Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Stellungnahme Hessens gegen die Beratung der Gravamina vor der RT-Eröffnung und das Junktim mit der Türkenhilfe. Aufforderung an Kurbrandenburg, der Einberufung der protestantischen Stände ohne Teilnahme Kursachsens zuzustimmen. Bitte Kursachsens um Aufschub. Einwände Kurbrandenburgs gegen die Freistellungsforderung in den Gravamina.
Einzelunterredungen
[1] (Vormittag, vor 9 Uhr). Vorsprache der
Erwiderung Kurpfalz4: Einvernehmen, die Gravamina vorzubringen, strittig ist allein der Modus. Die Heilbronner Gravamina dienen nur als Beratungsgrundlage und können verändert werden. Da der Kf. sie nicht über das Schreiben vom 21. 4. (11. 4.) unterrichtet hat, gehen sie davon aus, dass er es bei seiner vorherigen Position belässt. Können deshalb auf die hessischen Argumente nicht eingehen, geben aber conversations weißezu verstehen: 1) Die bisher unterbliebene Klärung der Gravamina ist eben ein Anlass, sie nochmals vorzubringen, auch weil die RTT dafür dienen und nicht nur für die Bewilligung einer Reichssteuer, denn sonst könnte man, wie der Kf. es ausgedrückt hat, denn cammermeister alleinn dahinn abferttigenn.2) In Zeiten der Türkengefahr ist die Chance größer, beim Ks. eine Klärung der Gravamina durchzusetzen. 3) Die Zusage einer Hilfe für den Ks. im Kriegsfall wurde immer mit der Klausel verbunden, dass Frieden und Recht im Reich gewahrt werden. Dies ist jedoch nicht der Fall, wie die Kriege in den Niederlanden und im Elsass sowie die Zerrüttung des Justizwesens zeigen. Stellen überdies in Zweifel, ob die gefahr in Ungernn so groß wehre. Unnd weill mann nicht eigenndtlichs hette, wie es allenndthalbenn daßelbst stunde, so wehre woll vonnöttenn, das unnßere gnst. unnd gn. herrnn leute dahinn abferttigenn, die des grundts sich erkundigenn konnttenn5, darmitt mann nichtt allein denn kauffmanns zeittungenn glaubenn zustellenn muste.Da der Feind zudem kaum vor August in den Krieg ziehen wird, hat man beim RT genug Zeit für die Klärung der Gravamina. Lehnen deshalb den Vorschlag Hessens ab und beharren auf der eigenen Konzeption. Abbruch der Beratung, die später vorgesetzt werden soll6, weil die Gesandten um 9 Uhr vor ksl. Kommissare geladen werden7.
[2] /
[3] Vorsprache des
[4] Unterredung des
[5] (Nachmittag). Vertrauliche Bekanntgabe an den
Antwort Christiani: Referiert das vorausgehende Gespräch mit A. Bock. Da man demnach und auch aufgrund früherer Erfahrungen nicht auf Kursachsen zählen kann, möge Kurpfalz die Gesandten des Hauses Brandenburg an sich ziehen und dasselb dahin weißen und vermhanen, das sie mehr uff des gemainen weßen alß allein den stifft Magdenburgk sehen wolten.Hat zudem vom Gesandten des Erzstifts Bremen erfahren, dass auch dort allein das Domkapitel zum RT beschrieben worden ist15, und er deshalb befürchtet, die Mainzer Kanzlei werde die Vollmacht ebenso ablehnen16wie die der Magdeburger Gesandten. Dies zeigt, was der reformirten stifft halben von den papisten hirunter gesucht wurde.Falls aber Kurpfalz und Kurbrandenburg das ruder uf dißem reichßtagk recht fhüren,werden die anderen evangelischen Stände das ihr auch darbey thun.Hat sichere Nachricht, dass Pfalz-Zweibrücken, Brandenburg-Ansbach, Württemberg, Baden-[Durlach], Hessen, Braunschweig-[Wolfenbüttel], -Lüneburg, Mecklenburg, Pommern und Holstein sich nicht wurden absondern.Auch haben sich etliche reichsstädtische Gesandte gar wol erclert.Bittet nochmals dringend um die Einberufung der protestantischen Stände.