Vermittlung Kursachsens im Auftrag des Ks. um den Magdeburger Sessionsverzicht bei der RT-Eröffnung. Ablehnung durch Magdeburg mit Beharren auf Einbindung der protestantischen Stände. Weigerung Kurbrandenburgs, den Sessionsverzicht anzuraten. Fragliche Einnahme der Session namens des Magdeburger Domkapitels.
Einzelunterredungen
[1] /308’/ (Vormittag, 6 Uhr). Unterredung
Kursachsensmit den
Gesandten Magdeburgsim Quartier Kuradministrator Friedrich Wilhelms1. Die [am Vortag Kursachsen übermittelten] Forderungen des Ks. [zum Verzicht Magdeburgs auf die Session2] sind den Magdeburger Gesandten mit bescheidenheit furgehaltten worden. Dabei man sich dann sonnderlich gerne vorwaren wollen, damit das haus Brandenburg nicht gedencken oder es ein ansehen haben möchte, als woltte man sich demselben in seinem suchen opponiren, sein vorhofft recht der seßion halben zweifelhafftig machen oder ime ettwas wieder seine gelegenheit zumuthen, sonndern das ire f. Gn.3 gerne das haubtwergk der christenheit zu guthem födern[!] woltte.
Magdeburg: /308’ f./ Danksagung. /309/ Vor ire personen wolten sie nicht gerne ettwas untzimblichs suchen,doch hat Administrator Joachim Friedrich diesbezüglich ein eigenhd. Schreiben an den Ks. gerichtet4, auch hat er, Meckbach, die Umstände gegenüber dem ksl. Rat Rumpf ausführlich dargelegt. Anschließend haben sie und die Kurbrandenburger Gesandten dies in der Audienz vor dem Ks. persönlich wiederholt5und dabei erklärt, das sie irer Mt. sachen nicht vorhindern wolten, wie sie auch nicht theten, und hetten keine ursache zu einigem vortzuge gegeben. Die aber, so dartzu ursach geben, hetten es zuvorandtworten, nicht allein des vortzugs halben, sonndern auch, do ettwas unrichtiges aus irer vorursachunge erfolgen soltte. Die ksl. Mt. und unser gnst. herr sey wohl endtschuldiget, weil sich aber /309’/ die pontificii zusammen gethan, hetten sie es geschehen laßen müßen.Sind bereit, sich zu weiteren Lösungsvorschlägen zu erklären, und erwarten noch eine Weisung ihres Herrn. Lehnen die vom Ks. vorgeschlagene Kommission zur Klärung der Sessionsfrage6ab, weil sie in ihrer Instruktion uff die gemeine stende gewiesen, die sache auch in die gemeinen gravamina gehörete und sie7 einhellig geschloßen, das sie in puncto contributionis nichts willigen woltten, man hette dann den gravaminibus allen und also auch dieser seßion als einer gemeinen sache wurgklich abgeholffen8. So köntten sie sich von inen nicht absondern, sie woltten aber diese umbstende berichten./309’ f./ Sie selbst haben zwei Wege vorgeschlagen9: 1) Interimistische Einnahme der Session nur bei diesem RT; 2) Einnahme unter Protest der katholischen Stände. Da beide Vorschläge abgelehnt worden sind, haben sie auf einen vom Ks. beim RT 1582 angeregten Weg verwiesen10. /310/ Weil sie aber ires befelichs halben weitter nicht gehen köntten, so müsten sie es dabei bleiben laßen und woltten anndere furtregliche mittel anhören.
Kuradministrator Friedrich Wilhelm: Begrüßt, das sie die haubtwergk nicht hindern noch auch der ksl. Mt. vorkleinerung oder schimpff zuziehen woltten. So stellen ire f. Gn. auch dahin, was sie mit anndern stenden rehden wolten. Das aber die contribution uf sonnderliche conditiones oder comminationes gestellet werde soltte, das wehre bei iren f. Gn. nicht wenig bedencklich, sie köntten sich auch dartzu nicht vormögen laßen. Woltten ire erklerung ad imperatorem bringen.
