Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    «Nr. 256 Zyprian von Serntein (kgl. Kanzler) an Leonhard von Völs (kgl. Landeshauptmann an der Etsch) »

    [1.] Verhandlungen kgl. Gesandter auf dem eidgenössischen Tag in Schaffhausen; [2.] Verhandlungen Kg. Maximilians und der Reichsstände mit den eidgenössischen Gesandten in Konstanz; [3.] Rolle Bf. Matthäus’ von Sitten, französische Intrigen, Zurückhaltung der Eidgenossen gegenüber dem Werben Kg. Maximilians; [4.] Verhandlungen der kgl. und reichsständischen Gesandten auf dem Tag in Zürich, vergebliche Intrigen der französischen Gesandten, voraussichtliche Größe der eidgenössischen Kontingente; [5.] Italienpläne Kg. Maximilians im Zusammenhang mit dem Romzug; [6.] Gegenmaßnahmen der Franzosen; [7.] Vorschläge der Eidgenossen an Kg. Maximilian, Verzögerung notwendiger Entscheidungen über den Romzug durch die Verhandlungen mit den Reichsständen; [8.] erfolgreiche Verhandlungen mit Graubünden über die Stellung von Söldnern für den Romzug.

    Konstanz, 4. Juli 1507.
    Druck: Jäger, Kardinal, S. 59–66.1 

    [1.] Wolgeborener, besonder lb. H., mein sonder willig dienst sein ew zuvor. Ich hab ew am jüngsten von hie aus geschriben und angezaigt, wie ein tag durch gemaine Aidgenossen auf sonntag vocem jucunditatis negstverschinen [9.5.] gen Schaffhausen angesezt und die kgl. Mt. und des Hl. Reichs stende des willens gewesen seyen, ir treffenlich botschaften daselbshin zu schicken und mit gemelten Aidgenossen handeln Šzu lassen. Auf solichs fueg ich weiter zu vernemen, das die kgl. Mt. und des Reichs stende ir treffenlich botschaften auf solichen tag geschickt, darunder mich dann die kgl. Mt. auch verordent. Also haben wir unser werbung an gemain Aidgenossen getan. Und anfenglichen von kgl. Mt. wegen begert, da sy ir kgl. Mt. zu ir Mt. romzug sechstausend knecht under ir Mt. sold und iren panern leihen; zum andern, das sy alle ir knecht, so sy am jungsten dem Kg. von Frankreich zu eroberung der stat Genua zuzuziehen vergunt haben, abvordern und wieder abzuziehen gepieten; zum dritten, das sy ein guete verstendnus mit der kgl. Mt. und dem Hl. Reiche machen und sich des Kg. von Frankreich genzlichen entslagen und als des Hl. Reichs undertanen tun und verhelfen wellen, damit das, so dem Hl. Reich bisher entzogen sey, widerumb darzugepracht und gezogen werde. Darauf haben sy uns zu antwurt geben nach ynhalt ains abschids [Nr. 217], der copey ich euch hiemit zuschick. Und haben die knecht vom Kg. von Frankreich ernstlich abgefordert, das dann der röm. kgl. Mt. wol erschossen ist, aus ursach, das der Kg. von Frankreich nach eroberung Genua nit weiter hat greifen kunden. Solichs abschids hat sich die kgl. Mt. nit benugen wellen lassen, sonder wir und des Reichs stende botschaften haben sovil bey den Aidgenossen gehandelt, das sy all, sovil ir auf solchen tag gen Schaffhausen geschickt gewesen, zu ir Mt. gen Cohstenz persondlichen komen sein.
