Deutsche Reichstagsakten, Reichsversammlungen 1556 – 1662 Der Reichstag zu Regensburg 1594 bearbeitet von Josef Leeb
Textvorlage: Bayern, fol. 47–58’.
1. HA (Türkenhilfe): Mehrheitliche Billigung der Ausschussresolution für die Zusage einer Geldhilfe auf Grundlage der Reichsmatrikel. Behebung der reichsständischen Beschwerden durch den Ks. 3. HA (Reichsjustiz): Abschrift der Dubia des RKG. Zuziehung von RKG-Personal nach Ermessen des Ks. 4. HA (Reichsmünzwesen): Abschrift des von der Münzassoziation vorgelegten Gutachtens. Session.
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b–Vor Einnahme der Session streiten Mecklenburg und Pommern um den Vorrang–b. Dieser Streit hat sich zimblich lange und bis in die 8 uhr verschoben; ist zuletzt dahin khomen, dz sich die mechlenburgische gesandten dißmals des raths enthalten2.
Salzburg (Kanzler) proponiert: KR bewilligt [ebenso wie FR] beim 3. HA (Reichsjustiz) die Abschrift der vom RKG vorgelegten Dubia3. Die Zuziehung von Juristen des RKG stellt KR in das Ermessen des Ks. Beim 4. HA (Reichsmünzwesen) befürwortet KR die Abschrift und Übergabe des Gutachtens des Fränkischen, Bayerischen und Schwäbischen Reichskreises4 an die Reichsstände.
/47 f./ Zum 1. HA (Türkenhilfe) hat der FR-Ausschuss die Beratung aufgenommen5, zunächst aber aufgrund einer Mitteilung des KR nur erörtert, /
Umfrage. Bezüglich des 4. HA (Reichsmünzwesen) belassen es alle Votanten dabei, das Gutachten der Münzassoziation zur Abschrift und Beratung zu geben. Beim 3. HA (Reichsjustiz) belässt es die Mehrheit bei der Übereinkunft mit KR, die vom RKG eingereichten Dubia abzuschreiben und die nachfolgende Anforderung von RKG-Personal dem Ks. zu überlassen. Pfalz-Neuburg betont die Initiative der Stände: Es sind /
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Pfalz-Neuburg (Vortrag des Votums11für den persönlich anwesenden Pfgf. durch Dr. Fröhlich): Vergleicht sich beim 1. HA mit dem Ausschuss, dem Ks. eine Hilfe zu gewähren. Wais zwar, mit was beschwerden die stend und dern arme underthonen beladen, allegiert die mißwechs, teurung, staigerung der commercien etc., welches alles billichere ursachen, der stenden /
Burgund (mit Arenberg): […]. Spannien14 last ihme nichts hochers ange- /
Leuchtenberg (Vortrag des Votums für den persönlich anwesenden Lgf. durch dessen Kanzler): Wie Neuburg.
Salzburg: Zum 1. HA wie der außschus und Pfaltz-Neuburgj.
Bayern: […]. Der eillenden hülff seie noch nichts im außschus tractiert, sonder allein der haubtpunct contributionis: Soll man helffen an gelt nach dem romerzug17. Der müntz halber: Khonn sich nit einlaßen, bis man sich der müntzordtnung verglichen; referierts daselbsthin18.
Besançon: Wie Österreich und Saltzburg, /
Pfalz-Lautern: […]. An contribuendum: Seie die cron Hungern ein vohrmaur und durch verlusts solches reichs auch Teutschlandt in gefahr gesetzt. Gleichwol Teutschlandt zum widerstandt allein zu schwach. Sollen ir Mt. den k–babst zu Rom, Hispannien, welsche fürsten etc.–k auch umb hulff ersuechen. Allegiert, was yetzt am Rhain der mißgewechs und verderben durch durchzug füribergangen[!]. Werde die hulff, wie begert, schwehr fallen: Sein alle geföll also erschepfft, dz ihr kfl. Gn.19 nit woll möglich, zu contribuiern. Welches doch nit dahin zuverstehen, dz man gar nichts wolle thuen, sonder dz ain mitleiden mit ihr kfl. Gn. landen zutragen und derselben gravaminuml abzuhelffen. Alßdann werde man sich wilfährig mit der hülff laistung erzeigen. De modo wie Pfaltz-Neuburg: Wurde ihr kfl. Gn. /
Deutschmeister: Beim 1. HA ist auf ain beharliche hülff zugedencken. Der römerzug und matricul unrichtig, hab gleichwol der gemein pfenning auch sein beschwehrlichkheit. Votiert auf den römerzug. Will sich doch, da im churfursten rath oder auch im fursten rath per maiora ein anders beschloßen, nit absondern.
Pfalz-Simmern: Repetiert sein protestation ratione administrationis der Chur Pfaltz21.Zum 1. HA wie Pfalz-Neuburg.
Pfalz-Lautern weist den neuerlichen Protest zurück und legt Gegenprotest ein.
