Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Von der CA abweichende Lehren wie der Calvinismus und anderweitige Sekten als Hindernis für die Klärung der Gravamina. Teilnahme an der Beratung von Religionsbelangen mit Reichsständen, die von der CA abweichen, nur mit dem Vorbehalt, damit den Calvinismus und andere Irrlehren nicht zu approbieren.

Formulierung beschlossen in einer internen Pfalz-Neuburger Beratung am 4. 6. (25. 5.) 15941 und konzipiert vom Pfalz-Neuburger Rat J. Zöschlin.

HStA München, K. blau 275/1, fol. 75–78’ (Konz. Hd. Zöschlin. Dorsv.:Protestatio. A.) = Textvorlage. Knapper Auszug bei Kossol, Reichspolitik, 61.

Der Protest wurde nicht übergeben. Vgl. einen Vermerk von Hd. Zöschlin beim Konz. (fol. 77’): Der Protest in dieser Form wurde nicht vorgebracht, sondern nach weiterer Beratung und einer Unterredung mit dem kursächsischen Theologen Dr. Hunniusist für rathsamer ermessen worden, das unser gnediger fürst unnd herr sich neben den calvinisten inn ein gemeine deliberation nicht einlassen, sonnder sich rund erkleren soll, was irer f. Gn. gemuett hierunder sey. /77’ f./ Daraufhin hat der Pfgf. am 5. 6. (26. 5.) 1594 befohlen, seine diesbezügliche Haltung schriftlich zu formulieren. Dies ist geschehen2.

/75 f./ Die anwesenden evangelischen Stände wissen, dass die aufgrund der Verstöße gegen den Religionsfrieden und andere Reichsgesetze auf vielen RTT vorgebrachten Klagen der CA-Stände bisher zum größten Teil nicht geklärt worden, sondern vielmehr weitere Beschwerden dazu gekommen sind. Deshalb soll jetzt /75’/ eben umb diser ursachen willen gegenwertiger convent unnd deliberation furgenomenwerden.

Allerdings müessten die stennde augspurgischer confession auß der erfarung bekennen, das dise beschwerden nicht wenig daher geheufft oder doch zu dero entledigung darumben so langsam gerathen, dieweil die jenige, so vonn dem papst unnd seiner religion abgetretten, bei der rainen augspurgischen confession unnd Gottes unfelbarem wort zum thaila nicht verbleiben, sonndern hin und wider neue unnd irrige opiniones unnd darunder /76/ auch des Calvini dogma ye lenger, ye mehr, einfueren unnd schier ein yeder ein neue sect seines kopfs bestreitten, vertaidigen unnd verfechten wöll. Wie es dann auch laider dahin gerathen, das vil articul der augspurgischen confession, wie dieselbig anno 30 bvom churfursten von Sachsen undt ettlichen fursten undt ständen deß Reichs–b uff dem damals zu Augspurg gewesenen reichstag ubergeben worden3, offentlich inn schrifften unnd auff der cantzel durch calvinische undt anderec lehrer unnd praedicanten verlestert, verdammet unnd verketzert würdet. Wie nun solches allen rechten unnd waaren, der augspurgischen confessions verwandten gantz bekümmerlich zu gemueth gehet, allso könden dieselben bei sich leicht ermessen, was es nicht allein bei der röm. ksl. Mt., unnserm allergnedigsten herrn, sonnder /76’/ auch den stenden päpstlicher religion für ein sellzam verweißlich ansehen haben werde, wann die stennde augspurgischer confession inn sachen, die religion betreffend, mitt den jenigen wider das bapstumb für ainen mann stehn sollte[n], welche doch in religione unnd den fürnembsten articulis fidei mitt denselben nicht einig. Derowegen unnd wann dise consultation dahin angesehen, das bei derselben solche puncten sollen tractirt werden, so die waare religion betreffen, so thuen sich die unnderschriebene stennde augspurgischer confession offentlich hiemitt bezeugen, das sy durch solche communication unnd zusammentrettung des Calvini oder anndere irrige opiniones imm[!] wenigsten guetthaissen oder approbirn, sonnder ainig unnd allain bei /77/ der jenigen unfelbaren, waaren religion, wie dieselb der in anno 30 ubergebenen augspurgischen confession einverleibt unnd durch den hailsamen religionfriden zugelassen worden, bestendig mitt Gottes hilf unnd beistannd verbleiben wöllen; do sie auch dessen vonn hohen oder nidern standts personen befragt werden, sie nicht hinum könden, in fidei testimonium solch ire confession zuerholen. Welches allso die stende rainer augspurgischer confession den anndern anwesenden stenden zur nachrichtung nottringenlich sollen vermelden. Gar nicht der meinung, yemandts dardurch einige iniuri oder auch offension bei anndern stenden zuzuziehen, sonnder allain christlicher und bester wolmeinung, unnd imm werckh ad exonerandam conscientiam damitt zubezeugen, das mann /77’/ solcher vorhabender consultation annderst und weitter nicht, dann praevia hac declaratione beiwohnen könd oder solle.Bitten um Beachtung dieser Erklärung sowie um Aufnahme in das Protokoll.

Anmerkungen

1
 Vgl. Anm. 5 bei Nr. 184, Abschnitt B.
2
 Vgl. Nr. 394.
a
 zum thail] Hinzufügung am Rand von anderer Hd.
b
 vom … Reichs] Hinzufügung am Rand von anderer Hd.
3
 CA 1530: Seebass/Leppin, Confessio, 85–225; zur Übergabe: Ebd., 69.
c
 undt andere] Hinzufügung am Rand von anderer Hd.