Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Augsburg, unfol.

2. HA (Landfriede und Niederlande): Getrennte Beratung der Landfriedens- und der niederländischen Problematik. Sicherung des Landfriedens durch strikten Vollzug der bestehenden gesetzlichen Vorgaben. Strittige Ergänzungen der EO für Söldnerwerbungen und -durchzüge: Erleichterung der Beweisführung des Geschädigten für die Schadenserstattung; Kautionsleistung vor Erteilung der Werbepatente; Werbung nur mit verbindlicher Bewilligung des Ks.

Fürstenrat (Salzburg, Würzburg, Pfalz-Neuburg, Württemberg persönlich; Gesandte der übrigen Stände).

Österreich proponiert: 2. HA (Landfriede und Niederlande). Verlesung des HA aus der Proposition. HA enthält zwei Unterpunkte: 1) Verbesserung der Landfriedenswahrung. 2) Friedensvermittlung im niederländischen Krieg. Sollen beide Unterpunkte in getrennten Umfragen oder parallel beraten werden?

Umfrage. aMehrheitsbeschluss gegen die Voten Österreichs, Salzburgs und einiger anderer katholischer Stände, die aufgrund der coherentionbeider Unterpunkte die gemeinsame Erledigung wünschen–a: Beratung in getrennten Umfragen.

[Österreich proponiert]: Pesserung deß lanndtfridens unnd wie derselbig wirkhlich gehanndthabt werden mechte1.

Umfrage. Salzburg: Des lanndtfridens halber sey hievor villmalls unnd uberflissig statuiert worden. Es wirde[!] alles an der execution. Dahero sey den craiß oberisten einzupinden, das sy pesser auf solche ding acht haben.

Pfalz-Neuburg2: Verweist weitläufig auf die bisherigen gesetzlichen Landfriedensregelungen in RAbbb,3. Diese sollen wider erhollt, confirmiert unnd den craiß oberisten die execution mit mehrerm ernst auferlegt werdenc.

Österreich: Die 1555 und 1570 verabschiedeten Ordnungen4werden unzureichend vollzogen. So sind Ehg. Ferdinand von etlich wenig jarn hero von den durchzigen unnd anndern verpottnen thatthandlungen über die sibenmalhundert tausent gulden, wie dessen sonnderbare vertzaichnus verhandten, schaden im Elsaß zuegefiegt worden5. Wollt die forderung gegen den beschedigern sich vorbehallten haben. Damit aber dergleichen unzimbliche tatten, durch- unnd abzug khünfftig fürkhommen wurden, so sollte der landtfridt wider zuerneuern unnd auch disem abschidt einzuverleiben sein. Unnd mechte diß allein zu addiern sein, das nit allain ohnersucht irer Mt. khain khriegs volckh geworben, sonnder auch ohne bewilligung unnd guethaissen irer Mt. nichts fürgenommen, auch derselben patenten jeder ortten, da sy werben, sollen fürgezaigt werdend.

Württemberg: Wie Saltzburg unnd Pfaltz-Neuenburg, unnd das in solcheme khein religion vor der anndern respectiert, sonnder ain durchgeende gleichait gehallten werde6, auch die craiß verfassung in ir vorig esse gebracht werden.

Burgund7: fHat lange geredt, ist aber gemainlich in disem unnd anndern votis nit verstannden worden–f.

Bayern: Es wer mer alls offenbar, wie übl die lanndtfridens constitutionen gehallten wurden. Sein herr aber wöll demselben jederzeit gehorsamblich nachkhommen, wo allain solches bey anndern stendten auch gescheche; unnd sey hierinen dz maiste an der execution erwundten. Damit aber darzue desto leichter zukhumen, so sey zuvor etwan durch etliche ruewige stendt bedacht worden, das die werbungen nit allain irer Mt. angezaigt, sonnder auch dero will unnd guethaissen solle erwartet werden. Welches seinen herrn noch für nutzlich unnd guett ansechen thette; deßgleichen auch, dz khainem die werbungen gestatet wurden, es were dann die caution zuvor wirckhlich gelaistet. Seye auch nit der wenigiste mangl an deme, dz man wegen ervorderter, zuvil starckher probation zu execution des lanndtfridens nit hab gelanngen mögen, gweilln unndter anderm dolus malus8 zuprobiern–g, hergegen etiam per fatuam causam solcher mögen vertheydingt werdenh; das allso nit leichtlich einiche contemnatio zuverhoffen gewesen. Allso mechte, sovil damnum resarciendum belanngt, solche qualitas zu probiern unndterlassen unnd genueg beygebracht sein, das einer, wo nit gar auch hanndt angelegt, doch zum wenigisten mit- unnd beygewesen seie, das jemandts beschedigt wordeni. Hergegen mecht ime in condemnatione der regressen gegen seinen complicibus reserviert unnd vorbehallten werden. Weil auch dz damnum für sich selbst bißweillen schwerlich unnd lanngsam darzuthun, so mechte dem beschedigten auch iuramentum in litem zuegelassen werdenj.

