Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Keine Modifizierung der EO im Allgemeinen und zu Söldnerwerbungen im Speziellen. Ausnahme: Klärung von Konflikten eines Kreisobersten mit Kreisständen durch Zuziehung der Zugeordneten im Kreis und gegebenenfalls des Obersten eines benachbarten Kreises. Friedensvermittlung im niederländischen Krieg durch den Ks. Keine Reichshilfe für den Niederrheinisch-Westfälischen Kreis, Schutzmaßnahmen gemäß EO. Rücknahme von Lizenten auf Reichsgebiet. Freilassung Johann Friedrichs von Sachsen aus der Haft.

Erstfassung im SR verlesen und gebilligt am 30. 6. 15941, Revidierung am 8. 7.2 Billigung des korrigierten Konz. im SR am 27. 7.3, Ergänzung der Bitte um Rücknahme der Lizenten am 28. 7.4 Im RR verlesen am 28. 7.5

Endfassung: HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 441–443’ (Kop. Dorsv.:Der stett bedenckhen in dem zweitten puncten propositionis, landtfridens und niderlendischen kriegswesens.) = Textvorlage. StadtA Augsburg, RTA 57, fol. 246–248’ (Kop. Überschr.:Resolution der erbarn frey- und Reichß stätt gesandten auf den zweiten puncten ksl. proposition.) = B. StadtA Ulm, A 646, fol. 265–267 (Kop. Überschr.:Erklerung der erbarn frey- und Reichs stött uber den andern puncten ksl. Mt. proposition, belangent den landtfriden, niderlendisch kriegs wesen und des westphalischen kraiß begerte hilff, wie auch hertzog Johann Friderichs von Sachßen erledigung.) = C. ISG Frankfurt, RTA 86, fol. 178 f., 195 f. (Kop.). StadtA Speyer, 1 B Nr. 348, fol. 302–303’ (Kop.). StadtA Lübeck, ASA RTA XIV, fol. 289–292’ (Kop.).

Erstfassung vom 30. 6. (nachfolgend revidiert), dokumentiert als Nachweis D: StA Augsburg, Reichsstadt Nördlingen MüB 80, Prod. 55 (Kop. Dorsv.:Resolution schrifft an stadt mundlichen voti der erbarn stätt gesanndten uf den 1) 2. punctum propositionis; 2) erledigung des gefangenen fursten zu Sachsen; 3) mitthulff der 3 landtschafften Steyr, Karnten, Crain. Nr. 6. Praesentatum den 20. Junii [30. 6.]anno 94.)6.

/441/ Beim 2. HA der ksl. Proposition erinnern sich der erbarn stett gesandte, wie das schon zuvor ain constitutionibus Imperii (wie dieselbig anno 55 zu Augspurg aufgerichtet, banno 70 zu Speyer verbessert und–b anno 76 alhie zu Regenspurg und anno 82 zu Augspurg repetirt worden7)–a löblich und wol versehen, welchermassen der landtfridt handtzuhaben, wie auch den kriegswerbungen und durchzügen gesteueret und rath geschafft, also hiemit das Heylig Römisch Reuch[!] vor unrechtem schedlichen gewalt errettet unnd sovil mehr bey besserer ruhe und friden geschützet und erhalten werde. Dabey es dann (wann nur geburendt durchgehende gleichheit sambt steiffer, würckhlicher volziehung geschiecht) nochmalß zulassen und man darinn nichts weiß zuverbessern.

Ausserhalb dasc gleichwol ddeß falls halben, da irgent–d ein kraiß obrister gegen seiner mit craiß stenden einem in mißverstandt und unfriden geriethe und etwas thätlichs gegen demselben vorneme (wie dessen wol exempla vorhanden), edie provisio deß ermelten, anno 55 zu Augspurg aufgerichten Reichs abschiedt /441’/ im versicul „Wo sich auch zutrüeg etc.“8, darinn dispositive allein casus negligentiae (wie sichs ansehen lesst) exprimirt worden, auch auf den casum offensionis zurichten und dahin zuverbessern sein möcht, das alßdann eines solchen kraiß obristen zu- oder nachgeordneter und volgents, wo vonnöten, eines andern negst gelegenen kraißes obrister oder nachgeordneter schuldig sein sollt, auf anrueffen deß belaidigten standts sich deß kraiß obristen ambts wider einen solchen offendirentenf kraiß obristen, der güetlicher abmahnung nicht alßbaldten stat geben und thätliche handlung abstellen solte, zu unterziehen und zu gebrauchen und dem betrangten, der sonderlich schleinigs rechtens vor gemeinen stendten seines kraiß zu pflegen urbietig, vermittelß der kraißhülffen zuschützen–e.

Sovil dann verrnerg die benachbarten niderlendischen kriegs emperungen belangt, wollen es irer Mt. die stett aller unterthenigst vertrauet unnd heimbgestellt haben, auf ersprießliche güetlicheh mittel /442/ und wege zugedenckhen, dieselbigen auch fürzunemmen und ins werckh zurichten, dardurch in den Niderlanden bestendiger fridt erhandlti und erlangt, jwie auch consequenter den benachbarten vilfaltig undk verderblichen beschwerungen zugleich abgeholffen–j werden möge etc.

lWas dann der niderlendisch-westphalisch kraiß einer ordinari hülff und anderer etzlich mer sachen und beschwerungen halben an ksl. Mt. wie auch die stendte deß Hl. Reichs bittlich gelangen lassen9, haben die im stättrath neben deß supplicationraths schrifftlich einkhommenen bedenckhen10 notturfftig ersehen und erwogen. Befindten gleichm und ercleren sich wegen der stett dahin, das und sovil die begerte gelthülff belangt, es bey deßhalb wol versehenen reichsconstitutionibus von der kraißhülff oder verfassung11 solte verbleiben. Aber wegen geclagter licenten und confoyen12 erachten /442’/ die stett gesandte, ksl. Mt.n hierumb unterthenigst zuersuechen und zubitten sein, auf mittel und weg allergnedigst zugedenckhen, wie dieselben möchten förderlichst wo nit durchaus, doch zum wenigsten auf dem reichspoden abgeschafft und also die stendte diser merckhlichen beschwerungen einmalls entladen werden.In den übrigen Punkten schließt SR sich der Resolution des Supplikationsrats an–l.

