Verhandlungen der protestantischen Stände bei Kurpfalz
Textvorlage: , fol. 89–103.
Plenum der protestantischen Stände mit Teilnahme des Hauses Sachsen, Pfalz-Neuburgs und Württembergs. Deren Ablehnung gemeinsamer Beratungen von Religionsfragen mit Ständen, die von der CA 1530 abweichen. Beanspruchung des Direktoriums durch Kursachsen bei der Beratung von Religionsbelangen; Ablehnung durch Kurpfalz. Vertagung der Gravamina.
/89/ Verhandlungen der protestantischen Stände bei Kurpfalz, versammelt aufgrund der Einberufung durch Kurpfalza(Gesandte1: Kurpfalz, Kursachsen, Kurbrandenburg, Erzstift Magdeburg, Hst. Straßburg, Hst. Halberstadt2, Stift Walkenried, Pfalz-Neuburg, ‑Zweibrücken, ‑Veldenz, Sachsen-Weimar, ‑Coburg [Johann Casimir], ‑Coburg [Johann Ernst], Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-Grubenhagen, ‑Wolfenbüttel, ‑Lüneburg, Württemberg, Hessen-Kassel, ‑Marburg, ‑Darmstadt, Baden-Durlach [Ernst Friedrich], Baden-Durlach [Georg Friedrich], Anhalt, Henneberg, Wetterauer Gff., Gff. [Gottfried] von Oettingen und [Georg Friedrich] von Hohenlohe, Reuß von Plauen, Gft. Honstein, Reichsstädte).
Kurpfalzbproponiert: c–Nachdem die consultation der gravaminum biß nach gehörter proposition auß ettlich bewegenden ursachen eingestellt worden, unnd es aber ann dem, das die bemellte proposition allberaitt publicirt worden–c, so wölle nunmehr zu bedenckhen stehn, d–ob unnd was für gravamina, auch welcher gestallt dieselben der ksl. Mt. fürgetragen unnd dero abschaffung erlangt werden möchten–d.
1. Umfrage3. Kursachsen (A. Bock)e: Dass Kuradministrator Friedrich Wilhelm bißher der consultation neben andern stenden nicht beiwohnen lassen, dessen haben seine f. Gn. hoch vernünfftige /89’/ unnd erhebliche ursachen gehabt, unnd habe dabei stylum Imperii unnd das allt herkommen inn gebürende acht nehmen müessen. Welche dilation zwar nicht dahin vonn iren f. Gn. gemeint worden, allß wann dieselb vonn der gemeinen deliberation sich gar abziehen oder ann dero vleiß, was zu uffnehmung der evangelischen stennde geraichet, ettwas wollten erwinden lassen, sonndern ire f. Gn. weren genaigt, alles das jenig thuen unnd rathen zu helfen, dardurch die ehre Gottes befürdert unnd unnser waare religion mag erhallten werden. Darumb hetten sich ire f. Gn. des gesterigen ansagens erinnert unnd darauff ihne unnd seine mittabgeordente für dißmal hiehero abgefertiget, doch mitt dem außgetrukhten befelch, ihnen, den anwesenden räthen, anzuzaigen, das ire f. Gn. auß ablesung der gravaminum4 befunden, das dieselben auch religions sachen /90/ betreffen. Wann nun dem allso, so würden die herrn churfürstliche pfältzische bei sich selbst ermessen, das ihnen nach gelegenheitt unnd herkommen diser sachen das directorium vonn irem gnedisten herrn nicht köndte gestattet werden. Unnd erklereten sie sich auß habendem befelch dahin, wann solche puncten, die religion betreffend, ad tractationem wöllen gezogen werden, f–wüssten sie sich mitt den anwesenden stennden allso promiscue inn ein gesampte berathschlagung nicht einzulassen–f. Dann ir gnedigster herr, wie bewust, seie nicht weniger allß dero geliebte vorfaren des chur- unnd fürstlichen hauses Sachsen der rainen, waaren, ungeenderten augspurgischen confession, wie dieselbe anno 30 vonn chur- unnd fürsten der damals regierenden ksl. Mt. Carolo V. ubergeben5 unnd bißher inn den sächsischen kirchen unnd schulen gehallten worden, ye unnd /90’/ allwegen syncere zugethon gewesen unnd noch, gedechten auch, durch die gnad Gottes bestendig darbei zuverharren. Darumb wollten sie sich außtrukhlich protestando bedingt unnd declarirt haben, das sie inn solchen religions sachen promiscue sich inn gesampte deliberation6 nicht einlassen wollten7. Sovil aber die politica gravamina belang, da wollte sein gnedigster herr gern allen müglichen vleiß mitt anwenden unnd befürdern helfen, das dieselben ire erwünschte erledigung erreichen unnd erlangen mögen.