Würzburg: Er khündte annderst nit erachten, wan dz es diß ortts allain an der execution deß lanndtfridens bey den craiß oberisten ermangle. kVotiert allso mit Saltzburg unnd mit zuesatz wie Össterreich unnd Bayrn–k.

Pfalz-Lautern: Es seye bey dem lanndtfridten auch in acht zunemmen, damit die teitsche[!] freyhait nit zu hoch geschwecht wurde etc.l

Besançon: Wie Össterreich unnd Saltzburg.

Pfalz-Simmern: mSeye zuvor in camera dubitiert worden, ob talis qualis causa a dolo excusiern möge; dahero dann nit pallt condemnatio auf poenas factos pacis9 [!] ervolgen mechten. Allso khundte unnd sollte statuiert werden, wann dz factum auf den lanndtfriden qualificiert unnd der jhenige verhannden, so dabei gewesen–m; allain mechte alsdann iuramentum litem wider ine statt haben. So mangle die execution nit allain bey den craiß oberisten, sonnder auch bey anndern mitstenden, wie solches im ober rheinischen craiß zu sehen. Dann obwolln sein herr daselbst craiß oberister unnd ain gewisse bestallung hette, so wurde ime doch die bestallungn fürgehallten, unangesehen ire f. Gn. ir gebür gern laisten wollten; wie sy auch beneben ir unnd in irem cossten ain viceoberisten erhiellten10. So sein auch vill anndere disputat in bemelltem craiß, wie durch den wormbischen alls den mit ausschreiben[den] erzellt werden mechte: Alls do sein die irrungen in colligentis votis, item dz ainem thail die session gestattet, dem anndern verwaigert wurde11. Wann nicht[!] dise unnd dergleichen impedimenta fürkhommen, so wöllen die craiß oberisten ir gebür auch laisten.

Deutschmeister [mit Fulda]: Wie Össterreich unnd Bayrn.

Pfalz-Zweibrücken12: Wie Pfaltz-Neuburg unnd Württenberg. Die werbung, an-, durch- unnd abzug belanngent: Seye derowegen anno 70 insonderhait woll fürsechung beschechen13, wider welches sein herr unnd dessen arme unndterthonnen mit eisseristem schaden verderbt wordeno. Sollen derowegen die allte constitutiones confirmirt unnd dabey die craiß oberisten zu steiffer obhalltung ermahnet werden. Item im fall, die oberisten nit alzeit bey hanndten sein khindten, das die nachgesetzte aufsehens haben sollten. Es sollen auch die cautiones zu dem, dessen lanndt beriert werden mechte, copeyweiß zuegeschickht unnd dann sowoll dz fueßvolckh alls die reitter mit iren nämen aufgeschriben werden, damit[man] sich hinnach des schadens bey inen erhollen mechte. pMan sollte auch in ksl. patenten gleichhait hallten, damit die teitsche freyhait nit unndtergetruckht wurde–p.

Bamberg: Es seien der lanndtfridtbrichigen sachen in neuligkhait sovil furgangen, das man ain exempel gegen den verbrechern statuiern solle.

Pfalz-Veldenz: Wie Neuburg.

Worms: Es sey fürnemblich dahin zusechen, wie die executions ordnung zu werckh zurichten. Darzue dann khain besserer weeg, alls dz gegen den verprechern exempla dermassen statuiert wurdten, das sich anndere darob spieglen mechten unnd die gehorsame deß lanndtfridens geniessen khindten. Sein herr hette sich dessen bißhero, wie bewist, von wegen der durchzüg unnd musterungs wenig zuerfreyen gehallten[!]. Last es sonnst bey dem österreich- unnd bayrischen voto verbleiben. Was der simmerisch der unordnungen halber im oberreinischen craiß angemeldet: Sey gleichwoll solches nit ohne, auch, wer dessen ursach unnd anfännger, bewisst14.Die ausschreibenden Ff. haben den Ks. davon unterrichtet und erwarten dessen Antwort.

Sachsen-Weimar: Sollen die allte constitutiones widerumben erhollt unnd auch die craiß oberisten in schrifften zu steiffer halltung der executions ordnunng ermahnet werden. Unnd obwolln davon von Össterreich unnd Bayrn geredt worden, wie der lanndtfriden einzogen werden mecht, so sey dannocht auch dahin zusechen, das dardurch nit anndere weitterungen entstehn. Vergleich sich derowegen mit Pfaltz-Neuburg unnd Württenberg.

