Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Verhandlungen der protestantischen Stände bei Kurpfalz

Textvorlage: Nürnberg, fol. 177’–179.

Vorlage der Duplik des Ks. zu den protestantischen Gravamina, der Gegenerklärung der katholischen Stände sowie der katholischen Gravamina. Erwiderung dazu erst nach dem RT. Beschluss einer vorläufigen Erklärung an den Ks.

/177’/ (Nachmittaga) Verhandlungen der protestantischen Stände bei Kurpfalz, /177’ f./ an denen von den noch anwesenden Ständen teilnehmen: Kurpfalz, Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-[Grubenhagen], Braunschweig-Lüneburg, Baden-[Durlach], Hessen-[Kassel1] sowie die Städte Aachen, Regensburg und Memmingen.

/178/ Kurpfalz (Culmann) proponiert: Gestern wurden der Kurpfälzer Kanzlei mehrere Resolutionen zugestellt, die jetzt verlesen werden: Eine Erklärung des Ks. zu den evangelischen Gravamina2, der die Gegenerklärung der katholischen Stände zu den Gravamina beigegeben ist3, zu der drei Beilagen gehören: Gegendarstellung der Gesandten der Stadt Köln zu den Gravamina der dortigen evangelischen Bürger4; Gegenbericht der Jülicher Gesandten zur Aachener Klagschrift5; lothringischer Gegenbericht insbesondere im Hinblick auf den Straßburger Konflikt6. Des Weiteren ein Memoriale des Bf. von Minden gegen den Hg. von Braunschweig-Wolfenbüttel7. /178 f./ Die mit der ksl. Erklärung ebenfalls übergebenen katholischen Gravamina8werden trotz der Bitte der anwesenden Städtegesandten aufgrund ihres Umfangs und weil der Großteil der darin angesprochenen Stände den RT bereits verlassen hat, nicht verlesen, sondern ebenso wie die anderen Aktenstücke zur Abschrift gegeben.

/178’/ Beschluss: Falls man hier beim RT nimmer zusamen kommen, sich ercleren und davon deliberirn köndt, so solt solches ein jeder gesandter seinen herrn und obern referiren und andern abwesenden stenden gleichsfalls communiciren, auch die jhenigen, so es principaliter angehet, ihre notturfft und bericht der kfl. Pfaltz zuschicken, daselbst die ablainung zubegreiffen9. Unnd damit ihr Mt. nicht darfür halten möcht, alß wolte man den papisten dißfalls ettwas ein- /179/ raumen, hatt sich der pfältzische cantzler erbotten, ein kurtze entschuldigungs schrifft anzustellen und ihre Mt. darinn zu erinnern, das wegen abwesenheit der mehrern theil stende die uberigen in geringer anzal sich jetzo alßbalden nicht vernemen lassen köndten; mit erbieten, den abgeraisten relation zuthon und ihrer Mt. hernach mit ehistem ein warhaffte und gegrundte ablainung zukommen zulassen.

Anmerkungen

a
 Nachmittag] Hessen (unfol.) differenzierter: 15 Uhr. Ulm (fol. 119) abweichend: 16 Uhr.
1
 Gemäß Textvorlage war ein hessischerGesandter anwesend. Zuordnung aufgrund der Protokollierung der Sitzung in Hessen, (unfol.) [= Protokoll Hessen-Kassel].
2
 Duplik des Ks. [Nr. 406].
3
 Nr. 417.
4
 Nr. 424.
5
 Vgl. Beilage B beim Gegenbericht der katholischen Stände [Nr. 417].
6
 Nr. 425.
7
 Nr. 427.
8
 Nr. 418.
9
 Kf. Friedrich IV. von der Pfalz schickte nach dem RT die Gegenerklärung sowie die Gravamina der katholischen Stände an diejenigen protestantischen Stände, die beim RT die Kurpfälzer Gravamina unterzeichnet hatten, verbunden mit der Bitte um Stellungnahme (Heidelberg, 23. 9. {13. 9.} 1594: HStA München, K. blau 113/4f, unfol. Konz.). Das Schreiben ging an Kurbrandenburg, die Administratoren von Magdeburg und Straßburg, Pfalz-Zweibrücken, die Hgg. von Sachsen-Coburg, Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-Grubenhagen (Wolfgang), ‑Wolfenbüttel (Heinrich Julius), ‑Lüneburg (Ernst), die Lgff. von Hessen, Baden-Durlach, F. Johann Georg von Anhalt, Kg. Christian IV. von Dänemark als Hg. von Holstein, die Wetterauer Gff. und die Stadt Straßburg; mit anderer Einleitung an Hg. Friedrich I. von Württemberg (ebd., unfol. Konz.). Korrespondenzen mit den Antworten an Kurpfalz: Ebd., unfol. Vgl. auch Anm. 4 bei Nr. 407.