Deutsche Reichstagsakten  ‹  Der Reichstag zu Konstanz 1507
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Inhaltsverzeichnis

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Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Abteilungsleiters

Vorwort des Bearbeiters

Vorwort des Bearbeiters

Abkürzungen und Siglen

Abkürzungen und Siglen

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

I. Kapitel Vorakten: Vorbereitung des Konstanzer Reichstages

  • 1. Romzug
  • II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

    II. Kapitel Der Reichstag zu Konstanz

  • 1. Romzug und Verfassungsfragen
  • 2. Schwäbischer Bundestag in Überlingen und Konstanz
  • 3. Städtetag in Konstanz
  • 4. Königliche Reichsbelehnungen, Privilegienvergaben, Begnadungen und Konfirmationen
  • 5. Schiedsverfahren während des Reichstages
  • 6. Sonstige Streitsachen
  • 7. Finanzangelegenheiten König Maximilians
  • 8. Nebenhandlungen
  • 9. Weisungen und Berichte
  • 10. Chroniken, Aufzeichnungen und Verzeichnisse
  • III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

    III. Kapitel Nachakten: Vollzug der Reichstagsbeschlüsse und Folgen des Reichstages

  • 1. Romzug
  • 2. Wiedereröffnung des Reichskammergerichts
  • 3. Angelegenheiten von Reichsständen
  • Chronologisches Aktenverzeichnis

    Chronologisches Aktenverzeichnis

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    « Nr. 719 Auszug aus Johann Jakob Fuggers „Spiegel der Ehren des Hauses Österreich“ (vor 1559) 1  »

    [1.] Ausschreibung des RT, Aufenthalt Kg. Maximilians in Straßburg und Rottweil; [2.] Schwäbischer Bundestag in Überlingen, Unterredung der Augsburger Gesandten mit Kg. Maximilian, Fürsprache der Stände für Kf. Philipp von der Pfalz; [3.] Gesandtschaft von Kg. und Reichsständen zum eidgenössischen Tag in Schaffhausen; [4.] Gesandte der Eidgenossen zum RT, Zahl der persönlich anwesenden Reichsfürsten, Gesandtschaft des Großfürsten von Moskau; [5.] Eröffnung der RT-Verhandlungen, kgl. „Proposition“; [6.] Reichshilfeforderung Kg. Maximilians; [7.] Vortrag der eidgenössischen Gesandten an Kg. und Reichsstände, Behandlung der Gesandten durch Kg. Maximilian, Zusagen Kg. Maximilians an die Eidgenossen, Vereinbarung der eidgenössischen Tagsatzung in Zürich mit kgl. Gesandten vom 12. Juni, Entwurf der Reichsstände für eine Einung mit den Eidgenossen; [8.] Verhaftung des französischen Gesandten Gian Antonio Crivelli; [9.] Beratung des RT über die französische Instruktion, Beschluß zu einer Gesandtschaft an Kg. ŠLudwig von Frankreich; [10.] Verhandlungen des RT über die Romzughilfe: Pläne Kg. Maximilians für einen Angriff auf Frankreich, Antwort der Reichsstände; [11.] Seelenmesse für Kg. Philipp von Kastilien; [12.] Verhandlungen und Beschlußfassung des RT über die Romzughilfe; [13.] Verhandlungen über den Landshuter Erbfolgestreit; [14.] Verhandlungen über die Rehabilitation Kf. Philipps und die kurpfälzischen Reichsvikariatsrechte; [15.] Festveranstaltung während des RT; [16.] Reichsbelehnungen für Ebf. Jakob von Mainz, Bf. Heinrich von Augsburg und Bf. Georg von Trient; Ritterschlag für Gesandte aus Spanien und England; [17.] Beschluß des RT über die Romzughilfe; [18.] Anleihe Kg. Maximilians bei den Handelsgesellschaften; [19.] Verkauf der Gft. Kirchberg und Hft. Weißenhorn an Jakob Fugger; [20.] Vorladung des venezianischen Gesandten Vincenzo Querini vor Kg. und Reichsstände, Entlassung vom kgl. Hof; [21.] Ernennung Kf. Friedrichs von Sachsen zum Reichsstatthalter; Vorbereitung des Romzuges; [22.] Verhandlungen mit den eidgenössischen Gesandten zum Konstanzer RT über eine Romzughilfe; Kaisererhebung.

    München, BSB, cgm 896, hier fol. 218–229 (illustriertes Or., mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen) = Textvorlage A. München, BSB, cgm 900b, hier fol. 73’-100’ (Abschr. 17. Jh.) = B. Wien, ÖNB, Cod. 8614, hier fol. 210’-219 = [C].2 
    Druck: Fäsi , Beylage, S. 85–109 (nur Pkt. 3–7, durch kurze Einleitung und Schluß ergänzt).

    [1.] /218/ Es hat auch der röm. Kg. Maximilianus auf disen zug in das Reich allen chur- und fursten, Gff. und Hh., gaistlich und weltlich, on allain Pfgf. Philipsen nicht, ainen reychstag, auf misericordia Domini [18.4.] in der stat Costenz zu erscheinen, außgeschriben. Mit vermeldung, das seiner Mt. und dem Hl. Reich hoch vonnöten sein wurde, die ksl. cron zu Rome von der bäpstlichen Hlt. zu empfahen, auf das des Kg. von Frankreichs practica in Italia nicht uberhandnemen, sonder demselben gewehret werden mög. Und ist volgents sein Mt. von Straßburg, aldo sein kgl. Mt. von ainer widerwertigkait wegen, welche der Franzoß doselben angerichtet hett, erscheinen muest, auf die stat Rotweyl mit tausent pferden verrayset.
    Sein Mt. hat in disem einrit zu Rotweyl ain guldin wappenrock ob seinem kiris [= Kürass] gefüert, welcher wappenrock zerschnitten und vast lustig anzusehen gewesen. Die burger zu Rotweyl seind dem röm. Kg. vierhundert stark mitsampt dem ganzen rat in ainer feinen ordnung entgegengangen. Und wie sie vor dem tor dem Kg. begegnet, da seind sie alle auf ire knie gefallen. Und hat ir burgermaister an ainem langen stecken die schlüssel zu der stat toren dem Kg. entgegenboten, und haben den röm. Kg. vast holdselig empfangen, auch sein Mt. gebeten, sie und gemaine stat in gn. befelch zu haben. Der loblich Kg. hat inen die schlüssel widerumb ubergeben und inen zugesprochen, das sie ir stat als fromme sone wie bißher selbs bewaren sollen. So wolle sein Mt. ir gn. H. und Kg. sein. Und hat den burgern vierzig fl. zu vertrinken verschafft zu geben. Vier wägen mit habern, zwen wägen mit guetem Elsaser wein und vier ochsen Šsampt ainer vergulten scheuren und sechshundert fl. darinnen haben die von Rotweyl seiner Mt. verehret. Zu morgens haben die von Rotweyl gleichergestalt den Kg. zu und von der kirchen belaytet. Denen haben ir Mt. abermalen vierzig fl. verehret.
    [2.] Nachmalen ist der röm. Kg. gen Uberlingen, alda der Schwäbisch Bund beyeinander gewesen, mit seiner Mt. tausent pferden verrayset, alda die röm. Kgin. zu seiner Mt. mit irem frauenzimmer auch kommen. Und ist der röm. Kg. dieselben nacht beygelegen. Auf disem bundstag zu Uberlingen ward die proposition, welche man den chur- und fursten, auch stenden des Reichs fürtragen solt, abgehandlet und gestelt. So ist diser reichstag auß diser ursach gen Costenz gelegt worden, das man mit gemainen Aidgenossen dahin handlen wolt, das die dem röm. Kg. auf disem romzug mit aller macht behilflich sein solten, wie wir dann hievon meldung ton wöllen.
    Auf disen bundstag zu Uberlingen hat ain erber rat der stat Augspurg seine gesanten, nemlich H. Vlrichen Artzt, burgermaister, und Anthoni Ruedolphen3, zu dem röm. Kg. geschickt, welche von aines erbern rats und gemainer stat Augspurg wegen den röm. Kg. von wegen des tods Philippi, seiner Mt. sone, mit vast hoflichen worten geklaget haben, mit dem undertenigen anzaigen, das inen, auch ainem erbern rat und der ganzen gemainde der stat Augspurg, wie dann auch billich, von herzen layd sey, das ir kgl. Mt. in ain solches hohes und schmerzlichs herzenlaid gefallen sey. Und haben auch dem röm. Kg. darneben zu erkennen geben, wie das ain erber rat hochgemeltem Kg. von Castel und Legion, prinzen zu Aragonia und Sicilien, Ehg. zu Osterreich, Hg. zu Burgund etc., auf zwainzig[sten] Februarii zu den Barfuessern habe eerlichen besingen lassen, bey welcher besingnus ain ganzer rat, auch die ganz gesellschaft von der burgerstuben sampt derselbigen haußfrauen gewesen seyend.4 Ferner haben gemelte gesanten dem röm. Kg. angezaigt, nachdem in der stat Augspurg in sibenunddreyssig jaren kain gemain schiessen mit seinen ceremonien gehalten worden und gemainer stat schützen neulich auf ainem schiessen zu Frankfort gewesen, und haben die schützenmaister daselbst zu Frankfurt ire schützen mit dem cränzlin verehret. Deshalben ain erber rat, sover es seiner kgl. Mt. gefellig were und für ratsam ansehen wurde, dahin gesinnet were, das der rat zu Augspurg auf das künftig jar ain gemain schiessen außschreyben lassen wolt. Aber wie dem allem, wöllen sie solches seiner Mt. in allem haimgesetzt haben. Hierauf der röm. Kg. den gesanten der stat Augspurg selbs mundlich geantwort: Es zweyfle seiner Mt. gar nicht, das ain erber rat und gemaine stat ain wares layd mit seiner Mt. in disem und anderm widerwertigem ungluck tragen, wie auch sein Mt. solches in vil wege selbs gespürt und entpfunden habe. Wolle auch solcher lieb und treu gegen denen von Augspurg mit allen gnaden ingedenk sein. Nachdem aber ain erber rat ain gemaines außgeschribens schiessen zu Šhalten gesinnet sey, so wolle sein Mt. auf dißmals, dieweyl jetzunder von seiner Mt. romzug auf disem furgenomnen reychstag gehandlet werden soll, nicht fur ratsam ansehen, das solches schiessen diser zeyt fürgenommen und gehalten werden soll. Dann ir Mt. bey solchem erlichen ritterspil und kurzweyl auch geren sein wolt. Deshalben mögen sie solches außschreyben biß auf ain andere gelegne zeyt wol anstellen. Welchem rat die von Augspurg auch gefolgt und dises schiessen biß Ao. 1509 verzogen und alsdann gemeltes schiessen mit solchen grossen eern, lust und freuden gehalten, das sich meniglichen darab verwundern muessen.
    Es seind auch auf disem bundstag drey Ff., Friderich, Philips, Bf. zu Freysingen, und Heinrich, des alten Pfgf. Philipsen sone, vor dem Kg. erschinen, welche mitsampt allen stenden des Reichs, sovil deren auf disem bundstag erschinen, den röm. Kg. auf das diemuetigist gebeten haben, das ir Mt. ernennten Kf. Philips auß der acht kommen lassen und zu gnaden annemen wölle. Welchen der röm. Kg. geantwort: Dieweyl gemelter F. Philippus auf dem reichstag zu Cöln nicht erschinen und /218’/ sein Mt. mit Hg. Ulrich von Wirtemberg, auch Wilhelm Lgf. zu Hessen sampt dem bund zu Schwaben in disem kriege sich in ainung eingelassen, so wolle seiner Mt. mitnichten gebüren, ernennten Pfgf. ausserhalben derselben Ff. und des Bunds rat auß der acht zu begeben.5 Damit haben sich alle hendel auff den zukunftigen reychstag gezogen. Und hat sich meniglich auf den einrit gen Costenz gerüstet.

    [Laut jeweiliger Bildunterschrift Abbildungen der Wappen der Bentivoglio, der Städte Rottweil und Überlingen, Ulrich Artzts, Anton Rudolfs, der Stadt Augsburg, der Kurpfalz (für die Pfgff. Friedrich, Philipp und Heinrich), Hg. Ulrichs von Württemberg und Lgf. Wilhelms von Hessen].

    [3.] Eemalen aber der röm. Kg. von Uberlingen aufgebrochen, da haben ir Mt. den Bf. von Trient, welicher von der geburt ain Neydegker gewesen, auch Schenck Christof semperfrey von Limburg und H. Ciprian von Serentein von wegen des röm. Kg., aber von wegen der gaistlichen Kff. H. Thoman Ruti, des Bf. von Meinz hofmarschalk, und Eytelwolf vom Stain, auch von der weltlichen Kff. und anderer Bff. wegen Adolphum F. zu Anhalt, tombrobst zu Magdenburg, und H. Hans von Emershofen, und von der frey- und reychsstet wegen der schulthaiß von der stat Frankfort6 zu den Aidgenossen, welche ainen tag zu Schafhausen gehalten, mit nachvolgender instruction abgefertiget. Auf das aber dise werbung dem geliepten leser desterbaß bekannt werde, so wöllen wir derselbigen instruction hierher verleyben, welche von wort zu wort gelaut, wie nachfolget: /218’-219’/ [Wiedergabe von Nr. 216]7.
    [4.] /219’/ Auf solche werbung haben sich die Aidgenossen endlichen entschlossen, das sie von den zwelf ortern in Schweyz ire gesanten zu dem Kg. gen Costenz auf den reichstag schicken wolten. Und ward von yedem ort geschickt wie nachvolgt: ŠDie von Zürich haben iren burgermaister H. Marx Roschen und ainen zunftmaister, Ulrich Felix genant, geschickt. Also haben die von Bern H. Heine Scharrenthaler, rittern, und Caspar Willer, iren fenderich, zu ziehen außerwölet. Die von Lucern haben iren schulthaiß, [Jakob] Prennberg, und Heine Kloß, iren vogt, geschickt. Und die von Uri santen iren amman Clewi8 von Oberdorff. So haben die von Schweyz iren amman Rude [= Hans] Wagner in irem namen gesant. Aber die von Underwalden und Nidwald schickten auch iren amman, welcher Contz9 Wirtz genant was. So haben die von Zug iren vogt Heine Oller von Barr geschickt. So schickten die von Glaris iren vogt, Cleve10 Landolt genant. Aber die von Basel santen iren burgermaister Peter von Offenburg und ainen des rats, Walther Harnascher. Die von Freyburg schickten H. Franzen Argent, rittern. So haben die von Solothurn iren schulthaissen Niclas Conrader gesandt, und die von Schafhausen haben geschickt iren burgermaister Conraden Barter und zunftmaister, Wolf [= Hans] Treulerli genant. Aber Appenzell hat niemand geschickt, sonder denen von Zürich iren gewalt ubergeben. Dise gesanten waren die sterkesten und lengesten personen, so zu Costenz auf dem reichstag gewesen seind. Nach solicher abfertigung der gesandten ist der röm. Kg. mitsampt der röm. Kgin. auf die stat Costenz verritten und ist daselben ganz glücklichen ankommen. Und seind bey sechsundzwainzig Ff., gaistlich und weltlich, daselben personlich erschinen.11 Die andern haben ir volmechtige botschaft daselbsthin gesant. Der Ks. Basilius auß Moscovia und Reyssen, so ain christ gewesen, der hat sein potschaft auch daselbst gehabt.12 
    [5.] Also hat man am sontag cantate [2.5.] den reichstag mit haltung seiner proposition13 angefangen. Dise proposition hat ongefarlich dise mainung in sich gehalten, wie die instruction, so auf den tag gen Schafhausen geschickt worden, gelautet hat, dann das darneben vil wort mitgelaufen seind, als solte der Kg. zu Frankreich in etlichen reychsstetten, also auch bey etlichen Ff. des Reichs sein besondere werbung gehapt und etliche empörung angerichtet haben. Wie dann sein Mt. solches in der stat Straßburg Šbefunden, auch deshalben in die stat Straßburg verraysen und daselben solliche des Franzosen angerichte aufruer und empörung stillen muessen14, und dergeleichen etliche andere bezüchtigungen mer, welche Kg. Ludwig uber sein aid, eer und empfahung des hl. sacrament begangen haben solt, mit dem begern, das die chur- und fursten wie auch andere stende des Reichs ainen hauptman und zwelf räte außschiessen und erwöhlen, welche ainen anschlag und ordnung des romzugs, die ksl. crone zu erlangen, beratschlagen und aufrichten solten, auch ain solche steur, welche auf die feurstat geschlagen oder sonst angelegt wurde, damit, ob sich die Schweyzer in des Kg. sold begeben wurden, das man ainen vorrat an gelt gehaben möchte.15 Auf dise proposition haben alle stende ain bedenken genommen. Und hat hiezwischen der röm. Kg. mit den gesanten auß Schweyz sein underhandlung gepflegen, welche täglichen zu Costenz mit sibenzig personen ankommen seind.

    /220/ [Laut den Bildunterschriften Abbildungen der Wappen der Städte Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Glarus, Basel, Freiburg, Solothurn, Schaffhausen und Appenzell, des Großfürsten von Moskau, Kg. Ludwigs von Frankreich und der Stadt Konstanz].

