Reichstagsakten Mittlere Reihe. Reichstagsakten unter Maximilian I. Band 12. Die Reichstage zu Worms 1513 und Mainz 1517 bearbeitet von Reinhard Seyboth

[1.] Auftrag zur Abstimmung mit den übrigen Versammlungsteilnehmern; [2.] Mutmaßliches Verlangen der ksl. Kommissare nach Stellung von Truppenkontingenten entsprechend der Hilfe des Hauses Österreich oder einer viermonatigen Hilfeleistung gemäß der Bewilligung für den Ungarnfeldzug (1505); [3.] Bezugnahme auf den Abschied des Kölner Reichstags (1512) in der ständischen Erwiderung; [4.] Bestimmungen des Reichsabschieds für den Fall eines Angriffs auf ein Reichsglied; [5.] Problem der nicht erfolgten Einsammlung des Gemeinen Pfennigs als eigentlich notwendiger Grundlage für den Sickingen-Feldzug; Ersuchen um Einberufung eines neuen Reichstags; [6.] Bei Ablehnung dieser Antwort durch die ksl. Kommissare Pochen auf die Bestimmungen des Kölner Reichsabschieds; [7.] Im Fall von Hintersichbringen Orientierung der Gesandten an den anderen Fürstenvertretern; [8.] Angebot zur Stellung einer bestimmten Anzahl von Berittenen und Fußsoldaten; [9.] Gehorsamsbereitschaft Bf. Georgs und Mgf. Kasimirs gegenüber dem Ks.; [10.] Umfang der Truppenkontingente beider Ff. laut dem Kölner Reichsanschlag (1505).

Nürnberg, StA, Ft. Ansbach, Kreistagsakten Nr. 1, fol. 122a–122da, Konz.

Regest: Hartung, Geschichte, Beilage Nr. 3.

/122a/ Unterrede zwischen [Bf. Georg von] Bamberg und [Mgf. Kasimir von] Brandenburg der handlung halben zu Sweinfurt bei der ksl. Mt. geordenten comissarien

[1.] Item sopald man gein Sweinfurt kumbt, geburt sich,[sich] bei ksl. Mt. comissarien doselbst anzuzaigen. Aber daneben sollen bambergisch und brandenburgisch rete vleis haben, bei der andern Ff. reten, so daselbst erscheinen, auf das fuglichst zu erlernen, was gemüts sie in solichem ausschreiben [Nr.613] sein, und ob inen samptlich soliche erfarung nit allenthalben bequem sei wolt, das dann ein jeder mit den furstenreten, die ime am besten verwant oder am wenigsten widerwertig sein, vertraulich und in gehaim davon rede, ob sie sich alle irer antwurt fuglich vergleichen konten. Desgleichen mocht mit den andern stenden oder iren gesanten, so gein Sweinfurt kumen, do man sich gehaim oder vertrauens versehe, auch geredt werden.

[2.] Item so man nun zu der handlung kumbt, wurd sich geburn, die kaiserischen in irem begern zu horn, das, als man sagt, ungeverlich uf nachvolgend maynung stehen solt: Nemblich, das sie erstlich das gemelt ksl. Mt. ausschreiben sumarie narrirn und sonderlich anzaigen werden,/122b/ was ksl. Mt. von des haus Osterreich wegen von volk und artlerei [= Artillerie], wie dann irer Mt. ausschreiben auch meldt, zu solichem zug schicken wolle, mit begere, das die stende gedachts gezirks sich mit irer hilf demselben gemeß anlegen und laut ksl. Mt. ausschreiben bei Worms ins felt volk und gelt schicken sollen, oder das die stende die hilf, so zu Koln, als ir Mt. darnach gein Hungern zohe, angelegt worden ist1, tun wollen. Und wiewol damals soliche hilf auf ein jar bewilligt worden ist, so woll sich doch ir Mt. der itzo uf vier monat genügen lassen. Und werden die stende deshalb uf das hochst und bei iren pflichten etc. vermant werden.

