtschaft wegen der Anleihe vorstellig werden wird. Sie wurden wie andere Städte von Neithart zum 19. November (St. Elisabethen tag) nach Ulm geladen, wo der Kg. zweifellos eine Antwort aller Bundesstädte erhalten wird. Es steht ihnen nicht zu, sich in Mindelheim in separate Verhandlungen einzulassen. Bitten deshalb, sie beim Kg. zu entschuldigen.1 

    Memmingen bzw. Augsburg, 8. November 1507 (mentags vor Martini/montag nach Leonhardi).
    Memmingen, StdA, A 111/3, unfol. (Mundum mit geringfügigen Korrekturen und ex.-Verm.) = Textvorlage A. Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. (Konz. vom 6.11. (sambstags nach allerhailigentag) mit geringfügigen Korrekturen und ex.-Verm.) = B. Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [15] Augsburg (Febr.-Dez. 1507), unfol. (Mundum mit Korrekturen) = C.

    « Nr. 880  Kg. Maximilian an Bürgermeister und Rat der Stadt Memmingen 1  »

    [1.] Er hat die durch Dr. Matthäus Neithart und andere Gesandte vorgebrachte Erklärung wegen der geforderten Anleihe angehört. Es trifft zu, daß die in ihrer Stadt ansässigen Kaufleute als Einzelpersonen Memminger Bürger sind, ihrer Obrigkeit unterstehen und Steuern und andere Abgaben und Leistungen für die Stadt aufbringen. Die Handelsgesellschaften als solche sind jedoch allein Kg. und Reich zugehörig. Sie zahlen keine Abgaben an die Stadt, erwirtschaften ihre Gewinne hauptsächlich im Reich und schmälern dabei den Gewinn der einfachen Kaufleute. Es ist deshalb billig, daß sie Kg. und Reich in wichtigen Angelegenheiten neben anderen Ständen unterstützen.
    [2.] Befiehlt ihnen, die bei ihnen ansässigen Kaufleute auf den von Dr. Neithart anberaumten Tag zu bescheiden. Er wird seinerseits kgl. Räte dorthin entsenden, um die Verhandlungen zu einem Abschluß zu bringen, wie dann solchs durch Kff., Ff. und ander stende des Hl. Reichs auf dem jungstgehalten tag zu Costenz der merglichen notturft Šnach furgenomen ist. Die Kaufleute sollen dem nachkommen, damit er nicht in anderer Weise gegen sie vorgehen muß.

    Angelberg, 15. November 1507.
    Memmingen, StdA, A 1/1, unfol. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein).

    « Nr. 881 Instruktion der Stadt Augsburg für Gesandte zum Tag der Schwäbischen Bundesstädte »

    Nach Anhörung des Berichts über die in Fragenstein geführten Verhandlungen mit dem röm. Kg. sollen die Gesandten in der Umfrage folgendes vortragen: Memmingen und Augsburg machten dem Hauptmann [Matthäus Neithart] schriftliche Mitteilung über die Ladung beider Städte nach Mindelheim und erbaten seinen Rat. Aufgrund seines Entwurfs schickten sie eine schriftliche Entschuldigung [Nr. 879] nach Mindelheim. Dort ist aber kein kgl. Vertreter erschienen, weil, wie der Augsburger Rat erfahren hat, der Kg. vielleicht selbst zum Tag nach Mindelheim kommen und mit den Kaufleuten verhandeln wollte. Um wegen des Fernbleibens der Kaufleute nicht der kgl. Ungnade anheimzufallen, entsandte der Rat Bürgermeister [Ludwig] Hoser und [Hans] Baumgartner nach Kaufbeuren, um den Kg. – wie üblich bei dessen Aufenthalt in der Nähe ihrer Stadt – nach Augsburg einzuladen. Die beiden Emissäre hatten in Anbetracht des unmittelbar bevorstehenden Termins Weisung, den Kg. oder seine Gesandten ggf. bereits auf dem Weg nach Mindelheim zu treffen, was dann geschehen ist. In Kaufbeuren sagten sie den angesetzten Tag ab und verhandelten mit dem Kg. – allerdings vergeblich – über die Anleihe. Die beiden Gesandten lehnten es ihrerseits ab, im Auftrag des Kg. bei den Kaufleuten vorstellig zu werden. Am folgenden Dienstagabend [16.11.] ging dem Augsburger Rat das in Abschrift beiliegende kgl. Schreiben [Nr. 880] zu. Falls die kgl. Gesandten zum Bundestag sich nicht anders äußeren, formuliert es die derzeitige Position des Kg. Auf dieser Grundlage ist zu beraten. Der Kg. vertritt die Ansicht, daß die Gesellschaften ihm und nicht den Städten unterstünden und keine Leistungen für das Reich erbrächten. Dies trifft allerdings nicht zu: Die Gesellschafter sind Bürger der Stadt und tragen durch ihre Steuerleistung zu deren Einkommen bei. Da sie über mehr Bargeld als andere verfügen, werden sie sogar stärker belastet. Sie verursachen weder dem Hl. Reich noch Dritten, seien es Gewerbetreibende oder nicht, irgendwelche Nachteile. Von ihren mit hohem Risiko in fernen Königreichen und fremden Ländern erwirtschafteten und nach Deutschland eingeführten Gütern entrichten die Gesellschaften Zölle, Maute und Aufschläge und geben ihre Gewinne auch hier im Land wieder aus. Somit nützen sie auch den kleinen Kaufleuten, die auf eigene Rechnung keinen Fernhandel betreiben können. Die Preise für Waren aus Venedig wären ohne sie noch viel höher. Die kleinen Handwerker können ohne die Gesellschaften ihre Erzeugnisse nicht vertreiben. An ihnen sind viele andere Bürger beteiligt, die die Anleihe mitfinanzieren müßten und dennoch zum städtischen Einkommen beisteuern und somit ungerechterweise doppelt belastet würden. Falls die Städte ihre Gesellschaften nicht gegen solches Unrecht schützen, werden diese wegziehen, was nicht nur ihren Heimatstädten, sondern auch für Kg. und Reich nachteilig wäre. Die deutschen Gesellschaften besitzen im Ausland großen Kredit, was auch der Ehre und dem Nutzen der deutschen Nation dient. Dies soll dem Š Kg. und seinen Räten dargelegt werden, denn falls die Geldreserven der Kaufleute erschöpft würden, wäre ihre Kreditwürdigkeit dahin. Wenn die Städte sich nicht für die Gesellschaften einsetzen würden, so hätte dies vielfältige negative Konsequenzen.
    Im übrigen sollen die Gesandten nach Sachlage zum Besten der Kaufleute und der Stadt Augsburg vorgehen.

    s.d., jedoch vor dem 19. November 1507.1 
    Augsburg, StdA, Lit. 1505–1507, Fasz. [15] Augsburg (Febr.-Dez. 1507), unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Ebd., unfol. (Konz. Hd. K. Peutinger) = B.

    « Nr. 882 Instruktion der Stadt Memmingen für Hans Tochtermann als Gesandten zum Tag der Schwäbischen Bundesstädte »

    Zur Information wird ihm das Ausschreiben des Bundeshauptmannes [Nr. 878] mitgegeben. Er soll sich die Voten der vorsitzenden Städte anhören und anschließend im Namen der Stadt empfehlen, den Kg. noch einmal nachdrücklich darum zu bitten, die Forderung an die Handelsgesellschaften fallen zu lassen. Falls der Kg. dies ablehnt und die Städte darüber beraten, ihn durch das Angebot einer Geldzahlung umzustimmen, soll er unter dem Vorbehalt zustimmen, daß diese Summe auf die Gesellschaften umgelegt und die Stadt Memmingen nicht damit belastet wird. Falls eine Mehrheit sich dafür ausspricht, daß die Städte die Zahlungsverpflichtung übernehmen sollen, wird er fehlende Vollmacht geltend machen. Falls die Städte weitere Vereinbarungen zum Nutzen der Gesellschaften und der Städte treffen, hat er Vollmacht, zuzustimmen oder, sofern von seiner Seite Einwände bestehen, solche Beschlüsse auf Hintersichbringen anzunehmen.

    Memmingen, s.d., jedoch vor dem 19. November 1507.
    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Konz.).

    « Nr. 883 Instruktion Kg. Maximilians für Gesandte zu den in Ulm versammelten Schwäbischen Bundesstädten und Handelsgesellschaften »

    [1.] Auf dem RT zu Konstanz haben die Reichsstände für die Angelegenheiten von Kg. und Reich und insbesondere für den Romzug eine Hilfe beschlossen und dabei bewilligt, daß ihm die Handelsgesellschaften im Reich gegen einen angemessenen Zinssatz und ausreichende Sicherstellung eine Anleihe gewähren. Er hat die Gesellschaften daraufhin um diese Anleihe ersucht. Deren Gewährung wurde jedoch bislang verzögert. Die Städte haben sich der Sache angenommen und vor kurzem durch Dr. Neithart und andere Gesandte dargelegt, daß die bewußten Kaufleute Steuern und andere Lasten trügen, und ihn gebeten, deshalb von seiner Forderung zurückzutreten.
    [2.] Es trifft zu, daß die einzelnen Kaufleute als Bürger Steuern und andere Lasten tragen müssen. Die Handelsgesellschaften als solche unterstehen dagegen nicht den Städten, sondern Kg. und Reich. Seine Forderung gilt nicht dem einzelnen Kaufmann, sondern den Gesellschaften. Diese ziehen ihren Gewinn aus Geschäften mit Reichsuntertanen und Šschmälern das Einkommen der kleinen Kaufleute. Für ihre beträchtlichen Gewinne sind sie den Städten nicht steuerpflichtig. Die Reichsstände haben bewilligt, daß die Gesellschaften neben anderen Ständen für die Angelegenheiten von Kg. und Reich, daran uns, dem Hl. Reich und teutscher nacion unser ewig ere, gluck und wolfart ligt und in vil hundert jarn nye sovil daran gelegen ist, einen Beitrag leisten müssen.
    [3.] Er fordert deshalb die Gesellschaften auf, ihm gegen angemessene Verzinsung und ausreichende Bürgschaft eine Anleihe zu gewähren, die er bis zum 25. Dezember 1508 (hl. weyhenachten tag) zurückzahlen wird. Sie sind als Angehörige des Reiches dazu verpflichtet und erleiden dadurch auch keinen Verlust. Er erwartet, daß sich die Städte nicht einmischen, da die Gesellschaften der Obrigkeit von Kg. und Reich unterstehen und nicht der städtischen. Falls dies zurückgewiesen wird, wird er die Gesellschaften wegen ihres Ungehorsams vor das kgl. Kammergericht laden. Die Gesandten sollen das Zitationsmandat [Nr. 884] übergeben und anschließend über die Verhandlungen Bericht erstatten.

    Großaitingen (Ayttingen), 19. November 1507.
    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp. und Gegenz. Serntein).

    « Nr. 884 Zitationsmandat Kg. Maximilians an die Handelsgesellschaften in Augsburg, Nürnberg, Memmingen und Ravensburg »

    Der kgl. und Reichskammerprokuratorfiskal Hieronymus von Croaria hat bei ihm beantragt, die Forderung an die Handelsgesellschaften, neben den Reichsständen ihren Beitrag, namentlich eine Anleihe, für die Angelegenheiten von Kg. und Reich zu leisten, auf dem Rechtsweg durchsetzen zu dürfen; obwohl sie als unmittelbar Kg. und Reich unterstehend dazu verpflichtet seien und keinen Nachteil davon hätten, weigerten sie sich unrechtmäßigerweise, diesen Beitrag zu leisten.
    Da er niemandem das Recht verweigert, lädt er sie binnen 45 Tagen vor das kgl. Kammergericht nach Regensburg, um sich in einem Fiskalprozeß zu rechtfertigen.

    Großaitingen, 19. November 1507. Den in Ulm versammelten Vertretern der Bundesstädte und Handelsgesellschaften nach der Antwort an die kgl. Gesandten [Nr. 886] am 23. November (aftermentag vor St. Katherinen tag) zugestellt.
    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop. mit imit. Vermm. prps./amdrp., Präsentatumverm.).

    « Nr. 885 Weisung Nürnbergs an Jörg Holzschuher (Gesandter zum Tag der Schwäbischen Bundesstädte) »

    Nach seiner Abreise, und zwar am Freitagabend [19.11.], übergab ein berittener Bote ein in Abschrift beiliegendes kgl. Schreiben [Nr. 880]. Sie ließen es unbeantwortet und haben die aus der Auffassung des Kg. hinsichtlich des Rechtsstatus der Gesellschaften resultierenden negativen Konsequenzen für sich und die anderen betroffenen Städte erwogen. Die Angelegenheit betrifft die übrigen Bundesstädte und Städte wie sie selbst. Streitigkeiten zwischen den Kaufleuten und Handelsgesellschaften oder Forderungen Dritter gegen diese Šmüßten gemäß der Position des Kg. künftig vor dem kgl. Kammergericht und nicht vor städtischen Instanzen ausgetragen werden. Alle Kaufleute und Gesellschaften unterstehen jedoch mit ihren bürgerlichen Rechten der Stadt. Demgegenüber hat die Argumentation des Kg. keinen Bestand.
    Er soll dies gegenüber den anderen Städten erklären, jedoch vorsichtig agieren, um nicht die kgl. Ungnade gegen Nürnberg zu riskieren. Gegebenenfalls soll er die Antwort der Städte an die kgl. Gesandten durch Eilboten übersenden.

    Nürnberg, 21. November 1507 (suntag unser Frauen tag presentacionis).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 60, fol. 124’-125 (Kop., Verm. über Siegelung durch Alt-BM Martin Geuder).

    « Nr. 886 Antwort der in Ulm versammelten Schwäbischen Bundesstädte an die kgl. Gesandten »

    [1.] Der Kg. gab sich mit der durch Gesandte überbrachten Antwort der Bundesstädte bezüglich der Anleihe [Nr. 875] nicht zufrieden und hat die Städte jetzt durch seine Emissäre aufgefordert, sich der Handelsgesellschaften nicht weiter anzunehmen.1 
    [2.] Die Vertreter der Städte und Gesellschaften haben den Vortrag der kgl. Gesandten angehört und geben darauf folgende Antwort: Wie die Gesandtschaft der Bundesstädte dem Kg. bereits dargelegt hat, tragen die in den Gesellschaften zusammengeschlossenen Kaufleute entsprechend ihrem Vermögen sämtliche städtischen Lasten mit. Üblicherweise wird dabei die Fahrhabe doppelt so hoch besteuert wie Liegenschaften. Infolgedessen ist diese Gruppe von Kaufleuten ohnedies stärker belastet als andere Bürger. Die Gesellschaften können die geforderte Anleihe nicht aufbringen. Für ihre Geschäfte sind sie auf Kapitaleinlagen von Leuten angewiesen, die keine Bürger in den [vier betroffenen] Städten [Augsburg, Nürnberg, Memmingen und Ravensburg] sind. Ihren Geschäfte betreiben sie nur zu einem geringen Teil im Reich und in Deutschland, viel wichtiger sind der Überseehandel und die Geschäfte im Ausland. Falls sie die Anleihe geben müßten, würden sie dort ihre Kreditwürdigkeit verlieren und müßten ihre Geschäfte einstellen. Die Gesellschaften schmälern auch keineswegs die Einkünfte einzelner Kaufleute. Diese profitieren vielmehr vom Vertriebssystem der Gesellschaften, ebenso wie viele andere Bewohner von Stadt und Land.
    [3.] Der Kg. behauptet, daß die Anleihe von den in Konstanz versammelten Reichsständen beschlossen worden sei. Davon haben die hier anwesenden Vertreter der Städte und Gesellschaften keine Kenntnis, die Gesandten der Bundesstädte haben darüber nichts berichtet und auch im Konstanzer Reichsabschied steht davon nichts. Auch wenn es einen diesbezüglichen Beschluß gäbe, so wäre er ohne Wissen und Zustimmung der Städte als des nideresten glids des Reichs zustandegekommen und wäre deshalb, wie der Kg. weiß, für sie nicht verbindlich, dan kain stand des Reichs fur den andern beschwert werden Šsollt. Die aus Konstanz zurückgekehrten Städtegesandten haben indessen berichtet, daß der Kg. den Reichsständen die Anleihe vorgeschlagen habe [Nrr. 157, 163]. Die Stände hätten daraufhin bewilligt, daß er die Gesellschaften um eine Anleihe bitten könne, und sich bereiterklärt, diese Bitte durch Fürschreiben zu unterstützen. Doch hätten die Stände sich ausbedungen, daß auf die Gesellschaften kein Druck ausgeübt werden dürfe [Nrr. 162, Pkt. 1; 164, Pkt. 1; 165]. Der Kg. kann sich daran sicherlich noch erinnern.
    [4.] Die Städte können die Gesellschaften nicht, wie von den kgl. Gesandten gefordert, im Stich lassen. Dies sind sie ihren den Gesellschaften angehörigen Bürgern schuldig. Diese Kaufleute sind wie andere Bürger ihren Heimatstädten verpflichtet und leisten wie diese jedes Jahr den üblichen Bürgereid. Gemäß der Wormser Reichsordnung2 und den von Kss. und Kgg. herrührenden Freiheiten und Privilegien sind die Städte ihrerseits verpflichtet, die Rechte ihrer in Gesellschaften verfaßten Bürger zu schützen. Wenn der Rat seine Pflichten vernachlässigt, sind Irritationen zwischen der Gemeinde und dem Rat und schließlich Aufruhr die Folge.
    [5.] Die Anleihe hätte nachteilige Konsequenzen für die Städte, die dann nicht mehr in dem Maße wie bisher Kg. und Reich dienen könnten. Die Gesandten der Städte und die Vertreter der Gesellschaften bitten den Kg., die geltend gemachten Gründe und die bisherigen Verdienste der Bundesstädte für den Kg. und seine Vorfahren zu bedenken und auf die Anleihe zu verzichten.

    s.l., s.d., jedoch Ulm, 23. November 1507.3 
    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.).

    « Nr. 887 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    [1.] Die zu diesem Tag entsandten kgl. Räte wurden bei den Vertretern der Städte und Handelsgesellschaften erneut wegen der geforderten Anleihe vorstellig und ermahnten die Städte unter anderem, sich nicht weiter für die Gesellschaften einzusetzen. Die Räte erhielten daraufhin eine schriftliche Antwort an den Kg. [Nr. 886] mit der Bitte, von dieser Forderung abzustehen und die Rechte und Freiheiten der Städte und der Gesellschafter als ihren Bürgern zu respektieren. Daraufhin stellten die kgl. Gesandten den anwesenden Vertretern der Gesellschaften befehlsgemäß Zitationen vor das kgl. Kammergericht [Nr. 884] zu, erklärten sich jedoch zugleich bereit, die ihnen übergebene Antwort dem Kg. vorzulegen und sich auch in deren Sinne bei diesem einzusetzen.
    Obwohl die Vorladungen rechtlich anfechtbar wären, haben die Gesandten der Städte den Vertretern der Handelsgesellschaften geraten, den Termin vor dem kgl. Kammergericht wahrzunehmen. Dies wurde akzeptiert. Die Städte haben zudem beschlossen, ihre Interessen in dieser Angelegenheit durch einen Prokurator am Kammergericht vertreten zu lassen. Die anwesenden Rechtsgelehrten der Städte Augsburg, Nürnberg und Ulm sollen für den Prokurator ein Memorial für die Verhandlungen am Kammergericht erstellen. Auf dem Gerichtstag werden dem Prokurator und den Anwälten der Gesellschaften folgende Vertreter Šder Bundesstädte zur Seite gestellt: Dr. Matthäus Neithart (Hauptmann) sowie je ein Rechtsgelehrter aus Augsburg und Nürnberg.1 
    Weiter sollen die vier ausschreibenden Städte in Anbetracht der Wichtigkeit der Angelegenheit auf der Grundlage des letzten Speyerer Städteabschieds [Nr. 859, Pkt. 3] einen allgemeinen Städtetag einberufen, der über Maßnahmen beraten soll, wie man den Kg. zur Einstellung des rechtlichen Verfahrens bewegen kann. Als Teilnehmer für die Bundesstädte sind vorgesehen: Dr. Matthäus Neithart (Hauptmann), Ulrich Artzt (Bürgermeister zu Augsburg), Jörg Holzschuher (Bürgermeister zu Nürnberg), Hans Ungelter d. J. (Bürgermeister zu Esslingen) und Konrad Erer (Bürgermeister zu Heilbronn).
    [2. Romzugskontingent der Bundesstädte in Konstanz; Nr. 862].
    [3.] Da die Zustände allgemein besorgniserregend sind und die Städte voraussichtlich mehr als andere Stände darunter zu leiden haben, hat man darüber beraten, zwei dem Kg. nahestehende Personen mit dessen Zustimmung gegen eine jährliche Zahlung von zusammen 200–250 fl. mit der Vertretung der städtischen Interessen am kgl. Hof zu betrauen. Dadurch könnte man die Ausgaben für Gesandtschaften reduzieren, überdies stünde man in ständigem Kontakt zum Kg. und könnte so weitere erhebliche Kosten sparen. Da etliche Gesandte bei diesem Punkt fehlende Vollmacht geltend machten, wurde beschlossen, daß jede Stadt binnen vierzehn Tagen ihr Votum dazu dem Hauptmann zukommen lassen soll, um dann gemäß dem Wunsch der Mehrheit zu verfahren.2
    [4.] Ungeachtet des letzten Abschieds blieben abermals etliche Städte der Versammlung fern. Die anwesenden Gesandten haben sich darüber beschwert. Angesichts der Wichtigkeit der Beratungspunkte sind die negativen Folgen für die Städte jetzt noch gar nicht absehbar. Sie erwarten deshalb, daß künftig keine Stadt die Kosten scheut und es unterläßt, an den Bundesversammlungen teilzunehmen.a 

    ŠUlm, wahrscheinlich 23. November 1507.3 
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 156 (Fasz. 44), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = Textvorlage A. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.) = B. Ludwigsburg, StA, B 177S, Bü. 184, unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Schwäbisch Gmünd). München, KÄA 2013, fol. 217–218’ (Kop.).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 119, Nr. 1, fol. 92–94 (Kop.). Stuttgart, HStA, J 9, Bd. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).
    Regest: Klüpfel , Urkunden II, S. 12–14.

    « Nr. 888  Dr. Matthäus Neithart (Bundeshauptmann), Ulrich Artzt (Bürgermeister zu Augsburg) und Jörg Holzschuher (Bürgermeister zu Nürnberg) im Namen der Schwäbischen Bundesstädte an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Der röm. Kg. forderte vor einiger Zeit von den Handelsgesellschaften, auch zum Nachteil ihrer Heimatstädte, eine beträchtliche Anleihe für den Romzug. Er berief sich dabei auf eine Bewilligung der auf dem Konstanzer RT versammelten Stände, erklärte die Gesellschaften als unmittelbar Kg. und Reich unterworfen und forderte die Städte deshalb auf, sich nicht für diese einzusetzen. Eine Gesandtschaft der Schwäbischen Bundesstädte zum röm. Kg. hat in dieser Sache nichts erreicht. Vielmehr erneuerten kgl. Gesandte auf dem Bundestag zu Ulm diese Forderung und übergaben den Vertretern der Handelsgesellschaften schließlich Ladungen vor das kgl. Kammergericht [Nr. 884].
    Diese Sache betrifft nicht nur die Schwäbischen Bundesstädte, sondern alle Städte. Denn der Kg. hat bei den Verhandlungen geäußert, daß er die Gesellschaften in anderen Orten in gleicher Weise angehen wolle. Entweder ist dies schon geschehen oder es wird noch eintreten. Sie sind deshalb zu dem Ergebnis gelangt, daß die Frei- und Reichsstädte gemeinsam darüber beraten müßten, wie diesem nicht hinnehmbaren Vorgehen des Kg. zu begegnen sei. Auf dem letzten Städtetag zu Speyer wurde beschlossen, daß die vier ausschreibenden Städte sich gemeinsam beraten und einen neuen Städtetag einberufen sollen, sobald der Kg. einen neuen RT einberuft oder irgendwelche Mandate ausgehen [Nr. 859, Pkt. 3]. Die Sache duldet indessen keinen Aufschub; ein vorheriges Treffen der ausschreibenden Städte ist auch nicht notwendig. Bitten deshalb, ohne weitere Präliminarien in ihrem Zirkel unverzüglich einen Städtetag nach Speyer auszuschreiben. Die Gesandten sollen sich am Abend des 23. Januar (sontag nach St. Sebastians tag) dort einfinden.1 Die Vertreter Augsburgs und Nürnbergs als zweier ausschreibender Städte haben dieses Procedere bewilligt.2 An Straßburg als die vierte ausschreibende Stadt erging ein entsprechendes Schreiben.

    ŠUlm, 26. November 1507 (fritag nach Katherine).
    Goslar, StdA, Best. B, unverzeichneter Teil, Reichssachen 1506–1510 [R.S. 40–40b], unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Nordhausen, StdA, R, Ka 4, fol. 22–23 (Kop.) = B.

    « Nr. 889 Instruktion der Stadt Nürnberg für Karl Oertel zu Verhandlungen mit Paul von Liechtenstein »

    Ein kgl. Bote übergab den Hh. Älteren am Vortag [18.12.] ein an die Handelsgesellschaften in Nürnberg gerichtetes Schreiben Kg. Maximilians1, wonach diese neben anderen Gesellschaften ihre Vertreter zum gestrigen Samstag nach Augsburg zu Verhandlungen mit Paul von Liechtenstein über die geforderte Anleihe hätten abordnen sollen. In Nürnberg gibt es keine Handelsgesellschaften, die Kaufleute betreiben ihre Geschäfte nicht gemeinschaftlich mit fremden Partnern, sondern gemeinsam mit ihren Brüdern und anderen nahen Verwandten, worauf die Kaufleute den Kg. bereits hingewiesen haben. Das kgl. Schreiben ist allgemein an die Gesellschaften adressiert, der kgl. Bote konnte oder wollte auf Nachfrage der Hh. Älteren hin keine bestimmte Gesellschaft benennen. Deshalb wurde das Schreiben nicht an einzelne Kaufleute weitergeleitet, sondern im Rat geöffnet und verlesen – abgesehen davon, daß es verspätet zugestellt wurde und der darin anberaumte Termin bereits abgelaufen war. Dennoch wurde beschlossen, einen Gesandten abzufertigen. Oertel ist beauftragt, gemeinsam mit den Emissären aus Augsburg, Memmingen und Ravensburg die Mitteilungen Liechtensteins anzuhören, sich mit den Vertretern der anderen Städte zu beraten und dem Nürnberger Magistrat darüber Bericht zu erstatten.

    Nürnberg, 19. Dezember 1507 (suntag nach Lucie).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 60, fol. 165–165’ (Kop.).

    « Nr. 890 Ausschreiben Nürnbergs an Schweinfurt »

    [1.] Vor einiger Zeit erhob der röm. Kg. gegenüber den Handelsgesellschaften in einigen Bundesstädten die Forderung nach einer Anleihe für den Romzug und begründete dies mit einem Beschluß des Konstanzer RT und der behaupteten Reichsunmittelbarkeit der Gesellschaften. Eine Gesandtschaft der Bundesstädte zum Kg. in dieser Sache blieb ergebnislos. Auf dem letzten Tag der Schwäbischen Bundesstädte in Ulm erneuerten kgl. Gesandte die Forderung und stellten den Vertretern der Gesellschaften am Ende der Verhandlungen Ladungen vor das kgl. Kammergericht [Nr. 884] zu.
    [2.] Diese Angelegenheit betrifft nicht nur Nürnberg und die übrigen Bundesstädte, sondern alle Frei- und Reichsstädte. Denn der Kg. äußerte bei den Verhandlungen, daß er seine Forderung auch gegenüber anderen reichsstädtischen Gesellschaften erheben werde. Dies ist ihres Erachtens inzwischen geschehen oder wird in Kürze eintreten. Der Ulmer Tag Šhat deshalb die Einberufung eines Städtetages nach Speyer zum 23. Januar (suntag nach St. Sebastians tag) beschlossen, der beraten soll, wie dieses beschwerlich und untreglich furnemen verhindert werden kann [Nr. 887, Pkt. 1]. Gemäß Städteabschied obliegt es der Stadt Nürnberg, sie zur Teilnahme an dieser Versammlung einzuladen.1 Ihre Gesandten sollten rechtzeitig eintreffen und bevollmächtigt sein, über diese Angelegenheit und andere Punkte des letzten Städteabschieds [Nr. 859] zu beraten.

    Nürnberg, 24. Dezember 1507 (hl. cristabend).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 60, fol. 174–175 (Kop., Verm. über gleichlautende Schreiben an Rothenburg/Tauber und Weißenburg).

    « Nr. 891 Weisung Nürnbergs an Erasmus Topler »

    Verhandlungen über die Zwangsanleihe; eventuelle Folgen für Nürnberg; Anweisungen für separate Verhandlungen mit Kg. Maximilian.

    Nürnberg, 7. Januar 1508 (freitag nach epiphanie).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 60, fol. 201’-205’ (Kop).

    [1. Bitte um Einwilligung Kg. Maximilians zu einer Garantieerklärung Nürnbergs für italienische Kaufleute im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Romzug1].
    [2.] [PS] Ihm ist bekannt, daß der Kg. von den Handelsgesellschaften in Augsburg, Nürnberg, Memmingen und Ravensburg eine beträchtliche Anleihe fordert und dies mit einer angeblichen Bewilligung der auf dem Konstanzer Reichstag versammelten Reichsstände, mit der Unterstellung der Gesellschaften unmittelbar unter den Kg. und mit den fehlenden Leistungen für das Reich bei gleichzeitiger Schädigung der anderen Kaufleute begründet. Zwei kgl. Gesandte richteten diese Forderung anfänglich nicht an die Nürnberger Kaufmannschaft allgemein, sondern mündlich nur an die Tucher, die Imhoff, die Hirschvogel und die Fütterer. Diese wiesen das Ansinnen des Kg. zurück. Dieser wandte sich deshalb im folgenden nicht mehr an einzelne Kaufleute, sondern generell an die Gesellschaften der vier Städte. Augsburg ersuchte nach Eingang der entsprechenden kgl. Schreiben [Nrr. 865, 866a, 866b] den Bundeshauptmann Dr. Matthäus Neithart um Einberufung eines Tages der Bundesstädte [Nr. 868]. Dort wurde beschlossen, eine Gesandtschaft zum Kg. zu schicken [Nr. 874], die – allerdings vergeblich – um Abstellung der Forderung bat. Die angekündigte weitere kgl. Gesandtschaft erhielt auf dem folgenden Bundestag einen entsprechenden ablehnenden Bescheid [Nr. 886] wie zuvor, woraufhin sie den Gesellschaften der vier Städte Zitationsmandate zu einem Fiskalprozeß vor dem kgl. Kammergericht [Nr. 884] zustellten. Die Städte nahmen die Zitation an und warteten auf den Prozeßbeginn. Mittlerweile lud der Kg. die Gesellschaften der vier Städte zu Verhandlungen mit Paul von Liechtenstein nach Augsburg ein, mit der Maßgabe, der Forderung nach einer Anleihe aufgrund eines Vorschlags Liechtensteins und nach ausreichender Bürgschaft zu willfahren. Nürnberg entŠsandte zuerst einen städtischen Diener [Karl Oertel] und dann den Ratsherrn Hieronymus Ebner zu den Verhandlungen mit Liechtenstein. Dieser schlug vor, zur Sicherstellung einer Anleihe von 80 000 fl. binnen Jahresfrist 20 000 Zentner Kupfer zu 4 fl. je Zentner und, falls die Summe damit nicht gedeckt sein sollte, zusätzlich eine entsprechende Menge Silber zu liefern. Die Städte und Handelsgesellschaften erbaten Bedenkzeit. Es wurde ein weiterer Tag der Schwäbischen Bundesstädte nach Ulm und anschließend ein Städtetag auf den 23. Januar (suntag [nach] Sebastiani) nach Speyer einberufen.
    [3.] Für Nürnberg ist die Angelegenheit nachteiliger als für andere Städte, da hier im Gegensatz zu Augsburg oder Memmingen keine großen Handelsgesellschaften, sondern nur vergleichsweise kapitalschwache Famlienunternehmen ansässig sind, die auf eigene Rechnung und nicht mit Fremdkapital ihre Geschäfte betreiben. Anders als etwa die Augsburger Gesellschaften machen sie auch keine Geschäfte mit dem Kg. oder treiben Handel in den Erblanden. Überdies sind die Zeiten unruhig, Nürnberg wird von seinen Feinden bedrängt, die Kriminalität auf der Reichsstraße im Bereich der Stadt nimmt überhand. Diese Faktoren verursachen den Nürnberger Kaufleuten und Bürgern beträchtliche Einbußen. Die Stadt trug in den vergangenen Kriegen und im Dienst für Kg. und Reich erhebliche Lasten. Die Kosten mußten die Kaufleute wie andere Bürger auch in Form von Steuern und Abgaben mitbestreiten, weshalb der städtische Handel im Niedergang begriffen ist. Abgesehen davon erlitten die Kaufleute erhebliche Verluste an ihren Besitzungen in der Lombardei, in Lissabon, Frankreich, den Niederlanden und andernorts und mußten Schulden machen. Falls zusätzlich zu diesen Lasten noch die Anleihe kommt, steht zu befürchten, daß die Kaufleute ihre Geschäftssitze aus Nürnberg in ftl. Territorien verlegen. Die Folgen für die Stadt sind leicht zu ermessen. Ihr obliegt es, sich für ihre Kaufleute einzusetzen.
    [4.] Ersuchen ihn, diesen Sachverhalt dem Kg. darzulegen – unter Ausschluß von anderen Angehörigen des Hofes, die der Stadt in dieser Angelegenheit eher schaden. Er soll den bisher erzeigten kostspieligen Gehorsam Nürnbergs gegen Kg. und Reich betonen, die negativen Folgen der Anleihe für die weitere Fähigkeit der Stadt zu Leistungen im Dienst für Kg. und Reich darlegen und um Verzicht auf seine Forderung gegenüber Nürnberg bitten. Falls der Kg. auf der Anleihe beharrt, würde sich dafür kein Nürnberger Kaufmann gewinnen lassen. Eher würden sie die Stadt verlassen und der Handel zugrundegehen.
    [5.] Der Kg. hat gegenüber verschiedenen Nürnberger Ratsherren, darunter ihm selbst, seine besondere Verbundenheit mit ihrer Stadt bekundet.2 Mit dieser Angelegenheit entŠscheidet er über das Wohl und Wehe Nürnbergs. Er soll dem Kg. auch eröffnen, daß man bewußt vor dem Speyerer Städtetag, der voraussichtlich einen Beschluß gegen das Ansinnen des Kg. fassen wird, in dieser Angelegenheit vorstellig werden wollte, damit dieser keine Ungnade gegen Nürnberg faßt. Wo aber ir kgl. Mt. auß ainicher billichen ursach nit bewilligt were, unsere kaufleut allein von den anderen stetten offenlich zu sondern, wiewol es gegen den anderen auß allen erzelten ursachen ye nit gleich ist, das doch ir kgl. Mt. uns in gehaim vertrostung und verwenung tet, ob sich die unseren auf verrer irer kgl. Mt. handlung wurden enthalten, das ir kgl. Mt. uns oder den unseren darin mit ungnaden nit wolt gewarten. Bitten ihn, sich mit allem Nachdruck für die Interessen der Stadt einzusetzen.

