Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

A) EinzelUnterredungen

Verhandlungen Pfalz-Neuburgs und Kursachsens mit dem Ebf. von Salzburg im Magdeburger Sessionsstreit: Etwaige Session Magdeburgs auf der weltlichen Bank des FR.

[1] /191/ Bekanntgabe der Pfalz-Neuburger GesandtenRoth von Schreckenstein und Fröhlich an den kursächsischen RatA. Bock1: Unterrichten im Auftrag Pfgf. Philipp Ludwigs über dessen gestriges [21. 5.] Gespräch mit dem Ebf. von Salzburg wegen der Magdeburger Session. Dabei äußerte der Ebf., Magdeburg und anderen reformierten Hstt. könne die Session auf der geistlichen Bank keinesfalls gestattet werden, sondern die geistlichen Stände würden ehe gar uffstehen und sich aller deliberation und berathschlagung enthalten,als diese neben sich zu dulden. Falls Magdeburg aber die Session auf der weltlichen Bank vorbehaltlich der Rechte aller anderen Stände wahrnehmen könnte, so hielten es ire f. Gn. dero theils fur guet und rathsam, und kondte solcher /191’/ gestalt alle weitleufftigkeit […] furkhommen werden.Dabei handelt es sich lediglich um einen persönlichen Vorschlag des Ebf., den dieser zunächst den Kff. von Mainz und Trier vorbringen2und anschließend noch heute [21. 5. (11. 5.)] den Pfgf. über deren Reaktion informieren will3. Im Gegenzug erwartet der Ebf., dass Pfgf. Philipp Ludwig bei Kursachsen, Kurbrandenburg und Magdeburg für die Akzeptanz dieses Vorschlags eintritt. Pfgf. hat dies zugesagt. Weil er diese Lösung, die Magdeburger Session bei diesem RT auf der weltlichen Bank, für fast ersprießlich und nutzerachtet, erbittet er zunächst die Stellungnahme Kuradministrator Friedrich Wilhelms. Falls er zustimmt, möge er mit den Gesandten Kurbrandenburgs und Magdeburgs verhandeln, damit sie den Lösungsweg nur für diesen RT akzeptieren und eine grundsätzliche Klärung bis zu anderer Gelegenheit aufschieben.

/192 f./ Unterredung Bocks mit Kuradministrator Friedrich Wilhelm, der antworten lässt: Begrüßt den Salzburger Vorschlag und will sogleich mit den Gesandten Kurbrandenburgs4und Magdeburgs darüber verhandeln lassen.

[2] /76’/ Unterredung der Magdeburgermit den Kurbrandenburger Gesandtenin deren Quartier [noch vor der Versammlung bei Kurpfalz]5. Kurbrandenburg informiert Magdeburg über die Verhandlungen Kuradministrator Friedrich Wilhelms von Sachsen mit dem Ebf. von Salzburg zur Sessionsfrage6mit dem Vorschlag, daß es Saltzburg ahn die andern geistlichen zubringen. Wan die fridlich wehren, wurden es ihre Mt. nicht streitten. Wartten nuhn von Saltzburgk anttwortt.Daneben hat Kursachsen sie, die Kurbrandenburger Gesandten, aufgefordert, zur moderation gedencken zu helffen, wie wihr zuvorn alzeitt gethan./76’ f./ Magdeburg: Befürworten das kursächsische Engagement, wollen die konkreten Maßnahmen anhören und bitten Kurbrandenburg, sich nochmals an Kursachsen zu wenden.

B) Verhandlungen der protestantischen Stände bei Kurpfalz

Textvorlage: Baden-Durlach A (unfol.).

Billigung der Magdeburger Deduktionsschrift zur Begründung des Sessionsanspruchs.

(Vormittaga) Verhandlungen der protestantischen Stände bei Kurpfalz[Gesandte: Kurpfalz, Kurbrandenburg, Hst. Straßburg, Hst. Halberstadt, Stift Walkenried, Brandenburg-Ansbach, Braunschweig-Grubenhagen, ‑Wolfenbüttel, ‑Lüneburg, Pommern-Stettin, Baden-Durlach, Anhalt, Gff. [Gottfried] von Oettingen und [Georg Friedrich] von Hohenlohe, Gff von Schwarzburg und von Stolberg (für die Gft. Honstein), Regensburg für die Reichsstädte7].

Die am Vortag beratene [Magdeburger] Deduktionsschrift, die zwischenzeitlich an vielen stellen corrigirt und gemiltertworden ist, wird neuerlich verlesen.

Umfrage. Beschluss: Die Schrift wird von allen, doch eineß jeden herschafft ohnvergreifflich,gebilligtb,8. Sie soll Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen übergeben werdenc. Die allgemeine Abschrift wird aufgeschoben, bis dieser sich dazu erklärt hat.

Die Württemberger Gesandten nehmen neuerlich nicht an der Sitzung teil.

Anmerkungen

1
 Textvorlage: Pfalz-Neuburg G, fol. 191–192’, 195’.
2
 Vgl. Nr. 230 mit Anm. 2, 3.
3
 Dies unterblieb zunächst. Am Morgen des 22. 5. (12. 5.) ließ sich der Ebf. entschuldigen, er könne wegen einer Audienz beim Ks. nicht zum Pfgf. kommen (Pfalz-Neuburg G, fol. 192’ f.).
4
 Vgl. dazu die in Kurbrandenburg (fol. 75 f.) bereits für den Abend des 21. 5. (11. 5.) protokollierte Besprechung mit den Kurbrandenburger Gesandten [Nr. 173, Abschnitt E]. Die Datierung 21. 5. wird bestätigt im Bericht der Kurbrandenburger Gesandten an den Kf. vom 27. 5. (17. 5.) 1594 (GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Xx, fol. 34–42’, hier 35. Or.).
5
 Textvorlage: Kurbrandenburg, fol. 76’ f.
6
 Vgl. Nr. 173, Abschnitt E.
a
 Vormittag] Ulm (fol. 11) differenzierter: 9 Uhr.
7
 Teilnehmer gemäß Umfrageliste in Kurbrandenburg, fol. 77 f. Liste wohl unvollständig, da die Sitzung auch in Hessen (unfol.) protokolliert wird. ULM (fol. 11): Von den Städten sind Regensburg, Straßburg und Colmar anwesend. Die Württemberger Gesandten wurden wohl aufgrund ihrer Absenz am 21. 5. zu dieser Sitzung nicht geladen (Bericht an Hg. Friedrich vom 28. 5. {18. 5.} 1594: HStA Stuttgart, A 262 Bd. 70, fol. 776–787’, hier 778. Or.).
b
 gebilligt] Nürnberg (fol. 26’) differenzierter: Billigung, weil das jhenig, so deß gaistlichen vorbehalts halben einverleibt gewesen, herauß gethon und alles in specie uff Magdeburg gerichtet, auch zu ende ein gemaine clausul angehengt sey, daß hierdurch keinem theil etwas begeben noch yemandt praejudicirt sein solt.
8
 Vgl. Nr. 329.
c
 werden] Hessen (unfol.) zusätzlich: Übergabe noch am 22. 5. (12. 5.). [So retrospektiv auch in Kursachsen A (fol. 283), Eintrag unter 23. 5. (13. 5.).]