Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Freistellung von der Türkenhilfe. An die Reichsstände.
Supplikation an die Reichsstände (der Mainzer Kanzlei übergeben am 14. 7.; von den Reichsständen nicht kopiert)1, unterzeichnet von L.: Die Hft. Reckheim [Reckum] ist aufgrund ihrer Lage in der Nähe Maastrichts seit 28 Jahren den Auswirkungen des niederländischen Kriegs mit Söldnerdurchzügen, Plünderungen, Mord und Brand unmittelbar ausgesetzt. Vor 15 Jahren wurde das Schloss Reckheim von spanischen Söldnern besetzt, viele Untertanen wurden getötet, andere mussten fliehen, sie wurden ihres Viehs beraubt und ihre Häuser abgebrochen. Der Vorbesitzer der Hft. [Wilhelm Quadt] konnte den Zustand trotz Bitten an den Ks., den Hg. von Jülich und den Niederrheinisch-Westfälischen Kreis nicht bessern2. Als er, L., die Hft. vor 4 Jahren an sich brachte und vom Ks. damit belehnt wurde, musste er das Schloss kostenaufwendig restaurieren und die Untertanen, von denen nur noch jeder 10. am Leben war, neu ansiedeln, ihnen Schutz und Schirm bieten und sie zur Wiederaufnahme des brach liegenden Ackerbaus bewegen. Da aufgrund dieser Kriegsfolgen die Hft. gänzlich verarmt und verwüstet ist, bittet er um Befreiung von der Türkenhilfe.
Beratung im Supplikationsrat am 14. 7.3mit Beschluss der Resolution (dort gebilligt am 19. 7.4), die im RR am 22. 7. verlesen wurde5. Billigung durch FR und SR; KR: weitere Beratung. Nochmalige Verlesung im KR am 29. 7.6und Billigung als Dekret der Reichsstände (kopiert [als Resolution des Supplikationsrats] am 26. 7.)7: Da die Bewilligung den Reichsständen nicht zusteht, wird die Supplikation an den Ks. verwiesen.