Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe. Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., XI. Band. Der Reichstag zu Regensburg 1541 bearbeitet von Albrecht P. Luttenberger, für den Druck vorbereitet von Christiane Neerfeld

Konstanz StadtA, G 19 (Reformationsakten), fol. 167r–169v (Ausf.); DV v. a. Hd. fol. 169v: Cunrat Zwick, praesentatum 12. July anno 1541.

Euerer W. schriben, mir by Cunraten Egloff zukummen, hab ich am dritten tag July abents empfangen und euerer W. hiervor by ainem potten von Solothurn, desglichen Micheln Mörckoffer und ainem von Augspurg alle notturft zugeschriben. Syderhar hat ksl. Mt. der turgkenhilf halben den stenden antwurt gegeben [Nr. 184], das ir Mt. sich der minderen anzal, namlich 10.000 zu fuß und 2.000 zu roß benugen welle lassen, das wurd euere W. antreffen die vier monat 950 fl. Danebent hat ir Mt. begert, das dise stend die condition des fridens und rechtens wellend fallen lassen, so solle es by vorigem fridenstand die zit uß und so lang, biß von ainem anderen bestendigen friden uff disem richstag geredet werde, bliben. Es habent aber die stend am dritten July ain andere antwurt widerumb ubergeben [Nr. 190], darin sy nochmalen bittent wie vor, das ir Mt. ain bestendigen friden und glichmessigs recht uffrichten welle, dann one das hette der mertail nit bevelh, in ainiche hilf zu willigen.

Die anderen churfursten und fursten beharrent nochmal uff dem halben romzug, das wurd uch 720 fl. antreffen und das ksl. Mt. zu furderung der sach das gelt den stenden darlyhen welle [Nr. 188, Nr. 189].

Und wiewol etlich der protestierenden gemaint, mit dem, so sy sich ainer mereren summa erbutten, by ksl. Mt. vil gnad zu erlangen, so habent wir doch nit allain kain gnad, sunder by den anderen stenden unwillen und dise nachred erjagt, das man spricht, wir habent den friden mit gelt erkouffen wellen, item, umb der geroubten gaistlichen guter willen mögent wir wol stattlicher hilf thun dann die anderen. Der bedacht stat widerumb by ksl. Mt.

Die protestierenden habent disser tagen in der religion nicht gehandelt, aber die anderen fursten und prälaten sollend gantz hart und ruch sin. Der antwurt uff das buch sind sy noch nit entschlossen. Die churfursten sollend sich irer antwurt verglichen haben, uff mainung, das sy der ksl. Mt. das buch widerumb zustellen, mit bitt, ir Mt. welle dasselbig des bapst legaten uberantwurten und ermessen lassen, ob es der vätter leer und altem, loblichen bruch der kirchen gemeß sye.

Das buch wolt ich euerer W. gern schicken, so hab ich allain das latin, des bin ich aber notturftig, und das tutsch haben wir von vile wegen der gescheften nit abschriben mögen.

Offen ist noch fur und fur belegeret. Man sagt, sy haben das schloß undergraben, das mans sprengen möge, wann man welle. Ich hab aber des kain warhaftigen grund, dann uff die hoffmären hat sich niemandt zu verlassen. Ob die Behem hilf thun wellend, ist noch zwyffelich.

Deren von Goßlar halb hat man sich nit aller ding verglichen mögen, sunder ist fur gut angesehen, das die verordneten stimmen disser tagen, obs ain religionsach sye oder nit, erkennen werden. Und nach gstalt aller sachen werdent sys fur ain religionsach erkennen und annemmen. Wo nun uff disem rychstag nit ain frid uffgericht, wirt der krieg mit Goßlar gewißlich ervolgen. Gott geb gnad!

Hg. Hainrich hat ain gegenantwurt ubergeben der mordtbrenner halben [Nr. 256], ist noch nit gar geschriben, entschuldiget sich hoch und ernstlich.

