Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    «Nr. 23 Bericht Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Eingang einer Weisung aus Venedig; [2.] Absicht Papst Julius’ II. zur Vermittlung zwischen Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich; [3.] Bewertung des Vorgangs durch Pasqualigo; [4.] freundliche Haltung Kg. Maximilians gegenüber Venedig.

    Innsbruck, 12. Januar 1507.
    Venedig, AS, Capi del Consiglio dei Dieci, Lettere di Ambasciatori, busta 12, fol. 11–12’ (ital. Reinschrift) = Textvorlage A. Ebd., fol. 10–10’ (chiffriertes Or.).

    [1.] Bestätigt, am Abend des 11. Januar die Weisung vom 5. Januar mit der Mitteilung über die Abreise des päpstlichen Gesandten zu Kg. Maximilian, Costantino Arianiti, aus Rom und mit der Aufforderung zu regelmäßiger Berichterstattung empfangen zu haben.1 
    [2.] Kürzlich kehrte der kgl. Sekretär Agostino Somenza aus Rom zurück. Dieser informierte ihn vertraulich über eine Äußerung des Papstes, Arianiti beauftragt zu haben, den von ihm so sehr ersehnten Ausgleich zwischen dem frz. Kg. und dem röm. Kg. herbeizuführen. Der Papst habe dabei gegen Venedig räsoniert. Auch wenn die erwarteten Nachrichten aus Frankreich und aus Neapel noch nicht eingetroffen seien, habe er die Mission [Arianitis] nicht länger verschieben können. Somenza äußerte weiter, er habe in Bologna erfahren, daß aus Frankreich die Nachricht von der Zustimmung Kg. Ludwigs zur Vermittlung durch den Papst erwartet worden sei. Der frz. Kg. wolle aber keinesfalls, daß der Eindruck entstehe, als ob diese Initiative von ihm ausgegangen sei; vielmehr solle der Papst es so aussehen lassen, als ob der röm. Kg. dessen Vermittlung erbeten habe. Der Špäpstliche Unterhändler gehe aber davon aus, daß der frz. Kg. sich letztlich den päpstlichen Wünschen fügen werde. Aus Neapel erwarte man die Bestätigung, daß der Kg. von Aragon dem künftigen Abkommen und Bündnis ebenfalls beitreten wolle.
    aDiese Mitteilung Somenzas steht zweifellos im Zusammenhang mit dem, was der röm. Kg. vor drei Tagen eröffnet hat – cum affection incredibile, worüber er in seinem Bericht vom 10. Januar Bericht erstattet hat-a.
    [3.] Die Reise Arianitis hierher ist seiner Ansicht nach damit zu erklären, daß die inzwischen eingetroffenen Stellungnahmen aus Frankreich und Neapel entsprechend den päpstlichen Wünschen ausfielen. Arianiti kommt demnach, um über ein Bündnis zwischen dem Papst, dem röm. Kg., Frankreich, Spanien und ihren Parteigängern zu verhandeln. Dies erinnert an das vor drei Jahren geschlossene Bündnis dieser Herren gegen Venedig2, la qual subito fo intesa, fo interrota. Der Vertrag wurde damals nicht realisiert, da Spanien das befreundete Venedig in den dreijährigen Waffenstillstand mit Frankreich einbezogen hatte.3 Dazu paßt auch, daß der röm. Kg., [Matthäus] Lang und der gesamte kgl. Rat seit Tagen ihm gegenüber von einer Übereinkunft zwischen dem Papst und Frankreich sprechen, unverzüglich gegen Venedig vorzugehen. Wie dem auch sei, er wird sich darum bemühen, mehr über die Mission Arianitis in Erfahrung zu bringen, und unverzüglich darüber Bericht erstatten.
    [4.] Er kann versichern, daß sich der röm. Kg. ganz als Freund Venedigs erzeigt und keinem anderen Staat auf der Welt so zugeneigt ist. In vertraulichen Gesprächen und öffentlich erklärt er seine Zuneigung zu Venedig und seine Hoffnung auf ein Bündnis, mit dessen Hilfe er sich problemlos für das von den Franzosen verübte Unrecht rächen könne. Für den Papst hegt der röm. Kg. geringe Wertschätzung: Dieser sei gut französisch und wegen der Erhebung von Franzosen zu Kardinälen daran schuld, wenn das Papsttum nach Frankreich zurückkehre.4

