Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 11. Die Reichstage zu Augsburg 1510 und Trier/Köln 1512 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Austausch von Stellungnahmen zum ksl. Hilfeersuchen; [2.] Maskenfest; [3.] Ankunft einiger aus venezianischer Haft entkommener ksl. Räte; [4.] Austausch von Resolutionen zum ksl. Hilfersuchen; [5.] Beschluß des Schwäbischen Bundes zur Spezifizierung der bewilligten Hilfe für den Hg. von Württemberg, Widerspruch des Ks.; [6.] Zustimmung des EB von Mainz zur Übergabe seiner Klagschrift an den Kf. von Sachsen; [7.] Erlangung einer erneuten ksl. Ladung an Nürnberg durch die Hh. von Wolfstein; [8.] Begründung des Ks. für die Lösung der Venezianer aus dem Kirchenbann, Inaussichtstellung eines frz. Heeres für den Kampf gegen Venedig; [9.] Erläuterung der Bannlösung durch den päpstlichen Gesandten, dessen Ersuchen an die Stände, den Ks. zu einem Feldzug gegen die Ungläubigen zu bewegen, Wahrscheinlichkeit einer Geldhilfe für den Ks.; [10.] Bitte um Entlohnung des Boten.

Augsburg, 12. März 1510

Nürnberg, StA, Rst. Nürnberg, Ratskanzlei A-Laden Akten 126 Nr. 2, fol. 64a u. b, 67a-68a, Konz.

Geht davon aus, daß sein durch Wolf Hofmann übermitteltes Schreiben vom 9. März (Nr. 529) in Nürnberg eingetroffen ist.

[1.] [...] So haben die stend des Reichs auf das furhalten, so die ksl. Mt. inen der wegerten hilf halb jungst getan, antwort, der sich die stend samentlich vergleicht, schriftlich ubergeben lassen [Nr. 96]. Und darauf hat ir ksl. Mt. derselben meinung verner den stenden auch widerumb schriftlich lassen wehendigen [Nr. 97]. Des alles ich euer weisheit copien, hieneben verwart, zuschike.

[2.] So hat dy ksl. Mt. suntag abents [10.3.10] ein mumerey gehalten und ist vast [= sehr] frolich gewest.

[3.] Auf gemelten abend sind hyeher zu seiner Mt. komen H. Melchior von Masmünster, H. Bartholme von Virmian und noch zwen, mir unbekant, die zu Venedig gefangen gelegen und daselbst an der vasnacht [12.2.10] auskomen sind. Davon euer weisheit sunder zweifel vor wissen entpfangen haben.

[4.] Und nachdem, wie euer weisheit vernemen werden, in dem letzern ksl. Mt. wegern stet, ein auschus, damit sein Mt. vertreulich etc. woll handeln, zu verordnen, das ist also von allen stenden geschehen, und werden die sein, so hievor in auschus geordent sind. Doch sollen sie alleyn ksl. Mt. furschlag vernemen und das wider an die versamlung gelangen lassen.

[5.] Von wegen der von Rotweil hat die versamlung des bunts auf anhalten meines gn. H. von Wirtenbergs, die meßigung der hilf zu tun, weschlossen [Nr. 246]. Ist aber dapey gedacht, nachdem die ksl. Mt. zum ofternmal durch ir verordent hat lassen anhalten und piten, mit der tat stillzusten, das dannoch seiner Mt. solch vorhaben, dieweil doch dieselbig on das hie vor augen, zu wissen zu tun sey. Das ist also geschehen. Darauf ir Mt. gesagt, sie woll ir dreffenlich ret zu den von Wirtenberg verordnen und petlich zu ersuchen, etlich tag auf verner ir Mt. handlung stillzusten. Darauf stet die sach noch. Und als ich aber die sach pey gemeiner versamlung verste, so wirdet mit der meßigung der hilf nit stillgestanden, es sey dann, das ksl. Mt. rigel unterschieß, wie ich dan geleichwol vernym, ir Mt. zu tun vorhat.

[6.] Und dann von wegen Meinz und Sachsen, darin hat sich Meinz pisher geschpert, das man Sachsen auf sein weger die ubergeben clag [vgl. Nr. 134] nit soll uberantworten. Darin ist aber so vil vleis furkert, das im end mein gnst. H. von Meinz hat zugeben, meinem gnst. H. Hg. Friderich von Sachsen solche clag furzuhalten. Das, versich ich mich, werd kurzlich geschehen. Darauf sich auch Sachsen vast trostlich lest vernemen, auf meinung, in der gestalt sich vor der versamlung horen zu lassen, damit man werd wefinden den ungelimpf des von Meinz und seiner Gn. gerechtikeit.

