Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Übergabe des Abschieds des Probationstags und des Gutachtens mit der Empfehlung, diese dem RT bei der Beratung des Reichsmünzwesens vorzulegen.

Datum: Regensburg, 16. 5./26. 5. 1594. Von den Reichsständen kopiert am 8. 8.

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 484–485’ (Kop. Dorsv.:Memorial an die röm. ksl. Mt., unsern allergenedigisten herrn, der dreyen benachparten des franckischen, bayrischen und schwebischen craiß zu disem gegenwuertigen reichstag nach Regenspurg verordeneten räth und abgesandten, weß auf jüngern, den 16./26. Maii alhie zu Regenspurg gehaltnem probiertag in müntzsachen bedacht und verabschiedt worden. Lectum Regenspurg, den 8. Augusti anno 94.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 274/11, fol. 337 f., 342’ (Kop. Aufschr.:Lectum Regenspurg, den 29. Julii [8. 8.]a meridie. Dorsv. wie in Textvorlage ohne Lectum-Vermerk) = B. GStA PK Berlin, I. HA GR Rep. 10 Nr. Vv, fol. 487 f. (Kop.) = C. StA Nürnberg, ARTA 59, fol. 675–676’ (Kop.). GLA Karlsruhe, Abt. 50 Fasz. 173, unfol. (Kop.). LAV NRW R, JB II 2344, fol. 427 f. (Kop.).

Referiert bei Häberlin XVIII, 431 f.

/484/ An den Ks.: Übergeben als Ergebnis des Probationstags der in Regensburg versammelten Gesandten des Fränkischen, Bayerischen und Schwäbischen Kreises1den Abschied, die Münzprobe und andere Beilagen.

Sie zweifeln nicht, nachdem dem RT an solchem hailsamen werck weniger nit als an der handthabung gemeines fridens, der justitien und andern, in derselben kaiserlichen erforderungs schreiben2 angezognen puncten allerhandt wolfart gelegen, euer ksl. Mt. werden bei gegenwuertiger Reichs versamblung ir solch hoch und wichtig werck allergenedigst bevolhen und angelegen sein lassen, auch bei gemeines Reichsa fursten und stende die verordnung zuthuen und zubevelhen wissen, damit diser dreyer benachperten craiß wolmeinent bedenckhen, so auf ratification eur ksl. Mt. und gemainer des Heiligen Reichs chur- und fursten allain erinnerungs weiß gestelt, im fall, solcher punct /484’/ des muntzwesens in geburende beratschlagung gezogen, erwogen und in achtung genomenwerde. Bieten an, bei den Beratungen weitere Empfehlungen abzugeben.

Schlussformel. Regensburg, 16. 5./26. 5. 1594. Unterzeichnet von den Gesandten aus dem Fränkischen, Bayerischen und Schwäbischen Kreis.

Hauptbeilage: Abschied des Probationstags der oberdeutschen Münzassoziation vom 26. 5. 1594 mit Gutachten zum Reichsmünzwesen

Vorbringen der Münzmissstände beim RT. Vorlage von Bedenken und Gutachten mit Beilagen.

Datum: Regensburg, 16. 5./26. 5. 1594. Vorlage und Abschrift als Beratungsgrundlage wurden im KR am 8. 6., im FR am 10. 6. und 14. 6. angeregt3. Im FR neuerlich als Beratungsgrundlage angesprochen am 30. 7.4 Von den Reichsständen kopiert am 8. 8.

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 486–489’ (Kop. Dorsv.:Probation abschidt vom 16./26. Maii anno 94 in Regenspurg. Lectum Regenspurg, den 8. Augusti anno 94.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 274/11, fol. 338–341’ (Kop. Aufschr.:Lectum Regenspurg, den 29. Julii [8. 8.]anno 94 nach mittag. Dorsv. wie in Textvorlage ohne Lectum-Vermerk) = B. HStA Stuttgart, C 12 Bü. 8, unfol. (Or. mit 3 aufgedr. Siegeln. Dorsv.:Abschide deß zu Regenspurg gehaltenen probation tags in mense Maio anno 1594.) = C. GLA Karlsruhe, Abt. 50 Fasz. 173, unfol. (Kop.). StA Nürnberg, ARTA 59, fol. 677–680’ (Kop.). LAV NRW R, JB II 2344, fol. 428–431’ (Kop.).

Referiert bei Häberlin XVII, 593–597. Druck: Lori, Sammlung Münzrecht II, 163–165; Hirsch, Münz-Archiv III, Nr. XI S. 31–33.

/486–487/ Eröffnung des turnusgemäß für 1. 5. 1594 einberufenen Probationstags durch die Gesandten des Fränkischen Kreises, die dabei vorbrachten: Aufgrund der seit 1582 vermehrt auftretenden und nicht mehr hinnehmbaren Missstände im Münzwesen haben die drei Kreise den Ks. wiederholt gebeten, gegen die /487/ ungehorsamen fursten und stenden und andern, als muntzmaister, aintweder mit der verordeneten straff mit allem ernst zuverfahren oder aber, im fall yeb ir Mt. dessen bedenckens haben solten oder wurden, dz doch diser dreyen genachperten craiß mit besuechung der jahrlichen probiertag und grossen ufgewandten cossten verschonet oder aber zum wenigisten die verordenete probiertäg jahrlich biß auf ainen restringiert und eingezogen5./487 f./ Ks. hat dies abgelehnt, die Kreise zur Geduld ermahnt und zugesagt, auf einem in Aussicht genommenen RT die Missstände zur Beratung zu stellen, /487’/ damit von der execution und anderm, dem muntzwesen und wol verordenetenn edict anhengig, geratschlagt eingerißne mangl in kunfftig der vilangedeütten execution ainmals bevolhen, inmassen ir Mt. erinnerung und resolution mit mererm vermag und außweist6.

