Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Textvorlage: Bayern, fol. 87–108.
1. HA (Türkenhilfe): Mehrheitliche Bewilligung von 64 Römermonaten durch das Plenum des FR.
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Salzburger Kanzler proponiert: Auf der Grundlage der bisherigen Beratungen wurde eine Ausschussresolution konzipiert. Dessen Verlesung1.
Umfrage. Salzburg, Bayern: Billigung.
Bamberg: Billigung. Der müntz /
Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Hab sich zuerinnern, das yedertzeit ist angehenckht worden: „doch das die beschwerungen und unruhe im Reich abgestellt werden, sunst nichts geben khönden“2. Sollte auch zue dem concept gesetzt werden von aufnam deß gelts, was ir Mt. sonsten für schulden gemacht, das sy solche one beschwerden deß Reichs ablegten.
/87’ f./ Replik Salzburg: /
Ergänzung Bayern: Sollt dabey steen: Was aber das aufgebrachte gelt anlangt, das hab seinen weg.
Erwiderung Braunschweig-[Wolfenbüttel]; Württemberg und Pommern idem dixerunt: Seyen diversa die anticipirte hilf und dz gelt, so ir Mt. von den stenndten privatim entlechen.
Auf welches letstere khein antwortt gegeben. Es soll auch nit angedeüttet werden, das ir Mt. die stendt mögen anlangen etc., dann es seie in facultate et libero arbitrio irer Mt. Wurde den abgesandten, die dessen kheinen bevelch haben, nit verwantwortlichen sein, wenn man irer Mt. also geben wurt. Oder man mög sagen, etliche haben die andeüttung gethan, etliche /
Konstanz: Wann der krieg beharrt wirt, sive offensive, sive devensive, soll die bewilligung auch ervolgen. Der müntz halben, dz ir Mt. in gangbarer Reichs müntz betzalt werden, damit nit ein stanndt vor dem andern beschwert werde. Wann dise zway darbey gesetzt, hab[en] sy verrer khein bedenckhen.
Jülich: Addendum „doch das den beschwerden abgeholffen“ und Gülch wegen erlittner kriegs scheden mit der contribution dißmall verschont werde.
Speyer: Billigung des Konz., allein dz die hilf mit allen conditionibus wie anno 663 eingewilligt werde.
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Münster: Wie Gülch.
Hessen-[Kassel]: /89 f./ Billigung im Hauptpunkt, /
Pommern-[Stettin]: Wie Braunschweig, Wirttemberg und Hessen.
Henneberg: Ut Braunschweig.
Prälaten, schwäbische Gff.: Jeweils ut Bamberg.
Resümee: Seyen siben vota bey Saltzburg und Bamberg und fünffe[!] bey Braunschweig, das der anhanng auszelassen.
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Einwand Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Mann soll noch einmal umbfragen, dann Saltzburg hat nit maiora.
Erwiderung Salzburg: Mann müeß heren, was man im fürstenrath dartzue wer[de] sagen. Er hab nit bevelch, dz er aus dem concept schreiten solle.
Hessen-[Kassel]: Saltzburg werd nit machen, das einer oder der ander seiner haubt instruction oder bevelch zuwider votiere.
Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Tringt verrer auf die ander umbfrag.
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Bamberg: Soll man ein differentz machen zwischen der anticipierten hilf und entlechnetem gelt: Etliches haben ire Mt. von den stenden empfangen auf abtzug6 und gegen einem reverß, etliches haben ire Mt. privatim von stenndten entlechnet; gee solches dz Reich nit an.
Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Es seye vonnetten, ut addatur: Wann der krieg sich auf vier jar erstreckh, soll die bewilligung so lang verstannden werden.
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Braunschweig-[Wolfenbüttel]: Mann soll noch ainmal umbfragen, well sich sonnst deß procedierns im fürstenrath beschweren. Seye genueg, das mans am freytag und samstag8 nachgesechen.
Daraufhin wird das Konz. in einem Punkt verändert: „Was aber dz von irer Mt. besonderbar entlechnet und aufgebracht gelt belanget, seye ire Mt. undterthenigist zubitten, der stenndte damit zuverschonen“.
Beschluss: Billigung dieser Änderung.
[3. Umfrage zur Laufzeit der Steuer in Abhängigkeit von der Kriegsdauer].
Salzburg: Lassts beim concept bleiben.
Bayern: Khumb in diser punct schwer und yberschwer für, denn /
Bamberg: Repetire priorae, dz nemlich die clausul, wie anno 66 unnd hernachmalln beschechen11, einverleibt werden, und mit dem /
Im Folgenden votieren Braunschweig-Wolfenbüttel, Konstanz, Speyer, Württemberg, Hessen, Pommern und Henneberg explizit wie Bamberg. Jülich wiederholt das vorherige Votum und ist indifferens, Münster schließt sich Jülich an. Die Prälaten votieren wie die Mehrheit.
