Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

Nr. 1029 Hans Ungelter d. Ä. (Esslinger Ratsherr) an Bm. und Rat von Esslingen – [Augsburg], 26. Juni 1517 (fritag nach Johannis)

Stuttgart, HStA, H 53 Bü 89, o. Fol., Orig. Pap. m. S. (aus den Schwäbischen Bundesakten der Rst. Esslingen).

Hat heute erfahren, dass sich der Ks. in Rothenburg ob der Tauber aufhält und mit den ihm vom Reich zugesandten reisigen Knechten verhandelt. Dem Vernehmen nach will er nach Nürnberg weiterziehen. Er hat die drei Hauptleute des Schwäbischen Bundes beauftragt, eine Bundesversammlung nach Nördlingen einzuberufen, zu der er Räte schicken wird. Die Zusammenkunft ist für den 26. Juli (sontag nach Jacobi) anberaumt und dem Ks. benannt worden. Ob er den Termin akzeptieren oder einen anderen bestimmen wird, kann niemand sagen. Und sol der reichstag zu Menz fur sich gen.

Nr. 1030 Wilhelm von Rappoltstein (ksl. Hofmeister) und Gabriel Vogt (ksl. Kammersekretär) an Ks. Maximilian – Augsburg, 2. Juli 1517

[1.] Ergebnisloses Ende der hiesigen Versammlung des Schwäbischen Bundes; [2.] Vorschlag der Bundesstände für eine weitere Zusammenkunft am 25. Juli; [3.] Bitte an den Ks. um Bescheid.

Marburg, StA, Bestand 3 Nr. 373, fol. 3–4, Orig. Pap. m. S. und eigenhändigen Unterschriften (Vermerke: Zu handen H. Johann Renners etc.; cito, citissime).

[1.] /3a/ Nach ihrem Eintreffen in Augsburg vor zwei Tagen wollten sie beide gestern Abend noch mit den Ständen des Schwäbischen Bundes sprechen, was aber nicht möglich war. Heute Morgen wurden sie erneut vorstellig, trugen die ksl. Weisung (Nr.1027) vor und erhielten von den Ständen zusammengefasst zur Antwort, daz dieser pundstag ietz sein end hab. So haben sy nach vermugen irer ordnung und verainigung, auch irer phlicht nit macht, ichts weiters zu handlen. Ir gewalt erstrecken sich auch nit weiter dann auf die handlung, darumb der pundstag ausgeschriben, die nun geendet ist, dann was auf ainem pundstag gehandelt werden sol, mueß vor ausgeschriben und angezaigt und darauf die gewalt der potschaften gestellt werden. Darumb, ob sy gleich ietz zu eur Mt. zugen, so wer die mue und costen umbsunst, dann sy möchten ye nichts handlen.

[2.] Dann der zeit halben des furgenomen pundstags zaigen sy glaublich an, das die kürzer weder [= als] auf die zehen oder zwelf tag nit abgeschniten werden mug, dann die haubtleut haben gnug zu schaffen, die brief zu vertigen und auszuschicken und die stend, anzukumen auf St. Jacobstag [25.7.17], der von sambstag nechstkünftig [4.7.17] über drey wochen ist. /3b/ Wol haben sy uns angesprochen, ob wir bevelh hetten, inen die hendl, so eur Mt. an sy pringen wolt, zu entdecken, damit die durch die haubtleut in die ausschreiben des pundstags gestellt. Dardurch würden die sachen auch dest mer gefurdert. Dieweil wir aber dess von eur Mt. nit underricht noch bevelh haben,[haben] wir inen nichts davon sagen mügen.

[3.] Als die Bundesstände ihre unverzügliche Abreise ankündigten, konnten sie beide sie bewegen, noch bis morgen Mittag zu bleiben, damit zwischenzeitlich weitere Anweisungen des Ks. eingeholt werden können. Aber eur Mt. sol nit gedenken, daz es die maynung hab, daz eur Mt. ietz ainich handlung oder den pundstag kürzer weder auf Jacobi erlangen mug, sunder allain, das sich eur Mt. entsliess, ob eur Mt. die sachen, so eur Mt. mit dem pund zu handlen hat, inen ietzo in der versamblung furhalten lassen well, den pundstag darauf auszuschreiben oder aber dieselben sachen allain den dreyen haubtleutn, die hie pleiben, zu erkennen geben (als auch gnug ist), dann dieselben haben bevelh, solh eur Mt. maynung zu ver /4a/nemen und auszuschreiben oder ob eur Mt. der versamblung sunst etwas vorgebens furhalten lassen wollt. Der Ks. möge deshalb bis spätestens morgen Mittag seinen Bescheid übermitteln, denn dann werden die Bundesstände abreisen.