    « Nr. 892 Gutachten Dr. Adam Schönwetters (Frankfurter Syndikus) über die Zwangsanleihe bei den Handelsgesellschaften »

    Widerlegung der Argumente Kg. Maximilians und Strategie für das kammergerichtliche Verfahren.

    s.l., s.d., jedoch Frankfurt, zwischen dem 10. und 23. Januar 1508.
    Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 210, unfol. (Kop., Aufschr.: Die ratslagung uf den tag geyn Spier uf [Sonntag nach] Sebastiani [23.1.] Ao. XVCacht.).
    Referiert bei Schmidt , Städtetag, S. 427.

    [1.] N.1 strengt gegen etliche Handelsgesellschaften im Reich ein Verfahren am kgl. Kammergericht an und hat diesen deshalb eine kgl. Ladung [Nr. 884] verkünden lassen. Es wäre gut gewesen, wenn dieses Dokument für das Gutachten zur Verfügung gestanden hätte, da die Klageschrift darauf beruhen wird. So geht nur aus einem Schreiben [Nr. 888] hervor, daß N. die Gesellschaften vorgeladen hat, weil diese verpflichtet seien, dem röm. Kg. (seynen Gn.) eine Summe Geldes zu leihen. Dafür wird ein angeblicher Beschluß der in Konstanz versammelten Reichsstände geltend gemacht und behauptet, daß die Gesellschaften unmittelbar dem röm. Kg. unterstünden und nicht den Städten – die sich somit der Sache auch nicht annehmen dürften.
    [2.] Den Gesellschaften ist zu raten, durch einen Protest die Zuständigkeit des kgl. Kammergerichts für diese Angelegenheit zu bestreiten und vorerst in Erfahrung zu bringen, wie der röm. Kg. die Klage begründet und ob die Gesellschaften gemeinschaftlich oder jede für sich verklagt werden. Nach Zustellung der Klageschrift sollten sie dilatorische Einrede erheben, unter Berufung auf das Gemeine Recht sowie die Wormser Ordnung und die auf Šden folgenden RTT verabschiedeten Reichskammergerichtsordnungen die Zuständigkeit des Kammergerichts in der ersten Instanz bestreiten und beantragen, dies unter Erstattung ihrer Kosten gerichtlich festzustellen.
    [3.] Falls der Kläger in seiner Replik die unmittelbare Unterstellung der Handelsgesellschaften unter den röm. Kg. geltend macht, so ist dies in der Duplik zu bestreiten: Zwar träfe diese Behauptung etwa für die Universitäten und ähnliche Kollegien zu, nicht aber für die Gesellschaften. Diese unterstünden ihren Heimatstädten und deren Gerichten. Der Unterschied werde dadurch begründet, daß Universitäten der ausdrücklichen Genehmigung durch die Obrigkeit bedürften, aber die Gründung von Gesellschaften zum Zwecke des Handels gemäß dem Gemeinen Recht jedermann freigestellt sei. Auch gemäß dem ksl. Recht seien die Gesellschaften ihren Heimatstädten unterworfen. Überdies könne eine Geldanleihe nicht als fiskalische Angelegenheit bewertet werden.
    Der Titel „De jure fisci“2 berücksichtigt keinen solchen Vorgang. Es steht deshalb zu erwarten, daß das Gericht auf fehlende Zuständigkeit erkennt. Es ist auch zu gleuben, wo der gerichtzwang dermassen mitsampt den freyheiten, so die stette irer burger halber haben, angesucht wurde, sie sollten hart mit rechte daselbst zu rechten gezwongen werden.
    Falls die Kaufleute sich dennoch vor dem Kammergericht oder einer anderen Instanz rechtfertigen müssen, sollten sie in ihrer Erwiderung beantragen, die Klage unter Erstattung ihrer Kosten abzuweisen, doch sich zugleich weitere dilatorische Einreden vorbehalten.
    [4.] Wird die Klage mit dem angeblichen Beschluß der in Konstanz versammelten Reichsstände begründet, sollten die Kaufleute die Existenz eines solchen Beschlusses bestreiten. Der Kg. hat den Ständen diesen Punkt zwar vorgebracht, doch wurde nichts bewilligt oder beschlossen. Im Reichsabschied – der alle Verhandlungen zusammenfaßt, bei denen den Ständen abschriftlich Dokumente zugingen – steht von dem angezogenen Beschluß nichts. Ein anderes Dokument als der Abschied wird indessen als Rechtsgrundlage nicht akzeptiert.
    Falls die Gegenseite wider Erwarten einen solchen Entscheid außerhalb des Reichsabschieds nachweisen kann, sollten die Städte folgendermaßen argumentieren: 1. Der Entscheid ist gemäß dem ksl. Recht unzulässig, weil er in Abwesenheit der Parteien und ohne deren Anhörung erging. 2. Der Kg. hat keinen Vertrag geltend gemacht, aufgrund dessen die Kaufleute verpflichtet wären, ihm das Geld zu leihen. Eine andere Form der Verpflichtung besteht im bürgerlichen Recht nicht. 3. Auf Urteilen basierende Zwangsverkäufe hat es zu Zeiten gegeben, doch ist dies bei Anleihen nicht statthaft. Leihverträge basieren ihrer Natur nach und gemäß dem ksl. Recht auf dem freien Willen der Vertragspartner. 4. Der Zweck des Romzuges rechtfertigt die Zwangsanleihe ebenfalls nicht, da die Kaufleute wie andere Bürger bereits in ihren Heimatstädten dafür besteuert werden. Damit liegt eine unrechtmäßige Doppelbelastung vor. 5. Würde das Vorgehen des Kg. von Gerichts wegen gestattet, wäre dies ein Verstoß gegen die Freiheiten der Städte, der ihren Niedergang zur Folge hätte. 6. Ein solches Urteil wäre dahingehend auszulegen, daß der Kg. befugt ist, jedem Kaufmann seinen Willen aufzuzwingen und ihm sein Eigentum wegzunehmen – was offenkundig im ŠWiderspruch zum Gemeinen Recht steht. Der Kg. ist zwar höchste Obrigkeit und oberster Gerichtsherr, doch besitzt er kein Recht am Eigentum der Menschen.
    [5.] Die aufgeführten Argumente belegen, daß die Kaufleute nicht verpflichtet sind, die Anleihe zu gewähren. Da die Angelegenheit wichtig ist, sollten die Städte neben der rechtlichen Verteidigung den Kg. durch Gesandte über die Sachlage informieren und ihn – damit sie nicht anderweitig benachteiligt werden – bitten, gutwillig auf seine Forderung zu verzichten.

    « Nr. 893 Ausschreiben Dr. Matthäus Neitharts an die Schwäbischen Bundesstädte »

    Der kgl. Gesandte Paul von Liechtenstein hat den in Augsburg versammelten Vertretern der Handelsgesellschaften eine Alternative zur geforderten Anleihe eröffnet; und namlich inen ainen kauf furgeschlagen umb zwainzigtausent zentner kupfers, in ainem jar zu bezalen, und dagegen auf das furderlichist die bezalung zu empfahen, als fur ain yeden zentner vier fl.rh.  Die Kaufleute konnten sich darüber in der Eile nicht einigen, überdies steht der zum 23. Januar (sontag nach Sebastiani) einberufene Städtetag bevor. Man hat deshalb Liechtenstein unter Hinweis auf den Tag schriftlich um Aufschub gebeten. Da für diese Verhandlungen eine Zusammenkunft der Bundesstädte erforderlich ist, zumal allen Städten viel an der Sache liegt, beruft er als Hauptmann hiermit für den 6. Februar (sonntag nach unser lb. Frauen tag liechtmeß) einen Bundesstädtetag nach Ulm ein und fordert sie auf, daran durch eine Gesandtschaft teilzunehmen.

    [Ulm], 15. Januar 1508 (sambstags vor Anthony); präs. Nürnberg, 21. Januar.
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 157 (Fasz. 47), unfol. (Or. m. S., Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn) = Textvorlage A. Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Or.) = B.

    « Nr. 894 Weisung Nürnbergs an Erasmus Topler »

    Übersenden ihm für den Fall, daß der Bote Peter Leupold gescheitert ist, beiliegend eine Abschrift ihrer Weisung vom 7. Januar (freitags nach der hl. dreier konig tag) [Nr. 891]. Falls er ihr Anliegen beim Kg. noch nicht vorgebracht hat, soll er dies nachholen. Die Forderung des Kg. abzuwehren, ist für Nürnberg aus den dargelegten Gründen sehr wichtig. Sie gehen auch aufgrund der Verhandlungen und des Abschieds des Ulmer Bundestages [Nr. 887] davon aus, daß sich die Kaufleute aus Augsburg, Memmingen und Ravensburg nach Ende des Speyrer Städtetages mit Paul von Liechtenstein über den Kauf des Kupfers einigen werden, und müssen dabei die Position der Nürnberger Kaufleute bedenken. Falls deshalb der Kg. ihre bisherigen Angebote abgelehnt haben sollte, soll er erneut vorstellig werden und vorschlagen, 1. gegenüber den Nürnberger Kaufleuten auf die Forderung der Anleihe zu verzichten oder sich zu verpflichten, sie künftig deshalb nicht mehr zu behelligen, 2. die erbetenen Freiheiten und Konfirmationen zu bewilligen und 3. das Nürnberger Romzugskontingent oder wenigstens dessen Reiter nach Hause zu entlassen. Ermächtigen ihn, bei Erfüllung dieser drei Punkte die Zahlung von 8000 fl anzubieten. Die Einwilligung des Kg. in die ersten beiden Punkte wäre ihnen 6000 fl. wert. Der Kg. benötigt, wie sie Šhörten, dringend Geld. Er soll das Ergebnis seiner Verhandlungen unverzüglich mitteilen, damit sich die Nürnberger Kaufleute bei den Verhandlungen mit Liechtenstein danach richten können.1 
    [PS] Bestätigen den Empfang seines Berichts aus Innsbruck vom 8. Januar (St. Erharts tag). 2 Vor Abschluß ihres Schreibens ging das Ausschreiben Matthäus Neitharts zum Schwäbischen Bundestag [Nr. 893] ein. Ersuchen ihn, sich mit den Verhandlungen beim Kg. zu beeilen, damit sein Bericht noch vor Beginn des Bundestages vorliegt und sie die Gesandten entsprechend instruieren können.

    Nürnberg, 21. Januar 1508 (freitag nach Sebastiani).
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 60, fol. 229–230 (Kop.).

    « Nr. 895 Abschied des Speyerer Städtetages »

    [1.] Der röm. Kg. hat die Handelsgesellschaften in einigen schwäbischen Reichsstädten aufgefordert, die ihm vermeintlich zustehende Anleihe für seinen Romzug zu geben, und die Gesellschaften dabei als unmittelbar Kg. und Reich und nicht ihren Heimatstädten zugehörig qualifiziert. Es handelt sich um eine unerhörte Neuerung gegenüber den Reichsstädten wie auch den Gewerbetreibenden, die für diese höchst nachteilig wäre. Die anwesenden Vertreter der Städte haben über diese Angelegenheit beraten, dabei auch den nach Ausschreibung des Tages gemachten Vermittlungsvorschlag Pauls von Liechtenstein (kgl. Marschall) erwogen und folgenden Beschluß gefaßt: Falls der Kg. von seiner ursprünglichen Forderung zurücktritt und statt dessen den Vorschlag Liechtensteins realisiert, nemlich das die gesellschaften und kaufleute, gegen den das obberurte ansuchen bescheen ist, des iren durch zimliche kaufe und in kaufschlagswyse nach vermogen, gelegenhait und notturft eins yeden versorgt, vergwißt, darzu verschribung und fryhait von kgl. Mt. gegeben, das solhs us keiner schuld noch gerechtigkeit beschehe und hinfuro die kaufleute und geselschaften in stetten des Hl. Reichs solichs und dergleichen ansuchens und fürnemens von irer kgl. Mt. gnediglich erlassen, vertragen und uber werden, das es den geselschaften der kaufleute und den stetten, gegen den das ansuchen beschehen, in solche wyse one nachteil zu tund sy. Falls dieser Vorschlag jedoch nicht umgesetzt wird oder sich in dieser Angelegenheit weitere Beschwerden der Gesellschaften ergeben, sollen sie die ausschreibenden Städte informieren, damit diese tätig werden können.
    [2.] Teilnehmer des Städtetags: Straßburg: Gabriel Mördel; Worms: Reinhard Noltz, Ludwig Bohel; Frankfurt: Jakob Heller, Konrad zum Jungen1; Hagenau: Ulrich Jungvogt Š(mit Vollmacht für die übrigen Städte der Landvogtei im Elsaß); Wetzlar: Philipp von Babenhausen; Mühlhausen: Bechtold Hugold (mit Vollmacht für Goslar und Nordhausen); Schwäbische Bundesstädte: Dr. Matthäus Neithart (Altbürgermeister zu Ulm, Hauptmann), Ulrich Artzt (Altbürgermeister zu Augsburg), Kaspar Nützel (Bürgermeister zu Nürnberg), Hans Ungelter (Bürgermeister zu Esslingen) und Konrad Erer (Bürgermeister zu Heilbronn); Speyer: Jakob Burckhart (Bürgermeister), Debold Beier (Altbürgermeister) und Jakob Meurer (Altbürgermeister).
    Nützel entschuldigte mündlich das Fernbleiben Rothenburgs o.d. Tauber, Schweinfurts und Weißenburgs. Köln, Lübeck, Aachen und Konstanz2 rechtfertigten ihr Fernbleiben schriftlich.

    Speyer, 24. Januar 1508 (montag nach St. Sebastians tag).
    Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. [4] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez.), unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 157 (Fasz. 47), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = B. Speyer, StdA, 1 A, Nr. 250,1, fol. 155–157 (Kop.) = C. Frankfurt, ISG, RTA 24, unfol. (Kop.). Hagenau, AM, AA 241, Stück-Nr. 42 (Kop.). Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Kop.). Überlingen, StdA, Abt. LXVI, Nr. 1867, unfol. (Kop.). Ulm, StdA, A 675, Nr. 35, unfol. (Kop.).
    Druck: Klüpfel , Urkunden II, S. 16f.; Fels , Zweyter Beytrag, S. 194.

    « Nr. 896 Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg an Dr. Matthäus Neithart »

    Er hat nach dem durch Paul von Liechtenstein gegenüber den Augsburger Kaufleuten eröffneten Angebot zum Kauf von 20 000 Zentner Kupfer auf den 6. Februar eine Versammlung [der Bundesstädte] nach Ulm einberufen. Sie würden seinem Ausschreiben gerne nachkommen. Bei den Beratungen [auf dem letzten Bundestag] in Ulm und [dem Städtetag in] Speyer haben die Nürnberger Gesandten indessen die Beschwerden der Stadt dargelegt und darauf hingewiesen, daß die Nürnberger Kaufleute den Kupferkauf nicht finanzieren könnten. Sie haben in Anbetracht der derzeitigen Verhältnisse außerdem Bedenken, die Gesandten über das flache Land zu schicken. Statt dessen haben sie den kürzlich durch Kaspar Nützel mitgebrachten Speyrer Abschied [Nr. 895] ihren Kaufleuten und Bürgern Švorgetragen, um deren Meinung dazu anzuhören. Sie bitten ihn, das Fernbleiben der Nürnberger Gesandten gegenüber den übrigen Städten zu entschuldigen.

    Nürnberg, 3. Februar 1508 (pfinztag St. Blasius tag).
    Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 25, unfol. (Or.) = Textvorlage A.Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 60, fol. 242’ (Kop.) = B.

    « Nr. 897 Abschied der Schwäbischen Bundesstädte »

    [1.] Die Versammlung wurde wegen der vom Kg. geforderten Anleihe bei den Handelsgesellschaften in einigen Bundesstädten und des diesbezüglichen Vorschlags Pauls von Liechtenstein einberufen. Den anwesenden Vertretern der Gesellschaften wurden der Speyerer Städteabschied [Nr. 895] und ein Schreiben Nürnbergs [Nr. 896] vorgetragen. Die Gesandten der Städte haben den anwesenden Kaufleuten empfohlen, sich mit Liechtenstein nach ihren jeweiligen finanziellen Möglichkeiten über einen ausreichend abgesicherten Kaufhandel gemäß dem Speyerer Städteabschied zu verständigen, sofern sie sich nicht bereits mit dem Kg. geeinigt haben.1 
    ŠAuf Wunsch der Kaufleute wurde weiter bezüglich des Inhalts des von Liechtenstein vorgeschlagenen kgl. Reversbriefs beschlossen: Namlich, das die kgl. Mt. bekenn, als sy ain beger ains anlehens gegen etlichen gesellschaften der kaufleut furgenomen hab, der maynung, das ir solichs auf dem Reichs tag zu Costenz erkennt und alle gesellschaften der kaufleut in den stetten irer kgl. Mt. und dem Reich und nit denselben stetten zugehorig seyen, also auf gnugsam und gruntlich underrichtung, irer Mt. der sach halben beschehen, sey ir Mt. von solchem irem furnemen gnediglich gestanden und hab darauf denselben gesellschaften auf die kauf, die sy aus kaynerley gerechtigkait, sonder allain auß freyem willen zu furdrung irer Mt. romzugs mit irer Mt. getroffen haben, versprochen und die freyhait gegeben, das die gesellschaften der kaufleut noch ir nachkomen obgemelter oder dergleichen beger halben hinfuro in ewig zeit nit angezogen, sonder uberhebt und vertragen, auch solichs zu tun nit schuldig sein sollen in kain weg etc.2  
    [2. Verlängerung der durch den Konstanzer RT bewilligten Romzughilfe; Nr. 863].

    Ulm, 6. Februar 1508 (sontag nach unser Frauen tag liechtmess).
    Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. [4] Schwäbischer Bund (Jan.-Dez.), unfol. (Kop.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, H 53, Bü. 157 (Fasz. 47), unfol. (Kop., Exemplar der Stadt Heilbronn) = B. Darmstadt, StA, E 1 A, 17/4, fol. 275–275’ (Kop., Exemplar der Stadt Wimpfen). Stuttgart, HStA, J 9, Nr. 25, Stück-Nr. 42 (Kop., Exemplar der Stadt Ulm).

    « Nr. 898 Ausschreiben Dr. Matthäus Neitharts an die Schwäbischen Bundesstädte »

    Aufgrund des Beschlusses der in Ulm versammelten Bundesstädte wurde Paul von Liechtenstein um Anberaumung eines Treffens zu Verhandlungen zwischen ihm und den Gesellschaften [in Augsburg, Memmingen und Ravensburg] über seinen wegen der Anleihe in Augsburg gemachten Vorschlag gebeten. Liechtenstein benannte inzwischen gemäß beiliegender Abschrift einen Termin.1 

    [Ulm], 27. Februar 1508 (sonntags nach Mathie).
    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Or.) = Textvorlage A. Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. [4] 1508, Schwäbischer Bund (Jan.-Dez.), unfol. (Or. m. S.) = B.

    « Nr. 899 Bürgermeister und Rat der Stadt Augsburg an Bürgermeister und Rat der Stadt Memmingen »

    Der Hauptmann [Matthäus Neithart] hat mitgeteilt, daß Paul von Liechtenstein aufgrund des Schreibens der in Ulm versammelten Städte wegen der Handelsgesellschaften in ŠAugsburg, Memmingen und Ravensburg einen Tag auf den 16. März (donnerstag vor reminiscere) nach Bozen bzw. an dessen Aufenthaltsort an diesem Tag anberaumt habe. Sie haben gemäß Abschied den Ratsherrn Hans Baumgartner damit beauftragt, sich gemeinsam mit den Vertretern der Augsburger Kaufleute dorthin zu begeben. Baumgartner hat jedoch nachvollziehbare Einwände gegen seine Reise nach Bozen geltend gemacht. Sie konnten indessen Jakob Fugger gewinnen, die Kaufleute zu begleiten. Dieser kann jedoch wegen seiner Geschäfte erst am 17. März (freytag nach invocavit) in Innsbruck eintreffen, um von dort, falls sich Liechtenstein nicht ohnehin dort aufhält, nach Bozen weiterzureisen. Sie haben Liechtenstein darüber informiert. Teilen dies mit, damit sie sich mit der Abordnung der Vertreter ihrer Kaufleute danach richten könnten.

    Augsburg, 6. März 1508.
    Memmingen, StdA, A Bd. 292, unfol. (Or.).

    « Nr. 900  Ks. Maximilian an die Handelsgesellschaften in Augsburg »

    Er hat immer noch keine verbindliche Antwort auf seine Forderung nach einer Anleihe zur Finanzierung des Romzugs erhalten. Teilt ihnen mit, daß die Nürnberger Gesellschaften in die Anleihe eingewilligt haben. Befiehlt ihnen, ihre Entscheidung dem Überbringer des Schreibens in schriftlicher Form mitzugeben. Er zweifelt nicht daran, daß sie sich in seinem Sinne erklären werden. Ein gleichlautendes Schreiben geht an die Memminger Handelsgesellschaften aus.

    Augsburg, 12. März 1508.
    Augsburg, StdA, Lit. 1508, Fasz. [3] Stadt (Jan.-Dez.), unfol. (Or. m. S., Verm. amdcp., Gegenz. J. Renner).
    Druck: Simonsfeld , Fondaco I, Nr. 655, S. 361f.

    « Nr. 901 Reversbrief Ks. Maximilians über die Befreiung der Handelsgesellschaften von Reichsanleihen »

    Er, der erwählte röm. Ks., hat Bürgermeister und Räte der Städte Augsburg, Nürnberg, Memmingen und Ravensburg wegen der für den Romzug vorgesehenen Anleihe einiger Handelsgesellschaften geschrieben [Nr. 866a] und die Gesellschaften schließlich vor das kgl. Kammergericht zitiert [Nr. 884]. Indessen haben ihm die Gesellschaften freiwillig, ohne damit eine Rechtsgrundlage für diese Zahlung anzuerkennen, zinslose Darlehen gewährt. Er erklärt hiermit, daß für künftige, an Kaufleute und Gesellschaften gerichtete Bitten um Anleihen keine Rechtsgrundlage besteht, sondern solche Hilfen ggf. rein freiwilliger Natur sind. Überdies sagt er ihnen für seine Erblande freies Geleit zu. Erklärt den Vorbehalt der Rechte von Reichsoberhaupt und Reich.1

    Š s.l., jedoch wohl Augsburg, 24. März 1508. 
    Augsburg, StA, Rst. Memmingen Urk. 526 (von Bürgermeistern und Rat der Stadt Augsburg ausgestelltes Vidimus vom 29.7.1508, Or. Perg. m. S.) = Textvorlage A. Augsburg, StA, Rst. Augsburg Urk. 530 (Kop.) = B. Augsburg, StB , 2o Cod. Aug. 215, fol. 29–29’ (Abschr. 18. Jh.) = C. Innsbruck, TLA, Oberösterreichische Kammer-Kopialbücher, Bd. 39, fol. 87–87’ (undat. Kop.) = D.2
    Druck: Lünig , Reichsarchiv XIII (Part. Spec. Cont. IV, 1. Teil), Nr. XLII, S. 120 (Nachweis über Verm. cdcp.).

    «1.5. Leistung der Romzughilfe  »

    « Nr. 902 Beiträge der Reichsstände zur Romzughilfe 1  (Aktenreferat) »

    [1.] Kurfürsten; [2.] Geistliche Fürsten; [3.] Weltliche Fürsten; [4.] Reichsprälaten; [5.] Grafen, Freiherren und Herren; [6.] Frei- und Reichsstädte.

