Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Neue Verstöße gegen den Religionsfrieden seit den Gravamina 1576 und 1582: Duldung von Sekten unter dem Deckmantel der CA. Störung der friedlichen Koexistenz von CA- und katholischen Ständen durch Calvinisten und andere Irrlehren. Konsequenzen von deren Duldung für CA- und katholische Stände. Schmähungen des Papstes und der Katholiken in protestantischen Predigten und Schriften, Ablehnung des Gregorianischen Kalenders. Bitte um Maßnahmen gegen Irrlehren sowie die Annahme andersgläubiger Assessoren am RKG unter dem Vorwand der CA. Beeinträchtigung der katholischen Glaubensausübung und des katholischen Besitzstandes, Verhältnisse in Kondominaten und gemischt konfessionellen Reichsstädten. Verhinderung katholischer Prozessionen auf Grund und Boden protestantischer Stände. Missachtung des Geistlichen Vorbehalts: Versuche, die Hstt. Halberstadt, Osnabrück, Straßburg und Köln zu profanieren, Verhältnisse in den Hstt. Halberstadt und Straßburg. Einzug und Profanierung von Mediatklöstern und mediatem Kirchengut unter Verstoß gegen den Religionsfrieden: Eingriffe im Hst. Worms durch Kurpfalz, Verstöße durch die Städte Regensburg, Heilbronn, Kaufbeuren, Frankfurt und Worms, Gff. und Hh. sowie die Reichsritterschaft in Franken und Brandenburg-Ansbach. Behinderung der geistlichen Jurisdiktion, Protektion abgefallener Geistlicher durch protestantische Stände. Beeinträchtigung der Zehnten und anderer geistlicher Gefälle, übermäßige finanzielle Belastung katholischer Institutionen in protestantischen Territorien. Missbrauch der Verpflichtung, protestantisch besetzte Pfarreien aus katholischen Einnahmen zu unterhalten. Abwerbung katholischer Untertanen. Verstöße gegen das ius emigrandi in protestantischen Territorien. Verstöße gegen den Religionsfrieden in Straßburg und anderen Reichsstädten.

Im Plenum der katholischen Reichsstände verlesen und gebilligt am 31. 7. 15942. Von den katholischen Ständen kopiert am 4. 8. Der Kurpfälzer Kanzlei zusammen mit der Duplik des Ks. zu den Gravamina3 übergeben am 16. 8. Im Plenum der protestantischen Stände bei Kurpfalz vorgelegt, aber nicht verlesen am 17. 8.4

HHStA Wien, RK RTA 66a, fol. 41–65’ (Kop. Dorsv.:Gravamina der catholischen stendt.) = Textvorlage. HHStA Wien, MEA Religionssachen 7 Fasz. 2, fol. 178–214’, 228’ (Konz.5 Dorsv.:Gravamina der catholischen stende. Lectum Ratisbonae in coenobio praedicatorum den 4. Augusti anno 1594.) = B. HStA Dresden, GA Loc. 10203/4, fol. 383–409’ (Kop. Überschr.:Gravamina catholicorum, Ratisbonae anno 94 imperatori exhibitorum. Dorsv. wie in Textvorlage) = C. LAV NRW R, Kurköln VI Nr. 152, fol. 227–258 (Kop. Aufschr.:Der röm. ksl. Mt. zu Regenßburg anno 94 den 30. Julii [!]ubergeben.). HStA München, KÄA 3231, fol. 1–24 (Kop.). HStA Stuttgart, A 262 Bd. 71, fol. 177–204’ (Kop.).

Referiert bei Struve, Historie, 392–395; Wolf, Geschichte Maximilians, 155–169 (lückenhaft); verbessert: Stieve, Politik I, Beilage Nr. 7 S. 452–463. Auszüge: Moser, Staatsrecht X, 416; XL, 530 f.; XLI, 139, 222, 298, 301–303, 379, 382 f., 462 f., 470, 475, 486, 489, 533, 536. Vgl. Pastor, Geschichte XI, 245 f.; Janssen, Vorbereitung, 121 f.; Ritter, Geschichte II, 122.

Viele Punkte wurden den beim RT vorgelegten Einzelbeschwerden katholischer bzw. geistlicher Stände entnommen und meist in inhaltlich gestraffter Form wiedergegeben. Die Übernahmen werden jeweils ausgewiesen, Erläuterungen zu angesprochenen Bezügen finden sich im Kommentar bei den Einzelbeschwerden. Dagegen werden die überwiegend wörtlich übernommenen Gravamina des Hst. Regensburg hier ausgeführt.

/41/ An den Ks.: Demnach der Ks. aus der beiliegenden Gegenerklärung der katholischen Reichsstände zu den etlicher angebner der augspurgischen confeßion zugethaner stendtBeschwerden vernehmen kann6, dass sie, die katholischen Stände, sich nicht allain schuldig erkennen, uf derselben allergenedigisten bevelch wider yetzgemelte der augspurgischer confession verwanter stende clagen ire verantwortung, gegenbericht oder ablainung zuthun, sonder dz auch ire unumbgengliche notturfft erfordere, ob sie wol euer ksl. Mt. bey andern hohen fur des Hl. Reichs und gemaine wolfarts tragenden und obligenden sorgfeltigkaiten am liebsten verschoneten, nichts destoweniger doch auch ire gegenbeschwernußen gehorsamist vorzutragen, als haben sie dieselbige, vorgehender ablehnung nachzusetzen, nit umbgehen mögen; azu dem ende, damit euer ksl. Mt. darausser allergenedigist abnemen könden–a, dz die hiebevor zu underschidlichen zeitten, sonderlich aber anno 76 und 82 einbrachte clagen7 (deren erledigung unnd abschaffung die catholische stende sich der pillichkait nach lang getröstet haben) nicht allain nicht nachlassen, sonder sich also vermehren und die catholische stende und ire underthanen von dem andern thail von jahren zu jahren, ja täglich /41’/ so wol an irer religion, kirchengebreuchen, ceremonien etc. als haab und guetern, auch den personen selbst zum hefftigisten betrangt und belestigt werdenb; unnd also verhoffentlich dermaln ains bewogen werden mogen, dem catholischen standt zu rettung irer religion, derselben kirchengebreuchen, ceremonien so wol auch erhaltung irer im Hl. Reich hin und wider wol fundirter und ohn underlaß angefochtener ertz- unnd stiffter allain zu notturfftiger defension und verthedigung und im geringsten nicht, anderer confession verwandte zu offendirn c(dessen sy yemals understanden zuhaben mit bestandt nicht zubezeugen)–c, die hulfliche handtbietung widerfaren zulassen.

Unnd solche angedeutte beschwernussen underschiedlich, auch wie sie den catholischen gegen und wider alle puncten unnd articul des heilsamen religion fridens begegnen, desselben beschribener ordnung nach zuertzelen:

Werden sich euer ksl. Mt. in ksl. gnaden erinnern, das vor disem uf der catholischen stende seitten dfur den haubtsachlichen ursprung alles zwischen den stenden ufwachssenden mißtrauens geclagt worden–d, ob wol vermoge deß § „Doch sollen etc.“, im religion friden begriffen8, kain religion oder confession, so der uhralten catholischen religion oder der augspurgischen confession nicht anhengig, in dem religion friden gemaint, sonder gantzlich davon außgeschlossen sein soll, dessen sich dann hernacher im 66. jahr enach disposition deß § „Auf das aber etc.“ desselbigen jahrs zu Augspurg ufgerichten ab- /42/ schiedts–e,9 die ksl. Mt. mit den gemainen stenden noch ferner verglichen, dz nemlich der secten und irrigen opinionen, so sich von baiden, der alten religion unnd augspurgischen confession, absondern oder denselben zuwider seyen, vermoge religion fridens kaine gelitten noch geduldet, sonder allenthalben der gebüer und dem religion friden gemeß gentzlich abgeschafft werden sollen: Das doch dem zugegen wie zuvor also auch noch und ye lenger, ye mehr, unter dem schein der augspurgischen confession allerhandt secten einschleichen, die sich mit solchem titul bedecken. Also wiewol die gantz zuversichtliche hoffnung getragen wurdt, wann solche baide religion und confession aintzig nur allain im Hl. Reich verstattet, man sich besser mit einander gedulden wurde und verträglicher leben konte, in sonderbarer betrachtung, der augspurgischen confession verwandte sich ye unnd allwegen deß ufgerichten religions fridens hochlich bedanckt, wie derselben replicschrifft, den 17. Februarii anno 57 euer ksl. Mt. geliebten heren anherrn, aller mildester gedechtnus, ubergeben10, mit sich bringtf, auch zu mermalen ercleret unnd erbotten, die hohe des Reichs ertz- unnd stiffter mithelffen zuerhalten, sie bey iren election, administration und guetern zulassen, dz auch ir gemueth, mainung oder will nicht seye, deren gueter den Reichs stifftern zu nachtail von abhanden oder zu zerrüttung und prophanation bringen zulassen, sonder vil mehr neben andern Reichs sten- /42’/ den daran zu sein, da sich yemandt ainiger gerechtigkait der ertzbischoff- und bischoffthumb, auch anderer stifft anmassen wolte, dieselbige davon abzuweisen und kaine prophanation der geistlichen gueter zugestatten. Welches ire supplication, anno 76 ubergeben, auch außweiset11, in dem dann die clausul mit angehenckt wurdt, dz sie, die catholische, bey irer freyen election, wahl, christlicher administration, statuten, digniteten, freyhaiten unnd guetern bleiben sollen; gwie dann ain gueter, vornemer des Hl. Reichs stende thail, so sich zu der augspurgischen confession bekennen, bißhero sich gegen den catholischen stenden aller beschaidenhait und gueter fridtfertigkait erwisen und nicht in ungleichem vertrauen mit denselben heerkomen–g: Das doch bey solcher vermischung anderer irrigen opinionen und sonderlich hdes einschleichenden calvinischen, schwenckfeldischen und anderer mehr irrthumben–h die rechte augspurgische confession wo nicht allerdings cassirt oder ye verdunckelt, doch die gemueter, so biß anhero bey den herrschafften unnd underthanen nicht ohnfridtferttig oder unvertreulich vermerckt worden, so weit verendert werden, dz man sich des religion fridens weder im buechstaben noch billichmeßigen verstandt oder auch aller außtrucklichen und ainßthails obangezogener, vorgangener erclerungen nicht mehr erinnern will, sonder in dem, was allain zu außreuttung unnd vertilgung der catholischen religion gedeyen mag, sich allerdings zuverainigen unterstehet. Dahero dann scheinbarlich befunden wur- /43/ det, dz den catholischen stenden unnd irer religion durch verfolgung irer geistlichen unnd weltlichen underthanen, abschreckung und abpracticirung derselben, iauch abstrickung oder beintrechtigung[!] irer zehenden, gefell, zinß, gueter und aller habender recht und gerechtigkaiten–i gantz beschwerlich zugesetzt und sie allerdings ermattet unnd geschwecht werden, in dem auch der alten völcker und haiden recht zuwider weder kirchen noch closter oder clausen noch geistlicher personen verschonet wurdt.

Wie unter anderm ain fast ergerlich und beschwerlich exempel in dem stifft Regenspurg12 zuerzelen nicht umbgangen werden mage, do in der kfl. regirung Amberg die vorige do geübte augspurgische confession gleichwol mit hochstem clagen der underthanen unter dem namen ainer reformation geendert worden13 und bald hernach gedachte regirungj in ain gemeltes stiffts hofmarck unnd schloß, Heimhof genant, erstlich eingefallen und mit vorgebenen bloßen schein, das es der Chur Pfaltz als ain castelichk lehen haimgangen, dasselbig eingenommen, die alte catholische religion, so zuvor der ortts exercirt worden, so baldt abgeschafft unnd dargegen ire neue confeßion eingefurt14. Dz darauf auch dises ervolgt, als diß stiffts Regenspurg beambte ain geringe privat person zu Hohenburg billicher und wolbefuegter ursachen halben in verstrickung genommen, der landtrichter zu Amberg an ainem heiligen sontag /43’/ morgens gehn Allerspurg, unmittelbar in deß stiffts herrschafft unnd jurisdiction Hohenburg gelegen, in die kirchen, alda die gemaind bey dem gottesdienst und der pfarher in sacris ob altar gewesen, eingefallen und anstatt ainer gegenpfandung, da er doch leichtlich 2 oder 3 andere weltliche person nemmen konnen, doch zu sonderm despect der geistlichen unnd der catholischen religion den priester unter dem hochheiligen opfer der meß, in dem er gleich canonem minorem anfahen wollen, vom altar hinwegk genommen, gehn Amberg gefurt, ime auch kaum sovil raum oder zeit lassen wollen, dz er dz meßgewandt und paramenta abziehen mogen15.

Wie sonsten in andere wege gegen underthanen, auch kirchen und allen gerechtigkaiten der catholischen gebahret werde, wurdt die nachvolgende deduction geben. Unnd ist diß vorig allain zu dem ende gemeldet, dz euer ksl. Mt. allergnedigist dabey abnemmen, wie sorglich und gefahrlich, auch zu vermehrung alles mißtrauens die unterschlaiffung deren unzuelässigen opinionen in glaubens sachen mit der augspurgischen confeßion geraichen thue. Darunter nichts anders gesucht, als die der augspurgischen confession verwandte gegen dem catholischen standt allerdings zuverhetzen und zuverbittern, neben inen noch ein andere, unzugelassene, verbottene lehr oder sect unter die protection des hailsamen religion- unnd prophanfridens zubringen und hergegen die catholische dessen zuver- /44/ tringen und in alle gefahr zu setzen; unbedacht, was der religion friden verordne, zuelassen oder verbieten möge, auch wie der augspurgisch confession verwante sich hernach auch selbst gegen denen, die sie also an sich ziehen, aufhalten mögen.

lUnnd hülfft zu vorgesagter verbitterung gar wol die unaußsprechliche schmahung, so hin und wider uf des andern thails cantzeln uber die catholische ergehen, welche zwar, wie vor diser zeit ebenmessig geclagt worden16, nicht allain nicht nachlassen, sonder da man den catholischen nicht vor guet haben oder halten will, das sie in iren schrifften oder auch mundtlich defensive ire unschuldt anmelden oder uf sie vorgehende bezichtigungen der gebur widerlegen und dagegen die rechte, wahre lehr vortragen, scheue[n] sich doch ire predicanten nicht, hin und wider in buechern, schreiben unnd sonsten, wie es auch uf disem reichstag nicht verbleiben mögen, der catholischen haubt und hochste geistliche fursten, die babstliche Hlt., offentlich vor den antichrist, des teufels grundtsupp etc., deßgleichen der catholischen religion zugewandte fur verdambte, abgottische leuth außzuschreyen, sovil an inen (ob sie wol nicht darzu geweihet) zuexcomuniciren und gar in die hell zuverdammen; wie sie dann auch die catholischen weltlichen fursten an iren wolherbrachten ehren nicht ohnangriffen lassen.