/487’ f./ Die Gesandten der Kreise haben deshalb beschlossen, Ks. und Reichsstände an diese Zusage zu erinnern, die Missstände im Münzwesen nochmals zu erläutern sowie Stellungnahme und Gutachten für Abhilfemaßnahmen vorzulegen. Daraufhin wurde von den Gesandten aus dem Fränkischen Kreis /488/ als directorn, solche bedencken zuverferttigen7 und zuübergeben, bevolhen(Beilagen 1–4).

/488 f./ Durchführung der Münzprobe gemäß Aussage der beigelegten Probierzettel8. Dieser Abschied soll mit den Beilagen dem Ks. sowie dem Kurrheinischen und dem Oberrheinischen Kreis übergeben werden.

Regensburg, 16. 5./26. 5. 1594. /489/ Namentlich unterzeichnet von den Gesandten der drei Kreise zum Probationstag.

Unterbeilage 1: Bedenken zu den Missständen im Reichsmünzwesen

Strikter Vollzug der gesetzlich vorgesehenen Strafen bei Missbrauch des Münzregals. Bestrebungen der Münzassoziation, den Vollzug der RMO im Reich zu veranlassen. Missbräuchliche Prägung und Akzeptanz von Kleinmünzen sowie anderweitige Verstöße. Verabschiedung von Maßnahmen zur Exekution der Strafen bei Münzverstößen.

Datum: Regensburg, 14. 5./24. 5. 1594.

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 491–499’ (Kop. Dorsv.:Bedencken der dreyer, als fränckischen, [bayerischen]unnd schwäbischen craiß. Nr. 1. Müntzhandlung.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 274/11, fol. 307–312’ (Kop. Dorsv.:Bedencken der dreyer des frennckischen, bairischen unnd schwäbischen craiß, müntz edict betreffend. Nr. 1. Praesentirt Regenspurg, den 22. Julii [1. 8.!]anno 94.) = B. HStA Stuttgart, C 12 Bü. 8, unfol. (Kop. Dorsv.:Bedenckhen der dreier deß fränckischen, baierischen unnd schwäbischen khraises, deß beschwerlichen muntz wesens halben. Nr. 1.) = C. HStA Dresden, GA Loc. 9796/3, unfol. (Kop.). GLA Karlsruhe, Abt. 50 Fasz. 173, unfol. (Kop.). LAV NRW R, JB II 2344, fol. 435–441’ (Kop.).

Druck: Lori, Sammlung Münzrecht II, 160–1639.

/491/ ‚Bedenken‘ der Münzassoziation zu den von ihr seit 1582 gegenüber dem Ks. und dem Kurrheinischen Kreis beklagten Missständen im Reichsmünzwesen:

/491 f./ Die Missstände beruhen darauf, dass Verstöße gegen die RMO 1559 mit den Zusätzen von 1566, 1570 und 157110nicht geahndet werden. Abhilfe ist nur möglich, wenn im Vollzug der Exekution gegen ungehorsame Stände, /491’/ die sich ipso facto irer müntz freyhaiten verlustig gemacht, mit der verordneten peen der privation unnd confiscation so wol auch gegen der müntzmaistern unnd müntzgesellen mit der leibstraff des feyers ohne respect verfahrnwird.

/492 f./ Die Stände der Münzassoziation haben versucht, die Beachtung der RMO im Oberrheinischen Kreis, in dem vast die maiste unordnung mit uberheüfften muntzen der bößen kleinern sorthen, alls drei kreützerer, halben patzen und pfening etc., entstandten11 unnd verursacht,ebenso durch Ehg. Ferdinand von Tirol und die Schweizer Eidgenossenschaft zu veranlassen. Sie initiierten dafür 1586 einen außerordentlichen Münztag in Konstanz12, zu dem der Ehg., die Eidgenossenschaft sowie Bf. und Stadt Straßburg eingeladen wurden. Da der Bf. trotz seiner Zusage nicht erschien, hat er sich zu den erwiesenen Münzvergehen seines Münzmeisters /492’/ selbst bekent unnd derselben sich tailhafftig gemacht.Die Erklärungen des Ehg. und der Eidgenossenschaft waren für die Münzassoziation nicht akzeptabel, da sie im Widerspruch zur RMO standen.

/492’–493’/ Ein wesentlicher Missstand ist die Häufung der Dreikreuzer, Halbbatzen und Pfennige: Obwohl die RMO vorgibt, diese nur bis zu einem Betrag von 25 fl. zu akzeptieren13, werden hohe Summen bei Messen und Jahrmärkten in Linz, Frankfurt, Straßburg und anderswo fast ausschließlich mit Halbbatzen und spanischen Zwanzig-Batznern beglichen. Ebenfalls gegen die RMO14werden ausländische Münzen ins Reich gebracht. Die eigennützigen Verstöße benachteiligen insbesondere die ordnungsgemäß prägenden Stände der Münzassoziation, die auf ihren Probationstagen /493’/ befunden, das anfangs der abgang per cento von kraißtägen zu craißtägen uf 6, 8, 10 unnd also fort biß auf 36 fl. inclusive der abgang, zugeschweigen der bösen gemüntzten pfening, die uf dato in gehaltener prob uf 50 unnd 60 gulden pro cento quo ad intrinsecam bonitatem an schrot unnd korn zu gering: Also unnd wofern einer 100 oder 1000 gulden zuhaben vermainen würd, das er khaum den driten thail, im fahl solche müntz zerbrochen unnd in digl geworffen, bekomen würd.