Eichstätt: Wie Össterreich unnd Bayrn.

Sachsen-Coburg [Johann Casimir]: Wie Weinmar.

Speyer mit Weißenburg: Sollten die difficultates probandi dem beschedigten gemiltert unnd wie Össterreich, auch Bayrn gericht werden.

Sachsen-Coburg [Johann Ernst]: Wie Weinmar.

Konstanz: Executio soll gefürdert werden. Vergleicht sich in voto mit Österreich.

Brandenburg-Ansbach: Es seie an der constitution deß landtfridens gar khain mangl, sonnder allain an der execution unnd hanndthabung desselben. Vanas aut esse leges, nisi sit, qui exequatur. Schleust mit Pfaltz-Neuburg unnd Wirttenberg, unnd soll in alweg gleichhait gehallten qunnd khainer vor dem anndern außgeschlossen sein–q.

Augsburg: Aufgrund der Missachtung der gesetzlichen Vorgaben und der zuletzt überhandnehmenden Landfriedensbrüche mechte solcher lanndtfriden in dem verpessert werden, das die werbente pottenntaten unnd oberisten ir vorhaben irer Mt. nit nur plößlich zuwissen machen, sonnder auch deroselben willen unnd guethaissen erwartten sollen. Dardurch dann verhoffenlich die bißhero derentwegen fürgangne verderbliche schaden in werbungen, an-, durch- unnd abzügen verhintert bleiben würden; deß unzweiflichen versechens, ir Mt. werden hierinen ain weeg alls den anndern der teütschen nation geburliche freyhait an khriegs diennsten nit hintern, sonnder auch ohne respect der religionen unnd alles anndern unzimblichen afects ein khaiserliche unparteysche gleichhait zuhallten bedacht sein. Schleust allso in disem mit Össterreich und dann, sovil die probationes active unnd passive anlanngt, mit Bayrn.

Braunschweig-Grubenhagen: Der lanndtfridt mog auf erzellte weiß woll gepessert werden. Vergleicht sich allso mit dem mehrernr.

Hildesheim: Wie Össterreich unnd Bayrn.

Braunschweig-Wolfenbüttel: Deß lanndtfriedens halber were nie khain mangl gewesen, sunndt wurde mit der executions ordnunng ungleich gebahres[!]. Dahero ist unmöglich, das auch guette constitutiones khinden nutzlich sein–s. Unnd hete noch darzue verstanndten aus etlichen vorgehenden votis, das auch die jhenige der poen deß landtfridens sollten gewartten miessen, welche nit hanndt angelegt hetten. Welches ime zuvil gedächte, in ansechung, dz die werbung allso seltzam fürgenommen, das woll anfangs antzaigt wurde, man wollte die khnecht oder reitter an dz ortt füehren, unnd wurten nacher anderstwohin gefiert; dz sie sich allso unwissent bey dergleichen hanndlungen befinden theten. So were auch ratione doli mali geredt worden etc. Unnd were gleichwoll den versariis[!] zubegegnen, doch khönndt dolus malus diß orts nit ausgeschlossen werden, weilln auch in maioribus delicits solcher zu probiern erfordert wurde. Allso mechte man es dahin stöllen, dz deren jhenigen, so ratione doli mali angezogen wurde, seine rechtmessige enntschuldigung dagegen fürzubringen auferlegt, unnd wo er dieselbe nit beweisen khöndte, alsdann erst, wie oben gemellt, verfahren wurde. Das iuramentum in litem aber zu deferiern, were auch bedenckhlich, weilln affectio animi offensi zu hoch schwechen mechtet. Dahero khindte man anndere leniores probationes anstöllen, dann bißhero beschechen. Daneben aber sollte man jeden stanndt, dessen lanndt dz geworben volckh betretten wurde, ain copi der caution zuegestöllt werden[!], damit er sich hinnach desto leichter erhöllen[!] mechte. uDoch seye dabey auch die teitsche freyhait anzusechen, dann es befindte sich alberait allain in seines herrn lanndt, das es drey- oder vier mall weniger erfahrne khriegs leüth habe, dann vor wenig jarn gewesen–u. Darumben solle jedem, dz khriegs wesen zuebesuechen, freysteen, unnd mechte dahin gericht werden, dz man sich bey jedes lanndt fürsten oder herrschafft anmeldet unnd caution laistete, dz er nit wider dz Reich noch desselben verwonnte diennen wollte.

