Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

A) Unterausschuss der katholischen Stände zur Formulierung der Gravamina

Textvorlage: Kurmainz C, fol. 239–241.

Erwiderung zu den Einzelartikeln der protestantischen Gravamina.

/239/ Unterausschuss der katholischen Stände zur Formulierung der Gravamina (Kurmainz, Kurtrier, Kurköln, Salzburg, Bayern).

[Fortsetzung der Beratung zu den protestantischen Gravamina], Abschnitte „Es befinden sich auch“, „Wie auch nit weniger“, „Do auch die zuvor“1.

Umfrage. Kurtrier: Freyen auszugs halben: Sey religion friden nit zugegen. Der nachsteuer halben religion friden paß anzuzeigen2. Declaratio Ferdinandi3: Haben sich uff ksl. resolution, § religion fridens „Und soll als dann“4 [zu berufen]. Dz man deß schutz[!] halben stett vervolge, negandum.

Kurköln: Freyer auszug im religion frieden wie auch den[!] nachsteuer fundirt. Verpflichtung, wan sie wider zur augspurgischen confession tretten.

Salzburg: Auszug: Optio des außzugs stehe nicht bey den underthanen. Confiscation der gueter: Wiße er sich nicht zuerinnern, moge ein jeder sich seiner gueter salvis iuribus zugebrauchen[!]. Sperrung der victualien5 geschehe bißweilen mehr ex politicis causis.

Bayern: Sollen außzihen, in crafft religion fridens landt gueter gebrauchen. Wie vor ime in reliquis.

Kurmainz: Lasts dabey.

Umfrage zu den Abschnitten „Es gereicht auch“und „Waß dan dz nhun“,dort ab: „sonder es werden auch“6.

Kurtrier: Bestehe uff dem vorbehaltt7. Man hette sich uff die ordnung im religion friden, auch irer Mt. 90-jahrige declaration8 [zu berufen].

Kurköln: Laßen es bey vorigen bedencken, dz man bey dem vorbehaltt verpleibe.

Salzburg: Man hab schon ire Mt. erinnert, die catholischen stände bey irem vorbehaltt zuerhaltten9; dobey es zulaßen; wer sonsten ungleicheit. Dz sie onera laisten10, geschehe ratione der guetern.

Bayern: Werde irer Mt. ein außfurliche resolution schrifft /240/ ubergeben11, also dz man sich der magdeburgischen sachen dißmals nicht sonders an[zu]nhemen.

Umfrage zum Abschnitt „Als man auch“12.

Kurtrier: Sey iuxta canones und der catholischen gebrauch etc.

Kurköln: Wie vor ime; thuen dergleichen.

Salzburg: [Votum fehlt].

Bayern: Außzugraben, wißen kein exempel.

[Votum Kurmainz fehlt].

Umfrage zu den Abschnitten „Was dan die administration der justitien“bis „Was dan dz nhun“sowie „So gelangt auch“13.

Kurtrier: Commissiones: Hab kayser concurrentem iurisdictionem. Rottweil: Pleibt bey der stende bedencken14.

Kurköln: Kayser hab alberait ire resolution wol gethon15. Rottweil: Wie per alios.

Bayern: Wie vor ime.

[Votum Salzburg und Kurmainz fehlt].

Umfrage zu den Abschnitten „Was dan dz nhun“sowie „auch bey dem gegentheil“16.

Kurtrier: Lottringen und Mumpelgart stehe uff commission17, niderlendisch wesen ad 2. punctum propositionis.

Kurköln, Salzburg, Bayern, Kurmainz: Ebenso.

/240’/ Umfrage zum Abschnitt „Weitter ist“18.Einhelliger Beschluss: Man spure nicht, dz den catholischen stenden mehr mitt geholffen; contrarium wahr.

Umfrage zum Abschnitt „Uber hievohr erzeltte“19.

Kurtrier: Sey im religion friden versehen, dz man kein closter nach passauischem vertrag einzuziehen20, und do es geschehen, dz man proceß erkennen soll. Wie alle sachen in specie geschaffen, ad gravamina.

Kurköln: Fundamentum auß dem religion friden, dem actores zuwider handlen. Wie Trier, in sie zu retorquiren. Also auch in § „Wan dan in den Reichs abschieden“21: Haben die renthen, zinß etc. auch vermoge religion fridens22 nicht zuthun.

Salzburg: Wie Colln und Trier.

Bayern: Wie vor inen. Thun offentlich wider religion frieden.

[Votum Kurmainz fehlt].

Umfrage zum Abschnitt „In gleichem“23.

Kurtrier: Hang der gaistlichen jurisdiction ahn, so gegen den catholischen, sonderlich iren underthanen[Abbruch].