    [2.] Also hat sy die kgl. Mt. in beywesen der ganzen versamlung des Hl. Reichs für sich ervordert, ir abfordrung ir knecht gedankt und nachmaln durch ir Mt. rete und des Reichs stenden ausschuss mit inen handeln lassen, daz sy ir Mt. solich VIM knecht zu dem romzug vervolgen lassen und ain entliche verstendnus mit kgl. Mt. und dem Hl. Reich machen, wie dann solichs zu Schafhausen an sy begert sey. Darauf sy sich bedacht. Und ist hin und hinwider vil gehandelt worden, aber nichts fruchtpers erlanget worden, dann sy haben alle handlungen und kgl. Mt. begern wider an ir obern bringen wellen. Nachmalen hat sy die kgl. Mt. aber all für sich ervordern lassen und persondlichen ein lange rede zu inen getan und der Franzosen verretereyen und liste angezaigt und dermassen mit inen geredt, daz etwevil gewaint haben und sich warlich hoch gegen kgl. Mt. erpoten. Nach langen handlungen, so die kgl. Mt. und des Reichs stende mit inen getan haben, ist ain abschied [Nr. 224, Pkt. 4–6] gemacht, des copey ich ew auch hiemit zuschick, daraus ain ander tag, auf sonntag nach corporis Cristi [6.6.] zu Zurich kommen, und vervolgt und yezo gehalten worden ist. Dieselben Aidgenossen sein auch durch die kgl. Mt. mit vererungen, als mit silbergeschir, gelt und auslösungen in den herbergen, vast erlichen und wohl gehalten. Und haben sich gar hoch gegen ir kgl. Mt. erboten. Got welle sy in solchem irem gueten willen lang bestetten.2 
    [3.] Der Bf. von Sitten, genannt von Wallis, der handelt zwischen der kgl. Mt., den stenden des Reichs und auch der Eydgenosschaft und helt sich warlich nach gelegenhait des handels nit übel, sonder handelt treulichen in allen sachen und sehe ye gern, das sich die sachen zum pesten schicketen.3 
    ŠAber dabey zaig ich ew an, das die Franzosen mit iren großen practiken nit feyrn, sonder mit iren cronen und gelt strenglich arbaiten, das, so kgl. Mt. handelt und furnymbt, zu widertreiben, dann sy kunden oder mugen solichs nit erleiden.
    Auch daneben merk ich dennoch, das ich besorg, das die Aidgenossen sich hart werden bewegen lassen, aus dem vertrag und pundnus4, so sy mit dem Kg. von Frankreich haben, dringen zu lassen, sonder werden darin beleiben, bis das soliche pundnus ausgeet, das dann in XX monet beschehen soll. Dazu auch, so bedunkt mich, das sy nit wol genaigt sein oder vil lust haben, das sy sich mit dem Reiche vil verpinten, wiewol dasselb mit inen hie ernstlich gehandelt ist und deßhalb ein copey gestellt, wie sich dieselben Aidgenossen verschreiben sollen [Nr. 226], des copey ich ew hiemit zuschick, mitsambt dem abschid, der denselben Aidgenossen hie gegeben ist [Nr. 229], daraus ir lauter und klar vernemen werdeta, wie dieselben handlungen hie zu Costenz bescheen ist und ich ew nit klarer underrichtung tun kann.
    [4.] Auf solichs so hat ir kgl. Mt. und des Hl. Reichs stend zu dem tag gen Zurich verordnet, nemlich den Ebf. von Trier, den Bf. von Triend, den Bf. von Wallis, Gf. Ulrichen von Montfort, H. Ulrich Frh. zu Sachs, H. Peter von Aufsatz, H. Hans von Kunigsegg, Peter von Liebenstein, Eytl Wolf von Stain, Hans von Emerschoven, Hans von Landenberg, Dr. Johann Schad und schultheus von Frankfurt [Johann von Lünen]. Die haben nu treffenlich mit den Aidgenossen gehandelt. Und auf den abschied hie zu Costenz haben VIII ort, nemlichen Bern, Freyburg in Uchtland, Solotorn, Basel, Schaffhausen, Ury, Swytz und Underwalden, den abschid, wie der hie gemacht ist, angenommen und kgl. Mt. zugesagt, die knecht zu irem romzug vervolgen zu lassen. Aber die von Zürich, die von Lucern, die von Claris und die von Zug haben im anfang nit zusagen wellen, und zuletst durch gros practiken sein die von Zurich und die von Claris, auch Zug zugefallen zu den VIII orten. Aber Lucern ist ganz als gut französisch auf irem pösen und harten fürnehmen beliben und anzaigt, daß sy kainem Kg., weder dem röm. oder dem franzosischen, ire knecht zulaufen lassen wellen.
    Aber nicht destmynder, so hat ir kgl. Mt. durch des Bf. von Wallis vleis ain taylung gemacht, daß etwevil zu Lucern, so französisch gewesen, auf kgl. Mt. partey gevallen sein und hoffenlich, ob schon den andern, so französisch sein, nicht gevallen würd, ire knecht laufen zu lassen, das dannoch solichs beschehen möcht. Und auf alle handlung, die zu Zurich bescheen ist, so ist ein abschied verfaßt, wie und in was gestalt die Aidgenossen kgl. Mt. dienen sollen [Nr. 246], und nemlichen, wie es mit besoldung der knecht und in ander weeg soll gehalten werden. Des schick ich ew hiemit ain lauter copey, wie ir sehen werdet.