    [6.] Maximilianus, der loblich röm. Kg., hat in diser seiner Mt. widerwertigkait, deren mer dann aine auf sein Mt. gfallen, sein mannlichs und unerschrockens herz und gemüet dahin gerichtet, das er nach solchen wegen gesehen hat, damit er die macht und sterk des Franzosen zerbrechen, auch solche ursach furwenden, damit sein Mt. die Aidgenossen von dem Kg. zu Frankreich auf sein partey ziehen und das Fm. Mayland widerumb zu dem Hl. Reich bringen mocht. Dieweyl aber der Franzoß stark, auch die Aidgenossen in seiner bündnus hett und dem röm. Kg. sein sone Philippus mit tod verschieden, von welichem sein Mt. vil hilf und trost verhoffet, da haben ir Mt. auf dißmals den chur- und fursten, auch stenden des Reichs nichten anders dann den romzug, die ksl. cronen von dem bapst zu erlangen, fürhalten mügen; mit dem anzaigen, das seiner Mt. hoch vonnöten were, dieweyl sich der Franzoß in Italia so gewaltig machen tet, das er dem Hl. Reych teutscher nation sein eer und würde erhalten möcht. Nun es haben ir Mt. den gesanten auß der Aidgnoßschaft auf achzig pferd zu Costenz herberg bestellen und allen reichsstenden anzaigen lassen, das sich dieselben sampt iren dienern freuntlich gegen den gesanten auß der Aidgnosschaft halten und guete gesellschaft laysten solten.
    [7.] Also auf den freytag vor dem pfingstag [21.5.; richtig: 16.5.] seind die gesanten von der Aidgnoßschaft in dem Reichs rat vor dem röm. Kg., auch chur- und fursten und stenden des Hl. Reichs erschinen. Alda hat H. Marx Rösch, burgermaister von Zürich, angefangen zu reden auf mainung, wie das der röm. kgl. Mt. und des Hl. Reichs gesanten neulichen zu Schafhausen, alda gemaine Aidgenossen ainen tag gehalten, erschinen weren und ain lange klag ab dem Kg. zu Frankreich gefüert, welche auch Šgemaine Aidgnossen dahin vermanet haben, das die dem Kg. zu Frankreich kain hilf wider das Hl. Reich zuschicken noch beweysen solten. Deshalben erschinen sie vor der röm. kgl. Mt. und den stenden des Reichs und sagten, das ir will und mainung nie gewesen were, das die ksl. crone, eer und wirde von der teutschen nation (des gebluet und herkommen die Aidgenossen auch weren) auf die cron Frankreich kommen solt. Sie haben auch zu solchem ratschlag, wa der fürgangen, nie geholfen. Und wiewol gemaine Aidgnoßschaft sich mit dreyen Kgg. von Frankreich, als mit Ludwigen dem ailften, Carolo dem achten und jetzt Ludwigen dem zwelften, in bundnus eingelassen haben16, darinnen sie noch behaft weren, so were doch ir endlicher will und mainung, das die ksl. cron, eer und wirde bey der teutschen nation, weliche soliche eer mit grosser mannhait, auch vilem bluetvergiessen erobert und biß anher erhalten haben, entlichen beleyben solt. Darzu sie ir leyb und guet biß in die hinderst not mit guetem willen setzen und behilflich sein wöllen, das die ksl. cron bey der teutschen nation beleyben soll. Sie haben auch in allen iren bundnussen, welche sie mit der cron Frankreich aufgericht haben, den Stuel zu Rom und das Hl. Reich, dem sie auch zugeton weren, bedinglich außgenommen. Dieweyl und aber gemaine Aidgenossen dem Kg. zu Frankreich laut irer bundsainigung sechstausent knecht zugeschickt haben und soliche bezüchtigung auf gemelten Kg. geworfen worden, so wöllen sie ir zugeschicktes kriegsfolk zu der stund widerumb abmanen, haimzuziehen. Und haben hierauf begert, das man sie verstendigen soll, in was vermügen und macht das Hl. Reich zu roß und fueß zu diser hilf sein werde; alsdann wöllen sich gemaine Aidgnossen auch entschliessen, mit was anzal sie dem röm. Kg. zu disem romzug, die ksl. crone zu erlangen, behilflich sein wöllen.
    Und seind die gesanten auß Schweyz nach disem auß dem Reichs rat widerumb an ir herberg gangen. Es hat aber die chur- und fursten, auch die andere stende des Hl. Reichs nicht für guet noch ratsam angesehen, das man des Reichs macht und vermögen denen von der Aidgnoßschaft eröffnen oder anzaigen solt. Und ist deshalben solche handlung, mit den Aidgnossen zu handlen, dem röm. Kg. haimgesetzet worden. Darauf der röm. Kg. die gesanten vast eerlichen gehalten. Erstlich haben ir Mt. yedem gesanten ain Rainfal legel in die herberg schencken lassen. Und dieweyl sich bey sibenzehen Landenberger auch zugeschlagen, ist denselben ain punzen Malvasier geschenkt worden. Volgents seind die gesanten von Schweiz von dem röm. Kg. zu gast gebeten, und allweg zwen kongische zwischen ainen Schweyzer nidergesetzet, und /220’/ ist denselben vast herrlich empoten worden. Zudem hat der röm. Kg. bey diser malzeyten sein ganze credenz aufrichten lassen. Nachmalen haben ir Mt. in solcher underhandlung yedem gesanten ain rot damastin wammas geschenkt, welche sie zu Costenz angemacht und vast prachtlich darinnen einhergetreten. Und als die iren abschaid mit dem röm. Kg. beschlossen, da haben ir Mt. ainem yeden besonder mit ainem silbergeschirr yeden nach seinem stand verehret und auß der herberg gelöset. In summa, es ist auf dißmal, solang die gesanten in Costenz gewesen, bey zwaytausent fl. Šaufgangen. Welches die chur- und fursten vast ubel vertrossen hat, das der röm. Kg. sovil onkosten auf die groben bauren, auch Schweyzer hat geen lassen. Und als die von ir Mt. personlich urlaub genommen, da haben ir Mt. die gesandten von Schweyz in gemain angesprochen und gesagt: Lb. Aidgenossen, ir sollend entlichen glauben, das wir euer gueter H. und freund seind. Und wöllen in nechstgelegner zeyt zu fueß gen Unser Lieben Frauen zu Ainsidlen wallen, auch auf den höchsten berg in Schweiz ainen gembsen stechen und den der Muetter Gottes zu Ainsidlen schenken und verehren. Und nachdem wir zuvor ainen hailigen, nemlich St. Leobold, erheben helfen17, also wöllen wir brueder Clausen [von Flüe], welcher bey euch ain hl. leben gefüert hat, auch helfen erheben. Er wölle auch sonst der ganzen Aidgnosschaft, sover sich die in seinem willen halten werden, allen gn. willen beweysen und erzaigen. Welches gn. erbieten alles die gesanten von der Aidgnoßschaft zu hohem dank angenommen und sich zu allem, was dem Kg. gefellig, vast willig erboten. Damit seind die gesanten widerumb abgeschiden. Wie aber der röm. Kg. mit den Aidgenossen abgehandlet und beschlossen hab18, das wöllen wir dem werden leser durch ain copien desselbigen vertrags verstendig machen: /220’-221/ [Wiedergabe von Nr. 246, Pkt. 1–16]. Hernach volgen die orter in der Aidgnoßschafft, wievil yedes ort dem röm. Kg. kriegßvolk auf den romzug halten soll: /221/ [Wiedergabe von Nr. 246, Pkt. 17].
    Uber solches sollen die ganze Aidgnoßschaft dem röm. Kg. zu eern tausent mann auf iren onkosten drey monat lang auf disem romzug underhalten. So haben auch die chur- und fursten sampt des Reichs versamlung ainen aidßform stellen lassen, welcher vor dem anzug auf Rom den hauptleuten und knechten auß Schweyz verlesen und geschworen werden soll. Welcher gelaut wie folgt: [Wiedergabe von Nr. 225].
    [8.] Nach disem kam ain münich [Gian Antonio Crivelli] in die stat Costenz, welcher sich mer argwonisch, dann wie es in ainem reichstag zimlich ist, sich gehalten hat. Dann wann er bey den leuten gewesen, so hat er der cron in Frankreich vil eer zugelegt und alles, was wider Kg. Ludwig von Frankreich eingepracht und geredt worden, offentlichen widersprochen. Er hat sich auch zu des Kg. mundkoch verfüeget und dem ain kostliches hemet verehret, mit dem /222/ anzaigen, das er vast gern etliche trachten, wie es die Teutschen zu kochen pflegen, von ime lernen wolt. Mit disem list hat diser Teufels münich vermainet, in des röm. Kg. kuchin zu kommen. Was er alsdann außrichten wolt, darvon hat der gemain mann vil urtail gehalten. Aber der merer tail vermainet, das er dem röm. Kg. vergeben haben wolt. Und wie diser münich zu red gestellet worden, da hat er zu antwort gegeben, wie das er des Kg. von Frankreichs potschaft sey. Er habe auch seine credenz [Nr. 153] und instruction [Nr. 154] von Kg. Ludwigen, was er in namen seins Kg. auf disem reichstag handlen und Šwerben solt. Als solches dem röm. Kg. angezaigt worden, da haben sein Mt. gemelten münich für sein Mt. erfordern lassen, alda gemelter münich erschinen, und hat ain lange schmachred in latein wider den röm. Kg. und seiner Mt. räten zu ainer defension seines Kg. gehalten. Und ist solches am mitwoch vor pfingsten [19.5.] geschehen. Nachmalen, als der röm. Kg. den gemelten münich, welcher sich magister Johann Antonius de Cribellis von Mayland genannt und sich für Kg. Ludwigs von Frankreichs almueser außgeben hat, gehört und sonst sein haltung vernommen, da haben ir Mt. H. Hansen von Landau und ainem niderlendischen H. von Prat geschaft, das sie gemelten münch mit sechs knechten in ainem hauß bewaren, auch ine mit speyß und trank nach notturft versehen solten. Welches auch also beschehen ist. Nachmalen haben ir Mt. den Bf. von Trient, so von der geburt ainer von Neydegk gewesen, auch Gf. Eytelfriderichen von Zollern, erbkamerer, Gf. Ulrich von Montfort und den H. von Firmian, der röm. Kgin. hofmaister, zu dem münich in sein herberg gesant, welche ine befragen und examinieren solten, was befelch der münich von wegen des Kg. von Frankreichs hette, damit sie solches an die stend des Reichs gelangen lassen möchten. Der münich gab weder dem Bf. noch den Gf. kainen guten beschaid, sonder er sagt, er hette sein instruction in französischer sprach geschriben, deshalben er mit den teutschen Ff. nichts zu handlen wüste. Darauf ward an ine begert, das er sein instruction ubergeben [soll], so wolten die rät solchen befelch in das teutsch mit allen treuen tranßferiren und verwechslen lassen. Darauf der münich gesagt: Es weren alle artikel zu verteutschen ime nicht gelegen, aber etliche artikel möchte er zu verteutschen wol ubergeben. Und als sich der münich mit seinem befelch so gefarlich und argwönisch gehalten, da seind ime in beysein zwayer notarien (doch auf ain wider uberantworten) alle sein credenzen und instructiones genommen und durch etliche des röm. Kg. secretarien verteutschet worden. Und hat also der münich uber die pfingsfeyren in seiner herberg beleyben muessen. Zu diser instruction hat man bey ime neun credenzbrief befunden, welche an die fünf Kff. und sonst an Hg. Ulrich von Wirtemberg, Friderich Mgf. zu Brandenburg, Wilhelm Lgf. zu Hessen, auch an Bf. von Costenz und an Bf. von Straßburg gestanden seind. Die schriften alle hat der röm. Kg. zu seinen handen genommen. Auf das aber der werd leser auch vernemen mog, was der elend münich, welcher durch den röm. Kg. in die stat Ratolphszell am Under See gelegen, zu verwaren geschickt worden, für ain instruction gehapt, so wollen wir dieselben allermassen, wie die von den kgl. secretarien verteutscht worden, hierher inserieren und verleyben.

    [Laut den Bildunterschriften Abbildungen der Wappen des Hans von Landau, des H. [Jean] de Praet, des Trienter Bf. Georg von Neideck, Gf. Eitelfriedrichs von Zollern, Gf. Ulrichs von Montfort, Niklas’ von Firmian und der Stadt Radolfzell].

    [9.] /222–224/ [Wiedergabe von Nr. 154]. /224/ Als nun dise instruction vor den chur- und fürsten in der versamlung des Reichs offentlichen verlesen worden, da haben die röm. kgl. Mt. sampt vilen chur- und fursten, auch Gff. und Hh. des Reichs ain grossen onwillen ab diser lugenhaftigen und erdichten schmachschriften empfangen. Dann die ernennten chur- und fursten umb alle handlung, welche in diser instruction begriffen gewesen, ain guetes wissen gehapt und wol verstanden, das Kg. Ludwig von Frankreich mit diser geschrift nichtzit anderst dann onrue, aufruer und emporung zwischen des ŠReichs versamlung anrichten, auch also under disem schein der onwarheit seinen gewalt meren und meniglichen auf sein partey bringen wollen. Dieweyl sich alle stuck vil anderst, dann in der instruction begriffen, zugetragen, auch alle verbrechung des fridens von dem Franzosen beschehen, da haben die chur- und fursten mitsampt dem röm. Kg. uber dise instruction ain apologia [Nr. 166a], welche auf alle stuck in diser instruction begriffen, mit dem grund der warhait gueten bericht von sich geben, auch alle schmach und onglimpf von dem röm. Kg. auf den Kg. von Frankreich geleget hat, verfasset und aufgericht. Es hat aber die ganz versamlung des Reichs für das best und nutzlichest angesehen, dieweil der röm. Kg. auf diser instruction geargwonet, das nicht der Kg., sonder der Ebf. von Rowan dise schmachschriften gemacht haben solt, das dem Kg. Ludwigen von Frankreich durch ainen geschwornen poten vom adel verkündt und angesagt solt werden, nemlich wie das dem röm. Kg. und des Reichs versamlung ain grobe schmachschriften von ainem münich, Johan Antoni de Cribellis, in namen des Kg. von Frankreichs fürgepracht worden, welches nicht wol zu glauben were, das sich ain Kg. von Frankreich mit solichen lugenhaftigen und lasterhaftigen worten umbgeen und bemühen solt. Und sover der Kg. etwas wider den röm. Kg. oder die stend des Reichs zu reden hett, so möchte sein Gn. ir botschaft auf gemelten tag gen Costenz abfertigen. Daselben soll im widerfaren, was recht und billich wer. Dieweyl aber Kg. Ludwig das Fm. Mayland mit gewalt ingehabt und mit den Venedigern, auch Hg. zu Ferrar in ainer bundnus gestanden, da hat er nicht vil sorg auf den röm. Kg. und das Reich gehapt. So ist auch von seinetwegen zu Costenz niemands erschinen.
    [10.] Volgents, als man von der hilf, welche das ganz Reich dem röm. Kg. auf den fürgenomnen romzug, die ksl. cron zu erlangen, laisten solt, gehandlet hat, da haben sich allerlay mainung zugetragen. Dann als der röm. Kg. erstlich in gehaltner proposition den stenden des Reichs fürhalten lassen, das sein Mt. auß vilen ursachen, welche von dem Kg. von Frankreich herfliessen, des willens wer, die ksl. crone zu Rom von dem bapst zu erlangen, und deshalben von allen stenden des Reichs ain hilf begeret, wie es dann zuvor den röm. Kss. und Kgg. in erlangung irer ksl. cron beschehen, zuschicken und underhalten solten, auf welchs begern die chur- und fursten, auch alle stend des Reichs sich willig erboten haben. Dieweyl aber Kg. Ludwig von Frankreich die lasterhaftige schmachschriften wider sein Mt. in des Reichs rat offentlichen verlesen lassen und damit sein kgl. Mt. so hoch iniurirt, auch on alle not und mit allem ongrund vor des ganzen Reichs versamlung onrechtlichen geschmecht, da hat der röm. Kg. alles sein gemuet dahin gericht, wie er den Kg. von Frankreich als ainen gotgehässigen tirannen und verbrecher alles christenlichen fridens vertreyben und gar außtilgen möcht. Und hat darauf allen seiner Mt. bundsgenossen vor des Reichs versamlung durch Gf. Eytelfriderichen von Zollern, des Hl. Reichs erbkamerer, erzelen und furtragen lassen auf mainung, wie in ainem kurzen summarischen begriff nachvolgt [Nr. 156]: Dieweil die Kgg. von Frankreich (deren die röm. kgl. Mt. drey erkennet hab) von art und natur wider alle christenliche lieb und treu in allen stucken ires zusagens bißanher gehandlet, auch alles, was mit dem aid, auch bey Got bezeuget und mit empfahung der hl. sacramenten obligirt und bekreftiget worden, umb aines schantlichen genieß wegen verbrochen und sich hiedurch gegen Got und Šder welt verhasset gemacht haben, so wolle sein Mt., sover das Hl. Röm. Reich seiner Mt. behilflich sein wolt, gemelten Kg. Ludwig von Frankreich in allen seinen landern und gebieten personlich haimsuchen und strafen, auch yederzeyt bey den fordersten gesehen werden. Zudem wölle sein Mt. dise nachvolgende hilf von seinen bundsverwandten und undertonen ain soliche bestimpte anzal kriegsfolk zu roß und fueß erlangen und zusamenbringen: nemlich, das sein Mt. zwelftausent Schweizer, auch sechstausent landsknecht und tausent pferde annemen und selbs besolden wöll. Für das ander solle die versamlung des Hl. Reichs dem röm. Kg. zu seinem vorhaben mit zwainzigtausenten zu fueß und zehentausent zu roß ain zeytlang besolden und im veld halten. Zudem wölle sein Mt. auß den hohen- und niderburgundischen und osterreichischen ländern fünfzehentausent mann, solang das Reich mit seiner Mt. zu veld ligen werd, auf ir selbs onkosten in das veld lifern und bringen. Uber solches wölle ir Mt. auß den hispanischen Reichen zwainzigtausent kriegsleut uber die see kommen lassen, welche sich zu dem niderlendischen haufen schlagen und wider Frankreich kriegen solten. Nach disem wölle sein Mt. mit Kg. Hainrichen von /224’/ Engeland, welcher sich mit seiner Mt. in ain bruederliche bundnus begeben, sovil handlen, das gemelter Kg. seiner Mt. fünfzehentausent mann in das veld vor Callis uberfüeren solt. Ferner wölle sein Mt. mit dem Kg. von Aragonien, auch Neapolis und Navarra sovil handlen, das der bey zehentausent mann wider den Kg. von Frankreich in das veld bringen solt. So hette sein Mt. bey etlichen potentaten in Italia noch so vil anhangs, das sein Mt. verhoffet, achtzehentausent19 mann in das veld zu bringen. Mit disen hundertmaltausent und sibenundzwainzigtausent20 mann zu roß und fueß verhoffet ir Mt., den Franzosen gar zu vertreyben. Und wolt disen kriegs allain darumbe fürnemmen, auf das ir Mt. und das Hl. Reich vor dem Kg. zu Frankreich bey rue, friden, recht und billichkait beleyben möcht.21 Jedoch were vonnöten, das man sechzigtausent fl. zu ainem anfang haben muest, welches gelt die kaufleut und gesellschafter in den reichsstetten herstrecken muesten.
    Ab welchem schweren und gwaltigen fürtrag alle chur- und fursten, gaistlich und weltlich, sampt der ganzen Reichs versamlung vast hart erschrocken seind. Und haben hierauf von allen chur- und fursten, also auch von allen Gff. und prelaten und von den stenden des Reichs Frankfort und Ulm ainen rat, aber kainen F. (auf das die gegen dem röm. Kg. nicht verargwonet wurden) zu ainem außschuß verordnet, welche dem röm. Kg. ain solche antwort [Nr. 158] zu geben beschlossen, wie nachfolget: Nachdem die röm. kgl. Mt., unser allergnst. H., allen chur- und fursten, auch stenden des Hl. Reichs im anfang ainen solichen fürtrag eröffnen lassen, welcher gelaut, das ir kgl. Mt. die ksl. cron in Italia zu erlangen gesinnet were, mit begern, das des Hl. Reichs versamlung seiner Mt. mit ainer anzal folks zu roß und fueß behilflich sein wolt; und sover ir kgl. Mt. dieselben ksl. crone zu erlangen noch gesinnet were, so wolten alle stende des Reichs der gebur nach vast gern darzu behilflich sein. Und bedörfte ir Mt. bey weytem kainer solchen hohen anzal folks zu roß und zu fueß. Wa aber sein kgl. Mt. das Fm. Mayland Šwider an das Reich bringen wolt, so wolten die stende des Reichs sich nachmalen mit irer hilf dermassen halten und erzaigen, darab ir Mt. ain gn. gefallen haben solten. Wann aber ir Mt. den Kg. von Frankreich strafen, uberziehen und vertreyben wolle, so wollen die stend mit ainer zimlichen anzal dem röm. Kg. abermalen behilflich sein.22 Uber solches bedeuchte die stende des Reichs, etwas ratsamer sein, das man der sechzigtausent fl. halb ain freuntlichs ansinnen und begern an die kaufleut und gesellschafter, in den reichsstetten wonende, ton solt, welches mer dann die strengkait bey inen würken wurd. Und ist dise antwurt dem röm. Kg. auf den dornstag nach pfingsten [27.5.] gegeben worden etc.
    [11.] Nachmalen hat der röm. Kg. auf mitwoch vor St. Veytstag [9.6.] 23, die besingnus Philippi, seiner Mt. sone, zu halten, durch H. Wilhalm Marschalk von Bappenhaim allen reichsstenden verkünden lassen. Also auf den aftermontag [8.6.] 24 zu aubent ward der durchleuchtigist Kg. Philippus von Castilia zu den Predigern, ausserhalben der stat Costenz gelegen, mit ainer gesungnen vigilien sein Besingnus gehalten. Aber zu morgen ist jederman von des Reichs versamlung in den tomb bey dem seelampt erschinen. Bey dreyssig altaren seind daselben in der hauptkirchen, die wurden alle mit schwarzen tuechern und mit des verstorbnen Kg. erblender wappen behenkt, desgeleichen auch alle stuel, darinnen der röm. Kg., chur- und fursten, auch die röm. Kgin. mit irem frauenzimmer gestanden seind. Jedoch was des Kg., auch der Kgin. stuel etwas höchers dann die andern. Ain schone capellen was mit schwarzen tuechern bedeckt aufgericht und mit sechshundert kerzen bestecket. So seind dreyssig vom adel in iren schwarzen clagklaidern umb die capel gestanden, welche brinnende fackeln gehalten haben. Der Bf. von Münster hat das seelampt, aber der Bf. von Costenz das hochampt gesungen. So hat Hg. Georg von Sachsen und F. Ruedolph [!] von Anhalt, tombprobst zu Magdenburg, die röm. Kgin. zu dem opfer gefüeret. Und wann man zu dem opfer gangen, so hat Gf. Eytelfriderich von Zollern, erbkamerer, dem röm. Kg. und der Kgin. allwegen drey gold-fl. in die hand zu opfern gegeben. Doch ist die Kgin. in den chor nicht gangen, sonder hat auf den altar, so herauß vor dem chor gestanden, ir opfer gelegt. Und als vierhundert und sechzig selmeß gelesen und zway ampter gesungen worden, da hat die besingnus ir endschaft genommen. Es seind bey diser besingnus uber fünfzehenhundert wächsine kerzen verbrennt, auch bey vierhundert eln schwarz tuech, damit man die altar und capell verdeckt hat, sampt yedem armen menschen ain halben patzen umb Gottes willen auf denselben tag gegeben worden.
    [12.] Volgents hat man in disem reichstag zu Costenz von der hilf, welche das Reich dem röm. Kg. auf den romzug laysten soll, angefangen zu handlen. Vilerlay anschleg wurden auf disen romzug fürgenommen. Der röm. Kg. und seine räte gaben den stenden des Hl. Reichs für, wie das das Hl. Reich mit allen seinen gelidern auff zehenmal hunderttausent streitbarer mann in das veld vermöcht [Nr. 159, Pkt. D], davon sein Mt. nun den zehenden tayl begeret. Dann ir Mt. derzeyt mer geferde, dann andere röm. Kgg. vor ime auf disem romzug zu gewarten hett. Was aber die versamlung des ŠReichs hierinnen für besser und ratsamer ansehen wurde, das wolt sein Mt. von inen vernemen. Die versamlung zohen vil alter hilff, welche den vorigen röm. Kgg. und Kss. von dem Reich gelaistet worden, herfur. Und ward der romzug Ks. Friderichs herfürgenommen, welchem das Reich achttausent Mann und zwaytausent pferd auf vier monat lang zugeschickt und versoldet hett. Welches der röm. Kg. abgeschlagen und angezaigt, das diser zeyt alle sachen in Italia vil ubler und gefarlicher stuenden dann zu der zeyt Ks. Friderichs, seines herrn vaters. Und wiewol sein Mt. das Hl. Reich nicht gern beschweren wolt, so weren doch diser zeyt die leuf mit dem Kg. von Frankreich so gefarlich, das zu besorgen were, das sein Mt. mit ainer solchen geringen anzal /225/ folks die röm. ksl. crone nicht zu erlangen wer. Und kam dise handlung so weyt, das dem röm. Kg. Maximiliano auf disen romzug zwelftausent zu fueß und dreytausent pferd auf vier25 monat lang zu halten zugesagt und beschlossen worden [Nrr. 190, Pkt. 4; 192, Pkt. 1; 194, Pkt. A; 196, Pkt. A].26 
    In disem des Reichs anschlag hat es der stat Augspurg sibenzehen pferd und achtundsechzig fueßknecht antroffen.27 Es hat aber ain erber rat der stat Augspurg auß besonderer liebe zu dem röm Kg. sechsundzwainzig pferd und hundert28 fueßknecht, vast wol gebutzet, auf disen romzug gehalten. Und wa der röm. Kg. von allen stenden das kriegsfolk und kain gelt dafür genommen, so wurde sein Mt. disen zuge mit vil besserm nutz verrichtet haben.
    [13.] Noch ist ain handel auf disen reichstag geschoben worden, welcher dise gestalt gehapt: Nachdem auf dem reichstag zu Cöln Ao. 1505 zwischen Hg. Albrecht und Wolfgang von Bairen an ainem und Pfgf. Friderichen von wegen seiner vormundschaft uber Pfgf. Otheinrich und Philips, seiner ftl. Gn. vettern, am andern tail ain spaltung von wegen der vierundzwainzigtausent fl. eysengilt29, welche Hg. Albrecht baiden jungen Ff. mit vergwisung jährlichen gülten guet machen solt, welches aber bißanher nicht beschehen was. Dann etliche wäld, forst, stat und flecken, wie der anschlag gelaut, zu hoch taxiert worden, also das gemelte Ff. an der obgenannten summa geltz noch bey fünftausent fl. schaden litten, die sie nicht bekommen mochten. Und dieweyl Hg. Albrecht von Münichen laut des spruchs, von dem röm. Kg., auch chur- und fursten zu Cöln auf dem reichstag beschehen, umb ernennten schaden etliche stet, schlösser und flecken, als die stat Wasserburg, außgenommen das rentmaisterampt, auch die stat und das schloß Traunstain, desgeleichen das schloß Wald mitsampt dem Ettinger forst, also auch die schlösser Tröstberg, Mermuß, Marquartstain und das schloß Kling mit seinem ampt versetzet, verschrieben und verpfendet hett30, welche so lang in Pfgf. Friderichs gewalt steen und beleyben solten, biß die vierundzwainzigtausent fl. jährlicher eysengult laut des spruchs zu Cöln von Hg. Albrechten gewiß und Šguet gemacht wurden, so hat doch dise stat, schlösser und Hftt. Hg. Albrecht von Bayren als ain listiger und gelerter F. mit gewalt durch verhilf des Bunds zu Schwaben einnemen und dargegen kain bezalung ton wöllen. Dann sein ftl. Gn. hetten etliche seiner räte und diener an Pfgf. Friderich geschifteta, welche mit iren ontugentsamen, groben worten gemelten Pfgf. Fridrichen dermassen angetaschetb haben, das sich gemelter Pfgf. auch nicht wolt verachten, sonder mit dergeleichen ongestüemen worten gegen Hg. Albrechten sich merken lassen. Darauß Hg. Albrecht erschöpft, das Pfgf. Friderich gemelten friden und außspruch zu Cöln verbrochen haben solt. Und hat hierauf gemelte stet, schlösser und Hftt. on genuegtueung der sachen durch verhilf des Schwäbischen Bunds mit gewalt einnemen wöllen. Welches sich Pfgf. Friderich mit hilf viler Ff., gaistlich und weltlich, vor dem röm. Kg. und der ganzen versamlung des Hl. Reichs offentlichen beklaget hat [Nrr. 389f.], auf mainung, das Hg. Albrecht von Bayren ain neue aufruer und empörung on alle ursach in dem Hl. Reich widerumb anrichten wöll. Als aber der röm. Kg. sampt den Kff. solches fürnemen Hg. Albrechts vernommen, da haben die auß der ursach, das man mit dem Franzosen und romzug auf dißmals vil ze ton hab, solche widerwertigkait nachvolgender gestalt aufgehept: [knappe Zusammenfassung von Nr. 410]. Es hat aber Hg. Albrecht von Bayren solches in die lenge und harr gespylt, und eemalen dise vierundzwainzigtausent fl. gar erfillet worden, ist Hg. Albrecht Ao. 1508 mit tod verschiden. Deshalben Pfgf. Otheinrich und sein brueder Philips hernach vil klag gefüeret haben, und steet die erfillung noch also onvolendet.
    [14.] Nachmalen seind die drey jungen Pfgf. Ludwig31, Friderich und Philips, der Bf. zu Freysingen gewesen, für die röm. kgl. Mt., auch chur- und fursten in der versamlung des Reichs auf ire knie nidergefallen und haben den röm. Kg. gebeten, das ir kgl. Mt. iren herrn und vatern, Pfgf. Philipsen [auß der]32 acht und aberacht gnediglichen kommen und denselben in die gnad, gunst und gesellschaft des Reichs widerumb empfahen wölle; und wann sein Mt. solches ton werde, so soll ir herr und vatter als ain gehorsamer Kf. des Reichs auf disen reichstag ganz gehorsamlich erscheinen. Solche begerung hat der röm. Kg. mit disem anhang angenommen, nemlich das ir Mt. gemelte drey Ff. ires gebets wöll erhöret haben und zu gelegner zeyt gemelten Pfgf. Philipsen, iren herrn und vattern, der acht enlassenc wölle. Dann ir Mt. haben hierinnen dahin gesehen, das das gewonlich vicariatsampt des Hl. Reichs, dieweyl ir Mt. in Italiam ziehen werde, ainem geächten Kf. auß diser ursach nicht zu vertrauen sey: Nemlich, dieweyl ir Mt. zuvor allain auf zwen monat lang in Mayland, Genua und stat Pisa gerayset, das gemelter Pfgf. Philips allain auß alter gewonhait, aber on allen befelch seiner Mt. sich als ain vicari und stathalter des Reichs angemasset, außschreiben Šund verkünden lassen, wie wir dann hievor solches angezaiget haben.33 Diser ursachen halben haben ir Mt. gemeltem Kf. Philippo die erledigung von der acht verzogen und demselbigen als ainem, der neulich auß der acht kommen, das Hl. Reich in seinem abwesen nicht vertrauen wöllen; auf das derselbig, dieweyl ir Mt. in Italia sein werde, sein macht nicht gemeret, auch nicht weyter, dann ime gebüret, greyfe und das Reich in irer Mt. abwesen gerüebig beleyben möcht, auch dieselben eer und würde des vicariats und stathalterampt des Reichs ainem andern Kf., welcher ir Mt. mit bessern treuen gedienet hett, uberantworten und vertrauen wollen, wie dann hernach solches auch beschehen ist. Dann ir Mt. haben dem loblichen Kf. Hg. Friderichen von Sachsen solch stathalterampt mit wainenden augen ubergeben und befolhen, wie wir hernach weyter hievon schreiben wöllen. Es seind auch also dise ding umb St. Margrethen tag [13.7.] beschehen.34

