Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    « Nr. 166a Erwiderung kgl. Räte auf den Vortrag des französischen Gesandten Gian Antonio de Crivelli an die Reichsstände »

    [1.] Rekapitulation der frz. Argumentation hinsichtlich des alten Bündnisses zwischen Frankreich und dem Hl. Röm. Reich sowie hinsichtlich der Belehnung Kg. Ludwigs mit Mailand; [2.] Bruch des geltend gemachten Bündnisses durch Frankreich; [3.] Unrechtmäßigkeit des Anspruches Kg. Ludwigs auf das Hm. Mailand, Nichterfüllung der Lehnspflichten und Bruch der mit Kg. Maximilian geschlossenen Verträge durch Kg. Ludwig; [4.] Zurückweisung der Behauptung über ein Angebot an Kg. Ludwig bezüglich der Kaiserwürde, Vertragsbrüchigkeit des frz. Kg.; [5.] Erneuerung der Vorwürfe gegen Kg. Ludwig bezüglich seiner Absichten hinsichtlich des Papsttums, Darlegung der Vorgänge um die Eroberung Bolognas; [6.] Unrechtmäßigkeit der frz. Unterstützung für Karl von Egmond; [7.] herrscherliche Fürsorge Kg. Maximilians für das Reich; notorische Verletzung der Interessen und Rechte des Reiches durch Frankreich; [8.] Unrechtmäßigkeit der frz. Ansprüche auf Genua; Š[9.] Kennzeichnung der frz. Kgg. allgemein als Schädiger der Christenheit und Kg. Ludwigs insbesondere als ehrvergessenen Herrschers; [10.] Zurückweisung der Beschuldigung, die Verträge von Trient (1501) und Hagenau (1505) gebrochen zu haben, und des Vorwurfs der Agitation bei den Eidgenossen gegen Frankreich. – Resümee: [11.] Widersprüchlichkeit der frz. Vorwürfe gegen Kg. Maximilian; [12.] Aufkündigung des für Mailand bestehenden Lehnsverhältnisses durch Kg. Ludwig, Unrechtmäßigkeit des frz. Anspruchs auf Mailand; [13.] Absichten Kg. Ludwigs bezüglich des Papsttums und der Kaiserwürde; [14.] Unrechtmäßigkeit der Unterstützung Kg. Ludwigs für Karl von Egmond; [15.] Unrechtmäßigkeit des frz. Vorgehens gegen Genua und das übrige Reichsitalien; [16.] Vertragstreue Kg. Maximilians, fehlende Paktloyalität und feindselige Absichten Kg. Ludwigs gegen das Hl. Reich.

    Durch kgl. Räte den in Konstanz versammelten Ständen am 5. Juni 1507 verlesen.1 
    Göttingen, SUB, Cod. Ms. hist. 657, Bd. 3, fol. 548–569’ (spätere Kop. mit lat. Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen.2 Aufschr.: In disem puechel ist begriffen des röm. Kg. verantwortung auf die clag [Nr. 154], so der Kg. von Frankreich über den röm. Kg. auf disem Reichs tag zu Costenz den Kff., Ff. und stenden des Hl. Reichs unpillichen und mit erdichten worten getan hat.) = Textvorlage A.
    Druck: Goldast , Reichshandlung, S. 52–64 = B; Ders. , Politische Reichs-Händel, S. 274–284 = [C].3

    /549/ Als Kg. Ludwig von Frankreych auf dem reichstag, so yetz Kg. Maximilian, röm. Kg., unser allergnst. H., in der statt Costenz haltet, den Kff. und stenden des Hl. Reichs, daselbs versambelt, über das er seiner kgl. Mt. in derselben stund vil freüntschaft und alles gut zuempoten, durch seinen geschickten etlich artikel [Nr. 154] demselben Kg. Maximilian zu schmahe und verhinderung anzaigen lassen hat, wie hernach volgt.

