Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Textvorlage: Österreich, fol. 60–61.

Abbruch der Verhandlungen im RR wegen des Streits um die Magdeburger Session. Separatverhandlungen der Religionsparteien. Fragliche Anhörung des Magdeburger Gesandten ohne Einnahme der Session. Unterrichtung des Ks. durch die katholischen Kff. und Ff. persönlich.

/60/ Reichsrat.[Entsprechend Protokoll des KRa, 284’ f. Ferner:] Persönlich anwesend sind die Kff. von Mainz, Trier und Köln sowie der Administrator von Kursachsen; für FR: Salzburg, Würzburg, Pfalz-Neuburg und [später auch1] Württemberg.

[/60 f./ Folgt Beratung der geistlichen Kff. mit einer Abordnung der katholischen Stände des FR: Kurmainz, unfol. (Nr. 236)].

/60’/ Zwischenzeitlich kommen als Verordnete der protestantischen Stände [des FR] bGesandte von Pfalz-Lautern, Württemberg und Pfalz-Neuburg–bzu den katholischen Ständen des FR. Für Erstere bringt Lutter Quadt zu Wickrath namens Pfalz-Lauterns vor, wie das der madenburgische[!] abgesandt uff dißmal nichts alß audientz begert; noch begere, sie werden imme solche verhoffentlich nit abschlagen köndenc.

Separate Beratung der katholischen Stände des FR. Antwort an die protestantischen Verordneten durch den Ebf. von Salzburg persönlich: Die catholischen fürsten unnd abgesandte seyend ieres theyls nie anderst gesinnet gewesen unnd noch, dan mit denn augspurgischen confessions verwandten gute vertreuligkeyt unnd correspondentz, wie vertraulich[!] beschehen, zuhalten. Aber solche von Madenburg ver- /61/ maintlich praetendierte session seye gäntzlich wider den gemainen religions fridens[!] unnd den catholischen ständen mehr dann beschwerlich zugedulden. Haben deß madenburgischen abgesanten intention nit gewist. Audientz wollen sie im gern verstatten, doch dz er sich der session nit anmasse, sunder solle in gewonlichem ortt, wo andere, so nit für ständt erkenndt werden, iere fürträg thund, seine sachen unnd vermainte beschwärden fürbringen. Die catholischen erkennen inne diß ortts unnd von Madenburg wegen für khein mit standt oder glid. Anderst unnd dz er in deß stiffts Madenburgs locco dz jenig fürbringen, wollen sie noch gestatten noch demselbigen beywohnend.

[Folgen Verhandlungen der geistlichen Kff. und Verordneten der katholischen Stände des FR wegen der Audienz für den Magdeburger Gesandten: Kurmainz, unfol. (Nr. 236)].

Anmerkungen

a
 Protokoll des KR] Hessen (unfol.) zusätzlich und differenzierter zur Auseinandersetzung des Ebf. von Salzburg mit dem Magdeburger Gesandten in der Sitzung des RR: Der Ebf. ist zunächst von der Bank aufgestanden, dann doch wieder uffgestigenn, mitt der hanndt Dr. Megbach zuruck gestoßenn, der doch nicht weichenn wollenn. Wett. Gff. (unfol.) differenzierter zur Initiative des Ebf.: Ist Saltzburg ufgestanden unnd den andern catholischen stenden zugeruffen „auff, auff, weg, weg“, auch darauff den bischoff zu Wurtzburck beim rock getzogen, auch volgendts die andere catholische stendt vermanet, mitt ihme uftzustehen und darvon zugehen. Pfalz-Neuburg G (fol. 224’) zusätzlich: Mit Salzburg und Würzburg verlassen die geistlichen Kff., alle Mitglieder der geistlichen Bank des FR sowie von der weltlichen Bank Bayern, Jülich, Baden-Baden, Leuchtenberg, Nomeny, Arenberg und die schwäbischen Gff. die Sitzung.
1
 Vgl. Bericht der Brandenburg-Ansbacher Gesandten an Mgf. Georg Friedrich vom 14.7. (4.7.) 1594: Nachdem die katholischen Stände den Saal verlassen haben, äußert Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg gegenüber dem Württemberger Gesandten Enzlin, Hg. Friedrich /479’/ wurde das[Einnahme der Magdeburger Session] gemerckt haben unnd darumb aussen gebliben sein.Enzlin hat den Hg. damit entschuldigt, dieser habe andere geschefft,ist aber sogleich ins Quartier geeilt und hat ihn über die Vorfälle unterrichtet. Der Hg. ist darauf gar baldterschienen (StA Nürnberg, ARTA 60, fol. 473–483’, hier 479’. Or.).
b
–b Gesandte … Pfalz-Neuburg] Württemberg (fol. 637) differenzierter: die Gesandten Fröhlich [Pfalz-Neuburg], Quadt [Pfalz-Lautern], Gf. Konrad von Tübingen und Enzlin [im Protokoll: mich; Württemberg].
c
 könden] Pfalz-Neuburg G (fol. 225) zusätzlich: Zudem Aufforderung, sich bei inen[den protestantischen Ständen des FR] in loco widerum zuerzeigen, damit alle trennung sovil möglich verhütet werden möge.
d
 beywohnen] Sachsen-Weimar (fol. 187’ f.) zusätzlich: Die Antwort wird anschließend von den Verordneten allen evangelischen Ständen des FR referiert.