    10. August 1507–16. Oktober 1509.

    [1.] Brandenburg, Kf. Joachim: wahrscheinlich Finanzierung einer Reitertruppe im Umfang seines Anschlags für Reiter- und Fußtruppen, unter Verrechnung mit einem von Eitelwolf vom Stein angeführten Trupp. Die Zahlung der 2000 fl. Bargeldhilfe unterblieb wohl [Nrr. 775, 784, 842].
    Köln, Ebf. Hermann: Stellung von Truppen in unbekanntem Umfang2; möglicherweise Bezahlung der 2000 fl. Bargeldhilfe [Nr. 795, Pkt. 4].
    Mainz, Ebf. Jakob: Zahlung seines vollständigen Anteils an der Bargeldhilfe von 2000 fl. 3, Stellung des ihm auferlegten Kontingents von 60 Reitern und 67 Fußsoldaten für acht Monate (Eintreffen des Kontingents am Sammlungsort Konstanz am 17.10.).4
    ŠPfalz, Kf. Philipp: wahrscheinlich nichts.5
    Sachsen, Kf. Friedrich (mit Hg. Johann): Zahlung von 1500 fl. Bargeldhilfe, anderweitige Verrechnung der restlichen 500 fl. [Nr. 512]; Finanzierung von 60 Reitern für acht Monate.6
    ŠTrier, Ebf. Jakob: vollständig (Zahlung von 7208 fl. für 60 Reiter, 67 Fußsoldaten und den Anteil an der Bargeldhilfe).7
    [2.] Augsburg, Bf. Heinrich: Stellung des vollständigen Kontingens von 21 Reitern und 34 Fußsoldaten für acht Monate (Ankunft in Konstanz am 22.10.)8; wahrscheinlich Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 750 fl. [Nr. 755 (18.8.)].
    Bamberg, Bf. Georg: Stellung des vollständigen Kontingents von 36 Reitern und 35 Fußsoldaten für acht Monate9; Bezahlung der gesamten Bargeldhilfe von 1080 fl. [Nr. 728, fol. 137]).
    Basel, Bf. Christoph: Reiterkontingent in unbekanntem Umfang.10
    ŠBrandenburg, Bf. Hieronymus: nichts [Nr. 946, Anm. 3].
    Eichstätt, Bf. Gabriel: Stellung von 31 Reitern und 34 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 5.11.).11
    Freising, Bf. Philipp: Zahlung von 1900 fl. 12
    Genf, Bf. Philipp: nichts.13
    Havelberg, Bf. Johann: nichts [Nr. 946, Anm. 3].
    Hildesheim, Bf. Johannes: wahrscheinlich nichts [Nr. 847, Anm. 1].
    Lausanne, Bf. Aymon: nichts.14
    Lebus, Bf. Dietrich: nichts [Nr. 946, Anm. 3].
    Lüttich, Bf. Eberhard: wahrscheinlich nichts.15
    Magdeburg, Ebf. Ernst: vermutlich nichts.16
    Meißen, Bf. Johann: vermutlich vollständig, Auszahlung an Kf. Friedrich von Sachsen.17
    ŠMerseburg, Bf. Thilo: vermutliche Zahlung in unbekannter Höhe erst 1509.18
    Metz, Bf. Johann: nichts.19
    Münster, Bf. Konrad bzw. Bf. Erich: nichts [Nr. 795, Anm. 6].
    Naumburg, Bf. Johann: vermutlich vollständig, Auszahlung an Kf. Friedrich von Sachsen [s. Anm. 17].
    Osnabrück, Bf. Konrad bzw. Bf. Erich: nichts.20
    Passau, Bf. Wiguläus: wahrscheinlich nichts.21
    Salzburg, Ebf. Leonhard: Bezahlung der gesamten Bargeldhilfe von 1880 fl.rh. 22; Stellung des vollständigen Kontingents von 54 Reitern und 62 Fußsoldaten.23
    Speyer, Bf. Philipp: Bezahlung der gesamten Bargeldhilfe von 440 fl. [Nr. 763, Anm. 3], Stellung des vollständigen Kontingents von 18 Reitern und 15 Fußsoldaten für acht Monate (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).24
    ŠStraßburg, Bf. Wilhelm: unsicher.25
    Toul, Bf. Hugo: nichts.26
    Trient, Bf. Georg: vermutlich nichts.27
    Verdun, Bf. Warry: nichts.28
    Würzburg, Bf. Lorenz: Bezahlung der gesamten Bargeldhilfe von 1320 fl. 29; Stellung des vollständigen Kontingents (40 Pferde, 55 Fußsoldaten) für acht Monate (Ankunft der Truppen in Konstanz am 17.10.).30
    [3.] Anhalt, Ff.: Teilnahme F. Rudolfs als kgl. Oberbefehlshaber am Geldernkrieg.
    Bayern, Hg. Albrecht: wahrscheinlich nichts.31
    ŠBayern, Hg. Wolfgang: nichts.32
    Brandenburg-Ansbach, Mgf. Friedrich: Teilnahme Mgf. Friedrichs und Mgf. Kasimirs am Romzug bzw. am Krieg gegen Venedig mit dem vollständigen Kontingent gemäß Reichsanschlag (35 Reiter und 35 Fußsoldaten bzw. eine entsprechende Zahl von Reitern).33
    Braunschweig-Calenberg, Hg. Erich: persönliche Teilnahme am Romzug.34
    Henneberg-Römhild, Gf. Hermann: nichts.35
    Henneberg-Schleusingen, Gf. Wilhelm: Teilnahme am Romzug als Anführer des kursächsischen Kontingents.36
    Hessen, Lgf. Wilhelm: Stellung von Truppen in unbekanntem Umfang (möglicherweise 87 Reiter) für sechs Monate37; Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 2000 fl.rh. 38
    ŠJülich, Hg. Wilhelm: nichts.39
    Leuchtenberg, Lgf. Johann: Zahlung eines zur Finanzierung von 4 Reitern und 2 Fußsoldaten ausreichenden Beitrags an Mgf. Friedrich von Brandenburg [Nr.  769, Anm. 1].
    Mecklenburg, Hg. Heinrich: Teilnahme seines Bruders Hg. Albrecht am Romzug [Nr. 759, Anm. 7].
    Pommern, Hg. Bogislaw: unsicher.40
    Sachsen, Hg. Georg: Stellung des vollständigen Kontingents (40 Reiter, 45 Fußsoldaten) für acht Monate (Ankunft in Konstanz am 22.10.).41
    Württemberg, Hg. Ulrich: persönliche Teilnahme am Romzug mit einem Kontingent unbekannter Größe42; Bezahlung des gesamten Anteils von 2000 fl. an der Bargeldhilfe.43
    Š[4.] Bebenhausen: Exemtion durch Württemberg.44
    Berchtesgaden: wahrscheinlich nichts, eventuell Leistung eines Beitrags mit deutlicher Verzögerung.45
    Buchau: Stellung des vollständigen Kontingents von einem Reiter und drei Fußsoldaten.46
    Deutscher Orden: Bezahlung der gesamten Bargeldhilfe von 410 fl. sowie Stellung des vollständigen Kontingents von 18 Reitern und 14 Fußsoldaten durch den Deutschmeister Hartmann von Stockheim.47 Die Umsetzung von Beschlüssen des Deutschen Ordens in Livland über die Stellung eines Romzugskontingents ist unsicher.48
    Elchingen: Stellung des vollständigen Kontingents von 4 Reitern und 4 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).49
    Fulda: persönliche Teilnahme Abt Johanns am kgl. Romzug mit 20 Reitern50; Zahlung von 200 fl. Bargeldhilfe [Nr. 844, Pkt. 2].
    Gengenbach: vollständiger Beitrag oder adäquate Leistung.51
    ŠHersfeld: Stellung von 3 Reitern anstatt 2 Reitern und 3 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).52
    Irsee: Stellung des vollständigen Kontingents von 3 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).53
    Johanniterorden: wahrscheinlich nichts [Nr. 801, Pkt. 1].
    Kaisheim: wahrscheinlich nichts.54
    Kempten: Stellung des vollständigen Kontingents von 3 Reitern und 4 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).55
    Lindau: wahrscheinlich nichts.56
    Marchtal: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 100 fl.rh. 57; Stellung des vollständigen Kontingents von 3 Reitern und 4 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).58
    Maulbronn: Exemtion durch Württemberg.59
    Niedermünster/Regensburg: Auszahlung der Unterhaltskosten für 2 Reiter und 4 Fußsoldaten an Mgf. Friedrich von Brandenburg.60
    ŠObermünster/Regensburg: Zahlung von 100 fl. Bargeldhilfe.61
    Ochsenhausen: Stellung des vollständigen Kontingents von 2 Reitern und 4 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).62
    Quedlinburg: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 120 fl. 63 
    Roggenburg: Stellung des vollständigen Kontingents von 2 Reitern und 4 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).64
    Rot an der Rot: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 150 fl.rh. 65; Stellung des vollständigen Kontingents (4 Fußsoldaten) für mindestens sechs Monate (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).66
    Salem: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 410 fl.rh. 67; Stellung des vollständigen Kontingents von 6 Reitern und 13 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).68 
    St. Egidien/Nürnberg: nichts [Nr. 770, Pkt. 8].
    St. Emmeram/Regensburg: Zahlung von insgesamt 588 fl. [Nr. 769, Anm. 1].
    Schussenried: Stellung des vollständigen Kontingents von 2 Reitern und 4 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).69
    Weingarten: Stellung des vollständigen Kontingents von 3 Reitern und 4 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).70
    Weißenau: Stellung des vollständigen Kontingents von 3 Reitern und 4 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).71
    [5.] Barby, Gf. Jost von: Geldzahlung in Höhe seines Anschlags [Nr. 814, Anm. 1].
    Eberstein, Gf. Bernhard: Verrechnung von 176 fl. Kölner und Konstanzer Reichshilfe mit dem ihm schuldigen Kammergerichtssold.72
    Eppstein-Königstein, Gf. Eberhard: Stellung eines Kontingents für sechs Monate73 und Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 120 fl.rh. 74
    ŠFriedberg, Bgff.: nichts.75 
    Fürstenberg, Gf. Wolfgang: Stellung des vollständigen Kontingents von 9 Reitern und 12 Fußsoldaten.76 
    Haag, Sigmund von Fraunberg: möglicherweise Zahlung von 150 fl., Verrechnung seines restlichen Anteils mit anderen Leistungen für Kg. Maximilian [Nr. 790].
    Hanau-Lichtenberg, Gf. Philipp: Teilnahme seines Bruders Gf. Ludwig mit weiteren 8 Reitern (Anmeldung in Konstanz am 27.10.).77
    Hanau-Münzenberg, Gf. Reinhard: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 240 fl.; Stellung des vollständigen Kontingents von 13 Reitern und 8 Fußknechten.78
    Isenburg-Büdingen, Gf. Ludwig: Stellung eines Kontingents für sechs Monate oder Zahlung in entsprechender Höhe.79
    Isenburg-Grenzau, Gerlach, Salentin und Gf. Wilhelm: nichts.80 
    Mansfeld, Gf. Hoyer: persönliche Teilnahme am Italienzug.81
    Montfort, Gff. Ulrich, Haug und Johann: Zahlung von 100 fl. Bargeldhilfe durch Gf. Ulrich82; Stellung des vollständigen Kontingents von 6 Reitern und 9 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 5.11.).83
    ŠNassau-Saarbrücken, Gf. Johann Ludwig: wahrscheinlich Zahlung von 390 fl. 84 
    Nassau-Weilburg, Gf. Ludwig: Stellung eines Kontingents für sechs Monate oder entsprechende Geldzahlung.85 
    Nassau-Wiesbaden, Gf. Adolf: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 80 fl. 86 
    Nassau-Wiesbaden, Gf. Philipp: vermutlich Stellung des vollständigen Kontingents (3 Reiter, 3 Fußsoldaten) bzw. Zahlung einer entsprechenden Geldsumme sowie Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 120 fl. 87
    Oettingen, Gf. Joachim: vermutlich Leistung einer Geldzahlung für den vollständigen Anschlag [Nr. 843].
    Ostfriesland, Gf. Edzard: wahrscheinlich Stellung eines Truppenkontingents.88
    ŠRieneck, Gf. Reinhard: Stellung von 5 Reitern anstatt 3 Reitern und 3 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 21.11.).89
    Schwarzburg, Gf. Heinrich: Zahlung von mindestens 76 fl. 90
    Solms-Braunfels, Gf. Bernhard: Stellung eines Kontingents für sechs Monate oder Zahlung eines entsprechenden Betrags.91 
    Sonnenberg, Gf. Andreas: Stellung des vollständigen Kontingents von 9 Reitern und 12 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 22.10.).92
    Stolberg, Gff.: Beitrag in unbekannter Höhe.93 
    Waldburg, Truchsessen von: persönliche Teilnahme Johanns Truchseß von Waldburg mit dem vollständigen Kontingent von 4 Reitern und 6 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 6.11.).94
    Werdenberg, Gff.: Stellung des vollständigen Kontingents von 9 Reitern und 12 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 22. oder 30.10.).95
    Wertheim, Gf. Michael: Zahlung von 200 fl. 96
    [6.] Augsburg: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 1010 fl. 97; Stellung des vollständigen Kontingents (26 Reiter und 33 Fußsoldaten) für acht Monate (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).98 
    Biberach: Stellung von 30 Fußsoldaten (Ankunft in Konstanz am 22.10.)99 anstatt der veranschlagten 6 Reiter und 14 Fußsoldaten.
    ŠBopfingen: Leistung des vollständigen Beitrags durch Zahlung von 216 fl. 100 
    Cambrai: nichts.101 
    Danzig: nichts [Nr. 744, Anm. 8].102
    Donauwörth: Stellung des vollständigen Kontingents von 5 Reitern und 9 Fußsoldaten (Ankunft in Konstanz am 30.10.).103 
    Dortmund: wahrscheinlich nichts.104
    Elbing: nichts [Nr. 744, Anm. 8].
    Esslingen: Stellung des vollständigen Kontingents (11 Reiter und 17 Fußsoldaten) für acht Monate (Anmeldung in Konstanz am 25.10.).105 
    Frankfurt/Main: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 1040 fl. 106; Stellung des vollständigen Kontingents (21 Reiter und 34 Fußsoldaten mit drei Wägen) für acht Monate (Ankunft in Konstanz am 22.10.).107 
    Friedberg: nichts.108
    ŠGelnhausen: nichts [Nr. 744, Anm. 8].
    Giengen: Stellung des vollständigen Kontingents von 2 Reitern und 3 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 30.10.).109 
    Goslar: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 680 fl.rh. 110; Stellung des vollständigen Kontingents (10 Reiter und 23 Fußsoldaten) für acht Monate.111 
    Hagenau: Leistung der Bargeldhilfe und Finanzierung des vollständigen Kontingents (9 Reiter und 9 Fußsoldaten) für sechs Monate durch Zahlung von 1026 fl. 112
    Hamburg: nichts.113
    ŠHeilbronn: Stellung des vollständigen Kontingents (6 Reiter und 15 Fußsoldaten) für acht Monate (Ankunft in Konstanz am 22.10.)114; Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 460 fl. 115 
    Isny: Stellung von 2 Reitern und 9 Fußsoldaten anstatt 3 Reitern und 6 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 15.11.).116
    Kaufbeuren: Stellung von 3 Reitern und 20 Fußsoldaten anstatt 5 Reitern und 20 Fußsoldaten (Ankunft in Konstanz am 30.10.).117
    Kempten: Stellung des vollständigen Kontingents von 3 Reitern und 9 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 4.11.).118
    Köln: Verrechnung mit Schulden Kg. Maximilians [Nr. 991, Pkt. 2].
    Konstanz: nichts.119
    Lindau: Stellung des vollständigen Kontingents (6 Reiter und 18 Fußsoldaten) (Anmeldung in Konstanz am 17.10.).120 
    Lübeck: wahrscheinlich Leistung des vollständigen Anschlags durch Zahlung von 2140 fl. Bargeldhilfe und weiterer 3820 fl. für die Finanzierung von 70 Fußsoldaten auf sechs Monate.121 
    Memmingen: Stellung des vollständigen Kontingents von 11 Reitern und 17 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 6.11.)122; Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 510 fl. 123
    ŠMetz: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 1640 fl.rh. 124
    Mühlhausen/Thür.: Stellung des vollständigen Kontingents (26 Fußsoldaten) für acht Monate.125 
    Mülhausen/Elsaß: nichts.126 
    Nördlingen: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 510 fl. 127; Stellung des vollständigen Kontingents (11 Reiter und 17 Fußsoldaten) für acht Monate (Anmeldung in Konstanz am 26.10.).128 
    Nordhausen: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 410 fl.; Stellung des vollständigen Kontingents von 26 Fußsoldaten für acht Monate.129 
    ŠNürnberg: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 1760 fl. [Nr. 744, Anm. 3]; Stellung von 54 Reitern und 50 Fußsoldaten.130
    Ravensburg: Stellung eines Kontingents in unbekanntem Umfang.131 
    Regensburg: Leistung von zwei Dritteln des vollständigen Anschlags von 2442 fl. in bar [Nr. 745 mit Anm. 2].
    Reutlingen: nichts.132
    Rothenburg/Tauber: Zahlung eines zur Finanzierung des vollständigen Kontingents (10 Reiter und 23 Fußsoldaten) ausreichenden Beitrags an Mgf. Friedrich von Brandenburg [Nr. 831, Anm. 3]; Bezahlung von 680 fl. Bargeldhilfe.133
    Schwäbisch Gmünd: Stellung des vollständigen Kontingents von 6 Reitern und 11 Fußsoldaten (Anmeldung in Konstanz am 26.10.).134 
    Schwäbisch Hall: Stellung von 5 Reitern und 9 Fußknechten (Anmeldung in Konstanz am 7.11.).135 
    Schweinfurt: Stellung eines Kontingents in unbekanntem Umfang für acht Monate136; Bezahlung von 270 fl. Bargeldhilfe [Nr. 763, Anm. 1].
    ŠSpeyer: Stellung des vollständigen Kontingents (11 Reiter und 20 Fußknechte) für acht Monate (Ankündigung der bevorstehenden Ankunft in Engen am 21.10.).137
    St. Gallen: Zahlung von mindestens 530 fl. 138
    Straßburg: Zahlung von 1760 fl.rh. Bargeldhilfe139; Bereitstellung eines Geschützes namens der „junge Rohraffe“ samt Transportwagen sowie zweier weiterer Wägen mit 60 Steinkugeln in Verrechnung mit den Kosten für die Fußknechte140, dennoch Bezahlung der Unterhaltskosten für die gemäß Reichsanschlag zu stellenden 60 Fußknechte141, außerdem Finanzierung der gemäß Anschlag zu stellenden 41 Reiter für sechs Monate.142
    Toul: nichts.143 
    Überlingen: wahrscheinlich Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 600 fl. 144; Stellung des vollständigen Kontingents (11 Reiter, 20 Fußsoldaten) [Nr. 794].
    ŠUlm: wahrscheinlich Zahlung der gesamten Bargeldhilfe (1010 fl.)145; Stellung des vollständigen Kontingents (30 Reiter, 33 Fußsoldaten) für acht Monate (Anmeldung am 30.10.).146
    Verdun: nichts.147 
    Weil der Stadt: Stellung des vollständigen Kontingents (2 Reiter, 4 Fußsoldaten) für acht Monate (Anmeldung in Konstanz am 27.10.).148 
    Weißenburg/Franken: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 150 fl.; Auszahlung von [zwei Tranchen zu je] 168 fl. für den dreimonatigen Unterhalt des vollständigen Kontingents (4 Reiter, 4 Fußsoldaten), davon zumindest die erste Rate an Balthasar Wolf von Wolfsthal.149 
    Wetzlar: Finanzierung von 8 Fußknechten für acht Monate und wahrscheinlich Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 240 fl. 150
    ŠWimpfen: Stellung des vollständigen Kontingents (3 Reiter und 3 Fußsoldaten) (Anmeldung in Konstanz am 22.10.).151 
    Windsheim: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 270 fl. 152; Stellung eines Kontingents in unbekanntem Umfang.153
    Worms: Zahlung der gesamten Bargeldhilfe von 600 fl. 154; Stellung wahrscheinlich des vollständigen Kontingents (11 Reiter, 20 Fußsoldaten).155 

    «1.6. Verhandlungen mit den Eidgenossen über den Romzug »

    « Nr. 903 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Luzern »

    [1.] Vortrag des kgl. Gesandten Dr. Hans Schad wegen der Truppenbewilligung für den Romzug; [2.] Uneinigkeit unter den Eidgenossen über die Truppenbewilligung; [3.] Forderung der französischen Gesandten nach Wahrnehmung der Bündnispflicht seitens der Eidgenossen.

    Luzern, 26. Juli 1507 (mentag nach Jacobi). 
    Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 117–121 (Kop.) = Textvorlage A. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 162’-164 (Kop., Datumverm.) = B. Bern, StA, A IV 10, pag. 199–201 (Kop.).
    Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 282, S. 386–388.

    [1.] [...]. Der Gesandte des röm. Kg., Dr. Hans Schad, erklärte vor der Versammlung das Unterbleiben weiterer Schritte von kgl. Seite nach der von neun Orten auf der Tagsatzung zu Zürich erfolgten Bewilligung [von Söldnern für den Romzug; Nrr. 234/246] mit der ŠNotwendigkeit, zuerst eine Einigung unter den Reichsfürsten herbeizuführen. Da dies inzwischen geschehen sei, habe Zürich auf Wunsch des röm. Kg. einen Tag anberaumt; die Teilnehmer sollten sich am Abend des 8. August (sontag vor Laurentii) in ihren Herbergen in Zürich einfinden. Der kgl. Gesandte forderte die Eidgenossen auf, diesen Tag zu besuchen und einen Beschluß hinsichtlich der Bewilligung für den Romzug zu verabschieden; der röm. Kg. werde sich dann mit den Hauptleuten, Fähnrichen und Amtleuten einigen, damit der Zug vonstatten gehen könne.
    [2.] Unter den Eidgenossen wurde die Meinung vertreten, daß die Truppenbewilligung für den röm. Kg. falsch sei, da dieser Mailand einnehmen wolle.1 Es stehe zu befürchten, daß eidgenössische Knechte auf beiden Seiten stehen würden. Um Uneinigkeit unter den Eidgenossen zu verhindern und das Bündnis mit dem frz. Kg. zu halten, wurde beschlossen, am 6. August (freitag vor St. Lorenzen tag) einen Tag in Luzern abzuhalten, um sich zu verständigen, welche Haltung man im Interesse der Eidgenossenschaft in Zürich einnehmen soll. [...].
    [3.] Die französischen Gesandten bestanden auf der Wahrnehmung ihrer Bündnispflichten durch die Eidgenossen und auf der Stellung von Knechten im Verteidigungsfall, was bereits auf früheren Tagen erbeten wurde. [...].

    « Nr. 904 Ausschreiben Zürichs an die eidgenössischen Orte »

    Der röm. Kg. ließ durch seinen Gesandten Dr. Hans Schad mitteilen, daß er, nachdem ihm die Eidgenossen Knechte für seinen Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone zugesagt hätten, mit den Reichsständen darüber und über den Reichsanschlag beraten habe und man erst dieser Tage einig geworden sei. Die Angelegenheit erfordere weitere Verhandlungen und eine verbindliche Vereinbarung, damit die Truppenführer und andere Teilnehmer am Romzug Anweisungen für den Anmarsch und andere Einzelheiten hätten. Der Kg. ersuche sie, Bürgermeister und Rat der Stadt Zürich, deshalb, einen eidgenössischen Tag auszuschreiben.
    Bitten sie, ihre ausreichend bevollmächtigten Gesandten nach Zürich zu schicken. Diese sollen sich am Abend des 8. August (sontag vor St. Lorenzen tag) in ihren Herbergen einfinden. Der röm. Kg. wird ebenfalls Räte zu dieser Versammlung abordnen.1

    Zürich, 26. Juli 1507 (mentag nach St. Jacobs tag apostoli).
    Š Luzern, StA, AKT A 1 F 1, Schachtel 56, unfol. (Or.) = Textvorlage A. Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 131–132 (Or.) = B.

    « Nr. 905 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Luzern »

    [1.] Teilnehmer an der Tagsatzung; [2.] Haltung der Eidgenossenschaft gegenüber Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich.

    Luzern, 7. August 1507 (samstag vor Laurenty). 
    Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 141–142 (Kop., Datumverm.) = Textvorlage A. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 164–164’ (Kop., Datumverm., abweichende Reihenfolge) = B. Wien, HHStA, Schweiz, Kart. 2, Fasz. 2, fol. 122 (Kop., Datumverm.) = C. Bern, StA, A IV 10, pag. 206–207 (Kop., Datumverm.).
    Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 283, S. 388f.

    [1.] a Teilnehmer: Zürich: Bürgermeister [Matthias] Wyss, Konrad von Kusen; Bern: Hans Rudolf von Scharnachtal, Ritter, Venner Kaspar Wyler; Luzern: Schultheiß [Jakob] Bramberg, Schultheiß [Petermann] Feer, Ritter, Spitalmeister [Ludwig Küng], Peter Zukäs; Schwyz: Meinrad Stadler, Martin Gössi; Zug: Ammann [Werner] Steiner, [Heinrich] Oelegger; Unterwalden: Ammann [Peter] Wirz; Glarus: [Ulrich] Landolt; Basel: Bürgermeister [Peter] Offenburg; Fribourg: Schultheiß Franz Arsent, Ritter, Wilhelm Reiff; Solothurn: Schultheiß Niklaus Conrad, Altschultheiß Daniel Babenberg, Benedikt Hugi d. J.; Schaffhausen: Bürgermeister [Hans] Trüllerei, Bürgermeister [Konrad] Barter-a.
    [2.] [...]. Der Tag wurde wegen des Konflikts zwischen dem röm. Kg. und dem frz. Kg. anberaumt, deren Gesandte vor der Tagsatzung erschienen sind. b Die Gesandten des röm. Kg. forderten den Vollzug des Abschieds von Zürich [Nrr. 234/246]. Die französischen Gesandten bestanden auf der Einhaltung des bestehenden Bündnisses und der demgemäßen Leistung von Hilfe für den Fall eines Angriffes auf die Hmm. Mailand oder Burgund.
    Die neun Orte, die dem röm. Kg. die Stellung von Truppen für den Romzug bewilligt hatten [Nrr. 234/246], erklärten hierauf, daß ihnen gegenüber Mailand bislang nicht erwähnt worden sei, daß sie niemanden schädigen und insbesondere nicht gegen das Bündnis mit dem frz. Kg. verstoßen wollten.1 c Ihre Gesandten ersuchten die Vertreter der Šübrigen drei Orte2, nicht von dem nach Zürich anberaumten Tag fernzubleiben, sondern dort mitzuberaten, was dem Lob und der Ehre der Eidgenossenschaft diene-c. Es wurde beschlossen, daß jeder Ort den Zulauf seiner Knechte für die beiden Kgg. unterbinden solle, bis man sich über die Angelegenheit geeinigt habe–b.

    « Nr. 906 Auszug aus der Luzerner Bilder-Chronik Diebold Schillings »

    Aufzeichnung über den eidgenössischen Tag zu Luzern (5.-7. August).

    Druck: Schilling , Bilderchronik (Schmid), S. 368–372 = Textvorlage A. Ders. , Bilderchronik (Durrer/Hilber), S. 153f. = B.

    Wie ein tag in miner heren von Lucern statt uff anruͤffen der Frantzosen gesetzt ward, ein underred ze haben etc.

    Da aber Pyr Loyen und Rocka Martin1, ouch ettlich, die inen gunst truͦgend, beduͦcht, des Roͤmschen küngs sachen woͤlten fürbraͤchen und das die IX ort so treffelich daran warend, rittend sy gan Baͤrn und an andre end, spartend ouch kein costen, sy ze bitten, moͤcht es je nit anders sin, das man doch dem hertzogthuͦm Meyland on schaden zuge. Das tribend sy und machtend nuͦ sovil, das dennocht ein tag darumb ward angesetzt uff sant Oswaldentag [5.8.], zuͦ Lucern ze nacht an der herberg ze sin und sich deshalb zuͦ underreden, wie jederman die sach und des küngs anschlag zuͦ Costentz verstanden hat. Wann ein teil meint, man woͤlt mit gewalt durch das hertzogthuͦm ziehen; der ander meint aber, man soͤlte dem hertzogthuͦm on schaden ziehen und mit willen des küngs von Franckrich. Aber damit man alwegen by der warheit bestande, so ist war, der Roͤmsch küng hatt im willen, uff dem Romzug Meyland wider zuͦ des Richs handen und anders ouch mit inzenaͤmen, und dz selb den Eitgnossen geseit. Wann der küng Švon Franckerich hat sich verschriben, hertzog Philippen, des printzen saͤligen, sun [Hg. Karl] sin tochter [Claudia] und Meyland darzuͦ ze gaͤben2, und aber sin brieff und sigel nit gehalten, sundern einem andern [Hg. Franz von Orléans] die tochter vermaͤhelt. Und was aber die pen daruff, wa er das nit hielte, das nüt am lechen sin und er sin gelt solt haben umbsunst ußgaͤben, das aber ein stuck, so dem Roͤmschen küng vom küng von Franckerich ze leid was geschaͤhen. In dissen dingen wundert ouch vil lüten vast übel, warumb der Roͤmsch küng sin bottschafft nit ouch in der Eitgnosschaft oder uff obgestimpten tag verordnet haͤtte, darby man doch sin ernst mit dem Romzug moͤchte spüren und verstan. Und also ward dennocht sovil von der sach gerett und dem Roͤmschen küng sollichs kuntgetan, das er daruff verordnet mit gantzem vollem gewalt den bischoff von Wallis, heren Mathe, der damaln by im zuͦ Costentz und vast wol verdienet was, und inn gan Lucern uff sollichen tag schickt. Und wie gar vil lüten dazemal dem küng von Franckerich stimpten, so zoch man doch dem bischoff von Wallis in miner heren statt Lucern engegen und entpfiengend inn loblich in namen und alß des Roͤmschen küngs bottschafft. Hievor hatt man ouch gehoͤrt, wie der küng von Franckerich sich in disser sachen nüt vesters und allermeist clagt dem Roͤmschen küng zuͦ widerdrieß, wann dz er meint, der Roͤmsch küng woͤlt understan, das hertzogthuͦm Meyland inzenaͤmen, über das er im hunderttusend guldin umb das lehen hatt gaͤben etc. Wie aber demnach dem küng von Franckerich die sachen gevielend, wust der gemein man nit wann sovil, das er demnach sin treffelichen bottschafft gan Costentz schickt für die Roͤmsch künglich maiestat, und begaͤrt da das lehen ze bestaͤten, dem er aber vor nit genuͦg getan und sin verschribung nit gehalten hatt, wolt da dem Roͤmschen küng noch einest hunderttusend guldin han geben. Im ward aber von im dazemal kein antwurt.

    Wie Rocka Martin gan Lucern kam und man im so erlich engegen zoch, ouch wie der tag da ward geleistet.

    Glich nach dissen dingen am fritag vor sant Laurentzentag [6.8.] anno domini MCCCCC und VII, alß der bischoff von Wallis gan Lucern komen und man im erlichen gegengezogen was, kam Rocka Martin ouch dahin, dem vil me lüten dann dem bischoff engegenzoch; und beduͦcht min heren von Lucern, die sach woͤlte zuͦ argwaͤnig zuͦgan und me uß nid dann uß gunst. Darumb verbuttend min heren beiden partien, ruͦw ze haben, wann sy giengend einander in der statt ze tratz mit pfiffen und trummen umb, dz aber min heren lenger nit liden, sunder woltend vil geschreys und nachred absin. Sy liessend aber sunst jederman guͦt geselschafft haben und schluͦgend das nieman ab.
    Und also am samstag vor Laurency [7.8.] warend aller Eitgnossen botten zuͦ Lucern mit gantzem gewalt, da volkomen antwurt ze gaͤben, wie oder in welher gestalt man mit dem Roͤmschen küng gan Rom ziechenn woͤlte. Ure und Underwalden suͦchtend aber den tag nit. Und uff das was diß der andern siben orten antwurt, und sunderlich dero von Zürch, Bern, Friburg und Soloturn, dz sy nit anders mit dem Roͤmschen küng Šwoͤlten ziechen dann dem hertzogthuͦm Meyland oder dem küng von Franckerich on schaden. Ouch wolt Ure und Underwalden on alle fürwort ziehen und darumb kein tag me leisten. Desglich woltend ouch die andern ort ziehen, wie sy zuͦgeseit hatten und wa er hinzug. Doch ward mit ettlich orten gerett, die nüt mit der sach woltend ze schaffen han, das sy luͦgtend und inmassen die sach hindertend, wann sy woͤltend in kein krieg me mit dem Roͤmschen küng kommen noch des erwarten. Darnach soͤltend sy sich wüssen ze richten. Und also fuͦrend die botten gan Zürch, die sach ze beschliessen.
    Nuͦ was der bischoff von Wallis nit lenger dann vier tag zuͦ Lucern. Da kam im ein bott über den andern, ylendz heim ze komen, dann er wz by XIIII wochen ußgewaͤsen. Und besorgtend die Walliser, wa der Roͤmsch küng und die Eitgnossen nit eins, das denn sy darinn von Eitgnossen verachtett. Deshalb sy nit wol zefriden warend, und wurdent ze rat und angefochten, iren heren heim ze fordern. Und also fuͦr er schnell von Lucern. Daselbs ließ er etwz geltes ettlichen personen für ein erung, ze teilen von raͤten und hunderten. Wie aber sollichs geteilt oder ußgaͤben, kond nieman mercken anders, wann dz ein grosser unwill daruß ward. Und leitend die lüt erst den ungunst an den Roͤmschen küng, wie[wohl] er unschuldig, wann das, so man an in gefordert hat, wz geben, aber untrüwlich geteilt.
    Und uff dem tag Zürch hattend die Frantzosen ir pratick sollichermaß getriben, das die Eitgnossen kein vollkomne entlich antwurt me kondend geben, wann sy meinten, man haͤtte die sach anfenglich nit also verstanden. Und also leitend sy demnach über XIIII tag ein andern tag gan Zürch, da entlich antwurt ze geben.

    « Nr. 907 Profranzösisches Bedenken eines Anonymus zur Romzughilfe für Kg. Maximilian »

    Argumente für den Widerruf der auf dem Züricher Tag (Juni 1507) gemachten Zusage von Söldnern für den Romzug.

    s.l., s.d., jedoch vermutlich auf der Luzerner Tagsatzung (5.-7. August 1507) vorgelegt.1 
    Bern, StA, A IV 10, pag. 213–218 (Kop., Überschr.: Dis ist ein meynung und vergriff der artikeln, durch weliche die großmächtigen Hh., die Eydgnossen, sich tougentlich und erlich mit lob entschuldigen und abträten mögen von dem beschluß, ze Zürich uf gehaltnen tag des manetz Juny nächst verschinen, dem röm. Kg. lut ze geben zu sinen romzug, die ksl. kron zu erholen.) = Textvorlage A. Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, A,G 1,5, pag. 89–94 (Kop., Überschr. wie A) = B.
    Druck: Eidgenössische Abschiede  III/2, S. 392–394; Anshelm , Chronik III, S. 35–38.

    Š1. Der Abschied [zu Zürich; Nr. 234] beruht auf den Verhandlungen in Schaffhausen und Konstanz. Dort wurde in Gegenwart des röm. Kg. und durch ihn selbst erklärt, seine Absicht sei, die ihm zustehende Kaiserkrone zu erlangen. Wahr ist, daß die Eidgenossen inzwischen von einer anderen Zielsetzung des Zuges erfahren haben. Deshalb ist die aufgrund falscher Angaben auf dem Züricher Tag zustandegekommene Zusage nichtig.
    2. Der röm. Kg. sollte seinen vorgeblichen Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone mit friedlichen Mitteln durchführen. Statt dessen ist offenkundig, und die Eidgenossen haben davon zuverlässige Kenntnis, daß er sich mit einem merklichen zug und grosser macht als ein uberkomer der cristen ertrichs mit buchsen und geschütz, ouch andern schinbaren tiranischen kriegsrustongen, so wider die in befellen und ouch wider die er Gottes, sich erzöigt. Auch deshalb ist die Zusage berechtigterweise nichtig.
    3. Diese Zusage wurde zu Ehren des Reiches und zur Erlangung der Kaiserkrone gemacht, und nicht, um einem anderen Herrscher Schaden zuzufügen. Dies wäre für die Eidgenossen und für das Reich unehrenhaft und nachteilig und gilt es zu verhindern.
    4. Die Kaiserkrone wird verliehen als Gleichnis und zu Ehren der Krone Jesu Christi. Sie ist gesegnet gegen die Ungläubigen zum Wohl der Christenheit. Falls der röm. Kg. sie mit Christenblut befleckt, würde es als Verstoß gegen den christlichen Glauben der Eidgenossen angesehen, wenn sie ihn dabei begleiten. Deshalb ist die Zusage berechtigterweise zu widerrufen.
    5. Die Eidgenossen wissen, daß die Kss., insbesondere Ks. Friedrich (III.), aus gutem Grund darauf verzichtet haben, mit einem großen Truppenkontingent nach Rom zu ziehen, weshalb sie dies auch nicht unterstützen sollten. Dies wäre gegen ihre Ehre und die Ehre der ganzen Christenheit wie auch zum Nachteil des Reiches. Deshalb ist der Beschluß berechtigterweise zurückzuziehen.
    6. Der Papst wird die Kaiserkrone nur jemandem geben, der sie in Andacht und ohne Vergießen christlichen Blutes holt. Andernfalls wird er nicht auf den röm. Kg. warten, sondern sich in die Engelsburg zurückziehen. Dies wäre für die Christenheit schädlich und für alle, die den Kg. dabei begleiten, schändlich.
    7. Die Eidgenossen sind informiert, daß der röm. Kg. den Kg. von Frankreich, ihren Freund und Bundesgenossen, angreifen und das Hm. Mailand an sich bringen will. Würde die bewilligte Hilfe geleistet, verstieße dies als Bruch des Bündnisses gegen die Ehre der Eidgenossenschaft.
    8. Die Eidgenossen haben den Anspruch des frz. Kg. auf das Hm. Mailand anerkannt, ihm bei dessen Eroberung geholfen und sich verpflichtet, ihn ggf. bei dessen Verteidigung zu unterstützen.
    9. Man ist über das Angebot des frz. Kg. zu einem friedlichen Durchzug Kg. Maximilians durch das Hm. Mailand mit Verpflegung seines Gefolges und in allen Ehren, sofern dieser ohne Waffen kommt, unterrichtet. Der röm. Kg. benötigt also einen großen Heereszug und die Hilfe der Eidgenossen nicht für einen Zug nach Rom zur Erlangung der Kaiserkrone, sondern für einen Betrug, der die Ehre der Eidgenossenschaft befleckt, wenn sie ihm dabei hilft. Denn die Eidgenossen wissen, daß ein Krieg unvermeidlich ist, wenn der röm. Kg. mit Heeresmacht und mit ihrer Unterstützung seinen Zug unternimmt. Sie würden dadurch wortbrüchig. Denn sie kennen die bösen Absichten des röm. Kg.
    Š10. Die christlichen Eide sind das Fundament allen Friedens. Wenn sie nicht gehalten werden, sind kein Fürst und keine Obrigkeit mehr sicher. Da die Eidgenossen dem frz. Kg. einen christlichen Eid geschworen haben, müssen sie ihn auch halten.
    11. Die Eidgenossen haben ihre Eide anfangs alle fünf Jahre erneuert, und damit ihre Freundschaft, wodurch sie sich ihrer Feinde erwehren konnten. Aus dieser Treue und gegenseitigen Hilfe ist ein fruchtbarer Baum mit vielen Ästen und Früchten erwachsen. Entsprechend sollen die Eidgenossen auch den Vertrag mit dem frz. Kg. halten und nicht Brief und Siegel brechen. Für die Dauer des Bündnisses ist der frz. Kg. ein Mitglied der Eidgenossenschaft, der ihnen viel Gutes erwiesen hat und es von seiner Seite an nichts fehlen ließ. Also offenbar, wo die Hh. Eydgnossen dawider handleten, reichte zu ir kindz kinden schand und laster.
    12. Wenn der röm. Kg. den Eidgenossen so wohlgesonnen wäre, wie er behauptet, würde er sie nicht bedrängen, durch den Bruch des beschworenen Bündnisses mit Frankreich gegen ihre Ehre zu verstoßen. Sie würden für wortbrüchige Leute gehalten, denen weder er noch andere vertrauen könnten. Der frz. Kg. würde auf ewig ihr Feind, mit dem Ziel, die Eidgenossenschaft zu zerstören. In Anbetracht dieser Aspekte muß die in Zürich gemachte Zusage widerrufen werden.
    13. Dis obgenanten zwölf artikel sind gemacht und gesetzt in der er und figur der zwölf stucken cristenlichs globens, die da hand die zwölf boten zusamengefügt. Wie diese zum Seelenheil der Christen dienen, werden durch die obigen Artikel die Ehre und der gute Namen der Eidgenossen gefestigt. Er, der Verfasser, ruft Gott zum Zeugen, daß diese Artikel gegen niemandes Recht verstoßen, sondern allein der Wahrheit dienen.