    [1.] Am ersten, das ein alte pundnüs4 zwischen röm. Kss. und Kgg., auch allen stenden des Hl. Reichs an ainem und den Kgg. zu Frankreich anders tails aufgericht, mit ainer gülden bullen befestigt und bißher gehalten, von denselben Kgg. zu Frankreich und sunderlich von yetzo Kg. Ludwigen, der von seyner mueter aus teutscher nacion geborn, dawider nye gehandelt sein solle, wie auch die Kff. und Ff. des Reichs in craft solher pundnüs den Kgg. zu Frankreich als irem gesipten freünd und mitverwanten alwegen, so es not gewesen sey, mit ainer anzal volks wider meniglich, allain das Reich angeschlossena, hilf und beistand getan haben.
    /549’/ Verrer, das sich Kg. Ludwig gegen dem Röm. Reich allezit alle[r] billichait gehalten hab, sey abzunemen aus dem, als er das Hm. Mayland, so sein recht, natürlich Šerb seye, zu seinen handen pracht, hab er darüber sein investitur und lehen emphangen, die lehenspflicht und bezalung, so sich dem röm. Kg. und den Kff. umb die investitur gepürt, getan, auf hoffnung, das solhs alles durch die Kff. bestetigt werden sol, dann er in kainen weg dem Hl. Reiche sein gerechtigkait entziehen wolle.
    [2.] Dagegen sol und mag meniglich, der alte geschichten zu erfarn begird hat, wissen und in warheit glauben, wiewol war ist, das nach manigem schwern krieg, so under den Teütschen und Franzosen vor etlich hundert iarn geschwebt haben, vil freüntlicher vertreg der hl. cristenheit zugut aufgericht, die auch von röm. Kss., Kgg. und stenden des Hl. Reichs und der teütscher nacion eerlichen gehalten sein und von den der cron Frankreich in craft derselben vertreg alle freündschaft und guts beweist ist, als die Franzosen selber bekennen und in vil hendeln beypracht werden mag. Es ist doch dem Hl. Reich und teütscher nacion bißher von den Kgg. zu Frankreich alle widerwertigkeit, unfreundschaft und myßglauben erzaigt und bewisen, mit dem, das sy dem Reich noch den Teütschen in kainerlay weg hilf oder beystand nye getan, sunder haben ye und ye dem Hl. Reich sein macht, oberkeit und gerechtigkeit ab- /550/ gezogen, auch das Delphinat, Arelat und vil in der Schampanien, ainen drittail aus Flanderen, Torneck [= Tournai], Terwan [= Thérouanne], Boloni und vil ander stuck ains tails am ersten mit dem schwert, darnach etliche stuck durch tractet, mit gewalt wider pillichait gemacht, dem Hl. Reich abgedrungen und die laut derselben tractet nye zu lehen empfangen; und darzu understanden, die stift und stett Lüttich, Arras und Bullen5 mit vil andern stucken, so on mitl dem Hl. Reich zugehorn, abermals dem Reich gewaltiglich zu entziehen und damit die cron Frankreich zu erweytern und noch grosser zu machen, als dann Kg. Ludwig nu zumal mit den Hmm. Mayland und Geldern, auch der statt Genua und andern stenden in Ytalia wider das Reiche getan, darbey sich erfindet, dz er dieselben vertreg geprochen hat. Und wiewol er sich beruembt, von seiner muter ein Teütscher und von seiner grossmueter oder anfrauwen aus Mayland geporn zu sein, so erzaigt er doch aus demselben gegen dem röm. Kg. als rechtem oberherrn der Teutschen und Maylander kain lieb, treu, noch freuntschaft, sunder understeet auch, den Teutschen ir eer und wirde der ksl. cron und oberkeit zu nemen und daneben das babstumb ewiglich in sein hand zu pringen.
    [3.] Antreffend die belehnung des Hm. Mayland ist Kg. Ludwig nach des Hl. Reichs recht, herkomen und gewonhait kain erb, dan alle des Reichs belehente Fmm. auf mans- und kain frauenpersonen fallet6, /551’/ deshalben ime von recht und pillichait nit gepurt hat, das er sich daruber mit gewalt in das Hm. Mayland zu abbruch und verachtung des Reichs oberkeit eingedrungen und weilend Hg. Ludwigen als ain belechneten F. zu Mayland veriagt hat.
    Und als der röm. Kg. ime als dem, so Mayland dermassen unrechtlichen eingenomen und weyter die ytalischen lande dem Hl. Reich abzuwenden und seiner regierung zu underwerfen understanden, dasselb Hm. Mayland gelyhen hat, ist aus beweglichen ursachen, der dann ains tails Kff. und Ff. gut wissen tragen, und dannocht mit Šcondiction und fürworten zu eer und nutz dem Hl. Reich beschehen, nemlich under anderm, daz er durch seyn aigen person zu Pless des röm. Kg. potschaft bey schweren, unmenschlichen penen gesworn und sich verpunden, seyn Kgr. und vermügen zu eer und wolfart des röm. Kg. und Hl. Reichs zu erlangung der ksl. cron und zu widerstand der unglaubigen und allermeniglichs darzustrecken und zu sein ain freund der freund und veind der veind, niemands ausgenomen, mit dem anhang, das er sich in Ytalien noch anderßwo weder land, leüt noch guter, dem Reich zugehorich, verrer nit understeen, auch die ausgetriben Maylender widerumb einkomen und inen ire güter on entgeltnus volgen lassen, darzu dem röm. Kg. von derselben belehenung und anderer sachen wegen zwayhunderttausend franken, so sich ungefarlich hunderttausend cron laufen, bezaln wolle.7 
    /552/ Und ist offenbar, das er uber solh obgemelt aydspflicht durch den cardinal von Roan als seinen volmechtigen anwalt dem röm. Kg. in beywesen Kff. und Ff. in der statt Hagenau abermal ainem aid getan, der von wort zu wort also lautet: [/552–552’/ Wiedergabe des Lehnseids vom 6.4.1505 in deutscher Übersetzung]8 . Welchen ayd er nachmals in aigner person ratificiert hat, inhalt seiner brief, sygel und handzeichen.9 
    Aber das alles unangesehen hat der Kg. von Frankreich den röm. Kg. verhindert, damit er bisher die ksl. cron nit emphahen noch seinen furgenomen zug wider die ungelaubigen volbringen mügen. Dan er hat sich selbs mit herescraft in Ytalien getan, die stat Genua, so on mittl dem Hl. Reich zugehort, dafür sy sich auch selbs halt und erkent, und anders, dem Reich underwurfig, in seinen gewalt erobert und pracht. Und ist des verrer in teglicher übung, dardurch er sich gegen dem röm. Kg. und Hl. Reich nit als ain freund, sonder als ain veind erzaigt hat, auch nach /553/ laut des tractats die ausgetriben Maylender noch nit einkomen noch inen ire güter volgen lassen, und darzu dem röm. Kg. nit mer dan hundertausend franken bezalt.10 Und erfindt sich nit, wirdet auch unwarhaftig angezaygt, das der röm. Kg. von ime icht empfang, das den Kff. zugehort. Ist bei dem abzunemen, das er seiner kgl. Mt. noch hunderttausend franken vorgehalten hat.11 
    Darbey meniglich versteet, dz solh des Kg. von Frankreich furnemen und übung seinen vorgemelten zweyfachen gelübten und ayden ganz widerwertig ist und er damit sein eer in vergessen und zuruckstelt, wie sich verrer aus nachvolgenden handeln clerlichen erfindt.
    [4.] Zum andern hat der Kg. von Frankreich fürtragen lassen, der röm. Kg. wisse wol, das er dem Kg. von Frankreich die ksl. cron angepoten, soverr er weylend Kg. Philipsen von Castilien, seinem sun, zu demselben Kgr. Castilien und Hm. Burgundi helfen wolle, darauf er ime geantwort hab, er lasse sich seyner Kgr. und lande benüegen Šund wolle, sovil an im lig, die vorberürten alten pundnüssen zwischen dem Röm. Reich und den Kgg. zu Frankreich zu ewigen zeiten halten.
    /553’/ Sol abermals meniglich wissen, dz der Kg. von Frankreich im selbs in solhem ganz widerwartig ist und allen seinen grund auf die unwarhait setzt, geprauch sich auch manicherlay einfuerungen, die ainer kgl. wirde nit gezymen. Dann es mag menschen vernunft begreifen, dz er dem röm. Kg. an solhem unrecht tuet. Wer wolt gedenken, das der röm. Kg. die ksl. eer und wirde auf ainen, der ir nit empfahig, als Kg. Ludwig ist, wenden und sich dardurch als ain mechtiger, hochberüembter, streitbarer Teütscher den Franzosen, die gegen aller welt unmesiglichen gewalt und hochmut prauchen, underwerfen und gehorsam machen und sein und der Teütschen glauben und trauen in den, bey dem sy weder glauben noch trauen finden, setzen wolt? Ist auch nit not gewesen, das der röm. Kg. den Kg. von Frankreich umb hilf des Kgr. Castilien halben ersucht. Dann Kg. Ludwig hete das aus im selbs in craft der vorberürten vertreg gegen belehenung des Hm. Mayland seinen pflichten nach pilligen getan, dawider er aber des röm. Kg. sune, Kg. Philipsen, loblicher gedechtnüs, daran zu hindern understanden, wiewol Kg. Philips das erlangt und bis in seinen tod rüewiglich ingehabt und besessen. Und von wegen Burgund hat der röm. Kg. dasselb den merern tail mit dem swert erobert und in seiner regierung. Und ertregt der tail, so der Kg. von Frankreich vom Hm. noch besitzet, nit über fünfzehen- /554/ tausend cronen ierlicher gült. Das ist auch vor etlichen zeiten durch weylend Kg. Philipsen rete vortedingt worden sonder willen und wissen röm. kgl. Mt. 12 Derselb handel ist beschehen, voor und ee er mit dem röm. Kg. in keinen tractat gangen. So ist auch klar und wissend, das er sich an seinem Kgr. nit benüegen lasset, dieweil er dem Hl. Reich sein oberkeit und gepiet mit Mayland, Geldern, Genua und andern stucken wider all vertreg und sein ayd und pflicht entzeücht, dabei aber verstanden wirdet, das solh seyn fürgeben kaynen grund hat.
    Und als er sich berüembt, die alten pundnüssen zwischen dem Röm. Reich und den Kgg. zu Frankreich zu halten, sovil an ime lig, mag mit warhayt gesagt werden, das nichts an ime gelegen sy, dann er weder alt oder neu pundnüs und vertreg nye gehalten hat und ime auch durch seyn teologen, lerer seiner hl. schrift und die rechtsprecher des parlaments zu Parys geraten wirdet, das er die ayd, so er deshalben gesworn hat, zu halten nit schuldig sey, als er sich des durch seyn treffenlich potschaft, so er nechst bey dem röm. Kg. in der Steirmarch gehabt, in beywesen etlicher Kff. und Ff. selbs bekennt hat.13 Deßhalben sich kayner volzyehung solher alten noch neuen pundnüs oder vertreg noch ayniches guten zu im zu versehen ist.
    [5.] Verrer, als der Kg. von Frankreich anzaygen hat lassen, der röm. Kg. hab sein, des Kg. von Frankreich, genaigten willen, so er zu ime und dem Reich trag, /554’/ durch eyngeben etlicher engel des teufels Satan, der allzeit zweitrecht und unaynigkait zu machen begierig sey, nit erkennet mit dem, dz der röm. Kg. umb seynes aigen nutz willen an vil Ff. und reichstett smachbrief mit lauter iniurien hab ausgeen Šlassen, inhaltend, daz der Kg. von Frankreich understee, das babstumb seiner cron zu incorporieren und zuzuaigen, in maynung, die Kff. damit wider den Kg. von Frankreich zu bewegen. Dasselb sey ain gedicht, dann er die statt Bonony, so durch Carolum magnum, dieselb zeit Kg. zu Frankreich, dem stul zu Rom gegeben und die nachmals ander gewalt ob hundert iarn besessen, demselben stul widerumb überantwort habe, darumb sich der babst nichts ab ime beclag. Und wa yemands den babst oder stul zu Rom angreifen und ine davon entsetzen, wolt er als der allerchristenlichist Kg. und nachfolger der loblichen taten seiner vorfordern weg fürnemen, ine zu beschirmen, auch widerumb einzusetzen.
    Ist on not, vil zu sagen gegen dem, dz der röm. Kg. des Kg. von Frankreich genaygten willen nit erkenne, dan die vorerzelten geschichten demselben willen ganz widerwertig sein. Dann der röm. Kg. nichtz dann dz, so offenbar am tag ligt und des Reichs teütscher nacion und gemainer christenhait notturft erfordert, damit die warhayt fürkomen, durch eingeben des guten engels Gabriel hat außgeen lassen, dabey /555/ abzunemen ist, das der teüfel Satan mit seynen engeln und hellischer schar Kg. Ludwigen, seyn regierer und gewalthaber zu solhen uncristlichen, unmenschelichen, tyrannischen und unadelichen myssetaten wider die cristenhait und gemainen nutz raizen und bewegen, die auch in demselben wyetenden, unersetlichem gemüet in vergessung irer eren und pflicht verharren, das gut fliehen, das bos suchen und prauchen. Und ist von ainem yeden, der Got und eer vor augen hat, hoch zu verwundern, das Kg. Ludwig, sein regierern und gewalthabern in solhem die gottlich straf, ewig peyn und menscheliche verfolgung nicht besorgen und alzo nach franzosischer gewondhait mit gedicht und verkerter farb die warhayt verdecken wollen, als solte Kg. Ludwig nye geubt noch fürgenomen haben, das babstumb der cron Frankreich einzuleiben und sich des ainen gewaltigen moderatorem oder messiger zu machen mit einfürung der guttaten, so der nechst dem babst mit einantwortung der statt Bonony erzaigt habe. Sol meniglich der Franzosen gewondhait merken: b Sy singen hoher, dan genotiert, sy lesen anders, dan geschryben, sy reden und sagen anderst, dan inen im herzen ist-b, und daz sy ir laster und mysshandlung mit der frumben unschuld beclaiden und ir eer, ayd, brief, sigel, handzaichen und versprechen wenig bedenken und sich in eingang aller vertreg und pundnüssen mit überflissigem erbieten meniglich zu betriegen entschliessen, das in disem fall clerlichen erscheint. Die /555’/ Kgg. von Frankreich haben nu bey zwaynzig iarn her practiciert und gearbeyt, die bebst mit lieb, gedrang und droe zu bewegen, ir pos, mutwillig anschleg, eingriff, handlung und taten nit zu offenbarn, bey dem röm. Kg., Hl. Reiche noch anderswa umb kein hilf, trost oder retung anzusuechen, als sich yetzo mit unserm hl. vater, dem babst, erzaigt, der aus sorgen sein not und obligen nit offenbart. Und haben alzo die franzosische Kgg. irn füess in das hl. collegi der cardinal gesetzt und disen babst mit lieb, gelt und gedrang darzu pracht, das der Franzos nu sovil franzosischer, auch hispanischer cardinel hat, die im von des Kg. von ŠAragoni pundnüs und heirat14 anhengig sein und al tun werden und muessen, was der Franzos will, alles der maynung, dardurch das babstumb den ytalischen nach des yetzigen babsts tode durch wal, wo der Franzos in seinem leben solhs nit erlangen mochte, zu nemen und also baide nationen solhs zu empfrembden. Dann vor zwainzig iarn aus der ganzen cron Frankreich nu[r] drey cardinal, nemblich der von Burbon, Foys und Balua, der Andegavensium genant15, gewesen sein, die aus irm erbern, redlichen wesen allzeit der Franzosen posen handlung mysfallen getragen haben, darumb von inen swerlichen gehasset. Und inen zu widerwertigkeit haben dazumal die Franzosen understanden, etlich ander aus der cron Frankreich zu cardineln zu machen. Und als sy solhs anfenglich bey babst Innocentio nit erlangen mochten, erdachten sy den weg, das des yetzigen türkischen kaysers /556/ pruder, so derselben zeit in Frankreich gefangen lag und des Innocentius begert, im übergeben und zugestelt und dardurch noch drey Franzosen mit namen der hochmayster zu Rodis, der apt von St. Dionysi und der Ebf. von Portugalia zu cardinalen16 gemacht würden, über das Kg. Carl von Frankreich denselben Türken vormals Kg. Mathias von Hungern zugesagt, verschriben und mit ayden verpflicht und derselbig Kg. Mathias den Türken ganz gewiss geacht und von seinen wegen ob anderthalb hunderttausend ducaten ausgeben hat, aus der ursach, das er durch denselben Turken der gemainen cristenhait vil nutz schaffen und die Kgrr. Croacien, Bossen [= Bosnien], Sarveyc, Racia [= Raszien], Romania, Bulgaria, alle kriechische lande, auch die kaysertumb Trabisund und Constantinopl zu cristenlichem glauben und gehorsam bringen und erobern mügen.17 Und als Kg. Carl den Kg. von Neapols, der mit demselben Kgr. von dem stul zu Rom belehent was, vertriben het18, bezwang er den babst, noch mer Franzosen zu cardineln zu machen, das seydher für und für beschehen, bis es so weyt komen, das gewiss ist, so unser hl. vater, der babst, mit tod abgeen wurd, das ain geporner Franzos zu bebstlichem gewalt und regierung genomen müeste werden und darauf auch also dem Reich und teytscher nacion die ksl. cron indirecte empfremdt; als sich dan Kg. Ludwig nach abgang babst Alexanders und babst Pii iungst mit seinem oheim, dem cardinal von Roan, mit merklichen gaben, zusagen und geswynden practiken zü tun understanden, das aber der Almechtig durch der hl. vater des collegii volkomhait aus eingebung des Hl. Geistes verhüet hat. /556’/ ŠDarumb nit anders zu gedenken ist, dann das aus gottlicher fürgeschichtigkaitd dem Kg. von Frankreich und seynem cardinal ir unersetigter, poser, tyrannischer willen abgesnitten wirdet. Und wa das nit beschehen, weren sy der ganzen cristenhait nicht benügig, sonder aus irer angebornen natur der begierde, meniglich zu drucken, mit der scherpf und tyranney zu regieren und meniglich von allen ern, freyhaiten, güetern und guten sitten zu dringen und also aller undankparkait zu pflegen. Dann Kg. Ludwig sich zu mermaln gegen dem röm. Kg. und seinen potschaften angepoten, dz er ime helfen wolle, zway commun, Venedig und Aydgenosschaft, so ime und der cron Frankreich bißher am hochsten gedient haben und on dero hilf und zuetun er sich in Ytalien noch nit enthalten mag, ganz zu vertreyben und die dem röm. Kg. und ime zu underwerfen, und das dagegen der röm. Kg. ime seins unbillichen, unloblichen fürnemens in Ytalien stattgeben und zulassen solt. Aber der röm. Kg. hat solhs der Aydgenossen halb genzlich abgeslagen und für ursach angezaigt, dz sy zu teütscher nacion und dem Hl. Reich gehorn und ir mysferstande on allen zweyfel gegen dem röm. Kg. als irm rechten herrn bald gepessert werde, als dann ytzo beschicht.19 
    Antreffend die statt Bonony hat es die gestalt, der yetzig [Julius II.], auch babst Alexander und babst Innocentius haben vil weg gesuecht, die statt Bonony widerumb zu dem stul zu Rom zu erlangen. Sy sein aber alwegen durch die Kgg. von Frankreich daran verhindert. Dann sy haben den Bentivoya, so dieselb statt für sich selbs ingehabt und geregiert hat, in seinen und der cron Frankreich /557/ dienst, schutz und schyrm genomen, bis erst zuletst hat unser hl. vater babst mit Kg. Ludwigen ainen vertrag gemacht, ime zu Bonony zu helfen.20 Und wiewol er im das frey on allen costen zugesagt und sich darauf der babst genzlichen darnach gericht, so hat er doch in solhem irrung eingeworfen, seyn hilf in die leng verzogen, damit sich der babst in schwere, ungepürliche mittl gegen ime begeben und eingelassen hat, also das sein Hlt. allen costen, so auf das kriegsfolk zu ross und fuess, desgleichen veldgezeüg und anders geen würde, bezalen, auch dem statthalter zu Mayland [Charles d’Amboise], presidenten des Delphinats [Geoffrey Carles] und andern gubernatoren und hauptleüten in Mayland nit clain eerung von gelt und anderm tun und geben, desgleichen drey geporn Franzosen zu cardineln machen21 und nu hinfür der Kg. von Frankreich alle beneficien in Mayland ewiglich zu leyhen haben, auch der cardinal von Roan in seiner legacion in Frankreich perpetuiert und geewigt werden. Und wann der röm. Kg. zu empfahung der ksl. cron oder von anderer sachen wegen in Ytalien ziehen wurde, Šsolte der babst alles sein kriegsvolk zu hilf und beschirmung der Franzosen wider meniglich in Mayland schicken und dasselbs ligen lassen, bis der röm. Kg. wider aus Ytalien kome.22 Dagegen im der Kg. von Frankreich zugesagt und versprochen, die statt Bonony frey einzugeben, auch on sein wissen mit derselben statt noch dem Bentivoya als des babstes offenbarn veinde in gehaim noch offenlich nichts zu handln noch zu machen. Das aber Kg. Ludwig nit /557’/ gehalten noch im anfang willens gehapt, sonder den babst betruglichen in solh unleydenlich mittl eingefürt. Dan als der von Chaumont [Charles d’Amboise], des Kg. von Frankreich obrister hauptmann in Ytalien und Mayland, mit dem franzosischen kriegsfolk gegen Bonony gezogen ist, hat er underwegen etlich in gehaym zu dem Bentivoy geschickt und uber solhen vertrag ime, auch seynen synen und derselben zugeherich und verwandten sicherhayt angepoten, sover er ime zwayunddreissigtausent ducaten geben und ime die statt Bonony in des Kg. von Frankreich hend stellen welle, mit der vertrostung, ine in kurze wider einzusetzen. Das der Bentivoya also angenomen und die summa gelts biß in fünfzehentausend ducaten gemessiget, die auch der gemelt von Chaumont empfangen, dardurch sich der gemelt Bentivoy on wissen des babsts mit weib, kinderen, allen seinen frunden und geüterene frey aus der statt gezogen und den Franzosen ergeben hat. Und in solichem abzug haben die Franzosen understanden, die statt Bonony mit gewalt einzunemen, in mainung, die selbs zu behalten. Das aber des röm. Kg. rat und potschaft, so dazumal zu Bonony geweßt ist, mit hilf der frummen gemain daselbs mit werhafter hand verhüet, die Franzosen zuruckgeschlagen und den babst mit seinem volk eingelassen.23 Und wiewol Bentivoya und seine verwandten und alle die, so sy enthalten, in bebstlichem schweren pan verkundt sein, so hat doch der Kg. von Frankreich ine und die seinen in seinem enthalt und schirm und kurzelichen in dreye monaten her des Bentivoya zweyen sünen etlich kriegsvolk, gelt und leut zugeschoben, Bonony /558/ alzo wider einzunemen, und das selbs auch practiciert, die sich das darauf zu tun und auch den babst weiter zu vertreiben understanden. Aber sobald der Kg. von Frankreich dise lobliche versamlung des Reichs und das der röm. Kg. dem babst hilf tun woll, das im auch die Aydgnossen empfallen und abgezogen sein, gesehen, hat er in solichem des Bentivoya süne widerum zuruckgestelt und sein heymlich, listig, poß anschleg mit neuem gedicht verdeckt und verplüembt.24 
    Es wird sich auch nit erfinden, das die Kgg. von Frankreich ye ichts in Italien gehabt haben. Dann was Carolus magnus dem stul zu Rom mit Bonony und anderm bewyßt, hat er aus ksl. wirde und macht als ain geborner Teutscher und kain Franzos getan. ŠUnd dieweil er über die Franzosen als ain Teütscher geherschet hat, so kumpt daraus gleicherweyse den Franzosen ain begierde, herwiderumb die Teütschen zu regieren und das Hl. Röm. Reich in dz franzosisch pluet erblich zu ziehen. Dann sy sagen, Carolus magnus sey ain Franzos gewest, dz doch nicht. Er ist in Brabant zwischen Leuen und Prussel, das in teütscher nacion ligt, geborn worden.25 
