Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Auftrag zu Sondierungen beim Ks. hinsichtlich dessen Einstellung zur Bedrohung des Deutschen Ordens durch Kg. Sigismund von Polen; [2.] Ignorieren der Ladung zum Reichstag; gegebenenfalls Bitte an die versammelten Reichsstände, den Ks. zur Hilfeleistung für den Orden aufzufordern.

Berlin, GStAPrK, XX. HA, OF Nr. 38, fol. 329a–330a, Kop.

/329a/ Instructio, was dem wirdigen und gaistlichen H. Georgen von Eltz, teutzordens obermarschalk, uf die getane schryft [liegt nicht vor], was er bits uf montag nach invocavit [11.2.16] an ksl. Mt. hof ausgericht, weyter zu solicitirn bevolhen, volgt hernach

[1.] Erstlich haben wir dieselbige schryft inhalts und nach der leng verlesen lassen, uns dieselbige zum tayl gefallen haben, sambt unsern prelaten und ratsgebietigern darauf geratschlagt, als nemblich, das wir der ersten abfertigung, euch mitgegeben [liegt nicht vor], iren furgang lassen sollen. Darauf ir euch vleissig bearbeiten solt, zu erlernen, was gewalts und wieweyt ksl. Mt. von kgl. irleuchtigkeit [Sigismund] von Polen gemechtigt sey, damit man in erfarung kem, was röm. ksl. Mt. bey unserm orden ton wolt oder nit und sonderlich zu diesem mal ainen entlichen abschid von ir ksl. Mt. flehlich begeren und bietten, doch also, wo ir befindt, das euch nichts fruchtbarlichs von ksl. Mt. begegnet, wollet euch nichtsdesterweniger befleissigen, ksl. Mt. zu erbietten, das dieselbig diesen handel dergestalt furfaß und anhengig mache, das wir und unser orden von kgl. irleuchtigkeit von Polen kains gewaltigs uberfals gewarten, auch den ewigen fried1 zu schwern erlassen werden.

[2.] /329b/ Zum andern den angesatzten reichstag haben wir beratschlagt, das man denselbigen zu diesem mal, nachdem es ain gemayn ausschreyben [Nr.536] ist, mit aynem stiellschweigen ubergeen.2 Derhalben so wollet denselbigen also beruen lassen und nichts ferners davon anregung ton, allein, wo die Kff. und Ff. des hl. röm. Reichs uf diesem reichstag perschonlich erscheinen würden, solt ir nach laut unsers freuntlichen, lb. bruders Mgf. Cazimirs [von Ansbach-Kulmbach] rat und gutdünken, euch gegeben, denselbigen Kff. und Ff. diesen tapfern, wichtigen handel, dem hl. Reich, der ganzen cristenheit und inen allen daran gelegen, offenbarn und aufton, iren rat und hielf in unserm und unsers ordens namen freuntlich bietten und suchen, was wir und unser orden ferner in diesem handel furnemen sollen dan, wo wir solichs die lenge nicht mehr ausharen und erschwingen konnen. Und sonderlich soll an gedachte Kff. getragen und gebeten werden, das sie in ainer gemayn ksl. Mt. personlich ansuchen und ufs hochst bietten, domit ksl. Mt. dohyn geweist wird, also in unsers ordens sache ain ansehen zu haben, domit ir ksl. Mt. gemayner deutzscher nation, dem hl. Reich und der ganzen cristenheyt dardurch kain abbruch von der kron von Polen oder von andern umbligenden Hftt. widerfare. Welchs wir, wie gemelt, on ir hielf und beystant nicht lenger konnen erholen, sonder soll hiemit auch entlich, was sye bey unserm orden ton wollen, gesucht und nicht vergessen werden. /330a/ Solichs haben wir uf dietsmal uf diesem reichstag auszurichten beratschlagt, dornach ir euch als ayner, der dieß handels erfaren, unserm orden zum besten wol werdt haben zu richten. Actum am montag nach quasimodogeniti Ao. etc. im XVIten.

Anmerkungen

1
 Gemeint ist der zweite Thorner Friede von 1466.
2
 Über die Beratung Hochmeister Albrechts mit seinen Räten liegt folgendes Protokoll vor: Am dornstag nach judica [13.3.16] hat meyn gn. H. seiner Gn. reten die schryft, so H. Jorg von Eltz seinen ftl. Gn. getan, verlesen lassen. Darauf ist beratschlagt, das mein gn. H. dieselbigen meinem gn. H. [Bf. Hiob] von Riesenburg [= Pomesanien] zuschicken soll, seiner lieb rat als ayns verstendigen zu gebrauchen, denselbigen alzo begreifen, damit, was zu antwort zu geben von noten, das solchs in ain instruction gestalt wird und furter den reten widerumb furgetragen. Des reichstags halben ist fur gut angesehen, das man denselbigen mit aynem schweigen ubergeen. Aber in der haubtsach meinen gn. H. und die kron von Polen belangend ist beratschlagt, das man bey ksl. Mt. arbaite, das dieselbig dieser gestalt anhengig gemacht wird, damit mein gn. H. kayns uberfals, auch den ewigen fried zu schweren von kgl. irleuchtigkeit von Polen gewarten dorf. Wo auch die Kff. und Ff. des Reichs uf diesen reichstag personlich erscheinen, soll nach laut Mgf. Casimirs [von Ansbach-Kulmbach] rat denselbigen dieser handel aufgeton werden, iren rat bietten, was mein gn. H. und der orden furnemen sollen und sonderlich, das sie in ayner gemeyn ksl. Mt. personlich ansuchen, alzo in des ordens sach zu sehen,damit deutscher nation kain abruch von der kron von Polen begegen etc., auch nicht vergessen, das Gott verhuet, wo ain todlicher fall an ksl. Mt. geschee, wie diese sach, ehe sie vertragen, beygelegt mocht werden etc. Berlin, GStAPrK, OBA Nr. 20791, Orig. Pap.