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Pfalz-Zweibrücken: […]. Der Pfgf. halt für billich, das gemeine stende ihrer Mt. dißfals treulich die handt bieten. Wie dann derselbige solches für sein persohn auch erzaigt und gelaist unnd in wenig jahrn über 70 000 fl. contribuirt. Seie ain underschid zwischen den stenden zumachen, dern theils im friden gesessen und im aufnemen sein, etliche aber dem khrieg nahet und im abnemen. Grentze seines herrn landt mit Lottringen, Franckhreich und Lutzlburg, da stete krieg sein, werden die underthonen wegen durchzug, auch einfäll beschedigt, geplindert, beraubt, ihnen ihre pferdt, viech und alle mobilia genommen. Seien viler orthen khaum die blossen hitten22 noch vorhanden; der theurung in victualien und mißwaxenden jahrn zuegeschweigen. Haben allererst vohr ainem jahr durch ungewiter merckhlich schaden empfunden; bekhomen sy die zeitung, weil sie allererst hie seindt, dz ain solche frost und khelt gewest, dz man sich eines geringen oder gar kheines herbsts23 zuerfreüen. Khonnen sich die armen leuth schwehrlich erhalten. /
Würzburg: […]. Seie in allweg zuhelffen. Wehr zwahr ihrer Mt. und den armen underthonen der gemein pfenning bösser, weil aber uf den römerzug geschloßen, wollen sich nit absöndern.
Pfalz-Veldenz: Wie Neuburg.
Worms: […]. Will sich von deme, was dz gemein, nit absondern. Habe aber bevelch zuvermelden, dz sein gn. furst und herr vohr der zeit umb moderation des aufschlags[!] angehalten. Seye der stüfft durch schedliche verbotne musterpletz und durchzug hoch verderbt worden. Will aber doch laisten, was möglich.
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Eichstätt: Wie Saltzburg.
Sachsen-Coburg [Johann Casimir]: […]. Will sich nit absöndern, pit aber doch zuerwegen seines herrn zuestenden, als derselb zu seinen eingezognen landen khomen, wie alle kessten entplöst und gar khein vorrath gewest29. Seien über seinen gefangnen vatern vil hundert tausendt gulden gangen.Bittet um Unterstützung, damit sein lange Jahre inhaftierter Vater freigelassen wird30,p.
Speyer: […]. Concludit mit Österreich auf den gemainen pfenning: Sei ir Mt. mehr dardurch geholfen. Allegat, was für ungelegenheiten mit underlauffen mit anlegung der gaistlichen gueter.
Sachsen-Coburg [Johann Ernst]: […]. Concludit auf hulff nach dem ainfachen römerzug. Allegat seine beschwerden, ersaigerung der camer und underthonen, item das ihme in die 5 thonnen goltsq mit seinem vatern aufgangen. Petit liberari patrem.
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Brandenburg-Ansbach: […]. Soll zuvohr den gravaminibus generalibus noch bei wehrundem Reichs tag abgeholffen werden. Wan dz geschehe, will alles thuen, was möglich und in gemeinem schlus gemacht. Schleust uf den römerzug.
Augsburg: […]. Hete zwar bevelch, gravamina fürzebringen, wels[!] aber yetzt einstellen, doch mit vohrbehalt, dieweil man yetzt pro ariis et focis consultiert. Schleust mit dem außschus, und da yetzt oder ain andermal per maiora der gemain pfenning bewilligt, will ers dabei bleiben laßen.
Braunschweig-Grubenhagen: Beim 1. HA zur Frage, ob zuhelffen, wie Pfaltz-Lautern; quomodo mit dem außschus.
Hildesheim: Durchaus wie der außschus.
Braunschweig-Wolfenbüttel: Wie der außschus. Con- /
Paderborn: Wie der außschus; mit vorbehalt der niderlendischen craiß gravamina33, dz denselben abgeholffen werde.
Braunschweig-Calenberg: Wie der außschus.
Freising: Votiert zum 1. HA mit dem außschus, de modo mit Osterreich uf den gemainen pfenning, dieweil derselb dem armen mann ertreglicher und ersprießlicher. Will sich doch nit a maioribus separiern, wan allein dem stüfft Freysing mit der moderation werde geholffen. Hab in bevelch, etliche gravamina in khürtz anzezeigen: Will nit zweiveln, man wiß, dz der stüfft Freysing über sein vermögen und gegen dem alten anschlag umb 2 ganzer dritl zu hoch angeschlagen. Der stüfft hab in 13 ambtern nuhr /
Braunschweig-Lüneburg: […]. Ist erbietig zuhelffen, doch dz zu gleich auch die gravamina gewendet werden; wie der außschus.
Regensburg: […]. Hete er woll ursach, auch fueg und bevelch, in puncto moderationis sonderbahre beschwerden in specie zuerzehlen. Weil aber die zeit verfloßen, reserviert ers cum protestatione und bitet, solches ad notam in prothocollo zunemen. In reliquis wie Bayrn, mit dem anhang, auf gebürlichen unnd erschwinglichen anschlag.
Pommern-Stettin: Zum 1. HA wie der Ausschuss, doch uf den romzug, und dz auch die gravamina erledigt, s–auch frid unnd rhue im Reich erhalten werde–s.