/493’–495/ Der RT 1576 und der RDT 1577 haben zum Reichsmünzwesen verabschiedet: Verbot des Verkaufs oder der Verpachtung des Münzregals; bei Prägeverstößen gegen die RMO Konfiszierung der Münzen, Entzug des Münzregals und Leibstrafe gegen Münzmeister; Durchführung von jährlich zwei Probationstagen, Anzeige ordnungswidriger Münzen beim Ks. und benachbarten Ständen; Verbot der Münzaus- und einfuhr sowie des Aufwechselns; Prägung ausschließlich in den Münzstätten; Verbot der Pfennige und Batzen für fünf Jahre; Ummünzung der ins Reich gebrachten Philippstaler sowie von holländischen und Schweizer Münzen zu Reichsmünzen, Valvierung anderer unterwertiger ausländischer Goldmünzen15. Was nun all diese Vorgaben /495/ gefruchtet unnd gewürcket, das geben laider die erfahrung augenscheinlicher mißbreüch mit eusserstem verderben hohes unnd niderichs standts unnd der armen underthanen vermögen unnd armueth zuerkhennen.

Zu deme, dz das maiste geldt unnd parschafft bey den kauff- unnd handelsleüthen; wie dann bey disen leüffen unnd zeitten kain grossere handthierung vasst im gantzen Reich dann mit der müntz: Der schädliche uffwechsel, erstaigerung und erhohung der müntz16 neben andern verbottenen mißbreuchen dermassenc eingerissen, das uff dise stundt die guldene sortten nicht allain zuvil tausenten, sonder zu 6 und /495’/ acht cent[n]er aufgewechselt, verfurt unnd darunder mit müntzen, zuesetzungen, comercien unnd andern verbottenen stueckhen allerhandt gefahr gesuecht, der guldens taler uff dise stundt zu 17 patzen, der Reichs thaler zu 20, der goldtgulden deßgleichen, die philips taler zu anderthalben gulden, die cronen zu 26, der creützducat zu 30 unnd der ainfach ungerisch ducat zu 32 patzen uff den jarmärckten unnd vasst allenthalben im Reich verschoben unnd außgebracht.

/495’–496’/ Obwohl die Münzassoziation diese Missstände dem Ks., den rheinischen Kff. und anderen Ständen vielfach dargestellt, die gegen die RMO verstoßenden Stände und Münzmeister namhaft gemacht und gebeten hat, gegen diese vorzugehen oder der Münzassoziation zu erlauben, selbst entsprechende Strafen zu veranlassen, wurde sie lediglich zur Geduld ermahnt und auf einen RT vertröstet.

/496’–497/ Da die mangelnde Exekution der RMO vom Ks. an diesen RT verwiesen wurde, befürwortet die Münzassoziation, dass dieses Bedenken zusammen mit dem Probationsabschied vom 1. 7./11. 7. 1584 und ihrem Schreiben an den Ks. vom 5. 10./15. 10. 159117in die Beratung des FR einbezogen wird, verbunden mit der Forderung, dieweil der mangl biß anhero /497’/ allain an schuldiger verordneter execution gelegen unnd erwunden, das ir Mt., chur-, auch fürsten unnd stendt dahin gewogen und gemüetd sein wolten, wie solche executions ordnung eines mals volzogen, die eingerissene mengel aigennütziger, vorteiliger gesuech der privat personen durch verordnete straff mit allen ernst der handthabung bevolchen.

Actum Regensburg, 14. 5./24. 5. 1594.

Unterbeilage 2: Gutachten zur Behebung der Missstände im Reichsmünzwesen

Ungenügender Vollzug der Strafen bei Verstößen gegen die RMO und übermäßige Prägung unterwertiger Landmünzen als Hauptursache der Missstände. Maßnahmen: Mengenbeschränkung und Abwertung unterwertiger Münzsorten. Einrichtung einer Zunft für Münzmeister und -gesellen mit Vereidigung der Mitglieder auf die Beachtung der RMO und der Verpflichtung, gegen die RMO prägende Münzstätten anzuzeigen. Bei Verstößen Ausschluss aus der Zunft und Bestrafung je nach Vergehen. Verpflichtung prägender Stände, nur Zunftmitglieder als Münzmeister anzustellen. Vereidigung und Konfirmation von Münzmeistern durch ksl. Kommissare. Entzug des Münzregals bei Verstößen gegen die RMO. Unterstellung des Burgundischen Kreises unter die RMO.

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 501–505’ (Kop. Dorsv.:Bedenckhen, wie die muntz ordnung zuverbeßern und die darwider bißhero eingerißene mengel abzuschaffen sein. Nr. 2.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 274/11, fol. 313–317’ (Kop. Dorsv. wie in Textvorlage. Zusätzlich:Praesentirt Regenspurg, den 22. Julii [1. 8.!]anno 94.) = B. HStA Stuttgart, C 12 Bü. 8, unfol. (Kop. Dorsv.:Bedenckhen, wie die muntz ordnung zuverbessern unnd die darwider eingerissene mängel abzuschaffen sein möchten. Nr. 3.) = C. HStA München, KÄA 3841, fol. 226–231 (Kop. Überschr. wie Dorsv. der Textvorlage). StA Augsburg, Reichsstadt Nördlingen MüB 729, Prod. 60 (Kop. Dorsv. wie in C). LAV NRW R, JB II 2344, fol. 442–445’ (Kop.).

