Rechtfertigung des ksl. Dekrets zum Magdeburger Sessionsverzicht gegen den Protest der katholischen Stände.
Dem Ks. vorgebracht am 21. 7. 1594 noch vor den Abschlussverhandlungen mit den Gesandten des Hauses Brandenburg um die Endfassung des Dekrets zum Sessionsverzicht.
HHStA Wien, RHR Judicialia Antiqua 273/4, fol. 393–396’, 391–392’ [Ablagefehler] (Konz. Hd. Hannewald. Überschr.:Relatio der herrn gehaimen räth, 21. Julii anno 94, in causa Magdeburg. Späterer Dorsv.:21. Julii 1594. Relatio der hern gehaimen rhätt, wie der stritt vermittellt werden möchte.) = Textvorlage.
/393/ An den Ks.: Die Geheimen Räte haben die heute vorgelegte Eingabe der katholischen Stände1beraten. Dabei handelt es sich zunächst um eine declaration,wonach sie nicht zugestehen können, mit Magdeburg und anderen [reformierten] Hstt. sowie deren vermeintlichen Administratoren weder izt oder künfftig in /393’/ einich vergleichung zu schreitten, sondern weil vor und seider auffgerichtem religion friden kainer derselben administratorn oder inhaber die session und stim im Reichs ratt jemals gehabtt, so pitten sy, euer ksl. Mt. wollen es dabey bewenden lassen undt dem religion friden nichts praejudiciren, auch nitt guthaißen, dz der magdeburgische neulich de facto der session sich unternommen. Soltte aber ichtes dawider per decretum, schrifft oder schein fürgehen, so woltten sy (wie sy den thuen) für Gott und aller welltt protestirt haben.
/394/ Diese Deklaration und Protestation beurteilen die Geheimen Räte dahingehend, dass die catholische stendt ihrer profession und gaistlicher pflichtt halben nitt weniger thuen können. Dieweil aber dieser magdeburgische stritt numehr fast bey allen Reichs tägen seider auffgerichtem religion friden auff die bahn kommen, so wohl auff gemainen versamblungen als auch entzwischen am ksl. hoff/394 f./ von Ks. Maximilian II. wie auch von ihm, dem Ks., selbst, /394’/ auff ein interim gerichtet undt baide tail bey glimpff, biß Gott und die zeitt bessere mittel an die handt gebe, gerichtet worden, so sehen die gehaime räth nitt, waßmassen diser zeitt, da die türckische undt innerliche gefahr vil grösser als für jahren sich erzaigt, nitt allain one bevorstehende weitterung und bruch des gemainen reichstags, sondern auch unwiderbringliche scissur des ganzen Reichs aus denen hievor gebrauchten /395/ temperamentis geschritten werden möge.
Derhalben möchte zwar der catholischen protestation ad acta protocollirt und pro ipsorum iure conservando vleißig verwahrt werden, auch, do es euer ksl. Mt. gefile, mündtlich sovil antwort und anzeig beschehen, euer ksl. Mt. hetten ihnen nyemals in synn genommen, widder sy, die catholische stendt, oder unser uraltte religion und den religionfriden ichtes fürzunemen. Wz aber diese sach betreffe, hetten sy bißhero selbst gespürt, in wz schweren terminis /395’/ der strit versire und wie gutt es wehr, das man einist disen difficultatibus gebürlich ratt schaffen könt. Solches könne dismahl nitt sein, euer Mt. woltten aber nochmals allen vätterlichen muglichen vleiß furwenden, ob were one nachteil des religion fridens ein mittel undt modus zu finden, wie uff dergleichen fell die algemeine Reichs versamblungen, auch deputation- undt visitation täg nitt gestreckt[?], sonder die stendt one trennung in herbrachter altter verfassung beysammen bleiben mögen.
/396/ Zudem haben die katholischen Stände keinen Anlass für den Protest, sintemal nach vleissiger erwegung aller wortt und umbstendtt euer ksl. Mt. gehaime räth in dem schrifftlichen document de non praeiudiciando, so den magdeburgischen zugestellt werden soll2, nichts zu sehen, dz euer Mt. unverantwortlich oder den catholischen nachteilig sei; auch einmal gewiß ist, dz ermelte brandenburgische3 von ihrer angemassten session nitt weichen werden, sy seyen dan versichert, dz es ihrem hern an seinen praetensionibus unschedlich sein solle. So hielten die räth gehorsamblich dafur, es mechte den negsten /396’/ unverhindert der catholischen einredens dasselbe document den brandenburgischen vorgehalten werden mit der anzaig, dz solches alles in substantia dem jehnigen, weß sich euer Mt. gehaime räth mit ihnen verglichen, gleichformig sei. Undt dieweil euer Mt. der genzlichen mainung, dz ihre hern undt sy genugsam dorinnen assecurirt, so solten sy one verner disputat solchs annemen und weitter in euer Mt., als die kein anders eingehen kontten, nitt dringen. Wolten sy /391/ dan der wenigen emendation halb und dz dis wortt „eingenommener“ session umbgangen wirdt, jhe so hoch sich beschwehren, so können die räth nit sehen, sintemal in ipso facto die einnemung widersprochen wirdt, auch kain ordentlicher rat, votirung oder umbfrag domals, weil Dr. Meckbach gesessen, gewesen4; wie euer Mt. ihnen des jehnigen, so nitt also furgangen, kuntschafft geben können. Dessen wurde derhalb die brandenburgischen zuerynnern sein. Aber in eventum, do sy uber alle persuasiones dz concept der gestalt nit eingehen wolten, so ist widerumb ein ander exemplar gefertigt, dorinnen fur dz wort „eingenommener“ session „fürgenommener“ gesetzt worden5. /391’/ Und dieweil hieruff mehrbemelten magdeburgischen umb drei uhr angesagt, vor euer Mt. gehaimen räthen zuerscheinen6, so wöllen die räth allen fleiss, mittel und weg vorwenden, wie sy diß wesen zum accordo bringen undt, wz doruff weitter ervolgt, euer Mt. gehorsamblich berichten.