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    /ser/rta1507/dok23/pages

    Anmerkungen

    1
     Liegt nicht vor. Doch informierte Venedig seinen Gesandten am frz. Hof, Alvise Mocenigo, mit Schreiben vom 4.1., daß man unter anderem durch Berichte des venezianischen Orators an der Kurie [Domenico Pisani; Lanzer, Gesandten, Nr. 11.36] von der Entsendung Arianitis nach Deutschland und eines weiteren Gesandten namens Gabrielletto [= wahrscheinlich Stefano Gabriele Merino] nach Neapel zu Kg. Ferdinand von Spanien erfahren habe. Zum frz. Kg. sei der Ebf. [Pierre Le Filleul] von Aix (monsignor de Aquis) abgefertigt worden. Der Papst plane etwas. Wegen dieser Sache reise auf dessen Betreiben hin angeblich auch der H. de Chaumont [Charles d’Amboise] nach Frankreich. Sie hätten nicht in Erfahrung bringen können, worum es sich genau handle, doch sei es sicher auch zum Nachteil des frz. Kg., perché da quelle sogliono produrse perturbatione, scandali et periculi che, dapoi principiati, se fano molte volte grandissimi et irremediabili (ital. Kop.; AS Venedig, Senato, Deliberazioni (Secreta) 1504–1506 (reg. 40), fol. 218’). Mit Schreiben vom 6.1. stellte die Signorie klar, daß die Absichten des Papstes eindeutig gegen Venedig gerichtet seien – tenta et procura contra el stado nostro cum tuti li mezi a lui possibili. Mocenigo wurde angewiesen, die Pläne des frz. Kg. zu erkunden (ital. Kop.; ebd., fol. 218’-219). Zur Mission Arianitis vgl. Stelzer, Maximilian, S. 164f.; Ders., Arianiti, S. 41–44; Lanzer, Gesandten, S. 137f.; Brunetti, Vigilia S. 10f., 22–25.
    2
     Spielt auf den Geheimvertrag von Blois zwischen Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich vom 22.9.1504 an (Druck: Léonard, Recueil II, S. 17–21; DuMont, Corps IV/1, Nr. XXX, S. 58f. Regest: Wiesflecker, Regesten IV/2, Nr. 21556, S. 1058f. Vgl. Tautscher, König, S. 147–149; Stelzer, König, S. 42f.; Leipold, Beziehungen, S. 202–204; Wiesflecker, Maximilian III, S. 129f.).
    3
     Da Venedig nicht explizit in den Bündnisvertrag von Blois vom 12.10.1505 (Druck: Léonard, Recueil II, S. 35–40; DuMont, Corps IV/1, Nr. XL, S. 72–74) einbezogen war, muß hier der bereits vor dem französisch-habsburgischen Angriffspakt gegen Venedig geschlossene dreijährige Waffenstillstand zwischen Spanien und Frankreich vom 31.3.1504 (Druck: ebd., Nr. XXVI, S. 51–54) gemeint sein.
    4
     Anspielung auf das avignonesische Papsttum (1309–1377).

    Anmerkungen

    a
    -a Diese ... hat] Randverm.: Non legatur.

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    Verweise auf Dokumente der Edition sowie weitere Ressourcen im Web.

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    Erneute Fassung des Dokuments zum parallelen Lesen.

    «Nr. 23 Bericht Dr. Pietro Pasqualigos an den Dogen von Venedig »

    [1.] Eingang einer Weisung aus Venedig; [2.] Absicht Papst Julius’ II. zur Vermittlung zwischen Kg. Maximilian und Kg. Ludwig von Frankreich; [3.] Bewertung des Vorgangs durch Pasqualigo; [4.] freundliche Haltung Kg. Maximilians gegenüber Venedig.