/501/ Gutachten zur Verbesserung der RMO und zur Behebung der Missstände:

Die RMO ist kaum zu verbessern, doch verstoßen zum einen viele Stände gegen deren Vorgaben, zum anderen werden bei Verstößen die in der RMO vorgesehenen Strafen nicht vollzogen. Unnd do nicht nochmals auf ain starckhe execution gedacht und die gegen den verbrechern on allen respect mit ernst furgenomen wirdt, so ist alles umbsonst und vergebens. Die fuernembste ursach aber, dahero jetziger zeit aller unrath in der muntz entstehet, ist dise, dz der geringschetzigen sorten unnd lanndtmuntzen, dem edict zuwider, all zuvil unnd uberheuffig gemacht unnd dagegen die guete grobe sorten zerbrochen, zu pfening und dergleichen geringschetziger gattung vermuntzt worden sein unnd noch imerzue vermuntzt werden.

/501’/ Will man nun disem merckhlichem unrath begegnen, so ist vonnöten, dz erstlich die pfening und alle andere geringe sortten ab- und auf ein geringere valor, dann sie nach irer guete werth sein, gesetzt worden[!], damit sy also wider in digl gebracht und in guete grobe sorten vermuntzt werden. Ob nun wol dise absetzung der undichtigen pfening und geringen sorten den underthonen, in gemain, beder, armen und reichen, ein beschwerung sein wirdt, in dem ein jeder sovil an solcher muntz verliehrn mueßen, so ist doch dem eingerißenen unrath in der muntz durch khein ander mittl zuehelffen.

Dann dieweil der geringsten undichtiger pfening und anderer sorten alzu vil unnd uberheuffig gemacht und gegen dem thaler und goldt gulden vil zu gering sein, so ist daraus ervolgt, dz nicht allein die thaler unnd andere guete grobe sorten umb schendtlichen genieß willen etlicher verdorbener goldtschmidt und dergleichen leüthe, so sich fur muntzmaister angeben, zerbrochen unnd daraus solche undichtige pfening und dergleichen geringschätzige gattung /502/ gemuntzt worden sein unnd noch imerzue, man verbiets gleich so sehr als man immer woll, gemuntzt werden, sonder die uberbleibende thaler, goldgulden und guete grobe sortten, dieweil denselben die pfeninge und andere geringe muntzen in bonitate intrinseca bey weitem nit gleich, mueßen notwendig, ye lenger, ye mehr, erhohert und erstaigert werden; allen churfursten, fursten und stennden zum hochsten nachthail unnd schaden, welche an iren jarlichen erbrenten allain aus dem grundt, dz man mit der geringen landtmuntz ye lenger, ye mehr, gefallen, fast den dritten thail verlohren. Dann vor jaren hat man mit 26 albis lanndtmuntz ainen goldtgulden khauffen khonnen, dieweil dieselben 26 albis solcher zu der zeit gewesenen lanndtmuntz in bonitate intrinseca dem werth des goldtguldens yeder proportion nach gleich gewesen sein. Yetzo aber mueß man zu erkhauffung eines goldtguldens 36 albos haben. Daraus der verlust leichtlich zurechnen.

Will man nun disem merckhlichem unrath, daran gleichwol allen stennden zum hochsten gelegen, /502’/ bestendigclich begegnen und im grundt helffen, so mueßen die geringe muntzen abgesetzt werden. Unnd ist beßer in dem ainmal schaden gelitten, dann denen ye lenger, ye mehr, einreissenden nachthail und schaden immer zuezusehen. Ob man auch gleich sagen woldt, man solte ainem yeden stanndt seine undichtige gemuntzte pfenning und andere sortten mit gueter grober muntz wider außzuwechßlen zuschickhen, so lest sich daßelbig wol reden, aber nit thuen, dann es wirdte dißfals albeg an einem schulthaißen manglen, der die execution thet und ainem yeden zum auswechßlen verhuelffe.

Weil man aber auch der pfening unnd anderer geringen landtmuntzen nicht entradten khan, so hetten sich die stenndt eines jeden kraiß mit einander zuvergleichen und unter sich außthailung zumachen, wieviel marck silbers und nicht daruber ein jeder stanndt zu pfeningen und andern notwendigen lanndtmuntz vermuntzen solte, damit in dem die ubermaß nicht uberschritten wurde, wie bißhero beschehen. So gedachte man, es solte /503/ ein notturfft sein, das die pfenning unnd andere geringe lanndtmuntzen darnach mueßen gemuntzt werden, das man umb ain thaller pfening oder andere geringe lanndtmuntz in bonitate intrinseca sovil an silber oder ye nicht vil weniger funde als in einem gantzen taler. Dann dieweil der muntz stendten auf solch pfening muntzen desto mehr und großere uncosten lieffe, dann billich ain yeder muntzstanndt propter publicum bonum von dem seinen tragen und nicht obene auf die muntz schlagen soll, so wirdt auch ein yeder stanndt sich, umb andere geringe sortten zumuntzen, enthalten.