Paderborn: Es mangle maistenthaills an correspondentz aines craiß gegen dem anndern, vitem wurten allain die patenten unnd die cautionen von den oberisten fürgewisen. Wann solliche fürkhommen, were den sachen geholffen–v. Votiert in den überigen mit Österreich unnd Bayrn.

Braunschweig-Calenberg: Erhollt dz wolfenpittlisch votum.

Freising: Wie Saltzburg, Össterreich unnd Bayrn.

Braunschweig-Lüneburg: Wie Wolffenpittelw.

Regensburg: Wie Saltzburg, Össterreich unnd Bayrn.

Jülich: xSein herr hette bey disem puncten die grosse clag nur[!] von 26 jarn hero. Weilln aber der westphallisch craiß in gemain seine beschwerden anzogen15, allso dz zubeweisen, dz über die sibenunnddreyssig mal hundert tausent gulden der schaden erlieffe etc., so wollt ers dabey lassen verbleiben. Votiert wie Bayrn, Pfaltz-Neuburg etc.–x Hat daneben sein votum schrifftlich übergeben16.

Im Folgenden votieren Passau, Trient, Baden-Baden, Brixen und Basel wie Österreich, Salzburg und Bayern.

Baden-Durlach [Ernst Friedrich und Georg Friedrich]): Wie Württemberg.

Hessen-[Kassel] (Moritz): Seines herrn herr vatter hette alzeit darfür gehaltten, es ermangle allain an der execution, unnd dz es der extension unnd restriction halber nit vonnetten. Derowegen laß ers dabey bleiben unnd vergleich sich mit Pfaltz-Neuburg unnd Wirttenberg. Nachdeme aber hievor der simmerisch abgesanndt andeittung gethan, dz etliche im ober reinischen craiß zerrittung erweckht, mechte er solche stenndt benennen. Wann er seinen herrn gemaint, wollt ers widersprochen haben.

yDariber[!] sich ettliche contratictiones erhebt haben–y.

Münster: Wie Badenbornz.

Im Folgenden votieren Hessen-Marburg und Hessen-Darmstadt wie Hessen-Kassel und damit auch wie Württemberg. Ebenso wie Württemberg und/oder Pfalz-Neuburg stimmen Pommern-Stettin und ‑Wolgastaa, Anhalt, Henneberg und die Wetterauer Gff.

Lüttich, Minden, Sitten und alle anderen Votantenabschließen sich Österreich und Bayern [bzw. Salzburg] an.

Beschluss, resümiert von Österreich: Die maiora gienngen dahin, das man die elltere constitutiones mit allem vleiß erwogen, dz dieselbe nutzlich unnd guett unnd mehrerthaills an der execution ermangln thue. Sollten allso dem jetzigen Reichs abschidt wider einverleibt unnd daneben die craiß oberisten mit ernst, darob zuhallten, von hieaus schrifftlich ersuecht werden. Es solle auch niemandts werbung oder durchzug, er hab dann davor caution gelaist, verstattet werden. Item dz man den abschidt verpessern soll mit zuesatzac, wie Össterreich unnd Bayrn vermellt hat.