Nr. 1031 Hans Ungelter d. Ä. an Bm. und Rat von Esslingen – [Augsburg], 3. Juli 1517 (fritag St. Ulrichsabent)

Stuttgart, HStA, H 53 Bü 89, o. Fol., Orig. Pap. m. S. (aus den Schwäbischen Bundesakten der Rst. Esslingen).

Der Ks. hat am 1. Juli (Unser Lb. Frauen abent) seinen Hofmeister (Wilhelm von Rappoltstein) und seinen Kammersekretär Gabriel Vogt zu den in Augsburg versammelten Ständen des Schwäbischen Bundes geschickt und diesen sagen lassen, es sei zwar auf sein Ersuchen hin zum 25. Juli (Jacobi) eine Bundesversammlung nach Nördlingen einberufen worden, doch seien zwischenzeitlich für das Reich und den Bund derart wichtige Umstände eingetreten, dass man nicht bis zum genannten Termin warten könne. Die Bundesstände sollten daher unverzüglich nach Nördlingen aufbrechen oder, falls dies wegen wichtiger Angelegenheiten nicht so rasch möglich sei, wenigstens bis in zehn oder zwölf Tagen dorthin kommen. Die Bff. (Georg) von Bamberg, (Gabriel von) Eichstätt und (Christoph von) Augsburg, die Hgg. Wilhelm und Ludwig von Bayern sowie Mgf. Kasimir von Ansbach-Kulmbach würden ebenfalls erscheinen.1Die Bundesräte antworteten darauf, sie hätten keine ausreichende Vollmacht, um hierüber eine Entscheidung zu treffen, wollten aber das Ersuchen an die Bundesstände weiterleiten. Daraufhin ist heute eine Nachricht des Ks. eingetroffen mit der Aufforderung, bis zum 4. Juli (morgen St. Ulrichstag) in Augsburg zu bleiben, da er selbst dorthin kommen werde. Was er vorbringen will, ist nicht bekannt.

In der Angelegenheit der Kaufleute, denen ihre Waren im pfälzischen Geleit weggenommen worden sind, erklärten zwei Abgesandte Kf. Ludwigs von der Pfalz, dieser sei bereit, das recht vor dem pund zu nemen. Dies wollten die Geschädigten nicht akzeptieren, weil die pfälzischen Vertreter keine Vollmacht besaßen. Ihnen wurde gestattet, die Sache heimzubringen und binnen vierzehn Tagen den Bundeshauptleuten Antwort zu geben.

Anmerkungen

1
 Am 7. Juli 1517 (dinstag St. Kiliansabent) schrieb Bf. Georg von Bamberg an Mgf. Kasimir von Ansbach-Kulmbach, er habe diesem bereits mitgeteilt, dass er vom Ks. zur Teilnahme an der Versammlung des Schwäbischen Bundes in Nördlingen aufgefordert worden sei, woraufhin ihn der Mgf. gebeten habe, seinen Weg über Ansbach zu nehmen. Da er nun vom Ks. nochmals um sein Kommen ersucht worden sei, werde er, wenn es beim Tagungsort Nördlingen bleibe, gerne über Ansbach reisen, um sich mit Mgf. Kasimir zu besprechen. Bamberg, StA, Markgraftum Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, Geheime Landesregierung Nr.1319, o. Fol., Orig. Pap. m. S. (Vermerk: In seiner lieb handen). – In einem weiteren Schreiben aus Bamberg vom 9. Juli 1517 (donnerstag nach Kiliani) teilte Bf. Georg Mgf. Kasimir mit, sein Landschreiber (Johann Scharf) habe bei seiner Rückkehr von der Augsburger Bundesversammlung über das dortige Verlangen des Ks. nach einer Hilfe berichtet, woüber auf einer weiteren Zusammenkunft in Nördlingen am 25. Juli (Jacobi schirst) verhandelt werden solle. Der mgfl. Gesandte Sigmund von Lentersheim, die Vertreter Hg. Wilhelms von Bayern und der Bamberger Landschreiber hielten es für notwendig, dass man bereits am 24. Juli (St. Jacobsabent) in Nördlingen zusammenkomme, um vorab über die verlangte Hilfe zu beraten. Da seines Erachtens auch EB (Albrecht) von Mainz an besagter Angelegenheit viel liege, möge Mgf. Kasimir diesen um Beschickung des Treffens bitten. Bamberg, StA, Markgraftum Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth, Geheime Landesregierung Nr.1319, o. Fol., Orig. Pap. m. S.