    Ist nüe zemal aus den vor- und nachfolgenden taten und geschichten in aller welt der gemain ruef und für ein warheit gehalten, das der Kg. von Frankreich in übung ist, das babstuemb seiner cron einzuleyben [und] nachfolgend die ksl. cron der teütschen nacion zu entziehen, darumb er dem fueßstapfen etlicher frumer cristenlicher Kgg., seiner vorfordern, nit nachfolget, sunder die Franzosen volgen nach etlichen /558’/ und nemlichen den, die der pos veind von diser welt lebendig sichtiglich versuektf hat, und nemen sich derselben wegen an, gebrauchen sich auch des. Und als er yetzo den zug in Italien fürgenommen, hat er den seinen, so er mit unleydenlichen schatzungen beschwert, angezaygt, er welle dardurch den Franzosen ain solhe neue eer und glori erlangen, dergleichen in vil hundert iarn der cron Frankreich nye zuegestanden sey, und darauf für ine und die seinen auf der canzeln teglichs predigen und pitten lassen. Dabey abzunemen ist, das er nit allain die stat Genua gemaint, sunder ime vil ain merers fürgesetzet, das aber on abpruch des bebstlichen stuels und Hl. Reichs oberkait und gerechtigkeit in Italien, so beiden heuptern on mittel zugehort, nit beschehen mag. Damit er für und für understeet, sy irer eren, wirden, oberkaiten und gerechtigkaiten on all redlich ursachen mit geswynden, ungetreuen und verblüembten anschlegen zu berauben. Das aber unser hl. vater babst und der röm. Kg., das Hl. Reich und gemaine cristenhait ime als ainem unersettigten wüeterich, irrer und verhinderer unsers hl. glaubens nit gestatten sollen. Dan ungezweyfelt Got, unser heilmacher, gegen ime bewegt, so ist die cristenhait in solher macht und vermüegen, das ime widerstand gnug beschehen mag. Es wil aber kainen verzug erleyden, nachdem er meniglich in Italien mit seiner macht erschreckt und also dringt, das weder babst noch ander sich des aus grossen sorgen offenlichen nit beclagen. Wie kan /559/ er dan mit warhait fürgeben, das er ain beschirmer des babsts sein welle? Und ist wol zu glauben, dz er das babstumb kainen andern dan seinen oheim, dem cardinal von Roan oder, wo derselb nicht were, ainem andern Franzosen gunnet.
    [6.] Zum vierden hat der Kg. von Frankreich fürtragen [lassen], von wegen des Hm. Geldern wisse er, das Röm. Reich gewondhait und gebrauch sey, das röm. Kss. oder Kgg. kainen seinen lehensman oder vasal on des Reichs Kff., Ff. und stende, die nit verdechtlich, als der Ebf. von Trier und sein verpündnüs sey, rat und erkantnüs bekriegen solle. Und dieweil der röm. Kg. darüber den Hg. von Geldern angrüffen und überzogen, habe er die fürsorg getragen, wo der röm. Kg. denselben Hg. als seinen gesipten freünd uberwinden, wurde er darnach andern Kff. und Ff. ainen nach dem andern gleycherweyse tun, sy absetzen und priviren und sich dardurch ainen erblichen Ks. machen. Dan er sich und seine enikel, Ff. zu Castilien, Hh. hoher- und Šniderteütscher landen enhalb und dishalb Reins nenne und berüeme, dz er das mittel der teütschen lande in seiner gehorsam habe. Darumb sey der Kg. von Frankreich demselben seinen gesipten freünd zu hilf komen, nit als ain Kg. von Frankreich oder das er seinem Reich das Hm. Geldern züaignen wolt, sunder als ain lehensman des Reichs von wegen des Hm. /559’/ Mayland. Dann er sey [und] wolle sein in solchem fall ain schützer und schirmer und so ain gueter Teutscher als kain F. im Hl. Reich und ein passerer beschirmer derselben Ff. dan der röm. Kg., der ir zerstorer sein welle.
    Derselb handel hat im grund die gestalt und ist clar, das weilent Hg. Karl von Burgundi das Hm. Geldern von ainen Hg. zu Gülch, der von dem Hl. Reich damit belehent gewesen ist, erkauft26 und das darauf von Ks. Friderichen dem dritten, hochloblicher gedechtnüs, wie sich gepürt, empfangen.27 Und nach desselben Hg. Carls abgang hat sein ksl. Mt. das yetzo dem röm. Kg. 28 und zuletst derselb röm. Kg. weilent seiner kgl. Mt. süne, Kg. Philipsen von Castilia, in beywesen des cardinals von Roan als des Kg. von Frankreich potschaft und vil treffenlicher personen von Kff. und Ff. auch gelyhen29, das die Franzosen nye widersprochen, sunder darzu geraten und geholfen haben. Darumb clar ist, das H. Carl von Egmund zu dem Hm. Geldern ganz kain gerechtigkait hat, dan weylent sein anherr und vater, die von Egmund geporn sein, haben sich alzo unrechtlich und unbelehent wider das Hl. Reich in das Hm. eingedrungen. So haben darnach Hg. Karl von Burgundi, loblicher gedechtnüs, und der röm. Kg. das auf solch ir gottlich gerechtigkait zu zwayen maln mit dem swert erobert. Und wiewol der röm. Kg. das Hm. gut zeit berüeblich ingehabt und besessen, /560/ so hat doch Kg. Carl von Frankreich uber das alles demselben Carln von Egmund offenbar hilf und fürschub getan, damit er das Hm. ungewarnet und ungewart aller eren heimlich eingenomen und dem röm. Kg. empfrembdt. So hat diser Kg. Ludwig von Frankreich Carln von Egmund und die Gelderschen bisher stetigs mit grossem gelt, damit kriegsvolk zu ross und zu fuss auß teutscher nacion wider den röm. Kg. und dz Hl. Reich zu underhalten, gesterkt. Und wiewol nachmals zwischen seiner kgl. Mt. und dem Kg. von Castilia an ainem und demselben von Egmünd anders tails etlich vertreg und sunderlich ainer, darinne clarlichen begriffen ist, das Carl von Egmund dem Ebf. von Coln vier statt zu gelauben und underpfand, das er solichen vertrag volziehen wolle, einsetzen sol, aufgericht, gemacht und durch in gelobt und geschworn30, so sein doch Šdie in kainem artikel durch ine nit volzogen, sunder alwegen mutwilliglich verprochen und darüber wider den röm. Kg. mit offenbarer tat gehandelt. Deßhalben, ob er zu Geldern ainich gerechtigkait gehabt, als er nit habt, so hette er doch die auß den und andern ursachen verwurkt, darumb der röm. Kg. [nach] des Hl. Reichs ordnungen und satzungen, auch nach rate der Kff., Ff. und stenden des Reichs mit gutem grund wider ine hat handln mugen. Und waysst sich in den und andern sachen, das Reich betreffend, als ain gerechter, regierender, gesalbter /560’/ und consecrierter Kg. wol zu halten, das er auch bißher unverweyßlichen getan hat und hinfür tun wirdet.
    Und als er den Ebf. zu Trier und sein pundnüs verdechtlich haltet, sein dieselben glider und verwandten des Hl. Reichs und haben dem röm. Kg. nichtz anders, dan was frümben eerlichen irn phlichten nach gepürt, geraten und geholfen, und werden solchs noch begierlicher tun. Und were nit not gewesen, sy zu sondern, dan all andere stende des Reichs und gemainlich die ganz cristenhait wissen und erkennen der Franzosen unwarhait, poßhait und betryegery, die wider frid oder ainigkait, eere und aufnemen der cristenhait und gemaines nutz nit erleyden und die frumben getreuen, so sy auf ir seyten nit bewegen mügen, hassen und verfolgen. Und ist ungezweyfelt, wo Karl von Egmund von des Kg. von Frankreich kain hilf gehabt, hette er sich vor guter zeit in des röm. Kg. und Hl. Reichs gehorsam ergeben. Aber der Kg. von Frankreich als der, so nit allain mit solcher hilf wider sein angezaigt ayd und pflicht gehandelt, sonder all ander ayd, brief und sigl geprochen, hat ime an den von Egmund ainen gesellen fürgenomen, ime in solchen unadelichen, unerbaren taten helfen zu herschen und anzuhangen, der auch bißher gleicherweyse ayd, brief und sigl geprochen und nitg gehalten hat. Nu erkennet sich der Kg. von Frankreich ainen gelobten, gesworn lehensman des Hl. Reichs und das er Carln von /561/ Egmund wider den röm. Kg., uber das er des vor allzeit gegen dem röm. Kg. gelaugnet, hilf und beystand getan und verer tun welle und dardurch den röm. Kg. an mererm, so seiner kgl. Mt. zusteen mocht, verhindert habe. Darbey versteet meniglich, das ime uber sol[ch] sein vorgemeldt ayd und pflicht wider den röm. Kg. mit worden oder werken zu handeln noch ine zu belaydigen nit gepurt. Darumb er durch sein selbs offenbar bekantnus bezeugt, das er denselben seinen ayd geprochen und damit veloniam und crimen lese maiestatis begangen hat und in die pene, in den aufgerichten vertragen begriffen, mit offenbarer tat gefallen ist. Deßhalben mit geistlicher und weltlicher straf gegen ime gehandelt werden solle.
    [7.] So wirdet auch der röm. Kg. durch den Kg. von Frankreich beschuldiget, das er nach eroberung Geldern ander Kff., Ff. auch vertilgen und sich dardurch erblicher Ks. machen werde und hohern titel, dan im und seinen enkeln zugehore, gebrauch. Beschicht alles der maynung, die Kff., Ff. und stende gegen dem röm. Kg. in unwillen und unglaubenh und das loblich fürnemen, so auf disem reichstag angesehen ist, und sunst alle ander des Reichs und der cristenhait sachen und wolfart zu irren und zu Šverhinderen, damit er darzwischen seinen posen willen und nachmals das, so er dem röm. Kg. unpillichen zuemisst, wider des Reichs stende und ander auch volbringen müge. Daran tut er dem röm. Kg. unrecht. Dan er hat von iugent auf biß zu diser stund in allen sachen gegen Kff., Ff. und allermeniglichen als aini frumber Kg. loblichen und guetiglichen gehandelt und /561’/ wider sy nye nichtz ungepürlichs oder unpillichs furgenommen und sich allain der titl, die im und seinen enikeln [Karl und Ferdinand]  rechtlichen zusten, gepraucht und die erbschaft des Röm. Reichs in sein herz und gemut nye gesetzt. Dan dem röm. Kg. mitsampt seinen eniklen sein von gottlicher schickung sunst sovil treffelicher Kgrr., Fmm. und land zugestanden, das sy sich der benuegen und settigen lassen, die sy auch mit hilf der Kff., Ff. und stende des Hl. Reichs als iren gesipten freunden und verwandten zu erobern und zu behalten understeen werden, in ansehung, das dieselben erbland schilt und schlissel sein wider die Franzosen und ander des Hl. Reichs und teutscher nacion anfechter und durchechter, das auch der röm. Kg. bißher in des Hl. Reichs sachen mer dan sein vermogen leübs und guts in streyten und ander weg getreulich dargestreckt, sein pluet vergossen und das Reich bißher mit der regierung, frid, recht und gehorsam kuniglich, eerlich und redlich underhalten, demselben eer und lob erlangt, mer dann in langen zeiten beschehen ist. Und hat darin des Reichs wolfart für sein und seiner eniklen aigen nutz angesehen und betracht. Und wo der Kg. von Frankreich ine mit seinen posen, uncristelichen anschlegen und übungen nit verhyndert hette, ungezweifelt der röm. Kg. seiner cristenlichen angeporn begird, fleyss und arbeit nach nuzumal den unglaubigen an land und leuten merklichen abpruch getan und inen vil seelen entzogen und sovil gehandelt, das die hl. cristenhait der sorgen und beswerungen, darin sy auf disen tag gegen den unglaubigen steet, frey und vertragen wer.
    Ferrer, als [der] Kg. von Frankreich /562/ sich beruembt, das er so ein guter Teütscher als kain F. im Hl. Reich, auch ain pesserer beschirmer derselben Ff. dann der röm. Kg., der allain ir zerstorer sey, erkent meniglich des röm. Kg. frumbkeit, kuniglich und adelich gemuet, tugend und gnad, so er seinen verwandten und aygen feinden manigfaltiglich beweyst, und daz er nit genaygt, noch ye an ime gespürt oder befunden ist, die Kff., Ff. und stende des Hl. Reichs zu erstorn oder ichts ungepurlichs gegen inen fürzunemen noch zu handln, sunder hat von anfang seiner regierung bis auf disen tag zum hochsten gedacht und gearbeit, frid und ainigkait under inen zu behalten, ir eer, nutz und aufnemen zu furdern und den, so in clainem vermügen sein, zu helfen. Dabey angenomen wirdet, daz er dem röm. Kg. zumessen wil das, des er sich vorberurter weise wider meniglich on alle scham frevenlichen gepraucht, dan er mit warhait niemands anzaigen mag, dawider der röm. Kg. ichts ungepürlichs gehandelt habe. Und wo des Kg. von Frankreich geschichten nachgefragt, wirdet er ain zerstorer des babstlichen stuls, Hl. Reichs und gemainer cristenhait und ain irrer und verhinderer aller irer wolfart erfunden. Dan die Kgg. von Frankreich haben die Kgg. von Neapols, so vom stuel zu Rom belehent gewesen sein, wider alle recht und pillichait gewaltiglich vertriben und das nachmals gegen dem Kg. von Aragonia, so ime das Kgr. Neapols widerumb Šabgenomen hat, auch zu tun, deßgleichen understanden, die Kgg. von Engelland, von Novarra und sunderlich Kg. Philipsen von Castilia, loblicher gedechnüs, der den Kg. von Frankreich bey eeren und wirden behalten, ganz /562’/ auszutreiben und zu vertilgen, wie er dann mit Hg. Ludwigen von Mayland als aynem belehenten F. des Hl. Reichs getan hat, den er noch fenglichen haltet.
    Er hat auch die Aydgnossen in den röm. Kg. und das Reich, desgleichen den yetzigen Kg. von England in den andernj Ritscharten31 gehetzt, den er erschlagen und von seinem Kgr. gedrungen hat, und sich understanden, dem Kg. von Hispany die land Perpinian und Rossilion abzugewinnen. Item den Hg. zu Brytanni32 (zu schetzen) getodt und darauf seine tochter [Anna] und lande mit dem schwert in seinen gewalt gedrungen und pracht. So ligt am tag, das er des Hl. Reichs Ff. in Ytalien, nemlich Saphoy, Piemont, Monteferrar, Mantua und Ferrar, auch die stett und commune Mayland, Genua, Florenz, Pisa, Luca, Senis und ander, so alle on mittl dem Hl. Reich zugehorn, zu schwerer schatzung merklichs gelts, silbergeschier, clainat und anderm, ob zehenmal hunderttausent ducaten wert, nu etwevil iar her gedrungen und so weyt pracht, das sy ime anhangen, dienen und gehorsam sein, auch ire regiment mit halbem tail seiner verpflichten besetzen muesen, sy mit franzosischem kriegsvolk beladen. Wil auch etlich gewaltig in Ytalien mit weybern, aus Frankreich geborn, verheyraten, alles wider des Hl. Reichs oberkait und gerechtigkait und demselben zu grossem abbruch, smach und schaden. Sunderlich so üben und prauchen die Franzosen irn lust und muetwillen so gar tyrannisch, uncristenlich und unmenschelich mit junkfrauwen und frauwen, auch irn mannen und gesipten, die ir eer gern retten wolten, so offenbarlich on /563/ alle zucht, onk straf, das die frumben, cristenlichen Teütschen billichen beherzigen und beswern, die auch gedenken und fürdern sollen, damit solh grausam übel und swere purde nit auf sy komen oder wachsen.
    [8.] Zum vünften zaigt der Kg. von Frankreich an, das die statt und Hft. Genua ime von altem herkomen zugehore, auch ob hundert iarn under den Kgg. von Frankreich und irm besitz gewesen und durch sy etlichen Hgg. von Mayland in leheweyse verlyhen.33 Und als ime nachmals dieselb statt zugestellt worden und widerumb abgefallen sey, hab er die abermals erobert. Und wiewol er ursach gehabt, sy darumb swerlichen zu strafen, so hab er doch dem exempel Gottes, des er auf diser welt der fürnemisten statthalter ainer sey, nachzufolgen solh strafe underlassen.
    Weyter, so sey des röm. Kg. tun und handlung allayn gegryndt, Kff. und Ff. zu verfürn und sy zu bewegen, über den Kg. von Frankreich zu ziehen, damit er den von Egmund, der sich nennet Hg. zu Geldern, aus Geldern vertreiben und seines enikels [Karl], des prinzen von Castilia, erbland erweytern und hoch- und niderteütsch lande in seiner gehorsam halten möge, das aber die Kff. nit leyden, sunder bedenken solten, das inen dergleichen auch beschehen mochte. Und wo sy solhs tun, wolle er nichtz Šwider dz Reich zu handln, sunder understeen, in solhem fall des Reichs gerechtigkait zu beschirmen etc.
    Nu erfindt sich nit, daz die Kgg. von Frankreich zu derselben statt und Hft. Genua nye kayn gerechtigkait gehabt. /563’/ Dann es ist offenbar, das Genua ain camer des Hl. Reichs und alle ir freyhaiten und privilegia von demselben Reich und am letsten yetz von dem röm. Kg. bestatung derselben erlangt und ine, alß er persondlich bey inen gewesen ist, für irn rechten herrn auß pillichait und ungedrungen erkennt, ime auch die schlissel entgegenpracht.34 So haben sy von alter her und noch ir münz under des Reichs namen, nemlich Kg. Conradus, geschlagen.35 Und irret nit, ob die Kgg. von Frankreich die vormals ingehabt oder occupiert oder auch etlich Hgg. von Mayland die vormals von den Kgg. von Frankreich empfangen, dann solhs dem röm. Kg. und Hl. Reich nit preiudicieren noch ainichen schaden pringen mag. Und dieweil sich alzo erfindt, das dieselb statt dem Hl. Reich und nit dem Kg. von Frankreich zugehort, so hat ime seinen pflichten nach abermals nit gepürt, die wider dz Hl. Reich einzunemen und dermassen zu vergweltigen und sy des irn on recht und mit dem schwert zu entsetzen und zu berauben und des Hl. Reichs undertanen irs guten golds und silber solher tyrannischen gestalt zu erschopfen.
    [9.] Er ist auch kain statthalter des almechtigen Gots, als er sich beruembt, sunder des gemainen nutz und aller fürnemen, so der cristenhait zugut beschehen, ain offenbarer zerstorer und verhinderer. Dann er und seine vordern haben alwegen vor etwevil hundert iarn und noch understanden, dem Reich und allen seinen nachpern daz ir abzuziehen und gewaltiglich zu nemen, und nye /564/ betracht, gemainer cristenhait zu hilf etwas wider die unglaubigen zu handln, wiewol sy sich die cristenlichen Kgg. nennen, dz doch nit sein sol, sonder derselb titl und predicat gehort allain ainem röm. Ks. oder Kg. zu. Dann sich die Kgg. von Frankreich bißher recht veinde des gemeinen nutz und der cristenhait mit irn posen handlungen erzaigt und gemacht. Und nemen denselben titl nit anders an, dann daz sy in aynem verdeck[t]en scheyn wollen sein und werden erb röm. Kss. Und wiewol die Franzosen unaussprechenlich muetwillig fürnemen und unglauben mit manigerlay geschichten geübt haben, so hat doch der röm. Kg. nicht desterminder aus kgl. miltigkait und güte bißher darinne geruet und stillgehalten und Kff., Ff. und stende umb hilf wider sy und sunderlich Kg. Ludwigen nye angesucht, noch sy wider ine bewegen wollen, der hoffnung, sy solten aus irn menigfaltigen guten worden und fürgeben sich bekert und recht gehalten haben. Dieweil sy aber in solhem irm mutwillen verharren, so erhaischt des röm. Kg. und Hl. Reichs notturft, das nit lenger zu gedulden, sunder sy deßhalben umb hilf und rat zu ersuchen. Darumb die kgl. Mt. disen gegenwürtigen reichstag ausgeschriben hat, ungezweifelt, des Reichs stende werden sich in disem fall des Reichs notturft nach wol wissen zu halten, auch aus vor und hernach geschriben meldungen zu ermessen und zu erkennen, was gestalt im grund des Kg. von Frankreich willen und fürsatz ist (er plüem das, wie er woll), den röm. Kg. als ain teütsch künftigen Ks. zu verachten, zu smehen und im sein durchzug zu erlangen, die /564’/ ksl. cron durch unwarhayt und Štrug und zuletst auch mit dem schwert und seiner grossen macht abzustellen, dardurch Kff., Ff. und stende des Hl. Reichs zu erschrecken und sy verrer zu bewegen, seiner uncristenlichen, betrugenlichen einfüerungen glauben zu geben und damit von der treu, gehorsam und dienstbarkait, darynnen sy sich bißher gegen dem röm. Kg. als irm rechten herrn, handhaber und beschirmer erzaigt und gehalten haben, abzuwenden, daran sy sich aber aus irer angepornen vernunft und redelichait nit kern, sunder ime getreulich anhangen werden.
    Zum sechsten beclagt sich der Kg. von Frankreich verrer des röm. Kg. ausschreiben, darinne er ine aines unglaubens, tyranney, unadelichen gemüts und verzaghait beschuldich, und achte, das der röm. Kg. darinne seiner eeren vergessen und die zurückgesetzt und sich der Kg. von Frankreich in den aufgerichten vertragen dermassen gehalten, das er den namen aines F. des glaubens erlangt habe.
    Dagegen welle meniglich glauben, was der röm. Kg. in dem vom Kg. von Frankreich geschriben, des er doch nit alles bekent, hat er mit gutem grund und warheit getan, das er auch mit ayd, briefen, sigln, seinen aygnen handzaichen, auch mer dan mit ains Kg. potschaften, Kff., Ff., Gff., Hh., edln, ritter, knechten und gelerten in gar merklicher anzal von allen nacion, so darbey gwesen sein, auch anderm glaublichen schein gnugsamlich beweisen mag. Deßhalben sich befindt, das der Kg. von Frankreich sein eer zurückgesetzt und des röm. Kg. unschuld mit seinem laster gern /565/ beclaiden und bedecken welt. Aus dem allem, wie vorsteet, auch den nachfolgenden articlen abzunemen ist, das er ain F. sey, der ayd, glauben und trauwen halt.
    [10.] Zum sibenden hat der Kg. von Frankreich lassen melden, es hab der röm. Kg. wider den vertrag, zu Trient36 aufgericht, gehandelt mit dem, das er dem Kg. von Aragon wider den Kg. von Frankreich hilf getan und den grossen hauptman zu Neapols, Consalvo Ferdinando, etlich tausent landsknecht zugeschickt, damit derselb das Kgr. Neapols erobert habe.
    Solhs des Kg. von Frankreich fürtrag ist frembd zu horn. Dann es ist offenbar, dz der Kg. von Frankreich den berürten vertrag zu Trient in kainem stuck nie gehalten, und nit allain denselben vertrag, sunder auch den vertrag zu Pless37, der zu becreftigung des berürten vertrags bey den hochsten penen gemacht ist, wider sein eer und ayd geprochen und umbgangen, wie das aus demselben vertrag zu Pless, auch aus der potschaft von Frankreich werbungen, so am letsten in der Steyrmark gewesen ist, clerlichen verstanden wirdet. Und als der röm. Kg. etwevil fuessknecht Consalvo Ferdinando, grossem hauptman in Neapols, zugut dem Kg. von Aragonia geschickt, das hat ir glimpf und fueg gehabt, dan der Kg. von Aragon des röm. Kg. pundsgnoss und confederat. So sein zu derselben zeit die sechs monat des anstands, im vertrag zu Trient bestimpt, verschinen und dazumal der Kg. von Frankreich mit dem Hm. Mayland des röm. Kg. veind gewesen, deßhalben der Kg. von Frankreich mit unwarheit den röm. Kg. beschuldigt, das er denselben vertrag nit gehalten habe.
    /565’/ Zum achten hat der Kg. von Frankreich verrer anzaigt, der röm. Kg. hab den tractat und vertrag, nachmals zu Hagenau gmacht, von stund nach desselben besluss Šgeprochen. Dan wiewol weylent des Kg. von Castilia süne [Ehg. Karl] sein ainige tochter, frau Claudia, zu der hl. ee solt genomen, dannocht hab der röm. Kg. weg gesucht, desselben von Castilia sune des Kg. von England tochter und auch des von Castilia tochter wider denselben vertrag zu verheiraten.
    Dasselb ist abermals fremd zu horn. Dann der röm. Kg. hat in denselben heyraten nye nichts gehandelt, dz wider die tractet sey. Dann bißher weder Hg. Carl noch weylent Kg. Philips tochter kaine dann erst yetz im fuesstapfen Hg. Carl allain verheyrat ist. Man hat auch von kainer heyrat nye nichts zu reden angefangen, bis der Kg. von Frankreich den Gelderischen offenbar hilf und beystand getan. So hat er auch dem Delphin [Franz von Orléans] sein tochter wider den berürten vertrag, auch sein eer, ayd und pflicht, wie meniglich wissent ist, verheyrat und er damit denselben vertrag geprochen. Und wie es derselben heyrat halben ain gestalt hat, wissen etlich Kff., Ff., Gff. und Hh. gute zeügnüs anzuzaigen, die solh handlung ayns tayls selbs gehandelt und von der potschaft des Kg. von Frankreich, so iüngst in der Steyrmark bey dem röm. Kg. gewesen ist, gehort haben; die mogen solhs und, was durch die potschaft geworben und fürtragen ist, der loblichen versamblung hie anzaigen und eroffnen.
    Zum neu[n]den hat des Kg. von Frankreich geschickter angezaigt, der röm. Kg. hab über solh vertreg die /566/ Aydgnossen von des Kg. von Frankreich pundnus abwenden und dieselben wider ine bewegen und sich mit inen in ain sunder pundnüs begeben wollen.
    Nü findt sich in kainem vertrag oder rechten, das kgl. Mt. verpoten sey, mit den Aydgnossen oder andern des Hl. Reichs undertanen zu handhabung desselben Reichs zu handeln. Aber dem Kg. von Frankreich laut der berurten vertreg38 und nemlich in craft des alten vertrags mit der gülden bull39, zwischen dem Reich und der cron Frankreich aufgericht, auch seinen phlichten und ayden verpoten, sich der undertanen des Reichs nit zu underwünden, noch sich zu inen zu verpinden.