Anmerkungen

a
–a Mehrheitsbeschluss … wünschen] Pfalz-Neuburg C (fol. 92 f.) differenzierter: Salzburg und Pfalz-Neuburg votieren für die parallele Beratung, ihnen schließen sich Österreich, Pfalz-Zweibrücken, Jülich und wenig andere ständan, während sich die Mehrheit im Anschluss an Bayern und Württemberg zu verhuetung allerhand confusion und dieweil sonderlich der punct des niderländischen kriegs wesens hochwichtig und weitleufftig,für die getrennte Vorlage ausspricht.
1
 Zusammenfassung folgender Beratung anhand des Berichts des Braunschweig-Wolfenbütteler Gesandten Jagemann an Hg. Heinrich Julius vom 24. 7. (14. 7.) 1594 (NLA Wolfenbüttel, 1 Alt 1 A Fb. 1 Nr. 41/2, fol. 332–336, 348’, hier 335 f. Or.) bei Häberlin XVIII, 364 f.
2
 Vgl. das schriftliche Konz. für das Votum: HStA München, K. blau 274/10, fol. 100–102’ (Konz., Landfriede und niederländischer Krieg), sowie fol. 103–104’ (Reinschr. nur zur aktuell beratenen Landfriedenswahrung). Gemäß Bericht der Jülicher Gesandten an die Räte in Düsseldorf vom 11. 7. hatte ihnen der Pfgf. das schriftliche Votum am 10. 7. zur Stellungnahme übergeben und versprochen, auch den Ebf. von Salzburg zur Unterstützung der bedrängten Stände zu veranlassen. Die Jülicher waren deshalb /427/ gutter hoffnung, das die prima vota auf beiden bencken gutt werden fallen. Von den bayerischen seindt wir auch gar woll vertrostet […](LAV NRW R, JB II 2343, fol. 426–428’, hier 427. Or.; präs. Düsseldorf, 22. 7.).
b
 in RAbb] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 2, fol. 103 f.) differenzierter: in den RAbb 1548, 1555, 1557, 1566, 1570 und 1576 gegen verbotene Truppenwerbungen und ‑durchzüge.
3
 Vgl. Anm. 48 bei Nr. 1. Zusätzlich: RT 1548 mit Verabschiedung des Landfriedens (Machoczek, RTA JR XVIII, Nr. 75 S. 965–996; zur Söldnerproblematik §§ 24 f. S. 989–991; Bestätigung des Landfriedens im RAb, §§ 17–20 (ebd., Nr. 372b S. 2658 f.). Im RAb 1557 wurde die EO 1555 lediglich bekräftigt und der Vollzug angemahnt (§§ 69–72: Leeb, RTA RV 1556/57, Nr. 577 S. 1400 f.).
c
 werden] Schriftliche Fassung des Votums (Anm. 2, fol. 104’) zusätzlich: nämlich mit dem Befehl, die lanndtsverderbliche unordnungen mit werben, durchzügen, straiffen, einlägern unnd sonnsten wider die Reichs constitutiones wißentlich nit mehr fürgehen zulaßen, sonndern dagegen, doch salva germanorum libertate, ohne ainigen respect der personen die anbevolhene schuldige execution an die handt zunemmen unnd zuegebrauchen.
4
 Nachweis in Anm. 48 bei Nr. 1.
5
 Neben den Auswirkungen des Straßburger Kapitelstreits Bezugnahme auf den Zug eines Söldnerheers unter Fabian von Dohna 1587, auf protestantische Truppensammlungen im Elsass im Dezember 1589 sowie auf den Durchzug eines Söldnerheers unter F. Christian von Anhalt 1591 (vgl. Anm. 8, 10, 12 bei Nr. 425).
d
 werden] Würzburg B (fol. 21’) zusätzlich: auch zuvörderst gebürende caution gelaistet und das gegen den verprechern am ksl. camergericht uff ernstliche straff solte procedirt werden.
e
 in solchem] Hessen (unfol.) eindeutig: bey den werbungen.
6
 Gemeint: Bei der Erlaubnis von Truppenwerbungen. Vgl. auch deutlicher in Anm. s.
7
 Ein in Württemberg (fol. 628’) am Rand eingefügter Vermerk, der burgundische Gesandte habe die Sitzung auf Einwände der persönlich anwesenden weltlichen Ff. hin verlassen, ist falsch zugeordnet und gehört zur Sitzung vom 12. 7. (vgl. Nr. 80, Anm. e). Verweis auf das Votum am 11. 7. mit Betonung der „Zugehörigkeit Burgunds zum Reich“ bei Dotzauer, Reichskreise, 419.
f
–f Hat … worden] Jülich-Berg (fol. 157’ f.) differenzierter: Obwohl Kg. Philipp II. sich im Hinblick auf die Reichsgesetze /158/ zum hochsten zu beclagen, das dieselbige[ihre kgl. Mt.] dagegen viellfaltig beschwert unnd den concordaten nicht gelebt worden, laße er es doch dabei, weill es so offt geclagtt. Jedoch weill mehrentheils vonn statlichenn und ansehnlichen Reichs stenden beschicht, das die rebellen gegen ire kgl. Mt. gesterckt werden, so wehre pillig zuversehen, das ir Mt. alls ein standt des Reichs auch der Reichs constitution sich habe zuerfreuen, denn rebellen und underthonen nicht zugezogen[werde].