Es were auch guet, das die ksl. Mt. undter den muntzmaistern unnd muntzgesellen ein besondere gelobte unnd geschworne zunfft aufrichtete und inen daruber ein zunfftbrief gebe, darinnen articls weiß außgefuert, weß sie sich zu halten, welcher gestaldt sy auf dz kaiserlich edict gelobdt unnd geschworen sein; unnd die jenigen, so demselben zuwider muntzen, pro infamibus geachtet, auch /503’/ von den andern auf kheiner muntz gelitten noch geduldet, sondern aufs eußerste verfolgt werden solte; das auch unter andern inen eingebunden wirde, fwo sy vermerckhen, dz irgendt an einer muntzstat mit der muntz gefallen wirdte–f, dz sy bei denen nicht allein nit arbeitten, sondern auch bey vermeidung der straff des mainaidts dieselbigen melden und anzaigen solten, unnd das alle die, so an orten, da falsch gemuntzt wirdte, wißentlich arbeiten, auß der zunfft gefallen unnd nicht mehr fur guet gehalten, sondern auch propter periurium mutilatione membrorum unnd sonsten nach gelegenheidt der verwirckhung am leben gestrafft werden solten. Das auch im gantzen Reich teütscher nation von khainem standt ainich muntzmaister unnd muntzgesellen angenomen und zu muntzen verstattet werden muesste, er were dann in solcher zunfft unnd hette uf dz kaiserlich muntz edict, das er demselben durchaus gemeß muntzen unnd handlen wolte, dem jhenigen, den die ksl. Mt. hiertzue ordnen wurde, aidt und pflicht gethon, khonte auch deßen genuegsamb schein furlegen. Dann sonsten will ain jeder verdorbener kauffman, jud und goldtschmidt ein muntzmaister werden, bereden die /504/ herrn, inen mit den muntzen ein sondern nutz zuschaffen, mogen auch inen vor verstattung des muntzens des jars ein gulden, 40, 50 oder aufs maist 100 geben, thuen aber demselben herrn und sonsten in gemein umb etlich vil tausent gulden schaden. Neben deme, das auch dieselben herrn, in der nahmen solche undichtige muntzen geschlagen werden, iren gueten namen verlieren und allerley beschwerlicher nachredt nicht unbillich gewartten mueßen.

Zu deme, das auch die ksl. Mt. an ainem oder mehr sonderbaren orten, als zu Nurmberg, Cölng, Magdenburg, commissarien verordnet hette, alda alle die jhenigen, so da muntzen wolten, ir muntz maister muessen praesentirn, welche in gegenwertigkheidt burgermaister unnd raths dem kaiserlichen commissario auf das muntz edict geloben unnd schweren mueßen. Desgleichen, das auch der oder dieselben commissarien macht hetten, beeden, den muntzmaister unnd muntzgesellen, zu confirmiren unnd daneben cautionem sufficientem von ainem yeden zu nemen, das er sich dem muntz /504’/ edict durchaus gemeß verhalten wolt. Und do ainicher stanndt einen andern muntzmaister anstellen wurde, der von kaiserlichen commissarien nit confirmirt, das derselbig ipso facto nicht allain sein privilegium zu muntzen verloren, sondern auch daneben in ein harte straff des Reichs genomen wurde.

Wolte man nun auch daneben den stenndten, so muntzens freyhait haben und sich des muntzens wurckhlich gebrauchen, sub poena privationis auflegen, anderst nicht dann uf des muntz edict zu muntzen, also unnd dergestaldt, welcher wißentlich und mit fursatz die muntz geringer schlieg, denn sy im muntz edict gesetzt ist, dz derselbig sich hoc ipso des muntzens freyhait verlustig gemacht hab, solches khondte auch geschehen. Dann es recht und furstlichen gesagt, das man eines fursten aufrichtigkheit furnemblich an dreyen dingen erkhennen soll, nemblich an reinhaltung der strassen, an volziehung seiner zuesagen unnd an der muntz. Unnd ist khein großerh diebstall, dann wißentlich falsch und unrecht muntzen.

Als auch die Niderlande in deme, das sy sich biß /505/ anhero der Reichs ordnung18 nicht underwerffen wollen, dem Reich nicht umb ein geringes geschadet, in betrachtung, das sy die guete grobe Reichs sorten in hohern werth angenomen, als sy im kaiserlichen edict gesetzt sein, unnd dardurch das guete grobe geldt zu sich bringen, welches sy darnach anderweit auf geringe sorten widerumb muntzen und ins Reich schickhen19, so wolle auch vonnötten sein, das darauf gedacht unnd dieselben Niderlandt, sich dem kaiserlichen muntz edict zuunterwerffen, auch vermögt oder in mengl deß andere mitl dagegen furgenomen werde[n].

Unterbeilage 3: Abschied der assoziierten Fränkischen, Bayerischen und Schwäbischen Kreise vom 11. 7. (1. 7.) 1584 zum Reichsmünzwesen

Maßnahmen in den drei Kreisen sowie Empfehlungen für das Reich, um Münzsteigerungen, die Ausfuhr von Reichs- und die Einfuhr minderwertiger Münzen sowie die übermäßige Prägung von Kleinmünzen zu unterbinden.

Datum: Augsburg, 1. 7./11. 7. 1584.

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 506–511’ (Kop. Dorsv.:Deputation abschidt, den 1./11. Julii anno 1584 zu Augspurg gehalten. Nr. 3.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 274/11, fol. 318–325’ (Kop. Dorsv. wie in Textvorlage. Zusätzlich:Praesentirt Regenspurg, den 22. Julii [1. 8.]anno 94.) = [B]. LAV NRW R, JB II 2344, fol. 446–451’ (Kop.) = [C]. HStA München, KÄA 3841, fol. 216–225’ (Kop.).

Druck: Lori, Sammlung Münzrecht II, 107–110.