[3.] Item so dann darauf bedacht genomen wurd und sich der Ff. rete sampt den Gff. und Hh., so deshalb erscheinen, ausserhalb der stet botschaften, wie in des Reichs sachen gebrauch ist, underreden, mag uf obgemelt oder dergleichen furhalten und begeren ains jeden F. gesanter rat fur sich selbst in der versambnung sagen,/122aa/ sein H. were ksl. Mt. zu aller undertenigen gehorsam willig, wolt von diesem handel unvergriffenlich und uf verpesserung der andern reden und also, dieweil dieser handel alle stende des hl. Reichs betreff und sich ksl. Mt. ausschreiben uf den jungsten abschied des Reichs zu Koln zihe, wolt sich seins achtens geburn, denselben kolnischen abschied fur hand zu nemen und zu horen, damit demselben gemeß und nit dawider gehandelt wurde etc. Und ist wol versehenlich, das solichs nymand misfaln moge.

[4.] Item so dann derselbig kolnisch abschied gelesen, wurd sich daraus unter anderm finden, ob imand, dem hl. Reich unterworfen, Kff., Ff. oder ander stende, so dem hl. Reich auch unterworfen und in des hl. Reichs hilf sein, wider den ufgerichten landfriden vergeweltig, bevehd, abclag, bekrieg oder das ir mit gewalt on recht nemen wurde etc., wie es damit der angezaigten gezirk halben gehalten wird, wie auch die haubtleut in den angezeigten gezirken in solichen sachen uf ausgangen acht-, bann- und executorialbrief handeln und wo der handel in solchem zu schwere und lestig were,/122ab/ das solichs durch die haubtleut und zirkl nit erhebt werden mocht, das alsdann der haubtman, in des bezirk die hilf bescheen, solichs an ksl. Mt. oder, so sein Mt. nit in der nehe vorhanden were, an meinen gnst. H., den EB [Albrecht] zu Menz, gelangen lassen solt, die andern stende des hl. Reichs an gelegen malstat zusamenzufordern, zu beratschlagen, zu handeln und furzunemen, damit solich beschwerde abgewendt werde etc., und das derselbig cost, so in obbenanter hilfe geschicht, auf ksl. Mt. und alle stende in gemain geschlagen und auspracht und von gemainem anschlag darnach gesetzt, das ist von dem gemainen pfennig, der zu dieser des Reichs underhaltung friedens und rechtens und ander genomen werden solt.

[5.] Darauf soll der angefragt furstenrat nach verlesung des gemelten kolnischen abschieds weiter sagen, er woll abermals unvergriffenlich und uf verpesserung der andern davon reden und beweg es also, dieweil der gemain pfennig, dorauf die ordnung /122ba/ solichs kolnischen abschieds furnemblich gegrundt, nit gefallen und ander vil derselben artikel gemelts abschieds, wie sich daraus erfinden wurd und gemelt werden mog, nit volzogen worden sein, das sich auch zuvorderst gebur, die stende des Reichs nach vermogen gemelts kolnischen abschieds, wie obsteet, zusammenzubeschreiben und mitainander zu ratschlagen etc., so besorg er, das den stenden des gezirks nit wol geburen woll, solichen abschied zu verneuen und darin etlich endrung ze tun, damit ine nit aufgelegt werde, als wolten sie sich allain untersten, im einich neue ordnung zu machen oder enderung in des Reichs abschied ze tun, sonder mehre die notturft erfordern, das ksl. Mt. derhalb ainen gemainen reichstag ausschrieben. Was dann ksl. Mt. zu untertenigem gefallen, auch dem hl. Reich zu gut kumen moge, darzu werde sein H. seins vermogens getreulich furdern und helfen und keinen mangel an ime sein lassen.