    Hernach volgt zu lautrer underricht ain sumari aller vorgeschriben artikel

    [11.] Auß dem allen befindt sich scheinbarlichen, das die Franzosen alle ire einfurungen und grund auf gedicht und unwarheit stellen und in allen artiklen irn gefangen, argwenigen stilum continuiren und verfolgen, in welhen artiklen sy inen selbs widerwertig sein, nachdem sy dieselben zwayerley und ungleich gstalt außwerfen, nemlich das sy fürtragen, als solt der röm. Kg. dem Kg. von Frankreich die ksl. cron angepoten [haben], und zaygen doch an andern orten an, der röm. Kg. welle das kaysertumb ime und seine[n] iungen kindern erblich zuaignen. Deßhalben auß der und andern bewerten ursachen den Franzosen nicht zu glauben ist.
    [12.] Der Kg. von Frankreich erkent und beruembt sich ainen /566’/ vasal, F. und lehensman des röm. Kg. und Hl. Reichs und bezeugt uber sich selbs, das er dem röm. Kg. grosse und swere ayd und pflicht getan habe. Aber daentgegen versweygt er, das er Škurzlichen durch sein treffenliche potschaft, so er in der Steyrmark bey dem röm. Kg. gehabt, in beywesen Kff., Ff. und anderer dem röm. Kg. alle ayd, handlung und die belehnung hat aufgesagt und des ainen schein genomen, als haben ime seine theologi und lerer seiner hl. geschrift und die liechter der hohen schul zu Parys, auch seine rechtsprecher seins parlaments zu Parys und anderßwa geraten und angesagt, das er nicht schuldig sey, kainen ayd und sunderlich die ayd, so er dem röm. Kg. gesworn, zu halten und deshalben ain neue investitur mit frembden gestalten an den röm. Kg. mit grossen anbieten begert, darin aber der röm. Kg. ime nicht willfarn hat wellen.
    Es befindt sich aus obbemelten artiklen, das der Kg. von Frankreich zu dem Hm. Mayland kain erb ist noch kain erbliche gerechtigkait darzu [hat]. Und hat sich deßhalben on recht und grund in Mayland mit gewaltiger tyranney gedrungen, halt auch dasselbig auf disen tag zu nachtail, abpruch und verclainung des röm. Kg. und des Hl. Reichs oberkaiten und rechten on titl innen.
    Es befindt sich, das die investitur, dem Kg. von Frankreich Mayland halben beschehen, demselben Kg. weder recht, gerechtigkait noch ainichen titel gibt, nachdem er sich selbs bekent, auch sunst offenlich am tag ligt, das /567/ er seine lehensphlicht nicht gehalten, seine ayd geprochen und wider sein phlicht den widerwertigen und ungehorsamen desselben röm. Kg. und des Hl. Reichs, nemlich Carln von Egmünd, so sich Hg. in Geldern nennet, auch andern hilf, fürschub, rate, beystant und sterk zugeschoben und getan und darzu wider die vertreg und sein phlicht des Hl. Reichs leut, lande und verwandten sich underfangen, dieselben beschedigt und in vil weg belaydigt, auch allerlay conspirationes, anschleg und fürsetz wider den röm. Kg., seinen oberherrn, gemacht und wider die ordnung des Hl. Reichs, auch den aufgerichten friden getan, denselben in vil sachen zu verhindern, als er selbs bekent, understanden. Darumb der Kg. von Frankreich sein getan ayd geprochen, veloniam und crimina lese maiestatis begangen und sich damit bayder penen, geistlich und weltlich, in craft der vertreg und sunst von rechts wegen aufgesetzt, tailhaftig gemacht hat und mit der tate darein offenlich gefallen und alle gerechtigkait verwürcht. Deßhalben er zu Mayland kain gerechtigkait hat und dasselb Fm. auf disen heutigen tag als lehen dem röm. Kg. und dem Hl. Reich zugehort.
    [13.] Es befindt sich auß allen vorgemelten einfüerungen, das sich die Franzosen arbaiten und üben, den röm. Kg. und das Hl. Reich, das doch ain leyb [und] ain seel ist, mit unwarhaftigen, erdichten anschlegen besichtenl zu entzwayen und das fruchtbar fürnemen dises loblichen /567’/ Reichs tags, so zu nutz der ganzen christenheit, des stuels zu Rom und Hl. Reichs beschicht, zu errütten und dardurch gemainen nutz und wolfart der cristenheit, wie sy vormals allwegen getan haben, zu hindern, damit sy darzwischen ir unersettigte, uncristenliche begirde und tyranney gegen unserm hl. vater, dem babst, etlichen stenden und verwandten des Reichs in Ytalien volbringen und volstrecken mögen.
    Es befindt sich auch auß allen gemainen, offenbaren sagen und anzaigungen, auch auß allen anschlegen und geschichten, oben nach der leng und bedeutlich angezaigt, das die Franzosen on underlaß nach dem babstumb sich gearbayt, dasselb der franzosischen Šzungen einzuleyben und nachfolgend die edln und teurn Teütschen der ksl. cron und wirde zu berauben, mit baiden stucken sich zü erhohen und dardurch über alle welt zu herrschen. Es erscheint sich auch, dz auf disen tag sovil franzosischer cardinel gemacht sein, das ungezweifelt ist, wo unser hl. vater, der babst, von diser zeyt schayden solte, das aus not ain franzosischer babst erwelt müeste werden, dardurch das babstumb der welschen zungen entzogen, auch dem Hl. Reich darauß manigfaltig nachtail erwachßen mochte. Wer wolt vermainen, das die Franzosen nicht nach dem babstumb und [der] ksl. cron sich arbeyten, dieweil sy offenlich und heimlich alle ir anschleg setzen, fürnemen und dermassen handln? Obgleich die sach nit offenbar und ny bewysen were, so mocht doch meniglich solh ir fürnemen und begierde auß aller geschicht und vermüetung abnemen /568/ und erkennen. So macht auch weylent Kg. Karl von Frankreich der nechst ain münts von gold und silber, darauf gescriben stunde: Pater Patriae – dz ist vater des vaterlands, id est röm. Ks. 40 
    [14.] Es befindt sich auch auß gemeltem fürtrag, das zu dem Hm. Geldern auß natur der lehen und sunst von rechts wegen allein weylend Hg. Carl von Burgundi, nachmaln der röm. Kg., darnach weylent Kg. Philips als von dem Hl. Reich damit belehenet und yetzo Hg. m Carl von Osterreich, F. zu Castilien, recht und gerechtigkeit gehabt und haben. Deßhalben Carl von Egmund mit hilf der Franzosen on recht und mit gewalt nach vil vertragen, so derselb von Egmund gesworn und doch nach franzosischer art, daselbs er solhs gelernt, nye kainen gehalten, sich darein gedrungen und zu abpruch des Hl. Reichs oberkaiten und rechten das noch ainstails innen hat.
    Es befindt sich auß des Kg. von Frankreich aygner bekantnüs und obgemelten fürtrag, das die franzosischen Kgg. nicht schuldig sein sollen, eer, ayd, phlicht und vertrag dem röm. Kg., irm oberherrn von Mayland wegen, zu halten. Aber ainem ungehorsamen, maynaydigen, uncristenlichen menschen, als Carl von Egmund, so yetz sy als irm freund wider den röm. Kg. hilf zu tun gepunden, solh recht und ordnung gebe inen Got in irm künigreich.
    [15.] Es befint sich auß gemeltem fürtrag, dz Genua ain camer /568’/ und statt des Reichs ist und nicht den franzosischen Kgg. zugehorig. Es befindt sich auch, was der Kg. von Frankreich ab derselben statt Genua, auch den Fmm., comunen und stetten, dem Hl. Röm. Reich on mittl zugehorig, als Mayland, Safoy, Piemont, Montferrar, Ferrer, Mantua, Florenz, Luca, Senis, Pisa und andern, in silber, golt und andern gesogen, genot und gedrungen habe, das sich weit über zehenmal hunderttausent ducaten laufet, das doch allain dem Hl. Reich zughort, zusampt dem, dz eer dieselben zu abpruch des Hl. Reichs oberkaiten in dienst, servitut und sold bezwingt, sy ainstails mit franzosischen regimenten und personen, dem Kg. von Frankreich allain gewertig und verwandt zü sein, besetzet und also in forcht wider [des] Hl. Reichs fryhaiten drugkt und beswert. Und so der Franzos sich solhs zu tun nit schamet, ist wol abzunemen, das sich die Franzosen nit weniger schamen werden, nach dem babstum und der ksl. cron zu trachten.
    Š[16.] Es befindt sich aus allen einfüerungen, das den Franzosen mit handgeschriften noch ainigen anzeigungen, so wider sy beschehen solt sein, nit unrecht beschehen ist, want sy solhs hohers und merers bekent und sich beruembt, dann vormaln nye von inen geschriben und gesagt ist.
    Es befindt sich, das der röm. Kg. alle und yede fürtragn, mit den Franzosen gemacht und eingangen, kgl. und getreulich gehalten und volzogen, darumb der Kg. von Frankreich unpillicher weys der und andrer sachen halben, wie dieselben ermeldt sein, den röm. Kg. tuet beschuldigen, dann /569/ die offenbar tate und unschuld entschuldigt den röm. Kg. Und darbey ist abzunemen, das die Franzosen ir offenbare myshandlung und laster mit unschuld des edlen, teurn und frumben röm. Kg. gern wollen beclaiden; wann daz, so sy dem röm. Kg. auflegen, des sein sy offenbar verbrecher.
    Es befindt sich auch aus dem fürtrag des Kg. von Frankreich, dz die Franzosen die stende des Reichs mit droung und abslagung bewegen wollen, das sy inen irs uncristenlichen fürnemens volg tun und gestatten sollen. Daraus abermaln derselben Franzosen pos, tyrannisch gemüet gegen dem röm. Kg. und dem Hl. Reich abzunemen ist.
    Zum letsten und beschließlich, so befindt sich aus den franzosischen einfüerungen und allen offenbarn geschichten, das die Franzosen gegen den röm. Kg. noch dem Hl. Reich in gemain oder sunderhait, offenlich noch heymlich weder pundnüs, truwen, glauben, eer, ayd, phlicht, verschreibungen, sigel, handzaichen noch zusagen nye gehalten, sunder denselben offenlich, frevenlich, unverschambt widergangen und dawider gehandelt, das mit briefen, sigln, handzaichen, lebendigen kundschaften und uberflissigem scheyn bewisen mag werden. Deßhalben meniglich betrachten sol, was doch die Franzosen damit vermainen, was auch aus solhem verfolgen wolle. Wan so offenlichen Got, dem rechten und den eeren vorzugeen, muess ainen künftigen anschlag bedeüten und etwas groß anzaigen, das aus allen geschichten nicht wol anders mag verstanden noch abgenomen /569’/ werden, dan das solhs beschehen werde wider den stul zu Rom, den röm. Kg. und das Hl. Reich, daraus nachmaln ain gemaine zerrüttung gemainer christenhait und des christen glaubens erwachsen wirdet.
    Actum zu der zeit des loblichen reichstags zu Costenz, Ao. Domini etc. fünfzehenhundert und im sibenden.

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    Anmerkungen

    1
     Gemäß Nr. 148 [Pkt. 40 – Uf samstag ... meynung:]. Daß diese Fassung und nicht der an die eidgenössischen Orte übergebene Text [Nr. 166b] auf dem RT verlesen wurde, ist aufgrund von App. b-b evident.
    2
     Kurzbeschreibung der Handschrift: Meyer , Handschriften II, S. 197–201.
    3
     Nachweise selbständiger zeitgenössischer Druckfassungen bei Weller , Repertorium, Nr. 398, S. 46; Schmit von Tavera , Bibliographie 1/1, Nr. 843, S. 95; Short-title catalogue , S. 602.
    4
     Siehe Nr. 148, Anm. 4.
    5
     =Bouillon.
    6
     Kg. Ludwigs XII. erhob als Enkel Valentina Viscontis Anspruch auf das Hm. Mailand [Nachweise s. Nr. 154, Anm. 6].
    7
     Bündnisvertrag von Blois, 22.9.1504 [Nachweise s. Nr. 148, Anm. 48].
    8
     Regest: Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 82, S. 232.
    9
     Vgl. ebd., Nr. 319, S. 432 Anm. 3.
    10
     Vgl. ebd., Nr. 81, S. 231.
    11
      Kg. Maximilian hatte auf dem Hagenauer Tag am 5.4.1505 Henri Bohier den Empfang von 100 000 Livres – der Hälfte der vereinbarten Lehnstaxe für das Hm. Mailand – quittiert (ebd., Nr. 81, S. 231). In der Folge bemühte er sich vergeblich um die Zahlung der zweiten Tranche (ebd., Nrr. 319, Pkt. 4; 344, Pkt. 7 mit Anm. 7; 833).
    12
     Vertrag von Paris, 20.7./2.8.1498 [Nachweise s. Nr. 150, Anm. 24].
    13
     Gemeint ist die im Aug. 1506 bei Kg. Maximilian vorstellig gewordene frz. Gesandtschaft. Vgl. Nrr. 4, Anm. 13; 154, Anm. 7.
    14
     Vertrag von Blois, 12.10.1505 [Nachweise s. Nr. 5, Anm. 24].
    15
     = Kardinäle Charles II. de Bourbon, Ebf. von Lyon (Kardinalserhebung 1476, gest. 1488), Pierre de Foix, Bf. von Aire (Kardinalserhebung 1476, gest. 1490; Pastor , Geschichte II/3, S. 635f.) und Jean Balue, Bf. von Angers (Kardinalserhebung 1467, gest. 1491; ebd. II/2, S. 387f.).
    16
     = Pierre d’Aubusson, Großmeister des Johanniterordens (Kardinalserhebung 1489, gest. 3.7.1503), Jean III. de Villiers, Bf. von Lombez, Abt von St. Denis (Kardinal 1493, gest. 1499) und Jorge da Costa, Ebf. von Lissabon (Kardinal 1476; Pastor , Geschichte II/3, S. 636).
    17
     Der Johanniterordensmeister Pierre d’Aubusson lieferte Prinz Cem, den Bruder Sultan Bayezids, 1489 an Papst Innozenz VIII. aus. Neben anderen hatte sich auch Kg. Matthias Corvinus von Ungarn bemüht, Cems habhaft zu werden ( Nehring , Corvinus, S. 182f.; Labande-Mailfert , Charles, S. 98–101; Biancardi , Chimera, S. 177–179).
    18
     Karl VIII. zwang Kg. Alfons II. im Januar 1495 zur Abdankung. Dessen Sohn Ferdinand eroberte das Kgr. Neapel nach dem Abzug Karls noch im gleichen Jahr zurück.
    19
     Hinweis auf die laufenden Verhandlungen mit den Eidgenossen.
    20
     Kg. Ludwig von Frankreich stand den päpstlichen Ambitionen auf Bologna eigentlich ablehnend gegenüber. Dennoch gab er Julius II. eine vage Hilfszusage, die von frz. Gesandten – nach dem Beginn des Feldzuges am 22.8. – widerwillig erneuert wurde ( Pastor , Geschichte III/2, S. 727f.; Shaw , Julius, S. 153, 158f.; Wiesflecker , Maximilian III, S. 248f.; Seneca , Venezia, S. 86; Patrizi Sacchetti , Caduta, S. 121, 124; Berti , Cronaca, S. 107. Vgl. dagegen Quilliet , Louis, S. 375; Baumgartner , Louis, S. 192f.).
    21
     Papst Julius II. hatte am 18.12.1506 in einem geheimen Konsistorium die Erhebung von drei Verwandten George d’Amboises zu Kardinälen verkündet: Jean-François de la Trémoille, Ebf. von Auch, René de Prie, Bf. von Bayeux, und Louis d’Amboise, Bf. von Alby. Die Publikation dieser Kardinalskreationen erfolgte erst am 17.5.1507 ( Landucci , Tagebuch, S. 141 Anm. 1; Pastor , Geschichte III/2, S. 741f.).
    22
     Zu den Gegenleistungen Papst Julius’ II. für Frankreich vgl. Pastor , Geschichte III, S. 741f.; Seneca , Venezia, S. 87f.; Patrizi Sacchetti , Caduta, S. 144; Quilliet , Louis, S. 375f.
    23
     Dies ist so keinesfalls richtig. Vgl. auch die dem widersprechenden Darlegungen Kg. Maximilians selbst in seinem Entwurf für das RT-Ausschreiben [Nr. 4, Pkt. 7und haben also ... ziehen welle.] und im RT-Ausschreiben [Nr. 5, Pkt. 4Und solch ... bescheyden müssen.].
    24
     Zum gescheiterten Unternehmen von Annibale, Antongaleazzo und Ermes Bentivoglio vgl. Berti , Cronaca, S. 119; De Caro , Bentivoglio, S. 598f., 632.
    25
     Der Geburtsort Karls d. Großen ist unbekannt. Vgl. Hägermann , Karl, S. 35f.
    26
     Verkauf der Erbrechte auf Geldern durch Hg. Gerhard I. von Jülich-Berg, 20.6.1473 (Nachweis: Nijhoff , Gedenkwaardigheden V, Nrr. 4f., S. 4).
    27
     Lehenbrief Ks. Friedrichs III. für Hg. Karl den Kühnen von Burgund über das Hm. Geldern und die Gft. Zutphen vom 6.11.1473 [Nachweise s. Nr. 148, Anm. 44].
    28
     Lehenbrief Ks. Friedrichs III. für Ehg. Maximilian von Österreich und Hgin. Maria von Burgund über das Hm. Geldern und die Gft. Zutphen vom 19.4.1478 (Druck: Lünig , Reichsarchiv VII (Partis Specialis Continuatio I), 2. Abt., Anhang, 2. Absatz, Nr. XIX, S. 116f.).
    29
     Lehenbrief Kg. Maximilians für Kg. Philipp von Kastilien über das Hm. Geldern und die Gft. Zutphen vom 4.4.1505 (Druck: Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 76, S. 226).
    30
     Vertrag zwischen Kg. Maximilian, Ehg. Philipp und Hg. Karl von Geldern vom 18.8.1494 (Druck: Nijhoff , Gedenkwaardigheden VI/1, Nr. 112, S. 73–80. Regest: Angermeier , RTA-MR V/1, Nr. 1076, S. 867; Wiesflecker , Regesten I/1, Nr. 950, S. 102. Vgl. Struick , Gelre, S. 36–38; Wiesflecker , Maximilian I, S. 380f.); Erklärung Hg. Karls von Geldern vom 18.8.1494 (Regest: Angermeier , RTA-MR V/1, Nr. 1077, S. 867; Nachweis: Nijhoff , Gedenkwaardigheden VI/1, Nr. 113, S. 80. Vgl. Lacomblet , Urkunden IV, Nr. 464, S. 574f.).
    31
     = Kg. Richard III. von England (gest. 1485).
    32
     = Hg. Franz II. von der Bretagne (gest. 1488).
    33
     Vgl. Nr. 154, Anm. 12.
    34
     Vgl. Nr. 19, Anm. 3.
    35
     Vgl. Nr. 148, Anm. 58.
    36
     Vertrag von Trient, 13.10.1501 [Nachweise s. Nr. 148, Anm. 47].
    37
     Vertrag von Blois, 22.9.1504 [Nachweise s. Nr. 148, Anm. 48].
    38
     Vgl. den Vertrag von Trient vom 13.10.1501 ( DuMont , Corps IV/1, Nr. VII, S. 15–17; Wiesflecker , Regesten III/1, Nr. 12570, S. 538) und Art. 6 des Hagenauer Vertrags vom 4.4.1505 ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 75, hier S. 223 mit Anm. 2).
    39
     Vgl. Nrr. 148, Anm. 4; 166b, Anm. 2.
    40
     Vgl. Nr. 167, Anm. 22.

