Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 11. Die Reichstage zu Augsburg 1510 und Trier/Köln 1512 bearbeitet von Reinhard Seyboth

Nr. 1371 Beratungen des Augsburger Domkapitels über den Konflikt mit Christoph Welser

[1.] Bereitschaft Bf. Matthäus’ von Gurk zur Unterstützung des Domkapitels beim Ks. in der Welser-Sache; [2.] Beschluß zur Einschaltung weiterer ksl. Räte und der Reichsstände; [3.] Weisungen für Bernhard Adelmann zum Betreiben der Angelegenheit bei Ks. und Reichsständen; [4.] Bitte an Johann Renner und Hans von Landau um Unterstützung; [5.] Erlangung eines Förderbriefs des Reichstags an den Papst; [6.] Auftrag an die mit der Welser-Sache betrauten Domherren zu weiteren Beratungen; [7.] Relation Bernhard Adelmanns über seine Bemühungen bei Ks. und Ständen auf dem Reichstag.

Augsburg, 5. Juni – 1. Oktober 1512

Augsburg, StA, Hst. Augsburg, NA, Akten 5494, Orig. Pap.

Fol. 38a-39a: [1.] Die saturni 5. Junii: [...] Item auf heut mein H. dechand ainem capitel die antwort, von meinem gn. H. von Gurg auf die werbung, an sein Gn. des Welsers halben bescheen, gefallen, eroffnet, der maynung, das sein Gn., in diser sach ainem capitel hilflich und rätlich zu sein, mit willen und gern tun welle, in mas er sich vormals auch erboten und im als aim tumbrobst zustand, mit erbietung, von ains capitels wegen ksl. Mt. und seiner Gn. freunden am hof derhalben zu schreiben und zu ersuchen.1 Aber die sach der messen an sich zu nemen, als ob die sein aigen were, oder ainich zusagen oder vertrostung zu tun, well seinen Gn. nit gelegen sein. An welicher antwort sie nit genugig gewest und sich vernemen lassen, sein Gn. weiter schriftlich oder muntlich zu ersuchen. Hab sein Gn. gesagt, er mogs wol leiden etc.

[2.] Darauf sich ain capitel underredt und in ermessung des grossen ansehens, dorin gemelter mein gn. H. von Gurg diser zeit ist, beschlossen, sein Gn. nit zu erlassen, sonder durch die verordneten weiter zu ersuchen und mit sein Gn., wes sich eraischen und sie fur gut ansehen wirt, zu handlen und furzunemen, damit sich sein Gn. der sachen, die abzustellen, underfach, mit dem fuglichsten, als sie zu tun wol wissen. Neben dem soll nichtdestmynder mein gn. H. [Bf. Heinrich] von Augspurg umb hilf, rat und beystand ersucht werden, auch dem [Gf. Eitelfriedrich] von Zorn [= Zollern] und Wilhelmen von Knoringen zu schreiben, dweil die sach sein Gn. und den stift berurt, H. Bernharten Adelman, so er sie darumb anlangen werde, hilflich, beystendig und ratig zu sein.2 Es sollen auch gemeltem H. B[ernhard] Adelman solich schriften sambt eins gn. H. von Gurg schreiben an die ksl. Mt. und seiner Gn. freund am hof zugeschickt und durch ein instruction bevelch geben werden, dieselbigen zu uberantworten und anfenglich Kff. und Ff., so auf dem reichstag sein, ieden in sunder, irer und irer vorfaren verschreibungen inhalt beygesanter copi zu erinnern,3 desgleichen die, so mein H. von Gurg schreibt, sambt dem von Zorn unterteniglich und vleissig zu bitten, die ksl. Mt. irer verschreibung zu erinnern und zu bitten, aim capitel in diser sach hilflich, ratlich und beystendig zu sein, damit sie bey iren statuten und gewonheiten behelten und gehandhabt werden, mit sonderlichem anzeig, das dise sach die von Ougspurg noch gemeine stat nit, sonder allain ain sondere person berurt und antreff, das auch sein Mt. sambt den stenden des Reichs den stift und seine verwanten in disem vaal mer zu bedenken und zu furdern schuldig sey dann den Welser, und das ir Mt. sambt den stenden und gemainer versamnung des Reichs an die Babstlich Hlkt. furschriften tun wellen, auch das sein Mt. mainem gn. H. von Gurg ernstlich bevelch geb, in diser sach bey Babstlicher Hlkt. vleis zu haben, solich des Welsers unpillich furnemen abzustellen und nichtdestminder neben den Kff. und Ff. zu bitten, ob ain capitel uber kurz oder lang irer Gn. furschriften noch mer bedurfen und notturftig sein wurden, die alsdann, ieder in sonder, inen gnediglich mitzutailen und zu geben verschaffen etc., alles mit weitern geburlichen, notturftigen anzaigungen und handlungen, mit dem besten fugen, als er zu tun wol waist, sich eraischen und fugen ansehen wurt. [...]

