Session des Straßburger Administrators. Vereinbarung vertraulicher Korrespondenz. Vorberatungen zu den protestantischen Gravamina.
EinzelUnterredungen
[1] /2’/ Vorsprache des
Verordneten von Administrator Johann Georg von Straßburg, Dr. Stephan Berchtold, bei den
Kurbrandenburger Rätenin deren Quartier1: Übergibt ein Schreiben des Administrators an den Kf. bzw. dessen Gesandte2und bringt vor: Administrator hat erwartet, er würde zum RT gebuhrlichen erfordert worden sein. Daßelbe aber wehre vorblieben, und musten es ann seinen orth gestellet sein /3/ laßen. Es hetten aber ihre f. Gn. im rath befunden, das ihre und des stiffts notturfft sein wolte, anhero zuschicken und ihrer session halben nicht stille zu schweigen.Hat deshalb ihn, Berchtold, abgeordnet und will als weitere Gesandte Albrecht von Schlieben und Dr. Jost Reuber zuordnen, deren Anreise aber nicht gesichert ist. Bittet die Kurbrandenburger Räte, sie wollten ihm beim RT mit rethlich und beystendig sein und communication undt correspondentz mit ihme halten.Die Kurbrandenburger sagen dies in generalibuszu, müssen sich aber zunächst mit den Gesandten Magdeburgs und Brandenburg-Ansbachs absprechen und werden anschließend ihre diesbezüglichen Befehle mitteilen. /3’/ Berchtold nimmt dies an und erwähnte das Gerücht, der Kardinal von Lothringen sei als Bf. von Straßburg vom Ks. zum RT beschrieben worden3. Köntte es aber fur gewiß nicht sagen, wolte weiter nachfragen und, was er erkundigte, uns communiciren.
[2] Die
Gesandten der drei Lgff. von Hessenstellen sich bei den
Verordneten von Kurpfalzund
Kurbrandenburg vor4und vereinbaren mit ihnen vertrauliche Korrespondenz.
[3] Nachfrage der
Kurpfälzer Gesandtenbeim
Brandenburg-Ansbacher VerordnetenK. Brandner bald nach dessen Ankunft in Regensburg am Morgen des 2. 5. (22. 4.)5: Erbitten Auskunft dazu, was seit dem Tag von Heilbronn bei Kurbrandenburg und Kursachsen im Hinblick auf die Gravamina erreicht worden ist, welcher gestaltt dieselbigen[beim RT] zu proponiren unnd zu beharren.Da er, Brandner, dazu aufgrund der Abwesenheit der mgfl. Kanzlei nicht berichten kann, spricht er zunächst beim Magdeburger Kanzler vor6und bringt dessen Informationen, soviel sich hatt leidenn wollenn,anschließend den Kurpfälzer Gesandten vor7.
[4] Nachfrage des
Brandenburg-Ansbacher VerordnetenK. Brandner beim Magdeburger Gesandten Meckbach8: Erbittet Informationen zur vorausgehenden Kurpfälzer Anfrage. Meckbach: Administrator Joachim Friedrich, Kf. Johann Georg von Brandenburg, Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen und den Lgff. von Hessen sind die zusammen getragene gravamina fast allerdings gefellig, auch befürworten sie, dass man diese dem Ks. nit allein vortragen, sonndern auch beharren soltte.Will sich an die Kurpfälzer Gesandten wenden und befördern, dass die Beratungen dazu noch vor der Ankunft des Ks. aufgenommen werden.
[5] /640/ (Nachmittag). Vorsprache des
Ulmer Rates Lic. Schilbockbei den
Württemberger Gesandtenin deren Quartier9. /640 f./ Schilbock verweist auf seine vorzeitige Abordnung nach Regensburg infolge der Aufforderung Hg. Friedrichs I. von Württemberg an den Ulmer Rat, bis 13. 4. (3. 4.) bzw. 26. 4. (16. 4.) Gesandte für die Vorabberatungen der CA-Stände zu schicken10. Da Ulm seither keine weiteren Informationen erhalten hat, bittet er um vertrauliche Unterrichtung auch zur Unterredung der Württemberger Verordneten mit Kurpfalz. /640’/ Die Württemberger Gesandten referieren den Inhalt der Unterredung11sowie den Auftrag des Hg., daß wir mit allen der reinen augspurgischen confessions verwandten ständen in religion sachen vertrauliche correspondentz halten /641/ solten.Wollen zunächst die Ankunft Kuradministrator Friedrich Wilhelms von Sachsen, Pfgf. Philipp Ludwigs von Neuburg und Mgf. Georg Friedrichs von Brandenburg-Ansbach oder von dessen Gesandten abwarten und die Ulmer Verordneten sodann zum Vorgehen unterrichten.
Schilbock dankt für die Erklärung und fügt an, er habe bereits an mehreren RVV teilgenommen, doch sei ihm khein Reichs tag als vorstehender so seltzam fürkhommen, und nit unzeittig zubesorgen, daß die papisten etwas vorhaben möchten, weil die drey gaistliche churfürsten und sonsten vil bischoff, hingegen aber unserer chur- und fürsten wenig in der person erscheinen würden. Daher umb sovil /641’/ desto mehr von nöthen sein wölle, daß man unsers theils steiff zusamen setzen und halten thue.