Euers bevelhs, belangend die maximilianisch ordnung, muß ich mich billich halten und Gott bevelhen.

Uff hutt morgens hat man uff ksl. Mt. ansuchen widerumb angefangen in der religion handlen und die prediger von ainem articul zu dem anderen vernommen. Was darin beschlossen werd, mag ich nit wissen. Es ist aber hoch vonnoten, Gott ernstlich zu bitten umb sin gnad zur besserung.

Den predigern hab ich das latinisch buch des kaisers geschickt. Jetz ist ain tuschs [sic!] ouch vorhanden, aber noch nit abgeschriben. Es mag uns nit wyl werden. a Des buchs halben bin ich erst nocht spat [bedacht?] worden hinuffzuschicken. Datum, den 4. July–a.

[Zettel:] b Ich bin willens gwesen, den potten glich am 5. tag abzufertigen, so hat sich die handlung der turgkenhilf widerum zutragen, darum ich inn 2 tag warten lassen und vermaint, sy sollt zu ainem end geloffen sin. So ist aber nit mer dann so vil gehandlet, das der Mgf. von Brandenburg Kf. an die protestierenden begert hat, die hilf on ain condition zu bewilligen, so welle die ksl. Mt. innerthalb sechß monaten ainen bestendigen friden und glichmessigs recht, des sich niemandt billich werd zu beclagen haben, uffrichten und verschaffen, das mittlerzit im rych frid gehalten werd. Diß sach ist gestert und hutt disputirt worden. Etlich als Mgf. Jorg, Zwaybruggen, Augspurg, Nurmberg, Hall etc. woltent die hilf gern on condition willigen, aber uß kainen anderen ursachen dann etlich umb irs nutz willen, die anderen ksl. Mt. gnad zu erlangen. Sachssen und Hessen zaigent an, das sy von iren gnedigsten und gnedigen herren des kain bevelch habent. Jedoch so ist beschlossen, mit dem Kf. von Brandenburg derhalben zu handlen, das sin kfl. Gn. by ksl. Mt. erfare, wie der frid und recht nach verschynung der 6 monaten uffgericht solte werden. Daruff wartet man und ist mittlerzit in der religion wyter ouch nichts gehandlet. So hab ich den potten lenger nit uffhalten wellen.

Es wellend etlich noch immerdar achten, es stande mit dem Turgken nit so ubel. Es ist wol zu schelten, das die protestierenden nit besser kuntschaft haben und die andern sich also halten, das man inen ires anzaigens nit vertruwen mag.

Die pottschaft ist zu Hg. Ulrichen verritten, und hat der hertzog syther sin gepott der proviandt halb gescherpft, also das man denen von Esslingen nichts darf verkuffen, so die iren schon in das land kument. Gliches verpott hat er an etlichen orten deren von Ulm halb ouch thun lassen. Was bedut, waist Gott. Es stond all sachen gefarlich.

Ich hab allerlay ursachen, worum disse concordia schwer, sorgklich und gefarlich und derhalben lichtlich nit zu willigen sye, zusamen in ain schrift gebracht [Nr. 126] und, wann nun jeder sin mainung angereckter verglichung halb anzaigen soll, bin ich willens, euerer prediger verzaichnus von dem artikel den [sic!] justification und damit ouch disse ursachen in der versamlung zu verlesen in irem, der prediger, namen und darby vermelden, das ew mainung ouch also stande. Wo aber euere W. ain mangel oder bedencken darin hettent, möchten sy mich des zum furderlichsten berichten, so wellt ich, waß uch misfallen wurd, widerruffen, dann sunst wird ich in kurtzen tagen euerer W. entliche mainung der concordia halb eröffnen mussen. Disse verzaichnus hab ich sampt dem buch den predigern geschickt. Die werdent dieselben euerer W. zustellen. Ir begriff der justification halb wirt darvor ston. Datum, 6. Julij–b.

Anmerkungen

a
–a Von Zwick eighd.
b
–b Von Zwick eighd.