Kurbrandenburgg: Repetirten weittleufftig das gemain obligen der evangelischen stennde, mitt erzehlung, wie hoch unnd vil daran gelegen unnd wie hoch es vonnöten, das mann wider das papsthumb vertreulich zusamen hallte; inmassen die acta bezeugen, das es vor disem auch mitt rechtem /91/ löblichen eyfer auch seie geschehen. Unnd seie nur allzu viel notori, das die obligende beschwerden unnd gravamina vorhin schon offt angebracht, aber die erledigung derselben habe bißher nicht könden erraicht werden. Ihres theils hetten sie befelch, neben anndern stennden nochmal uff die abschaffung diser beschwerden zutringenh.Wollen dem nachkommen, andere Stände anhören und sich mit diesen allso conformirn, wie es der sachen notturfft erfordert.Zunächst sollen die bereits konzipierten Gravamina verlesen und sodann beraten werden, auf welche Weise sie dem Ks. vorzubringen sind.
Magdeburg (Meckbach): Votiert in effectuwie Kurbrandenburg, /91’/ aber darneben gantz weittleufftig unnd fast cum taedio et ad nauseam usque außgefuert, was für incommoda, für gefar unnd ungelegenheitten daher entspringen werden, wann sich die evangelische stennde under sich selbst trennen sollten: Den papisten werde das schwert inn die hannd gegeben, unnd seye nichts gewissers, dann das der lauff des evangelii durch solchen zwitracht gehindert unnd zuletzt gar unndergetruckht müesse werden.Deshalb muss man die grosse noth, darinnen wir zum theil steckhen, zum theil vor der thür seind, erwegen unnd dahin sehen, wie wir gegen dem papst unnd seinem anhang gesichert sein mögen.Zum kursächsischen Einwand, die Religionsbelange seien hieher nicht gehörig: Sei nicht de articulis fidei yetzmaln /92/ die frag. Mann disputire nicht, wie mann selig leben unnd sterben möge, sonnder wie den beschwerlichen gravaminibus möcht einsmals im grund abgeholfen werdeni. Allso werde auch das directorium vergebenlich gestritten: Meniglich seie bewusst, wie es darmitt herkommen, unnd bezeugen die protocolla, das die Chur Pfaltz dasselbig inn disen unnd dergleichen sachen hergebracht8.Die Gravamina an sich sind so beschwerlich, das, wo denselben nicht abgeholfen, leicht ettwas annders darauß entstehn könd. j–Dann das wisse er vonn dem nidersächsischen craiß für gewiß zu sagen, werden ihm auch ohne zweifel ir vil, die yetzo auß demselben craiß vorhannden, /92’/ dessen zeugnus zugeben wissen, allß vor einem jar ein ansehenliche contribution wider den türcken verwilliget worden, das darbei auch die ksl. Mt. in eadem forma, wie yetzt geschehen soll, ersuecht unnd gebetten worden, den gravaminibus abzuhelfen9. Sonst werden die stennde desselben craises zu gleichmessiger contribution schwerlich mehr zubewegen sein–j.Demnach nunmehr Verlesung der Gravamina und Beratung zum Übergabemodus an den Ks.
Straßburg (Berchtold): Ist beauftragt, uff abschaffung der gravaminum zudringen. Vergleiche sich sonsten allerdings mitt dem vorgehenden magdeburgischen voto.