    /225’/ [Laut jeweiliger Bildunterschrift Abbildungen der Wappen der Pfgff. Ludwig, Friedrich und Philipp, Hg. Albrechts von Bayern sowie der Städte Wasserburg, Traunstein, Köln, Augsburg, Pisa35, Genua und Mailand].

    [15.] Nachmalen hat der röm. Kg. Maximilianus zu end des reichstags den niderlendischen Hh. ainen schwarzen samat, mit dem handbogen zu verschiessen, verehret, welchen samat H. Adam von Frontsperg gewonnen hat. Es haben auch Gf. Hans von Hardegk und H. Bernhard Ritschan auß Crain miteinander scharpfgerennt und vor grosser witz baide gefehlet. Deshalben ain grosser spot uber sie bayde gangen ist. Dann der röm. Kg. sampt der Kgin. und ganzem frauenzimmer seind denselbigen tag auf dem Pruel vor dem Hegelins tor gewesen und diser kurzweyl zugesehen. Es hat auch ain rat zu Costenz auf begern des röm. Kg. aller geschlechter von der Catzen36 frauen und junkfrauen bey zehen fl. auf genannten Pruel zu ainem tanz bietten lassen, welche vast zierlich erschinen seind. Wie aber der röm. Kg. sampt der Kgin. und frauenzimmer widerumb in die stat gefaren, do haben die Ff. und Hh. mit den burgerine und junkfrauen anfahen zu tanzen. Und hat der röm. Kg. auf die Catzen (dann also nennet man doselben der geschlechter trinkstuben) funf lang taflen zu ainer malzeit kochen lassen, doselben gemelte Ff. und Hh. mit den ernennten frauen und junkfrauen ain nachtmal und abermalen ainen tanz gehalten, welcher biß auf zwelf ur geweret hat. Und ist alles mit grossen freuden zugangen.
    [16.] Nachmalen hat man ainen lehenstuel zu Costenz an dem Obermarkt aufgericht. Doselben hat der röm. Kg. H. Jacoben von Liebenstain, des adels auß Schwaben, mit dem Ebm. zu Meinz sampt dem Kf.-ampt des Reichs [Nr. 280], also auch H. ŠHeinrichen von Liechtenau mit dem Bm. zu Augspurg [Nr. 285] und H. d - [Georg von Neideck] -d mit dem Bm. zu Trient belehnet [Nr. 288]. Und alsbald dem Bf. zu Meinz sein lehen gelühen worden, ist er als ain Kf. dem röm. Kg. zu der rechten seyten nidergesessen und den andern zwayen Bff. ir lehen helfen leyhen. So hat dem röm. Kg. H. Friderich Pfgf., der son Philipi, mit dem apfel, auch Hg. Friderich von Sachsen mit dem schwert und Gf. Eytel Friderich von Zollern als des Hl. Reichs erbkamerer mit dem zepter in diser belehnung gedienet. So hat auch H. Christof, semperfrey von Lümburg, des Hl. Reichs erbschenk, dem röm. Kg. mit aufsetzung und abnemung der cronen den Kg. von Behem verwesen. Und hat der röm. Kg. ain schwarz samatin paret zwischen diser belehnung aufgetragen. Dann sein Mt. zwen Hh. auß Hispania, N. von Brades37 und N. Manrico38, auch zwen Hh. auß Engeland, namlich den Herrn von Chomerland39 und Herrn Peter von Bedfort40, neben andern zu ritter geschlagen. Domit hat sich diser reichstag zu Costenz umb St. Margretha tag [13.7.] geendet.
    [17.] Und was des Reichs beschluß, das alle stend des Reichs mit irer anzal kriegsfolk zu roß und fueß auff Galli [16.10.] sich zu Costenz versamlen und volgents nach verordnung des röm. Kg. auf Italien verraysen und anziehen solten.
    [18.] Nachdem aber in disem reichstag von dem röm. Kg. den stenden des Hl. Reichs fürgetragen worden41, namlich wie das alle gesellschafter in den kaufmansgewerben und handlungen durch das concilium zu Basel, welches Ao. 1436 gehalten worden, laut der reformation Ks. Sigmunds, seliger gedächtnus, abgeschaft42, auch in etlichen reichstägen als monopolisten zu nichten erkennt worden, und aber gemelter gesellschafter uber solich des conciliums verpot ire gesellschaften durch dise lange jar noch gehalten und kain belehnung weder von dem röm. Kg. noch dem Reich darüber empfangen hetten, deshalben alle gesellschafter, alle ir haab und gueter seiner Mt. und dem Hl. Reich verfallen weren oder das sich alle gesellschafter, im Hl. Reich wonende, mit seiner Mt. umb ain benannte summa geltz vertragen und vergleichen solten. in welches begern des Reichs stende so weyt bewilliget [Nr. 164, Pkt. 1] , das sein Mt. die gemelte gesellschafter im Hl. Reich wol möcht güetlich ersuechen, aber kainen wider recht beschweren solte. Also wurden vil mandaten allenthalben in das Reich außgeschickt, welche gelaut habe, das alle gesellschafter zu Ulm auf as[s]umptionis ŠMariae [15.8.] Ao. 1507 erscheinen solten43, welches auch beschehen. Also seind auf den zuvor ernennten tag vil gesellschafter auß vilen reichßstetten zusamenkommen. Die haben ainen außschuß, namlich die gesanten von Straßburg, Augspurg, Nürmberg und Frankfort, zu dem röm. Kg. zu ziehen verordnet [Nrr. 874f.], welche mit hilf des Schwäbischen Bunds in disem beschwerlichen und ongewonlichen anfordern den Kg. begüetigen solten. Der röm. Kg. aber hat auf dißmals selbs personlich nicht mit inen handlen mögen, sonder hat H. Paulsen von Liechtenstain und den kgl. fiscal [Dr. Hieronymus von Croaria] zu disem handel gen Augspurg geschickt, welche mit gemelten gesellschaften von seiner Mt. wegen handlen solten. Die kgl. Gesandten hielten den Vertretern der Gesellschaften, die sich am 3. Oktober im Augsburger Rathaus eingefunden hatten, die Unrechtmäßigkeit ihres Geschäftsgebarens vor, weshalb sie Leib und Gut gegen den röm. Kg. verwirkt hätten. Für ihren Frevel sollten sie Kg. Maximilian 90 000 fl. bezahlen. Falls sie sich weigerten, sei die Beschlagnahmung ihrer Güter schon vorbereitet.
    /226/ Die Vertreter der Gesellschaften beklagten sich lautstark über dieses unerhörte Vorgehen und bezeichneten die Forderung als Verletzung der Interessen von Kg. und Reich, da sie damit als Leibeigene behandelt würden. Sie wollten mit ihren Vermögen lieber nach Frankreich, in die Schweiz, nach Savoyen, Ungarn oder Venedig ziehen, wo man sie bereitwillig ihren Geschäften nachgehen lassen würde. Der Kg. solle dann sehen, wer ihm im Notfall beistehen werde. Sie fragten sich, warum er nicht auch von seinen Schreibern und seinem Hofgesinde, etwa den Gff. von Zollern und Hardegg, dem Bf. von Gurk, Niklas Ziegler, Zyprian von Serntein, Jakob von Landau und Jakob Villinger, denen der Kg. auch viele Güter verpfändet habe, eine solch hohe Summe Geldes fordere.
    Nachdem die kgl. Gesandten diese Antwort vernommen hatten, lud der kgl. Fiskal alle Gesellschaften in Namen des Kg. vor das gemäß RT-Beschluß in Regensburg eröffnete Reichskammergericht [Nr. 884]. Die Kaufleute einigten sich daraufhin mit Paul von Liechtenstein auf eine freiwillige Zahlung – vermutlich etwa 20 000 fl. – für den Romzug. Der Kg. legalisierte im Gegenzug die Handelsgesellschaften und ihre Geschäfte im Reich.

    [Laut den Bildunterschriften Abbildungen der Wappen Adams von Frundsberg, Gf. Hans’ von Hardegg, Bernhard Ritschans, des Mainzer Ebf. Jakob von Liebenstein, des Augsburger Bf. Heinrich von Lichtenau, des Trienter Bf. Bernhard von Cles44 [!], Kf. Friedrichs von Sachsen, Gf. Eitelfriedrichs von Zollern, Christophs Schenck von Limpurg, des H. von Brades, H. Manriques, des H. von Comerland, des Peter von Bedford, Pauls von Liechtenstein, Jakob Fuggers sowie der Städte Augsburg, Frankfurt und Nürnberg].

