Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Stückelung und Tarifierung von Silber- und Goldmünzen. Rau- und Feingewicht, Feingehalt, Nominalwert, Prägekosten und Schlagschatz. Verbot der Münzausfuhr, des Münzhandels und der Aufwechslung. Prägung reiner, unlegierter Gold- und Silbermünzen sowie von Kleinmünzen aus Kupfer.
Im FR vorgetragen am 30. 7. 15941.
HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 637–641’ (Or. Dorsv.:Bedencken inn muntz sachen von herzog Friderichen zu Wurttemberg. Praesentatum a domino cancellario salisburgensi 17. Augusti 1594, Ratisbonae. Von anderer Hd.:Lectum in concilio principum et praesentatum 30. Julii stylo novo anno 94. Von anderer Hd.:Uff den kunfftigen speirischen deputation tag.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 274/11, fol. 288–293’ (Kop. Überschr.:Würtenbergisch votum in puncto, dz müntz wesen betreffend. Dorsv.:Copia wirtenbergischen bedenckhens inn puncto, das müntz wesen betreffend. Praesentirt den 21. Julii [31. 7.]anno 1594 zu Regenspurg.) = B.
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Mit den silberen müntzen, die gemüntzt wurden, auf den preiß oder werth 11 fl. 6 batzen das marckh2 fein silber von 16 loth3, unnd dann fur müntzcossten unnd deß müntzenden herrn gerechtigkhait 9 batzen, alß nemblich müntzcossten 6 batzen unnd gerechtigkhayt 3 batzen von jedem marckh, also samentlich 12 gulden4. Solliches gelte im ußbringen ein jedes marckh. Da müesste /
Die reichsthaler5 von 14 loth 4 gren fein, 8 stuckhen aufs marckh, unnd 2 loth am gwicht haltendt: Khäme das marckh im außgeben 10 fl. 10 batzen, unnd hetten solliche thaler iren lauf pro 20 batzen.[Zusatz am Rand:] Vor deß herrn gerechtigkhayt 2½ batzen vom marckh.
Müntzcossten vom marckh ein halb viertl eines stuckhs am gwicht.
Die gulden thaler6 von 14 loth 16 gren fein, 9½ stuckh aufs marckh. Wege das stuckh 1 loth 10 pfennig 12 gren unnd 1/19 thaill eins grens. Da gelte das marckh im außgeben 11 florin 2½ batzen, unnd hette das stuckh seinen gang pro 18 batzen 1 pfennig unnd 14/19 thail ains pfennigs.[Randzusatz:] Gerechtigkhait 2½ batzen.
Die dreybatzner7 von 13 loth 6 gren fein, unnd 50 stuckh aufs marckh. Gelte dz marckh im außgeben 10 florin, unnd wege jedes stuckh 1 quentchen 1 pfennig 2 gren unnd 8/50 eines grens. Hett also seinen lauf dz stuckh pro drei batzen.[Randzusatz:] Gerechtigkhait 2½ batzen.
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Die dreykreutzer10 von 8 loth fein, unnd 120 stuckh aufs marckh, ima außgeben 6 florin. Unnd wegen ain stuckh 2 pfennig 2 gren unnd 2/5 thail aines grens. Unnd hett den lauf das stuckh pro 3 kreützer.[Randzusatz:] Gerechtigkhait vom stuckh 1½ batzen.
Die halbe batzen11 von gleichem fein, alß 8 loth, 180 stuckh aufs marckh, das stuckh am gwicht 1 pfennig 7 gren unnd 3/5b ains grens. Gelte dz marckh am außgeben 6 florin, unnd hette dz stuckh seinen lauf pro ½ batzen.[Randzusatz:] Gerechtigkhait 1½ batzen.
Die kreützer von 6 loth 12 gren fein, 300 stuckh aufs marckh12, unnd das stuckh am gwicht 15 gren unnd dann 108/300 thail aines grens. Gelt dz marckh im außgeben 5 florin, unnd hett dz stuckh seinen gang pro 1 kreützer.[Randzusatz:] Gerechtigkhait 1½ batzen.
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Der preis oder werth des feins in goldt nach dem fein des silbers.
Die guldene müntzen belangendt: Wann man 12 marckh fein silber vor 1 marckh fein goldt von 24 karatz nimbt, soll dz marckh fein sollichen goldts werth sein 136 florin 12 batzen; unnd vor den müntzcossten 15 batzen. Were das marckh, den müntzcossten unnd gerechtigkhait, alß da ist 15 batzen, darunder begriffen, 137 gulden 12 batzen. Nach wellichem feinen man sich in schlagung nachgesetzter guldinen müntzen reguliren möchte:
Die keyserischen oder Reichs ducaten14 von 23 karatz /
Die goldtgulden15 von 18 karatz 6 gren fein, unnd 72 stuckh aufs marckh, das stuckh am gwicht 3 pfennig 10 gren. Geldt das marckh 104 florin 11 batzen 8½ pfennig unnd 45/480 thail aines pfennigs. Unnd hette das stuckh seinen gang pro 21 batzen 9 pfennig unnd das 9½/72 thail pfennigs.
Die französischen oder sonencronen16 von 27 karatz unnd ¾ aines karatz, 70 stuckh aufs marckh, unnd am gwicht dz stuckh von 3 pfennig 11 gren unnd 29/35 thail aines grens. Da gelte das markh im außgeben 130 florin 9 batzen 3 pfennig unnd 375/480 thail aines pfennigs. Unnd hett solliche cronen iren lauf pro 27 batzen 10 pfennig unnd 58/70 thail aines pfennigs.
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Unnd solliches alles nach obgesetztem werth der 136 florin 12 batzen für dz marckh fein goldt, unnd dann ein gulden sowol für den müntzcossten als deß müntzherrn gerechtigkhait vom marckh.
Uber diß khundte ein jedlicher fürst oder herr, so gehörter gestalt müntzen wolte, ain stuckh, 1 oder 2, aufs marckh weniger, alß gemelt, passieren, den müntzcossten davon zuzalen unnd sein gerechtigkhait davon einzuziechen.
Ferrners müesste auch verbotten werden, dz markh goldt oder silber nit im höcherm werth zukhauffen oder zuverkhauffen, alß wie obgemelt, unnd auch mit sollicher müntz zubezalen.
Es seindt auch volgende mitl zu erhaltung der müntzen nit undienstlich: Das sonderlich ob den Reichs constitutionen steiff gehalten unnd also demselben würckhlich nachkhummen werden, sonderlich in dem puncten, dz khain geldt ausserhalb deß Reichs verfüerth werde18. Unnd demnach /
Weil auch etliche unnd zum thaill fürnemme personen durch ire übermessige wechßl, so sie im Niderlandt unnd annderer ortten treiben, die guete müntz hoch steigern unnd aus dem Heilligen Reich bringen, so soll inen solliche hochschedliche wechßl billich nidergelegt unnd abgestrickht werden.
So wuerdt auch zu ferrnerm nachgedenckhen gestelt, ob nit ain mitl, dz müntzwesen im gantzen Römischen Reich in guete richtigkhayt zubringen, sein khundte, das man im Heilligen Reich durchaus grosse guldine unnd silberene müntzen ohne ainen zuesatz schlüege unnd müntzte, wie dann vor der zeyt die römer unnd noch in Engelandt gebreüchig, geng unnd gäbig. Unnd dieweil man auch claine sortten müntz für dz arme pauers volckh haben mueß, so khundt man dieselben claine sortten /
Actum den 20 Julii[30. 7.] anno 94.
Unterzeichnet von Hg. Friedrich von Württemberg.