Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb

Einnahme der Session im RR am 13. 7. gemäß Befehl Administrator Joachim Friedrichs. Abbruch der Sitzung infolge des von Salzburg veranlassten Abtritts der katholischen Stände. Bitte um Zuerkennung der Session und um ksl. Schutz der Rechte des Hauses Brandenburg.

Datum: Regensburg, 13. 7. (3. 7.) 1594. Obersthofmeister Rumpf mit der Bitte um Vorlage beim Ks. übergeben am 14. 7.1

HHStA Wien, RHR Judicialia Antiqua 273/4, fol. 367–370’ (Or. Dorsv.:3. Julii [13. 7.]. Relatio ad caesarem, wie Megabach die vestung [!]der session eingenomen. Facta ab ipso Megebacho et Hammelio.) = Textvorlage.

/367/ An den Ks.: Haben ihm, dem Ks., vor etwa 10 Tagen eine memorialschriftübergeben2, wonach sie infolge der bisher nicht geklärten Sessionsfrage auf eine Weisung Administrator Joachim Friedrichs hin der Session des Erzstifts Magdeburg uns nahern und dieselbige zue erhaltung des ertzstifts rechten nochmals occupiren müsten./367 f./ Haben nach der Rückkehr [Meckbachs] aus Ansbach am späten Abend des gestrigen Dienstag3eine neuerliche Weisung des Administrators vorgefunden, die sie dem Ks. hiermit als beglaubigte Kopie4übergeben. Nachdem sie erfahren haben, dass heute der RR einberufen werden soll, und dem Ks. die Antworten des Kf. von Brandenburg und Administrator Joachim Friedrichs zur Werbung des Frh. von Schleinitz5bereits vorliegen, aber an ihn, den stets in Regensburg anwesenden Mitverordneten Dr. Hamel, vom ksl. Hof /367’/ nichts gelanget, hatt uns anders nicht gebüren wöllen, dan zue vollstreckung habenden befhelchs hochgedachts unsers gnedigsten hern session einzunehmen6. Dabey sich uber hofnung zugetragen, daß der herr ertzbischoff zue Saltzburgk in zimblicher heftigkeit gleich ex improviso angefangen, es könten seine f. Gn. mich, den cantzler, als der ich die session eingenomen, nicht bey sich leiden und sitzen lasen. Und als daruf bescheidentliche erinnerung beschehen, dem chur- und furstlichen hauß Brandenburgk keinen /368/ schimpf ohnverschuldet zuzuziehen, haben ir f. Gn. sich hinwieder ercleret, sie stelleten sölliches dahin, könten aber irer catholischen religion nichts begeben oder praejudiciren; und begehret, wir solten abtreten. Als aber geandtwortet, daß aus habendem befhelich uns gebürete, unsers gnedigsten herrn session zuhalten, hetten befhelich, nicht zuweichen, und beten, uns zu hören, seint ir f. Gn. zue Saltzburgk in ohnzeitigem eyfer ufgestanden. Und als die andere catholische stende, churfürsten, fürsten unnd praelaten, so balt nicht gevolget, haben ir f. Gn. sich im ausgang gewendet unnd öfentlich gerufen, wehr catholisch wehre, solte volgen; daß also enttlich die chur- und fürsten neben den andern ufgestanden.

Berichten dies dem Ks., damit, ob /368’/ etwas euer Mt. widriges vorbracht, daß sie die gründtliche beschafenheit befinden mögen; wie wir uns dann uf den gantzen umbstandt referiren.

Nun hoffen wir, daß anders nicht uns diesfals zuzumeßen, dan was verpflichten, gehorsamen und treuen dienern geburet, und wir aydt und gewißens halb, auch zue verandtwortung und vermeidung großer ungnaedt[!] nicht umbgangken haben konnen, unsers gnedigsten heren notturft und befhel in continenti zudeduciren unnd bescheidentlichen bericht zuthun.

Schließlich aller underthenigst bittende, euer Mt. geruhen, uf ein gleichmeßiges, billichs irer f. Gn.7 vielfältiges erbieten uns nicht also de facto turbiren zulaßen, söndern allergnedigst des chur- und fürstlichen hauß /369/ Brandenburgk gentzliche zuvorsicht so wohl auch und zuföderst[!] des primat ertz stiffts notturft unnd gerechtigkeit nach dabey schützen und handzuhaben, auch uns nicht ohngnedigst zuvordenken, daß wir empfangenem befhel gehorsamblich, als getreuen diener[n] gebüret, nachsetzen müssen.