    [19.] /226/ In disem reichstag zu Costenz hat sich noch ain kaufschlag und handlung zwischen dem röm. Kg. und dem Fuggerischen namen zugetragen und begeben, welcher ain solche gestalt gehapt: Nachdem der röm. Kg. zu disem romzug und anderm fürnemen, das ir kgl. Mt. auf disem romzug verrichten wolt, ainer merklichen summa gelts notturftig und Philippus Kg. in Hispania, seiner Mt. sone, neulich gestorben was, durch welichen tod alle seiner Mt. verhoffte hilf abgeschnitten worden, do ist ir Mt. Šnach wegen zu trachten getrungen worden, wie sie mit dem wenigisten uncosten den merern schaden fürkommen und verhüeten möcht. Und dieweil ir kgl. Mt. in dem jungstgehaltnen bayrischen kriege die Gft. Kirchberg sampt baiden Hftt. Wullenstötten und Pfaffenhofen, deßgleichen die statt Weissenhorn samt den Hftt. Marsteten und Buech, welche Hg. Georg von Bayren kaufsweyß an sich gepracht45, für ir Mt. aigentomb eingenommen und biß auf diese zeyt für sich selbs besetzt und inhendig gehapt, da haben ir Mt. dahin gesehen, wo die ainen haabhaften und vermüglichen mann gehaben, welcher auf dißmals ir Mt. zu dem romzug mit ainer hohen anzal gelts verhilflich sein und solche summa fürstrecken möcht, dieweyl dann under den Ff. und vom adel auß der ursach, das sich meniglichen zu disem eerlichen zuge gerüstet, wenig parschaft von gelt verhanden, do ist der /226’/ kgl. Mt. zu gedachtnus kommen, wie das H. Ulrich Fugger, ksl. rat, irer Mt. herren vatern, Ks. Friderichen, hochloblicher gedächtnus, vil dienst und treu bewisen, auch yetzunder desselben brueder, H. Jacob Fugger, seiner Mt. rat, als der reichest und vermöglichest handelsman in dem ganzen Reich, der irer Mt. hievor zu dem oftermalen in vil erlittnen nöten mit allen treuen zu hilf kommen und gedienet, vorhanden were, welcher, umb sein bewißne dienst wol zu belohnen, auch irer Mt. in disem fahl vast wol und bequemlich zu hilf kommen möcht. Und hat hierauf bey sich selbs dahin beschlossen, das ir Mt. ainen geschwornen chammerpoten von Costenz auß nach Augspurg, ernennten Fugger zu irer Mt. gen Costenz zu beruefen, abgefertigt, welcher auch auf ir Mt. schreiben zu Costenz gehorsamlich erschinen, alda er von ir Mt. allergnst. empfangen und freuntlich gehalten worden. Und auf neunten July haben ir Mt. mit ime in gegenwertigkait etlicher weniger räte angefangen zu handlen und demselben erstlichen erzelet, wie und in was gestalt der Fuggerisch nam seiner Mt. herrn vatern, Ks. Friderichen, hochloblicher gedächtnus, vil hilf und treu bewisen. So wisse sich ir Mt. auch selbs wol zu erinnern, das dieselb wie auch irer Mt. sone, Kg. Philips von Hispania etc., loblicher gedächtnus, alle treu bey ime befunden, auch seiner Mt. zu dem oftermalen in nöten zu hilfe kommen und allen guten willen von ime gespüret und empfangen hab. Deshalben sie solche guttat in kain vergessenheit gestellet, sonder gedenke, den Fuggerischen namen mit allen gnaden darumbe zu begaben. Und wiewol er, H. Jacob Fugger, mit leybserben zu diser zeit von Got nit begabet, aber dieselbigen auß gnaden des Allmechtigen noch wol bekommen möge und aber sonst vil erben des Fuggerischen namen, auß seinen bruedern eelichen erboren, noch verhanden, so wölle ir Mt. zu ainer gn. dankparkait der zuvor vilfältigen bewißne treue dienste (der hoffnung, das er sampt seinen nachkommen hinfüro darinnen verharren werde) ine mit den zwayen Gftt. und Hftt. Kirchberg und Weyssenhoren sampt allen dero zugehörigen gerechtigkaiten umb ain summa gelts (doch auf ain widerlösung) vor andern verehren und ime zu kaufen geben und einhendig machen. Dann ir Mt. erkenne den Fuggerischen namen auß den langwirigen getreuen diensten, den Hh. von Osterreich bewisen, deß adenlichen, getreuen gemüets, auch solcher eern wert sein, das die solche graf- und herrschaften Šbesitzen, auch regieren und den titel darvon füeren sollen. Welche woltat ernennter H. Jacob Fugger von dem röm. Kg. in aller undertenigkait angenommen und baide Gftt. und Hftt. Kirchberg und Weyssenhorn sampt allen zugehörigen Hftt. und flecken, recht und gerechtigkaiten umb ain treffenliche hohe summa gelts46 von dem röm. Kg. erkauft, auch also par bezalet hat. Es ist auch solicher kauf mit brieflichen urkunden ganz stattlich bekreftiget und fürsehen worden. Und steet diser brief datum zu Costenz auf den 17. July Ao. 150747. Mit diser maß seind baide ernennte graf- und herrschaften an den Fuggerischen namen kommen und gewachsen, welche auch biß auf dise zeit von inen ingehalten und geregieret worden seind. Es hat auch ernennter H. Jacob Fugger gemelte schlösser und burgstal von neuem auf das allerzierlichest erpauen lassen, wie wir dann dieselbigen den werden leser conterfeckisch wöllen sehen lassen. /227/ [Abbildungen von Schloß und Markt Kirchberg a. d. Iller sowie von Schloß und Stadt Weißenhorn a. d. Rot].
    [20.] /227’/ Nun wollen wir uns zu unser historien von dem röm. Kg. Maximiliano widerumb wenden: Wie nun dem röm. Kg. die hilf zu dem romzug, als zuvor gehört, erkennet worden, hat ir Mt. die potschaft der Venediger [Vincenzo Querini] in des Reichs rat beruefen und inen fürhalten lassen: Dieweyl ir Mt. des gemüets und vorhabens sey, die ksl. cron zu Rom zu erlangen, so begere sie von inen ain wissen zu haben, ob die herrschaft der Venediger seiner kgl. Mt. zu disem romzug auß und ein behilflich sein und die nicht verhindern wollen.
    Die gesanten der Venediger gaben dem röm. Kg. zu antwort, wie das sie zu dieser frag zu antworten kainen befelch hatten. Sie wölten aber solches begern an den senat zu Venedig gelangen lassen und, was inen zu antwort gefiel, seiner Mt. unverzogenlichen widerumb zu wissen ton.
    Hierauf der röm. Kg. inen widerumb zu antwort geben lassen, wie das sie vernommen, das die herrschaft, ire herrn, mit dem Kg. von Frankreich, welcher nunmer onrechtlicher weyß das Fm. Mayland in posseß gepracht, neben dem Mgf. von Mantua und vilen andern stetten in Italien wider sein Mt. ain bündnus aufgericht haben solten, der mainung, das die sein Mt. an dem fürgenomnen romzug verhindern wolten. Und dieweil solche practica wider des Reichs recht, auch wider den alten vertrage, welchen die Hh. von Österreich vor vil jarn mit den Venedigern aufgericht, so sollen sie von des Reichs versamlung abtreten und zu der stund widerumb nach dem venedischen gebiet verreyten, auch ain nacht nicht sein, da sie die vorig gelegen weren.
    Die gesanten sagten, wie das des Hg. und senats zue Venedig ordnung dise gestalt hete, das ire gesanten oder oratores nicht ee haimkommen dorften, sie weren dann zuvor abgefordert worden. Und wo sie wider solches gesatz handlen wurden, so hetten sie ir leben verwürket. Und baten also ir Mt., das die etwas milterung hierinnen fürnemen und sie an irem leben nichts entgelten lassen wolt. Aber es wart inen nicht mer zugelassen, denn das sie von Costenz abschaiden und nachmalen von ainer stat zu der andern zugen, biß sie zuletst anhaims beruefen worden.
    Š[21.] In diser session ist der röm. Kg. in mitte deß Reichs versamlung getreten und hat Hg. Friderich, Kf. zu Sachsen, zu sich beruefen und sein ftl. Gn. als ain eerlichen und getreuen Kf. des Reichs vor der versamblung deß ganzen Reichs gerömet und geprisen, auch denselben, alledieweil sein Mt. in Italien sein werde, zu ainem vicarii und stathalter allen stenden des Reichs in teutschen landen fürgestellet und benennet, mit vermanung, das der sampt etlichen raten des Reichs, welche auß den Kff. und andern stenden erwöhlet worden, sich zu Nürmberg, Augspurg oder an ainer andern gelegnen malstatt dieweyl ir hofgeleger halten solten, damit, wo dem Hl. Reich hiezwischen etwas fürfallen wurd, das die dasselbig anstatt seiner Mt. in alle weg verrichten möchten. Und hat also mit ainer mannlichen vermanung gemeltem Kf. von Sachsen seiner Mt. gemahel, künder und eniklin, auch das Hl. Röm. Reich sampt allen seiner Mt. erbländer mit allen treuen zu beschützen mit wainenden augen auf das hochst befolhen, mit dem vermelden, wann sein kgl. Mt. auf disem romzug mit tod verscheyden wurd, das sein kfl. Gn. röm. Kg. sein solt. Welches der Kf. sampt allen stenden zu volziehen angenommen haben. Allain waren zwen notarien von dem alten Pfgf. vorhanden48, welche von wegen der regalien, mit welchen ain yeder Pfgf. belehnet wirdet, in der herberg vor den kgl. räten protestieret haben, der hoffnung, das dise des röm. Kg. handlung dem Kfm. der Pfalz hinfüro onschädlich sein solt.
    /227’/ Die Reichstruppen sammelten sich um Galli [16.10.] bei Konstanz, Lindau, Bregenz und an der Etsch. [Beschreibung der prunkvollen Ausrüstung der kgl. Truppenführer und der Schweizer]. Mgf. Friedrich führte gemeinsam mit seinen beiden Söhnen [Kasimir und Johann] neben ihren fränkischen Rittern 5000 Tiroler persönlich bis Trient. Hg. Erich von Braunschweig, der ein Einkommen aus der Gft. Görz bezog, führte einen eigenen Haufen nach Pettau, Villach und Friaul. Hg. Ulrich von Württemberg verlegte seine Truppen in seine Stadt Mömpelgard und ließ in der Umgebung lagern; er kam als letzter in die Alpenregion. Denn er sollte gemäß kgl. Weisung auf die Franzosen Acht geben und gemeinsam mit den Eidgenossen ziehen. Die Stadt Augsburg schickte am 1. Oktober unter dem Befehl Wilhelms von Pappenheim 26 Reiter, 10 Saumrosse und 100 Fußknechte nach Trient.49 Pappenheim verstarb auf diesem Zug im Valsugana (Falcion).
    /228/ [Laut den Bildunterschriften Abbildungen der Wappen Kg. Maximilians, Kf. Friedrichs von Sachsen, der Städte Lindau, Konstanz und Bregenz, Georgs von Emershofen, Ecks von Reischach, Kaspars von Winzer, Georg Ilsungs, der Mgff. Friedrich, Kasimir und Georg von Brandenburg-Ansbach, der Stadt Trient, Hg. Erichs von Braunschweig-Calenberg, der Gft. Görz, Hg. Ulrichs von Württemberg, der Stadt Mömpelgard, Wilhelm Marschalls von Pappenheim sowie der Städte Villach und Pettau50].
    /228/ Während der Vorbereitungen des Reiches auf den Romzug entschloß sich die Signorie von Venedig zu einer Antwort an Kg. Maximilian, wonach ihm der Durchzug gestattet werde, wenn er wie sein Vater Ks. Friedrich den Zug mit nur einem kleinen Kontingent unternehmen werde. Venedig werde ihm dann alle Ehre erweisen und die Š kgl. Truppen auf eigene Kosten verproviantieren. Falls der Kg. jedoch mit einem starken Kontingent kommen wolle, müsse er sich zuvor verpflichten, Venedig keinen Schaden zuzufügen, und den Besitzstand der Republik garantieren. Dann seien sie bereit, das kgl. Heer in Einheiten von je 3000 Mann passieren zu lassen.
    Kg. Maximilian erhielt diese Antwort am 24. November während seines Aufenthaltes in Augsburg in Anwesenheit vieler Ff. und Gesandten. Er insistierte jedoch auf einem Romzug ohne jegliche Bedingungen, woraufhin die venezianischen Gesandten wieder abreisten.
    Venedig hatte sich allerdings bereits heimlich mit Frankreich, Mantua und anderen italienischen Staaten verbündet, um einen gewaltsamen Durchzug des röm. Kg. zu verhindern. Damit brach der frz. Kg. abermals den in Hagenau geleisteten Eid. Der röm. Kg. aber plante die Rückeroberung des Hm. Mailand samt den von Venedig besetzten Gebieten für die deutsche Nation.
    [22.] /228/ Darauf sein Mt. mit den Aidgenossen zu Costenz auf dem reichstag haimliche handlung gepflegen, das sie seiner Mt. zwelftausent Schweyzer an seinen sold zuziehen solten lassen. Dargegen wolt inen ir Mt. achtzehentausent fl. järlichen zu pension geben, doch das sie sich wider meniglichen wolten geprauchen lassen. Welches die Aidgenossen abgeschlagen. Und kamen in diser haimlichen handlung so weyt, das sie dem röm. Kg. bewilligten, wann der Kg. zu Frankreich sein kgl. Mt. an disem romzug verhindern wurd, das sie denselbigen als ain feind angreifen wolten. Wann aber der röm. Kg. den Kg. zu Frankreich zuvor angreyfen wurd, so wolten sie von dem röm. Kg. auß dem veld ziehen und ir eer hiemit bewaret haben. Deshalben Kg. Maximilianus nicht allain solche handlung nicht annemen, sonder auch die andern sechstausent Schweyzer, wie zu Costenz mit inen beschlossen anzuziehen, nicht beruefen wöllen. Und hat solichs seiner Mt. fürnemen deshalben müessen fallen lassen. Doch haben sich ir Mt. nichts desterweniger auf disen romzug nach dem anschlag zu Costenz gerüstet.
    /228–228’/ [Feierlichkeiten in Augsburg während des Aufenthaltes Kg. Maximilians]. An den Weihnachtsfeiertagen traf der päpstliche Kardinallegat Bernardino de Carvajal in Augsburg ein, der den röm. Kg. nach Rom geleiten sollte. Der Kg. reiste bald darauf aus Augsburg ab. Auf einem Landtag in Bozen wurden ihm für den Romzug 5000 Mann bewilligt.51 Über die Vorbereitungen im Reich für den Romzug informiert, sandte die Signorie von Venedig ein Schreiben an den Augsburger Rat: [Wiedergabe des Schreibens vom 12.2.1508]. /229/ Der röm. Kg. brach am 15. Januar von Innsbruck zu den im Raum Trient lagernden Reichskontingenten auf und zog feierlich in Trient ein. Am nächsten Morgen eröffnete Kg. Maximilian den anwesenden Ff., Gff. und Hh., daß er als röm. Ks. den Romzug unternehmen werde, und rief sie auf, daran teilzunehmen. Dies versicherten die Ff. von Brandenburg, Mecklenburg, Braunschweig, Liegnitz [= Hg. Georg von Brieg], Württemberg, Anhalt, [der Gf. von] Sonnenberg sowie die Bff. von Trient und Gurk nach kurzer Beratung. Der Kg. sagte ihnen Dank und ritt anschließend in den Dom, um die Gebeine des Simon von Trient zu besichtigen und zu beten. Am nächsten Morgen berief der Kg. die Ff. erneut zu sich, hielt mit ihnen Gericht und erklärte Venedig aufgrund einer ŠKlage der aus ihren Städten Verona (Bern) und Vicenza vertriebenen Hh. von der Leiter in die Reichsacht.
    Der Kardinallegat eröffnete dem röm. Kg. in Anbetracht des drohenden Blutvergießens wegen des Widerstandes der Venezianer gegen den Romzug, daß das Konsistorium ihn bevollmächtigt habe, ihm in einem solchen Fall den Titel eines erwählten röm. Ks. zu verleihen. Dies wolle er tun.
    Der Kg. verschob die Annahme des Titels bis zum 10. Februar. An diesem Tag zog er mit Ff., Gff. und Hh. in den Dom, wo der Bf. von Trient das Hochamt sang. Anschließend verlieh der Legat dem röm. Kg. in der üblichen Zeremonie den Titel eines erwählten röm. Ks. Die anwesenden Adligen beglückwünschten ihn. Der Herold Romreich verkündete die Annahme des Kaisertitels in der Stadt.