/506–510’/ Aufgrund der Unabdingbarkeit, die Ausbreitung verbotener Münzen intensiver als bisher zu bekämpfen, verabschieden die drei Kreise im Hinblick auf eine wirksame Exekution der RMO: 1) Ks. möge Kommissare nach Linz, Frankfurt, Nördlingen und Straßburg abordnen, um die dortige Münzsteigerung abzustellen, das verbotene ausländische Geld einzuschmelzen und unter Strafe der Konfiszierung die Einfuhr ausländischer Münzen bei künftigen Messen zu verbieten. 2) Strengere Aufsicht an den Grenzzoll- und Mautstellen der Stände der drei Kreise, um die Einfuhr verbotener Münzen zu verhindern oder diese zu konfiszieren. 3) Rigide Bestrafung von Ständen in den drei Kreisen, die im Vollzug der RMO und obiger Maßnahmen nachlässig sind. Veranlassung Ehg. Ferdinands von Tirol durch den Schwäbischen Kreis, sich im Vollzug der RMO den drei Kreisen anzuschließen20. 4) Aufsichtsmaßnahmen gegen die Ausfuhr von gemünztem und ungemünztem Silber aus dem Reich an den Grenzen; Konfiszierung des Silbers oder der Münzen. 5) Durchfuhr von Packgut nur mit einer Urkunde des Auftraggebers für den Fuhrmann, dass kein gemünztes und ungemünztes Silber mitgeführt wird; gegebenenfalls Öffnung des Packguts. 6) Verstärkte Beobachtung des Handels mit Münzen besonders in den großen Handelsstädten. 7) Verbot des Umschmelzens (Aufwechslung) von schweren zu unterwertigen Münzen. 8) Prägeverbot für Halbbatzen und Dreikreuzer bis auf Widerruf. 9) Bitte an den Ks., gegen die Münzverstöße im Oberrheinischen Kreis namentlich durch die Pfgff. Reichard von Simmern und Georg Johann von Veldenz sowie die Bff. von Straßburg, Speyer und Worms mit der übermäßigen Prägung von Halbbatzen und Pfennigen vorzugehen, die Verstöße mit dem Entzug des Münzregals zu bestrafen und die falsch geprägten Münzen zu widerrufen. 10) Nochmalige Bitte an Ehg. Ferdinand von Tirol, sich der Münzassoziation im Vollzug der RMO anzuschließen. Aufforderung Hg. Wilhelms von Bayern an die Ehgg. Ferdinand von Tirol und Karl von Innerösterreich, in ihren Erblanden die Silberausfuhr und die Einfuhr minderwertiger Münzen zu unterbinden. Feststellung, dass die größten Schäden die Ausfuhr von Reichsmünzen aus rheinischen Orten in die Niederlande bedingt: Dort sind innerhalb weniger Jahre /509’/ etliche vil milionausgeführt worden, was durch bessere Aufsicht an den Zoll- und Mautstätten hätte unterbunden werden können. Bitte an den Ks., die burgundischen und alle österreichischen Lande sowie die anderen Reichskreise zum Vollzug der RMO zu ermahnen.

Unterbeilage 4: Schreiben der Münzassoziation an den Ks. vom 15. 10. 1591

Übermäßige Prägung unterwertiger Kleinmünzen, Verpachtung des Münzregals, Aufwechslungen und Münzsteigerungen. Anregung von Gegenmaßnahmen.

Datum: Augsburg, 5. 10./15. 10.1591.

HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 513–517’ (Kop. Dorsv.:Copi der probier stendt schreiben an die ksl. Mt. wegen des müntzwesens, 15. Octobris anno 91 außgangen. Nr. 4.) = Textvorlage. HStA München, K. blau 274/11, fol. 327–332’ (Kop. Dorsv.:Copi der probier stänndt schreiben an die ksl. Mt. wegen des müntzwesens, den 5./15. Octobriß anno 1591 zu Regenspurg21[!]ergangen. Nr. 4. Praesentirt Regenspurg, den 22. [1. 8.!]Julii anno 94.) = [B]. LAV NRW R, JB II 2344, fol. 452–455’ (Kop.) = [C]. HStA München, KÄA 3841, fol. 232–238’ (Kop. Dorsv. entsprechend 1. Satz des Dorsv. in B). HStA Stuttgart, C 12 Bü. 8, unfol. (Kop.).

/513–517/ Trotz des Verbots der übermäßigen Prägung von Dreikreuzern und Halbbatzen werden Reichs- und Landsteuern sowie andere Abgaben damit bezahlt. Dies führt zu wachsenden Verlusten von 10 – 36 fl. je 100 fl. Dies und andere Missstände rühren vorrangig daher, dass einige Stände insbesondere im Oberrheinischen Kreis gegen die RMO verstoßen: Sie verpachten das Münzregal an Privatpersonen, die mit der Prägung nur auf ihren Eigennutz abzielen. Dies führt zu steigenden Silberpreisen, zu Aufwechslungen und zur Ausfuhr der Reichsmünzen insbesondere in Frankfurt, Straßburg und Köln sowie bei anderen Messen. Wegen des vielfachen Aufwechselns ist es für gehorsame Stände nicht möglich, ihre Münzen an Schrot und Korn gemäß der RMO zu prägen. Die eigenen Bemühungen der Münzassoziation, benachbarte Stände wie Ehg. Ferdinand von Tirol, die Eidgenossenschaft, Straßburg und andere zur Beachtung der RMO zu veranlassen, blieben ergebnislos.