    « Nr. 908 Instruktion Kg. Maximilians für Christoph Schenk von Limpurg (kgl. Rat, Schwäbischer Bundeshauptmann) als Gesandten zur eidgenössischen Tagsatzung in Zürich »

    Sie1 sollen den eidgenössischen Räten und Stadtboten mitteilen, daß wir inen auf den jungsten abschid, so wir, auch die Kff., Ff. und stende des Hl. Reichs zu Zurich mit inen aufgericht und gemacht haben [Nr. 246], denselben abschid also gefertigt hiemit zuschicken. Und wiewol wir genaigt gewesen weren, solchen abschid furderlicher zu fertigen und inen zuzuschicken, so het doch solchs uns und des Hl. Reichs merklichen sachen und gescheft halben, damit wir dise zeit beladen gewesen, auch der handlung halben umb die hilf bey des Reichs stende[n], die uns nu zumal trefflich und in guter anzal zugesagt sey, nit eer beschehen mugen. Und ob gemain Aidgnossen anfechten, das solher abschid von den stenden des Reichs auch besiglt sein, sollen inen die gemelten unser rete antwurten und anzaigen, das die gewonheit nit sey in dem Hl. Reich, das niemands von des Reichs wegen dann allein ein röm. Kg. in solchen und dergleichen sachen sigel. Dann sy selbs wissen, das die Ebff. von Menz, Coln und Trier, wiewol sy Kff. und in dreyen Kgrr. canzler seyen, so haben sy doch kein ander sigl dann aines röm. Kg.  
    ŠLaut Züricher Abschied sind bezüglich der Offiziere und anderer Doppelsöldner weitere Verhandlungen vorgesehen. Die Gesandten sollen seine Erwartung äußern, daß die Eidgenossen in diesem Punkt guten Willen zeigen.2 

    s.l., s.d., jedoch Konstanz, nach dem 26. Juli, vermutlich 8. August 1507.
    Wien, HHStA, Schweiz, Kart. 2, Fasz. 2, fol. 137–137’ (unvollständiges Konz.).

    « Nr. 909 Verschreibung Kg. Maximilians für Bf. Matthäus von Sitten und Georg auf der Flüe (Supersaxo) »

    Er hatte Bf. Matthäus von Sitten und Georg auf der Flüe befohlen, sich um Hilfe zu bemühen, damit er und die Söhne Hg. Ludovico Sforzas [Massimiliano und Francesco] wieder in das ihnen zustehende Hm. Mailand und die Gft. Pavia eingesetzt werden. Zu diesem Zweck wurden sie bevollmächtigt, den Eidgenossen insgesamt, aber auch einzelnen Orten oder Personen sowie anderen Kommunen oder Personen, die ihnen dafür geeignet scheinen, auf Lebenszeit Provisionen aus zu konfiszierenden mailändischen Gütern französischer Parteigänger im Gesamtwert von bis zu 310 000 fl.rh. zuzusagen, wie dies eine den beiden Gesandten ausgehändigte und von diesen jetzt zurückgegebene kgl. Urkunde [Nr. 52] besagt. Er hat sich gegenüber Bf. Matthäus und Flüe verpflichtet, ihre gemäß zweier vorgelegter Verzeichnisse, eines über die Provisionen, eines über die zu konfiszierenden Güter, gemachten Zusagen nach der Rückgewinnung des Hm. Mailand zu vollziehen. Doch sollen nur diejenigen Nutznießer bedacht werden, die die versprochene Hilfe auch tatsächlich geleistet haben.

    Konstanz, 8. August 1507.
    Wien, HHStA, Schweiz, Kart. 2, Fasz. 2, fol. 123–124’ (Konz. mit ex.-Verm., Kanzleiverm.: Symon1, schreib den brief von stund an auf pergamen und ubersich nichts. B.).
    Druck: Büchi , Korrespondenzen I, Nr. 96, S. 72–74.

    « Nr. 910 In Zürich versammelte eidgenössische neun Orte 1  an Luzern, Zug und Glarus »

    Erinnern daran, daß die neun Orte dem röm. Kg. gegen Bezahlung die Stellung von Söldnern für den Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone zugesagt haben. Sie sind jetzt hier versammelt, um diesbezüglich einen Beschluß zu fassen. Nun heißt es aber, daß die im Land befindlichen Franzosen versuchen, die eidgenössischen Knechte zum Ungehorsam gegen ihre Obrigkeiten zu bewegen und sie als Söldner für ihren Kg. zu gewinnen. Dies wäre der Eidgenossenschaft schmählich und würde ihr üble Nachrede eintragen. Auch hätte es langfristige Konsequenzen. Sie bitten sie nachdrücklich im Interesse des Wohles und der Ehre der Eidgenossenschaft, den Knechten unter Strafandrohung zu verbieten, daß sy sich wider uns, noch diesen erlichen zug und zu dem frankrichischen Kg. dheinswegs rusten Šnoch erheben. Sie werden ihnen den Abschied nach Abschluß des Tages eröffnen, in der Erwartung, daß sie sich ihnen in dieser Sache noch anschließen werden.

    Zürich, 12. August 1507 (donstag nach Larency).
    Zürich, StA, B IV 2, Stück-Nr. 42 (Konz.) = Textvorlage A. Luzern, StA, TG 114, unfol. (Or., Adressat: Schultheiß und Rat der Stadt Luzern) = B.
    Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, S. 392 (irrtümlich unter dem 14.8.1507).

    « Nr. 911 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Zürich »

    [1.] Teilnehmer an der Tagsatzung; [2.] eidgenössische Angelegenheiten; [3.] Verhandlungen mit Gesandten Kg. Maximilians über die eidgenössische Truppenbewilligung für den Romzug; [4.] Erneuerung des Verbots zur Anwerbung von eidgenössischen Söldnern gegenüber den Gesandten Kg. Ludwigs von Frankreich; Aufforderung an die Orte Luzern, Zug und Glarus zur Befolgung dieses Beschlusses.

    Zürich, 16. August 1507 (mentag nach Laurenti).
    Zürich, StA, B VIII 84, fol. 128–129, 196–196’, 201–201’ (Kop.) = Textvorlage A. Bern, StA, A IV 10, pag. 208–211 (Kop., nur Pkt. 3/4) = B. Luzern, StA, AKT A 1 F 1, Schachtel 53, Fasz. Maximilian I., unfol. (Kop., nur Pkt. 3/4) = [C]. Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 125f., 99–102 (Kop., nur Pkt. 3/4 und Teile von Pkt. 2) = [D]. Schaffhausen, StA, Tagsatzung 1507, unfol. (Kop., nur Pkt. 3/4). Bern, StA, A V 1430, Nr. 38 (Kop., nur Pkt. 3/4).
    Regest/Druck: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 284, S. 389–391.

    [1.] Teilnehmer: Zürich: Bürgermeister [Marx] Röist, Bürgermeister [Matthias] Wyss, Gerold Meyer von Knonau, Konrad von Kusen; Bern: Hans Rudolf von Scharnachtal, Ritter, Luzern: [nicht vertreten]; Uri: Vogt [Hans] Schüeli, Heinrich Göltschi; Schwyz: Meinrad Stadler, N. Marti; Unterwalden: Ammann [Andreas] zun Höfen, Ammann [Hans] Kretz; Zug: [nicht vertreten]; Glarus: [nicht vertreten]; Basel: Bürgermeister [Peter] Offenburg; Fribourg: Schultheiß Franz Arsent, Ritter, Niklaus Reiff; Solothurn: Schultheiß [Niklaus] Conrad, Benedikt Hugi d. J.; Schaffhausen: Bürgermeister [Hans] Trüllerei, Bürgermeister [Konrad] Barter.
    [2.] [...]. Felix Grebel bat um Einsetzung als Hauptmann des Kontingents des Rheintals für den Fall, daß der Romzug stattfindet. Die [Vertreter der Landvogtei Rheintal] widersprachen und machten geltend, daß sie über die Offiziers- und anderen Kriegsämter selbst zu bestimmen hätten. Es wurde beschlossen, daß sich die Orte bis zur nächsten Tagsatzung entscheiden sollen, ob die Vögte solche Ämter wahrnehmen dürfen oder sich mit der Verwaltung ihrer Vogtei begnügen sollen. [...]. Jeder Bote kennt die seltsamen Reden, die wegen der umherziehenden Knechte geführt werden. Es ist zu besorgen, daß sie aufgewiegelt und dem frz. Kg. zugeführt werden. Die Folgen kann jedermann abschätzen. Jeder Ort soll ernste Gegenmaßnahmen ergreifen. Luzern, Zug und Glarus werden schriftlich dazu aufgefordert [Nr. 910]. Die frz. Gesandten wurden ernstlich ermahnt, weder selbst noch durch Dritte eidgenössische Knechte anzuwerben.
    [3.] Die neun Orte Zürich, Bern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Basel, Fribourg, Solothurn und Schaffhausen haben dem röm. Kg. und den Ständen des Hl. Reichs 6000 Knechte für Šden Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone zugesagt. Dieser Tag wurde vom röm. Kg. angesetzt, um abschließend die Einzelheiten zu regeln. Vor der Versammlung erschienen als kgl. Gesandte Degen Fuchs von Fuchsberg (Hauptmann zu Kufstein), Hans von Reichenburg (Hauptmann zu Rann), Jakob von Landau (Landvogt in Schwaben, Hauptmann zu Cilli), Hans von Königsegg (Vogt zu Feldkirch) und Dr. Hans Schad mit kgl. Kredenzschreiben und erklärten, warum der Kg. sie bisher aufgehalten habe und daß [auf dem Konstanzer RT] erst kürzlich der Abschied zwischen Kg. und Reichsständen ergangen sei. Der Kg. habe sie auf der Grundlage der Abschiede von Schaffhausen [Nr. 217], Konstanz [Nr. 229] und Zürich [Nrr. 234/246], laut derer die Eidgenossen die Stellung von Truppen für den Romzug bewilligt hätten, abgefertigt, um verbindliche Vereinbarungen über den Zeitpunkt des Abmarsches, die militärischen Ämter und andere Punkte zu treffen und verabredungsgemäß die entsprechenden, von kgl. Seite bereits besiegelten Verträge und sonstigen Schriftstücke zur Gegensiegelung an die Eidgenossen zu übergeben.
    Die eidgenössischen Gesandten wiesen darauf hin, daß die von ihnen vertretenen Orte nach dem Züricher Tag erfahren hätten, daß der geplante kgl. Zug sich gegen den frz. Kg. richte, dem Mailand und andere Besitzungen abgenommen werden sollten. Der röm. Kg. und die Reichsstände hätten dies an den frz. Kg. geschrieben. Bei den Eidgenossen habe es bislang geheißen, der Zug gehe nach Rom zur Erlangung der Kaiserkrone. Etwas anderes müßten sie ablehnen. Die kgl. Gesandten wüßten, daß die Eidgenossen mit dem frz. Kg. verbündet seien und ihre Knechte nicht gegen diesen einsetzen könnten. Weder in Konstanz noch in Zürich sei ihnen zu verstehen gegeben worden, daß das Unternehmen gegen den frz. Kg. und Mailand gerichtet sei. Sie bäten um Aufschluß darüber. Erneuern im übrigen ihre Zusage, dem röm. Kg. beim Romzug zur Erlangung der Kaiserwürde zu helfen und ihm gegen diejenigen beizustehen, die ihn daran hindern wollten; doch dürfe sonst niemand dabei geschädigt werden.
    Die kgl. Gesandten kritisierten die für den Kg., die Reichsstände und sie selbst unerwartete Wendung. Sie seien auch nicht anders instruiert, als die Einzelheiten zu regeln und die besagten Schriftstücke auszutauschen. Im übrigen wollten sie ihnen gerne näheren Aufschluß geben, soweit sie selbst über die Angelegenheit informiert seien: Das were, das röm. kgl. Mt. were sunders willens nit anderst dann gen Rom, ksl. kron zu erlangen; da were von alter harkomen, das ein röm. Ks. die ysiny oder steheli kron empfinge zu Meiland und im die porten abgebrochen, och pass durch die land, spiß und alle notturft umb das gelt gegeben worden. Und, als sy in Lamparten wißden, wie von alter harkomen were, in in aller gepure als sin vorfarenden Kss. empfahen solten, ob er dahin keme.1 Oba nun Šim jeman das sperren, als zwar sy nieman wißden, der wider disen romzug und die ksl. kron sin wolte dann allein der frankrichisch Kg., der ruste sich och merklich, bräche oder schlisse etliche dorfer und machte dann etlich vestinen, versehe sich och mit volk und gezug, des er nit bedorfte, wo er wider sy nit sin wolte. Und das röm. kgl. Mt. also verdingt konde hininziehen, konde sy nit, sunder wurde er hininziehen unverdingt [und] fry und erwarten, wer dawider tun welt, darzu solten wir als glider und verwanten des Richs billich helfen, als och wir hievor zugesagt hetten. Und als angezogen wurd ein geschrift, so dem Franzosen zugeschickt sin solt, desselben hetten sy nit wissen, aber sy hetten umb erfarung desselben geworben. Was bericht inen deßhalb komen wurd, wölten sy uns nit verhalten. Nun furen die Franzosen allenthalb in unsern landen und saytind iren bosen somen under uns mit gelt ußgen und iren erdichten, erlognen, falschen worten, dadurch sy uns mechten bewegen, disem erlichen zug wider ze sind. Sy stunden och nit ab, hetten ir hoptlut gesetzt, die knecht ufzewiglen und hinzufuren, als sy och wißden, das sy yetz etlich gelt ußgegeben hetten. Darumb were ir beger von röm. kgl. Mt. wegen, wir wolten bi unserm vorigen zusagen on endrung bliben, deßglich die Franzosen hintryben und bi uns bestellen und verkomen, das das hinloufen uf die franzosischen siten wurd abgestelt zum hochsten.
    Die eidgenössischen Gesandten erneuerten bei den folgenden Verhandlungen ihre Hilfszusage, während die kgl. Vertreter noch einmal auf ihre Instruktion verwiesen. Die Eidgenossen beschlossen Berichterstattung an ihre Obrigkeiten. Um die Verhandlungen zum Abschluß zu bringen, wurde ein erneuter Tag nach Zürich anberaumt. Die Gesandten sollten sich am Abend des 30. August (mentag nach St. Bartholomeustag) in ihren Herbergen einfinden.
    [4.] Es ist och mit den Franzosen geredt zum treffenlichsten, das sy unser Eidgnosschaft knecht nit ufwiglen und hinfüren, och das nieman zu tun bevelhen und die unsern nit understanden, ungehorsam zu machen, wider disen zug und wider uns ze sind. Dann ob sy das täten, wurde es ein sach sin, so uns nit zu erdulden were und wider die kron Frankrich großlich sin mocht.
    Die Tagsatzung forderte die Orte Luzern, Zug und Glarus schriftlich auf, daß sy den iren nit wöllen gestatten, sonder bi dem höchsten verpieten an er, lib und gut, das sy wider disen erlichen zug noch zum frankrichischen Kg. nit ziehen [Nr. 910]. Wir Šhaben och in unser aller stetten und lendern berurter maß verpoten, und in etlichen orten under uns ist och das verschworen zu Gott und den heiligen.2  
    Es wurde beschlossen, daß jeder Ort in Anbetracht der Wichtigkeit der Angelegenheit zwei Gesandte zur nächsten Tagsatzung abfertigen soll.

    « Nr. 912  Kg. Maximilian an Schultheißen und Räte der eidgenössischen Orte »

    Gemäß dem Abschied der letzten Tagsatzung [Nr. 911, Pkt. 3] wurde seinen Gesandten auf den 30. August (montag nach St. Bartholmes tag) ein neuer Tag anberaumt. Er hatte die Absicht, daran teilzunehmen, war aber zum Zeitpunkt der Rückkehr seiner Räte bereits aus Konstanz abgereist und erhielt erst heute Kenntnis von diesem Beschluß. Da er den Abschied erwägen muß, er auch derzeit mit anderen wichtigen Angelegenheiten befaßt ist, die sich seiner Hoffnung nach auch günstig auf die Verhandlungen mit ihnen auswirken werden, und sich einige der vorgesehenen Gesandten derzeit wegen anderer Geschäfte nicht am Hof aufhalten, ist dieser Termin zu kurzfristig. Ersucht sie um dessen Verschiebung, bis er die bewußten Angelegenheiten erledigt hat, worüber er sie dann unverzüglich informieren wird. Sie sollen auch inzwischen dafür Sorge tragen, daß ihre Knechte sich nicht in fremde Dienste begeben.1

    Staufen/Allgäu, 19. August 1507.
    Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 135–136 (Or., Verm. amdrp.) = Textvorlage A.
    Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, S. 392.

    « Nr. 913 Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig  »

    [1.] Mitteilungen Matthäus Langs über den eidgenössischen Tag in Zürich; [2.] Gegner der Italienpläne Kg. Maximilians unter den eidgenössischen Orten.

    ŠAugsburg, 23. August 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 82’-83’ (ital. Kop.; Postverm.: Per cursorem Augustensem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 151’-152 (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.
    Referiert bei: Lutz , Querini, S. 208f. (irrtümlich datiert auf den 22.8.).

    [1.] Verweist auf seine Mitteilungen über Neuigkeiten aus der Schweiz vom 20. August [Nr. 911, Anm. 1]. Bf. Matthäus Lang von Gurk hat berichtet, daß der eidgenössische Tag in Zürich ohne Beschlußfassung zu Ende gegangen sei, weil Luzern mit Rücksicht auf das bestehende Bündnis keinen Krieg mit Frankreich wolle, sondern nur bereit sei, den röm. Kg. auf dem Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone zu begleiten und diejenigen zu bekämpfen, die ihn daran hindern wollten bzw. ihm den schuldigen Gehorsam verweigerten. Wegen der Unvereinbarkeit der Positionen hätten die Eidgenossen die Versammlung aufgehoben und einen neuen Tag nach Luzern anberaumt. Der röm. Kg. setze inzwischen die Vorbereitungen für seinen Romzug fort und sei sich sicher, daß die Eidgenossen eine Entscheidung gemäß seinen Wünschen treffen würden, um nicht das ganze Reich gegen sich aufzubringen, was ihnen auf dem Konstanzer RT angedroht worden sei. Der Kg. werde nicht abziehen, solange keine Entscheidung gefallen sei, sondern sich zwischen Innsbruck und Lindau aufhalten.
    [2.] Er mißt Lang keine hohe Glaubwürdigkeit zu, da dieser als Diener des röm Kg. nichts zu dessen Nachteil sagen wird. Er bemühte sich deshalb auf verschiedenen Wegen, über Kaufleute und unparteiische Personen, darunter Dr. Peutinger, einen durch seine Missionen im Auftrag des Kg. in den Schweizer Angelegenheiten erfahrenen Mann, um weitere Informationen: a - Demnach hatte Luzern in Wahrheit zu keinem Zeitpunkt die Absicht, sich dem Vertrag der übrigen Kantone mit dem röm. Kg. und dem Hl. Reich anzuschließen, worüber er bereits am 13. und 15. Juni [Nrr. 680, Pkt. 1; 681, Pkt. 1] berichtete. Gleichwohl habe die Hoffnung darauf bestanden. Nachdem nun die übrigen Orte sich bereit gemacht hätten, gegen den frz. Kg. zu ziehen, habe Luzern jedoch auf dessen Veranlassung begonnen, Zwietracht unter den Eidgenossen zu säen und den Zug gegen Mailand als grundlosen Bruch des bestehenden Bündnisses mit Frankreich und somit als ungerechtes und unehrenhaftes Unternehmen zu hintertreiben; man sei jedoch bereit, den röm. Kg. nach Rom zu begleiten, für ihn eine Route nach seinem Wunsch zu sichern und ihn gegen jedermann zu verteidigen. Mit dieser Argumentation rechtfertigten sie nicht nur ihre eigene Haltung, sondern gewannen mithilfe französischer Gelder drei andere Kantone für ihre Position. Die ohnehin Frankreich zuneigenden Kantone Zug (Zocho) und Solothurn (Sulturno) hätten bereits bei der Ratifikation des Vertrags mit dem Kg. Schwierigkeiten gemacht – worüber er am 12. Juni [Nr. 679, Pkt. 1] berichtete. Der dritte Kanton sei Fribourg. In jedem dieser Kantone erhielten führende Persönlichkeiten ständig Pensionen und Anweisungen aus Frankreich: in Luzern Petermann Feer und Bramberg, in Zug [Ammann Werner] Steiner1  (Amestaner), in Solothurn Niklaus Conrad, in Fribourg ŠPierre Tavernier2  (Pietro Mafrosini, cavalier) und der Sekretär Niklaus [Lombard]3. Diese besäßen in den Gemeinden großen Einfluß -a. Sie hätten es erreicht, daß der eidgenössische Tag ohne Beschlußfassung geendet habe, und – was noch wichtiger ist –, sie versuchten, das Gewicht ihrer Kantone einzusetzen, um den röm. Kg. zum Abschluß eines Vertrages mit Frankreich zu bewegen. Die Entscheidung ist – wie gesagt – auf einen weiteren Tag in Luzern verschoben, auf dem eine Einigung erzielt und der langjährige Bund der Eidgenossen bewahrt werden soll.4  
    [Verabschiedung von zwei Emissären Kg. Ferdinands von Aragon durch Kg. Maximilian; Unterbringung der am Hof Kg. Maximilians akkreditierten ausländischen Gesandten und der am Hof weilenden Italiener in Überlingen, des päpstlichen Legaten Costantino Arianiti in Kempten; Nachrichten vom Geldernkrieg].

    « Nr. 914 Auszug aus einem Bericht Dr. Erasmus Toplers an die Nürnberger Hh. Älteren »

    [Verhandlungen zwischen Kg. Maximilian und Kf. Philipp von der Pfalz; [Nr. 955]. Nürnberger Stadtsteuer, Reichsstatthalteramt1]. Die kgl. Mt. hat den Schweizer tag abgeschriben mit keiner benennung keines andern, und die Schweizer weren uns wider den Kg. von Frankreich und Mailand nit helfen. Darzu so greifen wir jeczund uberal das angelegt gelt an und weisen die schuldner darauf. Weiß ich nit, woe wir nachmals gelt nemen werden zu dem kriegen. Der Kg. ist von hinnen geschiden, und ist ein groß geschrai, das man die leut nit zalt. Hat verordent, das Sernteiner und die hofrete hie Šblieben sollen. Aber der Sernteiner ist am vordern tag weg, desgleichen der Olhaven, zeuhet euch zu. Dr. Haiden und ich werden noch hie 10 tag verziehen und nachmals zu kgl. Mt. verrucken. Dann kgl. Mt. hat uns in sunderheit befolhen, sie zu verwalten. Darumb durfen wir an beschaid nit verrucken. [...]2.

    Konstanz, 3. September 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, D-Laden-Akten, Nr. 219, Stück-Nr. 42 (eh. Or. m. S.).
    Druck: Gümbel , Berichte, Nr. 14, S. 299–305, hier 301.

    « Nr. 915 Zyprian von Serntein an N.N. »

    Er hat sein Schreiben erhalten und dem Kg. mitgeteilt, daß er an allen Orten, wo ihm dies geboten schien, angezeigt habe, daß die Verschiebung des Züricher Tages in kainem bosen und nit zu zerruttung der sachen erfolgt sei, sondern aus den durch ihn, Serntein, mitgeteilten Gründen. Der Kg. hat seine Zustimmung bekundet und ist nach wie vor der Absicht, in gemelten sachen noch furderlichen handln zu lassen. Dies soll er, wo es ihm gutdünkt, eröffnen.
    Auch seine Mitteilung über die schlechte Stimmung gegenüber den Franzosen in den Kantonen Uri, Schwyz und Unterwalden gefällt dem Kg. Dieser will darüber nachdenken und dann entsprechend vorgehen.1 Falls sich dagegen Widerstand auftut, will der Kg. sich Šnoch einmal darüber beraten und ihn, den Adressaten, einsetzen als jemanden, der den Leuten bisweilen unbequeme Wahrheiten eröffnet. Der Kg. war auch froh darüber, daß aus Zürich keine schlechten Nachrichten kamen, wie er in seinem Schreiben angezeigt hat. Das von neun Orten erlassene Verbot des Söldnerdienstes für Frankreich hat dem Kg. ebenfalls gefallen. Der Kg. meint, daß die Ostschweizer (vorlender) diesen Befehl erwirkt hätten.
    Was das Gerücht unter den teutschen Franzosen angeht, daß der Romzug aus Geldmangel nicht stattfinden könne, so hegt er selbst keine Zweifel, daß genügend Geld vorhanden sein wird. Wenn nicht der jüngste Züricher Abschied [Nr. 911] gewesen wäre, wäre die Angelegenheit sicherlich bereits beinahe abgeschlossen.
    Er hat aus seinem Schreiben vernommen, daz der rock und mantl2 noch zu Zurch ligt. Bin ich der hoffnung, der rock und mantel werde sich ainmal versaumen und die Franzosen kaum in hosen und wammes darvon komen. [...].
    Er hat auch mit dem Kg. über seinen Vorschlag gesprochen, wie die Franzosen durch Gesandte in der Eidgenossenschaft Geldzahlungen zu leisten. Der Kg. beabsichtigt, dies zu tun, um ebenfalls Unterstützer zu finden, sofern er feststellt, daß diese Investition ihm auch nützen wird. Er soll wie bisher das Beste tun und weiter Bericht erstatten. Der Kg. ist sich auch darüber im klaren, daß er ihn nur soweit einsetzen kann, das ir mit eren wol verantwurten mugt und euch wol gepurt. Schickt seinen Boten mit Zehrungsgeld zurück.

    Innsbruck, 11. September 1507 (sambstag nach nativitatis Marie).
    Wien, HHStA, Maximiliana 18 (alt 11), Konv. 1, fol. 92–93 (Konz. mit ex.-Verm.).

    « Nr. 916  Kg. Maximilian an die Eidgenossen »

    [1.] Aufforderung zur Einhaltung der auf dem Züricher Tag (Juni 1507) gegebenen Zusage bezüglich des Romzuges; [2.] Alternative der Neutralität unter Verbot des Kriegsdienstes gegen Kg. und Reich; [3.] Einberufung eines weiteren eidgenössischen Tages; [4.] Androhung von Konsequenzen im Falle der weiteren Unterstützung Frankreichs.

    Innsbruck, 13. September 1507.
    Luzern, StA, AKT A 1 F 1, Schachtel 53, Fasz. Maximilian I., unfol. (Or., Vermm. prps./amdrp., Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Schaffhausen, StA, Korrespondenzen 1501–1515, Stück-Nr. 42 (wie A) = B. Basel, StA, Deutschland B 2,III, fol. 123–123b (wie A). Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 163–167 (wie A). Zürich, StA, A 176.1, Stück-Nr. 42 (wie A; präs. 19.9.).
    Druck: Eidgenössische Abschiede  III/2, S. 398–400 (nach dem Solothurner Exemplar).

    Š[1.] Erinnert an die mit ihnen in Schaffhausen, Konstanz und Zürich geführten Verhandlungen der kgl. und reichsständischen Gesandten über ihre Hilfe für den Romzug, desweiteren an ihre in Zürich gemachten diesbezüglichen Zusagen und an den dort ergangenen Abschied [Nrr. 234/246], woraufhin er dann die Anberaumung eines Tages wünschte, um diesen Abschied zu vollziehen, sich mit den Hauptleuten und Offizieren über ihren Sold zu einigen und daraufhin unverzüglich loszuziehen. Er hat dies auch den Reichsständen mitgeteilt, die daraufhin eilends ihre Kontingente aufgestellt haben. Und als gemain Aidgnossen oder etlich aus inen auf demselben tag durch geswind, bös practiken und gelt der Franzosen, das sy dann allain darumb aussaen, damit sy widerwillen und unainigkait zwischen uns und euch machen, von irer antwurt und abschiden, auf vorigen tagen gefallen, und denselben ganz ungemaß und widerwertig antwurt geben, sy wellen uns unsern romzug helfen volbringen, aber gegen dem Kg. von Frankreich noch yemands anderm nichts handln oder furnemen, und darauf weiter tag auf montag nach Bartolomeus tag [30.8.] angesetzt [Nr. 911, Pkt. 3] , das uns merklichen befrembdet und beswart, aus den ursachen, daz sy selbs wol wissen, daz wir unsern durchzug durch Mailand, wie unser vorfaren getan, oder durch der Hft. Venedig lande nemen und tun muessen. Nu haben wir mit Frankreich in verschiner zeit vil friden, vertrag, ainung und handlung gehebt, die sy aber alwegen geprochen und uns und dem Hl. Reich kain trauen oder gelauben nie gehalten, sein auch fur und fur durch ir poß und untreu, geswind pratiken in strenger ubung, uns und gemain teutsche nation an disem erlichen und loblichen furnemen zu verhindern und dardurch irn gewalt und regierung, die sy bisheer in Italia gegen unsern und des Reichs verwandten tirannisch geubt, zu weitern und auszubreiten. Und auf das sy solhen iren willen volbringen und erlangen, so sparen sy kain gelt noch anders, damit sy die Aidgnossen oder etlich aus inen durch iren aigennutz und mit gelt bewegen, des Hl. Reichs und gemainer teutschen nation eer und wolfart zuruckzustellen.1 Deshalben uns in kainen weg gepuren will, unser vertrauen auf die Franzosen, ob sy uns gleichwol den pass zusagten, zu stellen oder anders dann mit heerscraft und geweltiglichen, wie ainem röm. Kg. gepurt, zu ziehen. Darumb wir auch den angesetzten tag zu besuchen nit not sein geacht und den also abgeschriben und verscheinen lassen [Nr. 912]. Und wiewol uns durch gemain Aidgnossen solh antwurt, wie obsteet, gegeben, so halten wir doch genzlich darfur, das solhs euer und euer gemain will und maynung nit sey, dieweil ir doch on mitel dem Hl. Reich zugetan und verwandt seyt, auch in allen euren pundnussen und vertragen, daryn ir mit Frankreich und andern steet, das Hl. Reich ausgenomen und vorbehalten habt. Demnach begern wir nochmals an euch mit ganzem fleiß und ernst, ir wellet solhs alles zu herzen fassen und bedenken und die ersten antwurt und abschid zu Zurch, daryn uns zu unserm Šromzug und wider meniglich hilf bewilligt ist, volziehen und volstrecken und uns das also zusagen und daryn niemands aussliessen, auch des yetzo genugsamlichen vergwissen, als wir uns des den phlichten nach, damit ir uns und dem Hl. Reich verwant seyt, zu euch genzlichen versehen.
    [2.] Wo ir aber solich hilf wider meniglich nit zusagen und beweisen woltet, alsdann so begern wir an euch, daz ir stillsitzen und kainer partey hilf oder zuschub tuet, auch euern knechten zu kainem Kg., F. oder H., auch in kain frombd land wider uns zu laufen gestattet und das auf das hochst verpietet und dermassen daryn handelt, dardurch wir abnemen mugen, das ir in gutem willen gegen uns und dem Hl. Reich verharren und unser, des Hl. Reichs und gemainer teutschen nation und euer selbs eer und wolfart mer und hoher dann ainen klainen aigennutz, so etlich der euern annemen, betrachten, daraus uns und euch, dem Hl. Reich, auch teutscher nation und gemainer cristenhait krieg, aufrurn und widerwertigkaiten erwachsen mochten.
    [3.] Und wo ir samenlich oder etlich aus euch, als wir uns genzlich zu euch vertrosten, solhe handlung verwilligen und den ersten oder andern artikl mit uns annemen, so wellet uns des zum furderlichisten durch eure poten auf unsern costen berichten und von stund tag ansetzen, den wir durch unser rate besuchen und aigentlichen und entlichen mit euch handeln und besliessen lassen wollen, damit zwischen unser zu baiden tailen gut ainigung und verstantnuß gemacht und aufgericht werd.
    [4.] Wo aber ir gemainiglich oder etlich in sonderhait solhs abslagen und in euer ungehorsam, des wir uns doch nit versehen, verharren, so wurden wir und das Hl. Reich, als ir selbs ermessen mugt, geursacht, gegen denselben als denen, so des Hl. Reichs lob und eer gern underdrucken wolten, dermassen furzunemen und zu handeln, dardurch solhs furkumen und gewendet, die ksl. cron und wurde bei teutscher nation behalten, auch den ungelaubigen und veinden der cristenhait widerstand und abbruch beschehen mug, das bisher allain durch die Franzosen und ir anhenger umb aigens nutzes willen verhindert worden ist. Er vertraut indessen darauf, daß sie sich entscheiden werden, wie es ihre Ehre und ihre Pflichten gegenüber dem Hl. Reich und der deutschen Nation erfordern.2 

    « Nr. 917 Ausschreiben der Stadt Zürich an die Orte Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Glarus, Basel, Fribourg, Solothurn und Schaffhausen »

    Am vergangenen Abend übergab ein berittener kgl. Bote ein Schreiben [Nr. 916], wie es laut dessen Auskunft auch allen übrigen eidgenössischen Orten zugestellt wurde und das vermutlich inzwischen bei ihnen eingegangen ist. [Zusammenfassung des Schreibens].
    Ihres Erachtens ist die Angelegenheit wichtig und duldet keinen Aufschub. Sie schreiben deshalb hiermit einen Tag nach Zürich aus. Die Gesandten sollen sich am Abend des Š29. September (St. Michels tag) in ihren Herbergen einfinden. Sie bitten, sich über diese wichtige Sache vorab zu besprechen und ihre Vertreter mit Vollmacht abzufertigen, um an den Beratungen im Interesse von Ruhe und Frieden und zum Wohl und zur Ehre der Eidgenossenschaft teilnehmen zu können.1 

    Zürich, 20. September 1507 (montags vor St. Mathestag apostoli et ewangeliste).
    Zürich, StA, B IV 2, Stück-Nr. 42 (Konz.) = Textvorlage A. Luzern, StA, TG 115, unfol. (Or.) = B. Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 137–139 (Or.) = C.
    Teilabdruck: Gagliardi , Anteil I, S. 683 Anm. 135 (Adressat: Bern).

    « Nr. 918 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Zürich »

    [1.] Teilnehmer; [2.] verbotene Anwerbung von Knechten für Frankreich; [3.] Truppenhilfe für den Romzug Kg. Maximilians.

    Zürich, 30. September 1507 (dornstags nach St. Michelstag). 
    Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 143–148 (Kop., Datumverm.) = B. Zürich, StA, B VIII 84, fol. 202–205’ (Reinkonz./Kop., Datumverm.) = C. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 178’-182, 182–187’ (Kop., Datumverm.). Bern, StA, A IV 10, pag. 228–233 (Kop., Datumverm.). Luzern, StA, TA 4, fol. 295–298 (Kop., Datumverm.). Schaffhausen, StA, Tagsatzung 1507, unfol. (verletzte Kop.).
    (Differenzierteres) Regest/Druck: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 287, S. 396–398 = Textvorlage A.

