Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 10. Der Reichstag zu Worms 1509 bearbeitet von Dietmar Heil

[1.] Einladung zur persönlichen Teilnahme am Wormser Reichstag; [2.] Geldernkrieg; [3.] persönliche Befindlichkeit Ks. Maximilians.

Weimar, HStA, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 5–5’ (Or. Fewr, Verm. prps., Gegenz. J. Renner).

[1.] Teilt mit, dass er in den Niederlanden gut empfangen wurde. Er geht davon aus, einen Waffenstillstand oder Friedensvertrag mit dem Kg. von Frankreich zu erreichen und einen Krieg zu vermeiden. Er wird hier in den Erblanden die Regierungsangelegenheiten regeln und will dann persönlich zum ausgeschriebenen Reichstag kommen. Fordert ihn auf, sich ebenfalls persönlich dort einzufinden und sein Bestes zu den Verhandlungen über die bewussten Materien beizutragen. Er wird ihm auf dem Reichstag auch in seinen eigenen Anliegen einen Bescheid geben, der ihn zweifellos zufriedenstellen wird.1

[2.] [PS] Er führt weiterhin Krieg im Hm. Geldern. Doch schickt der frz. Kg. dem Hg. [Karl von Egmond] viel Geld. Dieser kann damit so viele Truppen unterhalten, dass wohl keine Gebietsgewinne möglich sind.

[3.] [Eigh. PPS] Wier haben noch hie kain harnasch gefuert2, und geet uns ganz wol auf der waedenschaft [= Waidwerk] und gar ubl auf der puelschaft3. Per manum propriam.

Anmerkungen

1
 In seinem Schreiben vom 24.9. machte Bf. Matthäus Lang von Gurk dem Kf. deutlich, dass der Ks. zum Waffenstillstand mit Venedig, wiewol derselb nit wol eerlich oder nutzlich noch fur die ksl. Mt. gewesen und noch nit ist, gezwungen war. Er äußerte indessen hohe Erwartungen an die bevorstehenden Friedensverhandlungen mit Frankreich. Lang formulierte noch einmal die Hoffnung des Ks. auf ein Erscheinen Kf. Friedrichs und bekundete auch dessen feste Absicht, persönlich am RT teilzunehmen. Er stellte ihm darüber hinaus in Aussicht, ihm bei einer persönlichen Zusammenkunft in Worms Mitteilungen zu machen, daran e. Gn. gut gefallen haben werd(Or. Tournai; HStA Weimar, EGA, Reg. E, Nr. 56, fol. 7–8’).
2
 Die damit implizit verbundene Aufforderung, in einem Stechen gegeneinander anzutreten, wurde wegen der verspäteten Anreise Kf. Friedrichs nicht in Worms, sondern erst im folgenden Jahr auf dem Augsburger RT realisiert. Vgl. Seyboth, RTA-MR XI/1, Nr. 454, Anm. 1.
3
 Diese erotische Anspielung erklärt, warum Ks. Maximilian den Nachtrag diskreterweise eigenhändig niederschrieb und nicht wie das restliche Schreiben einem Schreiber diktierte.