Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Verhandlungen der katholischen Stände
Textvorlage: Kurmainz B, fol. 65–68.
Vorlage der protestantischen Gravamina. Zusammenstellung der katholischen Beschwerden sowie Formulierung einer Gegenerklärung zu den protestantischen Gravamina in einem Ausschuss.
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Kurmainzbproponiert: Einberufung der Sitzung zur Beratung der von den protestantischen Ständen dem Ks. übergebenen Gravamina4, die der Mainzer Kanzlei vorgelegt und zur Abschrift gegeben wurdenc. Diesbezüglich ist per decretum caesaris5 eß dahin gestellett, ob man nitt geburliche verantwortung und notturfft daruff einwenden woltte.Deshalb jetzt Beratung dazu sowie zur Frage, ob die eigenen katholischen Gravamina seit der Vorlage 1576 und 15826sich gemehret und waß dagegen zuclagen und ir Mt.d zuerbietten, dieselb abzuschaffen, zuerleüchtern und dz gemein catholisch wesen in acht zuhaben. Stünde also davon zu reden.
Umfrage. Kurtrier: Haben die Mainzer Proposition vernommen. Bezüglich der protestantischen Gravamina ist zu unterscheiden zwischen Beschwerden, die sich gegen die katholischen Stände insgesamt, gegen einzelne Stände und gegen den ksl. Hof richten. Da es sich vielfach um bereits in der Vergangenheit vorgelegte Gravamina handelt, sind sie in den Einzelpunkten gegen denen anno 76 et 82 ubergebnen7 zu conferirn; könne man alßdan imperatori bericht thune. Und dieweil catholische hiebevor auch gravamina ubergeben, mainen auch an handt zunemen, was weitter ainem oder dem andern begegnett, /
Kurköln: Die protestantischen Gravamina, die auch schon 1576 und 1582 vorgelegt wurden, richten sich teils gegen den Ks., teils gegen die Mainzer Kanzlei, teils gegen einige Stände. f–Votieren, weil man vorhin bedencken ubergeben und catholische gleichsfals gravamina uberraicht–f, das an handt zu nemen unnd zuerwegen etc. Werde sich finden, das catholische mehr als protestantes zuclagen ursach. Geschehe catholischen unrecht, in deme[sie] beschuldigt, das religionfriden nit halten etc.
Österreich: Die den Ks. betreffenden Beschwerden werde dieser zuverantworten wissen, ingleichen die particular personen. Die gemaine gravamina werde man gegen hievorigen halten müessen, doch mit der erleuterung, weil vil stende vorhanden, so uf vorigen reichstägen nit gewesen, thails nit erfordert oder erschinen. Mainen, vorige catholicorum gravamina ad describendum zu geben. Da dan ainer oder der ander mehr neue gravamina hette, könten zur maintzischen cantzley, ain corpus daraus zumachen, ubergeben[werden] etc.
Bayern: Dies ist ein hochwichtig werck, so wol zuerwegen. Betreffe ehr Gottes, handthabung catholischer religion, g–werde haupt et glider iusticiae[!] angriffen–g. Weil man yetzo mit Reichs /
Bamberg: Repetirt bayrisch votum.
Würzburgi: Diejenigen Stände, die jetzt über die protestantischen Gravamina von 1576 und 1582 verfügen, sollen sie den andern communicirn, und man sich also mit abschreibung nit uffhaltte. Mainen, den maintzischen etliche zuzuordnen, so die gravamina catholicorum zusamentrügen. Wöllen sich mit andern vergleichen.
Jülich: Similiter.
Worms: Repetirt bayrisch votum.
Eichstätt: Wie Össterreich unnd Bayrn.
Speyer: Hetten ursach[der] zusamenkhunfft nit gewust, desto weniger sich unterreden mögen. Sey aber nötig, ain gegenbericht zuthun wie anno 76 et 82. Sey vast das alt lied, allain noch etwas miteingefürt. Werde imperator, Maintz et Speyr8 yeder innsonderheit sich wol zuverantwortten wissen. Was ainem yeden catholico fur beschwerungen begegnet, könne man auch beybringen. Wöllen sich in allem vom mehrern nit absondern. /
Konstanzj: Hetten anfangs gern gesehen, das man Magdeburg zeitlich begegnet hette. Aber weil man yetzo de modo rede, halten nötig, vorige gravamina, uti per Bayrn, ad describendum zugeben, Allain mainen, wan yeder standt seine gravamina privatim solte ubergeben, wurde zu lang werden, sonder das yedes craiß stende ire gravamina zusamentragen etc. k–Yetzige neue gravamina mit den alten nit zumischen, sonder weil sich protestantes selbst getrent, damit man dieselben nit wider herbey ziehe, die neuen allain anhandt zunemen und abzulainen–k.
Passau: Votieren wie Constniz, das neue gravamina mit alten nit zu confundirn, damit diejenige, so sich abgesondert9, nit hertzu gezogen werden.
Trient: Wie Össterreich.
Ellwangen: Gravamina anno 76 et 82 ad describendum zu geben, catholische ire gegengravamina zur maintzischen cantzley zuüberlifern.
Stadt Köln: Wie Bayrn, mit anhang, weil yeder standt seines thails gravamina zur maintzischen cantzley ubergeben solle, seyen von iren herrn nit instruirt.Wollen Bescheid anfordern. Konstatieren bezüglich der jetzt vorliegenden protestantischen Gravamina, dass diese, l–soweit sie die Stadt Köln betreffen–l, gewiß nit von augspurgischer confession zugethanen burgern /
Kurmainz resümiert: m–Stimmen zu, die von beiden Seiten 1576 und 1582 übergebenen Gravamina vorzunehmen, um alßdan desto bestendiger darvon zureden. Seyen selbst nit der mainung, weil sich protestantium etliche abgesondert, das neue gravamina mit alten zuvermischen, damit man die andern nitt auch herbey ziehe. Lassen inen gefallen, das den jenigen, so alte gravamina nit haben, copiae erthailt unnd andictirt werden. Da man nun copias unnd die catholische gegenbericht und neue beschwerungen hette, stunde weiter davon zu consultirn. Das mehrer befinde man, das maintzischer cantzley yemandts adjungirt werde, gestelt neue gravamina et gegenablainung in ain corpus zubringenn unnd alßdann imperatori desto bestendigern bericht zuthun–m./
Beschluss: In den Ausschuss zur Formulierung der Ablehnungsschrift und der eigenen Gravamina werden Kurmainz, Kurtrier, Kurköln, Österreich, Salzburg, Konstanz, Würzburg, Bayern und Jülichoverordnetp.