Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Moderation des Reichsanschlags. Rücknahme von Repressalien gegen Lütticher Untertanen durch die Prinzessin von Chimay. An die Reichsstände.
Supplikation an die Reichsstände (der Mainzer Kanzlei übergeben am 27. 7.; von den Reichsständen nicht kopiert)1, unterzeichnet von den Gesandten des Hst. L.; mit 1 Belegdokument2(Moderationsdekret vom 18. 7. 1577): [1] Das Hst. ist aufgrund seiner Lage mehr als jeder andere Reichsstand von den Auswirkungen des niederländischen Kriegs betroffen. Infolge der vielfachen Truppendurchzüge und Einlagerungen mit Mord, Raub, Plünderungen und Brandschatzungen ist das Hst. ins äußerste Verderben geraten, viele Untertanen sind von Haus und Hof ins Elend vertrieben worden. Da sich die Schäden auf mehrere 100 000 fl. belaufen, kann das Hst. derzeit keine Reichssteuer leisten. Bitten um Moderation des Reichsanschlags, so wie der Moderationstag 1577 diese gemäß Beilage [zeitlich befristete Ermäßigung auf 30 zu Ross und 95 zu Fuß] befürwortet hat, sowie um die Befreiung von der jetzigen Steuer, bis der niederländische Krieg beigelegt ist. [2] Kg. Philipp von Spanien hat der Prinzessin von Chimay [Marie de Brimeu] die Hft. Agimont entzogen, weil sie sich den Vereinigten Provinzen der Niederlande angeschlossen hat, und die Hft. dem Gemahl [Charles III. de Croÿ] der Prinzessin übergeben. Diese hat dagegen Bf. Ernst als Ober- und Lehnsherrn der Hft. um Schutz und Rückgabe der Hft. gebeten. Da Spanien aber unter dem Vorwand, die Hft. liege auf kgl. Gebiet, auf der Usurpation beharrt und Bf. Ernst der Prinzessin deshalb nicht zum Besitz verhelfen kann, erzwingt diese mit Unterstützung der Niederlande seit 3 Jahren mit Repressalien gegen Lütticher Untertanen den Gegenwert der 8800 Brabanter fl. betragenden jährlichen Einkünfte aus der Hft. Agimont. Bitten um Veranlassung, dass Spanien die Usurpation der Hft. aufgibt, die Vereinigten Provinzen die Exekution gegen Lütticher Untertanen einstellen und die Prinzessin von Chimay die diesen zugefügten Schäden erstattet.
Beratung im Supplikationsrat am 27. 7.3mit Beschluss der Resolution (dort gebilligt am 30. 7.4), die im RR am 1. 8.5als Dekret der Reichsstände (kopiert am 12. 8.; unterzeichnet von der Mainzer Kanzlei) gebilligt wurde6: [1) Die Bitte um Moderation und Steuerbefreiung wird an den Ks. und den Moderationstag verwiesen7]. [2] Da die Lütticher Untertanen mit dem Konflikt Kg. Philipps II. mit der Prinzessin von Chimay nichts zu tun haben und die Repressalien gegen sie deshalb zu Unrecht erfolgen, möge der Ks. die erbetenen Schreiben an die kgl. spanischen Vertreter8, die Generalstaaten und die Prinzessin ausfertigen.