    Anmerkungen

    a
     angeschlossen] In B, C richtig: außgeschlossen.
    b
    -b Sy ... ist] Diese auffällige Formulierung findet sich auch im RT-Protokoll [Nr. 148, Pkt. 40a – Dann sy ... gemut sige. Ebd., Pkt. 40c – Dann sy ... herzen ist.], nicht jedoch in der gekürzten eidgenössischen Fassung [Nr. 166b].
    c
     Sarvey] In B, C: Sirvey. Gemeint ist Serbien.
    d
     fürgeschichtigkait] In B, C: Fuͤrsichtigkait.
    e
     geüteren] In B, C: Guͤtern. – Zum Abzug der Bentivoglio aus Bologna vgl. De Caro , Bentivoglio, S. 631f.; Patrizi Sacchetti , Caduta, S. 132f.; Cloulas , Jules, S. 152f.
    f
     versuekt] In B, C eindeutig: verzuckt.
    g
     nit] In B, C: nye.
    h
     unglauben] B, C ergänzen: zu bewegen.
    i
     ain] In B, C danach: gerechter.
    j
     andern] In B, C folgt: Kg.
    k
     on] In B, C richtig: vnd.
    l
     besichten] In B, C: bezichten.
    m
     Hg. ] In B, C: Ertzhertzog.
    n
     fürtrag] In B, C eindeutig: vertrag.

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    « Nr. 166a Erwiderung kgl. Räte auf den Vortrag des französischen Gesandten Gian Antonio de Crivelli an die Reichsstände »

    [1.] Rekapitulation der frz. Argumentation hinsichtlich des alten Bündnisses zwischen Frankreich und dem Hl. Röm. Reich sowie hinsichtlich der Belehnung Kg. Ludwigs mit Mailand; [2.] Bruch des geltend gemachten Bündnisses durch Frankreich; [3.] Unrechtmäßigkeit des Anspruches Kg. Ludwigs auf das Hm. Mailand, Nichterfüllung der Lehnspflichten und Bruch der mit Kg. Maximilian geschlossenen Verträge durch Kg. Ludwig; [4.] Zurückweisung der Behauptung über ein Angebot an Kg. Ludwig bezüglich der Kaiserwürde, Vertragsbrüchigkeit des frz. Kg.; [5.] Erneuerung der Vorwürfe gegen Kg. Ludwig bezüglich seiner Absichten hinsichtlich des Papsttums, Darlegung der Vorgänge um die Eroberung Bolognas; [6.] Unrechtmäßigkeit der frz. Unterstützung für Karl von Egmond; [7.] herrscherliche Fürsorge Kg. Maximilians für das Reich; notorische Verletzung der Interessen und Rechte des Reiches durch Frankreich; [8.] Unrechtmäßigkeit der frz. Ansprüche auf Genua; Š[9.] Kennzeichnung der frz. Kgg. allgemein als Schädiger der Christenheit und Kg. Ludwigs insbesondere als ehrvergessenen Herrschers; [10.] Zurückweisung der Beschuldigung, die Verträge von Trient (1501) und Hagenau (1505) gebrochen zu haben, und des Vorwurfs der Agitation bei den Eidgenossen gegen Frankreich. – Resümee: [11.] Widersprüchlichkeit der frz. Vorwürfe gegen Kg. Maximilian; [12.] Aufkündigung des für Mailand bestehenden Lehnsverhältnisses durch Kg. Ludwig, Unrechtmäßigkeit des frz. Anspruchs auf Mailand; [13.] Absichten Kg. Ludwigs bezüglich des Papsttums und der Kaiserwürde; [14.] Unrechtmäßigkeit der Unterstützung Kg. Ludwigs für Karl von Egmond; [15.] Unrechtmäßigkeit des frz. Vorgehens gegen Genua und das übrige Reichsitalien; [16.] Vertragstreue Kg. Maximilians, fehlende Paktloyalität und feindselige Absichten Kg. Ludwigs gegen das Hl. Reich.

    Durch kgl. Räte den in Konstanz versammelten Ständen am 5. Juni 1507 verlesen.1 
    Göttingen, SUB, Cod. Ms. hist. 657, Bd. 3, fol. 548–569’ (spätere Kop. mit lat. Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen.2 Aufschr.: In disem puechel ist begriffen des röm. Kg. verantwortung auf die clag [Nr. 154], so der Kg. von Frankreich über den röm. Kg. auf disem Reichs tag zu Costenz den Kff., Ff. und stenden des Hl. Reichs unpillichen und mit erdichten worten getan hat.) = Textvorlage A.
    Druck: Goldast , Reichshandlung, S. 52–64 = B; Ders. , Politische Reichs-Händel, S. 274–284 = [C].3

    /549/ Als Kg. Ludwig von Frankreych auf dem reichstag, so yetz Kg. Maximilian, röm. Kg., unser allergnst. H., in der statt Costenz haltet, den Kff. und stenden des Hl. Reichs, daselbs versambelt, über das er seiner kgl. Mt. in derselben stund vil freüntschaft und alles gut zuempoten, durch seinen geschickten etlich artikel [Nr. 154] demselben Kg. Maximilian zu schmahe und verhinderung anzaigen lassen hat, wie hernach volgt.