    [1.] Teilnehmer: Zürich: Bürgermeister [Marx] Röist, Bürgermeister [Matthias] Wyss, Gerold Meyer [von Knonau], Jakob Hegnauer; Bern: Dr. Thüring Fricker, Venner Kaspar Wyler; Luzern: Ulrich1 Küng; Uri: [Hans] Schüeli, Vogt Heinrich Göltschi; Schwyz: Ammann [Hans] Wagner; Obwalden: Ammann [Peter] Wirz; Nidwalden: [nicht vertreten]; Zug: [Ulrich] Amrein; Glarus: Ulrich Landolt; Basel: Bürgermeister [Wilhelm] Zeigler, Venner [Walter] Harnescher; Fribourg: Seckelmeister Niklaus Reiff; Solothurn: Schultheiß [Niklaus] Conrad; Schaffhausen: Bürgermeister [Hans] Trüllerei; Abt von St. Gallen: Landvogt [Johann] Schenkli; Stadt St. Gallen: Bürgermeister [Hans] Ab der Rüti, Stadtschreiber2; Appenzell: Othmar Ronder.
    Š[2.] [...]. a Der Landvogt im Thurgau [Melchior zur Gilgen] berichtete, daß eine Person aus Mailand Knechte anwerbe. Trotz des Verbots seien einige Knechte nach Mailand gezogen. Dem Landvogt wurde geschrieben, er solle abermals nachdrücklich verbieten, sich ohne Wissen und Willen der Eidgenossen in fremde Dienste zu begeben. Er solle auf die Aufwiegler achtgeben und diejenigen Knechte, die Geld angenommen hätten oder im Begriff stünden auszuziehen, gefangensetzen. An andere Vögte erging ein entsprechender Befehl. Die französischen Gesandten zum Luzerner Tag sollen nachdrücklich an das Werbungsverbot erinnert werden. Verstöße dagegen würden an ihrem Leib und Gut gestraft-a. [...].
    [3.] Der röm. Kg. hat die zwölf eidgenössischen Orte schriftlich aufgefordert [Nr. 916], die von den neun Orten Zürich, Bern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Basel, Fribourg, Solothurn und Schaffhausen auf dem Züricher Tag bewilligte Truppenhilfe für den Romzug zu leisten oder wenigstens keinen Kriegsdienst für den frz. Kg. oder einen seiner anderen Feinde zu erlauben und sich diesbezüglich verbindlich zu erklären.
    Bei den Beratungen kamen widersprüchliche Auffassungen zutage: Einige Orte vertraten die Meinung, daß man, wie im kgl. Schreiben gewünscht, stillsitzen und weder den röm. noch den frz. Kg. unterstützen solle.3 Einige Orte waren der Auffassung, daß man den Romzug gemäß dem Züricher Abschied unterstützen und dem röm. Kg. die Zusage durch Gesandte erläutern solle; man sei der Hoffnung, daß der Kg. sich damit begnügen und die Eidgenossen in dieser Angelegenheit nicht weiter behelligen werde.4 Die französischen Gesandten sollten ausgewiesen werden. Einige Gesandten bekundeten dabei, daß ihre Orte dem röm. Kg. die in Zürich gegebene Zusage halten wollten. Eine dritte Gruppe von Gesandten erklärte, daß sie lediglich auf Anhören und Hintersichbringen bevollmächtigt seien, angesechen, dz ir Hh. und obern vormals nützit zugesagt und geantwurt habent, das inen het gefallen, by unser nechsten verkomnuß, der pensionen und kriegsloufenden knechten halb ufgericht5, ze bliben und in craft derselben aller Ff. und Hh. müssig ze gand. 
    Und nach enteckung eines jeden bevelch durch uns boten vilerley meinungen angezöigt sind und besonder treffenlich davon geredt ist, wo wir dem röm. Kg. zusagen sölten, stillzusitzen, dz dagegen swer und gar nach unmüglich sige, unser knecht daheim zu behalten; wenn sy sich dann erheben und dem Kg. von Frankrich zuziechend, das wir on alles mittel gegen dem röm. Kg. den krieg an der hand habent und zudem uns eben verachtlich sye, das wir unserm vorigen zusag, den romzug nach lut des nechsten abscheids hie [zu] Zürich [Nr. 911, Pkt. 3]  helfen zu volstrecken, abzutreten und davon zu fallen. Ist zuletst under uns boten mitsampt unsers gn. H. von St. Gallen, ouch unser getrüwen, lb. Eidgnossen der statt St. Gallen und des lands von Appenzell botschaften, die zu disem handel ouch beschriben sind, gemeret, dis meinung an die hand zu nemen und uf gefallen unser aller Hh. und obern davon zu reden: Also, diewil Šder fürgenomen romzug ein erlich, götlich fürnemen und dagegen der zusag, so wir nün ort obgemelt röm. kgl. Mt. getan habent, namlich dz wir ir den romzug wellent helfen volbringen und doch weder dem Kg. von Frankrich noch jemands anderm dz sin innemen, ob aber jemands die röm. kgl. Mt. daran irren und verhindern wölte, das wir dero wider den und dieselben mit unserm lib und gut hilf und bestand tun wölten nach aller billicheit, wie dann derselb nechst abscheid dz in buchstaben inhalt, ouch erlich und gnugsam und wol ze hoffen sye, wo der röm. kgl. Mt. dz also were erscheint, dz die daran gut benügen gehept und ir obangezöigt so dapfer schicken erspart het, das wir dann nochmals bi demselben unserm zusag und nechsten abscheid bliben und die röm. kgl. Mt. durch unser treffenlich botschaft denselben unsern zusag und abscheid muntlich fürbringen und erlütern söllen, in hoffnung, wenn dz beschehe, die kgl. Mt. werd des benügen und gegen uns wol zufriden sin.
    So werden ouch in mittlerzit etlich Ff. und Hh. zuriten. Dieselben bericht man des ouch, der zuversicht, dz dieselben daran ouch benügen haben und nit geneigt sin werden, uns darüber zu bekriegen. Wölt aber die kgl. Mt. oder einig F. des Richs an obangezöigter unserer zusag und erlichem erpieten nit benügen, das man dann den handel, und wie und was wir zugesagt habend, den stenden des Richs, desglichen den richstetten besonders ouch erlütre und zuschribe, guter zuversicht, wenn dz bescheche, es werde sich endern und niemands geneigt sin, uns wider das anzufechten und trengen ze tunde, dz unsern eren abbrüchig und nit gemäß syg, uns daruf zu erwarten, was uns harwiderumb zu antwurt begegne.
    Und als offenlich am tag lit, dz die französischen boten mit irem umbriten und geltußgeben in jungen und alten in unser Eidgnosschaft anders nüts dann alle widerwertikeit und ungehorsami stiftent und, wiewol sy des nit wort haben wellend, in geswindikeit und betrugenlich praticierent, unser knecht zu bewegen, zu irem Kg. zu ziechen, dz da deßhalb ouch geratschlaget, damit unser knecht enthalten und die gemelten französischen boten uß unsern landen zu irem Kg. gevertiget werden.
    Da die Angelegenheit eilt, wird ein weiterer Tag nach Zürich anberaumt. Die Gesandten sollen sich am 12. Oktober (zinstag vor St. Gallentag) in ihren Herbergen einfinden. Jeder Gesandte soll zu Hause über diesen Tag Bericht erstatten und sich um eine Entscheidung seines Ortes bemühen, damit auf der nächsten Versammlung ein einhelliger Beschluß herbeigeführt werden kann.
    An den röm. Kg. wurde geschrieben, daß auf diesem Tag wegen der unvereinbaren Instruktionen für die Gesandten6 kein einhelliger Beschluß möglich gewesen, jedoch ein weiterer Tag anberaumt worden sei, um zu einer verbindlichen Entscheidung zu gelangen.
    ŠDie Gesandten aus Luzern, Zug und Glarus wurden ersucht, über die Angelegenheit zu Hause zu berichten und dafür einzutreten, daß diese drei Orte sich nicht von den übrigen absondern, sondern ebenfalls an der nächsten Versammlung teilnehmen.7 

    « Nr. 919 Abschied der drei in Altdorf versammelten Orte [Uri, Schwyz und Unterwalden]  »

    Die Abgeordneten sollen ihre Obrigkeiten über die Forderung der Gesandten des röm. Kg. informieren, die Gemeinden der drei Orte zu versammeln, um dessen Ansinnen vortragen zu können. Die Beschlüsse darüber sollen den kgl. Gesandten auf einer weiteren Tagsatzung mitgeteilt werden. Über die beträchtliche Zahl kgl. Truppen im Veltlin soll an die Magistrate berichtet werden, damit die Schlösser in Bellinzona (Bellenz) ausreichend gesichert werden. [...].

    Altdorf, 30. September 1507. 
    Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 288, S. 400, Pkt. a/b.

    « Nr. 920 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Luzern »

    [1.] Vortrag der französischen Gesandten; [2.] Umsetzung des Anwerbungsverbots für eidgenössische Söldner; [3.] Prüfung des französischen Bündnisvertrages von 1499.

    Luzern, 4. Oktober 1507 (Francisci). 
    Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 173–179 (Kop., Datumverm.) = B. Zürich, StA, B VIII 84, fol. 208–211 (Kop., Datumverm.). Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 166–168’ (Kop., Datumverm.). Bern, StA, A IV 10, pag. 234–239 (Kop., Datumverm.).
    (Differenzierteres) Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 289, S. 401f. = Textvorlage A.

    Š[1.] Vor der auf Ersuchen des frz. Kg. einberufenen Versammlung1 traten dessen Gesandte, Bf. Pierre Louis von Rieux, Philippe de Roquebertin (Statthalter von Piacenza) und der kgl. Sekretär Wilhelm de la Marche, auf. Im Namen ihres Kg. dankten sie den Eidgenossen als seinen guten Freunden und Bundesgenossen für ihre Standhaftigkeit gegenüber den Forderungen und Drohungen des röm. Kg., der sie unter Mißachtung des göttlichen Rechts wie auch geltender Bündnisse und Verträge dazu habe bewegen wollen, dem frz. Kg. Mailand wegzunehmen. Ferner danke dieser für die freundlichen Antworten, die er auf den Tagen zu Luzern am 6. August [Nr. 905, Pkt. 2] und zu Zürich am 8. [!] August [Nr. 911, Pkt. 4] wie auch von einzelnen Orten erhalten habe. Ihm sei auch bekannt, daß dem röm. Kg. im gleichen Sinne geantwortet worden sei. Dafür müßte dieser die Eidgenossen als Männer loben, die ihrer Pflicht und Ehre gefolgt seien. Der Kg. habe außerdem erfahren, daß infolge der Intrigen des röm. Kg. Uneinigkeit unter den Eidgenossen entstanden sei, so daß eine Partei die französische, die andere die röm. kgl. genannt werde. Dies sei ein großes Übel für die Eidgenossen. Auch in seinem Königreich sei aus solcher Parteienbildung mehrmals große Unruhe entstanden. Dem müsse man von Anfang an wehren. Diese Intrigen seien nicht von ihm ausgegangen. Er habe sie lediglich ersucht, gegenseitig Treue und Glauben zu halten, damit ihre Freundschaft und ihr Bündnis zu beiderseitigem Nutzen fortbestünden. Es werde geredet, er halte die eidgenössischen Knechte nur zu seinem Vorteil; solange er diese nicht brauche, achte er die Eidgenossen gering; auch sei eine nur 10-jährige Einung eine ungewisse Sache. Um solche Äußerungen zu widerlegen, hätten die Gesandten Befehl, den Eidgenossen eine Verlängerung des Bündnisses um weitere zehn Jahre, auf seine Lebenszeit oder sogar bis zu zwei Jahre darüber hinaus anzubieten. Er habe weiter erfahren, daß der röm. Kg. ihnen mit Krieg gedroht habe, falls sie ihm nicht Folge leisten würden. Der röm. Kg. kenne die Macht der Eidgenossen wohl, so daß er sich solche Drohungen hätte sparen können. Falls dieser aber seine Drohung realisiere, werde er ihnen in einer Weise zu Hilfe kommen, daß sie den Nutzen ihres Bündnisses erkennten und weder den röm. Kg. noch einen anderen Fürsten auf der Welt zu fürchten brauchten.
    Die französischen Gesandten baten, über ihren Vortrag zu Hause zu berichten und auf einem weiteren Tag Antwort zu geben. Anschließend rechtfertigten sie ihren Kg. gegenüber dem Vorwurf, das französische Geld für die Eidgenossen richte sich gegen den röm. Kg. Der frz. Kg. sei dazu berechtigt, seinen Freunden und Verbündeten Geld zu geben, wie dies auch seine Amtsvorgänger getan hätten. Das Geld könne ohne Verletzung von Ehre und Gewissen genommen werden. Dies richte sich gegen niemanden, sondern diene allein dem Zweck, die guten Beziehungen zu pflegen, damit die Eidgenossen bei den geschlossenen Verträgen blieben. Das Geld des röm. Kg. hingegen solle die Eidgenossen zur Verletzung von Brief und Siegel bewegen und tangiere somit ihr eigenes Wohl und ihre Ehre. Auf ihr gleich zu ihrer Ankunft in der Eidgenossenschaft vorgebrachtes Ersuchen in den einzelnen Orten um die vertragsgemäße Leistung von Hilfe, die sich infolge der Drohungen und Rüstungen des röm. Kg. schon über sechs Monate verzögert habe, hätten die Eidgenossen geantwortet, daß sie Šdie Verträge einhalten würden. Der frz. Kg. erwarte deshalb, daß sie zustimmten, wenn er den Bündnisfall geltend machen würde. Die Gesandten verteidigten ihren Kg. außerdem gegen den Vorwurf des röm. Kg., er sei ein Tyrann und wolle die Eidgenossen mit dem Reich entzweien. [...]. Den französischen Gesandten wurde zur Beantwortung ihres Anliegens ein weiterer Tag nach Luzern für den 6. Januar 1508 (hl. drei Kgg. tag) angesetzt.2
    [2.] Mit den französischen Gesandten wurde gemäß dem Züricher Abschied [Nr. 918, Pkt. 2] über das Verbot der Aufwiegelung eidgenössischer Knechte gesprochen. In gleicher Weise soll mit den Emissären des röm. Kg. gesprochen werden, die versuchen, in der Eidgenossenschaft Knechte anzuwerben.3 
    [3.] Da behauptet wurde, das Bündnis mit Frankreich sei bereits ausgelaufen, wurde die in Luzern aufbewahrte Originalurkunde geprüft und festgestellt, daß sie vom 6. Mai 1499 datiert.4 [...].

    « Nr. 921 Auszug aus der Luzerner Bilder-Chronik Diebold Schillings »

    [1.] Verhandlungen von Gesandten Kg. Maximilians mit Uri, Schwyz und Unterwalden; [2.] deren Haltung zum geplanten Romzug.

    Druck: Schilling , Bilderchronik (Schmid), S. 377f. = Textvorlage A; ders. , Bilderchronik (Durrer/Hilber), S. 156f. = B.

    Š[1.] Die in Zürich versammelten eidgenössischen Gesandten zogen zur auf Antrag der Franzosen zum 4. Oktober (sant Franciscentag) einberufenen Tagsatzung nach Luzern weiter. Unterdessen ersuchten Gerolamo Landriani (der general), [Hans] Schad, [Kaspar] von Maltitz und Hans von Königsegg in Uri, Schwyz und Unterwalden um die Erlaubnis für Kg. Maximilian, in Bellinzona (Bellentz) Geschütze gießen zu dürfen. Eine Versammlung dieser drei Orte in Beckenried sagte den Gesandten zu, wz sy der künglichen maiestat anfenglich haͤttend verheissen, weltend sy halten, aber kein büchsen ze Bellentz lassen giessen, mengerley ursachen des küngs von Franckerichs, der jetz zemal ir nachpur und mit inen in vereinung, die noch nit uß waͤre, ouch ander sachen halben. Daruff die botten wider zuͦ iren heren, dem Romschen küng, und froͤlich heimfuͦrend. Nidwalden hatte zuvor bereits beschlossen, beider küngen muͤssig ze gan.
    [2.] Aber uff disse antwurt versamletend sy ein vast treffeliche gemeind uff sondag vor sant Gallentag [10.10.] und fiengend an ratschlagen von dissem Romzug und ze sagen, wie sy in iren kronicken und fryheiten fundend, das die drig Waltstett, ouch die von Hasle vor alten zitten das heilig Roͤmsch rich hattend gehanthabet und einem keisser geholffen gan Rom ziehen, damit er kroͤnt wurd; dardurch sy dann ouch von ir manlichen taten waͤgen im die waͤlschen land undertaͤnig gemachet und vil ir fryheiten an dem end erlanget, und sunderlich, das sy in iren panern offelich in das vaͤld doͤrfttend das liden Cristi fuͤren, und der goͤtlichen ordnung alß guͦt Cristen waͤrend bygestanden. Und uff sollichs ward einhellenclich das mer, dem Roͤmschen küng Maximiliano den zug gan Rom haͤlffen ze tuͦn und von irem ersten zuͦsagen nit ze vallen, sunder den erlich zuͦ volbringen.

    « Nr. 922 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Zürich »

    [1.] Teilnehmerliste; [2.] Beteiligung am Romzug Kg. Maximilians; [3.] Maßnahmen gegen das Reislaufen; [4.] Konflikt wegen des Schlosses Joux; [5.] Maßnahmen gegen französische Werber, Ausweisung der französischen Gesandtschaft.

    Zürich, nach dem 13. Oktober 1507 (angefangen mitwoch vor Galli). 
    Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 169–172 (Kop., Datumverm.) = B. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 169’-171 (Kop., Datumverm.). Bern, StA, A IV 10, pag. 240–250 (Kop., Datumverm.). Luzern, StA, TA 4, fol. 300–301 (Kop., Datumverm.). Schaffhausen, StA, Tagsatzung 1507, unfol. (verletzte Kop.). Zürich, StA, B VIII 84, fol. 212–214’ (Kop.).
    Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 290, S. 403f. = Textvorlage A.

    [1.] Teilnehmer: Zürich: Bürgermeister [Marx] Röist, Bürgermeister [Matthias] Wyss, Gerold Meyer von Knonau, Jakob Hegnauer; Bern: Dr. Thüring Fricker, Venner Kaspar Wyler; Luzern: [nicht vertreten];Uri: Heinrich Göltschi; Schwyz: Ammann [Hans] Wagner; Unterwalden: Ammann [Andreas] zun Höfen, Arnold Winkelried; Zug: Heinrich Clausner (Cläusli); Glarus: Ulrich Landolt; Basel: Bürgermeister [Wilhelm] Zeigler; Fribourg: Pierre Tavernier; Solothurn: Benedikt Hugi d. J.; Schaffhausen: Bürgermeister [Konrad] Barter; Abt von St. Gallen: Landvogt [Johann] Schenkli; Stadt St. Gallen: Bürgermeister [Hans] Ab der Rüti, Balthasar Kapfmann; Appenzell: [Hans] Meggeli (Am Eggeli), Othmar Ronder.
    Š[2.] [...]. Im Zusammenhang mit dem letzten Tagsatzungsabschied zu Zürich [Nr. 918] erklärten die sieben Orte Zürich, Bern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Basel und Schaffhausen1, bei der letzten Zusage zu bleiben und gemeinsam mit dem Abt von St. Gallen, der Stadt St. Gallen und dem Land Appenzell Gesandte zum röm. Kg. abzufertigen, um ihm diese Zusage noch einmal zu erläutern und ihn zu bitten, es dabei zu belassen. Die Gesandten wurden zur Anhörung etwaiger Gegenvorschläge auf Hintersichbringen bevollmächtigt. Dem röm. Kg. wurde angekündigt, daß die Gesandten am 24. Oktober (sonntag vor Simonis und Judä) in Konstanz eintreffen würden, um die Antwort der Eidgenossen zu überbringen; falls ihm dieser Termin nicht gelegen wäre, solle er Zürich zur Mitteilung an die übrigen Orte davon in Kenntnis setzen.2 
    Luzern war nicht auf dem Tag vertreten, die Gesandten aus Zug und Glarus hatten keine Vollmacht, Fribourg und Solothurn wichen von der früheren Zusage ab und votierten für Neutralität.3 Der Abschied wird an Luzern geschickt mit der freundlichen Aufforderung, sich von den übrigen Eidgenossen nicht abzusondern, seine Gesandten mit den übrigen Orten gemeinsam zum röm. Kg. abzufertigen, insbesondere aber gemäß der auf dem letzten Tag gegebenen Zusage das Reislaufen von Luzerner Knechten zu unterbinden.4 Die ŠGesandten aus Zug, Glarus, Fribourg und Solothurn sollen im Namen der Tagsatzung ihre Magistrate bitten, diesem Abschied beizutreten, um nachteilige Folgen für sie und die Eidgenossenschaft zu vermeiden.5
    [3.] Aufgrund von eingegangenen Meldungen wurde den Vögten zu Baden [Jakob Aberli], im Thurgau [Melchior zur Gilgen], in den freien Ämtern im Aargau, zu Rheineck [Felix Grebel] und zu Sargans [Hans Küng] ein weiteres Mal befohlen, Dienstverpflichtungen von Knechten für den frz. oder röm. Kg. streng zu verbieten. Insbesondere soll Luzern dies bei seinem Vogt zu Sargans verfügen. Jeder eidgenössische Ort ist gehalten, in seinem Gebiet das Reislaufen zu verbieten.6 Bern, Fribourg und Solothurn sollen dem Landvogt in der Waadt im Namen der Eidgenossenschaft befehlen, das Aufwiegeln von Knechten zu unterbinden.7 
    [4.] [Konflikt wegen des Schlosses Joux].
    [5.] Über Vorkehrungen bezüglich der im Lande befindlichen Anhörigen der Garde des frz. Kg., die allerlei Umtriebe veranstalten und vielleicht ihrem Kg. Knechte zuführen sollen, soll auf der nächsten Tagsatzung entschieden werden. Auch scheint es den Versammelten an der Zeit zu sein, die französischen Gesandten aus dem Land zu weisen, dwil si doch ander nütz dann alle widerwertikeit stiften, wie dann der nechst abscheid dz och anzöigt [Nr. 918, Pkt. 2]. [...].

    « ŠNr. 923  Bericht Dr. Vincenzo Querinis an den Dogen von Venedig  »

    [1.] Verweist auf seinen Bericht bezüglich der Eidgenossen vom 16. Oktober.1 Hans von Königsegg, den der röm. Kg. gemeinsam mit Gerolamo Landriani schon vor geraumer Zeit in die Schweiz entsandt und der angeblich ein Abkommen mit den Eidgenossen zustandegebracht hatte, teilte ihm am Vortag in einer langen Unterredung mit, daß die auf dem Züricher Tag versammelten Eidgenossen uneinig gewesen seien: Sieben Kantone hätten sich entschieden, de servir el re de’ Romani ubique et in ogni impresa senza alcuna exceptione, die übrigen fünf Kantone wollten sich jedoch unter keinen Umständen in einen Krieg gegen Frankreich verwickeln lassen, sondern neutral bleiben. Mit dieser Maßgabe kämen die avisierten eidgenössischen Gesandten an den kgl. Hof.
    [2.] Laut Mitteilung Königseggs beabsichtigt der röm. Kg., die Eidgenossen zur Einigkeit aufzufordern und ihnen anzubieten, sich einhellig für neutral zu erklären und zuzusagen, weder dem frz. Kg. noch jemand anderem Hilfe zu leisten. Damit sei er zufrieden, wenn nur alle Kantone zustimmten. Dem röm. Kg. komme es darauf an, sicher sein zu können, daß die Eidgenossen dem frz. Kg. keinerlei Unterstützung böten, während er selbst keinerlei Mangel an ebenso guten und überdies billigeren Fußsoldaten habe. Die Verhandlungen mit den eidgenössischen Gesandten seien zusammen mit dem Umstand, daß Kg. Maximilian nach wie vor die Stellungnahme Venedigs erwarte2, der Grund dafür, daß er vorerst in Innsbruck bleibe. Nach Abschluß der Verhandlungen mit den Eidgenossen werde er mit seinen Räten eine Entscheidung über die Route für seinen Heereszug treffen.
    Noch ist also keine Entscheidung zwischen dem röm. Kg. und den Eidgenossen gefallen. Seine bisherigen Berichte über am kgl. Hof diesbezüglich kursierende Neuigkeiten sind entsprechend zu korrigieren.3  
    Š[3. Geldernkrieg; Vorbereitungen für den Romzug; Nr. 788].

    Hall, 20. Oktober 1507.
    Venedig, BM, Cod. marc. ital. VII/989 (= 9581), fol. 121’-122’ (ital. Kop.; Postverm.: Per Baronem, cursorem.) = Textvorlage A. Venedig, BFQS, Cl. IV, Cod. V (= 769), fol. 180’-181’ (ital. Kop.; Postverm. wie A) = B.

    « Nr. 924 Bericht der eidgenössischen Gesandten in Konstanz 1  an Bürgermeister und Rat der Stadt Zürich »

    [1.] Sie sind als Vertreter der acht Orte Zürich, Bern, Uri, Schwyz, Unterwalden (Obwalden und Nidwalden), Basel und Solothurn sowie des Abts von St. Gallen, der Stadt St. Gallen und des Landes Appenzell am vergangenen Sonntagabend [24.10.] in Konstanz eingetroffen. Am gleichen Abend wurden sie von den kgl. Hofkammerräten empfangen, die ihnen ein Schreiben übergaben, worin der röm. Kg. sie aufforderte, seinen Räten ihren Auftrag zu eröffnen.2 Sie haben erwidert, daß sie Befehl hätten, sich nur gegenüber dem Kg. selbst zu äußern; sie erwarteten, daß er sich zu diesem Zweck hierher oder an einen in der Nähe gelegenen Ort begeben werde. Am Montagmorgen [25.10.] wiederholte sich dieser Vorgang in Gegenwart Mgf. Kasimirs von Brandenburg. Anschließend informierten die Räte den Kg. durch ein Schreiben.3  
    ŠDie kgl. Antwort traf gestern [29.10.] ein und wurde ihnen in Gegenwart des alten Mgf. [Friedrich] von Brandenburg und anderer kgl. Räte eröffnet: Der Kg. sei aus Innsbruck abgereist, um sie anzuhören, und wolle sie in Kempten treffen. Obwohl sie wegen der vielen Truppen in der Umgebung Bedenken hatten, dorthin zu reisen, haben sie im Interesse von Frieden und Ruhe eingewilligt und werden morgen mit bewaffneter Begleitung aufbrechen. Sie hoffen, den Kg. dort anzutreffen und ihm nicht weiter nachreisen zu müssen, da sie dafür nicht ausgestattet sind. Dies haben sie gegenüber den kgl. Räten auch klargestellt.
    [2.] Währenddessen gibt es in der Eidgenossenschaft rege Aktivitäten in Hinblick auf auswärtige Dienste der Kriegsknechte. Fordern sie nachträglich auf, dies zu unterbinden. Dadurch wird sonst ihre Mission gefährdet. Und sorgen uns lib und lebens und des unsern, und wird also nit allein unser, sonder frids notdurft erhöischen, darin allen fliß und ernst furzekeren.
    [3.] Auch die Agitation im Zusammenhang mit dem eroberten Schloß [Joux] des Mgf. [von Rötteln, Ludwig von Orléans] – mit nit kleinem erbieten golds und gelts – mißfällt ihnen sehr. Sie teilen diese Haltung mit den Orten, die sie vertreten und auf deren Befehl sie dies schreiben. Diese Angelegenheit könnte zu einem Krieg führen. Fordern sie deshalb auf, die Teilnehmer an der zum 7. November (sontag nach allerheilgen tag) ausgeschriebenen Versammlung, Bern, Luzern, Fribourg und Solothurn4, aufzufordern, einen Krieg wegen dieser Angelegenheit unbedingt zu vermeiden. Die Verpflichtung der vier Städte zur Verhinderung dieses Übels wiegt schwerer als die Beistandspflicht für den Mgf., nicht zuletzt auch wegen der Konsequenzen für das Verhältnis unter den Eidgenossen. Da sie dies Kürze der Zeit wegen nicht an ihre Magistrate zu Hause schreiben können, bitten sie, dies für sie zu übernehmen und darüber hinaus nach ihrem Gutdünken auch Dritte zu informieren.5  

    ŠKonstanz, 30. Oktober 1507 (sambstags vor allerheiligen tag am abent). 
    Solothurn, StA , Denkwürdige Sachen, Bd. 22, pag. 93–94 (Kop.) = Textvorlage A. Schaffhausen, StA, Missiven 1507, unfol. (Kop.) = B

    « Nr. 925 Abschied Kg. Maximilians für eidgenössische Gesandte »

    [1.] Antwort Kg. Maximilians an die eidgenössischen Gesandten bezüglich folgender Punkte: 1. Zusage eidgenössischer Orte zur Unterstützung des Romzuges unter Vorbehalt; 2. Konstanzer Artikel der kgl. Räte; 3. Werbungsverbot für den frz. Kg. in der Eidgenossenschaft; [2.] Konflikt mit Ludwig von Orléans um das Schloß Joux; [3.] französische Intrige gegen die Gff. Borromeo.

    s.l., s.d., jedoch Kaufbeuren, zwischen dem 7. und 12./14. November 1507.1
    Zürich, StA, A 176.1, Stück-Nrr. 180f. (Kop.) = Textvorlage A. Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 73–76 (Kop.) = B. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 156–158’ (Kop.) = C. Bern, StA, A IV 10, pag. 262–267 (Kop.). Zürich, StA, B I 340, unfol. (Abschr. 2. Hälfte 18. Jh.).
    Druck: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 294, S. 409–411.

    [1.] Der röm. Kg. gab den Gesandten der acht eidgenössischen Orte Zürich, Bern2, Uri, Schwyz, Unterwalden, Basel, Solothurn und Schaffhausen sowie des Abts von St. Gallen, der Stadt St. Gallen und des Landes Appenzell3 folgenden Bescheid:
    1. Ihre Erklärung, in welcher Weise die Orte den Romzug unterstützen wollen, nimmt der röm. Kg. gnädig an. Da die Interessen von Kg. und Reich eine weitergehende Erläuterung des Hilfsangebots erfordern4, beabsichtigt er, zum 6. Dezember (Nicolai) Gesandte zu Šeinem Tag nach Zürich abzufertigen. – Diese Erklärung nahmen die eidgenössischen Gesandten auf Hintersichbringen an.5 
    2. Räte des röm. Kg. unterbreiteten den eidgenössischen Gesandten auf eigene Verantwortung einige Vorschläge. Der röm. Kg. hat inzwischen seine Zustimmung dazu erklärt. – Die eidgenössischen Gesandten nahmen diese Vorschläge ebenfalls auf Hintersichbringen an.
    3. Es ist bekannt, daß der frz. Kg. aus böser Absicht den röm. Kg. und das Hl. Reich an der Erlangung der Kaiserkrone hindern will und Kg. und Reich unrechtmäßig angegriffen hat. Der röm. Kg. hegt keinen Zweifel, daß die hier vertretenen Eidgenossen, wie zugesagt, dafür Sorge tragen, daß ihre Knechte dem frz. Kg. nicht gegen ihn und das Hl. Reich dienen. Doch sollen auch die übrigen Orte dazu bewogen werden, ihre Knechte zu Hause zu behalten. Sollte der frz. Kg. eidgenössische Söldner gegen ihn und das Reich einsetzen, müßten sie Gegenmaßnahmen ergreifen und dieselben ire knecht von dem Kg. zu Frankreich dergestalt, und wie irer Mt. und des Reichs gelegenhait erfordern wurd, abzutreiben und wider haimzubringen, wie dies mit den Reichsständen auf dem Konstanzer RT beschlossen wurde. Die Eidgenossen sollen ihre Zugehörigkeit zum röm. Kg., zum Hl. Reich und zur deutschen Nation bedenken.
    Die eidgenössischen Gesandten wiesen darauf hin, daß bezüglich der Knechte ausreichend Vorsorge getroffen worden sei, nahmen diesen Punkt jedoch ebenfalls auf Hintersichbringen an und sagten zu, daß man sich um dessen Einhaltung auch durch die abwesenden Orte bemühen werde.6 
    [2.] Anschließend ging der Kg. auf den Konflikt um Joux (Ju) ein: Der [Gf.] von Dunois (Thoney) [Ludwig von Orléans] habe sich bei Bern, Solothurn, Luzern und Fribourg über die widerrechtliche Wegnahme des Schlosses beklagt, vermutlich in der Absicht, Hilfe für dessen Rückeroberung zu erhalten. Anscheinend erst nach Abfertigung der eidgenössischen Boten habe ein kgl. Gesandter den genannten Städten Aufschluß über den Streit gegeben, die zweifellos festgestellt hätten, daß der [Gf.] von Dunois zu seiner Klage nicht berechtigt gewesen und seine Darstellung unzutreffend sei. Das Schloß liege in der Gft. Burgund. Der Streit sei deshalb vor ihm als Hg. und Gf. von Burgund auszutragen, was er mehrmals angeboten habe und noch tue.
    [3.] Der röm. Kg. ließ die eidgenössischen Gesandten außerdem über eine französische Intrige gegen die Gff. [Friedrich und Ludwig] Borromäus (Perromey) informieren. Er Šbat, zu Hause darüber Bericht zu erstatten und in seinem Namen zu bitten, die Gff. zu restituieren und den Bf. [von Sitten] für entschuldigt zu halten.
    Auch diese beiden Artikel [2./3.] nahmen die eidgenössischen Gesandten auf Hintersichbringen an.