[7.] Item als ich pisher geschriben, ist mir ein brief, von euch, mein Hh. den eltern, ausgangen, des datum helt freitag nach oculy [8.3.10, liegt nicht vor], pey Peter Leupolt, euer weisheit poten, mitsambt etlichen eingeschlossen copien zukomen, des inhalts ich vernomen. Will in allen stuken, darin verleibt, mit allem vleis handeln und, so erst ich mag und sovil die noturft erfordern wirt, euer weisheit antwort unverhalten nit lassen. Ich pin aber verursacht, gemelten Peter Leupolt aus nachfolgender wewegung eylents wider abzuvertigen. Und nemlich so haben dy vom Wolfstein ein neue ladung pey ksl. Mt. auf ir Mt. eigen perschon auspracht [Nr. 267]. Darin euer weisheit in 12 tagen den nechsten nach uberantwortung solcher ladung werden fur dy ksl. Mt. gefordert, wie ich mich dann versich, die euer weisheit vor zukunft dieses briefs uberantwort sey. Nun hab ich geleichwol vor zweien tagen wissen gehabt, das die vom Wolfstein, pey ksl. Mt. solchs zu erlangen, angehalten. Mich hat aber der brobst [Dr. Erasmus Toppler] verdrost, woll fleiß ankeren, damit die nit ausge. Sein erwird sagt mir aber, das im der [Bf. Matthäus] von Gurch hab zugesagt, das ksl. Mt. hab gesagt, sie hab auf das vilveltig anhalten, so seiner Mt. in disem handel sey geschehen, nit ubrig kunen sein, sunder dye westimbt ladung müssen ausgen lassen. Es sey aber nit daran gelegen, ob euer weisheit auf die ernent zeit nit schiken, sunder allein schreyben und sich enschuldigen, mit pit, euer weisheit pey ordenlichem gericht nach laut der reichsordnung weleiben zu lassen. So wirdet der probst dieweil auch nit veirn, sunder vleis tun, ob er ein widerrufung zuwegen bringen kun. Das hab ich euer weisheit in eyl guter meinung unentekt nit wollen lassen. Erpeut mich darauf in derselben dinsten, den ich mich auch gehorschamlich wefelhen tu, ganz willig. Datum Augschpurg am eritag fru nach letare Ao. etc. decimo.

[8.] Zedula: Gunstigen, lb. Hh., auf gester [11.3.10] vor mitag hat die ksl. Mt. durch den von Zorn den Ff. und allen stenden des Reichs müntlich lassen anzeigen, wiewol die Venediger durch die Bebstlich Hlkt. aus dem pan getan seyen worden, sey doch solchs nit der meinung geschehen, das Bebstlich Hlkt. wider den condract, zu Camarach aufgericht,1 sein woll, sunder ward fur und fur wider die Venediger veintlich gepoten. Dann in disem furnemen sey sein Hlkt. durch rat und pit der kardinel vermogt, die sich versehen, die hilf des Reichs ksl. Mt. so pald nit werd widerfaren. Und dapey angesagt, das der Kg. von Frankreich in einem monat mit 15 000 zu fuß und 1500 lanzen im veld sein werd. Und hat darauf abermals gepeten, wie vor, in der sachen fuderlich zu verfaren, mit lengern worten etc.

[9.] Es ist aber Achilus de Grassaus, des Babst orator, darnach umb den abent auch perschonlich vor der versamlung des Reichs erschinen und einem yden Kf. in sunders ein brief von Bebstlicher Hlkt. [liegt nicht vor] uberantwort und ein lateinische werbung getan, die, als ich wericht entpfangen, sich im grund dahin gestrekt, das gemelter sein H., der Babst, in rat der cardinel gefunden und sunst aus vil ursachen der cristenheit zu gut, die er nach der leng dargetan, wewegt sey, dy Venediger aus der weschwerung des pans zu tun. Darauf die Kff., Ff. und stend gepeten, pey ksl. Mt. zu fudern, damit die als ein cristenlicher Ks. darob woll sein, das zwischen den cristenlichen haubtern frid gehalten werd und doch nichtzdestweniger ein fuderlicher zug auf den ungelaubigen furgenomen und verstrekt werd, wie sein Mt. und die cristenlichen heubter der cristenheit zu gut schuldig und pflichtig weren. Dapey ist sich zu vermuten, das der punt gedrent und dem krieg ein aug aus ist, wiewol sich dannoch nimand anders versicht dann einer hilf, die ksl. Mt. getan werd, sunderlich auf das zusagen, das heraus ist. Und wirdet auch darfur gehalten, das solche hilf allein in gelt gewendt mocht werden. Das hab ich euer weisheit guter meinung auch uneroffent nit wollen lassen.

[10.] Zedula: Gunstigen, lb. Hh., ich hab dem poten wefolhen, sich auf das fuderlichst heimzufugen. Darumb sollen im euer weisheit zwifachen lon geben. Daran hat er hie von mir nichtz entpfangen.

Anmerkungen

1
 Liga von Cambrai vom 10. Dezember 1508.