Unnd ob wol sich dessen die geistliche priester oder auch andere catholische privat personen ettwas gedulden mochten, /44’/ so ist es doch darumb desto ohnvertraglicher, dieweil sie disem thail nicht billichen wurden, ire fursten unnd heubter ehrrührig antzugreiffen, dz sie inen fur recht und zulassig achten, die babstliche Hlt., deren euer ksl. Mt. und alle catholische religion verwandte chur- unnd fursten, hohe und andere personen, als irem hochsten geistlichen haubt uf erden die hochste ehr thun und sich underwerffen, dergestalt ehrrürig zuverleumbden und gar zuverdammen. Ferner auch, in dem ire babstliche Hlt. die tag der zahl halben der kirchen unnd mathematischer notturfft nach mit wissen unnd willen euer ksl. Mt. und anderer potentaten, wie es zuvor Julius Caesar ebener gestalt gethan und vor hundert jahren unnd lenger vil romische kayser thun wollen, zuruck gezogen17, dasselbig vor ain zaichen des antichrists irer Hlt. und der catholischen religion ufrupffen und dardurch ire ksl. Mt. und alle catholische, so wol auch ire selbst mitverwandte stende in Franckreich unnd Niderlandten, zu antichristischenm leuthen machen–l. Wurdt darumb zum flehenlichisten gebetten, euer ksl. Mt. wollen dise gefahr in kaiserlicher sorgfeltiger acht haben, dessen man one dz kainen zweifel tregt, unnd dahin aller gnedigist bedacht sein, dz die baide im Hl. Reich zugelaßne religion vermoge des religion fridens gleichmessig gehandthabt und nicht verstattet werde, dz sich andere irrige improbirte opinionen mit denselben bedecken, heut aine, morgen oder uber lang ain ander dergleichen sich dabey einschleiche und dadurch noch fernere unainigkait, trennung und zwispalt /45/ verursacht, auch alles noch ubrig vertrauen zu gewissen undergang des Hl. Reichs ufgehaben werde; ninsonderhait auch dessen guete sorgfeltigkait pflegen, dieweil an dem ksl. camergericht ohne underschiedt unter dem schein augspurgischer confession auch wol anderer opinionen assessores angenommen werden18, damit die vermischung der religion und mehrer confessionen der ortts als der hochsten justitien im Hl. Reich nicht etwan grosse unordnungen erwerckhen unnd zu partheylicher administration des rechten ursach geben–n.

Es ist auch vor disem durch die catholische außfurlich geclagt worden: Ob wol in dem § deß religion fridens „Dargegen [etc.]“ außtrucklich versehen, dz die stendt, der augspurgischen confession verwandt, euer ksl. Mt., churfursten, fursten unnd stende, der alten religion anhengig, geistlich unnd weltlich, sambt und mit iren capiteln und andern geistlichen standts, ongeachtet ob und wohin sie ire residentz verruckht hetten, bey irer religion, glauben, kirchengebreuchen, ordnungen und caeremonien, auch iren haab unnd guetern, ligendt unnd fahrendt, landen, leuthen, herrschafften, obrigkaiten, herrlichkaiten und gerechtigkaiten, renthen, zinsen, zehenden etc. ohnbeschwert bleiben, derselbigen geruigclich geniessen und erfreuen lassen sollen19, das doch solchem zuwider allenthalb den catholischen und sonderlich geistlichen stenden mercklicher intrag geschehe. Wie aber auch noch dieselbige clagen nachlassen, geben die yetzmalls clagende und in der beschwernus schrifft subscri- /45’/ birte oder benante stende selbst zuerkennen, in dem sie nicht allain euer ksl. Mt. beschwerungs weis furbringen, dz sie gegen ettlichen stenden unnd stätten, so das bey inen lang herkomen uhralt catholisch weesen one fueg allerdings vermainen außzureutten, zu handthabung der catholischen religion bißweilen ernstliche proceß, decreta, auch comissiones ergehen lassen20 und also derselben unterstehen, in disem unnd anderm maaß zugeben, sonder es bescheinen auch solche ire beschwernussen, dz sie churfursten, fursten unnd stenden der catholischen religion oire[r] religion, kirchengebreuchen unnd caeremonien zuwider–o zill und maß setzen wollen, wie weit sie der babstlichen Hlt., irer kirchen obristen haubts, und derselben legaten oder potschafften verordnungen an iren ortten unnd gepieten, da die geistliche jurisdiction gar nicht weder suspendirt oder uffgehaben, statt geben21, unnd dz sie auch derselben[!] kaine censur, excomunication etc. in iren kirchen verstatten sollen; item wie sie gegen iren vasallen und underthanen, so kaine stende des Reichs seind, die uhralte, uber 1200 jahr gelaiste und biß uf sie hergebrachte ayde wider ire catholische ordnung endern; das sie iren landtsaßen und andern in iren landtsfurstlichen und hohen obrigkaiten, pdo gleich yemandt, deren die vogteyliche obrigkait zuestunde–p, andere confeßion unnd administration der sacramenten, auch ires gefallens sectische pfarherrn einzufuren, verstatten nachgeben q(welches doch andern thails zum wenigisten nicht geschicht)–q und dasselbig an inen nicht straffen noch sie derwegen vor ire geist- /46/ liche consistoria zu recht vorfordern, sonder inen deßwegen am ksl. camergericht erst zu recht stehen sollen. Ferner dz sie uf der ertz- unnd stiffter alte statuta nicht so hoch tringen oder auch dieselbige ercleren lassen sollen.

Also auch nach irem, der clagenden stende, guetachten ihre religion bey iren underthanen und burgern regulirn22 rmueßen und nicht so wol als sie befugt sein sollen, die underthanen zu irer religion zuverbinden oder uf ir verwaigern, anderer ortt ire gelegenhait zu suchen, anzuweisen–r; die ausserhalb der catholische[n] religion verstorbne anderst, als ire religion und catholische ordnung vermögen, zubegraben23; wo baider religion obrigkaiten an ainem ortt ins unvertailter gemainschafft hoher und anderer obrigkait sein, dz dem der augspurgischen confession verwandten wol frey stehe, die religion seines gefallens antzustellen, dem catholischen aber, seine handtzuhaben oder von neuem eintzufuren, benommen sein soll24.

Welche inträgliche handlungen wider der catholischen stende religion, kirchen gebreuche und caeremonien nicht allain, wie obvermelt, ex contraria illatione der clagenden ständen beschwerungschrifften clarlich erscheinen, sonder es befinden sich auch deren offene fäll unnd exempla25, dz von stenden und tder ritterschafft, so der catholischen religion nicht verwandt, in underschidlichen kraisen und an vilen ortten vorgenommen–t wurdt, wann ire underthanen, die inen mit vogteylicher oder zentbarlicher obrigkait underworffen, wegen der pfarlichen /46’/ gerechtigkait ainem catholischen standt zugethan, das dieselbige von solchen catholischen kirchen ab- und zu andern nit catholischen kirchen getrungen; dergleichen da sie capellen oder filial kirchen unter inen haben, dieselbige der haubt- oder mueter kirchen, so catholisch ist, allerdings abgetzogen und mit predicanten zuweilen auch sectischer lehr besetzt werden.

Item wann ain catholischer standt in unverthailter gemainschafft mit ainem andern begriffen und dem neuen calender nach fest- unnd feyertag zuhalten verordnet, dz der ander gemeins herr dasselbig hinwider verbeuth; auch zuweilen, da ausserhalb 3, 4 oder sonst weniger person die ubrige sonst all catholisch seind, wurdt doch durch die jenige, so nur die nidergerichtbarlicheu obrigkait und nicht omnimodam iurisdictionem an ainem ortt haben26, vden bemelten wenigern verbotten, sich solcher anordnung gemeß zuhalten oder zu confirmiren,w. An andern ortten geschicht, ob wol die catholische mit der andern confession iren mitburgern den alten calender halten muessen, wurdt den andern doch gar verbotten, irem neuen calender nach ire fest- und feyertag zuhalten, darzu inen auch dz glocken leuthen xzu christ- und andern nachtmetten, auch der ambtern, vesper unnd andern tag zeitten–x und andere caeremonien (wie yetzo ohnlengst die statt Kauffbeurn vorgenommen27) wollen verwehret werden.

Uber dises befinden sich unzelbare exempel unnd mittel, wie man in stätten unnd ortten, da bayde religion bey einander /47/ seyen, die catholischen von irer uhralten religion abschreckt, in dem an ettlichen ortten so wol auch hieselbst28 in der catholischen kirchen, auch an derselben thurny, thorwarter, stattknecht, wachtbüttel und dergleichen gesindt bestelt werden, so lang die predigen oder andere gottesdienst darinn verrichtet, alda zuverharren und acht zunemmen, was fur burger unnd burgerin ein- und außgehen. Welche hernach der obrigkait angezaigt, von deren inen solche ire besuchungen der catholischen kirchen zum hochsten verwisen und, furtters sich in denselben zufinden, abgeschreckt werden. Es geschicht inen auch wol der schimpff, dz man die stattdiener in die gässen unnd heuser schickt, da entweder catholische wohnen oder man verdacht hat, dz yemandt catholisch mochte werden, die offentlich, auch uberlauth fragen unnd sagen muessten, ob nit burger da wohnen, so in die babstisch kirch gehen; seine herrn seyen es bericht, er muesse es wissen. Durch welchen hohn und dann auch aus forcht, dz sie inen ain unmilte obrigkait verursachen mochten, abermalls die leuth von der catholischen religion abgeschreckt werden29. Neben solchem wurdt den catholischen burgern und underthanen verbotten, ire kinder in die catholische schuelen zuschicken, auch andere catholische jungen weder zubekösstigen oder beherbergen oder in andere weeg uffzunemen. Mann sucht auch alle gelegenhait, wo sich an solchen ortten zcatholische befinden, wie sie nicht allain aus dem rath durch allerhandt mittel geschafft und kaine /47’/ ferner darinn genommen, sonder da auch sich–z ainer zur catholischen religion bekant, wie ime andern zum abscheuen mit gefencknus oder in andere wege ain despect geschehen möge: Werden ime seine glaubiger ufgewickelt30, dz sie vor der obrigkait clagen, alßdann wurdt ime die betzalung strackhs ufgesetzt, und in ainem solchen kurtzen termin, dz ime unmuglich, in demselben dz gelt ufzubringen. Andere werden umb gar geringer ursachen willen gar aus der statt geschafft; dessen vil exempla, wo nottig, unschwer beyzubringen. Es begibt sich auch nicht unzeitlich, dz man die catholische burger in odium religionis unter ainem praetext aines begangenen delicti gefengclich einziehen lasset. Nottigt sie darnach, solche urpheden zuschweren, dz sie ire gefencknus umb gelt schulden, ungehorsam, ehebruch oder dergleichen ursachen erlitten. Welches neben vermainter abschreckung auch dahin bedacht wurdt, damit, wann sie bey irer ksl. Mt. oder dem cammergericht clagen, so bald mit iren aignen urpheden convincirt worden. Unnd demnach dise sachen sonderlich in der statt Regenspurg nicht ohngemain, wurdt ganz gehorsamist gebetten, euer ksl. Mt. wollen die allergenedigiste vorsehung thuen, damit aadie catholische burger unnd inwohner deß und anderer ortten sich irer libertet unnd freiheit der religion weniger nicht als ire mitburger ohn–aa gefahr gebrauchen mögen.

Nicht weniger wurdt obgemeltem § „Daentgegen etc.“31 in dem /48/ zuwider gehandlet und den catholischen an iren caeremonien und kirchen gebreuchen ingetragen, da die catholische von undencklichen jahren hero ire kreutzgäng, walfarten, processionen unnd gemaine gebett ainßtails uber der andern confession verwandten stenden grundt unnd boden vor und nach dem passauischen vertrag und biß uf wenige jahr herbracht, dz inen doch dieselbige nicht mehr verstattet oder nachgeben, sonder allerdings, auch uber euer ksl. Mt. allergnedigiste gethane bevelch, an underschidlichen ortten verwaigert werden32. Do man auch zuvor diener zu den processionen zu verwehrung unzucht und anderer unordnung gestelt, wie in der statt Kaufbeurn geschehen, die werden yetzo auch abgeschafft33.

abIn der statt Schwabischen Werth understehet man sich34, der catholischen herbrachten caeremonien unnd kirchengebreuchen zugegen, den schwachen catholischen personen, do sie sich zu irem hail mit dem heiligen sacrament versehen lassen wöllen, dasselbig zuhindern oder ye nicht anderst zuverstatten, alß dz es mit erlaubnus der burgermaister beschehe. Item wann ainer catholisch ist und sich mit der andern confession ainem weib verheuratet, ir die confession freylasset, ob dann wol ain solcher mit belieben seines weibs seine von Gott bescherte khinder catholisch tauffen läst, wurdt es ime doch mit ernst verwisen. Andere aber, wiewol mann unnd weib catholisch, werden genottigt, ire kinder in /48’/ der andern confession kirchen tauffen zulassen; deren bekandtliche exempel an obbemeltem ortt wissentlich sich zugetragen. Also will auch deß ortts nicht verstattet werden, die catholische abgestorbene iren gebreuchen nach mit brennenden fackeln oder andern caeremonien zubegraben und zur erden zubestatten. Vil mehr aber werden sie an andern ortten unnd stätten gantz verächtlich begraben unnd also der catholischen religion gebreuchen zuwider beschwerdt–ab,ac.

Alß dann die catholische stende, sonderlich die geistliche, ire fursehung im religion friden in § „Und nachdem etc.“35 haben, was gestalt nemlich ain ertzbischof, bischof, prelat oder ain anderer geistlicher standt (do er von der catholischen religion abstehen will) von seinem ertz- oder bistumb, praelatur oder anderm standt ohnverletzlich seiner ehren abstehen und den capituln die freye election adainer andern, der alten religion verwandten personen–ad der stifft unnd kirchen statuten gemeß uberlassen soll etc., ohne noth, denselbigen paß, dieweil er landtkundig, ferner zuerholen. Welchen articul unnd puncten die stende der augspurgischen confession anno 55, ob sie schon etlich tage zuvor sich erclärt, dz sie denselben uf ir gewissen nicht nemmen könten, yedoch uf der kgl. Mt. mundtliche erclerung, dz sie alles zu irer verantworttung und uf sich laden wolten, entlich in crafft des damalls ufgerichten abschiedts one ainige protestationae und also den verfasten religion friden in allen seinen puncten, articuln unnd clausuln one ainige reservation angenommen36 und in vilen underschidlich ufeinander gevolgten jahren, /49/ afals nemlich 55, 57, 59, 66, 70, 75, 76 und 82, mit und neben andern catholischen stenden–af hoch versprochen und betheuret37, hetten die catholischen billich der hoffnung sein sollen, demnach sie in vor [!] jahren sich hochlich beclagt, wie derselben disposition zugegen gehandlet werde, es solten dieselbige clagen inmittelst abgestelt oder ye ferner nicht uffgewachsen sein. Es darff aber kainer sonderlichen außfurung, wie wenig man andern thails solche disposition in achtung hat unnd nicht allain die hiebevor zur ungebur eingezogene ertz- und bistumb, auch andere stiffter wider abzutretten nicht gemaint istag, sonder von jahren zu jahren, ja täglich understehet, noch fernere zu entlicher außtilgung aller geistlichen fundationen an sich zutziehen. Dessen uber die hievorige clagen38 noch neue, beschwerliche exempel bey dem stifft Halberstatt, Oßnabrugk, Straßburg und anderen, auch dem ertz- und churstifft Coln wol zubefinden, an denen man aines thails dz eusserist versuecht, wie sy mochten von iren fundationen uf weltliche regiment und zu aller prophanation gerichtet werden39, do der allmechtig nicht seine gnaden verlihen, dz sie zum wenigisten in solcher irer fundation erhalten worden. Nichts destoweniger aber hat man noch zu dißen zeitten mit weinenden augen antzusehen, wie jämerlich sonderlich dz ertzstifft Coln zugericht und vast dem gantzen niederlendischen kriegswesen oder desselben baider seitten kriegsvolck durch solche vorgehabte prophanation, dieweil sie nicht an- /49’/ gangen, zum raub außgesetzt worden40.