    « Nr. 926 Auszug aus der Luzerner Bilder-Chronik Diebold Schillings »

    Verhandlungen zwischen eidgenössischen Gesandten und Kg. Maximilian (24. Okt.-8. Nov. 1507).

    Druck: Schilling , Bilderchronik (Schmid), S. 382f. = Textvorlage A. Ders. , Bilderchronik (Durrer/Hilber), S. 158 = B.

    Wie gemeiner Eitgnossen botten abermalß gan Kaͤmpten zuͦ dem Roͤmschen küng kamend und sich mit im und er mit inen underrettend, und von dem von Waͤrse1.

    In dissen dingen gieng ouch mengerley red uß, den Roͤmschen küng und die ort der Eitgnossen beruͤrende, die im dann zuͦgeseit. Und diewil sy villicht beidersit, wie vor gehoͤrt ist, anfaͤnglich einander nit raͤcht verstanden hattend, verfuͦgtend sich der Eitgnossen botten wider gan Costentz, und ward inen von iren heren und obern entpfolhen, nit ze erwinden, bitz das sy sin küngliche maiestet fundend. Und in sollichem ward der Roͤmsch küng der Eitgnossen begaͤr, zuͦ im ze komen, berichtett, der aber dazemal ze Kempten und der Eitgnossen vast fro was, und schickt ouch angends nach inen, zuͦ im gan Kempten ze komen, alß sy ouch tatend. Daselbs wurdend sy erlich entpfangen, wol gehalten und mit gnaden gelassen und abermalß ab der herberg geloͤst und erlichen begabet. [Vermittlungsverhandlungen im Konflikt zwischen Ludwig von Orléans und Louis de Vaudrey] 
    Nuͦ fundend der Eitgnossen botten by dem Roͤmschen küng des bapstz, ouch des küngs von Hyspanien und ander maͤchtig bottschafften me, die aber understuͦndend, den Roͤmschen küng und den küng von Franckerich miteinandern ze verrichten. Und alß aber der Roͤmsch küng in sollichem die Eitgnossen verhort und darby verstuͦnd, dz sy im woltend haͤlffen, damit er keiser wurde, ließ er die bericht, mit dem küng von Franckerich ze machen, anstan und vermeint, den zug gan Rom ze handen ze naͤmen, damit er lang zitt umgangen was und vil lüten daruff wartet, die der sach am letsten übel entgoltend. Und genoß er sin ouch nit, wann die Frantzosen bruchtend allen vliß und spartend kein guͦt, inn an dem Romzug ze hindern, alß das alles, wie und wo sy das tatend, harnach eigentlich verstanden wirt. Der küng von Franckerich soͤlte harin sin nammen bedacht han, und was er von Gott erlanget hatt, und so fraͤvelich wider dz Roͤmsch rich nit haben gehandlet.
    [Gerüchte über einen bevorstehenden Angriff auf Mülhausen im Rahmen des Romzuges].

    « ŠNr. 927  Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Zürich »

    [1.] Teilnehmer; [2.] Unterstützung des Romzuges Kg. Maximilians durch die Eidgenossen; [3.] Aufforderung an Luzern, Zug, Glarus und Fribourg zum Anschluß an die Position der übrigen eidgenössischen Orte; [4.] Vortrag des französischen Gesandten Philippe de Roquebertin; [5.] Werbungsverbot für eidgenössische Söldner.

    Zürich, 8. Dezember 1507 (mitwoch nach Nicolai). 
    Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 203–209 (Kop., Datumverm., abweichende Reihenfolge: Pkt. 5 vor 4) = B. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 176–178 (unvollständige Kop., Datumverm.). Bern, StA, A IV 10, pag. 268–271 (Kop., Datumverm.). Luzern, StA, TA 4, fol. 304–307 (Kop., Datumverm.). Schaffhausen, StA, Tagsatzung 1507, unfol. (verletzte Kop.). Zürich, StA, B VIII 84, fol. 219–220’, 221–222 (Kop.).
    (Differenzierteres) Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 295, S. 411–413 = Textvorlage A.

    [1.] a Teilnehmer: Zürich: Bürgermeister [Marx] Röist, Bürgermeister [Matthias] Wyss, Heinrich Göldli, Ritter, Ulrich Felix; Bern: Dr. Thüring Fricker; Luzern: [nicht vertreten]; Uri: Ammann [Jakob] im Oberdorf; Schwyz: Vogt [Hans] Schiffli; Obwalden: Ammann [Peter] Wirz; Nidwalden: Arnold Winkelried; Zug: [nicht vertreten]; Glarus: [nicht vertreten]; Basel: Bürgermeister [Wilhelm] Zeigler; Fribourg: [nicht vertreten]; Solothurn: Benedikt Hugi d. J.; Schaffhausen: Bürgermeister [Konrad] Barter; Abt von St. Gallen: Landvogt [Johann] Schenkli; Stadt St. Gallen: Bürgermeister [Hans] Ab der Rüti; Appenzell: Ammann [Hans] Meggeli (Am Eggeli)-a .
    [2.] Zwischen den Gesandten der acht Orte Zürich, Bern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Basel, Solothurn und Schaffhausen sowie des Abts von St. Gallen, der Stadt Gallen und des Landes Appenzell auf der einen Seite und dem röm. Kg. auf der anderen wurde in Kaufbeuren eine Vereinbarung über Art und Umfang der eidgenössischen Hilfe zum Romzug getroffen [Nr. 925, Pkt. 1.1]. Vor der Versammlung erschienen kgl. Gesandte1 und baten um eine Erläuterung der Zusage in dem Sinne, daß die Eidgenossen den Zug unverdinget tun würden und den röm. Kg. gegen diejenigen unterstützten, die ihrer Pflicht gegen Kg. und Reich nicht nachkommen würden, ohne davon den frz. Kg. oder jemand anderen auszunehmen. Gerade der frz. Kg. tue alles, um den röm. Kg. an der Erlangung der Kaiserkrone zu hindern. Er habe den röm. Kg. und das Hl. Reich mit Krieg überzogen und andere Feindseligkeiten begangen und beabsichtige, den Papst und den Hl. Stuhl unter seine Kontrolle zu bringen, wogegen die Eidgenossen als Glieder des Reiches und der Kirche Hilfe leisten sollten.
    Die eidgenössischen Gesandten antworteten, daß sie nach der in Kaufbeuren erfolgten kgl. Zustimmung zum Hilfsangebot der Eidgenossen lediglich abgefertigt worden seien, Šum die kgl. Gesandten anzuhören und zu erfahren, in welchen Punkten der Kg. weitere Erläuterungen für notwendig erachte. Im übrigen blieben sie bei der in Kaufbeuren gegebenen Antwort, daß sie den Romzug zur Erlangung der Kaiserkrone gegen Bezahlung unterstützen wollten; wer dem röm. Kg. den Weg versperren wolle, gegen den würden sie ihm helfen, doch niemandem sonst schädigen.2 
    Die kgl. Gesandten baten nach einer Unterredung erneut um eine Zusage in der von ihnen gewünschten Weise, oder die Eidgenossen sollten wie im Bayerischen Krieg stillsitzen, keiner Partei helfen und ihre Knechte zu Hause behalten. Die Gesandten brachten in ihrem eigenen Namen vor, daß es den Eidgenossen zur Ehre und zum Nutzen gereichen würde, wenn sie helfen würden, für den röm. Kg. und den Papst einige von Venedig widerrechtlich eroberte Städte zurückzugewinnen, falls der Kg. seinen Weg durch das Territorium Venedigs nehmen werde, das den Romzug durch allerlei Intrigen verhindern wolle.
    Wegen dieser Punkte wurde ein weiterer Tag auf den 3. Januar (montag nach dem neujahrstag) ausgeschrieben. Jeder Bote soll zu Hause Bericht erstatten, die einzelnen Orte sollen bis dahin über ihre Haltung entscheiden. Dieser Tag wird dem röm. Kg. dann einen Termin für die Beantwortung seiner Artikel festsetzen. Luzern, Zug, Glarus und Fribourg werden über die jetzigen Verhandlungen schriftlich informiert, letztere drei Orte sollen überdies ersucht werden, an dem angesetzten Tag teilzunehmen.3 
    [3.] Luzern, Zug, Glarus und Fribourg sind von einigen Tagsatzungen ferngeblieben. Daraus könnten Irritationen und Streitigkeiten entstehen. Auch können die Vögte im Thurgau, im Rheintal, zu Baden und anderswo nicht angehört oder instruiert werden. Überdies treten Hauptleute und Knechte in die Dienste der beiden Kgg. Diese beiden Punkte sollen die Gesandten ihren Obrigkeiten referieren und auf dem Tag zu Luzern beraten, was diesbezüglich zu tun ist.
    [4. Vortrag des frz. Gesandten Philipp de Roquebertin: Rechtfertigung der frz. Haltung im Geldernkrieg, Bitte um Verweigerung der von Kg. Maximilian gegen Venedig angeforderten Söldner, Bitte um Bewilligung von Söldnern für Kg. Ludwig, Rechtfertigung der Verhaftung der Gff. Borromeo].4 Die eidgenössischen Gesandten nahmen diesen Vortrag Šzur Berichterstattung an ihre Magistrate an und warnten Roquebertin wie zuvor auch die Gesandten des röm. Kg. vor der heimlichen Anwerbung von Knechten.
    [5.] Alle Gesandten sollen ihre Magistrate zu Maßnahmen gegen die Dienstverpflichtung ihrer Knechte für den röm. oder den frz. Kg. veranlassen sowie zu Beratungen über die Durchsetzung des Reislaufverbotes für den Fall auffordern, daß beschlossen werden sollte, keinen der beiden Kgg. zu unterstützen. [...].

    « Nr. 928 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Luzern »

    [1.] Teilnehmer; [2.] Veranschlagung der Stadt Mülhausen/Elsaß zum Romzug und zum Unterhalt des Reichskammergerichts; [3.] Anempfehlung seines Landes durch Hg. Ulrich von Württemberg; [4.] Hilfeforderung Kg. Ludwigs von Frankreich für den Verteidigungsfall gegen Kg. Maximilian; [5.] Beitrag der Eidgenossen zum Romzug Kg. Maximilians.

    Luzern, 5./6. Januar 1508 (an der hl. dri Kgg. abend). 
    Zürich, StA, A 227,1, Stück-Nr. 42 (Kop., Datumverm.) = B. Solothurn, StA , Eidgenössische Abschiede 1507–1510, AG 1,5, pag. 211–216 (Kop., Datumverm.: an der hl. dry Kgg. abend angefangen). Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 190–192 (unvollständige Kop., Datumverm.). Bern, StA, A IV 10, pag. 87–91; 274–278 (2 Kop., Datumverm.). Luzern, StA, TA 4, fol. 240–243 (Kop., Datumverm.).
    (Differenzierteres) Regest/teilweise Druck: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 296, S. 414–416 = Textvorlage A.

    [1.] Teilnehmer: Zürich: Bürgermeister Marx Röist; Meister [Felix] Weingartner; Bern: Schultheiß [Hans Rudolf von] Scharnachtal, Kaspar Hetzel; Luzern: [keine Angabe]; Uri: Ammann [Walter] Imhof; Schwyz: Martin Pfyl; Unterwalden: Ammann [Peter] Wirz; Zug: Ammann [Werner] Steiner; Glarus: Ammann [Jost] Küchli; Basel: Bürgermeister Peter Offenburg; Fribourg: Schultheiß Franz Arsent; Solothurn: Schultheiß Niklaus Conrad, Benedikt Hugi d. J.; Schaffhausen: Bürgermeister [Konrad] Barter; Abt von St. Gallen: Hauptmann Jakob von Hertenstein; Stadt St. Gallen: Bürgermeister Hans Ab der Rüti; Appenzell: Ammann Hans Meggeli.
    [2.] [...]. Gesandte Mülhausens erklärten, daß der röm. Kg. die Stadt mit einer Anzahl [von sechs] Pferden und [sieben] Fußsoldaten für den Romzug veranschlagt habe und [Hans] von Landau 394a fl., ebenfalls für den Romzug, sowie 34b fl. zum Unterhalt des kgl. Kammergerichts fordere. Dies verstoße gegen das Herkommen. Bitten um Rat und Hilfe, um ihrer Beschwerde abzuhelfen.1 [...].
    Š[3.] Zürich hat seinen Gesandten auf dem Tag mitgeteilt, daß der Hg. von Württemberg für sein Land und seine Leute, seine Statthalter und Räte während seiner Abwesenheit um gute Nachbarschaft gebeten habe; dies solle auch den übrigen Eidgenossen zur Kenntnis gebracht werden. [Rüdenbandaffäre2].
    [4.] Die französischen Gesandten3 kündigten erneut an, daß ihr Kg. angesichts der Rüstungen und Drohungen des röm. Kg. im Notfall gemäß ihrem Bündnis die Hilfe der Eidgenossen in Anspruch nehmen werde.
    [5.] Der Tag wurde von den nach Kaufbeuren zum röm. Kg. abgeordneten und anschließend in Zürich versammelten Gesandten anberaumt. Auf dem Tag zu Zürich und zuvor sind etliche Orte nicht erschienen, was in der Eidgenossenschaft in Anbetracht der schwerwiegenden Angelegenheiten zwischen den beiden Kgg. zu Unruhe geführt hat. Noch mehr Unruhe ist zu befürchten, wenn nicht die unter den Altvorderen bestehende Einigkeit wiederhergestellt werden kann. Die Züricher Versammlung hat allen ferngebliebenen Orten den Abschied zugesandt und den gegenwärtigen Tag angekündigt. Infolgedessen sind alle Orte und Zugewandten vertreten und haben ihre Instruktionen4 eröffnet, aus denen sich Šfolgende Mehrheitsmeinung ergab: Der Vorschlag des röm. Kg., daß die eidgenössischen Knechte zu Hause bleiben sollten, wenn die Eidgenossen seinen Romzug nicht uneingeschränkt unterstützen wollten, sollte angenommen werden. Da etliche Gesandte nur auf Anhören bevollmächtigt waren, etliche bei der Zusage für den röm. Kg., andere jedoch beim Bündnis mit Frankreich bleiben wollten, war die angesichts der Wichtigkeit der Angelegenheit notwendige Einhelligkeit nicht erreichbar. Deshalb wurde die Urkunde über das Bündnis mit Frankreich [vom 16.3.1499], das Abkommen mit dem Haus Mailand5, das Schreiben des röm. Kg. [Nr. 916] und die Forderung der französischen Gesandten nach Einhaltung des Bündnisses geprüft und erwogen und folgendes beschlossen: Durch strenge Maßnahmen soll gewährleistet werden, daß die eidgenössischen Knechte keinem der beiden Kgg. zulaufen. Um diese zu beschließen, wird ein weiterer Tag nach Luzern anberaumt, in der Hoffnung, daß dort ein einhelliger Beschluß gefaßt werden kann. Die Gesandten sollen sich am Abend des 25. Januar (St. Paulus bekerung) in den Herbergen einfinden. Falls kein einhelliger Beschluß möglich ist, erhalten die Gesandten Vollmacht, mit den dissentierenden Orten direkt zu verhandeln. [Auf Ratifikation durch die nächste Tagsatzung verabschiedete Maßnahmen zur Umsetzung eines künftigen Reislaufverbotes; Bestrafung von Landfriedensbrechern; Rüdenbandaffäre].

    « Nr. 929 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Luzern »

    [1.] Teilnehmer; [2.] Haltung der Eidgenossen bezüglich des geplanten Romzuges Kg. Maximilians; [3.] Antwort der Eidgenossen auf das französische Hilfebegehren; [4.] Anwerbungsverbot für eidgenössische Söldner; [5.] Übergabe der Stellungnahme zum Romzug an die Gesandten Kg. Maximilians; [6.] Vortrag der französischen Gesandten mit Bitte um Hilfe für Kg. Ludwig.

    Luzern, 26. Januar 1508 (mitwuchen nach Pauls beker angefangen).1
    Bern, StA, A IV 10, pag. 282–285 (Kop., Datumverm.). Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 193’-194’ (unvollständige Kop.).
    Regest: Eidgenössische Abschiede  III/2, Nr. 298, S. 417f. = Textvorlage A.

    [1.] Teilnehmer: Zürich: Bürgermeister Marx Röist; Meister [Felix] Weingartner; Bern: Venner Kaspar Hetzel; Luzern: [keine Angabe]; Uri: Hans Biderbist; Schwyz: [nicht vertreten]2; Obwalden: Walther von Flüe; Nidwalden: Säckelmeister [Ulrich] Andacher; Zug: ŠAmmann [Werner] Steiner; Glarus: Ammann [Jost] Küchli; Basel: Bürgermeister Peter Offenburg; Fribourg: Schultheiß Franz Arsent; Solothurn: Schultheiß Niklaus Conrad, Benedikt Hugi d. J.; Schaffhausen: Bürgermeister [Konrad] Barter; Abt von St. Gallen: Ludwig von Helmsdorf, Ritter; Stadt St. Gallen: Bürgermeister Hans Ab der Rüti; Appenzell: Lorenz Suter.
    [2.] [Geldforderungen eidgenössischer Knechte an Frankreich, Schießveranstaltung in Bern]. Der Tag wurde in der Hoffnung anberaumt, Einigkeit herzustellen. Die Instruktionen der Gesandten3 wurden bezüglich des wichtigsten Punkts, des Romzuges, angehört. Es wurde beschlossen, dem röm. Kg. zu schreiben, dz wir sin fürschlag annemen, also lut des stillsitzen, im in dem gehorsam sin und gehept haben wellen, dz der Kg. von Frankrich im den romzug on unser hilf verfolgen lauß, doch dz der röm. Kg. dem von Frankrich an sinen landen, es sig Meyland old andern, nüchzit schädige. Wann man wäri dennoch och daby pflichtig, dem Kg. von Frankrich die aynung zu halten.
    [3.] Den französischen Gesandten wurde geantwortet, daß die Bewilligung von Knechten nicht nötig sei, solange der frz. Kg. von niemandem angegriffen werde und der röm. Kg. sich gegen Venedig wende. Sollte der Kg. angegriffen werden, solle er dies vorbringen; sie würden dann gebührend antworten. Falls er jedoch Venedig gegen den röm. Kg. unterstütze, würden sie ihm dabei nicht helfen. Verhandlungen über ein neues Bündnis seien noch nicht notwendig, da der bestehende Vertrag noch lange gelte.4 
    Š[4.] Die auf dem letzten Tag beschlossenen Maßnahmen gegen das Reislaufen wurden bestätigt. Der röm. und der frz. Kg. sollen ermahnt werden, Knechte nicht ohne Bewilligung der Eidgenossen anzuwerben. [...].
    [5.] Auf dem Tag erschienen als Gesandte des röm. Kg. [Ulrich von Hohen-]Sax, Hans von Landau5, Dr. [Hans] Schad und Hans von Landenberg und forderten Antwort wegen des Romzuges. Ihnen wurde geantwortet, daß man es beim vorigen Schreiben bleiben lasse. Ein entsprechendes versiegeltes Schriftstück6 wurde ihnen zur Weiterleitung an den röm. Kg. übergeben.7
    [6.] Die französischen Gesandten kolportierten eine ihnen zugegangene Nachricht, wonach der röm. Kg. beabsichtigte, auf dem Weg nach Rom vor ein bestimmtes Schloß zu rücken und eventuell in das Hm. Mailand einzufallen. Falls das zutreffe, beantragten sie im Namen ihres Kg., keine Zeit mit Versammlungen zu verlieren, sondern Hilfe zu leisten. – Dieser Antrag wurde in den Abschied aufgenommen. [...].

    « ŠNr. 930  Eidgenössische Tagsatzung zu Luzern an Kg. Maximilian »

    [Kollationsexemplar B zu Nr. 931].

    Luzern, 28. Januar 1508 (frytag vor purificacionis Marie).1
    [Archivalische Nachweise siehe Nr. 931/III].

    « Nr. 931 Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Luzern (im Reich verbreitete Druckfassung) »

    a Ulrich Frh. von Hohensax, Hans von Landau, Dr. Hans Schad und Hans von Landenberg zu Altenkling erschienen vor der Versammlung und baten im Namen Kg. Maximilians um eine verbindliche Antwort bzgl. des Romzuges. Die Versammlung hat folgendes beschlossen-a: Die Hilfszusage der Eidgenossenschaft für den Romzug bezog sich allein auf die Erlangung der Kaiserkrone und erfolgte unter dem Vorbehalt, daß sonst niemand geschädigt wird. Der Kg. ließ später den zu ihm nach Kaufbeuren abgefertigten Gesandten und außerdem den Eidgenossen schriftlich mitteilen, daß sie stillsitzen und keiner Partei zuziehen sollten, falls sie seinen Romzug nicht bedingungslos unterstützen wollten. Dieser Vorschlag wurde den Gemeinden vorgetragen, die ihn ebenso wie die jetzige Versammlung für gut befunden haben. Sie wünschen dem Kg. zu seinem Unternehmen Glück. Doch das Jr Maiestat den Frannckreichischen Künig an seinen innhendigen Lannden, in dem Romtzug Jm die einzunemen, nit beschedige; wann soferr das nit beschehen vnd wir durch den vermelten Künig von Franckreich vnns dess zu berichten angeruͦfft, würden wir vnnser verschreibung nach in den einreissenden sachen hanndeln das, so wir schuldig vnd pflichtig weren. Begeb es sich aber, das die Römisch Küngklich Maiestat, von wem das wär, an dem Romtzug geirrt oder gehindert werden, sollte Sy gelauben, das vns semblichsb auch nit lieb wär vnd die vnnsern dabey nach vnnserm vermögen nienndertc haben wellen. Darmit wir als die erkennt vnd geacht werden, so yetwederm tail gern tetten nach zimblichen, billichen dingen; wann wir wissen, was wir yedwederm tail schuldig. Sie sind jedoch mit dem Kg. von Frankreich verbündet, was sie auch bedenken müssen. Sie würden allerdings lieber nicht in diese Dinge verwickelt, sondern wünschen Frieden. Fordern den röm. Kg. deshalb auf, keinesfalls eidgenössische Söldner anzuwerben. Eine entsprechende Verfügung gilt auch für den frz. Kg.

    Luzern, 29. Januar 1508 (Sambstags vor Purificationis Marie).
    I. (Druck): Berlin, GStA, Repos. 11, Schweiz Nr. 256, Fasz. 1, unfol. = Textvorlage A. Hagenau, StdA, AA 118, unfol. Marburg, StA, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42. München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, unfol. Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 1, Šfol. 25.Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. Straßburg, AV, AA 328, fol. 44. Ulm, StdA, A 1132/1, fol. 19. Wiesbaden, Abt. 171 R 423, fol. 39. Würzburg, StA, Histor. Saal VII, 30/451, fol. 1.
    II. (Kop.): Wien, HHStA, Schweiz 2, Konv. 3 (1500–1509), fol. 141–141’ (Datumverm. wie I.). Metz, AM, AA 3/52 (frz. Übersetzung).
    III. (Schreiben der Luzerner Versammlung an Kg. Maximilian, 28.1.1508): Bern, StA, A IV 10, pag. 286–287 (Kop.) = B. Basel, StA, Eidgenossenschaft E 1, fol. 195–195’ (Kop., Überschr.: Item, so ist dis ein abscheid, wie und welche form man dem röm. Kg. geantwurt und zugesagt hat.) = C.
    Druck: Eidgenössische Abschiede  III/2, S. 419; DuMont , Corps IV/1, Nr. XLVII, S. 89f.; Datt , De pace publica, S. 576f.; Lünig , Reichs-Archiv VII (Part. Spec. Cont. I, Anh., 4. Absatz), Nr. XLIX, S. 226f.; Göbler , Chronica, pag. XI.

    « Nr. 932 Hans von Landau an Zyprian von Serntein »

    [1.] Eidgenössischer Tag in Luzern; [2.] Bereitschaft Uris, Schwyz’ und Unterwaldens zur Unterstützung des Romzuges; [3.] Romzughilfe der Reichsstände; [4.] Zahlungen an eidgenössische Parteigänger Kg. Maximilians.

    Konstanz, 2. Februar 1508.
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 3, fol. 106–108’ (eh. Or., Postverm.: In sein selbs hand.).

    [1.] Er hat sich gemäß kgl. Weisung gemeinsam mit Dr. [Hans] Schad und Hans von Landenberg nach Luzern begeben. Sie haben dort H. [Ulrich] von Hohensax angetroffen, jedoch nicht die erwartete Instruktion vorgefunden. Als die Tagsatzung sich ihrem Ende näherte und sie immer noch keine Anweisungen hatten, erbaten sie, um nicht unter Spott und unverrichteter Dinge abreisen zu müssen, die Übergabe und Verlesung der ihren Informationen nach zur Absendung an den röm. Kg. vorbereiteten Antwort [Nr. 930], für die die Eidgenossen um Bedenkzeit gebeten hatten. Diese Antwort wurde ihnen übergeben und verlesen. Und wiewol unß die erstlich ganz misfelig was, yedoch, so wier die handlung im grund erwagend und sunderlich, das kgl. Mt. vormals vil daruf hat handlen lassen, das die dru ort Schwitz, Ure und Underwalde ier Mt. den romzug soltend helfen tun, wie ier gut wissen habend, mit ingehandelt sein, zum andern, das wier erwagend, das kgl. Mt. gemain Aidgenosen inhalt des abschids zu Costenz [Nr. 229] schwarlich erheben und sich des solds, nachdem etlich IC, ainer XL, der ander L sold haben welt, mit inen nit vertragen hett mugen, zusampt andern beschwerden, liesend wier unß den abschid nit misfalen. Doch beschwertend wier unß des gegen inen dergestalt, als hettend wier unß nach aler ergangner handlung gar vil ainß andern und bessern abschids versechen etc.
    [2.] Obwohl der Abschied im Namen der ganzen Eidgenossenschaft ergangen ist, so spiegelt er doch keinesfalls die Meinung der drei besagten Kantone, insbesondere Schwyz’ und Uris, wider1, deshalb kgl. Mt. darab kain erschrecken haben sol. Der Kg. kann in Šden drei Kantonen geschlossene Truppenverbände anwerben, doch muß dies ohne weiteren Verzug geschehen. Trotz des Verbotes kann der Kg. darüber hinaus nach seinem Belieben freie Knechte anwerben, uß der ursach, das sy sunsten seiner Mt. zu dienen ganz genaigt seind, zum andern, das sy wider die lender mit iern banern nit gern tun wurdend. Und hett kgl. Mt. den fortal, das ier Mt. userhalb der dryer lender sy mustern lasen und umb den sold ier Mt. gefalen nach mit in yberkumen und handlen mecht, das sy sunst in kain weg gedulden noch zugeben wurdend, und ungezwifelt sich liden wurdend, was sy mechtend, ee und sy zu dem Kg. von Frankrich lofen wurdend. Und mecht ier Mt. nemen, sovil ier Mt. gelibte, die andern lassen lofen und alweg sprechen, er hett sy al wolen annemen, so hett er mit iern gewaltigen und dem kronenfressen nie mugen nacherkumen und sich mit andern luten bewerben muesen, dardurch aber der nid und unwil, der yetz uß der massen groß wider in der Aidgenoschaft ist, noch grosser wurd. Und gelopt mier warlich, das ain solich wesen under in ist, das ich oder kain mensch uchs sagen noch schriben kan: der vater widers kind, ain bruder wider den andern. Und trybend solich ungeschicker, sorklich reden, das ich hof, Gott wol etwas gutz wirken, das der gemain man dem gewaltigen der biebery nit lenger zusechen werd. Und stat warlich als an dem, wa die kgl. Mt. die 3 ort annumpt, wie wier schribend, darin rat und helft, dan es kan noch mag kain verzug mer haben. Schlecht kgl. Mt. das ab, so wirt aler guter wil in dem gmainen man erleschen und die Franzosen mit ierm geschray, daß kgl. Mt. sy nur hab wolen mit worten vom Kg. von Frankrich bringen, furgon. Und wirt die puntnuß gewißlich, sobald die knecht zu Frankrich lofend, daruf gon. Wie kgl. Mt. und wier al darnach sitzen werdend, habt ier zu ermessen; sagt das ier Mt.  Ersucht ihn noch einmal inständig, den Kg. davon zu überzeugen, die aktuelle Lage auszunutzen, bevor die eidgenössischen Knechte dem Kg. von Frankreich zuziehen.2 
    [3. Mandate an die Stände zur Leistung der Reichshilfe; Nr. 824, Anm. 2].
    [4.] Berichtet über eine Schilderung Oswalds von Rotz, wonach die Sache des röm. Kg. durch ein Wunder als gerecht erwiesen wurde. Bittet um Geld für die Zahlungen an Hauptleute und an Parteigänger des röm. Kg., insbesondere die 80 fl. für [Hans] Biderbist, der den Mehrheitsbeschluß in Uri zustandegebracht hat. Das Verdienst Biderbists geht auch aus dem Bericht Schads an den Bf. von Gurk3 hervor.

    « ŠNr. 933  Heinrich Hechinger (Kaplan) an Zyprian von Serntein »

    [1.] [Auszahlung von Geldern durch den frz. Gesandten Bf. Pierre Louis von Rieux (Pyrn Loy) in Bern]. Uf sölichs ist Jacob Lynder an mich kommen, hat mir gesagt, wie er uf dem Richs tag zu Costenz, als die kgl. Mt. mit den Aydgnossen handelte, gewesen sye, hab H. Hansen von Kunßegk und andern gesagt, sy handlint torlich in der sach, das sy allain die edeln furdernt und zu hoptluten und andern emptern nemynd; sy söllen bericht werden, das die gemaind nit verachtet und die edeln nit maister in der Aydgnoschaft sin söllen, darumb muß in ain hand in das spyl geworfen werden. Und umb das sye es darzu kommen, das sy das gelt genommen haben, doch der röm. kgl. Mt. zu kainem nachtail noch zu wyderdriess. [Diskussionen in Bern wegen der französischen Geschenke].
    [2.] Hans Linder (Berner Hauptmann), sein Bruder Jakob und Johannes Etter (Etterlin) (Mitglied des Großen Berner Rates) baten ihn, den röm. Kg. über die in Bern geführten Debatten zu informieren und ihm außerdem mitzuteilen, daß auf Bitten der Franzosen zum 6. Januar (Epiphanie) ein neuer Tag einberufen wurde, um das bestehende Bündnis zu verlängern oder ein neues abzuschließen – für den Fall, daß der röm. Kg. diesbezüglich etwas unternehmen will. Die drei Herren sagten zu, eine Entscheidung [Berns] darüber zu verzögern, bis er, Hechinger, weitere Befehle erhalten habe. Mer solte ich kgl. Mt. furhalten, wie ir Mt. an die Aydgnossen bringen haben lassen, sover und die Aydgnossen nit mit ir Mt. welten ziechen lut des abschaidz, zu Costenz gemacht, das sy dann die iren behalten, stillsitzen und entwederer party zuziechen wellen. Sye ir maynung, von demselbigen artikel ze stend; dann wann sy das zusagend, mochte es nit gehalten werden und wurde sin Mt. betrogen. Und were das ir maynung, zu vermeltem artikel ze setzen: Wann sy vermainten, ir knecht nit ze behalten, das sy in dann nachliessen, zu röm. kgl. Mt. umb den sold, zu Costenz bestimpt, zu lofen und sust zu dehainem andern herren, by iren ayden. 
    Er wollte darauf jedoch nicht eingehen, da er diesbezüglich keine Anweisungen hatte. Er sagte jedoch zu, ein Schreiben von ihnen dem Kg. zu überbringen und sich dafür einzusetzen, daß sie deswegen persönlich vorsprechen könnten.
    [3.] Er traf am 4. Januar (erichtag vor Epiphanie) in Konstanz ein und bat Hans von Landau, die Briefe an den röm. Kg. zu schicken, da er selbst erkrankt war. Landau zeigte sich in Hinblick auf die drei genannten Personen skeptisch. Da er nicht weiß, ob Landau die Schreiben abgeschickt hat, schreibt er gemäß dem Rat einiger Hofkammerräte an ihn, Serntein, und bittet ihn, den Kg. zu informieren.

    Innsbruck, 3. Februar 1508.
    Innsbruck, TLA, Maximiliana XIII/302, fol. 50–51’ (Or., Postverm.: In [sein] aigen hand.).
    Teildruck/-regest: Gagliardi , Anteil I, S. 699 Anm. 148.

    « ŠNr. 934  Ausschreiben Kg. Maximilians an die Reichsstände »

    Übersendet den ungeachtet früherer Zusagen bezüglich der Unterstützung des kgl. Romzuges erfolgten Abschied der eidgenössischen Tagsatzung zu Luzern [Nr. 931]. Vnnd dieweil dann solcher abschid vnnsers bedunckens, vnd als Jr selbs auch ermessen mügt, Vnns, dem hailigen Reiche vnd Teütscher Nacion nicht Eerlich noch guͦt ist, will demnach die notdurfft eruordern, Ewer vnd annder Churfürsten, Fürsten vnd Stennde des hailigen Reichs Rate, was furter in disen sachen zuhanndeln sey, zu haben. Befiehlt ihnen, darüber zu beraten, um nach erneuter Aufforderung durch ihn ihre Stellungnahme abgeben zu können.