Magdeburg: /310’/ Danken für die Weitergabe an den Ks. Binden die anderen evangelischen Stände ein, weil sie befelich hetten, mit inen zu communiciren und ihr bedencken zubitten. Halberstadt hette sich rundt erklert, wo man ihme die seßion nicht gönnen würde, das er nichts contribuiren wolte11. Sie aber wehren so weitt nicht gangen, und was sie gethan, das kehme aus gemeinem rath, und vor guth an[ge]sehen. Der geistlichen meinung sey, das sie alle familias aus den hohen stifften außrotten wollen, und sagten doch dasselbe außdrucklich nicht, was sie furhetten. Das wehre ein unleidlicher rieß, der würde immer größer; posteritas würde solches finden. Man sagte viel vom turcken. Diese wehren ihre turcken, welche ihnen nach der seele stünden. Uff diesem reichstage hette man noch befunden, das der bäbstliche gesandte indulgentias contra haereticos gegeben hette12. Wann nun der churfurst zu Brandenburg sterben und der herr administrator succediren soltte, was wurde vor vortrauen sein? Sie wollen sich wohl accomodiren, aber man soltte sie auch respectiren./310’ f./ Die Halberstädter RT-Vollmacht wurde von der Mainzer Kanzlei angenommen, ihre dagegen nicht13, /311/ und sey doch keine ratio diversitatis zwischen inen. Das offendire sie nicht unbillich.
Kuradministrator Friedrich Wilhelm: Mit diesen conversationibus etzlich mal hinc inde replicirt und duplicirt. Ist endtlich erbietten geschehen, das man es ad imperatorem bringen wolle14.
[2] /110’/ Unterredung
Kursachsensmit den
Kurbrandenburger Gesandten15: Letztere werden vor Kuradministrator Friedrich Wilhelm berufena, der von A. Bock vortragen lässt: Kuradministrator wollte sich auf die Kurbrandenburger Bitte hin nochmals an den Ks. wenden, hat aber erfahren, das ihn diser sachen gar keine hoffnunge und nichts zuerhaltten wehre. Und stelleten nuhn sein f. Gn. zu unß, wie unß ahnstehen und gebuhren woltte, die consultation und proposition zu hindern./110’ f./ Ks. hat ihm, dem Kuradministrator, gestern durch Trautson die Umstände, insbesondere den hartnäckigen Widerstand der katholischen Stände im Streit um die Session darlegen lassen16. Falls nun sie, die Kurbrandenburger, die Proposition des Ks. weiterhin verhindern, wäre dies ein /111/ hoch bedengklichs wergk, daher nicht allein ihre ksl. Mt. zum hochsten - wußten gleichwol nicht, mitt waß gebuhr - wurden offendiret werden, sondern auch aller unglimpff des ganzen christlichen zustandts[?] und krigs wesens ihn Ungern auff unsere hern und unß17kommen und gelegett werden wurde. Darumb wußten ihr f. Gn. nicht, wie wihr dises gleich woll zuvorantwortten haben woltten. Begereten demnach sein f. Gn. nochmals, daß wihr dises mitt den magdeburgischen reden und sie von ihrem vornehmen woltten abweisen helffen, daß sie abstunden und die proposition, deliberation und daß gantze gemeine wesen ferner nicht difficultiren oder hindern woltten. Seine ksl. Mt. erbotten sich abermahl, diser sachen sich weitter ahnzunehmen und bester muglikeitt nach zu fordern, daß ihr noch bey wehrendem reichstage /111’/ mochte abgeholffen werden. Ks. will für die rasche Klärung eine Kommission einsetzen, auch hat er ein eigenhd. Schreiben an Administrator Joachim Friedrich gerichtet18. Kuradministrator wiederholt demnach seine Forderung, dass sie, die Kurbrandenburger, sowie die Magdeburger Gesandten die Proposition nicht länger verhindern. Und wolte unß gleichwol ihr f. Gn. erinnern und vorwarnen, daß wihr dise sachen also treiben woltten, daß wihr es auch kunfftigk zuvoranttwortten hetten19.
