Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    « Nr. 33 Bericht Bf. Christoph Raubers von Laibach (kgl. Gesandter an der Kurie) an Kg. Maximilian »

    Unterredung mit Papst Julius II. über die Lage in Italien.

    Rom, 1. April 1507.
    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 11973, fol. 1–3, 4’ (Or., Postverm.: Ad manus proprias).

    [1.] Er traf auf kgl. Befehl hin am 30. März in Rom ein und erhielt am folgenden Tag eine Audienz beim Papst, um instruktionsgemäß seinen Vortrag zu halten. Anders als vorgesehen war der Kardinal von Brixen, der sich derzeit noch in Bologna aufhält, nicht anwesend. Auch sonst war niemand zugegen. Der Papst hörte ihn mit gueter disposition an. Er rechtfertigte zuerst, daß der röm. Kg. Arianiti so lange aufgehalten hat. Danach sprach er über die Politik des Kg. von Frankreich, und nemlichen, wie er sich unterstet, sein Hlt. mit vil seltzamen practikhen zu sich in Frankreich zu bringen, darauf ermant und Šgebeten von wegen e. kgl. Mt., das er sich in keinen weg in der Franzosen hend ergeben welle.
    Der Papst erwiderte, daß er nicht die Absicht habe, nach Frankreich zu reisen. Er wolle für den Rest seines Lebens in Rom bleiben, wo sein Papststuhl stehe. Im übrigen danke er dem röm. Kg. für die Warnung.
    [2.] Er eröffnete daraufhin als seine persönliche Meinung, daß der Papst in Deutschland als französischer Parteigänger gelte. Es heiße, er veranlasse den frz. Kg., sich stärker in die italienischen Angelegenheiten einzumischen, als er dies vielleicht sonst täte.
    Der Papst räumte ein, er sei den Franzosen bisher etban vil anhengig gebest. Dazu sei er aber gezwungen gewesen, da der röm. Kg. keinen entschiedenen Widerstand gegen die Franzosen geleistet habe und auch, weil die Bemühungen seines Orators Mariano de Bartolini um Hilfe gegen Venedig vergeblich gewesen seien.1 Die Franzosen hingegen hätten ihm gegen Bologna geholfen. Doch habe er sie nie gegen den röm. Kg. unterstützt. Er hätte bis auf den heutigen Tag auch lieber die Freundschaft des röm. Kg. als die der Franzosen gesucht, wenn er dafür eine Möglichkeit gesehen hätte.
    [3.] Er entgegnete dem Papst, daß dieser nun merke, wie wenig Verlaß auf den frz. Kg. sei. Dieser habe die Absicht, zuerst Genua und dann das übrige Italien anzugreifen, was nicht nur dem Papst, sondern auch dem röm. Kg. und der deutschen Nation zu Spott und Schaden gereichen würde. Deshalb müsse dieses Unternehmen rechtzeitig verhindert werden. Die Voraussetzung dafür sei eine Einigung des Papstes und Venedigs wegen Riminis und Faenzas, die bis dahin an den röm. Kg. übergeben werden sollten. Er trug die Einzelheiten des Vorschlags weisungsgemäß vor.
    Der Papst erwiderte, daß er sich lieber nicht so weit mit den Franzosen eingelassen hätte. Er hätte auch nichts dagegen, wenn diese aus Italien vertrieben würden und daß der röm. Kg. die Reichsstadt Genua gegen sie beschützte. Er könne sich jedoch nicht allein aufgrund bloßer Worte in ein gegen Frankreich gerichtetes Bündnis mit dem röm. Kg. und Venedig einlassen. Sobald er aber ein konkretes Vorgehen erkenne, verhalte sich die Sache anders. Eine Einigung mit Venedig sei allerdings unmöglich, solange ihm seine Städte nicht ohne jede Bedingung zurückgegeben würden. Er sei indessen einverstanden, wenn der röm. Kg. der Signorie eine Entschädigung aus dem Hm. Mailand zusage.
    [4.] Er wies darauf hin, daß der röm. Kg. dafür Sorge getragen habe, gemeinsam mit dem Papst Frankreich zu widerstehen; die Kgg. von England, Portugal und Navarra sowie das ganze Hl. Reich stünden auf seiner Seite.
    Der Papst erwiderte abschließend, er werde sich dem röm. Kg. in jeder Weise gefällig erzeigen, sobald dieser mit tapheren fürnemen nach Italien ziehe, und bat um unverzügliche Unterstützung Genuas mit 8 000–10 000 Mann. Er hoffe, daß der Kg. die Franzosen dann auch aus Mailand vertreiben könne. Der Papst bat außerdem, den frz. Kg. in Burgund anzugreifen, um ihn von seinem Zug nach Italien abzuhalten. Von den Venezianern erwarte er nicht viel; er sei vielmehr der Meinung, daß sie die Franzosen über alle Verhandlungen Šmit dem röm. Kg. informieren würden. Der Papst hofft, den Mgf. von Mantua und den Hg. von Ferrara auf die Seite des röm. Kg. zu ziehen, sobald sie merkten, daß er mit ernst nach Italien komme.2 Der röm. Kg. müsse sich bezüglich seiner Pläne für Italien beeilen, bevor sich die Franzosen weiter verstärkten. Wenn der röm. Kg. Genua Hilfe schicken wolle, müsse er dies bald tun. Der Kg. von Aragon unterstütze die Franzosen gegen Genua mit vier Galeeren und habe in Neapel und auf Sizilien die Lieferung von Getreide und anderen Gütern nach Genua untersagt. Der Papst befürwortet eine Einigung zwischen dem röm. Kg. und dem frz. Kg., er würde sich gemeinsam mit dem Kg. von Aragon einem solchen Frieden anschließen. Dann könne der röm. Kg. in Spanien und Italien seine Angelegenheiten regeln, auch mitler zeit die Venediger kriegen.
    [5.] Er ist der Meinung, daß Venedig ihn, den Kg., unterstützen wird, wenn er nach Italien zieht. Dann werden ihm zweifellos auch Genua und der Papst beistehen.