    Nu ist auf obgemeltem tag zu Zurich des Kg. von Frankreich treffenlich botschaft erschinen und mit hochstem vleis gehandelt, das, so die Aidgenossen kgl. Mt. zusagen, zu widertreiben. Haben sich auch mit ausgeben und erbieten gros gelts und guts nit Šbedaueren lassen, daryn auch unsern herrn Kg. mit grossen lugen und unwahrheit verklagt und verunglimpft und sich vast gemuet. Aber durch schickung des almechtigen Gots so haben die Eydgenossen des Franzosen gelt oder ander sein practiken nit angesehen, sonder stracks auf irem zusagen, so sy kgl. Mt. getan haben, beliben und der Franzosen gelt warlichen nit nemen wellen. Und auf solichs haben sich die Franzosen so hart bekümbert und mit wainaten augen die Aidgenossen gebeten, sich in keinen weeg wider den Kg. von Frankreich bewegen zu lassen. Darauf so hat der tag zu Zurich sein endschaft gehebt und all botschaften von Aidgenossen ain jeder widerumb anhaim gezogen und den abschied anhaim bracht. Und kann nit anders versteen, dann das die Aidgenossen wol zufriden seyn. Und auf solchs so fahen dieß Aidgenossen an und schiessen aus hauptleut, waybl und vendrich, auch die knecht bis in die VIM, und H. Ulrich Frh. zu Sachs wird derselben sechstausend obrister hauptman. Noch mer, so wirt ir kgl. Mt. freyer knecht von der Eidgenossenschaft bis in zweytausend annemen; die wirt ir Mt. mit hauptleuten und andern emptern besezen nach irer Mt. gevallen. Damit so werden der Schweizer achttausend. Der Bf. von Wallis soll aus seinem Bm. auch tausend laufen lassen. Deßgleichen, so haben sich die Grauen Pund in Churwalhen auch verwilligt XVIIIC knecht [Nr. 254]. Damit, so were die anzal von Aidgenossen, Grauen Pundnern, auch Wallisern zehentausend-VIIIC.
    Ich acht und glaub, daß ir mit dem zulauf wol bis in XIIM werden. Und acht darfür, daß kgl. Mt. ain monad auf die all mitsambt topplsolden und ander ausgab wol LXM fl.rh. haben müsse. Dann es ist der zufall so gar gros, daß davon nit zu schreiben ist. Aber ich acht darfür, wo der handel fürgang gewynn, es werde solhes alles herwider tragen.
    [5.] Nu were swer und kgl. Mt. nit wol tunlich, sollt ir Mt. die Aidgenossen mit so grossen costen allain umb der ksl. cron willen aufwegig machen. Das fundt ir Mt. bey niemands im rat, were auch ir Mt. in kain weeg zu tun. Aber darbey bericht ich ew in großer gehaim und auch aus bevelh kgl. Mt., daß ir solhs bey ew beleiben wellet lassen, daß kgl. Mt. des willen ist, am hineinziehen Mayland zu gewinnen und den Kg. von Frankreich gar an [!] Italien zu jagen, darzu auch die ungehorsamen Ff. und communen in Italia zu strafen und zu gehorsam zu bringen.
    Aber daß ir Mt. den Aidgenossen diser zeit solhs sollt anzaigen, das ist nit zu tun. Dann sy würden solhs, ee sy auszugen, nicht zugeben, aus ursachen, daß der bericht, so sy mit dem Kg. von Frankreich haben, noch zwenzig monet werdet und sy vermain nit schuldig zu sein, dem röm. Kg. wider den Kg. von Frankreich zu dienen. Aber nicht destmynder, so ist mit den treffenlichisten Aidgenossen davon geredt in ainer gehaim, und kan wol merken, daß sy den handel etwas versteen, das man weiter welle mit inen fürnemen, dann allain die ksl. cron zu holen. Und bedunkt mich, das nit mangel werde sein, wo man sy in das veld bringt, das sy werden understeen, Mayland helfen zu erobern. Dann ich acht, sy werden solhs auch nit umbsonst tun, wann in ist ein merklich guet deßhalben von kgl. Mt. versprochen in ghaim, und nemblich in dem Hm. Mayland. Bedunkt mich, dasselb welle ine wol smekhen. Die Aidgenossen haben in allen ortern ire hauptleut, venderich und ander empter erwelt und besetzt mit personen, die dann auch treffenlich sein und kgl. Mt. wol angenem.