Aufgrund der Überhäufung mit unterwertigen Sorten und dem damit verbundenen Wertverfall ist zu befürchten, dass sich alle groben Gold- und Silbermünzen im Reich verlieren. Deshalb Bitte an den Ks.: 1) Anordnung der strikten Exekution von Strafen bei Münzsteigerungen, Aufwechslungen und anderen Verstößen; 2) Prägeverbot für Halbbatzen, Dreikreuzer und Kreuzer vor allem im Oberrheinischen Kreis bis auf Widerruf; 3) rigoroser Strafvollzug beim Verkauf oder der Verpachtung des Münzregals durch dessen Entzug sowie Vollzug der Leibstrafe gegen Münzmeister und -gesellen.

Anmerkungen

1
 Vgl. zur aktiven Münzpolitik der 3 oberdeutschen Kreise, die sich 1564 zur interzirkularen Münzassoziation („korrespondierende Kreise“) mit gemeinsam und regelmäßig veranstalteten Probationstagen zusammengeschlossen hatten: Heil, Reichspolitik, 286 f., 351–358, 487 f., 576 f. mit Anm. 27; Reichmann, Gestaltung, 143–159; Hartmann, Reichskreis, 93, 209 f., 346 (zwischen 1564 und 1664 insgesamt 128 gemeinsame Münz- bzw. Probationstage); Cahn, Münzgeschichte, 76–81, 89–92; Ebneth/Endres, Reichskreis, 53 f.; Langwerth von Simmern, Kreisverfassung, 290–303.
2
 = das RT-Ausschreiben. Vgl. Einleitung, Kap. 2.4.
a
 gemeines Reichs] In B: gemeines deß Reichs.In C: gemeinen Reichs.
3
 Kursachsen, fol. 12’–17’ [Nr. 4]; Österreich, fol. 11’ f., Bayern, fol. 47–48 [Nr. 57, Nr. 59].
4
 Würzburg B, fol. 165’–172 [Nr. 88].
b
 ye] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
5
 Vgl. Unterbeilagen 3 und 4 sowie entsprechend eindringliche Aufforderungen an den Ks. in den beiden jährlichen Probationsabschieden der Münzassoziation, den Vollzug der RMO sicherzustellen, verbunden mit obiger Drohung: Abschiede (hier 1588–1593) bei Lori, Sammlung Münzrecht II, 133–159. Orr. der Abschiede (seit 1592): StA Bamberg, Fränkischer Kreis KA 650–654.
6
 Bezugnahme wohl auf die Antwort des Ks. vom 10. 6. 1592 (Prag) auf ein Schreiben der assoziierten Kreise vom 15. 10. 1591 (Augsburg), in dem diese zum wiederholten Mal die Missstände im Reichsmünzwesen beklagten und Abhilfe einforderten. Der Ks. verwies auf seine Bemühungen auf vielen RVV, ermahnte die Münzassoziation, die RMO weiterhin zu vollziehen, und sagte zu, den Reichsfiskal zur Bestrafung von Verstößen zu veranlassen sowie andere Kreise und Stände aufzufordern, in Vorbereitung der Verhandlungen auf einem RT Gutachten zur Münzproblematik zu verfassen (Hirsch, Münz-Archiv III, Nr. III S. 7–9). Zuvor hatte der Ks. die Münzassoziation in einem Schreiben vom 14. 6. 1588 auf einen RT vertröstet (Verlesung des Schreibens beim Probationstag gemäß Abschied vom 3. 10./13. 10. 1588: Lori, Sammlung Münzrecht II, 135 f.).
7
 Gemäß Bericht der Bamberger Gesandten an Bf. Neithard vom 31. 5. 1594 wurde ihnen im Rahmen des Probationstags am 23. 5. aufgetragen, die Beschwerden der 3 Kreise sowie ein Gutachten zu formulieren, /129’/ wie man einesmaln zu nottwendiger, unvermeidenlicher execution des müntzedicts gelangenkönne (StA Bamberg, Hst. Bamberg GK 546, fol. 127–131’, hier 129’. Or.).
8
 Vgl. die Münzproben: HHStA Wien, MEA RTA 91, fol. 519–527’. StA Bamberg, Fränkischer Kreis KA 1063, fol. 73–81’. LAV NRW R, JB II 2344, fol. 456–466’. HStA Stuttgart, C 1 2 Bü. 8, unfol. Kopp.
9
 Ein anderweitiges, von den Gesandten nur des Fränkischen Kreises formuliertes Gutachten vom Probationstag 1594, das bei den RTA nicht nachzuweisen ist, stimmt inhaltlich nur teilweise mit obiger Fassung überein, könnte aber als Vorlage dafür gedient haben. Druck: Hirsch, Münz-Archiv III, Nr. XV S. 41–45, und Lünig, Staats-Consilia I, 461–464. Nach diesen Drucken referiert bei Häberlin XVII, 598–607 (falsche Bezugnahme auf das im Probationsabschied angesprochene Gutachten der Münzassoziation insgesamt).
10
 Vgl. Anm. 59 bei Nr. 1.
11
 Pfgf. Georg Johann I. von Veldenz ließ zwischen 1572 und 1590 mindestens 650 000 Halbbatzen prägen, die nicht für die Münzversorgung der Bevölkerung gedacht waren, sondern „in betrügerischer Gewinnabsicht“ nach Frankfurt zum dortigen Absatz gebracht wurden (Petry/Weisenstein, Münzprägung, 35). Im Oberrheinischen Kreis wurden zwischen 1571 und 1596 insgesamt 37,08 Mio. Halbbatzen gemünzt (Schneider, Münzproduktion, 143). Vgl. ausführlich zur übermäßigen Prägung von Pfennigen, Halbbatzen, Groschen (Dreikreuzer) und anderen unterwertigen Kleinmünzen gegen die Vorgaben der RMO mit zunehmend schlechterem Feingehalt im Oberrheinischen Kreis mit Beispielen: Ebd., 133–167; konkrete Angaben zur Prägemenge einzelner Stände sowie geordnet nach Münzsorten: 173–213.