Kurköln, Salzburg, Bayern: Addunt, lutherischen gestatten den papisten keine gevatterschafft, item werden gestrafft.

[Votum Kurmainz fehlt].

Umfrage zum Abschnitt „Neben diesem“24.

Beschluss: Stehe auch im religion friden gegrundt.

/241/ Umfrage zum Abschnitt „Ebenmeßig beschweren“25.

Kurtrier: Uff religion friden und der gegentheil selbst exercitia zu regulirn, attendenda cuiusque superioritas.

Kurköln, Salzburg, Bayern: [Ebenso].

[Votum Kurmainz fehlt].

Abschließend: In conclusione zugedenckhen, dz es allein uff subscriptos gemeint.

B) Verordnung der katholischen Stände des FR

Textvorlage: Schwäb. Gff., fol. 225’26.

Erklärung zum Magdeburger Sessionsstreit.

/225’/ Verordnung der katholischen Stände des FR zur Konzipierung der Erklärung im Magdeburger Sessionsstreit. Gemäß der Beschlussfassung vom Vortag versammeln sich die zur Konzipierung der Erklärung der katholischen Stände des FR im Magdeburger Sessionsstreit verordneten Stände im Kloster St. Emmeram. Teilnehmer: Für Österreich Dr. Hager, für Salzburg und Bayern jeweils der Kanzler27. [Konzipierung der Erklärung28.]

Anmerkungen

1
 Nr. 390, Punkte 5, 22, 23.
2
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 24 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3111 f.).
3
 Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 231 S. 2132–2134. Vgl. Gotthard, Religionsfrieden, 155–159, 267–271.
4
 Fragliche Bezugnahme auf Religionsfrieden im RAb 1555, § 25 [soll alßdann nichtdestoweniger …] oder § 28 [Und soll alleß …] (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3112 f.).
5
 Nr. 390, Punkte 22, 23.
6
 Nr. 390, Punkt 6, Punkt 13 (Straßburger RT-Session im Hinblick auf den Geistlichen Vorbehalt).
7
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 18 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3109 f.). Vgl. Gotthard, Religionsfrieden, 143–155, 264–267.
8
 Ablehnende Antwort des Ks. vom 27. 7. 1590 zu den Gravamina der weltlichen Kff., vorgelegt von deren Gesandten in Prag (vgl. Anm. 21 bei Nr. 161, Abschnitt B).
9
 = bei den mündlich geführten Verhandlungen zum Magdeburger Sessionsverzicht vor der RT-Eröffnung.
10
 = die Administratoren reformierter Hstt.
11
 Bezugnahme auf die ebenfalls am 19. 7. (vgl. Abschnitt B) konzipierte Erklärung zur Magdeburger Session [Nr. 348].
12
 Nr. 390, Punkt 7 (Begräbnis).
13
 Nr. 390, Punkte 8–12 (Reichsjustizwesen), Punkt 25.
14
 Vgl. bei der Supplikation mehrerer Reichsstände [Nr. 480].
15
 Fragliche Bezugnahme. Die Replik des Ks. zum 3. HA (Reichsjustiz) [Nr. 260] wurde den Reichsständen erst am 3. 8. übergeben.
16
 Nr. 390, Punkt 13 (niederländischer Krieg, Konflikt im Hst. Straßburg).
17
 Zur Anordnung der Kommission und deren Verlauf vgl. Anm. 59 bei Nr. 390.
18
 Nr. 390, Punkt 14 (Kreishilfen).
19
 Nr. 390, Punkt 15 (Reformationsrecht über exterritoriale Klöster).
20
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 19 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3110).
21
 Nr. 390, Punkt 16, mit Anm. 78 (Gefälle von Mediatklöstern).
22
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 21 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3111).
23
 Nr. 390, Punkt 17.
24
 Nr. 390, Punkt 21 (Zwang zur Anstellung katholischer Amtleute durch Reichsstädte).
25
 Nr. 390, Punkt 24 (Rekatholisierung reichsstädtischer Untertanen in katholischen Bstt.).
26
 Die anderen Protokolle verzeichnen diese Beratung nicht. In der Textvorlage ist der Eintrag nachträglich gestrichen, auch ist nicht vermerkt, woher der Gesandte der schwäbischen Gff., der an der Beratung nicht beteiligt war, die Mitschrift oder die Information dafür erhalten hatte.
27
 = Dr. Kaspar Mayer (Salzburg), Dr. Hans Georg von Hörwarth (Bayern).
28
 Nachfolgende Billigung im Plenum der katholischen Stände des FR am 20. 7. [Nr. 242, Abschnitt A].