    Š[6.] Aber dabey zaig ich ew an, daß der Kg. von Frankreich nit feyrt, sonder untersteet, sich nach seinem hechsten vermugen mit gelt und sonst zu weren. Aber es steet noch wol, und beleiben vast auf dem abschied zu Zurich, wiewol dannocht kgl. Mt. damit gedrengt wirdet, das ir Mt. neben der hand merklich gelt muß ausgeben und vereren. Dann da ist kain aufhören, sonder täglich zureiten und bitten und begeren auf disen tag, daß kgl. Mt. ain merkliche suma gelts bar hinweg geschickt, allain die leut zu underhalten und zu vereren, bis ir Mt. den nechsten zug fürnemen mag. Auf heut datum sind kgl. Mt. glaublich schriften5 komen, das Frankreich mit grossem vleis ainen tag zu Sweytz erlangt hat und daselbst die kgl. Mt. hoch und merklich verunglimpft und alles das fürgenumen, das inen müglich ist gewesen, den handel zu irren, darzu auch grosses gelt ausgeben, aber ye nichts sonders erlangen mügen. Und als die Franzosen dasselb gesehen, haben sy den Sweytzern vast gedraut, der maynung, sich des röm. Kg. und auch der Sweizer zu erweren.
    [7.] Aber es hat bey den Sweytzern den Franzosen nit vil frucht bracht. Die Sweizer dringen hart darauf, das kgl. Mt. solchen zug fürderlichen und bald solt fürnemen, dann solhs für sein kgl. Mt. merklich sein soll. Aber daneben wirt alzeyt gedacht, das sy solhs vil umb ires aigen nutz wegen tun. Weiter zaigen die Aidgenossen kgl. Mt. an, das fruchtper und guet were, daß ire kgl. Mt. zu unser lieben Frauen gen Einsidel kirchferten ziehen soll, den gemainen mann anzusprechen. Was aber ir kgl. Mt. tun wurdet, kann ich noch derzeit nit wissen. Ir kgl. Mt. wais auch noch auf diesen tag nicht, auf was zeit und wie ir kgl. Mt. iren romzug furnemen wurdet, dann ir kgl. Mt. muß sich zuvor mit den stenden des Hl. Reichs underreden und besliezzen, wie ich ew dann deshalben in kurzen weiter zuschreiben und berichten will.
    Wann der handel noch bey des Reichs stenden nit gar entslozzen oder das, so die notturft ervordert, genzlichen fürgenommen ist. Versich mich aber, das solhs fürderlichen beschehen werd.
    [8.] Ferrer fug ich ew zu vernemen, das die kgl. Mt. bey den Grauenpundnern in Churwalchen hat handeln lassen, daß dieselben ir Mt. mit XVIIIC knechten zu dem romzug dienen wellen. Darauf haben sy ir botschaft zu kgl. Mt. hieher geschickt mit erbietung, daß sy ir Mt. solich knecht leihen und ir Mt. damit den romzug tun; und ob yemands ir Mt. daran irre[n] wurd, daß sy ir Mt. wider meniglich, nyemands ausgenumen, dienen wellen, dann sy mit dem Kg. von Frankreich nichts zu tun haben wellen; doch daß sy mit dem sold und in ander weg gehalten werden wie die Aidgenossen. Darauf hat sich die kgl. Mt. mit inen vertragen, wie ir dann in der eingelegten abred und abscheid [Nr. 254] aigentlich vernemen wirt. Darauf sein die von Punten also abgeschaiden, sich zu rüsten und kgl. Mt. inhalts ires abschids zu dienen.
    Das alles hab ich ew dieser zeit nit wellen verhalten und wil ew gar bald und fürderlichen weiter und mer gelegenheit des tags und auch anders zuschreiben. Darauf tue ich mich ew hiemit bevelhen. Datum Costenz am IIII. tag des monads July Ao. etc. im sybenden.  Z. v. Serntein p[er] m[anum] p[ropriam].

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    /ser/rta1507/dok256/pages

    Anmerkungen

    1
     Der Text wurde bei seiner Wiedergabe an die Editionsrichtlinien der Mittleren Reihe der Deutschen Reichstagsakten (vgl. Angermeier, RTA-MR V/1, S. 85; Heil, RTA-MR VIII/1, S. 75) angeglichen.
    2
     Zyprian von Serntein erwähnte auch in einem Schreiben an Lgf. Wilhelm von Hessen die Verhandlungen mit den Eidgenossen, die dann die kgl. Mt. ye gern verkeren und zu guten Cristen machen wolt (Or. Konstanz, 31.5.1507; StA Marburg, Best. 2, Nr. 109, fol. 198–199’).