Schlussformel. Signatum Regensburg, 13. 7. (3. 7.) 1594. Eigenhd. unterzeichnet von Dr. Wilhelm [Rudolf] Meckbach, Kanzler, und Dr. Henning Hamel, f. Magdeburger Gesandte.

Beilage: Weisung Administrator Joachim Friedrichs von Magdeburg an seine RT-Gesandten vom 29. 6. (19. 6.) 1594

Beharren auf der Einnahme der Magdeburger Session.

HHStA Wien, RHR Judicialia Antiqua 273/4, fol. 318–320’ (notariell beglaubigte Kop. Beglaubigung im Or. Dorsv.:19. Junii [29. 6.]1594. Epistula Joachimi Friderici ad ablegatos suos, dz sie nicht weichen sollen.) = Textvorlage.

/318/ Schickt in der Anlage die Werbung des Frh. Christoph von Schleinitz und seine Antwort. Er, der Administrator, beließ es auch auf weiteres Insistieren von Schleinitz’ hin mit der Forderung, das wir der ksl. Mt. zu ehren in allem underthenigsten /318’/ gehorsamb woltten weichen unnd uns der session bis zue ihrer ksl. Mt. erorterung enthaltten,bei dieser Antwort, die seiner bisherigen Weisung an sie, die Gesandten, entspricht8. Erklärte gegenüber von Schleinitz auch persönlich, er könne sich also de facto sine causae cognitione unsers rechten unndt zustehender gerechtigkeitt des primat und ertz stiffts Magdeburgk nicht destituiren und endtsetzen laßen.Die ksl. Räte sollten dohin sehenn, das die wage gleich eingehengt wurde: Wir hetten bey der proposition gewichen, unser kegentheil soltte bei der consultation /319/ weichen und uns unser session, doch mit gebuerlichen protestation und reservirung ihres vermeinten rechtens, gonnen. So woltte[n] wir also dan der ksl. Mt. underhandelung, wie es kunfftigk zuhaltten, gerne erwartten und unß so schiedlichen erzeigen, das sich uber uns niemandt solte zu beschweren haben.

Cölln/Spree, 29. 6. (19. 6.) 1594. Unterzeichnet von Joachim Friedrich.

/319 f./ Notarielle Beglaubigung der Abschrift durch Stephan Sebald, Notar, Sekretär der Stadt Regensburg. 14. 7. (4. 7.) 1594.

Anmerkungen

1
 Eingabe der Magdeburger Gesandten an Rumpf unter Bezugnahme auf die letzte Weisung des Administrators, der zufolge sie die Session eingenommen haben. Die Vorgänge dabei schildert der Bericht an den Ks., um dessen Vorlage sie bitten (Regensburg, 14. 7. {4. 7.} 1594: HHStA Wien, RHR Judicialia Antiqua 273/4, fol. 371–372’. Or., eigenhd. unterzeichnet von Meckbach und Hamel).
2
 Vgl. Nr. 339.
3
 Meckbach war zusammen mit dem Kurbrandenburger Gesandten Adam von Schlieben Anfang Juli nach Ansbach verreist, um neben anderen Belangen des Hauses Brandenburg auch die Sessionsfrage mit Mgf. Georg Friedrich persönlich sowie mit dem ebenfalls vorübergehend aus Regensburg heimgereisten Gesandten Christoph von Waldenfels zu besprechen. Ihre Ankunft in Ansbach wurde für 5. 7. (25. 6.) angekündigt (Berichte von Waldenfels an den Mgf. vom 25. 6. {15. 6.} und 30. 6. {20. 6.} 1594: StA Nürnberg, ARTA 60, fol. 378–380’, hier 378’; fol. 426–428’, hier 426’. Orr. Bericht der Straßburger Gesandten an Meister und Rat vom 15. 7. {5. 7.} 1594: AVCU Strasbourg, AA 846, fol. 110–113’, hier 110 f. Or.). Rückkehr nach Regensburg am 12. 7.
4
 Vgl. die Weisung vom 29. 6. (19. 6.) 1594 als Beilage.
5
 Vgl. die Akten zur Gesandtschaft von Schleinitz [Nr. 338].
6
 Vgl. dazu und zur folgenden Schilderung auch das Protokoll der RR-Sitzung [Nr. 29].
7
 = Administrator Joachim Friedrich.
8
 Vgl. die Weisung vom 6. 6. (27. 5.) 1594 als Beilage zur Supplikation der Gesandten an den Ks. [Nr. 336]. Zum Beharren auf der Session: Ranke, Geschichte, 132; Stieve, Politik I, 230 f.