/92’ f./ Halberstadt: Wie Straßburg.
/93/ Walkenried (Delius): k–Soll billich das gemeine heil inn acht genommen–kunnd dahin gesehen werden, das des papsts fürhaben so vil möglich gesteuret werde. Dan es haisse „salus populi suprema lex esto“.Deshalb wie Magdeburg. Wird sich nach der Verlesung der Gravamina weiter erklären.
Pfalz-Neuburg: Der Pfgf. hätte sich zum gestrigen Vorbringen einer Abordnung der evangelischen Stände10gern eher erklärt, wo nicht der sachen wichtigkheitt erfordert, derselben ettwas mehrer /93’/ nachzudenckhen. Es thetten sich aber ire f. Gn. nochmaln dahin erkleren11, was sie zu befurderung der ehre Gottes, zu außbraittung seines heiligen worts, auch zu erhaltung des hailsamen religion fridens unnd annderer Reichs constitutionen wie nicht weniger auch zu abwendung der angegebenen gravaminum, sovil derselben dem religion friden zuwider, immer werden thuen unnd laisten könden, das sie ann irem müglichen vleiß nichts wöllen erwinden lassen. Inmassen sie sich nicht allain vermög göttlichen befelchs darzue schuldig erkennen, sonndern erinnern sich darneben auch billich, das dero geliebte vorelltern, hochlöblicher unnd christseliger gedechtnus, nicht wenig bei dem gemeinen religion wesen gethon, auch darbei solchen christlichen eyfer unnd ernst gebraucht, das iren f. Gn. anderst nicht gebürn wöll, dann derselben löblichem exempel unnd fuesstapfen nachzufolgen. Wann sich aber ire f. Gn. darbei auch erinnern, das die jenige, so diser consultation /94/ beiwohnen sollen, nicht allerdings mitt irer f. Gn. in religione unnd den fürnembsten articulis fidei einig, sonnder vil deroselben anndere opiniones fovirn, so mitt der rainen, ungeenderten augspurgischen confession, wie dieselb anno 30 zu Augspurg vonn ettlichen chur- unnd fürsten ubergeben worden, nicht einig, so seie irer f. Gn. nicht allain bedenckhlich, mitt denselben in negotio religionis zu communicrn, sonnder es legen derselben auch dise wolmeindende gedanckhen an, das es bei der ksl. Mt., unserm allergnedigsten herrn, unnd den stennden päpstlicher religion ein seltzam, verweißlich ansehen haben werd, wann die jenige inn religions sachen für einen mann stehn sollten, dern dessension[!] quoad religionem bekandt ist12. Pfgf. bittet dafür um Verständnis, indem er damitt annders nichts, dann dero gewissen inn /94’/ solchen allerwichtigsten sachen, die unnser unnd viler tausent seelen wolfarth betreffen, zuverwaren begehren unnd der lieben nachkommenden posteritet zur ergernus nicht ursach geben wöllen. Doch begehrten ire f. Gn. hierdurch anndern stennden weder maaß noch ordnung fürzuschreiben, sonnder erklereten sich schliesslich dahin, wann inn anndern politischen unnd welltlichen sachen irer f. Gn. guettachten erfordert werde, das sie kein bedenckhen tragen, dasselbig ann ennden unnd orten, do es begehrt würdet, zueröffnen unnd das jenig befürdern zuhelfen, was zu auffnehmung unnd wolfarth des gemeinen vatterlannds der teuttschen nation ersprießlich unnd dienlich sein mag.
Pfalz-Zweibrücken: /95/ Sind beauftragt, an den Beratungen der evangelischen Stände zu den Gravamina teilzunehmen. Bestätigen, das die gravamina, derentwegen dise consultation angestellt, die religion oder die articulos fidei gar nicht betreffen; wie es dann auch nicht neue, sonnder eben die jenige beschwerden seien, so anno 82 zu Augspurg unnd hernach anno 90 durch ein gesampte intercession der ksl. Mt. fürgetragen worden13. Könden derwegen nicht gedenckhen, warumb sich yetzt ein oder der annder stannd vonn der gemeinen berathschlagung sollte absonndern./95 f./ Bezüglich der beiden von Kurpfalz proponierten Punkte /95’/ lassen sie es bei dem begriffenen concept bewenden, dieweil darinn die substantialia genuegsamlich außgefuert.Wenige Einwände sowie das Votum zur Übergabe an den Ks. werden sie vorbringen, sobald die Vorstimmenden sich dazu äußern.