    Er wird den Kardinal von Brixen für dessen weitere Verhandlungen mit dem Papst schriftlich über sein Vorgehen informieren. Der Papst wünscht, daß alle Verhandlungen mit ihm strikt geheim gehalten werden. Der Gf. von Ribagorza (Rippa Gorza) 3 soll anstelle Gonsalvos [Hernandez de Córdova] Neapel regieren; dieser wird mit Kg. Ferdinand nach Spanien zurückkehren. Der Papst ist am 27. März (vigilia palmarum) mit großem Triumph in Rom eingezogen, ihm zu Ehren wurden viele schöne Triumphbögen errichtet.4

    Faksimiles der Druckfassung der Edition.

    ser/rta1507/dok33/pages

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    Anmerkungen

    1
     Der im März 1504 an den kgl. Hof entsandte Rotaauditor Bartolini sollte Kg. Maximilian dazu bewegen, Venedig zur Rückgabe der Romagna aufzufordern und gegebenenfalls militärisch gegen die Republik vorzugehen ( Brosch , Papst, S. 112; Pastor , Geschichte III/2, S. 719; Fusero , Giulio, S. 299f.; Tautscher , König, S. 145; Stelzer , Maximilian, S. 29, 31–33, 169–171).
    2
     Kardinal Sigismondo Gonzaga berichtete am 17.4. über ein in Rom eingetroffenes Schreiben Arianitis, worin dieser die Verstimmung Kg. Maximilians in bezug auf Mgf. Francesco von Mantua meldete und gleichzeitig seine Vermittlung anbot (Nachschrift zu einem Schreiben Sigismondo Gonzagas an Mgf. Francesco von Mantua, ital. Or. Rom; StA Mantua, A.G., ser. E.XXV.3, busta 857, fol. 290–290’).
    3
     Juan de Aragón, Gf. von Ribagorza, fungierte von Mitte Juni 1507 bis Dezember 1508 als spanischer Statthalter und bis Oktober 1509 als Vizekönig von Neapel ( Pedio , Napoli, S. 186 Anm. 30, 535).
    4
     Vgl. die Einträge im Tagebuch des päpstlichen Zeremonienmeisters Paris de Grassis vom 14. und 27.3. ( Döllinger , Quellen, S. 378–380. Vgl. Pastor , Geschichte III/2, 743f.; Shaw , Julius, S. 205f.).