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    Anmerkungen

    1
     Zum Fuggerischen Ehrenspiegel Clemens Jägers als problematischer Quelle, die dennoch das Bild Ks. Maximilians wesentlich mitgeprägt hat, vgl. Friedhuber , Ehrenspiegel, S. 101–138; Roth , Jäger, bes. S. 71–73. Der insgesamt knappere Fugger’sche Ehrenspiegel in der Bearbeitung durch Sigmund von Birken ist, sofern inhaltlich relevante Ergänzungen vorliegen, in die Kommentierung eingearbeitet.
    2
     Nachweis der weiteren bislang bekannten Abschriften in München, Wien, Dresden und Augsburg bei Rohmann , Jäger, S. 274f.
    3
     Hier liegt mit Sicherheit ein Irrtum vor. Anton Rudolf d. Ä. war 1505 gestorben, sein gleichnamiger Sohn zählte 1507 kaum mehr als 16 Jahre ( Reinhard , Eliten, S. 716). Im übrigen verwechselt Fugger die Augsburger Gesandtschaft zum Schwäbischen Bundestag in Überlingen/Konstanz mit der bereits Ende 1506/Anfang 1507 zu Kg. Maximilian abgeordneten Kondolenzgesandtschaft, bestehend aus BM Jörg Langenmantel und dem Ratsherren Hans Baumgartner ( Brunner , Kaiser, S. 39 Anm. **; Böhm , Reichsstadt, S. 162).
    4
     Tatsächlich fanden die Exequien für Kg. Philipp Mitte November 1506 statt. Teilnehmer waren neben Kgin. Maria Bianca unter anderem Massimiliano und Francesco Sforza sowie die Bff. von Augsburg und Trient ( Chroniken der deutschen Städte  23, S. 453f.; Brunner , Kaiser, S. 38f.).
    5
     Von Verhandlungen dieser drei Söhne Kf. Philipps auf dem Schwäbischen Bundestag von Überlingen/Konstanz verlautet sonst nichts. Sehr wahrscheinlich liegt eine Verwechslung mit den RT-Verhandlungen vor. Vgl. Nrr. 425, 555 [Pkt. 1].
    6
      Fugger-Birken  (Ehrenspiegel, S. 1235) irrtümlich: Johann Frosch. Richtig ist: Johann von Lünen [vgl. Nr. 216, Anm. 3].
    7
     Der Schlußabschnitt des wiedergegebenen Aktenstückes (Darauf ist der ... wurdet bedunken.) fehlt.
    8
     Richtig: Jakob [Nr. 725, fol. 4].
    9
     Richtig: Peter [ebd., Anm. 4].
    10
     Richtig: Ulrich [ebd., fol. 4’].
    11
      Fugger-Birken  (Ehrenspiegel, S. 1232) listet im einzelnen auf: Ebf. Jakob von Mainz, Ebf. Jakob von Trier, Kf. Friedrich von Sachsen, Ebf. Ernst von Magdeburg, Bf. Georg von Bamberg, Bf. Lorenz von Würzburg, Bf. Gabriel von Eichstätt, Bf. Wilhelm von Straßburg, Bf. Hugo von Konstanz, Bf. Heinrich von Augsburg, Bf. Philipp von Freising, Bf. Christoph von Basel, Hg. Albrecht von Bayern, Pfgf. Friedrich, Hg. Georg von Sachsen, Hg. Erich [von Braunschweig, Hg. Albrecht] von Mecklenburg und Hg. Ulrich von Württemberg – samt andren Weltlichen Fuͦrsten, die in der vorbenannten Chur- und Fuͤrsten Geleitschaft sich befunden.
    12
      Fugger-Birken  (Ehrenspiegel, S. 1232) nennt außerdem Gesandtschaften der Republik Venedig [Vincenzo Querini], der Eidgenossen und vieler Reichsstände und -städte: Kurköln: Johann von Reichenstein ([Sub-]Dekan), Kurbrandenburg: Eitelwolf vom Stein, Österreich: Gf. Heinrich von Hardegg, Bf. von Worms [richtig: Speyer]: Erpho von Gemmingen (Wormser Domdechant), Bf. von Passau: Dr. Johann Georg Prenner (Domherr), Deutschordensmeister: Johann Adelmann von Adelmannsfelden (Komtur zu Blumenthal), Pfgf. Alexander von Zweibrücken: Dr. Jakob Merswin, Mgf. Friedrich von Brandenburg-Ansbach: Dr. Theobald von Heimkofen (Kanzler), Hg. Wilhelm von Jülich-Berg: Dr. Heribert von Bilsen (Pilsingen), Lgf. Wilhelm von Hessen: Ritter Konrad von Mansbach, Vertreter der Prälaten: Abt Johannes von Salem, Vertreter der Gff. und Hh.: Gf. Haug von Montfort-Rotenfels.
    13
     Gemeint ist zweifellos Nr. 150. Im folgenden wird allerdings im wesentlichen Nr. 149 wiedergegeben.
    14
     Zu den Vorgängen in Straßburg vgl. Nr. 273 [Pkt. 2].
    15
     Laut Fugger-Birken  (Ehrenspiegel, S. 1233) ließ Kg. Maximilian zur Bestätigung seiner Vorwürfe gegen Kg. Ludwig von Frankreich – hinsichtlich der Kaiserwürde und des Papsttums – Schreiben Papst Julius' II. [Nr. 160] und des Dogen von Venedig verlesen. Letzteres liegt nicht vor. Anschließend (S. 1233f.) folgt die Wiedergabe der von Kg. Maximilian gehaltenen Rede [Nr. 150].
    16
     Bündnisvertrag von sieben Schweizer Kantonen mit Kg. Karl VIII. vom 1.11.1495 ( Eidgenössische Abschiede  III/1, S. 736–739; Dierauer , Geschichte II, S. 383). Zu den Bündnissen mit den beiden Ludwigen vgl. Nr. 45, Anm. 4.
    17
     In Anwesenheit Kg. Maximilians wurden am 15.2.1506 in Klosterneuburg die Gebeine des 1485 kanonisierten Hg. Leopold von Österreich feierlich erhoben (Konstanzer Chronik des Beatus Widmer; LB Stuttgart, HB V 32, hier fol. 119; Salzburger Chronik Joseph Benignus Schlachtners; LA Salzburg, Handschriften 16, pag. 1703f.; Ludwig , Kanonisationsprozeß, S. CCVf.; Röhrig , Leopold, S. 154f.).
    18
     Laut Fugger-Birken  (Ehrenspiegel, S. 1237) forderte Kg. Maximilian von den Gesandten die Stellung von 12 000 Mann auf seinen Sold gegen Zahlung einer jährlichen Pension von 18 000 fl. Die Truppen sollten gegen jedweden Feind eingesetzt werden dürfen. Die eidgenössischen Gesandten wiesen diese Forderung zurück.
    19
     Richtig: 10 000.
    20
     Richtig: 119 000.
    21
     Am Schluß des Absatzes leitet Fugger zur zweiten kgl. Resolution vom 22.5. [Nr. 157] über.
    22
     Im folgenden referiert Fugger Nr. 162 [Pkt. 1].
    23
     Richtig: 16. Juni.
    24
     Richtig: 15. Juni.
    25
     Richtig: sechs.
    26
      Fugger-Birken  (Ehrenspiegel, S. 1240) referiert außerdem knapp die wesentlichen Beschlüsse des RT bezüglich des Reichskammergerichts.
    27
     Richtig: 26 Reiter und 33 Fußsoldaten [Nr. 271, Pkt. 10, fol. 598]. Die Zahlenangaben entsprechen vermutlich dem – nicht vorliegenden – verworfenen Reichsanschlag.
    28
     Richtig: 33 (entsprechend dem Reichsanschlag). Vgl. Nr. 902 [Pkt. 6].
    29
     = ewige Abgabe (Deutsches Rechtswörterbuch I, Sp. 1504), hier: garantierter Ertrag.
    30
     Kölner Spruch vom 30.7.1505, § 22 ( Heil , RTA-MR VIII/1, Nr. 476, hier S. 777).
    31
     Richtig: Heinrich [Nr. 555, Pkt. 1].
    32
     Ergänzung gemäß B, C.
    33
      Fugger  berichtet auf fol. 157 des Ehrenspiegels über den Eingang einer Nachricht bei den in Lindau versammelten Reichsständen, wonach sich Kf. Philipp von der Pfalz zum Reichsvikar erklärt hatte und in Worms ein entsprechender Anschlag veröffentlicht worden war (Heidelberg, 27.8.1496; Gollwitzer , RTA-MR VI, S. 143f., Nr. 25; Wiesflecker , Regesten II/2, Nr. 7319, S. 529). Vgl. Roßberg , Kampf, S. 4f.
    34
     Die Datumsangabe ist nicht korrekt. Die wiedergegebene Erklärung Kg. Maximilians entspricht im Kern seinem Vortrag an die kurpfälzischen Gesandten vom 5.8. [Nr. 952, Pkt. 3].
    35
     Tatsächlich ist das Wappen der Republik Lucca abgebildet: in Blau zwischen zwei goldenen Schrägfäden das Wort „LIBERTAS“ in goldenen Buchstaben ( Siebmacher , Wappenbuch I/2, S. 46 und Tafel 113).
    36
     = Konstanzer Gesellschaft „Zur Katz“ ( Heiermann , Gesellschaft). 
    37
     Kein gesicherter Nachweis möglich. Gemeint ist entweder ein Gf. Pradés oder – wahrscheinlicher – Paredes. Zum Gefolge Kgin. Johannas gehörte etwa ein Juan Fernandez de Paredes ( Aram , Governing, S. 429). Die beiden genannten spanischen Hh. waren jedenfalls keine Gesandten Kg. Ferdinands.
    38
     Kein gesicherter Nachweis möglich. In Frage kommen in erster Linie die kastilischen Philippisten Luis Fernández Manrique (der allerdings im April 1507 bereits rehabilitiert war; Millan , Corte III, S. 130–132), Rodrigo Manrique (Sohn des gleichnamigen ersten Gf. von Paredes; ebd., S. 256), Garcia Fernández Manrique (ebd.; S. 125–130) und Alonso Manrique de Lara (ebenfalls Sohn des ersten Gf. von Paredes;ebd., S. 256–263).
    39
     Kein gesicherter Nachweis möglich. Vielleicht ist Henry Clifford, zehnter Hg. von Cumberland ( Cokayne , Peerage I, Nr. 294/295) gemeint.
    40
     Für einen Peter Bedford oder Beaufort liegt kein Nachweis vor.
    41
     Die folgende Argumentation geht so aus keiner der einschlägigen Resolutionen Kg. Maximilians [Nrr. 157; 159, Pkt. I; 163] hervor.
    42
     Reformatio Sigismundi von 1439 (Druck: Beer , Reformation, S. 118; Koller , Reformation, S. 274f.).
    43
     Ein solches Mandat ist nicht nachweisbar. Wie aus der weiteren Darstellung hervorgeht, liegt eine Verwechslung mit einem Ausschreiben zu einem der in Ulm wegen dieser Frage ab Okt. 1507 abgehaltenen Versammlungen der Schwäbischen Bundesstädte vor.
    44
     Irrtümlich aufgeführt; Cles war Bf. von Trient von 1514 bis 1539 ( Gatz , Bischöfe, S. 106–109).
    45
      Hg. Ludwig der Reiche löste am 20.2.1475 Stadt und Hft. Weißenhorn mit dem Landgericht Marstetten ein ( Stauber , Herzog, S. 206), Hg. Georg kaufte 1481/98 die Gft. Kirchberg mit Wullenstetten (ebd., S. 219, 494) und 1495 die Hft. Pfaffenhofen (ebd., S. 493).
    46
      Fugger-Birken  (Ehrenspiegel, S. 1241) nennt die überhöhte Summe von 70 000 fl.
    47
     Richtig: 27.7.1507 [Nrr. 507f.]. 
    48
     Gemeint sind die kurpfälzischen Gesandten am kgl. Hof, Erasmus vom Venningen und Johann Landschad. Vgl. Nr. 579 [Pkt. 6].
    49
     Vgl. Nr. 902 [Pkt. 6].
    50
     Die Wappen von Mömpelgard und Villach sind nicht ausgeführt.
    51
     Vgl. Nr. 822, Anm. 2.

    Anmerkungen

    a
     geschiftet] In C: geschiffet. Vielleicht ist „anstiften“ gemeint. Möglicherweise handelt es sich auch um einen Schreibfehler, statt: geschickt.
    b
     angetaschet] In C: angetastet (= angreifen, vorwerfen; Fischer , Schwäbisches Wörterbuch I, Sp. 274, s.v. antaschen).
    c
     enlassen] In C: erlassen.
    d
    -d  Georg ... Neideck] In A/B freigelassen. In C irrtümlich: Bernharten von Gleß  (Bf. von Trient 1514–1539).

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    « Nr. 719 Auszug aus Johann Jakob Fuggers „Spiegel der Ehren des Hauses Österreich“ (vor 1559) 1  »

    [1.] Ausschreibung des RT, Aufenthalt Kg. Maximilians in Straßburg und Rottweil; [2.] Schwäbischer Bundestag in Überlingen, Unterredung der Augsburger Gesandten mit Kg. Maximilian, Fürsprache der Stände für Kf. Philipp von der Pfalz; [3.] Gesandtschaft von Kg. und Reichsständen zum eidgenössischen Tag in Schaffhausen; [4.] Gesandte der Eidgenossen zum RT, Zahl der persönlich anwesenden Reichsfürsten, Gesandtschaft des Großfürsten von Moskau; [5.] Eröffnung der RT-Verhandlungen, kgl. „Proposition“; [6.] Reichshilfeforderung Kg. Maximilians; [7.] Vortrag der eidgenössischen Gesandten an Kg. und Reichsstände, Behandlung der Gesandten durch Kg. Maximilian, Zusagen Kg. Maximilians an die Eidgenossen, Vereinbarung der eidgenössischen Tagsatzung in Zürich mit kgl. Gesandten vom 12. Juni, Entwurf der Reichsstände für eine Einung mit den Eidgenossen; [8.] Verhaftung des französischen Gesandten Gian Antonio Crivelli; [9.] Beratung des RT über die französische Instruktion, Beschluß zu einer Gesandtschaft an Kg. ŠLudwig von Frankreich; [10.] Verhandlungen des RT über die Romzughilfe: Pläne Kg. Maximilians für einen Angriff auf Frankreich, Antwort der Reichsstände; [11.] Seelenmesse für Kg. Philipp von Kastilien; [12.] Verhandlungen und Beschlußfassung des RT über die Romzughilfe; [13.] Verhandlungen über den Landshuter Erbfolgestreit; [14.] Verhandlungen über die Rehabilitation Kf. Philipps und die kurpfälzischen Reichsvikariatsrechte; [15.] Festveranstaltung während des RT; [16.] Reichsbelehnungen für Ebf. Jakob von Mainz, Bf. Heinrich von Augsburg und Bf. Georg von Trient; Ritterschlag für Gesandte aus Spanien und England; [17.] Beschluß des RT über die Romzughilfe; [18.] Anleihe Kg. Maximilians bei den Handelsgesellschaften; [19.] Verkauf der Gft. Kirchberg und Hft. Weißenhorn an Jakob Fugger; [20.] Vorladung des venezianischen Gesandten Vincenzo Querini vor Kg. und Reichsstände, Entlassung vom kgl. Hof; [21.] Ernennung Kf. Friedrichs von Sachsen zum Reichsstatthalter; Vorbereitung des Romzuges; [22.] Verhandlungen mit den eidgenössischen Gesandten zum Konstanzer RT über eine Romzughilfe; Kaisererhebung.

    München, BSB, cgm 896, hier fol. 218–229 (illustriertes Or., mit Randvermm., die den Inhalt kennzeichnen) = Textvorlage A. München, BSB, cgm 900b, hier fol. 73’-100’ (Abschr. 17. Jh.) = B. Wien, ÖNB, Cod. 8614, hier fol. 210’-219 = [C].2 
    Druck: Fäsi , Beylage, S. 85–109 (nur Pkt. 3–7, durch kurze Einleitung und Schluß ergänzt).

    [1.] /218/ Es hat auch der röm. Kg. Maximilianus auf disen zug in das Reich allen chur- und fursten, Gff. und Hh., gaistlich und weltlich, on allain Pfgf. Philipsen nicht, ainen reychstag, auf misericordia Domini [18.4.] in der stat Costenz zu erscheinen, außgeschriben. Mit vermeldung, das seiner Mt. und dem Hl. Reich hoch vonnöten sein wurde, die ksl. cron zu Rome von der bäpstlichen Hlt. zu empfahen, auf das des Kg. von Frankreichs practica in Italia nicht uberhandnemen, sonder demselben gewehret werden mög. Und ist volgents sein Mt. von Straßburg, aldo sein kgl. Mt. von ainer widerwertigkait wegen, welche der Franzoß doselben angerichtet hett, erscheinen muest, auf die stat Rotweyl mit tausent pferden verrayset.
    Sein Mt. hat in disem einrit zu Rotweyl ain guldin wappenrock ob seinem kiris [= Kürass] gefüert, welcher wappenrock zerschnitten und vast lustig anzusehen gewesen. Die burger zu Rotweyl seind dem röm. Kg. vierhundert stark mitsampt dem ganzen rat in ainer feinen ordnung entgegengangen. Und wie sie vor dem tor dem Kg. begegnet, da seind sie alle auf ire knie gefallen. Und hat ir burgermaister an ainem langen stecken die schlüssel zu der stat toren dem Kg. entgegenboten, und haben den röm. Kg. vast holdselig empfangen, auch sein Mt. gebeten, sie und gemaine stat in gn. befelch zu haben. Der loblich Kg. hat inen die schlüssel widerumb ubergeben und inen zugesprochen, das sie ir stat als fromme sone wie bißher selbs bewaren sollen. So wolle sein Mt. ir gn. H. und Kg. sein. Und hat den burgern vierzig fl. zu vertrinken verschafft zu geben. Vier wägen mit habern, zwen wägen mit guetem Elsaser wein und vier ochsen Šsampt ainer vergulten scheuren und sechshundert fl. darinnen haben die von Rotweyl seiner Mt. verehret. Zu morgens haben die von Rotweyl gleichergestalt den Kg. zu und von der kirchen belaytet. Denen haben ir Mt. abermalen vierzig fl. verehret.
    [2.] Nachmalen ist der röm. Kg. gen Uberlingen, alda der Schwäbisch Bund beyeinander gewesen, mit seiner Mt. tausent pferden verrayset, alda die röm. Kgin. zu seiner Mt. mit irem frauenzimmer auch kommen. Und ist der röm. Kg. dieselben nacht beygelegen. Auf disem bundstag zu Uberlingen ward die proposition, welche man den chur- und fursten, auch stenden des Reichs fürtragen solt, abgehandlet und gestelt. So ist diser reichstag auß diser ursach gen Costenz gelegt worden, das man mit gemainen Aidgenossen dahin handlen wolt, das die dem röm. Kg. auf disem romzug mit aller macht behilflich sein solten, wie wir dann hievon meldung ton wöllen.
    Auf disen bundstag zu Uberlingen hat ain erber rat der stat Augspurg seine gesanten, nemlich H. Vlrichen Artzt, burgermaister, und Anthoni Ruedolphen3, zu dem röm. Kg. geschickt, welche von aines erbern rats und gemainer stat Augspurg wegen den röm. Kg. von wegen des tods Philippi, seiner Mt. sone, mit vast hoflichen worten geklaget haben, mit dem undertenigen anzaigen, das inen, auch ainem erbern rat und der ganzen gemainde der stat Augspurg, wie dann auch billich, von herzen layd sey, das ir kgl. Mt. in ain solches hohes und schmerzlichs herzenlaid gefallen sey. Und haben auch dem röm. Kg. darneben zu erkennen geben, wie das ain erber rat hochgemeltem Kg. von Castel und Legion, prinzen zu Aragonia und Sicilien, Ehg. zu Osterreich, Hg. zu Burgund etc., auf zwainzig[sten] Februarii zu den Barfuessern habe eerlichen besingen lassen, bey welcher besingnus ain ganzer rat, auch die ganz gesellschaft von der burgerstuben sampt derselbigen haußfrauen gewesen seyend.4 Ferner haben gemelte gesanten dem röm. Kg. angezaigt, nachdem in der stat Augspurg in sibenunddreyssig jaren kain gemain schiessen mit seinen ceremonien gehalten worden und gemainer stat schützen neulich auf ainem schiessen zu Frankfort gewesen, und haben die schützenmaister daselbst zu Frankfurt ire schützen mit dem cränzlin verehret. Deshalben ain erber rat, sover es seiner kgl. Mt. gefellig were und für ratsam ansehen wurde, dahin gesinnet were, das der rat zu Augspurg auf das künftig jar ain gemain schiessen außschreyben lassen wolt. Aber wie dem allem, wöllen sie solches seiner Mt. in allem haimgesetzt haben. Hierauf der röm. Kg. den gesanten der stat Augspurg selbs mundlich geantwort: Es zweyfle seiner Mt. gar nicht, das ain erber rat und gemaine stat ain wares layd mit seiner Mt. in disem und anderm widerwertigem ungluck tragen, wie auch sein Mt. solches in vil wege selbs gespürt und entpfunden habe. Wolle auch solcher lieb und treu gegen denen von Augspurg mit allen gnaden ingedenk sein. Nachdem aber ain erber rat ain gemaines außgeschribens schiessen zu Šhalten gesinnet sey, so wolle sein Mt. auf dißmals, dieweyl jetzunder von seiner Mt. romzug auf disem furgenomnen reychstag gehandlet werden soll, nicht fur ratsam ansehen, das solches schiessen diser zeyt fürgenommen und gehalten werden soll. Dann ir Mt. bey solchem erlichen ritterspil und kurzweyl auch geren sein wolt. Deshalben mögen sie solches außschreyben biß auf ain andere gelegne zeyt wol anstellen. Welchem rat die von Augspurg auch gefolgt und dises schiessen biß Ao. 1509 verzogen und alsdann gemeltes schiessen mit solchen grossen eern, lust und freuden gehalten, das sich meniglichen darab verwundern muessen.
    Es seind auch auf disem bundstag drey Ff., Friderich, Philips, Bf. zu Freysingen, und Heinrich, des alten Pfgf. Philipsen sone, vor dem Kg. erschinen, welche mitsampt allen stenden des Reichs, sovil deren auf disem bundstag erschinen, den röm. Kg. auf das diemuetigist gebeten haben, das ir Mt. ernennten Kf. Philips auß der acht kommen lassen und zu gnaden annemen wölle. Welchen der röm. Kg. geantwort: Dieweyl gemelter F. Philippus auf dem reichstag zu Cöln nicht erschinen und /218’/ sein Mt. mit Hg. Ulrich von Wirtemberg, auch Wilhelm Lgf. zu Hessen sampt dem bund zu Schwaben in disem kriege sich in ainung eingelassen, so wolle seiner Mt. mitnichten gebüren, ernennten Pfgf. ausserhalben derselben Ff. und des Bunds rat auß der acht zu begeben.5 Damit haben sich alle hendel auff den zukunftigen reychstag gezogen. Und hat sich meniglich auf den einrit gen Costenz gerüstet.

    [Laut jeweiliger Bildunterschrift Abbildungen der Wappen der Bentivoglio, der Städte Rottweil und Überlingen, Ulrich Artzts, Anton Rudolfs, der Stadt Augsburg, der Kurpfalz (für die Pfgff. Friedrich, Philipp und Heinrich), Hg. Ulrichs von Württemberg und Lgf. Wilhelms von Hessen].