    3
     Zur Rolle Bf. Matthäus’ bei den Verhandlungen über die eidgenössische Romzughilfe vgl. Büchi, Kardinal I, S. 105–112. Vgl. auch dessen Schreiben an seinen Sekretär Georg Supersaxo vom 27.5.1507 (Druck: Büchi, Korrespondenzen I, Nr. 92, S. 67–69).
    4
     Bündnisvertrag vom 16.3.1499 [Nachweise s. Nr. 45, Anm. 4].
    5
     Liegen nicht vor.

    Anmerkungen

    a
     werdet] Danach folgt irrtümlich: darin ir lauter findet.

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    «Nr. 256 Zyprian von Serntein (kgl. Kanzler) an Leonhard von Völs (kgl. Landeshauptmann an der Etsch) »

    [1.] Verhandlungen kgl. Gesandter auf dem eidgenössischen Tag in Schaffhausen; [2.] Verhandlungen Kg. Maximilians und der Reichsstände mit den eidgenössischen Gesandten in Konstanz; [3.] Rolle Bf. Matthäus’ von Sitten, französische Intrigen, Zurückhaltung der Eidgenossen gegenüber dem Werben Kg. Maximilians; [4.] Verhandlungen der kgl. und reichsständischen Gesandten auf dem Tag in Zürich, vergebliche Intrigen der französischen Gesandten, voraussichtliche Größe der eidgenössischen Kontingente; [5.] Italienpläne Kg. Maximilians im Zusammenhang mit dem Romzug; [6.] Gegenmaßnahmen der Franzosen; [7.] Vorschläge der Eidgenossen an Kg. Maximilian, Verzögerung notwendiger Entscheidungen über den Romzug durch die Verhandlungen mit den Reichsständen; [8.] erfolgreiche Verhandlungen mit Graubünden über die Stellung von Söldnern für den Romzug.

    Konstanz, 4. Juli 1507.
    Druck: Jäger, Kardinal, S. 59–66.1 

    [1.] Wolgeborener, besonder lb. H., mein sonder willig dienst sein ew zuvor. Ich hab ew am jüngsten von hie aus geschriben und angezaigt, wie ein tag durch gemaine Aidgenossen auf sonntag vocem jucunditatis negstverschinen [9.5.] gen Schaffhausen angesezt und die kgl. Mt. und des Hl. Reichs stende des willens gewesen seyen, ir treffenlich botschaften daselbshin zu schicken und mit gemelten Aidgenossen handeln Šzu lassen. Auf solichs fueg ich weiter zu vernemen, das die kgl. Mt. und des Reichs stende ir treffenlich botschaften auf solichen tag geschickt, darunder mich dann die kgl. Mt. auch verordent. Also haben wir unser werbung an gemain Aidgenossen getan. Und anfenglichen von kgl. Mt. wegen begert, da sy ir kgl. Mt. zu ir Mt. romzug sechstausend knecht under ir Mt. sold und iren panern leihen; zum andern, das sy alle ir knecht, so sy am jungsten dem Kg. von Frankreich zu eroberung der stat Genua zuzuziehen vergunt haben, abvordern und wieder abzuziehen gepieten; zum dritten, das sy ein guete verstendnus mit der kgl. Mt. und dem Hl. Reiche machen und sich des Kg. von Frankreich genzlichen entslagen und als des Hl. Reichs undertanen tun und verhelfen wellen, damit das, so dem Hl. Reich bisher entzogen sey, widerumb darzugepracht und gezogen werde. Darauf haben sy uns zu antwurt geben nach ynhalt ains abschids [Nr. 217], der copey ich euch hiemit zuschick. Und haben die knecht vom Kg. von Frankreich ernstlich abgefordert, das dann der röm. kgl. Mt. wol erschossen ist, aus ursach, das der Kg. von Frankreich nach eroberung Genua nit weiter hat greifen kunden. Solichs abschids hat sich die kgl. Mt. nit benugen wellen lassen, sonder wir und des Reichs stende botschaften haben sovil bey den Aidgenossen gehandelt, das sy all, sovil ir auf solchen tag gen Schaffhausen geschickt gewesen, zu ir Mt. gen Cohstenz persondlichen komen sein.