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    Verweise auf Dokumente der Edition sowie weitere Ressourcen im Web.

    Registereinträge, die auf die Seite(n) dieses Dokuments verweisen.

    Erneute Fassung des Dokuments zum parallelen Lesen.

    « Nr. 33 Bericht Bf. Christoph Raubers von Laibach (kgl. Gesandter an der Kurie) an Kg. Maximilian »

    Unterredung mit Papst Julius II. über die Lage in Italien.

    Rom, 1. April 1507.
    Wien, ÖNB, Cod. ser. n. 11973, fol. 1–3, 4’ (Or., Postverm.: Ad manus proprias).

    [1.] Er traf auf kgl. Befehl hin am 30. März in Rom ein und erhielt am folgenden Tag eine Audienz beim Papst, um instruktionsgemäß seinen Vortrag zu halten. Anders als vorgesehen war der Kardinal von Brixen, der sich derzeit noch in Bologna aufhält, nicht anwesend. Auch sonst war niemand zugegen. Der Papst hörte ihn mit gueter disposition an. Er rechtfertigte zuerst, daß der röm. Kg. Arianiti so lange aufgehalten hat. Danach sprach er über die Politik des Kg. von Frankreich, und nemlichen, wie er sich unterstet, sein Hlt. mit vil seltzamen practikhen zu sich in Frankreich zu bringen, darauf ermant und Šgebeten von wegen e. kgl. Mt., das er sich in keinen weg in der Franzosen hend ergeben welle.
    Der Papst erwiderte, daß er nicht die Absicht habe, nach Frankreich zu reisen. Er wolle für den Rest seines Lebens in Rom bleiben, wo sein Papststuhl stehe. Im übrigen danke er dem röm. Kg. für die Warnung.
    [2.] Er eröffnete daraufhin als seine persönliche Meinung, daß der Papst in Deutschland als französischer Parteigänger gelte. Es heiße, er veranlasse den frz. Kg., sich stärker in die italienischen Angelegenheiten einzumischen, als er dies vielleicht sonst täte.
    Der Papst räumte ein, er sei den Franzosen bisher etban vil anhengig gebest. Dazu sei er aber gezwungen gewesen, da der röm. Kg. keinen entschiedenen Widerstand gegen die Franzosen geleistet habe und auch, weil die Bemühungen seines Orators Mariano de Bartolini um Hilfe gegen Venedig vergeblich gewesen seien.1 Die Franzosen hingegen hätten ihm gegen Bologna geholfen. Doch habe er sie nie gegen den röm. Kg. unterstützt. Er hätte bis auf den heutigen Tag auch lieber die Freundschaft des röm. Kg. als die der Franzosen gesucht, wenn er dafür eine Möglichkeit gesehen hätte.
    [3.] Er entgegnete dem Papst, daß dieser nun merke, wie wenig Verlaß auf den frz. Kg. sei. Dieser habe die Absicht, zuerst Genua und dann das übrige Italien anzugreifen, was nicht nur dem Papst, sondern auch dem röm. Kg. und der deutschen Nation zu Spott und Schaden gereichen würde. Deshalb müsse dieses Unternehmen rechtzeitig verhindert werden. Die Voraussetzung dafür sei eine Einigung des Papstes und Venedigs wegen Riminis und Faenzas, die bis dahin an den röm. Kg. übergeben werden sollten. Er trug die Einzelheiten des Vorschlags weisungsgemäß vor.
