Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Ablehnung der Übergabe einer zweiten Version der Gravamina durch Kursachsen und andere Stände, welche die von Kurpfalz formulierten Beschwerden nicht unterzeichnet haben.

Datum: Regensburg, 20. 7. (10. 7.) 1594. Übergeben am 21. 7.

HStA München, K. blau 275/1, fol. 317–319’ (Kop. Dorsv.:Copia würtenbergischer resolution in puncto gravaminum. Praesentirt Regenspurg, den 11. Julii [21. 7.]anno 94.) = Textvorlage.

Knapp referiert bei Kossol, Reichspolitik, 69 f.

/317/ Hg. Friedrich ist über die dem Ks. von einigen Kff. und Ff. bereits übergebenen Gravamina1ebenso informiert worden wie über die Verhandlungen von Kuradministrator Friedrich Wilhelm von Sachsen, Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg und der Gesandten Pfalz-Simmerns, Pfalz-Veldenz’, Pommerns, Mecklenburgs und Württembergs zur Frage2, ob nit vonnötten sein wolte, die wider gemeine Reichs constitutiones hin unnd wider fürlauffende gravamina /317’/ höchstgedachter ksl. Mt. besonnders zu übergeben3. Dabey auch allerhandt bedenckhen in ein unnd anndern weg fürgefallen etc.

Wann nun ir f. Gn. disen puncten weitters erwegen laßen, solchem auch mit fleiß selber nachgedacht, aber dabey befunden, das obberürte der ksl. Mt. überraichte gravamina mit den jenigen, so besonnders fürgebracht werden sollten, in materia fast überainstimmen, ir Mt. sich auch darüber alberaith in einer vorantwortt resolvirt, darwider die supplicanten replicirt4, unnd es nun uff irer Mt. ferrnerer erclerung beruhet, so will derwegen bey ir f. Gn. sehr bedenckhlich sein, allererst eben solche gravamina widerumb fürbringen zuehelffen.

Solches auch umb sovil desto mehr, weil hierdurch noch ein weittere offentliche trennung ervolgen wurde, in dem man sich nit allein von allen denen, in deren namen mehrberürte gravamina alberaith geclagt (darunder doch nit /318/ wenig stendt begriffen, so der rainen augspurgischen confession zuegethan), sonder auch vorgedachter pfältzischer, pommerischen unnd mechelnburgischen gesandten herrschafften (allß welche, in solche absönderliche übergebung zue willigen, bedenckhens tragen5) separien unnd absondern müesten. Daher dann die papisten, iren vorthail, die abhelffung mehrbesagter gravaminum zuverhindern, zuesuechen nicht underlaßen würden.

Nachdem auch ir f. Gn. daneben bedenckhen, im fall obbesagten geclagten gravaminibus nit sollte abgeholffen werden, das man allßdann die schuldt uff dise absönderung legen möchte, nachdem eben dieselbig allein mit fürgenommener enderung unnd milterung zue widerholen weren, allß ob man die anndere dardurch (wie man es deütten möchte) improbirt hette, so erachtet ire f. Gn. desto rathsamer, /318’/ zu verhüetung angedeütts unglimpffs hierunder weitters nichts fürzunemmen, sonnder der ksl. Mt. resolution zuerwarten sein.

Damit aber daneben nit möge darfür gehallten unnd außgeben werden, allß ob man sich der gravaminum unnd gemeinen beschwerden nichts annemmen wöllen, hallten ir f. Gn. darwider für ein füeglich mittel, das man sich im votiren dahin zuercleren, da ir Mt. den wider die Reichs constitutiones fürgehenden gravaminibus gnedigst abhelffen würden, die stendt sich allßdann in puncto contributionis mit den beharrlichen hilffslaistung[en] auch willfehriger erzaigen wollten; inmaßen dann ir f. Gn. sich bißhero in dero votis außtruckhenlich vernemmen laßen etc.

Signatum Regenspurg, den 10. Julii[20. 7.] anno 94.

Unterzeichnet von Hg. Friedrich von Württemberg.

Anmerkungen

1
 Nr. 390.
2
 Vgl. Nr. 210, Abschnitt B, mit Anm. 3.
3
 Bezugnahme auf die von Kursachsen konzipierten Gravamina [Nr. 389].
4
 Nr. 403, 404.
5
 Vgl. Nr. 205, Abschnitt C.