Zur Supplikation Johann Friedrichs von Sachsen um Freilassung aus der Haft13befürwortet SR, das ire f. Gn. nach gelegenheit der persohn, ostandts und schwachen alters–o nach so lang außgestandtner /443/ gefengkhnus und buessep auf leidenlich mittel (so zu ermessigung qksl. Mt. und gemeiner Reichs stendten–q stehen soll) nunmehr rund bevorab auf jetzige intercession seiner f. Gn. herren söhnen14 wol–r zuerlassens.

Anmerkungen

1
 Ulm, fol. 50 [Nr. 118].
2
 Ulm, fol. 57’–58’ [Nr. 122].
3
 Ulm, fol. 80’–82 [Nr. 132].
4
 Ulm, fol. 83’ f.; Speyer A, fol. 387’ f. [Nr. 133 mit Anm. a].
5
 Kursachsen, fol. 396’, 398 (Foliierungsfehler) [Nr. 38].
6
 Vgl. auch das Konz. für diese Fassung: StA Nürnberg, NRTA 111, fol. 202–203’ (Konz. Dorsv.: Resolution schrifft an statt mundtlichen voti der erbarn stett gesanndten uff den zwaiten punctum propositionis sambt erledigung deß gefangenen fursten und mitthilff der dreyer stendt. Im stettrath abgehört und approbirt 20. Junii[30. 6.] 1594.).
a
–a in … worden)] In D [Erstfassung]: in aufgerichtten unndt offt verbeßerten constitutionibus Imperii.
b
–b anno … und] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
7
 Vgl. Anm. 48 bei Nr. 1 und Anm. 7 bei Nr. 255.
c
 das] Korr. nach B und C. In der Textvorlage verschrieben: dero.
d
–d deß … irgent] In D [Erstfassung]: auf denn fall, wan etwan.
e
–e die … zuschützen] In D [Erstfassung]: wehr dis ortts allsdann umb hulff unndt beistanndt zuersuchen unndt ahnzuruffen, den bemeltten Reichs constitutionibus hievon beßere erleuterung gegeben wurdte.
8
 EO im RAb 1555, § 77 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3129 f.).
f
 offendirenten] In B: offendirten. C wie Textvorlage.
g
 dann verrner] In D [Erstfassung]: aber.
h
 güetliche] In B: güete. C wie Textvorlage. Fehlt in D [Erstfassung].
i
 erhandlt] In B: gehalltten. C wie Textvorlage.
j
–jwie … abgeholffen] Fehlt in D [Erstfassung].
k
 und] In B: von. C wie Textvorlage.
l
–l Was dann …an] Fehlt in D [Erstfassung].
9
 Nr. 467.
10
 Vgl. die im Supplikationsrat am 6. 7. gebilligte Resolution [bei Nr. 467].
m
 gleich] In B: gleichwohl. C wie Textvorlage.
11
 Eigene Maßnahmen des betroffenen Kreises sowie Zuzugsverpflichtung benachbarter Reichskreise gemäß EO im RAb 1555, §§ 60–65 (Aulinger/Eltz/Machoczek, RTA JR XX, Nr. 390 S. 3124–3127).
12
 Die Aufnahme des Passus zu Lizenten und Konvoigeldern in die Resolution wurde erst am 28. 7. von Köln angeregt (Ulm, fol. 83’ f. [Nr. 133 mit Anm. a]). Vgl. die Kölner Supplikation [Nr. 450].
n
 ksl. Mt.] In B: die ksl. Mt.C wie Textvorlage.
13
 Nr. 492.
o
–o standts … alters] In D [Erstfassung]: alters unndt stanndß.
p
 und buesse] Fehlt in D [Erstfassung].
q
–q ksl. … stendten] In B: der römischen kayserlichen Mayestatt unnd des Heyligen Römischen Reichs gemeiner stennde. C wie Textvorlage.
r
–r und … wol] Fehlt in D [Erstfassung].
14
 Vgl. bei der Supplikation [Nr. 492].
s
 zuerlassen] In D [Erstfassung] danach zusätzlich [in der Endfassung gestrichen]: Zum dritten erachtet SR zur Werbung der innerösterreichischen Landstände um eine Türkenhilfe [Nr. 282], dass die dem Ks. bereits bewilligte Türkensteuer allen Anrainern an der Grenze zugutekommen soll. Deshalb werden auch die genannten Landstände sich derselben nicht weniger zuerfreuen undt zugenießen haben. SR geht davon aus, der Ks. werde sich mit denselben lanndtstendten dermaßen aller gnedigst vergleichenn unndt erzaigenn, damit ihnen daraus zu gebuhrlicher ihrer notturfft zimliche hulffe ervolge undt sie allso deren unfeilbar genießen mugen etc.