Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Unterredung der Vertreter des Schwäbischen Bundes mit dem Ks:, dessen Verlangen nach Verbleib Hg. Wilhelms von Bayern im Schwäbischen Bund; seine Bereitschaft zur Aufhebung des württembergischen Weinzolls und Bestrafung des Raubunwesens; Ansetzung einer neuen Bundesversammlung und einer Zusammenkunft der Bundesstädte; [2.] Empfehlung für einen höheren Bundesbeitrag Augsburgs; [3.] Bitte, ihn nicht mit der Teilnahme an der Versammlung der Bundesstädte zu beauftragen.

Augsburg, StadtA, Literaliensammlung 1513 April 1, Orig. Pap. m. S.

[1.] Ich fueg eur weishait zu wissen, daß unser stetthaubtman [Dr. Matthäus Neithart] an heut, datum [1.4.13],zu der sechsten stund zu nacht mir und Casparn Nützel ain brief [liegt nicht vor], von baiden haubtleuten ausgangen, hat lassen horen, under anderm inhaltend, das an die ksl. Mt., unsern allergnst. H., durch mein H. H. Paulsen von Liechtenstain mitsambt den zwaien haubtleuten und andern pundsverwanten, so dan zu Augspurg gewest, die mangel und geprechen angezaigt seien. Darauf dan von irer Mt. antwurt gefallen, das ir Mt. woll, daß mein gn. H. Hg. Wilhalm [von Bayern] in dem pund sey und beleib, wie er zugesagt und versigelt hab. Und des zols halb, den mein H. [Hg. Ulrich] von Wirtenberg erlangt1, das sey irer Mt. dermaß nit furgehalten. Demnach well ir Mt. solichen zoll wider abstellen. Der rauberey halb, do well ir Mt. haben, das desselbig, wie angesehen sey, gestraft wird. Und auf solichs sey ain pundstag furgenomen und ausgeschriben [Nr.392], nemlich von ietzt negsten suntag uber vierzehen tag [17.4.13] zu Augspurg zu sein, mit anzaigung, daß ir Mt. vergonnen woll, daß der haubtman, ich und Nutzel auf solichem tag auch erscheinen sollen, doch daß ander drey von Augspurg, Nürmberg und Ulm auf den reichstag gen Worms von gemainer pundsstett wegen verordnet und geschickt werden. Und wiewol ich waiß, daß eur ersam weishait obgemelter handlung mer, dann ich in dieser kurzen geschrift anzaigen mag, wissen hat, hab ich dannocht // eur weishait solichs nit wellen verhalten, mit verrerm anzaig, daß unser haubtman mir und dem Nützel gesagt und zu verstan geben hat, daß er gemainen stetten ainen pundstag ausschreiben und zusamen berufen well, daß die auf ietzt negsten mitwoch uber acht tag [13.4.13] zu Ulm sein sollen, doselbst sich mitainander zu verainen oder einzulegen und anders, wes den stetten not ist, zu handeln.2

[2.] Auf solich des haubtmans anzaig hab ich im gesagt, er wiß, das auf negstgehaltem tag zu Ulm darvon geredt und beschlossen sey, daß kain einlegen bescheen soll, man wiß dan entlich, daß Hg. Wilhalm im pund beleiben und sein well. Dieweil dan aus anzaig der zwaier haubtleut solichs nit aigentlich moeg verstanden werden, so sey eur weishait schwer und nit wol leidlich, ainicherlay einlegung zu tun. Darauf er mir wider geantwurt, es stand ain artikel in dem negsten pundsabschaid, so ain gemainer pundstag ausgeschriben [wird], sollen zuvor die stett zusamengefordert werden. Demnach mag eur weishait darauf gedacht sein, was zu Ulm zu handeln not sey, dann eur weishait durch Conraten Herwart wol bericht ist, daß sy gemainlich all mer auf dem einlegen ligen dan auf andern sachen. Und sover eur weishait nit mer wen vor tun will, werden sy auf dem einlegen verharen. // Deshalb gedeucht mich geraten sein, das eur weishait etwas mer tet und das desselbig auf ain drey jar gestelt würd, und nach ausgang derselben tet man aber [mals], was gut were, das eur weishait baß dann ich zu bedenken waiß.

[3.] Dieweil ich dann besorg, eur ersam weishait werden mir schreiben und verschaffen, damit ich den tag zu Ulm an meinem hinaufreiten besuchen soll, will ich eur weishait mit allem vleiß fruntlich bitten, mich desselben tags zu erlassen, dan ich zwischen dem tag, der zu Augspurg sein sol, unterwegen zu schaffen hab, daran mir auch merklich gelegen ist, in zuversicht, eur weishait wird mir solichs meiner notturft nach nit abschlagen. Womit ich eur ersamen weishait fruntlich dinst getun kann, bin ich alzeit willig. Datum Worms an freitag zu nacht in der zehenden stund nach den hl. osterfeirtagen Ao. etc. im XIII.

Anmerkungen

1
 Ksl. Weinzollprivileg für Hg. Ulrich von Württemberg, Trier, 16. März 1512. Seyboth, Reichstagsakten 11, Nr.1508.
2
 Bald nach diesem Schreiben übernahm Ulrich Artzt das Amt des Hauptmanns der Städte im Schwäbischen Bund, nachdem der bisherige Amtsinhaber Dr. Matthäus Neithart die Bürgermeisterwürde in Ulm wegen Differenzen mit den dortigen Zünften aufgegeben hatte und nach Memmingen geflüchtet war. Vgl. Blendinger, Ulrich Artzt, S. 110.