    [2.] Also hat sy die kgl. Mt. in beywesen der ganzen versamlung des Hl. Reichs für sich ervordert, ir abfordrung ir knecht gedankt und nachmaln durch ir Mt. rete und des Reichs stenden ausschuss mit inen handeln lassen, daz sy ir Mt. solich VIM knecht zu dem romzug vervolgen lassen und ain entliche verstendnus mit kgl. Mt. und dem Hl. Reich machen, wie dann solichs zu Schafhausen an sy begert sey. Darauf sy sich bedacht. Und ist hin und hinwider vil gehandelt worden, aber nichts fruchtpers erlanget worden, dann sy haben alle handlungen und kgl. Mt. begern wider an ir obern bringen wellen. Nachmalen hat sy die kgl. Mt. aber all für sich ervordern lassen und persondlichen ein lange rede zu inen getan und der Franzosen verretereyen und liste angezaigt und dermassen mit inen geredt, daz etwevil gewaint haben und sich warlich hoch gegen kgl. Mt. erpoten. Nach langen handlungen, so die kgl. Mt. und des Reichs stende mit inen getan haben, ist ain abschied [Nr. 224, Pkt. 4–6] gemacht, des copey ich ew auch hiemit zuschick, daraus ain ander tag, auf sonntag nach corporis Cristi [6.6.] zu Zurich kommen, und vervolgt und yezo gehalten worden ist. Dieselben Aidgenossen sein auch durch die kgl. Mt. mit vererungen, als mit silbergeschir, gelt und auslösungen in den herbergen, vast erlichen und wohl gehalten. Und haben sich gar hoch gegen ir kgl. Mt. erboten. Got welle sy in solchem irem gueten willen lang bestetten.2 
    [3.] Der Bf. von Sitten, genannt von Wallis, der handelt zwischen der kgl. Mt., den stenden des Reichs und auch der Eydgenosschaft und helt sich warlich nach gelegenhait des handels nit übel, sonder handelt treulichen in allen sachen und sehe ye gern, das sich die sachen zum pesten schicketen.3 
    ŠAber dabey zaig ich ew an, das die Franzosen mit iren großen practiken nit feyrn, sonder mit iren cronen und gelt strenglich arbaiten, das, so kgl. Mt. handelt und furnymbt, zu widertreiben, dann sy kunden oder mugen solichs nit erleiden.
    Auch daneben merk ich dennoch, das ich besorg, das die Aidgenossen sich hart werden bewegen lassen, aus dem vertrag und pundnus4, so sy mit dem Kg. von Frankreich haben, dringen zu lassen, sonder werden darin beleiben, bis das soliche pundnus ausgeet, das dann in XX monet beschehen soll. Dazu auch, so bedunkt mich, das sy nit wol genaigt sein oder vil lust haben, das sy sich mit dem Reiche vil verpinten, wiewol dasselb mit inen hie ernstlich gehandelt ist und deßhalb ein copey gestellt, wie sich dieselben Aidgenossen verschreiben sollen [Nr. 226], des copey ich ew hiemit zuschick, mitsambt dem abschid, der denselben Aidgenossen hie gegeben ist [Nr. 229], daraus ir lauter und klar vernemen werdeta, wie dieselben handlungen hie zu Costenz bescheen ist und ich ew nit klarer underrichtung tun kann.
    [4.] Auf solichs so hat ir kgl. Mt. und des Hl. Reichs stend zu dem tag gen Zurich verordnet, nemlich den Ebf. von Trier, den Bf. von Triend, den Bf. von Wallis, Gf. Ulrichen von Montfort, H. Ulrich Frh. zu Sachs, H. Peter von Aufsatz, H. Hans von Kunigsegg, Peter von Liebenstein, Eytl Wolf von Stain, Hans von Emerschoven, Hans von Landenberg, Dr. Johann Schad und schultheus von Frankfurt [Johann von Lünen]. Die haben nu treffenlich mit den Aidgenossen gehandelt. Und auf den abschied hie zu Costenz haben VIII ort, nemlichen Bern, Freyburg in Uchtland, Solotorn, Basel, Schaffhausen, Ury, Swytz und Underwalden, den abschid, wie der hie gemacht ist, angenommen und kgl. Mt. zugesagt, die knecht zu irem romzug vervolgen zu lassen. Aber die von Zürich, die von Lucern, die von Claris und die von Zug haben im anfang nit zusagen wellen, und zuletst durch gros practiken sein die von Zurich und die von Claris, auch Zug zugefallen zu den VIII orten. Aber Lucern ist ganz als gut französisch auf irem pösen und harten fürnehmen beliben und anzaigt, daß sy kainem Kg., weder dem röm. oder dem franzosischen, ire knecht zulaufen lassen wellen.