    [3.] Eemalen aber der röm. Kg. von Uberlingen aufgebrochen, da haben ir Mt. den Bf. von Trient, welicher von der geburt ain Neydegker gewesen, auch Schenck Christof semperfrey von Limburg und H. Ciprian von Serentein von wegen des röm. Kg., aber von wegen der gaistlichen Kff. H. Thoman Ruti, des Bf. von Meinz hofmarschalk, und Eytelwolf vom Stain, auch von der weltlichen Kff. und anderer Bff. wegen Adolphum F. zu Anhalt, tombrobst zu Magdenburg, und H. Hans von Emershofen, und von der frey- und reychsstet wegen der schulthaiß von der stat Frankfort6 zu den Aidgenossen, welche ainen tag zu Schafhausen gehalten, mit nachvolgender instruction abgefertiget. Auf das aber dise werbung dem geliepten leser desterbaß bekannt werde, so wöllen wir derselbigen instruction hierher verleyben, welche von wort zu wort gelaut, wie nachfolget: /218’-219’/ [Wiedergabe von Nr. 216]7.
    [4.] /219’/ Auf solche werbung haben sich die Aidgenossen endlichen entschlossen, das sie von den zwelf ortern in Schweyz ire gesanten zu dem Kg. gen Costenz auf den reichstag schicken wolten. Und ward von yedem ort geschickt wie nachvolgt: ŠDie von Zürich haben iren burgermaister H. Marx Roschen und ainen zunftmaister, Ulrich Felix genant, geschickt. Also haben die von Bern H. Heine Scharrenthaler, rittern, und Caspar Willer, iren fenderich, zu ziehen außerwölet. Die von Lucern haben iren schulthaiß, [Jakob] Prennberg, und Heine Kloß, iren vogt, geschickt. Und die von Uri santen iren amman Clewi8 von Oberdorff. So haben die von Schweyz iren amman Rude [= Hans] Wagner in irem namen gesant. Aber die von Underwalden und Nidwald schickten auch iren amman, welcher Contz9 Wirtz genant was. So haben die von Zug iren vogt Heine Oller von Barr geschickt. So schickten die von Glaris iren vogt, Cleve10 Landolt genant. Aber die von Basel santen iren burgermaister Peter von Offenburg und ainen des rats, Walther Harnascher. Die von Freyburg schickten H. Franzen Argent, rittern. So haben die von Solothurn iren schulthaissen Niclas Conrader gesandt, und die von Schafhausen haben geschickt iren burgermaister Conraden Barter und zunftmaister, Wolf [= Hans] Treulerli genant. Aber Appenzell hat niemand geschickt, sonder denen von Zürich iren gewalt ubergeben. Dise gesanten waren die sterkesten und lengesten personen, so zu Costenz auf dem reichstag gewesen seind. Nach solicher abfertigung der gesandten ist der röm. Kg. mitsampt der röm. Kgin. auf die stat Costenz verritten und ist daselben ganz glücklichen ankommen. Und seind bey sechsundzwainzig Ff., gaistlich und weltlich, daselben personlich erschinen.11 Die andern haben ir volmechtige botschaft daselbsthin gesant. Der Ks. Basilius auß Moscovia und Reyssen, so ain christ gewesen, der hat sein potschaft auch daselbst gehabt.12 
    [5.] Also hat man am sontag cantate [2.5.] den reichstag mit haltung seiner proposition13 angefangen. Dise proposition hat ongefarlich dise mainung in sich gehalten, wie die instruction, so auf den tag gen Schafhausen geschickt worden, gelautet hat, dann das darneben vil wort mitgelaufen seind, als solte der Kg. zu Frankreich in etlichen reychsstetten, also auch bey etlichen Ff. des Reichs sein besondere werbung gehapt und etliche empörung angerichtet haben. Wie dann sein Mt. solches in der stat Straßburg Šbefunden, auch deshalben in die stat Straßburg verraysen und daselben solliche des Franzosen angerichte aufruer und empörung stillen muessen14, und dergeleichen etliche andere bezüchtigungen mer, welche Kg. Ludwig uber sein aid, eer und empfahung des hl. sacrament begangen haben solt, mit dem begern, das die chur- und fursten wie auch andere stende des Reichs ainen hauptman und zwelf räte außschiessen und erwöhlen, welche ainen anschlag und ordnung des romzugs, die ksl. crone zu erlangen, beratschlagen und aufrichten solten, auch ain solche steur, welche auf die feurstat geschlagen oder sonst angelegt wurde, damit, ob sich die Schweyzer in des Kg. sold begeben wurden, das man ainen vorrat an gelt gehaben möchte.15 Auf dise proposition haben alle stende ain bedenken genommen. Und hat hiezwischen der röm. Kg. mit den gesanten auß Schweyz sein underhandlung gepflegen, welche täglichen zu Costenz mit sibenzig personen ankommen seind.

    /220/ [Laut den Bildunterschriften Abbildungen der Wappen der Städte Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Zug, Glarus, Basel, Freiburg, Solothurn, Schaffhausen und Appenzell, des Großfürsten von Moskau, Kg. Ludwigs von Frankreich und der Stadt Konstanz].

    [6.] Maximilianus, der loblich röm. Kg., hat in diser seiner Mt. widerwertigkait, deren mer dann aine auf sein Mt. gfallen, sein mannlichs und unerschrockens herz und gemüet dahin gerichtet, das er nach solchen wegen gesehen hat, damit er die macht und sterk des Franzosen zerbrechen, auch solche ursach furwenden, damit sein Mt. die Aidgenossen von dem Kg. zu Frankreich auf sein partey ziehen und das Fm. Mayland widerumb zu dem Hl. Reich bringen mocht. Dieweyl aber der Franzoß stark, auch die Aidgenossen in seiner bündnus hett und dem röm. Kg. sein sone Philippus mit tod verschieden, von welichem sein Mt. vil hilf und trost verhoffet, da haben ir Mt. auf dißmals den chur- und fursten, auch stenden des Reichs nichten anders dann den romzug, die ksl. cronen von dem bapst zu erlangen, fürhalten mügen; mit dem anzaigen, das seiner Mt. hoch vonnöten were, dieweyl sich der Franzoß in Italia so gewaltig machen tet, das er dem Hl. Reych teutscher nation sein eer und würde erhalten möcht. Nun es haben ir Mt. den gesanten auß der Aidgnoßschaft auf achzig pferd zu Costenz herberg bestellen und allen reichsstenden anzaigen lassen, das sich dieselben sampt iren dienern freuntlich gegen den gesanten auß der Aidgnosschaft halten und guete gesellschaft laysten solten.
    [7.] Also auf den freytag vor dem pfingstag [21.5.; richtig: 16.5.] seind die gesanten von der Aidgnoßschaft in dem Reichs rat vor dem röm. Kg., auch chur- und fursten und stenden des Hl. Reichs erschinen. Alda hat H. Marx Rösch, burgermaister von Zürich, angefangen zu reden auf mainung, wie das der röm. kgl. Mt. und des Hl. Reichs gesanten neulichen zu Schafhausen, alda gemaine Aidgenossen ainen tag gehalten, erschinen weren und ain lange klag ab dem Kg. zu Frankreich gefüert, welche auch Šgemaine Aidgnossen dahin vermanet haben, das die dem Kg. zu Frankreich kain hilf wider das Hl. Reich zuschicken noch beweysen solten. Deshalben erschinen sie vor der röm. kgl. Mt. und den stenden des Reichs und sagten, das ir will und mainung nie gewesen were, das die ksl. crone, eer und wirde von der teutschen nation (des gebluet und herkommen die Aidgenossen auch weren) auf die cron Frankreich kommen solt. Sie haben auch zu solchem ratschlag, wa der fürgangen, nie geholfen. Und wiewol gemaine Aidgnoßschaft sich mit dreyen Kgg. von Frankreich, als mit Ludwigen dem ailften, Carolo dem achten und jetzt Ludwigen dem zwelften, in bundnus eingelassen haben16, darinnen sie noch behaft weren, so were doch ir endlicher will und mainung, das die ksl. cron, eer und wirde bey der teutschen nation, weliche soliche eer mit grosser mannhait, auch vilem bluetvergiessen erobert und biß anher erhalten haben, entlichen beleyben solt. Darzu sie ir leyb und guet biß in die hinderst not mit guetem willen setzen und behilflich sein wöllen, das die ksl. cron bey der teutschen nation beleyben soll. Sie haben auch in allen iren bundnussen, welche sie mit der cron Frankreich aufgericht haben, den Stuel zu Rom und das Hl. Reich, dem sie auch zugeton weren, bedinglich außgenommen. Dieweyl und aber gemaine Aidgenossen dem Kg. zu Frankreich laut irer bundsainigung sechstausent knecht zugeschickt haben und soliche bezüchtigung auf gemelten Kg. geworfen worden, so wöllen sie ir zugeschicktes kriegsfolk zu der stund widerumb abmanen, haimzuziehen. Und haben hierauf begert, das man sie verstendigen soll, in was vermügen und macht das Hl. Reich zu roß und fueß zu diser hilf sein werde; alsdann wöllen sich gemaine Aidgnossen auch entschliessen, mit was anzal sie dem röm. Kg. zu disem romzug, die ksl. crone zu erlangen, behilflich sein wöllen.
    Und seind die gesanten auß Schweyz nach disem auß dem Reichs rat widerumb an ir herberg gangen. Es hat aber die chur- und fursten, auch die andere stende des Hl. Reichs nicht für guet noch ratsam angesehen, das man des Reichs macht und vermögen denen von der Aidgnoßschaft eröffnen oder anzaigen solt. Und ist deshalben solche handlung, mit den Aidgnossen zu handlen, dem röm. Kg. haimgesetzet worden. Darauf der röm. Kg. die gesanten vast eerlichen gehalten. Erstlich haben ir Mt. yedem gesanten ain Rainfal legel in die herberg schencken lassen. Und dieweyl sich bey sibenzehen Landenberger auch zugeschlagen, ist denselben ain punzen Malvasier geschenkt worden. Volgents seind die gesanten von Schweiz von dem röm. Kg. zu gast gebeten, und allweg zwen kongische zwischen ainen Schweyzer nidergesetzet, und /220’/ ist denselben vast herrlich empoten worden. Zudem hat der röm. Kg. bey diser malzeyten sein ganze credenz aufrichten lassen. Nachmalen haben ir Mt. in solcher underhandlung yedem gesanten ain rot damastin wammas geschenkt, welche sie zu Costenz angemacht und vast prachtlich darinnen einhergetreten. Und als die iren abschaid mit dem röm. Kg. beschlossen, da haben ir Mt. ainem yeden besonder mit ainem silbergeschirr yeden nach seinem stand verehret und auß der herberg gelöset. In summa, es ist auf dißmal, solang die gesanten in Costenz gewesen, bey zwaytausent fl. Šaufgangen. Welches die chur- und fursten vast ubel vertrossen hat, das der röm. Kg. sovil onkosten auf die groben bauren, auch Schweyzer hat geen lassen. Und als die von ir Mt. personlich urlaub genommen, da haben ir Mt. die gesandten von Schweyz in gemain angesprochen und gesagt: Lb. Aidgenossen, ir sollend entlichen glauben, das wir euer gueter H. und freund seind. Und wöllen in nechstgelegner zeyt zu fueß gen Unser Lieben Frauen zu Ainsidlen wallen, auch auf den höchsten berg in Schweiz ainen gembsen stechen und den der Muetter Gottes zu Ainsidlen schenken und verehren. Und nachdem wir zuvor ainen hailigen, nemlich St. Leobold, erheben helfen17, also wöllen wir brueder Clausen [von Flüe], welcher bey euch ain hl. leben gefüert hat, auch helfen erheben. Er wölle auch sonst der ganzen Aidgnosschaft, sover sich die in seinem willen halten werden, allen gn. willen beweysen und erzaigen. Welches gn. erbieten alles die gesanten von der Aidgnoßschaft zu hohem dank angenommen und sich zu allem, was dem Kg. gefellig, vast willig erboten. Damit seind die gesanten widerumb abgeschiden. Wie aber der röm. Kg. mit den Aidgenossen abgehandlet und beschlossen hab18, das wöllen wir dem werden leser durch ain copien desselbigen vertrags verstendig machen: /220’-221/ [Wiedergabe von Nr. 246, Pkt. 1–16]. Hernach volgen die orter in der Aidgnoßschafft, wievil yedes ort dem röm. Kg. kriegßvolk auf den romzug halten soll: /221/ [Wiedergabe von Nr. 246, Pkt. 17].
    Uber solches sollen die ganze Aidgnoßschaft dem röm. Kg. zu eern tausent mann auf iren onkosten drey monat lang auf disem romzug underhalten. So haben auch die chur- und fursten sampt des Reichs versamlung ainen aidßform stellen lassen, welcher vor dem anzug auf Rom den hauptleuten und knechten auß Schweyz verlesen und geschworen werden soll. Welcher gelaut wie folgt: [Wiedergabe von Nr. 225].
    [8.] Nach disem kam ain münich [Gian Antonio Crivelli] in die stat Costenz, welcher sich mer argwonisch, dann wie es in ainem reichstag zimlich ist, sich gehalten hat. Dann wann er bey den leuten gewesen, so hat er der cron in Frankreich vil eer zugelegt und alles, was wider Kg. Ludwig von Frankreich eingepracht und geredt worden, offentlichen widersprochen. Er hat sich auch zu des Kg. mundkoch verfüeget und dem ain kostliches hemet verehret, mit dem /222/ anzaigen, das er vast gern etliche trachten, wie es die Teutschen zu kochen pflegen, von ime lernen wolt. Mit disem list hat diser Teufels münich vermainet, in des röm. Kg. kuchin zu kommen. Was er alsdann außrichten wolt, darvon hat der gemain mann vil urtail gehalten. Aber der merer tail vermainet, das er dem röm. Kg. vergeben haben wolt. Und wie diser münich zu red gestellet worden, da hat er zu antwort gegeben, wie das er des Kg. von Frankreichs potschaft sey. Er habe auch seine credenz [Nr. 153] und instruction [Nr. 154] von Kg. Ludwigen, was er in namen seins Kg. auf disem reichstag handlen und Šwerben solt. Als solches dem röm. Kg. angezaigt worden, da haben sein Mt. gemelten münich für sein Mt. erfordern lassen, alda gemelter münich erschinen, und hat ain lange schmachred in latein wider den röm. Kg. und seiner Mt. räten zu ainer defension seines Kg. gehalten. Und ist solches am mitwoch vor pfingsten [19.5.] geschehen. Nachmalen, als der röm. Kg. den gemelten münich, welcher sich magister Johann Antonius de Cribellis von Mayland genannt und sich für Kg. Ludwigs von Frankreichs almueser außgeben hat, gehört und sonst sein haltung vernommen, da haben ir Mt. H. Hansen von Landau und ainem niderlendischen H. von Prat geschaft, das sie gemelten münch mit sechs knechten in ainem hauß bewaren, auch ine mit speyß und trank nach notturft versehen solten. Welches auch also beschehen ist. Nachmalen haben ir Mt. den Bf. von Trient, so von der geburt ainer von Neydegk gewesen, auch Gf. Eytelfriderichen von Zollern, erbkamerer, Gf. Ulrich von Montfort und den H. von Firmian, der röm. Kgin. hofmaister, zu dem münich in sein herberg gesant, welche ine befragen und examinieren solten, was befelch der münich von wegen des Kg. von Frankreichs hette, damit sie solches an die stend des Reichs gelangen lassen möchten. Der münich gab weder dem Bf. noch den Gf. kainen guten beschaid, sonder er sagt, er hette sein instruction in französischer sprach geschriben, deshalben er mit den teutschen Ff. nichts zu handlen wüste. Darauf ward an ine begert, das er sein instruction ubergeben [soll], so wolten die rät solchen befelch in das teutsch mit allen treuen tranßferiren und verwechslen lassen. Darauf der münich gesagt: Es weren alle artikel zu verteutschen ime nicht gelegen, aber etliche artikel möchte er zu verteutschen wol ubergeben. Und als sich der münich mit seinem befelch so gefarlich und argwönisch gehalten, da seind ime in beysein zwayer notarien (doch auf ain wider uberantworten) alle sein credenzen und instructiones genommen und durch etliche des röm. Kg. secretarien verteutschet worden. Und hat also der münich uber die pfingsfeyren in seiner herberg beleyben muessen. Zu diser instruction hat man bey ime neun credenzbrief befunden, welche an die fünf Kff. und sonst an Hg. Ulrich von Wirtemberg, Friderich Mgf. zu Brandenburg, Wilhelm Lgf. zu Hessen, auch an Bf. von Costenz und an Bf. von Straßburg gestanden seind. Die schriften alle hat der röm. Kg. zu seinen handen genommen. Auf das aber der werd leser auch vernemen mog, was der elend münich, welcher durch den röm. Kg. in die stat Ratolphszell am Under See gelegen, zu verwaren geschickt worden, für ain instruction gehapt, so wollen wir dieselben allermassen, wie die von den kgl. secretarien verteutscht worden, hierher inserieren und verleyben.

    [Laut den Bildunterschriften Abbildungen der Wappen des Hans von Landau, des H. [Jean] de Praet, des Trienter Bf. Georg von Neideck, Gf. Eitelfriedrichs von Zollern, Gf. Ulrichs von Montfort, Niklas’ von Firmian und der Stadt Radolfzell].