Fol. 41a: [3.] Die veneris 11. Junii: Ist von wegen des handels, den Welser betreffend, weiter geratslagt und fur gut ansehen worden, erstlich Kff. und Ff., ieden in sonder, umb furschriften zu ersuchen und, sover dieselben erlangt, alsdann die stend ganzer versambung des Reichs auf ir verschreibung auch umb furderung vorgemelter mas zu bitten, der zuversicht, solhs werde bey B[äpstlicher] Hlkt. ain merklich und guets ansehen bringen. Und damit das bey ksl. Mt. nit abgetragen oder sunst nit fast lautmer werde, soll H. B[ernhard] Adlman meins gnst. H. von Meinz und anderer rat haben und fur sich selbs auch fleis furkeren und achten, wie das zum fuglichisten angebracht und erlangt werden mag, das er auch die penlich verschreibung, von ksl. Mt. allain ausgangen, nymands, dann wo es in fur not und gut ansehen wurt, anzaigen soll, dann wider die ichtzit erlangt noch ausgebracht werde, und so ksl. Mt. nit vorhanden were, das er nichtdestmynder bey Kff., Ff. und stenden des Richs egemelter mas handlen und vleis haben soll, die furschriften zu erlangen, und so die ksl. Mt. auch zu inen komen würd, alsdann seinem bevelch nach mit seiner Mt. auch zu handlen. So aber sein Mt. zu den stenden nit komen, das er dann furschrift von inen an sein Mt. erlangen und die seiner Mt. mit suplication und anderm, was in fur gut ansehen wirt, zuschicken und iemand an seiner Mt. hof, der in darzu taugenlich zu sein bedunken, die sach zu solicitirn, schreiben und bevelhen soll, alles in der besten form etc. Und was er fur costen und zerung in die canzleien und sunst laufen mochte, dasselbig darzu leihen. Will im ain capitel widerumb gutlich entrichten. [...]

Fol. 45b: [4.] Die martis 6. Julii: Ist auf die anzaigungen, durch Dr. Neitharten und H. Cunraten Adlman bescheen, wie der reichstag gein Koln und die ksl. Mt. auch dahin kumen soll, beslossen worden, maister Hansen Renner zu ersuchen, bey ksl. Mt. in der sach wider den Welser zu solicitirn etc. Doch soferr die verordneten ain andern in disem handel erschiesslichern wisten, als dann durch H. Marquarten vom Stain, dumbrobst zu Bamberg etc., gemelt ist, last im ain capitel gefallen, demselben die sach zu berichten und sunst, was sie fur not und gut ansehen wirt, zu handeln. Auch H. Hansen von Landau zu bitten, so er an heut zu ksl. Mt. kom, ainem capitel in diser sach furderlich und hilflich zu sein etc., mit den besten fugen. [...]