    Innsbruck, 12. Januar 1507.
    Venedig, AS, Capi del Consiglio dei Dieci, Lettere di Ambasciatori, busta 12, fol. 11–12’ (ital. Reinschrift) = Textvorlage A. Ebd., fol. 10–10’ (chiffriertes Or.).

    [1.] Bestätigt, am Abend des 11. Januar die Weisung vom 5. Januar mit der Mitteilung über die Abreise des päpstlichen Gesandten zu Kg. Maximilian, Costantino Arianiti, aus Rom und mit der Aufforderung zu regelmäßiger Berichterstattung empfangen zu haben.1 
    [2.] Kürzlich kehrte der kgl. Sekretär Agostino Somenza aus Rom zurück. Dieser informierte ihn vertraulich über eine Äußerung des Papstes, Arianiti beauftragt zu haben, den von ihm so sehr ersehnten Ausgleich zwischen dem frz. Kg. und dem röm. Kg. herbeizuführen. Der Papst habe dabei gegen Venedig räsoniert. Auch wenn die erwarteten Nachrichten aus Frankreich und aus Neapel noch nicht eingetroffen seien, habe er die Mission [Arianitis] nicht länger verschieben können. Somenza äußerte weiter, er habe in Bologna erfahren, daß aus Frankreich die Nachricht von der Zustimmung Kg. Ludwigs zur Vermittlung durch den Papst erwartet worden sei. Der frz. Kg. wolle aber keinesfalls, daß der Eindruck entstehe, als ob diese Initiative von ihm ausgegangen sei; vielmehr solle der Papst es so aussehen lassen, als ob der röm. Kg. dessen Vermittlung erbeten habe. Der Špäpstliche Unterhändler gehe aber davon aus, daß der frz. Kg. sich letztlich den päpstlichen Wünschen fügen werde. Aus Neapel erwarte man die Bestätigung, daß der Kg. von Aragon dem künftigen Abkommen und Bündnis ebenfalls beitreten wolle.
    aDiese Mitteilung Somenzas steht zweifellos im Zusammenhang mit dem, was der röm. Kg. vor drei Tagen eröffnet hat – cum affection incredibile, worüber er in seinem Bericht vom 10. Januar Bericht erstattet hat-a.
    [3.] Die Reise Arianitis hierher ist seiner Ansicht nach damit zu erklären, daß die inzwischen eingetroffenen Stellungnahmen aus Frankreich und Neapel entsprechend den päpstlichen Wünschen ausfielen. Arianiti kommt demnach, um über ein Bündnis zwischen dem Papst, dem röm. Kg., Frankreich, Spanien und ihren Parteigängern zu verhandeln. Dies erinnert an das vor drei Jahren geschlossene Bündnis dieser Herren gegen Venedig2, la qual subito fo intesa, fo interrota. Der Vertrag wurde damals nicht realisiert, da Spanien das befreundete Venedig in den dreijährigen Waffenstillstand mit Frankreich einbezogen hatte.3 Dazu paßt auch, daß der röm. Kg., [Matthäus] Lang und der gesamte kgl. Rat seit Tagen ihm gegenüber von einer Übereinkunft zwischen dem Papst und Frankreich sprechen, unverzüglich gegen Venedig vorzugehen. Wie dem auch sei, er wird sich darum bemühen, mehr über die Mission Arianitis in Erfahrung zu bringen, und unverzüglich darüber Bericht erstatten.
    [4.] Er kann versichern, daß sich der röm. Kg. ganz als Freund Venedigs erzeigt und keinem anderen Staat auf der Welt so zugeneigt ist. In vertraulichen Gesprächen und öffentlich erklärt er seine Zuneigung zu Venedig und seine Hoffnung auf ein Bündnis, mit dessen Hilfe er sich problemlos für das von den Franzosen verübte Unrecht rächen könne. Für den Papst hegt der röm. Kg. geringe Wertschätzung: Dieser sei gut französisch und wegen der Erhebung von Franzosen zu Kardinälen daran schuld, wenn das Papsttum nach Frankreich zurückkehre.4