    [9.] /222–224/ [Wiedergabe von Nr. 154]. /224/ Als nun dise instruction vor den chur- und fürsten in der versamlung des Reichs offentlichen verlesen worden, da haben die röm. kgl. Mt. sampt vilen chur- und fursten, auch Gff. und Hh. des Reichs ain grossen onwillen ab diser lugenhaftigen und erdichten schmachschriften empfangen. Dann die ernennten chur- und fursten umb alle handlung, welche in diser instruction begriffen gewesen, ain guetes wissen gehapt und wol verstanden, das Kg. Ludwig von Frankreich mit diser geschrift nichtzit anderst dann onrue, aufruer und emporung zwischen des ŠReichs versamlung anrichten, auch also under disem schein der onwarheit seinen gewalt meren und meniglichen auf sein partey bringen wollen. Dieweyl sich alle stuck vil anderst, dann in der instruction begriffen, zugetragen, auch alle verbrechung des fridens von dem Franzosen beschehen, da haben die chur- und fursten mitsampt dem röm. Kg. uber dise instruction ain apologia [Nr. 166a], welche auf alle stuck in diser instruction begriffen, mit dem grund der warhait gueten bericht von sich geben, auch alle schmach und onglimpf von dem röm. Kg. auf den Kg. von Frankreich geleget hat, verfasset und aufgericht. Es hat aber die ganz versamlung des Reichs für das best und nutzlichest angesehen, dieweil der röm. Kg. auf diser instruction geargwonet, das nicht der Kg., sonder der Ebf. von Rowan dise schmachschriften gemacht haben solt, das dem Kg. Ludwigen von Frankreich durch ainen geschwornen poten vom adel verkündt und angesagt solt werden, nemlich wie das dem röm. Kg. und des Reichs versamlung ain grobe schmachschriften von ainem münich, Johan Antoni de Cribellis, in namen des Kg. von Frankreichs fürgepracht worden, welches nicht wol zu glauben were, das sich ain Kg. von Frankreich mit solichen lugenhaftigen und lasterhaftigen worten umbgeen und bemühen solt. Und sover der Kg. etwas wider den röm. Kg. oder die stend des Reichs zu reden hett, so möchte sein Gn. ir botschaft auf gemelten tag gen Costenz abfertigen. Daselben soll im widerfaren, was recht und billich wer. Dieweyl aber Kg. Ludwig das Fm. Mayland mit gewalt ingehabt und mit den Venedigern, auch Hg. zu Ferrar in ainer bundnus gestanden, da hat er nicht vil sorg auf den röm. Kg. und das Reich gehapt. So ist auch von seinetwegen zu Costenz niemands erschinen.
    [10.] Volgents, als man von der hilf, welche das ganz Reich dem röm. Kg. auf den fürgenomnen romzug, die ksl. cron zu erlangen, laisten solt, gehandlet hat, da haben sich allerlay mainung zugetragen. Dann als der röm. Kg. erstlich in gehaltner proposition den stenden des Reichs fürhalten lassen, das sein Mt. auß vilen ursachen, welche von dem Kg. von Frankreich herfliessen, des willens wer, die ksl. crone zu Rom von dem bapst zu erlangen, und deshalben von allen stenden des Reichs ain hilf begeret, wie es dann zuvor den röm. Kss. und Kgg. in erlangung irer ksl. cron beschehen, zuschicken und underhalten solten, auf welchs begern die chur- und fursten, auch alle stend des Reichs sich willig erboten haben. Dieweyl aber Kg. Ludwig von Frankreich die lasterhaftige schmachschriften wider sein Mt. in des Reichs rat offentlichen verlesen lassen und damit sein kgl. Mt. so hoch iniurirt, auch on alle not und mit allem ongrund vor des ganzen Reichs versamlung onrechtlichen geschmecht, da hat der röm. Kg. alles sein gemuet dahin gericht, wie er den Kg. von Frankreich als ainen gotgehässigen tirannen und verbrecher alles christenlichen fridens vertreyben und gar außtilgen möcht. Und hat darauf allen seiner Mt. bundsgenossen vor des Reichs versamlung durch Gf. Eytelfriderichen von Zollern, des Hl. Reichs erbkamerer, erzelen und furtragen lassen auf mainung, wie in ainem kurzen summarischen begriff nachvolgt [Nr. 156]: Dieweil die Kgg. von Frankreich (deren die röm. kgl. Mt. drey erkennet hab) von art und natur wider alle christenliche lieb und treu in allen stucken ires zusagens bißanher gehandlet, auch alles, was mit dem aid, auch bey Got bezeuget und mit empfahung der hl. sacramenten obligirt und bekreftiget worden, umb aines schantlichen genieß wegen verbrochen und sich hiedurch gegen Got und Šder welt verhasset gemacht haben, so wolle sein Mt., sover das Hl. Röm. Reich seiner Mt. behilflich sein wolt, gemelten Kg. Ludwig von Frankreich in allen seinen landern und gebieten personlich haimsuchen und strafen, auch yederzeyt bey den fordersten gesehen werden. Zudem wölle sein Mt. dise nachvolgende hilf von seinen bundsverwandten und undertonen ain soliche bestimpte anzal kriegsfolk zu roß und fueß erlangen und zusamenbringen: nemlich, das sein Mt. zwelftausent Schweizer, auch sechstausent landsknecht und tausent pferde annemen und selbs besolden wöll. Für das ander solle die versamlung des Hl. Reichs dem röm. Kg. zu seinem vorhaben mit zwainzigtausenten zu fueß und zehentausent zu roß ain zeytlang besolden und im veld halten. Zudem wölle sein Mt. auß den hohen- und niderburgundischen und osterreichischen ländern fünfzehentausent mann, solang das Reich mit seiner Mt. zu veld ligen werd, auf ir selbs onkosten in das veld lifern und bringen. Uber solches wölle ir Mt. auß den hispanischen Reichen zwainzigtausent kriegsleut uber die see kommen lassen, welche sich zu dem niderlendischen haufen schlagen und wider Frankreich kriegen solten. Nach disem wölle sein Mt. mit Kg. Hainrichen von /224’/ Engeland, welcher sich mit seiner Mt. in ain bruederliche bundnus begeben, sovil handlen, das gemelter Kg. seiner Mt. fünfzehentausent mann in das veld vor Callis uberfüeren solt. Ferner wölle sein Mt. mit dem Kg. von Aragonien, auch Neapolis und Navarra sovil handlen, das der bey zehentausent mann wider den Kg. von Frankreich in das veld bringen solt. So hette sein Mt. bey etlichen potentaten in Italia noch so vil anhangs, das sein Mt. verhoffet, achtzehentausent19 mann in das veld zu bringen. Mit disen hundertmaltausent und sibenundzwainzigtausent20 mann zu roß und fueß verhoffet ir Mt., den Franzosen gar zu vertreyben. Und wolt disen kriegs allain darumbe fürnemmen, auf das ir Mt. und das Hl. Reich vor dem Kg. zu Frankreich bey rue, friden, recht und billichkait beleyben möcht.21 Jedoch were vonnöten, das man sechzigtausent fl. zu ainem anfang haben muest, welches gelt die kaufleut und gesellschafter in den reichsstetten herstrecken muesten.
    Ab welchem schweren und gwaltigen fürtrag alle chur- und fursten, gaistlich und weltlich, sampt der ganzen Reichs versamlung vast hart erschrocken seind. Und haben hierauf von allen chur- und fursten, also auch von allen Gff. und prelaten und von den stenden des Reichs Frankfort und Ulm ainen rat, aber kainen F. (auf das die gegen dem röm. Kg. nicht verargwonet wurden) zu ainem außschuß verordnet, welche dem röm. Kg. ain solche antwort [Nr. 158] zu geben beschlossen, wie nachfolget: Nachdem die röm. kgl. Mt., unser allergnst. H., allen chur- und fursten, auch stenden des Hl. Reichs im anfang ainen solichen fürtrag eröffnen lassen, welcher gelaut, das ir kgl. Mt. die ksl. cron in Italia zu erlangen gesinnet were, mit begern, das des Hl. Reichs versamlung seiner Mt. mit ainer anzal folks zu roß und fueß behilflich sein wolt; und sover ir kgl. Mt. dieselben ksl. crone zu erlangen noch gesinnet were, so wolten alle stende des Reichs der gebur nach vast gern darzu behilflich sein. Und bedörfte ir Mt. bey weytem kainer solchen hohen anzal folks zu roß und zu fueß. Wa aber sein kgl. Mt. das Fm. Mayland Šwider an das Reich bringen wolt, so wolten die stende des Reichs sich nachmalen mit irer hilf dermassen halten und erzaigen, darab ir Mt. ain gn. gefallen haben solten. Wann aber ir Mt. den Kg. von Frankreich strafen, uberziehen und vertreyben wolle, so wollen die stend mit ainer zimlichen anzal dem röm. Kg. abermalen behilflich sein.22 Uber solches bedeuchte die stende des Reichs, etwas ratsamer sein, das man der sechzigtausent fl. halb ain freuntlichs ansinnen und begern an die kaufleut und gesellschafter, in den reichsstetten wonende, ton solt, welches mer dann die strengkait bey inen würken wurd. Und ist dise antwurt dem röm. Kg. auf den dornstag nach pfingsten [27.5.] gegeben worden etc.
    [11.] Nachmalen hat der röm. Kg. auf mitwoch vor St. Veytstag [9.6.] 23, die besingnus Philippi, seiner Mt. sone, zu halten, durch H. Wilhalm Marschalk von Bappenhaim allen reichsstenden verkünden lassen. Also auf den aftermontag [8.6.] 24 zu aubent ward der durchleuchtigist Kg. Philippus von Castilia zu den Predigern, ausserhalben der stat Costenz gelegen, mit ainer gesungnen vigilien sein Besingnus gehalten. Aber zu morgen ist jederman von des Reichs versamlung in den tomb bey dem seelampt erschinen. Bey dreyssig altaren seind daselben in der hauptkirchen, die wurden alle mit schwarzen tuechern und mit des verstorbnen Kg. erblender wappen behenkt, desgeleichen auch alle stuel, darinnen der röm. Kg., chur- und fursten, auch die röm. Kgin. mit irem frauenzimmer gestanden seind. Jedoch was des Kg., auch der Kgin. stuel etwas höchers dann die andern. Ain schone capellen was mit schwarzen tuechern bedeckt aufgericht und mit sechshundert kerzen bestecket. So seind dreyssig vom adel in iren schwarzen clagklaidern umb die capel gestanden, welche brinnende fackeln gehalten haben. Der Bf. von Münster hat das seelampt, aber der Bf. von Costenz das hochampt gesungen. So hat Hg. Georg von Sachsen und F. Ruedolph [!] von Anhalt, tombprobst zu Magdenburg, die röm. Kgin. zu dem opfer gefüeret. Und wann man zu dem opfer gangen, so hat Gf. Eytelfriderich von Zollern, erbkamerer, dem röm. Kg. und der Kgin. allwegen drey gold-fl. in die hand zu opfern gegeben. Doch ist die Kgin. in den chor nicht gangen, sonder hat auf den altar, so herauß vor dem chor gestanden, ir opfer gelegt. Und als vierhundert und sechzig selmeß gelesen und zway ampter gesungen worden, da hat die besingnus ir endschaft genommen. Es seind bey diser besingnus uber fünfzehenhundert wächsine kerzen verbrennt, auch bey vierhundert eln schwarz tuech, damit man die altar und capell verdeckt hat, sampt yedem armen menschen ain halben patzen umb Gottes willen auf denselben tag gegeben worden.
    [12.] Volgents hat man in disem reichstag zu Costenz von der hilf, welche das Reich dem röm. Kg. auf den romzug laysten soll, angefangen zu handlen. Vilerlay anschleg wurden auf disen romzug fürgenommen. Der röm. Kg. und seine räte gaben den stenden des Hl. Reichs für, wie das das Hl. Reich mit allen seinen gelidern auff zehenmal hunderttausent streitbarer mann in das veld vermöcht [Nr. 159, Pkt. D], davon sein Mt. nun den zehenden tayl begeret. Dann ir Mt. derzeyt mer geferde, dann andere röm. Kgg. vor ime auf disem romzug zu gewarten hett. Was aber die versamlung des ŠReichs hierinnen für besser und ratsamer ansehen wurde, das wolt sein Mt. von inen vernemen. Die versamlung zohen vil alter hilff, welche den vorigen röm. Kgg. und Kss. von dem Reich gelaistet worden, herfur. Und ward der romzug Ks. Friderichs herfürgenommen, welchem das Reich achttausent Mann und zwaytausent pferd auf vier monat lang zugeschickt und versoldet hett. Welches der röm. Kg. abgeschlagen und angezaigt, das diser zeyt alle sachen in Italia vil ubler und gefarlicher stuenden dann zu der zeyt Ks. Friderichs, seines herrn vaters. Und wiewol sein Mt. das Hl. Reich nicht gern beschweren wolt, so weren doch diser zeyt die leuf mit dem Kg. von Frankreich so gefarlich, das zu besorgen were, das sein Mt. mit ainer solchen geringen anzal /225/ folks die röm. ksl. crone nicht zu erlangen wer. Und kam dise handlung so weyt, das dem röm. Kg. Maximiliano auf disen romzug zwelftausent zu fueß und dreytausent pferd auf vier25 monat lang zu halten zugesagt und beschlossen worden [Nrr. 190, Pkt. 4; 192, Pkt. 1; 194, Pkt. A; 196, Pkt. A].26 
    In disem des Reichs anschlag hat es der stat Augspurg sibenzehen pferd und achtundsechzig fueßknecht antroffen.27 Es hat aber ain erber rat der stat Augspurg auß besonderer liebe zu dem röm Kg. sechsundzwainzig pferd und hundert28 fueßknecht, vast wol gebutzet, auf disen romzug gehalten. Und wa der röm. Kg. von allen stenden das kriegsfolk und kain gelt dafür genommen, so wurde sein Mt. disen zuge mit vil besserm nutz verrichtet haben.
    [13.] Noch ist ain handel auf disen reichstag geschoben worden, welcher dise gestalt gehapt: Nachdem auf dem reichstag zu Cöln Ao. 1505 zwischen Hg. Albrecht und Wolfgang von Bairen an ainem und Pfgf. Friderichen von wegen seiner vormundschaft uber Pfgf. Otheinrich und Philips, seiner ftl. Gn. vettern, am andern tail ain spaltung von wegen der vierundzwainzigtausent fl. eysengilt29, welche Hg. Albrecht baiden jungen Ff. mit vergwisung jährlichen gülten guet machen solt, welches aber bißanher nicht beschehen was. Dann etliche wäld, forst, stat und flecken, wie der anschlag gelaut, zu hoch taxiert worden, also das gemelte Ff. an der obgenannten summa geltz noch bey fünftausent fl. schaden litten, die sie nicht bekommen mochten. Und dieweyl Hg. Albrecht von Münichen laut des spruchs, von dem röm. Kg., auch chur- und fursten zu Cöln auf dem reichstag beschehen, umb ernennten schaden etliche stet, schlösser und flecken, als die stat Wasserburg, außgenommen das rentmaisterampt, auch die stat und das schloß Traunstain, desgeleichen das schloß Wald mitsampt dem Ettinger forst, also auch die schlösser Tröstberg, Mermuß, Marquartstain und das schloß Kling mit seinem ampt versetzet, verschrieben und verpfendet hett30, welche so lang in Pfgf. Friderichs gewalt steen und beleyben solten, biß die vierundzwainzigtausent fl. jährlicher eysengult laut des spruchs zu Cöln von Hg. Albrechten gewiß und Šguet gemacht wurden, so hat doch dise stat, schlösser und Hftt. Hg. Albrecht von Bayren als ain listiger und gelerter F. mit gewalt durch verhilf des Bunds zu Schwaben einnemen und dargegen kain bezalung ton wöllen. Dann sein ftl. Gn. hetten etliche seiner räte und diener an Pfgf. Friderich geschifteta, welche mit iren ontugentsamen, groben worten gemelten Pfgf. Fridrichen dermassen angetaschetb haben, das sich gemelter Pfgf. auch nicht wolt verachten, sonder mit dergeleichen ongestüemen worten gegen Hg. Albrechten sich merken lassen. Darauß Hg. Albrecht erschöpft, das Pfgf. Friderich gemelten friden und außspruch zu Cöln verbrochen haben solt. Und hat hierauf gemelte stet, schlösser und Hftt. on genuegtueung der sachen durch verhilf des Schwäbischen Bunds mit gewalt einnemen wöllen. Welches sich Pfgf. Friderich mit hilf viler Ff., gaistlich und weltlich, vor dem röm. Kg. und der ganzen versamlung des Hl. Reichs offentlichen beklaget hat [Nrr. 389f.], auf mainung, das Hg. Albrecht von Bayren ain neue aufruer und empörung on alle ursach in dem Hl. Reich widerumb anrichten wöll. Als aber der röm. Kg. sampt den Kff. solches fürnemen Hg. Albrechts vernommen, da haben die auß der ursach, das man mit dem Franzosen und romzug auf dißmals vil ze ton hab, solche widerwertigkait nachvolgender gestalt aufgehept: [knappe Zusammenfassung von Nr. 410]. Es hat aber Hg. Albrecht von Bayren solches in die lenge und harr gespylt, und eemalen dise vierundzwainzigtausent fl. gar erfillet worden, ist Hg. Albrecht Ao. 1508 mit tod verschiden. Deshalben Pfgf. Otheinrich und sein brueder Philips hernach vil klag gefüeret haben, und steet die erfillung noch also onvolendet.
    [14.] Nachmalen seind die drey jungen Pfgf. Ludwig31, Friderich und Philips, der Bf. zu Freysingen gewesen, für die röm. kgl. Mt., auch chur- und fursten in der versamlung des Reichs auf ire knie nidergefallen und haben den röm. Kg. gebeten, das ir kgl. Mt. iren herrn und vatern, Pfgf. Philipsen [auß der]32 acht und aberacht gnediglichen kommen und denselben in die gnad, gunst und gesellschaft des Reichs widerumb empfahen wölle; und wann sein Mt. solches ton werde, so soll ir herr und vatter als ain gehorsamer Kf. des Reichs auf disen reichstag ganz gehorsamlich erscheinen. Solche begerung hat der röm. Kg. mit disem anhang angenommen, nemlich das ir Mt. gemelte drey Ff. ires gebets wöll erhöret haben und zu gelegner zeyt gemelten Pfgf. Philipsen, iren herrn und vattern, der acht enlassenc wölle. Dann ir Mt. haben hierinnen dahin gesehen, das das gewonlich vicariatsampt des Hl. Reichs, dieweyl ir Mt. in Italiam ziehen werde, ainem geächten Kf. auß diser ursach nicht zu vertrauen sey: Nemlich, dieweyl ir Mt. zuvor allain auf zwen monat lang in Mayland, Genua und stat Pisa gerayset, das gemelter Pfgf. Philips allain auß alter gewonhait, aber on allen befelch seiner Mt. sich als ain vicari und stathalter des Reichs angemasset, außschreiben Šund verkünden lassen, wie wir dann hievor solches angezaiget haben.33 Diser ursachen halben haben ir Mt. gemeltem Kf. Philippo die erledigung von der acht verzogen und demselbigen als ainem, der neulich auß der acht kommen, das Hl. Reich in seinem abwesen nicht vertrauen wöllen; auf das derselbig, dieweyl ir Mt. in Italia sein werde, sein macht nicht gemeret, auch nicht weyter, dann ime gebüret, greyfe und das Reich in irer Mt. abwesen gerüebig beleyben möcht, auch dieselben eer und würde des vicariats und stathalterampt des Reichs ainem andern Kf., welcher ir Mt. mit bessern treuen gedienet hett, uberantworten und vertrauen wollen, wie dann hernach solches auch beschehen ist. Dann ir Mt. haben dem loblichen Kf. Hg. Friderichen von Sachsen solch stathalterampt mit wainenden augen ubergeben und befolhen, wie wir hernach weyter hievon schreiben wöllen. Es seind auch also dise ding umb St. Margrethen tag [13.7.] beschehen.34

    /225’/ [Laut jeweiliger Bildunterschrift Abbildungen der Wappen der Pfgff. Ludwig, Friedrich und Philipp, Hg. Albrechts von Bayern sowie der Städte Wasserburg, Traunstein, Köln, Augsburg, Pisa35, Genua und Mailand].

    [15.] Nachmalen hat der röm. Kg. Maximilianus zu end des reichstags den niderlendischen Hh. ainen schwarzen samat, mit dem handbogen zu verschiessen, verehret, welchen samat H. Adam von Frontsperg gewonnen hat. Es haben auch Gf. Hans von Hardegk und H. Bernhard Ritschan auß Crain miteinander scharpfgerennt und vor grosser witz baide gefehlet. Deshalben ain grosser spot uber sie bayde gangen ist. Dann der röm. Kg. sampt der Kgin. und ganzem frauenzimmer seind denselbigen tag auf dem Pruel vor dem Hegelins tor gewesen und diser kurzweyl zugesehen. Es hat auch ain rat zu Costenz auf begern des röm. Kg. aller geschlechter von der Catzen36 frauen und junkfrauen bey zehen fl. auf genannten Pruel zu ainem tanz bietten lassen, welche vast zierlich erschinen seind. Wie aber der röm. Kg. sampt der Kgin. und frauenzimmer widerumb in die stat gefaren, do haben die Ff. und Hh. mit den burgerine und junkfrauen anfahen zu tanzen. Und hat der röm. Kg. auf die Catzen (dann also nennet man doselben der geschlechter trinkstuben) funf lang taflen zu ainer malzeit kochen lassen, doselben gemelte Ff. und Hh. mit den ernennten frauen und junkfrauen ain nachtmal und abermalen ainen tanz gehalten, welcher biß auf zwelf ur geweret hat. Und ist alles mit grossen freuden zugangen.
    [16.] Nachmalen hat man ainen lehenstuel zu Costenz an dem Obermarkt aufgericht. Doselben hat der röm. Kg. H. Jacoben von Liebenstain, des adels auß Schwaben, mit dem Ebm. zu Meinz sampt dem Kf.-ampt des Reichs [Nr. 280], also auch H. ŠHeinrichen von Liechtenau mit dem Bm. zu Augspurg [Nr. 285] und H. d - [Georg von Neideck] -d mit dem Bm. zu Trient belehnet [Nr. 288]. Und alsbald dem Bf. zu Meinz sein lehen gelühen worden, ist er als ain Kf. dem röm. Kg. zu der rechten seyten nidergesessen und den andern zwayen Bff. ir lehen helfen leyhen. So hat dem röm. Kg. H. Friderich Pfgf., der son Philipi, mit dem apfel, auch Hg. Friderich von Sachsen mit dem schwert und Gf. Eytel Friderich von Zollern als des Hl. Reichs erbkamerer mit dem zepter in diser belehnung gedienet. So hat auch H. Christof, semperfrey von Lümburg, des Hl. Reichs erbschenk, dem röm. Kg. mit aufsetzung und abnemung der cronen den Kg. von Behem verwesen. Und hat der röm. Kg. ain schwarz samatin paret zwischen diser belehnung aufgetragen. Dann sein Mt. zwen Hh. auß Hispania, N. von Brades37 und N. Manrico38, auch zwen Hh. auß Engeland, namlich den Herrn von Chomerland39 und Herrn Peter von Bedfort40, neben andern zu ritter geschlagen. Domit hat sich diser reichstag zu Costenz umb St. Margretha tag [13.7.] geendet.
    [17.] Und was des Reichs beschluß, das alle stend des Reichs mit irer anzal kriegsfolk zu roß und fueß auff Galli [16.10.] sich zu Costenz versamlen und volgents nach verordnung des röm. Kg. auf Italien verraysen und anziehen solten.
    [18.] Nachdem aber in disem reichstag von dem röm. Kg. den stenden des Hl. Reichs fürgetragen worden41, namlich wie das alle gesellschafter in den kaufmansgewerben und handlungen durch das concilium zu Basel, welches Ao. 1436 gehalten worden, laut der reformation Ks. Sigmunds, seliger gedächtnus, abgeschaft42, auch in etlichen reichstägen als monopolisten zu nichten erkennt worden, und aber gemelter gesellschafter uber solich des conciliums verpot ire gesellschaften durch dise lange jar noch gehalten und kain belehnung weder von dem röm. Kg. noch dem Reich darüber empfangen hetten, deshalben alle gesellschafter, alle ir haab und gueter seiner Mt. und dem Hl. Reich verfallen weren oder das sich alle gesellschafter, im Hl. Reich wonende, mit seiner Mt. umb ain benannte summa geltz vertragen und vergleichen solten. in welches begern des Reichs stende so weyt bewilliget [Nr. 164, Pkt. 1] , das sein Mt. die gemelte gesellschafter im Hl. Reich wol möcht güetlich ersuechen, aber kainen wider recht beschweren solte. Also wurden vil mandaten allenthalben in das Reich außgeschickt, welche gelaut habe, das alle gesellschafter zu Ulm auf as[s]umptionis ŠMariae [15.8.] Ao. 1507 erscheinen solten43, welches auch beschehen. Also seind auf den zuvor ernennten tag vil gesellschafter auß vilen reichßstetten zusamenkommen. Die haben ainen außschuß, namlich die gesanten von Straßburg, Augspurg, Nürmberg und Frankfort, zu dem röm. Kg. zu ziehen verordnet [Nrr. 874f.], welche mit hilf des Schwäbischen Bunds in disem beschwerlichen und ongewonlichen anfordern den Kg. begüetigen solten. Der röm. Kg. aber hat auf dißmals selbs personlich nicht mit inen handlen mögen, sonder hat H. Paulsen von Liechtenstain und den kgl. fiscal [Dr. Hieronymus von Croaria] zu disem handel gen Augspurg geschickt, welche mit gemelten gesellschaften von seiner Mt. wegen handlen solten. Die kgl. Gesandten hielten den Vertretern der Gesellschaften, die sich am 3. Oktober im Augsburger Rathaus eingefunden hatten, die Unrechtmäßigkeit ihres Geschäftsgebarens vor, weshalb sie Leib und Gut gegen den röm. Kg. verwirkt hätten. Für ihren Frevel sollten sie Kg. Maximilian 90 000 fl. bezahlen. Falls sie sich weigerten, sei die Beschlagnahmung ihrer Güter schon vorbereitet.
    /226/ Die Vertreter der Gesellschaften beklagten sich lautstark über dieses unerhörte Vorgehen und bezeichneten die Forderung als Verletzung der Interessen von Kg. und Reich, da sie damit als Leibeigene behandelt würden. Sie wollten mit ihren Vermögen lieber nach Frankreich, in die Schweiz, nach Savoyen, Ungarn oder Venedig ziehen, wo man sie bereitwillig ihren Geschäften nachgehen lassen würde. Der Kg. solle dann sehen, wer ihm im Notfall beistehen werde. Sie fragten sich, warum er nicht auch von seinen Schreibern und seinem Hofgesinde, etwa den Gff. von Zollern und Hardegg, dem Bf. von Gurk, Niklas Ziegler, Zyprian von Serntein, Jakob von Landau und Jakob Villinger, denen der Kg. auch viele Güter verpfändet habe, eine solch hohe Summe Geldes fordere.
    Nachdem die kgl. Gesandten diese Antwort vernommen hatten, lud der kgl. Fiskal alle Gesellschaften in Namen des Kg. vor das gemäß RT-Beschluß in Regensburg eröffnete Reichskammergericht [Nr. 884]. Die Kaufleute einigten sich daraufhin mit Paul von Liechtenstein auf eine freiwillige Zahlung – vermutlich etwa 20 000 fl. – für den Romzug. Der Kg. legalisierte im Gegenzug die Handelsgesellschaften und ihre Geschäfte im Reich.

