Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Bitte um Befehl an die Reichsstädte, Augsburg die Teilnahme an Beratungen des SR zu den Themen der ksl. Proposition nicht länger zu verwehren.

Dem Ks. übergeben am 15. 6. 15941, im SR zusammen mit dem Dekret des Ks. [Nr. 360] übergeben und verlesen am 20. 6.2

HStA München, KÄA 3231, fol. 158–159’ (Kop. Dorsv.:An die röm. ksl. Mt. allerunderthenigist anlangen der statt Augspurg abgesanndten. Auf 15. Junii anno 1593 [!]selbsten der ksl. Mt. übergeben. B.) = Textvorlage. StadtA Augsburg, RTA 56, fol. 287–288’ (Kop. Überschr. entsprechend Dorsv. der Textvorlage, mit korrektem Datum:15. Junii anno 94.) = B. StadtA Speyer, 1 B Nr. 349, fol. 183’–184’ (Kop. Überschr.:An die röm. ksl. Mt. aller underthenigst anlangen der statt Augspurg abgesandte.) = C. StA Nürnberg, NRTA 112, fol. 617–618’ (Kop. Dorsv. entsprechend Textvorlage, ohne Übergabedatum an Augsburg. Zusätzlich:Praesentirt im stettrath den 10. Junii [20. 6.]1594.). StadtA Ulm, A 647, fol. 1028–1029 (Kop.). ISG Frankfurt, RTA 88, fol. 225 f., 230 f. (Kop.).

Druck: Moser, Staatsrecht XL, 458 f.

/158/ An den Ks.: Obwohl der Ks. den Rat der Stadt Augsburg zum RT geladen und die Teilnahme an den Verhandlungen zu den im Ausschreiben genannten Punkten nachdrücklich gefordert hat, unterstehen sich die Gesandten der Reichsstädte (mit Ausnahme einiger Verordneter), sie, die Augsburger Bevollmächtigten, von den Beratungen des SR auszuschließen, begründet damit, dass Augsburg etlich jar heer /158’/ von der stett particular tägen unnd zuesamenkhunfften aus etlichen fürnemmen, erheblichen unnd sy dartzue bewegenden sonndern ursachen abgesondert unnd noch thuen. Doch haben sy inen darbey außdruckhenlich bevora bedingt unnd vorbehalten, bey andern Reichs versamblungen unnd tägen neben gemainen erbarn stetten zuerscheinen unnd in Reichs stätträthen iren standt unnd stim zuvertretten. Dannenhero gebürth inen, den stätten, gahr khaines weegs, unns von unserer herrn unnd obern wegen aus dem rath zuschließen, welcher nit ir, der erbarn stätt, sonderbarer rath oder conventus, sonnder ein gemainer Reichs rath ist, zue welchem euer ksl. Mt., wie oberzelt, unsere herrn unnd obern bey iren pflichten ervordert. Wie dann auch khain statt fueg oder macht, unns davon zu excludirn; sambt dem, das es exemplo nit allain inauditum, sonnder auch propter consequentiam perniciosum were, das euer ksl. Mt. den stätten /159/ ein solchen unfueg gestatten sollen.

Damit wir dann beim Reichs stettrath wie billich zuegelassen werden, so lanngt unnd ist an euer ksl. Mt. unnser allerunnderthenigist bitten, sie wellen der erbarn stett gesanndten durch ein ernstlichen bevelch alßbaldt schaffen unnd gebieten, unns von unserer herrn unnd obern wegen beim stättrath wie auch dem ausschus, dartzue wir alberaith von gemainen erbarn stetten deputirt worden3, ohne alle außschließung zu admittirn unnd bey berathschlagung euer ksl. Mt. proposition unnd Reichs sachen zugedulden. Solches beschicht von gemainen nutzes unnd euer Mt. ksl. hoheit wegen billich.

Schlussformel. Unterzeichnet von den Gesandten der Stadt Augsburg.

Anmerkungen

1
 Vgl. Augsburg B, fol. 45 f.: Morgens um 7 Uhr wollen die Augsburger Gesandten die Supplikation Obersthofmeister Rumpf mit der Bitte um Vorlage beim Ks. übergeben. Dagegen empfiehlt Rumpf, sie sollten sie dem Ks. persönlich während dessen Gang zur Messe überreichen. Daraufhin begeben sich die Gesandten in das ksl. Quartier, legen dem Ks., als er in die Ritterstube kommt, die Supplikation vor und resümieren mündlich deren Inhalt. Der Ks. antwortet persönlich: Ist darüber erfreut, dass Augsburg Gesandte zum RT geschickt hat. /45’/ Und weil sich dise statt gegen ir Mt. bißhero in mer weg aller gehorsamest und wilfarig erzeigt, weren sy denselben mit gnaden gewogen und solches zuerkennen geneigt.Will die Supplikation beraten und sodann die gebur darauf allergnedigist verfugen.Schon um 9 Uhr wird der ksl. Geheime Rat zur Beratung der Supplikation einberufen (vgl. zu dieser Beratung: Anm. 2 bei Nr. 360).
2
 Ulm, fol. 41’ [Nr. 111].
a
 bevor] Fehlt in B und C.
3
 Vgl. Ulm, fol. 25’ f. [Nr. 103].