    Aber nicht destmynder, so hat ir kgl. Mt. durch des Bf. von Wallis vleis ain taylung gemacht, daß etwevil zu Lucern, so französisch gewesen, auf kgl. Mt. partey gevallen sein und hoffenlich, ob schon den andern, so französisch sein, nicht gevallen würd, ire knecht laufen zu lassen, das dannoch solichs beschehen möcht. Und auf alle handlung, die zu Zurich bescheen ist, so ist ein abschied verfaßt, wie und in was gestalt die Aidgenossen kgl. Mt. dienen sollen [Nr. 246], und nemlichen, wie es mit besoldung der knecht und in ander weeg soll gehalten werden. Des schick ich ew hiemit ain lauter copey, wie ir sehen werdet.
    Nu ist auf obgemeltem tag zu Zurich des Kg. von Frankreich treffenlich botschaft erschinen und mit hochstem vleis gehandelt, das, so die Aidgenossen kgl. Mt. zusagen, zu widertreiben. Haben sich auch mit ausgeben und erbieten gros gelts und guts nit Šbedaueren lassen, daryn auch unsern herrn Kg. mit grossen lugen und unwahrheit verklagt und verunglimpft und sich vast gemuet. Aber durch schickung des almechtigen Gots so haben die Eydgenossen des Franzosen gelt oder ander sein practiken nit angesehen, sonder stracks auf irem zusagen, so sy kgl. Mt. getan haben, beliben und der Franzosen gelt warlichen nit nemen wellen. Und auf solichs haben sich die Franzosen so hart bekümbert und mit wainaten augen die Aidgenossen gebeten, sich in keinen weeg wider den Kg. von Frankreich bewegen zu lassen. Darauf so hat der tag zu Zurich sein endschaft gehebt und all botschaften von Aidgenossen ain jeder widerumb anhaim gezogen und den abschied anhaim bracht. Und kann nit anders versteen, dann das die Aidgenossen wol zufriden seyn. Und auf solchs so fahen dieß Aidgenossen an und schiessen aus hauptleut, waybl und vendrich, auch die knecht bis in die VIM, und H. Ulrich Frh. zu Sachs wird derselben sechstausend obrister hauptman. Noch mer, so wirt ir kgl. Mt. freyer knecht von der Eidgenossenschaft bis in zweytausend annemen; die wirt ir Mt. mit hauptleuten und andern emptern besezen nach irer Mt. gevallen. Damit so werden der Schweizer achttausend. Der Bf. von Wallis soll aus seinem Bm. auch tausend laufen lassen. Deßgleichen, so haben sich die Grauen Pund in Churwalhen auch verwilligt XVIIIC knecht [Nr. 254]. Damit, so were die anzal von Aidgenossen, Grauen Pundnern, auch Wallisern zehentausend-VIIIC.
    Ich acht und glaub, daß ir mit dem zulauf wol bis in XIIM werden. Und acht darfür, daß kgl. Mt. ain monad auf die all mitsambt topplsolden und ander ausgab wol LXM fl.rh. haben müsse. Dann es ist der zufall so gar gros, daß davon nit zu schreiben ist. Aber ich acht darfür, wo der handel fürgang gewynn, es werde solhes alles herwider tragen.
    [5.] Nu were swer und kgl. Mt. nit wol tunlich, sollt ir Mt. die Aidgenossen mit so grossen costen allain umb der ksl. cron willen aufwegig machen. Das fundt ir Mt. bey niemands im rat, were auch ir Mt. in kain weeg zu tun. Aber darbey bericht ich ew in großer gehaim und auch aus bevelh kgl. Mt., daß ir solhs bey ew beleiben wellet lassen, daß kgl. Mt. des willen ist, am hineinziehen Mayland zu gewinnen und den Kg. von Frankreich gar an [!] Italien zu jagen, darzu auch die ungehorsamen Ff. und communen in Italia zu strafen und zu gehorsam zu bringen.
    Aber daß ir Mt. den Aidgenossen diser zeit solhs sollt anzaigen, das ist nit zu tun. Dann sy würden solhs, ee sy auszugen, nicht zugeben, aus ursachen, daß der bericht, so sy mit dem Kg. von Frankreich haben, noch zwenzig monet werdet und sy vermain nit schuldig zu sein, dem röm. Kg. wider den Kg. von Frankreich zu dienen. Aber nicht destmynder, so ist mit den treffenlichisten Aidgenossen davon geredt in ainer gehaim, und kan wol merken, daß sy den handel etwas versteen, das man weiter welle mit inen fürnemen, dann allain die ksl. cron zu holen. Und bedunkt mich, das nit mangel werde sein, wo man sy in das veld bringt, das sy werden understeen, Mayland helfen zu erobern. Dann ich acht, sy werden solhs auch nit umbsonst tun, wann in ist ein merklich guet deßhalben von kgl. Mt. versprochen in ghaim, und nemblich in dem Hm. Mayland. Bedunkt mich, dasselb welle ine wol smekhen. Die Aidgenossen haben in allen ortern ire hauptleut, venderich und ander empter erwelt und besetzt mit personen, die dann auch treffenlich sein und kgl. Mt. wol angenem.
