Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Textvorlage: Kurmainz D, unfol.1
Zurückweisung der Magdeburger RT-Vollmacht durch die Mainzer Kanzlei bis zur Ankunft Kf. Wolfgangs.
In der Mainzer Kanzlei erscheinen am 6. 5. für das Erzstift Magdeburg Kanzler Meckbach und zwei weitere Gesandte2, die dem Mainzer Kanzler und ihm, dem Sekretär, vorbringen: Sind vom postulierten Administrator zu Magdeburg abgeordnet worden, um am RT teilzunehmen. Verfügen dafür über eine Vollmacht sowie ein verschlossenes Schreiben an den Kf. von Mainz und sind beauftragt, beides der Mainzer Kanzlei zu übergeben. Wollen dies hiermit tun.
Einwand der Mainzer Kanzlei: Weil uns ohnbewust, wer vonn wegen Magdeburg - daß dhombcapitel oder aber der postulirt - vonn irer Mt. beschrieben, also hett man bedenckhens, dißmal den gewaltt anzunemmen. Dz schreiben aber woltten wir empfangen und irer kfl. Gn. zu dero ankunfft einliffern. Mitt dem übrigen soltten sie geringe gedultt haben, biß ire kfl. Gn. selbst anhero kemen.
Erwiderung Meckbachs: Befrembdt sich, warumb man den gewaltt nitt annemmen wölle. Werde iren hern und andere dero hern und freünde, so noch ankommen werden, vor die köpff stoßen. Man nemme doch anderer geringer stende gewältt ane und woltte ires hern alß nitt geringen nitt annemmen. Die ksl. Mt. wie auch Cöln churfürst, Würtzburg und andere, deßgleichen vonn dem cammergericht schriebe man irem hern alß administratorn, und sey ein vergleichung zwischen Maximiliano caesare und irem herrn bevor, wann schon an das dhomcapitel geschrieben, seye inen dabey erinnerung geschehen, solches an gehörig ortt zuliffern3; so also über die 20 jhar bißhero observirt worden. Batten nachmals, den gewaltt anzunemmen. Der administrator hett zu anfang diß türckhischen ohnwesens in die 100 000 fl. der ksl. Mt. zur eilenden hilff gelaistet und noch uff 2000 man neben andern zuhalten in vorhaben4. Würde daß ansehen haben, daß ir her nur administrator müste gehaißen werden, wan eß geltt außgeben giltt, wann eß aber die ehr und reputation betreffe, müste er kein administrator sein. Baten, das werckh dahin zudirigirn, daß gleich zu anfangs diß reichstags kein disturbium werde und kein guetten außgang gewinne. Deme man mitt annemmung deß gewaltts undt waß irem hern geburt, wol vorkommen könne. Außerhalb welches eß nitt dabey pleiben werde etc.
Erwiderung der Mainzer Kanzlei: Entschuldigen sich nochmals alß dienerund bitten um Geduld bis zur Ankunft des Kf., weil doch dardurch nichts abgeschlagen seye.
Meckbach lässt es dabei bewenden, merkt aber an, falls der Kf. von Mainz nach seiner Ankunft gleiches bedenckhen haben werde, daß den sachen dardurch nitt abgeholffen. Soltt derwegen ein guetter anfang gemacht werden, daß daß ende auch gutt seye5.