Ist darauf die clausula addiert worden: woverr solcher /
Fürstenratb(Ebf. von Salzburg, Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg, Hg. Johann Casimir von Sachsen"–Coburg, Lgf. Georg Ludwig von Leuchtenberg persönlich. Gesandte: Österreich, Burgund, Besançon, Bayern, Deutschmeister mit Fulda, Pfalz"–Lautern, Bamberg, Pfalz"–Simmern, Würzburg, Pfalz"–Zweibrücken, Worms, Pfalz"–Veldenz, Eichstätt, Sachsen"–Weimar, Speyer mit Basel und Weißenburg, Sachsen"–Coburg [Johann Ernst], Konstanz, Brandenburg"–Ansbach, Augsburg, Braunschweig"–Grubenhagen, Hildesheim, Braunschweig"–Wolfenbüttel, Paderborn, Braunschweig"–Calenberg, Freising, Braunschweig"–Lüneburg, Regensburg, Jülich, Passau, Württemberg, Trient, Baden"–Durlach [Ernst Friedrich], Brixen, Baden-Baden, Münster, Baden"–Durlach [Georg Friedrich], Lüttich, Hessen"–Kassel, Cambrai, Hessen"–Marburg, Sitten, Hessen"–Darmstadt, Metz, Pommern"–Stettin, Toul, Pommern"–Wolgast, Lausanne, Anhalt, Hersfeld, Henneberg, Murbach, Nomeny, Ellwangen, Arenberg, Berchtesgaden, Prüm, Stablo, Prälaten, Wetterauer Gff., schwäbische Gff.).
Salzburger Kanzler verliest den c–Beschluss des Ausschusses zum 1. HA (Türkenhilfe)–c,12.
Umfrage durch den Reichserbmarschall.
Salzburg (Ebf. persönlich, Vortrag des Votums durch den Kanzler): Belässt es bei der Ausschussresolution.
Pfalz-Neuburg (Pfgf. persönlich, Vortrag des Votums13durch Dr. Fröhlich): Entnimmt der ksl. Propositiond, dass die Lage in Ungarn also beschaffen, das man yetzt nit /
Österreich: Wiederholen anhand der Proposition die Unabdingbarkeit einer stattlichen Unterstützung, wan man den uncossten auf 60 000 mann17 will erwegen. h–Werden jerlich die sechtzehen simpl monat in allem, wie sy bey den gebigen stenndten einzebringen, nicht gar sechtzig tausendt gulden deß monats, da doch wol ainhundert tausendt gulden aufgehn, und also khaum den sibendten thail /
Sachsen-Coburg (Hg. Johann Casimir persönlich): Ist bereit, dem Ks. nach allen Möglichkeiten mit leib und guett zuewillfahren. j–Er thue erinnerung seiner beschwerden, damit er beladen–, und das, woferrn /
Burgund: Die vom Ausschuss beschlossenen 64 Römermonate werden nit ercleckhen und wenig damit geholffen sein. Derhalben mer monat zum wenigisten die ersten zway jar zuebewilligen sein. Obwol ire kgl. Mt.20 wol befuegt, sich diser contribution nit allein zuebeschweren, sonnder auch gar zuentschütten, jedoch werden sie vorigem erbietten gemeß thuen, /
Leuchtenberg: Wie der ausschuß.
Besançon: Mit vorbehallt seiner habenden exemption lassts bey dem verlesenen concept verbleiben, mit dem anhanng wie Österreich.
Bayern: Bestätigt den vorgetragenen Mehrheitsbeschluss im Ausschuss. Hat dort dagegen votiert, dass er auf funftzig /
Deutschmeisterl: Wie der ausschuß, mit dem anhanng und erbietten, was der ortten23 sonnsten weitter darbey thuen werde khönnen etc.
Pfalz-Lautern: /97’ f./ Bittet um Abschrift der Ausschussresolution, weil /
Bamberg: Lassts bey der relation bleiben.
Pfalz-Simmern: Wie der gravierten stenndte zuverschonen, seye dise tag mitgelauffen. Repetiert, wie seins herrn lanndt beschaffen, bittet, derselben so wol als anderer gravirten stenndt ingedenckh zusein.Hat den Pfgf. über die bisherigen Verhandlungen informiert und bittet um Abschrift der Ausschussresolution, um dazu Weisung anfordern zu können. Und woferrn er sich nunmalls erclern soll, /
Würzburg: Will sich vom ausschuß nit absonndern, m–allein das es der müntz halben also angestellt unnd undter den kriegsleüthen ausgethaillt, damit dieselben nit gestaigert werden–.
Zwischenvotum Pfalz-Lautern, das der Gesandte vorträgt, als das Votum von Pfalz-Zweibrücken erfragt wird: Da seine Bitte um Abschrift der Ausschussresolution abgelehnt wird und man jetzt zur Sache votieren soll, bringt er vor: Er welle sich gern mit dem ausschuß vergleichen, dieweil aber die unnderthanen so hoch verderbt, /
Pfalz-Zweibrücken: Wie Lauttern in deme, dieweill der beschluß ser wichtig, der puncten vill, sey die gebettne abschrifft nit unbillich, damit sy sich desto besser darinn ersechen, alls in solcher khürtz beschechen möge. Da man aber yetzt in der consultation welle vorttfahren, repetiert er dz jhenig, was er hiebevor seines herrn beschwerden halben fürbracht27, verhoffendt, ir Mt. werde solche ursachen behertzigen unnd[ihn] für dißmal verschonen. Nicht desto weniger aber seye er urbüttig, so woll alls andere /
Worms: Wie der ausschuß.