    Bozen, 26. Februar 1508.
    I. (Or. Druck, Verm. amdcp., Gegenz. Serntein, Anrede handschriftlich inseriert): Ulm, StdA, A 1132/1, fol. 18 = Textvorlage A. Berlin, GStA, I. HA, Repos. 1, Nr. 2 A, fol. 3–3’ (präs. montag noch jubilate [15.5.]1508). München, HStA, KÄA 3136, fol. 329½. Frankfurt, ISG, Kaiserschreiben 1383, unfol. (präs. am Morgen des 20.3.1508). Hagenau, AM, AA 118, unfol. Marburg, StA, Best. 81, A/205/3, Stück-Nr. 42. Memmingen, StdA, A 1/2, unfol. München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, unfol. Nördlingen, StdA, Missiven 1507–1508, Fasz. 2, fol. 24–24’.Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (Registraturverm.: Feria quarta cinerum [8.3.]1508). Straßburg, AV, AA 328, fol. 43–43’. Wiesbaden, HStA, Abt. 171, R 423, fol. 38–38’. Würzburg, StA, Histor. Saal VII, 30/451, fol. 3–3’ (Kanzleivermm. fehlen).
    II. (Kop.): Metz, AM, AA 3/52 (frz. Übersetzung).
    Druck: Datt , De pace publica, S. 576; Göbler , Chronica, pag. XI-XI’.
    Regest: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 935, S. 745.

    «2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts »

    « Nr. 935 Nürnberg an Georg Griecker (Kurmainzer Sekretär)  »

    Ihre Gesandten haben ihnen schriftlich berichtet, daß ir deß Reichs camergerichts ordnung und abschied, so uf bemeltem reichstag durch die kgl. Mt., unsern allergnst. H., und andere stende deß Hl. Reichs ist verfast, beyhendig und in euerm abschaiden von Costinz mit euch anhaim genommen haben. Sie müssen diese Ordnung einsehen, um ihr gemäß verfahren zu können. Sie bitten ihn deshalb, auf ihre Kosten eine Abschrift davon anfertigen zu lassen und ihnen diese durch den Überbringer dieses Schreibens, [Konz] Eysenhofer, zuzusenden.

    Nürnberg, 3. August 1507.
    Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Briefbücher 59, fol. 225 (Kop.).

    « Nr. 936 Ausschreiben Kg. Maximilians in das Reich »

    Verkündet allen Reichsangehörigen, daß er mit dem Rat von Kff., Ff. und Ständen auf dem Konstanzer RT beschlossen hat, das einige Zeit ruhende kgl. Kammergericht am 16. Oktober (St. Gallen tag) in der Reichsstadt Regensburg wiederzueröffnen. Er teilt dies mit, damit alle, die am Kammergericht zu tun haben, sich danach richten und es aufsuchen können.

    Konstanz, 9. August 1507.
    I. (Or. Druck, Verm. amdrp., Gegenz. Serntein): München, HStA, KÄA 3136, [nach fol. 264] = Textvorlage A. Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. Frankfurt, ISG, Reichssachen II, Nr. 202, unfol. (2 Exemplare, m. S.). Hagenau, AM, AA 118, unfol. (5 Exemplare). Lübeck, StdA, ASA In., Camera imperialis 1/1, unfol. (m. S.). Marburg, StA, Best. 81, A/230/2, fol. 13 (m. S.). München, HStA, Hst. Freising K.blau 200/17, fol. 10–10’ (m. S.). München, HStA, Hst. Freising K.blau 220/13, unfol. (5 Exemplare, m. S.). Nordhausen, StdA, 1 X, Nr. 29a (präs. kurz vor dem 20.9.1).Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei, A-Laden Akten, A 181, Nr. 8, unfol. (m. S., Registraturverm.: Feria quarta post Bartholomei [25.8.]1507).2 Straßburg, AV, AA 1385, Stück-Nr. 42.
    II. (Kop.): München, HStA, K.blau 103/2c3, fol. 91’ (mit imit. Verm. amdrp. und Gegenz. Serntein, Aufschr.: Wie das camergericht uf dem Richs tage zu Costenz sechs jar lang zu halten, Galli Ao. XVc sieben anzufahen, ufgericht, uns herin XXIIII fl. jerlichs letare3  zu underhaltung desselben zu geben ufgesetzt, auch wie solichs gelt jedes jars ußgericht und quitiert mit andern deßhalben ergangen schriften etc. Das auch nachfolgends noch sechs jar uf dem Richs tag zu Coeln erstreckt worden etc. ). Trier, StdA, Hs. 1409/2072 4o, fol. 18–19’ (vid. Kop. vom 1.7.1571). Metz, AM, AA 4/34 (frz. Übersetzung).4
    ŠDruck: Harpprecht , Staats-Archiv II, Nr. CXXXIX, S. 455.

    « Nr. 937 Weisung Kg. Maximilians an Kammerrichter und Beisitzer des kgl. Kammergerichts »

    Teilt mit, daß er Philipp Stumpf zum Pedell des jetzt in Konstanz wiederbegründeten Kammergerichts ernannt hat, der sich in dieser Funktion schon früher als geeignet erwiesen hat. Befiehlt, Stumpf in das Amt einzuweisen und ihm den Amtseid abzunehmen. Der Pedell soll wie bisher einen jährlichen Sold von 24 fl.rh. aus den Kanzleigefällen erhalten.

    Konstanz, 11. August 1507.
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 55 (Konz. mit ex.-Verm.).

    « Nr. 938  Kg. Maximilian an Johann Storch (ehem. Protonotar am kgl. Kammergericht) »

    Er hat hat mit seinen Räten auf seine Bitte hin folgende Erläuterungen zum Vertrag zwischen ihm und Ambrosius Dietrich beschlossen1: Die Taxen für die drei im 4. Artikel genannten Urteilsbriefe stehen ihm, dem Kg., zu, weshalb gemäß dem Artikel damit verfahren werden soll. Er stimmt zu, daß die Taxen für die im 5. Artikel genannten Urteilsbriefe eingetrieben und gemäß dem Artikel bis seiner endgültigen Entscheidung hinterlegt werden sollen. Er ist auch damit einverstanden, daß die Urteile zu den während der Kurmainzer Kammergerichtsverwaltung abgeschlossenen Verfahren eröffnet und die Taxen oder, falls die Parteien kein Urteil anfordern, eine Aufwandsentschädigung dafür eingenommen und ebenfalls hinterlegt werden sollen. Er soll sich beim Kammergericht darum bemühen, daß die Urteile zu den während seiner Verwaltung abgeschlossenen Verfahren ausgestellt werden, und die Taxen dafür sowie noch nicht bezahlte Taxen für bereits verkündete Urteile – bzw. jeweils eine Aufwandsentschädigung – eintreiben und darüber eine Abrechnung vorlegen. Falls er dies nicht selbst tun will, soll dies Dietrich übernehmen.2 Bezüglich der von Dietrich gemäß dem 3. Artikel gegen ihn erhobenen ŠForderung von 300 fl. jährlichen Solds: Das Kammergericht hat mehrere Jahre lang geruht. Dietrich hat während der Unterbringung der Kammergerichtskanzlei in Augsburg sein Amt nicht wahrgenommen. Auch hat er, der Kg., ihm keine Gehaltsaufbesserung bewilligt. Er soll ihm deshalb, abzüglich der von Dietrich bereits abgerechneten 150 fl., für jedes Jahr ausstehenden Solds nicht mehr als 200 fl. bewilligen.3 Befiehlt ihm den Vollzug dieser Deklaration.4 

    Konstanz, 12. August 1507.
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 58–58’ (Konz. mit ex.-Verm.).

    « Nr. 939 Weisung Kg. Maximilians an Kammerrichter und Beisitzer des kgl. Kammergerichts »

    Teilt mit, daß er Unklarheiten im Vertrag zwischen dem kgl. Rat Johann Storch und Ambrosius Dietrich bereinigt hat, wie sie von Storch erfahren werden. Befiehlt ihnen, auf Ersuchen Storchs diesbezüglich alles Erforderliche unverzüglich und ohne Weigerung oder Ausflüchte zu erledigen.

    Konstanz, 12. August 1507.
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 59 (Konz.).

    « Nr. 940 Weisung Kg. Maximilians an den Kammerrichter Bf. Wiguläus von Passau und die Beisitzer des kgl. Kammergerichts 1  »

    Aufgrund der Beschlüsse des Konstanzer RT, insbesondere in bezug auf das kgl. Kammergericht, hat er Hieronymus von Croaria (Lehrer der Rechte) für ein Jahr zum kgl. Kammerprokuratorfiskal ernannt. Wie sie wissen, wurden auf früheren RTT2 und auch Šdurch den jetzigen Reichsabschied [Nr. 268, § 21] Beschlüsse bezüglich dieses Amtes gefaßt. Er befiehlt ihnen deshalb, mit Croaria über dieses Amt und seine Besoldung zu verhandeln und vor allem sicherzustellen, daß dieser als Fiskal keine anderen Dienstverpflichtungen unterhält oder annimmt. Sie sollen seine Dienstordnung, seine Ernennungsurkunde und alle anderen erforderlichen Schriftstücke aufzusetzen und ihm, dem Kg., zur Ausfertigung zusenden.3

    Konstanz, 17. August 1507.
    Wien, HHStA, Maximiliana 18, Konv. 1, fol. 61–61’ (Kop. mit imit. Verm. amdrp. und Gegenz. Serntein) = Textvorlage A. Heidelberg, UB, Cod. Pal. germ. 492, fol. 408–408’ (Kop. mit imit. Verm. amdrp. und Gegenz. Serntein., irrtümlich datiert auf den 7.8.) = B.

    « Nr. 941 Ausschreiben Kg. Maximilians an Reichsstände, hier an Kf. Joachim I. von Brandenburg »

    Erinnert daran, daß er auf dem Konstanzer RT beschlossen hat, das kgl. Kammergericht wiederzueröffnen. Übersendet beiliegend diesbezügliche Proklamationen (auskundbrief) mit der Bitte um Veröffentlichung in seinem Territorium.

    Konstanz, 17. August 1507.
    I. (Or., Verm. amdrp., Gegenz. Serntein): Berlin, GStA, 1. HA, Repos. 1, Nr. 2A, fol. 13–13’ = Textvorlage A. Karlsruhe, GLA, 225/725, unfol. (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Überlingen) = B. Düsseldorf, HStA, Kleve-Mark, Akten 3144, fol. 24–24’ (Präsentatverm.: Kleve, 18.9.1507). Frankfurt, ISG, Kaiserschreiben 1379. Hagenau, AM, AA 118, Stück-Nr. 42. München, HStA, Gemeiners Nachlaß 27, unfol. (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Regensburg). Metz, AM, AA 4/32. Nördlingen, StdA, Missiven 1507, fol. 95–95’.
    II. (Kop.): Metz, AM, AA 4/33 (frz. Übersetzung).
    Regest: Janssen , Reichscorrespondenz II, Nr. 928, S. 742.

    « Nr. 942 Ausschreiben Kf. Jakobs von Mainz an die Reichsstände, hier an die Stadt Straßburg »

    Erinnert daran, daß der röm. Kg. mit Zustimmung und Rat der Stände auf dem Konstanzer RT beschlossen hat, das kgl. Kammergericht für sechs Jahre wiederzueröffnen. Die Reichsstände bewilligten einen Anschlag zur Finanzierung des Gerichts, wovon auf sie 100 fl. a [Nr. 272, Pkt. 10, fol. 586] entfallen. Aufgrund eines Beschlusses der Stände teilt er ihnen als Reichserzkanzler mit, daß sie gemäß Reichsabschied [Nr. 268, § 22] diese Summe bis Šzum 2. April 1508 (letare mitfasten) an den Rat der Stadt Nürnberg ausbezahlen sollen. Andernfalls müßte der kgl. Fiskal deshalb gegen sie am Kammergericht prozessieren.

    St. Martinsburg/Mainz, 21. August 1507 (samstags nach assumpcionis Marie).
    I. (Or., gedr. Formular, Anrede und Angabe über die Höhe des Kammerzielers handschriftl. inseriert): Straßburg, AV, AA 328, fol. 15–15’ = Textvorlage A. Basel, StA, Deutschland B 2,III, fol. 113. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 10077/2, fol. 9–9’. Esslingen, StdA, F 288, Fasz. 4, unfol. München, HStA, Hst. Freising K.blau 220/13, unfol. Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, unfol. (Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg). Marburg, StA, Best. 81, A/230/2, fol. 12–12’ (Adressat: Gf. Reinhard von Hanau-Münzenberg). Nördlingen, StdA, Missiven 1507, fol. 129–129’. Nordhausen, StdA, R, Ae 3, fol. 1–1’. Wertheim, StA, Rep. 102, K 304, unfol. (Adressat: Gf. Asmus von Wertheim).
    II. (Kop.): München, HStA, K.blau 103/2c3, fol. 92 (Adressat: Pfgf. Johann von Sponheim) = B.1

    « Nr. 943  Dr. Johann Rehlinger (Prokurator am kgl. Kammergericht) an Bürgermeister und Rat der Stadt Frankfurt »

    Sie wurden durch den Reichsabschied und ihre Gesandten sicherlich über die Beschlüsse des Konstanzer RT bezüglich des Kammergerichts informiert. Er wird sich zum Termin der Wiedereröffnung, dem 16. Oktober (St. Gallen tag), nach Regensburg begeben, um dort auch künftig die Frankfurter Angelegenheiten zu vertreten. Die Reichsversammlung benannte dem Kg. Dr. Johann Lupfdich, Dr. Hieronymus von Croaria und ihn selbst als Kandidaten für das Fiskalamt. Lupfdich und er lehnten allerdings ab, weshalb Croaria auf eigenen Wunsch nach der Abreise der Stände aus Konstanz vom Kg. als Fiskal angenommen wurde – dies zu ihrer Information.1 

    Augsburg, 30. August 1507 (montag nach Bartholomei apostoli).
    Frankfurt, ISG, RTA 22, fol. 26–26’ (Or.).

    « ŠNr. 944  Aufzeichnung über das Zusammentreten des Reichskammergerichts (29. September-1. Dezember 1507) »

    [1.] Der Bf. von Passau (kgl. Kammerrichter) traf auf Befehl des röm. Kg. am 29. September 1507 (in die sancti Michaelis) in Regensburg ein.
    [2.] Anmeldung der Beisitzer: Dr. Augustin Lösch (Bayerischer Kreis) ebenfalls am 29. September, Dr. Simon von Reischach (Österreich) am 3. Oktober, Dr. Georg Besserer (Kursachsen) am 3. Oktober1, Dr. Georg Schütz, bfl. Offizial zu Konstanz (vierter = Oberrheinischer Kreis), am 8. Oktober, Sebastian von Rotenhan (erster = Fränkischer Kreis) am 27. Oktober, Dr. Johann Fürderer (Kurmainz) am 29. Oktober, Gf. Adam von Beichlingen (Gff.) am 2. November (aller glaubigen sele tag), Dr. Valentin von Sunthausen (sechster = Niedersächsischer Kreis) am 28. November, Dr. Sebastian Schilling (dritter = Schwäbischer Kreis) am 8. Dezember (wieder ausgeschieden am 8.3.1509), Dr. Anton von Emershofen (Kurbrandenburg) am 28. Dezember, Dr. Haring Sinnama am 17. Januar 1508, Dr. Dietrich von Lautern (Kurtrier) am 4. Februar, Jakob von Landsberg (Kurpfalz) am 29. April, Lic. Arnold Rymerstock (Kurköln) und Dr. Diederich von Schiederich (fünfter = Niederrheinisch-Westfälischer Kreis) am 4. Mai.
    [3.] Anmeldung der Protonotare: Ambrosius Dietrich und Ulrich Varnbüler am 4. Oktober 1507.
    [4.] Dr. Hieronymus von Croaria wurde am 1. Dezember 1507 zum kgl. Reichsfiskal bestellt2, wiewol er sagt, er sey auf allerheiligen tag [1.11.] gen Regenspurg komen. Croaria schied am 1. Dezember 1508 wieder aus. Am gleichen Tag wurde Dr. Christoph Moeller (Mulher) als neuer Reichsfiskal vereidigt.
    [5.] Meister Hans [Obermaier] wurde am 16. Oktober (St. Gallen tag) 1507 als Leser vereidigt.

    [6.] Item den IIII. tag Octobris hat Varnbieler, pro[cura]torius, von wegen Johann Storchen das ksl. camergerichtssigel under Dr. Augustin Leschen, auch Johann Storchen secret verbitzt3 meinem gn. H. von Passau.
    [7.] Item mitwoch, den ersten tag decembris, ist das camergericht laut der ordnung des Hl. Reichs besessen und angehept worden, Ao. septimo.

    s.l., s.d.
    Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. (Kop., Überschr.: Auf welch zeit personen des camergerichts, camerrichter, beysitzer, protonotarien, fiscel und leser, zu Regenspurg erschinen und des camergerichts pflegen haben.).

    « ŠNr. 945  Aufzeichnung über das Zusammentreten des Reichskammergerichts (1. Dezember 1507) »

    [1.] Am Gericht anwesend: Bf. Wiguläus von Passau (Kammerrichter); Gf. Adam von Beichlingen, Dr. Georg Besserer, Dr. Sebastian von Rotenhan, Dr. Georg Schütz, Dr. Johann Fürderer, Dr. Simon von Reischach, Dr. Augustin Lösch, Dr. Valentin von Sunthausen (Beisitzer); Dr. Hieronymus von Croaria (Fiskal); Ambrosius Dietrich, Ulrich Varnbüler (beide Protonotare); Hans Obermaier und der Regensburger Domherr Dr. Gabriel Ridler (Leser); Lic. Christoph Hitzhofer, Dr. Wilhelm Wilprecht, Dr. Johann Rehlinger, Dr. Christoph Moeller (Mulher), Dr. Franz Braun, Dr. Heinrich von [Levetzow, genannt] Rostock, Dr. Peter Kirser, Dr. Wolfgang vom Thurn (Prokuratoren); Philipp Stumpf (Pedell). Alle Anwesenden haben gemäß der Gerichtsordnung ihre Amtseide abgelegt, die Prokuratoren allerdings mit einer limitation laut des juraments, ine vorlesen.
    Im Anschluß an die Audienz bevollmächtigte der Fiskal Hieronymus von Croaria in Gegenwart von Kammerrichter und Beisitzern Dr. Wolfgang vom Thurn (Duren) und Dr. Peter Kirser als seine Stellvertreter während seiner Abwesenheit vom Gericht.
    Vermerk, wonach Dr. [Sebastian] Schilling im Jahr 1507 ebenfalls als Kammergerichtsassessor fungierte.

    Regensburg, 1. Dezember 1507.
    Brüssel, RA, Secrétairerie d’État allemande 758, fol. 17’-18 (spätere Abschrift).

    « Nr. 946 Verzeichnis über Einkünfte des Reichskammergerichts (bis Ende 1508) »

    [1.-10.] Zahlungen (Kammerzieler) an die Legstadt Nürnberg, nach Ständegruppen geordnet; [11.] Überweisung der in Nürnberg eingegangenen Beiträge an das Reichskammergericht; [12.] Zahlungen (Kammerzieler) in Regensburg; [13.] Fiskalgefälle; [14.] Kanzleigefälle.

    s.l., s.d., jedoch wohl Regensburg, nach dem 15. Januar 1509.
    Augsburg, StA, Rst. Nördlingen, Mü. Best. Lit. 28, unfol. (Kop., Aufschr.: Ao. Domini tausentfunfhundertacht jar haben wir, Wigileus, von Gots gnaden Bf. zu Bassau, als camerrichter, Gf. Adam von Beichlingen und Dr. Johann Furdrer, die verordneten beisitzern, auch zu allen zeiten mit den fiscalen in craft der ordnung, zu Costenz aufgericht, von den anschlegen, fiscalischen hendl und der canzley gefellen entpfangen und eingenomen, wie von item zu item hernach volgt.) = Textvorlage A. Stuttgart, HStA, A 262, Bü. 4, fol. 216–214’ (!) (Abschr. von 15641 [nur Pkt. 1–9], Überschr.: Hernach stet verzaichnet, wer den ersten anschlag zu erhaltung deß ksl. camergerichts, auf dem reichßtag zu Costnitz Ao. etc. 1507 aufgesatzt, von anfang bißer bei dem rat zu Nurmberg erlegt hat. Verm. am Textende: Biß auf 7. Augusti 1508.) = B.

    [1.] Kff. a: Ebf. Jakob von Trier, Kf. Ludwig von der Pfalz und Kf. Friedrich von Sachsen mit seinem Bruder Hg. Johann je 120 fl. 2
    Š[2.] Ebff.: Ebf. Leonhard von Salzburg 100 fl.
    [3.] Bff.: Bf. Georg von Bamberg 70 fl., Bf. Lorenz von Würzburg 80 fl., Bf. Gabriel von Eichstätt 48 fl., Bf. Philipp von Speyer 36 fl., Bf. Wilhelm von Straßburg 36 fl., Bf. Heinrich von Augsburg 48 fl., Bf. Philipp von Freising 36 fl., Bf. Johann von Naumburg 18 fl., b Bf. Wilhelm von Lübeck 12 fl., Bf. Johann von Meißen 18 fl., Bf. Christoph von Basel 12 fl., Bf. Georg von Trient 18 fl., Bf. Erich von Münster 65 fl. -b3
    [4.] [Äbte:]4 Koadjutor Hartmann von Fulda 46 fl., Abt Volpert von Hersfeld 12 fl., Abt Johann Rudolf von Kempten 36 fl., Abt Wilhelm von Weißenburg 12 fl., Propst [Albrecht] von Ellwangen 18 fl., Deutschmeister Hartmann von Stockheim 36 fl. 5, Abt Franz von St. Gallen 24 fl.
    [5.] Weltliche Ff.: Pfgf. Alexander von Zweibrücken-Veldenz 24 fl., Hg. Ulrich von Württemberg 100 von 120 fl. 6, Gf. Wilhelm von Henneberg 24 fl., c Hg. Heinrich von ŠMecklenburg 72 fl., Mgf. Friedrich von Brandenburg-Ansbach 80 von 100 fl., Hg. Bogislaw von Pommern 80 fl. -c7
    [6.] Gff. und Hh.: Gf. Wolfgang von Fürstenberg 36 fl., Gf. Joachim von Oettingen 24 fl., Gf. Wolfgang von Oettingen 24 fl., Gf. Johann von Hohenlohe 24 fl., Friedrich und Gottfried Schenken von Limpurg 18 fl., Gf. Reinhard von Hanau 36 fl., Gff. Adolf und Philipp von Nassau-Wiesbaden 24 fl., Gf. Eberhard von Königstein 34 fl. d (zusätzlich für die Hft. Eppstein 24 fl.), Gf. Ludwig von Isenburg 50 fl., Gf. Philipp von Solms 36 fl., Kuno von Winneburg-Beilstein 12 fl., Gf. Jakob von Moers-Saarwerden-Lahr 18 fl., Gf. Balthasar von Schwarzburg 20 fl., Gf. Reinhard von Leiningen-Westerburg 18 fl., e Kaspar Frh. von Mörsberg (Landvogt im Elsaß) 20 fl., Gf. Reinhard von Rieneck 18 fl., Johann Truchseß Frh. von Waldburg 12 fl., Wilhelm Truchseß Frh. von Waldburg 6 fl., Gf. Philipp von Hanau 24 fl., Gf. Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken 22 fl. [statt 24 fl.], Gf. Ludwig von Nassau-Weilburg 24 fl. -e8 
    [7.] Prälaten und Äbte: Abt Johannes von Salem 40 fl., Abt Hartmann von Weingarten 24 fl., Abt Johannes von Weißenau 24 fl., Abt Johannes von Schussenried 24 fl., Abt Jobst von Roggenburg 24 fl., Abt Hieronymus von Ochsenhausen 31 fl., Abt Konrad von Rot 12 fl. 9, Abt Simon von Marchtal 18 fl. 10, Abt Peter von St. Peter/Schwarzwald 12 fl., Abt Johann von Elchingen 36 fl., der Administrator [Johannes Merk] des Klosters Petershausen/Konstanz 12 fl., Abt Georg von Kaisheim 60 fl., Abt [Konrad] von St. Johann im Thurtal 12 fl. 11
    Š[8.] Äbtissinnen: Äbtissin [Amalie] von Lindau 18 fl., Äbtissin Barbara von Buchau 18 fl. 12
    [9.] Städte: Nürnberg 100 fl. f, Rothenburg/Tauber 36 fl., Weißenburg 10 fl., Donauwörth 18 fl., Windsheim 36 fl., Schweinfurt 24 fl., Wimpfen 26 fl., Heilbronn 48 fl., Schwäbisch Hall 65 fl., Nördlingen 65 fl. 13, Dinkelsbühl 48 fl., Ulm 100 fl., Giengen 12 fl., Bopfingen 10 fl., Aalen 14 fl., Schwäbisch Gmünd 30 fl., Esslingen 65 fl., Pfullendorf 15 fl., Kaufbeuren 13 fl. g, Überlingen 65 fl., Wangen 18 fl., Leutkirch 18 fl., Memmingen 65 fl., Kempten 24 fl. 14, Buchhorn 12 fl., Ravensburg 36 fl., Biberach 36 fl., Lindau 40 fl., Konstanz 25 fl., Straßburg 100 fl. h, Kaysersberg 12 fl., Colmar 36 fl., Schlettstadt 26 fl., Hagenau 36 fl., Weißenburg/Elsaß 25 fl., Oberehnheim 20 fl. i, Rosheim 12 fl., Speyer 65 fl., Worms 65 fl., Frankfurt 100 fl., Köln 100 fl. j, Aachen 52 fl., Lübeck 100 fl. k, Mühlhausen/Thür. 36 fl. 15, Nordhausen 36 fl., Türkheim 12 fl., Münster/St. Gregoriental 12 fl., Göttingen (mit einer sundern protestation 24 fl., die ligen noch hinder dem rat zu Nurmberg)16 , l Friedberg 18 fl., Wetzlar 24 fl., St. Gallen 36 fl. 17, Goslar 42 fl. -l18
    Š[10.] m Gesamtsumme 4485 fl. (die 24 fl. aus Göttingen nicht mitgerechnet).
    [11.] Diese Summe überwiesen Bürgermeister und Rat der Stadt Nürnberg an das kgl. Kammergericht: 1. durch Dr. Sebastian von Rotenhan und Dr. Valentin von Sunthausen am 18. Mai 1508 (pfingstag nach jubilate) 1746 fl., 2. durch Gf. Adam von Beichlingen am 1. Juli (sampstag nach Petri und Pauli) 1575 fl., 3. durch Georg Velis aus Nürnberg 180 fl., 4. durch Hans Kneussel 100 fl., 5. durch Wolfgang Plank 180 fl. Die Stadt gab im Auftrag des Kammergerichts 18 fl. für den Druck von Zahlungsmandaten aus. Abzüglich der 24 fl. der Stadt Göttingen blieb Nürnberg dem Gericht bis zum 15. Januar (montag nach Erhardi) 1509 2 fl. schuldig.
    [12.] Item von dem anschlag, so uns zu Regenspurg entricht, ist entpfangen: Abt [Erasmus] von St. Emmeram 32 fl., Stadt Regensburg 24 fl., Administrator des Bm. Regensburg [Pfgf. Johann] 14 fl., Äbtissin [Agnes] von Niedermünster 18 fl., Äbtissin [Katharina] von Obermünster 18 fl., Bf. [Wiguläus] von Passau 12 fl., Mgf. Christoph von Baden 54 fl., Hg. Wilhelm von Bayern 120 fl., Georg von Schaumberg (Schamperg) 24 fl., Bf. [Reinhard] von Worms 12 fl., Bf. [Hugo] von Konstanz 24 fl., Stadt Rottweil 36 fl., Äbtissin von Rottenmünster 12 fl., Städte Offenburg, Gengenbach und Zell 40 fl., Pfgf. Friedrich 50 fl., Hans Frh. von Degenberg 12 fl., Hg. Ulrich von Württemberg 20 fl., Gf. Ludwig von Löwenstein 12 fl., Abt [Philipp] von Gengenbach 18 fl., Bf. [Christoph] von Seckau 12 fl., Pfgf. Johann von Simmern 24 fl. 19, Gf. Emich von Leiningen 6 fl., Abt [Georg] von St. Blasien 18 fl., Weil der Stadt 24 fl., Stadt Isny 20 fl., Gf. Bernhard von Eberstein 12 fl., Propst [Johann] zu Selz 16 fl., Ballei im Elsaß 60 fl. 20, Gf. Rudolf von Sulz 12 fl., Gff. [!] von Zimmern 10 fl., Gf. von Virneburg 18 fl., Sigmund Frh. von Fraunberg zum Haag 23 fl., Gf. von Hardegg 60 fl., Gf. Philipp von Kirchberg 12 fl., Gf. Georg von Helfenstein 12 fl., Frau [Anna] von Weinsberg 12 fl., Gf. Andreas von Sonnenberg 18 fl., Gf. Christoph von Werdenberg und seine Brüder [Johann und Felix] 36 fl., Christoph Schenk von Limpurg und seine Brüder21 18 fl., Gff. Ulrich und Hans von ŠMontfort 36 fl., Hg. Georg von Sachsen 75 fl. [statt 100 fl.]22, Bf. [Thilo] von Merseburg 30 fl. 23, Smassmann von Rappoltstein 30 fl., Gelnhausen 18 fl., Ff. von Anhalt 24 fl., Gf. Johann von Sonnenberg 24 fl., Gff. von Barby 24 fl., Augsburg 90 fl., Gf. Heinrich von Schwarzburg 30 fl., Gf. Ernst von Mansfeld 16 fl., Stadt Dortmund (Dorment) 36 fl., Hg. [Wilhelm] von Jülich 100 fl., Gff. Albrecht und Georg von Hohenlohe 40 fl., Lgf. [Wilhelm] von Hessen 100 fl., Gf. von Wied 12 fl., Ebf. [Ernst] von Magdeburg 124 fl., Gf. Johann von Holstein-Schaumburg 18 fl., Gf. Gebhard von Mansfeld 16 fl., Gf. Albrecht von Mansfeld 16 fl. – Gesamtsumme: 1858 fl.
    [13.] Fiskalgefälle: Bürgermeister und Rat der Stadt Esslingen 200 fl., Bf. und Kapitel von Eichstätt 24 fl., Christoph von Lentersheim 60 fl. 24, Erhard Wolf aus Nürnberg 150 fl., Georg von Schaumberg (Schauenperg) pro absolutione 10 fl. – Gesamtsumme: 444 fl.
    [14.] Kanzleigefälle: von der Ankunft des Kammerrichters in Regensburg am 29.9. (Michahelis) bis zum 13. Dezember 1507 für allerlay brief 164 fl., 6 kr., 1 d. Für die Kanzlei und das Kammergericht wurden davon 27 fl. abzgl. 9 kr. ausgegeben, womit 136 fl., 3 Ort übrig blieben.
    13. Dezember 1507–16. Mai 1508, für allerlay brief und copeyen 352 fl., 6½ d.; Ausgaben für Kanzlei und Kammergericht 172 fl., 17½ d.; Rest 239 fl., 3 ß, 2½ d.
    16. Mai-10. Juni, für allerlay brief und copeyen 167 fl., 1 Ort, 4½ ß; Ausgaben der Kanzlei 4 ß, 1 h.; Rest 167 fl., 2 ß, 12 d.
    10. Juni-12. Juli, für allerlay brief und copeyen 41 fl., 2 ß, 4 d.; Ausgaben der Kanzlei 13 kr., 1 d.; Rest 41 fl., 5 kr.
    12. Juli-24. August, fur allerlay brief und copien 71 fl., 4½ ß; Ausgaben der Kanzlei 2 fl., 2 ß, 4 d.; Rest 69 fl., 11 d.
    24. August-4. November, fur allerlay brief 198 fl., 86 d., 1 h.
    4. November-18. Dezember, fur allerlay brief 156 fl., 5 ß, 27 d. -m25 

    « ŠNr. 947  Mahnschreiben Ks. Maximilians (Reichskammergericht) an säumige Reichsstände, hier an Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg »

    Die auf dem Konstanzer RT versammelten Stände haben einen Anschlag zur Finanzierung des ksl. Kammergerichts bewilligt. Gemäß Reichsabschied [Nr. 268, § 22] sollten die Beiträge bis zum 2. April (Letare Mitfasten) an den Nürnberger Rat übergeben worden sein, der die eingegangenen Gelder an den Kammerrichter und die deputierten Beisitzer weiterzuleiten hatte. Sein Anteil betrug 60 fl. a [Nr. 272, Pkt. 5]. Der ksl. Kammerprokuratorfiskal hat am ksl. Kammergericht angezeigt, daß er dieses Geld bislang nicht bezahlt hat. Seinem Antrag auf Ausstellung dieses Mahnschreibens und auf Eröffnung eines rechtlichen Verfahrens zur Eintreibung dieser Summe wurde stattgegeben. Befehlen ihm unter Androhung einer Strafe von sechs Mark lötigen Goldes, die angegebene Summe innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung dieses Mandats zu bezahlen. Laden ihn für den zwölften Tag nach Ablauf der Frist bzw. für den nächsten Gerichtstag danach vor, um die erfolgte Zahlung zu beweisen. Im Falle weiterer Säumigkeit wird auf Antrag des Fiskals die angegebene Strafe fällig und ein Verfahren gegen ihn anhängig.1 

    Regensburg, 14. April 1508.
    I. (Or., gedr. Formular; Adresse, Titulatur, Höhe des Kammerzielers und der Strafe, anberaumte Zahlungs- und Gerichtstermine sowie Ausstellungsdatum handschriftl. insereriert; Verm. amdcp., Gegenz. A. Dietrich, ksl. Protonotar): Hannover, HStA, Celle Br. 15, Nr. 46, unfol. (Adressat: Hg. Heinrich d. M. von Braunschweig-Lüneburg) = Textvorlage A. Dresden, HStA, Geheimer Rat, Loc. 8993/2, fol. 7–7’ (Adressat: Bf. Johann von Meißen). Marburg, StA, Best. 81, A/230/2, fol. 14–14’ (Adressat: Gf. Reinhard von Hanau-Münzenberg). München, HStA, Montfort’sches Archiv, U 279 (Adressaten: Gff. Ulrich, Haug und Johann von Montfort). Schaffhausen, StA, Korrespondenzen 1501–1515, unfol. St. Gallen, StdA, Tr. VII.7.3. Wiesbaden, HStA, Abt. 150, Nr. 1795, fol. 1 (Adressat: Gf. Ludwig von Nassau-Weilburg).2
    II. (wie I., Gegenz. U. Varnbüler, ksl. Protonotar): Basel, StA, Deutschland B 2,III, fol. 114 (Adressat: Bürgermeister und Rat der Stadt Basel) = B3. Konstanz, StdA, L, Fasz. 1, unfol.
    Druck: Harpprecht , Staatsarchiv III, S. 175f., 225f., Nrr. CLVII (Adressat N.N.), CLXXV (Adressat: Hamburg).
    Regest: Hasselblatt/Kaestner , Urkunden, Nr. 37, S. 33 (Adressat: Göttingen); Linke , Urkundenbuch, Nr. 83, S. 42 (Adressat: Nordhausen).