    [1.] Am ersten, das ein alte pundnüs4 zwischen röm. Kss. und Kgg., auch allen stenden des Hl. Reichs an ainem und den Kgg. zu Frankreich anders tails aufgericht, mit ainer gülden bullen befestigt und bißher gehalten, von denselben Kgg. zu Frankreich und sunderlich von yetzo Kg. Ludwigen, der von seyner mueter aus teutscher nacion geborn, dawider nye gehandelt sein solle, wie auch die Kff. und Ff. des Reichs in craft solher pundnüs den Kgg. zu Frankreich als irem gesipten freünd und mitverwanten alwegen, so es not gewesen sey, mit ainer anzal volks wider meniglich, allain das Reich angeschlossena, hilf und beistand getan haben.
    /549’/ Verrer, das sich Kg. Ludwig gegen dem Röm. Reich allezit alle[r] billichait gehalten hab, sey abzunemen aus dem, als er das Hm. Mayland, so sein recht, natürlich Šerb seye, zu seinen handen pracht, hab er darüber sein investitur und lehen emphangen, die lehenspflicht und bezalung, so sich dem röm. Kg. und den Kff. umb die investitur gepürt, getan, auf hoffnung, das solhs alles durch die Kff. bestetigt werden sol, dann er in kainen weg dem Hl. Reiche sein gerechtigkait entziehen wolle.
    [2.] Dagegen sol und mag meniglich, der alte geschichten zu erfarn begird hat, wissen und in warheit glauben, wiewol war ist, das nach manigem schwern krieg, so under den Teütschen und Franzosen vor etlich hundert iarn geschwebt haben, vil freüntlicher vertreg der hl. cristenheit zugut aufgericht, die auch von röm. Kss., Kgg. und stenden des Hl. Reichs und der teütscher nacion eerlichen gehalten sein und von den der cron Frankreich in craft derselben vertreg alle freündschaft und guts beweist ist, als die Franzosen selber bekennen und in vil hendeln beypracht werden mag. Es ist doch dem Hl. Reich und teütscher nacion bißher von den Kgg. zu Frankreich alle widerwertigkeit, unfreundschaft und myßglauben erzaigt und bewisen, mit dem, das sy dem Reich noch den Teütschen in kainerlay weg hilf oder beystand nye getan, sunder haben ye und ye dem Hl. Reich sein macht, oberkeit und gerechtigkeit ab- /550/ gezogen, auch das Delphinat, Arelat und vil in der Schampanien, ainen drittail aus Flanderen, Torneck [= Tournai], Terwan [= Thérouanne], Boloni und vil ander stuck ains tails am ersten mit dem schwert, darnach etliche stuck durch tractet, mit gewalt wider pillichait gemacht, dem Hl. Reich abgedrungen und die laut derselben tractet nye zu lehen empfangen; und darzu understanden, die stift und stett Lüttich, Arras und Bullen5 mit vil andern stucken, so on mitl dem Hl. Reich zugehorn, abermals dem Reich gewaltiglich zu entziehen und damit die cron Frankreich zu erweytern und noch grosser zu machen, als dann Kg. Ludwig nu zumal mit den Hmm. Mayland und Geldern, auch der statt Genua und andern stenden in Ytalia wider das Reiche getan, darbey sich erfindet, dz er dieselben vertreg geprochen hat. Und wiewol er sich beruembt, von seiner muter ein Teütscher und von seiner grossmueter oder anfrauwen aus Mayland geporn zu sein, so erzaigt er doch aus demselben gegen dem röm. Kg. als rechtem oberherrn der Teutschen und Maylander kain lieb, treu, noch freuntschaft, sunder understeet auch, den Teutschen ir eer und wirde der ksl. cron und oberkeit zu nemen und daneben das babstumb ewiglich in sein hand zu pringen.
    [3.] Antreffend die belehnung des Hm. Mayland ist Kg. Ludwig nach des Hl. Reichs recht, herkomen und gewonhait kain erb, dan alle des Reichs belehente Fmm. auf mans- und kain frauenpersonen fallet6, /551’/ deshalben ime von recht und pillichait nit gepurt hat, das er sich daruber mit gewalt in das Hm. Mayland zu abbruch und verachtung des Reichs oberkeit eingedrungen und weilend Hg. Ludwigen als ain belechneten F. zu Mayland veriagt hat.
    Und als der röm. Kg. ime als dem, so Mayland dermassen unrechtlichen eingenomen und weyter die ytalischen lande dem Hl. Reich abzuwenden und seiner regierung zu underwerfen understanden, dasselb Hm. Mayland gelyhen hat, ist aus beweglichen ursachen, der dann ains tails Kff. und Ff. gut wissen tragen, und dannocht mit Šcondiction und fürworten zu eer und nutz dem Hl. Reich beschehen, nemlich under anderm, daz er durch seyn aigen person zu Pless des röm. Kg. potschaft bey schweren, unmenschlichen penen gesworn und sich verpunden, seyn Kgr. und vermügen zu eer und wolfart des röm. Kg. und Hl. Reichs zu erlangung der ksl. cron und zu widerstand der unglaubigen und allermeniglichs darzustrecken und zu sein ain freund der freund und veind der veind, niemands ausgenomen, mit dem anhang, das er sich in Ytalien noch anderßwo weder land, leüt noch guter, dem Reich zugehorich, verrer nit understeen, auch die ausgetriben Maylender widerumb einkomen und inen ire güter on entgeltnus volgen lassen, darzu dem röm. Kg. von derselben belehenung und anderer sachen wegen zwayhunderttausend franken, so sich ungefarlich hunderttausend cron laufen, bezaln wolle.7 
    /552/ Und ist offenbar, das er uber solh obgemelt aydspflicht durch den cardinal von Roan als seinen volmechtigen anwalt dem röm. Kg. in beywesen Kff. und Ff. in der statt Hagenau abermal ainem aid getan, der von wort zu wort also lautet: [/552–552’/ Wiedergabe des Lehnseids vom 6.4.1505 in deutscher Übersetzung]8 . Welchen ayd er nachmals in aigner person ratificiert hat, inhalt seiner brief, sygel und handzeichen.9 
    Aber das alles unangesehen hat der Kg. von Frankreich den röm. Kg. verhindert, damit er bisher die ksl. cron nit emphahen noch seinen furgenomen zug wider die ungelaubigen volbringen mügen. Dan er hat sich selbs mit herescraft in Ytalien getan, die stat Genua, so on mittl dem Hl. Reich zugehort, dafür sy sich auch selbs halt und erkent, und anders, dem Reich underwurfig, in seinen gewalt erobert und pracht. Und ist des verrer in teglicher übung, dardurch er sich gegen dem röm. Kg. und Hl. Reich nit als ain freund, sonder als ain veind erzaigt hat, auch nach /553/ laut des tractats die ausgetriben Maylender noch nit einkomen noch inen ire güter volgen lassen, und darzu dem röm. Kg. nit mer dan hundertausend franken bezalt.10 Und erfindt sich nit, wirdet auch unwarhaftig angezaygt, das der röm. Kg. von ime icht empfang, das den Kff. zugehort. Ist bei dem abzunemen, das er seiner kgl. Mt. noch hunderttausend franken vorgehalten hat.11 
    Darbey meniglich versteet, dz solh des Kg. von Frankreich furnemen und übung seinen vorgemelten zweyfachen gelübten und ayden ganz widerwertig ist und er damit sein eer in vergessen und zuruckstelt, wie sich verrer aus nachvolgenden handeln clerlichen erfindt.
    [4.] Zum andern hat der Kg. von Frankreich fürtragen lassen, der röm. Kg. wisse wol, das er dem Kg. von Frankreich die ksl. cron angepoten, soverr er weylend Kg. Philipsen von Castilien, seinem sun, zu demselben Kgr. Castilien und Hm. Burgundi helfen wolle, darauf er ime geantwort hab, er lasse sich seyner Kgr. und lande benüegen Šund wolle, sovil an im lig, die vorberürten alten pundnüssen zwischen dem Röm. Reich und den Kgg. zu Frankreich zu ewigen zeiten halten.
    /553’/ Sol abermals meniglich wissen, dz der Kg. von Frankreich im selbs in solhem ganz widerwartig ist und allen seinen grund auf die unwarhait setzt, geprauch sich auch manicherlay einfuerungen, die ainer kgl. wirde nit gezymen. Dann es mag menschen vernunft begreifen, dz er dem röm. Kg. an solhem unrecht tuet. Wer wolt gedenken, das der röm. Kg. die ksl. eer und wirde auf ainen, der ir nit empfahig, als Kg. Ludwig ist, wenden und sich dardurch als ain mechtiger, hochberüembter, streitbarer Teütscher den Franzosen, die gegen aller welt unmesiglichen gewalt und hochmut prauchen, underwerfen und gehorsam machen und sein und der Teütschen glauben und trauen in den, bey dem sy weder glauben noch trauen finden, setzen wolt? Ist auch nit not gewesen, das der röm. Kg. den Kg. von Frankreich umb hilf des Kgr. Castilien halben ersucht. Dann Kg. Ludwig hete das aus im selbs in craft der vorberürten vertreg gegen belehenung des Hm. Mayland seinen pflichten nach pilligen getan, dawider er aber des röm. Kg. sune, Kg. Philipsen, loblicher gedechtnüs, daran zu hindern understanden, wiewol Kg. Philips das erlangt und bis in seinen tod rüewiglich ingehabt und besessen. Und von wegen Burgund hat der röm. Kg. dasselb den merern tail mit dem swert erobert und in seiner regierung. Und ertregt der tail, so der Kg. von Frankreich vom Hm. noch besitzet, nit über fünfzehen- /554/ tausend cronen ierlicher gült. Das ist auch vor etlichen zeiten durch weylend Kg. Philipsen rete vortedingt worden sonder willen und wissen röm. kgl. Mt. 12 Derselb handel ist beschehen, voor und ee er mit dem röm. Kg. in keinen tractat gangen. So ist auch klar und wissend, das er sich an seinem Kgr. nit benüegen lasset, dieweil er dem Hl. Reich sein oberkeit und gepiet mit Mayland, Geldern, Genua und andern stucken wider all vertreg und sein ayd und pflicht entzeücht, dabei aber verstanden wirdet, das solh seyn fürgeben kaynen grund hat.
    Und als er sich berüembt, die alten pundnüssen zwischen dem Röm. Reich und den Kgg. zu Frankreich zu halten, sovil an ime lig, mag mit warhayt gesagt werden, das nichts an ime gelegen sy, dann er weder alt oder neu pundnüs und vertreg nye gehalten hat und ime auch durch seyn teologen, lerer seiner hl. schrift und die rechtsprecher des parlaments zu Parys geraten wirdet, das er die ayd, so er deshalben gesworn hat, zu halten nit schuldig sey, als er sich des durch seyn treffenlich potschaft, so er nechst bey dem röm. Kg. in der Steirmarch gehabt, in beywesen etlicher Kff. und Ff. selbs bekennt hat.13 Deßhalben sich kayner volzyehung solher alten noch neuen pundnüs oder vertreg noch ayniches guten zu im zu versehen ist.
    [5.] Verrer, als der Kg. von Frankreich anzaygen hat lassen, der röm. Kg. hab sein, des Kg. von Frankreich, genaigten willen, so er zu ime und dem Reich trag, /554’/ durch eyngeben etlicher engel des teufels Satan, der allzeit zweitrecht und unaynigkait zu machen begierig sey, nit erkennet mit dem, dz der röm. Kg. umb seynes aigen nutz willen an vil Ff. und reichstett smachbrief mit lauter iniurien hab ausgeen Šlassen, inhaltend, daz der Kg. von Frankreich understee, das babstumb seiner cron zu incorporieren und zuzuaigen, in maynung, die Kff. damit wider den Kg. von Frankreich zu bewegen. Dasselb sey ain gedicht, dann er die statt Bonony, so durch Carolum magnum, dieselb zeit Kg. zu Frankreich, dem stul zu Rom gegeben und die nachmals ander gewalt ob hundert iarn besessen, demselben stul widerumb überantwort habe, darumb sich der babst nichts ab ime beclag. Und wa yemands den babst oder stul zu Rom angreifen und ine davon entsetzen, wolt er als der allerchristenlichist Kg. und nachfolger der loblichen taten seiner vorfordern weg fürnemen, ine zu beschirmen, auch widerumb einzusetzen.
    Ist on not, vil zu sagen gegen dem, dz der röm. Kg. des Kg. von Frankreich genaygten willen nit erkenne, dan die vorerzelten geschichten demselben willen ganz widerwertig sein. Dann der röm. Kg. nichtz dann dz, so offenbar am tag ligt und des Reichs teütscher nacion und gemainer christenhait notturft erfordert, damit die warhayt fürkomen, durch eingeben des guten engels Gabriel hat außgeen lassen, dabey /555/ abzunemen ist, das der teüfel Satan mit seynen engeln und hellischer schar Kg. Ludwigen, seyn regierer und gewalthaber zu solhen uncristlichen, unmenschelichen, tyrannischen und unadelichen myssetaten wider die cristenhait und gemainen nutz raizen und bewegen, die auch in demselben wyetenden, unersetlichem gemüet in vergessung irer eren und pflicht verharren, das gut fliehen, das bos suchen und prauchen. Und ist von ainem yeden, der Got und eer vor augen hat, hoch zu verwundern, das Kg. Ludwig, sein regierern und gewalthabern in solhem die gottlich straf, ewig peyn und menscheliche verfolgung nicht besorgen und alzo nach franzosischer gewondhait mit gedicht und verkerter farb die warhayt verdecken wollen, als solte Kg. Ludwig nye geubt noch fürgenomen haben, das babstumb der cron Frankreich einzuleiben und sich des ainen gewaltigen moderatorem oder messiger zu machen mit einfürung der guttaten, so der nechst dem babst mit einantwortung der statt Bonony erzaigt habe. Sol meniglich der Franzosen gewondhait merken: b Sy singen hoher, dan genotiert, sy lesen anders, dan geschryben, sy reden und sagen anderst, dan inen im herzen ist-b, und daz sy ir laster und mysshandlung mit der frumben unschuld beclaiden und ir eer, ayd, brief, sigel, handzaichen und versprechen wenig bedenken und sich in eingang aller vertreg und pundnüssen mit überflissigem erbieten meniglich zu betriegen entschliessen, das in disem fall clerlichen erscheint. Die /555’/ Kgg. von Frankreich haben nu bey zwaynzig iarn her practiciert und gearbeyt, die bebst mit lieb, gedrang und droe zu bewegen, ir pos, mutwillig anschleg, eingriff, handlung und taten nit zu offenbarn, bey dem röm. Kg., Hl. Reiche noch anderswa umb kein hilf, trost oder retung anzusuechen, als sich yetzo mit unserm hl. vater, dem babst, erzaigt, der aus sorgen sein not und obligen nit offenbart. Und haben alzo die franzosische Kgg. irn füess in das hl. collegi der cardinal gesetzt und disen babst mit lieb, gelt und gedrang darzu pracht, das der Franzos nu sovil franzosischer, auch hispanischer cardinel hat, die im von des Kg. von ŠAragoni pundnüs und heirat14 anhengig sein und al tun werden und muessen, was der Franzos will, alles der maynung, dardurch das babstumb den ytalischen nach des yetzigen babsts tode durch wal, wo der Franzos in seinem leben solhs nit erlangen mochte, zu nemen und also baide nationen solhs zu empfrembden. Dann vor zwainzig iarn aus der ganzen cron Frankreich nu[r] drey cardinal, nemblich der von Burbon, Foys und Balua, der Andegavensium genant15, gewesen sein, die aus irm erbern, redlichen wesen allzeit der Franzosen posen handlung mysfallen getragen haben, darumb von inen swerlichen gehasset. Und inen zu widerwertigkeit haben dazumal die Franzosen understanden, etlich ander aus der cron Frankreich zu cardineln zu machen. Und als sy solhs anfenglich bey babst Innocentio nit erlangen mochten, erdachten sy den weg, das des yetzigen türkischen kaysers /556/ pruder, so derselben zeit in Frankreich gefangen lag und des Innocentius begert, im übergeben und zugestelt und dardurch noch drey Franzosen mit namen der hochmayster zu Rodis, der apt von St. Dionysi und der Ebf. von Portugalia zu cardinalen16 gemacht würden, über das Kg. Carl von Frankreich denselben Türken vormals Kg. Mathias von Hungern zugesagt, verschriben und mit ayden verpflicht und derselbig Kg. Mathias den Türken ganz gewiss geacht und von seinen wegen ob anderthalb hunderttausend ducaten ausgeben hat, aus der ursach, das er durch denselben Turken der gemainen cristenhait vil nutz schaffen und die Kgrr. Croacien, Bossen [= Bosnien], Sarveyc, Racia [= Raszien], Romania, Bulgaria, alle kriechische lande, auch die kaysertumb Trabisund und Constantinopl zu cristenlichem glauben und gehorsam bringen und erobern mügen.17 Und als Kg. Carl den Kg. von Neapols, der mit demselben Kgr. von dem stul zu Rom belehent was, vertriben het18, bezwang er den babst, noch mer Franzosen zu cardineln zu machen, das seydher für und für beschehen, bis es so weyt komen, das gewiss ist, so unser hl. vater, der babst, mit tod abgeen wurd, das ain geporner Franzos zu bebstlichem gewalt und regierung genomen müeste werden und darauf auch also dem Reich und teytscher nacion die ksl. cron indirecte empfremdt; als sich dan Kg. Ludwig nach abgang babst Alexanders und babst Pii iungst mit seinem oheim, dem cardinal von Roan, mit merklichen gaben, zusagen und geswynden practiken zü tun understanden, das aber der Almechtig durch der hl. vater des collegii volkomhait aus eingebung des Hl. Geistes verhüet hat. /556’/ ŠDarumb nit anders zu gedenken ist, dann das aus gottlicher fürgeschichtigkaitd dem Kg. von Frankreich und seynem cardinal ir unersetigter, poser, tyrannischer willen abgesnitten wirdet. Und wa das nit beschehen, weren sy der ganzen cristenhait nicht benügig, sonder aus irer angebornen natur der begierde, meniglich zu drucken, mit der scherpf und tyranney zu regieren und meniglich von allen ern, freyhaiten, güetern und guten sitten zu dringen und also aller undankparkait zu pflegen. Dann Kg. Ludwig sich zu mermaln gegen dem röm. Kg. und seinen potschaften angepoten, dz er ime helfen wolle, zway commun, Venedig und Aydgenosschaft, so ime und der cron Frankreich bißher am hochsten gedient haben und on dero hilf und zuetun er sich in Ytalien noch nit enthalten mag, ganz zu vertreyben und die dem röm. Kg. und ime zu underwerfen, und das dagegen der röm. Kg. ime seins unbillichen, unloblichen fürnemens in Ytalien stattgeben und zulassen solt. Aber der röm. Kg. hat solhs der Aydgenossen halb genzlich abgeslagen und für ursach angezaigt, dz sy zu teütscher nacion und dem Hl. Reich gehorn und ir mysferstande on allen zweyfel gegen dem röm. Kg. als irm rechten herrn bald gepessert werde, als dann ytzo beschicht.19 
    Antreffend die statt Bonony hat es die gestalt, der yetzig [Julius II.], auch babst Alexander und babst Innocentius haben vil weg gesuecht, die statt Bonony widerumb zu dem stul zu Rom zu erlangen. Sy sein aber alwegen durch die Kgg. von Frankreich daran verhindert. Dann sy haben den Bentivoya, so dieselb statt für sich selbs ingehabt und geregiert hat, in seinen und der cron Frankreich /557/ dienst, schutz und schyrm genomen, bis erst zuletst hat unser hl. vater babst mit Kg. Ludwigen ainen vertrag gemacht, ime zu Bonony zu helfen.20 Und wiewol er im das frey on allen costen zugesagt und sich darauf der babst genzlichen darnach gericht, so hat er doch in solhem irrung eingeworfen, seyn hilf in die leng verzogen, damit sich der babst in schwere, ungepürliche mittl gegen ime begeben und eingelassen hat, also das sein Hlt. allen costen, so auf das kriegsfolk zu ross und fuess, desgleichen veldgezeüg und anders geen würde, bezalen, auch dem statthalter zu Mayland [Charles d’Amboise], presidenten des Delphinats [Geoffrey Carles] und andern gubernatoren und hauptleüten in Mayland nit clain eerung von gelt und anderm tun und geben, desgleichen drey geporn Franzosen zu cardineln machen21 und nu hinfür der Kg. von Frankreich alle beneficien in Mayland ewiglich zu leyhen haben, auch der cardinal von Roan in seiner legacion in Frankreich perpetuiert und geewigt werden. Und wann der röm. Kg. zu empfahung der ksl. cron oder von anderer sachen wegen in Ytalien ziehen wurde, Šsolte der babst alles sein kriegsvolk zu hilf und beschirmung der Franzosen wider meniglich in Mayland schicken und dasselbs ligen lassen, bis der röm. Kg. wider aus Ytalien kome.22 Dagegen im der Kg. von Frankreich zugesagt und versprochen, die statt Bonony frey einzugeben, auch on sein wissen mit derselben statt noch dem Bentivoya als des babstes offenbarn veinde in gehaim noch offenlich nichts zu handln noch zu machen. Das aber Kg. Ludwig nit /557’/ gehalten noch im anfang willens gehapt, sonder den babst betruglichen in solh unleydenlich mittl eingefürt. Dan als der von Chaumont [Charles d’Amboise], des Kg. von Frankreich obrister hauptmann in Ytalien und Mayland, mit dem franzosischen kriegsfolk gegen Bonony gezogen ist, hat er underwegen etlich in gehaym zu dem Bentivoy geschickt und uber solhen vertrag ime, auch seynen synen und derselben zugeherich und verwandten sicherhayt angepoten, sover er ime zwayunddreissigtausent ducaten geben und ime die statt Bonony in des Kg. von Frankreich hend stellen welle, mit der vertrostung, ine in kurze wider einzusetzen. Das der Bentivoya also angenomen und die summa gelts biß in fünfzehentausend ducaten gemessiget, die auch der gemelt von Chaumont empfangen, dardurch sich der gemelt Bentivoy on wissen des babsts mit weib, kinderen, allen seinen frunden und geüterene frey aus der statt gezogen und den Franzosen ergeben hat. Und in solichem abzug haben die Franzosen understanden, die statt Bonony mit gewalt einzunemen, in mainung, die selbs zu behalten. Das aber des röm. Kg. rat und potschaft, so dazumal zu Bonony geweßt ist, mit hilf der frummen gemain daselbs mit werhafter hand verhüet, die Franzosen zuruckgeschlagen und den babst mit seinem volk eingelassen.23 Und wiewol Bentivoya und seine verwandten und alle die, so sy enthalten, in bebstlichem schweren pan verkundt sein, so hat doch der Kg. von Frankreich ine und die seinen in seinem enthalt und schirm und kurzelichen in dreye monaten her des Bentivoya zweyen sünen etlich kriegsvolk, gelt und leut zugeschoben, Bonony /558/ alzo wider einzunemen, und das selbs auch practiciert, die sich das darauf zu tun und auch den babst weiter zu vertreiben understanden. Aber sobald der Kg. von Frankreich dise lobliche versamlung des Reichs und das der röm. Kg. dem babst hilf tun woll, das im auch die Aydgnossen empfallen und abgezogen sein, gesehen, hat er in solichem des Bentivoya süne widerum zuruckgestelt und sein heymlich, listig, poß anschleg mit neuem gedicht verdeckt und verplüembt.24 
    Es wird sich auch nit erfinden, das die Kgg. von Frankreich ye ichts in Italien gehabt haben. Dann was Carolus magnus dem stul zu Rom mit Bonony und anderm bewyßt, hat er aus ksl. wirde und macht als ain geborner Teutscher und kain Franzos getan. ŠUnd dieweil er über die Franzosen als ain Teütscher geherschet hat, so kumpt daraus gleicherweyse den Franzosen ain begierde, herwiderumb die Teütschen zu regieren und das Hl. Röm. Reich in dz franzosisch pluet erblich zu ziehen. Dann sy sagen, Carolus magnus sey ain Franzos gewest, dz doch nicht. Er ist in Brabant zwischen Leuen und Prussel, das in teütscher nacion ligt, geborn worden.25 