g
–g weilln … zuprobiern] Österreich (fol. 50) deutlicher: An dem cammergericht khönde khain proceß uber die verfahrer deß lanndtfridens angeordnet werden, dann dolus malus schwerlichen zubeweysen.
8
 = arglistige Täuschung, Betrug.
h
 werden] Pfalz-Neuburg C (fol. 94) zusätzlich: und beneben erfordert, dz der beclagt selbst hand angelegt habe.
i
 worden] Jülich-Berg (fol. 158’) zusätzlich: das auch ein jeder in solidum dafur verhafft mit vorbehaltenem regreß, wan gleich der dolus praecise nicht bewisen wurde.
j
 werden] Jülich-Berg (fol. 158’) zusätzlich: darauff die /159/ moderatio unnd executio ratione damni furzunemmen. Solchs wurde dienen zu abkurtzung der proceßen, revisionen unnd was daruff folgen mochte.
k
–k Votiert … Bayrn] Würzburg B (fol. 22’) differenzierter: Es liegt allein daran, dass man die EO vestiglich halte und gegen die überdretter gebürliche und unverzügliche execution thet fürnemmen; auch das mann bei dem articul, dem abschiedt anno 82 inserirt, anfahendt: „Demnach setzen, ordnen und wöllen wir etc.“[RAb 1582, § 32: Leeb, RTA RV 1582, Nr. 457 S. 1419], möchte hinzu setzen, wie der westphälisch kraiß bei beeden §§, anfahendt: „Dabei nottig zuversehen etc.“, /23/ und „Daneben auch nothwendig zuverabschieden etc.“ in seinem ubergebnen bedencken angezogen[Nr. 290, fol. 269’ f.]. Darauff auch im fall, solche execution dergestalt nit gleich ervolgen solt oder wolt, uff ansuchen und begern der beschwerdten stende der ksl. fiscal am camergericht unverzüglich umb gebürliche proceß anhalten, die ime [un]verwaigerlich erkendt, auch zum fürderlichsten und schleunigsten sumarie darinnen mit abkurzung der sonst gewönlichen und zulessigen terminen sovil immer möglich procedirt und die gebürende iusticia administrirt werden soll. Das auch zuvörderst und allweg von solchen zuerkendten und confiscirenden güettern dem beschedigten stand und desselben underthanen die erlittene schäden und costen völliglich widerumb gutt gethan, erlegt und bezalt werden, volgents dz ubrig ir ksl. Mt. haimbgefallen sein soll.
l
 etc.] Württemberg (fol. 630) zusätzlich: Da die patenten von der ksl. Mt. müsten erlangt werden, möchte große ungleicheit erfolgen.
m
–m Seye … gewesen] Jülich-Berg (fol. 159) differenzierter: Weill am ksl. cammergericht in zweivell gezogen, an quivis et talis qualis titulus a dolo excuset, dolus autem difficiles habeat probationes, stunde zubedencken, das daruber eine decision gemachtt wurde, da factum notorium, das ein jeder, so dabei gewesen, ob der gleich nicht handthetig, in poenam zu declariren.
9
 Verschrieben für: poenas fractae pacis?
n
 bestallung] Jülich-Berg (fol. 159’), Pfalz-Neuburg C (fol. 94’) abweichend und korrekt: besoldung.
10
 Pfgf. Reichard von Simmern war beim oberrheinischen KT im Februar 1591 als Kreisoberst gewählt worden, setzte für die Annahme aber u. a. ein ungewöhnlich hohes Wartgeld von 2000 fl. voraus. Erst im Oktober 1591 erklärte er sich bereit, das Amt gegen das angebotene Wartgeld von 1200 fl. anzunehmen. Die Bestallung als Kreisoberst erfolgte auf dem KT im Mai 1592. Damit waren die Funktion eines der beiden ausschreibenden F. und das Oberstenamt in Personalunion verbunden (Malzan, Geschichte, 147–152; Sturm, Pfalzgraf, 156–160). Vgl. die KAbb vom 21. 5. (11. 5.) und 28. 8. (18. 8.) 1591 (HHStA Wien, MEA Oberrheinische Kreisakten 1 Fasz. 4, fol. 39–54; ebd., fol. 1–11’. Kop.) sowie vom 21. 5. (11. 5.) 1592 (StA Marburg, 4e Nr. 3127, unfol.; HStA Wiesbaden, Abt. 131 Nr. IVa 313, unfol. Kopp.). Allerdings fanden anschließend infolge der Spaltung des Kreises wegen des Straßburger Kapitelstreits von Oktober 1592 bis Mai 1594 keine KTT mehr statt, die Kreiskontribution wurde nicht mehr erlegt, auch erhielten der Kreisoberst und die Zugeordneten „keine Wartgelder, sodaß sie ihre Tätigkeit sehr bald völlig einstellten“ (Malzan, Geschichte, 163).
11
 In Österreich (fol. 50) als Randvermerk: N.B.: Sicht ungern, dz Brandenburg ut praetensus administrator argentinensis in den oberen rheinischen krayß uffgenommen.Vgl. Anm. 10 sowie zum Konflikt um die bfl. Straßburger Session beim KT: Anm. 7 bei Nr. 354.