    « ŠNr. 948   Bf. Wiguläus von Passau (Kammerrichter) und die Beisitzer des Reichskammergerichts an Hg. Wilhelm von Bayern »

    Er sieht sich veranlaßt, ihn auf folgende Mißstände am ksl. Kammergericht aufmerksam zu machen: 1. Gemäß den Beschlüssen des Konstanzer RT obliegt die Gewährleistung der Finanzierung des Kammergerichts im wesentlichen dem ksl. Fiskal. Dem Reichsabschied zufolge hat der Ks. Hieronymus von Croaria zum Fiskal ernannt und ihnen, Kammerrichter und Beisitzern, befohlen, die Vertragsverhandlungen mit Croaria zu führen und die entsprechenden Dokumente zur Ausfertigung an den Ks. zu schicken [Nr. 940]. Dies haben sie erledigt. Doch ungeachtet wiederholter Erinnerungen von ihrer Seite erhielten sie bislang weder die Urkunden zurück noch ging ihnen eine Weisung zur Vereidigung des Fiskals zu. Es ist unklar, was der Ks. in dieser Angelegenheit zu tun gedenkt. Wird die Besetzung des Fiskalamts nicht geregelt, können keine Fiskalprozesse geführt werden und die Fiskalgefälle bleiben aus. Auch kann der Kammerzieler, insbesondere nach Ablauf des bewilligten einen Jahres, nicht eingetrieben werden.
    2. Zusammen mit ihnen, Kammerrichter und Beisitzern, dem Fiskal und dem Kanzleipersonal halten sich derzeit 15 Personen, teilweise schon seit dem 29. September, am Gericht auf. Sie vertrauten darauf, daß der Anschlag, der zusammen mit den Fiskal- und Kanzleigefällen ihren Unterhalt sichern sollte, bis zum 2. April (letare) eingezahlt und ihre Arbeit zuverlässiger und zeitiger als früher vergütet würde. Bislang gingen aus Fiskalsachen aber noch keine Gelder ein, und bis nach Ostern [23.4.] erbrachte der Reichsanschlag nicht mehr als 1100 fl. Sie ließen zwar daraufhin Mahnschreiben [Nr. 947] in das Reich ausgehen; die gesamten Einnahmen des Gerichts übersteigen dennoch bis dato nicht 2000 fl. Damit ist ihr Unterhalt nicht zu finanzieren. Zudem ist zweifelhaft, ob weitere Gelder eingehen werden, da der Fiskal noch nicht amtiert und nicht gegen säumige Stände prozessieren kann.
    3. Er, der Kammerrichter, ist nur für ein Jahr eingesetzt [Nr. 268, § 24]; er sieht sich auch außerstande, dem Gericht länger vorzustehen. Laut Reichsabschied [Nr. 268, § 23] soll das Kammergericht jeweils zum Jahresende visitiert werden. Mogen e. L. und Gn. ermessen, wo erst zu ausgang des jars und also unsers, des camerrichters, bevelchs von einem andern camerrichter gehandelt werden solte, das das camergericht wider zerstort oder aufs wenigst aber in stillstand komen wurde. Es ist auch für sie nicht akzeptabel, so lange im Ungewissen zu bleiben und keine anderen Dienstverpflichtungen annehmen zu können. Sie erachten es deshalb für notwendig und berechtigt, den Visitationstag vorzuverlegen. Sein Bevollmächtigter soll deshalb bereits am 24. August (St. Bartholomeus tag apostoli) erscheinen, um am nächsten Tag mit der Visitation gemäß dem Konstanzer Reichsabschied beginnen zu können. Entsprechende Schreiben gingen dem Ks. und dem Kf. von Mainz zu.1 

    [Regensburg], 2. Juni 1508 (freitag nach ascensionis Domini).
    München, HStA, KÄA 3136, fol. 313–314’ (Or.).

    « ŠNr. 949  Visitationsabschied »

    [1.] Durchführung der Visitation durch Kurmainzer und bayerische Gesandte trotz des Ausbleibens der ksl. Vertreter; [2.] Verlängerung der ersten Sitzungsperiode des Gerichts bis zum 1. Dezember 1508; Bemessung des Solds nach der jeweiligen tatsächlichen Dienstzeit; [3.] Verlängerung der Dienstzeit des Kammerrichters Bf. Wiguläus von Passau oder Vertretung durch einen Beisitzer bis zum Eintreffen eines neuen Kammerrichters; [4.] vorläufiger Verbleib des Kammergerichts in Regensburg; [5.] Verlängerung der Dienstzeit des Kammerprokuratorfiskals Hieronymus von Croaria; [6.] Beschluß über einen neuen Kammerzieler; [7.] Festlegung zusätzlicher Legstätten für den Kammerzieler; [8.] Beauftragung eines Beisitzers mit der Aufsicht über die Kammergerichtskanzlei; [9.] Vorgehen des Fiskals gegen das Räuberunwesen im Reich; [10.] Gesandtschaft zu Ks. Maximilian wegen des Vollzugs des Visitationsabschieds.

    s.l., s.d., jedoch Regensburg, 30. August 1508.
    München, HStA, KÄA 3136, fol. 315–320 (Kop.).

    [1.] /315/ Als sich inhalt des abschids, jungst zu Costenz ausgangen [Nr. 268, § 23], geburt hat, das vor ausgang des ersten jars mein gn. H., der camerrichter, unserm allergnst. H., dem röm. Ks., ire rete zu schicken, auch meinem gnst. H. von Menz und meinem gn. H., Hg. Wilhalm in Obern- und Nidernbayrn, oder seiner Gn. vormundern ainen tag gen Regenspurg anzusetzen, durch ir Gnn. aigner personen oder ire rete bey gemeltem meinem gn. H., dem camerrichter, und seinen zuverordenten beisitzern und fiscale rechnung ires einnemens und ausgebens zu nemen und die in allen gebrechen des camergerichts, wo die erfunden, domit das camergericht unzerruttet belibe, einsehung zu tun und die zu endern, zu erscheinen. Welhe tagsatzung auf Bartholomei [24.8.] negst verschinen also bestimbt. Sind also auf obgemelte tagsatzung in heut dato von wegen meins gnst. H. von Menz der edel und hochgelert Dr. Johann Kuchenmaister und von wegen meins gn. H., Hg. Wolfgangs in Obern- und Nidernbayrn als vormunder /315’/ gemelts meins gn. H., Hg. Wilhalms in Obern- und Nidernbairn der edel und hochgelert H. Dietrich von Pleningen, ritter und Dr., gen Regenspurg komen. Aber von wegen ksl. Mt. nymands erschinen. Dieweil aber mit ksl. Mt. sich des Hl. Reichs stende zu Costenz entlichen geaint und vertragen haben, sechs jare die negsten nacheinander volgend das camergericht onzerrutt zu unterhalten [Nr. 268, § 14] und aber on furderliche handlung und ratsleg, angesehen die merklichen gebrechen, die vor augen gewesen und erfunden sind, das camergericht lenger nit het mogen besteen, so haben aus solher notturft mein gn. H. camerrichter und die obgemelten zwo verordent potschaft mitsambt den zugeordenten beisitzern und fiscale, domit irenthalb in abwesen der ksl. Mt. rete nichts unterlassen wurde, doch auf irer Mt. selbs besserung, guter maynung nachvolgeender mass gehandelt.
    [2.] Erstlichen, nachdem mein gn. H., der camerrichter, mit etlichen beisitzern auf Michaelis negstvergangen [29.9.1507] gen /316/ Regenspurg, ladung zu erkennen, inhalt des gemelten abschids zu Costenz außgangen, khomen, sind aber prima DeŠcembris dann die andern beisitzer langsam erschin, auch die camergerichts acta spat herbracht, das erst camergericht angefangen und besessen worden, ist durch bemelten mein gn. H., den camerrichter, und durch der obbestimpten Ff. potschaft, auch durch die zuverordenten beisitzer und fiscal geratslagt, das das erst jare, im Costenzer abschid ernent, sich erst auch enden sol auf schirist den ersten tag Decembris, damit der maynung desselben abschids [Nr. 268, § 24], nemblichen, das solh gericht ein jare durch mein gn. H. von Passau, camerrichter, zu Regenspurg gehalten solt werden, gelebt und volzogen werde.
    Doch domit der gepurliche[n] belonung nach anzal der zeit, darauf der camerrichter oder ander gerichtspersonen frue oder spat erschinen sind, unabpruchlichen.
    [3.] Zum andern, dieweil mein gn. H. von Passau, ksl. camerrichter, nit lenger dann ain jare von ksl. Mt. im abschid zu Costenz zu camerrichter /316’/ verordent, auch zu besorgen, das ain anderer camerrichter vor ausgang des jars nit erscheinen kunde, dardurch dann stillstand oder zerruttung des camergerichts ersteen musste, ist geratslagt, bey ksl. Mt. furderlichen zu erlangen, das sein Mt. meinem genanten gn. H. von Passau bevelh tue, zu Regenspurg bey dem camergericht zu beleiben, biß solang ir Mt. ainen andern camerrichter an sein stat verordnet hab; oder ob es meinem gn. H. von Passau, so lang bey dem camergericht zu verharren, nit gelegen sein wolt, das alsdann dem gemelten meinem gn. H. von Passau macht gegeben werde, ainen andern, inhalt der ordnung, aus den beisitzern den gerichtsstab zu bevelhen, so lang biß ain neuer camerrichter durch ir Mt. verordnet und bey dem camergericht erschinen ist.
    [4.] Zum dritten, nachdem und der ksl. camerrichter, auch die beisitzer aus mangel des eingebrachten anslags, zu Costenz geschehen [Nr. 272], ires verdienten solds nit volliglich bezalt worden sind, dodurch den camergerichtspersonen, /317/ vor dem winter zu verrucken, ganz ungeschikt erfunden, auch ir etlich mit heusern und provianden sich versehen haben, zudem auch im winter sorglich ist, die acta, ire pucher und ander notdurft uber veld zu furen, ist auf verpesserung der ksl. Mt. geratslagt, das zu Regenspurg das ksl. camergericht bis auf St. Jorgen tag [23.4.1509] schirist verharren und gehalten werden solle und doselbst unverruckt bleibe. Dornach, wo burgermeister und rate zu Worms in mittler zeit mit dem Bf. und seiner pfaffheit doselbst veraint und vertragen wurde, solle alsdann das ksl. camergericht gen Worms, wo nit gen Nordlingen, inhalt des abschids, zu Costenz außgangen [Nr. 268, § 24], verrukht und transferirt werden. Doch ob in mittler zeit die ksl. Mt. mitsambt den stenden des Hl. Reichs ain andere malstat furnemen wurden, doselbsthin sol es transferirt und gelegt werden.
    [5.] Zum vierten, nachdem die ksl. Mt. Dr. Jeronimum von Croaria auf des Hl. Reichs stenden begern zu Costenz zu gevallen angenomen, dorauf /317’/ dem ksl. camerrichter und den beysitzern zu Regenspurg zugeschriben ist, mit gemeltem Dr. Jeronimus seins solds und der bezalung halber zu uberkommen [Nr. 940], das auch in craft desselben bevelhs geschehen, mit im uberkommen in sonderhait und abgeret, ob ksl. Mt. Dr. Jeronimum lenger dann ain jare zu fiscal nit haben oder Dr. Jeronimus nit lenger beleiben wolt, das alsdann yeder tail ain halb jar dem andern zuvor abkunden solt, alles inhalt der berurten bestallung, und aber in mittler zeit kain tail dem andern Šabkunt hat, ist geratslagt, das derselb fiscal sein ambt furohin versehen sol, so lang bis kgl. Mt. Dr. Jeronimum Croarien nach laut solher bestallung abkundet und ainen andern fiscal verordnet, den auch an das ksl. camergericht geschikt und am ksl. camergericht persondlichen erschinen ist und das ambt zu vertreten angenommen hat.
    [6.] Zum funften, dieweil sich auch auf heut dato aus der empfangen rechnung1 erfunden hat, das bisher /318/ die fiscalischen hendel gar nichts eintragen haben und der canzleyfal mitsambt dem anslag, zu Costenz den stenden auferlegt, nit uber funftausent fl.rh. pars gelts ertragen haben, also bei weitem dem camerrichter und andern verwonten personen die ytzigen jare besoldung und ander costung nit ausgericht mogen werden, vestiglichen zu vermuten ist, das kunftigs jar sich dergeleichen fall auch begeben werde, zudem, so sind die alten beisitzer zu Frankfurt und zu Worms, so von stenden des Hl. Reichs bestellt, ires ausstendigen solds lang zeit unbezalt gestanden, die man jungst zu Costenz aus disen obgemelten fallen zu bezalen auch vertrost, aber noch unbezalt. Aus den und andern ursachen ist geratslagt und nach vermog des abschids zu Costenz [Nr. 268, § 23] furgenomen, das auf das kunftig jare ein geleichformiger anslage dem Costenzischen anslage geschehen solle. Derselb anslage solle auch durch den camerrichter furderlichen außgeschriben und zu bezalen auf schirist trium regum [6.1.1509] gepoten werden2, /318’/ auch durch den fiscal, wie dann der abschid zu Costenz vermag, auch einbracht werden, davon man alsdann mitsambt den canzleischen und fiscalischen hendeln das kunftig jare das ksl. camergericht underhalten, auch die alten schulden bezalen sol und, ob was uberteurung erfunden, in der fiscalischen zukunftigen unterhaltung des camergerichts bewart werden solle.
    [7.] Zum sechsten, dieweil die stat Nurmberg, dohin die stende des Reichs den negsten anslag zu antworten beschiden [Nr. 268, § 22], nit ainem yeden gelegen ist, dann manicher mer zerung oder botenlon auf die schikhung legen muesse, dann der anslag in im selber sich trifft, auch unsicherhait halb den stenden verr zu schiken verhinderlich, ist geratslagt, das noch mer stete zusambt Nurmberg furgenomen sollen Šwerden, nemblichen Uberlingen, Augspurg, Colen, Frankfort und Northausen, dohin ksl. camerrichter, die bezalung zu tun, nach aines yeden gelegenhait gebieten solle.
    [8.] /319/ Zum sibenden, so ist aus ursachen verlassen, demnach und es dieselb maynung im abschid zu Costenz3 auch hat, das ainem aus den beysitzern die canzlei aufsehen zu haben bevolhen werde, damit die hendel, im camergericht beslossen, nach rechter ordnung dem ksl. camerrichter ubergegeben werden, kain vortail dorin gesucht den procuratoribus, auch die parteyen reich und arm gleich abgefertigt, auch die gefell durch die verordenten aufgeschriben werden, und domit kunftiglichen dergeleichen klag verhutt werden.
    [9.] Item, nachdem befunden wirdet, das vil rauberei und gewaltsam teglichen geubt werden und bisher durch den fiscal gegen denselben nichts furgenommen, das dann zu grossem nachtail dem ganzen Reich dint, ist verlassen, das ksl. camerrichter, auch die verordenten beysitzer bei dem fiscal darob seyent, das er vleissige kuntschaft allenthalb in den reichsteten bestelle, die auf solh fiscalisch hendel aufsehung /319’/ habend und im die anzaigen und furbringen, und sonderlichen die rauber, auch die furschieber. Was im also angezaigt und sunst im durch ander personen geoffenbart wirdet, sol er nach laut des kgl. landfrids4 die sich zu purgiren citiren und vordern lassen, dorin desselben rechten oder ains vertrags inhalt des Reichs ordnung zu gewarten.
    Item es sollen auch camerrichter und die verordenten beisitzer mitsambt dem fiscal macht haben, solhen kuntschaftern nach irem verdienen und vleis ein zimliche belonung tun.
    [10.] Item es ist auch geratslagt, das mein gn. H., der camerrichter, und die beisitzer ein treffenliche potschaft zu ksl. Mt. furderlichen schiken und mitsambt meins gnst. H. von Menz, auch meins gn. H., Hg. Wolfgangs, und ander furmunder /320/ Hg. Wilhalms in Obern- und Nidernbairen furschriften, dise relation zu tun und die notturft zu erlangen, geschikt werden, ksl. Mt. unterteniglichen zu bitten, was irer Mt. dorin zu tun geburen well, genediglichen zu verfugen und furderlichen die potschaften, wie oben angezaigt, von camergerichts wegen abgefertigt, mit genaden abzufertigen.
    Geschehen zu Regenspurg, auf den dreissigisten tag Augusti Ao. etc. octavo.

    « ŠNr. 950  Regensburger Reichskammergerichtsordnung von 1507/08 1  »

    [1.] Nichteinhaltung von gerichtlichen Terminen aus schwerwiegenden Gründen; [2.] Termine nach ergangenem Urteil; [3.] Beantragung von Beweiskommissionen; [4.] Prüfung von Beglaubigungsmitteln durch die Prokuratoren; [5.] Einreichung von Schriftsätzen durch die Prokuratoren; [6.1.] Anforderung von Abschriften von Prozeßunterlagen; [6.2.] Abschluß der Beweiserhebung; [6.3.-6.4.] Ahndung von Versäumnissen der Prokuratoren während des Verfahrens, [6.5.] Verbot von Prozeßvertretungen der Prokuratoren ohne Vollmacht, [6.6.-6.7.] Form juristischer Eingaben; [7.1.] angemessenes Auftreten der Prokuratoren im Gericht; [7.2.] Strafe bei Verstößen der Prokuratoren gegen die Gerichtsordnung; [7.3.] Erlaubnis für die Prokuratoren zur Beibringung aller ausstehenden Schriftsätze in einem Termin; [8.1.] Aufforderung an die Prokuratoren zu ordnungsgemäßer Verhandlungsführung; [8.2.] Beibringung der Vollmacht bei Vertretung des Klägers; [8.3.] Beibringung der Vollmacht bei Vertretung des Beklagten; [8.4.] Verbindlichkeit dieser Bestimmungen auch für die Substituten, Vorlage der Vollmacht der Substituten; [8.5.] Wahrnehmung der Termine durch die Prokuratoren, Wiederholung versäumter Termine; [8.6.] Dozieren der Prokuratoren vor Gericht; [8.7.] Anfechtung der Appellation; [8.8.] Vorlage von Abschriften von Generalbevollmächtigungen und anderen Dokumenten.

    s.l., s.d. 2
    I. (Druckausgaben von 15083): München, BSB, 2 J.publ.g 98 a, fol. LXI’-LXIIII = Textvorlage A4. Köln, HAStd, K+R 1, fol. 213’-216 (= LXI’-LXIIII) = B. Bamberg, StB, 22/Inc.typ.D.VI.14, fol. LXI’-LXIIII. Berlin, StB, 4“ Inc. 1802,7, fol. LXI’-LXIIII. Erlangen-Nürnberg, UB, H62/INC 588, fol. LXI’-LXIIII. Freiburg, UB, R 861, a, fol. ŠLXI’-LXIIII. Göttingen, SUB, 4 J GERM II, 2907, fol. LXI’-LXIIII. Halle, UB/LB, Kg 1948, 4º, fol. LXI’-LXIIII. Hamburg, StB/UB, Inc App B/64, fol. LXI’-LXIIII. Leipzig, UB, Jus.publ.1-lo, fol. LXI’-LXIIII.5
    II. (Druckausgaben von 1507)6: München, BSB, 2 J.publ.g 99, fol. LII’-LIIII’ = C. Bamberg, StB, 22/Inc.typ.D.VI.18, fol. LII’-LIIII’. Berlin, StB, 4“ Gv 9600, fol. LII’-LIIII’. Göttingen, StB/UB, 4 J GERM II, 2905 RARA, fol. LII’-LIIII’. St. Gallen, StdB, Alte Drucke, Nr. 28, fol. LII’-LIIII’.7 Wien, ÖNB, 232439-C. Alt Rara, fol. LII’-LIIII’. Wien, ÖNB, MF 5572, fol. LII’-LIIII’. Wolfenbüttel, HAB, 66.9. Jur. 2º (4), fol. LII’-LIIII’.
    Druck/Edition: Aller Deß Heiligen Römischen Reichs gehaltenen Reichstäge Abschiede, pag. 100–103; Aller des heiligen Römischen Reichs Ordnungen, pag. LXXVI-LXXIX’; Lünig , Reichs-Archiv II (Partis Generalis Continuatio I), 1. Abt., S. 279–282; Schmauss/Senckenberg , Neue Sammlung II, S. 119–122.

    /LXI’/ Wie nun fur am kunigklichen Camergericht jnn sachen soll procedirt werden.

    Erstlich woͤllen wir, das die auffgerichten ordnung des heyligen Reichs Jn den puncten vnd artickeln, das künigklich Camergericht vnd sunderlich den Proceß betreffendt, Nach dem Buchstaben in gericht gebraucht vnnd gehalten sollen werdenn.

    [1.] Wan auß redlichen vrsachen einer sein bestympt Termyn nit halten moͤcht.

    Item. Ob yemandts sein gegeben vnd bestympten termyn auͦß redlichen, genügsamen vrsachen nicht halten moͤcht, soll er das nit in gericht, sunder darnach in der Cantzeley vor den Assessorn, so darzü verordnet werden, fürwenden vnd bescheyt darauff erwarten.

    [2.] Wie gehandelt werden soll auff gesprochen vrtheyll.

    Item. Dieweil durch die Procurator rede, so auff die gesprochen vrtheil vnd sententz beschehen, vil zeit verlorn vnd die sachen verzogen werden, Wollen wir, das hinfür auff die vrtheil, so am gericht eroͤffnet vnd außgesprochen, durch die Procurator /LXII/ zu ferrer handlung kein Termyn noch vrtheil, briefe oder ander Proceß begeert werden, sundern sollen eyner yeden partheyen Termyn lauͦdt der ordnung8, auch vrtheil vnd alle andere nottürfftige briefe vnd proceß on sunder begeren der Procurator vom Camerrichter in gemeyn erkant vnd gegeben werden. Wo aber eyniche parthey mit vrtheil zů beweisung zügelassen würde, die soll alßbaldt nach eroffner vrtheil Termyn probandi jm gericht bittenn.

    [3.] Wie man Commissarien begeren soll.

    Item. So einer zuuolfürung seiner auffgelegten beweysung Commissarien begern vnd ernennen wolt, das soll vnd mag beschehen nach der Audientz vor den Assessorn, ŠSo darzu verordnet worden, in gegenwertigkeit des andern theils procurator; vnd sollen sich beider partheyen procurator alßbaldt deßhalben mit eynander vertragen oder concordirn. Wo sie sich nit vertragen moͤchten, alßdan sollen sie den oder die Commissarien, ynen von verordneten Assessorn an stat des Camerrichters von ampts wegen gegeben werden, annemen, doch yedem theil sein nottürfftig einrede vnd exception, so vil recht ist, zu seiner zeit da wider fürhynwenden, vorbehaltenn.

    [4.] Wie es mit besichtigung der siegell, handt- vnd zeichen der Notarien gehalten werden soll.

    Item. Als mit besichtigung der siegell zeichen, der Notarien handt- oder andern geschrifften durch die procuratores offtmals im gericht vil vnnottürfftiger, vndienstlicher Rede, den partheyen zu schaden vnd zuuerlengerung der sachen reichende, gebraucht werden, Woͤllen wir, das solich besichtigung vnd bekantnus der siegell, geschrifften, Notarien hynfür nit in gericht, Sunder nach der audientz in der Cantzley von den beysitzern, so darzu verordnet werden, beschehen soll.

    [5.] Procuratores sollen alle handtlung in geschrifft fürwenden.

    Item. Die Procuratores sollen alle yre materien vnd handlung in geschrifft fuͦrwenden vnd nichts anders dan also oder gleichen maynung reden: in der sachen zwischen A und B gib ich diese geschrifft, nemlich Libell, Exceptiones, Artickel, Replicas, Duplicas et cetera.

    [6.1.] Wie man Copeyen begeren soll.

    Deßgleichen soll der widertheil nichts reden, dan mit kurtzen worten begern Copias; vnd was er darwider sagen oder fürwenden will, Soll er thůn in geschrifft in seiner ordnung oder Termyn, so yn gegeben würdt; doch sol hiemit nyemandts abgeschnytten sein, wider gewaldt vnd mandat zureden oder das die partheyen vertragen oder gestorben sein oder sunst dergleichen meynung mit kurzen worten fürzuwenden.
    [6.2.] Und mag ein yede parthey, so nichts neuͦwes furbracht wirdt oder fürbringen wil, mündtlich beschliessen vnd generalia contra sagen; vnd soll alßdan der gegenteyl von stund auch mündtlich beschliessen vnd handlen on weyter termyn, Es were dan etwas neůwes, so er mit seynem eyde beteůren mocht, fürgefallen.
    [6.3.] /LXII’/ Item wir woͤllen auch alle partheyen vnd procurator hiemit gewarnet vnd erjnnert haben, das alle die jhenen, so mit bey vrtheilen verlüstig würden, deßhalben vnd auch von wegen des verzogens rechten, wie recht ist, in kosten vnd schaden erteylt vnd gesprochen werden sollen. Vnnd wo solichs, auß freuenlichen außzügen, schuldt, versaůwmnuß oder vnwissen den9 Procuratorn geschehen, scheinbar vnd klarlich erfunden würdt, So sollen die selben procuratores solichen kosten vnd nachtheil oder schaden yrer partheyen selbs außrichten vnd bezalen schuldig sein.
    [6.4.] Item. Als sich offtmals begibt, das die procurator, so sie yrer vor geübten handlungen vergessen haben oder yr acta nicht recht vbersehen haben, Sich deßhalb Šim gericht auff die prothocoll oder acta referiren, woͤllen wir, das der procurator, so vngerecht erfunden wirdt, nach bestympter peen bezalen soll.
    [6.5.] Item. Es sol sich kein Procurator eynicher sach vnderfahen zu handeln oder in gericht für zubringen, Er hab dann deßhalb genugsam gewalt; wo er aber nit genugsam gewalt hette, sol er solichs anzeygen vnd bestandt thůn on ferrer einrede oder disputiren; vnd so er das nit thun wolt, soll er stillschweigen nit vndterwinden bey vermeydung nach bestympter peen.
    [6.6.] Item. Alle exceptiones peremptorie, dilatorie oder ander wider Libell, artickell, kuntschaft oder sunst auch replica, duplica, triplic, wie die genant sein oder fürbracht werden moͤgen, sollen laůdt der ordnung10 artickels weyse einbracht werden.
    [6.7.] Vnd alle solich artickel sollen principaliter auff die geschicht oder That vnd nicht auff das recht gesetzt oder gestelt werden; doch mag man das recht, so auß vor articulirter That fleůßt, damit wol anzeůgen.

    [7.1.] Wie die Procuratores schympffwort, Spotwort etc. meyden sollen bey einer peen.

    Item ein yeder Procurator sol Schimpffwort, Spotwort oder sunst vndienstlich oder vnnütz red im gericht oder Cantzley vor den verordneten Assessorn oder Prothonotarien vermeyden vnnd nyemandts weder mündtlich oder geschrifftlich schympfiren, Sunder sein sachen züchtigk, kürtzlich vnd mit dienstlichen worten oder geschrieben fürtragen, bey vermeydung nachgemelter peen.
    [7.2.] Item ein yeglicher, So der obgeschrieben artickel einen oder meer verbrechen, vberfaren oder da wider handeln vnd die nit halten würde, als offt das geschicht, So soll er einen gülden zu peen geben Vber die ander peen der ordnung11 vnd gemeyner rechten. Vnd soll auch nit weyter zu handeln zugelassen werden, dann in dem standt, wie er die sachen findet, laůdt der ordnung.
    [7.3.] Item. Es soll vnd mag ein yede parthey oder Procurator in einem Termyn omnia producirn vnd concludirn, laůdt der ordnung, zu Lindaw gemacht12, on obbenant Straff oder peen etc.13.

    Š[8.1.] /LXIII/ Wie sich Procuratores mit genugsamen gewalt, Ratificirn, Caution vnd andere wege der massen versehen sollen, das die partheyen nit zu schaden kommen. Auch was peen darauff steet mit nachuolgenden acht Artickeln, die eynem yedem nutzbarlich sein.

    So vns als Richter vnd vrtheylern von ampts wegen gebürt, auff sehen zuhaben, das der Processen des rechten vor vns durch nyemandts anders dan die principal, yr volmechtige derselben Anwelt vndersatzten vnnd die person das Recht mit gebürlicher Caution zuletst ordenlich vnd der massen gehandelt, das dem gericht noch den partheyen kein schympfierung oder nachteyl geschehe, Vnd wir ausser verhandtlung eůwer Procuratorn vnd Substituierten in den gerichts acta manichfeltige gebrechen in eůwren vnd den vndersatzten gewelten vnd andere seůwmnuß vermercken, Eüch darumb für vns mehemals gefordert vnd ernstlich beuolhen, Jn eůwern sachen die gerichts acta zü besichtigen, Vnnd in den yr mangell vnd gebrechen in geweltem [!] vnd anderm befindet bey euͦwern partheyen, euch mit genugsamen gewalt, Ratification, Caution vnnd andere wege dermassen versehen vnd versorgen, das eůwernthalben darjnn kein mangel befunden, das gericht nit schympffiert noch die partheyen zu schaden kommen werden, Auch euch erlaůbt vnd noch erlaůben, so yr euch auß eůwerm auff schreiben in dem nit genugsam erkünden mochtet, die principal acta in der Cantzley laůt der ordnung14 zu besichtigen, vnd yr dan in dem bißheer kleinen fleiß fürgewandt, darauß vns vnd dem gericht mergklich nachtheil vnnd den partheyen schaden nit wenig erwachsen: Demselben fürbaß fürderlich zu begegnen, vnser richterlich ampt der notturfft nach mit zutheilen, Erfordern vnd ermanen wir eüch Procuratores sampt vnd besunder, das yr vnd ein yeder zwischen hie vnd dem ersten gerichts tag nach der nehstkünfftigen vacantz, welche Termyn wir euch peremptorie ernennen vnd darzu setzen, mit trewem fleiß daran zu sein, den dermassen fürwendet vnd verschaffet, das nach bestympter zeyt eins yeden sach mit nottürfftigen gewelten vnd undergewelten, ratification vnnd Caution, wie zü recht geburt, versorgt, verschafft vnd bestellet, das fürther kein gebreche, kein nichtigkeit noch hyndernuß eůwernthalb befunden werde. Vnd so yr in bestympter zeyt sunder nachmals seůwmig befunden würdent, woͤllen wir alßdann yeden von eüch in die gerichts kosten, auch der partheyen schaden, sunder entgeltnuß derselben, von dem eůwern zu bezalen condemniern vnd straffen.
    [8.2.] In dem Procuratores der kleger in Recht erscheinen mit einbringung der ladung, Jnstrumenten, acta vnd andres der vorigen Jnstancien vnnd darneben zubestandt sich erbieten, soͤllen dieselben auff yren bestandt de rato in preparatoriis iudiciorum biß zu beuestigung des kriegs zugelassen werden, die in mitler zeit treůwen fleiß fürwenden, von yren principaln Ratification yres vorigen handels vnnd fürther gewalt zu der gantzen sachen verschaffen; vnd so einicher von yne in dem seůwmig würde, Alßdann kosten vnd schaden auff die sach gangen, von dem yren außrichten vnd bezalen vnd zü weyther handtlung in der hauptsach nicht gelassen werden sunder erlaubnüs des gerichts.
    ŠJn dem aber Procuratores auff vor gethane Caution sunder ferrer gewalt oder /LXIII’/ erlaůbnuß den krieg beuestigen vnd handelten vnnd vor beschluß der sach kein genugsam Ratification noch gewalt für sich vnnd yr undersatzten vnd andere, die von yren wegen gehandelt hetten, im recht brechten, Sollen dieselben nit allein in die gerichts kosten, sunder auch in andere scheden vnd nachteyll, [so] dem gericht vnd partheyen daůn entstünde, so vil recht ist, von dem yren vergenügen, außrichten vnd bezalen.
    [8.3.] Jn dem die Procuratores Jn recht erscheinen vor den beklagten, sollen dieselben nit zugelassen werden, sie theten dan vor genugsam Caution mit burgen oder anderm, wie recht ist, de Judicato soluendo, das ist für solich Summa oder estimation des gůts, darfür der beklagt in rechtfertiger [!] stunde.
    [8.4.] Vnd wie vor von den Procuratorn gemelt steet, sollichs mit yren vndersatzten auch gehalten werden soll.
    Jn dem die Procuratores yren gewalt mit der Citation oder sunst in anfang des rechten einbrechten laůt der vorigen gerichts ordnung15 vnd dieselb in macht yres gewalts vor beuestigung oder nach beuestigung des kriegs als herren desselbe