Das stifft Halberstatt vermaint man, wo euer ksl. Mt. ir officium und schuldige hulffah nicht darbey interponirn und einwenden, gar erblich zuma- chen41. Unnd ob man sichai gleichwol in schrifften unnd sonsten fast sehr beruhmbt unnd erbeuth, dz man stifft unnd closter bey iren herkommen, auch menigclich bey habender religion verbleiben lassen wolle, so beweiset sich doch dz widerspill im werck, dz nemlich in allen manns- unnd frauen clostern in gemeltem stifft Halberstatt durch sonderliche visitatores angehalten worden42, der vorhabenden reformation (wie sie mit unrechtem namen genant wurdt) und argerlichen enderung beyzupflichten. Darzu man auch wol ettliche derselben closterleuth mit betrauungen nottigen wöllen, do nicht die frauen person sich so bestendig dargegen ufgehalten und in dem fall lobliche[r]n bestandt erwisen, als die jenigen, so irem wollustaj nach ires veraydten standts vergessen unnd sich hernach zum visitatorn neben andern gegen inen gebrauchen lassen. Also werden die geistliche beneficia wider alle herbrachte lobliche ordnungen uf unruhige weltliche personen conferirt, die capitl mit hohen, uf tausent goldtgulden gesetzten peenen und hochsten ungnaden betrohet, wo sy dergleichen provisiones nicht annemmen; wie bey David Pauermaisters provision im stifft St. Bonifacii zu Halberstatt notorii ist43. Wie dann alle geistliche ambter de facto abgestelt, dz weiset die ver- /50/ mainte reformation, akwie sie dem tumcapitl daselbst von dem herrn herzogen zu Braunschweig zugeschriben–ak, im buchstaben aus: Darinn man anfengclich pro fundamento des vorhabens in § „Nun ist den herrn etc.“ mit außgetruckten worten setzt, dz die lehr (zuverstehen, wie sie zuvor im stifft gewesen) falsch, dz leben erschröcklichen, ja dz sowol lehr als leben ain teuffelisch werck seye etc.; deren ehrtitul dann solcher der catholischen alda herbrachten religion mehr geben werden44. Darauf auch ervolgt, dz noch neulich im verschinen 93. jahr die clerisey zusammen bescheiden45 und, dz heilig ambt der meß alals ain abgottisch werck und ain greuel–al inn und ausserhalb der statt abzustellen, inen gebotten worden. Daß jurament, so die capitularn biß dahero gethan, wurdt so weit ercleret, dz man die clausul hineingesetzt: „Ego iuro me nolle papatum restituere nec calvinismum admittere etc.“; welches schon ettliche, die sich bey der enderung ires leichtfertigen lebens halben etwas besser als dem taglichen chorgang befinden, alberait gelaistet. Die heiligen orden unnd weyhungen, wie sy biß dahero bey der catholischen religion unnd kirchen von der apostel zeiten hero observirt worden, werden als signa meretricis babilonicae verworffen, amdie geweyhete priester filii ignorantiae benambt–am. Also ist den weltlichen underthanen uf hohe ungnad gebotten, sich der sacramenten und anderer geistlichen gebreuchen bey den geweyheten nicht mehr anzunemen. Die clösster werden dem invertirten tumbstifft (damit sie neben den /50’/ gewonlichen solches tumbstiffts gefallen46 auch deß wenigen, was hiebevor den armen und, wie sie genant werden, bettel orden zu Gottes ehr gestifftet und verordnet worden, zu hinbringung irer gueter tage unnd ruwigen lebens geniessen mögen) incorporirt, unnd also ains nach dem andern abgestelt, damit letztlich kain schein der catholischen religion alda mehr verbleibe. Solches alles weisen die vergangene und alberait ins werck gerichte bevelch und die ufgerichte reformation aus. Unnd darf man darbey vorgeben als ain gewissens werck, dz ettliche stiffts personen, so schnellen und schrecklichen todts uber solcher reformationan verstorben, seye ain aintzig ursach, dz man die meß, processiones corporis Christi und andere caeremonias so lang verstattet.

Allen disen verlauff, zweifelt man nicht, euer ksl. Mt. selbst wol wissen und allergenedigist dabey abnemmen mögen, wie weit der catholisch standt durch dise hochbeschwerliche vornemmen zuruck gesetzt, wider alle zuesagung belestigt und angefochten werde. Unnd getrosten sich nochmalln neben aller underthenigister bitt, euer ksl. Mt. werden unnd wollen sich dermahl ains also in kaiserlichem ernst dabey erzaigen, damit sich die catholische stende zu erhaltung irer uhralten religion, ertz- unnd stiffter sich gleichmessiger handthabung erfreuen mogen, aoauch bey vilberurtem stifft Halberstatt die unverlengte fursehung thuen, dz die capitel in iren vorigen standt gestelt und die noch ubrige catholische, so nur umb handtraichung vor gewalt bitten und, mit allem eyfer bey irer catho- /51/ lischen religion erhalten zuwerden, wunschen, bey derselben ohnangefochten verbleiben–ao.

Deßgleichen wurdt nunmehr im loblichen gräflichen stifft Straßburg understanden, dessen man sich auch wider desselben unverdenckliche herkommen vermaint anzunemmen, indem man sich durch ettliche nach der stifft statuten und alten herkommen (das catholische und in maioribus ordinibus geweyhete personen erfordert) unqualificierte und eingetrungene capitulares und one ordnung vermeintlich eligirn oder postulirn lasset, darauf dz stifft occupirt, alle unordnung mit verheyratung der geistlichen personen einfuret, unnd wann man die occupirende durch wolmainliche erinnerung des religion fridens, sich solcher untzuelässigen sachen abzumassen, vermahnet, auch den billichmessigen widerstandt unnd abwehrung dabey verfugt, understehet man, es mit gewalt zubehaubten, setzt daruber dz Hl. Reich und furnemlich die negst angrentzende stende in eusserste gefahr unnd beschwerliche kriege47. Do dann gleich auch zu niderlegung der waffen und gemainer wolfart halben etwan ain pacification darbey bedacht wurdt48, so mißbraucht man sich doch derselben so weit, dz man sich an dem apein zeit lang oder interims weiß nach geschehenem–ap gebrauch oder geniessung der gefell nicht settigen last, sonder man mast sich uber dz auch dem religion- unnd prophan friden, auch selbsten gethanen verspruchnussen zugegen an, episcopa- /51’/ lem iurisdictionem zu exercirn, setzt die diener in geistlichen bevelchen ab, verordnet dagegen aydtbruchige personenaq, beweibte priester zu fiscaln, zu pfarherrn etc. In den uhralten abbteyen, da ain prelat abstirbt, will man ardie ordentliche wahlen nit furgehn lassen–ar unnd dergleichen sachen mehr vornemmen, die alle dem so hoch beteurten religion- unnd prophanfriden, ja aller billigkait zuwider sein. Wie man sich der kurtze halben, sovil dises stifft belangendt, uf beygelegte schrifft asmit C49 und zuvor euer ksl. Mt. dises stiffts halben einbrachte clagen will gezogen haben, sonderlich auch, dieweil solche sachen mehr tails in der verordneten ksl. commission begriffen50, unnd darumb sich die zu derselben gezogne catholische chur- unnd fursten, dises punctens anzunemmen, bedenckens getragen–as.

Unnd mueß man im Reich noch darzu gewartten, dz man ohne betrachtung, kain geistlicher standt ohne confirmation unnd regalien oder indult weder die bischoffliche jurisdiction und verwaltung exercirn noch sessiones im Heiligen Reich haben kan, sich doch bey Reichs versamblungen solcher session unterstehet zu unterwinden und dieselbige als rechtmessig zubegern und zubehaubten.

Wann aber den catholischen stenden gewissens halben nicht verantworttlich, solchen ubermeßigen intraglichen beschwerungen also nachzusehen, auch fur ire person im wenigisten nicht geburen will, vom religion- unnd prophanfriden abzuweichen, so wol auch dergleichen ungeburliche vornemmen atder /52/ naturlichen billichkeit, iren ayden unnd pflichten, deß Reichs constitutionen, allen rechten, dem passauischen vertrag und mehrgedachts ufgerichten religion- unnd prophanfriden zuwider–at guet zuhaissenau:

So wurdt nochmalln zum aller flehenlichsten gebetten, euer ksl. Mt. geruehen, die gegentail zu abstellung solcher injurien unnd thattlichkaiten, hergegen schuldiger haltung des religion fridens durch ire ksl. authoritet antzuhalten und die catholische stende vor solchen unbillichen zuenottigungen zuschutzen, avbey andern stifften aber, awbevorab Oßnabrugk51 oder auch andern, da dergleichen understanden werden mochte–aw, gleichmessige zerruttung zuvorkommen. Und in dem bey dem stifft Minden aines durch euer ksl. Mt. erthailten conservatorii halben auch allerhandt unordnung und inconvenientien zubesorgen, wie euer ksl. Mt. aus der beylagen mit D allergenedigist zuvernemmen52, auch deßfalls ksl. fursehung zuthun, damit berurt conservatorium dem regierenden bischof und verfolglich dem gantzen stifft zu nachtail nicht uber die gebur extendirt werde–av.

Sovil dann andere stifft, closter oder andere geistliche gueter belangend, wurdt in § „Dieweil aber“53 im religion friden verordnet, dz die jenige stifft, closter oder, wie gemelt, andere geistliche ortt unnd gueter, so vor dem passauischen verträg oder zu zeit desselbenax in der geistlichen stende possession nicht, sonder schon durch der augspurgischen /52’/ confession verwante stende ingezogen gewesen etc., bey verordnung des religion fridens und in demselben friden begriffen sein, unnd also dernhalben die stende der augspurgischen confession unbesprochen bleiben sollen. Also dann nicht allain hierauß erscheindt, was zu solcher zeit dem geistlichen standt nicht entzogen, sonder bey den catholischen verbliben, dz es in solchem friden nicht begriffen, dz auch die stende der confession, deren ains oder mehr hernach inzuziehen, nicht macht gehabt, sonder die catholische dabey geruwigclich bleiben lassen sollen. Welches dann die disposition deß in anno 44 zu Speyer aufgerichten abschidts (darauf sich clagende und in der clag- oder beschwerungsschrifft subscribirte stende selbst ziehen54) lautter mit sich bringt55, dz nemlich die kirchen unnd closter unzerstört und unabgebrochen, den geistlichen stenden ire zugehorige gueter an ortt unnd ende, dahin sie ire residentz verruckhen, unwaigerlich geraicht werden, also auch den prelaten unnd ordensleuthen oder andere geistlichen personen, so wegen einfurung anderer confession ire sitz in andere obrigkaiten verwenden, bey den guettern, so iren gottsheusern, stifften unnd pfruendten gehorig, wo sie auch legen, sovil sie anno 41 besessen, biß zu entlicher vergleichung der religion bleiben und in summa bey allen iren einkommen, renthen, gulten etc. ungehindert gelassen werden sollen. Wie diser Reichs verordnung gemeß verhandlet werde, geben die untzelbaren fall viler seithero /53/ der zeit eingezogner und verenderter stifft, aycloster, kirchen und anderer geistlicher ortten und derselben geföll und guetter–ay gnuegsamb zuerkennen, deren vil verbrochen, verschlaifft, eingenomen, prophaniert, altar in der kirchen umbgerissen, gantze kirchen verherget56, azmit schimpf unnd spott aus den stätten gewisen, geengstiget, zur renunciation genöttiget worden etc.; wie solches der vergangenen fäll halben vor diser zeit außfurlich geclagt worden57 und, hiehero wider zuerholen, fur unnottig erachtet wurdt–az. Darinn uber die billichkait weder religion friden noch auch ksl. oder andere mandata ad restituendum in acht genommen, sonder dessen allen ungeachtet seind nichts destoweniger ordensleuth und andere geistliche person ohne hulff bliben, die stifft und closter zu weltlichen handen gezogen, bain iren religionen und kirchen gebreuchen verendert–ba, den geistlichen stenden, so one mittel dem Hl. Reich underworffen, ire guetter occupirt oder in abgang kommen. Dann menigclich bewust, dz uber alle bey vil underschiedlichen Reichs-, deputation- und particulartägen, auch am ksl. hof außbrachte decreta die im stifft Wormbß durch die kfl. Pfaltz eingezogne stifft bbNeuhausen und andere gemainschafft kirchen–bb, alß zu Laudenburg, Lampartheim, Neckhershausen, Dirmbstain, Lamerßheim, Hoffen etc., biß uf dise stundt, auch ohnangesehen zu allem uberfluß ausehenliche commission daruber ver- /53’/ ordnet worden, nicht allain nit restituirt sein58, sonder man hat auch daruber noch ferner eingriffen und in denen furstlich bischofflichen wormbsischen dörffern zu Hemspach, Sultzbach unnd Laudenbach an der bergstrassen die kirchen gar eingenommen, verwüsstet, geblundert, die religion geendert, predicanten ufgestelt etc. Uber dz ist dem herrn bischoven zu Wormbs in irer f. Gn. von der gemainschafft abgesonderten hof zu Laudenburg, der sahl genant, ir aigene hof capellen vom jahr 86 biß uff heuttigen tag von aussen mit ainem schloß von der kfl. Pfaltz verrigelt unnd verschlossen, unnd werden die gmainschafft burger, do sie gleich der catholischen religion ye unnd allwegen gewesen und deren üebung hoch begeren, mit hefftigen straffen davon abgehalten. bcUber daß auch deß stiffts geistliche vornemme und andere personen mehr aus gewalt und ungnaden als bißweilen befugten ursachen gefengclich hingefurt. Deren beschwerlichen intrag und thattligkeiten begeben sich in dem stifft Wormbs von jahren zu jahren mehr–bc. Unnd ob wol dise neue sachen bd(dieweil man uf vilfeltig ansuechen unnd alles muglich anerbietten zu kainem beschaidt oder abhelffung der beschwerden kommen kan)–bd am ksl. camergericht aus unvermogen, sich durch andere mittel gegen ainem solchen mechtigen gegenthail uffzuhalten, geclagt worden59 beund also zu dessen erortterung stehen–be, seind sy doch ainmahl dem hoch- /54/ verpeenten religion friden zuwider. Unnd da kaine hulff dagegen gebotten wurdt, kombt es dahin, dz allwege der mechtiger standt den unvermoglichenbf seines gefallens beschweren, seiner kirchen, religion und derselben gebreuchen, auch wol landt unnd leuth, sovil an ime, destituirn kan. Dem er hernach, dz lang werenden rechten des ksl. camergerichts mit gueter weil außzuwarten, guete gelegenhait hat.