Kurbrandenburg: /111’ f./ Danken für das kursächsische Engagement. Beabsichtigen nicht, /112/ das gemeine wergk und die consultation zuhindern. Wihr wehren auch bey den keiserlichen rethen den tagk gewesen20, die unß fast gleichmessige ahnzeige getan. Denen hetten wihr zur anttwortt geben, wie ihren f. Gn. wihr dan auch nochmals anders nicht anttwortten kontten, dan daß von dem churfursten zu Brandenburgk, unserm gnedigsten hern, wihr den entlichen und ernsten bevehl hetten, unß neben den furstlichen magdeburgischen diser sachen ahnzunehmen. Dieselben kontten oder mochten davon also nicht abstehen, und wehren wihr mehr nicht[als] diener, die sich ihres hern bevehlichs verhaltten musten. Wie dan auch sein f. Gn.21 anders nicht woltten, dan daß derselben diener ihrer bevehl ihn acht nehmen. Nuhn kontten wihr mitt den magdeburgischen auff daß abstehen nicht handeln, wihr wußten auch, daß dasselbig bey ihnen nichts[!] zuerlangen wehre. Und hetten gleichwol sein f. Gn., der administrator zu Magdeburg, ihr recht und possession, und wurdt derselben ein /112’/ schimpff nach dem andern gebothen und zugezogen.Bitten demnach nochmals, der Kuradministrator möge sich die sachen ahngelegen sein lassen und auff bessere wege richten helffen. Und weil sich die geistlichen samptlich, auch die weldlich catholischen ihn diser sachen zusamen thetten und die treiben helffen, so konte auch niemand verargen, daß wihr mitt unserer hern freunde rath hierinnen auch handeltten. Mitt der commission22 wurdt der sachen nicht zu helffen sein, dan die erfahrunge gebe, wan diß mittel verordenet wurde, wie langsam es gienge und waß fohr[!] beschwer und hinderunge dabei wehren. Ihr f. Gn. begerten allein, bey ihren rechten und habender possession gelassen zu werden. b–Die Verhandlungsverzögerung wird verursacht von den geistlichen Ständen, vieleicht mehr darumb, daß sie daß gemein wergk und contribution hinderten dan anderer ursach halben; daß finden sie /113/ beyfall. Wihr woltten zwahr fuhr unß daß wergk nicht gern hindern, aber doch kontten wihr der f. magdeburgischen also nicht mechtigk sein. Betten nochmals, ihr f. Gn. woltten hierinnen bey ihrer f. Gn., dem administrator, und dem hauß Brandenburgk umbtretten und ihnen nochmals die sachen zu guter beforderunge ahngelegen und bevohlen sein lassen–b.
Replik Kuradministrator Friedrich Wilhelms, vorgetragen von A. Bock: Dankt für das Erbieten und versichert, er habe in der Sessionsfrage alles in seiner Macht Stehende getan. Er hat auch zum Lösungsvorschlag gemäß dem Schreiben vom RT 158223mit dem Ks. verhandelt. Es wehre aber darauff ettwaß zuerhaltten unmuglich gewesen. /313’/ Auch wehre dises dabey bedengklich, daß dahemals anno 82 ein revers hette sollen volnzogen und gegeben werden. Deß woltten sein f. Gn. gern bericht von haben. Es wusten sich auch die,[die] dahemals zur stelle gewesen, dises vorschlages nicht, sondern eines andern zuerinnern, darauff der reverß hette gefallen sollen24. Es woltten aber auch itzo ihr f. Gn. den andern vorschlagk auß dem keiserlichen schreiben gern ahn sich behaltten und den bester muglikeitt nach intercedendo befurdern helffenc.
Kurbrandenburg: Haben nochmals die Hintergründe des Streits und die Rechte Administrator Joachim Friedrichs dargelegt, die vorhinderunge gemeiner sachen den bepstlichen zugemessen und dabey beharret, daß so wol die furstlichen magdeburgischen als wihr bey unserer instruction und bevehl verharren mußten; mitt voranttworttunge, daß ihrer f. Gn.25 keine hinderung oder nachlaß zugemessen wurde, mitt weitterer bitte, die sachen weitter ihn gnedigster und guther befurderunge und bevehl zu haben. /114/ Item es ist dabey auch daß zusamen thun und communication mitt den andern stenden entschuldiget worden, dieweil es ettwaß ungleich auffgenohmen und ahngezogen wardt. Dabey es abermals verbliben.
[3] /85’/ Unterredung der
Kurpfälzer mit den
Magdeburger Gesandten26, /85’–86’/ die über die vorausgehende Vorhaltung Kursachsens und ihre Stellungnahme informieren27. Sie, die Kurpfälzer Gesandten, verweisen die Magdeburger dazu auf deren Instruktion, wonach /86’/ sie sich irer session nähern solten,und ergänzen, wie beschwerlich undt zu was ende die commissiones angestelt wurden. Und weiln dieselben auch unter den furnembsten gravaminibus28, were in dem gewahrsam zugehen.Bieten an, gemäß der Bitte der Magdeburger Gesandten eine Sitzung der unabgesonderten evangelischen stende anzustellen.