Wo aber die andern gegenwertigen botschaften /122bb/ und stende es dafur ansehen, das in dieser versamblung etwas uf den kolnischen abschied ksl. Mt. begern nach fuglich beschlossen und getan werden möge, soll bei im von wegen seins F. auch nit erwinden, dann er wisse seinen F. ksl. Mt. zu aller untertenigen gehorsam geflissen.

Nota, wo dann die stende des gezirks nit alle ankumen oder deshalb gevolmechtigt schicken, mocht dasselbig in obgemelt reden auch gezogen und gesagt werden, man kont auch bedenken, dieweil die stende des gezirks nit alle ankumen oder gevolmechtigt weren, das dan andern schwer were, fur dieselben etwas zu beschliesen.

[6.] Item wo sich die versamelten stende vorgemelter antwurt vergleichen und die keiserischen das annemen, so bestunde es darauf. Wo aber die keiserischen soliche antwurt nit annemen, sonder dergleichen maynung sagten, das nit not were, das sich ainer uf den andern behulf, wann sonst geschee ksl. Mt. numer kain hilf, und wurden die versamelten ufs hochst und bei iren pflichten etc. vermant, ist mit voriger maynung abzulainen, nemblich, das der gemelt jungst kolnisch /122ca/ abschied in kain werk kumen sei, das auch die reichsstende laut des abschieds zusamenbeschrieben und nit dermasen gesondert tege gehalten werden sollen, gebure diesem gezirk nit, denselben abschied on die andern reichsstende zu verneuen oder ksl. Mt. begern nach etlichermas zu endern und aus irem peutel zu geben, das nach vermogen des kolnischen abschieds von dem gemeinen pfennig genomen worden sein solt, mit bete, solichs nit anderst dann irer grossen notturft nach zu vermerken.

[7.] Item wurden die kaiserischen den gesanten botschaften sagen, so sie derhalb nit gnug gemechtigt weren, eylend hinder sich zu bringen und antwort zu geben etc., wie sich dann solichs hindersichbringens halb ander Ff. rete und botschaften halten, also sollen sich bambergisch und brandenburgisch rete auch halten.

[8.] Item so aber ksl. Mt. je zu gemeltem zug ein hilf getan werden solt, ist bedacht, das soliche hilf mitnichte uf gemelten abschied zu /122cb/ Coln, sonder sonsten aus untertenigem willen erboten werde und geschee und nemblich also, das sich der bambergisch geschickt erbite, ksl. Mt. 12 zu roß und 21 zu fuß vier monat zu schicken, sovern anderst die andern gezirk irer Mt. auch schicken und solicher zuge furgang gewin, wann on der andern gezirk schickung wer ksl. Mt. diese hilf unfurtreglich, wie ir Mt. wol ermessen konn. So soll sich der brandenburgisch dergleichen erbieten, 16 zu roß und 24 ¼ zu fußen zu schicken. Item wurden aber die andern stende des gezirks vermerkt, diese hilf der alten kolnischen hilf gemeß und nit weniger zu tun, sollen bambergisch und brandenburgisch rete auch nit abschlagen.

[9.] Item was der abschied sein wurd, sollen die gesanten die comissarien biten, ir erbieten ksl. Mt. zum besten zu eroffnen,/122da/ wann bede Ff. ksl. Mt. furter wie bisher zu aller gehorsam erfunden werden wellen, wie dann solichs die gesanten mit fuglichen worten wol zu reden wissen

[10.] Nota, in vorgemeltem alten kolnischen anschlag ist Bamberg ufgelegt worden 16 mann zu roß und 28 zu fußen.

Nota, so ist Brandenburg hie aus aufgelegt 24 zu roß und 33 ¼ zu fuß.

Und macht die suma derselbigen ganzen hilf on die ausgezogen an den raisigen 1058 pferde und 3038 zu fußen.

Anmerkungen

1
 Reichsanschlag über 1000 Reiter und 1000 Fußsoldaten, Köln, 28./29. Juli 1505. Heil, Reichstagsakten 8, Nr. 363.