Deßgleichen geschiecht an andern ortten mehr. Und werden sich an disem ortt zu Regenspurg60 uber die 30 und biß in 40bg capellen befinden, so in burgers heusern gestanden, dotirt, mit beneficien unnd jarlichen einkomen begabt gewesen, die yetzo nicht allain prophanirt, sonder, wie an mehr orttenbh, roßställ, schlafcammern, keller, gewelber und andere zimmer daraus gemacht unnd dz jarlich einkommen zu iren schuelen und ministerien verendert worden. So wissen euer ksl. Mt. allergnedigist, dz sie gemelter statt, auch die eingezogne kirchen des prediger closters zu restituirn, vor ettlichen jahren uferlegt61, dem biß noch kaine volge geschicht. Im ubrigen, do sie die stifft und andere kirchen mit gelimpff nicht an sich bringen mogen, understehen sie doch, an dieselbige cramerladen zubauen, in der kirchen mauren einzuhauen und daran zu hafften, zu dem ende, wann solche cramerleuth darinn entweder sectische psalmen und lieder singen oder andere geschwetz /54’/ und pfantastei treiben, dz dardurch der catholischen gottesdienst desto mehr gehindert unnd verschimpft werde. Dises bescheindt sich noch taglich an St. Johanns- unnd augustiner kirchen alhie. Ebener gestalt62 befleisset sich auch dise statt, vor der tumbkirchen auf St. Peters platz, allernegst bey den gradibus63, bretter, zimmer und allerlai ander holtz abzulegen unnd daselbst, gleich in faciembi [!] ecclesiae, mancherlei unsauberkait zuverursachen, alles der tumkirchen zu unehr, dem gottesdienst zu verachtung und wenigers nicht zu ubelstandt der statt selbst.

Zu Hailbrun64 ist dz barfuesser closter ainsthails eingezogen und andere gebeu unnd laden darauf gesetzt. Unnd obwol darinn wie auch im teutschen hauß noch ettliche catholische predigen gehalten worden, sich auch ainßtails burger dabey finden lassen, ist doch inen zuletzt durch burgermaister unnd rath bey gewissen straffen verbotten worden, die catholischen predigen hinfürter nit anzuhoren.

bjDeßgleichen ist zu Munster an der Keßel65, ob es wol dem gottshauß zum Heiligen Creutz zu Thonawerth mit vogtei, steur, dienst gerichtbar und aller hoher und niderer obrigkait, auch dem iure patronatus zugehorig, nichts destoweniger die catholische religion mit gewalt da außgetrungen unnd predicanten ufgestelt worden.

Ebenmessig haben die zu Kauffbeuern66 die pfarrkirchen zu St. Martin daselbst geendert und der augspurgischen confession zugezogen unnd uber verspruchnus, euer ksl. Mt. commissarien anno 88 gethan, auch euer ksl. Mt. bevelch bißheero nicht /55/ restituirt. Wie sie dann ye lenger, ye mehr, vortschreitten, schulmaister unnd meßner ires gefallens ausserhalb der catholischen religion annemmen, dem pfarhern die caplän abstrickhen, die chorsenger ringern und mehr andere sachen den alten catholischen fundationen zuwider unnd nachtail anstellen.

Die statt Franckfurth unterstehet sich auch, dz weissen frauen closter uber alles ersuechen der geistlichen obrigkait mit gewalt einzubehalten. Deßwegen sie sich auch der ksl. Mt. wolmainenden commissionen, wie dann in andern fällen mehr geschehen, darf widersetzen und dieselbe ausschlagen67.

Also geschiecht auch bey der statt Wormbs, welche sich, ain zeithero ettlicher closter unnd pfarrkirchen antzumassen, nit gescheuet, deren sie ainßtails alberait durch rechtliche mittel widerzugeben bezwungen worden. Die ubrigen sein noch inn rechten begriffen68.

In der grafschafft Casstel69 ist offenbar, dz in allen pfarrkirchen nach dem passauischen vertrag und ufgerichten religion friden enderung der religion vorgenommen, item in der grafschafft Schwartzenburg, zu Winter- unnd Sommerßhausen under den herrn von Limpurg, zu Lindelbach unnd Westheim und mehr andern herrn unnd ritterschafft gebieth unnd obrigkaiten–bj. Es dorffen auch wol adeliche personen, denen doch der religion friden sovil freyhaiten nicht zuegibt, bksonder allain dergestalt /55’/ innhalts § „Und in solchem etc.“70 in dem religion friden begriffen sein, dz sy gemelter bayder religion halben auch von niemandt vergewaltigt, betrangt noch beschwerdt werden sollen–bk, dergleichen sich underfangen. Also hat in dem stifft Würtzburg im dorff Fischbach ain cappell, zu der pfarr Weißach gehorig, ainer vom Rotenhan eingerissen71 und von derselben stainen ime hauß unnd hof umbmauren lassen. Item will die statt Schweinfurth ettlichen stifftern zu Wurtzburg ire callationes, die sie ye unnd allweg uber die pfarren und ettliche benefitia daselbst herbracht, nicht mehr gestatten, sonder entzeugt inen dieselbe. Nicht wenigers befindet sich, dz der herr graf von Hohenlohe innerhalb 30 jahren dz stifft St. Petri unnd Pauli zu Oringau, item dz closter Schaffershaim72, ettliche pfarren unnd beneficia, deren collation auch bey dem stifft Wurtzburg und ettlichen desselben angehorigen capiteln gewesen, eingezogen. Also hat Brandenburg in der statt Onoltzbach dz stifft zu St. Hombrecht73 nicht allain zu sich gezogen, sonder auch zu seiner f. Gn. sonderbaren nutzen gewandt, deßgleichen die clöster Hailsbron und Aurach74.

Daheero dann auch erscheinet dz causa movens, warumb nemlich solche vor dem passauischen vertrag eingezogene stifft und closter nicht wider besprochen unnd angefordert werden sollen, nach disposition obgedachts § „Dieweil aber etc.“75 nicht gehalten oder bedacht unnd solche eingezogene gueter nicht allmall zu milten sachen, sonder auch, wie aus vorgesetzten fällen zuvernemmen, zu /56/ sonderbarem und privat nutzen angelegt werden. Darumb würdt der naturlichen billichkait nach und in crafft der Reichs constitution, abschiden unnd religion friden solcher nach dem passauischen vertrag eingezogener stifft, closter, kirchen und geistlichen gueter restitution gebetten, unnd dz die gegenthail von fernern eingriffen mit kaiserlichem ernst abgehalten werden.

Wie die catholische unnd geistliche stende bey irer geistlichen jurisdiction in iren ertz- unnd stifften nach außweisung deß § „Damit auch etc.“76, blauch an ortt unnd enden, da sie der augspurgischen confessions religion glauben, kirchen gebreuchen, ordnungen und caeremonien nit hinderlich, so wol auch iren renthen, gült, zinß und zehenden gelassen und gehandthabt–bl werden, ist mehr bekandt, als ain notturfft zuerzelen, und gibts die von dem andern thail einbrachte beschwerungsschrifft auch gnuegsamb zuerkennen, in dem sie vermainen, den catholischen, als obvermelt, maß zugeben, wie weit sie auch in iren selbst stifften unnd landen irer geistlichen obrigkait ordnungen statt geben sollen77. In specie aber erscheindt es in volgenden puncten: Das78, ob wol nach außweisung beschribener geistlicher unnd weltlicher rechten zu erhaltung geistlicher disciplin die jhenige, so geweyhete geistliche priester oder sonsten in maioribus ordinibus begriffen, oder auch andere zu geistlichem standt verlobte personen gewesen und von irem standt und religion abgefallen, sich verheuratet unnd also dadurch irer beneficien unnd aller geistlichen immunitet unnd frey- /56’/ haiten unfehig gemacht, nirgents geduldet, sonder nach inhalt deß § „Aber die priester etc.“ deß 30-jarigen abschiedts79 außgeschafft und zu geburlichen straffen genommen werden sollen, daß doch disem zugegen hin und wider solche personen dem catholischen geistlichen standt zu verachtung durch der andern confession verwandte vil in schutz und sonsten ufgenommen (dessen dann bey der statt Regenspurg mit dreyen außgesprungenen leichtfertigen closter frauen, dann bey der regierung der kfl. oberen Pfaltz und sonsten an mehr ortten mit abgefallenen priestern, deren ettliche uber dz noch in sacrilegio stupro, adulterio und incestu gehauset, nicht gar uhralte exempla verhanden), auch uber vilfeltiges erfordern unnd begern irer geistlichen obrigkait weder zur straff verfolgt noch auch den rechten und vor angezogenen Reichs abschieden zufolg außgeschafft werden.

In gleichem werden die strittigen sachen, die irer aigenschafft nach allain vor die geistliche richter gehorig, alß uber geistliche gueter, renthen, zinsen, gulten, zehenden etc. vorfallende forderungen, item uber iura patronatus, matrimonial sachen etc. bmdurch vil der augspurgischen confession verwante stende, graven, vom adel und beynahe alle Reichs stett–bm der geistlichen stende consistoriis abgezogen80, bnden underthanen verbotten, vor denselben zuerscheinen oder uf deren citation zeugnus zugeben. Vil weniger wurdt inen brachium saeculare uf erfordern gelaistet unnd mitgethailt. Unnd wann sich die verordnete officiales–bn oder andere geistliche richter in zutragenden sachen competentes darinn erclaren, /57/ werden appellationes daruber interponirt, auch zuweilen am ksl. camergericht zu hohem praeiudicio der catholischen angenommen. Etliche richten in iren gepieten sondere neue consistoria an, vor denen sie solche sachen zu schmellerung der geistlichen gerichtszwangs ventilirt haben wollen.

boWie nun mit der catholischen und geistlichen stende stifft, closter und anderer geistlicher ortten guetern, zinsen, zehenden etc. gebahret werde, ist nur zuvil kundig. Unnd bleiben die im jahr 76 euer ksl. Mt. fürbrachte clagen von § „Hiebey auch nicht ain geringe beschwerung etc.“ biß zum § „Zum achten etc.“ ganz unverendert81; die man auch alhero widerholen und dermal ains umb fruchtbarliche verhelffung derselben underthenigist bitten thuet.

Es ist auch die offenbare notorietet, dz man sich der noval zehenden82, je lenger, je mehr, undernimbt. So werden die zehenden sonsten an vilen ortten gespert, strittig gemacht unnd damit gegen capituln und anderen geistlichen also partheylich umbgangen, dz inen dieselben an ainem ortt gar entzogen, am andern sovil intrag geschiecht, dz sie nichts zu nutzen bringen. Werden die underthanen darzue angewisen, kain uffrichtig guett, noch sovil sie schuldig sein, zulifern, alles, ob es wol uber 100 jahr richtig gewesen, in stritt zuziehen, zu dem ende, dz die geistliche außgemattet unnd genöttigt werden, solche ire zinß, zehenden unnd renthen umb ain ring gelt unnd fast vergeblich zubegeben oder mit den oberherrn abzuthailen. Zugeschweigen, dz inen die gefell arrestirt /57’/ und, biß sie verderben, ufgehalten, kein kornschutt oder keller vergonnet, bißweilen auch, dieselbige abzufuren, nit verstattet wurdt, alles wider die sonnenclar und lautere versehung deß religion fridens.

Uber dz an vilen underschidlichen ortten und in sonderhait in der kfl. Pfaltz die darinn beguetete clerisey mit gantz beschwerlicher, unherkommenen exactionibus, als gemainen landtsrettungen, soldtgelt und andern dergleichen anlagen geschetzt unnd belegt werden, dz sie irer stifft unnd geistlicher ortten notturfft kaum erheben, umb desto beschwerlicher auch je zu zeitten vorfallenden Reichs steuern etwas zuschiessen konnen83. Dergleichen intrag an geistlichen gefällen beclagt man sich auch wegen baider closster Brumbach und Triefenstain gegen der grafschafft Werthaim84.

Die statt Hailbron fuegt auch uber hievor gesetzte beschwerungen dem closter St. Claren85, so noch zur zeit mit geistlichen frauen personen besetzt ist unnd vormuge uhralter ksl. privilegien aller beschwerung frey sein soll, noch dises zu, dz sy demselben den mühlzoll nicht allain, sonder auch dz bodengelt wie andern iren burgern ufgelegt und die gewöhnliche viehzucht wo nicht gar abgestrickt, doch umb desto weniger irer underhaltung ringert–bo.

Ferner: Ob wol in baiden §§ deß religion fridens „Alß auch den stenden etc.“ unnd „Und ob solcher etc.“86 außtrucklich versehen, wie es mit underhaltung der ministerien zuhalten, auch do derenthalben stritt vorfielen, wie dieselbige zuerledigen und inmittels /58/ niemandt seiner possession entsetzt oder derwegen arrestirt werden solt, so werden doch auch dem zuwider durch die stende der augspurgischen confeßion der ministerien bestellungen also hoch gesuecht, dz es nicht bey dem, wie sie vormalls bestelt worden, gelassen. Under anderm befindet sich dessen ain beschwerliche neuerung bey der statt Haylbron, alda, obwol vor etlich wenig jahren der competenz ires predicanten halben strittig gewesen und daruber vor den darzu erwölten schiedtsrichtern rechthengig worden, derwegen auch der catholisch pfarherr und andere beneficirte hangenden rechtens billich bey vorigen besitz irer jahrlichen gefell gelassen sein solten, so halten doch burgermaister unnd rath daselbst nit allain die biß anhero gegebene competenz, sonder alle jährliche geföll unnd renthen der kirchen unnd altaren ein, wider obbemelte disposition und zu deß catholischen pfarers hohen nachtail. Item werden an ettlichen ortten87, wo die filial kirchen den mutterkirchen abgezogen bpoder auch andere pfarren verendert–bp und mit sondern neuen pfarhern oder predicanten besetzt, underm schein solcher neu verordneter predicanten geburender competenz derselben kirchen gueter, sovil deren unter der herrschafft gebiets ligen, einbehalten. Es wollen sich auch die predicanten mit erbauung nottwendiger behausungen nicht benuegen lassen88, sonder wann die inen nicht nach irem willen gerichtet, muessen andere erbauet werden; oder da man sich dessen waigert, werden die zehenden /58’/ und andere der stifft gefellbq dagegen inngehalten. Mann darf auch den stifften wol zumuetten, die predicanten in aller notturfft zuunderhalten oder uf verwaigerung doch die zehenden zuschlagen. Unnd dieweil auch solcher ministerien halben die vorige alte clagen aller notturfft nach außgefurt89, auch unter der vorangeregten, aus denselben erholten §§ begriffen und in eben denen terminis noch von tag zu tag also continuirt werden, will man es kurzte halben dabey berhuen und aintzig umb geburlich kaiserlich insehens derwegen gebetten haben.