Pfalz-[Veldenz] (Georg Gustav, vertreten durch Dr. Eigelsbach): Wie die Mehrheit. Habe sich vor disem vernehmen /96/ lassen, das er befelicht, die jenige gravamina klagen zu helfen, so den stennden augspurgischer confession, wie dieselb anno 30 vonn chur- unnd fürsten ubergeben worden, begegnen.
Sachsen-Weimar: Wie vor ihnen die chursächsische votirt.
Sachsen-Coburg [Johann Casimir]: l–Haben befelch, das jenig, was yetzo fürkommet, zu referirn unnd mitt Weinmar das jenig einwenden zu helfen, was zu abhelfung der beschwerden geraichen mag. Demselben, wann die gravamina abgelesen, wollten sie nachkommen, sonnderlich sovil das justiti wesen betreffet–l.
Sachsen-[Coburg] (Johann Ernst): Die gravamina seien ihme unwissend./96 f./ Will sich nach deren Verlesung weiter erklären.
/96’/Brandenburg-Ansbach: Haben befelch, neben anndern stennden die gravamina sovil müglich zur richtigkeitt bringen zu helfen.Wollen dazu votieren, wenn die Vorstimmenden dies tun.
Braunschweig-[Grubenhagen] (Wolfgang): Ist beauftragt, zu beiden Punkten der Kurpfälzer Proposition gebürende assistentz zulaisten. Darzue er sich erpiettig mach, unnd referire sich sonsten notwendigkheitt halben diser sachen uff das außfuerlich magdenburgische votum.
Braunschweig-[Wolfenbüttel] (Heinrich Julius): Befinden nicht, das die doctrinalia /97/ fidei et religionis inn streitt für dißmal gezogen werden. Ob aber einer vermeine, das die gravamina darauff zuverstehn, der werde solches ad speciem anzuzeigen wissen.
Braunschweig-Lüneburg (Ernst): Wie vor ihnenm.
Württemberg: Sind beauftragt, das sie sich in politicis gravaminibus und was denselben anhengig, vonn den anndern stenden nicht sollen absonndern. Aber inn anndern puncten, so der religion unnd dem religion friden anhengig, seien sie mitt dem chursächsischen, pfaltz-neuburgischen unnd sächsischen-weinmarischen voto einig, sich daruff kurtz halben referirend. Denn ir gnediger herr erinnere sich, das dero geliebte vorfaren, die hertzogen zu Würtenberg, bei der rainen augspurgischen confession yeder zeitt bestendig gehallten, darzu /97’/ sich ire f. Gn. nicht weniger schuldig erkenne. Doch mögen sie leiden, das die gravamina abgelesen werden.
Hessen-[Kassel] (Moritz): Sind beauftragtn, die gravamina, wie sichs gebüret, vorzubringen. Wie es dann nicht allein nicht ungebreuchig, sonnder es könd auch der ksl. Mt. nach gelegenheitt der sachen[und] umbstende nicht zuwider sein. o–Sollen sich derwegen alle stennde, so sich zu der in anno 30 ubergebenen augspurgischen confession bekennen, billich zusamen thuen–ounnd mitteinander14 dahin sehen, das den angegebenen beschwerlichen gravaminibus sein gebürender ausschlag gegeben werde.Zunächst Verlesung der Gravamina. Wollen sich erklären, wenn die Vorstimmenden dies tun.
/98/ Hessen-[Marburg] (Ludwig): Inn den gravaminibus werden die merita fidei nicht disputirt. Hallten für ein hohe notturfft, das mann sich bei ubergebung derselben für einen mann darstelle.