Pfalz-Veldenz: Wie Zwaypruckhen.
Eichstätt: Wie der außschuß. Allein /
Sachsen-Weimar: Erinnert sich der beschwerden, so ime, seinem brueder28 und dero lannden obligen. Hetten ursach, nichts zuthuen, will aber dessen allen hindan gesetzt sich mit dem ausschuß vergleichen, das ein ansechenliche summa biß in vierundsechtzig monat und auf vier jar lang, /
Speyer mit Basel und Weißenburg: Wie der ausschuß. Allein der anticipierten hülffen halben wie Neuburgq./101’ f./ Wiederholt das Votum für Basel und Weißenburg.
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Konstanz: Wie der ausschuß. Wann khunfftig von einem merern soll geredt werden, welle sich aller gebür erzaigen.
Brandenburg-Ansbach: Bittet um Abschrift der Resolution und Beratungsaufschub. Ist dieser nicht möglich, repetiert er dz pfaltzisch votumr.
Augsburg: Hetten ursachen, für dise con- /
Braunschweig-Grubenhagen: Bittet um Abschrift der Ausschussresolution. Wofern solches nit statt: Befinde er, das ain taill auf funftzig und ain taill in eventum auf vierunndsechtzig schliessen. /
Hildesheim: Wie der ausschuß, mit dem anhang, das die gravaminau erledigt werden.
Braunschweig-Wolfenbüttel: Wie Braunschweig vor ime, /
Paderborn: Wie der Ausschuss. Hat bevelch, seine beschwerungen eintzubringen, damit dieselbe bey werendtem reichstag erledigt werden.
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Freising: Verweist nochmals auf die zuletzt im Plenum angesprochenen Gravamina30. Muss zur Steuerbewilligung erklären, dass sein herr nit gesint seye, die ge- /
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Regensburg: Wie die Mehrheit, jedoch Anschluss an KR, falls dieser anders als FR entscheidet. Wiederholt den zuletzt vorgebrachten Protest31, dann der stifft im anschlag beschwerdt, und will ime, seine gravamina in puncto moderationis fürtzubringen, vorbehalten haben.
Jülich: Allegiert sein in das sechsundzwaintzigistes jar werendtes verderben und ybergebne /
Passau: Wie der ausschuß.
Württemberg: Schleusst auf funftzig monat wie Bayrn unnd Braunschweig, /
Trient: Wie der ausschuß, mit dem anhanng wie Össterreich.
Baden-Durlach [Ernst Friedrich]: Wie Anspachx. Bittet abschrifft.
Brixen: Wie der ausschuß, allein mit dem anhang wie Össterreich.
/10732/ Baden-Baden: Wie der außschus.
Münster: Wie Paderporn und der außschus.
Baden-Durlach [Georg Friedrich]: Wie Brandenburgy.
Lüttich: Wie Paderborn.
Hessen-[Kassel] (Moritz): Repetiert gravamina. z–Sonsten wie der außschus, wofern in dem churfursten rath auch uf die 64 monat geschloßen werde–. Restanten solten auch in der relation einkhomen sein. Den gravaminibus noch bei disem Reichs tag abtzehelffen.
Cambrai: Repetiert die ubergebne gravamina33 und vergleicht sich mit dem außschus.
Hessen-[Marburg] (Ludwig): Wie Heßen vohr ime.
Sitten: Repetiert seine gravamina34 und will sich von dem außschus nit ansondern.
Hessen-[Darmstadt] (Georg): Repetiert dz heßisch votum.
Metz: Repetiert seine gravamina35 und schliest mit dem außschus.
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Toul: Wie der außschus, cum repetitione protestationis37.
Pommern-[Wolgast (Bogislaw für Philipp Julius)]: Was mit dem mehrern beschloßen und wie Pomern vohr ime.
Lausanne: Wie der außschus.
Anhalt: Wie Braunschweigaa.
Hersfeld: Wie der auschus, doch da diß jahr ein mehrers bewilligt und inn khonfftigen jahren wider abgehen soll, wolle sich vergleichen.
Henneberg: Wie der außschus, mit erinnerung, wan die churfursten ein anders beschließen, sich mit denselben conformiern.
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Arenberg votiert wie Burgund.
Wetterauer Gff.: Khönnen sich nit einlaßen; allein uf die maß, wie Pfaltz-Lautern vermeldet. Schliest uf 50 monat mit dem anhang, das die gravamina abgeschafft werden.
Beschluss, resümiert vom Salzburger Kanzler: Befinde sich dz mehrer dahin, dz des außschus bedencken von dem fürsten rath gewürdigt worden.Nunmehr Korrelation mit KR zum 1. HA (Türkenhilfe).