Es lasset auch brmit abpracticierung der underthanen wider den § „Es soll auch etc.“,90 die beschwerung kaines wegs nit nach. Dann ob wol die catholische stende dz guet vertrauen und hoffnung zu iren undersassen haben, dz sie sich mehrtails irer obrigkait willen, bevelch unnd verordnungen in religion- und prophan sachen gehorsamlich gern undergeben oder, da ja[!] yemandt villeicht einer andern religion oder confession were, sich nichts do weniger, wann ime kain andere anraitzung zustunde, bssich under solcher irer obrigkait–bs gedulden mochten, so befindet sich doch noch wie allwegen, dz (außerhalb der mittel, wann ettliche stende der augspurgischen confeßion underm schein ainer malefitzischen oder andern hohen obrigkait die pfarren und underthanen an sich ziehen) auch durch ettliche, so villeicht der augspurgischen confession am wenigisten zugethan, nicht unterlassen kan werden, zu der catholischen herrschafften underthanen offentlich oderbt haimlich zuschicken, sie zu behar- /59/ rung ires widersetzens, trutz und mutwillens, auch ungehorsambs, item in irer obrigkait widerigen religion, auch mit winckel predigen, verbottenen kinder tauffen und anderm (dessen doch die underthanen offtmalls ausserhalb solcher anstifftungen nicht gemeint sein und sich ohne erhebliche clagen under iren herrschafften befinden) vortzufahren zuvermahnen, inen schutz zuversprechen und anzubieten, iren herrschafften daruber zutzuschreiben, bißweiln unnachbaurschafft anzutrawen etc. Dessen man sich nicht allain uf die Niderlandt ziehen thuet, sonder es gibts auch der statt Coln abgesandten der ablainung schrifft beigefuegte exception schrifft91 gnuegsamb zuerkennen. Neben dem man taglich vernimbt, was fur erinnerungen und underbauungen schrifftlich und durch andere mittel gegen der statt Aach villeicht zu irem grossen schaden vorgehen. Man geschweiget der andern geringern orttern Weil92, Kaufbeurn etc., welche ohne anleittung villeicht nie in ire mißverstende gerathen weren.

buUnnd haben sich die catholische Reichs stett, bey denen, wie von alters herkomen, allain catholischer religion verwandte zum rathsitzernbv unnd embtern ufgenommen werden, sonderlich zubeclagen, dz man der burgerschafft eintzubilden understehet, als ob es in den stetten mit dem magistrat gegen ire burgerschafft unnd ingesessene der religion halben aine vil andere mainung haben solte als bey gebornen erbherren, unnd dz der stättischer magistrat mit der burgerschafft /59’/ ainen standt in hoc puncto religionis machen und derwegen der burgerschafft dz frey exercitium augspurgischer confession nit soll, konnen oder mogen durch den catholischen magistrat verwaigert werden93. Welches, ob wol an im selbst irrig und dem religion friden, als der uf die stendt allain begriffen und den underthanen mehrers nit als den freyen abzug nachgibt, außtrucklich zugegen, so wirtbw dannoch die burgerschafft mit solchem vorgeben gegen ire obrigkait nit wenig incitirt und zu verneuerlichen begeren angetzundet–bu.

So will man den catholischen stenden auch dz nicht gonnen oder guet haissen, dz sie vermoge deß § „Wo aber unsere etc.“94 gleiche macht (wie sich der ander thail täglich derselben gebraucht) haben solten, wann sich ire underthane und zugewandte mit der herrschafft religion nicht vergleichen konnen, dz dieselbigen mit abnemung der nachsteur und erledigung der leibaigenschafft, ire gelegenhait anderstwo zu suechen, angewisen werden. In dem man doch inen, den clagenden, kain zill oder maß setzt, wann allain billiche maß oder ordnung dabey gehalten wurdt. Uber das aber sie solches gegen den irigen vil scherpfer exercirn unnd vornemmen: So beschweren sich die catholische doch höchlich, dz die maß gegen den catholischen geistlichen sonderlich gantz unnd gar uberschritten wurdt, in deme fromme closterfrauen aus iren gottsheusern durch die stattknecht mit vorschlagung aines beckhens außgefurt, die catholischen, neben dem sie uf den cantzeln mit nahmen genent und vor mamelucken95 außgeschrien, auch an gelt, ehren /60/ unnd leib gestrafft werden, do sie doch offt selbst wunschten, deß beneficii deß religion fridens zugeniessen, nemlich außzuziehen, anbx andere ortt sich zubegeben. Aber man setzt inen mit solchen thurnplagen96 und andern straffen so lang zue, biß sie die catholische religion entlich verlassen muessen.

byWieweit sich die freye unnd Reichs stett in crafft deß religion fridens der stifft, closter und anderer geistlicher ortter anzunemmen–by, gibt die disposition des § „Nachdem aber“97 außtrucklich zuverstehen: Nemlich do beyde, die uhralte catholische religion unnd augspurgischer confeßion, ein zeitlang in gang und gebrauch gewesen, dz dieselben hinfuro also bleiben unnd in denselben stätten gehalten werden sollen, unnd derselben freyen unnd Reichs stätt burger und andere einwohner, geistlich unnd weltlichen standts, fridlich unnd ruewig bey- unnd neben einander wohnen, kein theil deß andern religion, kirchen gebrauch oder caeremonien abzuthun oder inen davon zutringen unterstehen, sonder yeder thail den andern laut solches fridens bey seiner religion, glauben, kirchengebreuchen, ordnungen unnd ceremonien, auch seinen haab unnd guettern und allem andern, wie zuvor bayder religion Reichs stenden halben geordnet worden, ruhigclich unnd fridlich bleiben lassen solle.

Es wurdt aber dise verordnung vil weniger von ettlichen stätten dann ainigem anderm Reichs standt gehalten oder in acht genommen. Dann menigclich bewusst, /60’/ welcher gestalt die statt Straßburg seit aufgerichten religion friden iren burgern, die catholische predigen zu St. Johanns zubesuechen, gewehret und, dasselbig zuverhuetten, bewehrte burger an die kirch thueren gestelt98. Item waß gestalt bey wenig jahren sie die vicarios des hohen stiffts unnd baide collegia zum alten unnd jungen St. Peter gegen raichung gewissen schirmgelts in schutz gezogen, inen denselben auch mit versigelten briefen hoch versprochen99, aber so gar dagegen nit defendirt, sonder vil mehr zugesehen, auch durch die irige hulff darzu laisten lassen, dz bemelte vicarien und deren praesentz ir gemaines hauß, der Gurtler hof, eingenommen100, aller vorrath an frucht unnd wein verschwendet, briefliche urkunden entzogen, auch ettlichen sonderbaren personen, als dem kirchherrn zu Offenburg, herrn Michael Wenckhen etc., und andern ire höf unnd heuser eingenommen worden101, hernach alle drey collegia in Straspurg gezwungen, ire archiven zueröffnen unnd besichtigen zulassen, auch zuversprechen, davon nichts auß der statt zu transferirn; auch dz stifft zum alten St. Peter genöttigt, ainem abgefallnen beweibten priester (den sie mit noch andern zum burger ufgenommen und bzwider ire geistliche obrigkait–bz verthedigen) die vollige reditus zureichen; unnd dann alle collegia unnd geistliche in der statt mit ainem neuen uncatholischen statuto verbunden, wider gemaine verträge unnd concordata babstlicher Hlt.102 die collaturn der canonicaten in irem monat ferner nicht zugestatten. Ferner wie sie dem herrn bischoven /61/ in seine jurisdiction griffen, die geistliche mit frevel unnd bueßen gestrafft, entlich auch uber versprochenen schirm mit täglichen unmessigen schatzungen belegt; zugeschweigen, wie sie nicht allain obbemelte, sonder auch anderer tumherrn hofe unnd heuser und was darinn gewesen, durch hulff der irigen mit gewalt inn- und hinwegk nemen laßen unnd ire burger darinn gesetzt. Unnd dann letztlich nach absterben des herrn bischoven den stifft mit vheindtlicher kriegsmacht wo nicht in irem namen selbst uberfallen, doch andern allen furschub unnd furderung darzu gethan, wider euer ksl. Mt. bevelch, den religionfriden unnd alt herkomen den jungen fursten von Brandenburg zu sich gezogen103, item uf den herrn von Kirchingen[!]104 leuth außgeschickt, inen todt oder lebendig in die statt zubringen; und in suma zu eusserstem verderben des stiffts alleca ursach geben.

Sovil die sonderbare gottesheuser unnd closter betrifft, welche abzuthun oder von iren gebreuchen zubringen, inen und allen stätten vermoge deß obgesetzten § „Nachdem aber etc.“105 sonderlich nicht zu[ge]lassen, hat doch die statt Straßburg dem allem zuwider die herrliche carthausen abgebrochen unnd geschleifft, die ordens personen abgewisen, die gefell zu sich gezogen106, item die closter jungkfrauen zu St. Niclas in undis aus irem gotteshauß vertriben, außgejagt, ire guetter inen angeheimschet107, auch etliche zu heuraten genötigt, dieselbe außgesteuert unnd inen hochtzeit gehalten, /61’/ die ubrige, cbso nicht abfallen wöllen, in dz closter zu St. Margreth eingesteckt unnd–cb dahin zu tringen understanden, dz sie irem provincialn unnd obern kain gehorsam mehr laisten sollen. ccUnnd als sie die statt deßwegen in camera beclagt108 unnd sie kain erhebliche ursachen solcher gewaltsamen vertreibung und einziehung berurtes gottshaus vorzuwenden gehabt, auch ir vorgeben, dz gedachte closter jungkfrauen ain uppich und unzichtiges leben gefurt, nit gnuegsamb bescheinen konden, haben sie der sachen ain ander mittel erdacht (welches doch billich–cc euer ksl. Mt. geburender reverentz halben nicht soll vorbracht werden, aber allain umb deß willen, dz gleichwol der gegenthail sehe unnd spure, was unerhebliche clagen sie gegen den catholischen ständen furen und ire selbst gegen den catholischen vornemmende belesstigungen desto mehr zu gemueth ziehen, nicht umbgangen werden mogen) cdund ettliche aus iren rats verwanten, syndicis unnd stattschreiber zu inen abgeordnet, die dann auch vier hebammen an der handt gehabt, ocularem inspectionem, ob sie noch alle junckfrauen seyen, einzunemmen. Welche auch, dem werckh ainen anfang zumachen, sich gegen der priorin underfangen und dasselbige verrichtet hetten, wo sie nicht nach embsigem flehen unnd bitten, dz man also unerhorter weis sie nicht zu schanden bringen wolte, inen aus dem gemach entrunnen und dz werck also ersitzen bliben109,–cd. Alles dahin bedacht unnd angestelt, ursach an die leuth zugewinnen und darauf die closter zu occupirn. Wie nun dise sachen /62/ den hailsamen religion friden gemeß seyen, das stelt man aller erbarlichen gemuettern zuerkennen.

Die statt Ulm uber hievorige clagen (darinnen neben andern vermeldt wurdt, wie sie zu sonderm despect der catholischen religion ainen priester in seinem geistlichen klaidt aus dem teutschen hauß uber die gassen gefurt110) hat seithero auch noch dz barfuesser closter verwuest, die altar abgebrochen, ire burger zu Geußlingen der religion halben erstlich lang mit gelt gestrafft unnd letztlich des landts gar verwisen111.

ceAlso auch zu Mengern112 nach dem religion friden die catholische predigen bey grosser straff gewehret unnd abgestelt, so wol auch die catholische bezwungen, ire kinder nit mehr catholisch zu tauffen oder ire ehen einsegnen zulassen–ce.

Wie sich die statt Kaufbeuern dem religion friden, auch euer ksl. Mt. selbst bevelch unnd derselben verordneten commissarien gethaner verspruchnus zuwider verhaltet, ist zum thail oben vermeldet113. Ainmal ist es an dem, ob wol sie, wie auch die statt Bibrach, in der wahl deß raths, aller hoch- und christmildester gedechtnus, kaiser Carls ordnung schweren, darinn gemeldet wurdt, dz sie kainen rathsherrn, als catholisch (so lang deren zufinden), annemmen sollen, dz doch beede stätt entweder den ksl. bevelch verendern114 oder im schweren denselben § /62’/ uberschreitten oder sonsten in copiis in widrigen sinn bringen, abschreiben oder ablesen lassen. Dahero zu Kaufbeurn nicht mehr als zwen im rath catholisch sein, auch schwerlich mehr heinein kommen werden115. Die zu Bibrach aber die gemaine kirchen participirn und wider geschworne assecuration brief dz ubel erkaufft ius patronatus mißbrauchen und den catholischen allen spott zuefuegen116.

Was zu Wimpffen mit einnehmung der pfarr- und anderer kirchen vor wenig jahren vorgangen, ist mehr als wissent unnd bekandt117, nicht weniger als wie es zu Kemptencf, Lindau, Ißne und dergleichen ortten täglich geschiecht, die kaine burger, er sei dann der augspurgischen confession bekantcg [!], annemmen, dulden, oder vil weniger in rath ziehen, auch iren burgern die catholischen predigen mit gwaldt weren, die catholische religion verspotten, auch diejenigen, so sich derselben thailhafftig machen, zum hochsten straffen und fur unehrlich außschreyen118. Also ist kundtbar, dz die statt Lindau dz barfuesser closter zu iren kauffhendeln prophanirt und in andere mehr wege dem furstlichen stifft beschwerlichen intrag thuet.

Deßgleichen hat die statt Nördtlingen nach aufrichtung des religion fridens auch baide religion gehabt und seithero die catholische religion gar abgeschafft, dz barfueßer closter (welches doch die herrn graven zu Ottingen mehrtails ge- /63/ stifft, auch inen vorbehalten, wann es zu catholischem gottesdienst nicht gebraucht werden solte, wider zu sich zunemen) eingenommen, die burger zur augspurgischen confession allain eidtpflichtig verbunden119. Wie sie dann nunmehr kain catholischen burger dulden, auch anderer geistlichen fursten, furstmessiger stende unnd irer capitul bey inen wohnenden kasstnern unnd ambtleuthen ir catholisch gewissen nicht frey lassen, sonder zu irer mainung zwingen wollen. In dem sie sich nicht gescheuet haben, ainen priester, so in des teutschen ordens befreyetem hauß dem catholischen casstner ain kindt catholisch getaufft unnd damals auß der statt kommen, als er ongeferdt sich wider in der statt sehen lassen, allain solches taufs halben vom pferdt zureissen und in tieffsten kärcker zuwerffen120.

Weil nun obertzelte sachen bey der andern confession, sonderlich aber den yetzo clagenden stenden, auch bevorab den stätten, unnd ausserhalb der vorgenanten auch bey andern, alß zu Eßlingen, Reuttlingen, Muhlhaußen, Weissenburg, und gar nahe bey allen stätten fürgehen, zuvor auch offt geclagt worden, und also unverträgliche[!] aller billichkait, den beschribenen unnd aller volcker rechten, den Reichs constitutionen und dem hailsamen, so hoch betheureten religion- unnd prophanfriden zuwider sein, bitten die catholische stende aller underthenigist, gehorsamist unnd vlehenlichist, euer ksl. Mt. wollen zu handt- /63’/ habung so offtmalls beteurten religionfridens sonderlich bey den Reichs stätten, so solcher gefehrlicher und gantz beschwerlicher ingrief one aintzige zugebung des religion fridens sich chgegen clostern unnd gottesheuser von tag zu tag, ye lenger, ye mehr–ch, befleissen, allergnedigist verfuegen unnd verhelffen, damit alles, was durch sie wider obvermelte Reichs disposition in 39 jahren den catholischen unnd geistlichen ortten entzogen oder neuerlich zu irer beschwerung vorgenommen, wider restituirt, abgeschafft, dz hinweggenommen der billigkait compensirt und inen oder andern ständen, die catholische wider den vilbemelten religion- unnd prophanfriden zubeschwären, mit kaiserlichem eyfer gesteuert und gewehret werde, sintemal eben der religion- unnd prophanfrid dz aintzig bandt ist, dadurch alle fridtfertigkait und uffrichtig vertrauen zwischen den stenden des Hl. Reichs erhalten werden soll, kan unnd mage und dagegen ainige formliche declaration nicht angezogen werden kan, so denselben verendert, restringirt oder anderer gestalt derogirt hette; wie unnottig, alhie davon wider meldung zuthun, dieweil esci zuvor bey der ablehnung zu gnuegen geschehen121.