Hessen-[Darmstadt] (Georg): Lasset es bei den nechst vorgehenden zweien votis kürtze der zeitt halben bewendenp.
Baden-[Durlach] (Ernst Friedrich): Wollen sich vonn der gemeinen deliberation nicht absondern.Zunächst Verlesung der Gravamina und Umfrage zu deren Einzelpunkten.
Baden-[Durlach] (Georg Friedrich): /98’/ Ebenso.
Henneberg: Der Gesandte für den hgl. sächsischen Teil der Gft. wiederholt die vorgehende chur- unnd fürstliche sächsische vota.
Anhalt: Weist zurück, das Hennenberg die stimm unnd session vor Anhallt gebüre.
Henneberg: Der Gesandte entschuldigt sich, das es ex errore geschehen, dann er nicht gewusst, das yemandt vonn Anhallt wegen vorhanden. Hennenberg gebüre die session nicht vor, sonder nach Anhallt.
Anhalt: Der Gesandte akzeptiert die Entschuldigung und votiert, das er die gravamina für politica hallte.Zunächst Verlesung der Gravamina.
Wetterauer Gff.: /99/ Komme ihnen schmertzlich für, das bei disen gravaminibus Imperii die religion wölle gestritten werden. Mann wisse, wie den stenden augspurgischer confession allenthalben zuegesetzt werde. Darumb alle trennung sovil müglich zuverhüetten unnd für einen mann zustehn. Es concernirn doch die gravamina die doctrinalia unnd articulos fidei nicht, unnd bekennen sie sich nicht weniger zu der augspurgischen confession dann andere stennde. Rathen, das mann die gravamina ablese unnd erwege, ob unnd welche unnder denselben der ksl. Mt. fürzubringen.
Gff. [Gottfried] von Oettingen und [Georg Friedrich] von Hohenlohe sowie für alle Reuß von Plauen (Dr. J. Heyner): Hat bereits in der ersten Sitzung seinen Auftrag bekannt gegeben15, sich zu seiner allherkunfft bei der kfl. Pfaltz allß dem ordinario ac perpetuo directorio inn religions sachen /99’/ evangelischer seitten anzumelden. Unnd das seine herrn oder er deßwegen nicht gerirret, referire er sich uff das magdenburgische votum, welches mitt den protocollis ubereinstimme. Er habe nicht befelch, dogmata zu tractirn. Die gravamina unnd derselben abschaffung soll mann beharren, die articuli fidei oder derselben disputation sey hieher nicht gehörig.Will sich zu Einzelheiten der Gravamina erklären.
Gff. von Stolberg und von Schwarzburg für die Gft. Honstein: Die gravamina seien nicht uff die doctrinalia dirigirt. Darumb sie nicht erachten könden, das mann sich mitt solchen einstreuungen uffhallte.Deshalb Verlesung und weitere Beratung der Gravamina.
/100/ Der Gesandte Hg. Heinrich Julius’ von Braunschweig-Wolfenbüttel protestiert gegen dieses Votum für Honstein, weil den grafen zu Stollberg vonn desselben wegen kein stimm oder session gebüre16.
Der Stolberger Gesandte widerspricht dem und lässt den Protest uff seinem werth unnd unwerth beruehen.
Reichsstädte: Wann die gravamina verlesen unnd ire habende beschwerden den anndern auch adjungirt werdenq, wöllen sie sich aller gebür erkleren.
Kurpfalz resümiert: Sie vernehmen das mehrer unnd fast alle dahin, das mann mitt erwegung unnd beratschlagung der gravaminum vortschreitten solle. Wann /100’/ nun solches geschehe, so werde sich allßdann der modus procedendi selbst finden.Der von Kursachsen vorgebrachte Protest wegen des Direktoriums wird fast vonn allen stennden für unnötig geachtet17. Darumb sie nicht darfür hallten wöllen, das Sachsen gemeint sey, solchen neuerweckhten unnötigen stritt zubeharren, dieweil meniglich wissend, welcher gestallt das directorium bei der kfl. Pfaltz herkommen unnd bißher yederzeitt ohne eintzigen eintrag erhallten worden.Weitere Umfrage, ob man das Konz. der Gravamina insgesamt oder Einzelpunkte verlesen soll.