    Ist nüe zemal aus den vor- und nachfolgenden taten und geschichten in aller welt der gemain ruef und für ein warheit gehalten, das der Kg. von Frankreich in übung ist, das babstuemb seiner cron einzuleyben [und] nachfolgend die ksl. cron der teütschen nacion zu entziehen, darumb er dem fueßstapfen etlicher frumer cristenlicher Kgg., seiner vorfordern, nit nachfolget, sunder die Franzosen volgen nach etlichen /558’/ und nemlichen den, die der pos veind von diser welt lebendig sichtiglich versuektf hat, und nemen sich derselben wegen an, gebrauchen sich auch des. Und als er yetzo den zug in Italien fürgenommen, hat er den seinen, so er mit unleydenlichen schatzungen beschwert, angezaygt, er welle dardurch den Franzosen ain solhe neue eer und glori erlangen, dergleichen in vil hundert iarn der cron Frankreich nye zuegestanden sey, und darauf für ine und die seinen auf der canzeln teglichs predigen und pitten lassen. Dabey abzunemen ist, das er nit allain die stat Genua gemaint, sunder ime vil ain merers fürgesetzet, das aber on abpruch des bebstlichen stuels und Hl. Reichs oberkait und gerechtigkeit in Italien, so beiden heuptern on mittel zugehort, nit beschehen mag. Damit er für und für understeet, sy irer eren, wirden, oberkaiten und gerechtigkaiten on all redlich ursachen mit geswynden, ungetreuen und verblüembten anschlegen zu berauben. Das aber unser hl. vater babst und der röm. Kg., das Hl. Reich und gemaine cristenhait ime als ainem unersettigten wüeterich, irrer und verhinderer unsers hl. glaubens nit gestatten sollen. Dan ungezweyfelt Got, unser heilmacher, gegen ime bewegt, so ist die cristenhait in solher macht und vermüegen, das ime widerstand gnug beschehen mag. Es wil aber kainen verzug erleyden, nachdem er meniglich in Italien mit seiner macht erschreckt und also dringt, das weder babst noch ander sich des aus grossen sorgen offenlichen nit beclagen. Wie kan /559/ er dan mit warhait fürgeben, das er ain beschirmer des babsts sein welle? Und ist wol zu glauben, dz er das babstumb kainen andern dan seinen oheim, dem cardinal von Roan oder, wo derselb nicht were, ainem andern Franzosen gunnet.
    [6.] Zum vierden hat der Kg. von Frankreich fürtragen [lassen], von wegen des Hm. Geldern wisse er, das Röm. Reich gewondhait und gebrauch sey, das röm. Kss. oder Kgg. kainen seinen lehensman oder vasal on des Reichs Kff., Ff. und stende, die nit verdechtlich, als der Ebf. von Trier und sein verpündnüs sey, rat und erkantnüs bekriegen solle. Und dieweil der röm. Kg. darüber den Hg. von Geldern angrüffen und überzogen, habe er die fürsorg getragen, wo der röm. Kg. denselben Hg. als seinen gesipten freünd uberwinden, wurde er darnach andern Kff. und Ff. ainen nach dem andern gleycherweyse tun, sy absetzen und priviren und sich dardurch ainen erblichen Ks. machen. Dan er sich und seine enikel, Ff. zu Castilien, Hh. hoher- und Šniderteütscher landen enhalb und dishalb Reins nenne und berüeme, dz er das mittel der teütschen lande in seiner gehorsam habe. Darumb sey der Kg. von Frankreich demselben seinen gesipten freünd zu hilf komen, nit als ain Kg. von Frankreich oder das er seinem Reich das Hm. Geldern züaignen wolt, sunder als ain lehensman des Reichs von wegen des Hm. /559’/ Mayland. Dann er sey [und] wolle sein in solchem fall ain schützer und schirmer und so ain gueter Teutscher als kain F. im Hl. Reich und ein passerer beschirmer derselben Ff. dan der röm. Kg., der ir zerstorer sein welle.
    Derselb handel hat im grund die gestalt und ist clar, das weilent Hg. Karl von Burgundi das Hm. Geldern von ainen Hg. zu Gülch, der von dem Hl. Reich damit belehent gewesen ist, erkauft26 und das darauf von Ks. Friderichen dem dritten, hochloblicher gedechtnüs, wie sich gepürt, empfangen.27 Und nach desselben Hg. Carls abgang hat sein ksl. Mt. das yetzo dem röm. Kg. 28 und zuletst derselb röm. Kg. weilent seiner kgl. Mt. süne, Kg. Philipsen von Castilia, in beywesen des cardinals von Roan als des Kg. von Frankreich potschaft und vil treffenlicher personen von Kff. und Ff. auch gelyhen29, das die Franzosen nye widersprochen, sunder darzu geraten und geholfen haben. Darumb clar ist, das H. Carl von Egmund zu dem Hm. Geldern ganz kain gerechtigkait hat, dan weylent sein anherr und vater, die von Egmund geporn sein, haben sich alzo unrechtlich und unbelehent wider das Hl. Reich in das Hm. eingedrungen. So haben darnach Hg. Karl von Burgundi, loblicher gedechtnüs, und der röm. Kg. das auf solch ir gottlich gerechtigkait zu zwayen maln mit dem swert erobert. Und wiewol der röm. Kg. das Hm. gut zeit berüeblich ingehabt und besessen, /560/ so hat doch Kg. Carl von Frankreich uber das alles demselben Carln von Egmund offenbar hilf und fürschub getan, damit er das Hm. ungewarnet und ungewart aller eren heimlich eingenomen und dem röm. Kg. empfrembdt. So hat diser Kg. Ludwig von Frankreich Carln von Egmund und die Gelderschen bisher stetigs mit grossem gelt, damit kriegsvolk zu ross und zu fuss auß teutscher nacion wider den röm. Kg. und dz Hl. Reich zu underhalten, gesterkt. Und wiewol nachmals zwischen seiner kgl. Mt. und dem Kg. von Castilia an ainem und demselben von Egmünd anders tails etlich vertreg und sunderlich ainer, darinne clarlichen begriffen ist, das Carl von Egmund dem Ebf. von Coln vier statt zu gelauben und underpfand, das er solichen vertrag volziehen wolle, einsetzen sol, aufgericht, gemacht und durch in gelobt und geschworn30, so sein doch Šdie in kainem artikel durch ine nit volzogen, sunder alwegen mutwilliglich verprochen und darüber wider den röm. Kg. mit offenbarer tat gehandelt. Deßhalben, ob er zu Geldern ainich gerechtigkait gehabt, als er nit habt, so hette er doch die auß den und andern ursachen verwurkt, darumb der röm. Kg. [nach] des Hl. Reichs ordnungen und satzungen, auch nach rate der Kff., Ff. und stenden des Reichs mit gutem grund wider ine hat handln mugen. Und waysst sich in den und andern sachen, das Reich betreffend, als ain gerechter, regierender, gesalbter /560’/ und consecrierter Kg. wol zu halten, das er auch bißher unverweyßlichen getan hat und hinfür tun wirdet.
    Und als er den Ebf. zu Trier und sein pundnüs verdechtlich haltet, sein dieselben glider und verwandten des Hl. Reichs und haben dem röm. Kg. nichtz anders, dan was frümben eerlichen irn phlichten nach gepürt, geraten und geholfen, und werden solchs noch begierlicher tun. Und were nit not gewesen, sy zu sondern, dan all andere stende des Reichs und gemainlich die ganz cristenhait wissen und erkennen der Franzosen unwarhait, poßhait und betryegery, die wider frid oder ainigkait, eere und aufnemen der cristenhait und gemaines nutz nit erleyden und die frumben getreuen, so sy auf ir seyten nit bewegen mügen, hassen und verfolgen. Und ist ungezweyfelt, wo Karl von Egmund von des Kg. von Frankreich kain hilf gehabt, hette er sich vor guter zeit in des röm. Kg. und Hl. Reichs gehorsam ergeben. Aber der Kg. von Frankreich als der, so nit allain mit solcher hilf wider sein angezaigt ayd und pflicht gehandelt, sonder all ander ayd, brief und sigl geprochen, hat ime an den von Egmund ainen gesellen fürgenomen, ime in solchen unadelichen, unerbaren taten helfen zu herschen und anzuhangen, der auch bißher gleicherweyse ayd, brief und sigl geprochen und nitg gehalten hat. Nu erkennet sich der Kg. von Frankreich ainen gelobten, gesworn lehensman des Hl. Reichs und das er Carln von /561/ Egmund wider den röm. Kg., uber das er des vor allzeit gegen dem röm. Kg. gelaugnet, hilf und beystand getan und verer tun welle und dardurch den röm. Kg. an mererm, so seiner kgl. Mt. zusteen mocht, verhindert habe. Darbey versteet meniglich, das ime uber sol[ch] sein vorgemeldt ayd und pflicht wider den röm. Kg. mit worden oder werken zu handeln noch ine zu belaydigen nit gepurt. Darumb er durch sein selbs offenbar bekantnus bezeugt, das er denselben seinen ayd geprochen und damit veloniam und crimen lese maiestatis begangen hat und in die pene, in den aufgerichten vertragen begriffen, mit offenbarer tat gefallen ist. Deßhalben mit geistlicher und weltlicher straf gegen ime gehandelt werden solle.
    [7.] So wirdet auch der röm. Kg. durch den Kg. von Frankreich beschuldiget, das er nach eroberung Geldern ander Kff., Ff. auch vertilgen und sich dardurch erblicher Ks. machen werde und hohern titel, dan im und seinen enkeln zugehore, gebrauch. Beschicht alles der maynung, die Kff., Ff. und stende gegen dem röm. Kg. in unwillen und unglaubenh und das loblich fürnemen, so auf disem reichstag angesehen ist, und sunst alle ander des Reichs und der cristenhait sachen und wolfart zu irren und zu Šverhinderen, damit er darzwischen seinen posen willen und nachmals das, so er dem röm. Kg. unpillichen zuemisst, wider des Reichs stende und ander auch volbringen müge. Daran tut er dem röm. Kg. unrecht. Dan er hat von iugent auf biß zu diser stund in allen sachen gegen Kff., Ff. und allermeniglichen als aini frumber Kg. loblichen und guetiglichen gehandelt und /561’/ wider sy nye nichtz ungepürlichs oder unpillichs furgenommen und sich allain der titl, die im und seinen enikeln [Karl und Ferdinand]  rechtlichen zusten, gepraucht und die erbschaft des Röm. Reichs in sein herz und gemut nye gesetzt. Dan dem röm. Kg. mitsampt seinen eniklen sein von gottlicher schickung sunst sovil treffelicher Kgrr., Fmm. und land zugestanden, das sy sich der benuegen und settigen lassen, die sy auch mit hilf der Kff., Ff. und stende des Hl. Reichs als iren gesipten freunden und verwandten zu erobern und zu behalten understeen werden, in ansehung, das dieselben erbland schilt und schlissel sein wider die Franzosen und ander des Hl. Reichs und teutscher nacion anfechter und durchechter, das auch der röm. Kg. bißher in des Hl. Reichs sachen mer dan sein vermogen leübs und guts in streyten und ander weg getreulich dargestreckt, sein pluet vergossen und das Reich bißher mit der regierung, frid, recht und gehorsam kuniglich, eerlich und redlich underhalten, demselben eer und lob erlangt, mer dann in langen zeiten beschehen ist. Und hat darin des Reichs wolfart für sein und seiner eniklen aigen nutz angesehen und betracht. Und wo der Kg. von Frankreich ine mit seinen posen, uncristelichen anschlegen und übungen nit verhyndert hette, ungezweifelt der röm. Kg. seiner cristenlichen angeporn begird, fleyss und arbeit nach nuzumal den unglaubigen an land und leuten merklichen abpruch getan und inen vil seelen entzogen und sovil gehandelt, das die hl. cristenhait der sorgen und beswerungen, darin sy auf disen tag gegen den unglaubigen steet, frey und vertragen wer.
    Ferrer, als [der] Kg. von Frankreich /562/ sich beruembt, das er so ein guter Teütscher als kain F. im Hl. Reich, auch ain pesserer beschirmer derselben Ff. dann der röm. Kg., der allain ir zerstorer sey, erkent meniglich des röm. Kg. frumbkeit, kuniglich und adelich gemuet, tugend und gnad, so er seinen verwandten und aygen feinden manigfaltiglich beweyst, und daz er nit genaygt, noch ye an ime gespürt oder befunden ist, die Kff., Ff. und stende des Hl. Reichs zu erstorn oder ichts ungepurlichs gegen inen fürzunemen noch zu handln, sunder hat von anfang seiner regierung bis auf disen tag zum hochsten gedacht und gearbeit, frid und ainigkait under inen zu behalten, ir eer, nutz und aufnemen zu furdern und den, so in clainem vermügen sein, zu helfen. Dabey angenomen wirdet, daz er dem röm. Kg. zumessen wil das, des er sich vorberurter weise wider meniglich on alle scham frevenlichen gepraucht, dan er mit warhait niemands anzaigen mag, dawider der röm. Kg. ichts ungepürlichs gehandelt habe. Und wo des Kg. von Frankreich geschichten nachgefragt, wirdet er ain zerstorer des babstlichen stuls, Hl. Reichs und gemainer cristenhait und ain irrer und verhinderer aller irer wolfart erfunden. Dan die Kgg. von Frankreich haben die Kgg. von Neapols, so vom stuel zu Rom belehent gewesen sein, wider alle recht und pillichait gewaltiglich vertriben und das nachmals gegen dem Kg. von Aragonia, so ime das Kgr. Neapols widerumb Šabgenomen hat, auch zu tun, deßgleichen understanden, die Kgg. von Engelland, von Novarra und sunderlich Kg. Philipsen von Castilia, loblicher gedechnüs, der den Kg. von Frankreich bey eeren und wirden behalten, ganz /562’/ auszutreiben und zu vertilgen, wie er dann mit Hg. Ludwigen von Mayland als aynem belehenten F. des Hl. Reichs getan hat, den er noch fenglichen haltet.
    Er hat auch die Aydgnossen in den röm. Kg. und das Reich, desgleichen den yetzigen Kg. von England in den andernj Ritscharten31 gehetzt, den er erschlagen und von seinem Kgr. gedrungen hat, und sich understanden, dem Kg. von Hispany die land Perpinian und Rossilion abzugewinnen. Item den Hg. zu Brytanni32 (zu schetzen) getodt und darauf seine tochter [Anna] und lande mit dem schwert in seinen gewalt gedrungen und pracht. So ligt am tag, das er des Hl. Reichs Ff. in Ytalien, nemlich Saphoy, Piemont, Monteferrar, Mantua und Ferrar, auch die stett und commune Mayland, Genua, Florenz, Pisa, Luca, Senis und ander, so alle on mittl dem Hl. Reich zugehorn, zu schwerer schatzung merklichs gelts, silbergeschier, clainat und anderm, ob zehenmal hunderttausent ducaten wert, nu etwevil iar her gedrungen und so weyt pracht, das sy ime anhangen, dienen und gehorsam sein, auch ire regiment mit halbem tail seiner verpflichten besetzen muesen, sy mit franzosischem kriegsvolk beladen. Wil auch etlich gewaltig in Ytalien mit weybern, aus Frankreich geborn, verheyraten, alles wider des Hl. Reichs oberkait und gerechtigkait und demselben zu grossem abbruch, smach und schaden. Sunderlich so üben und prauchen die Franzosen irn lust und muetwillen so gar tyrannisch, uncristenlich und unmenschelich mit junkfrauwen und frauwen, auch irn mannen und gesipten, die ir eer gern retten wolten, so offenbarlich on /563/ alle zucht, onk straf, das die frumben, cristenlichen Teütschen billichen beherzigen und beswern, die auch gedenken und fürdern sollen, damit solh grausam übel und swere purde nit auf sy komen oder wachsen.
    [8.] Zum vünften zaigt der Kg. von Frankreich an, das die statt und Hft. Genua ime von altem herkomen zugehore, auch ob hundert iarn under den Kgg. von Frankreich und irm besitz gewesen und durch sy etlichen Hgg. von Mayland in leheweyse verlyhen.33 Und als ime nachmals dieselb statt zugestellt worden und widerumb abgefallen sey, hab er die abermals erobert. Und wiewol er ursach gehabt, sy darumb swerlichen zu strafen, so hab er doch dem exempel Gottes, des er auf diser welt der fürnemisten statthalter ainer sey, nachzufolgen solh strafe underlassen.
    Weyter, so sey des röm. Kg. tun und handlung allayn gegryndt, Kff. und Ff. zu verfürn und sy zu bewegen, über den Kg. von Frankreich zu ziehen, damit er den von Egmund, der sich nennet Hg. zu Geldern, aus Geldern vertreiben und seines enikels [Karl], des prinzen von Castilia, erbland erweytern und hoch- und niderteütsch lande in seiner gehorsam halten möge, das aber die Kff. nit leyden, sunder bedenken solten, das inen dergleichen auch beschehen mochte. Und wo sy solhs tun, wolle er nichtz Šwider dz Reich zu handln, sunder understeen, in solhem fall des Reichs gerechtigkait zu beschirmen etc.
    Nu erfindt sich nit, daz die Kgg. von Frankreich zu derselben statt und Hft. Genua nye kayn gerechtigkait gehabt. /563’/ Dann es ist offenbar, das Genua ain camer des Hl. Reichs und alle ir freyhaiten und privilegia von demselben Reich und am letsten yetz von dem röm. Kg. bestatung derselben erlangt und ine, alß er persondlich bey inen gewesen ist, für irn rechten herrn auß pillichait und ungedrungen erkennt, ime auch die schlissel entgegenpracht.34 So haben sy von alter her und noch ir münz under des Reichs namen, nemlich Kg. Conradus, geschlagen.35 Und irret nit, ob die Kgg. von Frankreich die vormals ingehabt oder occupiert oder auch etlich Hgg. von Mayland die vormals von den Kgg. von Frankreich empfangen, dann solhs dem röm. Kg. und Hl. Reich nit preiudicieren noch ainichen schaden pringen mag. Und dieweil sich alzo erfindt, das dieselb statt dem Hl. Reich und nit dem Kg. von Frankreich zugehort, so hat ime seinen pflichten nach abermals nit gepürt, die wider dz Hl. Reich einzunemen und dermassen zu vergweltigen und sy des irn on recht und mit dem schwert zu entsetzen und zu berauben und des Hl. Reichs undertanen irs guten golds und silber solher tyrannischen gestalt zu erschopfen.
    [9.] Er ist auch kain statthalter des almechtigen Gots, als er sich beruembt, sunder des gemainen nutz und aller fürnemen, so der cristenhait zugut beschehen, ain offenbarer zerstorer und verhinderer. Dann er und seine vordern haben alwegen vor etwevil hundert iarn und noch understanden, dem Reich und allen seinen nachpern daz ir abzuziehen und gewaltiglich zu nemen, und nye /564/ betracht, gemainer cristenhait zu hilf etwas wider die unglaubigen zu handln, wiewol sy sich die cristenlichen Kgg. nennen, dz doch nit sein sol, sonder derselb titl und predicat gehort allain ainem röm. Ks. oder Kg. zu. Dann sich die Kgg. von Frankreich bißher recht veinde des gemeinen nutz und der cristenhait mit irn posen handlungen erzaigt und gemacht. Und nemen denselben titl nit anders an, dann daz sy in aynem verdeck[t]en scheyn wollen sein und werden erb röm. Kss. Und wiewol die Franzosen unaussprechenlich muetwillig fürnemen und unglauben mit manigerlay geschichten geübt haben, so hat doch der röm. Kg. nicht desterminder aus kgl. miltigkait und güte bißher darinne geruet und stillgehalten und Kff., Ff. und stende umb hilf wider sy und sunderlich Kg. Ludwigen nye angesucht, noch sy wider ine bewegen wollen, der hoffnung, sy solten aus irn menigfaltigen guten worden und fürgeben sich bekert und recht gehalten haben. Dieweil sy aber in solhem irm mutwillen verharren, so erhaischt des röm. Kg. und Hl. Reichs notturft, das nit lenger zu gedulden, sunder sy deßhalben umb hilf und rat zu ersuchen. Darumb die kgl. Mt. disen gegenwürtigen reichstag ausgeschriben hat, ungezweifelt, des Reichs stende werden sich in disem fall des Reichs notturft nach wol wissen zu halten, auch aus vor und hernach geschriben meldungen zu ermessen und zu erkennen, was gestalt im grund des Kg. von Frankreich willen und fürsatz ist (er plüem das, wie er woll), den röm. Kg. als ain teütsch künftigen Ks. zu verachten, zu smehen und im sein durchzug zu erlangen, die /564’/ ksl. cron durch unwarhayt und Štrug und zuletst auch mit dem schwert und seiner grossen macht abzustellen, dardurch Kff., Ff. und stende des Hl. Reichs zu erschrecken und sy verrer zu bewegen, seiner uncristenlichen, betrugenlichen einfüerungen glauben zu geben und damit von der treu, gehorsam und dienstbarkait, darynnen sy sich bißher gegen dem röm. Kg. als irm rechten herrn, handhaber und beschirmer erzaigt und gehalten haben, abzuwenden, daran sy sich aber aus irer angepornen vernunft und redelichait nit kern, sunder ime getreulich anhangen werden.
    Zum sechsten beclagt sich der Kg. von Frankreich verrer des röm. Kg. ausschreiben, darinne er ine aines unglaubens, tyranney, unadelichen gemüts und verzaghait beschuldich, und achte, das der röm. Kg. darinne seiner eeren vergessen und die zurückgesetzt und sich der Kg. von Frankreich in den aufgerichten vertragen dermassen gehalten, das er den namen aines F. des glaubens erlangt habe.
    Dagegen welle meniglich glauben, was der röm. Kg. in dem vom Kg. von Frankreich geschriben, des er doch nit alles bekent, hat er mit gutem grund und warheit getan, das er auch mit ayd, briefen, sigln, seinen aygnen handzaichen, auch mer dan mit ains Kg. potschaften, Kff., Ff., Gff., Hh., edln, ritter, knechten und gelerten in gar merklicher anzal von allen nacion, so darbey gwesen sein, auch anderm glaublichen schein gnugsamlich beweisen mag. Deßhalben sich befindt, das der Kg. von Frankreich sein eer zurückgesetzt und des röm. Kg. unschuld mit seinem laster gern /565/ beclaiden und bedecken welt. Aus dem allem, wie vorsteet, auch den nachfolgenden articlen abzunemen ist, das er ain F. sey, der ayd, glauben und trauwen halt.
    [10.] Zum sibenden hat der Kg. von Frankreich lassen melden, es hab der röm. Kg. wider den vertrag, zu Trient36 aufgericht, gehandelt mit dem, das er dem Kg. von Aragon wider den Kg. von Frankreich hilf getan und den grossen hauptman zu Neapols, Consalvo Ferdinando, etlich tausent landsknecht zugeschickt, damit derselb das Kgr. Neapols erobert habe.
    Solhs des Kg. von Frankreich fürtrag ist frembd zu horn. Dann es ist offenbar, dz der Kg. von Frankreich den berürten vertrag zu Trient in kainem stuck nie gehalten, und nit allain denselben vertrag, sunder auch den vertrag zu Pless37, der zu becreftigung des berürten vertrags bey den hochsten penen gemacht ist, wider sein eer und ayd geprochen und umbgangen, wie das aus demselben vertrag zu Pless, auch aus der potschaft von Frankreich werbungen, so am letsten in der Steyrmark gewesen ist, clerlichen verstanden wirdet. Und als der röm. Kg. etwevil fuessknecht Consalvo Ferdinando, grossem hauptman in Neapols, zugut dem Kg. von Aragonia geschickt, das hat ir glimpf und fueg gehabt, dan der Kg. von Aragon des röm. Kg. pundsgnoss und confederat. So sein zu derselben zeit die sechs monat des anstands, im vertrag zu Trient bestimpt, verschinen und dazumal der Kg. von Frankreich mit dem Hm. Mayland des röm. Kg. veind gewesen, deßhalben der Kg. von Frankreich mit unwarheit den röm. Kg. beschuldigt, das er denselben vertrag nit gehalten habe.
    /565’/ Zum achten hat der Kg. von Frankreich verrer anzaigt, der röm. Kg. hab den tractat und vertrag, nachmals zu Hagenau gmacht, von stund nach desselben besluss Šgeprochen. Dan wiewol weylent des Kg. von Castilia süne [Ehg. Karl] sein ainige tochter, frau Claudia, zu der hl. ee solt genomen, dannocht hab der röm. Kg. weg gesucht, desselben von Castilia sune des Kg. von England tochter und auch des von Castilia tochter wider denselben vertrag zu verheiraten.
    Dasselb ist abermals fremd zu horn. Dann der röm. Kg. hat in denselben heyraten nye nichts gehandelt, dz wider die tractet sey. Dann bißher weder Hg. Carl noch weylent Kg. Philips tochter kaine dann erst yetz im fuesstapfen Hg. Carl allain verheyrat ist. Man hat auch von kainer heyrat nye nichts zu reden angefangen, bis der Kg. von Frankreich den Gelderischen offenbar hilf und beystand getan. So hat er auch dem Delphin [Franz von Orléans] sein tochter wider den berürten vertrag, auch sein eer, ayd und pflicht, wie meniglich wissent ist, verheyrat und er damit denselben vertrag geprochen. Und wie es derselben heyrat halben ain gestalt hat, wissen etlich Kff., Ff., Gff. und Hh. gute zeügnüs anzuzaigen, die solh handlung ayns tayls selbs gehandelt und von der potschaft des Kg. von Frankreich, so iüngst in der Steyrmark bey dem röm. Kg. gewesen ist, gehort haben; die mogen solhs und, was durch die potschaft geworben und fürtragen ist, der loblichen versamblung hie anzaigen und eroffnen.
    Zum neu[n]den hat des Kg. von Frankreich geschickter angezaigt, der röm. Kg. hab über solh vertreg die /566/ Aydgnossen von des Kg. von Frankreich pundnus abwenden und dieselben wider ine bewegen und sich mit inen in ain sunder pundnüs begeben wollen.
    Nü findt sich in kainem vertrag oder rechten, das kgl. Mt. verpoten sey, mit den Aydgnossen oder andern des Hl. Reichs undertanen zu handhabung desselben Reichs zu handeln. Aber dem Kg. von Frankreich laut der berurten vertreg38 und nemlich in craft des alten vertrags mit der gülden bull39, zwischen dem Reich und der cron Frankreich aufgericht, auch seinen phlichten und ayden verpoten, sich der undertanen des Reichs nit zu underwünden, noch sich zu inen zu verpinden.