12
 Vgl. eine vorab formulierte, schriftliche Fassung des Zweibrückener Votums zum 2. HA, umfassend auch die Maßnahmen zur Befriedung der Niederlande: HStA München, K. blau 274/10, fol. 109–112’ (Kop. Dorsv.: Praesentatum Regenspurg, den 27. Junii[7. 7.] anno 94 a prandio.).
13
 RAb 1570, §§ 4–15: Missbräuche bei Werbungen, Konrektisierung der Kautionsleistung, Schadenserstattung und Strafe bei unzulässigen Werbungen (Lanzinner, RTA RV 1570, Nr. 567 S. 1207–1212).
o
 worden] Würzburg B (fol. 24) zusätzlich: Schädigung aus Lützelburg. […]. Und obwol bei andern kraisen umb hilff angesucht worden, so sei doch nichts ervolgt.
p
–p Man … wurde] Österreich (fol. 50’) differenzierter: Doch soll man den landtfriden nit scherpffen, dieweil die teutsche libertet daran hangt. Patenten soll mann unparteysch außtheylen.
14
 Bezugnahme auf die Spaltung des Kreises infolge des Konflikts um die bfl. Straßburger Session beim KT im Zusammenhang mit dem Kapitelstreit. Vgl. oben, Anm. 10, sowie Anm. 7 bei Nr. 354.
q
–q unnd … sein] Jülich-Berg (fol. 161) deutlicher: unnd dem einem nach gunst nicht zugezogenn unnd der ander hilffloß gelassen werde.
r
 mehrern] Würzburg B (fol. 25’) zusätzlich: doch das hierdurch den stenden auspurgischer confession nichts beschwerlichs uffgetragen, auch die freyheit teutscher nation in achtung genomen werde.
s
–s unndt … sein] Hessen (unfol.) differenzierter: Es sey am tage, das man dem einem alhier, dem andern dort bey den werbungen befürderung bezeigte; exempla wehren in prom[p]tu: Auff der einen seiten gestattete man die, auff der andern wolle man es nicht thun. So würden auch etzliche verfolget auff des landtfriedes constitution, andere aber nicht einmahl sauer darumb angesehen.[Dazu Randvermerk in Österreich (fol. 51): Taxat caesarem.] Weill dan keine gleichheit gehalten, so seie den sachen mit den constitutionibus, unnd wan der noch so viell gemachet, nicht gedienet, es würde dan gleichmeßige oberservantz ins werck gerichtet etc.
t
 schwechen mechte] Württemberg (fol. 631) deutlicher: weil dardurch occasio periuriis gegeben werde.
u
–u Doch … gewesen] Würzburg B (fol. 26’) differenzierter: Nun sei es an deme, das umb nechstverschiner Letare bei inen ein landtag gehalten worden, aldo die ritterschafft gegen irem gn. fürsten und herrn sich zum höchsten beschwerdt, das die werbungen wider alt herkommen wolten gesperret werden, so doch ires standts nicht, andere handthierungen zutreiben. Da dann einer mit sönen begabt, müß er dieselben ob im verligen lassen. Geb jetzt nit den viertenthail sovil kriegßleuth bei inen alß vor jaren, also steiff hab sein gn. herr und seiner f. Gn. herr vatter drüber gehalten, und dardurch bei der ritterschafft vil unwillens uff sich geladen.
v
–v item … geholffen] Österreich (fol. 51’) abweichend und deutlicher: Mann habe patenten geben, aber kein caution gethon, sunder in Westphalen vil 1000 fl. abgeforderet. Mann soll fürterhin khainem patenten geben, er caviere dan[= leiste Kaution]. Burgundt sey auch ein glid deß Heyligen Reychs, solle auch verbunden sein.
w
 Wie Wolffenpittel] Österreich (fol. 51’) [sinngemäß auch Württemberg (fol. 631’)] abweichend: In effectu ut Württemberg.
x
–x Sein … etc.] Jülich-Berg (fol. 163’) differenzierter: Über die Missachtung der gesetzlichen Vorgaben müssen sich Jülich und der Westfälische Kreis am meisten beclagenn.Weil viele Reichsstände die dortige Situation nicht kennen und verbreitet wird, dass sie umb ein huen[Huhn], ganß oder endt[Ente] clagten,sind die seit 26 Jahren anhaltenden Schädigungen in einem Verzeichnis zusammengefasst worden. Dessen Verlesung [vgl. Anm. 16]. /163’ f./ Die Liste erfasst nur einen Teil der Schäden und lässt das gänzlich verwüstete Fst. Kleve völlig außer Acht, weil dort alles dermaßen /164/ zu boden gangenn, das nicht moglich, davon specification einzubringen./164 f./ Noch größer ist die Notlage der kleineren Stände wie Münster, Lüttich oder der Gft. Bentheim [vgl. Nr. 431]. Die Gesamthöhe für den Kreis ist nicht zu taxieren, doch