    Der Papst erwiderte, daß er sich lieber nicht so weit mit den Franzosen eingelassen hätte. Er hätte auch nichts dagegen, wenn diese aus Italien vertrieben würden und daß der röm. Kg. die Reichsstadt Genua gegen sie beschützte. Er könne sich jedoch nicht allein aufgrund bloßer Worte in ein gegen Frankreich gerichtetes Bündnis mit dem röm. Kg. und Venedig einlassen. Sobald er aber ein konkretes Vorgehen erkenne, verhalte sich die Sache anders. Eine Einigung mit Venedig sei allerdings unmöglich, solange ihm seine Städte nicht ohne jede Bedingung zurückgegeben würden. Er sei indessen einverstanden, wenn der röm. Kg. der Signorie eine Entschädigung aus dem Hm. Mailand zusage.
    [4.] Er wies darauf hin, daß der röm. Kg. dafür Sorge getragen habe, gemeinsam mit dem Papst Frankreich zu widerstehen; die Kgg. von England, Portugal und Navarra sowie das ganze Hl. Reich stünden auf seiner Seite.
    Der Papst erwiderte abschließend, er werde sich dem röm. Kg. in jeder Weise gefällig erzeigen, sobald dieser mit tapheren fürnemen nach Italien ziehe, und bat um unverzügliche Unterstützung Genuas mit 8 000–10 000 Mann. Er hoffe, daß der Kg. die Franzosen dann auch aus Mailand vertreiben könne. Der Papst bat außerdem, den frz. Kg. in Burgund anzugreifen, um ihn von seinem Zug nach Italien abzuhalten. Von den Venezianern erwarte er nicht viel; er sei vielmehr der Meinung, daß sie die Franzosen über alle Verhandlungen Šmit dem röm. Kg. informieren würden. Der Papst hofft, den Mgf. von Mantua und den Hg. von Ferrara auf die Seite des röm. Kg. zu ziehen, sobald sie merkten, daß er mit ernst nach Italien komme.2 Der röm. Kg. müsse sich bezüglich seiner Pläne für Italien beeilen, bevor sich die Franzosen weiter verstärkten. Wenn der röm. Kg. Genua Hilfe schicken wolle, müsse er dies bald tun. Der Kg. von Aragon unterstütze die Franzosen gegen Genua mit vier Galeeren und habe in Neapel und auf Sizilien die Lieferung von Getreide und anderen Gütern nach Genua untersagt. Der Papst befürwortet eine Einigung zwischen dem röm. Kg. und dem frz. Kg., er würde sich gemeinsam mit dem Kg. von Aragon einem solchen Frieden anschließen. Dann könne der röm. Kg. in Spanien und Italien seine Angelegenheiten regeln, auch mitler zeit die Venediger kriegen.
    [5.] Er ist der Meinung, daß Venedig ihn, den Kg., unterstützen wird, wenn er nach Italien zieht. Dann werden ihm zweifellos auch Genua und der Papst beistehen.

    Er wird den Kardinal von Brixen für dessen weitere Verhandlungen mit dem Papst schriftlich über sein Vorgehen informieren. Der Papst wünscht, daß alle Verhandlungen mit ihm strikt geheim gehalten werden. Der Gf. von Ribagorza (Rippa Gorza) 3 soll anstelle Gonsalvos [Hernandez de Córdova] Neapel regieren; dieser wird mit Kg. Ferdinand nach Spanien zurückkehren. Der Papst ist am 27. März (vigilia palmarum) mit großem Triumph in Rom eingezogen, ihm zu Ehren wurden viele schöne Triumphbögen errichtet.4