Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 11. Die Reichstage zu Augsburg 1510 und Trier/Köln 1512 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Ablehnung einer Einbeziehung des Papstes und der Kgg. von Aragón und England in die Verhandlungen, Befürwortung eines Bündnisses mit dem Ks. als Rückhalt gegen Frankreich; [2.] Kein Frieden oder Bündnis mit Frankreich ohne Berücksichtigung des Ks.; [3.] Zustimmung zur Wiedereinsetzung der mailändischen Hgg., damit verbundene Gewinne; [4.] Drängen auf Vollmacht für die Gesandten aller eidgenössischen Orte.

Bern, [4. Juli 1512]1

Bern, StA, Allgemeine eidgenössische Abschiede Bd. M, pag. 289-290, Kop. (Unterschrift: Stattschriber[= Thüring Fricker]).

[1.] [...] Und nachdem uf disem tag mit röm. ksl. Mt. gehandelt sol werden, wil minen Hh. anfangs nit gevallen, in denselben handel die Bäpstliche Hlkt., Kg. von Hispanien oder Engelland zu ziehen. Aber ksl. Mt. und besunder die erbeynung zu bessern und zu sterken und namlichen hilf umb hilf und doch alwäg in ksl. Mt. sold und costen, ouch zu handhabung der erblichen land, und wie dann darumb ein march [= Markierung, sichtbares Zeichen] angezeigt möchte werden, darin haben ir gewalt, mit andern zu handlen und zu beschliessen, als das die notturft gegenwurtigen löufen nach wol vordert. Dann nachdem der frankrichisch Kg. durch ein Eydgnoschaft us Italien vertriben und deshalb der krieg und die vindschaft vorhanden ist, achten min Hh. not sin, einen ruggen zu haben, damit si iren vigenden [= Feinden] allzit dester furer mogen begegnen.

[2.] Ir haben ouch gewalt, ksl. Mt. zuzesagen, mit Frankenrich deheinen friden noch pundnus anzunämen, dieselb ksl. Mt. sye dann darin begriffen und versächen. Desglichen begeren min Hh., sich widerumb ouch zu beschächen.

[3.] Und [wenn] von dem eroberten Hgt. Meyland und andern stetten und schlossen anzug beschäche, wolte minen Hh. irs teils gevallen vor allen dingen, die vertriben Hgg. wider inzusetzen und ouch denen hilf und handhabung zu tund und dagegen die 300 000 tuggaten, ouch die 50 000 tugaten pension zu nämen und daby ouch zu behalten die anstossenden schloß, stett und land des gebirg als Lowers [= Lauis], Luggarn [= Locarno], Thum [= Domodossola] und Cum [= Como], wie dann darvon witer geredt mag werden.

[4.] Und soverre in dem handel mit ksl. Mt. nit jederman gewalt hätte zu beschließen, damit dann usträgenlich gehandelt möchte werden, so geviele minen Hh., das dieselben boten, so nit gewalt hätten, ab dem tag iren Hh. und obern verkundung täten und hinwider von inen antwurt werden und deshalb nit voneinandern schieden, der beschluß wäre dann vorhin beschechen. In dem allen wussend ir zu handlen nach nutz, er und notturft miner Hh. 2

Anmerkungen

1
 Die Datierung ergibt sich aus Anm. 2.
2
 Dazu der Eintrag in den Berner Ratsmanualen unter dem Datum sonntag Ulrici [4.7.12]: Ein instruction uf den tag Zurich. [...] Die erbeynung zu verpessern gevalt minen Hh., und namlich hilf umb hilf. Darin allwegen sin ksl. Mt. costen und zu handhab erpliche land und wyter die march erlutert mag werden. Desglichen dehein vereynung noch befridung zu machen, dann jeder teil den andern inbeschliesse. Ouch witer mit dem Bapst, Hispanien oder andern eynung zu machen bedunkt min Hh. nit not. Danne die Hgg. inzusetzen und dann die land am geburg und die pension und die 300 000 duggaten zu nämen, mogen min Hh. erliden. Und damit verträgenlich gehandelt mog werden, gevallt minen Hh. Bern, StA, Ratsmanuale Nr. 155, pag. 34-35.