Fragliche Teilnahme von Kursachsen, Pfalz-Neuburg und Württemberg an den Verhandlungen zum Magdeburger Sessionsstreit bei Kurpfalz.
Einzelunterredungen
[1] /4/ (Mittag, 12 Uhr). Vorsprache eines Verordneten der
Magdeburgerbei den
kursächsischen Gesandten1. Bekanntgabe, dass um 14 Uhr nachmittags eine Sitzung der protestantischen Stände bei Kurpfalz stattfinden wird. Die Magdeburger Gesandten lassen deshalb nachfragen, do wir dahin auch erfordert wurden, ob wir bedacht, unns doselbst einzustellen etc./4 f./ Die kursächsischen Gesandten antworten aufschiebend, da von Wildenfels und Bock nicht anwesend sind. /4’/ So wusten wir auch nicht, umb wasser sachen willen die zusammenkonfft bey den churfurstlichen pfaltzischen angestellet.
(Abend). Die Magdeburger teilen den kursächsischen Gesandten mit, die für den Nachmittag geplante Beratung bei Kurpfalz sei auf morgen verschoben worden, unnd das es die magdeburgische session belanngete.
[2] /4’/ (Abend, 20 Uhr). Die
Kurpfälzerlassen den
kursächsischen Gesandtenfür kommenden Tag, 6 Uhr morgens, zu sich in ihre Herberge ansagen2, weil die Magdeburger Verordneten bey ihnen eine zusammenkonfft der evangelischen stennde gesucht.Die kursächsischen Gesandten beschließen daraufhin, dass sie dieser nicht beywohnen wollten,und teilen dies auch Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg sowie den Gesandten Pommerns auf deren jeweilige Anfragen hin mit.
[3] /232/ (Abend, 20 Uhr). Ein Kurpfälzer Kanzleischreiber gibt im Auftrag der
Kurpfälzer Gesandtendem
Pfalz-Neuburger RatZöschlin zum Vortrag vor Pfgf. Philipp Ludwig bekannt3, dass die Magdeburger Gesandten Kurpfalz gebeten haben, der strittigen magdenburgischen session halben die stennd augspurgischer confession zusamen zuberueffen. Welches sie ihnen nicht zuverwaigern gewust.Demnach erfolgt die Einberufung für morgen, 6 Uhr. Bittet um Bescheid, ob auch Pfalz-Neuburg uff die bestimpte zeitt erscheinen wölle./232’/ Antwort Zöschlins: Will die Anfrage dem Pfgf. vorbringen und dessen Antwort den Kurpfälzer Gesandten mitteilen. Zöschlin referiert die Anfrage noch am Abend dem Pfgf., der ihn beauftragt, bei Kursachsen und Württemberg zu erfragen, ob inen auch angesagt worden.
[4] /232’/ Entsprechende Nachfrage des
Pfalz-Neuburger GesandtenZöschlin bei den
kursächsischen RätenBock, von Ende und Badehorn. /232’ f./ Deren Antwort: Kurz zuvor haben bereits die Magdeburger Gesandten zweimal bei ihnen angefragt, ob sie an der Sitzung bei Kurpfalz teilnehmen würden, falls sie dazu eingeladen werden. Sie haben geantwortet, /233/ da es die strittige session mitt Magdenburg betreff, sey es unnötig, das sie deßwegen zu den pfältzischen erfordert werden, sonnder do es ihnen, den magdenburgischen, nicht zuwider, wollten sie, die sächsische, gern ad partem mitt ihnen darvon reden. Welches die magdenburgische hernach acceptirt unnd sich erpotten, morgigs tags frue zwischen sechs unnd siben uhrn zu ihnen zu kommen./233 f./ Demnach ist zunächst das Magdeburger Vorbringen abzuwarten. Zum Streit um die Magdeburger Session erklären die kursächsischen Gesandten gegenüber Zöschlin, sie hätten /233’/ zwar befelch, ein general intercession zu thuen unnd die ksl. Mt. ersuechung[!] helfen, das dieselb bei den papistischen stenden es dahin richte, damitt Magdenburg die session möchte gestattet werden. Aber inn einige comminationes oder solche anheng zuverwilligen, dz uff erfolgte abschlegige resolution nichts sollte contribuirt werden, dessen hetten sie keinen befelch. Seien auch nicht bedacht, sich bei den churpfältzischen einzustellen.Zöschlin dankt für die Antwort.
[5] /233’/ Entsprechende Nachfrage des
Pfalz-Neuburger GesandtenZöschlin beim
Württemberger Rat Enzlin. Dessen Antwort: Hg. Friedrich ist von Kurpfalz vor einer halben Stunde zur Sitzung angesagt worden. Hg. hat daraufhin befohlen, zunächst bei Kursachsen und Pfgf. Philipp Ludwig von Neuburg zu erfragen, ob diese yemandt zu dem vorhabenden convent abordnen /234/ wollten. Ires theil vermeinen sein f. Gn., das sie allein ad audiendum et referendum hinschickhen wollten. Doch weil ich4 ihm inn vertrauen vermeldet, das die sächsische nicht werden hinauff kommen,will Enzlin dies zunächst dem Hg. vorbringen.