Fol. 46b: [5.] Die lune 12. Julii: Hat H. Cunrat Adelman ainem capitel zu erkennen geben, wie H. B[ernhard] Adelman an die B[äpstliche] Hlkt. in causa Welser von gemainer versamnung des Reichs, desgleichen von etlichen Ff. in sonder furschriften ausgebracht, der copien ainsteils, auch die suplication in erlangung derselben, den stenden und Ff. uberantwort [liegt nicht vor], verlesen und von im weiter angezaigt worden, das in erlangung dergleichen iemands, bey ksl. Mt. zu solicitirn, bevelch zu geben, not sein. Ist auf anbringen H. Marquart vom Stains, tumbrobst zu Bamberg etc., beslossen worden, meinem H. dechand von capitels wegen zu schreiben, sich von stund an hereinzufugen, sambt den verordneten helfen ratslagen, wem die sach, bey ksl. Mt. zu solicitirn, zu bevelhen sey, und sunst ferrer, wes not sein wirt, zu handlen und furzunemen. [...]

[6.] Die mercurii 14. Julii: Ist auf den verlesen reces den Welser betreffend den verordneten bevelch geben, in der sach weiter zu handlen, was not sein wurt.

Fol. 61b: [7.] Die veneris 1. Octobris: Hat H. Bernhart Adlman seiner handlung, in causa Welser bey ksl. Mt., Kff., Ff. und stenden des Reichs auf beiden reichstegen geubt, relation getan und anzaigt, etlich gelt ausgeben zu haben, auch das er an denselben enden gn., guten willen erfunden und sonderlich, das sich ksl. Mt. gnediglich erboten hab, furhin, so es not sein wurd, ainem capitel mit furschriften und sunst zu erschiessen. Das im ain capitel gefallen lassen und zu dank angenomen.

Anmerkungen

1
 Ende 1511 erteilte Papst Julius II. Christoph Welser die Provision auf die durch den Tod Johanns von Knöringen erledigte Augsburger Domherrenpfründe, doch lehnte das Domkapitel am 12. Januar 1512 Welsers Forderung, ihn von der Pfründe Besitz ergreifen zu lassen, ab mit dem Hinweis auf das am 19. Oktober 1491 in Rom ergangene Urteil, wonach Augsburger Bürgersöhne nicht als Domherren zugelassen werden sollten. Im Rahmen der sich anschließenden Auseinandersetzung bemühte sich das Domkapitel unter anderem um die Unterstützung des aus Augsburg stammenden Gurker Bf. und ksl. Rates Matthäus Lang, der im Jahr 1500 auf Betreiben Kg. Maximilians Augsburger Dompropst geworden war. Christoph Welser hingegen erwirkte eine päpstliche Bulle, die das Urteil von 1491 außer Kraft setzte und ihn ermächtigte, die Besitzergreifung der Pfründe notfalls auch mit Hilfe geistlicher Strafen durchzusetzen. Als das Domkapitel dagegen appellierte, begann an der Rota ein Prozeß, der am 21. Oktober 1513 mit einer Entscheidung Papst Leos X. und dem Verzicht Welsers auf das Augsburger Kanonikat endete. Vgl. zum Ganzen Lutz, Peutinger, S. 102-106; König, Peutingers Briefwechsel, S. 181-185; Kiessling, Bürgerliche Gesellschaft, S. 349-352; Sallaberger, Matthäus Lang, S. 172f.
2
 Der Augsburger und Eichstätter Domherr Bernhard Adelmann vertrat auf dem Reichstag 1512 Bf. Gabriel von Eichstätt. Vgl. Thurnhofer, Bernhard Adelmann, S. 35.
3
 Gemeint ist wohl die am 18. August 1500 in Augsburg erfolgte Zusicherung Kg. Maximilians und der Reichsversammlung, daß sie nach Zustimmung des Augsburger Domkapitels zur umstrittenen Übertragung der Dompropstei auf Matthäus Lang das Kapitel künftig bei dem Urteil von 1491 über die Nichtzulassung von Bürgerlichen zu Domherrenstellen handhaben wollten. Regest: Wiesflecker, Regesten III,1, Nr. 10733.