könnte mit dem Betrag /164’/ nicht allein der haubtkrieg gegen den turcken angefangen, sonder auch woll volnfuhrt werden./164’ f./ Der Kreis hat ganz auf die Reichshilfe gesetzt, die aber nicht vollzogen wurde. Die Konsequenzen /165/ befinde man jetz bei dieser contribution[Türkenhilfe; vgl. Nr. 288]. Da auch dißmall kein hilff folgenn sollte, wurden die stendt gedrungen, auff andere mittel zudencken./165 f./ Verweist auf das Gutachten des Kreises [Nr. 290], aus dem Bestandteile in die EO übernommen werden können. /165’/ Und wurden die stendt sich gar nicht davon abwendig machen laßen, alls hette man periurium propter affectionem animi offensi in iuramento in litem zu besorgenn, weill solches wider die rechten unnd Reichs abschied, vermog deren violentiam passo daßelb alzeit freystehe. So wehre auch das bedencken nicht dahin gemeint, wan die beschediger nicht handthetig, sonder allein dabei gewesen, das poena des landtfriedens, quae est banni et gravissima, sonder allein wegen erstattung des schadenns stat haben solle.Daneben: Zwar regelt die EO die Schadenserstattung, doch werden dem Hg. viele Schäden von denn jenigen zuegefugt, so des Reichs jurisdiction nicht erkennenn, /166/ unnd derhalben, da keine reparation damnorum vermog des Hl. Reichs constitutionen zu erlangen, das dannoch die mittell gefunden wurden, welcher gestalt ire f. Gn. die schuldige erstattung erlangen mochte: Ob nicht solches per comminationem amissionis der lehn, regalien, freyheit oder privilegiorum oder auch mandata, des Hl. Reichs grundts und bodens sich zuenthalten, zu beschehen. Dan sonsten ire f. Gn. der scheden ergetzung keines wegs zuhoffen wuste.Publikation der Ergänzungen zur EO in einer Form, das es die kriegende theill, darnach sich zurichten, auch wißen mochten.
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 Bezugnahme wohl auf die Supplikation des Kreises im Zusammenhang mit dem 2. HA [Nr. 467].
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 Gemeint ist eine schriftliche Dokumentation der den Hgtt. seit 1586 seitens der Kriegsparteien zugefügten Schäden, die hier verlesen und übergeben, aber nicht allgemein kopiert wurde. Nachweise: LAV NRW R, JB II 2345, fol. 30–43’ (Konz. Vermerk: Lectum et exhibitum im furstenrath per consiliarios juliacenses 11. Julii anno 1594 zu Regenspurg.). Ebd., JB II 2344, fol. 394–407 (Kop.). HStA München, K. blau 274/10, fol. 114–129’. HStA Stuttgart, B 571 Bü. 586, fol. 199–220’. GLA Karlsruhe, Abt. 50 Fasz. 171, fol. 330–346’. Kopp.
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–y Dariber … haben] Würzburg B (fol. 29) differenzierter: Unmittelbare Reaktion Pfalz-Simmerns: Er hab es also in genere zumelden bevelch gehabt; stehe bey ir ksl. Mt.Hessen: Begert nachmals erclerung, ob sein herr gemaint.Pfalz-Simmern: Er sey gehortt, stehe bei ir Mt.
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 Wie Badenborn] Jülich-Berg (fol. 166’) differenzierter: Hätte nicht weniger Schäden zu beklagen als Jülich, doch lässt die fortgeschrittene Zeit dies nicht mehr zu. Behält sich vor, später darzulegen, das dem stifft Munster mehr dan 34 mall hundertthausendt daler schadens zugefugt. Im ubrigen wie Paderborn.
aa
 Wolgast] Würzburg A (fol. 29’) zusätzlich: beide Pommern votieren zudem wie Braunschweig-Wolfenbüttel, dann iren gn. herrn von der ritterschafft gleichmessige beschwerung furkomen.
ab
 alle anderen Votanten] Österreich (fol. 52’ f.) differenzierter: Cambrai, Leuchtenburg, Metz, Verdun, (Toul ist abwesend), Nomeny, Lausanne, Arenberg, Hersfeld, Berchtesgaden, Prüm, schwäbische Gff. Würzburg B (fol. 28 f.) zusätzlich: ebenso Murbach, Ellwangen, Stablo.
ac
 mit zuesatz] Würzburg B (fol. 30) differenzierter: Auch dieweil sie sampt den bairischen und gülchischen auch der mainung, das niemandt kriegßvolck one der ksl. Mt. vorwissen und erlaubnuß solte werben, das es dem abschiedt auch solte zu inseriren sein. Nota: Diser anhang würdt hernach von den stenden uff der weltlichen banck bei dem niderlendischen werck widersprochen: Sey wider deß Reichs teutscher nation herprachte freyheit.