Passau: In puncto contributionis seie sein gn. furst und herr dem feindt schier am nechsten gesessen. Hab bevelch, sich uf die proposition /
Pommern-[Wolgast]: Zum 1. HA wie der außschus. Wehren woll ursachen verhanden, warumben seines herrn mit der contribution zuverschonenu. Yedoch ihrer Mt. zu underthenigsten ehren und den belaidigten zu trost will er einwilligen uf den römerzug, uf[!] dz den gravaminibus abgeholffen, dz Reich in gueten friden erhaltenv, die restanten eingebracht werden. Die continuatio35 sei dem Reich unmöglich und unertreglich, treff an 80 thonnen goldts36; suaderat pacem, aber ir Mt. sei nit zu[v]erlassen.
Basel: […]. Zwar hat der Ausschuss per maiora uf den romzug geschloßen, yedoch woll er noch uf dem gemainen pfenning verharren.
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Trient: Auf den gemainen pfenning wie Osterreich.
Hessen-[Kassel] (Moritz): […]. Es ist zehelffen an gelt und nach dem romzug; seie annis 44, 55[!], 66 auch also geschlossen37. Item den gravaminibus außschlag zegeben, die restanten einzebringen, inn dem kriegswesen guete expedition und ordtnung anzestellen.
Münster: Repetiert dz badebornisch votum.
Hessen-[Marburg] (Ludwig): […]. In puncto contributionis den gravaminibus abzehelffen, damit die hülflaistung desto besser geschehen mag. Schleust uf den romzug wie der außschus und Pfaltz-Neuburg mit der erinnerung wie Wolfenpitl und Hessen.
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Hessen-[Darmstadt] (Georg): Wie Pfaltz-Neuburg.
Brixenx: Wie Osterreich; allein si per maiora, uf den romzug.
Baden-[Durlach] (Ernst Friedrich): Zum 1. HA wie der außschus, doch dz den gravaminibus werde abgeholffen.
Baden-Baden: Zum 1. HA wie Leuchtenberg.
Metz: […]. Hab bevelch, gravamina fürzebringen, stelts aber an gebürende orth heim. Will sich in puncto contributionis nach vermögen nit absondern, was insgemein fur rathsam beschloßen würdt. Concludit uf den romzug.
Baden-[Durlach] (Georg Friedrich): Wie der außschusaa.
Zwischeneinwand des Lgf. von Leuchtenberg: Es sei vohr im Reichs rath nit breuchig gewest, dz Baden zum dritenmal votiert38.
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Replik des Lgf. von Leuchtenberg: Doch sine praeiudicio aines andern sessionab.
Toul: Vergleicht sich beim 1. HA mit dem mehrern, doch mit vohrbehalt.
Anhalt: Wie der außschus.
Cambrai: […]. Hab gleichwol ursach, uf den gemeinen pfenning zetringen, dieweil aber per maiora uf den romzug geschlossen, bleibt er auch dabei. Und pitet umb erledigung seiner supplication39, dieweil landt und leuth in gefahr stehn.
Henneberg: Zum 1. HA wie der außschus, und soll man den restanten in acht nemen.
Lausanneac: Protestatur de sessionead unnd pitet, zu prothocolliern, damits ohne praeiudicio sei40./
Nomeny: Zum 1. HA mit dem außschus uf den romzug. Meldet dabei an, das die marggraffschafft Numein[!] wegen der durchzug in eußeristes verderben gesetzt. Hab bevelch, gravamina zu ubergeben, hofft, man werde dieselben in acht nemen unnd dariber bescheidt geben.
Hersfeld: Wie Osterreich.
Arenbergae: Wie Burgundt.
Murbach: Wie Costnitz.
Ellwangen: Wie Bayrn und Neuburg.
Berchtesgaden: Wie Bayrn.
Prüm: Wie Osterreich.
Stablo: Wie der außschus.
Prälaten: Ist indifferens. Was per maiora beschlossen.
Schwäbische Gff.: /
Wetterauer Gff.: 1. HAaf: Seien die langwirige franzosische und niderlendische khrieg, ersaigerung der armen underthonen, staigerung der müntz etc. in acht zunemen und die gravamina zuerledigenag. Wollen sich also erzeigen, das ihr Mt. ein gnedigsts gefallen darob tragen sollen. In reliquis sicut Onspach und Praunschweig-Lunenburg.
Mehrheitsbeschluss zum 3. HA (Reichsjustiz), dasah ihrer Mt. heimbzestellen, ob und wan cameralen zuerfordern. Vergleichen sich mit den churfursten.
Beschluss zum 1. HA (Türkenhilfe) per maiora, das die hülff an gelt und nach dem römerzug zu leisten, ain gleicheit in den anschlägen zu halten, auch mit der erinnerung, ai–das der beschwerdten stendt in acht zunemben–ai, auch die restanten von den seumigen einzebringen; welches41 yedoch yetzt nicht in relationem einzebringen, sonder an andere orth zu reserviern.