Kursachsen: Für den Protest hat Kuradministrator Friedrich Wilhelm /101/ gantz erhebliche, stattliche, christliche unnd vernünfftige ursachen. Sey auch nicht dahin gemeint, trennung unnder den stennden zuverursachen oder der Chur Pfaltz das directorium inn welltlichen sachen strittig zu machen, sonndern weil ire f. Gn. der rechten, allten, waaren, ungeenderten augspurgischen confession zugethon, so habe derselben annderst nicht gebüren wöllen, dann sich dessen offentlich zu bezeugen. Wann auch noch solche puncten vorlauffen, r–so die religion unnd den religion friden betreffen, wurde ir gnedigster herr ihme das directorium darinnen fürbehallten–r, sonst aber zu abwendung der gravaminum alls ein christlicher, löblicher fürst allen müglichen vleiß anwenden; mitt angehenkhter bitt, solches ad notam zu nehmen, dann, wie gemeldet, köndten sie sich inn religions sachen mitt allen promiscue nicht einlassen./101 f./ Berufen sich dafür auch auf das Votum von Pfalz-Neuburgs, das sie wiederholen18. /101’/ Letzlich erinnerten sie die anwesende stennde, do sie mitt ubergebung der gravaminum vortschreitten sollten, das sie es der subscription halben allso dirigirn, damitt nicht alle stennd der augspurgischen confession dardurch verstannden werden, dann solches wurde dem facto zuwider sein19.
Als man im Anschluss an diesen kursächsischen Einwand die Voten der anderen Stände hätte anhören sollen, hatt Dr. Culmann20 dasselbig interrumpirt unnd fürgeben, das mann sich mitt solchen unnotwendigen protestationibus nur uffhallte unnd die zeitt vergebenlich verliere. Bätte derwegen, mann wollt mitt ablesung der gravaminum fortfaren. /102/ Wer allßdann was weitters zuerinnern, darzue oder davon zuthuen vermeinte, dem stünde solches bevor. Hatt auch darbei vermeldet, das die kfl. Pfaltz yederzeitt auch inn religions sachen das directorium gefuert, unnd in specie anno 66, anno 76, anno 8221.
Kursachsen (A. Bock): Indem er Letzterem widersprochen, hatt er sich uff die protocolla beruffen unnd vermeldet, das auch in hoc consessu vil seien, die anno 76 dem religionsrhatt selbst beigewohnet unnd ihme dessen, wie er gemeldet, zeugnus geben werdent.
Bock hat sich aber weitter nicht eingelassen, sonndern tacite zuegeben, das der erste punct der begriffenen beschwerd schrifft22 verlesen worden:/102 f./ Aussagen von katholischer Seite, Kg. Ferdinand I. sei nicht befugt gewesen, den Religionsfrieden [ohne päpstlichen Konsens] abzuschließen; dieser sei nur ein /102’/ interim unnd bloße tolerantzund verliere nach dem Tridentinum seine Rechtsgültigkeit.
2. Umfrage. Kursachsen: Derugesamte Punkt ist gar außzulassen, dann es seien solche reden nur privatorum hominum, unnd lassen sich die ksl. Mt. solche scholasticas contentiones, darzue die unnserige bißweilen auch ursach geben, nicht irren, sonnder dieselb erkleren sich bei allen Reichs tägen, das sie den religion friden so wol allß anndere constitutiones allergnedigst halten unnd handhaben wöllen; inmassen ir Mt. sowol allß alle stennde des Reichs darzue verpflichtet, gelobt und geschworen.
Kurbrandenburg: Votieren ebenfalls zu diesem Punkt, haben aber nichts gewisses unnd endtliches fürgebracht, /103/ sonnder weil es ohne das ettwas spatt gewesen, haben sie v–neben anndern ir votum biß uff weittere zusamenkunfft (deren man sich noch zuvergleichen hatt) eingestellt–v.