    [Laut den Bildunterschriften Abbildungen der Wappen Adams von Frundsberg, Gf. Hans’ von Hardegg, Bernhard Ritschans, des Mainzer Ebf. Jakob von Liebenstein, des Augsburger Bf. Heinrich von Lichtenau, des Trienter Bf. Bernhard von Cles44 [!], Kf. Friedrichs von Sachsen, Gf. Eitelfriedrichs von Zollern, Christophs Schenck von Limpurg, des H. von Brades, H. Manriques, des H. von Comerland, des Peter von Bedford, Pauls von Liechtenstein, Jakob Fuggers sowie der Städte Augsburg, Frankfurt und Nürnberg].

    [19.] /226/ In disem reichstag zu Costenz hat sich noch ain kaufschlag und handlung zwischen dem röm. Kg. und dem Fuggerischen namen zugetragen und begeben, welcher ain solche gestalt gehapt: Nachdem der röm. Kg. zu disem romzug und anderm fürnemen, das ir kgl. Mt. auf disem romzug verrichten wolt, ainer merklichen summa gelts notturftig und Philippus Kg. in Hispania, seiner Mt. sone, neulich gestorben was, durch welichen tod alle seiner Mt. verhoffte hilf abgeschnitten worden, do ist ir Mt. Šnach wegen zu trachten getrungen worden, wie sie mit dem wenigisten uncosten den merern schaden fürkommen und verhüeten möcht. Und dieweil ir kgl. Mt. in dem jungstgehaltnen bayrischen kriege die Gft. Kirchberg sampt baiden Hftt. Wullenstötten und Pfaffenhofen, deßgleichen die statt Weissenhorn samt den Hftt. Marsteten und Buech, welche Hg. Georg von Bayren kaufsweyß an sich gepracht45, für ir Mt. aigentomb eingenommen und biß auf diese zeyt für sich selbs besetzt und inhendig gehapt, da haben ir Mt. dahin gesehen, wo die ainen haabhaften und vermüglichen mann gehaben, welcher auf dißmals ir Mt. zu dem romzug mit ainer hohen anzal gelts verhilflich sein und solche summa fürstrecken möcht, dieweyl dann under den Ff. und vom adel auß der ursach, das sich meniglichen zu disem eerlichen zuge gerüstet, wenig parschaft von gelt verhanden, do ist der /226’/ kgl. Mt. zu gedachtnus kommen, wie das H. Ulrich Fugger, ksl. rat, irer Mt. herren vatern, Ks. Friderichen, hochloblicher gedächtnus, vil dienst und treu bewisen, auch yetzunder desselben brueder, H. Jacob Fugger, seiner Mt. rat, als der reichest und vermöglichest handelsman in dem ganzen Reich, der irer Mt. hievor zu dem oftermalen in vil erlittnen nöten mit allen treuen zu hilf kommen und gedienet, vorhanden were, welcher, umb sein bewißne dienst wol zu belohnen, auch irer Mt. in disem fahl vast wol und bequemlich zu hilf kommen möcht. Und hat hierauf bey sich selbs dahin beschlossen, das ir Mt. ainen geschwornen chammerpoten von Costenz auß nach Augspurg, ernennten Fugger zu irer Mt. gen Costenz zu beruefen, abgefertigt, welcher auch auf ir Mt. schreiben zu Costenz gehorsamlich erschinen, alda er von ir Mt. allergnst. empfangen und freuntlich gehalten worden. Und auf neunten July haben ir Mt. mit ime in gegenwertigkait etlicher weniger räte angefangen zu handlen und demselben erstlichen erzelet, wie und in was gestalt der Fuggerisch nam seiner Mt. herrn vatern, Ks. Friderichen, hochloblicher gedächtnus, vil hilf und treu bewisen. So wisse sich ir Mt. auch selbs wol zu erinnern, das dieselb wie auch irer Mt. sone, Kg. Philips von Hispania etc., loblicher gedächtnus, alle treu bey ime befunden, auch seiner Mt. zu dem oftermalen in nöten zu hilfe kommen und allen guten willen von ime gespüret und empfangen hab. Deshalben sie solche guttat in kain vergessenheit gestellet, sonder gedenke, den Fuggerischen namen mit allen gnaden darumbe zu begaben. Und wiewol er, H. Jacob Fugger, mit leybserben zu diser zeit von Got nit begabet, aber dieselbigen auß gnaden des Allmechtigen noch wol bekommen möge und aber sonst vil erben des Fuggerischen namen, auß seinen bruedern eelichen erboren, noch verhanden, so wölle ir Mt. zu ainer gn. dankparkait der zuvor vilfältigen bewißne treue dienste (der hoffnung, das er sampt seinen nachkommen hinfüro darinnen verharren werde) ine mit den zwayen Gftt. und Hftt. Kirchberg und Weyssenhoren sampt allen dero zugehörigen gerechtigkaiten umb ain summa gelts (doch auf ain widerlösung) vor andern verehren und ime zu kaufen geben und einhendig machen. Dann ir Mt. erkenne den Fuggerischen namen auß den langwirigen getreuen diensten, den Hh. von Osterreich bewisen, deß adenlichen, getreuen gemüets, auch solcher eern wert sein, das die solche graf- und herrschaften Šbesitzen, auch regieren und den titel darvon füeren sollen. Welche woltat ernennter H. Jacob Fugger von dem röm. Kg. in aller undertenigkait angenommen und baide Gftt. und Hftt. Kirchberg und Weyssenhorn sampt allen zugehörigen Hftt. und flecken, recht und gerechtigkaiten umb ain treffenliche hohe summa gelts46 von dem röm. Kg. erkauft, auch also par bezalet hat. Es ist auch solicher kauf mit brieflichen urkunden ganz stattlich bekreftiget und fürsehen worden. Und steet diser brief datum zu Costenz auf den 17. July Ao. 150747. Mit diser maß seind baide ernennte graf- und herrschaften an den Fuggerischen namen kommen und gewachsen, welche auch biß auf dise zeit von inen ingehalten und geregieret worden seind. Es hat auch ernennter H. Jacob Fugger gemelte schlösser und burgstal von neuem auf das allerzierlichest erpauen lassen, wie wir dann dieselbigen den werden leser conterfeckisch wöllen sehen lassen. /227/ [Abbildungen von Schloß und Markt Kirchberg a. d. Iller sowie von Schloß und Stadt Weißenhorn a. d. Rot].
    [20.] /227’/ Nun wollen wir uns zu unser historien von dem röm. Kg. Maximiliano widerumb wenden: Wie nun dem röm. Kg. die hilf zu dem romzug, als zuvor gehört, erkennet worden, hat ir Mt. die potschaft der Venediger [Vincenzo Querini] in des Reichs rat beruefen und inen fürhalten lassen: Dieweyl ir Mt. des gemüets und vorhabens sey, die ksl. cron zu Rom zu erlangen, so begere sie von inen ain wissen zu haben, ob die herrschaft der Venediger seiner kgl. Mt. zu disem romzug auß und ein behilflich sein und die nicht verhindern wollen.
    Die gesanten der Venediger gaben dem röm. Kg. zu antwort, wie das sie zu dieser frag zu antworten kainen befelch hatten. Sie wölten aber solches begern an den senat zu Venedig gelangen lassen und, was inen zu antwort gefiel, seiner Mt. unverzogenlichen widerumb zu wissen ton.
    Hierauf der röm. Kg. inen widerumb zu antwort geben lassen, wie das sie vernommen, das die herrschaft, ire herrn, mit dem Kg. von Frankreich, welcher nunmer onrechtlicher weyß das Fm. Mayland in posseß gepracht, neben dem Mgf. von Mantua und vilen andern stetten in Italien wider sein Mt. ain bündnus aufgericht haben solten, der mainung, das die sein Mt. an dem fürgenomnen romzug verhindern wolten. Und dieweil solche practica wider des Reichs recht, auch wider den alten vertrage, welchen die Hh. von Österreich vor vil jarn mit den Venedigern aufgericht, so sollen sie von des Reichs versamlung abtreten und zu der stund widerumb nach dem venedischen gebiet verreyten, auch ain nacht nicht sein, da sie die vorig gelegen weren.
    Die gesanten sagten, wie das des Hg. und senats zue Venedig ordnung dise gestalt hete, das ire gesanten oder oratores nicht ee haimkommen dorften, sie weren dann zuvor abgefordert worden. Und wo sie wider solches gesatz handlen wurden, so hetten sie ir leben verwürket. Und baten also ir Mt., das die etwas milterung hierinnen fürnemen und sie an irem leben nichts entgelten lassen wolt. Aber es wart inen nicht mer zugelassen, denn das sie von Costenz abschaiden und nachmalen von ainer stat zu der andern zugen, biß sie zuletst anhaims beruefen worden.
    Š[21.] In diser session ist der röm. Kg. in mitte deß Reichs versamlung getreten und hat Hg. Friderich, Kf. zu Sachsen, zu sich beruefen und sein ftl. Gn. als ain eerlichen und getreuen Kf. des Reichs vor der versamblung deß ganzen Reichs gerömet und geprisen, auch denselben, alledieweil sein Mt. in Italien sein werde, zu ainem vicarii und stathalter allen stenden des Reichs in teutschen landen fürgestellet und benennet, mit vermanung, das der sampt etlichen raten des Reichs, welche auß den Kff. und andern stenden erwöhlet worden, sich zu Nürmberg, Augspurg oder an ainer andern gelegnen malstatt dieweyl ir hofgeleger halten solten, damit, wo dem Hl. Reich hiezwischen etwas fürfallen wurd, das die dasselbig anstatt seiner Mt. in alle weg verrichten möchten. Und hat also mit ainer mannlichen vermanung gemeltem Kf. von Sachsen seiner Mt. gemahel, künder und eniklin, auch das Hl. Röm. Reich sampt allen seiner Mt. erbländer mit allen treuen zu beschützen mit wainenden augen auf das hochst befolhen, mit dem vermelden, wann sein kgl. Mt. auf disem romzug mit tod verscheyden wurd, das sein kfl. Gn. röm. Kg. sein solt. Welches der Kf. sampt allen stenden zu volziehen angenommen haben. Allain waren zwen notarien von dem alten Pfgf. vorhanden48, welche von wegen der regalien, mit welchen ain yeder Pfgf. belehnet wirdet, in der herberg vor den kgl. räten protestieret haben, der hoffnung, das dise des röm. Kg. handlung dem Kfm. der Pfalz hinfüro onschädlich sein solt.
    /227’/ Die Reichstruppen sammelten sich um Galli [16.10.] bei Konstanz, Lindau, Bregenz und an der Etsch. [Beschreibung der prunkvollen Ausrüstung der kgl. Truppenführer und der Schweizer]. Mgf. Friedrich führte gemeinsam mit seinen beiden Söhnen [Kasimir und Johann] neben ihren fränkischen Rittern 5000 Tiroler persönlich bis Trient. Hg. Erich von Braunschweig, der ein Einkommen aus der Gft. Görz bezog, führte einen eigenen Haufen nach Pettau, Villach und Friaul. Hg. Ulrich von Württemberg verlegte seine Truppen in seine Stadt Mömpelgard und ließ in der Umgebung lagern; er kam als letzter in die Alpenregion. Denn er sollte gemäß kgl. Weisung auf die Franzosen Acht geben und gemeinsam mit den Eidgenossen ziehen. Die Stadt Augsburg schickte am 1. Oktober unter dem Befehl Wilhelms von Pappenheim 26 Reiter, 10 Saumrosse und 100 Fußknechte nach Trient.49 Pappenheim verstarb auf diesem Zug im Valsugana (Falcion).
    /228/ [Laut den Bildunterschriften Abbildungen der Wappen Kg. Maximilians, Kf. Friedrichs von Sachsen, der Städte Lindau, Konstanz und Bregenz, Georgs von Emershofen, Ecks von Reischach, Kaspars von Winzer, Georg Ilsungs, der Mgff. Friedrich, Kasimir und Georg von Brandenburg-Ansbach, der Stadt Trient, Hg. Erichs von Braunschweig-Calenberg, der Gft. Görz, Hg. Ulrichs von Württemberg, der Stadt Mömpelgard, Wilhelm Marschalls von Pappenheim sowie der Städte Villach und Pettau50].
    /228/ Während der Vorbereitungen des Reiches auf den Romzug entschloß sich die Signorie von Venedig zu einer Antwort an Kg. Maximilian, wonach ihm der Durchzug gestattet werde, wenn er wie sein Vater Ks. Friedrich den Zug mit nur einem kleinen Kontingent unternehmen werde. Venedig werde ihm dann alle Ehre erweisen und die Š kgl. Truppen auf eigene Kosten verproviantieren. Falls der Kg. jedoch mit einem starken Kontingent kommen wolle, müsse er sich zuvor verpflichten, Venedig keinen Schaden zuzufügen, und den Besitzstand der Republik garantieren. Dann seien sie bereit, das kgl. Heer in Einheiten von je 3000 Mann passieren zu lassen.
    Kg. Maximilian erhielt diese Antwort am 24. November während seines Aufenthaltes in Augsburg in Anwesenheit vieler Ff. und Gesandten. Er insistierte jedoch auf einem Romzug ohne jegliche Bedingungen, woraufhin die venezianischen Gesandten wieder abreisten.
    Venedig hatte sich allerdings bereits heimlich mit Frankreich, Mantua und anderen italienischen Staaten verbündet, um einen gewaltsamen Durchzug des röm. Kg. zu verhindern. Damit brach der frz. Kg. abermals den in Hagenau geleisteten Eid. Der röm. Kg. aber plante die Rückeroberung des Hm. Mailand samt den von Venedig besetzten Gebieten für die deutsche Nation.
    [22.] /228/ Darauf sein Mt. mit den Aidgenossen zu Costenz auf dem reichstag haimliche handlung gepflegen, das sie seiner Mt. zwelftausent Schweyzer an seinen sold zuziehen solten lassen. Dargegen wolt inen ir Mt. achtzehentausent fl. järlichen zu pension geben, doch das sie sich wider meniglichen wolten geprauchen lassen. Welches die Aidgenossen abgeschlagen. Und kamen in diser haimlichen handlung so weyt, das sie dem röm. Kg. bewilligten, wann der Kg. zu Frankreich sein kgl. Mt. an disem romzug verhindern wurd, das sie denselbigen als ain feind angreifen wolten. Wann aber der röm. Kg. den Kg. zu Frankreich zuvor angreyfen wurd, so wolten sie von dem röm. Kg. auß dem veld ziehen und ir eer hiemit bewaret haben. Deshalben Kg. Maximilianus nicht allain solche handlung nicht annemen, sonder auch die andern sechstausent Schweyzer, wie zu Costenz mit inen beschlossen anzuziehen, nicht beruefen wöllen. Und hat solichs seiner Mt. fürnemen deshalben müessen fallen lassen. Doch haben sich ir Mt. nichts desterweniger auf disen romzug nach dem anschlag zu Costenz gerüstet.
    /228–228’/ [Feierlichkeiten in Augsburg während des Aufenthaltes Kg. Maximilians]. An den Weihnachtsfeiertagen traf der päpstliche Kardinallegat Bernardino de Carvajal in Augsburg ein, der den röm. Kg. nach Rom geleiten sollte. Der Kg. reiste bald darauf aus Augsburg ab. Auf einem Landtag in Bozen wurden ihm für den Romzug 5000 Mann bewilligt.51 Über die Vorbereitungen im Reich für den Romzug informiert, sandte die Signorie von Venedig ein Schreiben an den Augsburger Rat: [Wiedergabe des Schreibens vom 12.2.1508]. /229/ Der röm. Kg. brach am 15. Januar von Innsbruck zu den im Raum Trient lagernden Reichskontingenten auf und zog feierlich in Trient ein. Am nächsten Morgen eröffnete Kg. Maximilian den anwesenden Ff., Gff. und Hh., daß er als röm. Ks. den Romzug unternehmen werde, und rief sie auf, daran teilzunehmen. Dies versicherten die Ff. von Brandenburg, Mecklenburg, Braunschweig, Liegnitz [= Hg. Georg von Brieg], Württemberg, Anhalt, [der Gf. von] Sonnenberg sowie die Bff. von Trient und Gurk nach kurzer Beratung. Der Kg. sagte ihnen Dank und ritt anschließend in den Dom, um die Gebeine des Simon von Trient zu besichtigen und zu beten. Am nächsten Morgen berief der Kg. die Ff. erneut zu sich, hielt mit ihnen Gericht und erklärte Venedig aufgrund einer ŠKlage der aus ihren Städten Verona (Bern) und Vicenza vertriebenen Hh. von der Leiter in die Reichsacht.
    Der Kardinallegat eröffnete dem röm. Kg. in Anbetracht des drohenden Blutvergießens wegen des Widerstandes der Venezianer gegen den Romzug, daß das Konsistorium ihn bevollmächtigt habe, ihm in einem solchen Fall den Titel eines erwählten röm. Ks. zu verleihen. Dies wolle er tun.
    Der Kg. verschob die Annahme des Titels bis zum 10. Februar. An diesem Tag zog er mit Ff., Gff. und Hh. in den Dom, wo der Bf. von Trient das Hochamt sang. Anschließend verlieh der Legat dem röm. Kg. in der üblichen Zeremonie den Titel eines erwählten röm. Ks. Die anwesenden Adligen beglückwünschten ihn. Der Herold Romreich verkündete die Annahme des Kaisertitels in der Stadt.