12
 Vgl. Einladungsschreiben der Münzassoziation (o. O., 14. 11. 1585) an den Ehg. und die Eidgenossenschaft (Hirsch, Münz-Archiv II, Nr. CXXI S. 347 f.); Antwort des Ehg. mit Vollmacht (Innsbruck, 4. 2. 1586: Ebd., Nr. CXXIV S. 352–354). Die Abschlusserklärung (Konstanz, 4. 3. 1586) unterzeichneten neben den Gesandten der Assoziation Verordnete des Ehg. und der Eidgenossenschaft, im Text wird daneben ein Vertreter der Stadt Straßburg genannt (ebd., Nr. CXXV S. 354–357). Vgl. Häberlin XIV, 471–478; Cahn, Münzgeschichte, 91.
13
 Gemäß RMO 1559, § 11, gültig für alle Münzen unter dem Fünfkreuzer (Leeb, RTA RV 1558/59, Nr.804 S. 1959); für Halbbatzen und andere Kleinsorten bestätigt im RAb 1576, § 76 (Neue Sammlung III, 366). Vgl. Blaich, Wirtschaftspolitik, 58 f.
14
 RMO 1559, §§ 50–53 (Leeb, RTA RV 1558/59, Nr.804 S. 1967 f.); zuletzt bestätigt im RAb 1576, § 75 (Neue Sammlung III, 365 f.).
15
 Vgl. RAb 1576, §§ 67–80 (Neue Sammlung III, 364–366; nicht alle genannten Punkte im RAb enthalten); RDT 1577 (kein DAb) mit Bestätigung des RAb 1576, ansonsten Absichtserklärungen zur Beachtung der RMO im Burgundischen Kreis, in den ksl. Erblanden und durch Ehg. Ferdinand von Tirol (vgl. Häberlin X, 507 f.; Heil, Reichspolitik, 589 mit Anm. 70; Akten: Gross/Lacroix, Urkunden II, Nr. 693 f. S. 313 f.).
16
 Bei der vielfach beklagten „Münzsteigerung“ handelte es sich nicht um ein „Steigen“ der großen Nominale, sondern um ein Absinken des Wertes der Kleinmünzen (Scheidemünzen): Da sie gegen die RMO in Schrot und Korn geringer ausgeprägt wurden, um den Schlagschatz zu erhöhen, ergab sich für die gleichbleibend hochwertig geprägten Großmünzen ein immer höherer Betrag an Kleinmünzen als Äquivalent. Die Großmünzen „stiegen“ im Nennwert, da aufgrund des verringerten Silbergehalts in Kleinmünzen eine immer höhere Zahl von Kreuzern oder Batzen notwendig war, um der Silbermenge der Großmünzen zu entsprechen. Ursache dafür war der in der RMO zu hoch angesetzte Feingehalt der Kleinmünzen, der auch bedingte, dass große Nominale eingeschmolzen und zu unterwertigen Kleinmünzen umgeprägt wurden. Weitere Faktoren der Münzverschlechterung waren der Aufkauf großer Silbernominale mit ausländischen Münzen geringeren Silbergehalts (Aufwechslung), die Ausfuhr ins Ausland und die dortige Umschmelzung zu geringerwertigen, aber im Nennwert gleichrangigen ausländischen Münzen (Rittmann, Geldgeschichte, 210–219; Sprenger, Münzverschlechterung, 128–133; Gerhard, Garten, 163–170; Lanzinner, Friedenssicherung, 380 f.).
c
 dermassen] In B: der messen. C wie Textvorlage.
17
 Vgl. Unterbeilagen 3 und 4.
d
 gemüet] In B, C: bemüehet.
e
 oben] In B, C: eben.
f
–f wo … wirdte] Fehlt in B. C wie Textvorlage.
g
 Cöln] In B, C danach: und.
h
 großer] In B: größer.In C: grösserer.
18
 = der RMO.
19
 Aufgrund ihres gegenüber ausländischen Münzen hohen Edelmetallgehalts bei einem verhältnismäßig geringen Nennwert flossen Reichsmünzen vielfach auch nach Burgund ab, das die RMO nicht vollzog, sondern bei einem leichteren Münzfuß blieb. Reichsmünzen konnten mit Gewinn zu geringerwertigen Nominalen umgemünzt und ins Reich zurückgebracht werden (Bergerhausen, Exclusis, 191, 196; Lanzinner, Friedenssicherung, 381; Lanzinner/Heil, Reichstag, 624).
20
 Ehg. Ferdinand hatte sich am 23. 11. 1571 gegenüber dem Ks. förmlich von der RMO und deren Münzfuß losgesagt; dem schlossen sich wenig später Ehg. Karl für Innerösterreich, sodann 1573 Ks. Maximilian II. für Böhmen an (Newald, Münzwesen, 188–195; zusammenfassend Probszt, Geldgeschichte, 413–415; Geyer, Münzpolitik, 91; Roll, Münzwesen, 191). Ehg. Ferdinand kündigte zudem die Münzkorrespondenz mit den Kreisen der oberdeutschen Münzassoziation auf (Christmann, Bemühen, 88).
21
 Auch im Text ist die Pfalz-Neuburger Kop. irrtümlich datiert mit Regensburg, 15. 10. 1591.