In dem allem euer ksl. Mt. so wol auch menigclichcj die catholische stende ires clagens unnd bittens verhoffentlich nicht verdencken werden, dieweil sy nottrenglich darzue verursacht und inen aine beschwerung uber die andere uf den halß wachset, die ertz- unnd stifft hin und wider violirt unnd angefochten /64/ werden. Darumb inen der schuldigkait nach obligt, der sachen, sovil immer moglichck, vorzubauen, damit sie den verwiß bey der posteritet nicht zugewartten, als ob sie inen ire uhralte religion nicht allain wenig angelegen sein lassen, sonder auch die hohe betheurungen und verspruchnussen, so des offt- unnd vilgemelten religion- und prophanfridens halben geschehen, nit in geburlicher acht gehabt hetten, sonder versehen clsich entlich, gestalt sie auch aber unnd abermall zum flehenlichisten derwegen bitten thun, euer ksl. Mt. werden–cl unnd wollen sich nicht ungenaigt befinden, inen gegen solche hohe betrangnussen in allen obvermelten puncten die ksl. hulff unnd handt also zupieten, uf dz sie getrostung haben konnen, deß religion fridens wenigers nicht als andere stende zu irer selbst und irer religion handthabung gleichmessig zugeniessen. Das alles wurdt euer ksl. Mt. zu hohem rhum geraichen, dadurch auch den catholischen ständen gantz kaiserliche milte gnadt erwisen und aller[!] fridtfertigkait im Heiligen Reich erhalten.

Schlussformel. Unterzeichnet von den beim RT anwesenden katholischen Reichsständen und den Gesandten der abwesenden.

Beilagen A-C: Vgl. bei Nr. 417.

Beilage D: Gravamina Bischof Antons von Minden. Vgl. Nr. 427.

