Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Verhandlungen ausgewählter katholischer Stände

Textvorlage: Bericht der bayerischen Gesandten Schweikhart von Helfenstein, Metternich und Hörwarth an Hg. Wilhelm V. vom 3. 8. 15941.

Kein direktes Engagement der katholischen Stände im Straßburger Konflikt. Fortsetzung der ksl. Kommission.

/499’/ Auf Initiative der bayerischen Gesandten hin beruft Kardinallegat Madruzzo eine Beratung wegen des Engagements der katholischen Stände im Straßburger Konflikt ein, die in der Herberge des Kf. von Köln stattfindet. Teilnehmer: Legat Madruzzo, die geistlichen Kff. persönlich, die Gesandten von Würzburg und Bayern2.

Beschluss nach längerer Beratung, dass nit rathsam sein wolle, die sachen wider ad arma khommen zulassen oder auch, das sich die catholische samentlich zue ainer thättlichen mithülff ercleren, dieweil sich hierdurch die protestierenden auch zusamen verbinden unnd gleich so bald auch andere mehr ertz- unnd stifft, geschweigens Straßburg, überziehen, verhergen oder auch gahr mit gewalt einnemmen dörffen. Dessen aber unerwogen sollen sich dannoch die catholische stendt diser sachen gahr nit entschlagen, sonnder billich annemmen unnd auf mitl /500/ unnd weeg trachten, wie derselben aufs beste zuverhelffen.

/500 f./ Da die ksl. Vermittlungskommission noch nicht aufgelöst ist3und dazu beitragen kann, zumindest weitere Tätlichkeiten zu verhindern, sollen Legat Madruzzo im Namen des Papstes sowie die Kff. von Trier und Köln persönlich (Mainz und Würzburg entschuldigen sich als Kommissionsmitglieder) im Auftrag der katholischen Stände den Ks. bitten, er möge die Kommission fortsetzen, das Haus Brandenburg zur weiteren Teilnahme veranlassen und weitere Tätlichkeiten mit ksl. Autorität unterbinden4.

Anmerkungen

1
 HStA München, KÄA 3232, fol. 497–501’, hier 499’–500’. Or.; präs. 5. 8. Referat der Verhandlungen: Stieve, Politik II, 124; knappe Auswertung: Pölnitz, Echter, 544.
2
 Zur Veranlassung der Beratung: J. Bilonius, Gesandter Kardinal Karls von Lothringen, hatte am 26./27. 7. den Kff. von Mainz und Trier sowie dem Bf. von Würzburg dargelegt, die ksl. Kommission im Konflikt (vgl. Anm. 3) werde von Mgf. Johann Georg von Brandenburg vorsätzlich vereitelt. Da dieser die Gewalttätigkeiten fortsetzt, ist der Kardinal zur Gegenwehr gezwungen, hofft dafür auf Unterstützung der katholischen Stände und empfiehlt deren Bitte an den Ks., den Hauptkonflikt unverzüglich zur Entscheidung zu bringen und der Gegenseite zu befehlen, alle Tätlichkeiten einzustellen. Leistet Brandenburg dem keine Folge, erwartet der Kardinal die Hilfe der katholischen Stände in der bewaffneten Auseinandersetzung (Vortrag vor Kurmainz: ADBR Strasbourg, G 186, fol. 135–137. Kop.; die Vorsprache beim Kf. von Köln erfolgte erst nach oben aufgezeichneter Beratung: Ebd., fol. 137–139’). Schon zuvor hatte Kardinal Karl Hg. Wilhelm V. von Bayern von Gesandten um Interzession beim Ks. für die sofortige Entscheidung des Konflikts und seine Belehnung mit Straßburg gebeten, falls der Verzicht des Mgf. gegen finanzielle Entschädigung nicht erreicht werde (HStA München, KÄA 3229, fol. 30–33’. Vollmacht für die Gesandten; Nancy, 26. 3. 1594: Ebd., fol. 28. Or. Antwort des Hg. vom 29. 6. 1594: Ebd., KÄA 3232, fol. 199–202. Kop.). Vgl. zu den Aktivitäten Bilonius’ beim RT: Stieve, Politik II, 121–124. Kardinal Karl seinerseits hatte Legat Madruzzo am 18. 4. 1594 (Nancy) gebeten, die Bemühungen von Bilonius beim RT zu unterstützen (ADBR Strasbourg, G 186, fol. 139’ f. Lat. Kop.). Zur Politik der Kurie im Kapitelstreit 1583–1592 vgl. Ehses/Meister, NB I, Einleitung, LXXIII-LXXXV; Nr. 221–252 S. 289–319; Ehses, NB II/1, Anhang I S. 511–516; Roberg, NB II/2, Nr. 199–202 S. 271–276.
3
 Die seit März 1593 verhandelnde ksl. Kommission zur Beilegung des Straßburger Bischofskonflikts wurde zwar wiederholt vertagt, zuletzt durch Kurmainz mit Schreiben vom 14. 4. 1594 (vgl. Anm. 11 bei Nr. 354 sowie Einleitung, Kap. 3.5.2), war aber noch nicht aufgelöst worden.
4
 Am 8. 8. 1594 berichteten die bayerischen Gesandten an Hg. Wilhelm, sie hätten noch keinerlei Nachrichten über eine Reaktion des Ks. zu diesem Vorbringen erhalten (HStA München, KÄA 3232, fol. 527–529’, hier 527. Or.).