    Š[6.] Aber dabey zaig ich ew an, daß der Kg. von Frankreich nit feyrt, sonder untersteet, sich nach seinem hechsten vermugen mit gelt und sonst zu weren. Aber es steet noch wol, und beleiben vast auf dem abschied zu Zurich, wiewol dannocht kgl. Mt. damit gedrengt wirdet, das ir Mt. neben der hand merklich gelt muß ausgeben und vereren. Dann da ist kain aufhören, sonder täglich zureiten und bitten und begeren auf disen tag, daß kgl. Mt. ain merkliche suma gelts bar hinweg geschickt, allain die leut zu underhalten und zu vereren, bis ir Mt. den nechsten zug fürnemen mag. Auf heut datum sind kgl. Mt. glaublich schriften5 komen, das Frankreich mit grossem vleis ainen tag zu Sweytz erlangt hat und daselbst die kgl. Mt. hoch und merklich verunglimpft und alles das fürgenumen, das inen müglich ist gewesen, den handel zu irren, darzu auch grosses gelt ausgeben, aber ye nichts sonders erlangen mügen. Und als die Franzosen dasselb gesehen, haben sy den Sweytzern vast gedraut, der maynung, sich des röm. Kg. und auch der Sweizer zu erweren.
    [7.] Aber es hat bey den Sweytzern den Franzosen nit vil frucht bracht. Die Sweizer dringen hart darauf, das kgl. Mt. solchen zug fürderlichen und bald solt fürnemen, dann solhs für sein kgl. Mt. merklich sein soll. Aber daneben wirt alzeyt gedacht, das sy solhs vil umb ires aigen nutz wegen tun. Weiter zaigen die Aidgenossen kgl. Mt. an, das fruchtper und guet were, daß ire kgl. Mt. zu unser lieben Frauen gen Einsidel kirchferten ziehen soll, den gemainen mann anzusprechen. Was aber ir kgl. Mt. tun wurdet, kann ich noch derzeit nit wissen. Ir kgl. Mt. wais auch noch auf diesen tag nicht, auf was zeit und wie ir kgl. Mt. iren romzug furnemen wurdet, dann ir kgl. Mt. muß sich zuvor mit den stenden des Hl. Reichs underreden und besliezzen, wie ich ew dann deshalben in kurzen weiter zuschreiben und berichten will.
    Wann der handel noch bey des Reichs stenden nit gar entslozzen oder das, so die notturft ervordert, genzlichen fürgenommen ist. Versich mich aber, das solhs fürderlichen beschehen werd.
    [8.] Ferrer fug ich ew zu vernemen, das die kgl. Mt. bey den Grauenpundnern in Churwalchen hat handeln lassen, daß dieselben ir Mt. mit XVIIIC knechten zu dem romzug dienen wellen. Darauf haben sy ir botschaft zu kgl. Mt. hieher geschickt mit erbietung, daß sy ir Mt. solich knecht leihen und ir Mt. damit den romzug tun; und ob yemands ir Mt. daran irre[n] wurd, daß sy ir Mt. wider meniglich, nyemands ausgenumen, dienen wellen, dann sy mit dem Kg. von Frankreich nichts zu tun haben wellen; doch daß sy mit dem sold und in ander weg gehalten werden wie die Aidgenossen. Darauf hat sich die kgl. Mt. mit inen vertragen, wie ir dann in der eingelegten abred und abscheid [Nr. 254] aigentlich vernemen wirt. Darauf sein die von Punten also abgeschaiden, sich zu rüsten und kgl. Mt. inhalts ires abschids zu dienen.
    Das alles hab ich ew dieser zeit nit wellen verhalten und wil ew gar bald und fürderlichen weiter und mer gelegenheit des tags und auch anders zuschreiben. Darauf tue ich mich ew hiemit bevelhen. Datum Costenz am IIII. tag des monads July Ao. etc. im sybenden.  Z. v. Serntein p[er] m[anum] p[ropriam].