Anmerkungen

1
 Neben diesen Beschwerden wurden die beim RT 1582 verfassten, dem Ks. aber nicht übergebenen und nur von wenigen Ständen kopierten katholischen Gravamina (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 367 S. 1290–1305 mit Anm. 6) beim RT 1594 neuerlich am 13. 7. in textgleicher Form wohl als Beratungsgrundlage zur Abschrift gegeben. Eine Übergabe an den Ks. erfolgte auch 1594 nicht (so auch Stieve, Politik I, 261, Anm. 2). Die Abschrift 1594 fertigten wohl nur jene katholischen Stände an, die sie 1582 nicht kopiert hatten (vgl. Vermerk auf der Jülicher Kop.). Das Datum der Abschrift durch protestantische Stände (Vermerk auf der Kurbrandenburger Kop.) ist nicht gesichert. Nachweise aus den RTA 1594 (Auswahl): HStA München, Hst. Freising K. blau 221/5, fol. 254–270’ (Kop. Überschr. [entspricht der Überschr. der Kopp. beim RT 1582]: Anzaig der catholischen stendt, was massen sie in das gemain und zu sonderhait gegen die offenbaren[!] disposition des religion fridens von den stenden der augspurgischen confession beschwert werden. Aufschr.: Den 13. Julii geschriben.). LAV NRW R, JB II 241, fol. 194–210’ (Kop. Aufschr.: Lectum 13. Julii anno 94. Praesentatum die jenigen, so es anno 82 nicht describirt.). HStA München, KÄA 3231, fol. 25–40 (Kop.). TLA Innsbruck, SB RTA I (1594), unfol. (Kop.). HASt Köln, K+R A 198, fol. 157–174’ (Kop. Vermerk: Anno 82 zu Augspurgh ubergeben.). GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Vv, fol. 735–753’ (Kop. Überschr.: Der catholischen stende ubergebene kegengravamina[!] zu Regenspurgk. 9. Augusti[19. 8.] anno 94.). NLA Hannover, Cal. Br. 11 Nr. 201, fol. 1–10’ (Kop.). Druck: Lehmann, Acta I, 232–238; Auszüge: Moser, Staatsrecht IX, 444 f.; XII, 212 f. Referat: Häberlin XVIII, 527–552; Zzusammenfassung: Vareschi, Legazione, 177 f.
2
 Würzburg C, unfol. [Nr. 245]. Das Datum der Übergabe an den Ks. konnte nicht ermittelt werden. Die Angabe auf dem Nachweis in LAV NRW R, Kurköln VI Nr. 152 (30. 7.) widerspricht der Billigung erst am 31. 7.
3
 Nr. 406. Zur späten Übergabe erst gegen Ende des RT vgl. Stieve, Politik I, 261, sowie Anm. 4 bei Nr. 407.
4
 Nr. 224.
5
 Aufgrund der zahlreichen Korrekturen können kleinere Veränderungen ohne sinngebende Bedeutung im textkritischen Apparat nicht berücksichtigt werden.
6
 Nr. 417.
a
–a zu … könden] In B Hinzufügung am Rand.
7
 Gravamina 1576: Lehmann, Acta I, 167–171; Referat: Moritz, Wahl, 384–388. Vgl. Edel, Kaiser, 434–436. Gravamina 1582: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 367 S. 1290–1305.
b
 werden] In B danach gestrichen: Also dz dem gemeinen sprichwortt nach wol zusagen: Eben die jenige, so andere schlagen, jagen und vervolgen, ahm maisten rueffen und schreyen.
c
–c (dessen … zubezeugen)] In B Hinzufügung am Rand.
d
–d fur … worden] In B Hinzufügung am Rand.
8
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 17 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3109). Vgl. zu folgender Beschwerde: Gotthard, Religionsfrieden, 245–247 mit Anm. 22.
e
–e nach … abschiedts] In B Hinzufügung am Rand.
9
 RAb 1566, § 5 (Lanzinner/Heil, RTA RV 1566, Nr. 467 S. 1514).
10
 Bezugnahme auf die Replik der CA-Stände beim RT 1556/57 zur Freistellungsforderung, Kg. Ferdinand I. übergeben am 17. 2. 1557 (Leeb, RTA RV 1556/57, Nr. 505 S. 1229–1237, hier 1233).
f
 mit sich bringt] In B korr. aus: in denen wortten mitt sich pringt.Sodann gestrichen: Wiewol nhun wir, der stende abgesandten … gereichen moge[längeres Zitat aus der Replik von 1556/57: Leeb, RTA RV 1556/57, Nr. 505 S. 1233].
11
 Bei den Akten des RT 1576, soweit sie im Druck vorliegen, ist die zitierte Klausel nicht nachzuweisen. Exakt obiger Wortlaut in der Supplikation um Freistellung am RT 1559: Leeb, RTA RV 1558/59, Nr.604 S. 1507.
g
–g wie … heerkomen] In B Hinzufügung am Rand.
h
–h des … irrthumben] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: einschleichenden calvinismi.
i
–i auch … gerechtigkaiten] In B Hinzufügung am Rand.
12
 Folgendes [bis: … abziehen mogen] ist teils wörtlich den Beschwerden des Hst. Regensburg [Nr. 421], Punkte 1–3, entnommen.
13
 Vgl. die Supplikation der Landstände in der Oberpfalz [Nr. 401] mit Anm. zur Erläuterung.
j
 gedachte regirung] In B korr. aus: gedachter regirung landtrichter.
k
 castelich] Korr. nach B [= „kastlisches“]. In C: castellisch.In der Textvorlage verschrieben: catholisch.
14
 Die Konflikte um die Hofmark Heimhof, die zur hochstiftischen Hft. Hohenburg gehörte, auf deren Landeshoheit aber auch die Kurpfalz Ansprüche als Lehen des Klosters Kastl erhob, dauerten seit dem 15. Jahrhundert an. Seit 1579 verband sich der Streit um die Erbfolge der Inhaber mit dem Konflikt um die Hoheitsrechte, wobei pfälzische Landrichter wiederholt bewaffnet nach Heimhof kamen, das sodann von der pfälzischen Regierung als heimgefallenes kastlisches Lehen eingezogen wurde (Leingärtner, Amberg, 89–92; Erb, Geschichte, 450–456, 467–484). Die Kirche wurde 1584 vom damaligen Inhaber profaniert (ebd., 492 f.).
15
 Für die Seelsorgestellen in der Hft. Hohenburg, die dem Hst. Regensburg unterstand, wurde das katholische Dekanat Allersburg eingerichtet (Hausberger, Geschichte I, 303). Obiger Vorfall ereignete sich 1589, als der Amberger Landrichter mit 70 Mann in die Kirche in Allersburg eindrang, den Priester gefangen nahm und nach Amberg brachte, ihn aber bald wieder freiließ und sich mit der oben angesprochenen Inhaftierung eines Schreibers durch die Hft. Hohenburg rechtfertigte (so Erb, Geschichte, 457 f.).
l
–l Unnd … leuthen machen] In B Hinzufügung am Rand.
16
 Vgl. Punkt 2 der katholischen Gravamina beim RT 1582: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 367 S. 1292.
17
 Bezugnahme auf die Gregorianische Kalenderreform 1582. Vgl. Anm. 18 bei Nr. 390, Anm. 18 bei Nr. 417.
m
 antichristischen] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: antichristen.
n
–n insonderhait … geben] In B Hinzufügung am Rand.
18
 Übernahme aus den Gravamina des Hst. Regensburg [Nr. 421], Punkt 11. Die konfessionelle Zusammensetzung der Assessorate war grundsätzlich abhängig vom Präsentationssystem. Im Jahr 1593 waren 22 katholische, 13 lutherische und auch 3 reformierte Assessoren tätig (Ruthmann, Personal, 9–11, 25; vgl. Jahns, Reichskammergericht I, 207 f. mit Anm. 84).
19
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 16 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3109).
20
 Vgl. Nr. 390, Punkte 3, 4, 20.
o
–o irer … zuwider] In B Hinzufügung am Rand.
21
 Vgl. Nr. 390, Punkt 2.
p
–p do … zuestunde] In B Hinzufügung am Rand.
q
–q (welches … geschicht)] In B Hinzufügung am Rand.
22
 Vgl. Nr. 390, Punkt 5.
r
–r mueßen … anzuweisen] In B Hinzufügung am Rand.
23
 Vgl. Nr. 390, Punkt 7.
s
 in] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: ire.
24
 Die Beschwerde ist in dieser expliziten Form in den Gravamina der protestantischen Stände nicht enthalten.
25
 Beschwerde übernommen aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 121 f. [Zudem, ob dieselbe … irigen zulegen.].
t
–t der … vorgenommen] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: der ritterschafft des franckischen kraiß ahn vielen ortten gegen dem stifft Wurtzburg vorgenommen.
u
 nidergerichtbarliche] In B korr. aus: vogteyliche.
26
 Beschwerde übernommen aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 121 [Obwohl der Religionsfrieden … gerichten endtstehet.].
v
–v den … confirmiren] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: solcher anordnung nicht gelebt.
w
 confirmiren] In B danach gestrichen: Diese Beschwerden ereignen sich im Hst. Würzburg in Gerbrunn und Randersacker gegen die Gff. von Castell sowie in Eltmann, Hofheim, Goßmannsdorf und Pfarrweisach gegen die Ritterschaft [vgl. die Würzburger Beschwerden: Nr. 426, fol. 121’: Dann nechst bei … ihne eingetrungen]. Sovil die unordnung des calenders belangendt, ist es hin und wider gemein und erzeigt sich fast allenthalben, do der catholisch standt einen mechtigen nachbarn einer andern confession neben ime hat. Und damit ja den catholischen dißfals nhur schimpf und spotts gnug begegne, befleißen sich ettliche der andern confession stende und bevorab stätt, deßen die statt Regenspurg sonderlich in starcker ubung ist[folgt hier gestrichene Übernahme aus den Gravamina des Hst. Regensburg: Nr. 421, Punkt 10].
x
–x zu … zeitten] In B Hinzufügung am Rand.
27
 Beschwerde übernommen aus den Gravamina des Hst. Augsburg [Nr. 422], fol. 55 [Wiewol auch zum sechsten … des religion fridens.]. Vgl. ähnliche Beschwerden des Hst. Regensburg gegen die Stadt Regensburg [Nr. 421, Punkt 10].
28
 = in der Stadt Regensburg. Folgendes [bis: … gefahr gebrauchen mögen] ist teils wörtlich den Beschwerden des Hst. Regensburg [Nr. 421], Punkt 4, entnommen.
y
 auch an derselben thurn] In B Hinzufügung am Rand.
29
 Zur problematischen Gemengelage in Regensburg mit Konflikten zwischen der faktisch protestantischen Reichsstadt trotz des Fortbestehens reichsmittelbarer geistlicher Institutionen (Klöster und Kollegiatstifte) auf ihrem Boden und den dortigen 4 geistlichen Reichsständen (St. Emmeram, Ober- und Niedermünster, Hst.): Hausberger, Verhältnis, bes. 140–145 mit Beispielen für Probleme und Konflikte im Alltag; Landau, Dreieinigkeitskirche, 25–29; Trapp, Regensburg, 852–854 (v. a. 17. Jahrhundert).
z
–z catholische … sich] In B Hinzufügung am Rand.
30
 = aufgewiegelt.
aa
–aa die … ohn] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: die burger unnd inwoner deß ortz sich irer libertet und freyheit der religion ohn.
31
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 16 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3109).
32
 Beschwerde übernommen aus den Gravamina des Hst. Augsburg [Nr. 422], fol. 50–51 [Wiewol die … gentzlich enthalten miessen.].
33
 Beschwerde übernommen aus den Gravamina des Hst. Augsburg [Nr. 422], fol. 55 [Item zum sibenten … auch abgeschafft.]. Referat dieser und der weiteren Beschwerden zu Kaufbeuren: Stieve, Reichsstadt, 62 f.
ab
–ab In … zuwider beschwerdt] In B Hinzufügung am Rand.
34
 Beschwerde übernommen aus den Gravamina des Hst. Augsburg [Nr. 422], fol. 53 f. [Verners haben sich … religion fridens zuwider.].
ac
 beschwerdt] In B folgt (mit dem Vermerk: Spectat ad § „Damit auch“) eine gestrichene Passage, die in der Ausfertigung jedoch an anderer Stelle inseriert wird: Vgl. fol. 56 f. [Das, ob wol nach außweisung … matrimonial sachen etc.].
35
 Geistlicher Vorbehalt des Religionsfriedens im RAb 1555, § 18 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3109 f.).
ad
–ad ainer … personen] In B Hinzufügung am Rand.
ae
 protestation] In B danach gestrichen: ohne angesehen, sie einer schrifftlichen protestation bevelch gehabt (uff obgemeltte, ire den 17. Februarii anno 57 uberreichte replick sich zihendt[vgl. Anm. 10]), mitt andern des religion fridens puncten gleichmessig eingangen.
36
 Ablehnung des Geistlichen Vorbehalts durch die protestantischen Stände in der geteilten Resolution vom 6. 9. 1555 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 221 S. 2073–2076), sodann dessen eigenmächtige Setzung aufgrund ksl. Vollmacht und kgl. Amtsbefugnis in der Resolution Kg. Ferdinands vom 8./9. 9. 1555 (ebd., Nr. 223 S. 2106 f., Art. [6]). Die erwähnte mündliche Erklärung des Kgs. bezieht sich auf seine Verhandlungen mit den protestantischen Ständen am 20. 9. 1555 (ebd., Nr. 222 S. 2103 f.). Die Annahme des Vorbehalts mit der Formulierung „Welchs sich aber beider religion stende nicht vergleichen konnen etc.“als Manifestierung des Widerspruchs der protestantischen Stände ist enthalten in der Schlussrelation des Kgs. zum Religionsfrieden vom 21. 9. 1555 (ebd., Nr. 22 S. 2125 f., Art. [6]). Die Regelung wurde wörtlich in den Religionsfrieden übernommen (ebd., Nr. 390 S. 3109 f.). Ein bereits konzipierter Protest (ebd., Nr. 230 S. 2127–2131) wurde nicht übergeben. Vgl. ebd., Einleitung, 84–87; Gotthard, Religionsfrieden, 60–62, 143–155, 264–267.
af
–af als … stenden] In B Hinzufügung am Rand.
37
 RT 1555 vgl. Anm. 36. Bestätigung im RAb 1557, §§ 7 f. (Leeb, RTA RV 1556/57, Nr. 577 S. 1382 f.); RAb 1559, § 5 (Leeb, RTA RV 1558/59, Nr.806 S. 2008); RAb 1566, § 6 (Lanzinner/Heil, RTA RV 1566, Nr. 467 S. 1514 f.). Für RT 1570 Bekräftigung nicht im RAb enthalten, jedoch angesprochen in den protestantischen Verhandlungen (Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 385 S. 963, 971 f.; Nr. 386 S. 972–980, bes. 978 f.). Beim KFT 1575 wurde die Rechtskraft angesprochen in der Debatte um die Declaratio Ferdinandea (Neerfeld, RTA RV 1575, Nr. 6 S. 130, Nr. 7 S. 136, 140, Nr. 8 S. 153, Nr. 27 S. 256). Im RAb 1576 erfolgte keine explizite Erneuerung, jedoch wurde die Gültigkeit in den Religionseingaben thematisiert (Lehmann, Acta I, 136, 139, 144 f., 172). Im RAb 1582, § 9, Bestätigung des Religionsfriedens in der Verpflichtung des Ks. auf dessen Handhabung im Zusammenhang mit der Türkenhilfe (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 457 S. 1413), ansonsten wiederholte Feststellung der perpetuierten Gültigkeit durch die protestantischen Stände, auch gegen vermeintliche katholische Aussagen, er sei nur ein Interim (Auswahl: Ebd., Nr.88 S. 538 f., Nr. 258 S. 986, Nr. 314 S. 1129, Nr. 316 S. 1136 f., Nr. 333 S. 1178, Nr. 356 S. 1261).
ag
 ist] In B danach gestrichen: ohne angesehen, das sonderlich ettlicher stiffter, als deß stiffts Neuhausen und Sintzig halben, bey vielen underschiedlichen Reichs-, deputation- und particular tägen, auch ahm ksl. hoff außfurliche decreta zur restitution ergangen.[= Kollegiatstifte St. Michael in Sinsheim und St. Cyriacus in Neuhausen. Vgl. Anm. 58.]
38
 Gravamina beim RT 1582, Punkt 3 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 367 S. 1294).
39
 Vgl. die Darstellung zur „Protestantisierung und Dynastisierung“ in den Hstt. der „Verlustzone“ bei Wolgast, Hochstift, 261–266. Jeweils zusammenfassend (Lit.): Köln in seiner Existenz als geistliches Fst. gefährdet, zuletzt im Kölner Krieg; Straßburg: durch die Protestantisierung gefährdetes Hst. (vgl. Nr. 354, Nr. 416); Osnabrück: Postulation protestantischer bzw. konfessionell indifferenter Kandidaten bei den Wahlen seit 1574 als Indiz der Profanierung (Krusch, Wahlen; Westphal, Indifferenz; vgl. auch Anm. 5 bei Nr. 353): Wolgast, Hochstift, 287–299; Haag, Dynastie, 615–617, 644–647, 1533–1583; Schröer, Kirche I, 102–121, 194–200, 216–239. Zu Halberstadt vgl. unten, Anm. 41.
40
 Bezugnahme auf die Folgen des Kölner sowie des niederländischen Kriegs. Vgl. Anm. 14 bei Nr. 4.
ah
 hulff] In B danach gestrichen: (deren in crafft des religion fridens alle stende baider religion zu handthabung irer religionen confession und derselben ceremonien gleichmeßig vertrostet werden).
41
 Seit der Postulation von Heinrich Julius als Administrator 1566 betrachtete Braunschweig-Wolfenbüttel das Hst. Halberstadt „als dynastischen Besitz“ (Wolgast, Hochstift, 276). Obwohl seine Wahlkapitulation den Rücktritt als Bf. nach der Verehelichung vorsah, konnte sich Heinrich Julius in Halberstadt (im Gegensatz zum Rücktritt in Minden) behaupten, indem er 1584 eine neue Wahlkapitulation abschloss, die zwar das freie Wahlrecht nach seinem Ableben zusagte, doch „versprach das Domkapitel zugleich, bei einer neuen Wahl das Haus Wolfenbüttel vor allen anderen Bewerbern zu berücksichtigen“ (ebd., 270; vgl. Langenbeck, Geschichte, 65–68, 109–116; Gruttmann, Grenzen, 12–14).
ai
 sich] In B danach zunächst am Rand hinzugefügt, dann wieder gestrichen: erstlich in der getroffenen capitulation versprochen, so baldt ein heyrath ervolgen mochte, vom stifft abzutretten und dem stifft die freye election wider einzureumen, auch der bapstlichen Hlt., Gregorio XIII., zugesagt[Abbruch].
42
 Visitationen in den Halberstädter Klöstern seit 1589: Schrader, Ringen, 49 f.; Wolgast, Einführung, 237.
aj
 irem wollust] In B korr. aus: irer leichtfertigkeitt.
43
 Verhandlungen 1591 mit Kollegiatstiften und Klöstern um die Durchführung der Reformation: Langenbeck, Geschichte, 86–90; Reformation der Kollegiatstifte St. Peter und Paul sowie St. Bonifatius und Mauritius in Halberstadt: Schrader, Ringen, 50. Angaben zu David Paurmeister konnten nicht ermittelt werden. Eine etwaige verwandtschaftliche Beziehung zu IUD Tobias Paurmeister von Kochstedt (1553–1616), Kanzler des Halberstädter Domkapitels (NDBXX, 139 f.), der für Halberstadt beim RT anwesend war, bleibt offen.
ak
–ak wie … zugeschriben] In B Hinzufügung am Rand.
44
 Vgl. Langenbeck, Geschichte, 73–90: Offizielle Einführung der Reformation im Hst. 1591, eingeleitet von einer persönlichen Rede Administrator Heinrich Julius’ vor dem Domkapitel am 23. 2. 1591, auf die sich obige Angaben teils beziehen: Bezeichnung der alten Lehre als ‚Teufelswerk‘, Verurteilung des Messopfers und von Weihehandlungen, Bezeichnung der niederen Weihegrade als ‚Malzeichen der babylonischen Hure‘ (ebd., 74 f.). Referat der vorgetragenen „Reformation“: Ebd., 73–76; Reaktion des Domkapitels und weitere Verhandlungen 1591: Ebd., 77–90; knapper: Schrader, Ringen, 50–52; Wolgast, Einführung, 237.
45
 Verhandlungen mit dem Domkapitel 1592/93 unter anderem um die Abstellung des Messopfers in Kollegiatkirchen und Klöstern: Langenbeck, Geschichte, 103–107.
al
–al als … greuel] In B Hinzufügung am Rand.
am
–am die … benambt] In B Hinzufügung am Rand.
46
 = Gefällen.
an
 uber solcher reformation] In B Hinzufügung am Rand.
ao
–ao auch … verbleiben] In B Hinzufügung am Rand.
47
 Zur Straßburger Doppelwahl 1592 vgl. Anm. 6 bei Nr. 354. „Okkupation“ der bfl. Orte durch das protestantische Kapitel mit Unterstützung der Stadt Straßburg unmittelbar nach der Wahl (Stieve, Politik I, 59–61) und anschließender bischöflicher Krieg 1592/93 (Ritter, Geschichte II, 67–69, sowie unten, Anm. 103).
48
 Straßburger Pazifikationsabschied vom 27. 2. 1593 mit der vorübergehenden Aufteilung der Ämter des Hst. an beide Parteien sowie deren Verpflichtung zur Einstellung der Kampfhandlungen und zur Anerkennung des Schiedsspruchs einer nachfolgenden ksl. Kommission (vgl. Einleitung, Kap. 3.5.2 mit Anm. 485).
ap
–ap ein … geschehenem] In B Hinzufügung am Rand.
aq
 personen] In B korr. aus: apostatas.
ar
–ar die … lassen] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: kein catholische wahl mehr gestatten.
as
–as mit … getragen] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: mit A referirt.
49