    Hernach volgt zu lautrer underricht ain sumari aller vorgeschriben artikel

    [11.] Auß dem allen befindt sich scheinbarlichen, das die Franzosen alle ire einfurungen und grund auf gedicht und unwarheit stellen und in allen artiklen irn gefangen, argwenigen stilum continuiren und verfolgen, in welhen artiklen sy inen selbs widerwertig sein, nachdem sy dieselben zwayerley und ungleich gstalt außwerfen, nemlich das sy fürtragen, als solt der röm. Kg. dem Kg. von Frankreich die ksl. cron angepoten [haben], und zaygen doch an andern orten an, der röm. Kg. welle das kaysertumb ime und seine[n] iungen kindern erblich zuaignen. Deßhalben auß der und andern bewerten ursachen den Franzosen nicht zu glauben ist.
    [12.] Der Kg. von Frankreich erkent und beruembt sich ainen /566’/ vasal, F. und lehensman des röm. Kg. und Hl. Reichs und bezeugt uber sich selbs, das er dem röm. Kg. grosse und swere ayd und pflicht getan habe. Aber daentgegen versweygt er, das er Škurzlichen durch sein treffenliche potschaft, so er in der Steyrmark bey dem röm. Kg. gehabt, in beywesen Kff., Ff. und anderer dem röm. Kg. alle ayd, handlung und die belehnung hat aufgesagt und des ainen schein genomen, als haben ime seine theologi und lerer seiner hl. geschrift und die liechter der hohen schul zu Parys, auch seine rechtsprecher seins parlaments zu Parys und anderßwa geraten und angesagt, das er nicht schuldig sey, kainen ayd und sunderlich die ayd, so er dem röm. Kg. gesworn, zu halten und deshalben ain neue investitur mit frembden gestalten an den röm. Kg. mit grossen anbieten begert, darin aber der röm. Kg. ime nicht willfarn hat wellen.
    Es befindt sich aus obbemelten artiklen, das der Kg. von Frankreich zu dem Hm. Mayland kain erb ist noch kain erbliche gerechtigkait darzu [hat]. Und hat sich deßhalben on recht und grund in Mayland mit gewaltiger tyranney gedrungen, halt auch dasselbig auf disen tag zu nachtail, abpruch und verclainung des röm. Kg. und des Hl. Reichs oberkaiten und rechten on titl innen.
    Es befindt sich, das die investitur, dem Kg. von Frankreich Mayland halben beschehen, demselben Kg. weder recht, gerechtigkait noch ainichen titel gibt, nachdem er sich selbs bekent, auch sunst offenlich am tag ligt, das /567/ er seine lehensphlicht nicht gehalten, seine ayd geprochen und wider sein phlicht den widerwertigen und ungehorsamen desselben röm. Kg. und des Hl. Reichs, nemlich Carln von Egmünd, so sich Hg. in Geldern nennet, auch andern hilf, fürschub, rate, beystant und sterk zugeschoben und getan und darzu wider die vertreg und sein phlicht des Hl. Reichs leut, lande und verwandten sich underfangen, dieselben beschedigt und in vil weg belaydigt, auch allerlay conspirationes, anschleg und fürsetz wider den röm. Kg., seinen oberherrn, gemacht und wider die ordnung des Hl. Reichs, auch den aufgerichten friden getan, denselben in vil sachen zu verhindern, als er selbs bekent, understanden. Darumb der Kg. von Frankreich sein getan ayd geprochen, veloniam und crimina lese maiestatis begangen und sich damit bayder penen, geistlich und weltlich, in craft der vertreg und sunst von rechts wegen aufgesetzt, tailhaftig gemacht hat und mit der tate darein offenlich gefallen und alle gerechtigkait verwürcht. Deßhalben er zu Mayland kain gerechtigkait hat und dasselb Fm. auf disen heutigen tag als lehen dem röm. Kg. und dem Hl. Reich zugehort.
    [13.] Es befindt sich auß allen vorgemelten einfüerungen, das sich die Franzosen arbaiten und üben, den röm. Kg. und das Hl. Reich, das doch ain leyb [und] ain seel ist, mit unwarhaftigen, erdichten anschlegen besichtenl zu entzwayen und das fruchtbar fürnemen dises loblichen /567’/ Reichs tags, so zu nutz der ganzen christenheit, des stuels zu Rom und Hl. Reichs beschicht, zu errütten und dardurch gemainen nutz und wolfart der cristenheit, wie sy vormals allwegen getan haben, zu hindern, damit sy darzwischen ir unersettigte, uncristenliche begirde und tyranney gegen unserm hl. vater, dem babst, etlichen stenden und verwandten des Reichs in Ytalien volbringen und volstrecken mögen.
    Es befindt sich auch auß allen gemainen, offenbaren sagen und anzaigungen, auch auß allen anschlegen und geschichten, oben nach der leng und bedeutlich angezaigt, das die Franzosen on underlaß nach dem babstumb sich gearbayt, dasselb der franzosischen Šzungen einzuleyben und nachfolgend die edln und teurn Teütschen der ksl. cron und wirde zu berauben, mit baiden stucken sich zü erhohen und dardurch über alle welt zu herrschen. Es erscheint sich auch, dz auf disen tag sovil franzosischer cardinel gemacht sein, das ungezweifelt ist, wo unser hl. vater, der babst, von diser zeyt schayden solte, das aus not ain franzosischer babst erwelt müeste werden, dardurch das babstumb der welschen zungen entzogen, auch dem Hl. Reich darauß manigfaltig nachtail erwachßen mochte. Wer wolt vermainen, das die Franzosen nicht nach dem babstumb und [der] ksl. cron sich arbeyten, dieweil sy offenlich und heimlich alle ir anschleg setzen, fürnemen und dermassen handln? Obgleich die sach nit offenbar und ny bewysen were, so mocht doch meniglich solh ir fürnemen und begierde auß aller geschicht und vermüetung abnemen /568/ und erkennen. So macht auch weylent Kg. Karl von Frankreich der nechst ain münts von gold und silber, darauf gescriben stunde: Pater Patriae – dz ist vater des vaterlands, id est röm. Ks. 40 
    [14.] Es befindt sich auch auß gemeltem fürtrag, das zu dem Hm. Geldern auß natur der lehen und sunst von rechts wegen allein weylend Hg. Carl von Burgundi, nachmaln der röm. Kg., darnach weylent Kg. Philips als von dem Hl. Reich damit belehenet und yetzo Hg. m Carl von Osterreich, F. zu Castilien, recht und gerechtigkeit gehabt und haben. Deßhalben Carl von Egmund mit hilf der Franzosen on recht und mit gewalt nach vil vertragen, so derselb von Egmund gesworn und doch nach franzosischer art, daselbs er solhs gelernt, nye kainen gehalten, sich darein gedrungen und zu abpruch des Hl. Reichs oberkaiten und rechten das noch ainstails innen hat.
    Es befindt sich auß des Kg. von Frankreich aygner bekantnüs und obgemelten fürtrag, das die franzosischen Kgg. nicht schuldig sein sollen, eer, ayd, phlicht und vertrag dem röm. Kg., irm oberherrn von Mayland wegen, zu halten. Aber ainem ungehorsamen, maynaydigen, uncristenlichen menschen, als Carl von Egmund, so yetz sy als irm freund wider den röm. Kg. hilf zu tun gepunden, solh recht und ordnung gebe inen Got in irm künigreich.
    [15.] Es befint sich auß gemeltem fürtrag, dz Genua ain camer /568’/ und statt des Reichs ist und nicht den franzosischen Kgg. zugehorig. Es befindt sich auch, was der Kg. von Frankreich ab derselben statt Genua, auch den Fmm., comunen und stetten, dem Hl. Röm. Reich on mittl zugehorig, als Mayland, Safoy, Piemont, Montferrar, Ferrer, Mantua, Florenz, Luca, Senis, Pisa und andern, in silber, golt und andern gesogen, genot und gedrungen habe, das sich weit über zehenmal hunderttausent ducaten laufet, das doch allain dem Hl. Reich zughort, zusampt dem, dz eer dieselben zu abpruch des Hl. Reichs oberkaiten in dienst, servitut und sold bezwingt, sy ainstails mit franzosischen regimenten und personen, dem Kg. von Frankreich allain gewertig und verwandt zü sein, besetzet und also in forcht wider [des] Hl. Reichs fryhaiten drugkt und beswert. Und so der Franzos sich solhs zu tun nit schamet, ist wol abzunemen, das sich die Franzosen nit weniger schamen werden, nach dem babstum und der ksl. cron zu trachten.
    Š[16.] Es befindt sich aus allen einfüerungen, das den Franzosen mit handgeschriften noch ainigen anzeigungen, so wider sy beschehen solt sein, nit unrecht beschehen ist, want sy solhs hohers und merers bekent und sich beruembt, dann vormaln nye von inen geschriben und gesagt ist.
    Es befindt sich, das der röm. Kg. alle und yede fürtragn, mit den Franzosen gemacht und eingangen, kgl. und getreulich gehalten und volzogen, darumb der Kg. von Frankreich unpillicher weys der und andrer sachen halben, wie dieselben ermeldt sein, den röm. Kg. tuet beschuldigen, dann /569/ die offenbar tate und unschuld entschuldigt den röm. Kg. Und darbey ist abzunemen, das die Franzosen ir offenbare myshandlung und laster mit unschuld des edlen, teurn und frumben röm. Kg. gern wollen beclaiden; wann daz, so sy dem röm. Kg. auflegen, des sein sy offenbar verbrecher.
    Es befindt sich auch aus dem fürtrag des Kg. von Frankreich, dz die Franzosen die stende des Reichs mit droung und abslagung bewegen wollen, das sy inen irs uncristenlichen fürnemens volg tun und gestatten sollen. Daraus abermaln derselben Franzosen pos, tyrannisch gemüet gegen dem röm. Kg. und dem Hl. Reich abzunemen ist.
    Zum letsten und beschließlich, so befindt sich aus den franzosischen einfüerungen und allen offenbarn geschichten, das die Franzosen gegen den röm. Kg. noch dem Hl. Reich in gemain oder sunderhait, offenlich noch heymlich weder pundnüs, truwen, glauben, eer, ayd, phlicht, verschreibungen, sigel, handzaichen noch zusagen nye gehalten, sunder denselben offenlich, frevenlich, unverschambt widergangen und dawider gehandelt, das mit briefen, sigln, handzaichen, lebendigen kundschaften und uberflissigem scheyn bewisen mag werden. Deßhalben meniglich betrachten sol, was doch die Franzosen damit vermainen, was auch aus solhem verfolgen wolle. Wan so offenlichen Got, dem rechten und den eeren vorzugeen, muess ainen künftigen anschlag bedeüten und etwas groß anzaigen, das aus allen geschichten nicht wol anders mag verstanden noch abgenomen /569’/ werden, dan das solhs beschehen werde wider den stul zu Rom, den röm. Kg. und das Hl. Reich, daraus nachmaln ain gemaine zerrüttung gemainer christenhait und des christen glaubens erwachsen wirdet.
    Actum zu der zeit des loblichen reichstags zu Costenz, Ao. Domini etc. fünfzehenhundert und im sibenden.