 Bezugnahme auf Beilage C zu der dem Ks. gleichzeitig übergebenen Gegenerklärung der katholischen zu den Gravamina der protestantischen Stände [Nr. 417]. Es handelt sich um den lothringischen Gegenbericht zu einigen Punkten der protestantischen Gravamina [Nr. 425].
50
 Katholische Mitglieder der ksl. Kommission im Straßburger Bischofskonflikt: Kf. Wolfgang von Mainz, Ehg. Ferdinand II. von Tirol, Bf. Julius von Würzburg (vgl. Einleitung, Kap. 3.5.2).
at
–at der .. zuwider] In B Hinzufügung am Rand.
au
 zuhaissen] In der Textvorlage folgt hier irrtümlich der an dieser Stelle zu streichende und im nächsten Absatz zu inserierende [so auch in B und anderen Abschriften; dagegen C wie Textvorlage] Nachsatz: bevorab Oßnabrugk oder auch andern, da dergleichen understanden werden mochte.
av
–av bey … extendirt werde] In B Hinzufügung am Rand.
aw
–aw bevorab … mochte] In B Nachtrag zur Hinzufügung. Hier korr. nach B. In der Textvorlage und in C irrtümlich falsch zugeordnet (vgl. Anm. au).
51
 Zur Situation im Hst. Osnabrück vgl. Anm. 5 bei Nr. 353.
52
 Beilage D: Gravamina des Bf. von Minden [Nr. 427].
53
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 19 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3110).
ax
 oder zu zeit desselben] In B Hinzufügung am Rand.
54
 Vgl. die protestantischen Gravamina [Nr. 390], Punkt 15.
55
 Vgl. Anm. 71 bei Nr. 390.
ay
–ay closter … guetter] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: undt closter.
56
= verheert.
az
–az mit … wurdt] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus der Streichung: heylthumb[!] verunehrt, brief und cleynodia abgetragen, die heylige ostien mitt fußen getretten, ordens personen verjagt, äpt, prälaten und andere, so nicht weichen wollen, abgesetzt, mitt spott wie ubelthätter auß den stätten durch stattknecht begleitt, ettlich auch wol gefengklich nhemen, uff kharren und pferden hinweg gefurt, gekerckert, zu verzeihung der stifft und gueter genotigt worden.
57
 Vgl. Punkt 4 der katholischen Gravamina beim RT 1582: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 367 S. 1294–1297.
ba
–ba in … verendert] In B Hinzufügung am Rand.
bb
–bb Neuhausen … kirchen] In B Hinzufügung am Rand.
58
 Übernahme dieser Beschwerden gegen Kurpfalz aus den Gravamina des Bf. von Worms [Nr. 423], fol. 105 f. [Der Bf. beschwert … zunehmen, verursacht.]. Vgl. zu den folgenden Bezugnahmen die dortigen Hinweise.
bc
–bc Uber … mehr] In B Hinzufügung am Rand.
bd
–bd (dieweil … kan)] In B Hinzufügung am Rand.
59
 Vgl. Anm. 7 bei Nr. 423.
be
–be und … stehen] In B Hinzufügung am Rand.
bf
 unvermoglichen] In B: unvermoglichern. C wie Textvorlage.
60
 Folgendes [bis: … volge geschicht] ist teils wörtlich den Beschwerden des Hst. Regensburg [Nr. 421], Punkte 5, 6, entnommen. Zur Situation in Regensburg vgl. oben, Anm. 29.
bg
 und biß in 40] In B Hinzufügung am Rand.
bh
 wie an mehr ortten] In B Hinzufügung am Rand.
61
 Der Regensburger Rat hatte die Dominikanerkirche (Predigerkloster) 1542 für die protestantische Religionsausübung eingenommen, musste sie aber nach dem Religionsfrieden wieder abgeben. 1563 beschlagnahmte er deren Langhaus erneut, lediglich der Chor verblieb den Mönchen. Ein Vertrag von 1568 schien den Rechtsbruch zwar zu legalisieren, doch leitete der Orden 1593 Gegenklage ein, woraufhin der Ks. 1594 eine Kommission einsetzte. Die Klage am RHR wurde erst 1626 gegen die Stadt entschieden (Hausberger, Verhältnis, 143 f.; Hahn, Ratisbona I, 147–150).
62
 Folgendes [bis: … der statt selbst] ist den Beschwerden des Hst. Regensburg [Nr. 421], Punkt 8, entnommen.
63
 = den Stufen zum Dom St. Peter.
bi
 in faciem] In B und C: in facie.
64
 Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 122 [Soviel aber eintragt … nit anzuhören.]. Vgl. die dortigen Erläuterungen. Beschwerde erwähnt bei Demel, Orden, 246.
bj
–bj Deßgleichen … unnd obrigkaiten] In B Hinzufügung am Rand.
65
 = Donaumünster (Gemeinde Tapfheim) an der Kessel. Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Hst. Augsburg [Nr. 422], fol. 52’ f. [Wiewol dann dem gottshauß …].
66
 Übernahme der Beschwerden aus den Gravamina des Hst. Augsburg [Nr. 422], fol. 53’–55 [So sein der turbation … nit gedultet werden.]. Vgl. die dortigen Erläuterungen.
67
 Das Weißfrauenkloster wurde 1588 säkularisiert und in ein Versorgungshaus für ältere Bürgersfrauen umgewandelt. Die dortige Weißfrauenkirche wurde 1593 lutherischen französischsprachigen Zuwanderern für deren Gottesdienste überlassen (Dechent, Kirchengeschichte, 244, 272, 278 f.; Jahns, Frankfurt, 184; Schindling, Wachstum, 225 f.). Die vom RHR auf Kurmainzer Klagen (1589–1592) wegen der Ansprüche auf das Kloster hin eingesetzte ksl. Kommission lehnte die Stadt ab, da es sich um eine alle CA-Stände betreffende Religionsfrage handle (Ehrenpreis, Gerichtsbarkeit, 132). Vgl. daneben die auch beim RT eingeklagte Ablehnung der ksl. Kommission im Konflikt des Rates mit dem Deutschordenshaus [Nr. 98, 134, 139].
68
 Zu den zahlreichen Konflikten und Prozessen mit der Stadt um katholische Kirchen und Klöster: Keilmann, Bistum, 180 (Lit.); Klage des Bf. von Worms am RHR 1587 gegen die Reichsstadt um ein eingezogenes Kloster: Ehrenpreis, Gerichtsbarkeit, 131. Vgl. auch Reuter, Mehrkonfessionalität, 21–29.
69
 Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 123’ [Deßgleichen ist in der … hertzogthumbs Frankhen.]. Vgl. die dortigen Erläuterungen.
bk
–bk sonder … sollen] In B Hinzufügung am Rand.
70
 Schutz der Reichsritterschaft gemäß Religionsfrieden im RAb 1555, § 26 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3112).
71
 = Hans Georg von Rotenhan. Übernahme dieser und der folgenden Beschwerden (Schweinfurt, Hohenlohe, Brandenburg-Ansbach) aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 123 f. [So hat auch … und Aurach.]. Vgl. die dortigen Erläuterungen.
72
 Chorherrenstift St. Peter und Paul zu Öhringen und Prämonstratenserinnenkloster Schäftersheim.
73
 St. Gumbert.
74
 Zisterzienserkloster Heilsbronn, Dominikanerinnenkloster Frauenaurach.
75
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 19 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3110).
76
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 20 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3110 f.).
bl
–bl auch … gehandthabt] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: unnd denen ortten, do sie nicht suspendirt, und außerhalb[Abbruch].
77
 Vgl. die protestantischen Gravamina [Nr. 390], Punkt 17.
78
 Folgendes [bis: … außgeschafft werden.] ist teils wörtlich den Beschwerden des Hst. Regensburg [Nr. 421], Punkt 7, entnommen.
79
 RAb 1530, § 51 (Neue Sammlung II, 313).
bm
–bm durch … stett] In B Hinzufügung am Rand.
80
 Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Bf. von Worms [Nr. 423], fol. 106 f. [Die weltlich obrigkheit … uffgericht seindt.]. Vgl. auch die Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 123 f. [Der Religionsfrieden suspendiert … würkhlich exequirt.].
bn
–bn den … officiales] In B Hinzufügung am Rand.
bo
–bo Wie … underhaltung ringert] In B Hinzufügung am Rand.
81
 Der zitierte Absatz „Hiebey […] beschwerung etc.“ist in den katholischen Gravamina von 1576 im Druck (Lehmann, Acta I, 167–171) nicht enthalten, hingegen findet er sich wörtlich in den beim RT 1582 übergebenen Beschwerden. Vgl. die gekennzeichnete Passage: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 367 S. 1295–1300.
82
 = Neubruchzehnt für Land, das neu nutzbar gemacht wurde (DRWIX, 1443 f.). Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 122’ [Wegen des stiffts Camberg … pfarr Steinkirkhen.].
83
 Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Bf. von Worms [Nr. 423], fol. 105’ f. [Der clerus zue Wormbß … achtung nehmen woll].
84
 Zisterzienserkloster Bronnbach und Augustinerchorherrenstift Triefenstein. Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 122’ [Es beschicht auch … graffschafft Werttheimb.].
85
 Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 122 f. [Deßgleichen haben burgermeister … zweintzig schwein.]. Vgl. die dortigen Erläuterungen.
86
 Religionsfrieden im RAb 1555, §§ 21, 22 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3111). Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 124’ [Der Religionsfrieden regelt … anderer beneficien.]. Vgl. die dortigen Erläuterungen.
87
 Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Hst. Würzburg [Nr. 426], fol. 121 f. [Wie auch die protestirende … irigen zulegen.].
bp
–bp oder … verendert] In B Hinzufügung am Rand.
88
 Übernahme der Beschwerde aus den Gravamina des Bf. von Worms [Nr. 423], fol. 106 [Uber daß wurd … Wimpfen geschehen.].
bq
 und andere der stifft gefell] In B Hinzufügung am Rand.
89
 Vgl. Punkte 5, 6 der katholischen Gravamina beim RT 1582: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 367 S. 1297–1299.
br
–br mit … etc.] In B Hinzufügung am Rand.
90
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 23 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3111).
bs
–bs sich … obrigkait] In B Hinzufügung am Rand.
bt
 offentlich oder] In B Hinzufügung am Rand.
91
 Nr. 424, hier angesprochen als Beilage A zur Gegenerklärung der katholischen Stände zu den protestantischen Gravamina [Nr. 417].
92
 Weil der Stadt (vgl. auch die Supplikation der dortigen protestantischen Bürger [Nr. 410]).
bu
–bu Unnd … begeren angetzundet] In B Hinzufügung auf einem beigelegten Blatt.
bv
 rathsitzern] In B und C: rathsitz.
93
 Vgl. die protestantischen Gravamina [Nr. 390], Punkt 3. Vgl. dazu die Ausführungen zum strittigen Reformationsrecht der Reichsstädte im Zusammenhang mit den Gravamina bei Gotthard, Religionsfrieden, 252–264, hier 258, Anm. 67.
bw
 wirt] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: will.
94
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 24 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3111 f.).
95
 = Mamluken, Mamelucken: Abtrünnige (Grimm, Wörterbuch XII, 1518).
bx
 außzuziehen, an] In B: außzuzihen oder ahn. C wie Textvorlage.
96
 = Turmstrafe (Inhaftierung im Turm).
by
–by Wieweit … anzunemmen] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: Waß die freye Reichs stett deß religion fridens zugenießen oder in crafft deßelben zuthun und vorzunemen.
97
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 27 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3112 f.).
98
 Abschaffung der katholischen Messe in den Frauenklöstern sowie in St. Johann (Johanniterkirche) durch den Rat mit städtischer Überwachung des Gottesdienstbesuchs seit 1578: Vierling, Ringen, 103–124 passim; neuerliches Verbot 1592: 123; zur Überwachung: 111–113; Adam, Kirchengeschichte Straßburg, 298–301; zur Überwachung: 300; Fuchs, Catholiques, 156–159; Sauerbrey, Klöster, 96 f., 319 f.
99
 Von der Stadt seit Beginn der Reformation erzwungene Schutz- und Schirmverträge mit den Klöstern und geistlichen Kollegien (Stiftskirche im Münster sowie Stifte Alt- und Jung-St. Peter) gegen die Zahlung eines festgelegten Schirmgelds: Sauerbrey, Klöster, 103 (Lit.), 196 mit Anm. 64; Vierling, Ringen, 19–24, 103 f.; Adam, Kirchengeschichte Straßburg, 307 (Schutzbrief 1581 für 10 Jahre).
100
 Zum Gürtlerhof und dessen Einnahme durch das protestantische Domkapitel im November 1588 sowie zur Reaktion des Straßburger Rates als Schutzherr des Hofs: Meister, Kapitelstreit, 280–288; Adam, Kirchengeschichte Straßburg, 310 f.
101
 Michael Wenck war einer der Deputaten des „Hohen Chors“ des Hst. mit Verwaltung im Gürtlerhof, die in Offenburg einen Hof erworben hatten. Nachdem sie einer Zitation vor das protestantische Domkapitel nicht nachkamen, wurde der Gürtlerhof eingenommen (Meister, Kapitelstreit, 280–283, 286). Einnahme des Hofs mit dem Inventar in Offenburg, wohin die Deputaten die Lieferungen aus dem Gürtlerhof gebracht hatten, durch protestantische Domkapitulare 1588 (ebd., 294 f.).
bz
–bz wider … obrigkait] In B korr. aus: wider seinen bischoff und die catholische ordnung.
102
 Wohl Bezugnahme auf das Wiener Konkordat 1448 (Haag, Dynastie, 27–37; Lit.).
103
 Unterstützung des protestantischen Kapitels durch den Straßburger Rat seit 1584, Abschluss eines Schutzbündnisses am 18. 12. 1591: Beiderbeck, Religionskrieg, 218; Meister, Kapitelstreit, 102–105, 111–114, 268–272, 397 f.; Ziegler, Politik, 10–21. Position des Rates bei der Doppelwahl 1592: Ebd., 25–34. Folgende militärische Unterstützung Administrator Johann Georgs im Bischofskrieg 1592/93 bis zur finanziellen Erschöpfung der Stadt: Beiderbeck, Religionskrieg, 220, 227–232; Schindling, Humanismus, 151–156 (Lit.); Stieve, Politik I, 63–66; umfassend: Ziegler, Politik, 34–100 passim.
104
 = der katholische Domdekan Frh. Franz von Kriechingen und Püttlingen, die „Seele des katholischen Kapitels“: Ziegler, Politik, 23; zu dessen führender Rolle bei der Wahl Kardinal Karls von Lothringen zum Straßburger Bf. 1592 in Zabern: Ebd., 37 f.; Stieve, Politik I, 55 f. mit Anm. 3.
ca
 alle] In B danach gestrichen: anstifftung gethan und.
105
 Religionsfrieden im RAb 1555, § 27 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3112 f.).
106
 Vgl. die Supplikation der Kartäuser an die geistlichen Kff. beim RT [Nr. 419].
107
 = an sich gebracht, entzogen (Grimm, Wörterbuch I, 373).
cb
–cb so … unnd] In B Hinzufügung am Rand.
cc
–cc Unnd … billich] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: Uber dieses alles noch ein abscheuliche thatt begangen, die billich.
108
 Schließung des Dominikanerinnenklosters St. Nikolaus in undis durch den Rat 1592. Den Nonnen wurde freigestellt, aus dem Orden auszutreten oder in das Margarethenkloster zu wechseln (Zusammenlegung beider Klostergemeinschaften). Vgl. Sauerbrey, Klöster, 45, 115 (ausführlicher Bericht einer Nonne zur Auflösung: Ebd., Anhang, 402–412); Vierling, Ringen, 117–119; Leonard, Nails, 130–137. Zur Klage des Ordensprovinzials am RKG vgl. Anm. 75 bei Nr. 390.
cd
–cd und … bliben] In B Hinzufügung am Rand, korr. aus einer nur noch teilweise lesbaren Streichung.
109
 Vgl. zu diesen Verhören: Vierling, Ringen, 119 f.; ausführlich: Leonard, Nails, 137–143.
110
 Enthalten in den katholischen Gravamina beim RT 1582, Punkt 11 (Leeb, RTA RV 1582, Nr. 367 S. 1301).
111
 Schließung der Barfüßerkirche für den katholischen Gottesdienst bereits 1569, keine Rückgabe trotz der Einschaltung ksl. Kommissionen (Armer, Friedenswahrung, 323–325, 328–332; Lang, Katholiken, 41–45, 110–112; Fritz, Kirchengeschichte II, 28–34). Vorgehen des Ulmer Rates gegen die Geislinger Katholiken nach vorheriger Duldung erst seit 1593 auch mit Verweisungen aus dem Ulmer Territorium (ebd., 60–62; Armer, Friedenswahrung, 319, 338–352).
ce
–ce Also … zulassen] In B Hinzufügung am Rand.
112
 Auch in B und C: „Mengern“.Dagegen wird auf der Kop. in HHStA Wien, RK RTA 66a, fol. 83, „Mengern“ korr. zu „Wengen“.Die Reichsstadt Wangen war jedoch katholisch, seit den 1570er Jahren verlieh der Rat das Bürgerrecht ausschließlich Katholiken (Scheurle, Bewegung, 137, 141–143). Deshalb wohl Bezugnahme auf Memmingen, das ansonsten im Gegensatz zu fast allen anderen protestantischen oberdeutschen Städten in den katholischen Gravamina nicht erwähnt wird. Zu den dortigen konfessionellen Verhältnissen nach 1555 (Duldung des Katholizismus, Verhalten gegenüber Zwinglianern, Calvinisten und Täufern): Kintner, Memmingen, 489–493; Friess, Konfessionalisierung, 76–85.
113
 Vgl. fol. 54’ [Ebenmessig haben die zu Kauffbeuern …].
114
 Bezugnahme auf die Wahlordnung Ks. Karls V. (1551) mit der Ersetzung der Zunftverfassung durch eine patrizisch-oligarchische Verfassung mit Bevorzugung der katholischen Minderheit (Has’sche Regimentsordnung: Pfeiffer, Ringen, 11 f.; Warmbrunn, Konfessionen, 116–119; Lit.). Sie wurde in Biberach 1585 vom ersten protestantischen Bürgermeister seit 1555 u. a. im Hinblick auf die konfessionelle Zusammensetzung des Rates geändert. Obwohl er sich dabei auf ein Dekret Ks. Ferdinands I. von 1563 stützen konnte, das die Wahlordnung Karls V. modifizierte, aber vom katholischen Rat bis 1581 geheim gehalten worden war, wurde er der Fälschung des Dokuments bezichtigt (ebd., 139–143, 158–160; Pfeiffer, Ringen, 15–18, 23 f.).
115
 Erneut Bezugnahme auf die Wahlordnung Ks. Karls V. von 1551 (vgl. für Biberach Anm. 116; für Kaufbeuren: Stieve, Reichsstadt, 17–21; Alt, Reformation, 92–94; Dieter, Gegeneinander, 37–39). 1571 waren noch 2 Ratsmitglieder katholisch (ebd., 97; Ehrenpreis, Gerichtsbarkeit, 213). Die Beschwerde ist auch enthalten in den Gravamina des Hst. Augsburg [Nr. 422], fol. 55’ [Fürs zehent soll … gesuecht worden.].
116
 Zu den konfessionell motivierten Differenzen in Biberach vgl. Warmbrunn, Konfessionen, 210–212, 223–225; Pfeiffer, Ringen, 19–24.
117
 Bezugnahme auf die Konflikte seit 1588 insbesondere um die Nutzung der Wimpfener Pfarrkirche (Endriss, Phasen, 316–321; Pfeiffer, Religionsfrieden, 289).
cf
 Kempten] In B Hinzufügung am Rand.
cg
 bekant] So auch in B und C. In B korr. aus: verwandt.
118
 Kempten, Isny und Lindau gehörten nach 1555 zu den protestantischen Reichsstädten und konnten diesen Status gegen die dortigen katholischen Institutionen (Lindau: Damenstift; Kempten: Fürstabtei; Isny: Benediktinerkloster) behaupten (Pfeiffer, Religionsfrieden, 281 f.). Vgl. für Isny im Zusammenhang mit der Ratsbesetzung nach der Wahlordnung Ks. Karls V. (1551): Kammerer, Reformation, 52–57; zu den Verhältnissen in Kempten: Warmbrunn, Kirche (Lit.); Lindau: Wolfart, Geschichte I/1, 379–396, bes. 394 f.; 413–415; Wolfart, Deckung, 218–222.
119
 Nördlingen war abschließend mit dem Religionsfrieden 1555 eine protestantische Stadt mit der Bindung des Bürgerrechts an dieses Bekenntnis. Die öffentliche Ausübung der katholischen Religion war verboten und den Insassen der klösterlichen Kastenhäuser (unter anderem des Deutschen Ordens) in der Stadt nur in ihren Häusern gestattet (Sponsel, Nördlingen, 215 f.). Der Konvent im Barfüßerkloster wurde bereits 1536 aufgelöst und die Barfüßerkirche 1584–1587 in ein Kornhaus umgebaut (Wittmer, Barfüßer, 108–113).
120
 Letztere Beschwerde erwähnt bei Demel, Orden, 248.
ch
–ch gegen … mehr] In B Hinzufügung am Rand.
ci
 es] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: er.
121
 Bezugnahme auf die Declaratio Ferdinandea und deren Zurückweisung in der Gegenerklärung der katholischen Stände (vgl. Nr. 417, fol. 156’).
cj
 so wol auch menigclich] In B Hinzufügung am Rand.
ck
 moglich] Eingefügt nach B und C. Fehlt in der Textvorlage irrtümlich.
cl
–cl sich …. werden] In B Hinzufügung am Rand und korr. aus: sich derwegen, euer ksl. Mt. werden.